DAS FEUER UND DIE ROSE
(THE FIRE AND THE ROSE)


von Metro Vampire und Rhosymedre


Übersetzung: Chrissstine, Faris-Eirin, Emi, Alex, Serpentina, Anna ...

Die Originalstory ist auf www.potions-master.com zu finden. Vielen Dank, dass wir die Story übersetzen dürfen.

Feedback: Anne und Abby




Teil 16 - 24



16

 

16. Eifersucht ist all der Spaß von dem du denkst, dass sie ihn hatten

 

Severus musste ein Grinsen unterdrücken als er die rigoros geköpften Rosen auf dem Weg zu Kräuterkunde sah; der Ball war furchterregend gewesen, aber im Großen und Ganzen hätte es erheblich schlimmer sein können. Hermine schien etwas mehr gelitten zu haben als er - aber er war auch nicht gezwungen gewesen, mit Hyazinth Hooch zu tanzen.

Lavender und Parvati waren schnell im Verbreiten der Nachricht, dass ‚Hermine' bereit war, das Zeug, das ihr Haar und ihre Haut verbessert hatte, unter die Leute zu bringen und so verbrachte er den halben Abend belagert von, wie es schien, allen weiblichen Schülern - was eine wirklich seltsames Gefühl war. Wenn es ihn gekümmert hätte, hätte er sich vielleicht darüber gefreut; aber so wie die Dinge lagen, entschied er, es einfach nur zu tolerieren, mit der Gewissheit, dass das alles nur dazu beitragen konnte, für Hermine gehalten zu werden. In Wahrheit würde es langwierig und störend sein, Schöhnheitstränke auszuteilen, während er an den laufenden Experimenten arbeitete, die aufdecken sollten, aus was Longbottoms wundersamer Körpertausch-Trank bestanden hatte. Hermine hatte diesen Titel an einem ihrer weniger erfolgreichen Abende erfunden - während sie das Klassenzimmer vom Schaden eines ziemlich spektakulär schiefgegangenen Trankes bereinigten.

 

Kräuterkunde ging mit der gewöhnlichen Muße vorüber, mit wenig Aufmerksamkeit seitens Snape - die praktischen Elemente der Kräuterkunde waren etwas, das er mit Links beherrschte, nach Jahren des Benutzens der wenigen auf Pflanzen basierenden Zutaten, die für Tränke gebraucht wurden; und der heutige Unterricht ging hauptsächlich über Schneide- und Stechtechniken; sie sollten auch einen Dünger nach einem Rezept von Sprout machen. Longbottom, natürlich, hatte ihn vor allen anderen perfekt gemischt und verteilt.

Wie in Merlins Namen konnte der Junge bei jedem Rezept, das Sprout sich ausdachte, herstellen und gleichzeitig so ein kompletter Trampel im Zaubertränkeunterricht sein?

Die interessanteste Nachricht, die er während des Unterrichts mitbekam, hatte allerdings nichts mit Kräuterkunde zu tun; es war das Gerücht, dass Hooch ihrem eigenen energischen Tanzstil zum Opfer gefallen war. Harry war irgendwie daran interessiert, dass das nächste Spiel - gegen Slytherin - abgesagt wurde. Snape hoffte, dass es das würde; für Gryffindor zu jubeln würde doch den Kessel zum Überlaufen bringen.

 

Das Gerücht war wahr; Hermine fand ihn nach dem Mittagessen, sich im Gang auf ihn herfallend, seine schweren Roben um sich.

 

"Miss Granger, auf ein Wort." Sie sprach kalt und die wenigen Schüler um sie herum wichen zurück und wunderten sich offensichtlich, was der Zaubertrankprofessor für die Schulsprecherin auf Lager hatte. Sie wären überrascht gewesen herauszufinden, dass alles was er auf Lager hatte, ausbrechende, kaum zu unterdrückende Panik war. Sie hatten kaum seine Kerkerräume erreicht, als sie anfing im Flur auf und ab zu laufen .

 

"Professor Hooch ist...verletzt," sagte sie, "anscheinend stolperte sie gestern während sie tanzte - ich kann nicht sagen, dass mich das überrascht - und Madam Pomfrey scheint zu glauben, dass es eine Woche oder so dauert sie zu heilen." Sie knurrte fast, als sie hin und her ging. Snape lehnte sich gegen die Tür und verschränkte die Arme. Er hatte mehr oder weniger Dreh heraus, wie er es machen musste, obwohl er ein wenig bestürzt war von der plötzlichen Aufmerksamkeit die er anscheinend von den Jungs erhielt wenn er das tat.

Es war ja nicht so, dass er Dekolletee zeigen würde ...

 

"Ich kann nicht glauben, dass es eine Woche heilen muss - egal, was es ist; sogar Harrys Arm war über nacht wieder hergestellt, als dieser Idiot Lockhart den Heilspruch verpfuschte. Es muss persönlich sein. Ich weiß nicht, was ich gestern zu ihr gesagt habe, aber sie macht das mit Absicht, ich weiß -"

 

"Miss Granger." Snape unterbrach Hermines Gemurmel. Er war fast schon daran gewöhnt, sie mit ihrem Vornamen anzusprechen; ihre Bitte vor einigen Tagen war nach all dem nicht völlig unvernünftig. Aber es schien ein besserer Weg zu sein, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen - und es half. Sie hielt inne und wirbelte herum.

 

"Was?" fragte sie, und seufzte dann. "Entschuldigung, was wollten Sie sagen, Professor?"

 

Snape beobachtete sie für einen Moment, bevor er sprach; er hätte es vorgezogen, wenn sie vergessen würde, so höflich zu sein. Es war sonderbar die Unterwürfigkeit in seiner Stimme zu hören und in seiner Körperhaltung zu sehen.

"Es macht nicht viel Sinn, was Sie erzählen, Miss Granger; hören Sie auf, alles so persönlich zu nehmen - es ist keine große Sache. Wir haben den Ball überlebt." Er machte eine Pause, aber sie schien an diesem Nachmittag nicht in der Stimmung für seine Art von Humor zu sein. "Was genau veranlasst Sie zu glauben, dass es ein persönlicher Angriff ist? Professor Hoochs Verletzung? Das war etwas, das passieren musste. Und ich glaube kaum, dass Madam Pomfrey die Heilung einer Person verzögern würde, nur um mich zu ärgern - sie ist zu sehr auf meine Tränke angewiesen. Könnten Sie vielleicht ein wenig...nun präziser sein?"

 

Hermine nickte ihm zu. "Ich muss im nächsten Spiel Schiedsrichter machen - der Direktor und Professor McGonagall glauben, dass es nicht besonders förderlich wäre, das Spiel abzusagen, besonders weil Gryffindor gegen Slytherin nicht das die freundschaftlichste Partie ist. Also, weil Hooch nicht kann -"

 

Als der einzig qualifizierte Schiedsrichter im Kollegium müssen Sie es tun. Was für ein Problem gibt es?" fragte Snape verwirrt.

 

Hermine lachte, ein leiser, krächzender Laut, ohne Humor oder ähnlichem und mit mehr, als nur einem Hauch von Verzweiflung. Er hatte bis jetzt nicht einmal gewusst, dass er zu so einem Laut fähig war. "Treffen Sie Ihre Wahl. Kein Wissen über Quidditch oder nicht das geringste Geschick im Umgang mit einem Besen; was ist Ihnen lieber?"

 

"Sie übertreiben Hermine. Sie sind die beste Freundin des gryffindorschen Suchers und Sie haben wahrscheinlich schon lange mit dem Zählen der Quidditchspiele aufgehört, die Sie alle in den letzten sechs Jahren gesehen haben - Sie wissen mehr als Sie denken. Und in den letzten fünf Jahren hatten sie mindestens einmal pro Woche Flugunterricht. Zwar hatten sie seit den ZAGs keine -" Hermine unterbrach ihn.

 

"Gut - ich habe das absolute Grundwissen, aber keinesfalls genug um ein Spiel zu leiten. Alles was Harry will sind Glückwünsche - die Spielanalyse und das alles hebt er sich für Ron auf, weil er weiß, dass es mich nicht im Geringsten interessiert," schrie Hermine, in ihrem Nacken pulsierte eine Ader. Snape beobachtete es verwirrt. Er hatte niemals bemerkt, dass er das tat. Sie holte tief Luft, offensichtlich, um sich zu beruhigen. "Was fliegen angeht, nur weil ich Unterricht hatte, heißt das nicht, dass ich es besonders gut kann. Ich war unglaublich froh, diese besondere Tortur so schnell wie möglich loszuwerden.

 

Snape fühlte, wie sich neue Kopfschmerzen formten. "In diesem Fall," murmelte er, "werden wir mit unseren Experimenten nicht weiterkommen. Also gut, da kann man nichts machen. Sie müssen es lernen." "In einer Woche?!" antwortete Hermine, mit einer Stimme, die all den Unglauben ausdrückte, den er fühlte.

 

"Das ist alles, was wir haben, ich schlage vor, wir machen das Beste daraus. Wir werden diesen Abend üben - das Feld ist weit genug vom Schloss entfernt, um nicht beobachtet zu werden. Zum Glück sind Sie Schulsprecherin, so sollte es ohne viele Probleme gehen sollte ich ohne große Probleme rausgehen können. Also gut, neun Uhr heute Abend auf dem Feld. In der Zwischenzeit, schlage ich vor, Sie lesen..." Snape ging hinüber zu den Bücherregalen und suchte, dann zog er ein dünnes Buch heraus, "das." Er warf es zu Hermine, die es leicht fing und es fragend ansah.

 

"Der Quidditchführer für Bluffer?" las sie laut den Titel.

 

"Es wird Ihnen genug beibringen, um einigermaßen überzeugend zu schwindeln, was alles ist, worauf wir hoffen können, denke ich."

 

Snape verbrachte den Nachmittag damit, einen gedanklichen Zeitplan für die Flugstunden auszuarbeiten - einen Schnellkurs. Er vermied es ihn einen Crash-Kurs zu nennen; sie hatten schon genug damit zu tun, ohne auch noch abergläubische Theatralik mitmischen zu lassen. Seine Verwirrung war offensichtlich, als er in der Bücherei saß, seinen Kopf in Bücher vergraben. Das war kein ungewöhnlicher Platz oder Position für Hermine und er wurde größtenteils allein gelassen. Nur zwei Ravenclaws störten ihn, jede mit einer Bestellung für seine nächste Runde Hautpflegetrank.

 

Um 9 Uhr war er auf dem Spielfeld; die Nacht kam und er sandte einen Kreis aus Feuerbällen mit einem kurzen Spruch in die Luft, so abgeschirmt, dass sie vom Schloss aus nicht gesehen werden konnten. Er hatte auch das Feld mit einem Spruch belegt, der die Aufmerksamkeit ablenkte und so jeden, der zufällig aus einem Fenster schauen sollte und den beleuchteten Platz bemerkte, dazu brachte das alles ganz schnell wieder zu vergessen, bevor derjenige seine Entdeckung weitererzählen konnte. Es würde Dumbledore nicht täuschen, aber jedes andere Mitglied des Personals und der Schüler.

Hermine erschien etwa eine Minute zu spät; immer noch den "Quidditchführer für Bluffer" in den Händen. Die Panik hatte sie immer noch nicht verlassen, wie ihre ersten Worte zeigten.

 

"Es gibt über 700 Fouls, wie in Gottes Namen soll ich die alle in einer Woche lernen?" jammerte sie; der Ton passte ganz und gar nicht zu seiner Stimme.

"Sollen Sie auch nicht." Sagte Snape scharf. "Es gibt keine veröffentlichte Liste und nicht einmal Hooch kennt alle 700; ich bestimmt auch nicht und Sie können sicher sein, dass das auch keiner der Spieler tut, lernen Sie nur die naheliegendsten - das Buch hat Bilder, Sie sollten also die Möglichkeit besitzen, den Erklärungen zu folgen - und achten Sie am meisten darauf, dass sie nicht die Spielfeldgrenze überfliegen, sich nicht aneinander festhalten und ihre Zauberstäbe benutzen. Letzteres ist sowieso der Grund für neunzig Prozent aller Fouls."

Nach dieser Nachricht sah Hermine ein wenig ruhiger aus, war aber immer noch besorgt.

"Das sind immer noch 70 Fouls..."

Snape schüttelte den Kopf, während er in den Himmel starrte und die letzten Reste seiner Geduld sammelte. Er würde nur zu gern seine Ruhe verlieren, aber im Großen und Ganzen, dachte er, würde es schneller vorbei sein, wenn er sich beherrschte.

"Miss Granger," er konnte die Schärfe nicht ganz aus seiner Stimme herausnehmen und ihr Kopf flog herum, "so lange Sie Flacken, Keilen, Kollern, Schubsen, Pfeffern, Quaffelpicken, Rempeln, Schnatzeln, Stutschen und Rockeln erkennen können, ist es gut. Lernen Sie das und Sie werden mehr wissen als diese Kleinkinder es je tun oder vorführen werden. Und merken Sie sich, dass sie nicht wissen, dass der Schiedsrichter Hermine Granger ist. Ich habe lange und hart an meinem Ruf gearbeitet und Sie haben es - bis jetzt - noch nicht geschafft ihn zu zerstören. Ich schlage vor, Sie nutzen das als Vorteil."

 

Hermine hatte im Buch geblättert, als er die 10 bekanntesten Fouls aufzählte - anscheinend um sie zu finden, wie er sie erwähnte. Jetzt blickte sie auf und ihr Gesichtsausdruck sagte ihm, dass sie endlich verstanden hatte, dass die Teams den Meister der Zaubertränke nicht als Schiedsrichter auf die Probe stellen würden; sogar die Slytherins würden so etwas - nicht mehr als einmal - ausprobieren.

 

"Jetzt das Fliegen. Steigen Sie auf den Besen und drehen eine Runde ums Feld, so, dass ich sehen kann, womit wir es zu tun haben."

 

Hermine gab ihm das Buch und stellte sich neben den Besen, den er für sie mitgebracht hatte - sein Nimbus 1700. Nicht das neueste Modell, aber für seine Zwecke ausreichend. Er hörte sie zögernd murmeln "Hoch" und sah sie erschrecken, als der Besen in ihre Hand sprang. Sie stieg mutig auf, drückte sich vom Boden ab und flog ums Feld - langsam zuerst, dann mit immer mehr Geschwindigkeit.

Sie landete ein wenig später genau vor ihm, den Besen auffangend bevor er auf den Boden fallen konnte.

"Miss Granger, wenn Sie aufhören würden so perfekt sein zu wollen, würden Sie das Leben ein wenig leichter finden. Ich würde nicht sagen, dass Sie ein ernsthaftes Problem mit der Fliegerei haben - Ihre Technik muss vor dem Spiel noch ein wenig verbessert werden, aber Sie sind nicht ganz so unfähig, wie Sie behauptet haben."

Hermine sah verwirrt aus, als sie landete und antwortete langsam. "Ich denke...Ich denke Ihr Körper hat etwas damit zu tun. Ich bin noch nie so geflogen wie gerade eben, in meinem ganzen Leben nicht; es ist so, als ob mein Körper weiß, was er zu tun hat - ich habe bestimmt nicht diesen Flug kommandiert."

Snape dachte für einen Moment darüber nach, dann nickte er.

"Sehr wahrscheinlich. Seien Sie froh über solche Kleinigkeiten - und üben Sie weiter. Mein Körper weiß, was zu tun ist, aber Ihr Kopf braucht Übung."

 

 

 

 

17. Auf welcher Seite sind Sie eigentlich, Schiri?

 

Wenn irgend jemand etwas von den nächtlichen Ausflügen von Professor Snape bemerkt haben sollte, hatte er es nicht für nötig befunden, eine Bemerkung darüber zu machen.

Hermine hatte eine vorübergehende Besorgnis wegen Argus Filch erübrigen können, der sich und Snape als die letzte Bastion gegen die massenhafte Zügellosigkeit der Schüler in den Gängen betrachtete. Sie war sogar soweit gegangen, einen gedanklichen Plan für einige mitternächtliche Ausflüge zu machen, nur um mögliche Verdächtigungen zu zerstreuen, die er vielleicht hegte. Jedoch, die zusätzlichen Flugstunden in ihrem schon vorher nervenaufreibend vollen Stundenplan, gaben ihr den Rest, was einfach nur hieß, dass sie ihre Nächte in so tiefer Bewusstlosigkeit verbrachte, wie es nur möglich war. Rückblickend erschien ihr die Erfahrung mit dem Zeitumkehrer im dritten Jahr sehr viel erholsamer.

Die Kombination von Snapes Muskelerinnerung und einem Besen, der etwas besser ausbalanciert war als die normalen Schulmodelle, machte die übliche Qual ein bisschen weniger schlimm als sie befürchtet hatte. Snape war nicht besonders geduldig mit ihr, aber er hatte einen Kniff, die Bewegungen verständlich zu erklären und sein Körper war ein wenig erfahrener darin die Befehle auszuführen als ihr Eigener. Was auch nur gerecht war, wenn man darüber nachdachte; er sollte schließlich wissen, was sein Körper konnte.

Es gab sogar Momente, in denen sie Harrys und Rons Begeisterung verstehen konnte. Jedoch überwogen die Zeiten, in denen ihr Magen Saltos machte, wenn ihr klar wurde, dass sie nicht bloß das Fliegen meistern, sondern auch noch auf vierzehn andere Menschen achten musste, die sich alle in verschiedene Richtungen bewegten; mindestens die Hälfte von ihnen würden es darauf anlegen, der anderen Hälfte langfristigen Schaden zuzufügen.

Im Moment lag sie in der Badewanne, weichte ihren müden Körper ein und versuchte so viel vom Quidditchführer für Bluffer zu lernen, wie nur möglich, bevor sie aufgeben und ins Bett gehen musste. Sie gewöhnte sich langsam an den langen, mageren Männerkörper, der sich vor ihr im Wasser streckte und auf ihn achtzugeben war auch längst nicht mehr ein Anlass für Verlegenheit. Sie hatte sich auch seit einer Weile nicht mehr beim Rasieren geschnitten.

Und was die anderen Teile ihres Körpers betraf...Sie hatte entdeckt, dass Snape überraschend oft mit einer Erektion aufwachte. Oder zumindest nahm sie an, dass es überraschend oft war. Es war ja nicht so, dachte sie, als ob sie ausreichend Erfahrung in solchen Dingen hatte, um einen Vergleich anstellen zu können. Und sie hatte herausgefunden, dass eine kalte Dusche zweifellos effektiv war, die Alternative damit fertig zu werden jedoch beträchtlich mehr Freude machte, nicht zu erwähnen, dass es nicht so ein traumatisches Erlebnis am frühen Morgen war.

Sie bewegte sich ein wenig im Wasser und merkte, dass es langsam kalt wurde. Sie klappte das Buch zu und zog sich tropfend aus dem Wasser. Sie griff sich ein Handtuch und begann sich zerstreut abzutrocknen, darüber nachdenkend, ob es irgendeine Chance gab, dass das nächste Spiel das war, in dem Harry entschied, Roderick Plumpton zu übertreffen und den Schnatz in dreieinhalb Sekunden zu fangen. Pro: Harry würde wieder einmal in die Geschichte eingehen und ihr würde es erspart bleiben, sich selbst zum Idioten zu machen - und Snape, musste sie gnädigerweise hinzufügen. Kontra: nein, im Moment fiel ihr nichts ein. Was hieß, dass es unwahrscheinlich war, dass sie soviel Glück haben würde. Sie rubbelte den Rest Wasser ab und legte das Handtuch für die Hauselfen zur Seite, damit sie sie sich dessen annehmen konnten. Nackt tapste sie ins Schlafzimmer, mit schmerzenden, auf sich aufmerksam machenden Muskeln. Es war so, weil sie sich nicht entspannte - sagte Snape.

Wenn Sie sich nur entspannen würden, Miss Granger, würden Sie bemerken, dass Ihr Körper seinen eigenen Schwerpunkt findet. Wenn Sie ständig dagegen ankämpfen, werden Sie umfallen. Der Schmerz in ihrer linken Hüfte bestätigte diese Aussage. Nicht zu erwähnen, dass er genügend verärgert war, um sie Miss Granger zu nennen. Gähnend suchte sie eine frische Boxershort heraus, zog sie an und schlüpfte ins Bett, sich selbst immer wieder sagend, dass sie das durchstehen würde.

 

@@@@

 

Hermine wachte am Morgen des Spiels auf, bemerkte aber, dass der größte Teil ihres Vertrauens verschwunden war. Zu erregt um etwas anderes zu tun als sich anzuziehen und eine Tasse schwarzen Kaffee hinunter zuschütten - ein Getränk, das sie mit einigem Enthusiasmus trank -stolzierte sie zum Labor und lief im Raum auf und ab während sie auf Snape wartete. Als er endlich durch die Tür trat, ermutigte sie sein Gesichtsausdruck nicht im Mindesten, ihre Befürchtungen mit ihm zu teilen. Sie vermutete, dass er durch und durch ein Opfer der Potter/Weasley "Vor-dem-Spiel-Hysterie, einschließlich schiefer Sprechchöre, unartikuliertes Rufen und ein wirklich angst machende Meinung über Slytherin. Sogar sie, als eine Gryffindor, fand es ein wenig viel. Sie konnte nur Vermutungen über die Reaktion des Hauslehrers von Slytherin anstellen.

Die Büchertasche landete mit einem vielsagenden Plumps auf der Werkbank und Snape ging hinüber zu den übernacht stehengelassenen Kesseln.

"Sollen wir anfangen?" sagte er in einem Ton der zeigte, dass das keine Frage war. Hermine nickte nur. Anfangs war sie froh, etwas zu tun zu haben und hoffte, es würde sie vom näherkommenden Spiel ablenken. Aber das tat es nicht. Tatsächlich hatte sie heute morgen irritierend wenig zu tun, sodass sie ruhelos auf und ab lief und sich Regeln und Fouls ins Gedächtnis rief. Sie fühlte, wie eine neue Welle von Kopfschmerzen begann auf sie los zu rollen und fühlte ein nagendes Verlangen nach irgendwas Süßem. Sie glaubte nicht, dass sie mit einem Ausflug in die Küche davonkommen würde. Ihr Magen zog sich zusammen und ihr Schritt wurde energischer.

Die Sache gipfelte in einem Gedanken an einen doppelten, achtfachen Looping. Snapes Stimme unterbrach abrupt ihre Gedankengänge.

"In Merlins Namen, Miss Granger, hören Sie auf, wie ein aufgescheuchtes Huhn herumzuflattern."

Sie stoppte.

"'Tschuldigung."

Er seufzte tief auf.

"Ist es wegen heute nachmittag?"

Sie nickte, und versuchte sich nicht auf die Lippe zu beißen.

"Ich versichere Ihnen, dass das alles nicht so schlimm wird. Ihre Flugkünste werden ausreichend sein. Ich zweifle nicht daran, dass Ihr Regelwissen genügen wird. Es gibt wichtigere Dinge, auf die wir uns konzentrieren müssen."

Nun, das war einfach zu sagen für ihn. Er musste ja nicht da raus gehen.

"Ich kann an nichts anderes denken," sagte sie und versuchte nicht so jämmerlich zu klingen, wie sie sich fühlte. Seinem Gesichtsausdruck nach, hatte sie kläglich versagt.

"Also gut," sagte er ungeduldig, "wenn Sie nicht still halten können, seien Sie bitte so nett und gehen woanders hin, bevor Sie in Ihrer Panik noch etwas umstoßen und Mr. Longbottoms einzige Leistung in Zaubertränke noch weiter komplizieren."

Wo konnte sie hingehen? Sie konnte nur in seine Räume zurück und sie dachte nicht, dass sie das unbedingt beruhigen würde. Sie sprach diesen Gedanken aus, bevor ihr einfiel, dass es ihn eigentlich nicht interessierte.

Das tat es nicht.

"Miss Granger, wie soll ich wissen, was Sie beruhigt?" seufzte er. "Was wollen Sie machen?"

Sie dachte nach.

Eis essen. Ganz bestimmtes Eis. Haagen-Dazs Eiscreme. Im Häagen-Dazs Cafe am Leicester Square. Keine besonders praktische Idee.

Snape schien dem nicht zuzustimmen.

"Nun, wenn es das ist, was Sie wollen, dann machen Sie's doch."

"Entschuldigen Sie, Professor," sagte sie scharf, "aber wie genau soll ich das machen?"

Sie starrte ihn wütend an. Die Situation war schon schlimm genug, ohne von ihm geärgert zu werden. "Es ist ja nicht so, als könnte ich einfach apparieren, oder?"

Er sah sie fest an.

Er konnte doch nicht ernsthaft vorschlagen, dass sie...

"Ich nehme an, Sie haben die Technik studiert."

Er meinte es wirklich.

"Ja," sagte sie vorsichtig, "aber ich habe keine Lizenz."

"Nein," sagte er übertrieben geduldig, "aber ich. Und wenn es dafür sorgt, dass ich für den Rest des Morgens nicht mehr von Ihnen genervt werde und Ihnen hilft, diese unaufhörlichen Panikattacken unter Kontrolle zu bringen, ist es ein geringes Opfer."

Sie war sprachlos.

"Folgen Sie dem Weg nach Hogsmeade. Wenn Sie die Schlossgrenze überschritten haben, halten sie sich links und Sie werden einen geschützten Platz zum Apparieren finden. Muggelgeld ist in der linken oberen Kommodenschublade im Wohnzimmer." Seine Augenbraue wölbte sich als sie sich abmühte, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu bekommen.

"Ich bin nicht mit einem Zauber ans Schloss gebunden, Miss Granger. Sogar ich besuche hin und wieder die Außenwelt. Wenn Sie um zwei Uhr noch nicht wieder da sind, informiere ich den Direktor und versuchen Sie, sich nicht aufzuteilen während Sie meinen Körper benutzen. Und jetzt verschwinden Sie endlich."

 

@@@

 

Das musste er ihr nicht zweimal sagen. Sie flüchtete zurück in seine Räume, hastig in der Kommode nach dem Geld suchend. Zu ihrer Überraschung war es ein beträchtlicher Vorrat. Sie zog ein paar Scheine und ein wenig Wechselgeld heraus. Ihre Ehrlichkeit zwang sie, eine gekritzelte Notiz über den Betrag dazulassen, damit sie ihn später zurückzahlen konnte. Sie war kurz davor zu gehen, als ihr auffiel, dass sie nicht wie in der Winkelgasse ihren schwarzen Umhang anlassen konnte. Sie nahm an, dass das hieß, dass sie etwas verwandeln musste. Sie ging ins Schlafzimmer und wühlte sich durch die Schubladen der Kommode. Da Snape voraussehbare Gewohnheiten in Sachen Kleidung hatte, hatte sie es nicht für nötig befunden, nach mehr als Alltagskleidung zu suchen. Sie bezweifelte, dass sie mehr finden würde, aber sie konnte trotzdem nachsehen.

Die erste Schublade, die sie durchsuchte, enthielt die angemessene Standardkollektion männlicher Dinge. Nichts, dass ihr unter diesen Umständen helfen würde. Mit wenig Hoffnung zog sie die Schublade darunter auf - und war zum zweiten Mal an diesem Tag sprachlos.

Mit vorsichtigen, um nicht zu sagen ungläubigen, Bewegungen zog sie eine bedeutsame Menge schwarzen Denim heraus. Sie hielt es hoch, der Verstand konnte noch nicht akzeptieren, was die Augen sahen. Jeans. Eng geschnitten, Knopfleiste vorn, gestempeltes Label mit drei Nummern - 5 0 1. Sehr schön. Sie schüttelte den Kopf.

So, so, so, Professor. Noch mehr Überraschungen.

Sie warf sich aufs Bett. Ein erneutes Abtauchen in die Schublade brachte sie in Kontakt mit etwas sehr Weichem. Sie zog schließlich daran, um einen Muggelpullover zu enthüllen; schwarz natürlich, und Kaschmir - auch natürlich, dachte sie. Also, das löste das Problem, was sie anziehen sollte. Schnell streifte sie ihre Roben ab und ersetzte sie durch die Jeans und den Pulli. Die Muggelklamotten umrissen ihren Körper so, wie es ihr Umhang definitiv nicht tat.

Schön, dachte sie wieder. Sehr schön. Eine Durchsuchung ihres Kleiderschrankes förderte eine gut geschnittene Lederjacke zutage - schwarz natürlich. Hermine sah auf die Marke. Armani. Niemand konnte Professor Snape vorwerfen, dass er nicht ein Auge für Qualität hat, dachte sie ungezogen. Sie fragte sich, was noch alles in seinen Schränken versteckt war; der plötzliche Einblick in seinen Geschmack für gute Muggelkleidung hatte unerklärlicherweise ihr Herz höher schlagen lassen.

Ein finsteres Gesicht erzwingend, hüllte sie sich in ihren Umhang um die Muggelkleidung zu verstecken und verließ das Schloss.

 

@@@

 

Eine halbe Stunde später saß sie im Leicester Square und schleckte sich ihren Weg durch eine Portion Eis, bestehend aus Belgischer Schokolade, Pralinencreme und Macademia Nussstücken, übergossen mit heißer Schokoladensoße, Schlagsahne und Schokoladenstücken. Als sie darüber nachdachte, realisierte sie, dass er, obwohl er ziemlich grob mit ihr gewesen war, ihr nicht nur erlaubt hatte mit seiner Lizenz zu apparieren - was ihn in ernsthafte Schwierigkeiten bringen konnte - sondern auch für sie bezahlt hatte, damit sie hier sein konnte. Im Moment - in sicherer Entfernung von Hogwarts - mochte sie diesen Mann fast.

 

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Zurück in Hogwarts auf Snapes Besen sitzend, in der Mitte des Quidditchfeldes, Harry Potter und Draco Malfoy - die beiden Sucher und Teamkapitäne - beobachtend, die sich gegenseitig belauerten, fühlte Hermine sich beträchtlich wenig zu Mildtätigkeit ihm gegenüber verpflichtet. Sie wusste, dass er irgendwo auf den Gryffindorrängen saß; die einzige vage Befriedigung, die sie fühlte war, dass er für Gryffindor jubeln musste, kein Zweifel möglich, dass er neben Neville Longbottom saß. Sie hatte nichts außer der Eiscreme gegessen und die Völle lag ihr nun schwer im Magen, was sie ein wenig matt machte. Für einen Moment dachte sie darüber nach, ob sie aus dieser Sache herauskommen würde, wenn sie eine Krankheit vortäuschte; aber Madam Pomfrey hatte zu viele effektive Mittelchen in ihrem Giftschrank.

Mittelchen für jedes Wehwehchen, außer Hoochs gefährlichem Tanzunfall dachte sie bitter. Sie war immer noch davon überzeugt, dass die Fluglehrerin das mit Absicht gemacht hatte.

Sie versuchte auch die Unterhaltung - wenn man es so nennen konnte - mit Professor McGonagall zu vergessen.

"Ich habe mich beim Direktor aufs Heftigste darüber beschwert, dass ein Hauslehrer ein Spiel leitet, bei dem seine eigene Mannschaft teilnimmt. Ich warne Sie, wenn ich nur das kleinste Anzeichen einer Favorisierung erkenne, werde ich dafür sorgen, dass das Ergebnis nicht gezählt wird." Sie hatte den Grad der offenen Feindseligkeit zwischen ihrer eigenen Hauslehrerin und Snape, die bei solchen Gelegenheiten aufflackerte, nie richtig wahrgenommen.

Jetzt wartete sie darauf, dass alle bereit waren um zu beginnen. Harry schaute zu Draco, der zurückstierte. Sie vermutete, dass sich über ihr Ron - Gryffindortreiber, wie seine Brüder vor ihm - und Ginny - eine der Jägerinnen - in Position begaben. Aus den Augenwinkeln sah sie die kreisenden Slytherinjäger über sich, wie eine grün-silberne Geier. Es war wahrscheinlich zu spät, um sich zu wünschen, dass sie dem Zeremoniell dieser Momente mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Instinktiv schielte sie zur Lehrertribühne. Dumbledore war da; sie konnte seinen Bart schimmern sehen. Sie konnte auch Hooch sehen, die ihren Blick einfing und ihr fröhlich zuwinkte.

Nicht persönlich, wie?

Sie festigte ihren Griff um Snapes Besen, blies scharf in die Pfeife und warf dann den Quaffel in die Luft.

Die Hölle brach los.

Ein Spiel, das schon von der Tribüne aus gefährlich aussah, sah vom Standpunkt eines Schiedsrichters nur noch rücksichtslos und selbstmörderisch aus. Hermine hatte so viel damit zu tun, sich auf die Spieler und darauf, nicht verletzt zu werden zu konzentrieren, dass sie fast ihre Schwierigkeiten beim Fliegen vergaß und was darauf folgte, waren die verwirrendsten zweieinhalb Stunden, die sie je erlebt hatte. Bewegungen, die auf dem Papier so perfekt eindeutig aussahen, wurden im Spiel rücksichtlos umgesetzt, so dass sie, stellvertretend für alle, denjenigen bestrafte, den sie zuletzt etwas tun sah. Mehr als einmal sahen Spieler beider Teams aus, als würden sie die Entscheidungen in Frage stellen. Sogar Draco Malfoy murmelte vor sich hin "auf welcher Seite sind Sie eigentlich...?"

Ron jedoch war der Schlimmste.

"Aber Professor," protestierte er, nachdem sie Slytherin einen Strafwurf zuerkannt hatte, "Malfoy hat Ginny ganz klar festgehalten..."

Sie bezweifelte das nicht, aber sie hatte es einfach nicht gesehen. Sie starrte ihn an.

"Stellen Sie meine Entscheidung in Frage, Mr. Weasley?" Bitte, halt die Klappe, Ron.

Er hatte sich wieder beruhigt, obwohl von den Gryffindorrängen viel Gemecker kam.

Das Fegefeuer brannte weiter.

Und dann geschah das Wunder. Es gab einen riesigen Jubel bei den Gryffindors und sie schaute hinauf, um Harry zu sehen, der den Schnatz in der rechten Hand hielt und Siegesloopings übers ganze Feld machte.

Wenn sie die Energie dazu gehabt hätte, hätte sie auch einen gemacht, nur weil das jetzt vorbei war. Sie war mehr als stolz auf sich, dass sie es schaffte, vom Feld und in ihre Räume zu kommen, bevor ihre Beine anfingen zu schlottern.

 

@@@

 

Später am Abend trafen sie und Snape sich im Labor. Er schaute sie nur an, als sie an seinem Schreibtisch saß, ihre frühere Ruhelosigkeit war gewichen und sie war aufgekratzt.

"Das mach ich nie wieder," sagte sie mit Nachdruck.

Er schnaubte.

"Versuchen Sie Ihren Hang zur Melodramatik einzuschränken, Hermine. Es scheint, dass beide Seiten der Meinung sind, dass dieses Spiel besser von einem blinden, senilen Krüppel geleitet hätte werden können und dass in jeder Spielminute Abseitssituationen übersehen wurden." Er machte eine Pause und Hermine wartete glühend auf seine stechende Kritik. "Und da genau dieses Gespräch nach jedem bekannten Sportereignis geführt wird, kann ich nur sagen, dass Ihre Vorstellung akzeptabel war. Sicherlich ist Professor McGonagall im Moment ekelhaft froh über ihren Sieg." Das Wort ihren troff vor Ironie und Hermine fühlte ihre Mundwinkel in Zustimmung zucken. Sie wusste genau, was er meinte.

Er ging zu den Kesseln, an denen er arbeitete.

"Ich nehme an, der Ausflug nach London heute Morgen war ereignislos." Sie dachte, dass das der Frage, ob es ihr wieder besser ginge, am nächsten kam. Sie bemerkte auch, dass er ihren Vornamen wieder benutzte.

"Ganz und gar nicht aufregend," sagte sie bestätigend und stand auf, um ihm zu helfen.

"Oh und Professor," fügte sie mit einem plötzlichen Impuls von Übermut, "ich muss sagen, dass Ihnen Armani sehr gut steht."

 

 

 

18. Ein Medley aus Improvisationen

 

Der November schritt fort; das Wetter war furchtbar und nicht einmal die interessante Variante von furchtbar - ein Schneesturm wäre eine willkommene Abwechslung zu dem grauen Himmel und dem ewigen Regen gewesen, der die Bewohner im Schloss eingesperrt ließ. Schlechte Laune und Unfug erhoben sich, während sich der Regen draußen auf alles herabsenkte. Snape hatte sich im Sessel beim Feuer in seinen Räumen zusammengerollt; er hatte früher ['zuvor'] einen Stapel einigermaßen interessanter Zeitschriften unter Hermines Bett gefunden und, ehrlich gesagt, waren sie das Einzige, was ihn im Moment bei Vernunft hielt.

Er war - schon wieder - auf der Jagd nach Krummbein gewesen, um sicherzustellen, dass diese Katze ihm nicht in einem Versteck oder anderswo auflauerte. Jeder andere war vollkommen ahnungslos von dem Tausch zwischen ihm und Hermine, nur diese Katze nicht; er argwöhnte, dass Snape den Körper seines Frauchens aus zweifelhaften Gründen übernommen hatte und von Zeit zu Zeit übte er ein paar Attacken auf den Eindringling in seinem Revier aus. Snape wünschte sich nicht zum ersten Mal, dass es einen einfachen Weg gäbe, um Hermine in seine Räume - schön, in Wirklichkeit ihre Räume - zu bringen, ohne eine Entdeckung zu riskieren. Es würde...eine Herausforderung sein, eine Erklärung dafür zu finden, warum der Meister der Zaubertränke die Räume der Schulsprecherin besuchte.

Die Zeitschriften waren ordentlich unter dem Bett verstaut, hinter dem Bettkasten auf einem Stapel abgelegt. Snape hatte schon gedacht, es wäre die Hexenwoche oder etwas anderes Langweiliges und wollte schon die Klappe wieder zufallen lassen, als ihm einige Wörter des obersten Magazins ins Auge fielen.

Sinnebetörender Sex - wie Sie ihn für Stunden in Atem halten!

Es war das Ausrufezeichen, natürlich war es das. Das und selbstverständlich die Neugier in Sachen Muggel. Es gab keine andere Erklärung dafür, dass er das Magazin vom Stapel nahm; es war ganz klar eine Muggelzeitschrift, und er war schon sein ganzes Leben an der Gesellschaft der Muggel interessiert - in jeder Hinsicht. Das war der Grund, nichts anderes.

Snape fragte sich, ob er vollständig überzeugt war. Er nahm an, nicht. Nichtsdestoweniger las er das Magazin am Abend von vorn bis hinten mit einer amüsierten Faszination durch - das Magazin nannte sich selbst "Cosmopolitan", aber Snape dachte, dass es den Begriff ‚international' ganz neu definierte - oder vielleicht meinten die Muggel etwas ganz anderes, wenn sie das Wort benutzten - etwas, das mit Sex, Diäten und Mode zu tun hatte.

Die Mode war eigenartig - Snape fragte sich, warum so viel Wirbel darum gemacht wurde, dass Hexen und Zauberer Muggelkleidung anziehen mussten, wenn sie diese Welt besuchten; es sah so aus, als ob man so ziemlich jede Kleiderkombination tragen konnte und dann als ‚exzentrisch' bezeichnet wurde. Tatsächlich war er ziemlich sicher, dass einige Designer Hexen sein mussten - und von Zaubererkleidung beeinflusst worden waren.

Ein Artikel der Zeitung stellte eine Designerin namens Zandra Rhodes vor; er war sich sicher, sie letzten Sommer in der Winkelgasse bei Madam Malkins gesehen zu haben. Diese pinken Haare waren unverkennbar.

Hexen-Einfluss oder nicht, die Kleidung war seltsam. Snape starrte seine - geborgte- Figur für eine Weile im Spiegel an, sich fragend, warum sich jemand so anziehen würde. Alles in allem hatte Hermine einen überraschend dünnen Körper - das war ein Gedanke, den er so schnell wie möglich wieder vergaß, aber wusste nicht, ob , dass das von den meisten Kleidungsstücken auf den Bildern noch mehr zur Geltung kommen würde. Die kurzen Shirts wären aber eine Möglichkeit...nein, lieber darüber auch nicht nachdenken. Der Verstand eines Mannes im Körper einer Frau konnte die absurdesten, widersprüchlichsten Hormonreaktionen bewirken.

Die Diäten waren genauso seltsam - Muggel wussten augenscheinlich nichts über die Tränke, die den Insulinverbrauch wieder ins Lot bringen würden, was den größten Teil der Gewichtsprobleme verursachte, und sie aßen erschreckend viel Müll, was den anderen Teil auszumachen schien.

Es war wirklich nicht verwunderlich, dass sie Diäten brauchten. Snape fragte sich, ob irgend jemand jemals erfolgreich die Verbote einhalten könnte; allein die Verbote zu lesen, brachte ihn dazu, in Hermines geheimem Schokoladenversteck nachzuschauen. Er machte sich eine gedankliche Notiz, dass er welche besorgen musste, wenn er das nächste Mal nach Hogsmeade kam, es wurde immer klarer, dass sie, wenn sie nicht mehr herausfinden würden, was in Longbottoms gescheitertem Gebräu war, warten mussten, bis die Alraunen ausgewachsen waren, bevor sie wieder normal sein würden, egal, Snape dachte, er sollte seinen Vorrat lieber früher als später auffüllen.

Davon abgesehen, auf das Thema der letzten Woche - Freuden einer Frau - zurückblickend, wurde er wurde er von der medizinischen Wirksamkeit von Schokolade überzeugt - nicht, dass er Überzeugung gebraucht hätte. Er fand es furchtbar, seinen Hormonen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert zu sein; schön, es waren nicht einmal seine, es waren Hermines Hormone. Und sie konnte sie gern zurück haben, vielen Dank auch.

Wenn diese Hormone jedoch nicht gerade Amok liefen, schafften sie eine wunderbare Unterhaltung. Was ihn wieder zum Magazin zurückbrachte; es war...sehr lehrreich. Zumindest mehr, als er noch vor ein paar Monaten erwartet hätte - weil er jetzt jeden Kommentar und Vorschlag von beiden Seiten zu schätzen wusste.

Der Verstand eines Mannes im Körper einer Frau konnte wirklich die erstaunlichsten, widersprüchlichsten Hormonreaktionen bewirken.

Snape schloss das Magazin; er würde es später noch einmal lesen und den Rest des Stapels. Es gab keinen Grund, sich weiter selbst zu belügen. Es war mehr als nur Neugier; seine Gedanken wanderten zurück zu Hermine. Seine erste Reaktion war Überraschung, dass sie so einen Müll las - die Zeitschriften waren mit Sicherheit kein Beispiel für gute Literatur - aber sein Gedanke wurde schnell von einer neuen Erkenntnis verdrängt, dass es eigentlich zu ihrem Charakter passte. Zwei Monate hatten dafür gesorgt, dass er, außer den neuen körperlichen Freuden, auch eine Art von Verständnis für den Verstand entwickelt hatte, der im Moment seinen Körper bevölkerte. Es war schwierig, sie weiter als eine Schülerin, ein Kind zu behandeln. Sie anzusehen, ein Gesicht, das er nur all zu gut kannte, und zu wissen, wie jeder andere sie behandeln würde, sorgten dafür, dass nicht so mit ihr umgehen konnte. Er hatte versucht, sie als eine Schülerin zu anzusehen - es lag nicht in seiner Natur einen Unterschied zu machen - genaugenommen behandelte er jeden, außer dem Direktor, wie einen Schüler - aber wenn er sich nicht gewissenhaft anstrengte, würde er sie als eine ihm Ebenbürtige behandeln. Alles wies darauf hin, dass sie das war, was ihm im Moment einer Ebenbürtigen am Nächsten kam. Snape scheute vor dem ihm sich aufdrängenden Gedanken zurück, dass sie , wenn alles vorbei war, gleichgestellt sein würden. Es gab wenig Hoffnung, dass Hermine den Extremen seines Lebens entkommen würde; er war froh - und ängstlich - dass sie noch nicht gerufen worden war.

Froh, weil es ihr mehr Zeit gab, ihre Rolle zu perfektionieren, obwohl er ihr nie erzählen würde, wie gut sie war und ängstlich, weil je länger Voldemort mit seinem Einberufen wartete, desto schmerzhafter war der unvermeidliche Ruf.

Was hieß, dass die einzige Person, die ihn wirklich verstehen würde, die die Lage seines Lebens kannte, eine 18-jährige Alleswisserin sein würde.

Schicksal war eine lächerliche Sache.

In all seinen Überlegungen kam es Snape nicht in den Sinn, dass er - in gleicher Weise - die einzige Person sein würde, die Hermine Granger und die Seltsamkeiten und Verwicklungen ihres Lebens verstand.

Ein lautes Klopfen an der Tür kündete die Ankunft zwei solcher Seltsamkeiten an. Niemand konnte sie besonders komplex nennen, aber Harry Potter und Ron Weasley konnten im Allgemeinen seltsam genannt werden. Snape war fast sicher, dass die Menstruation letzte Woche zu früh begonnen hatte, weil er sozusagen so gestresst war, ihnen zuzuhören, wie sie sich für das Spiel Gryffindor - Slytherin aufputschten.

Er versteckte die Zeitschrift unter dem Stuhl - er war sich sicher, dass Hermine nicht wollte, dass das Paar darüber Bescheid wusste und er war definitiv nicht darauf vorbereitet, ihnen zuzuhören, wie sie sich über etwas, wie Kinder kichernd, ausließen, wovon sie höchstwahrscheinlich nicht die geringste Ahnung hatten. Snape dachte, dass es ziemlich unwahrscheinlich war, dass einer von beiden schon seine Jungfräuligkeit verloren hatte; dann musste er sich fast übergeben, als er erkannte, dass er sich Gedanken über das Sexleben der beiden Jungs machte.

Snape rannte beinahe zur Tür, um dem Gedanken zu entkommen.

"Es ist schon spät, warum seid ihr nicht in eurem Schlafsaal?" fragte er seufzend. Er wusste nicht sofort, wie spät es war - er hatte seine Uhr abgenommen - aber das Abendessen lag schon einige Zeit zurück und ihm war es sogar noch möglich gewesen, einige Zeit im Kerker zu verbringen, um die Experimente zu überprüfen und die nächste Fuhre Hautpflege-Tränke aufzusetzen bevor er in seine Räume und zum Magazin zurückkehrte.

Hermine war in eins seiner Bücher vertieft und nicht besonders gesprächig gewesen.

"Wir hatten eine Idee," sagte Ron schnell. Snape unterdrückte ein Murren. Eine Weasley-Idee war eine gefährliche Sache. Harry hatte den Anstand, ebenfalls beunruhigt auszusehen, was zeigte, dass er derselben Meinung war.

"Ich will es nicht wissen, Ron. Ich bin Schulsprecherin und muss etwas tun, wenn du mir was erzählst. Bist du sicher, dass du die Konsequenzen tragen willst?"

"Ach, wen stört's?" war Rons Antwort. "Snape, dieses schmierige Ekelpaket, hat uns heute Morgen so viele Punkte abgezogen, dass es sowieso keiner merken würde."

Snape zuckte ein wenig bei Rons beifälligem Kommentar über ihn und knirschte fast mit den Zähnen vor Frustration, weil er Ron nicht sagen konnte, mit wem er gerade sprach. Zu wissen, was die Schüler von einem dachten, war eine Sache; es genau ins Gesicht gesagt zu bekommen, eine andere.

"Komm schon, Hermine", drängte Harry, "Du weißt, dass wir Ärger kriegen, wenn du nicht mitkommst." emotionale Erpressung - es funktionierte immer, bei Hermine und jetzt bei Snape. Außerdem war er sich sicher, dass Hermine nachgeben würde; die zwei Jungs wurden selten ohne sie gefunden, wenn sie die Regeln brachen, also würde es seltsam aussehen, wenn er es entschieden ablehnen würde, mit ihnen zu gehen.

Er gab nach. "Was machen wir?" seufzte er. Ron grinste.

"Es ist die Karte - Harry hat es geschafft, sie dazu zu bringen, einen neuen Gang zu zeigen, es sieht so aus, als würde er vom Arithmantikturm losgehen, und wir wollten nachsehen, ob er zu irgendwas Interessantem führt."

Kopfschüttelnd folgte Snape den beiden Jungs, als sie sich zum Gehen wandten und den Raum verließen. Ron warf einen Blick über die Schulter um zu sehen, ob Snape mitkam. Das tat er, unfreiwillig. Er wusste genau, welchen Gang Ron meinte, und er führte zu nichts Interessantem - er mündete einfach bei den Gewächshäusern. Er hatte keine Ahnung, warum es eine Verbindung zwischen dem Arithmantikturm und den Gewächshäusern gab, aber Hermine würde wahrscheinlich nicht einmal vom Geheimgang wissen - also musste er ruhig sein und ihnen folgen, und ihnen nicht sagen, dass sie ihre Zeit verschwendeten.

Es war spät - der Gemeinschaftsraum war leer, und die Stille zeigte, dass alle jüngeren Schüler und der größte Teil der älteren schliefen. Was natürlich hieß, dass sie gerade einige Regeln brachen, als sie aus dem Gryffindorturm schlichen. Irgendwie hatte Snape das Gefühl, dass es keinen Sinn hätte zu überprüfen, ob die Jungs das wussten. Potter und Weasley achteten auf Regeln genauso wenig wie auf alles andere - außer Quidditch.

Die Fette Dame klappte mit nichts außer einem ‚Pff' der Missbilligung zur Seite - sie war die nächtlichen Ausflüge der Jungs schon gewöhnt - und schlichen die Gänge entlang, versteckt unter Harrys Tarnumhang.

Die Schule bei Nacht war ziemlich unheimlich, voll mit dunklen Schatten und unerklärlichen Geräuschen. Snape hatte genug Zeit damit verbracht, in denselben Gängen während seiner Nachtwachen herumzustreifen, um Schüler genau von dem abzuhalten, was sie gerade machten, so war er die Schatten und Geräusche gewohnt, aber dennoch, es aus einer anderen Perspektive zu sehen - ein Fuß kleiner als normal, unter einem Tarnumhang verborgen und mit dem ziemlich störendem, heftigem Atem von zwei halberwachsenen Männern in seinem Nacken - ließ alles ungewohnt erscheinen.

Der Weg zum Turm war relativ ereignislos - sie waren bei einer Treppe aufgehalten worden und mussten durch einige Flure im zweiten Stock laufen, aber keine Spur von irgendeinem Lehrer.

Bis sie den Turm erreichten.

Unfähig, einen Zauber unter dem Umhang auszusprechen, legte Harry ihn ab, um mit seinem Zauberstab auf das Schlüsselloch zu zielen; Snape hörte ihn Luft holen, um das Schloss zu öffnen, als eine kalte Stimme sanft durch im Gang hinter ihnen erklang.

"Und was glauben Sie drei, was Sie zu dieser Nachtschlafenden Zeit hier machen?" Snape hatte gar nicht gewusst, dass seine Stimme so drohend klingen konnte. Er hätte diese Entdeckung mehr gewürdigt, wenn er nicht am empfangenden Ende gewesen wäre.

 

 

 

Teil 19: Objekte im Spiegel können größer sein als sie erscheinen

 

 

Es stellte sich heraus, reflektierte Hermine, dass es bedeutend einfacher war, Snape zu sein, als sie vorerst geglaubt hatte. Sie klappte das Buch zusammen, dass sie las - ein weiteres Stück seiner anscheinend unerschöpflichen Bibliothek - und starrte ins Feuer. Im Prinzip, schloss sie, beinhaltete es nicht mehr, als dem Lehrplan gerecht zu werden, Termine wahrzunehmen und eine schier grenzenlose Kapazität für den Tee des Direktors zu haben. Dies und bei jeder sich bietenden Gelegenheit mürrisch und schlecht gelaunt zu sein.

 

Niemand belästigte sie mit einem Abend, an dem sie in neue und aufregende Möglichkeiten die Schulregeln zu brechen mit hineingezogen wurde. Niemand erschien in Tränen aufgelöst oder wutschnaubend vor ihrer Tür, erwartend, dass sie die Antwort auf die momentanen Beziehungsprobleme des- oder derjenigen parat hatte. Niemand sah sie mitleidsheischend an und jammerte "aber Hermine, ich habe das versucht und es hatte immer noch nicht geklappt". Alles in allem schien Snapes Leben im Vergleich zu ihrem einige bedeutende Vortzüge zu haben. Es kam daher mit einer großen Bibliothek, guter Kleidung, einer Apparier-Lizenz und der Freiheit, zu gehen und zu kommen, wie es ihr beliebte.

 

Sie übersah geflissentlich das kleine Problem bezüglich Denjenigen-Über-Den-Ich-Jetzt-Nicht-Nachdenken-Möchte-Wenn-Es-Dir-Nichts-Ausmacht.

 

Sie vermisste noch nicht einmal Harry und Ron so sehr wie sie erwartet hatte. Der Perspektivenwechsel hatte ihr dahingehend die Augen geöffnet, dass sie immer sehr am Rande des Trios gestanden hatte; diejenige, die Pläne ausgetüftelt oder sich als Stimme der Vernunft eingeschaltet hatte. Nicht nur das; obwohl sie dankbar war, dass die Situation nicht aufgeflogen war, wünschte sie sich fast, dass Harry oder Ron irgendeinen Kommentar abgegeben hätten. Entweder spielte Snape sie perfekt oder die Jungs schenkten ihr nicht genug Aufmerksamkeit, um Veränderungen überhaupt zu bemerken. Sie vermutete letzteres, was sie verärgerte.

 

Man würde meinen, dass deine besten Freunde etwas ahnen würden ...

 

Nun da sie in der Position war, eine Gruppe eigenwilliger Teenager im Besitz von allerlei flüchtigen Substanzen kontrollieren zu müssen, begann sie zu verstehen, wie ärgerlich ihre lässige Einstellung zu Regeln und Vorschriften sein konnte; was von ihrem Standpunkt aus belustigend gewagt aussah, erschien aus der Sicht des Lehrers absolut gefährlich. Ein wenig schuldig vermerkte sie innerlich, im Unterricht weniger vorlaut zu sein, wenn sie ihren Körper zurück bekommen hatte.

 

Natürlich war sie immer noch der Meinung, dass Snape es mit seiner Behandlung der Jungs übertrieb. Aber sie fühlte sich nicht annähernd so schlecht dabei, ihnen Hauspunkte abzuziehen, wie sie es manchmal für angebracht hielt.

 

In der Tat verlief ihr Leben in einer erfreulichen Routine. Die Abende mit Snape wurden richtig angenehm; nicht dass er sehr mitteilungsbedürftig war, er war damit zufrieden, in Form eines Zaubertranks die Antwort zur Unfallrekonstruktion zu finden, sie sich selbst überlassend, bis er etwas Bestimmtes wollte. Was ihr die Möglichkeit gab, ihn über ihr Buch hinweg verstohlen zu beobachten.

 

Es bestand kein Zweifel darüber, dass es immer noch ein bisschen seltsam war, sich selbst zwischen den Kesseln bewegen zu sehen, geschickt und beinahe improvisierend mit den Zutaten umgehend, gewohnt und selbstsicher. Sie war sich sicher, dass es ihr nie so leicht von der Hand gegangen war, als ihr eigener Verstand die Kontrolle hatte. Je mehr sie beobachtete, desto mehr bekam sie den Eindruck, dass sie Verhaltensweisen und Bewegungen wahrnahm, die mehr von seinem Verstand als von ihrem Körper stammten. Tatsächlich gebrauchte er ihn anders als sie, folgerte sie, beschließend, nicht zu sehr die Tatsache zu hinterfragen, dass sie die Nebeneinanderstellung recht reizvoll fand.

 

Heute Abend schien sich seine Aufmerksamkeit einerseits auf die Reaktion getrockneter Nesselblätter mit gemahlenem Hirschkäferpanzer und noch auf etwas anderes zu richten. Selbstverständlich vermochte Snape es nur zu gut, zwei oder sogar noch mehr Experimente gleichzeitig laufen zu haben, doch sie hatte Dämpfe, die dem kleineren Kessel entwichen waren, aufgefangen und sie waren ... nun ja ... parfümiert gewesen. Sie hatte ihn nicht direkt darauf angesprochen, da sie ihn nicht hatte stören und sich selbst nicht die Möglichkeit hatte nehmen wollen, ihn beim Arbeiten zu beobachten, aber der verlockende Geruch verweilte in ihrer Erinnerung.

 

Nun ja, genau genommen war es ihr Reich. Es gab keinen Grund, wieso sie nicht nachschauen gehen sollte, was er vorhatte.

 

Sie legte ihr Buch zur Seite und nahm sich der komplizierten Reihe von Schutzzaubern an - sie vermutete, dass er Grund genug hatte, paranoid zu sein - um in den Arbeitsbereich zu gelangen. Das Käfer-Nessel-Experiment war weggeräumt worden; eine weitere Sackgasse, folgerte sie. Er hätte ihr es schnell genug gesagt, wenn er einen Weg gefunden hätte, dieser Situation vor März zu entfliehen. In dem anderen Kessel jedoch befand sich eine cremige Substanz. Es war eindeutig die Quelle des Duftes. Es sah nicht heiß oder giftig aus. Versuchsweise tauchte sie einen Finger hinein. Als sie ihn herauszog, war er mit einer dicken weißen Flüssigkeit bedeckt. Sie verrieb sie zwischen ihren Fingern und roch daran. Es duftete blumig.

 

Blumig und Snape waren nicht zwei Worte, die man sehr häufig im selben Satz gebrauchte.

 

Es roch wie eine Art Kosmetik.

 

Kosmetik.

 

Erinnerungen an ein zwei Monate zurückliegendes Gespräch kamen in ihr hoch.

 

In welchem er ihr gesagt hatte, dass sie in der Lage wäre, Cremes und solcherlei für sich selbst herzustellen. Ein Gespräch, in dem sie ihm gesagt hatte, dass er das machen könne, solange es niemand bemerken würde. Sie sah sich erneut den Kessel an. Nun gut, es gab Kosmetik herstellen und es gab Kosmetik herstellen. Dies hier reichte aus, um sie ein Jahr lang zu versorgen. Es sah aus, als ob er sich darauf vorbereitete, das gesamte Gryffindor-Haus zu versorgen, wenn nicht Hogwarts. Sie schüttelte den Kopf. Wenn man nach seinem Badezimmer gehen konnte, hatte er keine oder wenig Erfahrung in allem, was über die Grundhygiene hinausging. Vielleicht überkompensierte er. Sie beschloss, ihn bei Gelegenheit darauf anzusprechen.

 

Sie war gerade dabei zu gehen, als es an der Tür klopfte.

 

Das ließ sie auffahren. Es war spät und niemand - wirklich niemand - suchte Professor Snape auf, wenn es nicht sein musste.

 

Es stellte sich heraus, dass der Besucher niemand anders als Professor McGonagall war. Und sie sah betroffen aus. Sehr betroffen.

 

"Ah, Severus, ich dachte mir, dass ich Sie hier finden würde, als Sie nicht in Ihren Räumen waren."

 

Hermine hatte eine leichte Vorahnung. Wenn man davon ausging, was sie über die persönliche Beziehung zwischen McGonagall und Snape herausgefunden hatte, spürte sie, dass es unwahrscheinlich war, dass ihre Hauslehrerin den Kerkern unverlangte nächtliche Besuche abstattete, wenn nicht etwas sehr Schlimmes vorgefallen war. Sicherlich nicht, um kühle Kommentare über seinen Aufenthaltsort abzugeben.

Sie suchte nach der angemessenen Reaktion.

 

"Was wollen Sie, Minerva?"

 

"Dann haben Sie offensichtlich noch nichts davon gehört?"

 

Offensichtlich.

 

"Was gehört?"

 

Sie mochte nicht, wie das Gespräch sich entwickelte. Ihre vorherige Selbstsicherheit über die Leichtigkeit Snape zu sein begann zu bröckeln.

 

Minerva McGonagall seufzte.

 

"Ich dachte, dass es Ihnen zu Ohren gekommen wäre, unter diesen Umständen."

 

Welche Umstände?

 

Hermine musste ihre Einsilbigkeit nicht simulieren, obwohl sie Besorgnis wie Verärgerung aussehen ließ.

 

Die Gryffindor-Lehrerin sammelte sich.

 

"Es hat einen weiteren Todesser-Angriff gegeben."

 

Oh Gott!

 

Hermine kämpfte gegen den Drang an, sichtbar in Panik auszubrechen.

 

"Wer?" fragte sie knapp, sich nicht zutrauend, mehr zu sagen. Namen und Gesichter schwirrten ihr durch den Kopf - ihre Familie, die Weasleys; der Schock ließ sie im Augenblick vergessen, dass McGonagall sie für Snape hielt.

 

"Alice Lacocks Familie."

 

Sie musste mit dem Namen kämpfen; bekannt, doch keiner, den sie erwartet hatte zu hören.

 

"Severus?"

 

Sie hatte zu lange geschwiegen. McGonagalls besorgter Einwurf brachte sie nicht wirklich zu ihr selbst zurück sondern zu der Tatsache, dass von ihr erwartet wurde, jemand anders zu sein.

 

"Was ist passiert?" Sie hoffte, sich durch diese Frage Zeit zu verschaffen.

 

"Das Übliche, schätze ich." Die Stimme der Schottin war hart. "Glücklicherweise scheint das Ministerium eine Vorwarnung erhalten zu haben. Die Auroren kamen Augenblicke nach den Todessern an und griffen ein. Amelia Lacock stand unter dem Crucio-Fluch doch überlebte. Sie ist jetzt im St. Mungo's. Brian Lacock wurde von den Todessern mitgenommen, als sie disapparierten. Das Ministerium sucht nun nach ihm."

 

"Ich verstehe." Sie versuchte erneut, gegen die Panik anzukämpfen.

 

"Selbstverständlich werden Sie es dem Mädchen sagen müssen."

 

Diese Bemerkung erfasste Hermine wieder mit Schrecken.

 

Ich? Wieso ich? Es muss jemand anders geben. Das ist Dumbledores Aufgabe, nicht meine.

 

"Ich hatte gedacht, der Direktor ... "

 

"Albus wurde früher am Abend dringend ins Ministerium berufen. Es tut mir leid, Severus und bevor Sie fragen - nein, ich werde mich nicht einmischen. Sie sollte es von ihrem Hauslehrer erfahren. Sie müssen es einfach hinter sich bringen." McGonagall klang sehr müde, der kampflustige Ton in ihrer Stimme war fast verschwunden. "Ihr Großvater wird morgen früh eintreffen und sie ins St. Mungo's bringen, um ihre Mutter zu besuchen. Im Übrigen ist es besser, wenn sie hierbleibt. Ich werde Ihnen bescheid geben, falls es weitere Nachrichten gibt."

 

Hermine sah zu, wie die Frau ging und versuchte, nicht ihrem ersten Impuls nachzugeben, in ihr altes Zimmer zu flüchten und dies ganz einfach Snape zu überlassen. Sie konnte das nicht; sie konnte das einfach nicht. Sie mussten mit dieser lächerlichen Scharade aufhören; eine andere Lösung finden. Sie war halb zur Tür heraus, als ihr die Bedeutung einer anderen Sache, die McGonagall gesagt hatte, klar wurde: Ich dachte, dass Sie es vielleicht gehört hätten.

 

Wieso wusste er es nicht? Wieso hatte er ihr es nicht gesagt?

 

Sie blieb stehen und schüttelte den Kopf, versuchend sich Klarheit zu verschaffen. Das war lächerlich. Sie würde Snape aufsuchen und das war alles. Das wiederholte sie sich unentwegt, durch die Gänge streifend, ihre Umgebung nicht beachtend, bis sie vor einer nackten, feuchten Steinwand zum Stillstand kam.

 

Der Eingang zum Slytherin-Gemeinschaftsraum.

 

Nein. Hier wollte ich nicht hin. Ich war auf dem Weg zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum.

 

Und doch ...

 

Sie erinnerte sich an Alice Lacock. Eine Drittklässlerin aus Slytherin. Ungewöhnlich ruhig. Ein kleines, schüchternes Mädchen, das eines Tages an Hermines Tür geklopft hatte und mit der Schulsprecherin über ein persönliches Problem hatte sprechen wollen. Und seitdem war sie mit Unterbrechungen immer wieder gekommen. Sie hatte sich andauernd wiederholt, manchmal in peinlichem Schweigen dagesessen, Hermine aber nie verraten, um was genau es ging.

 

Wenn sie sich weigerte, die Vereinbarung weiter zu erfüllen, konnte Snape seine Rolle als Spion nicht länger ausüben. Wenn er seine Rolle als Spion nicht mehr ausübte, würde das Ministerium weniger Angriffe aufhalten können. Was bedeutete, dass weitere Familien wie die Lacocks in Gefahr gerieten und Alice Lacocks Eltern hätten sterben können. Und dies war ungeachtet der persönlichen Gefahr, in der sie beide sich dann befänden.

 

Verdammt!

 

Sie murmelte das Passwort und betrat den Gemeinschaftsraum der Slytherins.

 

Der lange, niedrige Raum war zu dieser Nachtzeit fast leer, dennoch wurde sie mit einigen "Guten Abend, Professor Snape"s begrüßt. Sie schaute sich um und entdeckte Millicent Bulstrode in einer Ecke.

 

Pansy muss immer noch irgendwo draußen mit Draco sein, dachte sie mit einem Ausbruch purer Hermine. Perfekt.

 

"Miss Bulstrode", sagte sie ohne sich vom Eingang des Gemeinschaftsraums zu entfernen. Millicent erschrak sichtlich.

 

"Ja, Professor Snape."

 

"Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie in den Schlafraum der Drittklässlerinnen hochgehen und Miss Lacock zu mir bringen würden. Ich muss in einer dringenden Angelegenheit mit ihr sprechen."

 

Millicent Bulstrode blinzelte einmal und verschwand. Einige stille Minuten später kam sie mit der verschlafenen Alice Lacock zurück, die gerade so viel Zeit gehabt hatte, um einen Umhang über ihr Nachthemd zu ziehen.

 

Los geht´s.

 

"Danke, Miss Bulstrode. Miss Lacock, ich muss mit Ihnen unter vier Augen sprechen. Würden Sie mir in mein Büro folgen?" Die Augen des Mädchens weiteten sich vor Bestürzung und noch etwas anderem, doch Hermine hatte weder die Zeit noch die Aufmerksamkeit, dies zu analysieren. Unterwürfig folgte Alice Hermine durch die Korridore.

 

Als sie schließlich im Büro ankamen, stellte Hermine fest, dass sie nicht wusste, wie sie anfangen sollte; sie hatte keine Ahnung, wie Snape damit umgehen würde. Sie bezweifelte, dass er Albus Dumbledores heiße Schokolade und Mitleid anbieten würde. Andererseits konnte sie sich nicht vorstellen, dass selbst er sagen würde "Todesser haben Ihre Familie angegriffen, Ihre Mutter ist verletzt, Ihr Vater ist verschwunden, ich hoffe Sie liefern deshalb Ihre Zaubertränke-Hausaufgaben nicht zu spät ab."

 

Das Mädchen sah sie an, mit blassem Gesicht, mit vom Schlafen verwuschelten Haaren und wartend, dass sie etwas sagen würde.

 

Verdammt. Das war einfach nicht fair.