DAS FEUER UND DIE ROSE - 2. Roman
(THE FIRE AND THE ROSE - 2)


von Metro Vampire und Rhosymedre


Übersetzung: Shoshana, Serpentina


Feedback: Anne und Abby




Teil 6 - 8



6

Teil 6 - 6. Dezember

 

"Darling!!"

Quietschte Miss Patil als Hermine vor ihm den Raum betrat und Snape konnte die Ausrufezeichen geradezu heraushören.

Mittlerweile bedauerte er, dass er vorhin als er Hermine traf den Espresso getrunken hatte - oder wenigstens hätte er die Voraussicht besitzen müssen, ihn entkoffeiniert zu trinken. Mit erhöhtem Blutdruck sollte man die gegenwärtige Wirkungsstätte von Miss Patil eindeutig nicht betreten.

Der Ort war pink. Sehr, sehr pink. Falls jemand ganz bewusst daran gegangen wäre etwas zu erschaffen was das absolute Gegenteil von Hogwarts' Kerkern dargestellt hätte, dies wäre dabei herausgekommen; ohne Frage war genau das die Absicht gewesen. Die Büros von Miss Magic waren in jeder nur vorstellbaren Schattierung von Rosa gehalten, und in einigen weiteren Rosa-Schattierungen von denen Snape ziemlich sicher war, dass er sie sich nie hätte vorstellen können. Alles war rosa und weich - gedämpft, sogar die Wände. Er fragte sich, ob dieses Resultat durch Zauberei erzielt worden war, oder ob ein unglücklicher Narr engagiert worden war, es so auszustaffieren.

Ausgenommen von der rosafarbenen Vorherrschaft waren die Mitarbeiter; sie schienen alle ausnahmslos schwarz zu tragen. Das hätte Snape eigentlich ein vergleichsweise angenehmes Gefühl geben können, jedoch konnte er mit dem Stil der schwarzen Kleidung nicht wirklich etwas anfangen. Entweder war zuviel oder zuwenig Stoff verwandt worden - er versuchte nicht zurückzuschrecken beim Anblick einer Dame in ausgesprochen kurzer Robe, deren Beine keinesfalls dem Rest der Bevölkerung dargeboten werden sollten. Jedenfalls nicht ohne Vorwarnung. Bleich und teigig, wie nur englische Beine es sein konnten. Sie hätte wenigstens einen Bräunungszauber probieren können, dachte Snape und versuchte sich von dem Schock zu erholen. Möglicherweise sogar einen Abtönungs-zauber.

Wer immer sie war, sie mit der unkleidsamen Robe, sie war eine Hogwarts Schülerin gewesen. Hufflepuff, dachte er, auch wenn er sich nicht an sie erinnern konnte - aber sie konnte sich eindeutig an ihn erinnern, so wie sie ihn mit Horror und Angst im Blick ansah. Offen gesagt, amüsierte es ihn - und es war auf diese Art schnell herauszufinden, wer von den Mitarbeitern Engländer waren, denn auf deren Gesichtern spiegelte sich ihr Ausdruck wieder. Die anderen starrten ihn einfach an - es war still geworden im Zimmer als er eintrat. Jeder fragte sich zweifellos, wieso ihr schlimmster Alptraum einfach so in dieses Büro spazierte.

Er folgte Hermine, und den Ausrufezeichen, in einen kleinen Raum, der als Redakteurs-büro diente. Als sich die Tür hinter ihnen schloss, hörte er wie wildes Gebrabbel hinter ihm einsetzte. Die Ehemaligen von Hogwarts waren zweifellos dabei, die anderen Mitarbeiter darüber aufzuklären, wer, und was, er war. Völlig übertrieben, natürlich.

Die Stille hatte sich nun in dieses Zimmer verlagert; Miss Patil starrte ihn an, Mund offen, absolut sprachlos - offensichtlich hatte sie ‚das Wunderkind' in Hermines Schlepptau erwartet

Eine Erscheinung in Rosa, so wie ihre Mitarbeiter schwarz trugen, und mit einem übertrieben geschminkten Gesicht war sie noch immer als der desinteressierte Dummkopf zu erkennen, den er sieben Jahre unterrichtet hatte. Bedauerlicherweise fand sie ihre Stimme viel zu schnell wieder.

„Hermine? Wieso hast Du Professor Snape dabei??" Die Ausrufezeichen waren durch Fragezeichen ersetzt worden.

*********

Einige Erklärungen später hatten die Ausrufezeichen jedoch schon wieder ihren Weg zurück in die Unterhaltung gefunden. Wie Hermine es vorausgesagt hatte, schluckte Miss Patil den zusammengebrauten Grund für Snape's Anwesenheit ohne Kommentar oder Frage - aus unerfindlichen Gründen wandte sie sich nur an Hermine und ignorierte ihn einfach, nachdem sie herausgefunden hatte dass er nicht hier war, um der Miss Magic Hautpflegeserie irgendwelche Hindernisse in den Weg zu legen.

„Gut," verkündete sie nach einer Weile und kümmerte sich nicht mehr um die Erklärungen nachdem sie festgestellt hatten, dass die Arbeit beginnen konnte. Sie tigerte durch das Zimmer, eine Dictofeder schrieb auf einem Pergarment auf ihrem Schreibtisch während sie sprach. Snape fand es interessant, dass sie das Bedürfnis hatte, jede Unterredung so genau zu protokollieren.

„Ich brauche Haarpflege Produkte - Shampoo, Spülung, Maske, Öle - für die vier Grundhaartypen," sagte sie und nahm schnell ihr gewöhnliches Sprachtempo wieder auf nachdem sie erst einmal ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte. Sie warf Snape zwar noch merkwürdige, nervöse Blicke zu aber grundsätzlich schien sie beschlossen zu haben, ihn als notwendiges Übel zu ignorieren. Nicht viel anders als ihre Haltung während des Unterrichtes, erinnerte er sich. „Wir brauchen es für Trockenes, Normales, Fettiges und Schuppen; es muss so sein, dass wir es als umfassend ankündigen können. Auch Gesichtsprodukte - Reiniger, Tönungscreme, Gesichtsmaske, Feuchtigkeitscremes, Intensiv-Feuchtigkeitscremes. Trockene, normale und fettige Haut, plus Hautpflege-produkte die miteinander kombiniert werden können."

„Wie hättest Du den Reiniger gern, klar oder eher den milchigen Typ?"

Snape hätte fast über Hermines ätzenden Ton gelächelt; die Anforderungsliste war ohne Atem zu holen heruntergerattert worden und ohne sich mit höflichen Floskeln abzugeben. Miss Patil wusste was sie wollte und sie war offensichtlich nicht geneigt, ihre Forderungen nett zu verpacken; er hatte vielmehr den Eindruck, dass sie davon ausging dass Hermines angenommene Armut genug war um ihre Einwilligung zu erzwingen.

„Beides", kam die kurze Antwort während er noch nachdachte. „Und ich brauche die Prototypen für die Vorstandssitzung kurz vor Weihnachten. Das macht doch keine Schwierigkeiten, oder?" Wenn jemals eine Frage die Antwort ‚Nein' erwartete, dann diese hier. „Ich kann Dir einen kleinen Vorschuss für die Zutaten, die Du für das Testen brauchst, zukommen lassen - am Besten, ich eröffne ein Konto bei der Apotheke in der Winkelgasse für Dich. Besorge einfach alles was Du brauchst von dort."

Snape behielt Patil im Auge; dieses Umgehen eines Vorschusses war interessant. Wollte sie Hermine kein Geld anvertrauen? Sie hatte sich zu einer eigenartigen Frau entwickelt, in vielfältiger Weise: sie tauchte sich selbst und alles um sich herum in Rosa, war aber selber alles andere als die Verkörperung dieser Farbe. Entschlossen ihren Kopf durchzusetzen, ohne sich um andere zu scheren. Vielleicht am Ende doch nicht so anders als die Hogwarts Schülerin. Es war auch etwas in ihrer Stimme, als sie ihnen das Datum des Prototyps mitteilte; etwas machte ihr Sorgen und Snape fragte sich, wie wichtig dieses Projekt wohl für sie war. Und welches Kapital er aus dieser Wichtigkeit schlagen konnte. Die Einzelheiten summierten sich zu einer Unsicherheit, die ausgenutzt werden konnte - das Protokollieren der Unterhaltung, der irgendwie schikanierende Ton und ihr Misstrauen. Es war ….. interessant; außerdem stand es in krassem Gegensatz zu dem rosafarbenen kuscheligen Image, das sie so sorgfältig pflegte.

Patil ging geschäftig an ihren Schreibtisch, schob wichtig Papiere hin und her und griff nach dem Flohpuder, anscheinend hatte sie noch weitere Verabredungen mit unglücklichen Individuen.

„Ich brauche von jedem ein Muster, mit den Rezepten. Oh, und wir brauchen Lippen-Balsam, Augencreme und zwei Arten Handcreme - für normale und trockene Haut," fügte sie nach weiterem Nachdenken hinzu.

„Die Rechte an den Rezepten stehen nicht zur Verfügung, es sei denn, Sie entscheiden sich, eine zusätzliche Gebühr dafür zu bezahlen. Sie können nur eine Lizenz haben. Der ... Lippen-Balsam und alles andere wird warten müssen. Wir brauchen die gesamte verfügbare Zeit, um die Produkte herzustellen, die Sie ursprünglich angefragt haben." Snape hatte beschlossen, entgegen seinem Wunsch, dass er sich in diese ziemlich einseitige Konversation einschalten musste. Die Liste der Produkte, die sie erwähnt hatte benötigten ziemlich viel Zeit und, außerdem, hatte er keine sofort verfügbaren Rezepte für diese neuen Produkte.

Während die Entwicklung kaum eine Herausforderung seiner Fähigkeiten darstellte, oder Hermine's, hatte er von Patil's Dampfwalzen-Mentalität ziemlich die Nase voll. Außerdem war er von der Idee, ihnen für den eher mickrigen Betrag über den gesprochen worden war die Rezepte auszuhändigen, nicht sehr angetan; es ging nicht darum, dass die Zutaten oder die Herstellung irgendwie besonders geheimnisvoll oder ungewöhnlich gewesen wären. Nebenbei bemerkt, gefiel ihm der Plan, dass jemand über diese Dinge frei verfügen konnte, nicht sehr, besonders wenn dieser jemand eine ziemlich blöde junge Frau war. Hermine war merkwürdig still und, als er einen raschen Blick zu ihr hinüber riskierte, es war schwer festzustellen was sie gerade unterdrückte: Wut oder Lachen.

„Außerdem werden wir nicht in der Lage sein, die Produkte in handelsüblichen Mengen herzustellen, so wie Sie es ursprünglich anfragten. Wir haben beide auch noch anderes zu tun. Sie können Protoypen und Rezepte haben, nicht mehr." Anderes zu tun - das war noch sanft ausgedrückt. Das Labor säubern mit einer Zahnbürste. Neu-Sortieren der Bücherei. Alles, außer einer Fließbandproduktion von Kosmetik-Artikeln.

Miss Patil blinzelte bei seinen Worten und Snape dachte wieder, dass es ihr gelungen war ihn völlig aus dem Treffen auszublenden. Seine Unterbrechung ihres Monologs war nicht besonders willkommen. Sie starrte ihn kurz an, dann zuckte sie mit den Schultern.

„Gut, wir werden die Massenproduktion vorbereiten. In Ordnung, das sollte alles sein. Ich übergebe euch an meine Assistentin, sie wird euch durch die Büros führen." Hölle, musste das sein? Snape schreckte innerlich vor noch mehr Rosa zurück. „Sie wird Euch auch die Muster für die Verpackungen zeigen. Sagt mir Bescheid, falls Ihr etwas geändert haben möchtet." Und ich werde dafür sorgen, dass alles so bleibt, fügte Snape im Stillen hinzu.

 

 

Teil 7 - 7. Dezember

 

Hermine beobachtete, wie Severus Snape mißtrauisch an seinem Glas roch. Neugierig gab er dem Plastikspieß, den der Barkeeper aus dekorativen Zwecken ins Glas getan hatte, einen Stups. Eiswürfel schlugen melodisch gegen das Glas. Er entfernte den Spieß aus dem Cocktail und die kleinen grünen Pflanzenstücke, die auf der Oberfläche des Gebräus schwammen, kamen zum Stillstand.

 

"Was genau soll das gleich noch mal sein?", sagte er.

 

"Das ist ein Mint-Julep."

 

Hermine, die ihr Getränk nicht erst vorher analysieren musste, hatte bereits 2/3 des Getränks getrunken.

 

"Und warum genau sollte ich den Wunsch hegen, Zucker und Aroma zu einem ansonsten einwandfreien Bourbon hinzuzufügen?"

 

Die einfachste Antwort war, natürlich, weil es gut schmeckte. Die beste Antwort - auf ZAG Level, wenn man so will - war, daß einige Erlebnisse einfach nur besser wurden, dadurch, dass man sie durch gewisse chemische Filter betrachtete.

 

Im Großen und Ganzen war Parvati mit dem Snape-Faktor besser umgegangen, als man hätte erwarten können, insofern man es als "Umgehen" bezeichnen konnte, wenn jemand die Präsenz eines Anderen einfach ignorierte. In der Tat hatte sie es schon immer verstanden, Dinge auszuschließen, die für sie nicht in diese Welt gehörten; wie z.B. die Notwendigkeit für Prüfungen zu lernen. Zu dieser Eigenschaft füge man nur noch die Tendenz, einzig danach zu streben, ein Objekt, sei es ein Freund oder ein neues Kleid, zu besitzen und 10 Jahre Modejournalismus hinzu und das kuschelige pink mündete in absolute Rücksichtslosigkeit, die, die einfach nur störend war.

Obwohl, Pavarti's instinktive Schreckreaktion auf Snape's brüske Einmischung in ihren etwas hektisch hervorgebrachten Strom von Forderungen hatte einem ansonsten monotonen Nachmittag einen unerwartet scharfen Akzent verliehen.

 

Alles in Allem war der Tag für Hermine mehr als nur ein wenig verwirrend gewesen und irgendwie hatte die Rückkehr nach Oxford, zu ihren eigenen Räumen, wo sie über alles hätte nachdenken können, nicht annähernd so verlockend auf sie gewirkt, wie ein Drink und vielleicht ein Abendessen in London. Sie hatte Snape nicht den ganzen Plan dargelegt, und er hatte sich merkwürdigerweise nicht gewehrt, als sie ihn in diesen Weinkeller gezerrt hatte, der so typisch für seine Art war, wie es der Coffeeshop vorher gewesen war.

 

In dieser mit dunklen Holzfußböden und polierten Messingleuchtern ausgestatteten Bar wimmelte es von Leuten, die auf dem Weg ins Theater nur noch schnell einen Cocktail wollten, bevor sie sich zur nächsten Vorstellung im West End aufmachten, während sie Anekdoten erzählten, wohl darauf bedacht, daß ihre Stimmen laut genug waren, damit sie auch noch die Nachbartische erreichten.

 

Unter normalen Umständen hätte Snape schon längst eine scharfe Bemerkung gemacht. Aber andererseits würde sie unter normalen Umständen gar nicht in dieser Weinbar sitzen und ihn stumm dabei beobachten, wie er einem harmlosen Cocktail eine solche Behandlung zuteil werden ließ, wie für einen von Nevilles Avant-Garde Versuchen im Brauen von Zaubertränken. Das Fehlen von offen zur Schau getragener Verachtung der Umgebung war ein weiterer störender Punkt, der sie an diesem Tag aus der Fassung brachte.

 

"Er wird Dich nicht umbringen." Bemerkte sie und fragte sich ob Humor die unterschwellige Spannung lockern könnte.

 

"Bitte?"

Das war seltsam. Seit wann war ließ Severus Snape es zu, daß seine Gedanken abschweiften?

 

"Der Drink", half sie ihm. "Er wird Dich nicht umbringen."

 

Er bedachte sie mit einem finsteren Blick.

 

"Dieser Ort ist nicht interessant genug, um gefährlich zu sein."

 

Das war besser. Erleichterung ließ sie ein wenig lächeln und erinnerte sie daran, daß, wenn sie ihr Treffen verlängern wollte, sie nun besser das Thema anschneiden sollte.

 

"Wirst Du heute abend noch nach Hogwarts zurückkehren?"

 

Er schaute sie ein wenig verdutzt an.

 

"Selbstverständlich. Die Schüler können mich nicht für eine unbegrenzte Zeit entbehren."

 

Hermine holte tief Luft und konzentrierte sich darauf, ihre Stimme so locker wie möglich klingen zu lassen.

 

"Ich nehme an, daß Du nicht daran interessiert wärst, vor Deiner Heimkehr noch etwas zu essen. Ich kenne da ein nettes kleines Restaurant um die Ecke, wo wir vielleicht einen Platz bekommen würden."

 

Er stellte langsam sein Glas ab. Verdammt, dachte sie, er wird ablehnen. Natürlich, er wollte so schnell wie möglich weg von alledem hier. Für einen Moment nahm sie an, er würde nicht einmal antworten, aber dann zuckte er ausdruckslos mit den Schultern.

 

"Ich denke, daß es einige praktische Details gibt, die noch ausgearbeitet werden müssen und jetzt wäre ein genauso guter Zeitpunkt dafür wie irgendwann später. Und da Miss Patils Firmensitz mich zweifelsohne mein Mittag hat verpassen lassen, würde es mich davor bewahren, etwas unterwegs essen zu müssen."

 

Die Antwort klang auf eine Art widerwillig, wie nur Snape es konnte, aber Hermine erinnerte sich gut genug an ihn, um zu wissen, daß wenn er wirklich hätte ablehnen wollen, er einfach nein gesagt und gegangen wäre.

 

"OK, sobald Du mit Deinem Drink fertig bist, können wir gehen."

 

**

 

Sowohl der Lärm als auch die Anzahl der Gäste in jenem Restaurant waren deutlich geringer als in der Weinbar. Letztendlich hatte Snape nicht mehr als einen kleinen Schluck seines Cocktails genommen und ihn dann als viel zu süß und als eine Beleidigung für einen guten Bourbon bezeichnet. Hermine hatte ihren ausgetrunken und damit ihre Nerven, wenn auch nicht ganz beruhigt, doch zumindest für eine gewisse Zeit betäubt. Der Gastraum war in kleine Räume eingeteilt, keiner mit mehr als einer handvoll Tische, was dem ganzen eine intimere Atmosphäre gab. Obwohl auch das Restaurant voll war mit frühen Gästen, war irgendwie ein Tisch für sie aufgetaucht, und zwar mit so einer Leichtigkeit, daß Hermine fast vermutete das der Oberkellner irgendwie magisches Blut in der Familie haben musste. Eine kaum wahrnehmbare Entspannung von Snapes' Schultern sagte Hermine, daß er an diesem Ort weitaus glücklicher war und er war sogar entspannt genug, um eine anständige Flasche Weißwein zu bestellen, von dem er nun einen Schluck zu seinem Pilz-Risotto nahm.

 

Sie schnitt sich ein Stück von einer lecker angerichteten Muschel ab.

 

"Also", versuchte sie eine Unterhaltung zustande zu bekommen, "Wie geht es Dir?"

Small Talk war nicht eine von Snapes Stärken, aber einfach gleich zum Arbeitsplan überzugehen, erschien in dieser Umgebung irgendwie nicht angebracht.

 

"Ich unterrichte nach wie vor in Hogwarts." Antwortete er, als ob das die Frage beantworten würde, was es auf eine Art ja auch tat.

 

Ihr fiel keine Fortsetzung ein, die ihr nicht zu persönlich vorkam. Was eigentlich ironisch war, wenn sie darüber nachdachte; es hatte eine Zeit geben, als nichts "zu persönlich" gewesen war, als sie füreinander offen gewesen waren, ungeschützt. Was wahrscheinlich der Grund dafür war, warum sie nun vor allem zurückschreckte, das daran erinnerte; warum sie nichts tun oder sagen wollte, daß als Anspielung auf ihre frühere Verbindung gesehen werden konnte.

 

Sie nahm einen Schluck Wein; er war trocken, mit einem Hauch von Äpfeln. Eine gute Wahl, teilte sie ihm mit. Einer Unterhaltung über Wein folgten ein paar oberflächliche Erkundigungen über alte Mitglieder des Lehrkörpers und ebenso vorgeschobene Fragen über die Gesundheit ihrer alten Freunde. Snape schien genauso erleichtert wie sie zu sein, als sie endlich den Hauptgang bekamen,

der ein willkommener Grund war, sich mit etwas anderem zu beschäftigen.

 

Es gab nur wenig auf dem Teller zu arrangieren, so daß Hermine schließlich aufblicken musste, und wenn auch nur, um sich ein wenig Gemüse auf ihren Teller auf zu tun. Als sie aufsah, war Snape gerade dabei seinen Rochen auseinander zu nehmen, indem er geschickt mit dem Messer zwischen die Gräten und das Fleisch fuhr und das süße Fleisch mit der Fläche seines Messers auf die Gabel legte. Erneut wurde sie von Erinnerungen heimgesucht; starke, vorsichtige Hände, die alle Arten von seltsamen Zutaten schälten und zerschnitten; kompetent und selbstbewußt; Muskeln, die die Bewegungen so gut kannten, daß Sehen fast überflüssig war. Und das merkwürdige Gefühl, daß sie die Bewegungen fast selbst fühlen konnte, daß sie wusste, wie das Messer in den Fingern liegen würde, wieviel Druck von Nöten wäre, um tief genug zu schneiden ....

 

Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihr eigenes Essen und nahm einen weiteren Schluck Wein, um ihren plötzlich trocken gewordenen Mund zu befeuchten.

 

"Also", sagte sie mit erzwungener Munterkeit?, während sie versuchte, dieses verwirrende Gefühl der Verdopplung abzuschütteln. "Wie werden wir Parvatis Liste produzieren? Eulenpost? Reguläre Konferenzen über das Flohnetzwerk? Sie scheint ja sehr begierig zu sein die Dinge in Gang zu bringen."

 

Sie fragte sich, was Snape wohl über die neue Parvati dachte -sie würde sie jedenfalls im Moment nicht als Jemanden beurteilen, der sich wirklich weiter entwickelt hatte Ihre Gedanken waren für kurze Zeit abgedriftet und sie hatte Luft holen müssen, um Snape nach seiner Meinung zu fragen, als er sie ansprach und auf ihre erste Frage antwortete.

 

"Zuerst müssen wir alle Aufzeichnungen, die aus der Zeit übrig geblieben sind, sammeln - ich nehme an, daß Du adäquate Aufzeichnungen behalten hast?"

 

Das war eine gemeine Frage. Die Ausgangsaufzeichnungen waren Snapes gewesen und er hatte sie in ihrem Raum gelassen nachdem - na ja, also hinterher. Sie hatte sie immer noch, zusammen mit einer abgegriffenen Ausgabe von "Hogwarts: A History"; obwohl sie nicht wirklich geglaubt hatte, sie noch einmal zu benötigen, aber sie waren Teil ihrer Vergangenheit, von der sie sich nicht trennen konnte. Aber hätte er von ihr erwartet, daß sie sie aufbewahrte, oder hätte er als Lehrer von ihr erwartet, daß sie sie wegwarf, als Dinge aus ihrer Kindheit, die nicht länger von Nutzen waren ?

 

"Ich habe noch einige davon", versuchte sie Zeit zu gewinnen. Snapes Gesichtsausdruck war nicht zu deuten.

 

"Dann müssen wir zuallererst sehen, was genau wir noch haben. Danach schlage ich vor, sollten wir einige Grundzusammensetzungen erarbeiten und herausfinden, wie sie für jede spezielle Mischung modifiziert werden müssen. Und außerdem muß ein Arbeitsplan erstellt werden."

"Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen." bemerkte Hermine.

 

"Dann schlage ich vor, dass Du keine Zeit verlierst und anfängst," antwortete er. "Wenn Miss Patil Recht hat, dann braucht sie das Zeug bis Weihnachten, also scheint es, daß Du ganz schön zutun haben wirst."

 

Sie würde ganz schön zu tun haben? Jeder Gedanke an Parvatis Verhalten war augenblicklich verschwunden.

 

"Ich dachte, Du wirst mir helfen?"

 

Er bedachte sie mit einem hochmütigen Blick. Sie stellte erleichtert fest, dass er noch immer imstande war in ihr den Wunsch zu wecken, ihm einen Hieb zu versetzen.

 

"Ich muss noch eine Woche meinen Verpflichtungen als Lehrer nachkommen. Du, wie ich hörte, geniesst bereits die länger dauernden Ferien derjenigen die im höheren Bildungssystem arbeiten. Deshalb fällt diese Aufgabe unweigerlich Dir zu."

 

Sie knirschte mit den Zähnen.

 

"Dann werde ich aber in ziemlich engen Kontakt zu Dir stehen müssen, wenn ich die ganzen Aufzeichnungen durchsehen und einen Plan entwerfen soll. Um einen Plan zu entwerfen muß ich auch genau wissen, was Du bereit bist zu tun, und was nicht."

 

Er zog eine Augenbraue hoch.

 

"Wie würdest Du "ziemlich engen Kontakt" definieren, Hermine?"

 

Verdammt, wollte er damit auf das letzte Mal anspielen, als sie in "ziemlich engen Kontakt" gekommen waren? Machte er sich einen Witz daraus? Konnte es sein, das er sich nur an alledem hier beteiligte, um auf eine obskure Art und Weise Rache zu üben, für das was sich in ihrem Abschlussjahr ereignet hatte? Dieser Gedanke schnürte ihr den Hals zu und ungewollte Tränen kamen ihr in die Augen.

 

Wenn Sie denken das ich deswegen klein beigebe Professor Snape, dann werden Sie überrascht sein.

 

 

Sie nahm einen kontrollierten, vorsichtigen Atemzug, funkelte ihn an und bemühte sich um ihre süßeste Stimme.

 

"Ich würde sagen täglich, Severus."

 

"Täglich?"

 

"Mindestens"

 

"Ich muss bis zum Ende des Terms voll unterrichten. Ich kann bis dahin nicht garantieren, auf Eulen zu antworten oder regelmäßig über das Flohnetzwerk erreichbar zu sein."

 

Wirklich?

 

"Das ist das mindeste, was ich an Input von Dir brauchen werde, damit ich eine akkurate Reproduktion Deiner Arbeit garantieren kann", sie betonte den letzten Teil, "wenn Dir das also nicht möglich ist, würdest Du dann bitte so freundlich sein, und Parvati erklären, daß es uns nicht möglich sein wird, es überhaupt zu tun ?"

 

Sein Gesicht trübte sich und sie wusste sie hatte gepunktet.

 

"Die einzige Lösung für dieses Dilemma, die ich sehe, ist, daß Du nach Hogwarts kommst, damit wir direkt zusammen arbeiten können. Wenn Dir das nicht möglich ist, dann solltest Du vielleicht Miss Patil diese Neuigkeit überbringen."

 

Dies war eindeutig eine Herausforderung.

 

"Nicht möglich?" fragte sie. " Wie kannst Du das denken, Severus? Es wäre schön, wieder in die Schule zurückzukehren. Gesetzt dem Fall, daß ich wirklich schon frei habe, wie Du sagst, dann könnte ich morgen da sein. Wäre das zu früh?"

 

Zu ihrer Überraschung sah er weg.

 

"Ich werde dem Schuldirektor und den Hauselfen Bescheid sagen, wenn ich heute Nacht zurückkomme. Soll ich irgendeinen speziellen Wunsch weitergeben?"

 

Der plötzliche Rückzug überraschte sie ein wenig und so schüttelte sie den Kopf.

 

"Nein, nichts bestimmtes," sagte sie mit einer natürlicheren Stimme. "Ich hatte vor, morgen abend zur Abendessenszeit da zu sein. Wenn es ein Problem gibt, schick mir eine Eule."

 

Ein kurzes Kopfnicken war die einzige Antwort, die sie erhielt.

 

Hermine bemerkte zu ihrem eigenen Missfallen, daß dieses geschäftliche Angebot irgendwie zu etwas Persönlichem zwischen ihnen geworden war; fast wie eine Reihe von eskalierenden Herausforderungen.

 

Sie war natürlich froh einmal wieder nach Hogwarts zurückzukehren.; die Weihnachtszeit war immer ihre liebste Zeit in der Schule gewesen. Aber sie hätte sich gewünscht, dass es möglich gewesen wäre diese Einladung direkt auszusprechen und genauso direkt angenommen hätte werden können, wandte sie sich wieder ihrem Essen zu.

 

 

 

 

 

Teil 8 - 8. Dezember

 

Der Wind wehte nach wie vor stechend kalt durch den Bahnhof in Hogsmeade und auch durch die Kleidung all jener, die dumm genug waren, auf dem Bahnsteig zu stehen; Snape fragte sich zum wiederholten Mal, warum er beschlossen hatte an diesem Abend hinunter zu gehen und den Zug in Empfang zu nehmen. Ganz sicher erwartete Hermine nicht, dass er dies tat und das Wetter war ohnehin schlecht genug, um solch ein Vorhaben zu unterbinden. Die Kutschen und die Thestrals standen bereit, um Besucher, wenn nötig, zum Schloß zu bringen, also konnte er nicht behaupten, daß seine Anwesenheit hier nötig war, damit Hermine heute Abend nicht allein zum Schloß laufen müsste.

 

Snape war seinem Verstand dankbar, der ihm einflüsterte, daß er ja immer noch behaupten konnte, er hätte heute Abend einen Spaziergang gebraucht, und da war dieser Ort ein genauso gutes Ziel gewesen, wie jeder andere. Die Drittklässler waren zu Beginn der Weihnachtszeit dieses Jahr besonders chaotisch und die Klasse heute Nachmittag hatte mehr Unfälle produziert als gewöhnlich; er hatte nicht gerade wenig Zeit damit zugebracht, irgendwelche Brände zu bekämpfen. Als die Stunde vorbei gewesen war und er diese Generation von Dummköpfen abgefertigt hatte, war er ihnen aus dem Klassenraum gefolgt und nach draußen auf das Schulgelände gegangen. An Abenden wie diesem war ein Spaziergang rund um den See seine übliche Methode, um Stress abzubauen, aber der Krake hatte vor kurzem begonnen alberne Spielchen zu spielen - noch jemand, der vom Weihnachtsvirus angesteckt worden war, wenn das möglich war - und Snape hatte keine Lust, ein weiteres Mal nass gespritzt zu werden. Das erste Mal war unangenehm, und nicht zu vergessen, peinlich gewesen.

Dezember war nicht der richtige Monat um sich solchen Dingen auszusetzen - andererseits, dachte er träge während er zusah, wie eine Signallampe zu rot wechselte, gab es eigentlich überhaupt keinen Monat in dem es sinnvoll war.

In der Ferne wurde ein Lichtschein immer heller; der Zug war ungefähr noch eine halbe Meile weit weg und kam beständig näher. Einige Minuten später hüllten Dampfschwaden den Bahnsteig und auch Snape ein; er trat einen Schritt nach vorn, um den Wolken zu entgehen und wartete, während Schatten und Formen zu erkennen waren, die den Zug verließen. Überraschend viele Leute stiegen an dieser Station aus; Snapes unausgesprochene Neugier wurde von den Päckchen, die sie trugen, beantwortet. Die Winkelgasse hatte zweifelsfrei heute einigen Gewinn gemacht.

 

Hermine war eine der letzten, die zum Vorschein kamen; sie trug keine Päckchen und nur eine kleine Tasche - sicher das Ergebnis eines perfekten Reductio Zaubers. Snape setzte sich in Bewegung, um sie abzufangen, während sie in Richtung Ausgang marschierte.

 

"Hermine? Miss Granger -" verbesserte er sich schnell. Sie drehte sich, von seiner Stimme überrascht, um.

 

"Professor?"

 

Er beeilte sich, vorwärts zu kommen bevor sie fragen konnte, was er hier tat.

"Ich hatte ....heute Nachmittag in Hogsmeade zu tun, Miss Granger. Dies erschien mir der schnellste Weg zurück zur Schule, um noch rechtzeitig zum Abendessen zu kommen. Können wir gehen?"

 

Hermine nickte. "Guten Abend, Professor" fügte sie zu ihrem Nicken hinzu und folgte ihm, als er durch die Bahnhofshalle auf die Straße eilte. Eine Kutsche wartete bereits und sie sprangen hinein, wo sie sich einander gegenüber niederließen.

 

Die Fahrt zurück nach Hogwarts verlief still; der klägliche Versuch eine Unterhaltung zu führen, wurde fast so schnell aufgegeben, wie er begonnen hatte. Snape fand, daß Hermine müde aussah und wusste, daß er definitiv müde war. Zu müde, um dämlichen Small Talk zu führen - in der Tat neigte er niemals dazu, und er fragte sich, warum es ihm ausgerechnet jetzt in den Sinn kam - er ließ sich in seinen Sitz sinken und vertiefte sich statt dessen in ein spezielles Problem, daß ihm vor einiger Zeit in seinen Forschungen begegnet war.

 

Kurze Zeit später bemerkte er überrascht, daß sie angekommen waren. Hermine hatte sich geräuspert, um seine Aufmerksamkeit zu erregen - wahrscheinlich mehr als einmal, dem seltsamen Ausdruck auf ihrem Gesicht zufolge - und öffnete die Tür zu den Stufen, die hinauf zur Schule führten.

Er bedeutete ihr voran zu gehen und folgte ihr die Stufen hinauf.

 

Seine frühere Vermutung, daß sie erschöpft war, bestätigte sich, als sie hastig ein Gähnen unterdrückte und ein wenig heiser nach ihren Räumen fragte. "Die ganze Nacht auf den Beinen gewesen, Miss Granger?" er dehnte die Worte ein wenig, um sie zu ärgern. Wenn sie die ganze Nacht wach gewesen war, dann, wettete er, nur um zu arbeiten, nicht um zu feiern, aber sie war insgesamt zu ruhig gewesen. Ein kleiner Seitenhieb würde ihr schon nicht schaden, besonders wenn sie vorhatte, beim Abendessen anwesend zu sein.

 

Für seine Stichelei bekam er einen drohenden Blick zugeworfen, aber nicht mehr, er wollte sie gerade in Richtung von Gryffindors Gästequartieren dirigieren, als McGonagall sie abfing. Er fragte sich später, warum sie solange gebraucht hatte, um ihren ehemaligen Schützling aus seinen Fängen zu befreien. Hermine unterdrückte ein weiteres Gähnen, bevor sie um die nächste Ecke des Korridors verschwunden waren.

 

Später unter dem stürmischen Himmel der Großen Halle stierte Snape auf seinen Teller; der Gulasch und das Gemüse waren nichts Herausragendes, das Getöse der Schüler war unfassbar und sein Nebenmann war unerträglich. Leider hatte eben dieser das Unmögliche geschafft und hatte mehr als ein Jahr als DADA-Lehrer überlebt; Snape hatte mit mehr Eifer als sonst gehofft, daß Peregrin Queroz genau wie alle anderen von diesem Posten entfernt werden würde, entweder vom Schicksal oder mit Absicht.

 

Der Mann verkörperte alles, was Snape nicht war, was Snape beharrlich versuchte nicht zu sein. Und momentan schien dieser völlig eingenommen von Hermine zu sein - nicht das sie neben ihm saß; es war ein viel zu früher Zeitpunkt ihres Besuches, als das McGonagall auf ihre Anwesenheit verzichten wollte, deshalb saß sie zwischen Dumbledore und McGonagall, eindeutig damit beschäftigt, auf den neusten Stand des Klatsch und Tratsch zu kommen, wenn die Lebhaftigkeit der Unterhaltung ihn nicht täuschte. Queroz machte nicht einmal den Versuch, sein Bemühen, die Unterhaltung mitzubekommen, zu vertuschen; es war nur ein schwacher Trost, daß er Snape noch nicht nach Informationen über Hermine gefragt hatte - statt dessen hatte er etwas, wenn auch nur sehr wenig, von Madame Hooch erfahren. Snape musste husten, um seine Belustigung zu verbergen, die bei ihren eher kurzen Antworten aufkam - Hermines Errungenschaften im Quidditch waren nicht gerade der Stoff aus dem Legenden gemacht waren. Nach einem Husten, hatte sich Queroz fragend zu ihm umgedreht. Snape hatte ihn angestarrt; er hatte zuviel Zeit und Aufwand verwendet, um jegliche Unterhaltung mit diesem Mann zu unterbinden, als daß er ihn nun dazu ermutigen wollte. Daraufhin behielt er seine Belustigung für sich, ebenso wie das Husten.

 

Als Hermine sich vom Tisch erhob - wesentlich früher als sonst, sie war definitiv müde - erhob sich auch Queroz und setzte sich in Bewegung um sie abzufangen; Snape verstand zwar nichts von der Unterhaltung, aber die Absicht dahinter war klar und deutlich. Hermine lächelte und Snapes stierender Blick vertiefte sich; sie war hier, um zu arbeiten, nicht um sich vom lokalen Idioten anmachen zu lassen. Genau zur richtigen Zeit betrat Hagrid die Große Halle und Hermine entzog sich Queroz, um ihn zu begrüßen. Unsicher darüber, was die schlechtere Option war, stahl sich Snape leise weg vom Tisch und verließ die Große Halle durch die kleine Tür hinter dem Lehrertisch, die wegführte vom Lärm und dem Durcheinander und hinein in die stillen, feuchten Korridore der Kerker.

 

Am nächsten Morgen tauchte die gleißende, niedrige Wintersonne das Heidekraut der Highlands in goldenes Licht während auf dem Ofen in Snapes Räumen eine Kanne Kaffee leise vor sich hinbrodelte. Ein zweimaliges Klopfen an seine Tür unterbrach diese Idylle. Obwohl er dieses Klopfen seit mehr als zehn Jahren nicht gehört hatte, erkannte er es sofort. Es widerstrebte ihm, sie einfach herein zu bitten, deswegen durchquerte er den Raum, wich einem gefährlich schwankenden Bücherstapel neben einem der Sessel aus und öffnete die schwere Eichenholztür.

 

Hermine stand auf dem Korridor, umklammerte ein Bündel eselohriger Zettel und sah seltsamerweise nervös aus. "Miss Granger," sagte er zur Begrüßung und hielt ihr die Tür auf, damit sie eintreten sollte. Nachdem sie eingetreten war, sah sie sich mit einem merkwürdigen Ausdruck auf dem Gesicht im Zimmer um. Snape nahm an, daß er ungefähr genauso schauen würde, wenn er in das Zimmer der Schulsprecherin eingeladen worden wäre - ein ziemlich unwahrscheinliches Ereignis. Er bat Hermine sich beim Feuer niederzulassen; sie setzte sich hin und ließ die Zettel neben sich auf den Boden fallen.

 

"Kaffee?", fragte er. Sie nickte; er erinnerte sich, ohne es zu wollen, dass sie vor dem ersten Koffein genauso wenig ansprechbar war wie er. Er reichte ihr einen Becher voll Kaffee; sie nahm ihn und drehte den Becher ein wenig, wahrscheinlich um sich zu erinnern, und nahm schließlich den ersten Schluck. Als ein wenig Dampf aus dem Becher aufstieg, schloß sie die Augen und lächelte.

 

Schließlich öffnete sie die Augen wieder und sah ihn an. Daraufhin verschwand das Lächeln von ihrem Gesicht und sie seufzte. Nicht unbedingt eine Reaktion, die er hervorrufen wollte.

 

Hermine griff nach den Papieren und hielt sie ihm hin, nachdem sie ihren Becher achtlos auf der Sessellehne plaziert hatte.

 

"Das sind die Rezepturen, die ich noch hatte", sagte sie und tippte mit ihren Fingern darauf, während sie die Unterhaltung begann. "Ein paar Reiniger - Schafgarbe und Kamille - den Schafgarbe und Schwarzwurz Moisturizer, die Rosmarin- und Zedern Spülung und den Holunderblüten Badeschaum. Ich denke, Du hast mir damals nicht alles da gelassen; und zwischen diesem Zeitpunkt und den UTZ (NEWTS)-Prüfungen habe ich nicht mehr benötigt. Ich vermute, dass Du noch weitere besitzt - das können nicht alle gewesen sein, die Du gemacht hast."

 

"Nein, Miss Granger, dass ist wirklich keine komplette Liste. Hier, nehmen Sie diese -" er ging hinüber zu einem Regal und wählte eines der Bücher aus. "Es wird Ihnen ein wenig weiterhelfen. Ich habe heute Unterricht, aber Sie haben Zeit, also können Sie ja mit der Arbeit beginnen. Es gibt da ein kleines - Du weißt, wo mein privates Labor ist." Er ertappte und schalt sich selbst dafür, daß er die Unterhaltung mit Samthandschuhen anging. Es war sinnlos, so zu tun, als ob sie keine gemeinsame Vergangenheit gehabt hätten, die über ein Lehrer-Schüler Verhältnis hinausging, obwohl er nicht wirklich bereit war, daß direkt zu zu geben. Aber so zu tun, als ob sie nicht wüsste, daß er ein privates Labor hatte, wäre offen gesagt, ziemlich dumm - und er zog es vor, gewöhnlich nicht zur Dummheit zu neigen, zumindest nicht, wenn er es verhindern konnte.

 

Hermine nickte und blickte in Richtung der Tür, die zu diesem Labor führte. "Nur eine Sache", sagte sie. Er hob fragend eine Augenbraue. "Versuchsobjekte?", fragte sie. Er runzelte die Stirn und sie fügte hinzu: "Wir werden die neuen Rezepte schließlich testen müssen, oder?"

 

"Ich habe vollstes Vertrauen in Ihre Fähigkeit ungefährliche Tränke zu brauen, Miss Granger." Bemerkte er trocken. Es würde einem Erstklässler kaum Problem bereiten und erst Recht nicht jemandem mit ihren Noten.

 

"Es ist nicht die Ungefährlichkeit, auf die ich anspielte, sondern vielmehr ihre Wirksamkeit.", kam die ebenso trockene Antwort: "Wir müssen wissen, ob sie wirken, nicht nur ob sie ungefährlich sind. Ich schlage vor, wir testen es an uns selbst - und sehen die Ergebnisse. Danke für den Kaffee."

 

Damit verschwand sie in Richtung Labor und ließ einen starrenden Snape zurück. Die Rezepturen testen....Sie wollte, daß er sie an sich testete? NEIN.


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