DAS FEUER UND DIE ROSE - 2. Roman
(THE FIRE AND THE ROSE - 2)


von Metro Vampire und Rhosymedre


Übersetzung: Shoshana, Serpentina, Mohnblume


Feedback: Anne und Abby




Teil 1 - 5



Das Feuer und die Rose

 

 

Teil 1 - 1. Dezember

 

Hermine Granger's Konzentration wurde durch ein beharrliches Kratzen an ihrem Bürofenster unterbrochen, ein Geräusch das das klopfen des Winterregens wieder in den Vordergrund ihres Bewusstsein brachte. Mit einem leichten Seufzen sah sie auf und erblickte eine braun-weiß gesprenkelte Posteule, deren Umriss sich vom strömenden Wasser und dem schwindenden Tageslicht abzeichnete, sich unsicher an den Fenstersims klammernd.

 

Nicht dass es leicht wäre, dachte sie sarkastisch, als sie nach ihrem Zauberstab griff und Lumos flüsterte. Das Licht im Raum nahm zu und das Kratzen der Eulenklauen wurde intensiver. Sie stand langsam von ihrem Schreibtisch auf, ging zum Fenster und öffnete es. Der Vogel flog mit einer Bö aus Wind und Wasser hinein. Hastig schloss Hermine das Fenster und drehte sich um, um einige aufgeweichte Pakete zu finden, die auf ihren Unterlagen lagen. Die Eule hatte sich auf ihre Fracht gesetzt, hüpfte an die Kante des Schreibtisches, flatterte mit den Flügeln und schüttelte sich wie ein sehr kleiner, sehr nasser Hund. Ein Schwall Tropfen traf Hermine's Arbeit und kleine, blase Tintenkleckse formten sich auf dem obersten Pergament.

Die Eule sah sie erwartungsvoll an.

 

„Nach diesem Auftritt erwartest du immer noch, dass ich dich füttere?" frage sie, Irritation vortäuschend.

 

Die Eule blinzelte und rührte sich nicht.

 

„Nun, das deute ich als ‚Ja'."

 

Zurück an ihrem Schreibtisch öffnete sie einen Behälter voller Eulenfutter und nahm eine Handvoll heraus. Die Eule blinzelte nochmals.

 

Sie zeigte nach draußen, „der Schreibtisch ist inzwischen nass genug, wenn du das hier willst, musst du wieder zurück ans Fenster."

 

Die Eule flog gehorsam los, über Hermine hinweg und war bereits am Fenster als Hermine es erreichte. Nachdem Hermine ihr genug Zeit gewährt hatte um das Futter hinunterzuschlingen, griff sie nach dem Griff und öffnete das Fenster wieder, wobei sie wegen einer kalten Bö zusammenzuckte. Die Eule blickte sie vorwurfsvoll an.

 

„Raus", befahl sie hart.

 

Die Eule flog, so stolz wie einem Vogel nur möglich, davon.

 

Hermine schloss das Fenster wieder und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht.

 

Seufzend blickte sie auf die Unordnung auf ihrem Schreibtisch. Da ihre Gedankengänge nun wirklich enorm unterbrochen worden waren, entschied sie, dass sie ebenso einen Kaffee trinken könnte. Sie ging zum Kamin, welcher anstatt eines üblichen Feuers einen eisernen Ofen enthielt. Griff nach der Kaffeekanne und bewegte sie leiht um beurteilen zu können, ob diese noch genug für eine Tasse enthielt. Sie nahm ihre Tasse vom Schreibtisch und schenkte sich den Rest aus der Kanne ein. Das raue Steingut schaukelnd, nippte sie nachdenklich an der schwarzen Flüssigkeit. Der Geschmack von Kaffee der stark genug war um Bäume umzuwerfen war ein Vermächtnis aus ihrem letzten Schuljahr und war im Moment so intensiv, dass sie beinahe die Zeit vergas als sie ihn noch nicht getrunken hatte. Beinahe.

 

Die nasse Post auf einen Haufen schiebend, setzte sie sich wieder und blickte resignierend auf das vor ihr liegende Manuskript. Die Seite, die sich gerade noch gelesen hatte war bis zur Unlesbarkeit verschmiert. Einen Moment dacht sie daran es einfach so zulassen und die Zerstörung mit einem Ausbruch von Freudentränen zu erklären, aber dann wurde ihr bewusst, dass Miss Lucinda Crampington es nicht schätzen würde, wenn ihre Abhandlung über die Legalität und Moral von Gedächtniszaubern aussehen würde, als wäre sie als Küchentuch benutzt worden. Miss Crampingtins's Prosa war nicht nur schwer zu lesen und ihre Argumente dürftig formuliert, sie hatte auch absolut keinen Sinn für Humor. Ihren Kaffe in die andere Hand nehmend, griff Hermine nach ihrem Zauberstab, richtete ihn auf das Papier und murmelte „Restoratio". Das Pergament trocknete, die Tintenspuren verblassten und die Wörter brachten sich selbst in lesbare Form.

 

Pflicht erfüllt, Hermine verbannte Miss Crampington's gerettete Worte der Weisheit zugunsten der weitaus interessanteren Eulenlieferung. Sie warf einige durchnässte Zeitschriften auf die Seite um sie später zu lesen und widmete sich dann zwei anderen Umschlägen zu. Der eine war groß, braun und rechteckig, sie erkannte, dass er von ihrer Mutter war. Der zweite war lang, pink und in einer ihr unbekannten Handschrift beschriftet. Sie begann beide zu trocknen.

 

Sie entschied zuerst den Umschlag ihrer Mutter zu öffnen. Er faszinierte sie, er war zu spät um deine Geburtstagskarte zu sein, aber zu früh für Weihnachten. Nachdem sie das Kuvert geöffnet hatte zog sie seine große Karte mit einem Engelsbild heraus. Es war kein niedlicher gezeichneter Engel, mit Flügeln, einen Heiligenschein und einem langen weißem Nachthemd, sondern ein goldener, vor-raphaelischer Engel mit gewaltigen Roben, voluminösen Haaren und einem sinnlichen Gesicht. Quer über das Bild waren fast weiße und ungeordnete Zahlen von eins bis fünfundzwanzig gedruckt. Jede Nummer stimmte mit einer kleinen Perforation in der Karte überein. Hermine drehte die Karte um. Auf der Rückseite stand in der Handschrift ihrer Mutter:

 

Liebling,

ich weiß, du hattest keinen Adventskalender mehr seit du klein warst, aber ich musste so an dich denken als ich ihn sah, vor allem da dein Vater und ich dieses Weihnachten nicht daheim sein werden. Ich hoffe der Kalender wird dich von diesem schrecklichen Wetter ablenken.

 

In Liebe

 

Mum

 

Hermine musste lächeln, nur ihre Mutter würde einen Engel sehen und an sie denken. Sie trug vielleicht oft Roben, hatte auch das Haar, falls das Bild etwas damit zutun haben sollte, aber hier endeten die Gemeinsamkeiten auch schon. Sie drehte die Karte wieder um und suchte nach dem ersten Fenster. Nach dem sie es in der unteren linken Ecke gefunden hatte, löste sie vorsichtig die Perforation und öffnete das Türchen, um so einen Stern, ein winziges Detail eines Ölbildes zum Vorschein zu bringen. Dann stellte sie den Kalender auf ihrem Schreibtisch auf.

 

Nun blieb nur noch der mysteriöse pinke Umschlag übrig. Sie musste nicht spekulieren wer der Absender war, sie konnte mit Sicherheit sagen, dass weder ihre regelmäßigen, noch ihre gelegentlichen Briefpartner keine pinken Briefumschläge benutzten. Einen Moment fragte sie sich, ob es sich um einer der seltenen Eulenpost-Fehllieferungen handelte. Aber der Brief war eindeutig an sie adressiert

 

Miss H. Granger

Lektorin von Magische Moral

Amergin College

Universität von Oxford

 

Auch dies sagte ihr nichts. Sie würde den Brief einfach öffnen müssen.

 

Sie musste willkürlich blinzeln, als sie den Briefkopf sah. Und das nicht nur, weil dieser eine noch grellere Schattierung als der Umschlag hatte.

 

Vom Schreibtisch von Ms. Parvati Patil,

Herausgeberin

Ms. Magic Magazine

Das Magazin für die Hexe des 21. Jahrhunderts

 

Hermine blinzelte nochmals.

 

Sie hatte das Ms. Magic Magazine in den Regalen neben Witch Weekly und dergleichen gesehen, aber ist immer daran vorbei gegangen.

Sie war nicht ganz sicher, welche Information ihrem Gehirn widerstrebte, die Tatsache, dass Parvati Patil die Herausgeberin war, oder das Parvati Patil und/oder das Ms. Magic Magazine ihr schrieb. Beides war gleichsam unglaubhaft.

 

Sie las weiter.

 

Hermine Liebling!

 

Sie blinzelte wieder. Sie konnte sich nicht helfen, wann waren sie und Parvati bei „Liebling" angekommen?

 

Erinnerst du dich an mich!! Parvati von der Schule! Wie dumm, natürlich erinnerst du dich! Wusstest du, dass ich immer in die Mode gehen wollte? Tja, ich habe es getan! Und nun bin ich Herausgeberin des Ms. Magic Magazine! Ist das nicht wundervoll! Wäre McGonagall nicht überrascht es zu erfahren?! Und kannst du dir vorstellen, was Snape dazu sagen würde??!!

 

Und wie sie konnte.

 

Tja, Hermine Liebling, - Hermine zuckte die Schultern - die Sache ist die. Ich habe lange nachgedacht, wie ich Triple M zum erfolgreichsten Magazin allerzeiten machen kann, und ich dachte and die Schule und all meine alten Freunde und hatte einen brillanten Einfall! Erinnerst du dich an das total erstaunliche Zeug, das du in der Schule für uns gemacht hast? Die Shampoos und Cremes und Konditioner und all das? Ich vermisse sie immer noch!

 

Hermine begann die Wendung, die der Brief nahm nicht zu mögen.

 

Also, mein Vorschlag ist Folgender. Was würdest du davon hallten mehr von dem Zeug zumachen - in kommerziellen Mengen - und wir würden es unter dem Namen von Triple M vermarkten. Natürlich, würden wir dich bezahlen - und ich bin sicher, dass das du es gebrauchen könntest, da du nur ein Lektorengehalt hast!

 

Hermine biss die Zähne zusammen.

 

Schreib mir ob du interessiert bist. Ich benötige deine Antwort so bald wie möglich, da ich eine Kollektion zusammenstellen will. Ich hoffe du wirst ja sagen, weil ich sicher bin, dass alle diese Idee lieben werden!

Ich hoffe bald von dir zu hören.

 

Deine Freundin,

 

Parvati

 

Hermine legte den Brief sehr langsam nieder. Es war erstaunlich, wie Parvati von aus einer Pseudo-Teeniesprache, innerhalb ein paar wirrer Sätze, zu einem geschäftlichen Angebot wechseln konnte. Der chaotische Brief gab ihrem Gehirn einige Momente um andere Aspekte des Angebots begreifen.

 

Nun, einen anderen Aspekt um genau zu sein.

 

Severus Snape. Und die Folgen einiger sehr merkwürdiger Monate am Anfang ihres letzten Schuljahres.

 

Sie waren … Gefährten in der Not, würde es am besten ausdrücken. Eine Art Freunde, vielleicht.

Nachdem „es" vorbei war, haben sie die erwartete Feindseligkeit aufrechterhalten und vermieden jede andere Art von Kontakt miteinander. Dann wurde Voldemort endlich besiegt und sie entwickelten eine vorsichtige Freundschaft. Während ihrer Schulzeit wechselten ein paar Briefe den Besitzer; Fragen um Information, Überprüfung einer Aussage oder Handlung, aber niemals etwas Persönliches. Die Zeit verging, die Briefe wurden seltener und Hermine, für ihren Teil, widerstrebte es immer mehr sich an die Situation vor zehn Jahren zu erinnern, die sie zu vielen vernünftigen und logischen Auslegungen befähigte. So schrieben sie ihm vielleicht zweimal im Jahr, trank ihren Kaffee stark und schwarz, benutzte eine Ofen anstatt offenen Feuers und hatte ihr Leben wieder aufgenommen. Und falls es ein Quäntchen von Bedauern in ihr gab, so war sie klug genug nicht darauf zu achten.

 

Parvati's Brief änderte die Dinge einwenig. Vor allem, weil es nicht tatsächlich sie war, die das kleine Kosmetikimperium gegründet hat. Sie hatte auch nicht vergessen, dass die Einnahmen aus dieser Unternehmung in ihrem Verlies in Gringott's lagen. Wenn sie das Angebot einfach annehmen würde - und das war ein großes wenn, rief sie sich zur Ordnung - würde sie wieder von Snape's Arbeit profitieren.

 

Der Anstand erforderte es, dass sie ihm das Angebot vorlegte bevor sie Parvati antwortete.

 

Sie griff quer über ihren Schreibtisch nach einem leeren Pergament und einer neuen Feder. Das würde ein interessanter Brief werden.

 

Lieber Severus,

 

In ihrer privaten Post war sie nie zu „Professor Snape" zurückgekehrt.

 

Sie kaute in Gedanken auf dem Ende ihrer Feder herum.

 

Heute erhielt ich einen ….

 

Was war das passende Wort? Bizarr? Erschreckend? Unpassend?

 

Sie begann erneut.

 

Ich weiß nicht, ob du dich noch an Parvati Patil aus meiner Klasse erinnerst, aber heute habe ich einen unerwarteten Brief von ihr erhalten, den ich diesem beilege. Es tut mir Leid wegen der Farbe, aber ich denke dies ist selbsterklärend.

Da du es warst, der mit der Herstellung der Kosmetika, nach denen sie fragt, begonnen, dachte ich das Angebot sollte dir ebenso gestellt werden. Ich habe ihr noch nicht geantwortet. Vielleicht könntest du mir deine Gedanken dazu mitteilen.

 

Mit lieben Grüßen

 

Hermine




Teil 2 - 2. Dezember

 

Die Nacht war dunkel und stürmisch - eigentlich so, wie alle Winternächte hier in Hogwarts, obwohl das Wetter bisher nicht den Anstand besessen hatte, es schneien zu lassen um damit wenigstens ästhetisch etwas Erholung nach jeder überstandenen Sturmfront anzubieten

 

Severus Snape biss die Zähne zusammen als der Klang schnatternder Kinder durch sein Klassenzimmer hallte; die letzte Unterrichtsstunde war vorüber, endlich, und die Kinder verschwanden mit kaum unterdrückter Erleichterung. Keiner von ihnen hielt inne und bemerkte, dass seine Erleichterung mindestens genauso groß war wie ihre. Dieses Halbjahr schien noch länger zu sein als sonst und es waren noch zwei oder mehr Wochen bis der stille Friede der Ferien sich auf die Schule herabsenken würde.

 

Snape hätte sich kaum damit abgegeben die Tage zu zählen, aber Dumbledore hatte ihm gestern, so wie jedem Mitglied des Lehrkörpers, ein Muggel-Ding überreicht, das er einen Advents-Kalender genannt hatte. Der Kalender war typisch Dumbledore - grell, geschmückt mit einem Muggel-Weihnachtsmann vor einem irgendwie übertrieben bunten alpinen Hintergrund; dieser Weihnachtsmann hatte verdächtig viel Ähnlichkeit mit Dumbledore und Snape war versucht zu glauben, dass Dumbledore selber für das Bild Model gesessen hatte. Der Schulmeister war außerordentlich entzückt über die Kalender gewesen als er sie bei der Mitarbeiterbesprechung verteilt hatte unter dem Motto ‚Weiterbildung in Muggel-Dingen' für die Lehrer und hatte sie fröhlich über den Nutzen aufgeklärt. Falls ‚Nutzen' überhaupt die korrekte Bezeichnung war; Snape war ziemlich sicher, schon lange nichts mehr in den Händen gehabt zu haben das ähnlich nutzlos war, aber, wie auch immer, er hatte ein ziemlich bösartiges Vergnügen beim Abreißen der Tage, gestern und heute, empfunden. Höhnisch hatte er das Geschenk belächelt.

 

Hohn war noch immer die Reaktion die von ihm erwartetet wurde; alles andere würde wahrscheinlich Erstaunen hervorgerufen haben. Voldemort war verschwunden, die Welt wieder zurecht gerückt nachdem sie einige Monate bedenklich geschwankt hatte, aber manche Dinge mussten einfach unverändert bleiben.

 

Falls Snape es manchmal leid war, der Welt dieselbe Persönlichkeit weiterhin zu präsentieren, so zeigte er es nicht. Denen, die ihm begegneten, erschien er unverändert, immer noch der schmierige Mistkerl, der Alptraum aller Schüler, immer noch ungepflegt und kaltschnäuzig. Er hatte es ertragen, dass Dumbledore darauf bestand seine Beteiligung an der Sache, Voldemorts Vernichtung und davor, seine Arbeit bei dem Orden des Phoenix, hervorzuheben, aber nichts konnte ihn dazu bringen so zu tun, als ob es ihm tatsächlich gefiele.

 

Die Wahrheit war, dass er es nicht sehr mochte. Entgegen verschiedener Gerüchte und Überzeugungen hatte er kein Interesse an einer öffentliche Anerkennung seiner Arbeit, seiner Taten - es lenkte unnötige Aufmerksamkeit auf seine Angelegenheiten und bei dem Gedanken fühlte er sich unwohl. Aufmerksamkeit seiner Person gegenüber hatte ihm in der Vergangenheit nie etwas anderes als Schmerzen eingebracht, wörtlich und im übertragenen Sinne.

 

Das letzte Geschnatter war in den Korridoren vor dem Klassenzimmer verhallt und in die Steine des Kerker kehrte die Stille zurück. Snape nahm einen tiefen Atemzug um die Anspannung aus explosiven Unterrichtsstunden zu vertreiben und schaute sich im Klassenraum um. Er war sauber genug - nichts, mit dem die Hauselfen heute Abend nicht fertig werden könnten - und es gab hier nichts mehr für ihn zu tun. Er griff sich den Stapel Manuskripte, Hausarbeiten des sechsten Jahrgangs die er früher am Tage eingesammelt hatte, und verließ das Klassenzimmer.

 

Seine Absätze klangen auf dem Steinfussboden, ein vertrauter Rhythmus. Snape meinte zu sehen, wie sich Peeves am Ende des Korridors beim Geräusch seiner Schritte umdrehte, dann wieder wegdrehte und sich entfernte. Gut. Er hatte nicht das mindeste Verlangen, sich mit dieser ärgerlichen Pest abzugeben - nicht das er jemals Lust hatte, sich mit ihm zu befassen. Glücklicherweise wurde der Poltergeist meistens vom dem Hausgeist der Slytherins in Schach gehalten und traute sich nur selten in diesen Teil des Schlosses; gelegentlich unternahm er einen gewagten Ausflug, aber ansonsten zog Peeves es vor sich fern zu halten.

 

Endlich erreichte Snape sein Heiligtum, seine Räume. Er legte den Haufen Pergamente auf dem Tisch in der Ecke ab und hob dabei die letzte Ausgabe von Ars Alchemica auf, um Platz zu schaffen. Korrigieren konnte warten. Eigentlich wollte er die Zeitschrift auf einen anderen Haufen werfen - auf einen der vielen ‚noch zu lesen' Haufen, die überall im Zimmer verteilt waren - beschloss dann jedoch, dass dieser Zeitpunkt so gut wie jeder andere war um nachzulesen, was die akademische Gesellschaft wohl diesen Monat herausgefunden hatte.

 

Er ging hinüber zum Herd und ließ im vorbeigehen das Magazin auf das Sofa fallen. Der Ofen war noch heiß, von den Hauselfen irgendwann am Nachmittag angeheizt worden, aber er legte noch ein paar kleine Holzscheite auf das schwelende Feuer nach. Obwohl die Flammen magisch am Leben gehalten werden konnten - und normalerweise auch wurden - so genoss er doch den Duft eines richtigen Feuers. Theoretisch könnten ein, zwei Zaubersprüche diesen Duft auch einem magischen Feuer hinzufügen, aber er würde immer wissen dass er nicht wirklich echt war. Es gab genug in dieser Welt, dass aus bloßen Hüllen und Illusionen bestand, sogar in Friedenszeiten, und Snape hatte eine perverse - und verborgene - Freude an Dingen die wirklich real waren.

 

Er maß den Kaffee aus einer kleinen Blechdose ab, die im Regal neben dem Herd stand, füllte Wasser in den Kaffeetopf und vermischte es miteinander. Er stellte den Topf auf den Ofen, warf seinen Umhang ab und machte es sich auf dem Sofa gemütlich, streckte seine Beine neben den Kissen aus während er die lange Jacke, die er trug, aufknöpfte und einige Manschettenknöpfe öffnete.

 

Er hatte den zweiten Artikel halb durchgelesen, als das Blubbern des Topfes in ein leises Gurgeln überging, als sich der restliche Dampf seinen Weg durch den Kaffeesatz gekämpft hatte. Snape ächzte leise als er sich zu einer Bewegung zwang, aufstand Kaffee in einen Steinguttopf goss . Als er zum Sofa zurückkehrte bemerkte er einen Umschlag auf dem dem Herd zugewandten ledernen Sessel. Am Morgen hatte er die Ankunft der Eulen verpasst; weil er sich mit verschiedenen langweiligen und einfallslosen Übertretungen von Slytherin-Regeln hatte herumschlagen müssen. Um zu vermeiden, dass die Eulen Snape durchs ganze Schloss nachjagten, waren sie angewiesen, die Post direkt in seine Räume zu bringen, wenn er nicht in der Große Halle war - die anderen Lehrer hatten ähnliche Abmachungen mit den Eulen.

 

Er nahm den Umschlag auf und erkannte die Handschrift - Hermine Granger. Er runzelte die Stirn, ihr letzter Brief lag erst einige Monate zurück und in letzter Zeit schrieben sie einander eigentlich selten öfter als zweimal im Jahr. Der Umschlag war außerdem merk-würdig schwer - auf jeden Fall schwerer im Vergleich zu ihren sonstigen Briefe.

 

Für einen Moment fragte er sich, was sie ihm wohl schreiben würde, dann fing er sich wieder. Sinnlose Spekulationen - besonders wenn sich jede Frage einfach durch das Öffnen des Briefes beantworten ließ. Snape ließ sich wieder auf dem Sofa nieder, nahm einen Schluck von dem brühend heißen schwarzen Kaffee bevor er ihn auf dem Boden abstellte und seine Aufmerksamkeit wieder dem Brief zuwandte.

 

Ein Blatt Papier, brutal rosa ließ ihn zusammenzucken. Hermine konnte doch nicht .... nein, da war ein weiteres Blatt Pergament, in dem gewöhnlichen gedeckten Weiß, das Hermine benutzte, in dem Umschlag. Er legte das rosafarbene beiseite, hoffte, es nicht mehr ansehen zu müssen, wusste es aber natürlich besser. Hermine würde ihm nicht ohne Grund so ein grässliches Blatt schicken.

 

Fünf Minuten später griff er wieder nach seinem Kaffeebecher, leerte ihn und stand dann auf, um ihn wieder zu füllen. Er hatte versucht, nicht mehr soviel Kaffee zu trinken - Dumbledore's immer wiederkehrende Bemerkungen und Madame Pomfrey's Gebrummel über Koffein hatten ihn einigermaßen beeindruckt, obwohl weder der Schulleiter noch die Medi-hexe das wussten - aber gerade jetzt brauchte er mehr Kaffee.

 

Erinnerungen, die in den letzten zehn Jahren unterdrückt worden waren - mehr oder weniger - wallten auf. In einem Leben voller befremdlicher Erfahrungen bildeten diese wenigen Monate eine Ausnahme - und, auch wenn er sein Bestes tat um sich selbst davon zu überzeugen, dass es eine erschreckende Erfahrung gewesen war, er hätte es niemals ungeschehen machen wollen. Das er gewünscht hätte, auf andere Art mit den Nachwirkungen umzugehen, blieb unerwähnt, unbesprochen. Es gab jedenfalls nur zwei Menschen, mit denen er darüber hätte sprechen können, und Snape wusste nur zu gut um die voraussichtlichen Auswirkungen die es haben könnte, wenn er mit Dumbledore darüber sprach, sogar noch zehn Jahren nach dem Ereignis . Besonders zehn Jahren nach dem Ereignis

 

Das rosafarbene Pergament zog seinen Blick auf sich und peinigte wieder seine Netzhaut. Snape unterdrückte eine Grimasse. Parvati Patil hatte sich eindeutig nicht wesentlich verändert seit sie die Schule verlassen hatte. Kosmetik. Dieses Mal verzog sich sein Gesicht, welch eine Ironie, dass dieses Pergament ausgerechnet auf dem Ars Alchemica lag! Er hatte keine Lust, der Vergangenheit einen Besuch abzustatten.

 

Mit wenig Hoffnung, dass es etwas bewirken würde, nahm er eine Feder und ein leeres Stück Pergament vom Boden auf und begann zu schreiben.

 

„Liebe Hermine"

 

 

 

 

Teil 3 - 3. Dezember

 

Liebe Hermine,

 

ich wünschte, ich könnte sagen, dass Miss Patil in der gesichtslosen Masse hirnloser, weiblicher Schülern verschwunden ist, die im Laufe der Jahre mein Klassenzimmer durchlaufen haben. Unglücklicherweise haben sie und ihre Kumpanin, Miss Brown, sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt, indem sie mir Erfahrungen zumuteten, deren Erinnerung mich sogar heute noch erschauern lassen.

 

Mein Wunsch, die Bekanntschaft mit Miss Patil zu erneuern, ist, besonders wenn es auch noch im Zusammenhang mit dem ihr eigenen Markenzeichen - geistloser Dummheit - steht, außerordentlich gering.

 

Ich kann nicht erkennen, inwieweit etwas mich betreffen sollte, was auf mich den Eindruck eines direkt an Dich gerichteten geschäftlichen Angebotes macht - wenn auch mit erschreckender Interpunktion. Ob Du Dich mit dieser kommerziellen - Veröffentlichung - abgeben möchtest oder nicht, ist allein Deine Sache - mir war nicht bewusst, dass meine Meinung hierzu in irgendeiner Art und Weise relevant wären.

 

Severus

* * * * * * * * *

Liebe Parvati,

 

welch eine Überraschung nach all dieser Zeit wieder von Dir zu hören. Ich erinnere mich, dass Du ins Modegeschäft gehen wolltest. Meinen Glückwunsch, dass Du das bekommen hast , was Du wolltest und meinen Glückwunsch zu Deiner Ernennung zur Redakteurin des Ms Magic Magazine. Wo immer ich war, habe ich es in der Auslage gesehen.

 

Ich weiß nicht, was ich zu Deinem Vorschlag, diese Kosmetika wieder herzustellen, sagen soll. Um ehrlich zu sein, habe ich seit Verlassen der Schule kaum noch daran gedacht. Als Dozentin hat man nicht so viel Zeit, wie manche Leute glauben, weißt Du.

 

Ich weiß, Du möchtest so schnell wie möglich eine Antwort, aber es ist nicht so einfach wie Du vielleicht denkst. Wahrscheinlich ist es Dir seinerzeit nicht aufgefallen, aber ich habe sie nicht ganz alleine hergestellt - ich wurde dabei von jemand anderem unterstützt. Es war eigentlich mein Partner, der die meisten Ideen zu den Dingen, die wir herstellten, hatte und so muss ich mich erst mit ihm in Verbindung setzen und hören, wie er die Dinge sieht. Ich würde mich nicht wohlfühlen dabei, die Ergebnisse der Arbeit eines anderen ohne seine Erlaubnis zu benutzen - ich glaube, Du kennst mich noch gut genug, um das zu verstehen!

 

Außerdem bin ich außer Übung was die Herstellung solcher Dinge angeht und wenn ich zustimme, dann möchte ich sicher sein, dass ich alles richtig mache. Noch einmal, ich bin sicher, dass Dich das nicht überraschen wird!

 

Ich weiß, Du wartest dringend auf eine Antwort, aber ich muss wirklich die Reaktion meines Partners abwarten und danach brauche ich noch etwas Zeit, um darüber nachzudenken.

 

Wie schnell brauchst Du meine Antwort?

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Hermine Granger

 

* * * * * * * * * * * * * * *

 

Lieber Severus,

 

ich dachte, ich hätte mich in meinem letzten Brief klar ausgedrückt - ich habe diese Kosmetika nicht ganz alleine hergestellt. Tatsache ist, dass ich sie die meiste Zeit überhaupt nicht hergestellt habe. Falls ich dieses Angebot annehmen sollte, ist es das mindeste, dass ich die genaue Zusammensetzung einiger Mischungen mit Dir durchgehe. Außer denen, die ich regelmäßig benutze, habe ich keine mehr hergestellt und ich habe ganz sicher viele der Rezepte vergessen.

 

Was ich nicht vergessen habe ist, dass das Geld, dass Du mit der Herstellung der Kosmetika eingenommen hattest, in mein Verlies bei Gringott's eingezahlt wurde, nicht in Deines. Ich habe nicht vor, mich noch ein zweites Mal an Dir zu bereichern. Ich weiß, Du wirst sagen, dass das sehr Gryffindor mäßig ist, aber in diesem Fall fasse ich das als Kompliment auf.

 

So, Du siehst, Deine Meinung ist sehr relevant in diesem Fall.

 

Liebe Grüße

 

Hermine

 

P.S.: Ich hatte ganz vergessen, dass Parvati und Lavender Dir die Haare an den Beinen mit Wachs entfernt haben. War es wirklich so traumatisch?

 

* * * * * * * * * * * * * * *

 

Liebste Hermine,

 

ich konnte es kaum aushalten auf Deine Antwort zu warten!

 

Immer noch die gute alte Hermine, wie ich sehe. Kümmert sich darum, dass auch das kleinste Bisschen noch richtig und perfekt ist! Das ist genau der Grund, aus dem ich so sicher bin, dass wir in diesem Projekt so gut zusammenarbeiten werden - Du kümmerst Dich um die Details und ich habe mehr so das Ganze im Griff!

 

Du hattest einen Partner? Wir dachten, Du hättest es allein gemacht, wo Du doch immer so gerne völlig grundlos extra Arbeiten übernommen hast! Obwohl ich zugeben muss, dass Du damals klug genug warst Dich dieses eine Mal bezahlen zu lassen! Und wer ist nun dieser mysteriöse Partner? Ich wette, ich kann es mir eigentlich schon denken!

 

Es waren Ron und Harry, stimmt's? Ich habe Recht, oder ?!!! Im Grunde waren sie die einzigen Leute mit denen Du rumgehangen hast, oder? Ich nehme mal an, die Jungs wollten nicht, dass irgendjemand sie mädchenhaft findet - es hätte wirklich ihr Macho-Quidditch-Image zunichte gemacht, wenn jemand gewusst hätte, dass sie mit Gesichtscremes rummachen! Es hätte sich auch nicht gut gemacht bei Ihrer Bewerbung als Auroren!

 

Nun, Du kannst ihnen sagen, dass ihr Geheimnis bei mir sicher aufgehoben ist! Und wenn sie es nicht mehr geheim halten möchten, dann können wir da sicher was mit der Werbung machen! MMM und Harry Potter! Das wäre fantastisch!

 

Mach Dir keine Sorgen, Hermie! Wenn Du mitmachst, kannst Du Dir Dein Team aussuchen - und dafür hast Du meine persönliche Garantie! Richte Deinen ‚Partnern (!!!)' aus, dass sie herzlich willkommen sind an Bord und dass ich es kaum abwarten kann, anzufangen!

 

Wir haben eine Vorstandssitzung am fünften und ich hätte gerne etwas in Händen, was ich vorzeigen kann. Wenn ich den Redaktionsschluß nicht einhalten kann, könnte das Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben werden und daher bitte ich Dich, Hermie! Mach' mit!

 

Ich warte auf Deine Antwort!

 

Parvati

 

* * * * * * * * * * * *

 

Liebe Hermine,

 

ich bin noch nicht so senil, dass ich den kleinen Fabrikationsbetrieb während Deines letzten Schuljahres in Hogwarts vergessen hätte. Noch weniger muss ich ein zweites Mal daran erinnert werden.

 

Außerdem weigere ich mich zu glauben, dass Du auch nur ein Detail aus dem Ablauf der Herstellung vergessen haben könntest. Sollte das jedoch tatsächlich so sein, sehe ich mich gezwungen, sofort Professor McGonagall darüber zu informieren, dass ihre frühere Star-Schülerin ihre erste Erinnerungslücke festgestellt hat, was wiederum zu einer Erschütterung des felsenfesten Vertrauens dieser Dame in Deine akademische Unfehlbarkeit zur Folge hätte. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass die Übermittlung dieser Geschichte nicht gerade wenig zu meiner persönlichen Befriedigung beitragen würde.

 

Falls Du vorhast, diese Angelegenheit mit Ms Patil weiter zu verfolgen - und falls Du vorhast, mich mit Anfragen technischer Art zu belästigen - dann könnte ich mir vorstellen, als eine Art Berater zu fungieren. Ich möchte betonen, dass ich das nur tue, um sicherzustellen, dass der Teil des Herstellungsprozesses, den ich entwickelt habe, korrekt umgesetzt wird. Ich habe keinerlei Verlangen danach, ein zweiter Gilderoy Lockhart der Zaubererwelt zu werden.

 

Ich bitte des weiteren zu beachten, dass ich es vorziehen würde, keine weiteren Diskussionen über meine Körperpflege-Erfahrungen unter Anleitungen der Misses Patil und Brown zu führen.

 

Severus.

 

* * * * * * * * * * * *

 

Lieber Severus,

 

ich freue mich sehr, das zu hören. Sollte ich es übernehmen, wirst Du als Berater tätig sein. Es wird Dich bestimmt freuen zu hören, dass Parvati mir versprochen hat, dass ich ‚mein eigenes Team zusammenstellen' kann und mehr noch, dass ‚mein Partner' ebenfalls an Bord willkommen ist. Allerdings sollte ich Dich wohl darauf aufmerksam machen, dass für Parvati ‚Partner' gleichbedeutend ist mit ‚Harry und Ron'. Möchtest Du, dass ich sie aufkläre?

 

Ich habe jetzt eine ganze Weile darüber nachgedacht und ich glaube, ich möchte ihr Angebot annehmen. Es ist schon lange her, dass ich ernsthaft einen Trank gebraut habe und es wäre zur Abwechslung mal ganz nett etwas anderes zu tun als den Leuten nur immer wieder zu erklären, das die Tatsache, dass man etwas hinterher reparieren kann, kein Grund ist, es von vornherein kaputt zu machen.

 

Wie siehst Du Deinen Beitrag hierbei? Ich glaube, Du musst Dir keine Sorgen darüber machen, der neue GL zu werden. Der erste war nicht wirklich ein rauschender Erfolg.

 

Alles Gute.

 

Hermine

 

P.S.: Ich habe diesmal Parvati's Brief nicht beigelegt. Ich fand es der Eule gegenüber unfair, sich mit dem Extra-Gewicht all dieser Ausrufezeichen abzuschleppen.

 

* * * * * * * * * * * *

 

Liebe Hermine,

 

mir fehlen die Worte, um meine Freude über den Gedanken auszudrücken, Teil eines Teams zu sein, das sich mit Damenmode und Personenverwechslungen beschäftigt. Schon bald werden wir in der Lage sein, eine frivole Komödie aufzuführen.

 

Ich ziehe in Erwägung, meine Rolle in diesem geplanten Projekt zu erweitern. Wenn, so wie es aussieht, man sich ohnehin an mich wenden wird um anstehende Fragen bezüglich des Materials oder der Methode zu beantworten, so erscheint es mir weitaus sinnvoller wenn ich voll beteiligt bin. Der geeignetste Weg dies zu erreichen, ist irgendeine Art von Arbeitsgemeinschaft.

 

Vorausgesetzt dass Du damit einverstanden bist, folgt daraus, dass meine Identität gegenüber Ms Patil aufgedeckt werden muss. Ich weigere mich, kaufmännische Verhandlungen, die einen direkten Einfluss auf meine Person haben werden, von zwei Gryffindors führen zu lassen.

 

Ich schlage weiterhin vor, dass wir eine plausible Erklärung für meine damalige Beteilung erfinden. Ich habe den Verdacht, dass Miss Patil die Wahrheit nicht verkraften kann und ich könnte es mit Sicherheit nicht ertragen dass sie sie weiß.

 

Ich lobe Dich für Deine Fürsorge im Umgang mit Eulen. Meine eigenen Nerven sind sehr dankbar dafür hiervon ebenfalls profitieren zu können.

 

Severus.

 

* * * * * * * * * * *

 

Liebe Parvati,

 

ich habe nun Antwort von meinem Partner erhalten.

 

Du wirst Dich freuen zu hören, dass wir Interesse haben an Deinem Projekt teilzunehmen. Vielleicht schlägst Du ein Datum vor, an dem wir uns treffen und die Details besprechen können.

 

Mit freundlichen Grüssen

 

Hermine

 

P.S. Es ist keine große Sache, aber ich glaube, niemand nennt mich Hermie. Ich empfinde mich selber nicht als jemand der „Hermie" heißen könnte.

 

* * * * * * * * * *

 

Liebling!

 

Das sind fantastische Neuigkeiten !!! Ich kann es gar nicht abwarten, das dem Vorstand vorzutragen! Ich nehme nicht an, dass Du irgendwelche Muster hast die Du mir geben könntest - einfach um ihnen zu zeigen, worum es geht! Schicke mir per Eule was Du kannst so schnell wie möglich! MMM wird alles zahlen!

 

Warum treffen wir uns nicht nach der Vorstandssitzung, sagen wir um 14.30 Uhr am 5.? In meinem Büro ? Ich würde ja sagen, lass uns zusammen zu Mittag essen, aber diese Sitzungen können dauern! Du kannst Dir gar nicht vorstellen wie ermüdend das manchmal ist! Und dann heißt es immer in diesem Job geht es nur um Glamour!

 

Ich kann Dir gar nicht sagen wie begeistert ich bin!

 

Bis zum 5. dann. Gehe einfach zum Empfang und sage ihnen, dass Du zu mir möchtest.

 

Parvati

 

* * * * * * * * * * *

 

Lieber Severus,

 

natürlich bin ich einverstanden mit Dir eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Und danke für das Anbieten Deiner Hilfe bei der Produktion und den kaufmännischen Verhandlungen - ich bin sicher, dass irgendwo zwischen Deinen Zeilen ein freundliches Hilfsangebot verborgen war.

 

Ich habe von Parvati gehört. Sie möchte uns am 5. Dezember in ihrem Büro treffen um einige Sachen zu besprechen. Passt Dir das?

 

Ich habe ihr noch nicht erzählt, dass Du mein Partner bist. Ich habe einfach keinen Weg gefunden, dass vernünftig zu Papier zu bringen. Ich schlage vor, wir treffen uns vorher und besprechen, was genau wir ihr erzählen wollen.

 

Liebe Grüße,

 

Hermine

 

P.S. Es ist mir natürlich klar, dass Parvati's Gesichtsausdruck, wenn Du ohne Vorwarnung in ihr Büro spazierst, für Dich nicht wirklich ein Grund zur Freude sein wird. Einmal ganz abgesehen von den Rachegelüsten...

 

 

 

 

Teil 4 - 4. Dezember

 

Snape schob den Stapel Hausarbeiten und Korrespondenz auf seinem Schreibtisch beiseite und schnitt eine Grimasse als sein Blick auf die Notiz von Dumbledore fiel, die ein Quidditch Spiel Lehrer gegen Ehemalige kurz vor Ende des Semesters ankündigte. Einige Papiere flatterten zu Boden als er sie wegschob. Als er sie aufhob erkannte er Hermines Handschrift - es handelte sich um seine letzte Korrespondenz.

 

Das Hin und Her der Briefe war spannend gewesen; am Ende hatte er nachgegeben und zugestimmt. Es war offensichtlich, dass Hermine nicht scharf darauf war ein nein als Antwort zu akzeptieren und wenn Slytherins eines waren, dann pragmatisch. Sie davon zu überzeugen, dass er nicht helfen würde, hätte länger gedauert als ihr einfach zu helfen. Egal wie ungern er das sogar sich selbst gegenüber zugab, Neugier hatte ebenfalls einen Anteil an seiner Entscheidung - diese Neugier hatte allerdings nichts mit Ms Patil zu tun, was wenig überraschte. Das rosafarbene Papier hatte ihm genug darüber erzählt, wie sie sich seit Verlassen der Schule entwickelt hatte.

Nein, seine Neugier hatte ausschließlich mit Hermine zu tun; die Handvoll Briefe die über die Jahre ausgetauscht worden waren, wiesen darauf hin, dass sie getan hatte, wozu die meisten ihrer Klassenkameraden nicht fähig waren, sie hatte sich weiter entwickelt. Von Zeit zu Zeit hatte er sich gefragt, wie die Erwachsene Hermine sein würde und wie sie miteinander umgehen würden. Das - mehr als alles andere - hatte letztendlich seine Kapitulation herbeigeführt. Er fragte sich, wer er in ihrer Gegenwart sein würde.

Er wußte vom ersten Brief an, dass er zustimmen würde, dass sie ein 'nein' als Antwort zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptieren würde und er hatte seine Worte in den Briefen so gewählt, dass sie es bestimmt nicht tat. Es wäre auch untypisch für ihn, zu schnell nachzugeben und Severus Snape war nie - fast nie - untypisch. Es würde die Leute nur nervös machen. Die Sonne ging auf und unter; Gegenstände folgten den Gesetzen der Gravitation; und er war unfreundlich und schroff. Es war der natürliche Lauf der Dinge.

Er betrachtete das bevorstehende Treffen mit Ms Patil mit einer düsteren Vorahnung; von ihr zu etwas genötigt zu werden war nichts, was er besonders gerne zu wiederholen bereit war. Das letzte Mal als er sich ihren Bitten fügte, endete das in einem Ereignis das er gerne vergessen würde, was sich aber in seine Erinnerung eingebrannt hatte mit der Wucht eines umgedrehten Obliviate: könnte er die Art, wie diese Erinnerung verankert war, in einen Zauber verwandeln, könnte er ein Vermögen machen mit Schülern, die sich ihr Wissen vor den OWLs und NEWTs eintrichtern wollten. Oder auch nicht; die Erinnerung war mit ziemlicher Sicherheit mit Schmerzen verbunden, dachte er, und es war fraglich, wie viele Schüler bereit waren das für ihre Prüfungsergebnisse zu ertragen.

Patil hatte damals nicht gewusst, dass es Snape war, den sie beschwatzt hatte - wusste es noch immer nicht, und nie im Leben würde sie es jemals erfahren. Falls Hermine nicht schon eine Geschichte ausgedacht hatte, würde er ihr eine liefern die die Gründe für seine Beteiligung abdeckte. Alles war besser als die Wahrheit. Er hatte absolut keine Verlangen danach, Parvati Patil jemals wissen zu lassen, dass es die Beine des grausigen Potions Professor waren, die sie in ihrem letzten Jahr in Hogwarts eingewachst hatte.

Die Erinnerung war ein Alptraum; nicht unbedingt der Schmerz - egal was man sich vorstellte, ein Crucio schlug alles; wäre es nicht so, wären die Totesser überall von den Hexen eingemauert worden. Es war dieses ..... mädchenhafte. Er fand einfach kein anderes Wort dafür, sonst hätte er es benutzt. Es war kaum ein Trost dass Hermine nie mehr zu einer ‚Mädchennacht' verpflichtet wurde, und das sie sich vor Lachen kaum noch einkriegen konnte als sie erfuhr, was er durchgemacht hatte, war noch viel weniger tröstlich. Die Unterhaltung - in Ermangelung eines anderen Ausdrucks - zwischen Lavender Brown und Patil war quälend. Jungs, mehr Jungs, und Make Up Tipps. Wenn es nur um ihn gegangen wäre, hätte er ihnen mit Sicherheit gesagt, mit wem sie es gerade zu tun gehabt hatten, zum Teufel mit den Konsequenzen. Der einzige Grund für ihn seinen Mund zu halten war ein Widerwille, Hermine zu Voldemorts Spielzeug zu machen; ein klein wenig Respekt gegenüber Dumbledore's Wünschen spielte vielleicht auch noch eine Rolle, aber keine besonders große.

Snape starrte aus dem Fenster, er schüttelte die alten Erinnerungen ab und fand sich selbst blicklos in den Nachthimmel starrend. Endlich hatte es in den Highlands geschneit, der fast volle Mond spiegelte sich darin. Das Gelände und der See die sich am Fuße des Kliffs ausbreiteten in dem die Kerker von Hogwarts untergebracht waren, glitzerten eisig vor dem schwarzen Himmel.

Hautpflege und Kosmetik. Wenn das kein eindeutiger Beweis für die Existenz von Ironie war - was sonst? Lockhart wäre stolz auf ihn - wenn der Idiot in der Lage wäre sich an irgend etwas in seinem Leben zu erinnern.

Snape verzog das Gesicht - Lachen, egal wie höhnisch, war mehr als er im Moment zulassen konnte. Er sah auf den Tisch herab, der als Schreibtisch fungierte, auf die Papiere die darauf verstreut waren, verzog schmerzlich das Gesicht bei dem Aufblitzen von Rosa, das immer noch nicht nachgedunkelt war. Irgendwo da drinnen .... lange Finger suchten, schoben einen Stapel Papiere beiseite auf der Suche nach etwas, das die Zeit und die Korrekturen der Semesterarbeiten begraben hatte.

Endlich fand er was er suchte; ein Bündel Pergament, fast 3 Zentimeter dick, bedeckt mit der fast unleserlich gekritzelten Kurzschrift, die er für private Notizen benutzte. Schade, dass diese Arbeit unvollendet war - dies wäre die beste Gelegenheit gewesen sie zu veröffentlichen ohne zu riskieren, dass sein Name damit in Verbindung gebracht worden wäre.

Nicht gerade Hautpflege, oder Kosmetik, aber trotzdem hätte es Miss Patil vermutlich interessiert. Vielleicht konnte er es bald fertig stellen ... Snape blätterte durch die Notizen um zu sehen, wie weit er gekommen war mit seiner Forschung, ob „bald fertig stellen" eine einigermaßen realistische Aussage war. Die kurze Überschrift lautete einfach nur ‚Projekt Hermine' - ziemlich sentimental, aber die Notizen waren teilweise fast 10 Jahre alt. Er hatte das Projekt als Ablenkung angefangen, nachdem er seinen Körper zurück hatte: es war etwas das ihn an die Person erinnerte, die er kennen gelernt hatte und er hatte es als ‚Dankeschön' gemeint, wenn es denn jemals zu Ende gebracht worden wäre. Ein Dank dafür, dass er seinen Körper unversehrt zurückerhalten hatte und seine Klassen im Zeitplan; für das Bewahren seiner Geheimnisse und für viel zu viele andere Dinge, die er nicht nennen wollte.

Monate, in denen er sich alle vier Wochen mit Muggel-Binden abgeben musste, hatten ihn dazu gebracht nach einem Weg zu suchen, mit dieser Angelegenheit unter Berücksichtigung von Hermine's Bedenken bezüglich der Unterbrechung des Zyklus umzugehen. Es gab in der Zaubererwelt nur sehr wenige Untersuchungen über den Langzeitgebrauch von Tränken oder Zaubersprüchen um die Monatsblutungen zu stoppen. Es hatte einige Zeit gedauert, bis er Muggel-Untersuchungen zu dieser Problematik fand, um Hermines Probleme zu beenden. Es ging nicht um Nebenwirkungen, oder Konsequenzen, das war etwas mit dem eine einigermaßen kompetente Medi-Hexe umgehen konnte, aber trotzdem, Snape verstand, warum Hermine nicht völlig von der Langzeit-Empfehlung dieser Sachen überzeugt war.

Aus diesem Grunde hatte er angefangen einen Trank zu entwickeln, der sich mit dem Problem ordentlich befasste, ohne die Nebeneffekte. Aber die Zeit, und Unterricht, und außerschulische Aktivitäten, inklusive Voldemort, hatten seine freie Zeit für viele Jahre rar werden lassen und, irgendwie, jetzt, wo es ruhiger war, hatten andere Dinge die freie Zeit ausgefüllt ohne das Snape daran gedacht hätte seine Forschungen fortzusetzen. Aber jetzt - nun, er hatte die Zeit. Die Weihnachtsferien standen vor der Tür und damit für eine Weile so etwas wie Freizeit.

Snape blickte auf den kleinen Bücherturm, der den ‚ungelesen' Stapel darstellte; er konnte warten. Was wichtig war, hatte er schon gelesen. Was in diesem Stapel war, war interessant, aber nicht eilig - und vielleicht noch nicht einmal interessant, obwohl er das erst wissen würde, wenn er anfing zu lesen.

Er stand vom Tisch auf, dehnte sich etwas als seine Muskeln protestierten weil er zu lange still gesessen hatte. Er nahm den Becher mit kaltem Kaffee von seinem Schreibtisch, zusammen mit seinen Notizen und wanderte hinüber in sein privates Labor, das sich in seiner Wohnung befand. Er ließ die Untersuchung auf einen kleinen Hocker neben dem langen Labortisch fallen, um sich selbst daran zu erinnern, dass dies sein Ferien-Projekt war. Er blätterte die Seiten noch einmal durch, machte eine mentale Notiz was er in Hogsmeade bestellen musste - oder in der Winkelgasse, in einigen Fällen - um die Untersuchung fortzusetzen. Die meisten Zutaten hatte er vorrätig und er zog es vor, wenn möglich, mit fertig verfügbaren Stoffen zu arbeiten: Es war ziemlich sinnlos den Versuch zu starten etwas zu produzieren, dass ein Massenprodukt zu werden verspricht, wenn es nur mit den seltensten Zutaten hergestellt werden konnte. Wie auch immer, es war fast Semesterende und die Vorräte gingen langsam zur Neige. Er fügte eine gedankliche Notiz hinzu, ebenfalls die Vorräte im Klassenraum zu überprüfen and auch diese wieder aufzufüllen. Die Schüler brachten zwar zu Semester-Beginn eine gewisse Menge an Trank-Zutaten mit, aber, nichts desto trotz, hatte die Schule einen gewissen Bedarf für den Unterricht und für Präparate für die Krankenstation.

Zurück in seinem Zimmer, blickte Snape auf die Uhr und überlegte, ob er noch mehr Kaffee haben sollte. Der Topf war kaum noch warm auf dem Herd; das Feuer verwandelte sich langsam in glühende Asche. Er fasste das als Zeichen auf und beschloss, dass er versuchen sollte etwas Schlaf zu bekommen.

 



Teil 5 - 5. Dezember

 

Die Regengüsse, die seit Anfang des Monats niederprasselten, hatten aufgehört als Hermine Granger den Zug nach London an der Paddington Station verließ. Trotzdem ging in der Hauptstadt alles seinen gewohnten Gang in dem fortdauernden Zwielicht, dass den Eindruck erweckte, dass die Sonne für heute den Kampf um die Vorherrschaft aufgegeben hatte. Um zehn Uhr Morgens herrschte in der Bahnhofshalle bereits geschäftiges Treiben und die ersten Weihnachtseinkäufer strömten zielstrebig Richtung U-Bahn und umwirbelten dabei gelegentlich kleine Hindernisse aus Gepäck und wartenden Reisenden.

Hermine befreite sich aus der allgemeinen Strömung und blieb einen Moment zitternd im Wind stehen, der durch die Wartehalle pfiff. Die schickste Renovierung der Welt konnte nicht verschleiern, das dies im Grunde nichts anderes als ein Verschiebebahnhof war, trotz Buchläden und 50 Arten seinen Kaffee zu trinken.

Natürlich hätte sie sich das hier ersparen können, in dem sie direkt in das Zauberei-ministerium appariert wäre, aber das hatte sie nicht gereizt. Es war zu schnell, zu direkt. Für dieses Treffen brauchte sie Zeit; Zeit sich vorzubereiten, die ganze Situation zu überdenken, aus jedem Blickwinkel zu betrachten, bis sie von ihrem theoretischen Plan so überzeugt, wie nur möglich war.

Sie hatte Snape vorgeschlagen, sich vor dem - was? Geschäftstermin? Konfrontation? zu treffen. Natürlich mussten sie und Snape sich noch über die Geschichte abstimmen. Aber im Grunde genommen ging es um ihr starkes Verlangen ihn in einigermaßen privatem Rahmen wiederzusehen. Sie erinnerte sich nur zu gut an Parvati - der Patil Detektor für Gefühlstraumata war unübertroffen - und Hermine's erste Reaktion auf Snape war nichts für interessierte Zuschauer.

Sie zog kurz einen weiteren Aufschub in Form eines großen Cafe Latte in Erwägung, entschied sich aber dagegen. Stattdessen ging sie in Richtung des Haupteinganges um zu dem verabredeten Treffpunkt zu gelangen. So ungemütlich der Tag auch war, die Bewegung und die halbwegs frische Luft würde ihre Nerven beruhigen.

Hoffte sie.

* * * * * * * *

Es war, dachte sie einige Zeit später, völlig unverständlich das dieser Schurke noch immer in der Lage war solch zweideutige und, vor allem, beunruhigende Gefühle in ihr zu wecken.

Die Wahl des Treffpunktes - einer, der in London allgegenwärtigen Coffee Shops in der Nähe der Büros des Ms Magic Magzine - entsprang dem gleichen Impuls, der sie veranlasst hatte den Zug zu nehmen und das Zaubereiministerium zu meiden. Das öffentliche Interesse an Hermine Granger war bei weitem nicht so groß wie an Harry Potter oder Albus Dumbledore, aber ihr Anteil bei dem Fall von Voldemort war nicht unbekannt.

Oxford war allerdings ziemlich angenehm. Das akademische Selbstverständnis war in der Zaubererwelt genauso ausgeprägt wie bei den Muggeln; alles was nicht direkt mit dem eigentlichen Studiengebiet zu tun hatte, interessierte nicht - inklusive Berühmtheit - und so konnte sie dort ruhig und in Frieden leben. Außerhalb Oxfords jedoch war die Chance erkannt zu werden ziemlich hoch. Und, das musste gesagt werden, es gab genug ehemalige Schüler aus Hogwarts in der Gesellschaft der Zauberer für die Severus Snape ebenfalls kein Unbekannter war - obwohl, wohl eher, aus einem anderen Grund.

Wenn Hermine Granger, die Heldin, gesehen wurde, wie sie sich mit Severus Snape, dem Bastard, traf, wären die Gerüchte im Null-Komma-Nichts auf ihrem Weg nach Beauxbaton.

Heute hatte sie einfach keine Lust, versteckte Blicke und geflüsterte Bemerkungen zu ignorieren. Sie wollte unerkannt sein. Sie nippte an ihrem schwarzen Kaffee, Espresso mit heißem Wasser aufgegossen, in dem halbherzigen Versuch, ihren Körper nicht völlig mit Koffein zuzuschütten. Sie dachte kurz an Essen, aber die beruhigende Wirkung ihres Fußmarsches von Paddington hierher war schon lange wieder verschwunden und ihr Magen war zu nervös, um zu essen. Also trank sie Kaffee, beobachtete die Uhr und versuchte nicht darüber nachzudenken, ob Snape sich überhaupt herablassen würde, zu kommen.

„Guten Morgen, Miss Granger."

Sie hatte es erwartet und musste trotzdem einen erschrockenen Aufschrei unterdrücken. Er war leise hinter ihr aufgetaucht. Der gleiche alte Snape, dachte sie. Er wusste, wie man sein Erscheinen inszenierte. Und wieso war sie plötzlich „Miss Granger"?

„Guten Morgen, Professor Snape," sagte sie ohne sich umzudrehen und betonte seinen vollen Titel mit einem kleinen Anflug von Ironie.

Sie spürte eine Bewegung neben sich und Severus Snape trat in ihr Blickfeld.

Er war wirklich noch der gleiche alte Severus, das wurde ihr klar, als sich ihr Magen zusammenkrampfte obwohl sie es verzog es „Überraschung" zu nennen. Immer noch groß, dünn und zerzaust, auch in seiner Muggelkleidung - sie konnte einen schwarzen Pullover unter der Lederjacke erkennen. Sie wusste, er würde aus Kaschmir sein.

„Du hast also gut hergefunden?" fragte sie, bevor ihr Gehirn es verhindern konnte.

Er sah sie nur an. Sie schnitt eine Grimasse.

„Ich weiß, es war eine blöde Frage."

„Ja, stimmt."

Auf jeden Fall der alte Severus. Sie beschloss, es mit einer intelligenteren Frage zu versuchen. Oder wenigstens eine die weniger sinnlos war.

„Möchtest Du einen Kaffee?"

Snape senkte seinen Kopf etwas, das so aussah, als ob er eine formelle Verbeugung machen wollte.

„Ich hole welchen."

Er schritt von ihr fort und sie drehte sich zu ihm, um ihn zu fragen, ob er Muggel-Geld hätte, aber konnte es sich gerade noch verkneifen. Es wäre sehr untypisch die richtige Kleidung anzuziehen und das falsche Geld dabei zu haben. Sie, vor allem, wusste, dass es seine Detailversessenheit gewesen war, die ihn so lange am Leben erhalten hatte. Und ihr Stolz ließ zwei dumme Fragen in kurzer Zeit nicht zu.

Sie beobachtete, wie er zum Tresen ging. Sie hatte Snape nicht mehr getroffen nach dem Ende von Voldemort und den damit verbundenen offiziellen Folgen und sie registrierte, wie seine Jeans locker auf den Hüften saßen; er schien keinerlei Gewicht angesetzt zu haben in den vergangenen Jahren. Jetzt studierte er die verschiedenen Kaffee-Variationen so genau, als ob sie neue und eventuell tödliche Trank Zutaten wären. Sie konnte seine Konzentration erkennen, sogar von hier - seine Schultern leicht hochgezogen, den Kopf vorgestreckt, als ob er Witterung aufnehmen wollte.

Etwas weiter saßen einige Mädchen an einem Tisch und sie bemerkte, wie sie ihn taxierten. Hermine unterdrückte ein Grinsen, und kämpfte mit sich, ob sie es Snape erzählen sollte, wenn er zurückkam.

Besser nicht, beschloss sie. Hässlich und ungepflegt wie er bei objektiver Betrachtung zweifellos war, hatte Snape nie wirklich verstanden, dass seine Ausstrahlung von Selbstbewußtsein und Arroganz aus ihm eine bezwingende Persönlichkeit machten. Er würde sich kaum über die Beobachtung freuen.

Und sie war sich nicht sicher, ob sie noch in einem Verhältnis zueinander standen, das solche Neckerein erlaubte.

Nein, er würde von ihr Konzentration und Professionalität erwarten. Warum sollte er eine Erfahrung wieder aufleben lassen wollen, die nur auf situationsbedingtem Stress und den Hormonen einer Halbwüchsigen basierte? Zehn Jahre waren eine lange Zeit. Ein Mensch konnte in dieser Zeit einen langen Weg gehen.

Obwohl, betonte die Stimme in ihrem Hinterkopf, entschlossen zu sagen was zu sagen war, bevor sie völlig zum schweigen gebracht wurde, wenn Snape einen sehr langen Weg zurück gelegt hätte, dann hätte einer ihrer Briefpartner ihr das ganz sicher erzählt.

Gerade als sie das festgestellt hatte, kam Snape zurück und ließ sich ihr gegenüber nieder. Er ließ seine Jacke von den Schultern und über die Rückenlehne seines Stuhles gleiten und starrte seinen Kaffee mit gewohntem Abscheu an.

„Hier scheint nichts verkauft zu werden dass auch nur entfernt irgendwelchen Nährwert besitzt. Ich hege sogar einiges Misstrauen gegenüber dem Wasser."

Entgegen seiner Bemerkung, stellte Hermine fest, dass er tatsächlich etwas gekauft hatte, dass wie ein Doppelter Espresso aussah. Er nippte daran und sein finsterer Blick vertiefte sich noch.

„Verbrannt," sagte er mit Ekel.

„Ja, nun, ich habe nicht behauptet, dass es hier gut ist. Ich sagte nur, dass wir hier wahrscheinlich nicht erkannt werden würden."

Snape's Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, aber sein Schweigen schien ihr in diesem Punkt Recht zu geben.

Jetzt, da sie den Moment erreicht hatten, um über den Grund ihres Hierseins zu sprechen, wusste Hermine nicht, wie sie anfangen sollte. Sie wusste genau, dass von Snape keine Hilfe zu erwarten war - Schweigen war sein Verbündeter. Mehr noch, es war seine liebste Waffe. Daraus folgte, dass es sie ziemlich aus der Fassung brachte als er sprach.

„Ich vertraue darauf, dass die träumenden Türme von Amergin (Oxford ist berühmt für seine vielen Türme und Amergin war eines der ältesten Institute an d. Oxford Uni, Anm. d.Übers.) nicht so einschläfernd sind, dass sie Dich von Deiner Berufung abhalten die Zaubererwelt zu lehren ihre Kräfte nur für das Gute einzusetzen."

Sein Ton ärgerte sie irgendwie und eine Kombination aus angespannten Nerven und einem ziemlich gefährdeten emotionalem Gleichgewicht ließ sie antworten.

„Ethik bedeutet mehr als das," sagte sie, bevor ihr bewusst wurde, dass er sie nur reizen wollte. Erfolgreich.

Snape sah amüsiert aus.

„Ich stelle fest, dass Du die Gryffindor Angewohnheit, erst zu sprechen und dann zu denken, noch nicht abgelegt hast. Auch ein Grund zu diesem Treffen zu kommen."

Die Tatsache, dass er sie hereingelegt hatte verbesserte ihre Laune nicht gerade. Sie betrachtete die Tischplatte, um ihre Irritation etwas abklingen zu lassen. Snape fuhr gleichgültig fort seinen Kaffee zu trinken.

„So," fragte sie schließlich," was werden wir Parvati erzählen? Ich glaube nicht, dass die Wahrheit eine besonders gute Idee wäre, oder?"

„Ich bin der Meinung, die Wahrheit wäre eine katastrophal schlechte Idee." Snape überlegte. Sein Gesicht nahm einen etwas geistesabwesenden Ausdruck an. „Ich meine mich zu erinnern," fuhr er langsam fort, „dass ich Mr Potter und Mr Weasley erzählte, dass ich - Du - so eine Art Sonderprojekt durchführte. Könnte das nicht die Quelle dieser Produkte sein?"

Jetzt war es an Hermine, amüsiert zu gucken. Von ihrer Skepsis gar nicht zu reden.

„Willst Du mir wirklich erzählen, dass Du einer Studie über Haar- und Schönheitsprodukte als außerschulisches Projekt zugestimmt hättest?"

Snape legte seine Fingerspitzen zusammen. Dann lächelte er unerwartet kurz auf; seine Zähne waren nicht schlechter als vor zehn Jahren, sahen aber auch nicht besser aus.

„Weißt Du, ich glaube, dass ich das getan hätte."

Ihr Zweifel musste offensichtlich sein, denn sein Gesicht nahm einen spöttischen Ausdruck an und er lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Denk mal ganz sachlich darüber nach," sagte er im besten Unterrichtston. „Am Anfang Deines letzten Jahres warst Du, in meinen Augen, so wie Du immer warst, eine lästige Besserwisserin."

Ihr Interesse war geweckt und ihre Fähigkeit zu analysieren nahm seine Arbeit auf und Hermine erwiderte nichts auf diese krasse Provokation. Im übrigen war ihr die Doppeldeutigkeit dieser Feststellung nicht entgangen.

„Weiter," sagte sie neutral. Etwas flackerte in seinen Augen auf und war vorbei.

„Nicht nur eine Besserwisserin sondern auch eine Anhängerin des Kultes der reinen Akademischen Lehre. Wie Du herabgesehen hast auf jene, denen das Wissen um des Wissens willen völlig egal war, sondern die nur das lernten was sie brauchten."

Hermine hatte schon ihren Mund aufgemacht, um gegen diese Ungerechtigkeit zu protestieren, als ihr plötzlich ein Abend im Gryffindor Gemeinschaftsraum einfiel und wie sie die Weasley Zwillinge zurecht gewiesen hatte; sie wussten nur dass, was sie für ihre Tricks brauchten - nichts wichtiges. Sie schloss ihren Mund wieder. Snape wartete einen Moment und fügte dann hinzu, „denke daran, wir sprechen hier nur über meine hypothetische Sicht der Dinge."

War das eine Entschuldigung?

Bevor sie diesen Satz zerlegen konnte war er schon fortgefahren.

„Wenn Du auf mich zugekommen wärest im Hinblick auf die Durchführung eines Zaubertränke Projektes, zweifellos eines, das technisch fortgeschritten und umfangreich sein sollte, und jemand, sagen wir mal der Schulleiter, hätte mich gezwungen Deiner Anfrage zu entsprechen ..."

Sie erkannte plötzlich woraus er hinauswollte.

„ ... Du hättest mir ein Projekt über Kosmetikprodukte gegeben, weil Du gewusst hättest, dass das unter meiner Würde gewesen wäre, aber ich konnte keinen Rückzieher machen, nachdem ich so einen Aufstand darum gemacht hatte. Besonders nicht als Gryffindor.

„Exakt."

Das war wirklich gut, das musste sie zugeben. Snape wartete offensichtlich auf ihre Reaktion.

„Es ist sehr Slytherin," sagte sie trocken.

Er sah sehr selbstgefällig aus.

Sie überlegte einen Moment.

„Und deswegen habe ich, aus Rache, angefangen, die Produkte zu verkaufen?"

„So würde ich es mir vorstellen."

„Warst Du nicht sauer?"

„Ich fand es erst heraus nachdem Du abgegangen warst. Keiner meiner Slytherins hätte irgendwelche Kontakte zu Dir zugegeben und ich kümmere mich nicht um andere Häuser."

Hermine fing an die ganze Sache zu genießen.

„Und als Du es dann herausfandest?"

„Ich schrieb Dir einen Brief, in dem ich drohte Dich zu verklagen, falls Du versuchen solltest noch mehr Profit aus meiner Arbeit ziehen."

„Weil, selbstverständlich, die Arbeit der Schüler den Lehrern gehört."

„Selbstverständlich."

„Das ist unfair."

„Ich bin kein fairer Mensch."

„Als Parvati's Angebot dann kam, war ich gezwungen Dir zu schreiben, weil ich in großer Armut lebe und dringend Geld brauche. Ich habe ihr nicht sofort alles erzählt weil es mir peinlich war, so schamlos ausgenutzt worden zu sein."

„In der Tat."

„Sie wird jedes Wort schlucken."

„Gut."

Es herrschte wieder Schweigen als Hermine sich das ganze Szenario noch einmal durch den Kopf gehen ließ um es auf logische Fehler hin zu überprüfen. Als sie dabei war, fiel ihr Snape's Kommentar ein.

„Severus," sagte sie und starrte in ihren leeren Becher. „War ich wirklich so ein schrecklicher Teenager?"

Sie erwartete eine ätzende Antwort, aber stattdessen schaute er weg und stand dann plötzlich auf.

„Ist es nicht Zeit, dieses Treffen hinter uns zu bringen?"

Hermine verbiss sich einen Seufzer. Das war so gut wie ein ‚Ja'. Aber immerhin, es schien doch so etwas wie Verständigung zwischen ihnen zu geben, genauso wie - nein, wie gar nichts.

Sie zog ihren Mantel über und folgte Snape aus dem Coffee Shop.


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