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von Kira






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Kapitel 13 - 18 (Ende)



13

13. Kapitel

13 - Freitag - echt haarig!

 

 

Arthur Weasley hatte seine Inspektion abgeschlossen und bemühte sich, den Schrankkoffer mit dem gestohlenen technischen Equipment mit einem Schrumpfzauber zu verkleinern. Das Scheppern gab ihm den untrüglichen Hinweis, dass der Plasmafernseher diese Maßnahme nicht überstanden hatte.

"Ron, mein Junge - ich muss gehen. Das Ministerium erwartet mich sicher schon zurück."

"Dad."

"Ron, bitte, keine lange Abschiedsszene - ich muss gehen."

"Dad, aber..."

"Ronald Weasley - ich weiß, dass es dir schwer fällt mich gehen zu lassen, aber ich war schon länger hier, als eigentlich geplant."

"DAD! Du warst genau genommen viiiiiel zu lange hier! Was hast du nur die ganze Zeit getrieben? Als du herkamst war noch Winter, inzwischen ist Sommer! Vor zweieinhalb Monaten hat man dich als vermisst gemeldet. Hast du dich denn zwischenzeitlich nie im Ministerium gemeldet?"

"Ich...war beschäftigt", gab Arthur kurz angebunden zurück.

"Himmel, Dad - selbst ich wusste nicht, dass du hier noch immer rumhängst. Anfangs dachte ich noch, du wärst längst zurück zu Mum gefahren."

"Ach Ron - es gab hier so viel zu tun! Ich habe allein drei Tage damit verbracht, die Sicherheit der Fahrstuhltüren zu testen."

Ron nickte langsam: "Dann warst du also derjenige, der den Aufzug drei Tage lang blockiert hat, weil du immer wieder die Lichtschranke unterbrochen hast?"

"Ja - leider musste ich meine Forschungen abbrechen, als der Fastkopflose Nick vorbei kam."

"Wieso - was hat der damit zu tun?"

"Ach, er hat da bald wieder dieses Treffen der Kopflosen - und er hat schreckliche Komplexe weil er nur fast kopflos ist - da kam er auf die Idee, seinen Hals zwischen die automatisch schließenden Türen zu stecken. Er dachte, die Türen könnten sein Problem in Ordnung bringen. Sie sind aber glatt durch ihn durchgeglitten - dummer Geist - und dann war der Aufzug auch schon weg - hatte wohl jemand auf den Knopf gedrückt, dabei war ich mit meinem Dauertest noch gar nicht fertig!"

Ron stöhnte auf: "Natürlich hat jemand auf den Knopf gedrückt - weißt du eigentlich, dass der Rückstau vor dem Aufzug bis zur Rolltreppe zurückreichte. Diese war dann ebenfalls blockiert und einige Schüler hatten einen Kreislaufkollaps, weil sie plötzlich wieder die Treppen benutzen mussten!"

"Das tut mir aber leid", murmelte Arthur Weasley.

"Mir tut es auch leid, Dad, aber da ist noch etwas..."

"Was denn mein Sohn?"

"Nun ja - du warst ja fast drei Monate verschollen - niemand wusste wo du bist...und Professor Dumbledore...nun, er hatte so viel zu tun - wegen der Fußball-WM und so...außerdem wurde dein Pullunder im Maul von Fluffy gefunden. Professor Dumbledore dachte also...wir alle dachten...nun - er hat dich für tot erklären lassen." Ron wartete betreten die Reaktion seines Vaters ab.

"Ihr dachtet...dass der dreiköpfige Hund...mich gefressen hätte?"

Ron hob beschwichtigend die Hände: "Dad - ich habe es nie wirklich geglaubt, aber du warst so lange fort und...Fluffy hat echt lange nichts zu Fressen bekommen..."

"Doch - hat er! Von mir Ron! Was glaubst du wie ausgehungert das Hündchen war, als ich es fand. Seit Band eins liegt er da auf dieser Bodenluke und wird vernachlässigt. Ich habe ihm ein paar Dosen Hundefutter besorgt, dafür durfte ich bei ihm schlafen."

"Oh, da hast du also die ganze Zeit gesteckt! Na, dann solltest du dich jetzt wirklich beeilen und zum Ministerium zurückkehren - die werden Augen machen!"

Arthur Wesley steckte den verkleinerten Schrankkoffer in die Hosentasche und tippte sich kurz an die Hutkrempe des Hutes, den er gar nicht trug. "Mach's gut, Ron.Ach, da fällt mir noch was ein...ich habe Fluffy versprochen, dass du dich um ihn kümmerst. Er mag übrigens nicht nur Musik, sondern auch Tanzdarbietungen. Eine Mischung aus Ballett und Salza wäre nicht schlecht - aber pass auf, dass du ihm nicht auf die Pfoten trittst. Falls doch, weich immer nach links aus - die Wirbel seines rechten Nackens sind nämlich manchmal eingeklemmt und vielleicht hast du dann Glück, so dass er dich nicht erwischt. Und pass auf, er hat Flöhe, so groß wie Karnickel."

Mit dieser letzten Warnung drehte sich Arthur Weasley um und machte sich auf den Weg zum Schlossportal.

 

ooooooooooooooooooooooooooooooooo

 

Severus Snape studierte eingehend die Adresse auf dem Briefkopf.

 

Notar

Dr. T. Odesser

 

Liebermannstraße 69

 

38317 Liebherzfeld

 

Der Tränkemeister drehte den Brief nachdenklich in seinen Händen. Die Adresse klang so gar nicht nach einem Notar, den der Lord sich zur Wahrung seiner Interessen gewählt hätte. Als er den Brief anders herum hielt, erkannte er entsetzt, dass sogar die Postleitzahl das Wort LIEBE bildete.

Snape entfuhr ein Ächzen. Außerdem war der Kerl offensichtlich ein Muggel. Der Name des Notars hätte allerdings durchaus den Ausschlag für Voldemorts Wahl geben können - Snape schüttelte den Kopf - der Lord war so schrecklich kindisch gewesen, wenn es um Wortspiele ging. Allein dieses Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf. Oder die Tatsache, dass ihre Begrüßungsformel bei den Todesserkaffeekränzchen "Backe, backe Kuchen", gelautet hatte. Ganz zu schweigen von dem Spruch, der vor jeder Tasse Kaffee gemurmelt worden war - C A F F E E - trinkt nicht so viel Kaffee - nichts für Muggel ist der Zaubertrank - schwächt die Nerven, macht sie blass und krank.

Hatte der Lord sich wirklich Sorgen um Muggel gemacht? Nein, Snape wusste es besser. Die Albernheiten des Lords waren eine alte Kriegsverletzung - wenn man so will. Er hatte in einem Nahkampf mit Dumbledore einst einen der hinterlistigen Flüche des mächtigen Hogwarts-Direktors abbekommen; seitdem konnte er sich nicht gegen allzu süßliche Anwandlungen wehren. Es hatte besonderes Fingerspitzengefühl von Seiten Snapes gebraucht, Dem-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf zu versichern, dass er ansonsten völlig unschwul rüberkam. Snape fiel auf, dass er sich in sentimentalen Erinnerungen erging. Er schnaubte unwirsch, um sich selbst zur Ordnung zu rufen. Ein schneller Blick auf seinen Beate-Uhse-Kalender zeigte ihm, dass es mal wieder Zeit zum vögeln wurde - und außerdem, dass heute Freitag der dreizehnte war. Sein Termin war treffenderweise ebenfalls für 13.00 Uhr anberaumt. Snape sah auf seine Swatch - keine Uhrzeit zu sehen. Er klopfte mit einem seiner schlanken Finger darauf. Nichts! Verdammte Raubkopie!

Dennoch war er sicher, dass es Zeit war aufzubrechen. Er entschied, dass Herr Odesser ein interessanter Mensch war, da dieser offensichtlich keine Mittagspause machte. Da Snape in einen ihm fremden Muggelort apparieren musste, noch dazu irgendwo in Deutschland, entschied er sich für ein unauffälliges Outfit. Eine schwarze Hose mit steiler Bügelfalte, ein schwarzes Hemd mit gleichfarbigem Einstecktuch und ein schwarzer Schlipps, den man auf dem schwarzen Hemd nicht sehen konnte, ließen ihn sich an die Muggelkleidung schnell gewöhnen.

Er musste zugeben, dass er tatsächlich ein wenig melancholisch war. Auch wenn er die erzwungenen Albernheiten des Lords mit äußerster Abscheu zur Kenntnis genommen hatte, so hatten sie doch genug Zeit miteinander verbracht, dass Snape wusste, dass der Lord mit viel Ernst bei der Sache gewesen war. Auch wenn Snape nicht alles - naja, eher das Wenigste - gutgeheißen hatte, so musste er zugeben, dass der Lord immer vollen Einsatz gezeigt hatte.

Seine letzten Bemühungen, der Technik hinterherzueilen waren lobenswert gewesen, wenn auch in diesem speziellen Falle kein krönendes Ergebnis zu Stande gekommen war. Snape apparierte direkt bis vor die Tür von Odessers Büro, dann trat er ohne zu zögern ein.

"Guten Tag, Sir - wie kann ich Ihnen helfen?", ließ sich eine blonde Empfangsdame vernehmen.

"Ich habe einen Termin. Severus Snape. - 13.00 Uhr", erläuterte er dann noch.

Die Sekretärin sah ihn erstaunt an und blickte in ihren Kalender.

"13.00 Uhr? Da hat sich wohl ein kleines Tippfehlerchen eingeschlichen. Um 13.00 Uhr ist Herr Odesser zu Tisch. Genau genommen ist er vor einer Viertelstunde aufgebrochen und wird erst um 15.00 Uhr wieder hier sein - dann ist übrigens auch Ihr Termin."

Snape überlegte gerade, ob er solange wieder nach Hogwarts apparieren sollte, als die Blonde sagte: "Tja, wären Sie noch etwas früher hier gewesen, hätten Sie mit ihm gemeinsam speisen können. Aber ich bin ja auch noch da - nicht wahr? Wie wäre es, wenn Sie mit mir vorlieb nehmen würden?"

Snape dachte über seinen Appetit nach. Ja, er konnte durchaus etwas vertragen. "Gut, von mir aus - was bevorzugen Sie?", fragte er galant.

"Französisch", hauchte sie und sah ihn erwartungsvoll an.

"Von mir aus", sagte er zustimmend.

Sie klimperte mit den Augen: "Wissen Sie, ich liebe ganz besonders diese harten, langen Dinger!"

Er nickte: "Baguette", erwiderte er etwas gepresst.

"Oh ja! Sie kennen sich wirklich aus, wie mir scheint. Sie sind bestimmt ein absoluter Genießer. Ich kann mir auch richtig vorstellen, wie Sie eine harte Schale knacken um schließlich an die salzige, eindeutig schlüpfrige Stelle vordringen; dann setzen Sie Ihre Lippen daran und saugen die Flüssigkeit genüsslich, die sich willenlos in Ihren Mund ergießt. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie auch gerne einen kräftigen Guss hineinspritzen, oder?"

Snape war sich nicht sicher, ob die Frau absichtlich derart zweideutige Worte fand. Auch dass sie dabei ihren Rock wesentlich höher zog, ließ ihn daran zweifeln, dass ihre Einladung zum französischen Schlemmen etwas mit Essen zu tun hatte. Schnell stellte er einige Dinge klar, bevor die Situation eine allzu anzügliche Wendung nehmen konnte.

"Sie sprechen von Austern - ja, mag ich - und ich spritze Zitrone rein. Eigentlich mag ich Zitronen nicht besonders - aber es gibt Ausnahmen. Manchmal muss es eben zitronig sein."

"Ja, nicht wahr?", sagte die Dame vom Empfang und sah ihn jetzt eindeutig lüstern an.

Als sie aufstand war Snape erleichtert, denn ihr Blick hatte ihn geradezu verschlungen. Doch statt sich endlich zum Aufbruch zu rüsten, kam sie um den Schreibtisch herum, nur um sich dann lässig an die Kante zu lehnen und die Beine leicht zu spreizen, was ihren Minirock enorm dehnte.

"Wissen Sie, ich weiß genau wer Sie sind. Severus Snape - so häufig kommt dieser Name weiß Gott nicht vor. Sie sind der Zaubertrankmeister aus den Harry Potter Büchern. Und zudem sind Sie der heiße Verführer aus zahllosen Fanfictions."

Erstaunt riss er jetzt die Augen auf. "Sie kennen Fanfictions?"

"Aber ja! Zeigen Sie mir Ihr Todessermal!"

"Nein!"

"Zieren Sie sich nicht so!"

"Nein! Lassen Sie das!"

Sie war inzwischen auf ihn zugegangen und griff nach seinem Arm.

"Oh, lassen Sie es mich doch bitte mal sehen - das macht mich wirklich heiß!"

Während ihre eine Hand an seinem Hemdsärmel nestelte, versuchte sie die andere zwischen seine Beine zu schieben. "Er soll gewaltig sein!", keuchte sie nun nicht mehr auf sein Tattoo fixiert, und versuchte zu ihrem jetzt primären Ziel vorzudringen, was er dadurch vereitelte, dass er ihr Handgelenk festhielt.

"Gewaltig? Sie irren sich gewaltig, wenn Sie glauben, dass ich ein Mann für einen One-Day-Stand bin. Lassen Sie die Finger da weg!", stieß er wütend hervor.

"Aber 'Snape zum Lunch' war schon immer mein Wunschtraum", entgegnete sie enttäuscht.

Mit einem lauten Schnauben zog er schließlich seinen Zauberstab hervor und richtete ihn auf die aufdringliche Frau.

"Erinnere-dich-nicht-an-mich", stieß er schnell einen eben erfundenen Zauber aus - er schien jedoch bestens zu wirken.

Die Blonde setzte sich an ihren Platz zurück und sagte: "Ich kenne Severus Snape nicht - ich kenne Severus Snape nicht - ich habe niemals von Severus Snape gehört." Dann sah sie Snape mit zusammengekniffenen Augen an: "Kennen Sie Severus Snape?"

"Nein", sagte er bestimmt.

Sie nickte: "Ich auch nicht - übrigens, es gibt gar keinen Severus Snape."

"Aha", erwiderte er zufrieden.

"Wie war noch mal Ihr Name?", sie sah grübelnd in ihren Terminkalender.

"Verflucht", murmelte Snape, dann sagte er: "Snape - Severus."

Sie fuhr mit dem Finger die Termine des Tages entlang: "Ah, da ist es ja. Snape - Severus - Sie sind zu früh. Herr Odesser kommt erst um 15.00 Uhr zurück, wollen Sie so lange warten?"

"Nein", winkte er schnell ab. "Ich komme wieder!", sagte er mit der Arnold Schwarzenegger-Betonung und verließ das Büro mit großen Schritten.

oooooooooooooooooooooooooooooooo

 

Während also Severus Snape mit der Wuppertaler Schwebebahn die ein oder andere Runde drehte, um sich die Zeit bis zu seinem Termin beim Notar zu verkürzen, ging man auf Hogwarts viel ernsteren Problemen nach.

 

 

"Es tut mir leid, Argus, aber, gleiches Recht für alle."

Der Hausmeister funkelte aus bösen Augen den Direktor an.

"Nie! Niemals! Sie wollen mich nur unter Druck setzen, stimmt's? Warum? Wollen Sie meine Reinigungsmaschine fahren, ist es das? Von mir aus! Nehmen Sie sie - aber niemals werde ich mich diesen neuen Bestimmungen beugen!"

"Aber Argus, es geht mir nicht um das Gerät - es geht mir auch nicht darum, meine Macht hier zu demonstrieren - es geht mir nur um...die Sache an und für sich."

"Sache?", echote der Hausmeister schockiert, "Mrs. Norris ist keine Sache! Sie ist mein Ein und Alles! Ich werde sie nicht weggeben!"

"Keine Haustiere - Paragraph 666 der neuen Schulordnung", sagte Dumbledore und reichte Filch ein Blatt Pergament.

Dieser überflog die neuen Bestimmungen kurz und knurrte dann: "666 - das ist ja passend für ein Tierverbot."

Dumbledore hob mahnend den Finger: "Na, na - wir wollen doch nicht eine Parallele zu einem Muggelbuch schaffen, nicht wahr?"

Filch faltete unwillkürlich die Hände ineinander und erwiderte: "Das ist nicht irgendein Buch - es ist das Buch der Bücher! Und im übrigen steht darin auch etwas von Nächstenliebe. Nehmen Sie mir nicht meine Miezekatze - bitte!"

Dumbledore kniff einen Moment die Augen zusammen. Dann wurde seine Stimme einfühlsamer. "Argus, ich kann doch nicht so einfach eine Ausnahme machen. Die Eulerei zum Beispiel wurde bereits letzten Monat abgeschafft, weil wir keine Posteulen mehr benötigen seit wir E-Mails schicken. Ansonsten arbeiten wir mit FedEx und UPS zusammen - außerdem ist es mir ohnehin inzwischen ein Rätsel, wie wir die Eulerei so lange dulden konnten. Sie war schon immer ein Krankheitsherd, da sie vor Eulenmist nur so starrte und von den Parasiten, die die Vögel mit einschleppten mal ganz zu schweigen..."

"Aber Mrs. Norris ist doch keine Eule - sie ist sehr reinlich!"

"Sie haart", wandte Dumbledore ein.

"Dann rasier ich sie", erwiderte Filch sofort.

Dumbledore schwieg und hing seinen Gedanken nach. Ihm fiel ein, dass Lupin ihm die 'Shaven Kittens' immer noch nicht gegeben hatte - er musste doch langsam anatomisch im Bilde sein. Der Direktor zwang sich selbst wieder mit seinen Gedanken zu dem derzeitigen Gespräch zurück.

"Die Schüler dürfen ebenfalls keine Tiere mehr halten. Dann kann ich ihnen schlecht erklären, warum Mrs. Norris hier noch herumstreift."

Als der Hausmeister erkannte wie ernst es Dumbledore war, besann er sich auf seine eignen bösartigen Seiten - die er auch sofort fand.

Mit lauernder Stimme fragte er: "Dann werden also auch alle Animagi der Schule verwiesen? Wie hat Professor McGonagall es denn aufgenommen, dass ihr Liebhaber sie rausschmeisst?"

Dumbledore rang um Worte: "Ich...das...aber...das ist doch etwas ganz anderes!"

"Warum?", fragte Filch harmlos, dann fügte er interessiert an: "Ist sie etwa auch rasiert?"

Der Direktor öffnete den Mund, schloss ihn wieder und presste schließlich schnell heraus: "Mrs. Norris darf bleiben"; damit drehte er sich um und im gleichen Moment fauchte besagte Katze ihn an - was nicht weiter verwunderlich war, da er ihr auf den Schwanz getreten hatte. "Es tut mir leid - wirklich", presste der Direktor hervor. Dann verschwand er grummelnd. Filch sah seinen Vierbeiner liebevoll an, der dem Direktor hinterhersah. Schließlich wandte sich Mrs. Norris um und Filch machte eine interessante Entdeckung: Katzen können grinsen.

 

14. Kapitel

Erben, wem Erben gebührt

 

"Herr Snape."

"Professor."

"Ich bin nicht Professor - ich bin Doktor."

"Ich bin Professor, Doktor."

"Also, Herr Professor Dr. Snape - kommen wir zur Testamentseröffnung."

Severus Snape gab es auf, den Mann hinter dem gewaltigen Schreibtisch zu korrigieren. Er erinnerte sich allerdings an Dumbledores Meinung, dass Muggel geistig nicht ganz auf der Höhe waren und musste dem Direktor in diesem Punkt zustimmen.

Dr. Odesser war ein Mann im gehobenen Alter. Snape kam der Gedanke, dass er vermutlich froh war über jedes Testament, das noch nicht sein eigenes war.

Die Hände des Notars hielten die amtlichen Dokumente so fest, als würden sie sich sonst ebenso in Staub auflösen, wie der Lord es wohl gerade tat.

"Eigentlich wurden zwei Erben von Mr. Tom Riddle benannt. Allerdings hat er verfügt, dass im Todesfalle des einen, der andere Alleinerbe wird. Sollten beide versterben, so würde sein Vermögen der 'Stiftung zur Erhaltung des Amphibienbestandes' des Londoner Zoos vermacht. Sollte einer der Erben als sein Mörder überführt werden, so hat Mr. Riddle einen Umschlag beigelegt, der nur in diesem Falle geöffnet werden sollte. Der Zweck ist mir nicht ganz klar, da der Erbe in diesem Fall mir wohl kaum gegenüber gesessen hätte. Dennoch muss ich Sie fragen - sind Sie in irgendeiner Weise am Tode des Erblassers schuld?"

Snape schüttelte mit dem Kopf, schwieg jedoch. Ihm war klar, dass nach Öffnen des Umschlags ein Fluch den entsprechenden Schuldigen gefunden hätte. Da der Umschlag nicht geöffnet werden würde, war jeder weitere Gedanke daran überflüssig. Und dies war gut so, denn, wie die Autorin kurz anmerken darf, war Snape durchaus nicht so unschuldig am Tod des Lords, wie er selbst glaubte, denn schließlich waren es seine geilen Lesbierinnen gewesen, die dem-dessen-Name-inzwischen-auf-einem-Grabstein-ruhte den Garaus gemacht hatte.

"Dachte ich mir", murmelte der Notar, "sonst säßen Sie ja auch hinter Gittern, nicht wahr?"

"Sie meinen so etwas wie Askaban?", fragte Snape nach.

"Sie meinen sicher Alcatraz", erwiderte der Notar belehrend.

"Nein, ich meine As-ka-ban."

Der Notar überlegte einen Moment: "Ask a ban? Frage ein Verbot? Diesen Ort kenne ich nicht - sind dort Fragen verboten?"
"Nein - hier sind Fragen verboten - machen Sie einfach weiter, okay?" Snape war inzwischen mehr als genervt.

Der Notar schüttelte kurz den Kopf und wollte gerade das Testament verlesen, als ein Klopfen an der Tür ihn unterbrach.

Die blonde Gehilfin kam herein und fragte süßlich: "Soll ich Kaffee bringen?"

"Schwarz", bellte Dr. Odesser, "so, Mr. Severus Snape - dann wollen wir mal."

Die Blondine hatte ihren Blick zu Snape gewandt, weil sie seine Antwort erwartete. Als der Notar nun seinen Namen aussprach, noch dazu in der verhängnisvollen Reihenfolge, wurde ihr Blick glasig und sie verließ, ohne ihn weiter zu beachten, den Raum.

Snape wurde klar, dass sie ihn dank seines innovativen Zauberspruches ja nicht mehr kannte, und ihn wohl nicht einmal mehr wahrnahm - dies brachte ihn jetzt um eine Tasse Kaffee - aber war das Leben je fair zu ihm gewesen?

Odesser begann in seinen Unterlagen zu wühlen. Snape wartete geraume Zeit, bis er sich schließlich auffällig räusperte. Dr. Odesser schichtete gerade einen Stapel vom linken Ende des Schreibtisches an den rechten Rand und schien seinen Mandanten vergessen zu haben.

"Dauert es noch lange?", fragte Snape sichtlich genervt. Als die Sekretärin hereinkam und mit dem köstlich duftenden Kaffee einfach an ihm vorbeiging, lagen Snapes Nerven endgültig blank.

"Dr. Odesser - könnten wir nicht endlich zur Sache kommen?"

Der Notar hielt kurz inne und sah ihn über seine Brille hinweg an.

"Junge Leute", murmelte er, "einfach keine Geduld."

"So jung bin ich auch nicht mehr", entgegnete Snape genervt und fügte säuerlich an, "vielleicht sollte ich zwischenzeitlich schon mal mein eigenes Testament machen."

Dr. Odesser schenkte ihm ein Lächeln und sagte: "Eins nach dem anderen - erst erben Sie jetzt mal."

"Heute noch?", fragte Snape sarkastisch.

"Ah hier...nein, doch nicht...", hörte er den Notar murmeln.

Snape seufzte und begann mit dem Stuhl zu kippeln. Er beäugte den Computer des Herrn Odesser und fragte schließlich kurzentschlossen: "Haben Sie Internetzugang?"

"Aber natürlich", hörte er Odesser erwidern, der gerade mit dem Kopf unter dem Schreibtisch steckte, um die dort befindlichen wichtigen Unterlagen zu durchwühlen.

"Darf ich dann mal...", sagte Snape, sprang von seinem Stuhl auf, der krachend umfiel und den Notar dazu veranlasste den Kopf so schnell zu heben, dasss er von unten gegen die Tischplatte stieß.

"Also eigentlich...", warf der alte Mann hilflos ein, während Snape es sich auf dessen Stuhl bequem machte und seine Finger über die Tastatur huschen ließ. Er ließ sich sogar zu einer Erklärung herab, von der er sich sicher war, dass der alte Mann sie ohnehin nicht verstand.

"Ich habe mich gestern Abend an einer eigenen Fanfiction versucht. Es geht um eine Schülerin, die völlig willenlos ihrem Lehrer verfällt - ist ein bisschen heftig geraten. Ich muss nur mal kurz nachsehen, ob ich schon ein Review bekommen habe. Ah - da! Oh! Hm! Geschmacklos und dazu auch noch unsittlich. Was soll denn das für eine Aussage sein? Ich dachte immer Kritik müsste konstruktiv sein! Meine ist es immer...naja, manchmal...ab und zu zumindest."

"Ich wäre dann soweit", ließ sich der Notar vernehmen und räusperte sich vernehmlich, damit Snape sich von seinem Stuhl erhob. Dieser wollte gerade aufstehen, ließ seine Finger jedoch gleichzeitig abermals über die Tastatur huschen und wies auf den Besucherstuhl. Der Notar setzte sich verwirrt auf eben solchen und starrte auf die Tischplatte vor sich, als sei sie ein unüberwindbares Hindernis. Snapes Augen waren auf den Monitor gerichtet: "Moment - da kommt gerade noch was rein...schlüpfrige Story mit eindeutig unzüchtiger Handlung, wirklich prickelnd von einer Reviewerin namens McGonacat - na sieh mal einer an!"

Der Notar zog fragend die Augenbrauen zusammen, offenbar nicht ganz im Bilde, worum es eigentlich gerade ging.

"Können wir zur Sachen kommen?", fragte er bittend nach.

Snape richtete seinen Blick auf ihn und erwiderte unwirsch: "Beeilen Sie sich, schließlich habe ich nicht den ganzen Tag Zeit."

Der Notar ließ einen Moment verstreichen, schließlich sagte er kleinlaut: "Sie sitzen auf meinem Stuhl - könnten wir vielleicht die Plätze wieder tauschen?"

"Von mir aus", knurrte Snape und stand auf.

Nachdem jeder wieder seinen richtigen Platz eingenommen hatte, sah der Notar ihn ernst an. "Möchten Sie das Erbe antreten, Herr Professor Dr. Snape?". "Ja!", zischte Snape ungeduldig. Dann begann Odesser endlich damit, das Testament zu verlesen.

 

Hiermit verfüge ich, Tom Vorlost Riddle, dass meine irdischen, magischen und zwischenweltlichen Besitztümer zu gleichen Teilen an...ach, das hat sich ja schon erledigt...Severus Snape übergehen.

Als da wären:

 

-Ein Tagebuch (stark restaurierungsbedürftig)

-Tätowierungsset (mit Bedienungsanleitung und einer Motivvorlage)

-Nagini (Parsel-Wörterbuch liegt bei - Schlange züngelt starken Dialekt)

- ein Einmachglas mit Todesseraugen (alle noch voll funktionstüchtig )

-Briefmarkensammlung (stammen von Todessern aus aller Welt)

-Buch mit Kinderreimen (einige unsittlich abgeändert)

-Zauberstab (frisch geeicht)

-Todessergesetzbuch (Kommentarfassung)

-einige Umhänge (stark mottenzerfressen)

-Profi-Kreuzworträtsellexikon (in reformierter Rechtschreibung der Rechtschreibreform)

-Softpornofilme (Eis am Stiel, Muggel am Strand, American Pie, Hexen in Unterwäsche)

-Rezept für die Todesserjubiläumstorte

-Klingelbeutel vom letzten Treffen

-zehn virenverseuchte USB-Sticks

 

(Ich danke Charybdis77 für die Idee mit dem Einmachglas voller Todesseraugen - und die Briefmarkensammlung - ich bin mir sicher, Snape wird viel Freude daran haben ;)

 

"So, das wäre alles", endete Odesser.

"Virenverseuchte USB-Sticks?", hakte Snape verblüfft nach.

Der Notar schüttelte den Kopf und zuckte mit den Schultern: "Mich dürfen Sie nicht fragen - und ehrlich gesagt finde ich einige andere Dinge sehr viel merkwürdiger...was hat es mit diesem Glas voller Augen auf sich?"

Snape rieb sich über das, wie immer hervorragend rasierte Kinn.

"Ich weiß auch nicht genau warum es nur eins ist...er hatte sehr viel mehr von diesen Gläsern...vielleicht hat er es tatsächlich immer wörtlich gemeint, wenn er sagte, dass er auf den ein oder anderen ein Auge werfen würde..."

"Ähm...ja...", ließ der ältere Mann sich unsicher vernehmen. "Kommen wir dann zur Übergabe...", doch er wurde von Snape unterbrochen.

"Kann ich das Erbe noch ablehnen?"

"Nein."

"Oh."

Der Notar sah ihn ernst an: "Hören Sie - nun, nachdem es verlesen ist, sind Sie verpflichtet Ihr Erbe anzutreten...und so schlimm ist es doch nicht...keine Schulden."

Snape verzog spöttisch den Mund: "Eine Riesenschlange ist schlimmer als Schulden, glauben Sie mir."

"Aber die ist doch nur aus Stoff", erklärte der Notar, "so ein Vieh von der Kirmeslosbude. Vielleicht haben Sie Neffen oder Nichten, denen Sie das Spielzeug vermachen können. Kinder freuen sich immer sehr über so etwas."

Snape schickte ihm ein Lächeln, das nah an einem Zähnefletschen war.

Er entschied sich, die Lage nicht komplizierter zu machen, als sie es ohnehin schon war. Dr. Odesser wollte sich gerade erheben, um die Gegenstände, die in seiner Obhut waren zu übergeben, als er versehentlich seine Kaffeetasse umstieß. Die braune Brühe floss unaufhaltsam über einige Dokumente und Odesser riss sie an sich und rieb sie hektisch an seinem grauen Anzug trocken. Belämmert sah er auf ein Blatt, das es ganz besonders schlimm erwischt hatte.

"Moment mal...", ließ er sich vernehmen und runzelte die Stirn, "das hier ist ja auch noch für Sie."

Snape spürte Panik in sich aufsteigen. Er hatte jetzt schon mehr, als er jemals haben wollte. Konnte es noch schlimmer kommen?

"Dies ist eine Urkunde, in der Mr. Riddle Ihnen all seine Ämter überträgt." Der Notar strahlte ihn an.

Ja, es hatte noch schlimmer kommen können, erkannte Snape entsetzt. Er hatte die Todesser geerbt. Ab sofort war er Herrscher über eine riesige Zahl Schwerverbrecher, Gangster und menschenrechtverachtender Extremisten. Das würde wirklich zeitaufwendig werden. Er atmete tief durch und bemühte sich unendlich, Dr. Odesser nicht anzuschreien, als dieser ihn beglückwünschte.

"Kann ich jetzt meine Schlange und den Rest haben, damit ich gehen kann?", fragte Snape ergeben.

"Kommt sofort", rief Odesser und händigte Snape erst einmal die Kleinteile aus.

Unauffällig zauberte der Tränkemeister einige Stoffbeutel hervor, um das Tagebuch, in dem immer noch ein Schlangenzahn steckte, das Tätowierungsset und die anderen handlichen Dinge zu verstauen. Die Umhänge stopfte er achtlos in einen zweiten Beutel - sie würden ohnehin im nächsten Altkleidercontainer landen. Das Todessergesetzbuch kannte Snape auswendig und so ließ er es ebenso achtlos verschwinden. Neugieriger war er da schon auf das Buch mit Kinderreimen. Er wusste, dass der Lord dank Dumbledores Fluch mehr als einmal zwanghaft solche Verse hatte aufsagen müssen. Sie zu verändern war sein eigener kleiner Rachefeldzug gegen eine Macht, der er sich nicht hatte entziehen können. Umändern konnte er die überaus harmlosen Dinge, so dass sie nicht länger wie Kinderkram anmuteten.

Interessiert las Snape das erste Gedicht, das der Lord handschriftlich abgeändert hatte.

 

Ene mene Tintenfass,

Muggel quälen macht viel Spaß,

wenn du das gelernet hast,

komm zu uns und zeig uns das,

Eins, zwei, drei,

hör nur ihr Geschrei.

 

Snape schüttelte sich. Dennoch warf er einen Blick auf die gegenüberliegende Seite

 

Eine sexy Muggelmaus

zieht sich schnell ihr Höschen aus,

lässt auch den BH nicht an,

das sieht man wirklich gern als Mann.

 

Mit einem lauten Knall schloss er das Buch und schwor sich, es nie wieder aufzuschlagen.

Dr. Odesser reichte ihm auch noch die anderen Sachen. Videocassetten, das Lexikon von der Größe eines Ziegelsteines, einen Geldbeutel in dem der Knopfanteil weitaus größer war, als die Münzanzahl, einen Schmierzettel mit einem Rezept für die Torte und daneben die Anzahl der Kalorien, was Snape einen gehörigen Schreck einjagte, sowie das Glas mit den Todesseraugen, das ein oder andere funkelte Snape äußerst böse an. Zu guter letzt zog der Notar eine meterlange Stoffschlange aus dem Nebenraum. Snape versuchte sie so gut es ging zu verstauen. Wenn er es schaffen würde sie zu zerstören bevor er die magische Welt erreichte, wäre das Naginiproblem schon mal erledigt. So dankte Snape dem Notar mit knappen Worten, verzichtete auf einen Gruß an dessen Sekretärin, die nicht bemerkte, dass er das Notariat verließ und ebenfalls nicht einmal von ihrem Bericht über Jonny Depp aufsah, als Snape versehentlich mit der Riesenschlange ihren Kopf traf. Sie murmelte lediglich: "Mensch, wenn man den Depp so sieht, ist es, als würde es einem einen Schlag versetzen."

Als Snape einige Straßen entlanggegangen war, blieb er ratlos stehen. Er beäugte eine öffentliche Mülltonne, kam aber zu dem Schluss, dass die Schlange dort unmöglich hineinpassen würde. Gerade als er darüber nachdachte, dass er sie irgendwie zerteilen musste, sprach ihn ein junger Mann mit verfilztem Haar und zerschlissenen Klamotten an.

"Ey, Alter - haste mal 'nen Euro?"

Snape stutzte. Was zum Geier war ein Euro?

"Oder ein paar Cent - ne Fluppe? Irgendwas!", kam der junge Mann ihm entgegen.

Snape erkannte seine Chance und drückte dem Mann die Stoffschlange in die ausgestreckte Hand.

"Was soll ich denn damit?", beschwerte dieser sich.

"Dein Problem", knurrte Snape nur, was den jungen Mann dazu veranlasste ihm entgeistert, aber stumm nachzuschauen. Ein Lied auf den sonst ärgerlich zusammengepressten Lippen machte sich der Tränkemeister daran den Heimweg anzutreten. Er hatte die Erberei hinter sich gebracht. Es würde noch etwas schwierig werden die Todesser unter Kontrolle zu bekommen, doch von seinem ersten Problem hatte er sich mit Leichtigkeit befreien können, das machte ihm Mut.

Nagini versuchte derweil wütend mit der Stoffzunge zu züngeln, während es sich Rolf und seine Freunde auf ihr gemütlich machten. Sie lehnten sich zurück und benutzten den weichen Stoff als Sitzgelegenheit, während sie im Stadtpark eine Flasche Bier nach der anderen leerten. Nagini musste zurück in die Zaubererwelt, damit sie sich wieder in das gefährliche magische Wesen verwandeln konnte, das sie eigentlich war. Sie würde Snape finden, sie würde seinen Körper mit ihren gewaltigen Muskeln umschlingen und ihm ganz ganz langsam die Luft aus den Lungen quetschen. Sie würde erregt züngeln, wenn sie seine Knochen unter ihrem Druck knacken hörte und sie würde ihm genüsslich einen Giftzahn in seine Halsvene bohren um den Schrecken in seinen Augen zu sehen.

Das einzige was sie jedoch noch sah, waren die Zähne von Pinky, Rolfs Mischlingshund, der der Stoffnagini die Augen abknabberte und danach sein Bein hob, um das Stofftier als sein Eigentum zu kennzeichnen.

 

Snape unterdessen war zwar die Schlange losgeworden, hatte aber ein weitaus größeres Problem bei Weitem unterschätzt. Doch darüber werde ich erst im nächsten Kapitel berichten. Es trägt übrigens den Titel: Der Tod ist nur der Anfang.

 

tbc





15

15. Kapitel

Der Tod ist nur der Anfang

 

Obwohl ihn niemand hatte leiden können - außer Albus, der ihn eingestellt hatte und der jungen Frau, die mit tränenglänzenden Augen an seinem Grab stand und darüber nachdachte was sie fortan nicht mehr miteinander teilen würden, waren doch alle Hogwartsbewohner erschienen, um dem mürrischen Mann die letzte Ehre zu erweisen.

Hermine sah auf den Grabstein und konnte es nicht fassen. Wie oft hatte sie das böse Funkeln in seinen Augen gesehen...das lange Haar, das so typisch für ihn gewesen war, sie würde all dies nie mehr wiedersehen.

Sie erinnerte sich zurück. Er hatte für die Dinge gekämpft, die ihm wichtig waren. Seine zynische Ader und seine Boshaftigkeit hatte auch sie oft zu spüren bekommen, doch jetzt war sie ergriffen über den Verlust. Auch die anderen schienen wahrhaft zu trauern. Hermine fühlte einen Kloß im Hals.

Die junge Frau weinte sogar.

Langsam wurde der Sarg in die Erde gelassen.

Vereinzelt hörte man Gemurmel unter den Schülern.

Dumbledore trat vor und bedeutete mit einer Geste, dass Ruhe einkehren sollte. Das Gemurmel erstarb.

Hermine blickte still durch die Reihen.

Ein Taschentuch vor den Mund gepresst, strich die junge Frau eine ihrer wilden Locken zurück und richtete ihren Blick dann auf das Grab.

Sie schien etwas zu suchen, das ihr der Tod entrissen hatte - eine Zukunft, die nun nie mehr geschrieben werden würde.

Heute würde sie sich den Erinnerungen hingeben. Und morgen wäre ein neuer Tag - ein neuer Anfang.

Hermine spürte plötzlich, wie jemand die Hand in ihre schob. Es war eine heimliche Geste.

Der Direktor räusperte sich und begann zu sprechen.

 

"Wir müssen heute Abschied nehmen von einem guten Freund und einem wichtigen Mitglied unserer Gemeinschaft. Ohne ihn wird Hogwarts nicht mehr das Gleiche sein wie zuvor. Er wird uns fehlen, und in vielen Situationen werden wir uns zurück erinnern und seine Stimme wird in unseren Köpfen lebendig bleiben. Lasst uns ihm nun noch einmal Respekt zollen, so, wie er es sich gewünscht hätte."

 

Dumbledore trat einen Schritt zurück, so dass er wieder mit der Menge verschmolz.

Wie ein Chor erhoben sich die Stimmen der Schüler und Lehrer gleichermaßen und sangen ein Lied zu Ehren des Verstorbenen.

 

"Wie oft hast du gehofft, dass alles besser wird. Wie oft hast du geglaubt, dass dir die Gabe fehlt. Wie oft bist du enttäuscht worden von einer Welt, die immer nur erwartet hat, dass du dein Bestes gibst. Doch siehe nur, die Wünsche, von denen du geglaubt sie seien unerfüllt, hast du doch längst erreicht. Oh, sieh doch nur, wie herrlich alles funkelt heut in großer Pracht. So lassen wir dich nun dann ziehen hinein in eine Welt, die nicht nur immerzu verspricht, sondern ihr Wort auch hält.

Wenn wir dich einst dann wiedersehen, werden wir dich kennen und dann werden wir gemeinsam ziehen und dich beim Namen nennen."

Als die Stimmen verstummt waren, trat Dumbledore erneut vor und sprach laut:

"Argus Filch - unser guter Freund - wir werden dich schmerzlich vermissen." Kurz rieb der Direktor sich über die Augen, dann sagte er an die Menge gewandt: "Wenn ihr euch nun in die Große Halle begeben würdet, wir werden ein Fest feiern und uns an die fröhlichen Zeiten mit ihm erinnern...oder zumindest an unsere gemeinsamen Zeiten - und zu seinen Ehren, wird heute jeder seinen Kram hinterher selbst wegräumen."

Widerwilliges Gemurmel setzte ein, doch niemand wagte es, seinem Unmut allzu laut Ausdruck zu verleihen.

Snape zog seine Hand schnell aus Hermines zurück und schickte ihr einen bedauernden Blick. Schon wieder wären sie getrennt. Sie würde mit ihren Freunden am Schülertisch sitzen, während er in der trauernden Lehrerreihe sitzen würde und sich belangloses Geschwafel über die Kürze des Lebens würde anhören müssen. Dass das Leben zu kurz war, war ihm inzwischen selbst schon aufgefallen. Sein Blick wanderte wieder zu seiner Schülerin, die erst in ein paar Tagen ihre Volljährigkeit erreichen würde - hoffentlich machte er es noch so lange - der Gedanke kam ihm automatisch, da die Leute um ihn herum zur Zeit wie die Fliegen zu sterben schienen. Und er selbst war ebenfalls nur knapp einem Unglück entgangen, als er von Wuppertal nach Hogwarts apparieren wollte. Mit den Gedanken bei den Todessern und seinem neuen Erbe, hatte er versehentlich ein Treffen einberufen und sich auf die Waldlichtung appariert, auf der auch augenblicklich die anderen Todesser eingetroffen waren. Es war schrecklich gewesen. Obwohl er Lehrer war und täglich vor Schülern sprach, war er höchst nervös gewesen, denn er musste den Schein wahren, dass er etwas Wichtiges mitzuteilen hätte, obwohl er doch nicht einmal einen Termin für das nächste Todesserkaffeekränzchen hatte. So hatte er also ein paar Drohungen ausgestoßen und daran erinnert, dass ab sofort alle nach seiner Pfeife zu tanzen hätten. Für einen Moment hatte er befürchtet, jemand würde mit ihm um die Macht kämpfen wollen und dies nach diesem wirklich langen und kräftezehrenden Tag bei Dr. Odesser. Aber schließlich waren doch noch alle vor ihm in den Staub gesunken und hatten ihn mit Meister angesprochen. Ein nettes Gefühl. Leider würde er es nicht mehr oft genießen können, denn er hatte vor, den ganzen Verein nach dem nächsten Kaffeekränzchen aufzulösen. Es war einfach zuviel Stress, sich um all diese Versager zu kümmern und er hatte doch wahrlich schon genug Versager um sich, denen er etwas beibringen sollte. Er hatte also das Treffen mit dem Hinweis beendet, dass er das nächste mal neue Positionen innerhalb der Todesser verteilen würde. Nachdem alle disappariert waren, hatte er einen langen Seufzer ausgestoßen und gemurmelt: "Was für ein scheißundankbarer Job!" Dann war er zurück nach Hogwarts apparriert und hatte sich einen Lindenblütentee gekocht. Inzwischen waren drei Tage vergangen. Aus einem Bauchgefühl heraus, hatte er es Dumbledore bislang verschwiegen, dass er der neuen Voldemort war - er glaubte, dass dieser das nicht gut finden würde. Zudem beruhigte er sich mit dem Wissen, dass der Direktor im Moment ohnehin keine Zeit für so etwas gehabt hätte. Da waren die Vorbereitungen für die Beerdigung gewesen. Eine wirklich schöne und ergreifende Beerdigung, wie er feststellte - nicht alle schienen diese Meinung zu teilen. Snape sah über die Menge der Schüler, die es nun scheinbar kaum erwarten konnten, dass die Beerdigung endlich vorbei war. Sein Blick wanderte wieder zu Hermine, die ihm einen verführerischen Augenaufschlag schenkte. Schließlich ließ sie ein langes und sehr verheißungsvolles Seufzen hören, dann reihte sich sich bei den Schülern ein, die wie eine Ameisenschar zum Schloss zurückwanderten. Snape hingegen ließ es murrend zu, dass Dumbledore sich bei ihm einhakte und hielt ihm ein pechschwarzes Stofftaschentuch hin. "Kannst du behalten", stellte er schnell klar, während sich der Direktor laut hineinschneuzte.

Die junge Frau an Filchs Grab reihte sie nicht mit ein. Vom Alter her hätte man fast glauben können, sie wäre eine der Schülerinnen. Doch das war sie nicht - sie war weitaus betagter, als man es ihr rein äußerlich ansah. Ihre Stimme war ein sanftes Murmeln, als sie nun einsam am Grab stand.

"Danke, alter Mann - für das Futter...für die Streicheleinheiten...und für das Entfernen meiner Zecken. Wir haben uns viel gegeben, du und ich. Aber jetzt bist du fort und ich habe meine Erfüllung gefunden. Ich werde ab und an an dich denken - und vielleicht lege ich mir einen Kater zu...es könnte ja immerhin sein, dass du den gleichen Weg wählst wie ich und dich als ein Beschützer meldest...und wer weiß...so wie das Leben spielt, könntest du es diesmal sein, der mir abends um die Beine schnurrt...ich werde für dich da sein."

Sie wandte sich vom Grab ab und war erst drei Schritte gegangen, als sie sich erneut umdrehte: "Ach, und falls es tatsächlich so sein wird, möchte ich mich jetzt schon mal für die Kastration entschuldigen." Dann wandte sich die junge Frau endgültig um. Ihr wallendes Lockenhaar war von einer ungewöhnlichen Weichheit und fiel samtig über ihre Schultern, ihre Bewegungen muteten katzengleich an. Schließlich verschwand sie über einen grünen Hügel, dessen Kuppe im Orange der untergehenden Sonne zu glühen schien und damit in Erinnerung brachte, dass auf jeden Sonnenuntergang ein neuer strahlender Tag folgte.

 

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"Noch 48 Stunden", raunte Hermine ihrem Lehrer zu, während sie sein Klassenzimmer betrat.

Snape nickte und sah zu wie sie Platz nahm. Er verharrte noch einen Moment an der Tür und ließ seinen Blick ärgerlich zwischen seine Beine wandern. "Du bist 48 Stunden zu früh dran - hast du doch gerade gehört!", fuhr er seinen übereifrigen Assistenten an. Dieser schien ihn nicht zu hören - was nicht weiter verwunderlich war, da er über keine Ohren verfügte.

Als Snape über seine Unterlagen gebeugt war und die Klasse die zehnseitige Klassenarbeit bearbeitete, die Snape ihnen ausgeteilt hatte, dachte er über sein Ultimatum nach. Noch 48 Stunden, dann würde sich sein Leben von grundauf ändern. Er würde Erfüllung finden - die große Liebe - unendliche Befriedigung erleben und aufopferungsvolle Hingabe. Er würde nie wieder so sein wie zuvor und seinem Leben eine neue Richtung geben. Das Ärgerliche war nur, dass sein Leben erst jetzt eine neue Richtung ganz anderer Art erfahren hatte.

Er war Anführer der Todesser - er war...Voldemort!

Erschreckt keuchte er auf.

Hermine sah ihn quer durchs Klassenzimmer an.

'Stimmt etwas nicht?', schien ihr Blick zu fragen.

"Granger, konzentrieren Sie sich gefälligst auf Ihre Aufgabe!", fuhr er sie an, was so viel hieß wie: 'Mach dir keine Sorgen, mir geht es gut.'

Hermine knallte ihr Feder aufs Pult und keifte: "Ja, Sir!", was soviel hieß wie: 'Ich bedaure zutiefst, dass ich nichts für dich tun kann.'

"Nase ins Buch!", knurrte er. Hermine kam seinem Befehl nach, denn in Wirklichkeit hatte er ihr mitgeteilt, dass er ihr gleich eine Botschaft in Schriftform zukommen lassen würde. Zugegebenermaßen war ihre Geheimsprache etwas mühsam, und endete oft genug mit Punkteabzug, was Gryffindor ganz sicher schon um den Hauspokal gebracht hatte.

Doch inzwischen hatte sie den Bogen raus und war daher auch nicht überrascht, als er ihr ein Pergament mit einer Botschaft für sie auf die Buchseite legte, die sie gerade las.

"Erneutes Eisessen - morgen um 16.00 Uhr bei mir im Kerker."

Hermine ahnte, dass er etwas auf dem Herzen hatte.

Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Neville ihre Antworten abgeschrieben hatte. Als sie ihn aufmerksam machen wollte, dass er nicht nur ihre Lösungen übernommen, sondern ebenfalls ihren Namen auf seine Arbeit geschrieben hatte, riss Snape ihrem Tischnachbarn auch schon die Blätter unter den Händen weg.

"Soso, Miss Granger...darf ich Ihnen sagen, dass Sie schon mal besser aussahen?", zischte er Neville bedeutsam an.

Der junge Mann wurde puterrot und stammelte: "Muss ich jetzt statt dessen mit Ihnen Eis essen, Sir?"

Hermine fuhr ihn von der Seite wütend an: "Reicht es nicht, wenn du bei mir abschreibst, musst du jetzt auch noch die Botschaften lesen, die mein Lehrer mir heimlich zukommen lässt?"
Neville geriet in Erklärungsnot. "Der will dich verführen! Das darfst du nicht zulassen!"

Hermine sah demonstrativ auf die Uhr.

"Noch 46 einhalb Stunden und dann kannst du Gift drauf nehmen, dass ich es zulassen werde - hast du eigentlich eine Ahnung, wie viele Kapitel lang wir darauf schon warten?"

Die anderen Schüler fielen sofort in wildes Spekulieren, die Schätzungen reichten von den letzten zwei Kapiteln bis zu zwanzig Kapiteln, dabei hat diese Story doch bislang nur vierzehn Kapitel - na gut, mit diesem fünfzehn. Dennoch waren sich alle einig, dass inzwischen ganz schön viel Geduld von Seiten Hermine und Snape aufgebracht worden war und so konnte man sich darauf einigen, dass es jetzt wirklich langsam Zeit wurde. Nur Neville knirschte so laut mit den Zähnen, dass man hätte meinen können, das Schloss breche bald zusammen. "Wenn doch nur Harry hier wäre", seufzte er laut.

 

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Harry war derweil damit beschäftigt, das linke Ohr an seinen rosa Häschenhausschuhen wieder anzunähen. Draco hatte heute morgen beim Abschiedskuss draufgestanden und Harry hatte einen Schritt nach hinten machen wollen - da war es passiert - das Ohr war ab.

Aber ansonsten war Harrys Leben perfekt. Der Lord war tot. Harry war noch auf Hogwarts. Draco hatte eine vermögende Familie, in die Harry einheiraten würde. Was hatte ein Junge mit Harrys Herkunft mehr zu erwarten? Sein Vater war ein Angeber gewesen, der Außenseiter geärgert hatte.

Da war wohl ein Leben im Schatten eines Reinblüters aus gutem Hause ein angemessenes Dasein.

Harry machte einen Knoten und biss den Zwirn ab. Erleichtert betrachtete er sein Werk. Seine Talente schienen nahezu unerschöpflich...er hatte durch die Liebe seiner Mutter dem Lord trotzen können; er konnte mit Hilfe Snapes einen neuerlichen Angriff des Dunklen Lords überleben; er hatte mit Hermines Hilfe seine Hausaufgaben erledigen können; er hatte durch Mitleid der Autorin die Feuersbrunst im Kerker überlebt - und jetzt konnte er sogar nähen! Zufrieden zog er sich die Häschenschuhe über und betrachtete sie eingehend...wobei wir ihn nicht länger stören wollen, denn es erfordert schon einiges an Konzentration, sich solch aufwendigen Arbeiten zu widmen.

 

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Die Steifheit in Snapes Rücken nahm zu. Auch die Versteifung in seinem Nacken war äußerst unangenehm. Die Verhärtung in seinem Schritt hingegen war nicht nur unangenehm, sie war auch unangemessen, wie er sich selbst schalt.

Sein Blick ging zur Uhr. Pünktlich zur vollen Stunde öffnete sich ein Türchen und ein Drache kam herausgeschossen, spie Feuer und verschwand in einer Wolke aus Rauch wieder in seinem hölzernen Kasten. Ein lästiges Ding - insbesondere deshalb, weil der Drache danach immer eine halbe Stunde am Stück hustete. Der Lindwurm hatte acht mal gefaucht und damit angezeigt, dass es acht Uhr Abends sei.

Snape seufzte auf. Er hatte die Uhr in einem Anfall von Kaufrausch bei magic-ebay ersteigert. Es war nicht zu fassen, welchen Krempel Magier inzwischen verhökerten. Snape bezweifelt stark, dass es so viele echte Einhornhörner überhaupt gab, wie sie dort angeboten wurden. Dies mussten Fälschungen sein, die den Markt nun überschwemmten und zu einem katastrophalen Preiseinbruch beim Handel von echten Einhornhörnern führen würde. Doch dies sollte heute wahrlich nicht sein Problem sein. Sein Problem war handfester - gute 21cm lang und hart wie Eisen. Ein Einhornhorn, das genau dort sein Dasein fristete, wo man Männern allgemein ihr Hirn nachsagte. Also denkbar weit vom Kopf entfernt. Er machte sich gerade noch Gedanken um die Dehnbarkeit seiner Hosen, als es zaghaft an seiner Tür klopfte. Gut, das würde ihn auf andere Gedanken bringen, also öffnete er ohne zu zögern.

"Verdammt", fluchte er, als er Hermine Granger in die Augen blickte, die ihn fast zu verschlingen schienen.

"Hallo, Sir! Ich dachte ich schau heute noch mal vorbei", sagte sie etwas atemlos.

"Ist grad schlecht", presste er hervor und wollte die Tür schon wieder schließen, während er versuchte unauffällig sein Glied so zu positionieren, dass es nicht gleich so ins Auge stach.

Hermines Blick sank nach unten und mit hauchiger Stimme sagte sie: "Oh, Sie sind gerade dabei mein Geschenk einzupacken?"

"Ich bemühe mich eher gerade, es nicht vorzeitig auszupacken - würden Sie jetzt bitte gehen? Ich bin im Gegensatz der allgemeinen Vermutungen nicht gerade gut in Selbstbeherrschung."

Hermine schmunzelte: "Gibt es wirklich jemanden der denkt, ausgerechnet Sie könnten sich nicht beherrschen?"

Er schüttelte vage mit der Hand: "Ich vermute das Verhältnis wird recht ausgewogen sein. Während die eine Hälfte hofft, dass ich mich nicht an einer Schülerin vergreife, die noch", ein schneller Blick auf die immer noch qualmende, hustende Uhr, "gut 36 Stunden minderjährig ist, hofft die andere Hälfte, dass ich Sie jetzt in meine Räume ziehe und Ihnen voller Gier die Kleider vom Leib reiße, worauf wir uns dann willenlosem, heißem, animalischen Sex hingeben. Das sind wohl die Tatsachen, Miss Granger." Hermine sah ihn nachdenklich an.

"Glauben Sie nicht, dass es auch Leute gibt, die dem neutral gegenüberstehen?"

"Weiß ich nicht!", fauchte Snape inzwischen außer Kontrolle, "ich jedenfalls steh dem grad überhaupt nicht neutral gegenüber!"

"Nein, stimmt - neutral steht Ihnen grad überhaupt nichts - aber er steht Ihnen echt gut", sinnierte Hermine mit einem weiteren Blick auf Snapes Genitalien.

Ein merkwürdiges Geräusch entrang sich seiner Kehle.

Die Schülerin machte einen Schritt rückwärts, dann zog sie ein gefaltetes Pergament aus ihrer Rocktasche und sagte: "Einerseits wollte ich nur mal vorbeischauen - andererseits hatte mich Professor Dumbledore gebeten, Ihnen dieses Schreiben zu bringen."

Snape griff unwirsch nach dem Zettel und schlug Hermine dann in einem Anfall von Selbstbeherrschung die Tür vor der Nase zu. Mit einem Schnauben entfaltete er das Pergament und las über die krakeligen Zeilen des Direktors.

 

Lieber Severus,

 

wie ich erfahren habe bist du Anführer, von eurer inzwischen nicht mehr ganz so kleinen Gemeinschaft (Du-weißt-den-Namen-schon) geworden. Zuerst einmal meine Glückwünsche zur Beförderung!

So, jetzt wo ich die Höflichkeitsfloskeln hinter mir habe, möchte ich dich ernsthaft fragen, was du vorhast. Wirst du jetzt deinen Dienst bei mir vollends kündigen? Strebst du eine neue Karriere an? Gerne würde ich persönlich mit dir sprechen, aber nach meiner langen Abwesenheit während der Fußball-WM hat Minerva darauf bestanden, dass wir heute in die Oper gehen. Nachdem Tosca sich zu Tode gestürzt hat, werde ich sofort nach Hogwarts zurückeilen und dich zu einem Gespräch unter vier Augen bitten.

Albus

 

Toll, auch noch ein Gespräch mit Dumbledore...das verhieß nichts Gutes. So kam es, dass Snape eine Entscheidung traf, die das Leben von vielen Menschen auf Dauer beeinflussen sollte.

 

16. Kapitel

Jede Menge Dinge, die im Freien getrieben werden

 

Verdammter Regen!

Warum goss es jetzt wie aus Kübeln?

Snape betrachtete missmutig, wie das Wasser von seiner Nasenspitze tropfte. Das sah zugegebenermaßen lächerlich aus - doch noch lächerlicher hätte es wohl ausgesehen, wenn er mit einem Regenschirm vor den versammelten Todessern gestanden hätte.

Schlimmer waren jedoch noch seine durchweichten Schuhe. Für einen Moment kam ihm in den Sinn, dass er vielleicht doch die hätte kaufen sollen, die Feuchtigkeit raus- aber nicht reinließen. Die waren jedoch verdammt teuer - Gummistiefel hätten es auch getan. Ein Pseudo-Voldemort in hohen gelben Gummischuhen wäre allerdings vermutlich nicht das gewesen, was hier zu einem endgültigen Ergebnis geführt hätte.

Snape gab sich alle Mühe, nicht beim Donnergrollen des heftigen Gewitters, das den Regen begleitete, zusammenzuzucken.

"Umbrella protecto", murmelte er und sofort hörte es auf, auf ihn herabzuregnen.

'Hätte mir auch eher einfallen können', dachte er selbstkritisch. Naja, zumindest hatte der nasskalte Regen es inzwischen geschafft, seine Erektion ersterben zu lassen. Diese hatte diesmal bedenklich lange angehalten. Aber Rettung war in Sicht. Er widerstand der Versuchung, erneut auf seine Uhr zu sehen um die Stunden bis zur seiner Verschmelzung mit Hermine Granger erneut zu zählen.

Es gab jetzt Wichtigeres...obwohl...doch, doch...die Rettung der magischen Welt war schon wichtiger...eigentlich zumindest.

Snape ging einen Schritt auf die Todesser zu und ignorierte das schmatzende Geräusch in seinem Schuhwerk.

Der Kreis der Anhänger zog sich ein wenig enger um ihn zusammen, als er ein Zeichen zum Näherkommen gab. Er winkte noch einmal und die Todesser kamen sich jetzt so nahe, dass sie sich unweigerlich berührten.

"Teambesprechung!", kündigte Snape an und demonstrierte, dass sie die Arme einander über die Schultern legen sollten. Zuerst waren die Männer mit den Masken irritiert, dann kamen sie seiner Aufforderung jedoch nach.

Snapes Stimme war durchdringend, als er den Verbündeten mitteilte: "Der Lord mag tot sein - doch wir sind immer noch im Spiel! Ich als euer Anführer möchte hören, wie motiviert Ihr seid!"

Leises Gemurmel erklang.

"WAS WAR DAS DENN?", fuhr Snape die Meute an.

Das Gemurmel wurde etwas lauter.

Snape legte seine Hand hinter das Ohr und rief: "ICH KANN EUCH NICHT HÖÖÖÖÖREEEEN!"

"WIR SIND MOTIVIERT UND WOLLEN EUCH DIENEN!", kam es plötzlich wie aus einem Munde.

"Okay", erwiderte Snape, dann machte er eine theatralische Pause.

"Dann vernehmt, was ich befehle! Ab sofort seid ihr alle Schläfer!"

"Ich bin aber gar nicht müde", murmelte ein junger Todesser, dessen Maske seinem dicken Gesicht kaum Deckung bot. Snape sah die Backen des Mannes schwabbeln, als dieser, seine Worte unterstreichendden Kopf schüttelte.

"Todessekaffeekränzchenverbot, für die nächsten sechs Monate", ordnete Snape knapp an. Der Mann ging auf die Knie und senkte demütig den Kopf.

Für einen Moment dachte Snape darüber nach, dass er dies nun jederzeit haben konnte, wenn er wollte...aber irgendwie kam ihm in den Sinn, dass nur in Ordnung ist, was beide wollen...'komische Regel für ein Todessertreffen', schoss es ihm noch durch den Kopf, als er sich selbst schon weitersprechen hörte.

"Ein Schläfer verhält sich so lange völlig unauffällig und passt sich den Regeln der Gesellschaft an, bis er seinen Auftrag bekommt. Diesen führt er dann gezielt und ohne jedes Zögern aus. Aaaaber - bis es zu dem Auftrag kommt, muss er sich wie ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft benehmen. Keine kleinen Morde, Folterungen oder sonstigen Vergehen. Für diejenigen unter euch, die ein Auto fahren...ich möchte nicht einmal, dass ihr ein Knöllchen für Falschparken bekommt! Und für die Hundehalter unter euch...macht die Haufen weg, bevor euch ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes erwischt. Ich will nichts...aber auch gar nichts von irgendwelchen Regelverstößen hören. IST DAS KLAR?"

Zögerliches Maskennicken.

Snape zog seinen Zauberstab und ließ einen grellen Lichtblitz in die Menge schnellen.

Die Todesser nickten nun mit wesentlich mehr Intensität.

Snape ließ sie noch eine Weile nicken und kam zu dem Schluss, dass die Todesser jedem Rockkonzert als headbangende Zuhörer würdig gewesen wären.

Aber hier ging es nicht um ein Rockkonzert. Hier ging es um lebenswichtige Entscheidungen.

"Ist gut jetzt", herrschte er plötzlich in die Menge und das Headbangen erstarb.

"In Ordnung - ich hab da mal was vorbereitet", ließ er sich nun vernehmen und griff in seine Umhangtasche. Die Todesser spähten zu ihm und versuchten zu erkennen, was er dort in seiner rechten Hand hielt, während die linke lässig den Zauberstab schwang.

"Das sind Peilsender", sagte Snape knapp.

Er ließ diese Worte ein wenig wirken, dann erklärte er: "Diese Sender können mir die Position eines jeden einzelnen von euch anzeigen. Wer sich auffällig verhält, wird von mir sofort aufgespürt und bestraft, da er die Aktion im Ganzen gefährdet. Nun werdet Ihr euch vielleicht fragen, warum Peilsender? Warum reicht nicht das Mal? Ich werde es euch erklären, obwohl ich dies eigentlich gar nicht müsste. Das Mal war gestern...heute ist Hightech angesagt. Und seht es mal so, die Implantation dauert nur ein paar Minuten und dank einer Vollnarkose spürt ihr nicht einmal was. Ich weiß ja wie empfindlich ihr seid. So, ich darf jetzt jeden bitten, sich einen Peilsender bei mir abzuholen und dann sofort nach Rowlingscastle zu apparieren, damit die Operation durchgeführt werden kann. Die Medimagierin dort ist informiert und wird sich um alles weitere kümmern."

Damit stellte er sich in die Mitte und streckte die Hand aus. "Jeder nur einen Sender...ja, dieser ist gut, tolle Reichweite...jeder bitte nur einen Sender...nicht drängeln...jeder bekommt einen."

Einer nach dem anderen verschwanden die Todesser und Snape musste an seine Verbündete mit den blonden Haaren denken. Er hoffte, dass sie die Peilsender problemlos einsetzen konnte.

Als auch der letzte Todesser appariert war, sah Snape verwirrt auf seine Hand.

Verdammt, da war noch ein Sender übrig. Nach kurzem Grübeln kam er auf die denkbar einfache, und dennoch völlig schockierende Lösung.

Der war für ihn...für ihn...für den Anführer...den Tod- und Verderbenbringer...für den neuen Voldemort unter den Todessern...für..er kippte die Hand und nur wenig später gab es ein Geräusch aus Schmatzen und Knirschen, als er völlig versehentlich darauf trat. Erst als er den Sender mit seinen Füßen unter einem Matschhügel begraben hatte, fiel ihm ein, dass er ja selbst diese Anzahl Sender bestellt hatte. Er hatte einen Blick auf die Mitgliederliste geworfen und sich versehentlich mitgezählt.

Erleichtert kickte er noch einmal gegen den Hügel, so dass der Schlamm bis an die nahe gelegenen Baumstämme spritzte. Er war wirklich verwirrt in letzter Zeit. Doch wer wollte ihm dies schon übel nehmen, bei dem Stress und der unerfüllten sexuellen Erregung.

Zudem machte ihm immer noch Filchs Tod zu schaffen.

Ein wenig befreundet waren sie ja schon gewesen. Es hatte Zeiten gegeben, da hatten sie sich gemeinsam Foltermethoden für Schüler ausgedacht. Das waren lustige Zeiten gewesen. Allerdings hatte es Snape für etwas befremdlich gehalten, dass der Hausmeister meist bessere Ideen hatte als er selbst, obwohl er doch ausgebildeter Todesser war.

Filch war eindeutig ein Opfer der Technik geworden.

Warum hatte ihm denn niemand gesagt, dass man einen Herd nicht selber anschließen sollte. Warum hatte er nicht gewusst, dass dieser einen Starkstromanschluss hatte? Warum hatte Snape dies eigentlich bis zu Filchs tragischem Unfall selbst nicht gewusst?

'Weil ich es nicht wissen muss! Weil ich nie einen Herd brauchte, sondern Tränke über offenem Feuer braue und nicht auf schwarzen Platten, die tückisch heiß werden, ohne dass man es überhaupt sieht!'.

Ein wenig Tradition hätte also ein Leben retten können, schoss es Snape nochmals durch den Kopf. Dann fiel ihm ein, dass er dringend mal wieder seine Reviews checken musste und er apparierte zurück nach Hogwarts.

 

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Snape hatte sich gerade bei www. stories-für-scharfe-bräute-und-boys eingeloggt, als es summte. Das Summen entsprach einer Türklingel. Der herrlich unaufdringliche Ton hatte es Snape bei seinem letzten Baumarktbesuch angetan. Immer wieder hatte er den Testknopf gedrückt, der einem kleinen, an die Wand montierten Kasten dieses Geräusch entlockt hatte. Und so hatte er schließlich kurzum seine Tür verzaubert, damit sie genau dieses Geräusch von sich gab, wenn jemand Einlass verlangte. Immer wenn jetzt jemand aufdringlich mit den Fäusten an seine Tür hämmerte, klang es für ihn wie das kurze Summen einer Biene, die mitten im Schwirren einen Herzinfarkt erleidet. Ein Geräusch also, das man bestens ignorieren konnte.

Doch diese Biene schwirrte - starb - schwirrte - starb - schwirrte - starb...es klang so, als wäre der ganze Bienenstock bald ausgestorben.

Also rief Snape schließlich doch noch: "Reinkommen!", bevor er sich wieder ausloggte und vor Neugier auf seine Reviews fast selbst den Türsummertod starb.

Albus Dumbledore trat ein. Aufgrund der späten Stunde hatten sich einige neue Bartstoppeln gebildet und auch seine Augen wiesen dunkle Ringe auf.

"Du siehst müde aus, Albus - geh ins Bett. Wir reden morgen", sagte Snape fürsorglich.

"Das was wir zu besprechen haben, kann nicht bis morgen warten", erwiderte der Direktor bestimmt, "außerdem war Tosca als Freilichtaufführung inszeniert, so dass ich genug Sauerstoff intus habe, um noch einige wichtige Dinge mit dir zu besprechen."

Snape bot ihm einen Platz an, indem er ein paar Herrenmagazine zwischen die Sitzkissen schob.

"Oh, warte mal", sagte der Direktor nun scheinbar viel wacher. "Zeig mal her - das kenne ich ja noch gar nicht!"

Snape zog eines der Magazine wieder zwischen den Kissen hervor und fragte: "Das hier?"

Dumbledore schüttelte den Kopf: "Hab ich"

Snape zog ein zweites hervor: "Dann das?"

Wiederum Kopfschütteln: "Hab ich auch."

Auch das dritte führte nicht zum gewünschten Erfolg.

Snape zuckte mit den Achseln: "Dann hab ich nur noch ein Magazin über Gartengestaltung."

Er hielt es Dumbledore hin, der es kurz durchblätterte: "Ach so - interessant...ich dachte das hätte was mit FKK zu tun."

Snape riss entsetzt die Augen auf: "Mit FKK? Nein, Albus...nein...du hast doch nicht etwa vor, auf den Ländereien ein FKK Gelände einzurichten?"

"Ich dachte rund um den See wäre es nicht schlecht", sinnierte Dumbledore völlig die schockierte R