Die Originalstory ist auf www.potions-master.com zu finden. Vielen Dank, dass wir die Story übersetzen dürfen.
Feedback: Anne und Abby
16. Eifersucht ist all der
Spaß von dem du denkst, dass sie ihn hatten
Severus musste ein Grinsen
unterdrücken als er die rigoros geköpften Rosen
auf dem Weg zu Kräuterkunde sah; der Ball war furchterregend gewesen, aber im
Großen und Ganzen hätte es erheblich schlimmer sein können. Hermine schien
etwas mehr gelitten zu haben als er - aber er war auch nicht gezwungen gewesen,
mit Hyazinth Hooch zu tanzen.
Lavender und Parvati waren
schnell im Verbreiten der Nachricht, dass ‚Hermine' bereit war, das Zeug, das
ihr Haar und ihre Haut verbessert hatte, unter die Leute zu bringen und so
verbrachte er den halben Abend belagert von, wie es schien, allen weiblichen
Schülern - was eine wirklich seltsames Gefühl war. Wenn es
ihn gekümmert hätte, hätte er sich vielleicht darüber gefreut; aber so wie die
Dinge lagen, entschied er, es einfach nur zu tolerieren, mit der Gewissheit,
dass das alles nur dazu beitragen konnte, für
Hermine gehalten zu werden. In Wahrheit würde es langwierig und störend sein,
Schöhnheitstränke auszuteilen, während er an den laufenden Experimenten
arbeitete, die aufdecken sollten, aus was Longbottoms wundersamer
Körpertausch-Trank bestanden hatte. Hermine hatte diesen Titel an einem ihrer
weniger erfolgreichen Abende erfunden - während sie das Klassenzimmer vom
Schaden eines ziemlich spektakulär schiefgegangenen Trankes bereinigten.
Kräuterkunde
ging mit der gewöhnlichen Muße vorüber, mit wenig Aufmerksamkeit seitens Snape
- die praktischen Elemente der Kräuterkunde waren etwas, das er mit Links
beherrschte, nach Jahren des Benutzens der wenigen auf Pflanzen basierenden
Zutaten, die für Tränke gebraucht wurden; und der heutige Unterricht ging
hauptsächlich über Schneide- und Stechtechniken; sie sollten auch einen Dünger
nach einem Rezept von Sprout machen. Longbottom, natürlich, hatte ihn vor allen
anderen perfekt gemischt und verteilt.
Wie in
Merlins Namen konnte der Junge bei jedem Rezept, das Sprout sich ausdachte,
herstellen und gleichzeitig so ein kompletter Trampel im Zaubertränkeunterricht
sein?
Die interessanteste Nachricht,
die er während des Unterrichts mitbekam, hatte allerdings nichts mit
Kräuterkunde zu tun; es war das Gerücht, dass Hooch ihrem eigenen energischen
Tanzstil zum Opfer gefallen war. Harry war irgendwie daran interessiert, dass
das nächste Spiel - gegen Slytherin - abgesagt wurde. Snape hoffte, dass es das
würde; für Gryffindor zu jubeln würde doch den Kessel zum Überlaufen bringen.
Das Gerücht war wahr; Hermine
fand ihn nach dem Mittagessen, sich im Gang auf ihn herfallend,
seine schweren Roben um sich.
"Miss Granger, auf ein Wort."
Sie sprach kalt und die wenigen Schüler um sie herum wichen zurück und
wunderten sich offensichtlich, was der Zaubertrankprofessor für die
Schulsprecherin auf Lager hatte. Sie wären überrascht gewesen herauszufinden, dass alles was
er auf Lager hatte, ausbrechende, kaum zu unterdrückende Panik war. Sie hatten
kaum seine Kerkerräume erreicht, als sie anfing im
Flur auf und ab zu laufen .
"Professor Hooch
ist...verletzt," sagte sie, "anscheinend stolperte sie gestern während sie
tanzte - ich kann nicht sagen, dass mich das überrascht - und Madam Pomfrey
scheint zu glauben, dass es eine Woche oder so dauert sie zu heilen." Sie
knurrte fast, als sie hin und her ging. Snape lehnte sich gegen die Tür und verschränkte die Arme. Er hatte
mehr oder weniger Dreh heraus, wie er es machen musste, obwohl er ein wenig
bestürzt war von der plötzlichen Aufmerksamkeit
die er anscheinend von den Jungs erhielt wenn er das tat.
Es
war ja nicht so, dass er Dekolletee zeigen würde ...
"Ich kann nicht glauben, dass
es eine Woche heilen muss - egal, was es ist; sogar Harrys Arm war über nacht
wieder hergestellt, als dieser Idiot Lockhart den Heilspruch verpfuschte. Es
muss persönlich sein. Ich weiß nicht, was ich gestern zu ihr gesagt habe, aber
sie macht das mit Absicht, ich weiß -"
"Miss Granger." Snape
unterbrach Hermines Gemurmel. Er war fast schon daran gewöhnt, sie mit ihrem
Vornamen anzusprechen; ihre Bitte vor einigen Tagen war nach all dem nicht
völlig unvernünftig. Aber es schien ein besserer Weg zu sein, ihre
Aufmerksamkeit zu bekommen - und es half. Sie hielt inne und wirbelte herum.
"Was?" fragte sie, und seufzte dann. "Entschuldigung, was wollten
Sie sagen, Professor?"
Snape beobachtete sie für
einen Moment, bevor er sprach; er hätte es vorgezogen, wenn sie vergessen
würde, so höflich zu sein. Es war sonderbar die Unterwürfigkeit in seiner Stimme zu hören und in seiner
Körperhaltung zu sehen.
"Es macht nicht viel Sinn, was
Sie erzählen, Miss Granger; hören Sie auf, alles so persönlich zu nehmen - es
ist keine große Sache. Wir haben den Ball überlebt." Er machte eine Pause, aber
sie schien an diesem Nachmittag nicht in der Stimmung für seine Art von Humor
zu sein. "Was genau veranlasst Sie zu glauben,
dass es ein persönlicher Angriff ist? Professor Hoochs Verletzung? Das war
etwas, das passieren musste. Und ich glaube kaum, dass Madam Pomfrey die
Heilung einer Person verzögern würde, nur um mich zu ärgern - sie ist zu
sehr auf meine Tränke angewiesen. Könnten Sie vielleicht ein wenig...nun präziser sein?"
Hermine nickte ihm zu. "Ich
muss im nächsten Spiel Schiedsrichter machen - der Direktor und Professor
McGonagall glauben, dass es nicht besonders förderlich wäre, das Spiel abzusagen, besonders weil Gryffindor gegen
Slytherin nicht das die
freundschaftlichste Partie ist. Also, weil Hooch nicht kann -"
Als
der einzig qualifizierte Schiedsrichter im Kollegium müssen Sie es tun. Was für
ein Problem gibt es?" fragte Snape verwirrt.
Hermine lachte, ein leiser, krächzender Laut, ohne Humor oder ähnlichem und mit
mehr, als nur einem Hauch von Verzweiflung. Er
hatte bis jetzt nicht einmal gewusst, dass er zu so einem Laut fähig war.
"Treffen Sie Ihre Wahl. Kein Wissen über Quidditch oder nicht das geringste
Geschick im Umgang mit einem Besen; was ist Ihnen lieber?"
"Sie übertreiben Hermine. Sie
sind die beste Freundin des gryffindorschen Suchers und Sie haben
wahrscheinlich schon lange mit dem Zählen der Quidditchspiele aufgehört, die
Sie alle in den letzten sechs Jahren gesehen haben - Sie wissen mehr als Sie denken. Und in den letzten fünf Jahren
hatten sie mindestens einmal pro Woche Flugunterricht. Zwar hatten sie seit den
ZAGs keine -" Hermine unterbrach ihn.
"Gut - ich habe das absolute
Grundwissen, aber keinesfalls genug um
ein Spiel zu leiten. Alles was Harry will sind Glückwünsche - die Spielanalyse
und das alles hebt er sich für Ron auf, weil er weiß, dass es mich nicht im
Geringsten interessiert," schrie Hermine, in ihrem Nacken pulsierte eine Ader. Snape
beobachtete es verwirrt. Er hatte niemals
bemerkt, dass er das tat. Sie holte tief Luft, offensichtlich, um sich zu
beruhigen. "Was fliegen angeht, nur weil ich Unterricht hatte, heißt das nicht,
dass ich es besonders gut kann. Ich war unglaublich froh, diese besondere
Tortur so schnell wie möglich loszuwerden.
Snape fühlte, wie sich neue
Kopfschmerzen formten. "In diesem Fall," murmelte er, "werden wir mit unseren
Experimenten nicht weiterkommen. Also gut, da
kann man nichts machen. Sie müssen es lernen." "In einer Woche?!" antwortete
Hermine, mit einer Stimme, die all den Unglauben ausdrückte, den er fühlte.
"Das ist alles, was wir haben,
ich schlage vor, wir machen das Beste daraus. Wir werden diesen Abend üben -
das Feld ist weit genug vom Schloss entfernt, um nicht beobachtet zu
werden. Zum Glück sind Sie
Schulsprecherin, so sollte es ohne viele Probleme gehen sollte ich ohne große
Probleme rausgehen können. Also gut,
neun Uhr heute Abend auf dem Feld. In der Zwischenzeit, schlage ich vor,
Sie lesen..." Snape ging hinüber zu den Bücherregalen und suchte, dann zog er
ein dünnes Buch heraus, "das." Er warf es zu Hermine, die es leicht fing und es
fragend ansah.
"Der Quidditchführer für
Bluffer?" las sie laut den Titel.
"Es wird Ihnen genug beibringen,
um einigermaßen überzeugend zu schwindeln, was alles ist, worauf wir hoffen
können, denke ich."
Snape verbrachte den
Nachmittag damit, einen gedanklichen Zeitplan für die Flugstunden auszuarbeiten
- einen Schnellkurs. Er vermied es ihn einen Crash-Kurs zu nennen; sie hatten
schon genug damit zu tun, ohne auch noch abergläubische Theatralik mitmischen zu lassen. Seine Verwirrung war
offensichtlich, als er in der Bücherei saß, seinen Kopf in Bücher vergraben.
Das war kein ungewöhnlicher Platz oder Position für Hermine und er wurde
größtenteils allein gelassen. Nur zwei Ravenclaws störten ihn, jede mit einer
Bestellung für seine nächste Runde Hautpflegetrank.
Um 9 Uhr war er auf dem
Spielfeld; die Nacht kam und er sandte einen Kreis aus Feuerbällen mit einem
kurzen Spruch in die Luft, so abgeschirmt, dass sie vom Schloss aus nicht
gesehen werden konnten. Er hatte auch das Feld mit einem Spruch belegt, der die
Aufmerksamkeit ablenkte und so jeden, der zufällig aus einem Fenster schauen
sollte und den beleuchteten Platz bemerkte, dazu brachte das alles ganz schnell
wieder zu vergessen, bevor derjenige seine Entdeckung weitererzählen konnte. Es würde Dumbledore nicht täuschen, aber jedes
andere Mitglied des Personals und der Schüler.
Hermine erschien etwa eine Minute zu spät; immer noch den
"Quidditchführer für Bluffer" in den
Händen. Die Panik hatte sie immer noch nicht verlassen, wie ihre ersten Worte
zeigten.
"Es gibt über 700 Fouls, wie in Gottes Namen soll ich
die alle in einer Woche lernen?" jammerte sie; der Ton passte ganz und gar
nicht zu seiner Stimme.
"Sollen Sie auch nicht." Sagte
Snape scharf. "Es gibt keine veröffentlichte Liste und nicht einmal Hooch kennt alle 700; ich bestimmt auch nicht und Sie können
sicher sein, dass das auch keiner der Spieler tut, lernen Sie nur die
naheliegendsten - das Buch hat Bilder, Sie sollten also die Möglichkeit
besitzen, den Erklärungen zu folgen - und achten Sie am meisten darauf, dass
sie nicht die Spielfeldgrenze überfliegen, sich nicht aneinander festhalten und
ihre Zauberstäbe benutzen. Letzteres ist sowieso der Grund für neunzig Prozent
aller Fouls."
Nach dieser Nachricht sah
Hermine ein wenig ruhiger aus, war aber immer noch besorgt.
"Das sind immer noch 70
Fouls..."
Snape schüttelte den Kopf,
während er in den Himmel starrte und die letzten Reste seiner Geduld sammelte.
Er würde nur zu gern seine Ruhe verlieren, aber im Großen und Ganzen, dachte
er, würde es schneller vorbei sein, wenn er sich beherrschte.
"Miss Granger," er konnte die
Schärfe nicht ganz aus seiner Stimme herausnehmen und ihr Kopf flog herum, "so
lange Sie Flacken, Keilen, Kollern, Schubsen, Pfeffern,
Quaffelpicken, Rempeln, Schnatzeln, Stutschen und Rockeln erkennen können, ist
es gut. Lernen Sie das und Sie werden mehr wissen als diese Kleinkinder es je
tun oder vorführen werden. Und merken Sie sich, dass sie nicht wissen, dass der
Schiedsrichter Hermine Granger ist. Ich habe lange und hart an meinem Ruf
gearbeitet und Sie haben es - bis jetzt - noch nicht geschafft ihn zu
zerstören. Ich schlage vor, Sie nutzen das als Vorteil."
Hermine hatte im Buch
geblättert, als er die 10 bekanntesten Fouls aufzählte - anscheinend um sie zu finden, wie er sie erwähnte. Jetzt blickte
sie auf und ihr Gesichtsausdruck sagte ihm, dass sie endlich verstanden hatte,
dass die Teams den Meister der Zaubertränke nicht als Schiedsrichter auf die
Probe stellen würden; sogar die Slytherins würden so etwas - nicht mehr als
einmal - ausprobieren.
"Jetzt das Fliegen. Steigen
Sie auf den Besen und drehen eine Runde ums Feld, so, dass ich sehen kann,
womit wir es zu tun haben."
Hermine gab ihm das Buch und
stellte sich neben den Besen, den er für sie mitgebracht hatte - sein Nimbus
1700. Nicht das neueste Modell, aber für seine Zwecke ausreichend. Er hörte sie
zögernd murmeln "Hoch" und sah sie erschrecken, als der Besen in ihre Hand
sprang. Sie stieg mutig auf, drückte sich vom Boden ab und flog ums Feld -
langsam zuerst, dann mit immer mehr Geschwindigkeit.
Sie landete ein wenig später
genau vor ihm, den Besen auffangend bevor er auf den Boden fallen konnte.
"Miss Granger, wenn Sie
aufhören würden so perfekt sein zu wollen, würden Sie das Leben ein wenig
leichter finden. Ich würde nicht sagen, dass Sie ein ernsthaftes Problem mit
der Fliegerei haben - Ihre Technik muss vor dem Spiel noch ein wenig verbessert
werden, aber Sie sind nicht ganz so unfähig, wie Sie behauptet haben."
Hermine sah verwirrt aus, als
sie landete und antwortete langsam. "Ich denke...Ich denke Ihr Körper hat etwas
damit zu tun. Ich bin noch nie so geflogen wie gerade eben, in meinem ganzen
Leben nicht; es ist so, als ob mein Körper weiß, was er zu tun hat - ich habe
bestimmt nicht diesen Flug kommandiert."
Snape dachte für einen Moment
darüber nach, dann nickte er.
"Sehr wahrscheinlich. Seien Sie
froh über solche Kleinigkeiten - und üben Sie weiter. Mein Körper weiß, was zu
tun ist, aber Ihr Kopf braucht Übung."
17. Auf welcher Seite sind Sie
eigentlich, Schiri?
Wenn irgend jemand etwas von
den nächtlichen Ausflügen von Professor Snape bemerkt haben sollte, hatte er es nicht für nötig befunden, eine Bemerkung
darüber zu machen.
Hermine hatte eine
vorübergehende Besorgnis wegen Argus Filch erübrigen können, der sich und Snape
als die letzte Bastion gegen die massenhafte
Zügellosigkeit der Schüler in den Gängen betrachtete. Sie war sogar soweit
gegangen, einen gedanklichen Plan für einige mitternächtliche Ausflüge zu
machen, nur um mögliche Verdächtigungen zu zerstreuen, die er vielleicht hegte.
Jedoch, die zusätzlichen Flugstunden in ihrem schon vorher nervenaufreibend
vollen Stundenplan, gaben ihr den Rest, was einfach nur hieß, dass sie ihre
Nächte in so tiefer Bewusstlosigkeit verbrachte, wie es nur möglich war.
Rückblickend erschien ihr die Erfahrung mit dem Zeitumkehrer im dritten Jahr sehr
viel erholsamer.
Die Kombination von Snapes
Muskelerinnerung und einem Besen, der etwas besser ausbalanciert war als die normalen Schulmodelle, machte die übliche
Qual ein bisschen weniger schlimm als sie befürchtet hatte. Snape war nicht
besonders geduldig mit ihr, aber er hatte einen Kniff, die Bewegungen
verständlich zu erklären und sein Körper war ein wenig erfahrener darin die
Befehle auszuführen als ihr Eigener. Was auch nur gerecht war, wenn man darüber
nachdachte; er sollte schließlich wissen, was sein Körper konnte.
Es gab sogar Momente, in denen sie Harrys
und Rons Begeisterung verstehen konnte. Jedoch überwogen die Zeiten, in denen
ihr Magen Saltos machte, wenn ihr klar wurde, dass sie nicht bloß das Fliegen
meistern, sondern auch noch auf vierzehn andere Menschen achten musste, die
sich alle in verschiedene Richtungen bewegten; mindestens die Hälfte von ihnen
würden es darauf anlegen, der anderen Hälfte langfristigen Schaden zuzufügen.
Im Moment lag sie in der
Badewanne, weichte ihren müden Körper ein und versuchte so viel vom
Quidditchführer für Bluffer zu lernen, wie nur möglich, bevor sie aufgeben und
ins Bett gehen musste. Sie gewöhnte sich langsam an den langen, mageren
Männerkörper, der sich vor ihr im Wasser
streckte und auf ihn achtzugeben war auch längst nicht mehr ein Anlass für
Verlegenheit. Sie hatte sich auch seit einer
Weile nicht mehr beim Rasieren geschnitten.
Und was die anderen Teile
ihres Körpers betraf...Sie hatte entdeckt, dass Snape überraschend oft mit
einer Erektion aufwachte. Oder zumindest nahm sie an, dass es überraschend oft
war. Es war ja nicht so, dachte sie, als ob sie ausreichend Erfahrung in
solchen Dingen hatte, um einen Vergleich anstellen zu
können. Und sie hatte herausgefunden, dass eine kalte Dusche zweifellos effektiv
war, die Alternative damit fertig zu werden jedoch beträchtlich mehr Freude
machte, nicht zu erwähnen, dass es nicht so ein traumatisches Erlebnis am
frühen Morgen war.
Sie bewegte sich ein wenig im
Wasser und merkte, dass es langsam kalt wurde. Sie klappte das Buch zu und zog
sich tropfend aus dem Wasser. Sie griff sich ein Handtuch und begann sich
zerstreut abzutrocknen, darüber nachdenkend, ob es irgendeine Chance gab, dass
das nächste Spiel das war, in dem Harry entschied, Roderick Plumpton zu übertreffen
und den Schnatz in dreieinhalb Sekunden zu fangen. Pro:
Harry würde wieder einmal in die Geschichte eingehen und ihr würde es
erspart bleiben, sich selbst zum Idioten zu machen - und Snape, musste sie
gnädigerweise hinzufügen. Kontra: nein, im Moment
fiel ihr nichts ein. Was hieß, dass es unwahrscheinlich war, dass sie soviel
Glück haben würde. Sie rubbelte den Rest Wasser
ab und legte das Handtuch für die Hauselfen zur Seite, damit sie sie sich
dessen annehmen konnten. Nackt tapste sie ins Schlafzimmer, mit schmerzenden, auf sich aufmerksam machenden Muskeln. Es war so,
weil sie sich nicht entspannte - sagte Snape.
Wenn Sie sich nur entspannen
würden, Miss Granger, würden Sie bemerken, dass Ihr Körper seinen eigenen
Schwerpunkt findet. Wenn Sie ständig dagegen ankämpfen, werden Sie umfallen. Der
Schmerz in ihrer linken Hüfte bestätigte diese Aussage. Nicht zu erwähnen, dass
er genügend verärgert war, um sie Miss Granger
zu nennen. Gähnend suchte sie eine frische Boxershort heraus, zog sie an und schlüpfte
ins Bett, sich selbst immer wieder sagend, dass sie das durchstehen würde.
@@@@
Hermine wachte am Morgen des
Spiels auf, bemerkte aber, dass der größte Teil ihres Vertrauens verschwunden
war. Zu erregt um etwas anderes zu tun als sich anzuziehen und eine Tasse
schwarzen Kaffee hinunter zuschütten - ein Getränk, das sie mit einigem
Enthusiasmus trank -stolzierte sie zum Labor und lief im Raum auf und ab
während sie auf Snape wartete. Als er endlich durch die Tür trat, ermutigte sie sein Gesichtsausdruck nicht im
Mindesten, ihre Befürchtungen mit ihm zu teilen. Sie vermutete, dass er durch
und durch ein Opfer der Potter/Weasley
"Vor-dem-Spiel-Hysterie, einschließlich schiefer Sprechchöre, unartikuliertes
Rufen und ein wirklich angst machende Meinung
über Slytherin. Sogar sie, als eine Gryffindor,
fand es ein wenig viel. Sie konnte nur Vermutungen über die Reaktion des
Hauslehrers von Slytherin anstellen.
Die Büchertasche landete mit
einem vielsagenden Plumps auf der Werkbank und Snape ging hinüber zu den
übernacht stehengelassenen Kesseln.
"Sollen wir anfangen?" sagte
er in einem Ton der zeigte, dass das keine Frage war. Hermine nickte nur.
Anfangs war sie froh, etwas zu tun zu haben und hoffte, es würde sie vom
näherkommenden Spiel ablenken. Aber das tat es nicht. Tatsächlich hatte sie
heute morgen irritierend wenig zu tun, sodass sie ruhelos auf und ab lief und
sich Regeln und Fouls ins Gedächtnis rief. Sie fühlte,
wie eine neue Welle von Kopfschmerzen begann auf sie los zu rollen und
fühlte ein nagendes Verlangen nach irgendwas Süßem. Sie glaubte nicht, dass sie
mit einem Ausflug in die Küche davonkommen würde. Ihr Magen zog sich zusammen
und ihr Schritt wurde energischer.
Die Sache gipfelte in einem
Gedanken an einen doppelten, achtfachen Looping. Snapes Stimme unterbrach
abrupt ihre Gedankengänge.
"In Merlins Namen, Miss
Granger, hören Sie auf, wie ein aufgescheuchtes Huhn herumzuflattern."
Sie stoppte.
"'Tschuldigung."
Er seufzte tief auf.
"Ist es wegen heute
nachmittag?"
Sie nickte, und versuchte sich nicht auf die Lippe zu beißen.
"Ich versichere Ihnen, dass
das alles nicht so schlimm wird. Ihre Flugkünste werden ausreichend sein. Ich
zweifle nicht daran, dass Ihr Regelwissen genügen wird.
Es gibt wichtigere Dinge, auf die wir uns konzentrieren müssen."
Nun, das war einfach zu sagen
für ihn. Er musste ja nicht da raus gehen.
"Ich kann an nichts anderes
denken," sagte sie und versuchte nicht so jämmerlich zu klingen, wie sie sich
fühlte. Seinem Gesichtsausdruck nach, hatte sie kläglich versagt.
"Also gut," sagte er
ungeduldig, "wenn Sie nicht still halten können, seien Sie bitte so nett und
gehen woanders hin, bevor Sie in Ihrer Panik noch etwas umstoßen und Mr.
Longbottoms einzige Leistung in Zaubertränke noch weiter komplizieren."
Wo konnte sie hingehen? Sie
konnte nur in seine Räume zurück und sie dachte nicht, dass sie das unbedingt
beruhigen würde. Sie sprach diesen Gedanken aus, bevor ihr einfiel, dass es ihn
eigentlich nicht interessierte.
Das tat es nicht.
"Miss Granger, wie soll ich
wissen, was Sie beruhigt?" seufzte er. "Was wollen Sie machen?"
Sie dachte nach.
Eis essen. Ganz bestimmtes
Eis. Haagen-Dazs Eiscreme. Im Häagen-Dazs Cafe
am Leicester Square. Keine besonders praktische Idee.
Snape schien dem nicht
zuzustimmen.
"Nun, wenn es das ist, was Sie
wollen, dann machen Sie's doch."
"Entschuldigen Sie,
Professor," sagte sie scharf, "aber wie genau soll ich das machen?"
Sie starrte ihn wütend an. Die
Situation war schon schlimm genug, ohne von ihm geärgert zu werden. "Es ist ja
nicht so, als könnte ich einfach apparieren, oder?"
Er sah sie fest an.
Er konnte doch nicht ernsthaft
vorschlagen, dass sie...
"Ich nehme an, Sie haben die
Technik studiert."
Er meinte es wirklich.
"Ja," sagte sie vorsichtig,
"aber ich habe keine Lizenz."
"Nein," sagte er übertrieben
geduldig, "aber ich. Und wenn es dafür sorgt, dass ich für den Rest des Morgens
nicht mehr von Ihnen genervt werde und Ihnen hilft, diese
unaufhörlichen Panikattacken unter Kontrolle zu bringen, ist es ein geringes
Opfer."
Sie war sprachlos.
"Folgen Sie dem Weg nach
Hogsmeade. Wenn Sie die Schlossgrenze
überschritten haben, halten sie sich links und Sie werden einen geschützten
Platz zum Apparieren finden. Muggelgeld ist in der linken oberen
Kommodenschublade im Wohnzimmer." Seine Augenbraue wölbte sich als sie sich
abmühte, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu bekommen.
"Ich bin nicht mit einem
Zauber ans Schloss gebunden, Miss Granger. Sogar ich besuche hin und wieder die
Außenwelt. Wenn Sie um zwei Uhr noch nicht wieder da sind, informiere ich den
Direktor und versuchen Sie, sich nicht
aufzuteilen während Sie meinen Körper benutzen. Und jetzt verschwinden Sie
endlich."
@@@
Das musste er ihr nicht
zweimal sagen. Sie flüchtete zurück in seine Räume, hastig in der Kommode nach
dem Geld suchend. Zu ihrer Überraschung war es ein beträchtlicher Vorrat. Sie
zog ein paar Scheine und ein wenig Wechselgeld heraus. Ihre Ehrlichkeit zwang
sie, eine gekritzelte Notiz über den Betrag dazulassen, damit sie ihn später
zurückzahlen konnte. Sie war kurz davor zu gehen, als ihr auffiel, dass sie
nicht wie in der Winkelgasse ihren schwarzen Umhang anlassen konnte. Sie nahm
an, dass das hieß, dass sie etwas verwandeln musste. Sie ging ins Schlafzimmer
und wühlte sich durch die Schubladen der Kommode. Da Snape voraussehbare
Gewohnheiten in Sachen Kleidung hatte, hatte sie es nicht für nötig befunden,
nach mehr als Alltagskleidung zu suchen. Sie bezweifelte, dass sie mehr finden würde, aber
sie konnte trotzdem nachsehen.
Die erste Schublade, die sie
durchsuchte, enthielt die angemessene Standardkollektion männlicher
Dinge. Nichts, dass ihr unter diesen Umständen helfen würde. Mit wenig Hoffnung
zog sie die Schublade darunter auf - und war
zum zweiten Mal an diesem Tag sprachlos.
Mit vorsichtigen, um nicht zu
sagen ungläubigen, Bewegungen zog sie eine bedeutsame Menge schwarzen Denim
heraus. Sie hielt es hoch, der Verstand konnte noch nicht akzeptieren, was die
Augen sahen. Jeans. Eng geschnitten, Knopfleiste vorn, gestempeltes Label mit
drei Nummern - 5 0 1. Sehr schön. Sie schüttelte den Kopf.
So, so, so, Professor. Noch
mehr Überraschungen.
Sie warf sich aufs Bett. Ein
erneutes Abtauchen in die Schublade brachte sie in Kontakt mit etwas sehr
Weichem. Sie zog schließlich daran, um einen Muggelpullover zu enthüllen;
schwarz natürlich, und Kaschmir - auch natürlich, dachte sie. Also, das löste
das Problem, was sie anziehen sollte. Schnell streifte sie ihre Roben ab und
ersetzte sie durch die Jeans und den Pulli. Die Muggelklamotten umrissen ihren
Körper so, wie es ihr Umhang definitiv nicht tat.
Schön, dachte sie wieder. Sehr
schön. Eine Durchsuchung ihres Kleiderschrankes förderte eine gut geschnittene
Lederjacke zutage - schwarz natürlich. Hermine sah auf die Marke. Armani.
Niemand konnte Professor Snape vorwerfen, dass er nicht ein Auge für Qualität
hat, dachte
sie ungezogen. Sie fragte sich, was noch alles
in seinen Schränken versteckt war; der plötzliche Einblick in seinen Geschmack
für gute Muggelkleidung hatte unerklärlicherweise ihr Herz höher schlagen
lassen.
Ein finsteres Gesicht
erzwingend, hüllte sie sich in ihren Umhang um die Muggelkleidung zu verstecken
und verließ das Schloss.
@@@
Eine halbe Stunde später saß
sie im Leicester Square und schleckte sich ihren Weg durch eine Portion Eis,
bestehend aus Belgischer Schokolade, Pralinencreme und Macademia Nussstücken,
übergossen mit heißer Schokoladensoße, Schlagsahne und Schokoladenstücken. Als
sie darüber nachdachte, realisierte sie, dass er, obwohl er ziemlich grob mit
ihr gewesen war, ihr nicht nur erlaubt hatte mit seiner Lizenz zu apparieren -
was ihn in ernsthafte Schwierigkeiten bringen konnte - sondern auch für sie
bezahlt hatte, damit sie hier sein konnte. Im Moment - in sicherer Entfernung
von Hogwarts - mochte sie diesen Mann fast.
@@@
Zurück in Hogwarts auf Snapes
Besen sitzend, in der Mitte des Quidditchfeldes, Harry Potter und Draco Malfoy
- die beiden Sucher und Teamkapitäne - beobachtend, die sich gegenseitig
belauerten, fühlte Hermine sich beträchtlich wenig zu Mildtätigkeit ihm
gegenüber verpflichtet. Sie wusste, dass er irgendwo auf den Gryffindorrängen
saß; die einzige vage Befriedigung, die sie fühlte war, dass er für Gryffindor
jubeln musste, kein Zweifel möglich, dass er neben Neville Longbottom saß. Sie
hatte nichts außer der Eiscreme gegessen und die Völle
lag ihr nun schwer im Magen, was sie ein wenig matt machte. Für einen
Moment dachte sie darüber nach, ob sie aus dieser Sache herauskommen würde,
wenn sie eine Krankheit vortäuschte; aber Madam Pomfrey hatte zu viele
effektive Mittelchen in ihrem Giftschrank.
Mittelchen für jedes
Wehwehchen, außer Hoochs gefährlichem Tanzunfall dachte
sie bitter. Sie war immer noch davon überzeugt, dass die Fluglehrerin das mit
Absicht gemacht hatte.
Sie versuchte auch die
Unterhaltung - wenn man es so nennen konnte - mit Professor McGonagall zu
vergessen.
"Ich habe mich beim Direktor
aufs Heftigste darüber beschwert, dass ein Hauslehrer ein Spiel leitet, bei dem
seine eigene Mannschaft teilnimmt. Ich warne
Sie, wenn ich nur das kleinste Anzeichen einer Favorisierung
erkenne, werde ich dafür sorgen, dass das Ergebnis nicht gezählt wird." Sie
hatte den Grad der offenen Feindseligkeit zwischen ihrer eigenen Hauslehrerin
und Snape, die bei solchen
Gelegenheiten aufflackerte, nie richtig wahrgenommen.
Jetzt wartete sie darauf, dass
alle bereit waren um zu beginnen. Harry schaute zu Draco, der zurückstierte.
Sie vermutete, dass sich über ihr Ron -
Gryffindortreiber, wie seine Brüder vor ihm - und Ginny - eine der Jägerinnen -
in Position begaben. Aus den Augenwinkeln sah sie die kreisenden Slytherinjäger
über sich, wie eine grün-silberne Geier. Es war
wahrscheinlich zu spät, um sich zu wünschen, dass sie dem Zeremoniell dieser
Momente mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte.
Instinktiv schielte sie zur Lehrertribühne. Dumbledore war da; sie konnte
seinen Bart schimmern sehen. Sie konnte auch Hooch sehen, die ihren Blick
einfing und ihr fröhlich zuwinkte.
Nicht persönlich, wie?
Sie festigte ihren Griff um
Snapes Besen, blies scharf in die Pfeife und warf dann den Quaffel in die Luft.
Die Hölle brach los.
Ein Spiel, das schon von der
Tribüne aus gefährlich aussah, sah vom Standpunkt eines Schiedsrichters nur
noch rücksichtslos und selbstmörderisch aus. Hermine hatte so viel damit zu
tun, sich auf die Spieler und darauf, nicht verletzt zu werden zu
konzentrieren, dass sie fast ihre Schwierigkeiten beim Fliegen vergaß und was
darauf folgte, waren die verwirrendsten zweieinhalb Stunden, die sie je erlebt
hatte. Bewegungen, die auf dem Papier so perfekt eindeutig aussahen, wurden im
Spiel rücksichtlos umgesetzt, so dass sie, stellvertretend für alle, denjenigen
bestrafte, den sie zuletzt etwas tun sah. Mehr als einmal sahen Spieler beider
Teams aus, als würden sie die Entscheidungen in Frage stellen. Sogar Draco
Malfoy murmelte vor sich hin "auf welcher Seite sind Sie eigentlich...?"
Ron jedoch war der Schlimmste.
"Aber Professor," protestierte
er, nachdem sie Slytherin einen Strafwurf zuerkannt hatte, "Malfoy hat Ginny
ganz klar festgehalten..."
Sie bezweifelte das nicht,
aber sie hatte es einfach nicht gesehen. Sie starrte ihn an.
"Stellen Sie meine
Entscheidung in Frage, Mr. Weasley?" Bitte, halt die Klappe, Ron.
Er hatte sich wieder beruhigt,
obwohl von den Gryffindorrängen viel Gemecker kam.
Das Fegefeuer brannte weiter.
Und dann geschah das Wunder.
Es gab einen riesigen Jubel bei den Gryffindors und sie schaute hinauf, um
Harry zu sehen, der den Schnatz in der rechten Hand hielt und Siegesloopings
übers ganze Feld machte.
Wenn sie die Energie dazu
gehabt hätte, hätte sie auch einen gemacht, nur weil das jetzt vorbei war. Sie
war mehr als stolz auf sich, dass sie es schaffte, vom Feld und in ihre Räume
zu kommen, bevor ihre Beine anfingen zu schlottern.
@@@
Später am Abend trafen sie und
Snape sich im Labor. Er schaute sie nur an, als sie an seinem Schreibtisch saß,
ihre frühere Ruhelosigkeit war gewichen und sie war aufgekratzt.
"Das mach ich nie wieder,"
sagte sie mit Nachdruck.
Er schnaubte.
"Versuchen Sie Ihren Hang zur
Melodramatik einzuschränken, Hermine. Es scheint, dass beide Seiten der Meinung
sind, dass dieses Spiel besser von einem blinden, senilen Krüppel geleitet
hätte werden können und dass in jeder Spielminute Abseitssituationen übersehen
wurden." Er machte eine Pause und Hermine wartete glühend auf seine stechende
Kritik. "Und da genau dieses Gespräch
nach jedem bekannten Sportereignis geführt wird, kann ich nur sagen, dass Ihre
Vorstellung akzeptabel war. Sicherlich ist Professor McGonagall im Moment
ekelhaft froh über ihren Sieg." Das Wort ihren troff vor Ironie
und Hermine fühlte ihre Mundwinkel in Zustimmung zucken. Sie wusste genau, was
er meinte.
Er ging zu den Kesseln, an
denen er arbeitete.
"Ich nehme an, der Ausflug
nach London heute Morgen war ereignislos." Sie dachte, dass das der Frage, ob
es ihr wieder besser ginge, am nächsten kam. Sie
bemerkte auch, dass er ihren Vornamen wieder benutzte.
"Ganz und gar nicht
aufregend," sagte sie bestätigend und stand auf, um ihm zu helfen.
"Oh und Professor," fügte sie
mit einem plötzlichen Impuls von Übermut, "ich
muss sagen, dass Ihnen Armani sehr gut steht."
18. Ein Medley aus
Improvisationen
Der November schritt fort; das
Wetter war furchtbar und nicht einmal die interessante Variante von furchtbar -
ein Schneesturm wäre eine willkommene Abwechslung zu dem grauen Himmel und dem
ewigen Regen gewesen, der die Bewohner im Schloss eingesperrt ließ. Schlechte
Laune und Unfug erhoben sich, während sich der Regen draußen auf alles
herabsenkte. Snape hatte sich im Sessel beim Feuer in seinen Räumen zusammengerollt;
er hatte früher ['zuvor'] einen Stapel einigermaßen interessanter Zeitschriften
unter Hermines Bett gefunden und, ehrlich gesagt, waren sie das Einzige, was
ihn im Moment bei Vernunft hielt.
Er war - schon wieder - auf
der Jagd nach Krummbein gewesen, um sicherzustellen, dass diese Katze ihm nicht
in einem Versteck oder anderswo auflauerte. Jeder andere war vollkommen
ahnungslos von dem Tausch zwischen ihm und Hermine, nur diese Katze nicht; er
argwöhnte, dass Snape den Körper seines Frauchens aus zweifelhaften Gründen
übernommen hatte und von Zeit zu Zeit übte er ein paar Attacken auf den
Eindringling in seinem Revier aus. Snape wünschte sich nicht zum ersten Mal,
dass es einen einfachen Weg gäbe, um Hermine in seine Räume - schön, in
Wirklichkeit ihre Räume - zu bringen, ohne eine Entdeckung zu riskieren. Es
würde...eine Herausforderung sein, eine Erklärung dafür zu finden, warum
der Meister der Zaubertränke die Räume der Schulsprecherin besuchte.
Die Zeitschriften waren
ordentlich unter dem Bett verstaut,
hinter dem Bettkasten auf einem Stapel abgelegt. Snape hatte schon
gedacht, es wäre die Hexenwoche oder etwas anderes Langweiliges und
wollte schon die Klappe wieder zufallen lassen, als ihm einige Wörter des
obersten Magazins ins Auge fielen.
Sinnebetörender Sex - wie Sie
ihn für Stunden in Atem halten!
Es war das Ausrufezeichen,
natürlich war es das. Das und selbstverständlich die Neugier in Sachen Muggel.
Es gab keine andere Erklärung dafür, dass er das Magazin vom Stapel nahm; es
war ganz klar eine Muggelzeitschrift, und er war schon sein ganzes Leben an der
Gesellschaft der Muggel interessiert - in jeder Hinsicht. Das war der Grund,
nichts anderes.
Snape fragte sich, ob er
vollständig überzeugt war. Er nahm an, nicht. Nichtsdestoweniger las er das
Magazin am Abend von vorn bis hinten mit einer amüsierten Faszination durch -
das Magazin nannte sich selbst "Cosmopolitan", aber Snape dachte, dass es den
Begriff ‚international' ganz neu definierte - oder vielleicht meinten die
Muggel etwas ganz anderes, wenn sie das Wort benutzten - etwas, das mit Sex,
Diäten und Mode zu tun hatte.
Die Mode war eigenartig -
Snape fragte sich, warum so viel Wirbel darum gemacht wurde, dass Hexen und
Zauberer Muggelkleidung anziehen mussten, wenn sie diese Welt besuchten; es sah
so aus, als ob man so ziemlich jede Kleiderkombination tragen konnte und dann
als ‚exzentrisch' bezeichnet wurde. Tatsächlich war er ziemlich sicher, dass
einige Designer Hexen sein mussten - und von Zaubererkleidung beeinflusst
worden waren.
Ein Artikel der Zeitung
stellte eine Designerin namens Zandra Rhodes vor; er war sich sicher, sie
letzten Sommer in der Winkelgasse bei Madam Malkins gesehen zu haben. Diese
pinken Haare waren unverkennbar.
Hexen-Einfluss oder nicht, die
Kleidung war seltsam. Snape starrte seine - geborgte- Figur für eine Weile im
Spiegel an, sich fragend, warum sich jemand so anziehen würde. Alles in allem
hatte Hermine einen überraschend dünnen Körper - das war ein Gedanke, den er so
schnell wie möglich wieder vergaß, aber wusste nicht, ob , dass das von den
meisten Kleidungsstücken auf den Bildern noch mehr zur Geltung kommen würde.
Die kurzen Shirts wären aber eine Möglichkeit...nein, lieber darüber auch nicht
nachdenken. Der Verstand eines Mannes im Körper einer Frau konnte die
absurdesten, widersprüchlichsten Hormonreaktionen bewirken.
Die Diäten waren genauso
seltsam - Muggel wussten augenscheinlich nichts über die Tränke, die den
Insulinverbrauch wieder ins Lot bringen würden, was den größten Teil der
Gewichtsprobleme verursachte, und sie aßen erschreckend viel Müll, was den
anderen Teil auszumachen schien.
Es war wirklich nicht
verwunderlich, dass sie Diäten brauchten. Snape fragte sich, ob irgend jemand
jemals erfolgreich die Verbote einhalten könnte; allein die Verbote zu lesen,
brachte ihn dazu, in Hermines geheimem Schokoladenversteck nachzuschauen. Er
machte sich eine gedankliche Notiz, dass er welche besorgen musste, wenn er das
nächste Mal nach Hogsmeade kam, es wurde immer klarer, dass sie, wenn sie nicht
mehr herausfinden würden, was in Longbottoms gescheitertem Gebräu war, warten
mussten, bis die Alraunen ausgewachsen waren, bevor sie wieder normal sein
würden, egal, Snape dachte, er sollte seinen Vorrat lieber früher als später
auffüllen.
Davon abgesehen, auf das Thema
der letzten Woche - Freuden einer Frau - zurückblickend, wurde er wurde er von
der medizinischen Wirksamkeit von Schokolade überzeugt - nicht, dass er
Überzeugung gebraucht hätte. Er fand es furchtbar, seinen Hormonen auf Gnade
und Ungnade ausgeliefert zu sein; schön, es waren nicht einmal seine, es waren
Hermines Hormone. Und sie konnte sie gern zurück haben, vielen Dank auch.
Wenn diese Hormone jedoch
nicht gerade Amok liefen, schafften sie eine wunderbare Unterhaltung. Was ihn
wieder zum Magazin zurückbrachte; es war...sehr lehrreich. Zumindest mehr, als
er noch vor ein paar Monaten erwartet hätte - weil er jetzt jeden Kommentar und
Vorschlag von beiden Seiten zu schätzen wusste.
Der Verstand eines Mannes im
Körper einer Frau konnte wirklich die erstaunlichsten, widersprüchlichsten
Hormonreaktionen bewirken.
Snape schloss das Magazin; er
würde es später noch einmal lesen und den Rest des Stapels. Es gab keinen
Grund, sich weiter selbst zu belügen. Es war mehr als nur Neugier; seine
Gedanken wanderten zurück zu Hermine. Seine erste Reaktion war Überraschung,
dass sie so einen Müll las - die Zeitschriften waren mit Sicherheit kein
Beispiel für gute Literatur - aber sein Gedanke wurde schnell von einer neuen
Erkenntnis verdrängt, dass es eigentlich zu ihrem Charakter passte. Zwei Monate
hatten dafür gesorgt, dass er, außer den neuen körperlichen Freuden, auch eine
Art von Verständnis für den Verstand entwickelt hatte, der im Moment seinen
Körper bevölkerte. Es war schwierig, sie weiter als eine Schülerin, ein Kind zu
behandeln. Sie anzusehen, ein Gesicht, das er nur all zu gut kannte, und zu
wissen, wie jeder andere sie behandeln würde, sorgten dafür, dass nicht so mit
ihr umgehen konnte. Er hatte versucht, sie als eine Schülerin zu anzusehen - es
lag nicht in seiner Natur einen Unterschied zu machen - genaugenommen
behandelte er jeden, außer dem Direktor, wie einen Schüler - aber wenn er sich
nicht gewissenhaft anstrengte, würde er sie als eine ihm Ebenbürtige behandeln.
Alles wies darauf hin, dass sie das war, was ihm im Moment einer Ebenbürtigen
am Nächsten kam. Snape scheute vor dem ihm sich aufdrängenden Gedanken zurück,
dass sie , wenn alles vorbei war, gleichgestellt sein würden. Es gab wenig
Hoffnung, dass Hermine den Extremen seines Lebens entkommen würde; er war froh
- und ängstlich - dass sie noch nicht gerufen worden war.
Froh, weil es ihr mehr Zeit
gab, ihre Rolle zu perfektionieren, obwohl er ihr nie erzählen würde, wie gut
sie war und ängstlich, weil je länger
Voldemort mit seinem Einberufen wartete, desto schmerzhafter war der
unvermeidliche Ruf.
Was hieß, dass die einzige
Person, die ihn wirklich verstehen würde, die die Lage seines Lebens kannte,
eine 18-jährige Alleswisserin sein würde.
Schicksal war eine lächerliche
Sache.
In all seinen Überlegungen kam
es Snape nicht in den Sinn, dass er - in gleicher Weise - die einzige Person
sein würde, die Hermine Granger und die Seltsamkeiten und Verwicklungen ihres
Lebens verstand.
Ein lautes Klopfen an der Tür
kündete die Ankunft zwei solcher Seltsamkeiten an. Niemand konnte sie besonders
komplex nennen, aber Harry Potter und Ron Weasley konnten im Allgemeinen
seltsam genannt werden. Snape war fast sicher, dass die Menstruation letzte
Woche zu früh begonnen hatte, weil er sozusagen so gestresst war, ihnen
zuzuhören, wie sie sich für das Spiel Gryffindor - Slytherin aufputschten.
Er versteckte die Zeitschrift
unter dem Stuhl - er war sich sicher, dass Hermine nicht wollte, dass das Paar
darüber Bescheid wusste und er war definitiv nicht darauf vorbereitet, ihnen
zuzuhören, wie sie sich über etwas, wie Kinder kichernd, ausließen, wovon sie
höchstwahrscheinlich nicht die geringste Ahnung hatten. Snape dachte, dass es
ziemlich unwahrscheinlich war, dass einer von beiden schon seine
Jungfräuligkeit verloren hatte; dann musste er sich fast übergeben, als er
erkannte, dass er sich Gedanken über das Sexleben der beiden Jungs machte.
Snape rannte beinahe zur Tür,
um dem Gedanken zu entkommen.
"Es ist schon spät, warum seid
ihr nicht in eurem Schlafsaal?" fragte er seufzend. Er wusste nicht sofort, wie
spät es war - er hatte seine Uhr abgenommen - aber das Abendessen lag schon
einige Zeit zurück und ihm war es sogar noch möglich gewesen, einige Zeit im
Kerker zu verbringen, um die Experimente zu überprüfen und die nächste Fuhre
Hautpflege-Tränke aufzusetzen bevor er in seine Räume und zum Magazin
zurückkehrte.
Hermine war in eins seiner
Bücher vertieft und nicht besonders gesprächig gewesen.
"Wir hatten eine Idee," sagte
Ron schnell. Snape unterdrückte ein Murren. Eine Weasley-Idee war eine
gefährliche Sache. Harry hatte den Anstand, ebenfalls beunruhigt auszusehen,
was zeigte, dass er derselben Meinung war.
"Ich will es nicht wissen,
Ron. Ich bin Schulsprecherin und muss etwas tun, wenn du mir was erzählst. Bist
du sicher, dass du die Konsequenzen tragen willst?"
"Ach, wen stört's?" war Rons
Antwort. "Snape, dieses schmierige Ekelpaket, hat uns heute Morgen so viele
Punkte abgezogen, dass es sowieso keiner merken würde."
Snape zuckte ein wenig bei
Rons beifälligem Kommentar über ihn und knirschte fast mit den Zähnen vor
Frustration, weil er Ron nicht sagen konnte, mit wem er gerade sprach. Zu
wissen, was die Schüler von einem dachten, war eine Sache; es genau ins Gesicht
gesagt zu bekommen, eine andere.
"Komm schon, Hermine", drängte
Harry, "Du weißt, dass wir Ärger kriegen, wenn du nicht mitkommst." emotionale
Erpressung - es funktionierte immer, bei Hermine und jetzt bei Snape. Außerdem
war er sich sicher, dass Hermine nachgeben würde; die zwei Jungs wurden selten ohne
sie gefunden, wenn sie die Regeln brachen, also würde es seltsam aussehen, wenn
er es entschieden ablehnen würde, mit ihnen zu gehen.
Er gab nach. "Was machen wir?"
seufzte er. Ron grinste.
"Es ist die Karte - Harry hat
es geschafft, sie dazu zu bringen, einen neuen Gang zu zeigen, es sieht so aus,
als würde er vom Arithmantikturm losgehen, und wir wollten nachsehen, ob er zu
irgendwas Interessantem führt."
Kopfschüttelnd folgte Snape
den beiden Jungs, als sie sich zum Gehen wandten und den Raum verließen. Ron
warf einen Blick über die Schulter um zu sehen, ob Snape mitkam. Das tat er,
unfreiwillig. Er wusste genau, welchen Gang Ron meinte, und er führte zu nichts
Interessantem - er mündete einfach bei den Gewächshäusern. Er hatte keine
Ahnung, warum es eine Verbindung zwischen dem Arithmantikturm und den
Gewächshäusern gab, aber Hermine würde wahrscheinlich nicht einmal vom
Geheimgang wissen - also musste er ruhig sein und ihnen folgen, und ihnen nicht
sagen, dass sie ihre Zeit verschwendeten.
Es war spät - der
Gemeinschaftsraum war leer, und die Stille zeigte, dass alle jüngeren Schüler
und der größte Teil der älteren schliefen. Was natürlich hieß, dass sie gerade
einige Regeln brachen, als sie aus dem Gryffindorturm schlichen. Irgendwie
hatte Snape das Gefühl, dass es keinen Sinn hätte zu überprüfen, ob die Jungs
das wussten. Potter und Weasley achteten auf Regeln genauso wenig wie auf alles
andere - außer Quidditch.
Die Fette Dame klappte mit
nichts außer einem ‚Pff' der Missbilligung zur Seite - sie war die nächtlichen
Ausflüge der Jungs schon gewöhnt - und schlichen die Gänge entlang, versteckt
unter Harrys Tarnumhang.
Die Schule bei Nacht war
ziemlich unheimlich, voll mit dunklen Schatten und unerklärlichen Geräuschen.
Snape hatte genug Zeit damit verbracht, in denselben Gängen während seiner
Nachtwachen herumzustreifen, um Schüler genau von dem abzuhalten, was sie
gerade machten, so war er die Schatten und Geräusche gewohnt, aber dennoch, es
aus einer anderen Perspektive zu sehen - ein Fuß kleiner als normal, unter
einem Tarnumhang verborgen und mit dem ziemlich störendem, heftigem Atem von
zwei halberwachsenen Männern in seinem Nacken - ließ alles ungewohnt
erscheinen.
Der Weg zum Turm war relativ
ereignislos - sie waren bei einer Treppe aufgehalten worden und mussten durch
einige Flure im zweiten Stock laufen, aber keine Spur von irgendeinem Lehrer.
Bis sie den Turm erreichten.
Unfähig, einen Zauber unter
dem Umhang auszusprechen, legte Harry ihn ab, um mit seinem Zauberstab auf das
Schlüsselloch zu zielen; Snape hörte ihn Luft holen, um das Schloss zu öffnen,
als eine kalte Stimme sanft durch im Gang hinter ihnen erklang.
"Und was glauben Sie drei, was
Sie zu dieser Nachtschlafenden Zeit hier machen?" Snape hatte gar nicht
gewusst, dass seine Stimme so drohend klingen konnte. Er hätte diese Entdeckung
mehr gewürdigt, wenn er nicht am empfangenden Ende gewesen wäre.
Es stellte sich
heraus, reflektierte Hermine, dass es bedeutend einfacher war, Snape zu sein,
als sie vorerst geglaubt hatte. Sie klappte das Buch zusammen, dass sie las -
ein weiteres Stück seiner anscheinend unerschöpflichen Bibliothek - und starrte
ins Feuer. Im Prinzip, schloss sie, beinhaltete es nicht mehr, als dem Lehrplan
gerecht zu werden, Termine wahrzunehmen und eine schier grenzenlose Kapazität
für den Tee des Direktors zu haben. Dies und bei jeder sich bietenden
Gelegenheit mürrisch und schlecht gelaunt zu sein.
Niemand
belästigte sie mit einem Abend, an dem sie in neue und aufregende Möglichkeiten
die Schulregeln zu brechen mit hineingezogen wurde. Niemand erschien in Tränen
aufgelöst oder wutschnaubend vor ihrer Tür, erwartend, dass sie die Antwort auf
die momentanen Beziehungsprobleme des- oder derjenigen parat hatte. Niemand sah
sie mitleidsheischend an und jammerte "aber Hermine, ich habe das versucht
und es hatte immer noch nicht geklappt". Alles in allem schien
Snapes Leben im Vergleich zu ihrem einige bedeutende Vortzüge zu haben. Es kam
daher mit einer großen Bibliothek, guter Kleidung, einer Apparier-Lizenz und
der Freiheit, zu gehen und zu kommen, wie es ihr beliebte.
Sie übersah
geflissentlich das kleine Problem bezüglich
Denjenigen-Über-Den-Ich-Jetzt-Nicht-Nachdenken-Möchte-Wenn-Es-Dir-Nichts-Ausmacht.
Sie vermisste
noch nicht einmal Harry und Ron so sehr wie sie erwartet hatte. Der
Perspektivenwechsel hatte ihr dahingehend die Augen geöffnet, dass sie immer
sehr am Rande des Trios gestanden hatte; diejenige, die Pläne ausgetüftelt oder
sich als Stimme der Vernunft eingeschaltet hatte. Nicht nur das; obwohl sie
dankbar war, dass die Situation nicht aufgeflogen war, wünschte sie sich fast,
dass Harry oder Ron irgendeinen Kommentar abgegeben hätten. Entweder spielte
Snape sie perfekt oder die Jungs schenkten ihr nicht genug Aufmerksamkeit, um
Veränderungen überhaupt zu bemerken. Sie vermutete letzteres, was sie
verärgerte.
Man würde
meinen, dass deine besten Freunde etwas ahnen würden ...
Nun da sie in
der Position war, eine Gruppe eigenwilliger Teenager im Besitz von allerlei
flüchtigen Substanzen kontrollieren zu müssen, begann sie zu verstehen, wie
ärgerlich ihre lässige Einstellung zu Regeln und Vorschriften sein konnte; was
von ihrem Standpunkt aus belustigend gewagt aussah, erschien aus der Sicht des
Lehrers absolut gefährlich. Ein wenig schuldig vermerkte sie innerlich, im
Unterricht weniger vorlaut zu sein, wenn sie ihren Körper zurück bekommen
hatte.
Natürlich war
sie immer noch der Meinung, dass Snape es mit seiner Behandlung der Jungs übertrieb.
Aber sie fühlte sich nicht annähernd so schlecht dabei, ihnen Hauspunkte
abzuziehen, wie sie es manchmal für angebracht hielt.
In der Tat
verlief ihr Leben in einer erfreulichen Routine. Die Abende mit Snape wurden
richtig angenehm; nicht dass er sehr mitteilungsbedürftig war, er war damit
zufrieden, in Form eines Zaubertranks die Antwort zur Unfallrekonstruktion zu
finden, sie sich selbst überlassend, bis er etwas Bestimmtes wollte. Was ihr
die Möglichkeit gab, ihn über ihr Buch hinweg verstohlen zu beobachten.
Es bestand kein
Zweifel darüber, dass es immer noch ein bisschen seltsam war, sich selbst
zwischen den Kesseln bewegen zu sehen, geschickt und beinahe improvisierend mit
den Zutaten umgehend, gewohnt und selbstsicher. Sie war sich sicher, dass es
ihr nie so leicht von der Hand gegangen war, als ihr eigener Verstand die
Kontrolle hatte. Je mehr sie beobachtete, desto mehr bekam sie den Eindruck,
dass sie Verhaltensweisen und Bewegungen wahrnahm, die mehr von seinem Verstand
als von ihrem Körper stammten. Tatsächlich gebrauchte er ihn anders als
sie, folgerte sie, beschließend, nicht zu sehr die Tatsache zu hinterfragen,
dass sie die Nebeneinanderstellung recht reizvoll fand.
Heute Abend
schien sich seine Aufmerksamkeit einerseits auf die Reaktion getrockneter
Nesselblätter mit gemahlenem Hirschkäferpanzer und noch auf etwas anderes zu
richten. Selbstverständlich vermochte Snape es nur zu gut, zwei oder sogar noch
mehr Experimente gleichzeitig laufen zu haben, doch sie hatte Dämpfe, die dem
kleineren Kessel entwichen waren, aufgefangen und sie waren ... nun ja ...
parfümiert gewesen. Sie hatte ihn nicht direkt darauf angesprochen, da sie ihn
nicht hatte stören und sich selbst nicht die Möglichkeit hatte nehmen wollen,
ihn beim Arbeiten zu beobachten, aber der verlockende Geruch verweilte in ihrer
Erinnerung.
Nun ja, genau
genommen war es ihr Reich. Es gab keinen Grund, wieso sie nicht nachschauen
gehen sollte, was er vorhatte.
Sie legte ihr
Buch zur Seite und nahm sich der komplizierten Reihe von Schutzzaubern an - sie
vermutete, dass er Grund genug hatte, paranoid zu sein - um in den
Arbeitsbereich zu gelangen. Das Käfer-Nessel-Experiment war weggeräumt worden;
eine weitere Sackgasse, folgerte sie. Er hätte ihr es schnell genug gesagt, wenn
er einen Weg gefunden hätte, dieser Situation vor März zu entfliehen. In dem
anderen Kessel jedoch befand sich eine cremige Substanz. Es war eindeutig die
Quelle des Duftes. Es sah nicht heiß oder giftig aus. Versuchsweise tauchte sie
einen Finger hinein. Als sie ihn herauszog, war er mit einer dicken weißen
Flüssigkeit bedeckt. Sie verrieb sie zwischen ihren Fingern und roch daran. Es
duftete blumig.
Blumig und Snape waren
nicht zwei Worte, die man sehr häufig im selben Satz gebrauchte.
Es roch wie eine
Art Kosmetik.
Kosmetik.
Erinnerungen an
ein zwei Monate zurückliegendes Gespräch kamen in ihr hoch.
In welchem er
ihr gesagt hatte, dass sie in der Lage wäre, Cremes und solcherlei für sich
selbst herzustellen. Ein Gespräch, in dem sie ihm gesagt hatte, dass er das
machen könne, solange es niemand bemerken würde. Sie sah sich erneut den Kessel
an. Nun gut, es gab Kosmetik herstellen und es gab Kosmetik herstellen. Dies
hier reichte aus, um sie ein Jahr lang zu versorgen. Es sah aus, als ob
er sich darauf vorbereitete, das gesamte Gryffindor-Haus zu versorgen, wenn
nicht Hogwarts. Sie schüttelte den Kopf. Wenn man nach seinem Badezimmer gehen
konnte, hatte er keine oder wenig Erfahrung in allem, was über die Grundhygiene
hinausging. Vielleicht überkompensierte er. Sie beschloss, ihn bei Gelegenheit
darauf anzusprechen.
Sie war gerade
dabei zu gehen, als es an der Tür klopfte.
Das ließ sie
auffahren. Es war spät und niemand - wirklich niemand - suchte Professor Snape
auf, wenn es nicht sein musste.
Es stellte sich
heraus, dass der Besucher niemand anders als Professor McGonagall war. Und sie
sah betroffen aus. Sehr betroffen.
"Ah,
Severus, ich dachte mir, dass ich Sie hier finden würde, als Sie nicht in Ihren
Räumen waren."
Hermine hatte
eine leichte Vorahnung. Wenn man davon ausging, was sie über die persönliche
Beziehung zwischen McGonagall und Snape herausgefunden hatte, spürte sie, dass
es unwahrscheinlich war, dass ihre Hauslehrerin den Kerkern unverlangte
nächtliche Besuche abstattete, wenn nicht etwas sehr Schlimmes vorgefallen war.
Sicherlich nicht, um kühle Kommentare über seinen Aufenthaltsort
abzugeben.
Sie suchte nach
der angemessenen Reaktion.
"Was wollen
Sie, Minerva?"
"Dann haben
Sie offensichtlich noch nichts davon gehört?"
Offensichtlich.
"Was
gehört?"
Sie mochte
nicht, wie das Gespräch sich entwickelte. Ihre vorherige Selbstsicherheit über
die Leichtigkeit Snape zu sein begann zu bröckeln.
Minerva McGonagall seufzte.
"Ich
dachte, dass es Ihnen zu Ohren gekommen wäre, unter diesen Umständen."
Welche Umstände?
Hermine musste
ihre Einsilbigkeit nicht simulieren, obwohl sie Besorgnis wie Verärgerung
aussehen ließ.
Die
Gryffindor-Lehrerin sammelte sich.
"Es hat
einen weiteren Todesser-Angriff gegeben."
Oh Gott!
Hermine kämpfte
gegen den Drang an, sichtbar in Panik auszubrechen.
"Wer?"
fragte sie knapp, sich nicht zutrauend, mehr zu sagen. Namen und Gesichter
schwirrten ihr durch den Kopf - ihre Familie, die Weasleys; der Schock ließ sie
im Augenblick vergessen, dass McGonagall sie für Snape hielt.
"Alice
Lacocks Familie."
Sie musste mit
dem Namen kämpfen; bekannt, doch keiner, den sie erwartet hatte zu hören.
"Severus?"
Sie hatte zu
lange geschwiegen. McGonagalls besorgter Einwurf brachte sie nicht wirklich zu ihr
selbst zurück sondern zu der Tatsache, dass von ihr erwartet wurde, jemand
anders zu sein.
"Was ist
passiert?" Sie hoffte, sich durch diese Frage Zeit zu verschaffen.
"Das
Übliche, schätze ich." Die Stimme der Schottin war hart.
"Glücklicherweise scheint das Ministerium eine Vorwarnung erhalten zu
haben. Die Auroren kamen Augenblicke nach den Todessern an und griffen ein.
Amelia Lacock stand unter dem Crucio-Fluch doch überlebte. Sie ist jetzt im St.
Mungo's. Brian Lacock wurde von den Todessern mitgenommen, als sie
disapparierten. Das Ministerium sucht nun nach ihm."
"Ich
verstehe." Sie versuchte erneut, gegen die Panik anzukämpfen.
"Selbstverständlich
werden Sie es dem Mädchen sagen müssen."
Diese Bemerkung
erfasste Hermine wieder mit Schrecken.
Ich? Wieso ich?
Es muss jemand anders geben. Das ist Dumbledores Aufgabe, nicht meine.
"Ich hatte
gedacht, der Direktor ... "
"Albus
wurde früher am Abend dringend ins Ministerium berufen. Es tut mir leid,
Severus und bevor Sie fragen - nein, ich werde mich nicht einmischen. Sie
sollte es von ihrem Hauslehrer erfahren. Sie müssen es einfach hinter sich
bringen." McGonagall klang sehr müde, der kampflustige Ton in ihrer Stimme
war fast verschwunden. "Ihr Großvater wird morgen früh eintreffen und sie
ins St. Mungo's bringen, um ihre Mutter zu besuchen. Im Übrigen ist es besser,
wenn sie hierbleibt. Ich werde Ihnen bescheid geben, falls es weitere
Nachrichten gibt."
Hermine sah zu,
wie die Frau ging und versuchte, nicht ihrem ersten Impuls nachzugeben, in ihr altes
Zimmer zu flüchten und dies ganz einfach Snape zu überlassen. Sie konnte das
nicht; sie konnte das einfach nicht. Sie mussten mit dieser lächerlichen
Scharade aufhören; eine andere Lösung finden. Sie war halb zur Tür heraus, als
ihr die Bedeutung einer anderen Sache, die McGonagall gesagt hatte, klar wurde:
Ich dachte, dass Sie es vielleicht gehört hätten.
Wieso wusste er
es nicht? Wieso hatte er ihr es nicht gesagt?
Sie blieb stehen
und schüttelte den Kopf, versuchend sich Klarheit zu verschaffen. Das war
lächerlich. Sie würde Snape aufsuchen und das war alles. Das wiederholte sie
sich unentwegt, durch die Gänge streifend, ihre Umgebung nicht beachtend, bis
sie vor einer nackten, feuchten Steinwand zum Stillstand kam.
Der Eingang zum
Slytherin-Gemeinschaftsraum.
Nein. Hier
wollte ich nicht hin. Ich war auf dem Weg zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum.
Und doch ...
Sie erinnerte
sich an Alice Lacock. Eine Drittklässlerin aus Slytherin. Ungewöhnlich ruhig.
Ein kleines, schüchternes Mädchen, das eines Tages an Hermines Tür geklopft
hatte und mit der Schulsprecherin über ein persönliches Problem hatte sprechen
wollen. Und seitdem war sie mit Unterbrechungen immer wieder gekommen. Sie
hatte sich andauernd wiederholt, manchmal in peinlichem Schweigen dagesessen,
Hermine aber nie verraten, um was genau es ging.
Wenn sie sich
weigerte, die Vereinbarung weiter zu erfüllen, konnte Snape seine Rolle als
Spion nicht länger ausüben. Wenn er seine Rolle als Spion nicht mehr ausübte,
würde das Ministerium weniger Angriffe aufhalten können. Was bedeutete, dass
weitere Familien wie die Lacocks in Gefahr gerieten und Alice Lacocks Eltern
hätten sterben können. Und dies war ungeachtet der persönlichen Gefahr, in der
sie beide sich dann befänden.
Verdammt!
Sie murmelte das
Passwort und betrat den Gemeinschaftsraum der Slytherins.
Der lange,
niedrige Raum war zu dieser Nachtzeit fast leer, dennoch wurde sie mit einigen
"Guten Abend, Professor Snape"s begrüßt. Sie schaute sich um und
entdeckte Millicent Bulstrode in einer Ecke.
Pansy muss immer
noch irgendwo draußen mit Draco sein, dachte sie mit einem Ausbruch purer
Hermine. Perfekt.
"Miss
Bulstrode", sagte sie ohne sich vom Eingang des Gemeinschaftsraums zu
entfernen. Millicent erschrak sichtlich.
"Ja,
Professor Snape."
"Ich wäre
Ihnen dankbar, wenn Sie in den Schlafraum der Drittklässlerinnen hochgehen und
Miss Lacock zu mir bringen würden. Ich muss in einer dringenden Angelegenheit
mit ihr sprechen."
Millicent
Bulstrode blinzelte einmal und verschwand. Einige stille Minuten später kam sie
mit der verschlafenen Alice Lacock zurück, die gerade so viel Zeit gehabt
hatte, um einen Umhang über ihr Nachthemd zu ziehen.
Los geht´s.
"Danke,
Miss Bulstrode. Miss Lacock, ich muss mit Ihnen unter vier Augen sprechen. Würden
Sie mir in mein Büro folgen?" Die Augen des Mädchens weiteten sich vor
Bestürzung und noch etwas anderem, doch Hermine hatte weder die Zeit noch die
Aufmerksamkeit, dies zu analysieren. Unterwürfig folgte Alice Hermine durch die
Korridore.
Als sie schließlich
im Büro ankamen, stellte Hermine fest, dass sie nicht wusste, wie sie anfangen
sollte; sie hatte keine Ahnung, wie Snape damit umgehen würde. Sie bezweifelte,
dass er Albus Dumbledores heiße Schokolade und Mitleid anbieten würde.
Andererseits konnte sie sich nicht vorstellen, dass selbst er sagen
würde "Todesser haben Ihre Familie angegriffen, Ihre Mutter ist verletzt,
Ihr Vater ist verschwunden, ich hoffe Sie liefern deshalb Ihre
Zaubertränke-Hausaufgaben nicht zu spät ab."
Das Mädchen sah
sie an, mit blassem Gesicht, mit vom Schlafen verwuschelten Haaren und wartend,
dass sie etwas sagen würde.
Verdammt. Das
war einfach nicht fair.