DER GEFALLENE ENGEL
von Severina
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Kapitel 16 - 20
16.
Mit einem teuflischen Grinsen fing Malfoy die
flüchtende Frau mitten im Lauf ab und packte sie mit festem Griff. Ehe Angelina
realisierte, was soeben passierte, drängte Lucius sie durch die offenstehende
Tür ins Zimmer und verschloß sie gleich darauf magisch. Keinem war es nun ohne
weiteres möglich, das Zimmer zu betreten, es zu verlassen war noch weitaus
schwieriger. Die junge zitternde Frau erfuhr es am eigenen Leib.
Kaum hatte sich die Tür geschlossen, wurde sie mit
ganzer Kraft an das harte Holz geschleudert und von dem Mann massiv bedrängt.
Gierige Blicke tasteten ihren Körper schamlos Zentimeterweise ab und sein
Unterleib presste sie schmerzhaft gegen die Türfüllung. Mit einer Hand packte
er ihr Kinn und hob es in die Höhe, sodass Angelina direkt in die eiskalten
grauen Augen blickten musste.
„Na meine Liebe. Du hattest es aber eilig, in meine
Arme zu kommen. Ich werde dich nicht enttäuschen, du wirst bei mir auf deine
Kosten kommen. Du kleine Kratzbürste.", lachte er kalt auf, als die Frau verzweifelt
versuchte sich zur Wehr zu setzen. Um sich schlagend und kratzend, versuchte
sie den Bedrängungen Malfoys auszuweichen. Mit schnellen Griffen fasste er ihre
Hände und schlug sie hart an die Tür. Seine Stimme troff vor Hohn, als er leise
flüsterte: „Du stehst also auf die harte Tour, mein Täubchen. Auch gut."
Und bevor Angelina nur den Funken einer Chance
hatte, wurde sie von Lucius brutal auf das große Bett geschleudert, das fast
die Hälfte des Zimmers einnahm. Ohne irgendwo einen Halt zu finden versank sie
in den weichen Kissen und sofort war Malfoy über ihr, um , vorgewarnt, erneut
ihre Handgelenke zu packen und sie straff über ihren Kopf zu halten. Sein
Gesicht kam dem ihren immer näher und seine langen blonden Haare strichen über ihre Wangen , aus seinen Augen war die
Kälte verschwunden und machte Erregung, Gier und Verlangen Platz. Angelinas
Augen weiteten sich vor Abscheu, als er seine Lippen feucht und gierig auf die
ihren legte und sie verlangend küsste. Seine Zunge drang fordernd durch ihre Lippen
und füllte ihre Mundhöhle fast völlig aus. Die junge Frau glaubte, ersticken zu
müssen und warf sich wild hin und her. Darauf hin presste Malfoy seinen Körper
noch fester auf die sich wehrende Angelina, in der Intensität seiner Küsse
nicht nachlassend und gab ihr zu verstehen, dass er sie begehrte, jetzt und
hier. Angelina spürte erschauernd die harte Männlichkeit und volle Erregung des
Mannes, die sich schmerzhaft auf ihrer Scham rieb. Angstschweiß trat auf ihre
Stirn und hektisch überlegte sie sich eine Möglichkeit, dem Unglück zu
entkommen.
Lucius begann langsam, mit heißem Atem, haltlos
ihren Hals mit kleinen Bissen zu traktieren und suchte durch den Stoff hindurch
nach ihrer Brust.
„Malfoy, hören Sie sofort auf, oder.........",
schrie Angelina, die endlich wieder nach Luft ringen konnte.
„Oder was, meine Liebe? Du willst mir drohen und
hast keine Ahnung, mit wem du dich hier einlässt.", höhnte seine Stimme.
„Von Einlassen kann wohl keine Rede sein.", fauchte
Anglina zornig.
„Das ist eine ganz miese Veranstaltung, Malfoy und
ich schwöre Ihnen, das hat Konsequenzen. Prof. Dumbledore................."
„Ehe dein lieber Dumbledore etwas erfährt, ist es
für dich zu spät, Angelina. Oder sollte ich lieber Amy sagen? Du siehst, ich
bin bestens informiert und so entging mir auch nicht, dass Dumbledore vor einer
Stunde Hogwarts verlassen hat." Malfoy genoß seinen Triumph und weidete sich am
Erschrecken der Frau.
„Also gut, Malfoy.....Lucius. Was willst du von mir
genau?", versuchte Angelina jetzt einen anderen Weg. Vielleicht half Hinhalten
und Ablenken ein wenig, bis ihr irgend etwas einfiel.
Im Moment war sie auf der sicheren Seite, war bekleidet und auch Malfoy trug samt Umhang
noch alles.
Er hatte seine Position geändert und saß nun mit
gespreizten Beinen auf ihren Schenkeln, die nun anfingen taub zu werden.
Sie wusste, für ihn als Zauberer war es ein
leichtes, Macht über sie zu erlangen und seinen Willen zu bekommen. Doch auch
ohne Zauberstab würde seine körperliche Kraft ausreichen, um sie unterliegen zu
lassen. Dieser Zustand erfüllte Angelina mit unbändigem Zorn, doch noch konnte
sie ihn nicht in Worte fassen. Ein falsches Wort und sie würde es wohl im
gleichen Moment bereuen.
„Was glaubst du würde ich von dir wollen. Eigentlich
gab ich mir Mühe, es dich schon fühlen zu lassen.", und mit süffisantem Lächeln
schaute er auf sie herab.
„Aber woher willst du wissen, ob ich auf die harte
Tour stehe.", hakte Angelina nach.
„Ich war einfach nur zu überrascht, dich hier
vorzufinden und glaubte, jemand anderes wollte mich überfallen. Daher die
Gegenwehr."
Malfoy musterte sie mit einem Blick aus Wut und
Unglaube. Er wollte nicht reden, er wollte diese Frau und zwar jetzt.
Schmerzhaft machte sich ein Ziehen in seinem Unterleib bemerkbar und er fing
an, leicht zu zittern.
„Bitte, Lucius.", flüsterte die Frau ängstlich und
blickte fest in die grauen Augen. „Lass uns doch einen Schluck Wein oder ein
Glas Sekt trinken. Das gibt der Stimmung etwas prickelndes und steigert die
Spannung."
„Bei mir muss nichts mehr gesteigert werden, aber
ich will kein Unmensch sein. Auf dem
Tisch stehen zwei Gläser Wein, so stoßen wir an auf diese Nacht.", grinste er
sie gierig an, ließ sie jedoch aus der Umklammerung und half ihr aus dem Bett.
Da ihre Beine jedoch längere Zeit durch sein Körpergewicht abgedrückt worden
waren, konnte sie nicht stehen und fiel gegen seine Brust, von ihm aufgefangen
und an sich gepresst.
„Du kannst es wohl doch nicht mehr erwarten?",
murmelte er heiser.
„Es geht gerade noch. Meine Beine sind
eingeschlafen.", antwortete sie ein wenig schnippisch, was für kurze Zeit
seinen üblichen arroganten Ausdruck auf sein Gesicht brachte.
„Ich muss das hier nicht. Du kannst dich gerne
wieder legen und wir verzichten auf den Wein.", raunzte er ungehalten.
„Entschuldige bitte.", murmelte Angelina, aus Angst,
die Zeit des Aufschubes zu verlieren.
Stumm nahm sie das von Malfoy gereichte Weinglas und
drehte es nachdenklich zwischen ihren Fingern, dann nippte sie leicht daran.
„Großen Durst scheinst du nicht zu haben.", meckerte
Lucius.
Aus großen Augen sah Angelina dem blonden Mann
entgegen und konterte: „Ich möchte ihn nicht wie Wasser hinunter schütten. Wenn
ich betrunken bin, kann ich nicht genießen, du weißt was ich meine." Sie
versuchte einen koketten Augenaufschlag, der jedoch ziemlich daneben ging.
Malfoy ging auf sie zu und packte sie an der Taille.
Kraftvoll zog er sie zu sich und bohrte seinen Blick in den ihren.
„Warum habe ich das Gefühl, du wolltest dich über
mich lustig machen?", fauchte er leise.
„Bitte, Lucius, das liegt mir völlig fern. Ich
möchte lediglich mein Glas Wein genießen."
Mißtrauisch sah er auf sie herunter.
„Ich warne dich nur dieses eine Mal, Amy.", zischte
seine Stimme gefährlich leise.
„Ja, ich habe es verstanden. Aber würdest du mich
bitte Angelina nennen. Amy ist irgendwo dort draussen geblieben, in der realen
Welt. Hier in der Zaubererwelt kennen mich alle nur als Angelina.", bat sie.
„Und darf ich dich noch etwas fragen, Lucius?" Der
Name kam ihr so fließend von den Lippen, als würden sie sich schon Jahre
kennen.
„Was gibt es noch?", langsam zeigte Malfoy seine
Ungeduld.
Die Frau straffte ihre Schultern und sah ihm genau
in die stahlgrauen Augen.
„Warum tust du das? Was willst du von mir?"
„Ich begehre dich seit der Nacht, in der du in
meinem Hause weiltest. Deine Flucht hat mich etwas verärgert, meine Liebe. Ich
bin es nämlich gewohnt, zu bekommen, was ich will. Notfalls nehme ich es mir, mit Gewalt wenn es nicht anders geht.
Deine schnippische und abweisende Art bringt mein Blut zum kochen. Du wirst
diesen Raum nicht eher verlassen, bevor ich mein Verlangen nach dir, an dir
gestillt habe.", kalt und zynisch klangen seine Worte, ohne eine Spur von
Gefühl.
Dieser Akt war nichts weiter als eine Rache für
seine gekränkte Eitelkeit.
„Aber Severus und ich haben....", wehrte sich
Angelina aufmüpfig.
Lächelnd säuselte er nur: „Das stört mich nicht,
meine Süße. Und dieses Kapitel dürfte für dich zu Ende sein. Weißt du nicht,
dass Snape Muggel verabscheut?"
„Doch.", presste sie zwischen ihren Lippen hervor.
Mit dem Glas in der Hand wanderte Angelina langsam
durch den Raum, versuchend, einen Abstand zwischen sich und Malfoy zu bringen.
Wachsam folgten seine Blicke jedem ihrer Schritte,
obwohl es nicht einen Weg zur Flucht gab.
Wie beiläufig strich die junge Frau mit dem
Zeigefinger an der Tür entlang und tippte kurz an die Klinke. Bildete sie sich
das nur ein, oder glühte die Türklinke bei der Berührung auf?
Sie war bereits zwei Schritte von der Tür entfernt,
als sie ihr Glas zu Boden warf und mit einem Satz an der Türklinke hing.
Panisch riß und rüttelte sie daran, in der Hoffnung, die Tür könnte sich
endlich öffnen. Laut schrie sie um Hilfe und trommelte mit einer Hand an das
Holz, während sie mit der anderen weiterhin die Klinke bearbeitete. Zu spät
realisierte sie, dass die Klinke wirklich glühte und sie bereits schwere
Verbrennungen an der Handinnenfläche hatte.
Malfoy sprang sie an, riß sie von der Tür weg und
ohrfeigte sie mehrmals. Wie von Sinnen schrie er sie an: „Du hinterhältiges
kleines Biest. Deine Chancen stehen bei Null. Das hier ist Magie, begreifst du
das endlich."
Und mit wutverzerrtem Gesicht schleuderte er sie zum
zweiten Mal auf das Bett. Sie überschlug sich und stürzte auf der anderen Seite
des Bettes hinaus. Hart schlug sie mit dem Kopf auf dem Boden auf.
Kraftvoll zog Lucius sie ins Bett zurück und warf
sich schwer auf ihren Körper, sodass ihr Atem sekundenlang aussetzte.
Noch bevor sie einen Gedanken an Gegenwehr
verschwenden konnte, riß er ihre Arme nach oben und hielt sie ohne besondere Anstrengung
mit einer Hand fest.
Mit der anderen Hand griff er nach dem Zauberstab
und hielt ihn ihr an die Kehle.
`Jetzt ist es vorbei`, dachte Angelina nur.
Da spürte sie, wie er ganz langsam den Zauberstab
genau in der Mitte ihres Körpers sacht von oben nach unten strich. Voller Panik
bemerkte die vor Angst zitternde Frau, dass an den Stellen, an denen der
Zauberstab entlang fuhr, sich ihre Kleidung einfach teilte, als würde eine
Schere durch Papier gehen.
Mit einem weiteren Wink verschwand auch seine Kleidung.
Triumphierend meinte Malfoy: „Es geht nichts über
ein wenig Magie. Stimmts meine Süße?" Und kalt klirrte sein Lachen durch den
Raum.
Mit dem gesamten Körper versuchte sich Angelina zu
wehren, was den Mann jedoch rasent machte, vor Wut und vor Erregung.
Sobald die gesamte Kleidung Angelinas rechts und
links ihres Körpers herunter gerutscht
war, nahm er wieder mit beiden Händen ihre Handgelenke und legte seinen
vor Erregung heißen Körper fest auf ihren angstbebenden.
Leise wimmernd presste sie ihre Schenkel mit aller
Kraft zusammen und warf ihren Kopf hin und her. Verzweifelt kämpfte sie gegen
seine körperliche Überlegenheit an und hoffte noch immer auf eine Chance zur
Gegenwehr. Doch alles war umsonst.
Weinend unterlag sie Malfoys brutalem Drängen und
schrie kurz auf, als er hart das Ziel seines Begehrens erreichte.
Dieser Schmerz bewirkte etwas in Angelina, ihre
Panik ließ nach und machte einer unnatürlichen Ruhe Platz. Tief in ihrem Körper
spürte sie eine unbekannte Kraft wachsen und sie hörte auf sich zu wehren.
Steif wie eine Statue, lag sie unter dem Mann, was bewirkte, dass Malfoy in
seinen Bewegungen innehielt und sie mit einem Blick musterte, den man „völlig
weggetreten" nennen konnte.
Seine Augen glänzten vor Erregung und kleine
Schweißperlen standen auf der Stirn.
Mit heiserer Stimme krächzte er atemlos:
„Was ist los, meine Süße? Erlahmen deine Kräfte?
Schade, es macht mir Spaß, deine Gegenwehr zu spüren. Es heizt mich an, deinen
Willen zu brechen. Kleine Erholungsphase vor dem nächsten Kampf?"
Seine Stimme höhnte in ihrem Ohr.
„Lass mich dich umarmen, Lucius.", bat Angelina
flüsternd.
Mißtrauisch blickte Malfoy in ihre dunkel gewordenen
Augen und deutete dieses Zeichen als Erregung.
Langsam löste er seinen Griff von ihren Handgelenken
und stützte sich neben ihrem Oberkörper leicht ab, ihren Körper nicht
verlassend.
Angelina rieb sich die schmerzenden Handgelenke und
wartete bis das Kribbeln in den Fingerspitzen nachließ.
Behutsam strich sie Lucius Malfoy die wirren Haare
aus dem Gesicht und fuhr sanft mit den Fingern über sein erhitztes Gesicht.
„Aus dem wilden Tiger ist wohl eine schnurrende
Katze geworden?", lachte Malfoy siegessicher und begann seine Bewegungen in ihr
fortzusetzten.
Angelina atmete tief ein und aus, dann schleuderte
sie ihm entgegen:
„Die Katze ist ein Kampftiger."
Damit packte sie Lucius bei den Schultern und mit
einer unglaublichen Leichtigkeit stieß sie ihn von sich, jedoch mit solcher
Wucht, dass Malfoy benommen zwei Meter neben dem Bett aufschlug und sie
fassungslos musterte.
Mit einem Satz sprang Angelina vom Bett.
In ihrem Inneren tobte ein Sturm, doch nach außen
hin völlig ruhig, blickte sie auf den Mann am Boden.
„Du schwächelst, mein Guter.", schleuderte sie ihm
verächtlich entgegen.
Lucius sprang auf und nahm sie hart bei den Händen.
Sein blondes langes Haar hing ihm wirr ins Gesicht, er blies es achtlos
beiseite, und vertiefte sich in Angelinas Blick.
Verstehen glomm in Malfoys Augen auf und ein
diabolisches Grinsen legte sich auf sein Gesicht.
„Wir sehen uns wieder, meine Liebe. Schon bald.",
flüsterte er süffisant. „Und dann wirst du bei mir um Gnade winseln."
Seine eiskalten stahlgrauen Augen musterten sie in
Vorfreude.
Angelina verstand nichts und die unbändige Wut in
ihr verhinderte jeden klaren Gedanken. Sie wollt jetzt nur raus hier, weit weg,
genug der Demütigungen.
„Ich verabscheue dich, Lucius Malfoy.", spie sie ihm
entgegen.
Zornbebend stürmte sie zur Tür und ergriff die
Klinke, die heiß in ihrer Hand lag. Ein kurzer Ruck und die Tür öffnete sich.
Hastig trat die junge Frau auf den Flur und rannte so schnell sie konnte zu
ihren Räumlichkeiten.
Malfoy hatte ihr voll Erstaunen zugesehen und rieb
sich kurz darauf erfreut die Hände.
„Wunderbar.", murmelte er vor sich hin.
In seinen Augen stand Triumph.
17.
Kurz vor der großen Halle fing Prof. Dumbledore am
nächsten Morgen Angelina ab und bat sie in sein Büro. Verständnislos sah sie
dem gutmütigen alten Mann in die Augen, konnte jedoch nichts erkennen, was ihr
Aufschluß gegeben hätte, warum.
Übernächtigt und mit rotgeweinten Augen saß sie dem
Schulleiter kurz darauf gegenüber und schaute zu, wie er mit einem Schlenker
seines Zauberstabes auf seinem Schreibtisch ein Frühstück für zwei hervor
zauberte.
„So, Mädchen. Jetzt wird erst einmal gegessen und
dann haben wir, glaube ich, so einiges zu bereden. Doch nicht auf leeren Magen,
das diskutiert sich immer so schlecht, wenn ständig der Magen dazwischen
knurrt."
Angelina versuchte ein kleines Lächeln, doch es
wurde nur eine verzerrte Maske.
Ihr war nicht nach Scherzen und auch nicht nach
Essen. Doch um dem altem Mann einen Gefallen zu tun, griff sie nach einem
kleinen Toast und knabberte lustlos darauf herum.
Als Prof Dumbledore der Meinung war, jetzt wäre
genug Zeit verstrichen, rückte er sich in seinem Stuhl zurecht, legte die
Fingerkuppen aneinander und blickte stumm in Angelinas Augen.
Als die Stille schon anfing unerträglich zu werden,
räusperte sich Prof. Dumbledore und sprach leise, wie zu einem kleinen Kind:
„Was ist passiert, Angelina? Wollen Sie darüber reden? Gemeinsam finden wir
vielleicht eine Lösung."
Die Frau schaute ihn nur mit verhangenen Augen an
und schüttelte stumm den Kopf.
„Ich weiß, unser Severus ist nicht einfach zu
nehmen, doch sollten wir ihm nicht noch eine Chance einräumen?", sprach Albus Dumbledore
weiter.
„Und wer gibt mir eine Chance?", schrie es aus
Angelina heraus. „Ich bin ungewollt hier, keiner hatte mich gefragt, ob ich das
alles möchte. Demütigungen und Spott lagen jeden Tag auf meinen Wegen und ich
habe mehr ertragen, als man manchmal aushalten konnte. Endlich fing ich an mich
hier wohl und zu Hause zu fühlen und glaubte, auch mein Herz hätte eine Heimat
gefunden, da verdammt noch mal, kommt der nächste und zerstört alles. Ich bin
nicht gemacht für diese Welt und bitte Sie, Prof. Dumbledore, lassen Sie mich
wieder gehen, zurück in mein altes Leben." Tränen liefen heiß über ihre blassen
Wangen und ihre Lippen bebten. Von der stolzen lebenslustigen Frau war nicht
mehr als ein Häufchen Elend übriggeblieben.
Die Tür öffnete sich und Prof. Mc Gonagall trat ein.
Lautlos ging sie bis zum Schreibtisch des Schulleiters und blieb abwartend
davor stehen. Auf einen kurzen Blick des Mannes auf seine Stellvertreterin
antwortete diese nur unmerklich mit einem Kopfschütteln.
Leise und sanft sprach Prof. Dumbledore weiter auf
Angelina ein.
„Es tut mit leid, aber so einfach können Sie nicht
unsere Welt verlassen. Wir müssten einen Vergessenszauber anwenden, damit Sie
nicht doch und sei es nur aus Versehen,
das Geheimnis unserer Existenz verraten. Und denken Sie auch mal an die
Schüler, die sie vergöttern, mit ein paar Ausnahmen.", dabei zwinkerte er
Angelina verschwörerisch zu. „Bitte bleiben Sie bei uns. Wir werden, solange
unser Severus schmollt, eine andere Beschäftigung für Sie finden, ich habe da schon
so eine Idee. Und wir werden in Zukunft besser auf Sie achten, damit Ihnen kein
Leid mehr geschieht."
Aufmerksam beobachtete der grauhaarige Mann die
junge Frau vor sich im Sessel und sah, wie sich ihre Hände krampfhaft um die
Seitenlehnen schlossen. Die Knöchel traten weiß hervor und ein leises Beben
durchzog ihren Körper.
Prof. Dumbledore und Prof. Mc Gonagall tauschten
einen stummen Blick, bevor der Schulleiter noch einmal sein Wort an Angelina
richtete:
„Sehen Sie mich an, Angelina. Kommen Sie, blicken
Sie mir fest in die Augen. Ja, so ist es gut. Und nun hören Sie mir zu. Lucius
Malfoy wird seine Strafe bekommen für das, was er Ihnen angetan hat, das
verspreche ich Ihnen. Lassen Sie sich nicht kleinkriegen und resignieren Sie
nicht, denn das ist genau das, was dieser Mann will. Stehen Sie auf und
kämpfen, zeigen Sie allen Ihre Stärke, wir stehen hinter Ihnen."
Wortlos hatte Prof. Mc Gonagall ihre Hand auf eine
Schulter Angelinas gelegt und zeigte ihr so den Trost und die Hilfe, die sie
geben wollte.
Angelina aber konnte nur mit weit aufgerissenen
Augen den Mann vor sich ansehen und begann sich zu fürchten. Mit schleppender
Stimme stellte sie nur die eine Frage:
„Woher wissen Sie......?"
„Ach, Angelina. Ein alter Mann hat manchmal seltsame
Fähigkeiten und mir entgeht hier in Hogwarts eigentlich kaum etwas. Leider war
meine Intuition letzte Nacht etwas spät, man merkt doch langsam das Alter, und
so konnte ich Ihnen nicht helfen. Doch auch ohne meine Unterstützung hatten Sie
sich wacker geschlagen."
Angelina war nicht bereit zu antworten und so fuhr
der Schulleiter fort:
„Bleiben Sie in Hogwarts, Angelina. Hier bei uns.
Hier können wir Sie schützen und Ihnen helfen. Draußen in Ihrer Welt wären Sie
Malfoy schutzlos ausgeliefert. Und außerdem würden Sie hier viele vermissen."
„Ach, Prof. Dumbledore, mir geht es doch nicht um
Malfoy. Er hatte seinen Spaß und nun bin ich völlig uninteressant für ihn
geworden. Nein, hier geht es um Gefühle und..., ich kann eben einfach nicht
hierbleiben." Angelina schaute an dem alten Mann vorbei, ihm in die Augen
blicken und seine Enttäuschung sehen konnte sie nicht.
„Angelina, Sie sind doch keine Frau, die einfach
davon läuft. Sie haben bis jetzt einen Kampf geführt und gewonnen, warum wollen
Sie kurz vor dem Ziel aufgeben. Wir haben so viele Hoffnungen in Sie gesetzt."
„Und verloren.", unterbrach Angelina ihn.
„Es ist noch nichts verloren. Fast möchte ich sagen,
es beginnt erst.", meinte Dumbledore mit einem leichten Lächeln. Doch kurz
darauf wurde er wieder ernst.
„Aber..," er machte eine bedeutungsvolle Pause, „ich
möchte Ihnen keine Angst machen, doch Sie täuschen sich in Lucius Malfoy. Er
wird Sie nicht in Ruhe lassen, glauben Sie mir.", eindringlich klangen seine
Worte und Angelina wollte wissen: „Warum? Was wissen Sie?"
Dumbledore schaute sie über den Brillenrand hinweg
an.
„Noch nichts erwähnenswertes. Doch eines sollten Sie
wissen. Lucius Malfoy ist mächtig, einflussreich, skrupellos und gefährlich.
Nehmen Sie sich in Acht."
„Ich konnte mich schon einmal wehren.", tat Angelina
seine Argumente leichthin ab.
„Eben darum.", flüsterte der grauhaarige Mann, doch
Angelina schien seine Worte nicht gehört zu haben.
Nun richtete Prof. Mc Gonagall das Wort an die junge
Frau, die deren Anwesenheit völlig vergessen hatte.
„Sagen Sie Angelina,", sprach sie leise, „wollen Sie
Hogwarts, Ihr geliebtes Hogwarts, wirklich verlassen?"
Und als ob es erst dieser Worte bedurfte, öffneten
sich die Tränenschleusen und Angelina begann haltlos zu schluchzen. Den ganzen
Schmerz und all den Kummer der letzten Tage weinte sie sich von der Seele.
Hogwarts verlassen? Nein, das konnte sie nicht.
Dieses Schloss mit seinen Fluren und verwinkelten
Gängen, den Treppen die ständig ihre Richtung änderten, die dunklen Kerker und
zugigen Türme, die vielen unheimlichen Geheimnisse waren ihr Zuhause geworden.
Ihr Herzblut hing an diesem Schloss, vom ersten Tag an.
Ihr Tränenstrom versiegte, sie straffte ihre
Schultern und blickte fest auf ihr Gegenüber. Noch glitzerte in ihren
Augenwinkeln eine einsame Träne.
„Also gut. Sie haben es geschafft."
Prof. Mc Gonagall atmete hörbar aus und Angelina
wandte sich zu ihr um.
„Woher haben Sie gewusst, mit was Sie mich
überzeugen konnten?", flüsterte sie.
Minerva sah sie kurz an, dann erschien ein kleines
Lächeln in ihren Mundwinkeln.
„Intuition.", war ihre Antwort.
Die junge Frau blickte nun wieder auf den
Schulleiter.
„Nun gut, Prof. Dumbledore. Dann geben sie mir bitte
eine Tätigkeit, irgend eine, damit ich nicht den ganzen Tag Däumchen drehen
muss. Und da ich ja aus den Kerkerräumen hinaus geflogen bin, wie wäre es denn
jetzt mit etwas höheren Gefilden?" Der Schalk blitzte nun schon verdächtig aus
ihren Augen und Dumbledore lachte.
„So ist es gut, fast sind Sie wieder die alte
Angelina, wie wir Sie kennen."
Und mit kurzen Worten schilderte Prof. Dumbledore
das neue Aufgabengebiet für Angelina.
„Einverstanden, Professor. Ich freue mich schon
darauf.", rief die junge Frau begeistert. Kein Wort mehr von Flucht und
Resignation. Regelrecht aufgeblüht schien sie zu sein.
Ein hartes Klopfen an der Tür unterbrach ihr
Gespräch und nach Dumbledores „Herein" betrat ausgerechnet Severus Snape das
Büro. Atemlos blickte Angelina ihm entgegen, doch kaum hatte der Mann sie
erblickt, warf er nur ein kurzes „komme später" in den Raum und knallte die Tür
hinter sich zu.
„Ein harter Brocken.", murmelte der Schulleiter.
Angelina zuckte nur mit den Schultern.
`Der wird sich noch wundern.`, dachte sie.
Kurz darauf verließ die junge Frau mit neuer
Hoffnung und neuem Tatendrang Dumbledores Büro.
18.
Zum Glück entgingen Angelina die besorgten Blicke,
die Prof. Dumbledore und Prof. Mc Gonagall ihr hinterher schickten.
So lief sie beschwingt die Wendeltreppe herunter und
war in Gedanken schon bei ihrer neuen Arbeit, sodass sie beinahe in ihrer Träumerei
mit jemandem zusammengestoßen wäre.
„Passen Sie gefälligst auf.", knurrte sie eine
wohlbekannte Stimme an. Vor ihr stand mit zynischem Blick Prof. Snape und
musterte sie kalt.
Angelina holte tief Luft, schenkte ihm einen
undefinierbaren Blick und rauschte erhobenen Hauptes an ihm vorbei, seinen
Blick im Nacken spürend. Ihr Herz schlug unruhig bis in den Hals hinauf und
zitternd barg sie ihre Hände in den Taschen ihres Umhanges. Sie musste nun
glücklicherweise kein schwarz mehr tragen und hatte sich für einen
smaragdgrünen Umhang entschieden.
Angelina suchte noch einmal kurz ihre Räume auf und
machte sich anschließend auf den Weg zur großen Halle, damit sie nicht auch
noch das Mittagessen versäumte.
An der großen Flügeltür blieb sie wie angewurzelt
stehen und sah zum Lehrertisch nach vorn. Auf ihrem Gesicht stand fassungsloses
Staunen.
`Das ist typisch für dich, Severus Snape.`, dachte
die junge Frau mit einem Hauch Wehmut.
Denn der Platz, ihr Platz, neben Prof. Snape war
besetzt. Madam Hooch, Lehrerin für den Flugunterricht, hatte sich neben Severus
plaziert, sicher nicht freiwillig, und war in eine angeregte Unterhaltung mit
ihm vertieft.
Einige Schüler hatten Angelina bereits entdeckt und
deuteten, Ihre Mitschüler darauf aufmerksam machend, auf sie. Bald richteten
sich eine Unzahl Augenpaare auf sie und die Gespräche begannen zu verstummen.
`Flucht`, dachte Angelina und wollte sich umwenden.
Doch im gleichen Augenblick änderte sich ihr Gesichtsausdruck, wurde schon fast
„übertrieben" freundlich, sie straffte ihre Gestalt und ging stolzen Schrittes
durch den Mittelgang auf den Tisch des Lehrerkollegiums zu.
Sofort begann ein Wispern und Flüstern an den
Tischen, Hermine lächelte ihr zu und Harry nickte ihr aufmunternd entgegen.
Man hörte leise getuschelte Fragen, aus denen man
entnehmen konnte, dass viele nicht verstanden, warum der Platz an Prof. Snapes
Seite nicht mehr Angelina gehörte.
Fast hatte Angelina den Weg, der einem
Spießrutenlauf glich, hinter sich gebracht, als eine zynische Stimme genau neben
ihr höhnte:
„Hey Leute, sie ist ein Muggel. Unser Hausleiter
weiß was sich gehört."
Seinen Worten folgte ein meckerndes Lachen.
Angelina wandte den Kopf und blickte genau in zwei
stahlgraue kalte Augen in einem hochmütigen Gesicht, das von blondem Haar umrahmt
wurde.
„Wie der Vater, genauso arrogant und fies.",
flüsterte sie mitten in dieses Gesicht hinein, das niemand anderem gehörte als
Draco Malfoy, Lucius Malfoys Sohn.
Die Worte der jungen Frau waren jedoch nicht so
leise, dass sie an den anderen Tischen nicht verstanden wurden und so trafen
Malfoy manche hämische Blicke und Angelina schickte man einen stummen Applaus
hinterher.
Diese hatte nun den Lehrertisch erreicht und wandte
sich nach rechts, um den neben Hagrid noch freien Platz einzunehmen. Verstohlen
blickte sie kurz zu Prof. Snape und sah genau in seine schwarzen Augen. Sofort
wandte sich Severus ab und vertiefte sich wieder in ein Gespräch.
Angelina spürte ihr Herz wie einen glühenden Stein
in ihrer Brust liegen und dieses Gefühl nahm ihr fast den Atem.
Da erhob sich Prof. Dumbledore, hob beide Arme und
gebot somit um Ruhe und Aufmerksamkeit.
„Ehe wir uns nun dem Essen zuwenden habe ich noch
eine kurze Mitteilung zu machen. Ab nächste Woche wird es im Stundenplan ein
neues Unterrichtsfach geben. `Muggelkunde aus der Sicht der Muggel`."
Ein Stöhnen ging durch die Halle.
„In diesem Fach werdet ihr erfahren, wie die Muggel
ihren Alltag ohne Magie meistern. Ihr werdet in Theorie und Praxis erfahren,
wie Muggel leben und arbeiten, wie sie denken und fühlen und was sie von Magie
und Zauberei halten. Diese Unterrichtsstunde wird es vorläufig erst dreimal in
der Woche geben, in der Zeit von 14.oo - 15.oo Uhr. Die Teilnahme ist
freiwillig. Und nun stelle ich euch eure neue Lehrerin vor. Es ist unsere hochgeschätzte
Angelina."
Bei diesen Worten überzog eine leichte Röte die
Wangen der jungen Frau, als sie sich erhob und den Applaus und Jubel der
Schüler ausgesetzt war.
Natürlich mit entsprechenden Ausnahmen.
Severus Snape, dem sie kurz ihr Gesicht zuwandte,
schaute sie fassungslos an und seine Augen loderten heiß vor Hass.
Prof. Dumbledore zwinkerte Angelina aufmunternd zu
und prostete ihr mit seinem Weinkelch entgegen.
Noch mehrmals trafen sie die Blicke, scharf wie
Pfeilspitzen, und als das Mahl beendet war, lenkte Prof. Snape seine Schritte
in ihre Richtung. Nur kurz blieb er an ihrem Platz, nur solange, um ihr seine
Worte entgegen zu schleudern:
„Meinen Slytherins verbiete ich die Teilnahme an
diesem Kaspertheater."
Damit ging er auch bereits weiter und Angelina
flüsterte ihm hinterher: „ Sie mich auch, danke."
Hagrid musste schmunzeln, Prof. Mc Gonagall jedoch
warf ihr einen leicht tadelnden Blick zu. Doch Angelina glaubte auch in ihren
Mundwinkeln ein leichtes Zucken zu entdecken.
Kurz nach Snape verließ auch Angelina die große
Halle durch die Seitentür für das Lehrpersonal und fühlte sich, kaum das sie
die Klinke aus der Hand gab, schmerzhaft am Arm gepackt.
Böse funkelten sie seine schwarzen Augen an, als er
zischte: „Hüten Sie Ihre Zunge, sonst wird es Ihnen noch leid tun."
Angelinas Augen verengten sich zu Schlitzen, ehe sie
ihm wutentbrannt ihre Worte ins Gesicht spie: „Dein Benehmen ist unmöglich und absolut kindisch. Und höre auf
mit diesem dämlichen „Gesieze"."
Damit riss sie sich los und ließ ihn einfach stehen,
damit rechnend, er würde ihr irgendeinen Zauber hinterher jagen.
Aber nichts geschah.
19.
Angelinas anfängliche Ängste und Zweigel waren einer
großen Freude und Begeisterung gewichen. Glaubte sie am Anfang, es würden
vielleicht überhaupt keine oder nur sehr wenige Schüler kommen, so reichte
jetzt manchmal der Platz im Klassenzimmer kaum aus.
Die Theorie gestaltete sich relativ einfach,
beschränkte sie sich doch ausschließlich auf das Zuhören und Fragen. Manch ein
ganz Gewissenhafter schrieb schon mal ein paar Zeilen auf ein Blatt Pergament,
doch darauf legte Angelina keinen Wert. Sie wollte keine Noten erteilen, dass
stand ihr auch gar nicht zu und natürlich, das fanden die Schüler am schönsten,
wurden erst Recht keine Arbeiten geschrieben.
Viele der Schüler kannten sich schon etwas aus in
dieser Art Muggelkunde, waren sie doch von Haus aus damit vertraut. Doch auch
Schüler aus rein magischen Familien interessierten sich für den Unterricht.
Aus jedem Haus und jeder Klassenstufe drängten sich
die Schüler zu Angelina, sodass schon bald der Unterricht auf fünf Wochentage
ausgeweitet wurde.
Nur Prof. Snape hatte Wort gehalten und kein
Slytherin war dabei. Das stimmte die junge Frau etwas traurig, da sie wusste,
dass auch aus diesem Haus der eine oder andere gerne dabei wäre. Doch die
Furcht vor ihrem Hausleiter Prof. Snape hielt sie fern.
Die Praxis erwies sich als etwas schwieriger, da ein
ganz gewisser Umstand die Sache erschwerte. Es war das Fehlen von Strom, für
die Muggel eine ganz natürliche Gegebenheit. Hier in Hogwarts war es unmöglich
und so behalf man sich statt mit einem Elektroherd mit einem alten Küchenofen
aus Großmutters Zeiten.
Da auch für Angelina diese Art zu Kochen fremd war,
wurde es für alle natürlich ein Riesengaudi, jedoch das Schönste war eindeutig
das Verzehren der selbstgemachten Köstlichkeiten.
An einem riesigen langen Holztisch saßen alle
versammelt und aßen, lachten und redeten durcheinander. Es summte und brummte
wie in einem riesigen Bienenhaus.
Für diese Aktivitäten hatte Prof. Dumbledore extra
noch den daneben liegenden Klassenraum geopfert und nach Angelinas Bedürfnissen
hergerichtet.
Viele Lehrer steckten aus Neugierde über das
Gelingen des „Experimentes" ihre Nase in den Unterricht, nahmen daran teil und
hatten oft genauso viel Spaß wie die Schüler.
Nur einen sah man nie - Prof. Severus Snape.
Noch immer bedachte er Angelina mit feindseligen
Blicken und boshaften Bemerkungen, sobald er ihr begegnete.
Die Tage und Wochen flogen dahin und aus dem
Frühling wurde Sommer. Die Ferien nahten und so auch die letzten Prüfungen. In
Hogwarts war es still geworden und auch Angelinas Unterricht wurde kaum noch
besucht. Die wenigen die kamen, suchten Hilfe oder Trost beim Lernen, oder
einfach einen ruhigen Ort.
Auch Angelina war längst nicht mehr so fröhlich wie
am Anfang. Oft saß sie traurig auf einer Bank und schaute auf den See. Kummer
machte ihr Herz schwer, Kummer der längst vergessen geglaubt und doch nur unter
Ablenkung und hektischer Betriebsamkeit versteckt war.
Nun brach er wieder hervor, der Kummer um Severus
Snape. Denn tief in ihrem Herzen konnte sie ihn nicht vergessen und auch Wut
und Zorn hielten sich in Grenzen.
Und noch ein anderer Kummer hielt Angelina gefangen
und schmerzte. Würde sie all die Kinder, die ihr so ans Herz gewachsen waren,
im neuen Schuljahr wiedersehen? Durfte sie in Hogwarts bleiben, oder musste sie
doch für immer gehen?
Schon seit Tagen wartete sie ungeduldig auf
Nachricht vom Ministerium und vom Schulrat. Doch da Angelina erfahren hatte,
dass ausgerechnet Lucius Malfoy dem Schulrat vorstand, sah sie ihre Chancen auf
ein Bleiben bei Null.
Und dann war er da, der letzte Tag vor den Ferien.
In der großen Halle herrschte ein heilloses Durcheinander von Stimmen, das sich
erst durch einen lauten Ausruf Prof. Dumbledores eindämmen ließ.
Jeder Schüler hatte mit mehr oder weniger guten
Ergebnissen die Prüfungen geschafft und freute sich nun auf lange
ereignisreiche Ferien.
Ein letztes Mal für dieses Schuljahr schenkten sie
nun Prof. Dumbledore ihre Aufmerksamkeit.
Dieser ließ über den Brillenrand hinweg seinen Blick
durch die Reihen schweifen, räusperte sich und begann zu reden.
„Ein weiteres Schuljahr liegt nun hinter uns, in dem
ihr eure Köpfe vollgepackt habt mit neuem Wissen und Können. Ich hoffe nur,
dass ihr über die Ferien nicht allzuviel vergessen werdet und wir uns zum
nächsten Schuljahr alle gesund wiedersehen. Verabschieden möchten wir heute
unsere Siebentklässler und ihnen für die Zukunft alles Gute wünschen."
Applaus und Zwischenrufe unterbrachen den
Schulleiter in seiner Rede.
„Nun werden wir unsere letzte gemeinsame Mahlzeit
einnehmen, ehe ihr Hogwarts verlasst und in die Ferien aufbrecht. Lasst es euch
noch einmal schmecken."
Nachdem seine Worte verklungen waren, deckte sich
jedoch kein Tisch, da seine letzten magischen Worte fehlten. Auch die Schüler
sahen stumm auf Prof. Dumbledore, als würden sie noch auf etwas warten, etwas
das nichts mit dem Essen zu tun hatte.
Ihre Blicke reichten von erwartungsvoll, neugierig
über ängstlich bis hin zu traurig. Prof. Dumbledore hob seine Arme, ein
Zeichen, dass nun das Mahl beginnen sollte und viele wandten sich enttäuscht
ab, in manchen Augen glitzerte eine Träne.
„Ach,", begann Dumbledore, „das hätte ich ja fast
vergessen. Vorhin erreichte mich noch eine Eule vom Ministerium. Ein wichtiges
Schreiben von Minister Fugde und dem Schulrat."
Atemlose Stille in der Halle.
„Nun was soll ich lange drumherum reden."
Man konnte eine Stecknadel fallen hören.
„Unsere allseits beliebte und geschätzte Angelina
darf im kommenden Schuljahr.", eine bedeutungsvolle lähmende Pause, eine Tortur
für Schüler und Nerven,
„WEIER UNTERRICHTEN."
Ein unbeschreiblicher unvorstellbarer Höllenlärm
brach los. Alles schrie und kreischte, jubelte und klatschte durcheinander.
Nur Angelina selbst saß stumm auf ihrem Platz und
weinte still vor Freude und Ergriffenheit.
Verstohlen blickte sie zu
Severus Snape, der diese Mitteilung scheinbar teilnahmslos aufnahm.
Ohne die Schüler wirkte
Hogwarts wie ein Geisterschloss, Totenstill und menschenleer.
Viele vom Lehrpersonal waren
ebenfalls in den Ferien und die wenigen Anwesenden genossen ihre wohlverdiente
Ruhe und taten Dinge, für die im Schulalltag keine Zeit war.
Für die Mahlzeiten hatte man
in einer kleinen Ecke einen einzelnen Tisch und ein paar Stühle bereitgestellt,
an dem meist Prof. Dumbledore, Minerva Mc Gonagall, Prof, Trelawney, Hagrid,
Prof. Snape, Mr. Filch und Angelina saßen. Die Ruhe während des Essens war
erholsam gegenüber dem emsigen Treiben in der Schulzeit.
Angelina genoss die
Sommertage, streifte oft mit Hagrid durch die Wälder und über die Wiesen,
schwamm im warmen Wasser des Sees oder erkundete in langen Spaziergängen das
Schloss.
Auf dem einsamen Nordturm
tankte sie in der majestätischen Ruhe neue Kraft für Körper und Seele und
erfreute sich der unbeschreiblich schönen Aussicht.
Von fern hörte sie ein
leises Rumpeln und wusste, dass hinter einer der Türen noch immer Peeves, der
Poltergeist, mit dem Bannflucht gefangen war. Angelina
durchkämmte Gänge und Flure, besuchte mit Dobby, dem Hauselfen, sogar die
Hogwartsküche, in der alle Speisen, die die große Halle erreichten, hergestellt
wurden.
Viele Stunden verbrachte sie
auch mit Prof. Dumbledore und Prof. Mc Gonagall und lauschte deren Geschichten
und Erzählungen über Hogwarts.
Selten traf man die junge
Frau mal im stickigen Turmzimmer von Prof. Trelawneyda ihr diese Frau ein wenig
Angst einflösste und sie in dem duftgeschwängerten Raum Atemnot bekam.
Um etwas machte Angelina
jedoch einen großen Bogen und das waren die Kerker des Schlosses. Um nichts in
der Welt wollte sie, außer bei den Mahlzeiten, mit Prof. Snape zusammentreffen.
Sehnsucht und Unvernunft
wollten sie dorthin locken, doch gebot sie denen zu schweigen, so schwer es
auch fiel.
Noch weitere Demütigungen
konnte sie nicht ertragen, genauso wenig den Aufenthalt an den Orten, an denen
sie einmal glücklich war.
20.
Die Tage und Wochen
plätscherten in süßem Nichtstun dahin und der eine oder andere Lehrer traf
wieder in Hogwarts ein.
Nun fand man Angelina mal im
Gewächshaus bei Prof. Sprout oder im Krankenflügel bei ihrer alten Vertrauten
Madam Pomfrey, die schon fast so etwas wie eine Mutter für die junge Frau
geworden war.
Im Astronomieturm suchte sie
Nachts den Himmel nach dem „Stern der Hoffnung" ab, doch all die blinkenden
Sterne glichen eher tausenden geweinten Tränen.
Ihre unendliche Sehnsucht
hatte gesiegt und so strich Angelina manchmal heimlich durch die Kerkergänge
und hörte auf das Poltern und Klirren aus seinem Büro, auf diese altvertrauten
Geräusche, und wünschte, er würde die Tür öffnen. Doch als ahnte Severus Snape
ihre Anwesenheit, blieb die Tür verschlossen.
So manch heiße Träne tropfte
auf den kalten Boden der Kerkergänge und leise Seufzer hallten von den Wänden.
Oft lag sie Nachts wach und
lauschte auf die Schritte von nebenan, manchmal die ganze Nacht. Er konnte
nicht schlafen.
`Geh zu ihm. Rede mit ihm.`,
flüsterte eine innere Stimme.
Doch der Stolz behielt die
Oberhand und sprach ein kurzes hartes „Nein".
Resigniert gab Angelina auf
und hoffte auf die Zeit der Zukunft.
Oftmals wuselte es bereits
in den Klassenzimmern und auch Angelina bereitete sich auf das kommende
Schuljahr vor. Einige neue Anschaffungen, eher Relikte aus einem Museum,
warteten auf ihre Nutzung und langsam kam der alte Kampfgeist und die fröhliche
Erwartung bei Angelina durch. Einmal ertappte Albus Dumbledore sie sogar
singend im Klassenraum und schmunzelte.
Als es nichts mehr
vorzubereiten gab und nur noch die Schüler fehlten, griff die junge Frau nun
manchmal nach einem guten Buch, ließ die Seele baumeln und erfreute sich der
Ruhe der letzten Ferientage.
Manchmal während der Ferien
kam heimlich bei ihr die Frage auf, ob sie wohl doch lieber wieder die Amy in
der realen Welt gewesen wäre, ein normales Leben geführt und mehr Freiraum
gehabt hätte.
„Nein.", antwortete ihre
innere Stimme. Hier war nun ihre Heimat und nichts und niemanden vermisste sie.
Ihre Eltern waren seit einigen Jahren tot und alles andere konnte sich mit
Hogwarts nicht messen. Amy gab es nicht mehr und wird es nie wieder geben.
Das Verhalten zwischen Snape
und ihr war zu einer Art Waffenstillstand geworden. Nun flogen keine hässlichen
Worte mehr, sondern Severus ging nur stumm an ihr vorüber, wenn sich ein
Treffen nicht vermeiden ließ.
Seine Augen brannten oft in
einem unheimlichen verlangenden Feuer, welches Angelina jedoch nie sah.
Auf ihre heimlichen
Streifzüge konnte und wollte die junge Frau nicht verzichten. Es war, als zogen
sie unsichtbare Fäden hinab in die Kerker.
An einem Abend, sie war im
Begriff zu gehen, öffnete sich plötzlich doch die TÜr seines Büros und Severus
Snape trat heraus. Angelina presste sich erschrocken an die Wand hinter sich
und verfolgte jede Geste des Mannes stumm mit ihren Blicken.
Falls Prof. Snape bei ihrem
Anblick irgendeine Gefühlsregung hatte, so konnte er es sehr gut verbergen.
Mit undurchdringlichem Blick
musterte er Angelina kurz, verschloss seine Bürotür mit dem Zauberstab magisch
und ließ die junge Frau einfach stehen.
Da erst bemerkte Angelina,
dass sie die ganze Zeit vor Aufregung und Anspannung den Atem angehalten hatte.
Mühsam pumpte sie frische
Luft, soweit es in den stickigen Kerkergängen möglich war, in ihre Lungen und
rang nach Atem.
Als sie sichergehen konnte,
nicht mehr auf Severus Snape zu treffen, lenkte Angelina ihre schleppenden
Schritte in Richtung ihrer Räume und
weinte sich in dieser Nacht nach langer Zeit wieder in den Schlaf.
Durch ihre Träume geisterten
große schwarz - glühende Augen und sie warf sich unruhig hin und her.
Nebenan wanderte Severus die
ganze Nacht ruhelos durch den Wohnraum und wie so oft, verfluchte er seinen
Starrsinn und seinen, sich selbst eingeredeten, Hass auf Muggel.
Warum musste er ständig
haltlose Gemeinheiten und boshafte Sprüche an Angelina loswerden, obwohl er es doch
nicht wollte und erst recht nicht so meinte.
Noch immer schaffte es
Angelina, dass Severus Dinge tat, die das genaue Gegenteil waren von dem, was
er eigentlich vor hatte.
Anfänglicher Zorn und die
Enttäuschung, dass ihm die Frau die Wahrheit verschwiegen hatte, waren
verraucht und zurück blieb nur gekränkter Stolz und auch Angst. Angst vor der
Zukunft.
Seine Arbeit für den Orden
stand auf dem Spiel und sein Vertrauensstand bei Lord Voldemort. Wie sollte er
dem dunklen Lord seine Ergebenheit zeigen und gleichzeitig sein Leben mit einem
Muggel teilen? Muggel waren laut des Meisters nur zum Quälen und töten gut
genug.
Verzweiflung, Trauer und
sein altbekannter Dickschädel, gepaart mit Zynismus und Boshaftigkeit machten
ihm das Leben schwer, ließen ihn Nachts nicht schlafen und trieben ihn am Tage
ruhelos umher.
Die Arbeit in seinem Büro
konnte warten und so verkroch er sich in seinen Räumlichkeiten, obwohl die
Sommersonne noch einmal lockte, Wärme und Ruhe zu stand nachdenklich am Fenster und schaute in die unendliche Weite
des Horizontes.
In seinem Herzen stritten
sich verletzte Eitelkeit und Liebe um die Oberhand, doch noch konnte man keinen
Sieger benennen.
Sobald zärtliche Gefühle
nach oben stiegen, kam eine innere Stimme, die flüsterte: „Sie hat dich belogen
und betrogen, hat mit dir nur gespielt.", und kämpfte damit jedes zärtliche
Aufkeimen nieder.
Seine Blicke schweiften über
das sonnendurchflutete Gelände Hogwarts. Noch war alles ruhig, doch in ein paar
Tagen endeten die Ferien und es würde in jeder Ecke wieder lärmen und wuseln.
Das alte Grauen vor dem
Unterricht stieg in Snape hoch. Wie leicht waren doch die Unterrichtsstunden
mit Angelina als Hilfe.
Die Schüler liebten sie und
stürmten ihre „Muggelstunden". Wie oft schlich er an ihrer Klassenzimmertür
vorbei und lauschte auf die fröhlichen Stimmen und das Lachen.
In seine Gedanken hinein
registrierte er auf dem Gelände eine Bewegung und sah dort niemand anderen, als
die Frau, die ihn ständig beschäftigte - Angelina.
Traurig und verträumt
schritt sie über die Wiesen und vertiefte sich in ein Buch. Sie verschwendete
keinen Blick an ihre Umwelt, sah nicht, wohin sie ihre Schritte lenkte, denn
Tränen verschleierten ihre dunklen Augen.
Severus stockte der Atem,
als er erkannte, auf welche Gefahr sich Angelina zu bewegte.
Diese war noch immer in die
Zeilen vor sich vertieft und nahm nur unterschwellig das Sirren und Pfeifen
wahr. Fast schien es, als schwebe ihr Geist in anderen Sphären.
Prof. Snape riß panisch sein
Fenster auf und konnte nur noch hilflos und stumm zusehen, wie das Unheil
seinen Lauf nahm.
Angelina setzte ihren Fuß
noch einen Schritt vorwärts und spürte plötzlich einen schmerzhaften Schlag
gegen ihre Brust und ins Gesicht. Es riß sie von den Füßen hinein in die Luft,
sodass ihr von der Wucht der Atem stockte.
Die peitschende Weide hatte
sie fest im Griff. Mit aller Kraft schrie sie um Hilfe, soweit es ihr möglich
war. Doch wer sollte sie hören?
In hohem bogen schleuderte
der Baum sie von sich, sie überschlug sich in der Luft, schlug hart gegen einen
großen Stein und blieb reglos liegen. Ihre Glieder waren unnatürlich verrenkt
und aus Mund und Nase rann Blut.
In unvorstellbarer
Geschwindigkeit hastete Severus durch Flure und Gänge, jagte über Treppen und
flog förmlich über das Gelände. Noch im Laufen warf er sich auf die Knie und
strich vorsichtig über Angelinas Gesicht. Seine Hände zitterten vor Angst um
die Frau und in diesem Moment gewann endgültig die Liebe den Kampf.
„Angelina.", flüsterte
Severus und schämte sich nicht der Tränen, die ihm über die blassen Wangen
liefen. Jemand legte ihm eine Hand auf die Schulter und er wandte sein nasses
Gesicht um. Albus Dumbledore blickte ihm gütig in die Augen und nickte ihm
aufmunternd zu: „Madam Pomfrey schafft das schon, Severus."
Damit beschwor er eine Trage
herauf, auf die beide Männer die Schwerverletzte behutsam legten. Dumbledore
entdeckte das buch, welches Angelina noch immer krampfhaft in den Armen hielt.
Stumm reichte er es Snape,
der es ungläubig ansah und den Titel las:
„Liebesgedichte, die das
Herz berühren."
Ein Schluchzen entstieg
seiner Kehle und schnell folgte er Dumbledore und der schwebenden Trage.
Dieses Buch war ein Geschenk
von ihm an Angelina gewesen, und das sie es nun las, war ein Zeichen, dass auch
sie ihn nicht vergessen konnte. Aus welchem Grund sollte sie sonst weinend
seine Zeilen und Gedicht lesen? Sorgsam verstaute Severus das Büchlein in den
Tiefen seines Umhanges.
Madam Pomfrey schlug vor
Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen, als sie nach einer ersten
Untersuchung feststellen musst, das kaum ein Knochen im Körper der jungen Frau
heil geblieben war.
Nur dem permanenten Betteln
des am Boden zerstörten Tränkelehrers war es zu verdanken, dass Angelina nicht
sofort ins Sankt Mungo Hospital verlegt wurde.
Vorwurfsvoll blickte die
Medihexe den zitternden Mann an.
„Ich werde mein Bestes
versuchen, doch geht es nach drei Tagen nicht besser, werde ich sie verlegen
lassen. Und reißen Sie sich zusammen, sonst muss ich Sie von der Patientin
fernhalten. Armes Ding,", flüsterte sie mit einem Blick auf die blasse junge
Frau, „ es werden harte Stunden und Tage für sie werden. Am besten, ich lege
sie in einen künstlichen Schlaf. Kommen Sie, Prof. Snape, machen Sie sich
nützlich, jetzt können Sie Ihren Dank beweisen für Angelinas Pflege während
Ihrer Krankheit."
Sprachs und packte den Mann
einfach resolut am Ärmel, zog ihn in den kleinen Vorratsraum und überhäufte ihn
mit Salben, Tinkturen, Verbandsmaterial und weiteren Hilfsmitteln.
Einige Atemzüge stand
Severus wie gelähmt am Bett der geliebten Frau, als Madam Pomfrey mit einem
Zauber Angelinas Kleidung entfernt hatte und die Vielzahl der Brüche und
Hämatome sichtbar wurden. Doch ein kleiner Schubs genügte, um ihn aus seiner
Lethargie zu reißen und gemeinsam mir der Medihexe zu beginnen, Brüche magisch
heilen zu lassen, Prellungen und Blutergüsse medizinisch zu versorgen.
Die anfänglich befürchtete
Schädelverletzung stellte sich „nur" als ein gebrochenes Nasenbein und eine
durchbissene Zunge heraus, was bei weitem am einfachsten zu behandeln war.
„Unser gutes Kind hier hat
einen verdammt harten Schädel, genau wie Sie. So ist zum Glück nichts ernstes
passiert.", frotzelte die Medihexe und ignorierte gleichzeitig den
vorwurfsvollen Blick ihres „Pflegehelfers".
Die Zeit verrann und endlich
schien man alle Verletzungen versorgt und Angelinas Allgemeinzustand
stabilisiert zu haben.
In der Zwischenzeit waren
auch Prof. Dumbledore und Prof. Mc Gonagall im Krankenflügel eingetroffen und
warteten hilflos in einer Ecke auf Madam Pomfreys Bericht.
Erleichterung spiegelte sich
in ihren Gesichtern und die Hoffnung, es würde keinen Rückschlag, keine
Verschlimmerung kommen, denn auch das konnte die Medihexe nicht völlig
ausschließen.
Alle Drei blickten zum Bett
der Patientin und schmunzelten leicht über das sich bietende Bild. Der sonst so
gestrenge und unnahbar wirkende Prof. Severus Snape saß am Bettrand, hielt
Angelinas Hand und streichelte sie sanft. Sein Gesicht wirkte trotz der
Strapazen der letzten Stunden glücklich und gelöst. Für ihn gab es nun keinen
inneren Kampf mehr, das Schicksal hatte ihm die Augen geöffnet und ihm den
weiteren Weg aufgezeigt. Einen Weg mit Angelina, seinem geliebten Muggel.
Die nächste Nacht wurde eine
Zerreißprobe für die Nerven. Ein Fieberschub jegte den nächsten, Angelina warf
sich unruhig im Bett hin und her, ihre fieberglänzenden Augen irrten suchend
durch den Raum.
Ab und an glaubte Severus
den Namen „Malfoy" zu verstehen und vermutete immer noch die unterschwellige
Wut, tief in ihr, auf diesen Mann, der mit seiner Wahrheit alles zerstörte.
Madam Pomfrey zeigte tiefe
Sorgenfalten auf ihrer Stirn und hoffte nur, Angelinas Körper wäre nicht soweit
geschwächt, dass sie das hohe Fieber nicht überstehen würde.
Staunend sah sie auf Prof.
Snape. Unendlich sanft und zärtlich war er es jetzt, der ihr die fieberheiße
Stirn mit kühlendem Wasser abtupfte und beruhigend auf sie einsprach. Bis an
den Rand seiner Kraftreseren opferte er sich für diese Frau, achtete sorgfältig
darauf, dass sie in ihren Fieberkrämpfen, die sie heftig schüttelten, nicht aus
dem Bett stürzte, verabreichte ihr eigenhändig stündlich die fiebersenkende
Medizin und ließ keinen, außer widerwillig die Medihexe, an Angelina heran.
Der Morgen begann zu
dämmern, als der Kampf zu Ende ging und Angelina endlich erschöpft in einen
tiefen Schlaf fiel.
„Severus,", die Medihexe
berührte leicht seine Schulter, „dank Ihrer unermüdlichen Hilfe hat sie es
geschafft. Sie ist über den Berg, die Krise ist vorüber. Nun geht es aufwärts.
Was Angelina jetzt braucht ist Ruhe, Ruhe, Ruhe. Sie muss wieder zu Kräften
kommen. Und Sie brauchen jetzt auch erst einmal Schlaf."
Als der Mann störrisch den
Kopf schüttelte, meinte Madam Pomfrey gnädig:
„Na gut, nehmen Sie das Bett
neben Angelina, Sie Sturkopf."
Dankbar verzog Severus die
Lippen zu einem angedeuteten Lächeln und war auch kurz darauf eingeschlafen.
Prof. Mc Gonagall schüttelte
erstaunt den Kopf: „Ist das denn wirklich noch unser Prof. Snape?"
Albus Dumbledore dagegen
meinte lächelnd: „Die Liebe, Minerva, die Liebe. Auf unsere Angelina ist doch
Verlass. Hoffen wir nur, dass die Beiden nun endlich ihr neugefundenes Glück
ungetrübt genießen können."
Und warf einen, von den
anderen unbemerkten, sorgenvollen Blick auf die beiden Schlafenden.
Wie sehr sollte Prof
Dumbledore sich in seinen Hoffnungen täuschen.