DER GEFALLENE ENGEL

    von Severina


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Kapitel 5 - 8



5

5.

 

 

„Harry, nicht, bitte. Nein, hör auf!", schrie Angelina durch den Krankensaal.

Tränen liefen ihr unaufhörlich über die Wangen und sie rang atemlos nach Luft.

 

Obwohl man die nächtlichen Vorkommnisse streng geheim halten wollte, wurde schon beim Frühstück in der großen Halle hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Fast jeder hatte schon von der fremden Frau im Krankenflügel gehört und das sie auf geheimnisvolle Weise nach Hogwarts kam. Zum Glück konnten die näheren Umstände verschleiert werden und so wußte niemand über den Vorfall in den Räumlichkeiten von Prof. Snape.

Ein anderer Vorfall erhitzte die Gemüter weitaus mehr, eine Neuigkeit, die ihnen von Jemanden in seiner gewohnt „liebenswürdigen" Art vorgesetzt wurde.

„Ich möchte die hier verbliebenen Schüler und Lehrer davon in Kenntnis setzen, daß Prof. Dumbledore und Prof. Mc Gonagall ihren Urlaub angetreten haben und mir in dieser Zeit die Leitung der Schule übertragen wurde. Es wäre also ratsam, sich in dieser Zeit keinerlei Verfehlungen zu leisten, da diese gnadenlos von mir mit entsprechenden Strafen belegt werden."

Leise, aber um so gefährlicher klangen seine Worte durch den Raum und jeder im Saal starrte Prof. Snape verängstigt an.

„Schöne Bescherung.", flüsterte Ron zu Hermine, die beide gleichsam in Hogwarts das Weihnachtsfest verbrachten. Und da auch Harry seine Weihnachtsferientage wie jedes Jahr hier verbrachte, machten sich die drei Freunde natürlich unmittelbar nach dem Frühstück auf den Weg in den Krankenflügel. Immer darauf bedacht, nicht Mr. Filch über den Weg zu laufen, oder dem neuen Direktor, schlichen sie leise durch Gänge, über Flure und die Treppen entlang und waren erleichtert, dass auch Madam Pomfrey nicht im Krankensaal anwesend war.

 

Und nun saßen alle Drei wie Verschwörer am Bett von Angelina, lauschten den Erzählungen Harrys und wischten sich die Lachtränen aus den Augen. Angelina bat um Gnade, da sie kaum noch atmen konnte und ihr bereits alles wehtat. Aber Harry kannte kein Erbarmen und legte noch einen drauf, so dass bereits Minuten später mehrstimmiges Lachen durch den Krankensaal erklang.

„Was ist denn hier los? Wie kommen Sie hier herein und was wollen Sie?", schimpfte Madam Pomfrey, die angelockt durch laute Stimmen und Lachen, aufgeregt in das Krankenzimmer gestürmt kam.

„Die Patientin braucht absolute Ruhe. Und außerdem dürften Sie überhaupt nicht hier sein." Die Augen der Medihexe blitzten böse.

„Ich sehe mich gezwungen, den Schulleiter über diesen Vorfall zu informieren."

„Nicht nötig, Madam Pomfrey.", raunzte es von der Tür her. Von den Anwesenden völlig unbemerkt, war Prof. Snape eingetreten und sein Gesichtsausdruck verhieß nichts gutes. Obwohl, wann tat es das schon mal.

„Ich erwarte eine Erklärung. Ach, Potter und Anhang. Meine Vermutungen haben mich also nicht getäuscht.", zischte er und senkte seinen Blick tief in den Harrys. Wieder einmal beschlich Harry das ungute Gefühl, Prof. Snape verfügte über die gleiche Gabe wie Prof. Dumbledore, ständig zu wissen, wo sich Harry aufhielt.

Trotzdem erwiderte er fest den stechenden Blick seinen Tränkelehrers, als er antwortete:

„Prof. Snape, es ist ein offenes Geheimnis, was letzte Nacht in Hogwarts passiert ist. Das eine junge Frau auf mysteriöse Weise hierher kam. Und wir wollten nur sehen, ob vielleicht unsere Anwesenheit ein wenig Aufmunterung und Abwechslung bringt."

 

Harrys letzte Worte klangen trotzig und so war auch sein Blick, mit dem er den derzeitigen Schulleiter ansah.

Zynisch antwortete Prof. Snape: „Da ist ja wirklich rührend. Potter, unser Samariter."

Seine Stimme troff vor Hohn und Harry ahnte, dass Prof. Snape noch nicht fertig war. Irgendeinen Trumpf, eine Gemeinheit hatte er noch auf Lager, sonst wäre es nicht Prof. Snape.

Und prompt wurde Harry bedient.

„Mal sehen,", murmelte Snape gefährlich leise, „ich denke für unerlaubten Aufenthalt auf der Krankenstation und ungebührliches Benehmen werde ich Gryffindor 20 Punkte anziehen." Seine Augen glänzten vor Schadenfreude, als er seine letzten Worte ausspie:

„Für jeden von Ihnen."

„Aber, bitte. Sir. Prof. Dumbledore hätte...."

„Halten Sie den Mund, Miss Granger. Der Schulleiter bin ich im Moment und ich habe schon beim Frühstück jeden von Ihnen gewarnt."

Prof. Snapes Stimme duldete keinen Widerspruch und Hermine senkte mit Tränen in den Augen den Kopf.

„Entschuldigung, Prof. Snape?", kam eine leise Stimme aus dem Bett und blaue Augen blickten den Meister der Zaubertränke offen an.

„Bitte sein Sie nicht so streng zu den Dreien. Sie haben es wirklich nur gut gemeint und ich war froh, dass jemand kam und mir die Langeweile vertrieb. Es ist alles neu für mich und auch ein wenig unheimlich. Natürlich hätten die Drei erst Sie um Erlaubnis fragen müssen, aber ich glaube, sie taten es nicht, um Ihnen bei ihrer vielen Arbeit und Verantwortung nicht noch mehr aufzubürden. Bitte, seien Sie nicht zu hart. Ich glaube, tief in Ihrem Inneren meinen Sie es doch nicht so."

Bittend schaute Angelina den hochgewachsenen Mann, der mit seinem schwarzen Umhang immer noch drohend im Raum stand, an.

 

„Gute Frau, ich will hier keinen Sympathiewettbewerb gewinnen. Ich bin für die Sicherheit dieser Schule verantwortlich.", konterte Snape bissig.

Doch Angelina gab so schnell nicht auf.

„Prof. Snape. Bitte, geben Sie Ihrem Herzen einen Stoß und bestrafen die Kinder nicht. Und denken Sie daran, es sind Ferien und heute ist Weihnachten. Bitte!"

Die letzten Worte hatte die junge Frau fast geflüstert und um ihrer Bite Nachdruck zu verleihen, tauchte sie ihren Blick tief in die dunklen schwarzen Augen des Professors.

„Bitte." Wie ein Hauch kam dieses eine Wort von Angelinas Lippen.

„Potter,", unbeteiligt klangen Prof. Snapes Anweisungen, „ich beauftrage dich und deine Freunde damit, jeden Tag am Vormittag und am Nachmittag für je zwei Stunden auf der Krankenstation zu erscheinen und die junge Dame mit den Gepflogenheiten in Hogwarts vertraut zu machen. Aber behindert Madam Pomfrey nicht bei ihrer Arbeit."

Damit wandte er sich um und rauschte mit wehendem Umhang zur Tür. Dort blickte er über seine Schulter hinweg noch einmal auf Harry und murmelte:

„Übrigens, weil ihr eure Ferien dafür nutzt, gebe ich jedem von euch 20 Punkte."

Blickte noch einmal auf Angelina und stürzte zur Tür hinaus.

„Fröhliche Weihnachten, Professor.", rief ihm Angelina nach und ein kehliges Knurren durch die Tür kam als Antwort.

 

Die drei Freunde starrten sprachlos auf die junge Frau. Hermine fasste sich zuerst und es sprudelte nur so aus ihr heraus:

„Wie hast du das nur angestellt? Wir dürfen jetzt offiziell zu dir. Und noch nie hat Prof. Snape eine Strafe zurückgenommen."

 

Sie war immer noch fassungslos über diese Tatsache.

Ron fasste es passend zusammen in seiner coolen Art:

„du hast ihn regelrecht um den Finger gewickelt."

Angelina lag in ihren Kissen und lächelte verträumt vor sich hin.

Und Madam Pomfrey scheuchte alle Drei nun endgültig hinaus.

„Angelina braucht Ruhe!"

 

 

 

6.

 

 

 

Wütend über sich selbst, knallte Prof. Snape lautstark die Tür zu seinen Räumlichkeiten hinter sich zu. Er hatte sich lächerlich gemacht, seine Autorität verloren und das ausgerechnet vor Potter. Noch nie ist er schwach geworden seinen Schülern gegenüber und Strafen wieder revidieren, niemals wäre ihm so etwas in den Sinn gekommen. Je härter, umso besser, war stets seine Devise.

Schuld waren nur diese Augen, die ihn ohne Scheu und Angst anblickten und diese sanfte Stimme, die sich bittend für die Kinder einsetzte.

 

Er ließ seinen Blick wild durch das Zimmer gleiten. Die Hauselfen hatten längst alle Spuren der nächtlichen Katastrophe beseitigt und der Raum glänzte wieder in alter Pracht. Doch Prof. Snapes Zorn war so gewaltig, dass er dererlei nicht wahrnahm. Sein Blick hing am Kamin, dort, wo alles anfing. Hastig wandte er sich ab, als er in Gedanken das hilflose Bündel vor sich liegen sah.

Er stürmte in sein Schlafzimmer, doch auch dort sah er nur die junge Frau in seinem Bett liegen, bewußtlos, hilflos und.... Ja, und was?

Ruhelos wanderte Severus Snape durch seine Räume, setzte sich in den Sessel vor dem Kamin, um gleich darauf wieder aufzuspringen.

Wut und ein bis dahin noch fremdes Gefühl kämpften in seinem Innersten und nahmen ihm die Ruhe. Tausend Fragen wirbelten in seinem Kopf und immer wieder ein Wort „Warum?" Warum hatte er das getan?

 

Er lehnte seine heiße Stirn gegen die Kühle der Fensterscheibe, dann riss er wie ein Berserker das Fenster auf und lehnte sich weit hinaus. Kalte frische Luft strömte in seine Lunge und ein kühler Hauch fuhr durch sein erhitztes Gemüt, strich ihm sanft über das Gesicht und brachte sein immer etwas wirres Haar noch mehr durcheinander.

Sein Blick wanderte über die ferne winterliche Landschaft, welche in tiefem Schnee silbern glitzerte. Lachen klang zu ihm hoch und er sah auf die Schüler, die sich auf dem Schulgelände in der winterlichen Pracht amüsierten. Schneeballschlachten und Rutschpartien, Schneemänner bauen und Schneeburgen.

Kindlich fröhliches Treiben, selbst von den Siebentklässlern.

Da entdeckte Prof. Snape auch Potter, Weasley und Granger, die drei Sechstklässler, die ihm besonders ins Auge stachen. Unbekümmert bewarfen sie sich gegenseitig mit Schneebällen, dabei sauste einer ziemlich knapp an seinem Kopf vorbei.

Hermine quiekte erschrocken und rief dann: „Entschuldigung, Prof. Snape. Und fröhliche Weihnachten."

Dann liefen sie schnell davon. Severus Snape wollte, einem ersten Impuls folgend, eine Bestrafung hinterher schicken, da hörte er plötzlich wieder eine leise Stimme:

 

„Bitte, Prof. Snape. Es sind Ferien."

Unbeherrscht warf er das Fenster zu, dass die Scheibe klirrte und stürmte aus der Tür in Richtung seines Büros, wo er ein kleines Labor eingerichtet hatte für private Trankzubereitungen und Experimente.

 

Hart fiel die Tür ins Schloss und schwer atmend lehnte sich Prof. Snape dagegen.

Langsam löste er sich von seinem Halt, ging zu seinem Schreibtisch, setzte sich und vergrub sich in ein Buch über „Neueste Errungenschaften in der Zaubertrankbrauerei und unbekannte Gegengifte."

Ein Knall erschütterte die Kerkermauern, als Prof. Snape das dicke Nachschlagewerk wütend auf seinen Schreibtisch warf, da ihm die nötige Konzentration fehlte, um das Gelesene aufzunehmen und zu verarbeiten.

Missmutig betrat Severus Snape den kleinen Nebenraum, entnahm einem kleinen, stets verschlossenen Schränkchen einige Zutaten und stellte sich dann an seinen Labortisch.

Mit einem Schlenker seines Zauberstabes fegte er nicht benötigte Utensilien beiseite und nachdem er den großen Kolben im Metallständer leicht angetippt hatte, fing die gelbliche Flüssigkeit darin an zu blubbern und leichte Nebelschwaden legten sich über den Tisch.

Da geschah etwas, das Prof. Snape noch nie in seinem Leben passiert war. Eine winzige Phiole mit einer kostbaren Zutat entglitt seinen Händen und zerschellte am Boden. Spritzer der Flüssigkeit fraßen sofort Löcher in Schuhe und Umhang und der entstandene Dunst reizte den Tränkemeister zu Hustenanfällen und Augentränen.

Hastig öffnete er mittels Zauberstab noch schnell das Fenster im Kerkerraum, bevor er auf den Flur trat und kräftig durchatmete.

Langsam war sein Verstand wieder in der Lage, einigermaßen normal zu denken und so registrierte er nach und nach den Schmerz. Schmerz an den Füssen und den Unterschenkeln.

Vorsichtig schlug Prof. Snape seinen Umhang beiseite und streifte ein Hosenbein nach oben. Riesige Blasen und eingebrannte Löcher auf der Haut, hervorgerufen von den Spritzern aus der zerschellten Phiole, ließen die Schmerzen fast unerträglich werden. Seine Schuhe wollte Severus erst gar nicht ausziehen, er konnte sich vorstellen, dass auch die Füsse um nichts besser aussahen.

 

Kurz trat er in sein Büro zurück, sah nach dem Rechten, verärgert über den Verlust des wertvollen Inhaltes der Phiole, nahm der den noch immer leise vor sich hin blubbernden Glaskolben und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen die Wand. Ein Klirren und unheimliches Zischen klang an seine Ohren, was ihn nur noch wütender werden ließ, da dieses Zischen nichts weiter bedeutete, als das nun auch der Boden in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Trotzig wie ein kleines Kind stampfte er auf, um gleich darauf durch wahnsinnige Schmerzen an seine Verletzungen erinnert zu werden.

`Severus Snape, beherrsch dich. Was ist nur los mit dir heute?`, versuchte er sich selbst zu beruhigen.

Zögernd nahm er den Zauberstab auf, murmelte „Reparo" und Glaskolben, sowie Phiole fügten sich fein säuberlich zusammen. Nur der Inhalt der beiden Gefäße war unwiderbringlich verloren.

 

Prog. Snapes Gang glich mehr einem Humpeln, hervorgerufen durch seine Schmerzen, so dass er sich entschied, doch den Krankenflügel aufzusuchen und Madam Pomfreys Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was er sonst als sehr annehmbar und angenehm empfand, wurde ihm heute fast zum Verhängnis. Es war der Umstand, dass er sich im Kerker aufhielt und der Krankenflügel sich unter dem Dach befand.

Sonst angenehm weit weg von Krankheit und jammernden Schülern, schaffte es Prof. Snape heute nur mit äußerster Willensanstrengung, die vielen Treppen hinauf.

Nur sein eiserner Wille hielt ihn davon ab, dass Tränen des Schmerzes über seine Wangen liefen, denn durch die Reibung des Stoffes waren alle Blasen aufgeplatzt und verursachten Schmerzen, die fast zur Besinnungslosigkeit reichten.

Mit letzter Kraft klopfte er an das kleine Türchen zu Madam Pomfeys Aufenthaltsraum und erklärte ihr in kurzen Worten seine Beschwerden.

Ein Blick der Medihexe reichte, um sie, ob der großen Verletzungen, zusammenzucken zu lassen. Leuchtend rot schimmerte das rohe Fleisch auf den Unterschenkeln und Madam Pomfrey duldete keinen Widerspruch, als Prof. Snape sich weigern wollte, ein Bett im Krankenflügel zu belegen.

„Ich kann Sie ja kaum bitten, sich zur Behandlung hier auf den Flur zu legen.", schimpfte die Medihexe böse.

„Und außerdem wartet eine nette Bettnachbarin auf Sie, die Ihnen etwas Unterhaltung bietet."

„Legen Sie mich ja ans andere Ende des Zimmers.", fauchte Severus Snape, dem die Vorstellung allein, gleich neben Angelina im Bett zu liegen, die Galle überkochen ließ und Schweißausbrüche verursachte.

 

Eigentlich ließ sich Madam Pomfrey auf ihrer Krankenstation von niemandem hineinreden, doch sie wollte keine Ärger und außerdem hatte sie auch eine gehörige Portion Respekt vor dem stets grantigen Zaubertranklehrer und so befolgte sie seine „Bitte".

Er bekam sein Bett gleich vorn beim Eingang, während Angelina hinten eine schönen Fensterplatz belegte.

„Hallo Angelina. Hier bringe ich einen neuen Patienten. Seien Sie nett zu ihm ." , rief Madam Pomfrey fröhlich.

Sie wollte mit der Behandlung beginnen, jedoch ein gefährliches Knurren ließ sie innehalten.

„Schirmen Sie gefälligst mein Bett ab.", raunzte Prof. Snape.

Nachdem er sichergehen konnte, von keinem, es war ja nur ein Patient da, gesehen zu werden, durfte die Medihexe beginnen.

Angelina hatte sich unterdessen aufgerichtet und schaute mit großen Augen ungläubig auf das abgeschirmte Bett.

Sie hatte den knurrigen Patienten erkannt und fragte sich, warum er jetzt hier lag.

Noch sah sie ihn mit wehendem Umhang den Krankensaal verlassen.

Vorsichtig und leise huschte sie aus dem Bett.

 

 

 

7.

 

 

„Sind Sie sich auch absolut sicher, Albus? Das ist ja furchtbar." Minerva Mc Gonagall war vor Schreck blass bis unter die Haarwurzeln geworden, nur einige hektisch-rote Flecke zeichneten sich auf ihren Wangen.

Sie war sofort, nachdem sie die Eule von Prof. Dumbledore erhalten hatte, nach Hogsmeade in die „Drei Besen" geeilt, denn sie ahnte, dass etwas von ungeheurer Wichtigkeit vorgefallen sein muss.

„Hier trinken Sie erst einmal einen Schluck." Und damit reichte Prof. Dumbledore seinem Gegenüber eine Flasche wärmendes Butterbier, welches dankbar angenommen wurde.

„Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich noch keinerlei Gefahr und wir sollten unsere Befürchtungen unterdrücken, meine Liebe. Zu gegebener Zeit werden wir dann schon zu handeln wissen."

„Sie haben ja wahrscheinlich recht. Aber müssten wir nicht wenigstens Prof. Snape darüber informieren? Immerhin hat er die Verantwortung."

Lächelnd blickte Prof. Dumbledore über seinen Brillenrand hinweg auf Minerva Mc Gonagall.

 

„Das halte ich für keine gute Idee, Professor. Man sollte keine schlafenden Hunde wecken und ich habe da so meine eigenen Vorstellungen. Vielleicht passiert es auch nicht."

Zweifelnd blickte Minerva den Schuldirektor an.

„Es isr Ihre Entscheidung, Prof. Dumbledore."

„Na, Minerva. Vertrauen Sie auf die Zeit."

 

„Sollten wir dann nicht wenigstens unseren Urlaub abbrechen, Albus, und nach Hogwarts zurückkehren?"

Der Schulleiter schüttelte den Kopf.

„Nein, Minerva. Was für eine Erklärung geben wir dem Kollegium und vor allem Severus? Er wird denken wir trauen ihm nicht und das wird ihn doppelt treffen. Nein, wir werden unsere Ferien weiterführen und zum ausgemachten Zeitpunkt nach Hogwarts zurückkehren. Und nun lassen Sie den Kopf nicht hängen, meine Liebe. Im Moment ist Angelina in den besten Händen und Hogwarts auch."

Noch immer waren Zweifel in Minerva Mc Gonagalls Gesicht zu lesen, doch scheinbar hatte sei keine Argumente gegen den Schulleiter, die er nicht mit einer Erwiderung abschmetterte.

Und so fügte sie sich momentan den Wünschen Prof. Dumbledoers.

„Also gut, Albus. Ich vertraue Ihren Worten. Aber glauben Sie mir, ruhige Ferien werde ich keine mehr haben."

Fast ein wenig beleidigt schaute sie den alten Mann ihr gegenüber an. Dieser hob die Hand und strich ganz sanft über die sorgenvolle Stirn von Prof. Mc Gonagall.

„Minerva, meine Liebe. Es wird alles gut.", flüsterte er und strich kurz über ihre Wange.

 

Ein Klopfen ließ beide aufhorchen und als sich die Tür öffnete, trat Madam Rosmertha ein, mit Nachschub an Butterbier.

„Setzen Sie sich doch zu uns, meine Liebe und trinken Sie mit uns ein Butterbier.", lud Prof. Dumbledore die Wirtin ein, die sich auch nicht lange bitten ließ.

Neugierig blickte Madam Rosmertha von Einem zum Anderen.

„Was gibt es Neues in Hogwarts? Stimmt es , dass ein „Findling" im Schloss ist und Prof. Snape momentan die Schule leitet?"

Bei ihren Worten war Prof. Mc Gonagall leicht zusammengezuckt. Wo mochte die Wirtin der „Drei Besen" das nun schon gehört haben? Neuigkeiten und Gerüchte verbreiteten sich schneller als der Wind. Und irgendwer musste geplaudert haben.

Hagrid? Filch? Ein Fremder, der mehr wusste?

So überhörte Minerva Mc Gonagall fast die Worte des Schulleiters, mit denen er Madam Rosmertha Antwort gab.

„Ja, es ist wahr. Prof. Snape leitet im Moment die Schule, da Minerva und

ich dieses Mal zur selben Zeit in die Ferien gehen. Und ich habe keinen Zweigel daran, dass unser Professor sich durchsetzen kann und die Schule korrekt leitet."

„Die Schule wird beben, genau wie die armen Schüler. Bei dem momentanen Direktor.", warf Madam Rosmertha ein.

Dumbledore schmunzelte. „So schlimm wird es schon nicht werden, denke ich."

„Und was ist mit der anderen Neuigkeit? Ist es wahr, dass eine unbekannte Frau auf seltsamen Wegen nach Hogwarts kam?", die Neugierde stand der Wirtin ins Gesicht geschrieben.

„Nun ja, wir haben einen Gast in der Schule. Das ist wahr. Doch wissen wir weder, wer sie ist, noch wo sie herkommt. Momentan liegt sie im Krankenflügel bei Madam Pomfrey."

Enttäuschung breitete sich aus bei Madam Rosmertha, die auf eine grandiose Sensation gehofft hatte. Nun wurde sie mit ein paar lapidaren Worten abgespeist. Doch sie konnte nicht locker lassen, las sie doch in den Gesichtern der Beiden, das es nicht die ganze Wahrheit war. Irgend etwas wurde ihr verschwiegen.

 

„Was meint denn der Zaubereiminister dazu? Weiß er denn nicht mehr, er sitzt doch an der Quelle?", fast bittend schaute sie auf Prof. Dumbledore, er möge sie doch nicht so quälen und ihr etwas mehr erzählen.

Doch dazu war der Schulleiter nicht bereit, wusste er doch aus Erfahrung, dass Geheimnisse, unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt, in ein paar Stunden in ganze Hogsmeade verbreitet waren.

„Zum jetzigen Zeitpunkt weiss auch Mr. Fudge nicht mehr. Das Flohnetzwerk muss repariert und einige andere Regelungen getroffen werden, so dass im Ministerium jeder alle Hände voll zu tun hat. Tut mir leid, meine Liebe, Ihnen nicht mehr sagen zu können."

Und an Minerva gewandt sagte er leise, aber bestimmt:

„Professor, ich glaube es wird Zeit für uns. Sie wissen Bescheid und wir sehen uns in Hogwarts wieder. Schöne Ferien noch, Prof. Mc Gonagall. Madam Rosmertha."

Und mit einem Kopfnicken in Richtung der beiden Damen verließ der Schulleiter den Raum.

Noch ehe Madam Rosmertha sich nun auf ihr nächstes Opfer stürzen konnte, sprang Prof. Mc Gonagall auf, wandte sich zu ihr: „Meine Liebe, wir sehen uns bald.", und schlüpfte behende zur Tür hinaus, eine wutschnaubende und enttäuschte Wirtin zurücklassend.

 

 

8.

 

 

Angelina schlich auf Zehenspitzen zu dem verdeckten Bett, aus dem leise Schmerzensseufzer zu hören waren, unterbrochen von kurzen Flüchen, die sie kaum verstand. Nur einzelne Fetzen drangen an ihr Ohr: .....verflixtes Weibsbild.......nur Ärger.....keine Lust auf Ballast.....am besten vergiften.."

Die junge Frau fragte sich, wer ihn wohl so verärgert hatte, denn er war völlig ausser sich. Unbemerkt war sie an der Trennwand angekommen und lugte nun vorsichtig ein wenig um die Ecke. Was sie da sah, ließ sie erschreckt zusammenfahren. Was war schlimmes passiert, warum sah er so aus?

Behutsam hielt Madam Pomfrey ein Bein des Patienten in ihrer Hand und versuchte,mit der anderen Hand, mit Hilfe eines Spatels, eine Heilsalbe auf die Handteller großen Blutroten Wunden zu streichen. Doch Prof. Snape war kein geduldiger Patient, ständig zuckte er das Bein weg und schimpfte es dauerte alles viel zu lange.

„Dank Ihrer unermüdlichen Mithilfe sind wir in ein paar Stunden noch nicht fertig. Halten Sie still, ich habe nur zwei Hände.", fuhr die Medihexe den Mann böse an.

Beleidigt grummelte Serverus Snape irgend etwas vor sich hin. Ein erneuter Schmerz ließ ihn aufstöhnen und er zuckte das Bein zurück, auf dem Madam Pomfrey vergeblich versuchte, nun endlich die heilende Medizin aufzutragen.

 

„Darf ich helfen, Madam Pomfrey? Zu zweit geht es bestimmt besser."

Angelina trat mit einem Schritt hinter der abschirmenden Wand hervor und schaute bittend auf die Medihexe.

„Ich möchte mich gerne nützlich machen und hier glaube ich, wird wohl etwas Hilfe gebraucht."

Der Blick der jungen Frau wanderte weiter und blieb an dem blassen Gesicht des Professors hängen. Sie erkannte kleinen Schweißperlen auf seiner Stirn und ahnte die Schmerzen, die er aushalten musste.

Auf dem Nachtschränkchen entdeckte sie eine kleine SchaleWasser und ein Läppchen und ohne zu zögern trat sie an den Schrank, benetzte den Lappen mit kühlem Wasser und beugte sich über das Bett. Vorsichtig begann sie Prof. Snape die schweißnasse Stirn abzutupfen, als eine Hand sich mit hartem Griff um ihr Handgelenk schloss. Schwarze Augen blitzten sie wütend an und bösartig schnauzte er:

„Lassen Sie mich in Ruhe. So viel Hilfsbereitschaft ist ja abartig."

Erschrocken über diesen Ausbruch trat Angelina einige Schritte vom Bett und schaute betreten auf Severus Snape.

„Ich wollte nur behilflich sein. Entschuldigen Sie bitte.", stammelte sie leise.

 

`Warum muss sie sich ständig entschuldigen oder um etwas bitten. Und dazu diese leise Stimme.`, schoss es Prof. Snape durch den Sinn. Er war grantig auf sich selbst, dass er sich schon wieder mit „dieser verhassten Person" beschäftigte.

„Kommen Sie, Angelina. Helfen Sie mir bitte. Bei diesem Patienten schaffe ich es alleine nicht.", bat in diesem Moment die Medihexe.

Hastig eilte Angelina an das Bettende und schaute Madam Pomfrey fragend an.

„Hier, mein Kind. Halten Sie das Bein unter der Wade fest, damit ich die Salbe und Tinktur auftragen kann."

Behutsam, fast zärtlich, griff die junge Frau nach dem Bein des Tränkelehrers und hielt es den Anweisungen nach fest. Endlich konnte Madam Pomfrey die heilenden Substanzen aufbringen und war schnell mit dem ersten Bein fertig.

Man konnte förmlich zusehen, wie sich die Farbe der Wunden änderte, ins blassrote wechselte und sich schon begann neue Haut zu bilden.

„Beeindruckend.", flüsterte Angelina erstaunt.

„Kommen Sich, Kindchen. Hier ist noch ein Bein. Unser Patient wartet nicht gerne.", unterbrach die Medihexe die Begeisterung der jungen Frau.

Angelina blickte scheu noch einmal in das Gesicht des Professors. Noch immer standen Schweißperlen auf seiner Stirn und sein Gesicht war blasser als üblich.

Schnell griff sie das zweite Bein und hielt es für die Behandlung hoch. Sie wünschte, der Professor würde schnell von seinen Schmerzen befreit werden.

Immer noch fasziniert von der schnellen Wirkung der Salbentinktur, schaute Angelina begeistert auf das erste Bein, wo der Heilungsprozess bereits grosse Fortschritte gemacht hatte.

Da passierte es, ein falscher Griff und sie kam mit ihrem Daumen direkt auf eine der grösseren Wunden. Severus Snape stieß einen Schmerzensschrei aus und zog das Bein reflexartig zurück. Angelina ließ los und der Medihexe fiel die Tinktur aus der Hand, die sich sekundenschnell im Bett verteilte.

Severus Snape bekam einen Tobsuchtsanfall.

„Halten Sie mir diese Person vom Leibe, oder ich hetzte ihr einen Fluch auf den Hals.", donnerte er die Medihexe an.

Wie ein verschreckter Vogel stand Angelina am Fussende und blickte abwechselnd auf Madam Pomfrey und den zornbebenden Professor.

Dann sah sie, was sie angerichtet hatte. Wie versteinert stand sie und richtete ihren Blick auf das Bein. Aus der Stelle, die sich aus Versehen berührt hatte, sickerte schwarz-rotes Blut und ein Loch klaffte am Rand der Wunde.

Verhaltenes Stöhnen aus dem Bett ließ die Schmerzen erahnen, die der Mann leiden musste.

Schnell eilte die Medihexe in ihr kleines Vorratslager und holte eine lila Flüssigkeit, die sie vorsichtig über die Wunde goss.

„Nun wird es wohl doch eine Nacht auf der Krankenstation werden, Professor.", meinte Madam Pomfrey lakonisch.

Sie war selbst erschrocken, versuchte jedoch es sich nicht anmerken zu lassen. Kein Öl ins Feuer giessen, dachte sie. Der Professor ist schon wütend genug.

„Das habe ich Ihnen zu verdanken und Ihrer übergrossen Hilfsbereitschaft.", fauchte Severus Snape das zitternde Bündel Mensch an.

„Gehen Sie mit in Zukunft aus dem Weg."

Panisch drehte sich Angelina um, rannte zu ihrem Bett, warf sich quer darüber und fing haltlos an zu weinen.

Madam Pomfrey hatte schon eine Zurechtweisung auf den Lippen für Prof. Snape, jedoch in Anbetracht seiner schon üblen Laune verzichtete sie doch besser darauf, damit die Situation sich nicht noch zuspitzte.

Schließlich kannte sie Prof. Snape, sein unberechenbaren Wesen und seine Ausbrüche schon lange genug, um zu wissen, wann es besser wäre zu schweigen.

So beschränkte sich Madam Pomfrey darauf, ihren Patienten vorwurfsvoll anzusehen und tadelnd mit dem Kopf zu schütteln, was den Mann im Bett vor ihr jedoch nicht sehr zu beeindrucken schien.

Mit geübten Handgriffen verarztete die Medihexe die restlichen Wunden und überließ anschließend den Professor sich selbst und seiner üblen Gemütsverfassung.

 

Madam Pomfrey lief zu Angelina, die mit rotgeweinten Augen vor sich hin starrte.

„Nehmen Sie es nicht so persönlich. Er hat noch keinem etwas getan. Das ist sein Temperament. So ist er nun mal und Sie werden sich schon daran gewöhnen, Kindchen. Glauben Sie mir."

Mechanisch nickte Angelina, obwohl sie die Worte der älteren Frau nicht so recht glauben konnte.

So verließ Madam Pomfrey den Krankenflügel, noch einmal nach Prof. Snape sehend, der vor Erschöpfung nach den durchlebten Schmerzen eingeschlafen war und leise stöhnte.

Nun endlich wagte sich Angelina wieder aus ihrem Bett, trat ans Fenster, um es zu öffnen und schöpfte tief die frische Luft. Langsam trockneten ihre Tränen und ihr Kopf wurde klarer.

Sie war dem Professor nicht böse, wer weiß wie andere reagierten bei solchen Verletzungen und den höllischen Schmerzen. Und schließlich war es ihre Schuld, sie hätte sich besser konzentrieren müssen. Aber was für eine Wundsalbe hatte Madam Pomfrey nur benutzt, die eine so rasche Heilung ermöglicht?

 

 

Der Abend senkte sich über das Land und bald darauf brach die Nacht herein. Fast kein Laut erklang im Schloss und so bemerkte Angelina das leise Stöhnen aus dem vorderen Bett.

 

Auf Zehenspitzen schlich sie zu Prof. Snape, ängstlich, er könne sie wieder wütend anfahren.

Doch dann sah sie voll Erschrecken den hochfiebernden Man vor sich. Schweißnass warf er sich hin und her und stöhnte vor Schmerz.

Die offene Wunde eiterte stark und war an den Rändern bereits schwarz.

Hastig eilte Angelina zur Tür, auf der Suche nach der Medihexe. Sie wusste, hier war höchste Eile geboten.

Leise rufend rannte die junge Frau über den Flur, als sich endlich eine Tür öffnete und Madam Pomfrey erschien. Nach kurzem Bericht eilte sie in fliegender Hast an das Bett von Severus Snape.

Mit Hilfe des Zauberstabes brachte sie die infizierte Wunde zum öffnen, so dass Eiter und Wundwasser abfließen konnten. Sorgsam bestrich sie nun alles mit einer gelblichen, leicht übelrichenden Salbe, die jedoch sofort zu wirken begann. Wie unter Zauberhand schloss sich das Loch und auch die schwarzen Wundränder verschwanden.

„Ich glaube, jetzt haben wir es geschafft. Dank Ihrer Aufmerksamkeit, Angelina. Sie haben Prof. Snape in dieser Nacht das Leben gerettet."

Leicht errötend winkte diese ab. „Es war als Wiedergutmachung meines Fehlers."

„Na wie auch immer. Ich hole noch etwas gegen das Fieber, dann müsste Prof. Snape über den Berg sein."

Während Madam Pomfrey ins Nebenzimmer trat, nahm Angelina erneut das Läppchen aus der Schale mit kühlem Wasser und drückte es aus. Unendlich sanft und vorsichtig tupfte sie dem fiebernden Professor die Stirn ab und strich über Schläfen und Wangen.

`Wie blass er ist.`, dachte sie.

Einige Male wiederholte sie die Anwendungen und strich ihm fast liebevoll das lange schwarze Haar aus dem Gesicht.

Da bemerkte sie den prüfenden Blick der Medihexe im Nacken und peinlich berührt wandte sie sich um. Die Ältere lächelte sie jedoch nur an und meinte: „Hoffentlich dankt er Ihnen soviel Fürsorge."

Damit flößte sie Severus Snape das Fiebermittel ein und mit einem „Gute Nacht" verließ sie den Raum wieder.

 

Angelina holte frisches Wasser und benetzte weiterhin die fieberheiße Stirn des Professors.

Nach langer Zeit öffnete er endlich die Augen und sah sie staunend an.

„Sie schon wieder. Entweder sind Sie penetrant hartnäckig oder stur."

„Vielleicht beides, Professor. Wie fühlen Sie sich?", lächelte sie ihn an.

„Etwas besser. Wo ist Madam Pomfrey?"

Schelmisch blickte Angelina mitten in die schwarzen Augen, die nun ihren fiebrigen Glanz verloren hatten und antwortete:

„Ich bin die Nachtschwester."

Kopfschüttelnd betrachtete Severus Snape das Wesen vor sich, das plötzlich über und über errötete, als ihr bewußt wurde dass sie nur mit einem Nachthemd bekleidet vor dem Bett des Professors stand und tat, als wäre es das Natürlichste der Welt.

Noch schlimmer wurde es, als er erwiderte:

„Die Schwesterntracht ist vielleicht nicht gerade passend, um einen Patienten in Ruhe gesunden zu lassen."

Übermütig lachend patschte Angelina Severus den nassen Lappen mitten ins Gesicht.

„Dann schauen Sie nicht hin, wenn es sie nervös macht.", neckte sie ihn.

 

Plötzlich packten zwei Hände sie fest an den Oberarmen und zogen sie hinunter. Milimeter trennten ihr Gesicht von seinem und sie starrte erschrocken in seine tiefschwarzen Augen.

Gepresst zischte er: „Tun Sie das nie wieder."

Dann stieß er sie von sich, so dass sie taumelte und sich am Nachtschrank stützen musste.

Fassungslos schaute sie auf den Mann vor sich. War sie zu weit gegangen?

„Ihnen kann man nichts recht machen. Was ich auch tue, ständig ist alles verkehrt.", murmelte Angelina traurig.

Snape blickte sie an, als sähe er sie zum ersten Mal, dann räusperte er sich und grummelte:

„Wenn Sie unbedingt eine Beschäftigung suchen, dann kommen Sie in mein Büro. Da brauche ich eine Hilfe zum Aufräumen und Sortieren. Und nun verschwinden Sie ins Bett, sonst werden Sie noch krank. Und bilden Sie sich nicht ein, dass ich Sie dann pflege."

Damit wandte sich Severus Snape ab und schloss die Augen, womit für ihn das Gespräch beendet war.

Ganz vorsichtig schlich sie noch einmal zum Kopfende und fischte den nassen Lappen aus den Kissen.

„Verschwinde endlich.", zischelte es aus dem Bett.

 

Nun endlich kroch Angelina unter ihre wärmende Decke und musste schon niesen.

Wie von Zauberhand stand plötzlich auf ihrem Nachtschrank eine dampfende Tasse heißer Tee. Leise schmunzelnd trank sie ihn aus und schlief kurz darauf ein.

Nur in dem vorderen Bett fand jemand keinen Schlaf. Immer wieder fragte er sich, warum er das getan hatte und sie als Helfer in sein Büro geladen.

Er wollte Abstand halten, sie war doch nur „lästiger Ballast". Und Schuld an allem.

Völlig aufgewühlt schlief auch er endlich ein.