Teil
18 - 18. Dezember
Kupferstiche.
Kupferstiche.
Dieser blöde Idiot hat sie eingeladen um seine Kupferstiche anzusehen und hatte nicht einmal die verdammte Höflichkeit zu begreifen, was er da zu ihr gesagt hatte. Ganz offensichtlich hatte Queroz sich niemals mit irgendeiner Art von Muggel Studien beschäftigt, allerdings schien er zu versuchen, eine ganz bestimmte Muggelgeborene näher untersuchen zu wollen.
Snape war wieder im Laboratorium und an diesem Morgen war es noch kälter; er hatte seinen Steinguttopf in einen aus isoliertem Stahl verwandelt um zu verhindern, dass die Flüssigkeit in wenigen Sekunden auskühlte - ein Trick, den er den Muggeln abgeschaut hatte, obwohl die solche Kannen natürlich kaufen mussten und nicht einfach eine schon vorhandene Kanne umwandeln konnten. Egal wie man nun dazu kam, die Methode war gut und der Kaffee blieb heiß.
Ungefähr so wie seine Laune an diesem Morgen. Er hatte einige Türen von diesem lächerlichen Adventkalender abgerissen, den Dumbledore ihm gegeben hatte und den er während der letzten paar Tage völlig vergessen hatte. Dünne Pappe ab zu reißen war allerdings nicht sehr befriedigend.
Das Stampfen von Weihrauchtränen war jedenfalls sehr viel befriedigender - nicht zuletzt, weil es auch noch ziemlich produktiv war. Das getrocknete Harz zersplitterte schon beim ersten Hieb in lange Scherben.
Kupferstiche. Verdammte Kupferstiche. Wahrscheinlich würde sie sich diese Stiche heute Abend ansehen - er hatte keine Lust gehabt weiter dort herumzuhängen und darauf zu warten, dass sich Hermine mit diesem verdammten Idioten von einem Verteidigung-gegen die-dunklen-Künste-Lehrer verabredete. Was alles noch schlimmer machte. war, dass der Mann so gut wie nichts über die Anwendung der Dunklen Künste wusste. Wo zum Teufel hatte er während des Krieges gesteckt?
Die Scherben in der Schüssel wurden jetzt weniger, wurden zerkleinert und zerrieben im Rhythmus des hauen-schaben-quetschen von Stößel und Mörser.
Was sah sie in diesem Mann? Ein hübsches Gesicht und einen hübscher Charakter? Und wieso störte ihn das? Bis Weihnachten würde sie ohnehin wieder fort sein, zurück zu Familie und Freunden und zurück zum Dozieren und sie würden nicht mehr tun als sich einige Jahre lang einander Karten und ab und zu Briefe schreiben bis sogar dieser Kontakt sich in Nichts auflöste.
Das Harz war nun zu Puder zerfallen, feiner Staub der in dem Licht des frühen Morgens etwas glitzerte.
Es war alles ein Kreislauf - was gewesen war, würde wieder sein und er war zufrieden mit dem was gewesen war. Und so würde er auch mit dem zufrieden sein, was sein würde.
Der Geruch des Harzstaubes beruhigte ihn wahrscheinlich in gleichem Maße wie es die körperliche Anstrengung getan hatte die erforderlich war, den Harz zu Staub zu zerkleinern und zu dem Zeitpunkt als das Harz soweit war, dass es destilliert werden konnte, war Snape schon sehr viel weniger angespannt als beim Aufwachen.
Da sich das Harz erst einmal setzen musste bevor es destilliert werden konnte, ging Snape hinauf zur Großen Halle um zu frühstücken. Er war nicht ganz sicher, ob er Gesellschaft ertragen konnte, andererseits war er aber überraschend hungrig.
Nur wenige Leute hatten es zum Frühstück geschafft und so fand Snape eine angenehme Ecke am Tisch, weit weg von jeder Unterhaltung, an der er sich niederließ und anfing seine zweite Tasse Kaffee an diesem Morgen zu trinken; eine Schüssel Porridge kühlte vor ihm auf dem Tisch ab. Das matte Weiß des Getreides, gemischt mit Äpfeln und Rosinen, roch angenehm nach Zimt und wirkte irgendwie besänftigend.
Er starrte geistesabwesend in die Schüssel, rührte mit einem Löffel in der Masse um sie ein wenig abzukühlen bevor er sie aß, als er eine Bewegung neben sich bemerkte und sich jemand auf dem Stuhl neben ihn niederließ. Er starrte Finster in seine Schüssel, den Kopf gesenkt, und versuchte die irgendwie warme und müde Behaglichkeit von eben wieder zu finden. Sein Haar war ihm ins Gesicht gefallen als er hinunter sah, ein Vorhang, der den Rest der Welt ausschloss.
Nur dieses Mal war er nicht besonders erfolgreich beim Ausschließen der Welt - oder die Welt und ihr spezieller Repräsentant war sich nicht ausreichend bewusst, dass sie ausgeschlossen war.
„Morgen, Severus. Es ist herrlich draußen, der Schnee ist ganz überfroren. Glitzert wunderschön. Kannst Du den Porridge heute morgen empfehlen? Es sieht gut aus, auf meinem Weg zur Halle habe ich versucht mich zwischen Porridge und Speck mit Eiern zu entscheiden."
Der Idiot mit den Kupferstichen. Seine gelassene Stimmung hervorgerufen durch das Zerquetschen von wehrlosen Harzscherben löste sich auf der Stelle auf.
Offensichtlich erwartete Queroz keine Antwort - oder hatte keine Lust darauf zu warten.
„Was hast Du mit Deinem Haar gemacht? Hast etwas von Deinem Gebräu ausprobiert? Ist mir gestern Abend schon aufgefallen, dass Du irgendwas getan hast - Minerva hat es erwähnt, deswegen habe ich mal darauf geachtet und weißt Du, sie hat recht. Du siehst viel besser aus, Severus."
Snape versank in Schweigen. Stellte sich ein Kloster vor. Was machte es schon aus, dass er nicht im mindesten an Göttlichkeit glaubte, das Klosterleben fing an, eine wirklich attraktive Alternative darzustellen.
„Kann's gar nicht glauben, dass Hermine mit mir ausgehen wird - sie ist ein tolles Mädchen."
„Frau."
„Wie bitte?"
„Sie ist eine Frau, kein Mädchen."
„Oh, richtig. Natürlich. Ich denke, ich gehe mit ihr nach Hogsmeade, Albus hat da vor ein paar Tagen ein Restaurant erwähnt, ich muss ihn noch einmal nach dem Namen fragen- „
„Entschuldige mich."
Snape verließ schroff die Halle - zum zweiten Mal innerhalb von vierundzwanzig Stunden, seine üble Laune vom Morgen war in voller Stärke wiedergekehrt. Der Hunger, der ihn hinauf in die Halle getrieben hatte war ausgemerzt durch einen Knoten von Ärger und verbissener Irritation. Wut war auch noch dabei, aber er zog es vor, das nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Der Mann war ein Irrer.
Die Tür zum Labor wurde aufgestoßen und knallte gegen die Wand als er die Treppe hinunter zu den Labortischen schritt, seine Robe wirbelte hinter ihm her. Hermine war schon im Zimmer, sie hatte es offensichtlich vorgezogen, nicht mit den Kollegen heute morgen zu frühstücken. Die umgekippte Phiole und die ausgelaufene Flüssigkeit auf dem Arbeitstisch vor ihr ließen den Schluss zu, dass sie durch sein Erscheinen im Labor ziemlich erschreckt worden war.
Ihre Worte bestätigten das.
„Was zum Teufel tust Du da? Hast Du eine Ahnung wie viel Arbeit Du gerade zunichte gemacht hast? Wieso stampfst Du hier herein als ob Du eine Klasse mit Schulanfängern erschrecken musst."
In ihren Worten schwang erschrockener Zorn mit. Er hatte ihr wirklich Angst gemacht; eine Entschuldigung war eindeutig angebracht, aber er war nicht geneigt, sie auch auszusprechen. Stattdessen beschloss er sich bei ihr durch Taten zu entschuldigen und ging hinüber zu ihrem Arbeitstisch und säuberte die Sauerei, die er zu verantworten hatte distanziert und begann den Prozess der Herstellung des Shampoo Musters von vorn.
Hermine trat zurück und starrte ihn an als er schweigend arbeitete, schließlich machte sie mit, wenn es sich ergab. Sie arbeiteten eine Stunde zusammen bevor sie wieder sprach, das Muster war fast vollständig und wieder fertig.
„Erzählst Du mir was das Problem ist?"
Eine Minute ging vorbei, dann zwei. Snape verschloss die letzte Phiole des Musters und stellte sie vorsichtig in das Gestell an der Seite.
„Dein Freund ist die Sorte Morgenmensch, die ich nicht gewillt bin zu ertragen. Ich habe den Fehler gemacht zum Frühstücken in die Halle zu gehen, ich denke nicht, dass ich das in diesen Ferien noch einmal machen werde."
„Mein Freund?" Hermine's Stimme war aufrichtig verblüfft.
„Der Quidditch spielende Romeo, der Dich eingeladen hat, seine Kupferstiche zu betrachten." Die Worte waren voller Sarkasmus. „Oder hast Du mehr als einen?"
Hermine blitzte ihn an.
„Von was sprichst Du eigentlich? Peregrine ist ein Freund, sicherlich, aber er ist kaum mein Freund. Ich kenne ihn kaum."
„Etwas, was er eindeutig vorhat zu ändern. Was glaubst Du wohl warum er Dich eingeladen hat, seine Stiche zu bewundern?" Snape war jetzt auf der anderen Seite des Labors und fing an, den Apparat zum Destillieren des Weihrauches vorzubereiten.
„Er weiß nicht was diese Redewendung für Muggel impliziert - er war einfach aufmerksam, er weiß, dass ich an der Geschichte der Alchemie interessiert bin. Nur weil Du eindeutig keinerlei Neigung hast auf die Interessen von irgendjemandem einzugehen, musst Du nicht automatisch annehmen, dass andere dabei Hintergedanken haben!"
„Oh, werde erwachsen. Der Mann ist nur an einer Sache interessiert - warum sonst ein Dinner für zwei in Hogsmeade? Er könnte Dir die Stiche sonst wo zeigen und nicht nur in seinen Räumen. Es spielt keine Rolle, ob der Mann Muggel Redensarten versteht oder nicht, er ist ganz klar fähig, davon unabhängig, die gleiche Idee zu entwickeln."
Hermine starrte ihn an und Snape sah wieder hinunter auf die Flamme des Destillierapparates. Er hatte den Verdacht, dass er gerade ein bisschen zu viel gesagt hatte.
Es stellte sich heraus, dass Essen mit McGonagall auch mit sehr viel mehr Trinken verbunden war, als Hermine erwartet hatte. Nach dem, wie gewöhnlich hastig eingenommenen Mittagessen in den Kerkern, hatte sie den ganzen Nachmittag gearbeitet und sich dann früh verdrückt um sich noch etwas frisch zu machen bevor sie pünktlich für das Treffen mit ihrer alten Hauslehrerin aufbrach - was ihr einen unheilvollen Blick von Snape einbrachte, der unzweifelhaft einen Abzug von einigen Dutzend Hauspunkten für Gryffindor zur Folge gehabt hätte, hätte er nur einen Weg gefunden, wie dies zu bewerkstelligen wäre. Das würde eine angenehme Abwechslung sein von einem seit fast zwei Tagen schmollenden Snape.
Minerva McGonagalls Zimmer machten einen gemütlichen Eindruck und waren weniger schottisch als Hermine erwartet hatte. Und weniger ordentlich. Sie hatte nie Gelegenheit gehabt, während ihrer Schulzeit die privaten Räume eines der Lehrer zu betreten - außer Snapes, flüsterte ihr heimtückischer Verstand. Alle privaten Unterhaltungen und die meisten der Strafarbeiten fanden in den Büros der Professoren oder in den Klassenräumen statt. So war sie recht überrascht, als sie Räume vorfand, deren Einrichtungsstil sie mehr an eine ‚Albus Dumbledore-Schule für Inneneinrichtung' erinnerte, als an den Amtsstiz des schottischen Gryffindors. Die Sessel passten nicht zusammen und drängelten sich mit verschiedenen kleinen Tischen, das Muster des Teppichs war bis zur Unkenntlichkeit abgelaufen und das Ganze wurde von überquellenden Bücherregalen umzingelt.
Als sie es sich gerade gemütlich machte, warf Minerva hastig eine dicke Decke über einen tiefen Glasbehälter in der Ecke.
„Die Folgen einer Umwandlung des sechsten Jahrganges heute Nachmittag," gab sie zu. „Normalerweise erledige ich so etwas immer gleich nach dem Unterricht, aber heute wollte ich noch schnell etwas aufräumen, bevor Du kommst."
Hermine blickte auf das allgemeine Chaos im Zimmer und war froh, dass sie es nicht im unaufgeräumten Zustand gesehen hatte. Es war eine wirkliche Offenbarung zu erleben, dass Minerva, im Unterricht so penibel und genau, im privaten Bereich so unorganisiert war. Eigentlich war es gar nicht so erstaunlich. Wenn man da an Snapes Räume dachte ...
Um sich von diesem Gedankengang abzulenken, fing Hermine an, sich die Bilder zu betrachten. Eines unterschied sich von den anderen, vor allem deshalb, weil es völlig zwei-dimensional war und geradezu aggressiv unbeweglich. Sie trat etwas näher heran. Es war das Bild einer großen Brücke vor einem traurigen, schottischen Hintergrund aus kahlen Bergen und niedrigem Himmel.
„Ah," sagte Minerva. „Wie ich sehe, hast Du die Tay Bridge entdeckt." Hermine erschrak und trat einen Schritt zurück.
„Tut mir leid," fing sie an, „ich war einfach - ähm."
Minerva winkte ab.
„Mach Dir nichts draus," sagte sie. „Es war ein Geschenk meines Cousins William." Sie seufzte. „Ein lieber, süßer Junge, aber ein grauenvoller Dichter. Seine Mutter war schuld, sie hat ihn auch noch darin bestärkt."
Hermine enthielt sich eines Kommentars.
„Nun," fuhr Minerva fort, „wie sieht's aus mit einem Drink bevor die Hauselfen das Essen bringen."
Sie schwang etwas, dass eindeutig eine große Flasche Whiskey war, ein Getränk, an dem Hermine im Laufe der Jahre Geschmack gefunden hatte. Es schien irgendwie mit ihrer Vorliebe für Kaffee zusammen zu hängen. Sie nahm erfreut an.
„Hervorragend," sagte Minerva und holte zwei große Gläser unter einem Stapel hervor. Hermine hätte schwören können, dass es sich dabei um Aufsätze eines dritten Jahrgangs handelte. Um sich blickend fand sie einen fast freien Tisch, stellte die Gläser darauf, füllte sie zu zwei Drittel und reichte eines Hermine.
„Slainte," sagte sie und nahm einen großzügigen Schluck. „Homöopathie hat keinen Platz in einer Schnapsbrennerei."
Der Meinung war Hermine auch und ließ sich ihren Whiskey schmecken.
**********
Einige Zeit später erschien es Hermine, als enthielte die Flasche sehr viel weniger Flüssigkeit als zu dem Zeitpunkte, an dem Minerva sie geöffnet hatte. Wie auch immer, sie machte sich nicht viele Gedanken darüber, denn Minerva hatte ihr anscheinend ein sich-selbst füllendes Glas gegeben, dass sehr gut funktionierte, vielen Dank. Sie nahm an, dass die Hauselfen das Abendessen gebracht hatten - wenigstens meinte sie sich zu erinnern, etwas gegessen zu haben - aber selbst bei Einsatz von Veritaserum hätte sie nicht darauf schwören können.
Aber das spielte alles überhaupt keine Rolle. Sie hatte es sich in einem Sessel gemütlich gemacht, war eingelullt von der Wärme des Feuers und sie fühlte sich einfach wunderbar. Sie brauchte eine Weile, bis sie merkte, dass Minerva sie etwas gefragt hatte.
„Entschuldige," sagte sie undeutlich, „ich war weit weg."
Minerva grinste süffisant.
„Das habe ich bemerkt. Die Frage ist, mit wem warst Du weit weg?"
Hermine versuchte dahinter zu kommen, was sie meinte.
„Was meinst Du mit ‚wem'?" fragte sie schließlich.
„Ich meine, an wen denkst Du, wenn Du so wie eben ins Feuer starrst als ob Du eine Prise Flohpulver hineinwerfen und seinen Namen rufen möchtest?"
Plötzlich verstand Hermine und, zu ihrem Horror, fühlte sie, wie sie rot wurde.
„Nein, nein, es war nichts dergleichen. Ich bin nur ein wenig müde und das Feuer ist so warm und dies ist ein sehr guter Whiskey."
„Blödsinn," sagte Minerva lebhaft. „Wenn eine junge Frau so verträumt guckt, dann ist es entweder eine Mann oder Scotch. Und da Du noch lange nicht genug getrunken hast, muss es ein Mann sein." Sie schenkte Hermine ein konspiratives Lächeln. „Und ich glaube, ich kann raten wer es ist."
Hermine bekam einen solchen Schreck, dass sie fast wieder nüchtern wurde. Oh,
bitte lieber Gott, nein.
Minerva lehnte sich selbstgefällig zurück.
„Es ist Peregrine Queroz, nicht wahr?"
Hermines Gehirn hatte sich noch nicht ganz von dem Schock erholt und reagierte daher nicht sofort.
„Wer," war alles, was sie hervorbrachte.
„Peregrine Queroz? Der Verteidigungs-Lehrer." Hermine suchte nach Worten als Minerva fortfuhr. „Nun komm schon, meine Liebe, wir alle haben gesehen wie er Dich anschaut, wie er sich beim Abendessen um Dich kümmert. Und er hat Dich eingeladen, seine Kupferstiche anzusehen."
Die letzten Worte drangen schließlich zu ihr durch. Du meine Güte, nicht sie auch noch. Das fehlte ihr noch nach Snapes gestrigem Vortrag.
„Nein. Oh nein, so ist es nicht. Er ist nur, nun, er hat ein paar Stiche und, nun, er hat mich nur gefragt, ob ich sie ansehen will."
„Genau," sagte Minerva triumphierend.
„Nein, nicht diese Art von Stiche, Richtige Stiche. Von der Alchimal of Alderney." Sie blickte düster. „Nein, das heißt irgendwie anders.... Egal, es sind richtige Stiche."
Sie starrte Minerva an, wollte, dass sie ihr glaubte, wollte, das Snape sich irrte.
Minerva sah sie ungläubig an.
„Hermine, dieser Mann ist vernarrt in Dich. Jeder kann das sehen. Ich bin erstaunt, dass Du noch keine Hassbriefe bekommen hast von all den verknallten Mädchen vom zweiten Jahrgang aufwärts."
„Oh." Da gab es nicht viel, was sie dazu sagen konnte. Wenn beide, Snape und Minerva so dachten, dann war es wahrscheinlich wahr.
Minerva stöhnte auf.
„Dafür, dass Du eigentlich ein intelligentes Mädchen bist, stellst Du Dich manchmal ziemlich dumm an." Sie klang wie eine liebevollere Version von Snape, dachte Hermine. „Queroz kriegt praktisch kein vernünftiges Wort raus, wenn Du im Raum bist. Was muss er tun? Dir mit dem Besenstiel eins überhauen und an den Haaren wegschleppen?"
Oh Gott, ich hab mal wieder alles falsch gemacht, dachte Hermine, und fühlte, wie sich ihre Laune schwindelerregend schnell abwärts bewegte.
„Wahrscheinlich," sagte sie kläglich. „Ich bin nicht sehr gut mit so was. Du weißt schon, Beziehungen. Verabredungen. Andeutungen." Sie versuchte ihre Worte mit einer Geste zu unterstreichen und konnte sich gerade noch stoppen, bevor sie den Whiskey, den sie noch in der Hand hielt, in Minervas Gesicht schüttete.
Verdammt, wieso hatte sie diese Unterhaltung jetzt schon zum zweiten Mal
innerhalb von zwei Tagen.
Wenigstens schien Minerva das ganze nicht so verbissen zu sehen. Im Gegenteil, sie war schon fast mütterlich geworden.
„Gibt es jemand anderen?" fragte Minerva sanft.
„Nein, eigentlich nicht."
Minerva zog fragend eine Augenbraue hoch.
„'Eigentlich nicht' klingt für mich wie ‚Ja'. Ist es jemand von der Universität?"
„Nein, überhaupt nicht." Während des Gespräches hatte der Alkohol nicht so sehr ihre Zunge gelöst, aber einige Sicherheitsbarrieren ihres Gemütes waren gelockert worden. „Es gab einige Typen. Nette Jungs, wirklich. Ich weiß eigentlich gar nicht, was schief ging. An einem Tag gingen wir zusammen aus und am nächsten Tag war es schon wieder vorbei und ich habe nie wirklich herausfinden können, was dazwischen passiert ist."
„Dann ist es jemand aus der Schule?"
Ach du liebes bisschen, war ihr Hirn schon so aufgeweicht?
„Ich - ähm- „
„Mr Weasley? Oder vielleicht Mr Potter?"
Wenn Hermine noch in der Lage gewesen wäre, ihre Reflexe zu kontrollieren, dann hätte sie jetzt gelacht. Sie kannte die beiden Freunde aus Kindertagen viel zu gut, um sie in irgendeiner Weise als Partner in Betracht zu ziehen.
„Nein," sagte sie schließlich, „nicht Harry oder Ron." Sie atmete tief ein. „Wenn es Dir nichts ausmacht, möchte ich lieber nicht darüber sprechen."
Minerva nickte und nahm sich einen weiteren Drink.
„Ah, verstehe." Sie zögerte und fuhr dann fort, „die Verlockung des Verbotenen kann sehr stark sein und ist nur schwer abzuschütteln weißt Du. Aber wenn Du es nicht tust, wirst Du niemals Frieden finden."
Hermine hoffte, dass ihre vom Alkohol betäubten Muskeln nicht auf den etwas konfusen Wunsch ihres Hirns, vor Schreck wie gelähmt zu sein, reagieren würden.
Minerva wusste gar nichts. Wirklich nicht.
Hermine nahm einen weiteren Schluck ihres Whiskeys, nur um irgendetwas zu tun und sagte sich, das ihre alte Hauslehrerin keine Ahnung hatte. Snape war - nun, er war nicht - und selbst wenn er es wäre, würde er es nicht sein - und sie war mit Sicherheit nicht bereit dazu - und es war sowieso nur eine alte Geschichte und Minerva wusste wirklich nichts.
Es stimmte einfach nicht.
Snape fühlte sich auf unerwartete Weise entspannt. Der Winter war wieder sehr fühlbar an diesem Abend, die eisige Luft frostig und kalt. Er hatte mit der Idee gespielt sich nach Hogsmeade in die zweifelhaften Freuden des Three Broomsticks zu begeben; dies war ein Abend für Whiskey, pur oder in Kaffee, und er war darauf bedacht - wieder einmal - Hermine aus dem Weg zu gehen.
Sie schienen einander wirklich aus dem Weg zu gehen. Ihre Arbeit war schnell und still voran gegangen, als sie heute morgen beide im Labor arbeiteten. Sie war spät dran gewesen und, so nahm er an, ziemlich verkatert. Als sie gestern ging, hatte sie erwähnt, dass sie sich abends mit McGonagall treffen wollte und wenn er Minervas Vorliebe - und Mengen von - Whiskey bedachte, dann konnte davon ausgegangen werden, dass Hermine noch ziemlich angeschlagen war und heute nicht einmal in die Nähe des Labors gekommen wäre, wenn die Substanzen, die sie gerade entwickelten, nicht so völlig ungefährlich gewesen wären.
Aber sie war früh gegangen an diesem Abend, ohne darüber eine Bemerkung zu verlieren. Snape hatte versucht, sich selbst davon zu überzeugen, dass sie einfach müde war und noch an den Nachwirkungen des Whiskeys von vergangener Nacht litt. Es war ihm nicht gelungen und er hatte eine fruchtlose Stunde damit verbracht, gegen das Universum im Allgemeinen zu wüten, er war sicher, dass sie heute Abend Queroz treffen würde. Sie hatte schließlich eingewilligt, die Stiche dieses Mannes anzusehen. Dass sie ihm nicht erzählt hatte, wann sie sich die besagten Kunstwerke ansehen wollte, war unwichtig - dieser Abend war so gut wie jeder andere.
Nach einer Stunde hatte sich dieser Ausbruch erschöpft, ein Zeichen dafür, dass das Semester lang und anstrengend gewesen war - am Ende der Ferien konnte er diesen Gemütszustand Tage aufrechterhalten, sogar Wochen. Wenn er nichts hatte, an dem er diese Stimmung auslassen konnte, ging sie auch schneller vorbei; ohne die Befriedigung, Hauspunkte abziehen zu können, hatte es weniger Reiz. Es war ihm leider immer noch nicht eingefallen, wie er Gryffindor Punkte für Hermines Verabredung abziehen könnte, aber er arbeitete daran. Kindisch, zugegeben, aber waren Muggel nicht immerzu dabei, die Leute zu ermutigen, ihr ‚inneres Kind' anzunehmen?
Am Ende nahm ihm der Winter selbst die Entscheidung für oder gegen Hogsmeade ab. Es hatte fast den ganzen Tag geschneit und das Hochland mit seinen verblichenen Rot- und Goldtönen des Herbstes wieder in eine weiße Winterlandschaft verwandelt. Die Tatsache, dass, wenn er nicht nach Hogsmeade gehen könnte, dann könnten Hermine und Queroz das auch nicht, befriedigte ihn etwas. Die Befriedigung hielt allerdings nicht lange an, nachdem seine Vorstellungskraft ihm die Alternativen zu einem Besuch in einem öffentlichen Restaurant präsentiert hatte.
Zum Schluss war er es einfach leid sich zu ärgern, er war es leid sich weniger als ein Mensch zu fühlen nur weil Hermine sich Queroz' Stiche ansah und er war diese endlosen Selbstbetrachtungen leid, die sie irgendwie in ihm wachzurufen schien. Snape nahm Zuflucht in der medizinischen Wirkung von Whisky.
Eine Flasche Old Ogden's, die so alt war, das sie wahrscheinlich schon antik zu nennen war, wurde aus den Tiefen des Regals gegraben. Snape roch vorsichtig beim Öffnen daran, der Alkohol war bekannt dafür, merkwürdig instabile Flaschen zu produzieren. Die leichten Explosionen von Flaschen mit jüngeren Jahrgängen mochten noch ganz amüsant sein; dies aber hatte das Potenzial für etwas sehr viel spektakuläreres und gefährlicheres.
Zwei Gläser später hatte Snape es sich vor dem Feuer in einem Sessel gemütlich gemacht, sah den Schneeflocken zu, wie sie langsam an dem Fenster vorbei wehten, beschienen von dem sanften Licht des Ofens und der hundert oder mehr Kerzen die überall in dem Arbeitszimmer verteilt waren. Es war kein Abend für helles, direktes Licht. Der Whiskey hatte getan, was er sollte und Snape war so nahe an einem medidativen Zustand wie es für ihn nur möglich war, als er die Muster der Flocken betrachtete und sein Kopf endlich, wunderbarerweise, leer war.
Er wusste nicht, wie lange er so gesessen hatte - lange genug, wie er annahm - als er ein Klopfen an der Tür hörte. Albus Dumbledore. Der Mann schien von Snapes Whiskey magisch angezogen zu werden - oder es war einfach nur dieses verdammte ich-weiß-alles Aufblitzen, dass ihn unverzüglich zu Snape führte, wenn dieser den Drang verspürte sich in dieser Weise selbst zu heilen.
Snape war nicht sicher, ob er etwas gesagte hatte um die Tür zu öffnen - wahrscheinlich hatte er, aber vielleicht auch nicht. Wie auch immer, das Ergebnis war das gleiche. Die Tür schwang sanft auf und das bärtige Wunder trat ein. Mhm. Vielleicht war der Whiskey etwas stärker als er gedacht hatte.
„Severus, ich dachte es ist an der Zeit, dass ich mal hinunter zu Dir käme um Dich zu besuchen. Das Ende eines Semesters ist immer so ein Durcheinander, nicht wahr? Ich hatte bis jetzt einfach noch keine Zeit meine Runde bei den Kollegen zu machen. Wie ist der Ogden's heute Abend?"
Dieser Mann fragte viel zu viele Fragen - und irgendwie hatte er etwas merkwürdiges an sich heute; es schien, als ob sein Mund und seine Worte nicht synchron wären. Snape runzelte etwas die Stirn und machte dann eine Geste in Richtung des Sessels auf der anderen Seite des Kamins. Dem, auf dem Hermine gesessen hatte, neulich beim Mittagessen ... verdammt. Der leere Kopf war so angenehm gewesen, solange es gedauert hatte.
„Albus," sagte er, nickte dem Schulleiter zu als der sich setzte und seinen Bart so ausbreitete wie es ihm gefiel. „Etwas Whisky?"
„Oh, ich glaube, das ist eine gute Idee in einer Nacht wie dieser, Severus. Soll ich mich selbst bedienen?"
Mit Sicherheit nicht synchron - und das Zwinkern schien noch bedeutungsvoller als sonst zu sein. Er nickte einmal und sah zu, wie der Schulleiter ein Glas mit einem gemurmelten Accio herbeischweben ließ und sich selber eine ziemlich großzügige Menge Whiskey einschenkte. Er nippte bedachtsam daran und hielt das Glas dann gegen das Licht.
„Lieber Himmel, Severus, wo hast Du den denn her? Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Whiskey dieses Jahrganges gesehen habe."
„Von irgendwo dahinten." Snape zeigte in Richtung des Regals. „Weiß nicht genau, wo er herkommt. Spielt das eine Rolle?"
„Nein, überhaupt nicht. Ich vermute, er gehörte zu den Besitztümern deines Vorgängers - oder ihres Vorgängers, berücksichtigt man das Alter. Erstaunlich, was sich alles in den Tiefen dieses Schlosses verborgen hat und nur darauf wartet, dass es entdeckt wird, nicht wahr? Alle möglichen Dinge und nicht alle sind immer das, was sie zu sein scheinen."
Dumbledore sah ihn bedeutungsvoll an. Snape war nicht gewillt nach diesem Köder zu schnappen, aber wie es schien, hatte sein Unterbewusstsein andere Vorstellungen und übernahm kurzerhand die Kontrolle.
„Ich bin nicht sicher, ob sie entdeckt werden möchte, Albus." Oh du meine Güte, hatte er das wirklich gesagt? Snape stellte vorsichtig seinen Whiskey ab, obwohl es schien, als ob der Tisch sich etwas aus seiner Reichweite entfernt hatte. Er fing das Glas jedoch bevor es fallen konnte und stellte es noch vorsichtiger auf das niedrige Kastanientischchen. Vielleicht sollte er mit dem nächsten Schluck warten - bis nächstes Jahr. Oder Jahrhundert.
"Manchmal werden Dinge gefunden, ob sie wollen oder nicht."
"Ich glaube, gerade in diesem Moment wird sie von jemand anderem gefunden. Oder vielleicht auch von seinen Stichen." Jetzt klang er gereizt und das gefiel ihm gar nicht.
„Vielleicht hat er auch nur eine vage Vorstellung davon, wo das ist, was er
sucht; ich könnte mir vorstellen, dass er das falsche anschaut - Rauch und Spiegel, wenn Du willst."
Snape griff wieder zu seinem Whiskey - zur Hölle damit. Er brauchte mehr
Alkohol um Dumbledore folgen zu können, wenn er in dieser Stimmung war. Sehr kryptisch.
"Es spielt wirklich keine Rolle was er sich ansieht, Albus, oder ob er etwas gefunden hat. Es liegt nicht bei ihm; sie hat die Wahl. Sie hatte sie immer. Da du dieses rührselige Gespräch angefangen hast, kannst du dir auch den Rest anhören. Es ist unwichtig was ich denke - was sie denkt ist wichtig; und ich kann dir sagen, dass sie nicht an mich denkt. Oh, schüttle nicht deinen Kopf, du weißt, dass sie es nicht tut. Ich bin der Potions Professor, der, mit dem sie vor einigen Jahren einen .... bedauerlichen Zwischenfall hatte. Der, mit dem sie arbeiten muss, auch wenn sie es eigentlich nicht möchte. Ich weiß, ich weiß, sie hasst mich nicht - das bleibt mir wenigstens erspart. Vielleicht respektiert sie mich sogar, wer weiß? Aber das ist alles. Und ich habe viel zu viel getrunken."
Snape starrte in seinen Whisky, bernsteinfarbenes Gold und gebrochenes Kerzenlicht in seinem Glas, und wartete auf die Worte der Weisheit - die Platitüden, die Bemerkungen, die Ratschläge. Die Zitronenbonbons.
In der Stille knisterte das Feuer im Ofen, Rinde und Saft quollen auf und krachten in der Hitze, glühende Stücke fielen mit rauen Seufzern und leckenden Flammen auf das Rost.
Schließlich, kurz bevor Snape von seinem Glas aufsah um sich zu vergewissern, dass Dumbledore nicht mitten in seinem Selbstgespräch gegangen war, hörte er ein leises Glucksen.
„Dann gibt es für mich nichts mehr zu sagen, nicht wahr?" Es lag eine merkwürdige Betonung auf dem Wort ‚mich', aber Snape bekam es nicht mit. Das Feuer war auf seltsame Weise auseinander gefallen, die Flammen waren unscharf. Sein Gehör war wahrscheinlich ebenfalls unscharf, aber er sah trotzdem auf.
Dumbledore war also doch gegangen.
Aus irgendeinem Grund tat Schnee Hermine immer gut.
Natürlich war sie den kindlichen Gefühlen die damit verbunden waren längst entwachsen; ihr waren die Einwände Erwachsener gegen Kälte und Feuchtigkeit, Frost und Niederschläge und die unvermeidlichen Unterbrechungen und Verspätungen, die mit dem Leben in einem Land, das völlig jahreszeitengerechtes Wetter als Angriff auf seine nationale Würde sah, sehr bewusst. Trotz allem war sie immer noch von dem Anblick der weißen Decke, die das Land bedeckte fasziniert, der Dreck und Matsch und die Unvollkommenheit blieben darunter verborgen, vergraben der Müll der Zivilisation tief darunter und es bildete sich eine reine Fläche, auf der man möglicherweise etwas Neues schreiben konnte.
Sie schnaubte bei diesen abstrusen Gedanken.
Es brauchte schon mehr als das Wetter und eine schöne Landschaft, um mit ihrem gegenwärtigen Problem fertig zu werden. Welches man mit zwei Worten beschreiben konnte: Peregrine Queroz.
Nachdem sie in den vergangenen Wochen kaum einen Gedanken an ihn verschwendet hatte, bescherte ihm nun die Unterhaltungen, die sie mit Minerva und Snape geführt hatte, sozusagen eine extra Abteilung in ihren Gedanken. Während sie bereit war Snapes Bemerkungen dazu als - nun, seiner Art entsprechend, mehr oder weniger, abzutun, so traf sie Minervas Bestätigung seiner Worte wie ein grässlicher Schock. Allerdings erst, als ihr Körper den Rest von Minervas Whiskey abgebaut hatte und sie alle ihre Sinne
wieder beieinander hatte.
Dieses eine Mal war sie dankbar für Snapes Schweigen im Labor; zumindest hatte er die verschiedenen Stadien ihres verkaterten in-sich-gekehrt-seins der letzten zwei Tage nicht unterbrochen. Eigentlich schien er selbst ein wenig - empfindlich - heute. Sie hatte sich darüber gewundert, aber beschlossen, dass eine Nachfrage vermutlich nicht gut aufgenommen werden würde.
Sie seufzte.
Es half alles nichts; irgendwann musste sie sich mit ihm auseinandersetzen.
Hermine Granger mochte etwas planlos sein, wenn es um Beziehungen ging, aber sie war nicht unaufrichtig. Wenn ihre Aufmerksamkeit erst einmal auf eine Sache gelenkt war, dann gehörte sie nicht zu denen, die Spiele spielten.
Was hieß, dass Queroz über einige Dinge aufgeklärt werden musste.
Am Ende bot sich diese Gelegenheit eher, als sie gedacht hätte. Auch wenn die meisten Schüler über die Feiertage nach Hause gefahren waren, so trafen sich die wenigen Bewohner des Schlosses doch weiterhin in der Großen Halle zum Abendessen. Das Wetter war so schlecht, dass sogar Hagrid sich nicht weiter herauswagte, als absolut notwendig.
Snape saß schon auf seinem Platz am Tisch als sie eintrat. Er sah immer noch ziemlich mitgenommen aus, dachte sie - was im Einklang zu seinem Benehmen am heutigen Tage stand - aber mittlerweile schien er etwas weniger empfindlich zu sein als zu Anfang. Er saß krumm auf seinem Stuhl und starrte auf seinen Teller, als ob dort gefährliche Dinge lägen. Er beachtete Hermine nicht, als sie an ihm vorbei zu dem wie immer leeren Stuhl neben Queroz ging.
Sie fühlte, wie ihr das Herz sank. Fast zwei Wochen hatte sie ohne jedes Problem neben ihm gesessen und nun wurde sie von grässlichen Schmetterlingen heimgesucht.
Queroz schenkte ihr sein übliches Willkommenslächeln und stand auf, um den Stuhl für sie zurück zu ziehen. Hermine wagte nicht, in Minervas oder Snapes Richtung zu sehen, obwohl sie vermutete, das der Letztere selbst dann noch eine Regung unterdrücken würde, wenn ein Hippogreif überraschend durch die Halle getobt käme.
„Guten Abend, Hermine," sagte er, seine weiche Stimme mit dem leichten Akzent klang sanft. „Ist es nicht ein furchtbarer Abend."
Sie nickte und bewegte sich unruhig auf ihrem Stuhl, was sie dadurch zu verbergen sucht, dass sie so tat, als ob sie es sich bequem machte.
„Zum Glück haben die Hauselfen etwas Warmes für uns vorbereitet." Wie aufs Wort erschien eine Schüssel mit dickem Eintopf vor ihnen. Hermine wünschte, sie hätte Appetit darauf. Queroz sah sie einen Moment fragend an. „Geht es Dir gut, Hermine? Hast Du Dir vielleicht eine Erkältung bei deiner vielen Arbeit dort unten in den Kerkern geholt?"
Sie nahm sich zusammen.
„Nein, mir geht es gut. Ich bin nur ein wenig - müde. Das ist alles."
Er lächelte.
„Du brauchst einen freien Abend," sagte er. „Du arbeitest viel zu viel." Er überlegte. „Es liegt zuviel Schnee um auszugehen und es ist zu kalt, um wieder in die Kerker zu gehen. Warum kommst Du nicht hinauf in meine Räume, Du könntest Dir die Stiche ansehen und ich mache Dir einen guten Kaffee."
Oh verdammt, dachte sie. Dies war der Moment. Aber so hatte sie das nicht geplant. Soweit man da überhaupt von Plänen sprechen konnte. Ihre Überlegungen waren eigentlich mehr fromme Wünsche gewesen. Dass sie sich dabei an einem öffentlichen Platz befanden, gehörte nicht dazu und noch viel weniger, dass es beim Abendessen in der Grossen Halle stattfand, wo so ziemlich jeder anwesend war.
Sie legte ihre Gabel nieder, ohne sie bisher wirklich benutzt zu haben.
„Peregrine," fing sie vorsichtig an," Du weißt, dass ich Dich sehr gern habe und ich würde diese Druckplatten auch wirklich gerne sehen, aber - ähm," sie zögerte und entschied sich dann einfach weiter zu machen. Es machte nicht viel Sinn, in so einer Situation besondere Feinfühligkeit zu zeigen. Das war, als würde man versuchen, ein Pflaster auf taktvolle Art und Weise zu entfernen. Sie holte tief Luft. „Du musst wissen, dass ich im Moment überhaupt nicht an einer Beziehung interessiert bin. Es liegt nicht an Dir - Du bist ein wirklich netter Mensch, aber ich muss ehrlich Dir gegenüber sein. Ich glaube, Du möchtest etwas von mir, was ich Dir nicht geben kann."
So. Es war raus.
Queroz schwieg einen Augenblick.
„Hermine, meine Liebe, „sagte er schließlich. „Ich möchte nicht ableugnen, dass ich Dich gerne näher kennen lernen möchte. Du bist eine faszinierende und wunderschöne junge Frau. Aber Deine Worte kommen nicht so überraschend für mich. Ich habe immer gemerkt, dass, obwohl Du mit mir sprachst, Dein Herz woanders hin schaute. Ich wünschte mir, es wäre anders." Er nahm ihre Hand und führte sie an seine Lippen. „Du bist immer noch jederzeit willkommen, falls Du Dir die Stiche ansehen möchtest. Würdest Du mich jetzt bitte entschuldigen."
Er stand anmutig auf und verließ die Halle, ohne sein Essen zu beenden.
Hermine atmete aus.
Verdammt, dachte sie gehässig. Warum konnte ich mich nicht in ihn verlieben? Er sieht gut aus, er ist charmant und aufmerksam, er macht sich über meine Gesundheit Gedanken oder darüber, ob ich zuviel arbeite und sogar nachdem ich ihn abgewiesen habe schafft er es, lieb und zivilisiert und zartfühlend damit umzugehen. Er ist genau so, wie jede Frau sich einen Mann wünschen würde. Wieso ich nicht? Zur Hölle, sogar er denkt, dass es jemand anderen gibt und er kennt mich gerade mal fünf Minuten.
Das er recht hatte und dass das eine weitere Sache war, mit der sie sich beschäftigen musste, hob ihre Laune jetzt auch nicht gerade.
**********
Die Dinge müssen ja schlimm stehen, wenn das Erscheinen von Parvati Patil schon fast als Gnadenfrist angesehen wird, dachte Hermine.
Sie hatte gerade die Große Halle verlassen und war auf dem Weg zurück zu ihren Räumen als Ms Magic höchstpersönlich auftauchte, in ziemlich zerzaustem Pink dieses mal. Ihr Mantel war so auffällig wie immer, aber das Wetter hatte ihm sehr zugesetzt. Sie war blass und ihr glänzendes Haar war dem Zauberspruch, der es perfekt in Form halten sollte, entwischt.
Hermine musste zweimal hinsehen.
„Parvati, Du lieber Himmel, was machst Du hier? Wir haben Dich nicht vor morgen erwartet."
Parvati zog selbstbewusst ihren Mantel in Form.
„Nun," sagte sie mit einer etwas brüchigen Fröhlichkeit, „Morgen ist der große Tag, nicht wahr. Wenn ich meine Artikel geliefert bekomme." Hermine sträubten sich die Nackenhaare bei der Betonung auf ‚meine'. „Ich dachte, ich komm etwas früher vorbei und schau mal, ob auch alles klappt."
Sie schien ihre Haltung sehr schnell wieder zu finden und Hermine fragte sich, ob sie sich den ramponierten Auftritt von eben nur eingebildet hatte.
Parvati kam in Schwung.
„Ich habe mir ein Zimmer in dem bezauberndsten kleinen Gasthof in Hogsmeade genommen, aber ich musste von der Grenze des Schulgeländes an zu Fuß gehen. Ich finde es etwas albern von Albus, dass er die Schutzzauber immer noch aufrecht erhält nachdem Du-weißt-schon-wer verschwunden ist." Sie wedelte mit der Hand. „Es klappt alles gut, oder?"
Hermine ärgerte sich über die Annahme, dass sie den gesetzten Stichtag nicht einhalten könnte und der Tatsache, dass ihr Abend so unterbrochen wurde.
„Ja, alles geht wie geplant, Parvati. Warum gehst Du nicht zurück nach Hogsmeade und morgen haben wir alles für Dich fix und fertig eingepackt und beschriftet."
Es war nicht die Nähe zu Queroz, die solche Auswirkungen auf sie gehabt hatten, dachte sie.
„Aber wo ich nun schon einmal hier bin, könnte ich doch schnell einen Blick darauf werfen.
Hinterher dachte Hermine, dass sie dem hauptsächlich zugestimmt hatte um diesen bettelnden Klein-Mädchen Ton nicht mehr hören zu müssen. Müde führte sie Parvati hinunter in die Kerker.
Dort angekommen, stellte sie überrascht fest, dass die Verschlusszauber ausgesetzt waren und noch überraschter war sie, als sie Snape innen vorfand, der offensichtlich an etwas arbeitete. Er sah bei Parvatis Anblick noch weniger begeistert aus, als Hermine.
„Parvati ist hier um zu sehen, wie wir voran kommen," erklärte sie lahm.
Snape machte ein mürrisches Gesicht. Parvati jedoch starrte Snape an, die Augen groß vor Überraschung. Sie erholte sich jedoch schnell, ging näher zu ihm und sah in den Inhalt seines Kessels.
„Ooh," sagte sie mädchenhaft, „ist das für mich?"
„Nein," sagte Snape kurz und streckte eine Hand nach einem Stößel aus, auf dem sich so etwas wie Puder befand.
Parvati betrachtete ihn noch etwas länger. Um sie abzulenken, nahm Hermine die erste Schachtel mit Mustern. Parvati schaute sie durch, schraubte hier etwas auf, schnupperte dort, steckte einen Finger in das eine oder andere ordentlich beschriftete Glas. Obwohl sie Fragen stellte, hatte Hermine den Eindruck, das ihr Hauptaugenmerk bei Snape lag.
Hermine spannte ärgerlich ihren Kiefer an. Was fand Parvati denn so verdammt faszinierend an ihm?
Parvati stellte das letzte Glas mit einer gemurmelten Zustimmung zurück und schlängelte sich wieder dorthin zurück, wo Snape noch immer arbeitete.
„Ach, Professor," sagte sie süß, „möchten Sie mir nicht erklären, was Sie da tun? Es sieht faszinierend aus."
Hermine fühlte, wie sich die Muskeln in ihrem Nacken spannten. Sie fing an, die Tuben und Flaschen sehr geräuschvoll umzustellen.
„Wie schade, das Ihre Faszination nicht schon eher eingesetzt hat, Miss Patil. Zum Beispiel während Ihrer Schulzeit. Es besteht wenig Aussicht, dass Sie den Arbeitsprozess jetzt verstehen werden." Snape sah sie dabei nicht einmal an.
Parvatis Augen glitzerten.
„Haben Sie welche von diesen Produkten ausprobiert, Professor?"
„Sie wurden alle komplett getestet," erwiderte er ausdruckslos.
„Das dachte ich mir," gurrte sie. „Man sieht es, wissen Sie. Sie sind so klug. Ich hätte niemals an eine Pflegeserie für Zauberer gedacht."
Parvati legte eine Hand auf Snapes Arm. Hermine hätte schwören können, dass er vor Schreck erstarrte.
„Ich sehe Sie morgen, Professor."
Sie pflanzte einen leichten Kuss auf seine Wange und verschwand. Um Hermine kümmerte sie sich nicht mehr.
Die Anspannung in Hermines Hinterkopf hatte sich mit der Anspannung des vorderen Teils ihres Kopfes verbunden und beide waren dabei, sich zu einem ausgewachsenen Kopfschmerz zu entwickeln. Unvernünftige Wut machte sie fast sprachlos.
„Wenn es nichts weiter gibt, Professor," betonte sie in garstiger Weise, „ dann überlasse ich Sie jetzt Ihrem Genie."
Das erste Mal nach viel zu vielen verdammten Jahren war er einmal der Empfänger eines Kusses und dann kam er von Parvati Patil. Miss Pink. Pinker als pink. Was zum Teufel … Snape konnte nicht denken. Er war immer noch geschockt von den Ereignissen des vorherigen Abends und fürchtete den Morgen, wenn sie wieder im Labor auftauchen würde.
Er hatte nicht geschlafen - ungewöhnlich zur Zeit, auch wenn er normalerweise weniger schlief, als man allgemein für angebracht hielt. Stattdessen hatte er versucht seiner Bestürzung und Irritation und Verwirrung Herr zu werden, indem er sich in die Arbeit stürzte. Er vergrub sich im Labor mit Kerzen und Sternenlicht um die letzten Produktionsmuster der Herrenserie noch zu verbessern und zum Abschluss zu bringen.
Dabei hatte der Abend vielversprechend angefangen - Hermine hatte schließlich eindeutig Stellung bezogen, wenn man Rückschlüsse aus Queroz Benehmen beim Dinner ziehen konnte. Die Reste des von Dumbledore verursachten Katers umschwebten zu Beginn der Mahlzeit noch fühlbar seine Sinne, aber das Scharren der Stuhlbeine auf dem Stein und der abrupte Abgang von Queroz aus der Halle hatten seinen Kopf mit überraschender Effizienz klar werden lassen. Hermine hatte in die Reste ihres Eintopfes gestarrt, als ob sie dort die Antworten auf ... na, auf irgendetwas finden würde. Fulcanellis Viertes Gesetz der Alchemie vielleicht.
Er hatte kurz überlegt zu ihr hinüber zu rutschen, um mit ihr zu reden, aber etwas hielt ihn zurück - das Öffentliche dieses Ortes, sicherlich, aber da gab es noch mehr. Er konnte sich vorstellen, dass sie seine Worte als Häme auffassen würde, besonders die Tatsache, dass sie nicht begriffen hatte, was Queroz vor hatte. Er wusste sehr gut, wo seine Schwächen lagen und bildete sich nicht ein, dass er den gewissen gut gemeinten Ton hervorbringen würde, der vielleicht seine einzige Möglichkeit war, sie nicht noch mehr aufzuregen oder wütend zu machen.
Snape unterbrach seine Gedanken jetzt für einen Moment, schaltete die Gedanken, die sich immer und immer wieder mit letzter Nacht beschäftigten, einfach ab, um sich auf die letzten Schritte zur Vollendung der Feuchtigkeitscreme für alle Hauttypen zu konzentrieren. Die stumpf-weiße Masse, durchsetzt mit kleinen lilafarbenen Pünktchen, war in der Schale ziemlich fest geworden und musste mit dem Spatel durchgewalkt werden. Endlich stoppte er, ein leiser Seufzer der Müdigkeit und Anstrengung unterbrach den Moment; die Konsistenz und Oberfläche der Creme war jetzt angemessen für seine Zwecke. Er zog ein schiefes Lächeln - es war perfekt, etwas anderes kam für ihn auch gar nicht in Betracht.
Er starrte weiterhin in die Schale, bis Weiß und Lila anfingen sich in seinem unbestimmten Blick zu vermischen, er dachte an gar nichts und genoss den Aufschub. Dann, plötzlich, fuhr er mit einem Finger durch die Creme und lud sich etwas davon auf die Hand. Er schaute grimmig, überlegte ...
Ein paar Schritte brachten ihn zu seinem Badezimmer und dem Spiegel dort. Er schaute immer noch düster als er sich von Nahem betrachtete; er konnte sich nicht erinnern, wann er eigentlich das letzte Mal sein Gesicht betrachtet hatte, außer in Teilansichten während des Rasierens, und dann achtete er eher auf die Falten und Kanten um sein Vorhaben ausführen zu können und nicht so sehr auf sein Spiegelbild. Jetzt sah er hin. Nach einer Minute oder so schüttelte er einfach den Kopf und zuckte mit den Schultern. Besser, er verrieb die Creme in seinem Gesicht, als sie zu verschwenden. Er arbeitete sie in die Haut ein und betrachtete wieder sein Spiegelbild. Er hatte gedacht dass, vielleicht, das Produkt etwas mit seinem Gesicht gemacht hatte - etwas, was Ms Patils merkwürdiges Verhalten gestern Abend ausgelöst hätte. Etwas, was McGonagall zu ihren komischen Bemerkungen veranlasst haben könnte und, jetzt fiel es ihm wieder ein, auch Queroz vor ein paar Tagen.
Aber das Gesicht, dass ihm aus dem Spiegel entgegenstarrte, war das gleiche Gesicht wie immer. Vielleicht waren seine Haut und sein Haar weniger unordentlich als sonst; das endlose Ausprobieren von Feuchtigkeitscremes und Conditionern und Reinigern und Rasierschaum musste ja irgendeine Auswirkung haben. Aber das war alles, das Gesicht selber war unverändert, immer noch lang und wenig einnehmend. Snape wandte sich angewidert vom Spiegel ab. Er verschwendete seine Zeit; Ms Pink hatte einfach zuviel getrunken letzte Nacht , oder so was in der Art.
Als er zurück ins Laboratorium kam, war Hermine schon angekommen. Sie sah von ihren eigenen in letzter Minute zu erledigenden Dingen auf, eine Reihe von Flaschen und Tiegeln standen vor ihr.
„Guten Morgen."
Ihre Stimmen echoten zur gleichen Zeit in der frostigen Luft und auf ihren Gesichtern erschienen kleine, ähnliche Lächeln, die ihr Amüsement darüber ausdrückten. Hermine wandte sich wieder ihrer Arbeit zu und Snape ging hinüber zum Herd; es war höchste Zeit für einen Kaffee heute Morgen.
Die vertraute Routine war beruhigend, das Unterteil des Topfes mit Wasser füllen, Kaffee in den Halter schütten und die Teile zusammensetzen. Er setzte den Topf auf den Herd und ging zu seinem Arbeitstisch zurück, um die Beschriftungen zu beenden, die er für seine eigenen, vor ihm aufgebauten Flaschen und Tiegel brauchte.
Der Duft des Kaffee und das Zischen des Topfes unterbrachen ihn kurze Zeit später; er stellte einen dampfenden Becher vor Hermine hin und blieb einen Moment neben ihr stehen. Sie murmelte ihren Dank, ohne die Arbeit zu unterbrechen, füllte die letzten noch verbliebenen leeren Flaschen die vor ihr standen und stellte sie weg.
Als die letzte befüllt und beschriftet war, gähnte sie und dehnte sich, wobei sie ihren Rücken nach hinten beugte, dabei stieß sie gegen ihn. Sie erschrak, drehte sich um und sah ihn an; Snape hatte sich nicht bewegt und für einen Moment oder zwei starrte sie zu ihm auf. Zu seiner verborgenen Freude schob sie ihren Stuhl nicht sofort vorwärts, von ihm weg. Stattdessen nahm sie ihren Kaffeebecher und trank einen Schluck, hielt ihn mit beiden Händen - wahrscheinlich versuchte sie ihre Hände zu wärmen, die ganz verkrampft waren von der kalten und genauen Arbeit.
„Nach allem bin ich fast überrascht, dass wir es pünktlich geschafft haben. Es gab Zeiten, da habe ich nicht geglaubt, dass es klappen würde, dass wir einen rosafarbenen heulenden Derwisch im Labor haben würden, der Ruin und Katastrophe schreit."
„Keine Beleidigungen gegen Derwische," antwortete Snape trocken.
„Lass mich raten, einige Deiner Verwandten sind Derwische?" Ihrer Stimme war ein breites Grinsen anzuhören, auch wenn sie in den letzten zehn Jahren die Kunst gelernt hatte, ein Poker Face aufzusetzen.
„Wie hast Du das erraten?" Sein Ton war noch trockner und jetzt grinste sie wirklich; eigentlich lachte sie sogar und lächelte zu ihm hinauf. Oh, wie hatte er das vermisst.
Er wollte gerade etwas sagen - später konnte er sich nicht mehr erinnern, was, er hatte allerdings eine allgemeine Vorstellung davon, was zu der Zeit in seinem Kopf vorgegangen war - als sich die Tür öffnete und der rosafarbene Derwisch höchstpersönlich in den Raum wirbelte.
„Hallo ihr Süßen! Severus, Du hast es geschafft! Oh, die sind exquisit - erzähl mir alles darüber!"
Parvati Patil und ihre Ausrufezeichen hatten sich um Snape gewickelt ohne Hermine groß zu beachten, die daneben stand. Das Poker Face war verschwunden und sie grinste über sein Unbehagen an diesem Morgen.
Der Morgen schien überhaupt nicht enden zu wollen, auch wenn es nicht mehr als ein paar Stunden gebraucht hatte, um Ms Patils Fragen zur Zufriedenheit zu beantworten und ihren Lobeshymnen auszuweichen. Sie ging, nach einer Ewigkeit, endlich, mit einer Schachtel angefüllt mit den Tränken und den dazu gehörenden Notizen und Rezepten für eine Massenproduktion. Snape hatte ihre Stimme immer noch im Ohr und schüttelte sich bei der Erinnerung an ihre mit gedämpfter Stimme ausgesprochene Einladung zu einem Dinner, Mittagessen, egal was, wenn er das nächste Mal wieder in London wäre.
Endlich fiel die Tür der Schule geräuschvoll hinter ihr ins Schloss.
„Ich dachte, sie ist verheiratet?"
Er dachte, er hätte diese Frage nur gedacht, aber Hermine antwortete. „Manche Leute lassen sich von solchen Nebensächlichkeiten nicht aufhalten."
„Ich schon."
Hermine nickte geistesabwesend, mit den Gedanken woanders. Zweifellos konnte sie es gar nicht abwarten selber wieder nach London zurückzukehren, wo doch in ein paar Tagen Weihnachten war. Ihre Familie, wenn schon sonst niemand, würde sie erwarten, natürlich. Snape atmete tief ein und redete sich selber den Gedanken aus, sie zu fragen, ob sie bleiben würde. Es machte ja keinen Sinn, eine Ablehnung herauszufordern.
„Ich nehme an, Du reist jetzt ab, wo das - das - dem nicht mehr im Wege steht?"
Er wartete auf eine Antwort, seine Frage hallte in dem Gewölbe wieder, in dem sie standen.
„Ähm, nun ja, ich hatte nicht ..." Hermines Stimme verlor sich, als ob die Antwort mehr beinhaltete, als ein einfaches „Ja".
„Ah, Hermine, Severus. Wie schön, euch beide hier zu treffen - habt ihr Ms Patil erfolgreich verabschiedet?" Snapes Mund verzog sich ungewollt zu einem kleinen Lächeln; die Worte des Schulleiters waren auf eine nette Art ziemlich doppeldeutig. Was, um fair zu sein, eine wahrscheinlich nützliche Einschätzung des Schulleiters selber war.
Dumbledore nahm das belustigte Schweigen als Zustimmung und kicherte.
„Gut, gut. Also, Hermine, ich bin froh dich zu erwischen - soviel ich weiß, sind Deine Eltern zur Zeit verreist?" Er machte eine kleine Pause und fuhr dann, auf Hermines erstauntes Nicken hin, fort. Snape hob eine Augenbraue - es konnte ihn doch nicht wirklich überraschen, dass der Schulleiter über Hermines Familienangelegenheit informiert war?
"Wunderbar - dann würdest Du uns vielleicht die Freude machen und dieses Jahr das Weihnachtsfest in Hogwarts verbringen? Es ist natürlich nicht so wie zu Hause, aber ich bin sicher, wir finden etwas, um Dich zu unterhalten." Snape war sich unangenehm bewusst, dass Dumbledores Blick von Hermine zu ihm gewandert war und fast hätte er Hermines erfreute Zusage verpasst. Der Blick, dem sie ihm zu warf, als sie die Einladung annahm, entging ihm jedoch nicht.