von Ermione
Kurzbeschreibung:
Drama/Tragikkomödie, Rating zw. PG und
PG13, keine Warnungen
Hinweis: Diese Fanfic wurde bereits im
Jänner und Februar 2005 geschrieben und somit vor dem Erscheinen „Harry Potter
und der Halbblutprinz".
Zum Inhalt:
Mehr als ein Jahr, nachdem
Du-weißt-schon-wer verschwunden ist, ist vergangen und die Magische Welt
Großbritanniens scheinbar wieder zur Normalität zurückgekehrt. Doch dann sorgt
ein unnatürlicher Todesfall für ungeahnte Turbulenzen...
Disclaimer:
Diese
Geschichte basiert auf Charakteren und Situationen, die von J. K. Rowling
kreiert wurden und sind ihr Eigentum, sowie das Eigentum verschiedener
Herausgeber/innen, u.a. Bloomsbury Books, Scholastic Books und Raincoast Books
und Warner Bros., Inc. Geld wird hiermit nicht verdient, und Verletzungen des
Copyrights sind nicht beabsichtigt.
Mir
gehören nur die Figuren Julia Jones und Kornelius Klink, für deren Aufgabe in
folgender Geschichte es leider keine passenden Figuren im Harry-Potter-Canon gibt.
Ich freue mich über Reviews, also
vergesst bitte nicht, welche zu schreiben. Willkommen ist jedes Review, von der
Lobeshymne bis zum Verriss oder zum Bekenntnis, dass euch meine Fanfic nicht
zugesagt hat, solange ihr mich eure Gründe dafür wissen lässt.
He's not a particularly pleasant person at all.
(J.K. Rowling 1999 über ihre Romanfigur Severus Snape)
In der Nacht v. 8. auf den .9. Mai 1982
„Wunderbar", dachte sie und lehnte sich
seufzend auf die Kopfkissen zurück. „Dafür könnte ich sterben." Sie spürte noch
immer ein angenehmes Prickeln. Es war wieder herrlich gewesen, und sie freute
sich bereits auf den nächsten Teil. Aber zunächst war eine kleine Pause
angesagt - erfüllter Sex ist schließlich nicht nur schön, sondern auch sehr
anstrengend.
Nachdem sie als ersten Abschluss eine
Weile nebeneinander gekuschelt hatten, hatte Julia etwas von ihrer Sehnsucht
nach heißer Schokolade, ihrem Lieblingsgetränk, gemurmelt. Daraufhin war er
sofort aufgestanden, um für sie eine Tasse zu richten. Die Zutaten waren zwar
außer einer Flasche Eierlikör nicht vorhanden, aber sie wusste, er würde es
schaffen. In der Küche lag immerhin ihr Zauberstab, und mit dem konnte er recht
gut umgeben, wie sie schon mehrmals beobachtet hatte.
Sie lächelte versonnen. Was war er doch
für ein lieber Schwindler? Er glaubte tatsächlich, dass sie ihm abnahm, dass er
ein einfacher Muggel war, der sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlug.
Julia hatte einige Zeit als Verkäuferin
in Muggelmodengeschäften und auf der Winkelgasse gearbeitet. Daher wusste sie,
dass die Muggelkleidung, die er gewöhnlich trug, für einen einfachen
Gelegenheitsarbeiter viel zu teuer war. (Oder suchte er etwa Second-Hand-Shops
auf?)
Und die Art, wie er diese Muggelkleidung
trug, fand sie apart. Es stand ihm einfach.
Aber es war eindeutig zu erkennen, dass
er sich zwar diesbezüglich sicher informiert hatte, aber im Alltag mit anderer
Kleidung vertraut war. (Besonders beim Anziehen seiner langen Hose, nach einer
gemeinsam verbrachten Nacht, wirkte er stets etwas unbeholfen.)
Aber es war einfach reizend, zu
beobachten, wie er sich bemühte, ein gewöhnlicher Muggel zu sein, der zufällig
einige muggelstämmige Zauberer und Hexen kannte. Das hatte er jedenfalls
behauptet, als sie ihn gefragt hatte, wie er als Muggel überhaupt zu einer
Ausgabe des Tagespropheten gekommen war.
Und für einen Muggel konnte er mit ihrem
eigenen Zauberstab perfekt umgehen. Aber es war rührend, dass er heimlich ihren
Zauberstab verwendete, um wunderbare Kreationen von heißen Schokoladegetränken
herbeizuzaubern, die sie so gerne mochte. Vielleicht würde er ihr eines Tages
verraten, woher diese Kreationen kamen und wer sie hergestellt hatte.
Er war ein aufregender Mann, nicht wahr.
Es würde interessant sein, noch mehr über ihn herauszufinden. Und nachdem sie
neulich über Heiratspläne geplaudert hatten, würde es auch notwendig sein.
Gerade sein Versuch, ein Muggel zu sein,
hatte sie inzwischen davon überzeugt, dass er wirklich der Mann ihrer Träume war.
Sie selbst war eine muggelstämmige Hexe und hatte beide Welten kennen gelernt,
in ihnen gelebt und davon geträumt, beide vereinen zu können. Aber schließlich
hatte sie sich in der Muggelwelt niedergelassen.
Das war vor fünf Jahren gewesen, als sie
ihre jetzige Wohnung in London gefunden hatte. Aber auch der Kontakt mit der
anderen Welt war erhalten geblieben. Die Wohnung lag zufällig in der Nähe des
St. Mungo's Krankenhauses, und Julia hatte sie an das Kaminnetzwerk anschließen
lassen. Und dann war noch ihre einzige Verwandte, Tante Moni, die sie hin und
wieder zu besuchen pflegte, eine Hexe.
Es musste eine Fügung gewesen sein, dass
sie sich ausgerechnet in einen Zauberer verliebt hatte, den eindeutig ebenfalls
beide Welten interessierten.
Einige ihrer Muggelfreundinnen, die nicht
wussten, dass sie eine Hexe war, hatten sie gewarnt, als sie bei der Suche nach
dem Mann ihrer Träume eine Kontaktanzeige aufgegeben hatte. Das könne nicht gut
gehen, denn ein sogenanntes Blinddate sei nicht seriös. Zunächst schien es
sogar, dass sie Recht behalten sollten.
Der Versuch mit einer Kontaktanzeige im
„Guardian" und in der „Hexenwoche" hatte nichts gebracht. Doch dann hatte ihr
Tante Moni vorgeschlagen, es noch mit einer weiteren Kontaktanzeige im
„Tagespropheten" zu versuchen. Immerhin war der „Tagesprophet" die seriöseste
Zeitung. Auf diese Kontaktanzeige hin hatte er sich gemeldet, was für ihn
sprach. Sie war aufgeregt gewesen, als sie ihn in einem eleganten Lokal in
London getroffen hatte.
Zu diesem Zeitpunkt war sie allerdings
bereits etwas deprimiert, denn zunächst hatte sie zwei wenig glückliche
Begegnungen gehabt, mit Personen, die sich auf ihre ersten Kontaktanzeigen
gemeldet hatten.
Auf die Kontaktanzeige im „Guardian"
hatte sich ein steifer und ziemlich fülliger Mann von etwa 40 Jahren gemeldet.
Er hatte ihr gleich erklärt, dass er auf der Suche nach der Frau fürs Leben sei
und nur deshalb auf ihre Kontaktanzeige geantwortet hatte, weil er als
erfolgreicher Geschäftsmann mit eigener Firma zu wenig Zeit für private Dinge
habe. Er hatte klare Vorstellungen von seiner Traumfrau: hübsch, elegant,
häuslich, vorzeigbar. Bei dem gemeinsamen Abendessen hatte er sehr viel
geredet: über seine Firma, über seine geschäftlichen Treffen, über seine
Vorzüge und darüber, wie teuer dieses Lokal sei. Sie hatte sich in Schweigen
gehüllt.
Mit so einem Mann wollte sie nicht den
Rest ihres Lebens verbringen. (Wenn er wenigstens eine Augenweide gewesen wäre!
Aber nicht einmal sein Aussehen hatte ihr gefallen.)
Nachdem ihr das klar geworden war, stand
sie einfach auf, zahlte ihren Teil der Rechnung und ließ ihn sitzen.
Auch die Antwort auf die Kontaktanzeige
in der „Hexenwoche" hatte nicht ihren Vorstellungen entsprochen. Sie war sehr
überrascht gewesen, als sie bei Madam Tussaud's, wo sie sich verabredet hatten,
von einer attraktiven, unbekannten Frau etwa in ihrem Alter angesprochen wurde.
Sie hielt in der Hand eine rote Rose, die als Erkennungszeichen dienen sollte
und sich als verwandelter Zauberstab herausstellte. Die Hexe war recht
sympathisch gewesen, aber sie suchte doch einen Mann fürs Leben und
somit hatte sie kein weiteres Treffen vereinbart.
Aber aller guten Dinge sind drei.
Nach der Kontaktanzeige im
„Tagespropheten" war er in ihr Leben getreten, ein eleganter Mann mit sehr
hellen Haaren und aufmerksamen grauen Augen. Es hatte sich gelohnt.
Sie kuschelte sich in die Kissen. Wie
unschuldig war er in der ersten Nacht gewesen? Dabei hatte er behauptet, dass
er Erfahrung hatte. Sie lächelte. Offensichtlich nicht viel, denn sie hatte ihm
erst einmal klar machen müssen, dass eine Frau nicht einfach so genommen werden
will. Sex ist doch etwas Schönes, etwas, was genossen werden will, wozu man
sich Zeit nehmen muss. Aber dann war es für sie der Himmel gewesen...
Wenn ihm jemand prophezeit hätte, dass er
eines Tages in einer Muggelküche heißeSchokolade
mit Eierlikör und Schlagobers herbeizaubern würde, hätte er nur die Nase
gerümpft. So etwas Banales, und doch war er gerade dabei. Gleichzeitig kamen
ihm lange helle braune Haare in den Sinn. Diese Haarfarbe erinnerte ihn noch
immer ein wenig an das Mädchen, dass er eigentlich hatte heiraten wollen, und
diese Erinnerung machte ihn noch immer wütend. Das Mädchen hatte es gewagt, ihn
zu verschmähen und ein daher gelaufenes Schlammblut geheiratet. Ihn, den
letzten Abkömmling aus einer der ältesten und reinblütigsten Magierfamilien,
seine Familie zählte seit Jahrhunderten zu den bedeutendsten und reichsten
Magierfamilien überhaupt.
Leider hatte er nie die Chance bekommen,
diese dumme Gans für ihren Irrtum büßen zu lassen. (Und nach allem, was er so
gehört hatte, war sie mit ihrem Schlammblut sehr glücklich und hatte inzwischen
eine entzückende Tochter. Dass ihre Familie sie aus dem Stammbaum getilgt
hatte, machte ihr angeblich nichts aus.)
Aber daran wollte er nicht denken, das
lag schon einige Jahre zurück. Er hatte daraufhin eben eine ihrer Schwestern
geheiratet. Es war für beide Seiten ein guter Handel gewesen, und er hatte eine
reinblütige, reiche und hübsche Frau mit guten Umgangsformen bekommen, die auf
jeden Fall vorzeigbar war und auch ihre ehelichen Pflichten bisher brav erfüllt
hatte.
Aber ehe er Julia, dieses rehhafte
Geschöpf mit den langen, hellen braunen Haaren und den großen, funkelnden Augen
getroffen hatte, hatte er gar nicht gewusst, wie toll eine Beziehung mit einer
Frau sein kann.
Dabei war es eine reine Laune gewesen,
als er sich auf die Kontaktanzeige im „Tagespropheten" gemeldet hatte. Es hätte
eigentlich nur ein kleines Abenteuer sein sollen, das ihn von seinen
Alltagssorgen ablenken würde. Nie hätte er sich träumen lassen, dass so ein
Seitensprung eine tolle Sache sein konnte. Es machte Spaß, eine bildhübsche
junge Frau um sich zu haben, die einen anhimmelte, umsorgte und verwöhnte. (Zum
Umsorgen hatte er zu Hause genug Hauselfen, aber die himmelten ihn nicht an,
und freiwillig hätten diese Kreaturen ihn nie verwöhnt.)
Es machte Spaß, diese unkomplizierte
junge Frau zu verwöhnen, ihr zu schmeicheln. Und erst die tollen Nächte, die
sie miteinander verbrachten. Sie war leidenschaftlich und einfallsreich, sie
hatte Phantasie und...
Er lächelte nur, während er den
Milchlöffel auf das Tablett legte. Gleich würden sie ein wenig kuscheln, und
dann würde es weiter gehen.
Kurz darauf stand er im Türrahmen zu
ihrem Schlafzimmer. „Julia, dein Kellner ist da", sagte er und stellte das
Tablett auf das Nachtkästchen. Während er sich wieder ins Bett legte, zog er
sie an sich und küsste sie. „Licht meiner Augen", murmelte sie, während sie
sich an ihn schmiegte und den Kuss erwiderte. „Ich könnte für dich sterben."
Prophetische Worte, aber das konnte Julia
Jones damals noch nicht wissen.
Auf den milden Frühling war 1982 ein
heißer Sommer gefolgt. Doch schon im September war es überraschend kalt
geworden, und im November herrschten winterlichste Temperaturen. Am späten
Nachmittag des 25. Novembers hatte es überraschend zu schneien begonnen. Gegen
8.00 abends war die Gegend um Stonehenge, dem wohl für die Muggel bekanntesten
Ort in der Grafschaft Wiltshire, mit einer leichten Schneeschicht überdeckt.
Auf dem alt-ehrwürdigen Landsitz Malfoy
House in der Nähe von Salisbury, an dessen Stelle die Muggel seit drei
Jahrhunderten nur mehr Ruinen sehen konnten, waren Kälte und Schnee jedoch
nicht zu spüren. Im Kleinen Salon, dem vielleicht schönsten Zimmer von Malfoy
House, prasselte im grün-silberverfliesten Kamin ein munteres Feuer, das in
verschiedenen Blau- und Grüntönen funkelte.
Lucius Malfoy, der Hausherr und
Gastgeber, wandte soeben seinen Blick von den glitzernden Flammen ab, um Cognac
in die beiden blitzenden Kristallgläser zu füllen, die sich auf dem Tisch
befanden, der neben dem alt-ehrwürdigen Schaukelstuhl seines Urururgroßvaters
stand.
„Ein edler Tropfen aus der Sammlung
deines Großvaters?", fragte sein Besucher gerade.
Lucius nickte und beäugte stolz, wie die
bernsteinfarbene Flüssigkeit die Gläser füllte. „Sozusagen als kleine
Stärkung", sagte er dann, während er das eine Glas an das andere Ende des
Tisches schob. „Ehe wir zur Sache kommen."
Zufrieden beobachtete Lucius, dass es
sich sein Besucher inzwischen auf dem Diwan bequem gemacht hatte. Er lag
ausgestreckt auf diesem und hatte die Füße hochgelagert. Seinen schwarzen
Winterreiseumhang hatte er zuvor über einen weiteren Stuhl gelegt. (Auf Malfoy
House gab es schließlich genug Stühle pro Zimmer.)
„Angenehm, diese Wärme", bemerkte er mit
sanfter Stimme.
„Du wirst doch nicht behaupten, dass du
auf Hogwarts unter der Kälte leidest, Severus. Es sei denn, du willst es so."
Um Malfoys Mundwinkel zuckte es. Schließlich kannte er seinen Besucher recht
gut.
„Prost", er nahm sein Glas. „Trinken wir
auf dein zweites Jahr in Hogwarts und dass es gut für Dich verlaufen wird."
Severus setzte sich ein wenig auf, zog
seine Beine an und griff nach dem anderen Glas. „Eher darauf, dass ich diese
Hohlköpfe überlebe", schlug er vor.
„Ich habe mich gewundert, dass du dir
noch ein zweites Jahr zumutest. Narcissa und ich hatten gewettet, dass du nach
einem Jahr das Handtuch werfen wirst. Weißt du eigentlich, wie teuer mir die verlorene
Wette gekommen ist?" Lucius lächelte. „Ich habe für Narcissa einen
Ozelot-Umhang aus Paris bestellen müssen."
„Und da hast du gleich die neueste
Spezialfeuermischung für „farbige, gemütliche Abende" von Fiamme Ignis mit
importieren lassen."
„Stimmt, macht sich doch gut, Severus,
oder." Lucius blickte stolz zum Kamin hinüber. „Aber woher kennst du die
überhaupt?" Lucius wusste ganz gut, dass Severus sich nicht für wärmende und
dekorative Kaminfeuerarten interessierte.
„Professor Dumbledore hat diese Mischung
zu seinem letzten Geburtstag geschenkt bekommen." Severus streckte erneut die
Beine aus.
‚Er wirkt ziemlich verkrampft', dachte
Lucius, während er Severus dabei beobachtete. ‚Lehrer scheint wirklich ein
anstrengender Beruf zu sein.' Was für ein Glück, dass ein Malfoy es nicht nötig
hatte, zu arbeiten. Allerdings, wenn Severus es gewollt hätte, hätte ihm Lucius
schon einen anderen Job besorgt. Das Problem war nur, dass Severus in solchen
Dingen sehr eigensinnig war. Vielleicht, weil er wusste, dass alles seinen
Preis hatte.
„Du siehst ziemlich mitgenommen aus?",
sagte Lucius.
„Als Lehrer bin ich auch ständig auf den
Beinen", meinte Severus. „24 Stunden lang geht es treppauf, treppab.
Unterricht, Gangkontrollen, Konferenzen, repräsentative Mahlzeiten, Schüler
nachsitzen lassen, Quidditchtraining beobachten. Wo bleibt da die Zeit zum
Entspannen?"
„Hast Du eigentlich einmal daran gedacht,
dich massieren zu lassen?", fragte Lucius.
„Diese neue Muggeltechnik?"
„Sie ist sehr entspannend, einfach ein
tolles Gefühl. Und es gibt inzwischen Medihexen, die diese Muggeltechnik
anbieten. Ich lasse mir regelmäßig eine hierher kommen. Die ist ausgezeichnet.
Lass dich doch einmal von ihr massieren."
„Nein - keine Medihexen", antwortete
Severus ruhig, aber Lucius sah, dass er zusammengezuckt war.
‚Ich hatte ganz vergessen, dass Severus
sich nicht gerne berühren lässt. Er zuckt doch schon zusammen, wenn ich
versehentlich eine Hand auf die Schulter lege', dachte Lucius sofort. Den Grund
für sein seltsames Verhalten hatte ihm Severus nie verraten, aber immerhin
gehörte er zu den wenigen, die Severus an sich heranließ. Schade - einige
Monate Massage hätten Severus sicher gut getan. „Ich wusste gar nicht, dass
Lehrer so viel stehen müssen", sagte Lucius schließlich, während er
nachschenkte.
„Das habe ich auch nicht gewusst", sagte
Snape sanft. „Aber ich habe mir auch nicht vorgestellt, dass Schüler solche
Hohlköpfe sind. Kaum setze ich mich im Unterricht einmal kurz nieder, kann ich
schon wieder aufspringen, weil irgendjemand seinen Kessel explodieren lässt
oder Tentakeln mit Rattenmilzen verwechselt. Du kannst dir gar nicht
vorstellen, wie anstrengend das ist. Ständig aufpassen. Außerdem - ich habe
meistens das Gefühl, dass die Schüler so unaufmerksam sind. Da könnte ich genauso
gut Balladen zitieren oder dumme Sprüche von mir geben statt Unterrichtsstoff,
und denen würde das nicht einmal auffallen. Die wollen einfach nichts lernen.
Nur - bei mir müssen sie lernen." Er lächelte schwach.
„Bei der Xenon sind doch die Kessel nie
explodiert", sagte Lucius. „Mir hat jemand erzählt, dass bei dir fast jede
Woche ein oder zwei Kessel explodieren."
„Du hast doch die Xenon noch selbst
erlebt, Lucius", erinnerte ihn Severus. „In sieben Schuljahren haben wir dort
ein einziges Mal einen richtigen Zaubertrank brauen dürfen. Ansonsten - Zutaten
sortieren, Zutaten einräumen, Zutaten zuschneiden, Formeln auswendig lernen.
Dass da keine Kessel explodiert sind, versteht sich wohl von selbst."
„Und du hast tatsächlich den Ehrgeiz,
deinen Schülern tatsächlich etwas beizubringen."
„Das ist doch wohl meine Aufgabe",
versetzte Severus. „Zumindest, was meine Slytherins betrifft. Schließlich bin
ich ihr Hauslehrer."
‚Deswegen hat dich Dumbledore letzten
Herbst auch eingestellt', dachte Lucius. Er hat dringend jemanden gebraucht,
der in Slytherin war und somit das Slytherinhaus übernehmen kann.' In den
letzten Jahren hatte das Slytherinhaus ziemlich oft den Lehrer gewechselt. „Und
du hast weiterhin vor, zu unterrichten?", erkundigte er sich dann.
Severus nickte. „Hogwarts ist die einzige
britische Schule für Zauberei und Hexerei. Somit ist es sogar, eine Ehre dort
unterrichten zu dürfen. Übrigens, dafür, was wir wirklich leisten, sind wir
unterbezahlt, aber im Vergleich zu anderen Berufen, werden Lehrer in Hogwarts
sehr gut bezahlt. Selbst im Ministerium sind die Einstiegsgehälter niedriger."
Dann sah er Lucius plötzlich unvermittelt in die Augen. „Aber ich denke nicht,
dass du mich deswegen sprechen wolltest." Seine Lippen kräuselten sich.
„Das stimmt, Severus", gab Lucius zu,
während er an seinem Cognac nippte. „Ich komme vielleicht gleich zur Sache.
Severus, ich bin in ziemlichen Schwierigkeiten."
„So, Lucius", Severus runzelte die Stirn.
„Na, lass mal hören."
„Du weißt, dass ich angeklagt war."
„Darüber wurde groß im „Tagespropheten"
berichtet. Aber, Lucius, das liegt schon Monate zurück, und sie haben dich doch
freigesprochen."
„Ja, der Imperiusfluch", sagte
Lucius nachdenklich. „Und der Name Malfoy zählt wenigstens noch genug, um einem
die Untersuchungshaft in Askaban zu ersparen."
„Oder wohl eher die Kaution", warf
Severus sanft ein.
„Wie auch immer, sie haben mich, bis der
Prozess vorbei war, gegen Kaution nur unter Hausarrest gestellt. Keine weiteren
Auflagen."
„Der Wizengamot hat dich freigesprochen",
bemerkte Severus. „Warum bist du dann in Schwierigkeiten? Die Kaution werden
sie dir doch zurückgezahlt haben."
„Klar, darum habe ich mich schon
gekümmert", bestätigte Lucius. „Obwohl, das Geld hätte sich schon verschmerzen
lassen. Aber du weißt, dass ich die letzten Monate sehr zurückgezogen gelebt
habe. Viele halten mich sogar für einen Märtyrer. Und der ergreifende Auftritt
meiner Frau vor Gericht... Das Problem ist nur, dass ich etwas regeln muss."
„Offensichtlich betrifft es dein
Privatleben", sagte Severus nachdenklich.
„Das Ministerium behält mich im Auge, und
ich achte selbst darauf, dass sie auch gut informiert sind. Der alte Crouch
hofft immer noch, dass er mir etwas nachweisen kann, und dass mir diesmal kein Imperiusfluch
hilft. Womit wir zum nächsten Punkt kommen, er darf der Bagnold auf keinen Fall
nachfolgen. Aber das ist eine andere Sache."
„Und wo ist das wirkliche Problem?
Lucius, komm doch endlich zur Sache."
„Nun, jemand will mich erpressen."
„Und es hilft nichts, wenn du ihn wegen
Erpressung anzeigst, Lucius?"
„Nein, sie hat etwas gegen mich in der
Hand. Bis jetzt weiß sie glücklicherweise nicht meinen richtigen Namen, aber
sie ist dabei, ihn herauszufinden, und dann bin ich geliefert. Sie will
nämlich, dass ich mich scheiden lasse und sie heirate."
„Du hast also eine Freundin", stellte
Severus fest. „Ist sie hübsch?"
„Das ist unwichtig. Du weißt doch, unsere
Traumhochzeit war etwas, was nur in den Medien existiert hat. Es war eben ein
vernünftiger Handel. Drei alt-ehrwürdige, reinblütige und reiche Familien
verbinden sich durch zwei Ehen. Mir hat man die Wahl gelassen, und ich habe die
jüngere Schwester gewählt. Rudolphus bekam die ältere. Jedenfalls führen --
Narcissa und ich das, was als gute Ehe gilt. Aber im letzten Frühjahr hatte ich
einfach Sehnsucht nach ein wenig Abwechslung. Zufällig habe ich eine
Kontaktanzeige im „Tagespropheten" gelesen, war neugierig, habe mich gemeldet
und diese angebliche Muggel kennen gelernt."
„Wenn es eine Muggel ist, warum verhext
du sie nicht einfach mit einem Amnesiazauber?"
„Du kannst leicht reden, du bist
schließlich nicht verheiratet. Hübsch war sie, und sie lebt als Muggel.
Zunächst habe ich nicht gewusst, dass sie eine Hexe ist, ein Schlammblut. Vor
einem Monat habe ich mit ihr Schluss gemacht, und sie will das nicht zur
Kenntnis nehmen. Sie versucht mich zu erpressen, und sie hat leider
herausgefunden, dass ich kein Niemand bin. Alles weiß sie noch nicht, aber sie
ist gerade dabei herauszufinden, wer ich wirklich bin."
„Und welche Lösung hast du geplant?"
„Ein Freundschaftsdienst, mit dessen
Hilfe sie sanft entschlafen soll."
„Und das Problem dabei..."
„Es muss unauffällig sein. Außerdem
glaube ich, dass es ein paar Zauberer gibt, die etwas vermuten. Und ich habe
keine Ahnung, wie ich es bewerkstelligen soll, ohne dass ich verdächtigt werde.
Und dann ist da noch Narcissa. Ich stehe zu sehr im Rampenlicht. Der alte
Crouch lässt mich dauernd beobachten. Aber was, wenn sich jemand anderer darum
kümmert, der kein Motiv hat, außer dass er mein Freund ist und mir als mein
Freund helfen will."
„Eine sehr lange Rede, Lucius, die du da
gehalten hast. Gehe ich recht in der Annahme, dass du bereits eine gewisse
Person für diesen Freundschaftsdienst ins Auge gefasst hast?"
„Du irrst dich nicht, Severus."
„Ich vermute einmal, dass es jemand aus
Slytherin ist. Schließlich leisten Slytherins die besten Freundschaftsdienste."
„Richtig, ein Freundschaftsdienst gegen
einen Freundschaftsdienst - ein Motto in Slytherin."
„Hoffentlich hat der Freund keine
Einwände. So eine Art von Freundschaftsdienst ist eine heikle Sache."
„Aber Severus, du weißt doch sicher, an
wen ich gedacht habe."
„Wenn alles auffliegt, bedeutet das
lebenslänglich Askaban, Lucius. Bei der derzeitigen Stimmung im Ministerium -
die verstehen sicher nicht, warum diese Muggelhexe für dich weg muss."
„Ein Angebot - wenn alles schief geht,
stelle ich die Kaution und bezahle die Verteidigung."
„Falls du nicht auch auffliegst. Außerdem
bin ich selbst nicht unbelastet, wie du weißt."
„Du meinst wegen der Sache mit der
Longbottom. Das war doch nur ein Hinweis, dem sie routinemäßig nachgegangen
ist."
„Wenn das Ministerium gewollt hätte,
hätte ich einigen Ärger gehabt, Lucius."
„Es hat nicht einmal eine richtige
Anhörung gegeben, Severus. Das kann doch nicht so schlimm sein. Du wärst in
jeden Fall freigekommen."
„Aber sicher eine Menge Papierkram,
Lucius. Wenn der Schulleiter nicht gebürgt hätte, hätte ich vermutlich meinen
neuen Job als Lehrer verloren." Severus sah ihn nachdenklich an.
„Aber er hat dich geschützt, er hat
gebürgt."
„Aber dabei ging es nicht um Askaban oder
darum, ob es zu einer Anhörung bzw. einem Prozess kommt. Lucius, bei der
Bürgschaft meines Vorgesetzten ging es nur darum, ob ich als Lehrer nach diesem
Hinweis überhaupt für Hogwarts tragbar bin. Nachdem Professor Dumbledore mich
als Lehrer eingestellt hatte, sah er es als seine Pflicht, mir als mein
Vorgesetzter zu helfen."
„Außerdem wollte er wohl nicht wieder
einen neuen Hauslehrer für Slytherin finden."
„Wenn ich deinen Freundschaftsdienst
übernehme, wird er mir jedenfalls nicht beistehen", erwiderte Severus sanft und
sah Lucius eindringlich in die Augen.
Dieser senkte den Blick. „Du wirst es
sicher so schaffen, dass es niemand merkt", sagte er nur. „Severus, ich
vertraue dir."
„Vertrauen - ich habe gar nicht gewusst,
dass ein Slytherin einem Slytherin vertrauen kann."
„Ein Slytherin kann nur einem Slytherin
vertrauen", sagte Lucius ernst. „Denn da weiß er, dass ihn dieser hintergehen
könnte."
„Wenn ich dabei auffliege, steckst du
auch drinnen, Lucius", sagt Severus nachdenklich. „Ich schiebe es auf den Imperiusfluch.
Das ist dir hoffentlich klar."
Lucius nickte nur. „Klar, du darfst nicht
auffliegen."
Etwa um die selbe Zeit stand auf Malfoy
House zwei Etagen höher Mrs. Lucius Malfoy vor einem großen alt-ehrwürdigen
Spiegel, in den schon Generationen von Malfoys geblickt hatten und betrachtete
sich nachdenklich. Nicht unattraktiv, dachte sie resignierend. ‚Und immerhin
habe ich wieder meine alte Figur. Ich wünschte wirklich, es würde einen
vernünftigen Zauberspruch oder Zaubertrank geben, der es schwangeren Frauen
möglich macht, nicht zu zunehmen.'
Narcissa wandte sich vom Spiegel ab und
ging die Stiegen hinunter. Wehmütig dachte sie dabei an das schöne moderne Haus
in London. In den letzten drei Jahren hatte sie es nach der neuesten Mode
eingerichtet, und nun verstaubte dort alles. Aber Lucius hatte vor Monaten
entschieden, dass es für seinen Ruf besser wäre, vorläufig das Londoner Haus zu
schließen und ein stilles, zurückgezogenes Landleben zu führen. Zwar war er von
der Anklage eines Mordes, der im Auftrag des Dunklen Lords begangen worden war,
freigesprochen worden, da er glaubwürdig beteuert hatte, nur unter Einfluss des
Imperiusfluches gehandelt zu haben. Aber ohne seine Beziehungen zu
führenden Mitgliedern des Zaubereiministeriums, ohne sein tadelloses
Familienleben und ohne sein hohes Ansehen in der Magischen Gesellschaft, das
sich in erster Linie seinen Spenden für gute Zwecke und dem Umstand, dass er
aus einer bedeutenden Familie stammte, verdankte, hätte alles ganz anders enden
können. Es war somit sehr vernünftig gewesen, sich aus London nach Malfoy House
zurückzuziehen.
Dennoch tat es Mrs. Lucius Malfoy Leid,
da sie London einfach vermisste. Es war eben lustiger mit dem kleinen Draco und
den Freundinnen dort in der Winkelgasse Einkäufe zu machen, als hier einsam
durch die Gartenanlagen zu streifen. Der neue Nutria-Umhang wollte getragen und
bewundert werden, und die neue Smaragdkette mit dem silbernen Schlangenanhänger
und den Blutsteinen, die Lucius letzten Sommer für sie in London gekauft hatte,
ebenfalls.
In Wiltshire kamen ihre Freundinnen kaum
auf Besuch, da sie und Lucius zurzeit ein zurückgezogenes Leben führten und
keine Bälle oder Partys veranstalteten. Nur ihre Schwester, in deren
Gesellschaft sie sich stets unbehaglich fühlte, schaute regelmäßig vorbei. Erst
heute hatte sie wieder eine Eule geschickt und ihr Kommen für den nächsten Tag
angekündigt.
‚Es wäre alles nicht so schlimm', dachte
Narcissa mürrisch. ‚Hätte wenigstens Lucius Zeit für mich und Draco. Aber nein,
ständig ist er unterwegs und wenn er hier ist, tauchen seine Freunde auf. Sie
haben Beratungen und sitzen gemütlich im Kleinen Salon. Und ich bin
unerwünscht.'
Narcissa wäre gerne im Kleinen Salon mit
Lucius gesessen. Wie schön wäre es doch, mit ihm zusammen am Feuer zu sitzen
und über Alltagssorgen, Politik und seine neuen Pläne zu plaudern?
Stattdessen saßen sie lediglich bei den
gemeinsamen Mahlzeiten im großen, vornehmen Speiseraum einander gegenüber. Narcissa
widerstand dabei regelmäßig der Versuchung, dazu einen ihrer beiden neuen
Pelzumhänge, den Nutria oder den Ozelot zu tragen. Das wäre doch etwas
egozentrisch gewesen - aber es war immer so kalt.
Inzwischen hatte Narcissa den Kleinen
Salon erreicht. Unwillig klopfte sie an, aber sie kannte ihre Pflichten als
Gastgeberin.
Heute war Snape, oder Professor Snape,
wie er jetzt genannt wurde, unerwartet vorbeigekommen. (Oder hatte ihn Lucius
eingeladen?) Narcissa war erstaunt gewesen, da dieser Snape schon mehr als ein
Jahr nicht mehr in Malfoy House aufgetaucht war. (Was sie persönlich sehr
begrüßt hatte, mochte sie ihn doch von Lucius' Bekannten am wenigsten.)
‚Seit er Lehrer in Hogwarts ist, bildet
er sich wohl zu viel ein', dachte Narcissa missmutig. ‚Als ob das eine so
wichtige Position ist.'
Warum gab sich Lucius auch mit diesem
Abschaum ab? War dieser Snape überhaupt reinblütig? Narcissa wusste es nicht,
aber sie hatte da ihre Zweifel. Jedenfalls gehörte er zu denen, die auf kein
Familienvermögen zurückgreifen konnten. Und ein besonders geselliger Mensch war
er auch nicht. Was fand Lucius nur an ihm?
Inzwischen kam er wenigstens nicht mehr
so oft vorbei. Narcissa dachte mit Grausen an das erste Jahr ihrer Ehe, wo er
ständig bei Lucius auf Besuch gewesen war. Beide waren wochenlang unterwegs
gewesen, und sie hatte Lucius gewöhnlich nur bei den Mahlzeiten gesehen, wo
dieser Snape ebenfalls anwesend war. ,Das war wohl eine Ehe zu dritt",
erinnerte sich Narcissa traurig. „Und jetzt fängt das wohl schon wieder an.'
Wehmütig dachte sie daran, dass dieser
Snape jetzt im Kleinen Salon mit Lucius am Feuer saß, und wer weiß, wie sich
beide die gemeinsame Zeit vertrieben. Wenn es wenigstens möglich gewesen wäre,
ihr Gespräch zu belauschen. Aber der Urururgroßvater hatte seinerzeit den
Kleinen Salon mit einem uralten, komplizierten Abhörschutzzauber ausgestattet.
Narcissa beobachtete, wie die Salontüre
langsam von selbst aufging, das Ergebnis eines Zaubers, der nur von innen
wirkte, und der automatisch, wenn jemand drinnen war, andere Personen
aussperrte. Sie wollte durch die Türe durch, aber Lucius stand im Türrahmen und
versperrte ihr den Durchgang und die Sicht in den Salon.
„Was gibt es, meine liebe Narcissa?",
fragte Lucius höflich, aber kühl.
„Ich wollte nur fragen, ob ihr irgendeine
Kleinigkeit serviert haben möchtet?", erwiderte sie rasch und zwang sich zu
einem strahlenden Lächeln.
„Eine gute Idee, liebe Narcissa, aber ich
muss mit Severus noch etwas Dringendes besprechen. Wir sehen uns dann in etwa
einer dreiviertel Stunde im Speisezimmer", sagte Lucius, und sofort schloss
sich die Türe wieder vor ihr.
Narcissa blinzelte einen Moment, ehe sie
in die Halle ging, um den Hauselfen Bescheid zu sagen.
Poppy Pomfrey steckte den Zauberstab wieder
ein. Ehe sie nach Hogwarts gekommen war (wie viele Jahre waren seither
vergangen?), hatte sie für das Ministerium gearbeitet. Damals war ihr
Zauberstab dort registriert worden, und mit den neuen Techniken, die in den
letzten Jahren entwickelt worden waren, würde es keine Probleme geben, mit
ihrem Zauberstab durchgeführte Zauber zu identifizieren.
„Der Tee ist fertig", sagte eine Stimme
hinter ihr. Poppy spürte einen Stich, als sie den rauen Tonfall wahrnahm. Wie
oft hatten sie und ihre Freundin in Hogwarts bei einer Tasse Tee gemütlich
geplaudert... Pomona Sprout hatte eine etwas energische Art, die Worte zu
betonen, aber ihre Stimme war normalerweise melodisch. Allein der Tonfall
verriet Poppy bereits, wie sich Pomona an diesem 2. Dezember wirklich fühlte.
„Schön", sagte Poppy. „Dann trinken wir
jetzt eine Tasse. Das wird uns gut tun."
„Im Wohnzimmer?", wollte ihre Freundin
wissen.
„Ist vielleicht das beste", meinte Poppy.
„Da gibt es den Tisch, die Sessel, und wir müssen nichts umstellen.
„Ich bin oft mit Julia hier gesessen",
murmelte Pomona, während sie zwei blaugemusterte Keramiktassen und eine dazu
passende Kanne auf den Tisch stellte. „Weißt du, Poppy, Julia hat die Aussicht
so gemocht. Sie hat immer gesagt, man sieht von hier über die Dächer von
London. Als Hexe konnte sie sogar das Krankenhaus St. Mungo's erkennen."
„Arme Julia", dachte Poppy nur. Sie hatte
die junge, eigenwillige Hexe gemocht. Es war vielleicht vor acht Jahren
gewesen, als Pomona sie gebeten hatte, ihre Nichte einige Monate lang als
Praktikantin bei sich arbeiten zu lassen.
Poppy war dagegen gewesen. Sie arbeitete
lieber alleine. Aber da sie Pomona als gute Freundin betrachtete, hatte sie
doch zugestimmt. Nur, zur Medihexe hatte Julia die Geduld gefehlt, das hatte
das Praktikum eindeutig gezeigt.
Poppy ertappte sich, dass sie lächeln
musste. Aber ein liebes Mädchen war Julia gewesen, solche Mühe hatte sie sich
gegeben. Und jetzt - alles war so plötzlich gekommen.
Im September hatte Pomona erzählt, dass
es Julia im Moment nicht gut ging - irgendwelche Probleme. Vor etwa drei
Monaten hatte Poppy Julia zum letzten Mal gesehen. Julia war nach Hogwarts
gekommen, um ihre Tante zu besuchen. Damals hatte sie bei Poppy vorbeigesehen,
und Poppy hatte den Eindruck gehabt, dass Julia recht nervös wirkte. Julia
hatte ihr jedoch versichert, dass es ihr gut gehe.
Als Pomona ihr heute Vormittag erzählt
hatte, dass Julia gestern tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden war, war sie
ganz erschüttert gewesen. Pomona hatte es ihr erzählt, als sie auf der
Krankenstation erschienen war und sie um einen Beruhigungstrank gebeten hatte.
Sie war total aufgelöst gewesen.
Als Pomona sie heute Abend über das
Kaminfeuer gebeten hatte, unbedingt in Julias Wohnung zu kommen, war sie sofort
zu Albus gegangen und hatte ihn ersucht, für sie das Kaminnetzwerk zu öffnen.
Hogwarts war daran angeschlossen, aber aus Sicherheitsgründen konnten die
Kamine ohne Erlaubnis des Schulleiters nur für Gespräche verwendet werden.
Als sie aus dem Kamin stieg, hatte Pomona
sie bereits erwartet. Ihre Augen waren gerötet, und ihre Stimme hatte einen
ungewöhnlich rauen Tonfall, aber ansonsten hatte sie einen sehr gefassten
Eindruck gemacht. „Poppy, danke", sagte sie nur. „Wenn du möchtest, mache ich
uns Tee, während du die Wohnung überprüfst."
„Gerne, aber du darfst dabei auf keinen
Fall zaubern. Ist das hier möglich?"
„Klar", antwortete Pomona. „Julia hat
doch wie eine Muggel gelebt. Den Gasherd hat sie immer mit Streichhölzern
angezündet." Plötzlich wischte sich Pomona über die Augen.
Poppy entschied, dass es besser war,
diese Geste zu ignorieren. „Gerne, Pomona. Aber zuerst einmal habe ich einige
Fragen."
„Du willst wissen, warum ich möchte, dass
du die Wohnung überprüfst?"
„Dir muss etwas aufgefallen sein,
Pomona."
„Poppy, du hast mir doch erzählt, dass du
früher Wohnungen überprüft hast."
„Das war zu Grindelwalds Zeiten. Pomona,
nimm es mir nicht übel, aber daran denke ich nicht gerne."
„Laut dem Muggelarzt war es das Herz",
sagte Pomona leise. „Aber Julia hatte keine Herzprobleme."
„Als sie meine Praktikantin war, sicher
nicht."
„Eben", Pomona fuhr sich erneut mit der
Hand über die Augen. „Die Nachbarin hat gestern ihren schwarzen Kater vermisst.
Da er oft über den Balkon in Julias Wohnung klettert, Julia hatte die
Gewohnheit, ihre Balkontüre offen zu lassen, hat diese Nachbarin geläutet. Sie,
die Nachbarin hat einen Schlüssel, sie hat schon oft ihren Kater aus Julias
Wohnung geholt, wenn meine Nichte nicht da war. Aber diesmal hat sie nicht den
Kater, sondern Julias Leiche entdeckt."
„Ist der Kater inzwischen wieder
aufgetaucht?", unterbrach sie Poppy.
„Habe ich nicht gefragt", antwortete
Pomona leise. „Ist das wichtig?"
„Nur so eine Frage, Pomona", sagte Poppy
sanft. „Erzähl weiter."
„Gestern Mittag haben sie die Leiche
entdeckt und sie in ein Muggelkrankenhaus gebracht", sagte Pomona. „Die Wohnung
war ordentlich aufgeräumt, sie haben nichts Verdächtiges entdeckt. Eine
ärztliche Untersuchung wurde durchgeführt. Die Nachbarin wusste zum Glück, dass
Julia eine Hexe ist, da ihre Tochter Hogwarts besucht. Die Tochter hat mich
informiert. Daraufhin habe ich die Überführung der Leiche nach St. Mungo's
veranlasst. Als ich heute Nachmittag den Muggelbericht erhalten habe, bin ich
hierher gefahren. Ich wollte nach dem Rechten sehen. Albus hat mir ...
freigegeben." Pomona verstummte plötzlich.
„Bitte, stell den Tee auf", sagte Poppy
ruhig. „Ich werde inzwischen die Wohnung überprüfen.
Eine Stunde später saßen die beiden Hexen
im Wohnzimmer bei einer Tasse Kräutertee. Pomona hatte sich wieder einigermaßen
beruhigt, und so setzte Poppy die Befragung fort. „Hat die Untersuchung im St.
Mungo's irgendetwas Verdächtiges ergeben?"
„Nein, sowohl der Muggelarzt als auch die
Medihexe haben nur einen Herzstillstand festgestellt." Pomona setzte die
Teetasse an die Lippen, aber sie nahm keinen Schluck. „Julia hat keine
Herzprobleme gehabt --- und der Todesfluch hinterlässt keine sichtbaren
Spuren."
„Du vermutet also, dass ihn jemand
verwendet hat." Poppy merkte, dass es ihr schwer fiel, sachlich zu bleiben. ‚Arme
Pomona, arme Julia', dachte sie. Der Todesfluch hinterlässt keine sichtbaren
Spuren, aber in den letzten Jahren war in Frankreich eine Technik entwickelt
worden, mit deren Hilfe er nachgewiesen werden konnte. Die Anwendung dieser
Technik war seit einigen Jahren auch im St. Mungo's möglich. „Pomona, wenn es
der Todesfluch gewesen wäre, das hätten sie im St. Mungo's doch festgestellt",
sagte sie schließlich.
„Nein, im St. Mungo's haben sie nichts
festgestellt, außer...", Pomona stockte. Sie nahm nun doch einen Schluck Tee.
„Sie haben entdeckt, dass Julia etwa 24 Stunden, ehe sie starb, einen
Schlaftrank zu sich genommen hatte, den Somnio lenis".
„Nun, der hat Julia sicher nicht
getötet", erwiderte Poppy bestimmt. Der Somnio lenis war ein harmloses
Hausmittel, das in den Apotheken in der Winkelgasse und in Hogsmeade problemlos
zu bekommen war. Da er keine gefährlichen Zutaten enthielt, hätte er Julia
nicht einmal geschadet, wenn sie ihn selbst hergestellt hätte. Zudem hatte
Julia Talent für die Zaubertrankherstellung gehabt.
„Laut der Medihexe im St. Mungo's war es
aber eine sehr hohe Dosis", wandte Pomona ein. „Aber sie ist sicher, dass die
nicht tödlich war. Trotzdem -- ich habe so ein merkwürdiges Gefühl gehabt. Und
als ich heute in die Wohnung gekommen bin, habe ich magische Spuren
wahrgenommen. Glücklicherweise hat niemand seit Julia -- weg ist, gelüftet.
Irgendjemand hat in den letzten Tagen da gezaubert. Vielleicht war es Julia
selbst. Aber sie hat eigentlich kaum gezaubert."
„Darf sie das überhaupt?", fragte Poppy.
Denn Zaubern in Gegenwart von Muggeln war grundsätzlich verboten.
„Da gibt es eine spezielle Regelung",
erklärte ihr Pomona daraufhin. „Hexen und Zauberer, die unter Muggeln leben,
dürfen in ihren Wohnungen zaubern, solange diese von Muggeln abgeschirmt sind.
Dazu muss ein Antrag gestellt werden, damit jemand im Ministerium diese
Abschirmung durchführt und Ähnliches. Jedenfalls hat Julia diesen Antrag
gestellt."
„Hast du hier den Zauberstab verwendet?",
fragte Poppy plötzlich.
„Nein", sagte Pomona leise, aber
bestimmt. „Wieso? Hätte ich...?"
Poppy hatte die Wohnung auf verdächtige
Zauber überprüft. So weit sie beurteilen konnte, stammte die Magie, die hier
angewendet worden war, von nur einem einzigen Zauberstab. Aber wenn eine andere
Person Julias Zauberstab verwendet hatte... Doch dann hatte Poppy einen
ungewöhnlichen Zauber aufgespürt, den Icognitus, und das würde sie nun
Pomona schonend beibringen müssen. Der Icognitus-Zauber war einer jener
Zaubersprüche, die unter schwarze Magie fielen und verboten waren. Da er als
relativ harmloser Zauber galt, wurde bei der Übertretung dieses Verbotes
gewöhnlich nur eine Geldstrafe verhängt. Aber mit dem Icognitus konnten
magische Spuren getilgt werden, durch die jemand seine oder ihre Anwesenheit
verraten hätte.
„Warum sollte Julia diesen Zauber
anwenden?", fragte Pomona verwirrt, nachdem ihr Poppy ihren Verdacht
mitgeteilte. Sie hielt die Tasse wieder in der Hand ohne zu trinken. „Damit
niemand weiß, dass sie sich in ihrer eigenen Wohnung aufgehalten hat."
„Eben", sagte Poppy. „Ich schätze, wir
sollten das Ministerium informieren. Und vielleicht sollten wir auch der
Medihexe aus dem St. Mungo's Bescheid geben, damit sie den Bericht nochmals
durchsieht."
Der Spitzhut war mit zwei Bändern unter
ihrem Kinn festgebunden, und bei diesem Wind war das auch notwendig. Die vor
Kälte zitternde Hexe zog ihren Pelzumhang enger um sich. Einst war es ein
Blaufuchsmantel gewesen, als er noch ihrer Mutter gehört hatte. Nach deren Tod
hatte sie ihn geerbt und sich daraus einen Reiseumhang anfertigen lassen. Denn
in der Welt, die sie als ihre wahre Heimat ansah, hätte sie sich mit einem
Pelzmantel nur lächerlich gemacht. ‚Ein Schneesturm', dachte sie missmutig und
betrachtete das Haus, vor dem sie sich gerade befand. Erst als sie ihre Brille
abgenommen hatte, konnte sie das Gebäude erkennen. So ein Zufall - es war die
Gaststätte „Zu den Drei Besen".
In diesem Moment stapfte eine andere Hexe
um die Ecke. Das Schneegestöber war dichter geworden, und so bemerkte sie die
Hexe im Pelzumhang erst, als sie knapp vor ihr stand. „Minerva, das ist aber
eine Überraschung!"
Die Hexe im Pelzumhang sah sich erstaunt
um. Sie hatte gerade ihre quadratischen Brillengläser mit einem
Wasserschutzzauber belegt und setzte sie wieder auf. Erst dann erkannte sie die
andere Hexe. „Wilhelmina, so ein Zufall. Ich wusste nicht, dass du wieder
einmal in Hogsmeade bist. Musst du einspringen?"
„Ja, leider - eigentlich hatte ich
gehofft, dass ich dieses Jahr nicht mehr einspringe. Aber Professor Dumbledore
hat mir heute eine Eule geschickt."
„Was ist denn dem guten Kesselbrand schon
wieder zugestoßen?"
„Einer der Thestrale hat ihn gebissen",
antwortete die andere Hexe. „Angeblich hat er ihn sich von Hagrid für eine
Unterrichtsstunde ausgeliehen. Aber, was hältst du davon, wenn wir uns erst mal
aufwärmen. Wo wir doch gerade vor den „Drei Besen" sind! Oder musst du schon
nach Hogwarts?"
„Nein, aber ich muss noch für Hagrid ein
Geburtstagsgeschenk kaufen. Er hat doch morgen Geburtstag."
„Aber nichts spricht dagegen, dass wir
uns erst mal ein wenig aufwärmen."
„Du hast schon Recht, das ist eine gute
Idee."
Kurz darauf hatten sich die beiden Hexen
in der Gaststätte „Zu den drei Besen" einen gemütlichen Ecktisch gesucht und
bei Madam Rosmerta zwei Butterbiere bestellt.
„Gibt es sonst etwas Neues in Hogwarts?",
wollte Raue-Pritsche dann wissen.
McGonagall sah sie nachdenklich an.
„Ehrlich, Wilhelmina, zurzeit bist du besser informiert als ich. Die Sache mit
Kesselbrand habe ich nicht gewusst."
„Dabei habe ich gedacht, dass er seit
diesem Unfall mit der Runespoor vorsichtiger ist", bemerkte Raue-Pritsche. „Ich
frage mich, wie Hagrid sie ihm überhaupt beschaffen konnte. Es gibt doch
Richtlinien."
„Du ahnst gar nicht, wie viele Sorgen
Hagrid diese Runespoor noch immer bereitet. Er hat befürchtet, dass sie noch
eingeschläfert werden muss."
„Die Runespoor", lachte Raue-Pritsche.
„Da habe ich auch ein Geburtstagsgeschenk für ihn." Sie holte ein Stück
Pergament aus ihrem Lederbeutel. „Gib das bitte Hagrid. Ich weiß nicht, ob ich
ihn sehen werde." McGonagall sah sie fragend an. „Ein Brief von meinem Neffen.
Er hat mir geschrieben, dass sich die kleine Runespoor gut in seinem Museum in
Boston eingelebt hat."
„Das wird Hagrid freuen", antwortete
McGonagall.
„Ich frage mich nur, wo er die Runespoor
eigentlich her hatte." Raue-Pritsche lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.
„Hagrid hat wohl seine Kontakte", sagte
McGonagall voll Unmut. „Wenn unser Kollege Kesselbrand doch wenigstens etwas
vorsichtiger sein würde."
„Er gefährdet wenigstens nur sich selbst
und nicht die Schüler und Schülerinnen", wandte Raue-Pritsche ein.
„Aber Hagrid sollte ihn bei seinen
Dummheiten nicht noch unterstützen. Wer weiß, was von Professor Kesselbrand
übrig ist, wenn der eines Tages in Pension geht?"
„Sei nicht so streng, Minerva. Die Hege
magischer Geschöpfe ist nun mal kein harmloses Fach", erwiderte
Raue-Pritsche.
„Aber, du hast doch nie Unfälle, liebe
Wilhelmina!", wandte McGonagall ein. „Und das kommt daher, weil du vorsichtig
bist."
„Vielleicht habe ich auch nur Glück."
„Nun, ich vermute doch, dass es eine
männliche Eigenschaft ist. „Der neue Lehrer zum Beispiel, der seit letztem Jahr
die Zaubertränke unterrichtet, hat sich zwar noch nie selbst verletzt,
und die Schüler und Schülerinnen haben es bisher auch überlebt. Aber wenn ich
an die vielen Kessel denke, die in seinen Stunden schon explodiert sind. Bei
seiner Vorgängerin, Professor Xenon, ist vielleicht ein Kessel alle drei Jahre
gesprungen."
„Wie geht es dir eigentlich mit ihm?",
fragte Raue-Pritsche. „Er soll nicht besonders nett sein."
„Fachlich ist nichts gegen ihn
einzuwenden", sagte McGonagall. „Aber er war auch ein sehr guter Schüler. Es
ist halt ein wenig schwer, einen Arbeitskollegen zu haben, den ich einmal
selbst unterrichtet habe. Und er ist ziemlich ungesellig." Sie schüttelte den
Kopf. „Weißt du, was er sich alles erlaubt, damit meine Gryffindors nicht den
Hauspokal gewinnen, das ist schon allerhand. Aber abgesehen davon kann ich ihm
nichts vorwerfen. Außerdem, du weißt doch, unser Schulleiter ist ganz
erleichtert, dass er nicht schon wieder einen neuen Hauslehrer oder eine neue
Hauslehrerin für Slytherin suchen muss."
„Das ist allerdings ein einleuchtender
Grund, Minerva. In den letzten Jahren musste er fast jedes zweite Jahr jemand
Neuen dafür finden."
„Die Butterbiere", meine Damen." Madam
Rosmerta war zu ihrem Tisch getreten und stellte zwei dampfende Krüge auf
diesem ab. „Was gibt es Neues in Hogwarts?"
„Nichts Besonderes", sagte McGonagall
sofort. „Oder wissen Sie etwas, was wir noch nicht wissen?"
„Hm, Du-weißt-schon-wer soll wieder
aufgetaucht sein", sagte plötzlich eine ältere Hexe mit lila gefärbten Haaren,
die mit einem jungen Mann am Nachbartisch saß. „Laut „Tagesprophet" soll ihn
ein Muggel bei Loch Ness gesehen haben."
„So etwas steht doch jeden Tag in der
Zeitung", sagte Madam Rosmerta. Aber in ihre Augen war ein unruhiger Blick
getreten.
„Aber es stand diesmal im
„Tagespropheten"", verteidigte sich die Hexe vom Nachbartisch. „Laut
„Hexenwoche" wird Du-weißt-schon-wer jeden zweiten Tag gesichtet. Aber der
„Tagesprophet" ist eine seriöse Zeitung."
„Ich vermute trotzdem, dass nichts
dahintersteckt, erwiderte Madam Rosmerta. Sie versuchte zu lächeln. „Übrigens
stand vorgestern im „Tagespropheten", dass unsere Zaubereiministerin aus
Gesundheitsgründen ihren Rücktritt plant. Als Nachfolger wird ein gewisser
Bartemius Crouch gehandelt."
„Der hätte es auch verdient", bemerkte
ein Zauberer in einer blaugemusterten Robe, der auf der anderen Seite saß und
einen Londoner Akzent hatte. „Crouch ist ein tüchtiger Mann."
Der junge Mann, der bei der Hexe am
Nachbartisch saß, nickte: „Ein sehr tüchtiger Mann, dieser Crouch. Leiter der
Abteilung für Strafverfolgung, in den letzten Jahren ein Fels in der Brandung."
„Außerdem ist er ein Mann ohne Tadel",
meinte die Hexe neben ihm. „Er ist seit vielen Jahren glücklich verheiratet,
hat eine nette Frau und einen lieben Jungen. In der heutigen Zeit - nicht
selbstverständlich."
„Ich fürchte nur", wandte Madam Rosmerta
lächelnd ein, „dass sich Mr. Crouch noch gedulden muss. Denn heute stand im
„Tagespropheten", dass sich die Bagnold bester Gesundheit erfreut. In einem
Interview hat sie diverse Rücktrittspläne dementiert."
„Ziemlich ausführlich wurde in der
„Hexenwoche" auch über einen Todesfall berichtet", sagte die Hexe vom
Nachbartisch. „In London - eine muggelstämmige Hexe soll einen Herzinfarkt
bekommen haben, weil ihr ein schwarzer Kater über den Weg gelaufen ist."
„In der „Hogsmeader Rundschau" haben sie
auch darüber berichtet", sagte Madam Rosmerta. „Immerhin, die Tote soll hier
einige Zeit gelebt haben. Dort wird behauptet, dass es ein Mord war."
„Wahrscheinlich viel Lärm um nichts",
wandte Raue-Pritsche ein. „Das mit dem Kater klingt seltsam."
„Ich denke, es ist etwas dran", sagte der
Zauberer mit dem Londoner Akzent. „Heute Morgen gab es dazu eine Meldung im
„Tagespropheten". Da muss wohl etwas dran sein."
„Im Tagesprophet stand aber nichts von
einem Mord", wandte eine weitere Hexe ein, die sich gerade zu ihm gesetzt
hatte.
„Wir sollten zahlen", sagte McGonagall
rasch. „Schließlich muss ich noch meine Einkäufe erledigen.
Raue-Pritsche sah sie erstaunt an. „Wenn
du willst?"
Als sie wenig später die „Drei Besen"
verlassen hatten, erklärte ihr McGonagall alles.
„Arme Pomona", sagte Raue-Pritsche.