Teil
1 - 1. Dezember
Hermine
Granger's Konzentration wurde durch ein beharrliches Kratzen an ihrem
Bürofenster unterbrochen, ein Geräusch das das klopfen des Winterregens wieder
in den Vordergrund ihres Bewusstsein brachte.
Mit einem leichten Seufzen sah sie auf und erblickte eine braun-weiß
gesprenkelte Posteule, deren Umriss sich vom strömenden Wasser und dem
schwindenden Tageslicht abzeichnete, sich unsicher an den Fenstersims
klammernd.
Nicht
dass es leicht wäre, dachte sie sarkastisch, als sie nach ihrem Zauberstab
griff und Lumos flüsterte. Das Licht
im Raum nahm zu und das Kratzen der Eulenklauen wurde intensiver. Sie stand
langsam von ihrem Schreibtisch auf, ging zum Fenster und öffnete es. Der Vogel
flog mit einer Bö aus Wind und Wasser hinein. Hastig schloss Hermine das
Fenster und drehte sich um, um einige aufgeweichte Pakete zu finden, die auf ihren Unterlagen lagen. Die Eule hatte
sich auf ihre Fracht gesetzt, hüpfte an die Kante des Schreibtisches, flatterte
mit den Flügeln und schüttelte sich wie ein sehr kleiner, sehr nasser Hund. Ein
Schwall Tropfen traf Hermine's Arbeit und kleine, blase Tintenkleckse formten
sich auf dem obersten Pergament.
Die
Eule sah sie erwartungsvoll an.
„Nach
diesem Auftritt erwartest du immer noch, dass ich dich füttere?" frage sie,
Irritation vortäuschend.
Die
Eule blinzelte und rührte sich nicht.
„Nun,
das deute ich als ‚Ja'."
Zurück
an ihrem Schreibtisch öffnete sie einen Behälter voller Eulenfutter und nahm
eine Handvoll heraus. Die Eule blinzelte nochmals.
Sie
zeigte nach draußen, „der Schreibtisch ist inzwischen nass genug, wenn du das
hier willst, musst du wieder zurück ans Fenster."
Die
Eule flog gehorsam los, über Hermine hinweg und war bereits am Fenster als
Hermine es erreichte. Nachdem Hermine ihr genug Zeit gewährt hatte um das
Futter hinunterzuschlingen, griff sie nach dem Griff und öffnete das Fenster
wieder, wobei sie wegen einer kalten Bö zusammenzuckte. Die Eule blickte sie
vorwurfsvoll an.
„Raus",
befahl sie hart.
Die
Eule flog, so stolz wie einem Vogel nur möglich, davon.
Hermine
schloss das Fenster wieder und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht.
Seufzend
blickte sie auf die Unordnung auf ihrem Schreibtisch. Da ihre Gedankengänge nun
wirklich enorm unterbrochen worden waren, entschied sie, dass sie ebenso einen
Kaffee trinken könnte. Sie ging zum Kamin, welcher anstatt eines üblichen
Feuers einen eisernen Ofen enthielt. Griff nach der Kaffeekanne und bewegte sie
leiht um beurteilen zu können, ob diese noch genug für eine Tasse enthielt. Sie
nahm ihre Tasse vom Schreibtisch und schenkte sich den Rest aus der Kanne ein.
Das raue Steingut schaukelnd, nippte sie nachdenklich an der schwarzen
Flüssigkeit. Der Geschmack von Kaffee der stark genug war um Bäume umzuwerfen
war ein Vermächtnis aus ihrem letzten Schuljahr und war im Moment so intensiv,
dass sie beinahe die Zeit vergas als sie ihn noch nicht getrunken hatte.
Beinahe.
Die
nasse Post auf einen Haufen schiebend, setzte sie sich wieder und blickte
resignierend auf das vor ihr liegende Manuskript. Die Seite, die sich gerade
noch gelesen hatte war bis zur Unlesbarkeit verschmiert. Einen Moment dacht sie
daran es einfach so zulassen und die Zerstörung mit einem Ausbruch von
Freudentränen zu erklären, aber dann wurde ihr bewusst, dass Miss Lucinda
Crampington es nicht schätzen würde, wenn ihre Abhandlung über die Legalität
und Moral von Gedächtniszaubern aussehen würde, als wäre sie als Küchentuch
benutzt worden. Miss Crampingtins's Prosa war nicht nur schwer zu lesen und ihre
Argumente dürftig formuliert, sie hatte auch absolut keinen Sinn für Humor.
Ihren Kaffe in die andere Hand nehmend, griff Hermine nach ihrem Zauberstab,
richtete ihn auf das Papier und murmelte „Restoratio".
Das Pergament trocknete, die Tintenspuren verblassten und die Wörter brachten
sich selbst in lesbare Form.
Pflicht
erfüllt, Hermine verbannte Miss Crampington's gerettete Worte der Weisheit
zugunsten der weitaus interessanteren Eulenlieferung. Sie warf einige
durchnässte Zeitschriften auf die Seite um sie später zu lesen und widmete sich
dann zwei anderen Umschlägen zu. Der eine war groß, braun und rechteckig, sie
erkannte, dass er von ihrer Mutter war. Der zweite war lang, pink und in einer
ihr unbekannten Handschrift beschriftet. Sie begann beide zu trocknen.
Sie
entschied zuerst den Umschlag ihrer Mutter zu öffnen. Er faszinierte sie, er
war zu spät um deine Geburtstagskarte zu sein, aber zu früh für Weihnachten.
Nachdem sie das Kuvert geöffnet hatte zog sie seine große Karte mit einem
Engelsbild heraus. Es war kein niedlicher gezeichneter Engel, mit Flügeln,
einen Heiligenschein und einem langen weißem Nachthemd, sondern ein goldener,
vor-raphaelischer Engel mit gewaltigen Roben, voluminösen Haaren und einem
sinnlichen Gesicht. Quer über das Bild waren fast weiße und ungeordnete Zahlen
von eins bis fünfundzwanzig gedruckt. Jede Nummer stimmte mit einer kleinen
Perforation in der Karte überein. Hermine drehte die Karte um. Auf der
Rückseite stand in der Handschrift ihrer Mutter:
Liebling,
ich weiß, du hattest
keinen Adventskalender mehr seit du klein warst, aber ich musste so an dich
denken als ich ihn sah, vor allem da dein Vater und ich dieses Weihnachten
nicht daheim sein werden. Ich hoffe der Kalender wird dich von diesem
schrecklichen Wetter ablenken.
In Liebe
Mum
Hermine
musste lächeln, nur ihre Mutter würde einen Engel sehen und an sie denken. Sie
trug vielleicht oft Roben, hatte auch das Haar, falls das Bild etwas damit
zutun haben sollte, aber hier endeten die Gemeinsamkeiten auch schon. Sie
drehte die Karte wieder um und suchte nach dem ersten Fenster. Nach dem sie es
in der unteren linken Ecke gefunden hatte, löste sie vorsichtig die Perforation
und öffnete das Türchen, um so einen Stern, ein winziges Detail eines Ölbildes
zum Vorschein zu bringen. Dann stellte sie den Kalender auf ihrem Schreibtisch
auf.
Nun
blieb nur noch der mysteriöse pinke Umschlag übrig. Sie musste nicht
spekulieren wer der Absender war, sie konnte mit Sicherheit sagen, dass weder
ihre regelmäßigen, noch ihre gelegentlichen Briefpartner keine pinken Briefumschläge benutzten. Einen Moment fragte sie
sich, ob es sich um einer der seltenen Eulenpost-Fehllieferungen handelte. Aber
der Brief war eindeutig an sie adressiert
Miss H. Granger
Lektorin von Magische
Moral
Amergin College
Universität von Oxford
Auch
dies sagte ihr nichts. Sie würde den Brief einfach öffnen müssen.
Sie
musste willkürlich blinzeln, als sie den Briefkopf sah. Und das nicht nur, weil
dieser eine noch grellere Schattierung als der Umschlag hatte.
Vom Schreibtisch von Ms.
Parvati Patil,
Herausgeberin
Ms. Magic Magazine
Das Magazin für die Hexe
des 21. Jahrhunderts
Hermine
blinzelte nochmals.
Sie
hatte das Ms. Magic Magazine in den Regalen neben Witch Weekly und dergleichen
gesehen, aber ist immer daran vorbei gegangen.
Sie
war nicht ganz sicher, welche Information ihrem Gehirn widerstrebte, die
Tatsache, dass Parvati Patil die Herausgeberin war, oder das Parvati Patil
und/oder das Ms. Magic Magazine ihr
schrieb. Beides war gleichsam unglaubhaft.
Sie
las weiter.
Hermine Liebling!
Sie
blinzelte wieder. Sie konnte sich nicht helfen, wann waren sie und Parvati bei
„Liebling" angekommen?
Erinnerst du dich an
mich!! Parvati von der Schule! Wie dumm, natürlich erinnerst du dich! Wusstest
du, dass ich immer in die Mode gehen wollte? Tja, ich habe es getan! Und nun
bin ich Herausgeberin des Ms. Magic Magazine! Ist das nicht wundervoll! Wäre
McGonagall nicht überrascht es zu erfahren?! Und kannst du dir vorstellen, was Snape
dazu sagen würde??!!
Und
wie sie konnte.
Tja, Hermine Liebling, - Hermine zuckte die
Schultern - die Sache ist die. Ich habe lange nachgedacht, wie ich Triple M
zum erfolgreichsten Magazin allerzeiten machen kann, und ich dachte and die
Schule und all meine alten Freunde und hatte einen brillanten Einfall!
Erinnerst du dich an das total erstaunliche Zeug, das du in der Schule
für uns gemacht hast? Die Shampoos und Cremes und Konditioner und all das? Ich
vermisse sie immer noch!
Hermine
begann die Wendung, die der Brief nahm nicht zu mögen.
Also, mein Vorschlag ist
Folgender. Was würdest du davon hallten mehr von dem Zeug zumachen - in
kommerziellen Mengen - und wir würden es unter dem Namen von Triple M
vermarkten. Natürlich, würden wir dich bezahlen - und ich bin sicher, dass das
du es gebrauchen könntest, da du nur ein Lektorengehalt hast!
Hermine
biss die Zähne zusammen.
Schreib mir ob du interessiert bist. Ich
benötige deine Antwort so bald wie möglich, da ich eine Kollektion
zusammenstellen will. Ich hoffe du wirst ja sagen, weil ich sicher bin, dass
alle diese Idee lieben werden!
Ich hoffe bald von dir zu hören.
Deine Freundin,
Parvati
Hermine
legte den Brief sehr langsam nieder. Es war erstaunlich, wie Parvati von aus
einer Pseudo-Teeniesprache, innerhalb ein paar wirrer Sätze, zu einem
geschäftlichen Angebot wechseln konnte. Der chaotische Brief gab ihrem Gehirn
einige Momente um andere Aspekte des Angebots begreifen.
Nun,
einen anderen Aspekt um genau zu
sein.
Severus
Snape. Und die Folgen einiger sehr merkwürdiger Monate am Anfang ihres letzten
Schuljahres.
Sie
waren … Gefährten in der Not, würde es
am besten ausdrücken. Eine Art Freunde, vielleicht.
Nachdem
„es" vorbei war, haben sie die erwartete Feindseligkeit aufrechterhalten und
vermieden jede andere Art von Kontakt miteinander. Dann wurde Voldemort endlich
besiegt und sie entwickelten eine vorsichtige Freundschaft. Während ihrer
Schulzeit wechselten ein paar Briefe den Besitzer; Fragen um Information,
Überprüfung einer Aussage oder Handlung, aber niemals etwas Persönliches. Die
Zeit verging, die Briefe wurden seltener und Hermine, für ihren Teil,
widerstrebte es immer mehr sich an die Situation vor zehn Jahren zu erinnern,
die sie zu vielen vernünftigen und logischen Auslegungen befähigte. So
schrieben sie ihm vielleicht zweimal im Jahr, trank ihren Kaffee stark und
schwarz, benutzte eine Ofen anstatt offenen Feuers und hatte ihr Leben wieder
aufgenommen. Und falls es ein Quäntchen von Bedauern in ihr gab, so war sie klug
genug nicht darauf zu achten.
Parvati's
Brief änderte die Dinge einwenig. Vor allem, weil es nicht tatsächlich sie war, die das kleine Kosmetikimperium
gegründet hat. Sie hatte auch nicht vergessen, dass die Einnahmen aus dieser
Unternehmung in ihrem Verlies in
Gringott's lagen. Wenn sie das Angebot einfach annehmen würde - und das war ein
großes wenn, rief sie sich zur
Ordnung - würde sie wieder von Snape's Arbeit profitieren.
Der
Anstand erforderte es, dass sie ihm das Angebot vorlegte bevor sie Parvati
antwortete.
Sie
griff quer über ihren Schreibtisch nach einem leeren Pergament und einer neuen
Feder. Das würde ein interessanter Brief werden.
Lieber Severus,
In
ihrer privaten Post war sie nie zu „Professor Snape" zurückgekehrt.
Sie
kaute in Gedanken auf dem Ende ihrer Feder herum.
Heute erhielt ich einen ….
Was
war das passende Wort? Bizarr? Erschreckend? Unpassend?
Sie
begann erneut.
Ich weiß nicht, ob du dich noch an
Parvati Patil aus meiner Klasse erinnerst, aber heute habe ich einen
unerwarteten Brief von ihr erhalten, den ich diesem beilege. Es tut mir Leid
wegen der Farbe, aber ich denke dies ist selbsterklärend.
Da du es warst, der mit der Herstellung
der Kosmetika, nach denen sie fragt, begonnen, dachte ich das Angebot sollte
dir ebenso gestellt werden. Ich habe ihr noch nicht geantwortet. Vielleicht
könntest du mir deine Gedanken dazu mitteilen.
Mit lieben Grüßen
Die Nacht war
dunkel und stürmisch - eigentlich so, wie alle Winternächte hier in Hogwarts,
obwohl das Wetter bisher nicht den Anstand besessen hatte, es schneien zu
lassen um damit wenigstens ästhetisch etwas Erholung nach jeder überstandenen
Sturmfront anzubieten
Severus Snape
biss die Zähne zusammen als der Klang schnatternder Kinder durch sein
Klassenzimmer hallte; die letzte Unterrichtsstunde war vorüber, endlich, und
die Kinder verschwanden mit kaum unterdrückter Erleichterung. Keiner von ihnen
hielt inne und bemerkte, dass seine Erleichterung mindestens genauso groß war
wie ihre. Dieses Halbjahr schien noch länger zu sein als sonst und es waren
noch zwei oder mehr Wochen bis der stille Friede der Ferien sich auf die Schule
herabsenken würde.
Snape hätte sich
kaum damit abgegeben die Tage zu zählen, aber Dumbledore hatte ihm gestern, so
wie jedem Mitglied des Lehrkörpers, ein Muggel-Ding überreicht, das er einen
Advents-Kalender genannt hatte. Der Kalender war typisch Dumbledore - grell, geschmückt
mit einem Muggel-Weihnachtsmann vor einem irgendwie übertrieben bunten alpinen
Hintergrund; dieser Weihnachtsmann hatte verdächtig viel Ähnlichkeit mit
Dumbledore und Snape war versucht zu glauben, dass Dumbledore selber für das
Bild Model gesessen hatte. Der Schulmeister war außerordentlich entzückt über
die Kalender gewesen als er sie bei der Mitarbeiterbesprechung verteilt hatte unter dem Motto ‚Weiterbildung in Muggel-Dingen' für
die Lehrer und hatte sie fröhlich über den Nutzen aufgeklärt. Falls ‚Nutzen'
überhaupt die korrekte Bezeichnung war; Snape war ziemlich sicher, schon lange
nichts mehr in den Händen gehabt zu haben das ähnlich nutzlos war, aber, wie
auch immer, er hatte ein ziemlich bösartiges Vergnügen beim Abreißen der Tage,
gestern und heute, empfunden. Höhnisch hatte er das Geschenk belächelt.
Hohn war noch
immer die Reaktion die von ihm erwartetet wurde; alles andere würde
wahrscheinlich Erstaunen hervorgerufen haben. Voldemort war verschwunden, die
Welt wieder zurecht gerückt nachdem sie einige Monate bedenklich geschwankt
hatte, aber manche Dinge mussten einfach unverändert bleiben.
Falls Snape es
manchmal leid war, der Welt dieselbe Persönlichkeit weiterhin zu präsentieren, so zeigte er es nicht. Denen, die ihm
begegneten, erschien er unverändert, immer noch der schmierige Mistkerl, der
Alptraum aller Schüler, immer noch ungepflegt und kaltschnäuzig. Er hatte es
ertragen, dass Dumbledore darauf bestand seine Beteiligung an der Sache,
Voldemorts Vernichtung und davor, seine Arbeit bei dem Orden des Phoenix,
hervorzuheben, aber nichts konnte ihn dazu bringen so zu tun, als ob es ihm
tatsächlich gefiele.
Die Wahrheit
war, dass er es nicht sehr mochte. Entgegen verschiedener Gerüchte und
Überzeugungen hatte er kein Interesse an einer öffentliche Anerkennung seiner
Arbeit, seiner Taten - es lenkte unnötige Aufmerksamkeit auf seine
Angelegenheiten und bei dem Gedanken fühlte er sich unwohl. Aufmerksamkeit
seiner Person gegenüber hatte ihm in der Vergangenheit nie etwas anderes als Schmerzen
eingebracht, wörtlich und im übertragenen Sinne.
Das letzte
Geschnatter war in den Korridoren vor dem Klassenzimmer verhallt und in die
Steine des Kerker kehrte die Stille zurück. Snape nahm einen tiefen Atemzug um
die Anspannung aus explosiven Unterrichtsstunden zu vertreiben und schaute sich
im Klassenraum um. Er war sauber genug - nichts, mit dem die Hauselfen heute
Abend nicht fertig werden könnten - und es gab hier nichts mehr für ihn zu tun.
Er griff sich den Stapel Manuskripte,
Hausarbeiten des sechsten Jahrgangs die er früher am Tage eingesammelt hatte,
und verließ das Klassenzimmer.
Seine Absätze
klangen auf dem Steinfussboden, ein vertrauter Rhythmus. Snape meinte zu sehen,
wie sich Peeves am Ende des Korridors beim Geräusch seiner Schritte umdrehte,
dann wieder wegdrehte und sich entfernte. Gut. Er hatte nicht das mindeste
Verlangen, sich mit dieser ärgerlichen Pest abzugeben - nicht das er jemals
Lust hatte, sich mit ihm zu befassen. Glücklicherweise wurde der Poltergeist
meistens vom dem Hausgeist der Slytherins in Schach gehalten und traute sich
nur selten in diesen Teil des Schlosses; gelegentlich unternahm er einen
gewagten Ausflug, aber ansonsten zog Peeves es vor sich fern zu halten.
Endlich
erreichte Snape sein Heiligtum, seine Räume. Er legte den Haufen Pergamente auf
dem Tisch in der Ecke ab und hob dabei die
letzte Ausgabe von Ars Alchemica auf,
um Platz zu schaffen. Korrigieren konnte warten. Eigentlich wollte er die
Zeitschrift auf einen anderen Haufen werfen - auf einen der vielen ‚noch zu
lesen' Haufen, die überall im Zimmer verteilt waren - beschloss dann jedoch,
dass dieser Zeitpunkt so gut wie jeder andere war um nachzulesen, was die
akademische Gesellschaft wohl diesen Monat herausgefunden hatte.
Er ging hinüber
zum Herd und ließ im vorbeigehen das Magazin auf das Sofa fallen. Der Ofen war
noch heiß, von den Hauselfen irgendwann am Nachmittag angeheizt worden, aber er
legte noch ein paar kleine Holzscheite auf das schwelende Feuer nach. Obwohl
die Flammen magisch am Leben gehalten werden konnten - und normalerweise auch
wurden - so genoss er doch den Duft eines richtigen Feuers. Theoretisch könnten
ein, zwei Zaubersprüche diesen Duft auch einem magischen Feuer hinzufügen, aber
er würde immer wissen dass er nicht wirklich echt war. Es gab genug in dieser
Welt, dass aus bloßen Hüllen und Illusionen bestand, sogar in Friedenszeiten,
und Snape hatte eine perverse - und verborgene - Freude an Dingen die wirklich
real waren.
Er maß den
Kaffee aus einer kleinen Blechdose ab, die im Regal neben dem Herd stand,
füllte Wasser in den Kaffeetopf und vermischte es miteinander. Er stellte den
Topf auf den Ofen, warf seinen Umhang ab und machte es sich auf dem Sofa
gemütlich, streckte seine Beine neben den Kissen aus während er die lange
Jacke, die er trug, aufknöpfte und einige Manschettenknöpfe öffnete.
Er hatte den
zweiten Artikel halb durchgelesen, als das Blubbern des Topfes in ein leises
Gurgeln überging, als sich der restliche Dampf seinen Weg durch den Kaffeesatz
gekämpft hatte. Snape ächzte leise als er sich zu einer Bewegung zwang,
aufstand Kaffee in einen Steinguttopf
goss . Als er zum Sofa zurückkehrte bemerkte er
einen Umschlag auf dem dem Herd zugewandten ledernen Sessel. Am Morgen hatte er
die Ankunft der Eulen verpasst; weil er sich mit verschiedenen langweiligen und
einfallslosen Übertretungen von Slytherin-Regeln hatte herumschlagen müssen. Um
zu vermeiden, dass die Eulen Snape durchs ganze Schloss nachjagten, waren sie
angewiesen, die Post direkt in seine Räume zu bringen, wenn er nicht in der
Große Halle war - die anderen Lehrer hatten
ähnliche Abmachungen mit den Eulen.
Er nahm den
Umschlag auf und erkannte die Handschrift - Hermine Granger. Er runzelte die Stirn, ihr letzter Brief lag
erst einige Monate zurück und in letzter Zeit schrieben sie einander eigentlich
selten öfter als zweimal im Jahr. Der Umschlag war außerdem merk-würdig schwer
- auf jeden Fall schwerer im Vergleich zu ihren sonstigen Briefe.
Für einen Moment
fragte er sich, was sie ihm wohl schreiben würde, dann fing er sich wieder.
Sinnlose Spekulationen - besonders wenn sich jede Frage einfach durch das
Öffnen des Briefes beantworten ließ. Snape ließ sich wieder auf dem Sofa
nieder, nahm einen Schluck von dem brühend heißen schwarzen Kaffee bevor er ihn
auf dem Boden abstellte und seine Aufmerksamkeit wieder dem Brief zuwandte.
Ein Blatt
Papier, brutal rosa ließ ihn zusammenzucken.
Hermine konnte doch nicht .... nein, da war ein weiteres Blatt Pergament, in
dem gewöhnlichen gedeckten Weiß, das Hermine benutzte, in dem Umschlag. Er
legte das rosafarbene beiseite, hoffte, es nicht mehr ansehen zu müssen, wusste
es aber natürlich besser. Hermine würde ihm
nicht ohne Grund so ein grässliches Blatt schicken.
Fünf Minuten
später griff er wieder nach seinem Kaffeebecher, leerte ihn und stand dann auf,
um ihn wieder zu füllen. Er hatte versucht, nicht mehr soviel Kaffee zu trinken
- Dumbledore's immer wiederkehrende Bemerkungen und Madame Pomfrey's Gebrummel
über Koffein hatten ihn einigermaßen beeindruckt, obwohl weder der Schulleiter
noch die Medi-hexe das wussten - aber gerade jetzt brauchte er mehr Kaffee.
Erinnerungen,
die in den letzten zehn Jahren unterdrückt worden waren - mehr oder weniger -
wallten auf. In einem Leben voller befremdlicher Erfahrungen bildeten diese
wenigen Monate eine Ausnahme - und, auch wenn er sein Bestes tat um sich selbst
davon zu überzeugen, dass es eine erschreckende Erfahrung gewesen war, er hätte
es niemals ungeschehen machen wollen. Das er gewünscht hätte, auf andere Art mit
den Nachwirkungen umzugehen, blieb unerwähnt, unbesprochen. Es gab jedenfalls
nur zwei Menschen, mit denen er darüber hätte sprechen können, und Snape wusste
nur zu gut um die voraussichtlichen Auswirkungen die es haben könnte, wenn er
mit Dumbledore darüber sprach, sogar noch zehn Jahren nach dem Ereignis .
Besonders zehn Jahren nach dem Ereignis
Das rosafarbene
Pergament zog seinen Blick auf sich und
peinigte wieder seine Netzhaut. Snape unterdrückte eine Grimasse. Parvati Patil
hatte sich eindeutig nicht wesentlich verändert seit sie die Schule verlassen
hatte. Kosmetik. Dieses Mal verzog sich sein Gesicht, welch eine Ironie, dass
dieses Pergament ausgerechnet auf dem Ars
Alchemica lag! Er hatte keine Lust,
der Vergangenheit einen Besuch abzustatten.
Mit wenig
Hoffnung, dass es etwas bewirken würde, nahm er eine Feder und ein leeres Stück
Pergament vom Boden auf und begann zu schreiben.
„Liebe Hermine"
Liebe Hermine,
ich wünschte, ich könnte sagen, dass Miss Patil
in der gesichtslosen Masse hirnloser, weiblicher Schülern verschwunden ist, die
im Laufe der Jahre mein Klassenzimmer durchlaufen haben. Unglücklicherweise
haben sie und ihre Kumpanin, Miss Brown, sich für immer in mein Gedächtnis
eingebrannt, indem sie mir Erfahrungen zumuteten, deren Erinnerung mich sogar
heute noch erschauern lassen.
Mein Wunsch, die Bekanntschaft mit Miss Patil zu
erneuern, ist, besonders wenn es auch
noch im Zusammenhang mit dem ihr
eigenen Markenzeichen - geistloser Dummheit - steht, außerordentlich gering.
Ich kann nicht erkennen, inwieweit etwas mich
betreffen sollte, was auf mich den Eindruck eines direkt an Dich gerichteten
geschäftlichen Angebotes macht - wenn auch mit erschreckender Interpunktion. Ob
Du Dich mit dieser kommerziellen - Veröffentlichung - abgeben möchtest oder
nicht, ist allein Deine Sache - mir war nicht bewusst, dass meine Meinung
hierzu in irgendeiner Art und Weise relevant wären.
Severus
* * * * * * * * *
Liebe Parvati,
welch eine Überraschung nach all dieser Zeit
wieder von Dir zu hören. Ich erinnere mich, dass Du ins Modegeschäft gehen
wolltest. Meinen Glückwunsch, dass Du das bekommen hast , was Du wolltest und
meinen Glückwunsch zu Deiner Ernennung zur Redakteurin des Ms Magic Magazine. Wo immer ich war, habe ich es in
der Auslage gesehen.
Ich weiß nicht, was ich zu Deinem Vorschlag,
diese Kosmetika wieder herzustellen, sagen soll. Um ehrlich zu sein, habe ich
seit Verlassen der Schule kaum noch daran gedacht. Als Dozentin hat man nicht
so viel Zeit, wie manche Leute glauben, weißt Du.
Ich weiß, Du möchtest so schnell wie möglich
eine Antwort, aber es ist nicht so einfach wie Du vielleicht denkst.
Wahrscheinlich ist es Dir seinerzeit nicht aufgefallen, aber ich habe sie nicht
ganz alleine hergestellt - ich wurde dabei von jemand anderem unterstützt. Es
war eigentlich mein Partner, der die meisten Ideen zu den Dingen, die wir
herstellten, hatte und so muss ich mich erst mit ihm in Verbindung setzen und
hören, wie er die Dinge sieht. Ich würde mich nicht wohlfühlen dabei, die
Ergebnisse der Arbeit eines anderen ohne seine Erlaubnis zu benutzen - ich
glaube, Du kennst mich noch gut genug, um das
zu verstehen!
Außerdem bin ich außer Übung was die Herstellung
solcher Dinge angeht und wenn ich zustimme, dann möchte ich sicher sein, dass
ich alles richtig mache. Noch einmal, ich bin sicher, dass Dich das nicht
überraschen wird!
Ich weiß, Du wartest dringend auf eine Antwort,
aber ich muss wirklich die Reaktion meines Partners abwarten und danach brauche
ich noch etwas Zeit, um darüber nachzudenken.
Wie schnell brauchst Du meine Antwort?
Mit freundlichen Grüßen
Hermine Granger
* * * * * * * * * * * * * * *
Lieber Severus,
ich dachte, ich hätte mich in meinem letzten
Brief klar ausgedrückt - ich habe diese Kosmetika nicht ganz alleine
hergestellt. Tatsache ist, dass ich sie die meiste Zeit überhaupt nicht
hergestellt habe. Falls ich dieses Angebot annehmen sollte, ist es das
mindeste, dass ich die genaue Zusammensetzung einiger Mischungen mit Dir
durchgehe. Außer denen, die ich regelmäßig benutze, habe ich keine mehr
hergestellt und ich habe ganz sicher viele der Rezepte vergessen.
Was ich nicht vergessen habe ist, dass
das Geld, dass Du mit der Herstellung der Kosmetika eingenommen hattest, in mein
Verlies bei Gringott's eingezahlt wurde, nicht in Deines. Ich habe nicht vor,
mich noch ein zweites Mal an Dir zu bereichern. Ich weiß, Du wirst sagen, dass
das sehr Gryffindor mäßig ist, aber in diesem Fall fasse ich das als Kompliment auf.
So, Du siehst, Deine Meinung ist sehr relevant
in diesem Fall.
Liebe Grüße
Hermine
P.S.: Ich hatte ganz vergessen, dass Parvati und
Lavender Dir die Haare an den Beinen mit Wachs entfernt haben. War es wirklich
so traumatisch?
* * * * * * * * * * * * * * *
Liebste Hermine,
ich konnte es kaum aushalten auf Deine Antwort
zu warten!
Immer noch die gute alte Hermine, wie ich sehe.
Kümmert sich darum, dass auch das kleinste Bisschen noch richtig und perfekt
ist! Das ist genau der Grund, aus dem ich so sicher bin, dass wir in diesem
Projekt so gut zusammenarbeiten werden - Du kümmerst Dich um die Details und
ich habe mehr so das Ganze im Griff!
Du hattest einen Partner? Wir dachten, Du
hättest es allein gemacht, wo Du doch immer so gerne völlig grundlos extra
Arbeiten übernommen hast! Obwohl ich zugeben muss, dass Du damals klug genug
warst Dich dieses eine Mal bezahlen zu lassen! Und wer ist nun dieser
mysteriöse Partner? Ich wette, ich kann es mir eigentlich schon denken!
Es waren Ron und Harry, stimmt's? Ich habe
Recht, oder ?!!! Im Grunde waren sie die einzigen Leute mit denen Du
rumgehangen hast, oder? Ich nehme mal an, die Jungs wollten nicht, dass
irgendjemand sie mädchenhaft findet - es hätte wirklich ihr
Macho-Quidditch-Image zunichte gemacht, wenn jemand gewusst hätte, dass sie mit
Gesichtscremes rummachen! Es hätte sich auch nicht gut gemacht bei Ihrer
Bewerbung als Auroren!
Nun, Du kannst ihnen sagen, dass ihr Geheimnis
bei mir sicher aufgehoben ist! Und wenn sie es nicht mehr geheim halten
möchten, dann können wir da sicher was mit der Werbung machen! MMM und Harry Potter! Das wäre fantastisch!
Mach Dir keine Sorgen, Hermie! Wenn Du
mitmachst, kannst Du Dir Dein Team aussuchen - und dafür hast Du meine
persönliche Garantie! Richte Deinen ‚Partnern (!!!)' aus, dass sie herzlich
willkommen sind an Bord und dass ich es kaum abwarten kann, anzufangen!
Wir haben eine Vorstandssitzung am fünften und
ich hätte gerne etwas in Händen, was ich vorzeigen kann. Wenn ich den
Redaktionsschluß nicht einhalten kann, könnte das Projekt auf unbestimmte Zeit
verschoben werden und daher bitte ich Dich, Hermie! Mach' mit!
Ich warte auf Deine Antwort!
Parvati
* * * * * * * * * * * *
Liebe Hermine,
ich bin noch nicht so senil, dass ich den
kleinen Fabrikationsbetrieb während Deines letzten Schuljahres in Hogwarts
vergessen hätte. Noch weniger muss ich ein zweites Mal daran erinnert werden.
Außerdem weigere ich mich zu glauben, dass Du
auch nur ein Detail aus dem Ablauf der Herstellung vergessen haben könntest.
Sollte das jedoch tatsächlich so sein, sehe ich mich gezwungen, sofort
Professor McGonagall darüber zu informieren, dass ihre frühere Star-Schülerin
ihre erste Erinnerungslücke festgestellt hat, was wiederum zu einer
Erschütterung des felsenfesten Vertrauens dieser Dame in Deine akademische
Unfehlbarkeit zur Folge hätte. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass die
Übermittlung dieser Geschichte nicht
gerade wenig zu meiner persönlichen Befriedigung beitragen würde.
Falls Du vorhast, diese Angelegenheit mit Ms
Patil weiter zu verfolgen - und falls Du vorhast, mich mit Anfragen technischer
Art zu belästigen - dann könnte ich mir vorstellen, als eine Art Berater zu fungieren.
Ich möchte betonen, dass ich das nur tue, um sicherzustellen, dass der Teil des
Herstellungsprozesses, den ich entwickelt habe, korrekt umgesetzt wird. Ich
habe keinerlei Verlangen danach, ein zweiter Gilderoy Lockhart der Zaubererwelt
zu werden.
Ich bitte des weiteren zu beachten, dass ich es
vorziehen würde, keine weiteren Diskussionen über meine
Körperpflege-Erfahrungen unter Anleitungen der Misses Patil und Brown zu
führen.
Severus.
* * * * * * * * * * * *
Lieber Severus,
ich freue mich sehr, das zu hören. Sollte ich es
übernehmen, wirst Du als Berater tätig sein. Es wird Dich bestimmt freuen zu
hören, dass Parvati mir versprochen hat, dass ich ‚mein eigenes Team
zusammenstellen' kann und mehr noch, dass ‚mein Partner' ebenfalls an Bord willkommen ist. Allerdings sollte ich Dich
wohl darauf aufmerksam machen, dass für Parvati ‚Partner' gleichbedeutend ist
mit ‚Harry und Ron'. Möchtest Du, dass ich sie aufkläre?
Ich habe jetzt eine ganze Weile darüber
nachgedacht und ich glaube, ich möchte ihr Angebot annehmen. Es ist schon lange
her, dass ich ernsthaft einen Trank gebraut habe und es wäre zur Abwechslung mal ganz nett etwas anderes zu
tun als den Leuten nur immer wieder zu erklären, das die Tatsache, dass
man etwas hinterher reparieren kann,
kein Grund ist, es von vornherein kaputt zu machen.
Wie siehst Du Deinen Beitrag hierbei? Ich
glaube, Du musst Dir keine Sorgen darüber machen, der neue GL zu werden. Der
erste war nicht wirklich ein rauschender Erfolg.
Alles Gute.
Hermine
P.S.: Ich habe diesmal Parvati's Brief nicht
beigelegt. Ich fand es der Eule gegenüber unfair, sich mit dem Extra-Gewicht
all dieser Ausrufezeichen abzuschleppen.
* * * * * * * * * * * *
Liebe Hermine,
mir fehlen die Worte, um meine Freude über den
Gedanken auszudrücken, Teil eines Teams zu sein, das sich mit Damenmode und
Personenverwechslungen beschäftigt. Schon bald werden wir in der Lage sein,
eine frivole Komödie aufzuführen.
Ich ziehe in Erwägung, meine Rolle in diesem
geplanten Projekt zu erweitern. Wenn, so wie es aussieht, man sich ohnehin an
mich wenden wird um anstehende Fragen bezüglich des Materials oder der Methode
zu beantworten, so erscheint es mir weitaus sinnvoller wenn ich voll beteiligt
bin. Der geeignetste Weg dies zu erreichen, ist irgendeine Art von
Arbeitsgemeinschaft.
Vorausgesetzt dass Du damit einverstanden bist,
folgt daraus, dass meine Identität gegenüber Ms Patil aufgedeckt werden muss.
Ich weigere mich, kaufmännische Verhandlungen, die einen direkten Einfluss auf
meine Person haben werden, von zwei Gryffindors führen zu lassen.
Ich schlage weiterhin vor, dass wir eine
plausible Erklärung für meine damalige Beteilung erfinden. Ich habe den
Verdacht, dass Miss Patil die Wahrheit nicht verkraften kann und ich könnte es
mit Sicherheit nicht ertragen dass sie sie weiß.
Ich lobe Dich für Deine Fürsorge im Umgang mit
Eulen. Meine eigenen Nerven sind sehr dankbar dafür hiervon ebenfalls
profitieren zu können.
Severus.
* * * * * * * * * * *
Liebe Parvati,
ich habe nun Antwort von meinem Partner
erhalten.
Du wirst Dich freuen zu hören, dass wir
Interesse haben an Deinem Projekt teilzunehmen. Vielleicht schlägst Du ein
Datum vor, an dem wir uns treffen und die Details besprechen können.
Mit freundlichen Grüssen
Hermine
P.S. Es ist keine große Sache, aber ich glaube,
niemand nennt mich Hermie. Ich empfinde mich selber nicht als jemand der
„Hermie" heißen könnte.
* * * * * * * * * *
Liebling!
Das sind fantastische Neuigkeiten !!! Ich kann
es gar nicht abwarten, das dem Vorstand vorzutragen! Ich nehme nicht an, dass
Du irgendwelche Muster hast die Du mir geben könntest - einfach um ihnen zu
zeigen, worum es geht! Schicke mir per Eule was Du kannst so schnell wie
möglich! MMM wird alles zahlen!
Warum treffen wir uns nicht nach der Vorstandssitzung,
sagen wir um 14.30 Uhr am 5.? In meinem Büro ? Ich würde ja sagen, lass uns
zusammen zu Mittag essen, aber diese Sitzungen können dauern! Du kannst Dir gar
nicht vorstellen wie ermüdend das manchmal ist! Und dann heißt es immer in diesem Job geht es nur um Glamour!
Ich kann Dir gar nicht sagen wie begeistert ich
bin!
Bis zum 5. dann. Gehe einfach zum Empfang und
sage ihnen, dass Du zu mir möchtest.
Parvati
* * * * * * * * * * *
Lieber Severus,
natürlich bin ich einverstanden mit Dir eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden.
Und danke für das Anbieten Deiner Hilfe bei der Produktion und den
kaufmännischen Verhandlungen - ich bin sicher, dass irgendwo zwischen Deinen
Zeilen ein freundliches Hilfsangebot verborgen war.
Ich habe von Parvati gehört. Sie möchte uns am
5. Dezember in ihrem Büro treffen um einige Sachen zu besprechen. Passt Dir
das?
Ich habe ihr noch nicht erzählt, dass Du mein
Partner bist. Ich habe einfach keinen Weg gefunden, dass vernünftig zu Papier
zu bringen. Ich schlage vor, wir treffen uns vorher und besprechen, was
genau wir ihr erzählen wollen.
Liebe Grüße,
Hermine
P.S. Es ist mir natürlich klar, dass Parvati's
Gesichtsausdruck, wenn Du ohne Vorwarnung in ihr Büro spazierst, für Dich nicht
wirklich ein Grund zur Freude sein wird. Einmal ganz abgesehen von den
Rachegelüsten...
Teil
4 -
4. Dezember
Snape schob den Stapel Hausarbeiten und
Korrespondenz auf seinem Schreibtisch beiseite und schnitt eine Grimasse als
sein Blick auf die Notiz von Dumbledore fiel, die ein Quidditch Spiel Lehrer
gegen Ehemalige kurz vor Ende des Semesters ankündigte. Einige Papiere
flatterten zu Boden als er sie wegschob. Als er sie aufhob erkannte er Hermines
Handschrift - es handelte sich um seine letzte Korrespondenz.
Das Hin und Her der Briefe war spannend gewesen;
am Ende hatte er nachgegeben und zugestimmt. Es war offensichtlich, dass
Hermine nicht scharf darauf war ein nein als Antwort zu akzeptieren und wenn
Slytherins eines waren, dann pragmatisch. Sie davon zu überzeugen, dass er
nicht helfen würde, hätte länger gedauert als ihr einfach zu helfen. Egal wie
ungern er das sogar sich selbst gegenüber zugab, Neugier hatte ebenfalls einen
Anteil an seiner Entscheidung - diese Neugier hatte allerdings nichts mit Ms
Patil zu tun, was wenig überraschte. Das rosafarbene Papier hatte ihm genug
darüber erzählt, wie sie sich seit Verlassen der Schule entwickelt hatte.
Nein, seine Neugier hatte ausschließlich mit Hermine zu tun; die Handvoll Briefe die über die Jahre ausgetauscht worden waren, wiesen darauf hin, dass sie getan hatte, wozu die meisten ihrer Klassenkameraden nicht fähig waren, sie hatte sich weiter entwickelt. Von Zeit zu Zeit hatte er sich gefragt, wie die Erwachsene Hermine sein würde und wie sie miteinander umgehen würden. Das - mehr als alles andere - hatte letztendlich seine Kapitulation herbeigeführt. Er fragte sich, wer er in ihrer Gegenwart sein würde.
Er wußte vom ersten Brief an, dass er zustimmen würde, dass sie ein 'nein' als Antwort zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptieren würde und er hatte seine Worte in den Briefen so gewählt, dass sie es bestimmt nicht tat. Es wäre auch untypisch für ihn, zu schnell nachzugeben und Severus Snape war nie - fast nie - untypisch. Es würde die Leute nur nervös machen. Die Sonne ging auf und unter; Gegenstände folgten den Gesetzen der Gravitation; und er war unfreundlich und schroff. Es war der natürliche Lauf der Dinge.
Er betrachtete das bevorstehende Treffen mit Ms Patil mit einer düsteren Vorahnung; von ihr zu etwas genötigt zu werden war nichts, was er besonders gerne zu wiederholen bereit war. Das letzte Mal als er sich ihren Bitten fügte, endete das in einem Ereignis das er gerne vergessen würde, was sich aber in seine Erinnerung eingebrannt hatte mit der Wucht eines umgedrehten Obliviate: könnte er die Art, wie diese Erinnerung verankert war, in einen Zauber verwandeln, könnte er ein Vermögen machen mit Schülern, die sich ihr Wissen vor den OWLs und NEWTs eintrichtern wollten. Oder auch nicht; die Erinnerung war mit ziemlicher Sicherheit mit Schmerzen verbunden, dachte er, und es war fraglich, wie viele Schüler bereit waren das für ihre Prüfungsergebnisse zu ertragen.
Patil hatte damals nicht gewusst, dass es Snape war, den sie beschwatzt hatte - wusste es noch immer nicht, und nie im Leben würde sie es jemals erfahren. Falls Hermine nicht schon eine Geschichte ausgedacht hatte, würde er ihr eine liefern die die Gründe für seine Beteiligung abdeckte. Alles war besser als die Wahrheit. Er hatte absolut keine Verlangen danach, Parvati Patil jemals wissen zu lassen, dass es die Beine des grausigen Potions Professor waren, die sie in ihrem letzten Jahr in Hogwarts eingewachst hatte.
Die Erinnerung war ein Alptraum; nicht unbedingt der Schmerz - egal was man sich vorstellte, ein Crucio schlug alles; wäre es nicht so, wären die Totesser überall von den Hexen eingemauert worden. Es war dieses ..... mädchenhafte. Er fand einfach kein anderes Wort dafür, sonst hätte er es benutzt. Es war kaum ein Trost dass Hermine nie mehr zu einer ‚Mädchennacht' verpflichtet wurde, und das sie sich vor Lachen kaum noch einkriegen konnte als sie erfuhr, was er durchgemacht hatte, war noch viel weniger tröstlich. Die Unterhaltung - in Ermangelung eines anderen Ausdrucks - zwischen Lavender Brown und Patil war quälend. Jungs, mehr Jungs, und Make Up Tipps. Wenn es nur um ihn gegangen wäre, hätte er ihnen mit Sicherheit gesagt, mit wem sie es gerade zu tun gehabt hatten, zum Teufel mit den Konsequenzen. Der einzige Grund für ihn seinen Mund zu halten war ein Widerwille, Hermine zu Voldemorts Spielzeug zu machen; ein klein wenig Respekt gegenüber Dumbledore's Wünschen spielte vielleicht auch noch eine Rolle, aber keine besonders große.
Snape starrte aus dem Fenster, er schüttelte die alten Erinnerungen ab und fand sich selbst blicklos in den Nachthimmel starrend. Endlich hatte es in den Highlands geschneit, der fast volle Mond spiegelte sich darin. Das Gelände und der See die sich am Fuße des Kliffs ausbreiteten in dem die Kerker von Hogwarts untergebracht waren, glitzerten eisig vor dem schwarzen Himmel.
Hautpflege und Kosmetik. Wenn das kein eindeutiger Beweis für die Existenz von Ironie war - was sonst? Lockhart wäre stolz auf ihn - wenn der Idiot in der Lage wäre sich an irgend etwas in seinem Leben zu erinnern.
Snape verzog das Gesicht - Lachen, egal wie höhnisch, war mehr als er im Moment zulassen konnte. Er sah auf den Tisch herab, der als Schreibtisch fungierte, auf die Papiere die darauf verstreut waren, verzog schmerzlich das Gesicht bei dem Aufblitzen von Rosa, das immer noch nicht nachgedunkelt war. Irgendwo da drinnen .... lange Finger suchten, schoben einen Stapel Papiere beiseite auf der Suche nach etwas, das die Zeit und die Korrekturen der Semesterarbeiten begraben hatte.
Endlich fand er was er suchte; ein Bündel Pergament, fast 3 Zentimeter dick, bedeckt mit der fast unleserlich gekritzelten Kurzschrift, die er für private Notizen benutzte. Schade, dass diese Arbeit unvollendet war - dies wäre die beste Gelegenheit gewesen sie zu veröffentlichen ohne zu riskieren, dass sein Name damit in Verbindung gebracht worden wäre.
Nicht gerade Hautpflege, oder Kosmetik, aber trotzdem hätte es Miss Patil vermutlich interessiert. Vielleicht konnte er es bald fertig stellen ... Snape blätterte durch die Notizen um zu sehen, wie weit er gekommen war mit seiner Forschung, ob „bald fertig stellen" eine einigermaßen realistische Aussage war. Die kurze Überschrift lautete einfach nur ‚Projekt Hermine' - ziemlich sentimental, aber die Notizen waren teilweise fast 10 Jahre alt. Er hatte das Projekt als Ablenkung angefangen, nachdem er seinen Körper zurück hatte: es war etwas das ihn an die Person erinnerte, die er kennen gelernt hatte und er hatte es als ‚Dankeschön' gemeint, wenn es denn jemals zu Ende gebracht worden wäre. Ein Dank dafür, dass er seinen Körper unversehrt zurückerhalten hatte und seine Klassen im Zeitplan; für das Bewahren seiner Geheimnisse und für viel zu viele andere Dinge, die er nicht nennen wollte.
Monate, in denen er sich alle vier Wochen mit Muggel-Binden abgeben musste, hatten ihn dazu gebracht nach einem Weg zu suchen, mit dieser Angelegenheit unter Berücksichtigung von Hermine's Bedenken bezüglich der Unterbrechung des Zyklus umzugehen. Es gab in der Zaubererwelt nur sehr wenige Untersuchungen über den Langzeitgebrauch von Tränken oder Zaubersprüchen um die Monatsblutungen zu stoppen. Es hatte einige Zeit gedauert, bis er Muggel-Untersuchungen zu dieser Problematik fand, um Hermines Probleme zu beenden. Es ging nicht um Nebenwirkungen, oder Konsequenzen, das war etwas mit dem eine einigermaßen kompetente Medi-Hexe umgehen konnte, aber trotzdem, Snape verstand, warum Hermine nicht völlig von der Langzeit-Empfehlung dieser Sachen überzeugt war.
Aus diesem Grunde hatte er angefangen einen Trank zu entwickeln, der sich mit dem Problem ordentlich befasste, ohne die Nebeneffekte. Aber die Zeit, und Unterricht, und außerschulische Aktivitäten, inklusive Voldemort, hatten seine freie Zeit für viele Jahre rar werden lassen und, irgendwie, jetzt, wo es ruhiger war, hatten andere Dinge die freie Zeit ausgefüllt ohne das Snape daran gedacht hätte seine Forschungen fortzusetzen. Aber jetzt - nun, er hatte die Zeit. Die Weihnachtsferien standen vor der Tür und damit für eine Weile so etwas wie Freizeit.
Snape blickte auf den kleinen Bücherturm, der den ‚ungelesen' Stapel darstellte; er konnte warten. Was wichtig war, hatte er schon gelesen. Was in diesem Stapel war, war interessant, aber nicht eilig - und vielleicht noch nicht einmal interessant, obwohl er das erst wissen würde, wenn er anfing zu lesen.
Er stand vom Tisch auf, dehnte sich etwas als seine Muskeln protestierten weil er zu lange still gesessen hatte. Er nahm den Becher mit kaltem Kaffee von seinem Schreibtisch, zusammen mit seinen Notizen und wanderte hinüber in sein privates Labor, das sich in seiner Wohnung befand. Er ließ die Untersuchung auf einen kleinen Hocker neben dem langen Labortisch fallen, um sich selbst daran zu erinnern, dass dies sein Ferien-Projekt war. Er blätterte die Seiten noch einmal durch, machte eine mentale Notiz was er in Hogsmeade bestellen musste - oder in der Winkelgasse, in einigen Fällen - um die Untersuchung fortzusetzen. Die meisten Zutaten hatte er vorrätig und er zog es vor, wenn möglich, mit fertig verfügbaren Stoffen zu arbeiten: Es war ziemlich sinnlos den Versuch zu starten etwas zu produzieren, dass ein Massenprodukt zu werden verspricht, wenn es nur mit den seltensten Zutaten hergestellt werden konnte. Wie auch immer, es war fast Semesterende und die Vorräte gingen langsam zur Neige. Er fügte eine gedankliche Notiz hinzu, ebenfalls die Vorräte im Klassenraum zu überprüfen and auch diese wieder aufzufüllen. Die Schüler brachten zwar zu Semester-Beginn eine gewisse Menge an Trank-Zutaten mit, aber, nichts desto trotz, hatte die Schule einen gewissen Bedarf für den Unterricht und für Präparate für die Krankenstation.
Zurück in seinem Zimmer, blickte Snape auf die Uhr und überlegte, ob er noch mehr Kaffee haben sollte. Der Topf war kaum noch warm auf dem Herd; das Feuer verwandelte sich langsam in glühende Asche. Er fasste das als Zeichen auf und beschloss, dass er versuchen sollte etwas Schlaf zu bekommen.
Die Regengüsse, die seit Anfang des Monats niederprasselten, hatten aufgehört als Hermine Granger den Zug nach London an der Paddington Station verließ. Trotzdem ging in der Hauptstadt alles seinen gewohnten Gang in dem fortdauernden Zwielicht, dass den Eindruck erweckte, dass die Sonne für heute den Kampf um die Vorherrschaft aufgegeben hatte. Um zehn Uhr Morgens herrschte in der Bahnhofshalle bereits geschäftiges Treiben und die ersten Weihnachtseinkäufer strömten zielstrebig Richtung U-Bahn und umwirbelten dabei gelegentlich kleine Hindernisse aus Gepäck und wartenden Reisenden.
Hermine befreite sich aus der allgemeinen Strömung und blieb einen Moment zitternd im Wind stehen, der durch die Wartehalle pfiff. Die schickste Renovierung der Welt konnte nicht verschleiern, das dies im Grunde nichts anderes als ein Verschiebebahnhof war, trotz Buchläden und 50 Arten seinen Kaffee zu trinken.
Natürlich hätte sie sich das hier ersparen können, in dem sie direkt in das Zauberei-ministerium appariert wäre, aber das hatte sie nicht gereizt. Es war zu schnell, zu direkt. Für dieses Treffen brauchte sie Zeit; Zeit sich vorzubereiten, die ganze Situation zu überdenken, aus jedem Blickwinkel zu betrachten, bis sie von ihrem theoretischen Plan so überzeugt, wie nur möglich war.
Sie hatte Snape vorgeschlagen, sich vor dem - was? Geschäftstermin? Konfrontation? zu treffen. Natürlich mussten sie und Snape sich noch über die Geschichte abstimmen. Aber im Grunde genommen ging es um ihr starkes Verlangen ihn in einigermaßen privatem Rahmen wiederzusehen. Sie erinnerte sich nur zu gut an Parvati - der Patil Detektor für Gefühlstraumata war unübertroffen - und Hermine's erste Reaktion auf Snape war nichts für interessierte Zuschauer.
Sie zog kurz einen weiteren Aufschub in Form eines großen Cafe Latte in Erwägung, entschied sich aber dagegen. Stattdessen ging sie in Richtung des Haupteinganges um zu dem verabredeten Treffpunkt zu gelangen. So ungemütlich der Tag auch war, die Bewegung und die halbwegs frische Luft würde ihre Nerven beruhigen.
Hoffte sie.
* * * * * * * *
Es war, dachte sie einige Zeit später, völlig unverständlich das dieser Schurke noch immer in der Lage war solch zweideutige und, vor allem, beunruhigende Gefühle in ihr zu wecken.
Die Wahl des Treffpunktes - einer, der in London allgegenwärtigen Coffee Shops in der Nähe der Büros des Ms Magic Magzine - entsprang dem gleichen Impuls, der sie veranlasst hatte den Zug zu nehmen und das Zaubereiministerium zu meiden. Das öffentliche Interesse an Hermine Granger war bei weitem nicht so groß wie an Harry Potter oder Albus Dumbledore, aber ihr Anteil bei dem Fall von Voldemort war nicht unbekannt.
Oxford war allerdings ziemlich angenehm. Das akademische Selbstverständnis war in der Zaubererwelt genauso ausgeprägt wie bei den Muggeln; alles was nicht direkt mit dem eigentlichen Studiengebiet zu tun hatte, interessierte nicht - inklusive Berühmtheit - und so konnte sie dort ruhig und in Frieden leben. Außerhalb Oxfords jedoch war die Chance erkannt zu werden ziemlich hoch. Und, das musste gesagt werden, es gab genug ehemalige Schüler aus Hogwarts in der Gesellschaft der Zauberer für die Severus Snape ebenfalls kein Unbekannter war - obwohl, wohl eher, aus einem anderen Grund.
Wenn Hermine Granger, die Heldin, gesehen wurde, wie sie sich mit Severus Snape, dem Bastard, traf, wären die Gerüchte im Null-Komma-Nichts auf ihrem Weg nach Beauxbaton.
Heute hatte sie einfach keine Lust, versteckte Blicke und geflüsterte Bemerkungen zu ignorieren. Sie wollte unerkannt sein. Sie nippte an ihrem schwarzen Kaffee, Espresso mit heißem Wasser aufgegossen, in dem halbherzigen Versuch, ihren Körper nicht völlig mit Koffein zuzuschütten. Sie dachte kurz an Essen, aber die beruhigende Wirkung ihres Fußmarsches von Paddington hierher war schon lange wieder verschwunden und ihr Magen war zu nervös, um zu essen. Also trank sie Kaffee, beobachtete die Uhr und versuchte nicht darüber nachzudenken, ob Snape sich überhaupt herablassen würde, zu kommen.
„Guten Morgen, Miss Granger."
Sie hatte es erwartet und musste trotzdem einen erschrockenen Aufschrei unterdrücken. Er war leise hinter ihr aufgetaucht. Der gleiche alte Snape, dachte sie. Er wusste, wie man sein Erscheinen inszenierte. Und wieso war sie plötzlich „Miss Granger"?
„Guten Morgen, Professor Snape," sagte sie ohne sich umzudrehen und betonte seinen vollen Titel mit einem kleinen Anflug von Ironie.
Sie spürte eine Bewegung neben sich und Severus Snape trat in ihr Blickfeld.
Er war wirklich noch der gleiche alte Severus, das wurde ihr klar, als sich ihr Magen zusammenkrampfte obwohl sie es verzog es „Überraschung" zu nennen. Immer noch groß, dünn und zerzaust, auch in seiner Muggelkleidung - sie konnte einen schwarzen Pullover unter der Lederjacke erkennen. Sie wusste, er würde aus Kaschmir sein.
„Du hast also gut hergefunden?" fragte sie, bevor ihr Gehirn es verhindern konnte.
Er sah sie nur an. Sie schnitt eine Grimasse.
„Ich weiß, es war eine blöde Frage."
„Ja, stimmt."
Auf jeden Fall der alte Severus. Sie beschloss, es mit einer intelligenteren Frage zu versuchen. Oder wenigstens eine die weniger sinnlos war.
„Möchtest Du einen Kaffee?"
Snape senkte seinen Kopf etwas, das so aussah, als ob er eine formelle Verbeugung machen wollte.
„Ich hole welchen."
Er schritt von ihr fort und sie drehte sich zu ihm, um ihn zu fragen, ob er Muggel-Geld hätte, aber konnte es sich gerade noch verkneifen. Es wäre sehr untypisch die richtige Kleidung anzuziehen und das falsche Geld dabei zu haben. Sie, vor allem, wusste, dass es seine Detailversessenheit gewesen war, die ihn so lange am Leben erhalten hatte. Und ihr Stolz ließ zwei dumme Fragen in kurzer Zeit nicht zu.
Sie beobachtete, wie er zum Tresen ging. Sie hatte Snape nicht mehr getroffen nach dem Ende von Voldemort und den damit verbundenen offiziellen Folgen und sie registrierte, wie seine Jeans locker auf den Hüften saßen; er schien keinerlei Gewicht angesetzt zu haben in den vergangenen Jahren. Jetzt studierte er die verschiedenen Kaffee-Variationen so genau, als ob sie neue und eventuell tödliche Trank Zutaten wären. Sie konnte seine Konzentration erkennen, sogar von hier - seine Schultern leicht hochgezogen, den Kopf vorgestreckt, als ob er Witterung aufnehmen wollte.
Etwas weiter saßen einige Mädchen an einem Tisch und sie bemerkte, wie sie ihn taxierten. Hermine unterdrückte ein Grinsen, und kämpfte mit sich, ob sie es Snape erzählen sollte, wenn er zurückkam.
Besser nicht, beschloss sie. Hässlich und ungepflegt wie er bei objektiver Betrachtung zweifellos war, hatte Snape nie wirklich verstanden, dass seine Ausstrahlung von Selbstbewußtsein und Arroganz aus ihm eine bezwingende Persönlichkeit machten. Er würde sich kaum über die Beobachtung freuen.
Und sie war sich nicht sicher, ob sie noch in einem Verhältnis zueinander standen, das solche Neckerein erlaubte.
Nein, er würde von ihr Konzentration und Professionalität erwarten. Warum sollte er eine Erfahrung wieder aufleben lassen wollen, die nur auf situationsbedingtem Stress und den Hormonen einer Halbwüchsigen basierte? Zehn Jahre waren eine lange Zeit. Ein Mensch konnte in dieser Zeit einen langen Weg gehen.
Obwohl, betonte die Stimme in ihrem Hinterkopf, entschlossen zu sagen was zu sagen war, bevor sie völlig zum schweigen gebracht wurde, wenn Snape einen sehr langen Weg zurück gelegt hätte, dann hätte einer ihrer Briefpartner ihr das ganz sicher erzählt.
Gerade als sie das festgestellt hatte, kam Snape zurück und ließ sich ihr gegenüber nieder. Er ließ seine Jacke von den Schultern und über die Rückenlehne seines Stuhles gleiten und starrte seinen Kaffee mit gewohntem Abscheu an.
„Hier scheint nichts verkauft zu werden dass auch nur entfernt irgendwelchen Nährwert besitzt. Ich hege sogar einiges Misstrauen gegenüber dem Wasser."
Entgegen seiner Bemerkung, stellte Hermine fest, dass er tatsächlich etwas gekauft hatte, dass wie ein Doppelter Espresso aussah. Er nippte daran und sein finsterer Blick vertiefte sich noch.
„Verbrannt," sagte er mit Ekel.
„Ja, nun, ich habe nicht behauptet, dass es hier gut ist. Ich sagte nur, dass wir hier wahrscheinlich nicht erkannt werden würden."
Snape's Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, aber sein Schweigen schien ihr in diesem Punkt Recht zu geben.
Jetzt, da sie den Moment erreicht hatten, um über den Grund ihres Hierseins zu sprechen, wusste Hermine nicht, wie sie anfangen sollte. Sie wusste genau, dass von Snape keine Hilfe zu erwarten war - Schweigen war sein Verbündeter. Mehr noch, es war seine liebste Waffe. Daraus folgte, dass es sie ziemlich aus der Fassung brachte als er sprach.
„Ich vertraue darauf, dass die träumenden Türme von Amergin (Oxford ist berühmt für seine vielen Türme und Amergin war eines der ältesten Institute an d. Oxford Uni, Anm. d.Übers.) nicht so einschläfernd sind, dass sie Dich von Deiner Berufung abhalten die Zaubererwelt zu lehren ihre Kräfte nur für das Gute einzusetzen."
Sein Ton ärgerte sie irgendwie und eine Kombination aus angespannten Nerven und einem ziemlich gefährdeten emotionalem Gleichgewicht ließ sie antworten.
„Ethik bedeutet mehr als das," sagte sie, bevor ihr bewusst wurde, dass er sie nur reizen wollte. Erfolgreich.
Snape sah amüsiert aus.
„Ich stelle fest, dass Du die Gryffindor Angewohnheit, erst zu sprechen und dann zu denken, noch nicht abgelegt hast. Auch ein Grund zu diesem Treffen zu kommen."
Die Tatsache, dass er sie hereingelegt hatte verbesserte ihre Laune nicht gerade. Sie betrachtete die Tischplatte, um ihre Irritation etwas abklingen zu lassen. Snape fuhr gleichgültig fort seinen Kaffee zu trinken.
„So," fragte sie schließlich," was werden wir Parvati erzählen? Ich glaube nicht, dass die Wahrheit eine besonders gute Idee wäre, oder?"
„Ich bin der Meinung, die Wahrheit wäre eine katastrophal schlechte Idee." Snape überlegte. Sein Gesicht nahm einen etwas geistesabwesenden Ausdruck an. „Ich meine mich zu erinnern," fuhr er langsam fort, „dass ich Mr Potter und Mr Weasley erzählte, dass ich - Du - so eine Art Sonderprojekt durchführte. Könnte das nicht die Quelle dieser Produkte sein?"
Jetzt war es an Hermine, amüsiert zu gucken. Von ihrer Skepsis gar nicht zu reden.
„Willst Du mir wirklich erzählen, dass Du einer Studie über Haar- und Schönheitsprodukte als außerschulisches Projekt zugestimmt hättest?"
Snape legte seine Fingerspitzen zusammen. Dann lächelte er unerwartet kurz
auf; seine Zähne waren nicht schlechter als vor zehn Jahren, sahen aber auch
nicht besser aus.
„Weißt Du, ich glaube, dass ich das getan hätte."
Ihr Zweifel musste offensichtlich sein, denn sein Gesicht nahm einen spöttischen Ausdruck an und er lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Denk mal ganz sachlich darüber nach," sagte er im besten Unterrichtston. „Am Anfang Deines letzten Jahres warst Du, in meinen Augen, so wie Du immer warst, eine lästige Besserwisserin."
Ihr Interesse war geweckt und ihre Fähigkeit zu analysieren nahm seine Arbeit auf und Hermine erwiderte nichts auf diese krasse Provokation. Im übrigen war ihr die Doppeldeutigkeit dieser Feststellung nicht entgangen.
„Weiter," sagte sie neutral. Etwas flackerte in seinen Augen auf und war vorbei.
„Nicht nur eine Besserwisserin sondern auch eine Anhängerin des Kultes der reinen Akademischen Lehre. Wie Du herabgesehen hast auf jene, denen das Wissen um des Wissens willen völlig egal war, sondern die nur das lernten was sie brauchten."
Hermine hatte schon ihren Mund aufgemacht, um gegen diese Ungerechtigkeit zu protestieren, als ihr plötzlich ein Abend im Gryffindor Gemeinschaftsraum einfiel und wie sie die Weasley Zwillinge zurecht gewiesen hatte; sie wussten nur dass, was sie für ihre Tricks brauchten - nichts wichtiges. Sie schloss ihren Mund wieder. Snape wartete einen Moment und fügte dann hinzu, „denke daran, wir sprechen hier nur über meine hypothetische Sicht der Dinge."
War das eine Entschuldigung?
Bevor sie diesen Satz zerlegen konnte war er schon fortgefahren.
„Wenn Du auf mich zugekommen wärest im Hinblick auf die Durchführung eines Zaubertränke Projektes, zweifellos eines, das technisch fortgeschritten und umfangreich sein sollte, und jemand, sagen wir mal der Schulleiter, hätte mich gezwungen Deiner Anfrage zu entsprechen ..."
Sie erkannte plötzlich woraus er hinauswollte.
„ ... Du hättest mir ein Projekt über Kosmetikprodukte gegeben, weil Du gewusst hättest, dass das unter meiner Würde gewesen wäre, aber ich konnte keinen Rückzieher machen, nachdem ich so einen Aufstand darum gemacht hatte. Besonders nicht als Gryffindor.
„Exakt."
Das war wirklich gut, das musste sie zugeben. Snape wartete offensichtlich auf ihre Reaktion.
„Es ist sehr Slytherin," sagte sie trocken.
Er sah sehr selbstgefällig aus.
Sie überlegte einen Moment.
„Und deswegen habe ich, aus Rache, angefangen, die Produkte zu verkaufen?"
„So würde ich es mir vorstellen."
„Warst Du nicht sauer?"
„Ich fand es erst heraus nachdem Du abgegangen warst. Keiner meiner Slytherins hätte irgendwelche Kontakte zu Dir zugegeben und ich kümmere mich nicht um andere Häuser."
Hermine fing an die ganze Sache zu genießen.
„Und als Du es dann herausfandest?"
„Ich schrieb Dir einen Brief, in dem ich drohte Dich zu verklagen, falls Du versuchen solltest noch mehr Profit aus meiner Arbeit ziehen."
„Weil, selbstverständlich, die Arbeit der Schüler den Lehrern gehört."
„Selbstverständlich."
„Das ist unfair."
„Ich bin kein fairer Mensch."
„Als Parvati's Angebot dann kam, war ich gezwungen Dir zu schreiben, weil ich in großer Armut lebe und dringend Geld brauche. Ich habe ihr nicht sofort alles erzählt weil es mir peinlich war, so schamlos ausgenutzt worden zu sein."
„In der Tat."
„Sie wird jedes Wort schlucken."
„Gut."
Es herrschte wieder Schweigen als Hermine sich das ganze Szenario noch einmal durch den Kopf gehen ließ um es auf logische Fehler hin zu überprüfen. Als sie dabei war, fiel ihr Snape's Kommentar ein.
„Severus," sagte sie und starrte in ihren leeren Becher. „War ich wirklich so ein schrecklicher Teenager?"
Sie erwartete eine ätzende Antwort, aber stattdessen schaute er weg und stand dann plötzlich auf.
„Ist es nicht Zeit, dieses Treffen hinter uns zu bringen?"
Hermine verbiss sich einen Seufzer. Das war so gut wie ein ‚Ja'. Aber immerhin, es schien doch so etwas wie Verständigung zwischen ihnen zu geben, genauso wie - nein, wie gar nichts.
Sie zog ihren Mantel über und folgte Snape aus dem Coffee Shop.