DAS FEUER UND DIE ROSE - 2. Roman
(THE FIRE AND THE ROSE - 2)


von Metro Vampire und Rhosymedre


Übersetzung: Shoshana


Feedback: Anne und Abby




Teil 12 - 17



December 12th

Teil 12 - 12. Dezember

 

Sich im Lärm verbergen. Sich verstecken vor dem Lärm, dem grellen Licht, dem Glitzern. Wie lange musste er noch bleiben? Ein schneller Blick zu Dumbledore machte ihm klar, dass seine Begnadigung noch eine Weile auf sich warten lassen würde; der Schulleiter spielte mit seinen Schuldgefühlen als ob es ein Musikstück sei und er ein Musiker. Voldemort war tot, das Leben war weitergegangen, und er war noch immer Gefangener seiner Schuldgefühle, seiner Verpflichtung und seinem Ehrgefühl.

Leichtsinn, ein anscheinend unendlicher Strom von Feiern und Partys und sinnfreiem Geschnatter, noch leerer als vorher - vor Voldemorts Fall hatten diese Sachen wenigstens einen Hauch von Berechtigung angesichts der Verzweiflung über die nur zu gut bekannten Aussichten für die Zukunft, ein Versuch zu leben, nicht wissend wann man sterben würde. Nicht das er jemals wirklich daran teilgenommen hatte, trotz eines feineren Gespürs als die meisten für den drohenden Untergang; er wurde bei jedem Treffen damit konfrontiert. Vielleicht war das besser auszuhalten als das Warten auf die letzte Schlacht. Man konnte es nicht sagen und, auf jeden Fall, empfand das jeder mit ziemlicher Sicherheit anders.

Aber dieses jetzt - Halloween-Bälle, Neujahrsball, Abschlussbälle, Quidditch-Essen, Valentinstag-Banketts, Sommerfeste, Herbstbälle, Weihnachtsbälle und viel zu viele Menschen und mehr ... und mehr .... jeden Tag, jede Woche, immer neue Gründe, neue Entschuldigungen und wieder rief jemand neues alle anderen zusammen. Er war es leid und es war ermüdend und ...

.... und er war ungerecht. Es gab heutzutage nicht mehr Feste als damals - Dumbledore war einfach geselliger als ein Mensch sein sollte, dachte Snape säuerlich. Dieses Quidditch Spiel war ein typisches Beispiel für einen Anlass - falls man überhaupt von einem Anlass sprechen konnte. Er konnte mit Sicherheit keinen erkennen, es sei denn, Dumbledore richtete neuerdings Partys für Hermine aus, damit sie über diesen Idioten Queroz in Verzückung geraten konnte.

Dieser ungewöhnliche Gedankengang wurde abrupt unterbrochen. Er klang eifersüchtig, merkte er, und das war völlig unmöglich. Warum sollte er eifersüchtig sein? Nur weil er gestern neben ihr gesessen hatte - der düstere und frostige Ausdruck den er aufgesetzt hatte und der ihn umgab wie einen Mantel, hatte dafür gesorgt, dass der einzige freie Platz der neben seinem war. Und dann tat sie während des ganzen Spieles nichts anderes, als jeder Bewegung dieses Idioten auf seinem Besen zu folgen. Während er sie die ganze Zeit nur angeschaut hatte.

Verdammt, das war unerträglich. Nicht der Lärm, das Geschnatter der Schüler und Lehrer - obwohl das schon schlimm genug war - sondern seine Gedanken, die sich unaufhörlich im Kreis bewegten. Es war fast schon eine Manie, sie zu beobachten, sich zu überlegen, wann er wieder mit ihr sprechen würde, sich Gründe auszudenken, um mit ihr zu sprechen. Dann sich selber zu zwingen nicht zu sprechen, sie nicht zu beobachten und ihr nicht zufällig im Schloss über den Weg zu laufen. Alles was sie tat und sagte zu analysieren, nur um zu sehen ob ....

Er wusste nicht einmal wo das herkam, diese - nun, Manie war wirklich das einzig richtige Wort dafür. Es hatte angefangen und war gewachsen, entstanden aus dem Treffen in London und einer Handvoll Briefe die sie in den letzten zehn Jahren gewechselt hatten und kam über Nacht zum Ausbruch, als sie in Hogwarts eintraf. Es war aus dem Nichts entstanden - wollte er gerne glauben. Aber, in diesem Fall, konnte dem Nichts ein Name gegeben werden: Longbottom.

Es war ihnen nicht gelungen, den mysteriösen Trank, den der inkompetente Gryffindor produziert hatte zu entschlüsseln, obwohl sie damals danach geforscht hatten - und er später auch noch, in seiner freien Zeit.

Eine Zeit außerhalb der Zeit war es für ihn gewesen; voller Horror und doch befreit von dem einzigen Horror der sein Leben damals war. Mehr als alles andere, war es eine ungewöhnliche Verbindung gewesen, ein langer Augenblick gegenseitigen Verstehens, nie zuvor erlebt und nicht danach. Kein Wunder, dass er sich so zu Hermine hingezogen gefühlt hatte.

Aber das war heute, sowieso, völlig bedeutungslos. Und, offen gesagt, verdammt sinnlos zu diesem Zeitpunkt und nach so langer Zeit. So hatte er sich mit Inbrunst wieder den Deckmantel des ‚widerlichen Idioten' übergeworfen, schuf damit ganz bewusst einen Abstand, eine Kluft, zwischen ihnen. Alles andere würde das Risiko in sich tragen, dass sie seine Zwangslage bemerken würde; wenn es jetzt schon schwierig war, so war das noch nichts im Vergleich zu dem was passieren würde, wenn sie es wüsste. Im schlimmsten Fall würde er ihr leid tun und das wäre unerträglich. Im besten Fall würde sie niemals mehr ein Wort mit ihm sprechen. Und das war auch keine Alternative.

Vielleicht hatte er es etwas übertrieben mit seiner Rolle - und mit Sicherheit hatte er zu spät damit begonnen. Sie hatte ihn gestern völlig zu Recht darauf angesprochen und, um fair zu sein, er konnte ihr ihren Ärger nicht übel nehmen, obwohl er ihm sehr gelegen kam. Aber egal, eventuell konnte er öfter hinunter ins Labor kommen, auch wenn die Stimmen in seinem Kopf Alarm schrieen.

Snape sah sich am Tisch um, versuchte den Monolog auszuschalten, der durch seinen Kopf geisterte und sich aufführte wie ein vom Rest völlig losgelöstes Stück seines Bewusstseins. Ehemalige Schüler, ehemalige Schülerinnen und Lehrer, alles tratschte und wechselte von einer Person zur anderen, von einem Thema zum anderen. Von Zeit zu Zeit hoben sich einzelne Gesprächsfetzen aus der allgemeinen Geräuschkulisse hervor, sprachen über frühere - und historische - Quidditch Spiele, erzählten von persönlichen Geschichten oder Freundschaft in vielfältigen Worten.

Queroz hatte sich zu Hermine hinüber gelehnt, die Augen strahlten vor Aufmerksamkeit und Interesse. Snape sah einen Moment zu, wie Hermine darauf mit geschmeichelter Belustigung reagierte und schüttelte dann seinen Kopf. Eifersucht war verschwendete Energie. Wenn es das war, was sie wollte, nun, hier wurde es ihr angeboten. Er tat besser daran, sie sich aus dem Kopf zu schlagen.

Dumbledore fing seinen Blick auf und zwinkerte; oh bitte lass den alten Mann nicht in der Lage sein, Gedanken zu lesen. Wahrscheinlich eine aussichtslose Hoffnung aber nichts desto trotz von Herzen kommend. Das letzte was er wollte war ein betagter Amor, der sich für ihn einsetzte.

Der nächste Gang erschien auf den Tellern, ließ das Geschnatter für einen Moment weniger werden als jeder sich dem Essen zuwandte; dann nahm die Lautstärke wieder zu und für eine kurze Zeit drehte sich die Unterhaltung um das Essen, es wurden die Vorlieben für die verschiedenen Desserts, die vor ihnen auf den Tischen standen, diskutiert, die wiederum an andere Desserts erinnerten und es wurde sich natürlich immer noch über das Quidditch Spiel unterhalten.

Patil sah ihren Ehemann in fast der gleichen anbetenden Art an, wie Queroz Hermine; und aus demselben Grund? Wahrscheinlich, obwohl sie ihn ja schon erobert hatte. Vielleicht war es eine Art Verteidigungsmechanismus um ihre Stellung zu schützen; Quidditch hatte nicht gerade wenig hemmungslose weibliche Anhänger, wie er wusste. Hier bildete es einen interessanten Gegensatz zu dem spröden rosafarbenen Ego, das seine Zeit und seine Energie gefordert hatte - wenn auch nur indirekt - und das zweifellos dabei war, sich weitere Wege auszudenken um noch mehr zu verlangen.

Pflegeprodukte für Männer ... Er schüttelte wieder seinen Kopf und mied die Augen derer, die davon Notiz nahmen. Hermine würde das lieben; zehn Jahre zu spät, aber dieser Revanche für seinen gewöhnlichen Umgang mit Körperpflege würde er nicht entgehen.

Und schon wieder; egal was er auch tat, seine Gedanken wanderten immer wieder zu Hermine zurück. Snape schloss seine Augen; ein Vorteil seiner Persönlichkeit, über Jahrzehnte kultiviert, war es, Dinge zu tun für die andere kritisiert werden würden, die aber bei ihm ignoriert wurden... Das war .... das musste ungesund sein. Er war nicht einmal interessiert an diesem Mädchen - dieser Frau - zum Teufel noch einmal. Zu einfach es Liebe zu nennen und völlig falsch. Es war sicher, klar. Es war bestimmt nur ein Zeichen für einen gelangweilten Geist den sein leichtes Leben mit all seinen künstlichen Gefahren des Tränkeunterrichtes, nicht ausfüllte. Etwas an dem man pulen konnte, wie an dem Schorf einer Narbe, ohne in Gefahr zu geraten, wirklich etwas unternehmen zu müssen. Ein schmerzhafter Stich, der ihn daran erinnerte, dass er noch lebte. Ein mentaler Schnitt mit metaphysischen Wunden. Eine Verstörtheit die schon an Wahnsinn grenzte. Das war es vielleicht; ein verspäteter Effekt eines Crucio oder ähnlicher Flüche und Unverzeihliche. Das würde ein interessantes Forschungsthema abgeben - die langfristigen Auswirkungen auf die geistige Gesundheit beim Spionieren in der Todesser-Bewegung.

Hermine unterhielt sich immer noch mit Queroz, eine Unterhaltung so leise, dass kein Wort zu verstehen war, mit gelegentlichen Bemerkungen zu den anderen, die bei ihr saßen, wenn deren Unterhaltung in ihre Richtung ging. Sie erschien vielleicht etwas reserviert, unwohl. Das bildete er sich mit ziemlicher Sicherheit nur ein, Wunschdenken.

„Severus, kommst Du mit uns?"

Fast wäre er aufgesprungen, aufgeschreckt durch die Stimme hinter ihm, dann merkte er, dass das Essen vorüber und die Gesellschaft im Aufbruch war. Dumbledore sah ihn über seinen kleinen Halbmond-Gläsern an, die er manchmal trug - mehr aus modischen Gründen denn aus nützlichen, da er so gut wie nie wirklich hindurch sah. Die anderen Mitarbeiter und Gäste waren dabei, den Tisch zu verlassen, sich dabei noch immer unterhaltend.

„Ich glaube nicht, Schulleiter. Bitte entschuldigen Sie mich."

Er wartete nicht auf eine Antwort, erhob sich von seinem Sitz und fegte hinaus durch die schmale Tür am Ende des Saales. Für heute hatte er genug Gesellschaft gehabt; unglücklicherweise war es seine eigene Gesellschaft gewesen. Es war immer seine eigene Gesellschaft.

 

 

 

 

Teil 13 - 13. Dezember

Hermine ertappte sich dabei wie sie in den Spiegel starrte und mit einer Intensität das Ende des Semesters herbeisehnte, die so gar nicht zu der strebsamen Schülerin von einst passte. Verschiedene Feierlichkeiten hatten sich in die immer kürzer werdende Zeit gedrängt, die noch blieb, bis Parvati ankommen würde um ihre parfümierte und abgefüllte Ware einzufordern. Hinzu kam eine Schülerschaft, die angesichts der diversen anwesenden Berühmtheiten völlig überdreht war, sodass normaler Unterricht kaum noch stattfand und ein schlecht gelaunter Snape - noch schlechter als sonst, wahrscheinlich aus genau diesem Grunde - sie fing langsam an, sich mehr als nur ein bisschen ausgelaugt zu fühlen.

An diesem Abend fand Veranstaltung Nummer drei der laufenden Saison statt; der Julball. Sie zerrte lustlos eine Bürste durch ihre Haare und überlegte, ob sie es hoch oder runter tragen sollte.

Es war nicht so, dass sie Dumbledores Begeisterung für Feiern nicht schätzte und unterstützte, aber alles sollte seine Grenzen haben, fand sie.

Snape war ihr seit dem Quidditch Spiel aus dem Weg gegangen; zumindest war er im Labor nicht aufgetaucht - allerdings war ein ordentlich beschrifteter Satz von Mustern der Männerserie von dem Arbeitstisch verschwunden und sie nahm an, dass er dort gewesen war oder Dobby hatte neuerdings ein Interesse an Körperpflege entwickelt - und es war ihm immer gelungen einige Leute zwischen sich und sie zu bringen, wann immer sie gezwungen waren zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu sein. Am vorigen Abend hatte er beim Abendessen ihre Anwesenheit überhaupt nicht zur Kenntnis genommen; er hatte es vorgezogen stattdessen sein Essen im speziellen und den Rest der Welt im allgemeinen mit Misstrauen zu betrachten und bei der ersten Möglichkeit die sich ihm bot zu verschwinden. Sie war nur wenig später ebenfalls gegangen, aber hier ging es ums Prinzip. Nur die Unterhaltung mit Queroz verhinderte, dass der Abend unendlich trostlos wurde.

Und wenn er ihr nicht angeboten hätte, sie zum Ball zu begleiten, dann hätte sie heute Abend wahrscheinlich auch keine Begleitung gehabt.

**********

Nachdem sie eine Weile darüber nachgedacht hatte, beschloss sie, das Haar aufgesteckt zu tragen. Es war elegant und einige Zaubersprüche sicherten seinen Halt. Außerdem passte es perfekt zu ihrem Outfit; einem geraden, engen Rock, dazu passend eine hochgeschlossene Jacke, beides aus schwarzem Samt, Kragen und Knopfleiste fein bestickt mit verschlungenen Goldfäden und glitzernden Steinchen. Seit ihrem letzten Jahr in der Schule hatte sie eine Vorliebe für dezente Eleganz und dieses war fraglos beides.

Queroz Augen leuchteten auf als sie die Tür auf sein Klopfen hin öffnete. Er nahm ihre Hand und beugte sich darüber, ließ seine Lippen sanft über ihren Handrücken streichen.

„Sie sehen großartig aus, meine Liebe," murmelte er. „Einfach herrlich."

Hermine lächelte und fühlte eine befriedigende Mischung aus Aufregung und Zufriedenheit. Die Komplimente klangen gut von so einem attraktiven Mann; so etwas würde sie von Snape niemals zu hören bekommen.

Queroz führte sie durch das Schloss und in die Große Halle und von allen Seiten bekam sie Willkommensgrüße und Komplimente zu hören. Sie bahnten sich ihren Weg durch die Menge zu der erhöhten Tafel und an Snape vorbei zu ihren Plätzen. Er sah sie nur finster an und schaute dann woanders hin. Hermine seufzte lauter als beabsichtigt und Queroz festigte seinen Griff um ihren Arm.

„Lassen Sie sich von diesem schlechtgelaunten Trottel nicht die Laune verderben, meine Liebe," sagte er sanft.

Sie fühlte Ärger in sich aufsteigen. Sie war nicht bereit, sich von Snapes schlechter Laune einen weiteren Abend ruinieren zu lassen.

„Keine Sorge," antwortete sie," ich habe die Absicht mich bestens zu amüsieren."

Queroz lachte, ein angenehm klingender Laut.

„Ich bin froh das zu hören," sagte er, und rückte ihren Stuhl vom Tisch ab damit sie sich setzen konnte.

Nachdem das Festessen vorüber und die Tische fort geräumt waren, konnte der wichtigste Teil beginnen; das Tanzen. Queroz war, natürlich, der erste der sie auf den Tanzboden führte. Hermine war alles andere als eine regelmäßige Party-Gängerin, aber in Oxford zu arbeiten schloss ziemlich häufig stattfindende offizielle Anlässe mit ein und stellte damit sicher, dass ihre Tanzkünste nicht völlig einrosteten. Ihr war bewusst, dass sie keine Expertin war, aber sie glaubte doch, dass sie eine ganz gute Figur auf dem Tanzparkett machte. Queroz war ein einfacher Partner, graziös und sicher auf seinen Füssen. Sie hatte kaum Schwierigkeiten seinen Schritten zu folgen und fing sehr bald an sich zu amüsieren, Snape und seine unmöglichen Launen waren vergessen.

„Sie tanzen wunderbar, meine Liebe," sagte Queroz über die Musik hinweg. „Wo haben Sie das gelernt?"

So viel zum vergessen.

„Ich habe es in meinem letzten Jahr in der Schule gelernt," sagte sie eine wenig ausweichend. „Ich hielt es damals für eine gute Idee."

„Es war eine gute Idee," bestätigte er. „Es gib nicht viele Dinge die wunderbarer sind als schöne Musik und eine wunderschöne Frau."

Seine Hand zwischen ihren Schulterblättern zog sie ein wenig dichter heran und dann war das Lied zu Ende, die Tänzer trennten sich voneinander und alles klatschte. Bevor Queroz irgendetwas sagen oder tun konnte, erklang eine andere Stimme.

„Mein Tanz, glaube ich."

Queroz zog sich anmutig zurück, die Band fing an zu spielen und Hermine wurde in die Arme von Harry Potter gezogen.

Sie lächelte mit aufrichtigem Vergnügen.

„Harry, wie schön. Ich fing schon an mich zu fragen ob ich überhaupt noch einmal Gelegenheit bekommen würde mit Dir zu sprechen während Du hier bist."

Harry Potter, immer noch klein und drahtig wie es sich für einen Sucher gehörte, aber nun mit allen Anzeichen eines Erwachsenen in Gesicht und Manieren, lachte trocken.

„So ging es mir auch. Albus ließ uns Quidditch Unterricht geben während der letzten Tage. Ich bin total kaputt. Ich weiß nicht, woher Hooch die Energie hat, das jeden Tag zu machen."

„Nun, Hooch ist keine ‚Berühmtheit'." Sie gab ihren Worten eine vertraute Betonung.

Harry zog ein Gesicht.

„Er ist genauso fröhlich wie immer, oder?"

Mal wieder Snape.

„Hast Du mit Snape gesprochen?"

„Mhm." Harry hielt für einen Moment inne, als sie ihre Richtung änderten um den Zusammenstoss mit einem anderen Pärchen zu verhindern. „Ron und ich unterrichteten die Slytherins heute. Sie haben einige vielversprechende Spieler, wenn sie nur den Drang überwinden könnten, die Spieler der gegnerischen Mannschaft umzubringen."

„Und ich dachte immer, dass es genau darum geht!" stichelte sie, sie spürte einen merkwürdigen Widerwillen dabei, mit Harry über Snape zu sprechen.

„Nicht offiziell," gab er mit einem Grinsen zurück. „Auf jeden Fall, Snape beaufsichtigte den Unterricht - ich nehme mal an, er dachte wir würden sein Team vergiften oder so. Er sagte nicht viel, schaute nur grimmig. Es war irgendwie nett. Ich glaube nicht, dass ich gewusst hätte, wie ich mich verhalten soll, wenn er herüber gekommen wäre um mich an seine männliche Brust zu drücken oder so."

Hermine prustete los und verhedderte sich mit den Schritten bei dieser Vorstellung. Zum Glück für alle anderen Tänzer auf dem Tanzboden war der Tanz gerade zu Ende und sie zog Harry spontan in ihre Arme.

„Ich habe Dich vermisst," sagte sie. „Wir sollten uns öfter treffen."

Eine Hand auf ihrer Schulter ließ sie zusammenzucken.

„Lassen Sie die Dame los, Potter. Es warten noch andere, würdigere Tanzpartner auf sie."

Ron Weasley zog sie von Harry fort und auf den Tanzboden zum nächsten Tanz. Danach hatte sie kaum Gelegenheit sich hinzusetzen. Ron, Harry, Dumbledore, Queroz, Zacharias Smith und Roger Davies, alle tanzten mit ihr. Sogar Oliver Wood war einmal ihr Partner, obwohl sie hätte schwören können, dass er die ganze Zeit nervöse Blicke in Parvatis Richtung warf.

Der Gedanke an Parvati brachte sie zurück zu dem Gedanken der sich den ganzen Abend am Rande ihres Bewusstseins herumgetrieben hatte: Snape. Herumtreiben war das richtige Wort, dachte sie. Sie hatte erwartet, dass er sich sobald als möglich in Luft auflösen würde, so wie immer, aber stattdessen war er geblieben, trieb sich in den Ecken der Halle herum und vertrieb die Schüler im Vorbeigehen, nahm nirgendwo teil aber war doch immer da, irgendwo am Rande ihres Blickfeldes, ein schwarzer Fleck wie der Anfang einer Migräne.

Schließlich ließ eine Kombination von Hitze und den ersten Anzeichen von wunden Füssen sie sich zu einem unauffälligen Abgang aus der Menge zurückziehen. Sie war fast draußen als eine Stimme sie stoppen ließ.

„Sie wollen so früh schon gehen, Miss Granger?"

Snape war hinter ihr aufgetaucht. Sie hielt an und drehte sich um.

„Das hatte ich vor," sagte sie. „Der Ball scheint seinem Ende zuzugehen."

Das war nicht ganz richtig; die jüngeren Schüler waren fast alle fort, aber die älteren Schüler und die Erwachsenen waren noch alle dabei.

Snape stand da, sah sie einfach an. Er trug seine Abendrobe, die sich kaum von seiner normalen Kleidung unterschied.

„Wolltest Du etwas bestimmtes?" fragte sie endlich.

„Ich wollte wissen ob Sie gerne tanzen würden, aber Sie scheinen gehen zu wollen."

Die Frage, wenn es denn eine war, wurde ohne jede Floskel vorgebracht und sie hatte für einen Moment das Gefühl, dass der Boden unter ihr nach gab. Standhaft versuchte sie zu ignorieren, dass ihr Herz einen Satz gemacht hatte, nur einen ganz kleinen, bei dem Gedanken.

„Bittest Du mich um einen Tanz?" fragte sie vorsichtig.

Er zuckte mit den Schultern.

"Ich nehme es an," sagte er ohne eine Miene zu verziehen. Typisch Snape, dachte sie.

„Ich würde sehr gerne mit Dir tanzen, Severus," sagte sie, und legte eine leichte Betonung auf seinen Namen.

„Sehr schön," sagte er, drehte sich um und ging zurück zum Zentrum der Halle und wartete dort auf sie.

Sie trat dicht an ihn heran und er umfasste sie in der klassischen Ballroom-Tanzhaltung, hielt ihre rechte Hand und legte seine rechte Hand auf ihren Rücken zwischen ihre Schulterblätter.

Und ihr Körper erinnerte sich. Erinnerte sich an die Unterrichtsstunden, die Schritte, die Art wie er ihre Bewegungen kontrollierte, die Art wie der leichteste Druck seiner Hand ihren Körper führte, jetzt so lang, jetzt so, alles im Einklang mit dem Rhythmus der Musik. Alle ihre Tanzpartner heute Abend waren gut gewesen - es war eine Freude mit ihnen zu tanzen - aber bei keinem hatte sie diesen körperlichen Gleichklang gefühlt der ihr bewusstes Denken fast auszuschalten schien. Ihre linke Hand lag auf seinem Oberarm; wenn sie sie weiter auf seine Schulter und von dort zu seinem Hals bewegen würde ... sie wusste, was sie dort finden würde, wie es sich anfühlen würde. Ihr Körper erinnerte sich.

Ihre rechte Hand wurde von seiner Linken gehalten, Handfläche an Handfläche, seine Hand kräftig und vertraut, seine Haut warm. Sie fragte sich, ob sie wohl einen leichten holzigen Duft an ihm wahrnahm - Zeder oder vielleicht Zypresse - aber es war schwer zu sagen. Jeder in diesem Raum hatte heute Abend irgendeine Art von Duft angelegt und die steigende Körpertemperatur sorgte dafür, dass die Luft voll war von verschiedenen Ausdünstungen; es war schwierig, da einen bestimmten herauszufinden.

Snape sprach nichts während sie tanzten, sah nur an ihr vorbei zu einem Punkt irgendwo hinter ihr, aber das machte nichts. Ihr Körper erinnerte, was ihr Kopf eifrig abstritt.

Als der Tanz zuende war, ließ er sie los und ging fort, ließ sie einfach stehen; im ersten Moment desorientiert, stellte sie fest, dass ihr Herz schneller schlug als sonst; auf jeden Fall schneller als es die geringe Anstrengung auf dem Tanzboden rechtfertigte.

Verdammt, dachte sie etwas unzusammenhängend. Gerade war es ihr gelungen sich daran zu gewöhnen, dass dieser Mann sie verärgerte, da reichte schon eine harmlose gesellige Begegnung und sie schnappte nach Luft wie ein blöder Teenager. Was passierte wenn sie sich immer noch von Snape angezogen fühlte; es würde ihre Zusammenarbeit kaum verbessern, wenn sie ihre Erinnerungen an eine lächerliche Verliebtheit, die ihren Ursprung in absolut außergewöhnlichen Umständen gehabt hatte, wieder aufleben ließen. Sie war dem allen aus dem Weg gegangen und hatte darauf geachtet, dass ihre Briefe alle sehr höflich und professionell klangen und, das war das wichtigste, erwachsen.

Erwachsen, ja das war's. Was immer sie selber fühlte, ihre Beziehung musste erwachsen und professionell sein. Mehr musste er nicht wissen.

Die Band spielte immer noch. Sie schüttelte sich selbst. Sie musste gehen bevor Ron oder Harry oder Queroz sie entdeckten wie sie hier wie ein Idiot stand und wissen wollten, was los war. Dies gehörte nicht zu den Dingen, die sie mit anderen teilen wollte.

Es war so schon kompliziert genug.

 

 

 

 

Teil 14 - 14. Dezember


Die Uhr schlug 13; eine von Dumbledore's Verrücktheiten, die das Ende des Tages signalisierte, auch wenn Snape sicher war, dass das außer ihm keiner bemerkte. Zu raffiniert, um es zu bemerken, es sei denn, man erwartete etwas in dieser Art -normalerweise ging es im Gewühl unter, außer der Tanz fand an einem 30. statt. Schwierig eine Uhr zu überhören, die 30 mal schlug.

Mitternacht. Vielleicht konnte er jetzt zu Bett gehen, etwas schlafen und versuchen, nicht daran zu denken wie es war, als er Hermine beim Tanzen im Arm gehalten hatte. Er hatte versucht die Erinnerungen nicht zuzulassen die wieder aufgetaucht waren, auf seltsame Weise verzerrt durch die veränderte Sichtweise. Er hatte versucht nicht darüber nachzudenken, dass sie die meiste Zeit des Abends mit diesem Clown Queroz verbracht hatte.

Dass Hermine - sofort nach ihrem gemeinsamen Tanz - alleine den Tanzsaal verlassen hatte, verbesserte seine Stimmung auch nicht sehr. Obwohl sie ohnehin gerade am Gehen war als er sie zum Tanzen aufgefordert hatte. Einige andere waren bisher schon gegangen, das Getümmel in dem Raum vor ihm bewegte sich hin und her.

„Wie läuft es denn so, Severus?"

Die Stimme kam von seiner linken Seite und Snape hatte Mühe, dem Drang zu wider-stehen seine Augen zu schließen und das Gesicht zu verziehen. Eine einfache Frage und er konnte sich nicht erinnern, den Sprecher jemals dazu ermutigt zu haben, ihn bei seinem Vornamen zu nennen. Er stieß den Atem aus bevor er sich dem Sprecher zuwandte.

„Ein Tanzsaal voller hormongesteuerter Teenager, Queroz. Was könnte schlimmer sein?"

Es bedurfte keinerlei Mühe einen säuerlichen Ton anzuschlagen. Der Mann, der neben ihm stand, war Inspiration genug; groß, dunkel und gut aussehend wäre zweifellos die normale Beschreibung, ohne Zweifel zusammen mit einigen Bemerkungen zu seiner Persönlichkeit. Freundlich - wahrscheinlich. Charmant - auf jeden Fall.

Eine verdammte Nervensäge, mit Sicherheit. Aber Snape ging davon aus, dass er mit dieser speziellen Beschreibung alleine stehen würde.

„Kein Bewunderer junger Liebe?"

Du meine Güte, der Mann konnte wirklich die idiotischste aller Fragen stellen. Was machte er hier eigentlich? Snape hatte eigentlich gedacht, dass er ihm seinen Hang zum Small Talk im letzten Jahr ausgetrieben hatte, Queroz hatte ihn nach einigen vergeblichen Anläufen ihm ein Gespräch aufzudrängen nachdem er gerade angekommen war, meistens in Ruhe gelassen.

„Wenn einige Schüler wirklich verliebt wären, könnte das vielleicht bewundert werden. Allerdings ist meine persönlich Meinung, dass es an einem Gefühl, welches sich hauptsächlich durch hochgradig schwachsinnige Aktivitäten äußert, mit dem unvermeidlichem Ergebnis, dass eine Person eine andere durcheinander bringt, nichts zu bewundern gibt. Abgesehen davon ist das, was sich zweifelsohne auf dem Tanzboden vor uns abspielt, eher der Lust als den sogenannten zarteren Gefühlen zuzurechnen. Alles, was es bewirkt, ist, sie zu verwirren - ob es nun gut ausgeht oder schlecht - und wird in der Konsequenz dazu führen, dass ich in meinen nächsten Unterrichtsstunden noch mehr Mühe haben werde zu verhindern, dass so ein liebeskranker Idiot das Schloss in die Luft sprengt und uns alle von dieser Welt in die nächste befördert. Und deswegen, nein, Queroz, ich bin kein Bewunderer junger Liebe."

Der DADA Lehrer lachte nur und Snape fühlte seine Zähne schmerzhaft aufeinander reiben . Er fragte sich, ob das Knirschen des Zahnschmelzes auch von anderen gehört wurde oder ob es nur in seinen Ohren so laut war.

„Sicherlich sind nicht alle Idioten, Severus? Die junge Frau mit der Du gerade getanzt hast, Miss Granger, zum Beispiel ... „ die Frage verlor sich.

Also deshalb, dachte Snape. Es musste einen Grund geben warum Queroz in ansprach; er hatte das ziemlich sichere Gefühl, dass dieser Grund gerade enthüllt worden war.

„Miss Granger? Sie ist zwar keine Schülerin mehr aber ich bin sicher, dass sie genauso fähig ist sich wegen eines Mannes zur Idiotin zu machen wie jede andere Frau," sagte er in seiner gedehnten Sprechweise. Bei Queroz's erfreutem Gesichtsausdruck, zuckte Snape innerlich zusammen. Er war müde, erschöpft, sonst wäre ihm klar gewesen, dass Queroz diese Bemerkung in seinem Sinne auslegen würde.

„Glaubst Du? Ich nehme an, Du kennst sie gut, da sie mit Dir in den Kerkern arbeitet."

Worauf wollte der Mann hinaus? Eine schriftliche Einladung von Snape um Hermine nachzulaufen? Er schien das auch ohne sehr gut hinzubekommen. Es war Zeit diese Unterhaltung zu beenden.

„Miss Granger wurde ein Teil des Labors in den Kerkern dieser Schule zur Verfügung gestellt. Weder weiß ich, was sie dort macht, noch interessiert es mich. Ich schlage vor, Sie richten Ihre Fragen an Professor McGonagall. Miss Granger ist schließlich eine Gryffindor."

Snape unterstrich diese Feststellung mit einem finsteren Blick bevor er sich umdrehte und aus der Halle schritt. Zum Teufel mit den Aufsichtspflichten, und außerdem hatte er den Eindruck, dass sie um Mitternacht sowieso nicht mehr benötigt wurden.

Er durchschritt die Korridore der Schule in seiner charakteristischen heimlichen und böswilligen Art, gleichermaßen hin und hergerissen zwischen seinem Verlangen jemanden zu finden - etwas, irgendwen - um ihn zu bestrafen und seinem Wunsch, niemandem zu begegnen. Schade dass es um diese Jahreszeit keine blühenden Rosen gab.

Er schnaubte und erschreckte damit ein Bild, an dem er gerade vorbei ging. Das junge Mädchen in dem Portrait wirbelte herum, keuchte leise und beruhigte sich dann als sie die große, finster blickende Gestalt sah, die vor sich hin murmelte: „Eine perfekte Metapher, alles was recht ist." Sie sah ihm nach als er den Flur hinunter ging, exakte Bewegung und frustrierte Energie, und sie fragte sich, über was er sich jetzt wieder geärgert hatte. Er schien so gut wie nie anders als unglücklich zu sein aber dies war jetzt ungewöhnlich, sogar für seine Verhältnisse. Sie schlüpfte aus dem Rahmen auf der Suche nach Neuigkeiten und anderen Gerüchten.

Die Flure waren ruhig, die Schüler waren entweder in der Halle oder im Bett. Snape zog es vor, nicht darüber zu spekulieren ob alle in den richtigen Betten waren oder nicht. So gerne er es auch gehabt hätte, aber kein Haus hatte weniger Punkte als die, mit denen sie um Mitternacht gestartet waren. Die Stille umfing ihn als die Decken mit jedem Schritt niedriger wurden, das sanfte Rascheln seines Mantels und die gedämpften Schritte seiner Stiefel auf dem Steinfußboden wurden verstärkt durch seine Stimmung und dem Ekel vor sich selbst.

Snape landete zum Schluss in Hermines Labor. Zweifellos schlief sie bereits irgendwo, doch ihre Gegenwart war deutlich zu spüren, auch wenn sie körperlich nicht anwesend war. Notizen in einer sorgfältigen Handschrift, vertraut von ihren Briefen, waren auf ihrem Schreibtisch gestapelt, Zutaten waren in einer bestimmten Art sortiert - identisch zu seiner eigenen Art, ein Punkt, der die Erinnerungen schneller zurück brachte als alles andere im Labor, als er es bemerkte.

Plötzlich sah Snape auf seine Hände hinunter, als ob er sich versichern wollte, dass dies noch seine Hände waren, dass sie sich nicht plötzlich in ein Paar verwandelt hatten, das sehr viel weniger männlich war. Die Empfindungen der Vergangenheit, verborgene Geschichte, durchdrang die Steinwände und die sorgfältige Ordnung der Versuchsreihen vor ihm. Monate der Forschung, viel dringender, viel aussichtsloser als diese Produkte für den Konsum, entstanden in der frostigen feuchten Luft um ihn und waren nach all den Jahren wieder sehr gegenwärtig.

Warum jetzt? Warum bemerkte er es jetzt? Er hatte die vergangenen Nächte hier gearbeitet, hatte Hermines Arbeit überprüft und verfeinert - augenscheinlich hatte sie es nicht bemerkt. Wie blöd von ihm sich darüber zu ärgern, dass sie es nicht bemerkt hatte, denn er hatte sorgfältig alle Spuren seiner Arbeit entfernt - abgesehen von seinen Selbstversuchen, obwohl auch diese offensichtlich kein Hinweis gewesen waren, ihrer Reaktion nach zu urteilen; er hatte keine Veranlassung anzunehmen, dass das Ausprobieren seine Erscheinung viel verändert hatte, aber letztendlich, war es wirklich egal. Vieles hiervon war Schall und Rauch und mehr als die Hälfte derer, die die Versprechungen ausprobierten, brauchten es entweder nicht oder würden die Tränke nicht lange genug nehmen um den gewünschten Effekt zu erreichen. Zaubersprüche waren so viel schneller, obwohl auch völlig unnütz, wenn man hinter den Glanz und die Oberfläche schaute. Er wunderte sich etwas, dass Ms Patil für ihr Magazin nicht einer Packung Zaubersprüche den Vorzug gegeben hatte - sofortige künstliche Ergebnisse schienen besser zu ihr zu passen. Andererseits, der Erfolg eines Zauberspruch hing von dem ab, der ihn aussprach; keine noch so große Menge verschiedener Sortimente oder Erklärungen würde denen helfen, die kein Talent hatten. Tränke waren einfacher zu handhaben was das anging; so lange der Hersteller der Tränke wusste was er tat, waren die Fähigkeiten - und wohl noch eher das Fehlen derselben - bei dem Verbraucher unwichtig.

Diese Tränkebrauerin wusste was sie tat; sie hatte es immer gewusst. Die ordentlichen Anmerkungen zu den Rezepten waren  ein weiterer Beweis dafür, aber Snape überflog sie noch einmal, konzentrierte sich auf die Ideen und Versuche, versuchte die Erinnerungen aus seinem Gedächtnis zu vertreiben, die der Tanz hervorgezogen hatte. Ohne Erfolg; ihre Handschrift ließ Erinnerungen wieder auferstehen und die Nacht um ihn füllte sich mit Bildern.  

Snape ließ sich in den nächsten Sessel sinken, starrte blind in das silberne Mondlicht, das durch die staubigen Fenster in den Raum schien und in seine frostig grauen Schatten und Erinnerungen. Vergessene Laute und Empfindungen wehten vorbei, verschwanden und flackerten wieder auf, wurden für einen Moment ganz real in seiner Vorstellung. Ein Tanz anderer Natur, aber die Erinnerungen zerrten an ihm genauso wie vorhin in der Halle. Leise Seufzer, Haut an Haut, die Sensation von Empfindungen, diese Erinnerungen waren immer noch da trotz seiner großen Anstrengung, sie zu vergessen.  Noch war die Erinnerung des Verstandes stärker, ungeachtet der des Körpers.

 

 

 

 

Teil 15 - 15. Dezember
  

Der letzte Tag des Semesters kam und brachte einen abrupten Wetterwechsel mit sich. Auch wenn die letzten Tagen ereignisvoll gewesen waren - zumindest aus der Sicht der Schüler - so waren sie klimatisch gesehen eher langweilig und uninteressant gewesen. Wie auch immer, der Morgen brachte klirrend kalte Luft und einen erfrischenden Frost mit sich, der den Schülern, die zu den Feiertagen nach Hause zu ihren Familien fuhren, eine trockene Fahrt zur Hogsmeade Station versprach. Der Hogwarts Express brachte auch die meisten der Besucher wieder zurück in ihr anderes Leben; Harry, Ron, Cho und die anderen Quidditch Spieler fuhren zurück nach London und von da aus weiter zu was immer auf sie wartete an Arbeit oder Weihnachtfeiern. An dem vorhergehende Abend hatten es die alten Schulfreunde bei all den Verpflichtungen, die sie hatten, endlich geschafft, sich einmal zusammenzusetzen und was als ruhiges Treffen begonnen hatte, war bald zu einer richtiggehenden Party ausgeartet. Nur die Tatsache, dass Hermine einigermaßen klar im Kopf geblieben war und zur rechten Zeit einen dringend benötigten Stille-Zauber sprach, hatte sie alle vor dem herrschaftlichen Zorn in der grausigen Person des Argus Filch und dem Hinauswurf bewahrt.

Sie weigerte sich Schuldgefühle zu empfinden, weil sie sich einen Abend frei genommen hatte; tatsächlich hatte ein entspannter Abend im Kreise von guten Freunden  ihre Anspannung etwas gemildert und bot damit auch eine gute Gelegenheit beunruhigende Gefühle zu unterdrücken, welche noch von dem Winterball vor zwei Nächten übrig geblieben waren - obwohl es natürlich die unvermeidlichen Sticheleien ob ihres Tanzes mit Snape gegeben hatte. Sie war etwas überrascht darüber gewesen, dass, obwohl weder Harry noch Ron mit Zuneigung über ihren früheren Tränke Lehrer sprachen, ein Großteil ihrer Abneigung verschwunden schien.

„Er war ein Idiot während der Schulzeit," sagte Ron nebenbei, „und ich nehme an, das ist er immer noch, aber ich wache kaum morgens auf und plane meine Rache. Voldemort ist weg und das Leben geht weiter. Und du solltest dankbar sein. Ich hätte schließlich auch versuchen können dich zu trösten, so wie an dem Valentins Ball in unserem letzten Jahr."

Er grinste boshaft und Hermine fühlte wie sie rot wurde. Cho und Ginny wollten sofort genaueres wissen und so wurde die Geschichte unter viel Gelächter erzählt - jedenfalls die stark bearbeitete Version, auch wenn seine Haltung gegenüber Snape jetzt sehr viel entspannter war, so glaubte sie nicht, dass er soweit war zu erfahren, wen genau er in dieser Nacht versucht hatte zu küssen - und die Unterhaltung ging weiter.

Erinnerung, neuere und ältere, ließen ihre Lippen lächeln als sie sich ihren Weg die Haupttreppe hinunter bahnte, das Buch in der Hand, durch das Durcheinander von Koffern und Tierkäfigen und umherwuselnden Kindern. Am Fuße der Treppe stand Peregrine Queroz und sah aus wie ein pflichtbewußter Polizist im Dienst. Er hatte die Absicht zu versuchen, die Kinder in kleine Gruppen aufzuteilen um sie zur Station schicken zu können; die Kindern dagegen schienen alle gleichermaßen entschlossen, genau das zu vereiteln und zischten nach hier und dort um Bemerkungen und Beleidigungen mit Freunden und Feinden auszutauschen.  Queroz's gewöhnliche Pose fing an etwas abzubröckeln und ein Muggel-Spruch über das Hüten von einem Sack Flöhe fiel ihr ein. Ihr Lächeln verstärkte sich als ihre fröhliche Laune die alten Erinnerungen verdrängte.

Er sah, wie sie sich ihren Weg die Stufen hinunter bahnte und machte eine kleine Pause, um eine kleine elegante Verbeugung in ihre Richtung zu machen.

„Hermine, wie schön Dich zu sehen. Bitte entschuldige dieses Chaos." Er zeigte auf die Stufen und die Halle.

Sie erreichte schließlich das Ende der Stufen und war damit nahe genug um vernünftig miteinander sprechen zu können.

„Wie ich sehe, hat man alles dir überlassen."

Er zog eine andeutungsweise komische Grimasse

„Ja, so ist es. Sogar Professor Snape bestand darauf, sich um dringende Angelegenheiten seines Hauses kümmern zu müssen.

Darauf möchte ich wetten.

„Naja, bis zum Abendessen ist alles vorüber," sagte sie ermutigend.

„Und der Friede wird sich wieder herabsenken," fügte er mit einem sanften Lächeln hinzu.

„Oh ja," stimmte sie zu. „Ich muss sagen, ich fühle mich auch wohler im Schloss wenn es ruhiger ist."

Die letzten Worte wurden mit steigender Lautstärke gesprochen, da etwas katzenartiges und etwas vogelartiges sich plötzlich zu einem Wettkampf entschlossen hatten, um herauszufinden, wessen Erhabenheit weitreichender sei und sich lärmend anpöbelten.

Queroz sah sie bedauernd an.

„Ich glaube ich sollte ...,"

Sie nickte.

„Ich glaube Du solltest was unternehmen. Es klingt, als ob es richtig übel wird."

Sie wollte gehen und blieb dann stehen als Queroz eine Hand leicht auf ihren Arm legte.

„Bleibst Du über die Ferien?" fragte er.

Sie nickte,  obwohl das Verhängnis, dass sich auf der anderen Seite der Halle aufbaute, nicht zu überhören war.

„Großartig," sagte er fröhlich, „Sehe ich dich beim Dinner?"

Sie nickte wieder, als ein ohrenzerfetzendes Gekreische die Überlegenheit von Klauen über Schnabel bei einem tätlichen Angriff manifestierte.  

„Wenigstens darauf kann ich mich freuen," sagte er kläglich und sauste dann hinüber, um sich um ein paar entrüstete Haustiere und ihre heulenden Besitzer zu kümmern.

Hermine schlängelte sich durch das Gewimmel und begab sich in die Abgeschiedenheit der Kerker. Den Rest des Tages im Laboratorium und danach ein friedliches Abendessen mit Queroz; ein sehr zivilisierter Start in die Ferien dachte sie bei sich. Wenigstens würde es sie von dem Russischen Roulett - Snape's Launen - und von der Tatsache, dass es absolut keinerlei Gefühle gab, die sie vor ihm verbergen müsste, ablenken.

Beim Labor angekommen stellte sie erstaunt fest, das die Schutzzauber bereits aufgehoben waren. Nachdem Snape wichtige Hausangelegenheit vorgeschoben hatte, um die Überwachung der abreisenden Schüler umgehen zu können, hatte sie angenommen, dass er die gleiche Entschuldigung für das Fernbleiben vom Labor nutzen würde. Stattdessen sah sie, als sie vorsichtig die Tür öffnete, ein Gestell mit sauber beschrifteten Probenfläschchen auf der Ecke des Arbeitstisches stehen.

Neugierig legte sie ihr Buch ab und nahm eine der Flaschen auf. Es war in Snape's Hand-schrift etikettiert, kaum noch lesbar weil so klein. Sogar nach zehn Jahren mit nur sporadischem Briefkontakt konnte sie seine Handschrift erstaunlich gut lesen:               Shampoo/Spülung: Basis: Apfelessig,

Wirkstoffe: Thymian, Zedernholz, Brennnessel, Salbei.

Sie stellte sie zurück und nahm eine andere und las: Shampoo: Basis: Glycerin, Jojoba; Wirkstoffe: Zypresse, Zedernholz, Rosmarin.

Fasziniert zog sie den Korken heraus und schnupperte daran. Es war erfreulich würzig. Den Wirkstoffen nach zu urteilen, war es wahrscheinlich gegen fettiges Haar obwohl Geranium oder Zitrone fehlte, was sie hinzugegeben hätte um einen feminineren Duft zu erhalten. Sie schnüffelte noch einmal. Es war auf jeden Fall ziemlich gut, dachte sie, und irgendwie vertraut, auch wenn sie es nicht zuordnen konnte; wahrscheinlich lag es daran, dass sie viel mit dieser Art von Zutaten gearbeitet hatte. Sie wollte gerade eine andere Flasche aus dem Gestell nehmen, als sie von einer Bewegung hinter sich gestört wurde.

„Ich nehme an, es findet deinen Beifall," sagte Snape mit einem Anflug von Sarkasmus.

Sie stellte die Flasche langsam nieder und drehte sich um.

„Ich hatte dich heute hier gar nicht erwartet," sagte sie vorsichtig.

„Wirklich?" Er klang überrascht. "Ich hatte den Eindruck, dass es dein Wunsch war, dass ich 'kommen und etwas sinnvolles leisten' sollte. So hattest du dich, glaube ich, ausgedrückt. Genau genommen," er warf einen demonstrativen Blick auf die Wanduhr, „bist du ziemlich spät dran."

Sie knirschte mit den Zähnen. Ganz eindeutig war die Roulettkugel in die Abteilung mit der Aufschrift ‚arroganter Arsch' gefallen und nicht in die mit der Bezeichnung ‚aufmerksamer Tanzpartner'. Sie versuchte nicht zu seufzen. Oder zu schreien. Beides wäre ihr recht gewesen.

„Mir wurde erzählt, dass du dich heute morgen wichtigen Hausangelegenheiten widmen musst."

Er hob eine Augenbraue.

„Von wem?"

„Peregrine, falls es dich interessiert. Ich traf ihn in der Eingangshalle als ich aus der Bibliothek kam. Was der Grund dafür ist, dass ich später dran bin als sonst, falls du das wissen musst.

Sie verfluchte sich selbst dafür, dass sie der Versuchung nachgab, ihm zu erklären, was sie gemacht hatte.

„Professor Queroz," er gab dem Namen eine gehässige Betonung, „hat offensichtlich das letzte Wort wenn es um meine Verpflichtungen für diesen Tag geht."

Also, was hatte er gegen Queroz, fragte sie sich genervt, außer der bekannten Tatsache, dass er der DADA Lehrer war. Sie hatte jetzt nicht die Kraft um auf diesem Punkt herum-zureiten. Er war hier, offensichtlich gewillt mit zu arbeiten und wenn man den Zeitdruck bedachte, war sie nicht bereit, ihn weg zu schicken, egal in welcher Art Stimmung er sich gerade befand. Sie fuhr sich mit der Hand durch die Haare.

„Wollen wir dann weitermachen," schlug sie vor. „Ich muss anfangen, mich mit den Gesichtsmasken zu beschäftigen. Ich denke, ich kann mit einer Variante der Basis für Feuchtigkeitscreme arbeiten."

Er nickte kurz und wandte sich ab, beschäftigte sich auf der anderen Seite des Raumes.

So ging der Morgen vorbei und in dem gleichen Maße, in dem Hermine sich in ihre Arbeit vertiefte, löste sich auch ihre Verärgerung gegenüber Snape auf, bis die Bemerkungen, die sie an ihn richtete mehr geistesabwesend als gereizt waren. Snape, seinerseits ebenfalls konzentriert auf seine Aufgabe, schien ebenfalls weniger empfindlich zu werden, so dass zu der Zeit als die Hauselfen einen Teller mit belegten Broten und Früchten zum Mittagessen brachten, ihre Unterhaltung, wenn auch irgendwie vorsichtig, doch einigermaßen höflich war.  

Als sie sich einige Weintrauben nahm, den Kaffee trank, der erschienen war, konnte sie den Sog der Erinnerungen fühlen, der sie an andere Zeiten erinnerte, in denen ein Zusammensein wie dieses schön gewesen war, entspannend, angenehm. Sie fragte sich, wann das verloren gegangen war; wieso es verloren ging und wieso sie deswegen so ein heftiges Bedauern fühlen sollte. Snape selber war in die Beschaffenheit seines Kaffees vertieft. Sie hätte gerne gewusst was er dachte. Ein Teil von ihr hoffte inständig, dass er nicht die Tage zählte, bis sie endlich wieder aus seinem Umfeld verschwunden war, obwohl, wie sie zugeben musste, er wahrscheinlich genau das tat. Dieser gleiche Teil wünschte sich, dass sie zumindest etwas von dieser alten Ungezwungenheit zurück erlangen könnten; natürlich nicht vollständig, das wäre  ohne Zweifel völlig unangebracht und unerwünscht. Aber ein kleiner Teil davon, vielleicht.

Sie seufzte und das Geräusch schien Snape's Aufmerksamkeit zu erregen. Um es zu überdecken, hustete sie etwas und dann fiel ihr ein, dass sie bisher nicht auf seine erste Frage geantwortet hatte.

„Ich muss sagen," fing sie an, und fühlte sich ein bisschen ungeschickt, „die Shampoos scheinen sehr gut zu sein." Ein plötzlicher Gedanke streifte sie. „ Sind das Muster für die Männer-Serie?"

Sie hörte ein Grunzen, dass Ja bedeuten könnte.

„Hast Du sie ausprobiert während du daran gearbeitet hast?" Es bestand genug wissenschaftliche Neugier um die Frage zu rechtfertigen, dachte sie ein bisschen bösartig.

Ein weiteres Grunzen war zu hören, dieses Mal mit noch weniger Begeisterung.

„Und?" drängte sie.

„Und ich scheine sauber zu sein,"

Nun, das
werde ich als einen uneingeschränkten Vertrauensbeweis nehmen.

 

 

 

 

 

Teil 16 - 16. Dezember

 

 

Der Kaffeedampf kräuselte sich kaum wahrnehmbar über seinem Becher, die frostige Kerkerluft hatte jedwede Wärme des Ofens vertrieben. Der Nachteil - einer der Nachteile, und selbst bei angestrengtem Nachdenken fielen ihm keine wirklichen Vorteile ein - dieser Arbeit an Kosmetika war, das normalerweise keinerlei Hitze zur Herstellung der grundlegenden Präparate benötigt wurde, abgesehen von den Brennern unter den Kesseln; der Dezember hielt mit Macht Einzug in die Tiefen des Schlosses.

Es war noch früh - sehr früh - und die hohen Fenster des Laboratoriums waren noch mit Eisblumen überzogen, die dem einfallenden Licht eine milchige Trübung verpassten; die eisigen Windungen überzogen das Glas mit ihren wie eingeätzten Bögen und verhinderten so jeden zusammenhängenden Blick auf die Landschaft dahinter.

Die Sonne war noch kaum aufgegangen und was es an Licht durch den Frost schaffte war rosarot; daher arbeitete Snape zu der Zeit noch mit Kerzenlicht, probierte einige Ideen aus, die ihm beim Aufwachen gekommen waren. Kombinationen von Duft und Feuchtigkeit, auf einer fruchtigen Basis. Er weigerte sich darüber nachzudenken, warum seine Träume sich augenscheinlich mit der Beschaffenheit und Zusammenstellung von Hautpflege beschäftigten - und weigerte sich in Erwägung zu ziehen, dass dies wirklich eine Verbesserung seiner sonstigen Alpträumen war.

Der Duft des Kaffees überdeckte den alles andere als angenehmen Geruch der Mixtur an der er gerade arbeitete; das Ergebnis war raffiniert, schwach hölzern mit etwas Zitrus im Hintergrund des Duftes, aber mit diesen speziellen Schritte auf dem Weg zum fertigen Produkt waren nun mal keine Preise zu gewinnen. Die Schüssel vor ihm war mit einer lockeren mattweißen Masse gefüllt, die, wenn sie fertig war, eine Rasiercreme sein würde.

Der Gedanke an Hermines ziemlich konsternierten Ausdruck als er nebenbei vorschlug, dieses spezielle Produkt dem Sortiment hinzuzufügen, entlockte ihm fast ein Lächeln - sie hatte geblinzelt und gefragt, wozu das gut sein sollte; Rasieren war doch sicherlich etwas, das Zauberer mit Magie erledigten? Er war sicher, dass sie sich auf die Zunge beißen musste, um nicht einige Bemerkungen darüber loszulassen, dass nur Masochisten - so wie er, zum Beispiel - freiwillig ein Rasiermesser nehmen würden. Sie hatten eine ähnliche Unterhaltung gehabt, als sie über das Produkt-Sortiment für die Frauen diskutierten; sie hatte einen Schaum auf ihrer Produktlisten, den sie dann fast sofort wieder entfernte - ein Zauber war im Vergleich viel effektiver.

Diesmal war es Snape, der sich auf die Zunge beißen musste um nicht zu fragen, warum er dann damals eine Prozedur durch die Hände ihrer Mitschülerinnen zu erleiden gehabt hatte - die, nebenbei bemerkt, noch immer in seinen Alpträumen auftauchte - wenn Zaubern so viel wirkungsvoller sei. Er fragte sich, ob Hermine seine Gedanken erraten hatte, als sie hinzufügte, das einige Hexen mit Muggel-Alternativen experimentierten, meistens nicht lang genug, als das es eine Entwicklung solcher Produkte rechtfertigen würde. Sie hatten ohnehin nicht viel Zeit zur Verfügung.

Diese Diskussion - über das Produkt-Sortiment - war so ziemlich die einzige Unterhaltung gewesen, die sie gestern gehabt hatten. Vielleicht war es die Abwesenheit der Schüler, vielleicht war es auch einfach unvermeidlich, aber irgendwann im Laufe des gestrigen Nachmittags im Labor war ihr Umgang miteinander von Verlegenheit die schon an Feindseligkeit grenzte in ein Gefühl der Nähe übergegangen, die sofort wieder so etwas wie Freundschaft herstellte. Vielleicht war es einfach nur Einsicht, als ob eine Veränderung der Atmosphäre, der Zeit, der Realität, sie wieder versöhnt hatte. Als ob etwas die zehn Jahre abgeschnitten hätte, ohne die Erfahrungen dieser zehn Jahre mit abzutrennen und sich damit die frühere Übereinstimmung wieder gefunden hätte; die Verbindung die sich vor zehn Jahren in der Intimität ihrer Notlage geformt hatte.

Nichts besonderes war passiert - kein Trauma, keine plötzliche Identitätskrise; sie hatten einfach gearbeitet und sich dann zum Essen hingesetzt.

Einige Bemerkungen zu ihrer Arbeit wurden ausgetauscht, als sie anfingen zu essen und dann war Hermine für einen Moment verstummt während sie ihn ansah. Er hatte angenommen, dass sie nachsah, ob die Produkte, die er ausprobiert hatte, etwas bewirkt hatten. Er hätte sie natürlich in diesem Punkt beruhigen können - er hatte diese verdammten Sachen schließlich hergestellt. Wie auch immer, er hatte keine besondere Lust, eine Diskussion darüber zu beginnen, ob seine Haut und sein Haar sich jetzt besser anfühlten als vorher, als er noch seine gewöhnliche Seife benutzte. Solch eine Diskussion würde von ihm verlangen dass er zugab, dass es sich tatsächlich besser anfühlte und er fand, diese ganze Unterhaltung bereitete ihr so schon genug Vergnügen. So hatten sie weiter gegessen und sich dabei unterhalten.

********************

Er nahm sich einen Apfel von dem Obstteller der auf einem niedrigen Tisch zwischen ihren Sesseln stand und drehte ihn gedankenverloren zwischen seinen Fingern. Er dachte über verschiedenen Bemerkungen nach, über einige Dinge, die dazu zu sagen wären und verwarf alles als peinlichen Small Talk. Er hatte einen Widerwillen gegen das ganze Konzept von Small Talk, vermied es, wo immer es möglich war und ungeachtet dieser Abneigung war es auf jeden Fall undenkbar auf diese Art und Weise mit Hermine zu sprechen. Sie kannten einander viel zu gut um dieses Wissen durch Künstlichkeit herabzuwürdigen; hatten sich einmal gut gekannt, wahrscheinlich. Er war nicht ganz sicher, ob sie sich immer noch kannten, auch wenn sie sich vermutlich grundsätzlich nicht verändert hatten. Er auf jeden Fall nicht; Hermine eventuell schon - die Dekade nach 18 hatte stärkere Auswirkungen auf die Entwicklung als nach 38.

Die morgendliche Arbeit war erstaunlich reibungslos vonstatten gegangen; die irritierenden Reibereien, die ihre Zusammentreffen in den vergangenen Tagen geprägt hatten - diejenigen, die er nicht hatte vermeiden können - schienen vom Hogwarts Express davon getragen worden zu sein, zusammen mit den Schülern, die über Weihnachten nach Hause fuhren. Arbeit war ein großer Gleichmacher. Er war unentschlossen, ob er heute ins Labor kommen sollte; er hatte Arbeit vor sich, Korrekturen und Vorbereitungen für das nächste Semester, die er am Liebsten am Anfang der Ferien erledigte. Wenn das erledigt war, konnte er befreit mit seinen eigenen Forschungen fortfahren ohne fortwährend daran denken zu müssen, dass es noch Arbeit zu erledigen gäbe bevor die Ferien vorüber waren.

Hermine schien entspannter zu sein, weniger auf Streit aus. Das seine eigene, entspanntere Laune dazu beitrug kam ihm nicht in den Sinn.

Der Kaffee kühlte ab während sie schweigend beieinander saßen, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. Ein Funke vom Herd, das Knistern in den Nähten des rußgeschwärzten Kastens rissen sie aus ihren Träumereien und Snape schüttelte den Kopf als er sich aus seinem Sessel erhob.

„Hermine, wollen wir?" er wies auf die Arbeit vor ihnen mit einer Bewegung seiner Hand und, zu beider Erstaunen, streckte er dann Hermine diese Hand entgegen, um sie aus ihrem Sessel zu ziehen.

Bevor er mit seiner eigenen Arbeit fortfuhr, spähte er jedoch über Hermine's Schulter um zu sehen, wie ihre Arbeit voran ging. Die Notizen, die ihren Schreibtisch bedeckten, waren ordentlich und präzise, in ihrer vertrauten Handschrift, und beschrieben eine Serie von Prozessen und Inhalten. Wie mit ihren anderen Produkten, so hatte sie auch hier seine ursprünglichen Basisrezepte verwendet.

„Käme Jasmin in dieser Sequenz nicht besser zur Wirkung?" fragte er nebenbei, während seine Finger an einer der Arbeitsbeschreibungen entlang glitten. Hermine sah über ihre Schulter zu ihm auf und schüttelte den Kopf.

„Die Kombination passt nicht so gut wenn es um das Duftergebnis geht. Der Unterschied in der Wirkung ist minimal und da dies nicht gerade ein Heilmittel für einen Crucio ist, ist der Duft wichtiger."

Die methodische Erklärung und der Blick verstärkten die Erinnerungen die sich über die letzten paar Tage wieder eingestellt hatten. Er kannte diesen Ausdruck, diesen Blick, aber auf seinem eigenen Gesicht. Welches auf ihn herunter schaute, nicht hinauf.

„Es ist lange her," murmelte er, und merkte nicht, dass er laut sprach. Ein merkwürdiger Ausdruck, fast fragend, ungläubig, flog über Hermine's Gesicht. Dann nickte sie.

„Mhmm," sagte sie, ein Laut der fast als Zustimmung durchgehen konnte.

„Hast Du - „ sie stoppte.

„Ob ich daran denke?" fragte er, und sie nickte wieder. Er dachte einen Moment darüber nach und sah sie dabei aufmerksam an. Am Ende entschloss er sich für die Wahrheit - sie verdiente sie und er konnte sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal auch nur ansatzweise bemüßigt gefühlt hätte, eine Antwort abzumildern.

„Nein, nicht richtig. Nicht bis vor kurzem. Es wäre ein Vergeudung von Zeit und Energie und führt nirgendwo hin." Ob sie wohl erwartete, dass er sie dasselbe fragen würde? Aber wohl eher nicht. Und sie tat es auch nicht, sondern nickte nur zu seinen Worten.

**********************

An diesem Punkt endete ihre Unterhaltung und ihr Mittagessen; sie arbeiteten schweigend, ein allerdings sehr viel angenehmeres Schweigen als zuvor, trotz des irgendwie nicht zu Ende gebrachten Themas. Wahrscheinlich, weil das Gespräch nicht abzuschließen war.

Ein anderes Gespräch fand am Abend statt, weniger persönlich und allgemeiner; als er einen Schluck Kaffee trank wurde Snape mit Schreck bewusst, dass er diese Art der Unterhaltung vermisst hatte - die anderen Lehrer würden sich natürlich mit ihm unterhalten wenn er es wollte. Von Zeit zu Zeit tat er es auch, aber Zeit und Unterricht und vielleicht unterschiedliche Neigungen hatten ihre Interessen eingeschränkt, so dass ihre Unterhaltungen im allgemeinen vorhersehbar waren. Er hatte das Vergnügen vermisst, dass eine Unterhaltung bot, die einfach so dahin floss, ohne erkennbare Grenzen und Spitzen und nicht unweigerlich in gemütlicher Mittelmäßigkeit mündete.

Snape fröstelte und ging hinüber zum Ofen um sich mehr Kaffee einzuschenken; es war kalt heute Morgen.

 

 

 

 

Teil 17 - 17. Dezember

 

 

Als sie das Fensterchen Nummer siebzehn auf ihrem Advent Kalender öffnete, fing Hermine eigentlich erst an zu glauben, dass der von Parvati vorgegebenen Abgabetermin einzuhalten sei. Die Abfahrt der Schüler hatte nicht nur die Ablenkungen verringert, sondern auch die Anspannung, die im Kerker geherrscht hatte. Heute war es - nun, das passende Wort dafür war ‚angenehm' gewesen. Das warme, entspannte Gefühl des gestrigen Nachmittags war unerwarteter Weise erhalten geblieben und der Tag war erfreulich produktiv gewesen. Und so hatte sie sich sogar den Luxus erlauben können, schon etwas eher zu verschwinden, um sich in ihren Räumen für das Abendessen umzukleiden; aus Mangel an besonderen Anlässen, musste das Abendessen eben als Krönung eines langen Arbeitstages im Labor herhalten

Sich zum Abendessen umzuziehen hieß notwendigerweise vorher zu duschen - und war damit eine perfekte Gelegenheit das neueste Shampoo zu testen (Blasentangextrakt und Rosmarin Öl), Spülung (Kamille und Orangenblüten) und Reiniger (Palmarosa, Neroli, Zitrone, Weihrauch und Salz aus dem Toten Meer). Danach sortierte sie ihre Wäsche für die Hauselfen und dann - früher als sonst - öffnete sie das Türchen des Advent Kalenders. Danach streifte sie sich saubere, wenn auch eher einfache Kleidung über und bürstete ihre Haare kräftig durch.

Auch wenn sie ihre Haare immer zurückgebunden trug, so war es doch immer noch lang und buschig, was bedeutete, dass ein ‚kräftiges Durchbürsten' ein ziemliches Unternehmen darstellte. Sie griff in ihre dicken Strähnen und warf alles auf eine Seite, dann teilte sie es in dünnere Strähnen auf, die sie mit festen, gleichmäßigen Strichen von der Wurzel bis in die Spitzen durchbürstete. Es war ein beruhigendes Tun, das ihrem Geist zum ersten Mal seit ihrer Ankunft in der Schule vor neun Tagen erlaubte, etwas zu wandern. In dem Durcheinander von Quidditch-Spiel, Ball und Wiedersehen, nicht zu vergessen die Sorge um den drohenden Stichtag, schien es ihr, als ob sie schon viel länger hier war. Sie fühlte sich merkwürdig unruhig; viel mehr als sie es erwartet hätte, auch wenn man berücksichtigte, dass zehn Jahre vergangen waren.

Sie teilte eine weitere Haarsträhne ab.

Vielleicht lag es daran, dass sich hier nichts viel verändert hatte; dieses irrationale Gefühl, dass sie sich nur umzudrehen brauchte um Neville Longbottom auf dem Boden zu sehen und im Hintergrund das Gelächter von Draco Malfoy und seinen Kumpanen zu hören ... Sie griff nach der nächsten Strähne. Neville Longbottom, der ganz allein für die irritierendste Erfahrung ihrer gesamten Schullaufbahn verantwortlich gewesen war. Und, wenn sie ehrlich war, der mit den wahrscheinlich weitreichendsten Auswirkungen.

Erinnerungen kamen, ungebeten, Momente des Terrors und der Frustration, Momente der Verzweiflung und Momente wie heute, wo zwei Leute in stiller Harmonie miteinander arbeiteten, das fast körperlich fühlbare Gefühl der Übereinstimmung das keiner Worte bedurfte. Erinnerungen an Hände, die schnitten, die Messerklinge senkte sich zusammen mit den Bürstenstrichen, Haar das von Händen geteilt wurde, die nicht ihre waren, Streicheln und Halten ...

Sie zerrte hart an einer Klette.

Na ja, jedenfalls hat das Experiment auf mich eine dauerhafte Wirkung, fügte sie hinzu, zumindest wenn auch die pubertären Tagträume zählten, die sie noch immer begleiteten. Auf den anderen Teilnehmer dieses Experiments schien es jedenfalls keinerlei nachhaltige Wirkung gehabt zu haben. Nicht dass sie das stören würde, nein, natürlich nicht; es war ja eigentlich von vornherein klar gewesen, dass er damit nicht konfrontiert werden wollte.

Sie nahm sich die nächste Strähne vor, zog mit mehr Kraft als nötig daran herum.

Ja natürlich war es verständlich. Aber die Höflichkeit hätte es verlangt, dass er irgendwie zu erkennen gegeben hätte, das es sich bei ihnen nicht um eine lockere Bekanntschaft handelte. Nicht dass man so etwas wie Höflichkeit von Snape erwartete, natürlich nicht. Aber trotzdem.

Ihre Kehle war eng und Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sie legte ihre Haarbürste fort und blinzelte ärgerlich in den Spiegel. Es war völlig unlogisch sich über etwas, das so vorhersehbar - sogar erwartet - war, aufzuregen; über das Benehmen von jemanden, der keinen besonderen Grund hatte, sich anders als sonst zu benehmen. Es musste eine Reaktion auf die Fremdheit der Situation sein, auf die verschiedenen Eindrücke der vergangenen Tage. Ja, das war der Grund. Adrenalin verbunden mit Erschöpfung und Stress. Wenn die Kosmetiprodukte erst einmal abgeliefert waren, würde sie sich besser fühlen.

„Das ist verrückt," sagte sie laut und nahm einen tiefen Atemzug. „Es gibt überhaupt keinen Grund, warum er irgendeine Wirkung auf mich haben sollte."

„Wenn Du es sagst, meine Liebe," bemerkte der Spiegel.

Hermine sprang auf und starrte dann auf das Glas. Sie griff nach der Bürste und nahm ihre Arbeit wieder auf.

Es war lächerlich. Und es gab keinen Grund, warum ich etwas für ihn empfinden sollte. Es gab keinen Grund warum die Erinnerungen an früheres Verständnis und frühere Wärme und frühere Berührungen etwas anderes sein sollten als das; Erinnerungen.

Sie beendete ihr Ritual und schüttelte ihr Haar aus. Es plusterte sich auf, knisterte durch die Reibung der Haarbürste um ihren Kopf herum. Sie legte die Bürste nieder und seufzte. Vielleicht war es am besten, die Erinnerungen ruhen zu lassen, andererseits konnte nicht bestritten werden, dass sie in den letzten Tagen gut zusammen gearbeitet hatten. Vielleicht könnten sie Freunde werden. Oder so.

*****************

Das Abendessen begann vielversprechend. Als sie in der Grossen Halle ankam, gab es einen freien Stuhl neben Queroz - wie gewöhnlich, wie sie ironisch zugab - aber diesmal stand dieser Stuhl ebenso neben Snape, was bedeutete, dass sie das erste Mal seit ihrer Ankunft zwischen Snape und Queroz saß. Nicht das sie daraufhin mit geistreichem Geplänkel von Snape's Seite überschwemmt worden wäre; er aß sein Abendessen genauso schweigsam als ob sie am anderen Ende des Tisches gesessen hätte. Wahrscheinlich bildete sie es sich nur ein, aber sie empfand das Schweigen weniger feindselig als an den anderen Abenden.

Queroz, auf ihrer anderen Seite, war so charmant wie immer, achtete darauf das ihr Glas gefüllt war, dass sie mit ihrem Mahl zufrieden war und fragte sie nach ihrem Tag im Labor. Sie hatte ihm lediglich erzählt, dass sie und Snape zusammen an einem Projekt arbeiteten; sie hatte keine Lust gehabt ihm zu erzählen, dass es dabei um eine Kosmetik-Reihe für ein Frauenmagazin ging. Das hätte viel zu vieler Erklärungen bedurft.

Im Laufe des Abends hatte Queroz aus ihr herausbekommen, dass sie Dozentin für Ethik war, sich jedoch ein Interesse an Zaubertränken und an Geschichte der Zauberei im allgemeinen bewahrt hatte. Zweifellos hatte er die Standardversion ihrer Geschichte von den anderen Lehrern gehört, besonders von Minerva McGonagall, die sich immer sehr schwer damit tat, ihren Stolz über die massive Beteiligung von Gryffindos bei der Vernichtung von Voldemort zu verbergen.

Das Essen endete und silberne Kaffeekannen erschienen auf dem Tisch, zusammen mit Gebäck und einer neuartigen Teekanne, welche die Form von Hagrid's Hütte hatte und vor Dumbledore auftauchte. Hermine erwartete, dass sich Snape, so bald es ging, entfernen würde aber stattdessen griff er nach der Kanne und schenkte sich selbst eine Tasse Kaffee ein und dann, zu ihrer Überraschung, beugte er sich mit einer kleinen Geste etwas zu ihr hinüber. Sie schob ihm ihre Tasse zu und er schenkte ihr ein.

„Danke," sagte sie sanft und fügte dann hinzu, „ich dachte Du ziehst Deinen eigenen Kaffee vor."

„Das tue ich," sagte er kurz. „Aber heute habe ich mich entschieden in der Halle zu bleiben und die vergeblichen Bemühungen der Hauselfen zu ertragen."

Kleine Teller mit Konfekt erschienen nun vor ihnen. Hermine schob eines zu Snape.

„Vielleicht macht es ein Petit Four erträglicher."

Sein Gesicht verzog sich.

„Das bezweifle ich," sagte er. „Die Zugabe von reichlichen Mengen Zucker in jedweder Form ist nur selten dazu angetan den Kaffee zu verbessern."

Er verstummte wieder und ließ Hermine darüber spekulieren, was ihn wohl zum Bleiben veranlasst hatte. Sehr weit war sie mit ihren Spekulationen noch nicht gekommen als sie von Queroz auf ihrer anderen Seite unterbrochen wurde.

„Hermine, darf ich Dich etwas fragen?"

„Ja natürlich. Worum geht es?"

Aus irgendeinem Grunde schien Queroz Schwierigkeiten mit der Formulierung seiner Frage zu haben. Er sah für einen Moment zu Boden und sah sie dann ungewöhnlich ernst an.

„Hermine, ich weiß, Du bist an allen magischen Dingen interessiert. Ich dachte ... das heißt, ich habe einige Kupferstiche und ich möchte Dich fragen, ob Du sie Dir an einem Abend ansehen möchtest."

Sie blinzelte.

„Kupferstiche?" wiederholte sie ungläubig.

Neben ihr hörte es sich so an, als ob Snape sich an seinem Kaffee verschluckte.

„Du machst Witze, oder?" sagte sie nach einem Moment.

Queroz sah sie verwirrt an.

„Wieso, nein. Auf meiner Reise letzten Sommer habe ich zufällig einen sehr schönen Satz der Stiche gefunden, die in Norton's Ordnung der Alchemie verwandt wurden. Ich dachte, es interessiert Dich vielleicht, sie Dir anzusehen."

Hermine wartete einen Moment bis sie sicher war, dass er keine Scherze machte, dann entspannte sie sich.

„Ich würde sie sehr gerne anschauen," sagte sie herzlich. „Es tut mir leid, ich dachte für einen Moment Du meintest ..." Queroz sah sie fragend an, „nun, ist ja egal was ich dachte dass Du meintest. Ich würde die Stiche sehr gerne sehen."

Er sah erleichtert aus.

„Und danach könnten wir vielleicht zusammen zu Abend essen? Hier oder irgendwo in Hogsmeade? Wie Du möchtest."

In Gedanken noch ganz mit alchemistischen Gravuren aus dem siebzehnten Jahrhundert beschäftigt, entgingen Hermine die wissenden Blicke die Minerva McGonagall und Ermengarde Sprout einander zuwarfen.

„Das klingt herrlich," sagte sie, „vielen Dank."

„Wann würde es Dir passen?"

Hermine dachte nach.

„In den nächsten Tagen habe ich noch sehr viel im Labor zu tun und übermorgen esse ich mit Minverva." Sie wandte sich Snape zu, der wieder normal atmete, aber dafür ein unschuldiges Petit Four mit finsterem Blick anstarrte. „Severus, was meinst Du, werden wir in den nächsten Tagen bis in den Abend hinein arbeiten müssen?"

„Wieso fragst Du mich?" schnarrte er. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du Dich von so einer unwesentlichen Sache wie einer früheren Verpflichtung von deinem gesellschaftlichen Leben abhalten lässt. Mach was Du willst."

Er stieß zornig seinen Stuhl vom Tisch zurück und schritt aus der Halle. Hermine erschrak über den plötzlichen Wechsel seiner Laune und wurde sich unangenehm bewusst, dass Queroz noch auf ihre Antwort wartete.

„Ähm," sagte sie unentschlossen während sie immer noch in die Richtung blickte in die Snape verschwunden war.

„Lass Dich von ihm nicht ärgern," sagte Queroz sanft. „Mir wurde erzählt, dass er immer ein boshafter Bastard ist."

„Nicht immer," sagte sie abwesend, „manchmal ist er ziemlich umgänglich."

„Wenn Du meinst." Queroz klang ziemlich skeptisch.

„Schau," sagte sie und fällte eine Entscheidung. „Dieses Projekt läuft nur noch vier Tage. Danach bin ich nicht mehr so beschäftigt. Am besten warten wir solange."

„Ja, das ist gut," sagte er, „ich habe ohnehin auf Deine ungeteilte Aufmerksamkeit gehofft. Ich freue mich schon darauf und werde die Tage zählen.



Fortsetzung