DAS FEUER UND DIE ROSE
(THE FIRE AND THE ROSE)


von Metro Vampire und Rhosymedre


Übersetzung: Chrissstine, Faris-Eirin, Emi, Alex, Serpentina, Tina, Anna, Shoshana ...

Die Originalstory ist auf www.potions-master.com zu finden. Vielen Dank, dass wir die Story übersetzen dürfen.

Feedback: Anne und Abby




Teil 32 - 36



Kapitel 32 Schluß mit den kindischen Spielen

Teil 32: Schluß mit den kindischen Spielen

Snape schaute Hermine einen Moment lang an und schluckte die Warnungen, Hinweise und die an Panik grenzenden Gedanken herunter, die durch seinen Geist wirbelten. Dann griff er nach vorn und richtete vorsichtig die Kapuze des Umhangs, um ihr Gesicht besser zu verbergen.

Dann trat er zurück.

"Ich werde hier sein, wenn Du zurückkommst."

Dann war er allein: Hermine war unter der Verkleidung eines Todessers verschwunden und dann disappariert. Snape wurde sich plötzlich des eisigen Regens bewußt, der ihm ins Gesicht stach und seine Kleidung durchnäßte. Er begann zu zittern und würde damit auch nicht aufhören; denn nichts würde ihn dazu verleiten können, zu gehen und die Wärme des Schlosses zu suchen.

 

Der Verstand (*Sense*) hätte ihn beim Hinausgehen daran erinnert, einen Mantel mitzunehmen, wenn er in den kalten Januar hinausging; sein Gefühl (*Sensibility*)jedoch hatte nur an Hermine denken können, und daran, was sie durchzustehen haben würde.

Für einen Moment überkam ihn Panik; Alter und Training konnten den Teenager-Hormonen, die sein Unterbewußtsein bewegten, nichts entgegensetzen. Adrenalin durchflutete ihn bei seinem anfänglichen Zwiespalt und er stand da, unfähig sich zu bewegen, hin- und hergerissen zwischen beiden Impulsen, nicht fähig einem von beiden nachzukommen - sein Versprechen an Hermine rang jedoch alle anderen Überlegungen nieder.

Diese nackte Angst war aber beinahe so plötzlich vorbei, wie sie begonnen hatte.; Snape schüttelte seine körperliche Starre ab und begann auf und ab zu laufen. Er hielt sich selbst dazu an, herumzulaufen, um sich warm zu halten - doch das Zittern wollte nicht weggehen, egal was er tat. Eine kleine, freie Fläche des gefrorenen Bodens zwischen den Bäumen erregte seine Aufmerksamkeit; dieser Abschnitt der Schulgrenze war weit genug vom Verbotenen Wald entfernt, um sich relativ sicher zu fühlen, aber auch weit entfernt genug vom Quidditchfeld und anderen viel frequentierten Plätzen, so daß er nicht das Risiko eingehen würde, entdeckt zu werden.

Vorausgesetzt, er würde nicht zu lange hier draußen sein.

Fünf Minuten - es waren gerade mal fünf Minuten vergangen und er hatte schon begonnen, die Sekunden zu zählen, bis sie endlich zurückkehren würde. Als ob Voldemort seine Todesser schon jemals nach so kurzer Zeit von einem Treffen entlassen hätte - ein Fünf-Minuten-Treffen würde noch mehr für Gerüchte und Panik sorgen, als alles andere.

Snape verlangsamte sein Umhergelaufe, als sein Zittern wieder stärker wurde; die Fenster des Schlosses in der Ferne leuchteten warm und orange von Kerzenschein und Feuern des späten Abends.

 

Durch die Bäume um ihn herum senkte sich zunehmend die Abenddämmerung; die Sonne schickte ihre letzten Strahlen durch den immer noch fallenden Schnee, während sie langsam am fernen Horizont unterging.

Während Snape all das beobachtete, erstrahlte ein weiteres Zimmer in der Schule im Licht und in dem Moment verfluchte er seine eigene Dummheit. Seine Unachtsamkeit hätte ihn umbringen können - oder er hätte sich zumindest unterkühlen können.

keines von beidem hätte Hermine viel genützt. Begleitet von Selbstvorwürfen sprach er ein knappes Wort, während er seinen Zauberstab aus dem Ärmel zog und ihn auf einen abgestorbenen Ast richtete, der ein Stück weiter weg lag:

"Incendio !"

Flammen züngelten an dem Holz empor; grüne Funken stoben in den Himmel und verwandelten sich schließlich in die charakteristischen Farben des Feuers: gelb und orange. Diese Beobachtung erlaubte Snape ein wenig Ablenkung von der Sorge und der Angst; interessant, daß diese Eigenheit sich auch in Hermines Körper widerspiegelte - die anfänglich grüne Flamme war etwas, was auch er nie ganz verstanden hatte; sein eigener Einschlag auf den Incendio war etwas, daß er nie hatte ablegen können.

Es hatte sogar Flitwick in seinen Zauberkunststunden verblüfft - einen viel jüngeren Flitwick, der aber nicht wirklich anders gewesen war, als heute. Es hatte die Klasse belebt, als er zum ersten Mal den Zauberspruch ausprobiert hatte und Flitwick war - auch jetzt noch - verblüfft. Nichts hatte eine Veränderung gebracht und so - da der Spruch ansonsten einwandfrei funktionierte - wurde diese Abart als eine der snapischen Eigenheiten abgetan.

Bloß gut, daß er bisher noch nie ein Feuer vor anderen als Hermine hatte entzünden müssen - das wäre einer Bloßstellung gleichgekommen. Oder hatte er das schon getan .....Snape versuchte sich zu erinnern. Ihm fiel nichts ein und außerdem begann er wieder zu zittern, obwohl er seine Hände über das Feuer hielt und die Hitze an seinen Beinen hochsteigen fühlte. Sein Pullover war nicht genug und würde ihn nicht warmhalten, bis Hermine zurückkehrte. Zumindest nicht in seinem momentanen Zustand.

Verwandlungsstunden hatten anscheinend doch ihren Sinn, dachte er. Ein paar Sekunden und einen Zauberspruch später war aus seinem Pullover ein dicker Mantel geworden, der ihm bis hinunter zu den Knöcheln reichte und bis oben hin zugeknöpft werden konnte; einem Militärmantel nachempfunden, den er mal irgendwo gesehen hatte, aus Wolle und massiv. Er zitterte jedoch weiterhin, sogar nachdem der Mantel Zeit gehabt hatte, ihn zu wärmen. Es wurde schwieriger diesen Umstand noch dem Wetter zu zuschieben.

Acht Minuten.

Acht Minuten. Sie würde Voldemort nun begegnet sein, dachte er. Unaufhaltsam spielte seine Erinnerung ihm die Szene vor; das letzte woran er denken wollte, aber auch das einzige, woran er denken konnte. Hatte sie sich daran erinnert, wie sie sich Voldemort nähern musste ? Wand sie sich gerade auf dem Boden, die Strafe für ihr falsches Benehmen empfangend ? Würde sie sich daran erinnern, dass ....?

Snape zuckte vor Schmerz zusammen; seine Handflächen bluteten, kleine, sichelförmige Schnitte, dort wo er in der aufkeimenden Panik seine Fingernägel hineingegraben hatte. Es gab nichts, was er momentan für Hermine tun konnte und es war sinnlos, darüber nachzudenken, ob er sie während ihrer gemeinsamen Abende genug vorbereitet hatte. Sicherlich hatte sie diesen Wandel der Dinge nicht vorhergesehen - oder sie hatte den Gedanken, daß diese Situation eintreten könnte, erfolgreich verdrängt. Seine Erfahrung hatte ihn gelehrt, nicht das Gleiche zu tun, sondern hatte ihn dazu veranlasst, ihr während ihrer Experimente so etwas wie Schutzverhalten, Ideen, Gedanken, Möglichkeiten zu suggerieren. Nichts bestimmtes, und bis zum heutigen Abend auch nichts, daß sie definitiv vor Voldemort schützen würde; eine Mischung aus Verhaltensregeln und Einstellung, die ihr vielleicht nützlich sein könnten.

Hätte er mehr tun können? Er konnte diesem Gedanken nicht entkommen und so flüchtete er sich in die Erinnerung an ihre gemeinsamen Abende; das Zittern hörte auf, als er in der Wärme versank, die ihm Hermines Gesellschaft in unerwarteter Weise gegeben hatte. Sie hatte ihn - und tat es immer noch -immer wieder überrascht; ihre Natürlichkeit, die leichte Belustigung über ihre dämlichen Mitschüler, der scharfe Verstand und ihre Neugierde. Das sie intelligent ist, war ihm klar gewesen; er hätte tot sein müssen, um das nicht vorher zu wissen, aber sie überraschte ihn trotzdem immer wieder - sie hatte mehr als ein gutes Gedächtnis, war mehr als der wortgetreue Bücherwurm, für den Snape sie immer gehalten hatte.

Elf Minuten. Sie würde nun im Kreis stehen; hatte sie schon ihren Bericht abgeliefert? Hatte sie ihn ausgeschmückt.....nein, dachte er, Hermine neigte nicht zu Übertreibungen.

 

Müde, frierend und immer noch zitternd wollte Snape nichts lieber, als sich zusammen zu rollen und alle Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen. Seine Gedanken waren dort....wo auch immer Hermine war. Er hatte Angst, gestand er sich schließlich ein. Absolut die panische Angst. Nicht um sich selbst, auch wenn ihr Auffliegen früher oder später seinen Tod besiegeln würde. Was ihn mehr ängstigte, war die Tatsache, daß ein Auffliegen ihren Tod bedeuten würde. Eher früher, als später. Es war ein unerträglicher Gedanke; er würde eher sein eigenes Leben verlieren wollen, als das sie starb.

Halberfroren vor einem Feuer stehend, am Rande eines Waldes, in einer schottischen Nacht, zitternd, obwohl eingewickelt in eine halbe Tonne schwarzer Wolle, gestand Snape sich schließlich ein, daß er nicht wußte, was er ohne Hermine machen sollte. Irgendwo zwischen den Unterhaltungen und den schiefen Bemerkungen, die ihre Beziehung in den vergangenen Monaten begründet hatten, war ein tiefes Gefühl gewachsen; mehr als bloßes Verständnis, obwohl sie sich natürlich zweifelsohne besser kannten, als je ein Mensch sie kennen würde.

 

Zwanzig Minuten. Wo war sie? Wo sollte er anfangen zu suchen, falls sie nicht zurückkehrte - sie mußte einfach zurückkommen. Es gab keine andere Möglichkeit. Das Zittern wurde wieder stärker und während er scharf die Luft einzog, zwang er sich selbst zu entspannen.

Der Kuß mit dem sie sich zu Neujahr begrüßt hatten, kam ihm in den Sinn; er hatte in den letzten paar Wochen schon oft daran gedacht. Es war ein keuscher Kuß gewesen, eine Berührung von Wangen und Lippen, nicht mehr. Er schimpfte sich selbst einen Narren, weil er geglaubt hatte, daß da mehr gewesen wäre ... und doch ...und doch war die Bereitschaft zu mehr dagewesen, zumindest von seiner Seite aus.

 

Dreißig Minuten. Ein langes Treffen. Das Feuer vor ihm knackte und knisterte, als es ein besonders feuchtes Waldstück in Beschlag nahm. Was machte Voldemort nur?

Als Snape aufsah, war die Schule gänzlich in der Nacht versunken; nur die Fenster leuchteten in der Dunkelheit, wie kleine Nadelstiche blitzten die Lichter hin und wieder auf. Der Mond war hinter ein paar Wolken verschwunden und das Feuer war seine einzige Lichtquelle. Es hatte irgendwann aufgehört zu regnen, aber die Luft war immer noch sehr feucht und kalt.

 

Snape versuchte seinen Geist mit dem Aufzählen von Zaubertrankzutaten abzulenken und nicht an Hermine zu denken; ständig erschienen ihm vor seinem inneren Auge Bilder, wie sie von Todessern umringt da lag und sich vor Schmerzen krümmte oder schlimmeres. Er war selbst zu oft bei so etwas anwesend gewesen, um diese Möglichkeit nicht in Betracht zu ziehen, dennoch schmerzte ihn der Gedanke daran mehr, als jeder Fluch, den er am eigenen Leib erfahren hatte. Er sah sie als Hermine, eine junge Frau, und nicht als den Mann, als der sie für die Anwesenden erscheinen würde - das Haar, daß ihm ins Gesicht fiel, gelockt, da feucht vom Schneeregen, bestätigte ihm das.

Wolfsbane. Beazor. Schwefel. Aconite. Quecksilber. Schuppen eines Basilisken. Gillyweed. Misteln. Lacewings. Pyrite.

 

Vierzig Minuten. Wo war sie? Dieser Gedanke hallte durch seinen Geist wie ein Schrei und Snape gab es auf, die Ruhe zu bewahren. Er marschierte um das Feuer herum, zitternd, die Arme umeinander geschlungen in einer Mischung aus Angst und Frustration, bis er ein scharfes Knacken hörte, daß ihn mit gezogenem Zauberstab herum wirbeln ließ.

 

Eine große Gestalt, mit einem schwarzen Umhang und einer silbernen Maske, stand ihm gegenüber und Snape wappnete sich für die Flüche, die nun folgen würden. Es hatte viel zu lange gedauert; sie war entdeckt wurden und nun mußte er mit den unvermeidbaren Konsequenzen rechnen. Sie hätten es beinahe geschafft. Hatte sie....er zwang sich an die Gegenwart zu denken; Zeit zum Trauern würde er später haben, wenn er überlebte. Wenn er überlebte; er wollte gar nicht überleben.

 

Irgend etwas hielt ihn jedoch davon ab, in dem bevorstehenden Kampf die Initiative zu ergreifen; vielleicht die Todessehnsucht, oder ein anderes Gefühl. Was auch immer es war, die Gestalt vor ihm brach zusammen, ohne den geringsten Versuch, einen Fluch auszusprechen oder sich zu duellieren. Snape rannte hinüber, den Zauberstab für den Fall eines Hinterhalts immer noch in der Hand, und entfernte die Maske des Angreifers, um sein Gesicht zu sehen.

 

Glühender Erleichterung folgte schnell praktisches Handeln; Hermine war bewußtlos und in den dicken Sachen war es eigentlich unmöglich festzustellen, wie schwer sie verletzt war. Es gab keine offensichtlichen Verletzungen, aber in der Schwärze der Nacht war es schwer etwas anderes als das Gesicht zu untersuchen. Das wichtigste also war jetzt, sie ins Schloß zu bringen. Er brauchte Licht, um sie zu untersuchen.

Mobilcorpus funktionierte so gut wie immer. Der Weg war beschwerlich und selbst mit einem erleuchteten Zauberstab, der als Fackel diente, stolperte Snape einige Male über Wurzeln oder Steine. Es wäre vermutlich einfacher gegangen, wenn Snape seinen Blick von Hermines Gesicht hätte abwenden können, welches er beobachtete, in der Hoffnung, daß sie erwachte. Er wollte ihre Augen sehen, sie sprechen hören, wirklich begreifen, daß sie überlebt hatte - aber wenn sie doch schwer verletzt sein sollte, war es ihm lieber, sie würde bewußtlos bleiben, bis sie irgendwo waren, wo er sie behandeln konnte.

 

Die Krankenstation stand nicht zur Debatte; es wäre zu schwierig gewesen, Madame Pomfrey zu erklären, was er draußen zu suchen gehabt hatte, auch wenn sie nur allzu gut verstehen würde, was Snape da draußen verloren hatte. Außerdem war es zu riskant - er wußte nicht, in welcher Verfassung Hermine aufwachen würde und wenn sie nicht entdeckt worden war, wollte er nicht, daß sie die Situation allen erzählte oder sich im Delirium verplauderte. Besser er würde das zuerst selbst in die Hand nehmen; ein starkes Bedürfnis sie zu beschützen, hatte damit rein gar nichts zu tun.

 

Unzählige Paßwörter, Korridore und Türen führten sie in die Tiefen des Schlosses. Es gab niemanden, der sie zu so später Stunde und an jenem Ort würde beobachten können. Seine Räume waren abgelegen und 15 qualvolle Minuten später, nach ein paar kleinen Störungen durch Hauselfen, öffnete Snape die Türen zur rettenden Wärme. Vom Feuer ging eine Hitze aus, die in starkem Kontrast zur draußen herrschenden Kälte und den kühlen Korridoren stand.

 

Als Snape Hermine auf dem Bett niederlegte, war sie immer noch nicht zu sich gekommen. Er zögerte einen Moment, bevor er begann, sie zu entkleiden. Er versuchte sich klar zu machen, daß das trotz allem noch sein Körper war, und daß es seine Sachen waren, die er da auszog. Nichts, was er nicht schon einmal gesehen hätte.

 

Bevor er es merkte, hatte er sie schon bis auf die Unterwäsche ausgezogen. Es gab keine Verletzungen - zumindest keine sichtbaren. Einer schneller Untersuchung mit dem Zauberstab ergab, daß sie weder verzaubert, noch von irgendeinem Fluch getroffen wurden war; sie war schlicht und einfach bewußtlos. Was hatte sie in dieser Nacht gesehen, das diese Reaktion hervorgerufen hatte? Snape saß auf der Kante des Bettes, voller Fragen, die er nicht stellen konnte.

Eine halbe Stunde verging fast völlig ruhig, nur das Prasseln des Feuers und ihr Atem unterbrachen die Stille der Nacht, als Hermine endlich erwachte. Snape wandte sich ihr zu und erschrak für einen Moment, als ihre Atmung plötzlich in ein Keuchen überging.

"Oh Gott !"

Hermine schreckte zurück und saß kerzengerade im Bett, verwirrt und elend; mit dem Erwachen begann sie zu zittern. Das Zittern das Snape verlassen hatte, als sie wieder auftauchte, schien auf sie übergegangen zu sein. Er blieb ruhig und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf sich.

"Es ist alles in Ordnung; Sie sind hier in Sicherheit." Sprach er mit leiser, beschützender Stimme, die sie trösten wollte. Hermine wirkte jetzt etwas ruhiger, aber immer noch ziemlich verwirrt - wahrscheinlich nichts Neues; er war schließlich nicht für seine trostspendenden Fähigkeiten bekannt.

 

"Ich....oh. Das hier sind meine Räume...ja, natürlich sind sie das. Sorry, ich sollte nicht das Offensichtliche feststellen." Doch Hermine schüttelte ihre Verwirrtheit schnell ab.

"Oh Gott." Sie zitterte erneut. Snape legte seine Hand auf ihre Schulter und bemerkte die Wärme, die von da ausging.

 

"Erinnerungen?" fragte er vorsichtig. Sie nickte und senkte den Kopf; er dachte ein Schluchzen vernommen zu haben, aber sie schien gefaßter, als sie ihn wieder ansah.

"Möchten Sie mir erzählen, was passiert ist, oder wollen wir zu Dumbledore gehen? Ich erstatte ihm normalerweise nach diesen .... Ereignissen ... Bericht."

 

"Ich erzähle es lieber Ihnen, denke ich", antwortete sie. Er strich mit seinem Daumen über ihr Schlüsselbein, in der Hoffnung sie damit zu ermutigen, und nickte.

 

"Möchten Sie vorher etwas zu trinken?"

Hermine nickte und dann schien es, daß sie erkannte in welchem Zustand sie sich befand. "Und etwas zum Anziehen, denke ich."

Snape merkte, wie er rot anlief, während er innerlich fluchte. " Sie - ich dachte, daß Sie verletzt waren und mußte das überprüfen. Es erschien mir notwendig." Hermine akzeptierte anscheinend die Erklärung und er drehte sich weg, um den Tee zu machen. Er hörte, wie sie vom Bett aufstand und den Schrank öffnete, dann das Geräusch von Stoff auf Haut. Die Röte in seinem Gesicht war immer noch da; er war sich nicht ganz sicher, was sie ausgelöst hatte ... obwohl. Er wußte sehr wohl, was sie verursacht hatte. Das war lächerlich, da draußen in der Kälte, als er auf sie gewartet hatte, hatte er die Wahrheit akzeptiert. Seitdem hatte sich nichts geändert und auch Spitzfindigkeiten oder Verstellungen konnten das nicht verleugnen. Es war nicht so, daß er nun Hermine gestehen würde wie wichtig sie ihm war, aber es war albern es nun vor sich selbst zu leugnen.

Er hatte gedacht, daß das, was er vorher gefühlt hatte, Erleichterung war; doch im Vergleich war dies nichts. Ein Strom von Freude, Erleichterung und Sorglosigkeit durchfuhr ihn beim Akzeptieren dieser simplen Tatsache. Die ihn jedoch letztendlich in eine teuflisch komplizierte Situation manövrieren konnte - darüber wollte er momentan aber nicht nachdenken. Die Zukunft würde schon dafür sorgen.

 

Snape ließ sich auf einem der Sofas im Wohnzimmer nieder; Hermine folgte einen Moment später. Sie hatte seine Muggel Kleidung angezogen, wahrscheinlich in dem Versuch, sich von dem heute erlebten zu distanzieren - sie wußte nicht, daß er in jenen Situationen genau das Gleiche tat, wenn er konnte. Er war überrascht, als sie sich neben ihn setzte und nach dem Becher Kaffee griff, den er ihr auf den Tisch gestellt hatte, allerdings in die Nähe eines der Stühle.

Er sah ihr dabei zu, wie sie ihre Hände um den Becher schlang, lange Finger, die den Steingutbecher umfassten - wie sie den Becher an ihre Brust hob, als ob sie den Geruch einatmen wollte. Sie war bleich im Gesicht und sah todmüde aus. Die Haut hob sich stark gegen das schwarze Haar ab, das nach vorn viel und fast ihr Gesicht verdeckte. Schließlich nahm sie einen Schluck vom Kaffee und stellte ihn zurück auf den Tisch, lehnte sich zurück und starrte an die Decke.

 

"Ich habe heute Abend einen Mann sterben sehen; ich stand einfach da und sah zu, tat nichts. Ich dachte, ich wäre gemeint gewesen - er sagte uns, daß er wüßte, daß es einen Verräter unter uns gäbe." Sie mußte Voldemort nicht beim Namen nennen; denn niemand sonst konnte 'er' sein.

"Er befahl dem Verräter vorzutreten, und als er Rudds Namen nannte, hatte ich schon einen Schritt vorwärts gemacht. Ich hatte Sie schon fast aufgegeben. Tut mir leid." Ihre Stimme war voller Anspannung und Schmerz, vor allem als sie das Versehen gestand.

"Ich hatte solche Angst." Die letzten Worte waren ein Flüstern, daß Snape berührte.

 

Bevor er darüber nachdachte, was er sagen könnte, fand sich Snape auf dem Sofa neben Hermine wieder, die Arme um sie gelegt mit dem verzweifelten Verlangen sie zu trösten, den Schmerz aus ihrem Flüstern zu vertreiben. Nicht zum ersten Mal bedauerte er, momentan soviel kleiner zu sein als sie - alles was er tun konnte war, sie zu umarmen in der Hoffnung, daß sie es erwiderte; dann fühlte er, wie sich ihre Arme um ihn schlangen und sie ihr Gesicht an seinen Kopf schmiegte.

 

"Danke." Flüsterte sie einige Minuten später, weniger schmerzlich und mit mehr Farbe im Gesicht. Snape hob seinen Kopf, um sie anzusehen; tiefschwarze Augen blickten ihn an, sie biß sich unsicher auf die Unterlippe - eine Gewohnheit, die in ihrem eigenen Körper weniger unpassend wirkte.

 

"Ich konnte es nicht verhindern. Ich konnte nichts tun."

 

Snape schüttelte bei ihren Worten den Kopf. "Konnten Sie auch nicht. Es gab nichts, was Sie hätten tun können, ohne noch mehr Menschen zu töten."

 

"Wie halten Sie das aus?"

 

"Was läßt Sie glauben, ich würde es aushalten? Ich konzentriere mich auf das, was ich erreichen kann, die Wut und die Angst lasse ich dann an den Schülern aus. Und an Gläsern. Und Flaschen. Und an allem anderen, daß mir in den Weg kommt. Reparo ist wahrscheinlich einer der von mir am meisten genutzten Zaubersprüche." Diese fast ironische Bemerkung entlockte ihr beinahe ein Lächeln; ein hoffnungsvolles Zeichen, aber es würde längere Zeit dauern, bis sie das verarbeitet hatte.

 

Er wollte sie nicht daran erinnern, aber er hatte Fragen, die beantwortet werden mußten.

"Sie haben Rudd erwähnt, oder?" Sie nickte. "Verdammt. Das heißt, ein weiterer ist verloren."

 

"Also war er ein Spion?"

 

"Er dachte jedenfalls, daß er das gewesen wäre; er stand Voldemort nicht nahe genug, um besonders nützlich zu sein, aber es gab keinen Grund, ihn zu entmutigen, als er sich entschlossen hatte, die Seiten zu wechseln. Ich werde es Dumbledore sagen, er wird die notwendigen Leute informieren."

"Okay." Der Schmerz war wieder da, aber die Leere schien verflogen zu sein. Plötzlich schien Hermine zu bemerken, daß sie sich engumschlungen festhielten. Snape stupste sie in die Seite. "Ähm..."

"Möchten Sie, daß ich wegrücke?" Snape fragte sich, wo die Worte hergekommen waren; er hatte vorgehabt von ihr abzurücken, sobald er den Eindruck gewann, dass sie sich nicht mehr wohl fühlte. Keinesfalls hätte er ihr die Wahl lassen und eine Zurückweisung herausfordern wollen..

"Nein." Zumindest das klang entschlossen, genauso wie ihre Arme, die sich fester um ihn schlossen.

„Ich .... brauche Sie, nur noch ein Moment länger."

Dumbledore konnte warten. Es gab nichts, was man momentan für Rudd tun konnte. Aus der Nacht wurde langsam Morgen, während sie schweigend vor dem Feuer saßen, und sich Heilung und Trost spendeten.





Teil 33 - Donner durchfuhr sie und machte kein Geräusch

Teil 33 - Donner durchfuhr sie und machte kein Geräusch

 

 

Entgegen Snape's Angebot entschied sich Hermine letztendlich, selbst mit Dumbledore zu sprechen; es war wichtig für sie.

 

„Ich kann nicht einfach in mein altes Leben zurückkehren und so tun, als ob dies nicht passiert sei", sagte sie mit mehr Überzeugung als sie wirklich fühlte; so allein, ohne Snape's Wärme und seiner Unterstützung, musste sie all ihre Kraft zusammen nehmen, um sich nicht zurück in seine Arme zu flüchten, weinend wie ein Kind, damit er sich der Trümmer dieses Abends annahm.

„Ich muss mich damit auseinandersetzen ... mit allen Konsequenzen."

 

Im Moment hatte sie nicht die leiseste Ahnung, wie sie das schaffen sollte; wo sie anfangen konnte. Snape hinterfragte ihre Entscheidung nicht. Der Morgen graute schon, als er ihr schweigend zum Büro des Schulleiters folgte.

 

Sie hatte nichts dagegen.

 

Es herrschte Grabesstille, als Dumbledore sich die Neuigkeiten über Rudd und die anderen Bruchstücke von Informationen anhörte, die sie hatte sammeln können. Ihr Bericht wurde begleitet von aufmunterndem Nicken und gemurmelten Worten und Schlucken von Tee, und, als sie den Moment beschrieb als Rudd vorgetreten war, fühlte sie Fawkes auf der Rückenlehne ihres Sessels landen und mit der Seite seines Gesichtes sanft das ihre streicheln. Der Schulleiter war auch so ein Mann der Gegensätze, dachte sie vage. Er war der exzentrische Lieblingsonkel, der Süßigkeiten verteilte und merkwürdige Äußerungen von sich gab bis man vergaß, das er der Zauberer war, den Voldemort nicht direkt herauszufordern wagte. Jetzt war nichts zu merken von dem etwas verrückten alten Mann mit dem verschmitzten Zwinkern; an seiner Stelle war eine kraftvolle Präsenz zu spüren mit Augen, die eine scharfe analytische Intelligenz ausstrahlten; geschickt entlockte er ihr jedes kleinste Detail ihrer Begegnung mit dem Dunklen Lord. Das Gefühl der Ebenbürtigkeit, das Anerkennen ihres Erlebnisses und ihr Recht teilzunehmen, gab ihr mehr Kraft, als jede Art väterlichen Trostes das gekonnt hätte. Das Gefühl der Sinnlosigkeit ebbte langsam ab, der Glaube daran, dass es wert war, den Kampf fortzusetzen, dass das Helle noch einige Trümpfe in den Ärmeln seiner Robe verborgen hatte, kehrte zurück.

Am Ende der Befragung war sie immer noch geschockt und müde, aber die Normalität hatte begonnen, wieder in ihre Welt zurückzukehren.

 

Als sie ihren restlichen Tee ausgetrunken hatte, wurde ihr bewusst wie still es in dem Raum geworden war. Dumbledore beobachtete sie, mit Besorgnis in seinen Augen.

 

„Du bis heute Nacht sozusagen durchs Feuer gegangen, Hermine," sagte er sachte. „Wenn du dich heute ausruhen möchtest, werde ich Entsprechendes veranlassen."

 

Er gab ihr die Möglichkeit zu flüchten, wenn auch nur für kurze Zeit. Instinktiv sah sie zu der anderen Person im Raum hinüber; diese saß regungslos da und vermittelte dabei eine innere Kraft die nicht ihr gehörte

 

Snape.

 

Snape, der sie gehalten hatte. Snape der ihr angeboten hatte, diesen Teil der Aufgabe zu übernehmen um ihr so viel wie möglich zu ersparen. Sie schluckte.

 

„Ich kann mich nicht erinnern," sagte sie vorsichtig, "dass Professor Snape jemals einen Tag gefehlt hat, seit ich an der Schule bin. Es würde merkwürdig aussehen, wenn er jetzt damit anfinge. Ich glaube, dass ich den Tag überstehen werde" Sie zögerte etwas, dann lächelte sie schwach. "Es könnte allerdings sein, dass ich etwas gereizt sein werde."

 

Sie war sich nicht sicher, ob sie gerade die kleine Andeutung eines zustimmenden Lächelns gesehen hatte, als ihr bewusst wurde, dass sie ihre Antwort an Snape und nicht an Dumbledore gerichtet hatte.

 

„In diesem Fall," erwiderte der Schulleiter, als ob sie ihn direkt angesprochen hatte, „solltet ihr euch beide besser beeilen. Der Unterricht wird gleich beginnen."

 

Hermine zuckte etwas zusammen, als diese Worte aus einer unerwarteten Richtung kamen. Sie nickte und stand auf. Snape stand ebenfalls auf. Dumbeldore's leises „Gut gemacht ... alle beide" klang noch nach, als sie den Raum verließen und den Korridor hinunter gingen. Während sie gingen dachte Hermine an das letzte Mal, als sie diesen Korridor entlang gingen, gleich nach dem Unfall; damals herrschte eine stumme Feindseligkeit zwischen ihnen, jeder hätte den anderen am liebsten sonst wohin gewünscht. Jetzt waren sie genauso schweigsam, aber seine Gegenwart war nicht länger eine Bedrohung; jetzt war sie Beistand und Kraft ohne die sie nicht mehr sein wollte - nicht mehr sein konnte. Sie erreichten schließlich den Wasserspeier, durch den sie in den Hauptteil der Schule gelangten; ab hier musste sie wieder ihre Rolle als Snape aufnehmen.

 

Sie zögerte. Sie musste etwas sagen, bevor dieser Moment vorbeiging.

 

„Ich bin froh, dass ich selbst mit dem Schulleiter gesprochen habe." Sie sah auf ihre Hände. „Es hat geholfen. Es ... hat mich beruhigt... irgendwie. Hat mir das Gefühl gegeben das es nicht ganz .... hoffnungslos .... war."

 

„So ergeht es mir auch immer." Seine Stimme ließ ein tiefes, unausgesprochenes Mitgefühl erkennen.

 

„Ist er immer so? Hinterher, meine ich."

 

„Ja."

 

„Ich verstehe". Sie hörte auf zu sprechen, ging aber auch nicht weiter. Da war noch etwas anderes. Sie riss sich vom Anblick ihrer Hände los und sah ihm in die Augen; das Braun war ihres, aber das Verstehen und Wissen das in ihnen lag, war es nicht.

 

„Danke," sagte sie einfach. Sie konnte nicht mehr sagen, konnte das jetzt nicht weiter ausführen.

Sein aufmerksamer Blick veränderte sich nicht und seine Stimme war ruhig und aufrichtig.

„Gern geschehen."

 

__

 

 

Der Januar ging langsam in Februar über.

 

Hermine wanderte weiter in Snape's Fußstapfen und das Dunkle Mal auf ihrem Arm blieb ruhig. Die Alpträume der Zusammenkunft verblassten langsam, aber diese Nacht hatte ihre Beziehung zu Snape unwiderruflich verändert. Nicht während des Unterrichtes; sie war genauso unfreundlich zu ihm wie immer - wenn nicht sogar noch unfreundlicher, ganz so, als ob die Tatsache, dass er wusste - wirklich und wahrhaftig - dass sie ihn nicht verletzen wollte, sie befreite und noch ungebremster austeilen ließ.

Nein, während des Unterrichtes gab es keinen Unterschied.

 

Die Veränderung war am Abend zu spüren. Ihre gemeinsam verbrachte Zeit hatte eine andere Qualität angenommen, ein tieferes Verstehen ohne Worte. Das Spüren, in welcher Verfassung der jeweils andere sich gerade befand, das tiefe Verständnis für die Gründe, die zu einem Wutausbruch führten oder zu Anflügen von Frustration. Es war ihr nie bewusst gewesen, wie viel sie von sich selbst früher immer zurückgehalten hatte. Es war erheiternd und berauschend und beruhigend und besänftigend und sie fragte sich, ob er wohl das gleiche fühlte.

 

Dann waren da die Berührungen. Eine Hand zwischen ihren Schulterblättern um ihr mitzuteilen, das auf dem Tisch neben ihr ein Becher Kaffee für sie stünde; Finger auf seinem Arm, um ihn während eines Experimentes auf etwas aufmerksam zu machen; kleine Gesten der Begrüßung und Verabschiedung. Nichts großes - und, ganz sicher, nichts öffentliches - einfach nur ein unbewusstes Berühren, um sich der Gegenwart des jeweils anderen zu versichern. Etwas, das ihnen kaum bewusst wurde.

 

Und die immer wiederkehrende Frage, die durch ihren Kopf geisterte: was würde er tun wenn sie, nur einmal, seine Hand nähme, sie zu ihrem Mund führte und mit ihren Lippen über seine Haut streichen würde...?

 

„.... Valentinstag ...."

 

Das Wort drang in Hermines Gedanken und brachte sie augenblicklich unsanft zurück in die Große Halle. In Anbetracht der Jahreszeit und wenn sie die versteckten Blicke, die einige der Schüler in Richtung des Lehrertisches warfen, richtig deutete, so hatte sie gerade die Ankündigung des diesjährigen Balls zum Valentinstag verpasst. Sie wusste natürlich davon - sie hätte es auch kaum verpassen können, da sie bei der letzten Lehrerversammlung, als Flitwick, Hooch und Hagrid mit der Organisation des Festes beauftragt worden waren, anwesend gewesen war. Egal, sie war sehr beschäftigt gewesen, in mehr als einer Hinsicht, mit dem Todesser-Treffen und hatte sich bei Unterhaltungen im Lehrerzimmer, die sich um die „Top Secret"- Pläne für das Fest drehten, einfach ausgeblendet. Wenn man bedachte, wer im Planungs-Komitee saß, konnte die Schule froh sein, wenn sie mit nichts schlimmerem als einer Plage singender Zwerge davon kam.

 

Wie sich am Abend herausstellte, hatte Snape genau so wenig Lust auf den Ball wie sie.

 

„Es wird Sie sicherlich nicht überraschen, dass Miss Browns und Miss Patil's erster Gedanke ein weiterer ‚lustiger' Mädchen Abend war, an dem sie mir weitere Qualen im Namen der Schönheit zufügen wollen. Ihr zweiter Gedanke war, mir mitzuteilen, dass es meine ‚Pflicht' sei, einige dieser ‚traumhaften' Kleider für sie umzuwandeln. Ich hatte Mühe ihnen zu entkommen und in meinen Zimmern wurde ich dann von einem Stapel mehr oder weniger ausführlicher Anfragen bezüglich Badeöle und Parfüme begrüßt.

 

Sein Gesichtsausdruck ließ sie auflachen.

 

„Sieht so aus, als ob Sie ein Opfer Deines eigenen Erfolges geworden sind," sagte sie herzlos. „Alles was ich tun muss, ist, einen Tag zu überleben, an dem die Schüler noch unaufmerksamer sind als sonst und umherfliegenden Klatschern ausweichen, beschriftet mit schlechten Liebesgedichten, verteilt von Hinkepanks die in Cherubine verzauberte wurden. Was könnte leichter sein?"

 

Sie wurde mit einem unterdrücktem Lachen aus seiner Richtung belohnt.

 

Was könnte leichter sein?

 

----------

 

Am Abend des Balles hatte Hermine mit einem wachsenden Gefühl von Unwirklichkeit zu kämpfen. Es war einfach gewesen, diese ganze Sache zu ignorieren, solange man sich in der Abgeschiedenheit der Kerker befand. Niemand würde von Professor Snape erwarten, dass er an der allgemeinen Aufregung teilnahm; im Gegenteil, wenn sie auch nur das leiseste Interesse gezeigt hätte, hätte das sicher eine Flut von anonymen Hinweisen auf die sichere psychiatrische Station des St. Mungo Krankenhauses zur Folge gehabt . Sie hatte die zunehmende Aufregung und die umherfliegenden Vermutungen abgeblockt, mit Bedacht die geschickten Mitteilungen bezüglich der Dekoration übersehen und Hooch einen boshaften Blick zugeworfen, als diese vorschlug, die Schüler ausnahmsweise ein bisschen ‚über die Stränge' schlagen zu lassen.

 

Hooch versuchte nicht, diesen Punkt noch einmal anzusprechen.

 

Am Ende waren es dann keine verzauberten Hinkepanks sondern verzauberte Leprechauns gewesen. Sie sausten auf kleinen verzauberten Besen durch das Schloss, trugen Karten aus, sangen Verse von sehr zweifelhafter Qualität und überschütteten Leute mit Gold und bereits etwas verwelkten Rosen. Das Gold verschwand nach ein paar Stunden; die Rosen nicht, und im Laufe des Nachmittags fingen sie an, eine Gefahr für Gesundheit und Sicherheit darzustellen - etwas worauf Argus Filch lauthals jeden hinwies, der lange genug stehen blieb.

 

Hermine fertigte den ersten - und einzigen - Leprechaun, der es wagte in den Klassenraum einzudringen, ab, indem sie lässig ihren Zauberstab zog und ihn mit einem Petrificus Totalis belegte, ohne dafür auch nur einen Moment ihren Unterricht zu unterbrechen. Als der unbewegliche Leprechaun zu Boden polterte, ging Hermine zur Tür und griff sich den kleinen Besen, der reiterlos in der Luft hing und so verwirrt aussah, wie es einem leblosen Gegenstand nur möglich war. Sie wandte sich an die Klasse als sie wieder nach vorne getreten war.

 

„Mein Unterricht wird von solcher Art Unsinn nicht gestört werden. Carstairs," - an einen Ravenclaw Zweitklässler gewandt - „schaffe diese Kreatur zur Seite. Alle anderen, macht weiter mit euren Tränken."

 

Danach waren die Kerker eine Oase der Ruhe.

 

Wie auch immer, jede Oase musste einmal verlassen werden und der Schulleiter hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass jeder Lehrer in der Grossen Halle zum Dinner und der anschließenden Feierlichkeit zu erscheinen hatte. Mit einem Widerstreben, dass sogar sie überraschte, machte sich Hermine auf zum Abendessen. Unterwegs begegnete sie einem vor sich hin fluchenden Filch, der mit einem großen Besen die Blumen zusammenkehrte.

 

Sie saß an der Lehrertafel und aß, ohne zu wissen was, fühlte sich abgeschnitten von den Schleifen und Ballons und Blumen und der Rosigkeit die über allem lag. Sie warf einen Blick zum Gryffindor Tisch hinüber. Snape saß zwischen Ron und Neville; es wurde geplaudert und gelacht, seine Körpersprache gab ihr jedoch keinen Hinweis auf seinen Gemütszustand. Dies schien alles so weit entfernt zu sein. Nachdem das Abendessen beendet war, entstand ein allgemeines Scharren, als die Bänke und Tische zurückgeschoben wurden und der Saal sich selbst zu einem Tanzsaal herrichtete. Die Schüler schlenderten umher und Hermine verlor Snape aus den Augen. Sie fühlte sich unruhig und entfernte sich von der Estrade, fing an umherzustreifen, so, wie sie ihn das so oft hatte tun sehen, während vieler ähnlicher Veranstaltungen.

 

Sie nahm diesen Abend irgendwie nur gedämpft wahr. Alle Vorbeikommenden versuchte sie möglichst unbeteiligt anzustarren, aber ihre Aufmerksamkeit galt allein Snape; Snape mit Harry, mit Ron, mit Dean, mit Lavender - wenigstens war es ihm gelungen, eine Verabredung zu vermeiden. Die Gryffindors schienen sich nur in einer Gruppe zu bewegen, deren Mitglieder von Zeit zur Zeit wechselten.

 

Die Musik begann und die Leute fanden sich zu Paaren zusammen; Snape schien noch mit niemandem zusammen zu sein, obgleich es ihr schien, als ob Ron irgendetwas vorhatte. Sie wunderte sich einen Moment darüber, vergaß es aber sogleich. Ihm war es durchaus zuzutrauen, dass er versuchen würde sie zu überreden ihre Privilegien als Schulsprecherin auszunutzen, um dicht genug zur Lehrertafel und damit an den Punsch zu kommen. Die Tänzer kamen an ihr vorbei und die Gryffindor-Gruppe verschwand aus ihrer Sicht. Sie schritt weiter.

 

Das nächste Mal als sich die Menge teilte, sah sie Alice Lacock mit leerem Blick zu einem Gryffindor Jungen starren. Er hielt ihre Hand als ob sie jeden Moment explodieren könnte und warf böse Blicke zu einer Schar Slytherin Jungen. Er fühlte sich ganz offensichtlich gar nicht wohl bei der Aussicht an einer Neuinszenierung der weniger romantischen Szenen aus Romeo und Julia teilzunehmen. Hermine entschied, hier vorbeugend einzugreifen; mit ihrem starren Blick, in dem das Versprechen einer Strafarbeit lag, unterbrach sie den Augenkontakt zwischen den angehenden Gegnern und erinnerte die Slytherins an die Tugenden von Rücksichtnahme und Feinheit und, das war das Wichtigste, daran, niemandem einen Grund zum Abzug von Häuserpunkten zu geben.

 

Die Mission schien erfolgreich gewesen zu sein; das nächste Mal als Hermine sie sah, waren alle sehr bemüht, einander zu ignorieren. Sie versuchte, sich über den Erfolg ihrer Snape-Darstellung zu freuen, aber es gelang ihr nicht. Sie hätte sie gerne angeschrieen: Vor nur 3 Wochen starb ein Mann. Ein anderer Mann stirbt vielleicht heute nacht, genau jetzt, und alles was euch interessiert sind Verabredungen und Hauspunkte. Woran denkt ihr eigentlich? Versteht ihr denn gar nichts?

Auf dem Tanzboden sah sie durch ein Lücke Snape mit Neville tanzen, sehr vorsichtig, und mit so großem Abstand wie möglich. Sie konnte sich nicht einmal über seine missliche Lage amüsieren oder Mitleid mit seinen Füssen empfinden. Eine beklemmende Frustration schnürte ihr den Hals zu und plötzlich musste sie raus, fort von diesem Lärm und der Hitze und diesen unwissenden Menschen.

 

Draußen im Garten, nahm sie einen tiefen Atemzug der eisigen Luft, ohne sich um die Kälte zu kümmern. Der Himmel war weit und klar; so wie in der Nacht in der sie anhand der Konstellation der Sterne herausgefunden hatte, dass sie noch in England gewesen war. Sie versuchte, diesen Gedanken wegzuschieben; das war lächerlich, das Leben ging weiter, sie wurde damit fertig. Sie atmete noch einmal tief ein und langsam wieder aus, beobachtete, wie ihr Atem kondensierte und wirbelte, beleuchtet von dem gedämpften Licht, das aus den Fenstern des Schlosses fiel.

 

„Geht es Ihnen gut?"

 

Erkundigte sich jemand ruhig. Snape.

 

Sie hatte nicht gedacht, dass er ihr Verschwinden bemerken würde. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen.

 

„Es ist alles so unwirklich," sagte sie schließlich, ohne ihn anzusehen. Er fragte nicht und er sagte auch nichts dazu, wartete einfach, dass sie fortfahren würde. „Es erscheint mir nicht richtig. Nach allem was passiert ist." Sie zog ihre Augenbrauen zusammen in dem Bemühen ihre Gefühle in Worte zu fassen. „Es ist, als ob sich nichts verändert hätte, aber das sollte es."

 

„Für sie hat sich nichts geändert", sagte er sanft. „Etwas Bedeutendes geschieht und die Sonne geht immer noch auf und die Erde dreht sich immer noch weiter und Mr Longbottom ist immer noch nicht in der Lage, die einfachste Aufgabe erfolgreich zu lösen." Nach einer Weile fuhr er fort. „Das Leben geht weiter, Hermine. Mit Ihnen oder ohne Sie."

 

Sie schauderte.

 

„Das ist ein kalter Gedanke."

 

„Diese Welt ist ein kalter Ort. Die da drinnen werden das noch früh genug entdecken. Albus denkt, das man sie so lang wie möglich davor schützen muss. Ich ... „

 

„Sie sind anderer Meinung," beendete sie den Satz für ihn.

 

„Menschen abzuschirmen macht sie verletzbar. Das ist etwas, was wir uns meiner Meinung nach nicht leisten können."

 

Nein. Voldemort's Kreise waren ganz sicher kein Ort für Schwäche.

 

Sie stimmte ihm schweigend zu. Er hatte recht.

 

„Ist das der Grund dass Sie .... so sind?"

„Ja. Nun ja - das, und meine angeborene, unangenehme Art."

 

Die letzte Bemerkung war eine kleine Stichelei, dazu gedacht war, sie aufzumuntern, sie verstand das. Aber nach allem was sie miteinander durchgemacht hatten, fand sie es irgendwie unpassend.

 

„Sie haben keine angeborene, unangenehme Art," sagte sie, direkter, als sie es eigentlich vorgehabt hatte, die Worte kamen aus dem Teil ihrer selbst, der die Grundlage für Hermines Wesen bildete. Ihr Atem hing vor ihr in der Luft, bewegte sich, sichtbarer Beweis, dass sie wirklich gesprochen hatte. In die lastende Stille zwischen ihnen brachen mit einem Mal wieder die Geräusche des Balles ein, verloren sich in der Nacht; die Musik, entfesselter Diskant, unterbrochen von Bassklängen; Lachen und Reden, einzelne Worte und Stimmen die sich heraushoben aus diesem an- und abschwellenden Meer von Geräuschen. Sie meinte, dass er ihren Namen gesagt hätte aber es konnte genau so gut das Rasseln seines Atems in der Luft gewesen sein. Plötzlich war sie der Meinung, dass sie überhaupt nicht wissen wollte, wohin dies alles führen würde, zumindest nicht jetzt hier draußen in der Februar Kälte, während eines gestohlenen Augenblicks, für den sie sich später rechtfertigen und entschuldigen musste.

 

Es brauchte Zeit und Pflege und Aufmerksamkeit, wie das Brauen eines seltenen und schwierigen Zaubertranks.

 

„Sie sollten zurück zum Ball gehen," sagte sie und hoffte, das ihre Stimme nicht zu zittrig klang. „Die Jungs werden Sie vermissen, wenn Sie nicht da sind."

 

Sie merkte, wie er zurücktrat.

 

„Ja, Sie haben natürlich recht. Gute Nacht, Hermine."

 

Seine Stimme klang jetzt wieder verschlossener, er zog sich nicht nur körperlich zurück. Sie wollte das nicht. Nein, überhaupt nicht.

 

„Severus", sagte sie und hoffte, dass der Klang seines Vornamens ihn aufhalten würde. Das tat es. „Ich habe bemerkt, dass Sie die Versuchsreihen heute nicht kontrolliert haben. Ich würde gerne wissen.... ob Sie vorhaben, das nach dem Ball noch zu tun."

 

Er schwieg so lange, dass sie schon dachte, er wäre in den Ballsaal zurückgekehrt, ohne ihr zu antworten. Dann sprach er.

 

„Wenn es Sie nicht stört." Seine Stimme war vorsichtig, als ob er unsicheren Boden betrat.

„Nein, überhaupt nicht," sagte sie, hörte die gleiche Vorsicht in ihrer eigenen Stimme. „Ich würde mich über Ihre Gesellschaft freuen."

 

„Dann sehen wir uns nach dem Ball."

 

Sie sagte nichts als er sie verließ. Oberflächliches Geplänkel kam überhaupt nicht in Frage. Sie hatte das Gefühl, dass die Welt gerade begonnen hatte, sich wieder zu drehen, ohne das irgendjemand außer ihr etwas davon gemerkt hatte. Hermine atmete bewusst ein, spannte ihr Zwerchfell an und konzentrierte sich darauf, in einem gleichmäßigen, kontrollierten Strom auszuatmen. Sie fragte sich, was genau sie jetzt eigentlich in Gang gesetzt hatte.

 

Und wo genau sie am Morgen sein würde.






Teil 34 - Eine Lücke in der Mauer, eine zerstörte Pforte

Teil 34 - Ein Bruch in der Mauer, eine zerstörte Pforte

Im Verhältnis zu diesem hier waren der Weihnachtsball - und der Halloween Tanz - geradezu angenehm, dachte Snape. Der Ball zum Valentinstag. Eine willkommene Entschuldigung für eine Orgie in Rosa und Rot und Cherubinen, genug um jeden krank zu machen, von denen, deren Kunstempfinden eher in Richtung Pollock denn Rubens tendierte, ganz zu schweigen.

Seine Nebenbeschäftigung, das Herstellen von Haut- und Haarpflegelotionen, hielt ihn ziemlich auf Trab in den wenigen Tagen bis zum Ball - anscheinend hatte jedes Mädchen der Schule inzwischen von seinen Mischungen gehört und wollte auch welche davon. Snape fand es sehr amüsant zu wissen, dass er mit diesem Unternehmen bei weitem mehr Geld machte, als die Weasley-Zwillinge mit ihren verschiedenen ausserschulischen Aktivitäten.

Überraschender war da seine plötzliche Popularität als Mode Designer. Die Kleidung, die er für den Weihnachtsball umgewandelt hatte, war nicht unbemerkt geblieben und niemals hätte er sich vorstellen können, dass sie sich zu einem Objekt der Begierde entwickeln würde - unzählige Mädchen hatten ihn gefragt, wo er die Kleider her hatte und ob er noch mehr besorgen könnte. Sein Unmut über die ständigen Störungen musste verborgen werden - nicht total, denn Hermine hätte das auch nicht gefallen, aber etwas Mäßigung tat Not. Die Vorstellung, was die Mädchen wohl täten, wenn sie wüssten wen sie da um Kleider baten, amüsierte ihn und lenkte ihn gleichzeitig ab.

Wie auch immer, auch die größte Belustigung wurde nach der x-ten Wiederholung schal. Hin und wieder rief er sich ins Gedächtnis, wer und was er wirklich war und das widerte ihn etwas an; er redete sich ein, dass es widerlich war, freundlich zu tun und den langweiligen Beratungen über Schnitte und Materialien zu zuhören. Irgendwo im Hintergrund jedoch dachte er, dass es wohl eher die Freude darüber, so gefragt zu sein, war, die ihn anwiderte - man kam auf ihn zu um seine Hilfe zu erbitten und nicht um ihn zu ärgern oder zu beschimpfen. Eigentlich hätte er diesem Wunsch nach Bestätigung längst entwachsen sein sollen oder er hätte zumindest erwartet, dass Zeit und Umstände ihn aus ihm herausgeprügelt hätten. Es war jedoch offensichtlich, dass sein Bedürfnis nach Anerkennung nur ängstlich verborgen und nicht vernichtet worden war - wie er es angenommen - sogar gehofft - hatte.

Der Gedanke, dass sie ihn wenigstens nicht seiner Gesellschaft wegen aufsuchten, versöhnte ihn etwas - abgesehen von jenen, die normalerweise sowieso Hermines Gesellschaft suchten. Aber sogar ihnen, das war ihm klar - und, er nahm an, das es auch Hermine wusste - ging es bei dieser Freundschaft hauptsächlich um sich selbst und nicht um das eigentliche Wesen ‚Hermine'. Weder Potter noch Weasley - es war schwierig ihnen die Ehre zu erweisen, sie mit ihren Vornamen benennen, wenn er daran dachte wie wenig sie Hermine verstanden - hatten auch nur die leiseste Ahnung was sie antrieb und schenkten ihren Interessen nur sehr oberflächliche Beachtung. Nach sechs Jahren, sollten sie es eigentlich besser wissen, dachte er. Er akzeptierte ihre Zuneigung zu ihr - und bemerkte nicht, wie dieses Zugeständnis einer Zuneigung die Veränderung offenbarte, die mit ihm vorgegangen war in den letzten Monaten - und wünschte, sie würden endlich erwachsen werden.

Er hatte versucht, mit Hermine eines Abends darüber zu sprechen; an einem dieser Abende, die die beiden im Labor verbrachten, eingehüllt im gegenseitigen Verstehen. Sie tranken Kaffee, saßen in Sesseln die Hermine aus einigen Labor-Stühlen verwandelt hatte und genossen die Wärme des Feuers im Feuerrost während sie darauf warteten, dass der letzte Schub der Versuche und Tränke abkühlte.

Die Unterhaltung bestand eigentlich nur aus kurzen Bemerkungen und gelegentlich war irgendein Gedanke zu hören. Spontan wandte er sich plötzlich zu Hermine.

„Warum verbringen Sie Ihre Zeit mit Potter und Weasley? Ich weiß, Sie sind Freunde, aber stört es Sie nicht, dass sie Sie die meiste Zeit sehr rücksichtslos behandeln?"

„Stört es Sie?" kam ruhig die Antwort aus den Tiefen des anderen Sessels.

„Naja ..." Snape zögerte. „Ich glaube, es stört mich nicht wenn sie mir gegenüber rücksichtslos sind, aber wenn sie es Ihnen gegenüber sind, stört es mich schon."

Hermine sah von ihrem Kaffee auf und lächelte zu ihm hinüber und in dem Moment wurde Snape bewusst, was er mit diesem einen Satz preisgegeben hatte. Er überlegte, ob er versuchen sollte ... nein. Ganz sicher war Hermine nicht überrascht, auch wenn sie nie darüber gesprochen hatten.

"Zerbrechen Sie sich darüber nicht den Kopf, Severus," sagte sie nach einer Weile. „Es sind Jungen. Es würde sie nur durcheinander bringen, wenn ich versuchen würde, sie zu ändern und ich weiß mir zu helfen, wenn sie mich zu sehr stören. Meistens halten sie es für die Auswirkung meiner PMS," fügte sie trocken hinzu," aber es klappt. Ansonsten sind sie gute Freunde und im großen und ganzen verhindern sie, dass ich zu ernst werde."

„Hatten Sie damit Probleme, die letzten Monate - zu ernst zu werden?" fragte Snape.

Hermine dachte eine Weile über diese Frage nach.

„Ich musste ernster sein, glaube ich. Ernstes Verhalten war einfach zweckmäßig. Sie haben mich mich neulich gelehrt, auf andere Weise damit umzugehen."

Ein Zugeständnis gegen ein Zugeständnis, keines genau definiert aber von beiden verstanden. Sie ließen sich ins Schweigen zurückfallen, unterbrochen nur vom Aufflammen und Zischen der herunterbrennenden Holzscheite, bis Hermine ihren Kaffee ausgetrunken hatte, den Becher wegstellte und ihre Hand Snape entgegen streckte. „Kommen Sie, lassen Sie uns mal nachsehen, wie weit wir mit unserer letzten Versuchsreihe gekommen sind." Er nahm ihre Hand und ließ sich von ihr aus dem Sessel hochziehen. Sie hatten den Griff sofort gelöst, als er auf den Füssen stand, aber er spürte ihn noch eine Weile in seiner Erinnerung und seiner Sehnsucht.

Der Morgen des Valentinstages dämmerte frostig herauf und eine Eiseskälte hatte alles mit einer zentimeterdicken Schicht Raureif überzogen, der in der kalten Wintersonne sosehr glitzerte, dass es in den Augen wehtat.

Snape wachte mit einem unbestimmten Grauen auf; manche Dinge ändern sich nie, unabhängig vom Jahr oder dem Körper und der Valentinstag war so eine Sache. Unendlich grauenvoll.

Alle Bestellungen waren ‚ausgeliefert' und die Verwandlung der Kleider war erledigt; es war ihm geglückt Lavender und Parvati, nach ihrem Vorschlag, den ‚Mädchenabend' , wie sie es nannten, zu wiederholen, aus dem Weg zu gehen. Er hatte - und zwar sehr so schnell wie möglich - einige Enthaarungszauber in der Bibliothek gefunden und nutzte sie häufig (da sie selten länger als einen Tag vorhielten) um sicher zu gehen, den Mädchen keinerlei Anlass zu weiteren Vorschlägen zu geben, ihn wieder in die Ecke zu treiben, dann machte er es sich mit Hermine in den Kerkern gemütlich und schützte großen Arbeitsdruck vor bis sie aufgaben. Hermine amüsierte sich köstlich über seine übertriebene Entrüstung und seinen Widerwillen. Na ja, vielleicht doch nicht so übertrieben.

Snape lag im Bett und sah dem schwachen Sonnenlicht zu, das sich durch die Fenster mühte, sein Geist noch etwas benommen vom warmen Schlaf und er versuchte, nicht darüber nachzudenken, ob Hermine und er es wohl schaffen würden heute Abend auf dem Ball miteinander zu tanzen. Er lenkte sich ab, indem er im Geiste den Ablauf des heutigen Tages durchging, rief sich die verschiedenen Unterrichtsfächer ins Gedächtnis und prüfte sich selbst, ob er die Hausarbeit, die Hermine gemacht hatte, auch genügend nachgearbeitet hatte, um sicher zu gehen, dass er alles wusste was sie wusste.

Wenn dieses Experiment auch für sonst nichts gut war, so sorgte es wenigstens dafür, dass er auf verschiedenen Gebieten, an die er nach Verlassen der Schule keinen Gedanken mehr verschwendet hatte, wieder auf dem letzten Stand der Dinge war. Verwandlung, zum Beispiel. Das Wiederholen von Arithmantik war sehr interessant - er hatte sich auch nach der Schule bis zu einem gewissen Grad damit beschäftigt, da es ein praktisches Hilfsmittel zur Berechnung des möglichen Ergebnisses von Versuchen mit eher flüchtigen Substanzen war. Ebenso Runen. Sie waren eine Hilfe für seine Arbeit an den mehr historischen Aspekten der Tränkeherstellung.

Geschichte der Zauberei dagegen würde niemals von Interesse sein - und hatte ganz sicher keinerlei Fortschritte gemacht seit seinem eigenen Unterricht. Verteidigung gegen die dunklen Künste war derartig frustrierend, dass er sich auf die Zunge beißen musste, als der neueste in der Abfolge der unnützen Schwachköpfe, der sonstwo aufgelesen worden war, versuchte, ihm etwas beizubringen.

 

Es nützte alles nichts, Snape konnte den Moment nicht länger hinauszögern, glitt aus dem Bett und bewegte sich in Richtung Dusche. So schön es wäre den ganzen Tag zu verschlafen - und den Abend - es war nicht machbar. Jemand würde zweifellos nach ihm sehen, im Unterschied zu seiner eigenen Auffassung von Verpflichtung.

Der Tag war genau so entsetzlich, wie er erwartet hatte. Leprechauns, ausgerechnet. Auf Besen, Valtentinskarten verteilend. Es juckte ihn in den Fingern, sie mit einem Vergessenszauber zu belegen und musste ein Grinsen unterdrücken als er mitanhörte, wie einige Zweitklässler sich darüber unterhielten, wie ‚Snape' den ersten, der es gewagt hatte, in den Klassenraum einzudringen, abgefertigt hatte.

Seine schlimmsten Befürchtungen wurden kurze Zeit später wahr; er, Harry und Ron waren auf dem Weg zum Mittagessen, als ein sausendes Geräusch in der Luft einen Leprechaun ankündigte und Snape sich automatisch duckte. Als er sich wieder aufrichtete, schwebte die Kreatur vor ihm, grinsend wie ein Verrückter, und ließ Münzen zusammen mit einer Rose auf ihn niederregnen. Snape griff automatisch nach der Rose, während die Münzen melodisch klirrten, als sie um ihn herum auf den Steinboden fielen.

Der Leprechaun wendete und raste davon auf seinem albernen Besenstiel als Snape sich die irgendwie traurig aussehende Blume in seiner Hand ansah. Harry und Ron hatten auch jeweils eine, aber sahen mit einigem Interesse zu ihm hinüber.

„So, von wem ist es?" fragte Ron, mit Begeisterung in der Stimme. „Hast Du etwa einen Freund?!"

„Ron!" zischte Harry. Ron schaute ihn an, offensichtlich verstand er nicht, was er falsches gesagt haben könnte. Snape war nahe daran, Harry dafür zu danken, dass er wenigstens gemerkt hatte, dass sein ungläubiger Ausruf alles andere als schmeichelhaft für sie war, aber auch Ron schien das gerade begriffen zu haben und lief etwas rot an.

„Na ja, ich meine ... Du hast doch gar keine Zeit ... Du bist immer in der Bibliothek ... oder im Klassenraum für Zaubertränke ... und dann bist Du auch noch Schulsprecherin."

„Ron," seufzte Snape und legte soviel wie möglich von Hermine in seine Stimme,  „halt die Klappe, bevor Du noch tiefer ins Fettnäpfchen trittst." Er lächelte, sich sehr wohl darüber im klaren, dass sein Lächeln nicht seine Augen erreichen würde, aber er hoffte, dass Ron seine Bemerkung als freundschaftliche Stichelei auffassen würde. Dankenswerter Weise, war Ron nur zu froh, nichts mehr sagen zu müssen und bemerkte nicht, dass ‚Hermine' alles andere als überglücklich war.

Harry hatte sich seine Rose genauer angesehen und lachte. Snape sah ihn fragend an und Harry zeigte ihm die Karte, die an der Rose hing.

„Für meine frisch gepökelte Kröte" stand auf der Karte.

Snape sah wahrscheinlich genauso verständnislos aus, wie er sich fühlte, denn Harry lachte wieder und sagte „es ist von Ginny - Du erinnerst Dich doch noch, der Valentisgruß den sie mir in unserem zweiten Jahr geschickt hat. ‚Seine Augen so grün wie eine frisch gepökelte Kröte'. Fred und George konnten sich Wochen lang nicht mehr einkriegen!"

Snape lachte, da es offensichtlich von ihm erwartet wurde und machte sich eine geistige Notiz, dass er Hermine fragen wollte, von was zum Teufel Harry eigentlich sprach. Das der Gruß von Ginny kam, war keine Überraschung - Snape nahm an, dass Harry ihr etwas ähnliches geschickt hatte. Ron's war zweifellos von der augenblicklichen Freundin der Woche: einer Hufflepuff, aber Snape konnte sich nicht an ihren Namen erinnern. Ron war nicht sehr begeistert - wahrscheinlich stand sie schon auf der Abschussliste.

All das hatte ihn bisher von seiner eigenen Rose abgelenkt, aber er konnte es nicht länger hinausschieben, er musste sich die Karte ansehen; die Jungs wollten offen-sichtlich ebenfalls wissen, wer ihm die Rose geschickt hatte. Er drehte die Karte um und las.

„Einen fröhlichen Valentinstag wünscht Dir Neville Longbottom."

Panik ergriff Snape. Bitte, bitte, lass das ein schlechter Scherz sein - er hatte Alice Lacock's Aufmerksamkeiten gegenüber ‚Snape' sozusagen indirekt als sein Stellvertreter überstanden, aber er war sich nicht sicher, ob er mit einer direkten Konfrontation Neville Longbottom's umgehen könnte.

Er wurde gerettet, als Harry bemerkte. „Ach ja, ich hatte ganz vergessen, das Neville das vorgehabt hatte."

„Was vorhatte?" fragte Snape nervös.

„Er hat jedem Mädchen unseres Jahrgangs aus Gryffindor einen Valentinsgruß geschickt," erklärte Harry. „Er fand es gemein, dass letztes Jahr nicht jede einen Gruß erhalten hatte, deswegen hatte er beschlossen, dass dieses Jahr niemand leer ausgehen sollte."

„Du musst also nicht befürchten, dass Neville scharf auf Dich ist," frotzelte Ron. Snape lächelte ihn schwach an.

Erleichterung. Tief empfundene Erleichterung. Es war typisch Longbottom, so etwas zu tun - sehr Gryffindor mäßig und zum Glück unpersönlich. Er musste also nicht den Rest des Tages - Woche - Jahr .... abtauchen und dem Jungen aus dem Weg gehen ... nein, kein Jahr. Die Alraunen würden bald soweit sein und dann würde all dies vorbei sein. Er wartete auf das Gefühl der Erleichterung bei diesem Gedanken und fand es merkwürdig, dass, obwohl er durchaus Erleichterung verspürte, in diesem Gefühl auch Wehmut mitschwang.

Zu viele andere Dinge würden ebenfalls vorbei sein.

Der Rest des Tages verlief ohne weiter Zwischenfälle; die Leprechauns verschwanden zur Mittagszeit, was viele erleichterte, und die allgemeine Begeisterung steigerte sich noch im Laufe des Nachmittags.

Das Abendessen war das typische Hogwarts Festmahl - Snape hatte noch nie verstanden, wie man nach diesen Mengen von angebotenen Speisen sich überhaupt noch bewegen konnte, vom Tanzen ganz zu schweigen. Er nahm sich etwas Gemüse und hörte dem aufgeregten Geplauder um ihn herum nur mit halbem Ohr zu, während er versuchte, diese überwältigende Dekoration zu ignorieren. Wie immer hatte man keine Mühen gescheut und die Halle war rosa. Sehr rosa. Rosa Kerzen, rosa Schleifen, rosa Ballons, rote Herzen, die im Luftzug hin- und herschwebten und die Kleider der Mädchen, deren Farben sich überwiegend zwischen rosa und rot bewegten. Nur die Decke war unverändert, sie spiegelte die klare schwarze Nacht mit einer Myriade von Sternen wieder.

Sein eigenes Zugeständnis zu diesem Anlass bestand darin, die Farbe seiner Samtjacke, die er zum Weihnachtsball getragen hatte, von Schwarz in ein sehr dunkles Rot zu verwandeln; in diesem gedämpften Licht war der Unterschied kaum zu bemerken. Lavender und Parvati waren zu Anfang ganz entsetzt, dass er sich nichts Neues ausgedacht hatte, aber am Ende mussten sie zugeben, dass es gut aussah und ‚Hermine' zudem sehr gut stand.

Von Zeit zu Zeit während des Essens blickte er hinüber zur Lehrertafel; Hermine saß genauso griesgrämig da, wie er es getan hätte, irgendetwas zwischen Hohn und Desinteresse zur Schau tragend. Manchmal bemerkte er ihren Blick in seine Richtung aber achtete darauf, rechtzeitig weg zu schauen, damit sie nicht merkte, dass er sie beobachtete; er war sich nicht sicher, wieso er eigentlich einem Blickkontakt gerade jetzt auswich aber er hatte einfach das Gefühl, dass es für beide das Beste war.

Endlich war das Mahl vorüber und die Halle wurde für den Tanz geräumt; die Musik begann und Snape zog sich instinktiv zurück, um jeder Aufforderung zum Tanz zu entgehen, gut verborgen zwischen den umherwuselnden Gryffindors. Ab und an sah er Hermine im Saal umherstreifen und ohne jede Anstrengung, allein durch ihr Auftreten, für Ordnung sorgen.

Snape's Glücksträhne war dann doch irgendwann zu Ende und Neville kam, um ihn zum Tanzen aufzufordern. Er konnte diese Bitte schlecht ablehnen und so tanzten sie dann recht steifbeinig eine Weile miteinander, Snape sorgte für ausreichenden Abstand zwischen ihnen - besonders nachdem er nur knapp einem von Nevilles ungeschickten Füssen entgangen war. Die Unterhaltung war fast genauso peinlich wie der Tanz und Snape zwang sich, Neville für die Rose zu danken.

Ich tanze mit Neville Longbottom und bedanke mich bei ihm für eine Rose. Wenn das jemals jemand erfährt, bekommt er einen Lachkrampf, dachte Snape

Aus dem Augenwinkel entdeckte er Hermine die zügig in Richtung Garten ging. Sie sah irgendwie ... komisch ... aus. Nicht so, als ob sie nur auf der Suche nach sich herumtreibenden Schülern wäre, sondern eher so, als ob sie es keinen Moment mehr länger hier aushielte.

Snape wand sich so schnell wie es möglich war, ohne Aufsehen zu erregen, aus Nevilles Griff und wandte sich ebenfalls in Richtung Garten; auf seinem Weg wurde er mehrfach durch Fragen, in seiner Funktion als Schulsprecherin, aufgehalten, die er so schnell wie möglich abfertigte, dann öffnete er die Tür zur Terrasse und ging hinaus.

In einiger Entfernung sah er einen reglosen Schatten und ging hinüber. Hermine schaute zurück auf das Schloss ohne sich zu rühren, nur ihr Atem bewegte sich vor ihr in der Dunkelheit. Es schien, dass sie sein Kommen noch nicht bemerkt hatte.

„Ist alles in Ordnung?" fragte er ruhig als er sie erreichte. Sie war noch blasser, als er gewöhnlich war und eindeutig verstört. Der harte Ausdruck auf dem Gesicht, den sie in ihrer Rolle als Snape aufsetzte, war verschwunden und sie schien weit weg zu sein, verloren in Erinnerungen. Er hatte eine ziemlich gute Vorstellung davon, wohin ihre Erinnerungen sie geführt hatten; ihn führten sie nicht selten auch dorthin.

Nein, nicht wirklich; aber ihre kurze Unterhaltung brachte sie in die Gegenwart zurück und stellte die Verbindung zwischen ihnen wieder her. Zeit und Verständnis dehnte sich aus und bewirkte mehr als simple Worte es vermocht hätten, eine Wärme breitete sich zwischen ihnen aus und ließ die frostige Nachtluft vergessen.

Beide verstanden, daß es der falsche Ort zur falschen Zeit war, auch wenn Hermine diejenige war, die es zuerst zur Kenntnis nahm und ihn zurück zum Ball schickte mit dem Versprechen, sich später zu treffen.

Ihre Stimme war so unsicher wie seine Gedanken, die sich überschlugen angesichts verschiedener Möglichkeiten und Warnungen und Abtun derselben und noch mehr Möglichkeiten und - am Ende - blieb das Gefühl einer gewissen Unausweichlichkeit.

Nicht jetzt, die Frage lautete nur noch wann und nicht ob.

„Wir sehen uns nach dem Ball."

Die Geräusche des Festes brachten ihn aus einer ungewissen Zukunft zurück in die Gegenwart als er Hermine verließ und zurück in die Halle ging. Es war schwierig sich wieder zurück in diesen Lärm und das Gedränge zu begeben, zurück in das stürmische Hin- und Her der Beziehungen zwischen den Teenagern dort drinnen, die sich ständig neu bildeten, endeten oder wechselten.

Nur wenige Augenblicke nachdem er die Halle betreten hatte, berührte jemand seine Schulter und er drehte sich schnell um. Da stand Ron, das Gesicht rosig überhaucht.

„Wo warst Du?" fragte er und Snape hatte den Eindruck, dass er eigentlich etwas ganz anderes fragen wollte.

„Draußen, etwas Luft schnappen," sagte Snape.

„Oh. Gute Idee. Das könnte ich auch brauchen - kommst Du mit?"

Snape sah den Jungen mißtrauisch an; diese Bitte war ungewöhnlich. Ron ging normalerweise davon aus, das Hermine seiner Aufforderung folgen würde, zumindest machte es den Eindruck, und die Frage machte es unmöglich „nein" zu sagen ohne mit ziemlicher Sicherheit Hermines Freundschaft zu zerstören - und das wollte er ganz sicher nicht tun.

 

Er folgte Ron zurück nach draußen, weg von dem Trubel und dem Gewühl, zurück an die frostige Luft. Snape sah automatisch hinüber zu dem Schatten, den er nur wenige Augenblicke zuvor verlassen hatte, aber Hermine war schon gegangen, wahrscheinlich in die Kerker.

Snape schauderte, die Kälte kroch in ihn hinein - der kurze Aufenthalt in der Halle hatte nicht ausgereicht, um ihn aufzuwärmen - und er erschrak, als Ron seinen Arm um ihn legte.

„Komm, ich wärm Dich auf."

Oh bitte, nein, bitte, nein ... nein....nein. Das passierte nicht, das durfte nicht passieren. Wenn Snape vorhin noch gedacht hatte, daß sich einer über seine Situation köstlich amüsieren würde, so wäre dieser jemand jetzt ganz sicher ein Fall für St. Mungos.

Bevor er reagieren konnte, hatte Ron ihn schon in eine Umarmung gezogen und er fühlte seinen Mund auf seinem ... nein. Nein!

Offensichtlich hatte er Letzteres laut gesprochen, denn Ron ließ ihn plötzlich los und stolperte rückwärts.

„Es tut mir leid," entschuldigten sie sich gleichzeitig und verstummten dann, Ron rot und verlegen und Snape weiß vor Schreck. Snape schluckte und bedeutete Ron mit einer Handbewegung fortzufahren, er musste sich sehr anstrengen um der Versuchung, mit dem Handrücken über seinen Mund zu wischen, standzuhalten.

„Ich - es tut mir leid," sagte er noch einmal. Ich .... nun ja ... ich dachte, dass ..."

Mit Rücksicht auf Hermines Freundschaft, hatte Snape Mitleid mit Ron und schüttelte langsam seinen Kopf. „Ich wünschte," sagte er langsam, „Ich könnte die sein, die Du Dir wünschst. Könnte so sein, wie du mich haben möchtest. Aber es würde nicht funktionieren, Ron. Wir sind zu verschieden - ich würde Dich in kurzer Zeit verrückt machen, immer in der Bibliothek und lernen und so weiter. Lass uns einfach weiterhin Freunde sein, in Ordnung?"

„In Ordnung?" wiederholte Ron, etwas bitter. „Du kannst einfach vergessen, dass ich mich gerade zum Idioten gemacht habe? Ich bin nicht sicher, ob ich das kann."

Das war wirklich das letzte, womit sich Snape jetzt auseinandersetzen wollte; alles was er im Sinn hatte war das letzte Gespräch mit Hermine, das so durchsetzt war mit unausgesprochenem und anderem. Alles was er jetzt wollte, war zu den Kerkern zu gehen und das Gespräch fortzuführen und nicht hier zu stehen und das Ego eines Teenagers zu hätscheln; er wusste sehr gut, wie sehr er Ron gerade jetzt verletzen konnte, wenn er es wollte. Aber Hermine würde es nicht wollen, und so konnte er auch nicht.

Am Ende musste er nicht die Entscheidung treffen - Ron murmelte etwas davon, dass er jetzt allein sein müsse und verschwand zwischen den Schatten im Garten; Snape hatte eine bessere Idee als ihm zu folgen, er ging stattdessen los und suchte Harry. Er fand ihn zusammen mit Ginny Weasley beim Tanzen - keine Überraschung. Harry hatte ganz offensichtlich von Ron's Plan gewusst, denn als er Snape sah, machte er große Augen und guckte hinter ihn und als er Ron dort eindeutig nicht sah, machte er ein bekümmertes Gesicht. Er flüsterte Ginny etwas zu, die nickte, und dann kam er zu Snape herüber.

„Ich glaube, Ron würde jetzt gerne mit Dir sprechen," sagte er.

Harry nickte. „Ich habe das schon erwartet," erklärte er. „Ich hatte versucht, ihn davon abzubringen - nichts persönliches," fügte er schnell hinzu, "aber es war nicht gerade eine seiner besseren Ideen. Es ist schwierig jemandem etwas auszureden, dessen Vorhaben von seinen Hormonen bestimmt wird," schloss er ironisch.

„Danke für den Versuch," sagte Snape trocken.

„Geht's Dir gut?" fragte Harry. Snape nickte.

„Mir geht es gut, aber ich glaube Ron fühlt sich gerade ein bisschen wie ein Idiot."

„Einen trifft es immer beim Valentinsball," murmelte Harry. „Ich geh mal zu ihm."

„Ich gehe jetzt," sagte Snape," du kannst ihn wieder her bringen damit er seinen Kummer ertränken kann, wenn du möchtest. Ich bin sowieso müde," fügte er hinzu als er den Eindruck hatte, dass Harry protestieren und ihm sagen wollte, dass er nicht gehen müsse.

Er hatte ohnehin die Absicht zu gehen - mit einer Verabredung in den Kerkern die er unbedingt einhalten wollte, hielt ihn hier in der Halle sowieso nichts mehr.

Die Korridore waren kühl und dunkel, kleine Lichtinseln von den Wandleuchten vertrieben nur wenig die Düsternis, als er die altbekannten Wege zu den Kerkern ging, zu seinen - Hermines - Räumen. Die Musik und das Geplapper aus der großen Halle wurde immer leiser bis die einzigen Geräusche nur noch seine eigenen weiche Schritte und sein noch leiserer Atem war. Snape's Herzschlag jedoch pochte ihm in den Ohren.

Er schlüpfte durch sein Büro und klopfte an die Tür zu seiner Wohnung, plötzlich schüchtern, was ganz untypisch für ihn war.

Die Tür schwang geräuschlos auf und er trat ein, hörte, wie die Tür hinter ihm wieder ins Schloss fiel. Hermine stand am Kamin; Ihre Haare waren noch wirrer als sonst, als ob sie mehrmals mit den Händen durchgefahren wäre. Es war warm im Zimmer, das Feuer war entfacht und loderte. Sie sah auf, als er da stand und ihre Augen glitzerten im Kerzenschein; keine Tränen, sondern etwas Tieferes - und Snape versuchte sich einzureden, dass es nur ein Widerschein seiner eigenen Gefühle war.

Diese Überzeugung konnte jedoch nicht aufrechterhalten werden als sie sich, ohne ein Wort zu sprechen, in der Mitte des Zimmers trafen und Snape zum zweiten Mal innerhalb einer halben Stunde in den Arm genommen wurde und Lippen die seinen berührten.

Dieses Mal jedoch fühlte er keinen Ekel und nichts was ihn zurückweichen ließ; nur ein brennendes Verlangen nach mehr Nähe und danach, sich der Umarmung und dem Kuss noch mehr zu öffnen.

Das Feuer knackte und zischte hinter ihnen, als ein Holzscheit vom Feuer gespalten wurde; sie bemerkte es nicht und Snape fühlte nur Hermine, die sich an ihn lehnte, ihn umarmte. Alle Empfindungen reduzierten sich auf sie, das Gefühl der Vollständigkeit und völligen Hingabe zueinander; der Druck ihres warmen, weichen Mundes auf seinem - die Spannung zwischen ihnen löste sich auf je dichter sie einander kamen, und am Ende gab es für Snape nur noch Hermine. Nichts anderes existierte und nichts anderes war noch wichtig für ihn, genau hier und jetzt.






Teil 35 - Das Feuer der Verfeinerung



Hermine war aus dem Garten geflüchtet. Zumindest war sie mit zügigen Schritten davon gegangen - Snape floh nicht und sie war noch geistesgegenwärtig genug sich ins Bewusstsein zu rufen, dass der Leiter des Slytherin-Hauses nicht durch die Schule laufen durfte wie ein hysterischen Schulkind. Nicht einmal für Dumbledore konnte sie sich der brodelnden Masse Teenager-Hormonen, die die große Halle zur Zeit durchdrang, noch einmal stellen. Für diesen einen Abend musste die Disziplin in Hogwarts ohne die Hilfe von Professor Snape aufrecht-erhalten werden. Sie musste dringend zurück in ihre Räume um einen ruhigen Platz zu finden, an dem sie ihre Gedanken ordnen und sich klar darüber werden konnte, was sie da eigentlich gerade getan hatte.

Schnell ging sie durch den inzwischen vertrauten Korridor zu den Kerkern, die Stirn gefurcht in dem Bemühen ganz wie Snape zu wirken, den Eindruck von gesammelter Energie der sie normalerweise ohnehin schon umgab, unbewusst durch ihre Besorgnis und Versunkenheit noch verstärkend. Ihr Benehmen reichte aus, um jeden Schüler zu Tode zu erschrecken, der dumm genug gewesen wäre, Snape's gewöhnliche Strecke nicht zu meiden; aber die Ironie des Ganzen war eigentlich, dass hinter jeder Statue eine Orgie der Hufflepuffs hätte stattfinden können und sie hätte nichts gemerkt, so sehr war sie eingesponnen in den Treibsand ihrer eigenen Verwirrung.

Glücklicherweise wachte eine gütige Göttin über sie und so erreichte sie ihre Räume, ohne irgendeine offensichtliche Übertretung der Schulregeln übersehen zu haben; etwas, was vermutlich mehr Bemerkungen hervorgerufen hätte als alles andere, was sie hätte tun können - nun, ausgenommen vielleicht das, was sie gerade beabsichtigte . ..

Automatisch hob sie die Verschlusszauber auf, fühlte die Erleichterung, als sich die Tür hinter ihr mit einem sanften Klick schloss, die Schule hinter sich lassend; sie bewegte sich sicher und selbstverständlich zwischen den Möbeln, als ob dieses jetzt wirklich ihre Räume wären. Das Feuer war in ihrer Abwesenheit angezündet worden und verbreitete eine angenehme Wärme. Hermine ging näher, lehnte sich an die Wand des Kamins und atmete tief ein und aus, um die Februar-Kälte zu vertreiben und um ihre eigenen aufgewühlten Gedanken zu beruhigen.

Der Geruch der Nacht hing noch immer in ihrer Robe und führte sie unmittelbar zurück zu dem Gespräch im Garten. Sie hatte ihn nach dem Ball in ihre Räume eingeladen. Oder zumindest hatte sie vorgeschlagen, dass er noch einmal vorbeikommen sollte um die Versuchsreihen zu kontrollieren. Was glaubte er wohl, was sie meinte? Hatte er das als Einladung zur weiteren Arbeit an den Tränken aufgefasst oder dachte er vielleicht, dass mehr dahinter steckte? Angenommen sie hatte ihn falsch verstanden? Angenommen sie irrte sich? Angenommen ...

Hermine schüttelte ihren Kopf energisch, als ob diese Bewegung ihre wilden Gedanken bändigen könnten, herunterschütteln, wie das Quecksilber in einem Thermometer. Sie zitterte und versuchte sich selber einzureden, das Kälte der Grund war, das er in das Arbeitszimmer kommen würde und einfach die Kessel kontrollieren, das er gar nicht würde kommen wollen - nicht würde kommen können , dass es einfach zu kompliziert war, dass es ihr egal war. Sie fuhr mit ihren Händen durch die Haare, brachte es damit noch mehr in Unordnung als gewöhnlich und entfernte sich vom Feuer, ging über den Teppich auf die andere Seite, aber ihre Gedanken kamen mit ihr. Sie fuhr sich ein weiteres Mal durchs Haar, verzwirbelte es noch mehr und hörte auf mit dem hin und herlaufen. Es war völlig sinnlos sich selber einzureden, das es egal wäre, wenn die Enge in ihrer Brust und ihrer Kehle und ihrer Leisten eine ganz andere Geschichte erzählten.

Was viel wichtiger war, hatte er vielleicht seine Meinung geändert in der Zeit zwischen Ihrem Gespräch und dem Verlassen des Balles?

Schon die versuchsweise Annäherung an diesen Gedanken, schnürte ihr die Kehle zu und ließ ihre Augen brennen. Sie biss sich auf die Lippe, ärgerlich über sich selbst, dass sie dieses pubertäre Drama zuließ. Wenn - falls überhaupt - er kam, würde sie ruhig sein, sie würde ihm Tee anbieten, sie würden darüber reden wie zwei Erwachsene und würden eine vernünftige Lösung für ihr weiteres Vorgehen finden.

Sie bewegte sich zurück zum Feuer, brachte ihr Haar ein drittes Mal innerhalb kurzer Zeit durcheinander und fing an, sich die Worte zurecht zu legen, die sie sagen würde.

Sie war ungefähr bis zur Hälfte gekommen, als es leicht an die Tür klopfte. Eine Veränderung der Atmosphäre, ein Dufthauch, zu fein um ihn zu bestimmen, das Bewusstsein, dass er im Raum war. Sie drehte sich ihm zu, die Einladung zum Tee vorbereitet und fertig auf ihrer Zunge und stellte fest, dass andere Instinkte, tiefer und kraftvoller als der Verstand, bereits ihre Beine in seine Richtung in Bewegung gesetzt hatten. Während dieser paar Schritte auf ihn zu, nahm sie sein Gesicht in sich auf, blass mit roten Flecken auf den Wangen, seine Lippen leicht geöffnet, die Zunge hervorschießend um sie anzufeuchten, seine Augen umschattet, als ob er sich nicht sicher war, wie er empfangen werden würde. Als sie ihn erreichte, legte sie ihre Arme um ihn, zog ihn an sich, ihr Mund blind den seinen suchend, jede Aussicht auf eine sachliche Aussprache wurde hinweggewischt von anderen, wichtigeren Bedürfnissen.

 

Mitten in Snape's Wohnzimmer schmiegte sie sich an ihn, Körper an Körper, alles um sich herum vergessend und nur noch seinen Mund auf ihrem fühlend; sich unter ihrem Kuss öffnend, berührte seine Zunge sacht ihren Mund, sanft, fast als würde er um die Erlaubnis bitten, fortzufahren. Und sie erwiderte seine Berührung, genauso sanft, ließ ihre Zunge über seine gleiten und in seinen offenen Mund hinein, wozu Victor sie einmal ermutigt hatte, aber es war ein flüchtiger Gedanke und das damals hatte keinerlei Ähnlichkeit mit diesem hier, nicht dieser Sturm von Geschmack und Berührung und Geruch der ihre Sinne einnahm und das Blut zu dem Platz zwischen ihren Beinen jagte. Sie spürte wie Snape sich an sie drängte und wie ein Blitzstoß schossen Empfindungen durch ihren Körper und direkt in ihren Schoß. Ganz von allein entstand ein gedämpfter Laut tief in ihrer Kehle und ihr wurde bewusst, dass sie eindeutig hart wurde.

Ob er ihre Erregung bemerkt hatte oder ob der Laut ihn verunsicherte, wusste sie nicht, aber er löste sich von ihr und trat zurück, sah sie einfach an, seine Hände immer noch auf ihren Armen, sanft streichelnd. Sein Gesicht war gerötet und er atmete schwer, aber er machte nicht den Eindruck, als ob er etwas sagen wollte. Sie wusste, dies war der Punkt an dem alles noch zu stoppen war. Sie könnte ihn bitten zu gehen und er würde sich einfach zurückziehen. Oder er könnte sich abwenden, verlegen irgendwelche Entschuldigungen murmelnd und sie würde nichts tun, um ihn aufzuhalten. Aber sie war nicht gewillt diesen Schritt zu tun, die jenige zu sein, die den Schritt zurück über die Grenze von Sicherheit und Verstand machte. Er hob eine Hand von ihrem Arm und streichelte über die Seite ihres Gesichtes, zeichnete die Konturen ihres Wangenknochens nach und strich über ihren Mund. Sie griff nach seiner Hand, presste seine Fingerspitzen an ihre Lippen und fuhr mit ihrer Zunge an der Innenseite der Finger entlang. Seine Lider flatterten und schlossen sich kurz über den Augen.

Offensichtlich wollte er dieses genauso wenig beenden wie sie.

Sie hob ihre andere Hand und legte sie um seine Wange. Die Haut fühlte sich weicher an, als sie sie in Erinnerung hatte und irgendwie fremder. Er befeuchtete wieder seine Lippen.

„Hermine", sagte er leise, in einem Ton der auch eine Frage sein konnte.

„Es ist in Ordnung," erwiderte sie, wissend, dass er eine Antwort brauchte und sich gleichzeitig unangenehm des Drucks in ihrer Leiste bewusst war.

Er wandte seinen Kopf um ihre Hand zu küssen und sie fühlte seine Zunge ihr Fleisch kosten, so wie sie vorher seins gekostet hatte.

Und keine weiteren Worte, keine Aussprache war mehr nötig zwischen ihnen. In stiller Übereinkunft bewegten sie sich in Richtung des Schlafzimmers, ohne zu sprechen, ohne die Hände voneinander zu nehmen. Im Zimmer sprach Hermine ein einziges Wort und sanftes Licht umgab sie. Sie fühlte sich plötzlich unsicher, absurd, in Anbetracht dessen, was gerade eben zwischen ihnen geschehen war. Aber jetzt, jetzt wo sie mit Sicherheit den Punkt erreicht hatten, an dem es kein zurück mehr gab, jetzt war sie unsicher, wie sie den nächsten Schritt machen sollte ohne es zu verderben; zum ersten Mal in ihrem Leben wusste sie nicht wie sie eine Frage stellen sollte, oder ob überhaupt. Sie schluckte nervös, fragte sich, ob es etwas gäbe, was sie jetzt sagen oder tun sollte. Fragte sich, ob es so was wie eine ungeschriebene Regel gab, die besagte, dass der Mann den ersten Schritt machen muss. Snape selber war keine Hilfe; er betrachtete sie mit der gleichen gespannten Aufmerksamkeit wie er sie auch beim Zubereiten eines Trankes an den Tag legte.

Scharf trat es in ihr Bewusstsein, wie der Stoff der Hose über ihr Glied rieb und wie trocken ihr Mund war, sie machte ein kleinen Schritt vorwärts und legte vorsichtig ihren Mund auf seinen.

Und es war, als ob etwas befreit worden war. Snape's Arm umfasste sie und wieder vergaß sie alles um sich her, während sie seinen Mund erkundete. Aber diesmal war sein Mund nicht genug; sie wollte seinen Körper erkunden - ihren Körper. Schließlich war es genau das, wovon sie in den letzten Monaten geträumt hatte. Ohne den Kuss zu unterbrechen, wich sie soweit zurück, dass sie Snape's Jackenknöpfe erreichen konnte. Sie tastete ein bisschen umher und erschrak etwas, als er sich bewegte, um es ihr leichter zu machen.

Zusammen schafften sie es, die Jacke zu öffnen und sie fuhr mit ihrer Hand über den seidigen Stoff der Weste, die er darunter trug, und umfasste eine seiner Brüste. Der Stoff rutschte unter ihren Fingern und sie fühlte etwas Hartes darunter - seine Brustwarze. Hermine hatte das Gefühl luxuriösen Stoffes auf ihrer Haut immer sehr genossen und wenn sie an Snape's Vorliebe für Kaschmir dachte, so schien er diese Vorliebe zu teilen. Zart drückte sie den Nippel durch den Stoff und wurde mit einem undeutlichen Laut belohnt, der irgendwie in direkter Verbindung zu ihrem Schoß stand. Sie erbebte und trat zurück, ihn mit sich zum Bett ziehend.

Mehr Ermunterung benötigte er nicht. In der kurzen Spanne zwischen Senkrechter und Horizontaler gelang es ihr die Lehrerrobe und das Jacket abzustreifen und die Stiefel weg zu schießen. Sie hatte nicht das Gefühl, dass Snape auch nur eine Sekunde seine Hände von ihr genommen hätte und doch trug auch er nur noch das Seidentop und die Hosen als er sich neben sie legte.

Und dann verlor sie sich völlig in dem Gefühl ihn zu erkunden, Hände und Lippen wanderten über sein Gesicht, seine Schultern, seinen Kopf. Mit einer Hand schob sie das Top nach oben, das er trug und er kam ihr mit einer Bewegung entgegen und ermöglichte es ihr so, es ihm über den Kopf zu ziehen. Seine Reaktionen auf das was sie tat, waren nicht zu übersehen; hart drückten sich seine Brustwarzen durch den dünnen Stoff des Büstenhalters. Zart, fast neugierig, fuhr sie mit ihren Fingern über den Stoff, über den harten Punkt darunter. Snape schauderte und hob sich ihr entgegen und unbewusst lächelte sie.

In dem Sommer ihres vierten Jahres in Hogwarts hatte Hermine ein gewisses Maß an praktischer Forschung auf dem Feld der internationalen, zwischenmenschlichen Beziehungen mit einem Victor Krum betreiben können. Nun ja, es war sozusagen nur ein Kurzzeit-Projekt gewesen und seither hatte sich nicht wirklich eine neue Gelegenheit ergeben; die Aufgabe Harry und Ron am Leben zu halten, zum Beispiel, kam immer dazwischen. Aber das und einige genaueste Untersuchungen ihres eigenen Körpers hatten ihr eine klare Vorstellung davon vermittelt, was sich gut anfühlte. Sie umfasste wieder Snape's Brust mit einer Hand und drückte sie zärtlich. Als er sich ihrer Hand entgegen schob, fuhr sie mit der anderen Hand am Saum seines BH's entlang bis sie zum Verschluss kam. Mit großer Gewandtheit, erworben in vielen Jahren praktischer Erfahrung, schnippste sie den Verschluss auf und zog das Stoffteil weg.

Sie zog ihren Finger über das nun nackte Fleisch und dieses Mal wimmerte er. Dieser Laut fand seine direkte Resonanz in ihrem Schoß und sie musste sich zusammen nehmen um sich nicht dort zu berühren; sie wollte nicht, das dies schon vorbei wäre, nicht so schnell. Sie streichelte Snape wieder, umkreiste seine Brustwarzen, gab sich dem Gefühl der Vertrautheit mit diesem Körper hin, wusste, wie es sich anfühlen sollte, ohne es wirklich zu wissen;

Sie hatte mit Victor erste Erfahrungen gesammelt, aber es war nie über einige Berührungen und Küsse hinaus gegangen, das hieß, sie war noch Jungfrau. Aber sie hatte einige sehr bestimmte und detaillierte Vorstellungen davon wie ihr erstes Mal sein sollte und es wurde ihr schockartig bewusst, das sie hier die perfekte Chance hatte, dieses Szenario genau nach ihren Wünschen gestalten zu können; die ultimative Umsetzung ihrer erotischen Phantasien. Eine Welle der Begierde floss durch sie hindurch, als sie ihren eigenen Körper ansah; plötzlich wollte sie ihn besitzen, von innen wie von außen, wollte ihn äußerlich erfahren, wie sie es niemals wieder würde tun können, wenn die Alraunen erst einmal fertig waren.

Sie neigte ihren Kopf und küsste das zarte Fleisch von Snape's Busen, schmeckte die Haut, sinnliche Empfindungen gefiltert durch Geschmacksknospen die nicht zum gleichen Körper gehörten. Mit jedem kleinen Kuss näherte sie sich seinem Nippel und nahm ihn dann in ihren Mund, ließ ihre Zungenspitze seine Knospe umspie