DAS FEUER UND DIE ROSE
(THE FIRE AND THE ROSE)


von Metro Vampire und Rhosymedre


Übersetzung: Chrissstine, Faris-Eirin, Emi, Alex, Serpentina, Tina, Anna, Shoshana ...

Die Originalstory ist auf www.potions-master.com zu finden. Vielen Dank, dass wir die Story übersetzen dürfen.

Feedback: Anne und Abby




Teil 25 - 31



Teil 25 - Hundstag Nachmittag

Teil 25 - Hundstag Nachmittag

 

 

Hermine kümmerte sich um ihre eigenen Angelegenheiten im Zaubertränke-Raum und genoss den Luxus studieren zu können, ohne unter Druck zu stehen, ihre duale Identität aufrecht zu erhalten. Mit einem Auge wachte sie über ihrem neuesten Versuch den genauen Grund ihres Dilemmas herauszufinden. Auch wenn sie wusste, dass ihre Situation nicht ewig andauern würde - die Alraunwurzeln würden irgendwann reifen -, so war sie genauso wie Snape daran interessiert, die frustrierende Mixtur zu einer Liste von Zutaten, einer Brau-Anleitung und einer leicht verständlichen Formel reduziert zu sehen. Dies konnte sich vielleicht irgendwann als nützlich erweisen, ja, aber mehr als das; sie wollte es vor allem wissen.

 

Es war gerade einer dieser Momente, in der ihre Nachforschung die Phase von auf kleiner Stufe für 24 Stunden köcheln lassen erreicht hatte und so nur sehr wenig Aufmerksamkeit verlangte. Der grössere Teil ihres Verstandes war gerade mit der letzten Ausgabe von Artis Auriferae beschäftigt, und sie hoffte, dass sie damit fertig war, bevor Snape wieder kam und zurückforderte was, rein technisch gesehen, sein Besitz war.

 

Der Gedanke an Snape liess sie auf die Uhr schielen und wundern, wo er blieb. Er war in die Grosse Halle zum Mittagessen gegangen, und sie hatte den Vorteil ihrer Position ausgenutzt und war in die Küche gegangen, um ein Tablett mit Esswaren von den Hauselfen zu bekommen. Es war nun halb sechs Uhr und bereits seit einigen Stunden dunkel. Sie wollte gar nicht erst über den Zustand seiner Laune spekulieren, sollte er die ganze Zeit bis jetzt mit Harry und Ron verbracht haben.

 

Humor kämpfte mit Erleichterung, und ihr Mund zuckte kurz bei dem Gedanken, dass er, lieber denn sie, einer ernsthaften Diskussion über die konkurrierenden Vorzüge verschiedener Besenstiel-Polituren beiwohnen musste.

 

Als ob der Gedanke daran das Geschehen beschleunigt hätte, öffnete sich die Türe des Raumes mit einem Knall um einer aufständisch aussehenden Schulsprecherin Einlass zu gewähren, welche all die üblichen Symptome von jemandem aufwies, der eine bedeutsame Menge an Stress loswerden wollte.

 

Hermine legte das Pergament in ihrer Hand hin und wartete darauf, dass er etwas sagte.

 

Er stolzierte zum Experiment hinüber und starrte es anklagend für einige Augenblicke an.

 

"Es hat den ganzen Nachmittag geköchelt.", bemerkte sie, "Ich habe es nicht angefasst. Ich habe nur hier gesessen und gelesen."

 

"Nun, ich bin froh, dass wenigstens einer von uns einen produktiven Nachmittag hatte.", kam die Antwort.

 

"Ich nehme an, dass der Ausflug nach Hogsmeade etwas anstrengend gewesen war."

 

Er drehte sich zu ihr um.

 

"Lassen Sie mich mal überlegen… Ich wurde mit Butterbier zwangsgefüttert.", seine Nase kräuselte sich, als er die Punkte mit seinen Fingern abzählte, "Zwar wurde ich von einem Ausflug zu Wood's Quidditch-Zubehör verschont, aber mir wurde anschliessend das Erlebnis in so liebevoller Einzelheit erzählt, dass ich den Unterschied beinahe nicht spüren kann. Als Belohnung haben mir Mr Potter und Mr Weasley erlaubt, den Buchladen zu besuchen."

 

Sie konnte sich nicht helfen; sie fühlte ihren Mund sich zu einem gänzlich mitleidslosen Grinsen verziehen.

 

"Und jetzt ich bin nach Hogwarts zurückgekehrt um das Objekt Ihrer Unterhaltung und Belustigung zu werden. Wieso sollte ich nicht überwältigt vor Freude sein?"

 

"Sie können manchmal ein bisschen zu viel werden, wenn sie mit Quidditch anfangen, nicht wahr?", sagte sie, und es gelang ihr sogar, etwas Mitgefühl in ihre Stimme einfliessen zu lassen - wenn auch ihr Gesicht immer noch nicht kooperieren wollte.

 

"Ein bisschen", sagte er ironisch. "Ich hatte keine Ahnung, dass es überhaupt möglich ist, so lange über Roben zu diskutieren. Es scheint, als hätten die Chudley Cannons ihre Roben von jemandem mit dem Namen Philomena Plinge neu gestalten lassen. Die Meinungen über Madame Plinges Fähigkeiten gehen jedoch weit auseinander. Mr Weasley ist der Ansicht, dass sie das Orange etwas blasser gewählt und die Grösse des Cannon-Balles sehr zum Nachteil des traditionellen Erscheinungsbildes verändert hat. Seine Auffassung über den Wechsel der Schriftart von 'serif' zu 'sans serif' im Monogramm sind bar jeder Wiederholung. Mr Potter hingegen ist eher uninteressiert an den Aspekten der Eleganz in dieser Hinsicht. Er fürchtet, dass die muschelförmige Gestaltung des Saumes, zusammen mit der dekorativen Reliefstickerei, die Chancen einer gefährlichen Verwicklung mit den Zweigen des Besens dramatisch erhöht. Des Weiteren ist er überzeugt, dass die Aufweitung der Manschette, kombiniert mit den neuen 3/4-Ärmeln, eine unüberwindbare aerodynamische Problematik selbst für die qualifiziertesten Sucher darstellt. Kurz gesagt, sie sind übereingekommen, dass das Management der Cannons ein grauenhaftes Fehlurteil gefällt hat, und, was noch schlimmer ist, dass die neuen Roben 'mädchenhaft' sind."

 

Hermine hatte ihre Hand während dieser Hetzrede über ihren Mund halten müssen. Wäre es nicht Snape gewesen, hätte sie annehmen müssen, dass er sich in Szene setzen wollte.

 

"Ich glaube," schloss er mit einem Seufzer, "dass Mr Potters und Mr Weasleys Quidditch-Diskussionen sogar schlimmer sind als Miss Brown und Miss Patil beim Schönheitstipps-Austauschen. Ich gestehe, dass ich unfähig bin zu verstehen, wie Sie sechseinhalb Jahre Ihrer Schulzeit durchgestanden haben, ohne mindestens ein Mal Ihre Mitbewohner zum Schweigen zu verhexen."

 

Hermine zuckte etwas scheu mit den Schultern.

 

"Nach einer Weile lernt man es auszufiltern."

 

Er schaute sie an als ob er gleich etwas sagen wollte, doch statt dessen verschränkte er nur seine Arme.

 

"Und das ist nicht alles.", fuhr er fort, "Ich habe im 'Drei Besen' ein weiteres interessantes Stückchen an Information herausgefunden." Er machte eine Pause. "Ich habe erfahren, dass ich Pläne habe, die Weihnachten bei der Weasley-Familie zu verbringen."

 

Hermine versteifte sich in einer Mischung aus Schock und Schuld. Sie hatte das Arrangement komplett vergessen, geplant während des Sommers von Molly Weasley und ihren Eltern, dass sie die Weihnachtsferien im Fuchsbau verbringen sollte. Sie hatte sich zwar gleich zu Beginn daran erinnert, als sie immer noch geglaubt hatte, das ihr Problem leicht zu lösen war, bevor es ein Problem sein würde. Und dann hatte die Notwendigkeit Snape zu sein Überhand gewonnen, und sie hatte sich allmählich bis zu einem solchen Grad in ihrer Rolle eingefunden, dass ihr Leben als Hermine ihr ein Gefühl der Unwirklichkeit vermittelte. Sie wusste nicht, ob sie sich schuldig fühlen sollte, es vergessen zu haben Snape zu sagen, oder ob sie schockiert sein sollte, so viel vom Sinn ihrer Selbst verloren zu haben.

 

Nun, da sie daran erinnert worden war, gab es noch eine weitere Tatsache die er nicht mögen würde.

 

"Nicht nur das.", fuhr er fort, "Mir wurde auch gesagt, dass wir alle von Sirius Black dorthin eskortiert würden."

 

Ah. Also wusste er auch davon.

 

Im Laufe ihrer kurzen Zeit als Hauslehrer von Slytherin hatte sie entdeckt, dass die Freiheit - und, in der Tat, die Unschuld - von Sirius Black so etwas wie ein offenes Geheimnis unter den Lehrern geworden war. Wie dem auch sei, sie hatte sich nie direkt nach Snapes Meinung zu diesem Thema erkundigt.

 

"Ähm…", begann sie, nicht sicher wie sie ihn ansprechen sollte. Heute Morgen hatte sie ihn neckenderweise Severus genannt. Dies jedoch fühlte sich nicht wie ein Moment zum necken an. Aber ihn Professor zu nennen würde sie viel zu stark wie ein Bittsteller fühlen lassen. Das wäre zu untypisch für ihn. Es war auch, musste sie zugeben, untypisch für die Person, welche sie in sich selbst zu entdecken begann.

 

Glücklicherweise schien er vorauszuahnen, was sie gerade dabei war zu sagen.

 

 

"Sie müssen sich nicht sorgen, Hermine. So sehr ich auch Black nicht ausstehen kann, so werde ich keine Auroren herbeirufen, wenn ich ihn zu Gesicht bekomme." Er machte eine Pause, lange genug für sie zu registrieren, dass er ihren Vornamen benützt hatte, und dass sein Ton milder gewesen war, als sie erwartet hätte. "Wie dem auch sei", sagte er mit einigem Nachdruck, "es wäre hilfreicher gewesen, diese Information gewusst zu haben, bevor ich mich an meinem Butterbier verschluckt habe."

 

"Es tut mir leid", sagte sie reumütig. "Mit dem ganzen drum und dran ist es mir komplett entfallen. Ich hatte gehofft, dass wir... Sie... ", sie gestikulierte in Richtung des laufenden Experimentes, sich unangenehm bewusst, dass sie zu sehr wie die alte Hermine klang und es absolut nicht zu Snape passte.

 

Falls er es bemerkte, kommentierte er es nicht.

 

"Ja, nun", sagte er müde, "ich nehme an, es gibt keinen Ausweg für mich?"

 

Sie schüttelte ihren Kopf.

 

"Meine Mutter und Mrs Weasley haben es letzten Sommer arrangiert. Ich bin nicht eingetragen in der Schule zu bleiben, und es gibt auch keine entsprechende, unterzeichnete Erlaubnis. Wenn Sie nicht dorthin gehen, dann müssen Sie nach Hause... zu mir nach Hause.", erläuterte sie.

 

Sie dachte darüber nach. Der Fuchsbau war vermutlich einfacher für ihn. Es war ihm bereits gelungen, Harry und Ron in der Schule zu täuschen, und sie glaubte nicht, dass einer der anderen Weasleys sie besser kannte. Er würde es vermutlich schaffen, im allgemeinen Chaos unterzugehen. Sie wies ihn darauf hin und er nickte zuerst widerwillig, sah dann aber etwas unbehaglich aus.

 

"Heisst dies, dass ich…", er zögerte kurz, "Geschenke mitbringen soll?"

 

Beinahe hätte sie wieder gelächelt.

 

"Ja", sagte sie und genoss den Anblick, als er sichtbar versuchte, seine Besorgnis bei diesem Gedanken zu verbergen. Nach einem weiteren Moment hatte sie schliesslich Erbarmen mit ihm. "Machen Sie sich keine Sorgen. Sirius wird erst in ein paar Tagen kommen. Ich werde etwas Zeit zum Einkaufen finden und ein paar Dinge für Sie zum Mitnehmen besorgen. Ich muss so oder so für meine Eltern noch etwas finden."

 

"Ich habe mich nicht deshalb gesorgt.", antwortete er heftig, "Ich habe einfach noch nie einen Gedanken über Potters oder Weasleys persönlichen Geschmack verschwenden müssen."

 

Sie entschied die Lüge ohne weitere Bemerkung passieren zu lassen. Die Vorstellung, dass Snape gezwungen war Harry Potter ein Weihnachtsgeschenk zu überreichen, war genug Belohnung in sich selbst.

 

Er öffnete seine verschränkten Arme und ging hinüber zum Arbeitsbereich. Ein paar Minuten später kehrte er zu Hermine zurück mit zwei Tassen heissen Kaffees. Sie nahm ihm eine ab und staunte über die Tatsache, dass er ihr einen Kaffee gemacht hatte ohne vorher zu fragen. Sie nippte vorsichtig und beobachtete ihn, während sie auf seinen nächsten Zug wartete.

 

Er trank aus seiner Tasse und seufzte erneut.

 

"Und wenn dies nicht alles schlimm genug wäre, so habe ich das Vergnügen eines Frau-zu-Frau-Gespräches mit Miss Lacock morgen Nachmittag."

 

Hermine begann aufgrund seines leidenden Tonfalles zu lächeln.

 

"Vielleicht gesteht sie, jemanden anderen gefunden zu haben?", schlug sie mit einer Andeutung von Unfug vor.

 

"Die Götter sind nicht so gnädig zu mir.", erwiderte er scharf. "Ich werde zweifellos eine Stunde damit erdulden müssen zu hören, wie süss und, ohne Zweifel, missverstanden ich bin."

 

Sie versuchte ein Grinsen zu unterdrücken, welches ihre emotionslose Maske zu bedrohen wagte. Sie stellte ihren Kaffee ab und ging in den vorderen Teil des Klassenraumes um etwas vom Pult zu holen.

 

"Ich nehme an, dass Sie in dem Fall dies hier nicht sehen wollen." Sie händigte ihm den Gegenstand aus, sein Gesicht genauestens beobachtend. "Ich habe es auf dem Pult gefunden, als ich mit meinem Mittagessen von der Küche zurückkam."

 

Es war eine Weihnachtskarte.

 

Die Karte war etwa 10 x 25 cm gross, und das Bild eines kleinen, zerzausten Hundebabys mit grossen, flehenden Augen nahm die Vorderseite ein. Es trug eine rote, samtene Weihnachtsmann-Mütze, welche nach vorne über eines der Augen fiel, und ein Ohr lugte unter dem weissen Pelzrand hervor. Der Welpe hatte eine grün-rot karierte Fliege um den Hals und sprang verspielt aus einer halb eingepackten Geschenkbox hinaus und wieder hinein, freudig das grün-silberne Papier zerknitternd. Ausserdem hatte er ein grünes Samtband im Mund, welches offensichtlich ein Teil der Verpackung gewesen war. Darüber war eine kunstvoll gearbeitete Girlande zu sehen, an der ein grosser Zweig Misteln hing.

 

Snapes Gesicht war unbeschreiblich..

 

Er öffnete die Karte mit der Vorsicht eines Gringotts-Fluchbrechers, der sich einer besonders suspekten Gruft näherte.

 

"An Professor Snape", las er mit erstickender Stimme, "Vielen Dank für alles, was sie für mich getan haben. Ich wünsche Ihnen wundervolle Weihnachten und ein fabelhaftes, neues Jahr. Mit Liebe von Alice."

 

Hermine wartete, als die verschiedenen Emotionen über sein Gesicht zogen.

 

"Alles ist unterstrichen", sagte er schliesslich in einem seltsam flachen Tonfall. "Drei Mal. Und Ich glaube nicht, jemals so viele Ausrufezeichen auf einmal gesehen zu haben. Und es hat x's überall am unteren Rand."

 

"Küsse", bemerkte Hermine helfend, "Das sollten Küsse darstellen."

 

Sie versuchte sich schuldig zu fühlen, ihn auf diese Weise aufzuziehen, doch es machte einfach zuviel Spass.

 

Snape sah aus, als ob sie soeben bekannt gegeben hätte, dass sie einen neuen unverzeihlichen Fluch erfunden hatte.

 

"Ich muss ein ernstes Gespräch mit Miss Lacock führen." Er starrte sie zornig an. "Und Sie, Miss Granger, scheinen so viel Vergnügen daran haben, dass ich die Fehlerlosigkeit des Sprechenden Hutes in Frage stellen muss."

 

"Wenigstens hat sie keine niedlichen Rechtschreibfehler miteingebracht."

 

"Es gibt nichts dergleichen wie einen niedlichen Fehler", wies er sie giftig zurecht.

 

Sie schluckte ihr aufkeimendes Lachen hinunter und brachte dabei ein Geräusch zwischen Schnauben und Ersticken hervor. Er schenkte ihr einen weiteren bösen Blick und rollte mit den Augen.

 

"Mit Sirius Black und Miss Lacock ist es diese Weihnachten wohl meine Bestimmung, von Hunden umgeben zu sein." Sie konnte erkennen, dass die Neuigkeit bezüglich Sirius immer noch an ihm nagte, ungeachtet seiner früheren Zusicherung. Etwas schien ebenfalls Snape in diesem Moment in den Sinn zu kommen, denn er warf ihr einen weiteren, ziemlich unbehaglichen Blick zu. "Ich nehme an, Black ist ein Freund von Ihnen?", fügte er widerwillig hinzu.

 

Sirius war Harrys Pate und deshalb ein Freund per se. Abgesehen davon hatte Hermine nie näheren Kontakt zu ihm gehabt. Sie wies Snape darauf hin und ergänzte neutral: "Harry ist immer etwas zu kurz gekommen, wenn es um eine Familie ging, die sich genug sorgt, um Interesse an ihm zu zeigen."

 

Snape murmelte etwas, das sie nicht ganz verstehen konnte, doch etwas zwang sie mit Sprechen fortzufahren; um einen Gedanken zu ergänzen, der ihr zwar des öfteren in den Sinn gekommen war, welchen sie aber nie gegenüber Harry oder Ron erwähnen konnte, so wie sie Sirius anbeteten.

 

"Wohlgemerkt", sagte sie nachdenklich, "Ich hatte immer den Eindruck, dass er mehr zu der Sorte Menschen gehört, die glauben, dass seine Nase zwischen die Beine der anderen Person zu stecken, eine angemessene Form der Begrüssung ist."

 

Es herrschte einen kurzen Moment Stille, während Snape sie bloss anstarrte und dann, abrupt, zu lachen begann. Es war ein entspanntes, natürliches Geräusch; vielleicht das erste Mal, dass er sich für sie aufrichtig glücklich anhörte. Sie fiel mit ein, halb als Antwort auf ihren eigenen Witz, halb erleichtert über das Loswerden der Spannung, welche sich während des Schuljahres aufgebaut hatte. Als sie ihn anschaute, war sie plötzlich gefangen von der Wärme und der unerwarteten Offenheit in seinen Augen, und es war ebenfalls etwas anderes dort; ein unerwarteter Funke, eine Tiefe, die von etwas ganz anderem erzählte. Etwas, das die physische Form zur Irrelevanz zurückstufte; etwas, das sie fühlen liess, als ob sie am Körper vorbei in den Verstand dahinter blickte - Snapes Verstand. Sie realisierte, mit einem plötzlichen Schwindelgefühl, dass, obwohl sie immer sich selbst angeschaut hatte, sie nur Snape gesehen hatte.

 

Es war ein Moment perfekten Verstehens.

 

Das Lachen starb auf ihren Lippen, und in diesem Moment bemerkte sie, dass auch Snape still war und sie, ohne sich zu bewegen, aufmerksam beobachtete. Sie spürte ein Ziehen in ihrer Magengegend - und an einem anderen Ort. Mehr dem Instinkt als irgendeinem rationalen Gedanken gehorchend, machte sie eine kleine Bewegung zu ihm hin. Erneut flammte etwas, dunkel, tief und gefährlich, in seinen Augen auf,

 

Falls ich diesen Schritt vollende, wird er mich stoppen?

 

Dies war mehr, als sie im Moment bereit war, sich damit zu befassen.

 

Sie brach den Augenkontakt in dem Moment ab, als er einen Schritt zurücktrat. Die aufgeladene Atmosphäre veränderte sich zu einer unbehaglichen Stimmung. Snape murmelte etwas vor sich hin und verliess hastig den Raum.

__

 

Hermine sass in Snapes Zimmer, trug Snapes Kleider und war umgeben von Snapes Besitz. Eines von Snapes Büchern lag geöffnet auf ihrem Schoss, und neben dem Sessel stand eine Tasse Kaffee, gebraut aus Snapes Vorrat und serviert in einer von Snapes Tassen. Der Hermine-Teil des Zimmers beschränkte sich auf eine Ecke des grossen Tisches und etwas Platz auf einem der Bücherregale. Sie sagte sich selbst, dass sie am Lesen war, doch in Wirklichkeit versuchte sie Abstand zu dem zu gewinnen, was heute Nachmittag zwischen ihnen passiert war; etwas, das für sie immer schwerer wurde, war sie doch erfüllt mit der Notwendigkeit, genau die Person zu sein, von welcher sie sich befreien wollte.

 

Ungeachtet Snapes Vorbehalten bezüglich des Sprechenden Hutes, war Hermine nicht der Typ, der vermied [,] sich den Dingen zu stellen. Manchmal brauchte sie eine Weile um ihre Gedanken zu ordnen, aber dies resultierte in einer Analyse der Situation und nicht in einer Flucht vor der Realität. Und die Realität war, dass sie sich von Snape angezogen fühlte. Sie wusste bereits über seinen Körper Bescheid; hatte sie diesen in den letzten Monaten mit ausreichendem Enthusiasmus erkundet. Und sie hatte seinen Verstand genossen für... nun, dies hatte sich etwas subtiler entwickelt, musste sie zugeben. Aber die Abende an denen sie zusammen arbeiteten oder an der Leistung des anderen herumnörgelten oder welche ihr die Möglichkeit gaben, sie selbst zu sein - irgendwann während dieser Zeit hatte sie seine Gesellschaft um seiner Selbst willen zu schätzen gelernt.

 

Dieser Nachmittag war deshalb so bedeutend, weil sie zum ersten Mal das Gefühl gehabt hatte, als habe er mit ihr gesprochen - und zwar nicht nur als jemand Gleichgestellter, sondern als Freund. Er hatte sich beschwert und sie hatte ihn geneckt, und es hatte sich vollkommen natürlich angefühlt, sogar bis zu seinem zornigen Starren und seiner schlechten Laune. Sie nahm an, dass wenn sie in ihre eigenen Körper zurückkehrten, sie auch wieder in ihre alte Beziehung zueinander zurückkehren mussten; er, der distanzierte und mürrische Lehrer, sie, die eifrige Studentin und Schulsprecherin. Und der Gedanke an den Verlust schmerzte sie. Sie schüttelte den Kopf.

 

Es war gut und recht zu akzeptieren, sich vom Lehrer angezogen zu fühlen. Man konnte sogar zugeben, dass man seine Kameradschaft bitter vermissen würde, sobald diese erzwungene Intimität zu ende war. Dies war etwas, dass nur sie selbst betraf und sie könnte und würde damit fertig werden. Aber was, wenn er die Anziehung teilte?

 

Dies war ein verzwickteres Problem. Sie versuchte es wieder mit Objektivität und es analytisch zu betrachten, aber ihr Verstand lenkte sie immer wieder mit der Erinnerung an den Ausdruck in seinen Augen ab, diese intensive Konzentration. Sie fragte sich, wie es wohl war, wenn diese Aufmerksamkeit gänzlich auf sie gerichtet war. Schmetterlinge begannen in ihrem Magen zu flattern und sie schloss die Augen, sich vorstellend, wie sie den letzten Schritt getan hätte, wie sie in seinen persönlichen Kreis getreten wäre... ihn berührend...

 

Beinahe unbewusst bewegte sich ihre Hand abwärts, knöpfte flink zwei oder drei Knöpfe auf und schlängelte sich unter den Stoff um sich selbst zwischen den Beinen zu streicheln. Körper folgte Verstand, war sie doch bereits schon halb steif bevor sie zugriff. Während sie ihre Hand bewegte, versuchte sie sich vorzustellen, wie sie es mit ihm tat, während er sie berührte. Ihre linke Hand bewegte sich nach oben zu ihrer Brust um einen Weg unter das Hemd zu finden um ihre Brustwarze zu reiben. Wie würde es sein, wenn er dies mit ihr tat? Tat er es mit ihrem Körper? Das Bild formte sich in ihrem Verstand; seine Hand zwischen ihren Beinen, sie liebkosend, an sie denkend... Würde er wollen, dass sie dies mit ihm tat? Würde es sich für ihn ebenfalls so gut anfühlen wie für sie in diesem Moment?

 

Gefangen in einer Welle aus Fantasie und Lust, ihr Verstand seinen Körper berührend, sein Verstand ihren Körper berührend, strich sie härter und stiess ihre Hüfte aufwärts zu ihrer Hand, bis die Linien mehr und mehr verschwammen und sie den Höhepunkt erreichte. Sie lehnte sich im Sessel zurück, sich nicht gross bewegen wollend, sich nicht einmal darum kümmernd, die Hand von ihrem Glied zu lösen, bis sie von einem kratzenden Geräusch am Fenster gestört wurde.

 

Ihr erster verschwommener Gedanke war, dass Snape irgendwie herausgefunden hatte, was sie getan hatte. Ihr nächster Gedanke war, dass er durch die Türe eintreten würde. Sie bewegte ihre Hand, und ihr dritter Gedanke war zu realisieren, dass sie, verloren in der der Abwärtsspirale der Anziehungskraft, vergessen hatte, sich auszuziehen und ihre Robe vorne nun einen deutlich sichtbaren, klebrigen Fleck aufwies. Sie wischte ihre Hand am Stoff ab - die Robe musste ja so oder so gewaschen werden. Dann schloss sie ihre Hose, stand auf und ging neugierig zum Fenster.

 

Es war eine Eule, was ziemlich seltsam war, denn sie hatte nie gedacht, dass Snape andere Post als die während des Frühstücks erhielt. Um genau zu sein hatte sie nie gedacht, dass er irgendwelche persönlichen Briefe erhielt. Sie öffnete das Fenster und eine kleine, braune Eule hüpfte hinein. Sie schaute Hermine an mit einem hoffnungsvollen Ausdruck, welchen sie an das Hundewelpen auf Alices Weihnachtskarte erinnerte. Sie löste die Nachricht vom Bein der Eule und brachte es fertig, etwas zu essen für sie zu finden. Danach entrollte sie das Pergament und ihr Herz sank wie ein Stein.

 

Snape. Ich muss Snape finden. Jetzt.

 

Sie nahm nicht war, wie die Eule ihren kleinen Imbiss beendet hatte und wieder durch das Fenster hindurch abflog. Wenigstens hatte sie noch genug Geistesgegenwart, um in eine saubere Robe zu schlüpfen bevor sie ging, und auch um ihren Gang durch das Schloss langsam aber zweckmässig zu halten. Sie vermutete, dass er entweder im Gryffindor-Gemeinschaftsraum oder im Schulsprecherin-Zimmer war. Vermutlich letzteres, dachte sie. Sie nahm an, dass der Nachmittag seine Harry/Ron-Toleranz erschöpft hatte. Sie zwang ihren Verstand zu denken; irgendwo musste ein versteckter Weg sein, der direkt neben dem Schulsprecherin-Zimmer endete. Sie hatte ihn erst ein Mal benützt, mit Snape; Erklärungen wären zu kompliziert, wenn sie entdeckt werden würde. Doch jetzt, dachte sie, konnte sie einen anständigen Notfall geltend machen.

 

Sie ging den Weg wieder zurück, passierte den Zaubertränke-Unterrichtsraum und erreichte schliesslich eine blanke, lange Wand. Einen Zauberspruch und etliche Treppenstufen später, stand sie ausserhalb der Türe zu ihrem alten Zimmer, wobei sie sich unerklärlicherweise mehr wie ein Gast vorkam und es ihr innerlich widerstrebte zu klopfen. Nur das Pergament in ihrer Faust gab ihr den Mut dazu.

 

Er öffnete die Türe, offensichtlich überrascht sie zu sehen. Das war seiner Rolle getreu, obwohl sie dachte, dass das gemurmelte "oh, Sie sind es", nicht gerade passend war.

 

"Miss Granger, ich muss mit Ihnen sprechen", sagte sie, für den Fall, dass jemand sie durch Zufall belauschte.

 

"Dann kommen Sie besser hinein", sagte er etwas unfreundlich.

 

Es war das erste Mal, dass sie zurück in ihrem Zimmer war, seit der Unfall passierte, und es fühlte sich äusserst seltsam an zu sehen, dass all die Gegenstände, die sie kannte und ihr gehörten, unter der Kontrolle von jemand anderem waren. Es war nicht wirklich ein angenehmes Gefühl, und sie hatte einen kurzen Moment Mitgefühl mit Snape, der mehr Zeit damit verbringen musste, sie in seinem Reich leben zu sehen. Die Türe schloss sich hinter den beiden und er drehte sich um, um sie anzublicken.

 

"Was ist passiert?", fragte er knapp.

 

Als Antwort überreichte sie ihm das Pergament.

 

"Was soll ich tun?", fragte sie, bemüht nicht zu ängstlich zu klingen, "Gibt es einen Ausweg für mich?"

 

Der Inhalt des Briefes hatte sich ihn ihre Gedanken gebrannt.

 

Lieber Severus

 

Ich habe erfreuliche Nachrichten für Dich.

Dein Vater und ich werden über Weihnachten zu Hause sein, und wir freuen uns jetzt schon auf Deinen Besuch. Bitte lass es uns wissen, wann Du ankommen wirst. Wir dachten, dass der 23. für Dich angemessen sein würde.

 

In Liebe

Mutter.





Teil 26: Spaziergang in einem Winter-Wunderland

 

 

Snape grinste immer noch innerlich wegen Hermines Reaktion auf den Brief seiner Mutter, als es an seine Zimmertür klopfte. Einen Augenblick lang, als er sie letzten Abend an der Tür gesehen hatte, hatte er gedacht, dass Voldemort sie zu sich gerufen hätte; dann realisierte er, dass sie sich die Mühe gemacht hatte zu klopfen, daher war es höchst unwahrscheinlich, dass es, was immer sie auch von ihm wollte, etwas mit dem Dunklen Lord zu tun hatte. Sogar Hermine würde sich in solch einem Falle nicht an Anstandsformen oder gesellschaftliche Nettigkeiten halten.

 

Der Brief seiner Mutte war, zugegeben, etwas verblüffend gewesen. Seine Eltern verbrachten den Winter normalerweise in Übersee - man musste nur ein paar Stunden in deren Haus verbringen, um zu wissen warum, und die Arthritis seines Vaters hatte nicht besser werden wollen, egal welche Tränke man ihm verschrieb. Snape war sich ziemlich sicher, dass er die Tränke einfach wegschüttete, vorziehend, den Märtyrer zu spielen, aber das war nichts mehr, über das man sich Gedanken machen brauchte. Zuguterletzt hatte er Hermine das gesagt; es war so lange her, seitdem er seinen Eltern auch nur den flüchtigsten Besuch abgestattet hatte, so dass es unwahrscheinlich wäre, dass ihnen irgendwelche Unterschiede in ihrer Porträtierung von ihm auffallen würde. Solange sie ihren Kopf in einem Buch vergraben oder lange Spaziergänge unternehmen würde, würde ihnen nichts merkwürdig vorkommen.

 

Er realisierte plötzlich, dass zweimal an seine Tür geklopft worden war; ein zögerliches Pochen und es war eindeutig nicht wieder Hermine.

 

"Herein." Er erhob seine Stimme gerade so, um sicher zu gehen, dass wer immer es auch war ihn hörte. Krummbein sah ihn wegen des unerwarteten Geräusches hasserfüllt an, dann senkte er seinen Kopf wieder auf seine Pfoten herab und schlief weiter.

 

Die Tür öffnete sich knarrend und der Kopf eines jungen Mädchens kam zum Vorschein. Alice Lacock. Snape stöhnte beinahe; er hatte vergessen, dass sie heute nachmittag kommen wollte, um mit ihm zu sprechen. Er wollte sich nicht damit befassen; ihm fiel der Welpe auf der Karte ein und er erschauderte.

 

"Ist das OK, Hermine? Du hast gesagt, heute nachmittag - soll ich später wiederkommen?"

 

Oh, die Versuchung, sie wegzuschicken ...

 

"Nein, nein, es ist in Ordnung - komm rein." Er sah zu, wie sie eintrat, sich wieder umschauend; es war eine Weile her gewesen, seitdem sie zur Beratung gekommen war - und das war davor gewesen. Bevor ihm klar geworden war, welches Grauen sie für ihn darstellte.

 

"Du kannst dich dort hinsetzen." Er zeigte auf den anderen Sessel. "Möchtest du einen Tee?" Das Kind nickte, als sie Platz genommen hatte.

 

"Ja bitte", sagte sie leise.

 

Als Verzögerungstaktik taugte das nichts - er hatte gerade welchen gemacht, also war es nur eine Sache von Sekunden, dem Mädchen einen Becher zu reichen.

 

"Wie geht es dir? Wie ich höre, geht es deiner Familie besser." Snape brach die Stille, die sich eingestellt hatte, während sie an ihrem Tee nippten und das knisternde Feuer im Kamin anstarrten.

 

"Oh ja, viel besser, dankeschön. Alles läuft gut! Ich meine, naja, nicht perfekt und ich fahre an Weihnachten nicht nachhause, aber es ist alles viel besser. Und ich bin gerne über die Feiertage in der Schule; so kann ich Leuten Gesellschaft leisten, die ansonsten einsam wären."

 

Snape hatte das ungute Gefühl, dass er genau wusste, wem sie gerne Gesellschaft leisten würde.

 

"Heute morgen war ich zum Bespiel nachschauen, ob Professor Snape da ist. Aber er war nicht in seinen Räumen. Weißt du, ob er in den Ferien hier bleibt?"

 

Das ungute Gefühl wurde bestätigt.

 

"Ich denke", sagte er vorsichtig, "dass alle Lehrer ihr eigenes Leben haben, das sie auch außerhalb der Schule führen. Professor Snape ist nicht anders als die anderen Lehrer."

 

"Ja, genau!" Das war nicht ganz die Antwort, die er erwartet hatte, aber Alice war noch nicht fertig. "Jeder denkt, er ist so böse und gemein, aber das ist er nicht; er will einfach, dass wir lernen - also ist er genau wie all die anderen Lehrer, aber kein anderer scheint das zu verstehen. Ich denke, er ist wundervoll."

 

Neugier gewann Snapes inneren Kampf.

 

"Wieso glaubst du, dass er wundervoll ist? Wenn er genau wie all die anderen Lehrer ist?"

 

"Naja, natürlich sind sie alle wundervoll. Obwohl ich mir da bei Madam Hooch nicht ganz sicher bin. Sie schreit mich immer an, nur weil ich nicht besonders gut fliegen kann, aber ich mag die Höhe nicht und sie macht mich schwindlig. Ich verstehe nicht, wie Leute Quidditch spielen können - die Höhe und die Geschwindigkeit und ..."

 

Und Snape ließ sie reden, während sie ihren Tee trank, sich fragend, ob sie wieder auf das Thema zurück kommen würde. Schließlich - und auf einer sehr weitschweifigen Route, während dieser Snape im Kopf die Experimente durchging, die er und Hermine soweit über Longbottoms misslungenes Gebräu gemacht hatten - brachte sie die ursprüngliche Frage wieder zur Sprache.

 

"Und deshalb versteht Professor Snape, weißt du; er scheint genau zu wissen, was wir brauchen und er ist ... naja ..."

 

An dieser Stelle brach Alice ab und wurde scharlachrot. Snape hatte eine schreckliche Vorahnung, die sich in kürzester Zeit als vollkommen richtig herausstellte.

 

"Also ... du wirst es niemandem sagen?", fragte sie, als sie wieder gesprochen hatte. Snape schüttelte den Kopf.

 

"Nein, ich werde es niemandem sagen; was immer du mir erzählst ist vertraulich." Als ob er jemandem von diesem Gespräch erzählen würde. Irgendjemandem.

 

"Naja, er ist ist furchtbar gutaussehend, denkst du nicht?"

 

Denken war so ziemlich das Letzte, was Snape wollte, insbesondere so etwas. Nein, er war nicht furchtbar gutaussehend und er wusste es. Was zur Hölle dieses Kind in ihm sah, wusste er nicht. Wollte er nicht wissen - er war zunehmend davon überzeugt, dass sie eine hormonelle Fehlfunktion hatte und er fühlte Angst seinen Rücken hinaufkrabbeln. Nicht einmal wegen ihrer Schwärmerei; einige gezielte Worte und die Sache wäre erledigt. Nein, er war vielmehr besorgt, was sie im Gemeinschaftsraum gesagt haben könnte. Wenn zum Beispiel Malfoy Junior seinem Papi erzählen würde, dass ein junges Mädchen in ihn vernarrt wäre, könnte es unangenehm werden.

 

"Hast du das jemandem gesagt?", fragte er schließlich.

 

Alice schüttelte den Kopf und ihm fiel vor Erleichterung ein Stein vom Herzen.

 

"Ich dachte, ich würde ausgelacht werden. Niemand sieht ihn so wie ich ihn sehe."

 

Eindeutig.

 

"Nun ja ...", behutsam wählte er seine Worte, "ich denke du solltest vielleicht dafür sorgen, dass du Zeit mit denjenigen deiner Freunde verbringst, die in den Ferien in der Schule bleiben - die Lehrer sind ganz und gar nicht einsam; sie haben ihr eigenes Leben, über das wir nichts wissen, da wir sie nur in der Schule sehen und ich bin sicher, dass du keinem von ihnen Gesellschaft leisten musst. Egal ob du denkst, du solltest oder es gerne würdest. Insbesondere Professor Snape muss Experimente durchführen, die in Ruhe und leise gemacht werden müssen; dadurch, dass du ihn störst, wirst du ihm nicht helfen."

 

Snape dachte, dass er schrecklich wichtigtuerisch klang, aber dem Mädchen zu sagen, dass sie verrückt wäre, würde der Situation keine Abhilfe schaffen. So gerne er es auch tun würde. So eindrucksvoll mitgeteilt zu bekommen, dass sie sich von Snape fernhalten sollte, ließ sie ein wenig rebellisch dreinschauen und er erinnerte sich daran, Hermine zu sagen, dass sie das Mädchen anpflaumen sollte, falls sie im Klassenzimmer vorbeischauen sollte, bevor der Unterricht wieder anfing.

 

Er lenkte das Gespräch auf profanere Themen, fragte wie sie mit den Hausaufgaben voran kam - gewöhnlich die Garantie dafür, jedes Gespräch einschlafen zu lassen und hierbei unterschied sich Alice Lacock zum Glück nicht von anderen. Innerhalb von zehn Minuten war sie gegangen und er wieder allein. Snape tauchte in den seligen Frieden eines Buches und einer frischen Tasse Tee ein; hinter dem Fenster fiel dichter Schnee und das Zimmer war warm und ruhig, die Stille wurde nur durch das Rascheln von Buchseiten und dem gelegentlichen Schnarchen des roten Katers auf seinem Bett gebrochen.

 

Als er an diesem Abend nach den Experimenten schaute, fand er heraus, wieso Hermine nicht dagewesen war, als Alice Lacock am Morgen vorbeigeschaut hatte; ein Haufen verpackter Geschenke lag auf einer Ecke des Schreibtisches in seinem Wohnzimmer und Hermine hatte sich wieder seine Jeans und seinen Pullover ausgeliehen. Zum Glück hatte Alice ihn nicht darin gesehen; sogar er musste zugeben, dass es ihm stand. Hermine musste gemerkt haben, dass er sie ansah und erklärte.

 

"Das sind die Geschenke, die Sie mit in den Fuchsbau nehmen; ich bin heute morgen fortgegangen, um sie noch rechtzeitig zu besorgen - und ich habe Ihre Apparier-Lizenz benutzt, um sicherzustellen, dass mich niemand sieht und bin in der Oxford Street einkaufen gegangen." Sie schüttelte sich. "Ich hasse Menschenmengen und heute war es noch schlimmer, aber ich dachte, es wäre schwierig zu erklären, was ich mit dieser Art von Besorgungen mache, wenn mich jemand in Hogsmeade oder in der Winkelgasse sehen würde. Ich habe einige Sachen bestellt, die in etwa morgen per Eule kommen - ich habe Harry ein neues Pflegeset für seinen Besen gekauft und glauben Sie mir, das findet man nicht einfach so - noch nicht einmal bei John Lewis."

 

Snape nahm an, dass John Lewis irgendeine Art Geschäft war, hatte jedoch andere Sachen im Kopf.

 

"Zwei Dinge", sagte er abrupt. "Erstens: Falls Alice Lacock auftaucht, sagen Sie ihr, dass sie gehen soll und machen Sie ihr das deutlich klar - ich sagte ihr, dass Sie mit Experimenten sehr beschäftigt wären und keine Zeit für Störungen hätten, also unterstützen Sie mich bitte. Zweitens - was sind diese Geschenke? Damit ich nicht vollkommen überrascht aussehe, wenn die Leute sie auspacken.

 

Hermine lächelte. "Völlig richtig. Sie sind recht unkompliziert. Molly und Ginny Weasley bekommen jeweils einen samtenen Schal von Liberty's - schön und praktisch. Was Harry bekommt, habe ich Ihnen schon gesagt. Für Ron habe ich ein paar Muggel-Süßigkeiten, weil er sie lustig findet. Ich kann sie von Zauberer-Süßigkeiten nicht unterscheiden, aber ich nasche nicht besonders gerne. Arthur Weasley bekommt ein Buch - es ist eine Muggel-Enzyklopädie, ich fand, es würde ihn interessieren."

Snape dachte, dass das den Mann mehr ermutigen würde als es sollte, sagte aber nichts. "Und ich habe einen großen Weihnachtskuchen als gemeinsames Geschenk gekauft - das deckt die Zwillinge, Charlie, Bill und Percy ab falls sie zuhause sind. Sirius bekommt ein Paar Handschuhe; er verliert seine ständig. Meinen Eltern habe ich ihre Geschenk direkt geschickt, also müssen Sie sich darum keine Sorgen machen."

 

Snape nickte und sie lenkten ihre Aufmerksamkeit auf die momentane Arbeit; das Wissen um den gestrigen Abend stand immer noch zwischen ihnen und Arbeit schien das beste Mittel, um es zu zerstreuen - oder es zumindest zu ignorieren.

 

Es wäre zu einfach gewesen, wenn das Thema Geschenke so leicht vom Tisch gewesen wäre. Einen Tag bevor Sirius sie abholen sollte, schneiten Harry und Ron in Hermines Zimmer hinein. Snape sah von seinem Buch auf und zog eine Augenbraue hoch.

 

"Was ist denn jetzt los?" fragte er in resignierendem Tonfall. Die Jungs sahen leicht verzweifelt aus; das bedeutete normalerweise Probleme.

 

"Geschenke - wir müssen Geschenke besorgen!", sagte Harry dringlich.

 

"Wir sind so beschäftigt gewesen, dass wir es vergessen haben - und du bist sowieso besser darin, die richtigen Sachen für Leute auszusuchen. Wir müssen sofort nach Hogsmeade gehen. Komm!", warf Ron ein.

 

Snape sah den Schnee draußen und erschauderte - nicht wegen des Schnees, einfach wegen der Tatsache, Geschenke für Weasleys zu kaufen.

 

Die Jungs hielten dieses Schweigen - zurecht - für Widerwillen und begannen sie anzuflehen. "Hermine, bitte, du bist unsere einzige Hoffnung!"

 

"Du musst uns helfen!"

 

Dieses Melodrama beschwor einen weiteren zweifelnden Blick Snapes herauf und Ron hatte den Anstand, verlegen zu gucken. "Komm schon, Hermine, du weißt, ohne dich sind wir aufgeschmissen."

 

"Kann ich das schriftlich haben?", fragte Snape trocken.Die Jungs lachten und im Nu wurde Snape durch den kniehohen Schnee nach Hogsmeade mitgeschleppt, versuchend, mit Harry und Ron Schritt zu halten und den leicht fallenden Schneeflocken auszuweichen.

 

Wenn nicht die Aufgabe vor ihm gelegen hätte, - Shopping war nie einer seiner Lieblingszeitvertreibe gewesen, sofern es nicht um Zaubertränke oder Bücher ging - wäre es ein schöner Spaziergang gewesen. Der Schnee lag dick auf der schottischen Landschaft um Hogwarts, die Hügel und Felder bedeckend, so dass die Hecken und Mauern himmlische Muster in das blanke Weiß malten. Bäume zeichneten sich gegen den Himmel am Horizont ab, ein Himmel, der weiß und strahlend blau gemustert war, während Wolken an ihm vorbeischwebten und sich zu Schneeschauern formten. Ab und an brach die Sonne durch die Wolken hinduch, das glitzernde Eis des Sees golden überziehend.

 

Hogsmeade war ein einziges Getrippel aus Einkäufern; höchstwahrscheinlich so wie Hermines Oxford Street gewesen sein musste, dachte Snape. Harry und Ron hatten ihre Ratlosigkeit, was Weihnachtseinkäufe anbelangte, nicht unterschätzt, was den Nachmittag unnötig nervtötend gestaltete. Wenn Hermine mit ihm nicht über die Geschenke gesprochen hätte, wäre es sogar noch nervtötender geworden. Sie gaben ihm zumindest einen Anhaltspunkt, als die Jungs sich wieder und wieder an sie wandten.

 

Für Molly und Ginny kauften sie Flakons - durchsichtiges Glas mit Verzierungen aus Zinn; Snape erklärte sich bereit, einige Bademixturen zur Verfügung zu stellen, die er für sich selbst (und, wie es schien, für die ganze Schule) gebraut hatte. Die älteren Weasley-Jungs würden sich eine Tüte von Zonko's Bestem teilen - obgleich 'das Beste' ein relativer Begriff war. Arthur Weasley stellte sich als größeres Problem heraus, bis Snape einfiel, dass es in einer der Nebenstraßen einen kleinen Laden gab, der Muggel-Kuriositäten verkaufte; ein Vorschlag, der von den Jungs mit stürmischer Freude begrüßt wurde.

 

Es war ein seltsames Geschäft, voller höchst eigentümlicher Dinge; Harry merkte an, dass die meisten ohne Elektrizität nicht funktionieren würden - der Besitzer, offensichtlich darauf versessen, etwas zu verkaufen, wies darauf hin, dass man sie verzaubern könne, damit sie in einem Zauberer-Haushalt funktionierten. Das Problem lag, wie immer, bei Rons Budget; Harry zuckte bei den Preisen der meisten Gegenstände zusammen.

 

Doch schließlich entdeckte Harry auf einem der Regale eine Schachtel und nahm sie freudig in die Hand. "Ron, das ist perfekt - dein Dad wird es lieben. Es ist typisch Muggel. Findest du nicht, Hermine?" Er wandte sich an Snape, der versuchte, nicht verdutzt auszusehen.

 

"Oh, hab ich vergessen - deine Eltern haben es mit Reformhausessen, stimmt´s? So etwas hast du wahrscheinlich noch nie gegessen - aber glaubst du nicht, dass Arthur es cool finden wird?" Er reichte Snape die Packung; sie klapperte ein wenig.

 

Er beäugte sie neugierig. An der Seite stand "Nudeltopf"; "Huhn-&Pilzgeschmack". Snape schloss daraus, dass es sich um eine Art Lebensmittel handeln musste und sah es sich genauer an. Er fand eine Zutatenliste und erbleichte - zumindest nahm er an, dass das Essen war. Die Liste klang wie die Zutaten für einen schwarzmagischen Zaubertrank.

 

"Ich bin überzeugt, dass es Arthur gefallen wird", sagte er, als er Harry die Schachtel zurückgab, versuchend, nicht zu schaudern. "Zumindest solange er nicht versucht, es zu essen."

 

Das letzte Kommentar war improvisiert; er fühlte sich immer sicherer, wenn es darum ging, zu raten und die richtigen Worte zu wählen, beides verdankte er seinen Erfahrungen und davon, wenn er Hermine zuhörte, wenn sie an den Abenden zusammen arbeiteten. Er hatte aber richtig geraten, da Harry in Gelächter ausbrach. Ron sah verwirrt aus - soweit nichts Neues - bis Harry sich beruhigte und sagte, er würde es später erklären.

 

Das letzte Geschenk war das für Sirius und Harry und Ron benötigten dafür keine Hilfe, eine Flasche Feuerwhiskey war schnell besorgt. Als sie zur Schule zurückliefen, war Snape ernsthaft versucht, den Whiskey anzubrechen - es war eiskalt und der Himmel war einheitlich mit schneebeladenen Wolken bedeckt. Es war fast ganz dunkel, als sie die Schule erreichten; nur die von Hagrid aufgestellten Leuchten hielten sie auf dem richtigen Wege.

 

Die restliche Woche verlief in einem Nebel von Experimenten, Schneeballschlachten und lesen. Hermine bemerkte, dass Alice Lacock sich nur einmal gezeigt hatte - glücklicherweise als Hermine an etwas gearbeitet hatte - und ohne großes Drumherum weggeschickt worden war. Snape fragte sich, ob sie ihn wieder zum Trösten aufsuchen würde und war sich nicht ganz sicher, ob er froh darüber war, dass sie das nicht tat; er hoffte, dass sie nicht alles in sich hineinfraß. Die Slytherin-Vertrauensschüler waren über die Feiertage weg, sonst hätte er bei einen von ihnen nachgefragt - die Eltern des Mädchens waren so kürzlich angegriffen worden, um der Schulsprecherin immer noch Anlass zur Sorge zu geben, insbesondere an Weihnachten.

 

Allzubald fand sich Snape mit Harry und Ron am Eingang zu Hogwarts wieder, einem großen, dunkelhaarigen Mann gegenüberstehend. Sirius. Snape fühlte Wut in sich aufsteigen, als Sirius sich hinabbeugte, um seine Wange zu küssen; es war der erste Kuss, den er als Hermine ertragen musste und er betete inständig, dass es der letze gewesen war. Eine leise, hinterhältige Stimme flüsterte ihm ein, dass er sich nicht so heftig wehren würde, wenn Hermine es wäre, die ihn küssen würde ... erbarmungslos verwarf er den Gedanken. Dies war nicht der Zeitpunkt, um darüber nachzudenken.

 

Durch einen Portschlüssel - ein ganz besonders alt aussehendes Stück Holz - wurden sie vom Eingang weg in den Schnee draußen gezogen, Snape zitterte und nieste durch den Temperaturwechsel. Einige "Gesundheit"-Wünsche später schaute er nach oben um zu erkennen, dass er am Fuchsbau angekommen war. Er hatte das Haus der Weasleys seit Jahrzehnten nicht gesehen, aber es sah immer noch aus wie ein Triumph von Schutzzaubern über das Wetter; wie alles zusammenhielt war ein Wunder.

 

Molly Weasley eilte nach draußen, um sie zu begrüßen, schwatzte ohne Punkt und Komma und führte sie ins Haus. Es war himmlisch warm und das Feuer prasselte im Kamin, als sich alle an einen Tisch setzten, der zweifelsohne vergrößert worden war, damit alle Platz hatten. Obwohl er all die Jüngeren unterrichtet hatte, verlor Snape die Übersicht über die Weasleys, während diese in zahllose Gespräche gleichzeitig vertieft waren.

 

Plötzlich erstarrte er. Molly hatte eben bekanntgegeben, dass sie Harry und Hermine für die nächste Woche zur Uhr hinzufügen würde, damit sie über deren Aufenthalt bescheid wusste - besagte Uhr hing an der Wand und zur Zeit wies eine ganze Traube von Händen auf 'Zuhause'. Wenn der Zauber Seelen anstelle von Körpern aufspürte, war er verloren.

 

Doch schneller als er ein vernünftiges Gegenargument finden konnte, hatte Molly ihren Zauberstab geschwungen und flüsterte etwas - er hatte die Worte nicht verstanden, aber stieß einen erleichterten Seufzer aus, als auf einer der Hände, die erschienen, 'Hermine' stand und auf 'Zuhause' zeigte. Es sah so aus, als ob es nur die physische Präsenz verfolgte und nicht die mentale, da auch 'Schule' auf der Uhr zu lesen war - und er wusste, dass Hermine noch nicht zum Hause seiner Eltern aufgebrochen war.

 

Niemand schien seine Besorgnis oder seine Erleichterung bemerkt zu haben - nicht wirklich überraschend, da er bei dieser Menge an Leuten beinahe anonymer als in der Schule sein konnte.

 

Und so stellte es sich auch heraus; der Feiertag verging in einer Folge von Geschenken und Mahlzeiten - die Weasleys hatten eindeutig einen Sinn für Feiertagsessen - und Schneeballschlachten. Snape gelang es, die meiste Zeit still zu bleiben; niemand erwartete von Hermine, im Mittelpunkt der Gespräche zu stehen und er konnte aus den Tiefen eines Sessels heraus beobachten, manchmal hinter dem Deckel eines Buches.

 

Trotz seiner langjährigen schnippischen Beleidigungen um diverse Weasley-Kinder zu ärgern, hatte er große Hochachtung für Arthur und Molly Weasley übrig; er hätte ihren Weg nicht gewählt, aber er hatte auch nicht ihre Charaktere. Die Zuneigung unter den Familienmitgliedern - oft gereizt, aber immer ungetrübt - war fast greifbar. Das Haus war warm, eine Wärme, die nichts mit den Feuern, die in allen Kaminen leuchteten, zu tun hatte.

 

Mitten in dieser Wärme fragte sich Snape, wie sich Hermine in der Kälte seines Elternhauses zurechtfand.

 

 

 

 

Kapitel 27 - Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele

 

Hermione verbiss sich ein Grinsen - Snape lächelte mit Gewissheit niemals in der Öffentlichkeit - und zog sich ein wenig zurück. Sie wusste, dass Sirius demnächst ankommen würde, um "Hermione" und die Jungs abzuholen. Das kleine Teufelchen in ihr flüsterte ihr zu, sich zu verstecken, um das Treffen zu beobachten. Als sich Sirius nach vorne lehnte und einen galanten Kuss auf Snapes Wange platzierte, konnte sie gerade ein Schnauben unterdrücken. Ihre wachsamen Augen beobachteten, wie er sich versteifte und entlarvten so seine Bemühungen, nicht vor dem körperlichen Kontakt zurückzuweichen. Glücklicherweise bemerkte dies keiner der anderen. Dies bestärkte Hermiones Ansicht, dass die männlichen Fähigkeiten subtile Verhaltensweisen zu deuten, nicht weit entwickelt sein konnten.

 

Es war seltsam, Sirius und die anderen drei zu beobachten. Seine Stimme tönte zu ihrem Versteck herüber, aber nicht deutlich genug, damit sie einzelne Worte verstehen konnte. Trotzdem bemerkte sie den flirtenden Tonfall, als er etwas zu Snape sagte. Es sprach für Snape, dass er darauf nicht reagierte. Im allgemeinen Herumhetzen hob Sirius seine Hand und für einen Moment schwebte sie über Snapes Rücken und berührte ihn beinahe. Unbewusst wich sie an seiner Stelle zurück. Sie bezweifelte, dass Snape seine Selbstkontrolle aufrecht halten konnte, sollte es zu einer freundschaftlichen Umarmung durch den anderen Mann kommen. Aber dessen Hand stoppte rechtzeitig und die vier verschwanden schließlich.

 

Sie fühlte sich seltsam beraubt.

 

Daher blieb ihr nur eine Sache zu tun. Zu den Kerkern zurückzukehren und mit der unmöglich langen Liste zu beginnen, die Snape im letzten Moment zusammengestellt und ihr über die Ferien hinterlassen hatte. Zuoberst standen natürlich Studienangelegenheiten. Ach ja, und die Kleinigkeit ihre zwangsweise adoptierten Elternbesuchen zu müssen.

 

Sie schlang ihren Umhang um sich und fegte weg, in Richtung ihrer Privaträume.

 

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Sie war gut dabei, in ihrer Arbeit zu versinken, aber das konnte den unerbittlichen Fortlauf der Zeit auch nicht aufhalten. Ohne Rücksicht auf den Zustand von Hermiones Nerven brach schließlich der 23. Dezember an. Das Frühstück kam und ging und ebenso war es mit dem Mittagessen. Schließlich beschloss sie, dass sie ihrem Schicksal nicht länger entrinnen konnte. Sie hatte mit dem Gedanken gespielt, eine Krankheit zu simulieren - verdammt, sie hatte sogar schon überlegt einen schnellwirkenden Trank zusammenzubrauen und einzunehmen, einen unangenehmen, aber für ihre Zwecke gut geeigneten. Aber Poppy Pomfrey würde ohne Zweifel den Trick entdecken. Sie hatte eine große Begabung, die Pläne von Studenten zu verderben, die aus niedrigen Motiven heraus versuchten, einen kurzen Aufenthalt in der Krankenstation herauszuschinden.