Die Originalstory ist auf www.potions-master.com zu finden. Vielen Dank, dass wir die Story übersetzen dürfen.
Feedback: Anne und Abby
"Ich
werde hier sein, wenn Du zurückkommst."
Dann
war er allein: Hermine war unter der Verkleidung eines Todessers verschwunden
und dann disappariert. Snape wurde sich plötzlich des eisigen Regens bewußt,
der ihm ins Gesicht stach und seine Kleidung
durchnäßte. Er begann zu zittern und würde damit auch nicht aufhören; denn
nichts würde ihn dazu verleiten können, zu gehen und die Wärme des Schlosses zu
suchen.
Für
einen Moment überkam ihn Panik; Alter und Training konnten den
Teenager-Hormonen, die sein Unterbewußtsein bewegten, nichts entgegensetzen.
Adrenalin durchflutete ihn bei seinem anfänglichen Zwiespalt und er stand da,
unfähig sich zu bewegen, hin- und hergerissen zwischen beiden Impulsen, nicht
fähig einem von beiden nachzukommen - sein Versprechen an Hermine rang jedoch
alle anderen Überlegungen nieder.
Diese
nackte Angst war aber beinahe so plötzlich vorbei, wie sie begonnen hatte.;
Snape schüttelte seine körperliche Starre ab und begann auf und ab zu laufen.
Er hielt sich selbst dazu an, herumzulaufen, um sich warm zu halten - doch das
Zittern wollte nicht weggehen, egal was er tat. Eine kleine, freie Fläche des gefrorenen Bodens zwischen den
Bäumen erregte seine Aufmerksamkeit; dieser Abschnitt der Schulgrenze war weit
genug vom Verbotenen Wald entfernt, um sich relativ sicher zu fühlen, aber auch
weit entfernt genug vom Quidditchfeld und anderen viel frequentierten Plätzen,
so daß er nicht das Risiko eingehen würde, entdeckt zu werden.
Vorausgesetzt,
er würde nicht zu lange hier draußen sein.
Fünf
Minuten - es waren gerade mal fünf Minuten vergangen und er hatte schon
begonnen, die Sekunden zu zählen, bis sie endlich zurückkehren würde. Als ob
Voldemort seine Todesser schon jemals nach so kurzer Zeit von einem Treffen
entlassen hätte - ein Fünf-Minuten-Treffen würde noch mehr für Gerüchte und
Panik sorgen, als alles andere.
Snape
verlangsamte sein Umhergelaufe, als sein Zittern wieder stärker wurde; die Fenster des Schlosses in der Ferne
leuchteten warm und orange von Kerzenschein und Feuern des späten Abends.
Während
Snape all das beobachtete, erstrahlte ein weiteres Zimmer in der Schule im
Licht und in dem Moment verfluchte er seine eigene Dummheit. Seine
Unachtsamkeit hätte ihn umbringen können - oder er hätte sich zumindest
unterkühlen können.
keines
von beidem hätte Hermine viel genützt. Begleitet von Selbstvorwürfen sprach er
ein knappes Wort, während er seinen Zauberstab aus dem Ärmel zog und ihn auf
einen abgestorbenen Ast richtete, der ein Stück weiter weg lag:
"Incendio !"
Flammen
züngelten an dem Holz empor; grüne Funken stoben in den Himmel und verwandelten
sich schließlich in die charakteristischen Farben des Feuers: gelb und orange.
Diese Beobachtung erlaubte Snape ein wenig Ablenkung von der Sorge und der
Angst; interessant, daß diese Eigenheit sich auch in Hermines Körper widerspiegelte -
die anfänglich grüne Flamme war etwas, was auch er nie ganz verstanden hatte;
sein eigener Einschlag auf den Incendio war etwas, daß er nie hatte ablegen
können.
Bloß
gut, daß er bisher noch nie ein Feuer vor anderen als Hermine hatte entzünden
müssen - das wäre einer Bloßstellung gleichgekommen. Oder hatte er das schon
getan .....Snape versuchte sich zu erinnern. Ihm fiel nichts ein und außerdem
begann er wieder zu zittern, obwohl er seine Hände über das Feuer hielt und die
Hitze an seinen Beinen hochsteigen fühlte. Sein Pullover war nicht genug und
würde ihn nicht warmhalten, bis Hermine zurückkehrte. Zumindest nicht in seinem
momentanen Zustand.
Verwandlungsstunden
hatten anscheinend doch ihren Sinn, dachte er. Ein paar Sekunden und einen
Zauberspruch später war aus seinem Pullover ein dicker Mantel geworden, der ihm
bis hinunter zu den Knöcheln reichte und bis oben hin zugeknöpft werden konnte;
einem Militärmantel nachempfunden, den er mal irgendwo gesehen hatte, aus Wolle und massiv. Er zitterte jedoch
weiterhin, sogar nachdem der Mantel Zeit gehabt hatte, ihn zu wärmen. Es wurde
schwieriger diesen Umstand noch dem Wetter zu zuschieben.
Acht
Minuten.
Hätte
er mehr tun können? Er konnte diesem Gedanken nicht entkommen und so flüchtete
er sich in die Erinnerung an ihre gemeinsamen Abende; das Zittern hörte auf,
als er in der Wärme versank, die ihm Hermines Gesellschaft in unerwarteter
Weise gegeben hatte. Sie hatte ihn - und tat es immer noch -immer wieder
überrascht; ihre Natürlichkeit, die leichte
Belustigung über ihre dämlichen Mitschüler, der scharfe Verstand und ihre
Neugierde. Das sie intelligent ist, war ihm klar gewesen; er hätte tot
sein müssen, um das nicht vorher zu
wissen, aber sie überraschte ihn trotzdem immer wieder - sie hatte mehr als ein
gutes Gedächtnis, war mehr als der wortgetreue Bücherwurm, für den Snape sie
immer gehalten hatte.
Elf Minuten. Sie würde nun im Kreis stehen; hatte sie schon ihren
Bericht abgeliefert? Hatte sie ihn ausgeschmückt.....nein, dachte er, Hermine
neigte nicht zu Übertreibungen.
Müde, frierend und immer noch zitternd wollte Snape nichts lieber,
als sich zusammen zu rollen und alle Gedanken aus seinem Kopf zu
verbannen. Seine Gedanken waren
dort....wo auch immer Hermine war. Er hatte Angst, gestand er sich schließlich ein. Absolut
die panische Angst. Nicht um sich selbst, auch wenn
ihr Auffliegen früher oder später seinen Tod besiegeln würde. Was ihn mehr ängstigte, war die Tatsache, daß ein
Auffliegen ihren Tod bedeuten würde. Eher früher, als später. Es war ein unerträglicher Gedanke; er würde eher sein
eigenes Leben verlieren wollen, als das sie starb.
Halberfroren vor einem Feuer stehend, am Rande eines Waldes, in
einer schottischen Nacht, zitternd, obwohl eingewickelt in eine halbe Tonne
schwarzer Wolle, gestand Snape sich schließlich ein, daß er nicht wußte, was er
ohne Hermine machen sollte. Irgendwo zwischen den Unterhaltungen und den
schiefen Bemerkungen, die ihre Beziehung in den vergangenen Monaten begründet
hatten, war ein tiefes Gefühl gewachsen; mehr als bloßes Verständnis, obwohl
sie sich natürlich zweifelsohne besser kannten, als je ein Mensch sie kennen
würde.
Zwanzig Minuten. Wo war sie? Wo sollte er anfangen zu suchen,
falls sie nicht zurückkehrte - sie mußte einfach zurückkommen. Es gab keine
andere Möglichkeit. Das Zittern wurde wieder stärker und während er scharf die
Luft einzog, zwang er sich selbst zu entspannen.
Der Kuß mit dem sie sich zu Neujahr begrüßt hatten, kam ihm in den
Sinn; er hatte in den letzten paar Wochen schon oft daran gedacht. Es war ein
keuscher Kuß gewesen, eine Berührung von Wangen und Lippen, nicht mehr. Er
schimpfte sich selbst einen Narren, weil er geglaubt hatte, daß da mehr gewesen
wäre ... und doch ...und doch war die Bereitschaft zu mehr dagewesen, zumindest
von seiner Seite aus.
Dreißig Minuten. Ein langes Treffen. Das Feuer vor ihm knackte und
knisterte, als es ein besonders feuchtes Waldstück in Beschlag nahm. Was machte
Voldemort nur?
Als Snape aufsah, war die Schule gänzlich in der Nacht versunken;
nur die Fenster leuchteten in der Dunkelheit, wie kleine Nadelstiche blitzten
die Lichter hin und wieder auf. Der Mond war hinter ein paar Wolken
verschwunden und das Feuer war seine einzige Lichtquelle. Es hatte irgendwann
aufgehört zu regnen, aber die Luft war immer noch sehr feucht und kalt.
Snape versuchte seinen Geist mit dem Aufzählen von
Zaubertrankzutaten abzulenken und nicht an Hermine zu denken; ständig
erschienen ihm vor seinem inneren Auge Bilder, wie sie von Todessern umringt da
lag und sich vor Schmerzen krümmte oder schlimmeres. Er war selbst zu oft bei
so etwas anwesend gewesen, um diese Möglichkeit nicht in Betracht zu ziehen,
dennoch schmerzte ihn der Gedanke daran mehr, als jeder Fluch, den er am
eigenen Leib erfahren hatte. Er sah sie als Hermine, eine junge Frau, und nicht
als den Mann, als der sie für die Anwesenden erscheinen würde - das Haar, daß
ihm ins Gesicht fiel, gelockt, da feucht vom Schneeregen, bestätigte ihm das.
Wolfsbane.
Beazor. Schwefel. Aconite. Quecksilber. Schuppen eines Basilisken. Gillyweed.
Misteln. Lacewings. Pyrite.
Vierzig Minuten. Wo war sie?
Dieser Gedanke hallte durch seinen Geist wie ein Schrei und Snape gab es auf,
die Ruhe zu bewahren. Er marschierte um das Feuer herum, zitternd, die Arme
umeinander geschlungen in einer Mischung aus Angst und Frustration, bis er ein
scharfes Knacken hörte, daß ihn mit gezogenem Zauberstab herum wirbeln ließ.
Eine große Gestalt, mit einem schwarzen Umhang und einer silbernen
Maske, stand ihm gegenüber und Snape wappnete sich für die Flüche, die nun
folgen würden. Es hatte viel zu lange gedauert; sie war entdeckt wurden und nun
mußte er mit den unvermeidbaren Konsequenzen rechnen. Sie hätten es beinahe geschafft.
Hatte sie....er zwang sich an die Gegenwart zu denken; Zeit zum Trauern würde
er später haben, wenn er überlebte. Wenn er überlebte; er wollte gar nicht
überleben.
Irgend etwas hielt ihn jedoch davon ab, in dem bevorstehenden
Kampf die Initiative zu ergreifen; vielleicht die Todessehnsucht, oder ein
anderes Gefühl. Was auch immer es war, die Gestalt vor ihm brach zusammen, ohne
den geringsten Versuch, einen Fluch auszusprechen oder sich zu duellieren.
Snape rannte hinüber, den Zauberstab für den Fall eines Hinterhalts immer noch
in der Hand, und entfernte die Maske des Angreifers, um sein Gesicht zu sehen.
Glühender Erleichterung folgte schnell praktisches Handeln;
Hermine war bewußtlos und in den dicken Sachen war es eigentlich unmöglich festzustellen, wie
schwer sie verletzt war. Es gab keine offensichtlichen Verletzungen, aber in
der Schwärze der Nacht war es schwer
etwas anderes als das Gesicht zu untersuchen. Das wichtigste also war jetzt,
sie ins Schloß zu bringen. Er brauchte Licht, um sie zu untersuchen.
Mobilcorpus funktionierte so gut wie
immer. Der Weg war beschwerlich und selbst mit einem erleuchteten Zauberstab,
der als Fackel diente, stolperte Snape einige Male über Wurzeln oder Steine. Es
wäre vermutlich einfacher gegangen, wenn Snape seinen Blick von Hermines
Gesicht hätte abwenden können, welches er beobachtete, in der Hoffnung, daß sie
erwachte. Er wollte ihre Augen sehen,
sie sprechen hören, wirklich begreifen, daß sie überlebt hatte - aber wenn sie
doch schwer verletzt sein sollte, war es ihm lieber, sie würde bewußtlos
bleiben, bis sie irgendwo waren, wo er sie behandeln konnte.
Die Krankenstation stand nicht zur Debatte; es wäre zu schwierig
gewesen, Madame Pomfrey zu erklären, was er draußen zu suchen gehabt hatte,
auch wenn sie nur allzu gut verstehen würde, was Snape da draußen verloren
hatte. Außerdem war es zu riskant - er wußte nicht, in welcher Verfassung
Hermine aufwachen würde und wenn sie nicht entdeckt worden war, wollte er
nicht, daß sie die Situation allen
erzählte oder sich im Delirium verplauderte. Besser er würde das zuerst selbst
in die Hand nehmen; ein starkes Bedürfnis sie zu beschützen, hatte damit rein
gar nichts zu tun.
Unzählige Paßwörter, Korridore und Türen führten sie in die Tiefen
des Schlosses. Es gab niemanden, der sie zu so später Stunde und an jenem Ort
würde beobachten können. Seine Räume waren abgelegen und 15 qualvolle Minuten
später, nach ein paar kleinen Störungen durch Hauselfen, öffnete Snape die
Türen zur rettenden Wärme. Vom Feuer ging eine Hitze aus, die in starkem
Kontrast zur draußen herrschenden Kälte und den kühlen Korridoren stand.
Als Snape Hermine auf dem Bett niederlegte, war sie immer noch
nicht zu sich gekommen. Er zögerte einen Moment, bevor er begann, sie zu
entkleiden. Er versuchte sich klar zu machen, daß das trotz allem noch sein
Körper war, und daß es seine Sachen waren, die er da auszog. Nichts, was er
nicht schon einmal gesehen hätte.
Bevor
er es merkte, hatte er sie schon bis auf die Unterwäsche ausgezogen. Es gab keine
Verletzungen - zumindest keine sichtbaren. Einer schneller Untersuchung mit dem
Zauberstab ergab, daß sie weder verzaubert, noch von irgendeinem Fluch
getroffen wurden war; sie war schlicht und einfach bewußtlos. Was hatte sie in
dieser Nacht gesehen, das diese Reaktion hervorgerufen hatte? Snape saß auf der
Kante des Bettes, voller Fragen, die er nicht stellen konnte.
Eine
halbe Stunde verging fast völlig ruhig, nur das Prasseln des Feuers und ihr
Atem unterbrachen die Stille der Nacht, als Hermine endlich erwachte. Snape
wandte sich ihr zu und erschrak für einen Moment, als ihre Atmung plötzlich in
ein Keuchen überging.
"Oh
Gott !"
Hermine
schreckte zurück und saß kerzengerade
im Bett, verwirrt und elend; mit dem Erwachen begann sie zu zittern. Das Zittern
das Snape verlassen hatte, als sie wieder auftauchte, schien auf sie
übergegangen zu sein. Er blieb ruhig
und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf sich.
"Es
ist alles in Ordnung; Sie sind hier in Sicherheit." Sprach er mit leiser,
beschützender Stimme, die sie trösten wollte. Hermine wirkte jetzt etwas
ruhiger, aber immer noch ziemlich verwirrt - wahrscheinlich nichts Neues; er
war schließlich nicht für seine trostspendenden Fähigkeiten bekannt.
"Ich....oh. Das hier sind meine Räume...ja, natürlich sind
sie das. Sorry, ich sollte nicht das Offensichtliche feststellen." Doch
Hermine schüttelte ihre Verwirrtheit schnell ab.
"Oh Gott." Sie zitterte erneut. Snape legte seine Hand
auf ihre Schulter und bemerkte die Wärme, die von da ausging.
"Erinnerungen?" fragte er vorsichtig. Sie nickte und
senkte den Kopf; er dachte ein Schluchzen vernommen zu haben, aber sie schien
gefaßter, als sie ihn wieder ansah.
"Möchten Sie mir erzählen, was passiert ist, oder wollen wir
zu Dumbledore gehen? Ich erstatte ihm normalerweise nach diesen ....
Ereignissen ... Bericht."
"Ich erzähle es lieber Ihnen, denke ich", antwortete
sie. Er strich mit seinem Daumen über ihr Schlüsselbein, in der Hoffnung sie
damit zu ermutigen, und nickte.
"Möchten Sie vorher etwas zu trinken?"
Hermine
nickte und dann schien es, daß sie erkannte in welchem Zustand sie sich befand.
"Und etwas zum Anziehen, denke ich."
Snape
merkte, wie er rot anlief, während er innerlich fluchte. " Sie - ich
dachte, daß Sie verletzt waren und mußte das überprüfen. Es erschien mir
notwendig." Hermine akzeptierte anscheinend die Erklärung und er drehte
sich weg, um den Tee zu machen. Er hörte, wie sie vom Bett aufstand und den
Schrank öffnete, dann das Geräusch von Stoff auf Haut. Die Röte in seinem
Gesicht war immer noch da; er war sich nicht ganz sicher, was sie ausgelöst
hatte ... obwohl. Er wußte sehr wohl, was sie verursacht hatte. Das war
lächerlich, da draußen in der Kälte, als er auf sie gewartet hatte, hatte er
die Wahrheit akzeptiert. Seitdem hatte
sich nichts geändert und auch Spitzfindigkeiten oder Verstellungen konnten das
nicht verleugnen. Es war nicht so, daß er nun Hermine gestehen würde wie
wichtig sie ihm war, aber es war albern es nun vor sich selbst zu leugnen.
Er
hatte gedacht, daß das, was er vorher gefühlt hatte, Erleichterung war; doch im
Vergleich war dies nichts. Ein Strom von Freude, Erleichterung und
Sorglosigkeit durchfuhr ihn beim Akzeptieren dieser simplen Tatsache. Die ihn
jedoch letztendlich in eine teuflisch komplizierte Situation manövrieren konnte
- darüber wollte er momentan aber nicht nachdenken.
Die Zukunft würde schon dafür sorgen.
Snape ließ sich auf einem der Sofas im Wohnzimmer nieder; Hermine
folgte einen Moment später. Sie hatte seine Muggel Kleidung angezogen, wahrscheinlich
in dem Versuch, sich von dem heute erlebten zu distanzieren - sie wußte nicht,
daß er in jenen Situationen genau das Gleiche tat, wenn er konnte. Er war überrascht, als sie sich
neben ihn setzte und nach dem Becher Kaffee griff, den er ihr auf den Tisch
gestellt hatte, allerdings in die Nähe eines der Stühle.
Er
sah ihr dabei zu, wie sie ihre Hände um den Becher schlang, lange Finger, die
den Steingutbecher umfassten - wie sie den Becher an ihre Brust hob, als ob sie
den Geruch einatmen wollte. Sie war bleich im Gesicht und sah todmüde aus. Die
Haut hob sich stark gegen das schwarze Haar ab, das nach vorn viel und fast ihr Gesicht verdeckte. Schließlich nahm sie einen
Schluck vom Kaffee und stellte ihn zurück auf den Tisch, lehnte sich zurück und
starrte an die Decke.
"Ich habe heute Abend einen Mann sterben sehen; ich stand
einfach da und sah zu, tat nichts. Ich dachte, ich wäre gemeint gewesen - er
sagte uns, daß er wüßte, daß es einen Verräter unter uns gäbe." Sie mußte
Voldemort nicht beim Namen nennen; denn niemand sonst konnte 'er' sein.
"Er befahl dem Verräter vorzutreten, und als er Rudds Namen
nannte, hatte ich schon einen Schritt vorwärts gemacht. Ich hatte Sie schon
fast aufgegeben. Tut mir leid." Ihre Stimme war voller Anspannung und Schmerz,
vor allem als sie das Versehen gestand.
"Ich hatte solche Angst." Die letzten Worte waren ein
Flüstern, daß Snape berührte.
Bevor er darüber nachdachte, was er sagen könnte, fand sich Snape
auf dem Sofa neben Hermine wieder, die Arme um sie gelegt mit dem verzweifelten
Verlangen sie zu trösten, den Schmerz aus ihrem Flüstern zu vertreiben. Nicht
zum ersten Mal bedauerte er, momentan soviel kleiner zu sein als sie - alles
was er tun konnte war, sie zu umarmen in der Hoffnung, daß sie es erwiderte; dann
fühlte er, wie sich ihre Arme um ihn schlangen und sie ihr Gesicht an seinen
Kopf schmiegte.
"Danke." Flüsterte sie einige Minuten später, weniger
schmerzlich und mit mehr Farbe im Gesicht.
Snape hob seinen Kopf, um sie anzusehen; tiefschwarze Augen blickten ihn
an, sie biß sich unsicher auf die Unterlippe - eine Gewohnheit, die in ihrem
eigenen Körper weniger unpassend wirkte.
"Ich konnte es nicht verhindern. Ich konnte nichts tun."
Snape schüttelte bei ihren Worten den Kopf. "Konnten Sie auch
nicht. Es gab nichts, was Sie hätten tun können, ohne noch mehr Menschen zu
töten."
"Wie halten Sie das aus?"
"Was läßt Sie glauben, ich würde es aushalten? Ich
konzentriere mich auf das, was ich erreichen kann, die Wut und die Angst lasse
ich dann an den Schülern aus. Und an Gläsern. Und Flaschen. Und an allem
anderen, daß mir in den Weg kommt. Reparo
ist wahrscheinlich einer der von mir am meisten genutzten Zaubersprüche."
Diese fast ironische Bemerkung entlockte ihr beinahe ein Lächeln; ein
hoffnungsvolles Zeichen, aber es würde längere Zeit dauern, bis sie das
verarbeitet hatte.
Er wollte sie nicht daran erinnern, aber er hatte Fragen, die
beantwortet werden mußten.
"Sie haben Rudd erwähnt, oder?" Sie nickte.
"Verdammt. Das heißt, ein weiterer ist verloren."
"Also war er ein Spion?"
"Er dachte jedenfalls, daß er das gewesen wäre; er stand
Voldemort nicht nahe genug, um besonders nützlich zu sein, aber es gab keinen
Grund, ihn zu entmutigen, als er sich entschlossen hatte, die Seiten zu
wechseln. Ich werde es Dumbledore sagen, er wird die notwendigen Leute
informieren."
"Okay."
Der Schmerz war wieder da, aber die Leere schien verflogen zu sein. Plötzlich
schien Hermine zu bemerken, daß sie sich engumschlungen festhielten. Snape
stupste sie in die Seite. "Ähm..."
"Möchten
Sie, daß ich wegrücke?" Snape fragte sich, wo die Worte hergekommen waren;
er hatte vorgehabt von ihr abzurücken, sobald er den Eindruck gewann, dass sie
sich nicht mehr wohl fühlte. Keinesfalls hätte er ihr die Wahl lassen und eine
Zurückweisung herausfordern wollen..
„Ich
.... brauche Sie, nur noch ein Moment länger."
Dumbledore
konnte warten. Es gab nichts, was man momentan für Rudd tun konnte. Aus der
Nacht wurde langsam Morgen, während sie schweigend vor dem Feuer saßen, und
sich Heilung und Trost spendeten.
Im Moment hatte sie nicht die leiseste Ahnung, wie sie das schaffen sollte; wo sie anfangen konnte. Snape hinterfragte ihre Entscheidung nicht. Der Morgen graute schon, als er ihr schweigend zum Büro des Schulleiters folgte.
Sie hatte nichts dagegen.
Es herrschte Grabesstille, als Dumbledore sich die Neuigkeiten über Rudd und die anderen Bruchstücke von Informationen anhörte, die sie hatte sammeln können. Ihr Bericht wurde begleitet von aufmunterndem Nicken und gemurmelten Worten und Schlucken von Tee, und, als sie den Moment beschrieb als Rudd vorgetreten war, fühlte sie Fawkes auf der Rückenlehne ihres Sessels landen und mit der Seite seines Gesichtes sanft das ihre streicheln. Der Schulleiter war auch so ein Mann der Gegensätze, dachte sie vage. Er war der exzentrische Lieblingsonkel, der Süßigkeiten verteilte und merkwürdige Äußerungen von sich gab bis man vergaß, das er der Zauberer war, den Voldemort nicht direkt herauszufordern wagte. Jetzt war nichts zu merken von dem etwas verrückten alten Mann mit dem verschmitzten Zwinkern; an seiner Stelle war eine kraftvolle Präsenz zu spüren mit Augen, die eine scharfe analytische Intelligenz ausstrahlten; geschickt entlockte er ihr jedes kleinste Detail ihrer Begegnung mit dem Dunklen Lord. Das Gefühl der Ebenbürtigkeit, das Anerkennen ihres Erlebnisses und ihr Recht teilzunehmen, gab ihr mehr Kraft, als jede Art väterlichen Trostes das gekonnt hätte. Das Gefühl der Sinnlosigkeit ebbte langsam ab, der Glaube daran, dass es wert war, den Kampf fortzusetzen, dass das Helle noch einige Trümpfe in den Ärmeln seiner Robe verborgen hatte, kehrte zurück.
Am Ende der Befragung war sie immer noch geschockt und müde, aber die Normalität hatte begonnen, wieder in ihre Welt zurückzukehren.
Als sie ihren restlichen Tee ausgetrunken hatte, wurde ihr bewusst wie still es in dem Raum geworden war. Dumbledore beobachtete sie, mit Besorgnis in seinen Augen.
„Du bis heute Nacht sozusagen durchs Feuer gegangen, Hermine," sagte er sachte. „Wenn du dich heute ausruhen möchtest, werde ich Entsprechendes veranlassen."
Er gab ihr die Möglichkeit zu flüchten, wenn auch nur für kurze Zeit. Instinktiv sah sie zu der anderen Person im Raum hinüber; diese saß regungslos da und vermittelte dabei eine innere Kraft die nicht ihr gehörte
Snape.
Snape, der sie gehalten hatte. Snape der ihr angeboten hatte, diesen Teil der Aufgabe zu übernehmen um ihr so viel wie möglich zu ersparen. Sie schluckte.
„Ich kann mich nicht erinnern," sagte sie vorsichtig, "dass Professor Snape jemals einen Tag gefehlt hat, seit ich an der Schule bin. Es würde merkwürdig aussehen, wenn er jetzt damit anfinge. Ich glaube, dass ich den Tag überstehen werde" Sie zögerte etwas, dann lächelte sie schwach. "Es könnte allerdings sein, dass ich etwas gereizt sein werde."
Sie war sich nicht sicher, ob sie gerade die kleine Andeutung eines zustimmenden Lächelns gesehen hatte, als ihr bewusst wurde, dass sie ihre Antwort an Snape und nicht an Dumbledore gerichtet hatte.
„In diesem Fall," erwiderte der Schulleiter, als ob sie ihn direkt angesprochen hatte, „solltet ihr euch beide besser beeilen. Der Unterricht wird gleich beginnen."
Hermine zuckte etwas zusammen, als diese Worte aus einer unerwarteten Richtung kamen. Sie nickte und stand auf. Snape stand ebenfalls auf. Dumbeldore's leises „Gut gemacht ... alle beide" klang noch nach, als sie den Raum verließen und den Korridor hinunter gingen. Während sie gingen dachte Hermine an das letzte Mal, als sie diesen Korridor entlang gingen, gleich nach dem Unfall; damals herrschte eine stumme Feindseligkeit zwischen ihnen, jeder hätte den anderen am liebsten sonst wohin gewünscht. Jetzt waren sie genauso schweigsam, aber seine Gegenwart war nicht länger eine Bedrohung; jetzt war sie Beistand und Kraft ohne die sie nicht mehr sein wollte - nicht mehr sein konnte. Sie erreichten schließlich den Wasserspeier, durch den sie in den Hauptteil der Schule gelangten; ab hier musste sie wieder ihre Rolle als Snape aufnehmen.
Sie zögerte. Sie musste etwas sagen, bevor dieser Moment vorbeiging.
„Ich bin froh, dass ich selbst mit dem Schulleiter gesprochen habe." Sie sah auf ihre Hände. „Es hat geholfen. Es ... hat mich beruhigt... irgendwie. Hat mir das Gefühl gegeben das es nicht ganz .... hoffnungslos .... war."
„Ist er immer so? Hinterher, meine ich."
„Ja."
„Ich verstehe". Sie hörte auf zu sprechen, ging aber auch nicht weiter. Da war noch etwas anderes. Sie riss sich vom Anblick ihrer Hände los und sah ihm in die Augen; das Braun war ihres, aber das Verstehen und Wissen das in ihnen lag, war es nicht.
„Danke," sagte sie einfach. Sie konnte nicht mehr sagen, konnte das jetzt nicht weiter ausführen.
Sein aufmerksamer Blick veränderte sich nicht und seine Stimme war ruhig und aufrichtig.
„Gern geschehen."
__
Der Januar ging langsam in Februar über.
Hermine wanderte weiter in Snape's Fußstapfen und das Dunkle Mal auf ihrem Arm blieb ruhig. Die Alpträume der Zusammenkunft verblassten langsam, aber diese Nacht hatte ihre Beziehung zu Snape unwiderruflich verändert. Nicht während des Unterrichtes; sie war genauso unfreundlich zu ihm wie immer - wenn nicht sogar noch unfreundlicher, ganz so, als ob die Tatsache, dass er wusste - wirklich und wahrhaftig - dass sie ihn nicht verletzen wollte, sie befreite und noch ungebremster austeilen ließ.
Nein, während des Unterrichtes gab es keinen Unterschied.
Die Veränderung war am Abend zu spüren. Ihre gemeinsam verbrachte Zeit hatte eine andere Qualität angenommen, ein tieferes Verstehen ohne Worte. Das Spüren, in welcher Verfassung der jeweils andere sich gerade befand, das tiefe Verständnis für die Gründe, die zu einem Wutausbruch führten oder zu Anflügen von Frustration. Es war ihr nie bewusst gewesen, wie viel sie von sich selbst früher immer zurückgehalten hatte. Es war erheiternd und berauschend und beruhigend und besänftigend und sie fragte sich, ob er wohl das gleiche fühlte.
Dann waren da die Berührungen. Eine Hand zwischen ihren Schulterblättern um ihr mitzuteilen, das auf dem Tisch neben ihr ein Becher Kaffee für sie stünde; Finger auf seinem Arm, um ihn während eines Experimentes auf etwas aufmerksam zu machen; kleine Gesten der Begrüßung und Verabschiedung. Nichts großes - und, ganz sicher, nichts öffentliches - einfach nur ein unbewusstes Berühren, um sich der Gegenwart des jeweils anderen zu versichern. Etwas, das ihnen kaum bewusst wurde.
Und die immer wiederkehrende Frage, die durch ihren Kopf geisterte: was würde er tun wenn sie, nur einmal, seine Hand nähme, sie zu ihrem Mund führte und mit ihren Lippen über seine Haut streichen würde...?
„.... Valentinstag ...."
Das Wort drang in Hermines Gedanken und brachte sie augenblicklich unsanft zurück in die Große Halle. In Anbetracht der Jahreszeit und wenn sie die versteckten Blicke, die einige der Schüler in Richtung des Lehrertisches warfen, richtig deutete, so hatte sie gerade die Ankündigung des diesjährigen Balls zum Valentinstag verpasst. Sie wusste natürlich davon - sie hätte es auch kaum verpassen können, da sie bei der letzten Lehrerversammlung, als Flitwick, Hooch und Hagrid mit der Organisation des Festes beauftragt worden waren, anwesend gewesen war. Egal, sie war sehr beschäftigt gewesen, in mehr als einer Hinsicht, mit dem Todesser-Treffen und hatte sich bei Unterhaltungen im Lehrerzimmer, die sich um die „Top Secret"- Pläne für das Fest drehten, einfach ausgeblendet. Wenn man bedachte, wer im Planungs-Komitee saß, konnte die Schule froh sein, wenn sie mit nichts schlimmerem als einer Plage singender Zwerge davon kam.
Wie sich am Abend herausstellte, hatte Snape genau so wenig Lust auf den Ball wie sie.
„Es wird Sie sicherlich nicht überraschen, dass Miss Browns und Miss Patil's erster Gedanke ein weiterer ‚lustiger' Mädchen Abend war, an dem sie mir weitere Qualen im Namen der Schönheit zufügen wollen. Ihr zweiter Gedanke war, mir mitzuteilen, dass es meine ‚Pflicht' sei, einige dieser ‚traumhaften' Kleider für sie umzuwandeln. Ich hatte Mühe ihnen zu entkommen und in meinen Zimmern wurde ich dann von einem Stapel mehr oder weniger ausführlicher Anfragen bezüglich Badeöle und Parfüme begrüßt.
Sein Gesichtsausdruck ließ sie auflachen.
„Sieht so aus, als ob Sie ein Opfer Deines eigenen Erfolges geworden sind," sagte sie herzlos. „Alles was ich tun muss, ist, einen Tag zu überleben, an dem die Schüler noch unaufmerksamer sind als sonst und umherfliegenden Klatschern ausweichen, beschriftet mit schlechten Liebesgedichten, verteilt von Hinkepanks die in Cherubine verzauberte wurden. Was könnte leichter sein?"
Sie wurde mit einem unterdrücktem Lachen aus seiner Richtung belohnt.
Was könnte leichter
sein?
----------
Am Abend des Balles hatte Hermine mit einem wachsenden Gefühl von Unwirklichkeit zu kämpfen. Es war einfach gewesen, diese ganze Sache zu ignorieren, solange man sich in der Abgeschiedenheit der Kerker befand. Niemand würde von Professor Snape erwarten, dass er an der allgemeinen Aufregung teilnahm; im Gegenteil, wenn sie auch nur das leiseste Interesse gezeigt hätte, hätte das sicher eine Flut von anonymen Hinweisen auf die sichere psychiatrische Station des St. Mungo Krankenhauses zur Folge gehabt . Sie hatte die zunehmende Aufregung und die umherfliegenden Vermutungen abgeblockt, mit Bedacht die geschickten Mitteilungen bezüglich der Dekoration übersehen und Hooch einen boshaften Blick zugeworfen, als diese vorschlug, die Schüler ausnahmsweise ein bisschen ‚über die Stränge' schlagen zu lassen.
Hooch versuchte nicht, diesen Punkt noch einmal anzusprechen.
Am Ende waren es dann keine verzauberten Hinkepanks sondern
verzauberte Leprechauns gewesen. Sie sausten auf kleinen verzauberten Besen
durch das Schloss, trugen Karten aus, sangen Verse von sehr zweifelhafter
Qualität und überschütteten Leute mit Gold und bereits etwas verwelkten Rosen.
Das Gold verschwand nach ein paar Stunden; die Rosen nicht, und im Laufe des
Nachmittags fingen sie an, eine Gefahr für
Gesundheit und Sicherheit darzustellen - etwas worauf Argus Filch
lauthals jeden hinwies, der lange genug stehen blieb.
Hermine fertigte den ersten - und einzigen - Leprechaun, der es wagte in den Klassenraum einzudringen, ab, indem sie lässig ihren Zauberstab zog und ihn mit einem Petrificus Totalis belegte, ohne dafür auch nur einen Moment ihren Unterricht zu unterbrechen. Als der unbewegliche Leprechaun zu Boden polterte, ging Hermine zur Tür und griff sich den kleinen Besen, der reiterlos in der Luft hing und so verwirrt aussah, wie es einem leblosen Gegenstand nur möglich war. Sie wandte sich an die Klasse als sie wieder nach vorne getreten war.
„Mein Unterricht wird von solcher Art Unsinn nicht gestört werden. Carstairs," - an einen Ravenclaw Zweitklässler gewandt - „schaffe diese Kreatur zur Seite. Alle anderen, macht weiter mit euren Tränken."
Danach waren die Kerker eine Oase der Ruhe.
Wie auch immer, jede Oase musste einmal verlassen werden und der Schulleiter hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass jeder Lehrer in der Grossen Halle zum Dinner und der anschließenden Feierlichkeit zu erscheinen hatte. Mit einem Widerstreben, dass sogar sie überraschte, machte sich Hermine auf zum Abendessen. Unterwegs begegnete sie einem vor sich hin fluchenden Filch, der mit einem großen Besen die Blumen zusammenkehrte.
Sie saß an der Lehrertafel und aß, ohne zu wissen was, fühlte sich abgeschnitten von den Schleifen und Ballons und Blumen und der Rosigkeit die über allem lag. Sie warf einen Blick zum Gryffindor Tisch hinüber. Snape saß zwischen Ron und Neville; es wurde geplaudert und gelacht, seine Körpersprache gab ihr jedoch keinen Hinweis auf seinen Gemütszustand. Dies schien alles so weit entfernt zu sein. Nachdem das Abendessen beendet war, entstand ein allgemeines Scharren, als die Bänke und Tische zurückgeschoben wurden und der Saal sich selbst zu einem Tanzsaal herrichtete. Die Schüler schlenderten umher und Hermine verlor Snape aus den Augen. Sie fühlte sich unruhig und entfernte sich von der Estrade, fing an umherzustreifen, so, wie sie ihn das so oft hatte tun sehen, während vieler ähnlicher Veranstaltungen.
Sie nahm diesen Abend irgendwie nur gedämpft wahr. Alle Vorbeikommenden versuchte sie möglichst unbeteiligt anzustarren, aber ihre Aufmerksamkeit galt allein Snape; Snape mit Harry, mit Ron, mit Dean, mit Lavender - wenigstens war es ihm gelungen, eine Verabredung zu vermeiden. Die Gryffindors schienen sich nur in einer Gruppe zu bewegen, deren Mitglieder von Zeit zur Zeit wechselten.
Die Musik begann und die Leute fanden sich zu Paaren zusammen; Snape schien noch mit niemandem zusammen zu sein, obgleich es ihr schien, als ob Ron irgendetwas vorhatte. Sie wunderte sich einen Moment darüber, vergaß es aber sogleich. Ihm war es durchaus zuzutrauen, dass er versuchen würde sie zu überreden ihre Privilegien als Schulsprecherin auszunutzen, um dicht genug zur Lehrertafel und damit an den Punsch zu kommen. Die Tänzer kamen an ihr vorbei und die Gryffindor-Gruppe verschwand aus ihrer Sicht. Sie schritt weiter.
Das nächste Mal als sich die Menge teilte, sah sie Alice Lacock mit leerem Blick zu einem Gryffindor Jungen starren. Er hielt ihre Hand als ob sie jeden Moment explodieren könnte und warf böse Blicke zu einer Schar Slytherin Jungen. Er fühlte sich ganz offensichtlich gar nicht wohl bei der Aussicht an einer Neuinszenierung der weniger romantischen Szenen aus Romeo und Julia teilzunehmen. Hermine entschied, hier vorbeugend einzugreifen; mit ihrem starren Blick, in dem das Versprechen einer Strafarbeit lag, unterbrach sie den Augenkontakt zwischen den angehenden Gegnern und erinnerte die Slytherins an die Tugenden von Rücksichtnahme und Feinheit und, das war das Wichtigste, daran, niemandem einen Grund zum Abzug von Häuserpunkten zu geben.
Die Mission schien erfolgreich gewesen zu sein; das nächste
Mal als Hermine sie sah, waren alle
sehr bemüht, einander zu ignorieren. Sie versuchte, sich über den Erfolg
ihrer Snape-Darstellung zu freuen, aber es gelang ihr nicht. Sie hätte sie
gerne angeschrieen: Vor nur 3 Wochen
starb ein Mann. Ein anderer Mann stirbt vielleicht heute nacht, genau jetzt,
und alles was euch interessiert sind Verabredungen und Hauspunkte. Woran denkt
ihr eigentlich? Versteht ihr denn gar
nichts?
Draußen im Garten, nahm sie einen tiefen Atemzug der eisigen Luft, ohne sich um die Kälte zu kümmern. Der Himmel war weit und klar; so wie in der Nacht in der sie anhand der Konstellation der Sterne herausgefunden hatte, dass sie noch in England gewesen war. Sie versuchte, diesen Gedanken wegzuschieben; das war lächerlich, das Leben ging weiter, sie wurde damit fertig. Sie atmete noch einmal tief ein und langsam wieder aus, beobachtete, wie ihr Atem kondensierte und wirbelte, beleuchtet von dem gedämpften Licht, das aus den Fenstern des Schlosses fiel.
„Geht es Ihnen gut?"
Erkundigte sich jemand ruhig. Snape.
Sie hatte nicht gedacht, dass er ihr Verschwinden bemerken würde. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen.
„Es ist alles so unwirklich," sagte sie schließlich, ohne ihn anzusehen. Er fragte nicht und er sagte auch nichts dazu, wartete einfach, dass sie fortfahren würde. „Es erscheint mir nicht richtig. Nach allem was passiert ist." Sie zog ihre Augenbrauen zusammen in dem Bemühen ihre Gefühle in Worte zu fassen. „Es ist, als ob sich nichts verändert hätte, aber das sollte es."
„Für sie hat sich nichts geändert", sagte er sanft. „Etwas Bedeutendes geschieht und die Sonne geht immer noch auf und die Erde dreht sich immer noch weiter und Mr Longbottom ist immer noch nicht in der Lage, die einfachste Aufgabe erfolgreich zu lösen." Nach einer Weile fuhr er fort. „Das Leben geht weiter, Hermine. Mit Ihnen oder ohne Sie."
Sie schauderte.
„Das ist ein kalter Gedanke."
„Diese Welt ist ein kalter Ort. Die da drinnen werden das noch früh genug entdecken. Albus denkt, das man sie so lang wie möglich davor schützen muss. Ich ... „
„Sie sind anderer Meinung," beendete sie den Satz für ihn.
„Menschen abzuschirmen macht sie verletzbar. Das ist etwas, was wir uns meiner Meinung nach nicht leisten können."
Nein. Voldemort's
Kreise waren ganz sicher kein Ort für Schwäche.
Sie stimmte ihm schweigend zu. Er hatte recht.
„Ist das der Grund dass Sie .... so sind?"
„Ja. Nun ja - das, und meine angeborene, unangenehme Art."
Die letzte Bemerkung war eine kleine Stichelei, dazu gedacht war, sie aufzumuntern, sie verstand das. Aber nach allem was sie miteinander durchgemacht hatten, fand sie es irgendwie unpassend.
„Sie haben keine angeborene, unangenehme Art," sagte sie, direkter, als sie es eigentlich vorgehabt hatte, die Worte kamen aus dem Teil ihrer selbst, der die Grundlage für Hermines Wesen bildete. Ihr Atem hing vor ihr in der Luft, bewegte sich, sichtbarer Beweis, dass sie wirklich gesprochen hatte. In die lastende Stille zwischen ihnen brachen mit einem Mal wieder die Geräusche des Balles ein, verloren sich in der Nacht; die Musik, entfesselter Diskant, unterbrochen von Bassklängen; Lachen und Reden, einzelne Worte und Stimmen die sich heraushoben aus diesem an- und abschwellenden Meer von Geräuschen. Sie meinte, dass er ihren Namen gesagt hätte aber es konnte genau so gut das Rasseln seines Atems in der Luft gewesen sein. Plötzlich war sie der Meinung, dass sie überhaupt nicht wissen wollte, wohin dies alles führen würde, zumindest nicht jetzt hier draußen in der Februar Kälte, während eines gestohlenen Augenblicks, für den sie sich später rechtfertigen und entschuldigen musste.
Es brauchte Zeit und Pflege und Aufmerksamkeit, wie das Brauen eines seltenen und schwierigen Zaubertranks.
„Sie sollten zurück zum Ball gehen," sagte sie und hoffte, das ihre Stimme nicht zu zittrig klang. „Die Jungs werden Sie vermissen, wenn Sie nicht da sind."
Sie merkte, wie er zurücktrat.
„Ja, Sie haben natürlich recht. Gute Nacht, Hermine."
Seine Stimme klang jetzt wieder verschlossener, er zog sich nicht nur körperlich zurück. Sie wollte das nicht. Nein, überhaupt nicht.
„Severus", sagte sie und hoffte, dass der Klang seines Vornamens ihn aufhalten würde. Das tat es. „Ich habe bemerkt, dass Sie die Versuchsreihen heute nicht kontrolliert haben. Ich würde gerne wissen.... ob Sie vorhaben, das nach dem Ball noch zu tun."
Er schwieg so lange, dass sie schon dachte, er wäre in den Ballsaal zurückgekehrt, ohne ihr zu antworten. Dann sprach er.
„Wenn es Sie nicht stört." Seine Stimme war vorsichtig, als ob er unsicheren Boden betrat.
„Nein, überhaupt nicht," sagte sie, hörte die gleiche Vorsicht in ihrer eigenen Stimme. „Ich würde mich über Ihre Gesellschaft freuen."
„Dann sehen wir uns nach dem Ball."
Sie sagte nichts als er sie verließ. Oberflächliches Geplänkel kam überhaupt nicht in Frage. Sie hatte das Gefühl, dass die Welt gerade begonnen hatte, sich wieder zu drehen, ohne das irgendjemand außer ihr etwas davon gemerkt hatte. Hermine atmete bewusst ein, spannte ihr Zwerchfell an und konzentrierte sich darauf, in einem gleichmäßigen, kontrollierten Strom auszuatmen. Sie fragte sich, was genau sie jetzt eigentlich in Gang gesetzt hatte.
Und wo genau sie am Morgen sein würde.
Im
Verhältnis zu diesem hier waren der Weihnachtsball - und der Halloween Tanz -
geradezu angenehm, dachte Snape. Der Ball zum Valentinstag. Eine willkommene
Entschuldigung für eine Orgie in Rosa und Rot und Cherubinen, genug um jeden
krank zu machen, von denen, deren Kunstempfinden eher in Richtung Pollock denn
Rubens tendierte, ganz zu schweigen.
Hermine war aus dem Garten geflüchtet. Zumindest war sie mit
zügigen Schritten davon gegangen - Snape floh nicht und sie war noch
geistesgegenwärtig genug sich ins Bewusstsein zu rufen, dass der Leiter des
Slytherin-Hauses nicht durch die Schule laufen durfte wie ein hysterischen
Schulkind. Nicht einmal für Dumbledore konnte sie sich der brodelnden Masse Teenager-Hormonen, die die große Halle zur
Zeit durchdrang, noch einmal stellen. Für diesen einen Abend musste die
Disziplin in Hogwarts ohne die Hilfe von Professor Snape aufrecht-erhalten werden.
Sie musste dringend zurück in ihre Räume um einen ruhigen Platz zu finden, an
dem sie ihre Gedanken ordnen und sich klar darüber werden konnte, was sie da
eigentlich gerade getan hatte.
Schnell ging sie durch den inzwischen vertrauten Korridor zu
den Kerkern, die Stirn gefurcht in dem Bemühen ganz wie Snape zu wirken, den
Eindruck von gesammelter Energie der sie normalerweise ohnehin schon umgab,
unbewusst durch ihre Besorgnis und Versunkenheit noch verstärkend. Ihr Benehmen
reichte aus, um jeden Schüler zu Tode zu erschrecken, der dumm genug gewesen
wäre, Snape's gewöhnliche Strecke nicht zu meiden; aber die Ironie des Ganzen
war eigentlich, dass hinter jeder
Statue eine Orgie der Hufflepuffs hätte stattfinden können und sie hätte nichts
gemerkt, so sehr war sie eingesponnen in den Treibsand ihrer eigenen
Verwirrung.
Glücklicherweise wachte eine gütige Göttin über sie und so
erreichte sie ihre Räume, ohne irgendeine offensichtliche Übertretung der
Schulregeln übersehen zu haben; etwas, was vermutlich mehr Bemerkungen
hervorgerufen hätte als alles andere, was sie hätte tun können - nun,
ausgenommen vielleicht das, was sie gerade beabsichtigte . ..
Automatisch hob sie die Verschlusszauber auf, fühlte die
Erleichterung, als sich die Tür hinter ihr mit einem sanften Klick schloss, die
Schule hinter sich lassend; sie bewegte sich sicher und selbstverständlich
zwischen den Möbeln, als ob dieses jetzt wirklich ihre Räume wären. Das Feuer
war in ihrer Abwesenheit angezündet worden und verbreitete eine angenehme
Wärme. Hermine ging näher, lehnte sich an die Wand des Kamins und atmete tief
ein und aus, um die Februar-Kälte zu vertreiben und um ihre eigenen
aufgewühlten Gedanken zu beruhigen.
Der Geruch der Nacht hing noch immer in ihrer Robe und
führte sie unmittelbar zurück zu dem Gespräch im Garten. Sie hatte ihn nach dem
Ball in ihre Räume eingeladen. Oder zumindest hatte sie vorgeschlagen, dass er
noch einmal vorbeikommen sollte um die Versuchsreihen zu kontrollieren. Was
glaubte er wohl, was sie meinte? Hatte er das als Einladung zur weiteren Arbeit
an den Tränken aufgefasst oder dachte er vielleicht, dass mehr dahinter
steckte? Angenommen sie hatte ihn falsch verstanden? Angenommen sie irrte sich?
Angenommen ...
Hermine schüttelte ihren Kopf energisch, als ob diese
Bewegung ihre wilden Gedanken bändigen könnten, herunterschütteln, wie das
Quecksilber in einem Thermometer. Sie zitterte und versuchte sich selber
einzureden, das Kälte der Grund war, das er in das Arbeitszimmer kommen würde
und einfach die Kessel kontrollieren, das er gar nicht würde kommen wollen - nicht würde kommen können , dass es
einfach zu kompliziert war, dass es ihr egal war. Sie fuhr mit ihren Händen
durch die Haare, brachte es damit noch mehr in Unordnung als gewöhnlich und
entfernte sich vom Feuer, ging über den Teppich auf die andere Seite, aber ihre
Gedanken kamen mit ihr. Sie fuhr sich ein weiteres Mal durchs Haar,
verzwirbelte es noch mehr und hörte auf
mit dem hin und herlaufen. Es war völlig sinnlos sich selber einzureden, das es
egal wäre, wenn die Enge in ihrer Brust und ihrer Kehle und ihrer Leisten eine ganz andere Geschichte erzählten.
Was viel wichtiger war, hatte er vielleicht seine Meinung
geändert in der Zeit zwischen Ihrem
Gespräch und dem Verlassen des Balles?
Schon die versuchsweise Annäherung an diesen Gedanken,
schnürte ihr die Kehle zu und ließ ihre Augen brennen. Sie biss sich auf die
Lippe, ärgerlich über sich selbst, dass sie dieses pubertäre Drama zuließ. Wenn
- falls überhaupt - er kam, würde sie ruhig sein, sie würde ihm Tee anbieten,
sie würden darüber reden wie zwei Erwachsene und würden eine vernünftige Lösung
für ihr weiteres Vorgehen finden.
Sie bewegte sich zurück zum Feuer, brachte ihr Haar ein
drittes Mal innerhalb kurzer Zeit durcheinander und fing an, sich die Worte
zurecht zu legen, die sie sagen würde.
Sie war ungefähr bis zur Hälfte gekommen, als es leicht an
die Tür klopfte. Eine Veränderung der Atmosphäre, ein Dufthauch, zu fein um ihn
zu bestimmen, das Bewusstsein, dass er
im Raum war. Sie drehte sich ihm zu, die Einladung zum Tee vorbereitet
und fertig auf ihrer Zunge und stellte fest, dass andere Instinkte, tiefer und
kraftvoller als der Verstand, bereits ihre Beine in seine Richtung in Bewegung
gesetzt hatten. Während dieser paar Schritte auf ihn zu, nahm sie sein Gesicht
in sich auf, blass mit roten Flecken auf den Wangen, seine Lippen leicht
geöffnet, die Zunge hervorschießend um sie anzufeuchten, seine Augen
umschattet, als ob er sich nicht sicher war, wie er empfangen werden würde. Als
sie ihn erreichte, legte sie ihre Arme um ihn, zog ihn an sich, ihr Mund blind
den seinen suchend, jede Aussicht auf eine sachliche Aussprache wurde
hinweggewischt von anderen, wichtigeren Bedürfnissen.
Mitten in Snape's Wohnzimmer schmiegte sie sich an ihn,
Körper an Körper, alles um sich herum vergessend und nur noch seinen Mund auf
ihrem fühlend; sich unter ihrem Kuss
öffnend, berührte seine Zunge sacht ihren Mund, sanft, fast als würde er um die
Erlaubnis bitten, fortzufahren. Und sie erwiderte seine Berührung, genauso
sanft, ließ ihre Zunge über seine gleiten und in seinen offenen Mund hinein,
wozu Victor sie einmal ermutigt hatte, aber es war ein flüchtiger Gedanke und
das damals hatte keinerlei Ähnlichkeit mit diesem hier, nicht dieser Sturm von
Geschmack und Berührung und Geruch der ihre Sinne einnahm und das Blut zu dem
Platz zwischen ihren Beinen jagte. Sie spürte wie Snape sich an sie drängte und
wie ein Blitzstoß schossen Empfindungen
durch ihren Körper und direkt in ihren Schoß. Ganz von allein entstand ein
gedämpfter Laut tief in ihrer Kehle und
ihr wurde bewusst, dass sie eindeutig hart wurde.
Ob er ihre Erregung bemerkt hatte oder ob der Laut ihn
verunsicherte, wusste sie nicht, aber er löste sich von ihr und trat zurück,
sah sie einfach an, seine Hände immer noch auf ihren Armen, sanft streichelnd.
Sein Gesicht war gerötet und er atmete schwer, aber er machte nicht den
Eindruck, als ob er etwas sagen wollte. Sie wusste, dies war der Punkt an dem
alles noch zu stoppen war. Sie könnte ihn bitten zu gehen und er würde sich
einfach zurückziehen. Oder er könnte sich abwenden, verlegen irgendwelche
Entschuldigungen murmelnd und sie würde nichts tun, um ihn aufzuhalten. Aber
sie war nicht gewillt diesen Schritt zu tun, die jenige zu sein, die den
Schritt zurück über die Grenze von Sicherheit und Verstand machte. Er hob eine
Hand von ihrem Arm und streichelte über die Seite ihres Gesichtes, zeichnete
die Konturen ihres Wangenknochens nach und strich über ihren Mund. Sie griff
nach seiner Hand, presste seine Fingerspitzen an ihre Lippen und fuhr mit ihrer
Zunge an der Innenseite der Finger
entlang. Seine Lider flatterten und schlossen sich kurz über den Augen.
Offensichtlich wollte er dieses genauso wenig beenden wie
sie.
Sie hob ihre andere Hand und legte sie um seine Wange. Die
Haut fühlte sich weicher an, als sie sie in Erinnerung hatte und irgendwie
fremder. Er befeuchtete wieder seine Lippen.
„Hermine", sagte er leise, in einem Ton der auch eine Frage
sein konnte.
„Es ist in Ordnung," erwiderte sie, wissend, dass er eine
Antwort brauchte und sich gleichzeitig unangenehm des Drucks in ihrer Leiste
bewusst war.
Er wandte seinen Kopf um ihre Hand zu küssen und sie fühlte
seine Zunge ihr Fleisch kosten, so wie sie vorher seins gekostet hatte.
Und keine weiteren Worte, keine Aussprache war mehr nötig
zwischen ihnen. In stiller Übereinkunft bewegten sie sich in Richtung des
Schlafzimmers, ohne zu sprechen, ohne die Hände voneinander zu nehmen. Im
Zimmer sprach Hermine ein einziges Wort und sanftes Licht umgab sie. Sie fühlte
sich plötzlich unsicher, absurd, in
Anbetracht dessen, was gerade eben zwischen ihnen geschehen war. Aber jetzt,
jetzt wo sie mit Sicherheit den Punkt erreicht hatten, an dem es kein zurück
mehr gab, jetzt war sie unsicher, wie sie den nächsten Schritt machen sollte
ohne es zu verderben; zum ersten Mal in ihrem Leben wusste sie nicht wie
sie eine Frage stellen sollte, oder ob
überhaupt. Sie schluckte nervös, fragte sich, ob es etwas gäbe, was sie jetzt
sagen oder tun sollte. Fragte sich, ob es so was wie eine ungeschriebene Regel
gab, die besagte, dass der Mann den ersten Schritt machen muss. Snape selber
war keine Hilfe; er betrachtete sie mit der gleichen gespannten Aufmerksamkeit
wie er sie auch beim Zubereiten eines Trankes an den Tag legte.
Scharf trat es in ihr Bewusstsein, wie der Stoff der Hose
über ihr Glied rieb und wie trocken ihr Mund war, sie machte ein kleinen
Schritt vorwärts und legte vorsichtig ihren Mund auf seinen.
Und es war, als ob etwas befreit worden war. Snape's Arm
umfasste sie und wieder vergaß sie alles um sich her, während sie seinen Mund
erkundete. Aber diesmal war sein Mund nicht genug; sie wollte seinen Körper
erkunden - ihren Körper. Schließlich war es genau das, wovon sie in den letzten
Monaten geträumt hatte. Ohne den Kuss zu unterbrechen, wich sie soweit zurück,
dass sie Snape's Jackenknöpfe erreichen konnte. Sie tastete ein bisschen umher
und erschrak etwas, als er sich bewegte, um es ihr leichter zu machen.
Zusammen schafften sie es, die Jacke zu öffnen und sie fuhr
mit ihrer Hand über den seidigen Stoff der Weste, die er darunter trug, und
umfasste eine seiner Brüste. Der Stoff rutschte unter ihren Fingern und sie
fühlte etwas Hartes darunter - seine Brustwarze. Hermine hatte das Gefühl luxuriösen
Stoffes auf ihrer Haut immer sehr genossen und wenn sie an Snape's Vorliebe für
Kaschmir dachte, so schien er diese Vorliebe zu teilen. Zart drückte sie den
Nippel durch den Stoff und wurde mit einem undeutlichen Laut belohnt, der
irgendwie in direkter Verbindung zu
ihrem Schoß stand. Sie erbebte und trat zurück, ihn mit sich zum Bett ziehend.
Mehr Ermunterung benötigte er nicht. In der kurzen Spanne
zwischen Senkrechter und Horizontaler gelang es ihr die Lehrerrobe und das
Jacket abzustreifen und die Stiefel weg zu schießen. Sie hatte nicht das
Gefühl, dass Snape auch nur eine Sekunde seine Hände von ihr genommen hätte und
doch trug auch er nur noch das Seidentop und die Hosen als er sich neben sie
legte.
Und dann verlor sie sich völlig in dem Gefühl ihn zu
erkunden, Hände und Lippen wanderten über sein Gesicht, seine Schultern, seinen
Kopf. Mit einer Hand schob sie das Top nach oben, das er trug und er kam ihr
mit einer Bewegung entgegen und ermöglichte es ihr so, es ihm über den Kopf zu
ziehen. Seine Reaktionen auf das was sie tat, waren nicht zu übersehen; hart
drückten sich seine Brustwarzen durch den dünnen Stoff des Büstenhalters. Zart,
fast neugierig, fuhr sie mit ihren Fingern über den Stoff, über den harten
Punkt darunter. Snape schauderte und hob sich ihr entgegen und unbewusst
lächelte sie.
In dem Sommer ihres vierten Jahres in Hogwarts hatte Hermine
ein gewisses Maß an praktischer Forschung auf dem Feld der internationalen,
zwischenmenschlichen Beziehungen mit einem Victor Krum betreiben können. Nun
ja, es war sozusagen nur ein Kurzzeit-Projekt gewesen und seither hatte sich
nicht wirklich eine neue Gelegenheit ergeben; die Aufgabe Harry und Ron am
Leben zu halten, zum Beispiel, kam immer dazwischen. Aber das und einige
genaueste Untersuchungen ihres eigenen Körpers hatten ihr eine klare
Vorstellung davon vermittelt, was sich gut anfühlte. Sie umfasste wieder
Snape's Brust mit einer Hand und drückte sie zärtlich. Als er sich ihrer Hand
entgegen schob, fuhr sie mit der anderen Hand am Saum seines BH's entlang bis
sie zum Verschluss kam. Mit großer
Gewandtheit, erworben in vielen Jahren praktischer Erfahrung, schnippste
sie den Verschluss auf und zog das Stoffteil weg.
Sie zog ihren Finger über das nun nackte Fleisch und dieses
Mal wimmerte er. Dieser Laut fand seine direkte Resonanz in ihrem Schoß und sie
musste sich zusammen nehmen um sich nicht dort zu berühren; sie wollte nicht,
das dies schon vorbei wäre, nicht so schnell. Sie streichelte Snape wieder,
umkreiste seine Brustwarzen, gab sich dem Gefühl der Vertrautheit mit diesem
Körper hin, wusste, wie es sich anfühlen sollte, ohne es wirklich zu wissen;
Sie hatte mit Victor erste Erfahrungen gesammelt, aber es
war nie über einige Berührungen und Küsse hinaus gegangen, das hieß, sie war
noch Jungfrau. Aber sie hatte einige sehr
bestimmte und detaillierte Vorstellungen davon wie ihr erstes Mal sein
sollte und es wurde ihr schockartig bewusst, das sie hier die perfekte Chance
hatte, dieses Szenario genau nach ihren Wünschen gestalten zu können; die
ultimative Umsetzung ihrer erotischen Phantasien. Eine Welle der Begierde
floss durch sie hindurch, als sie ihren
eigenen Körper ansah; plötzlich wollte sie ihn besitzen, von innen wie von
außen, wollte ihn äußerlich erfahren, wie sie es niemals wieder würde tun
können, wenn die Alraunen erst einmal fertig waren.
Sie neigte ihren Kopf und küsste das zarte Fleisch von Snape's Busen, schmeckte die Haut, sinnliche Empfindungen gefiltert durch Geschmacksknospen die nicht zum gleichen Körper gehörten. Mit jedem kleinen Kuss näherte sie sich seinem Nippel und nahm ihn dann in ihren Mund, ließ ihre Zungenspitze seine Knospe umspie