DAS FEUER UND DIE ROSE
(THE FIRE AND THE ROSE)


von Metro Vampire und Rhosymedre


Übersetzung: Chrissstine, Faris-Eirin, Emi ...

Die Originalstory ist auf www.potions-master.com zu finden. Vielen Dank, dass wir die Story übersetzen dürfen.

Feedback: Anne und Abby




Teil 1 - 6



Teil 1: Noch ein Zaubertrank-Unfall

....das Ende all unseres Kundschaftens wird sein,

am Ausgangspunkt anzukommen

und den Ausgangsort zum ersten Mal zu erkennen.

TS Eliot - Little Gidding



"Hermine", flüsterte Neville, "was muss ich jetzt machen?" Hermine warf einen Blick hinüber zu ihrem Laborpartner und widerstand der Versuchung, die Augen zu verdrehen.

Das Jahr hatte gerade angefangen und schon schien es, - obwohl es dumm gewesen wäre, anders zu denken - dass Neville dieses Jahr nicht besser in Zaubertränke sein würde, als in den sechs Vorhergehenden. Es würde ein langes Jahr werden.

"10 Punkte Abzug für Gryffindor, Mr Longbottom." Snapes Stimme durchschnitt ihre Gedanken mit der üblichen Schärfe. "Miss Granger, versuchen Sie doch wenigstens einmal, Mr Longbottom nicht zu helfen. Obwohl es zuviel wäre zu erwarten, dass er tatsächlich etwas vollbringt", die Säure in seiner Stimme war so ätzend wie immer, "sollten wir ihm wenigstens die Möglichkeit geben, es zu versuchen."

Hermine lenkte ihre Aufmerksamkeit mehr schlecht als recht auf den Zaubertrank vor ihnen, mit ihren Gedanken war sie woanders - die Klasse machte endlich offiziell den Vielsafttrank und Hermine brauchte nicht so genau zuzuhören; ihre Erfahrung im zweiten Schuljahr hatte die Details in ihr Gedächtnis eingebrannt.

Während sie wartete, bis der Trank anfing zu kochen, sah sie sich im Klassenzimmer um und beobachtete gelangweilt die anderen Schüler mit ihren verschiedenen Graden an Konzentration. Die Sommerferien und ihr achtzehnter Geburtstag schienen bereits so lange her zu sein - sie fragte sich, ob Ferien überhaupt Sinn machten; in dem Moment, da sie vorbei waren, schien es, als ob es sie nie gegeben hätte. Dieselbe Routine, dieselben Leute, kaum Veränderung.

Hermine merkte, wie Neville neben ihr sich angestrengt konzentrierte und vor sich hin murmelte. Sie verstand zwar nur das Gröbste, doch plötzlich wurde ihr klar, dass er dabei war, einen weiteren Fehler zu begehen - jetzt sollte er noch keine Baumschlangenhaut dazugeben, dachte sie. Sein Zaubertrank hatte noch nicht die Farbe angenommen, die er haben sollte, wenn man sie dazugeben musste, und sie konnte seine Hand mit einer Prise der geschnittenen Haut darin sehen, wie sie sich Richtung Kessel bewegte.

Sie sah sich verstohlen um und konnte Snape nicht entdecken.

"Neville", diesmal war sie es, die panisch flüsterte, "nicht - "

"Was nicht, Miss Granger?"

Das Herz rutschte ihr in die Hose. Er stand hinter ihr; kein Wunder, dass sie ihn nicht gesehen haben konnte.

"Nun, Miss Granger - teilen Sie es doch bitte uns allen mit. Ich bin mir sicher, dass es eminent wichtig ist?"

Hermine sah auf den Kessel herab und ging im Geiste hektisch eine Liste von Entschuldigungen und Erklärungen durch, aber sie wartete ein wenig zu lange.

"P-Professor, es war meine - "

"Ruhe, Longbottom. Wenn ich Ihre Schilderung haben möchte, werde ich Sie darum bitten."

Die nächsten Augenblicke liefen wie in Zeitlupe ab; Hermine hätte geschworen, dass es mindestens eine Stunde gedauert hatte, als sie später darüber nachdachte. Snape hatte Neville angeblafft - wie er es in jeder Stunde tat - und Neville war zusammengezuckt. Voller Panik hatte er die Baumschlangenhaut losgelassen und streute sie dadurch in die Flammen unter dem Kessel. Durch die darauf folgenden Knaller ging jeder im Raum in Deckung. Neville trat erschreckt nach hinten und prallte in ein Regal.

Die Kaskade der Zutaten auf den Boden, die Schreibtische und in Nevilles Kessel schien ewig zu währen; Hermine fiel rückwärts auf Snape und versuchte, dem Gas auszuweichen, dass in dem Trank Blasen trieb. Snape bedeckte sie mit seinem Umhang, um beide vor den Dämpfen zu schützen.

Hermine war sich nie ganz sicher, was dann geschehen war; alles was sie wusste war, dass sie auf einmal mit einer eiskalten Mixtur durchtränkt war, die sich durch ihre und Snapes Kleidung brannte. Die Kälte schien ihre Gedanken und Taten für einen Moment einzufrieren und ihre Sicht verschwamm.

Als sie wieder etwas sehen konnte, schien das Klassenzimmer seltsam verdreht, als ob sie auf dem Pult stünde. Ein Meer von Chaos umgab sie. Während der Zaubertrank nicht weit gespritzt war, war die durch die schutzsuchenden Schüler verursachte Zerstörung enorm. Sie schaute hinunter. Dann blinzelte sie. Als sie ihre Augen wieder öffnete, sah sie erneut herab.

Der Anblick hatte sich nicht verändert. Sie sah sich selbst, gedrängt an ... an sich selbst? Das ergab keinen Sinn. Für einen Moment fragte sich Hermine, ob sie tot sei und eine außer-körperliche Erfahrung hätte. Sie hatte Berichte über solche Erlebnisse immer als Unsinn von sich gewiesen, aber vielleicht war ja doch etwas Wahres daran. Das Wiedererwachen ihrer Sinne jedoch widerlegte diesen Gedanken. Sie war defintiv körperlich; die Kühle an der Stelle, wo der Trank sie berührt hatte, bewies das.

Hermine schaute wieder nach unten und versuchte zu verstehen, wieso sie ihren eigenen Körper sehen konnte - ein Körper, der jetzt mit Schrecken in den Augen zu ihr hoch sah. Langsam, sehr langsam begann sie zu realisieren, was passiert war, als sie begriff, dass die Finger, die ihren Körper berührten, unter ihrer Kontrolle lagen. Jedoch waren das ganz sicher nicht die Hände, mit denen sie heute morgen aufgewacht war. Stark, langgliedrig und mit breiten Knöcheln. Das waren nicht ihre Hände.

Es waren Snapes Hände. Sie hatte sie beim Aufbauen seiner Experimente oft genug beobachtet, um sie zu erkennen. Sie hatte Snapes Hände ... Nein, korrigierte sie sich. Sie hatte Snapes Körper.

"Ahh ..." Die Stimme war ganz falsch; sie hallte in ihr wider, eine Oktave tiefer, als sie erwartet hätte. Oh Gott, es war Snapes Körper. Ihr Verstand setzte aus, als sie versuchte, die Gedanken und Reaktionen, die sie durchliefen, zu ordnen. Um sie herum krochen die Schüler langsam unter den Tischen und hinter Stühlen hervor und starrten Hermine neugierig an - starrten beide an - nein, sie, ihn ... das war zuviel. Ein eindringliches Flüstern in einer ungewohnt vertrauten Stimme drang zu ihr vor.

"Entlasse sie!"

Hermine blinzelte und wunderte sich, ob sie immer so schrill klang, bevor sie merkte, was sie - nein, er - verflucht, was auch immer.

"Die Stunde ist beendet! Wenn einer von euch verletzt ist, soll er zur Krankenstation gehen!", versuchte Hermine zu bellen, da sie zumindest ein bisschen auf Snapes Autorität setzte und hoffte, dass sich niemand fragte, warum die Stimme ihres Zaubertränkemeisters plötzlich zitterte.

"P-Professor Snape, wollen Sie, dass ich bleibe und - "

"Raus, Longbottom!", rief sie. Das ging schon leichter, und es hatte etwas sehr Befriedigendes, jemanden einfach so los werden zu können, ohne sich hinterher um deren verletzten Gefühle scheren zu müssen.

Der Raum leerte sich schnell, ein Strom schwarzer Umhänge und Taschen bahnte sich seinen Weg durch die Tür. Kurze Zeit später waren Hermine und Snape alleine im Klassenzimmer. Hermine sah Snape dabei zu, wie er - sie - sich aus dem Umhang schälte und einen Schritt zurück trat. Er sah auf und verschränkte die Arme über der Brust. Er sah etwas irritiert aus, als ihm klar wurde, dass dies nicht einfach mehr so einfach war wie vorher.

Hermine verkniff sich ein Grinsen, als er seine Arme wieder herunterhängen ließ; sie war seltsamerweise auf einmal sehr erfreut darüber, dass all das hier für ihn genauso schwierig war wie für sie.

"Was zum Teufel hat dieser Idiot Longbottom getan?"

Hermine fragte sich, ob ihre Stimme sich immer so anhörte - sie war sicher, dass sie tiefer sein müsste. Sie wandte ihre Gedanken davon ab und konzentrierte sich stattdessen auf das dringendere Problem: was war in dem Zaubertrank gewesen, als er über ihnen explodiert war, und wie konnten sie den Effekt rückgängig machen?

"Ich weiß nicht, Professor", antwortete sie und sah ihn blinzeln, als er seine eigene Stimme hörte, die ihn mit seinem Titel ansprach.

"Haben sie irgendetwas, das dies rückgängig machen kann?"

Noch bevor sie die Frage zu Ende gestellt hatte, sah sie ihn, wie er seinen - ihren - verdammt, seinen Kopf schüttelte.

"Da ich nicht weiß, was ´'dies'` ist, Miss Granger, habe ich keine Lösung für das Problem. Auf dem Regal, das Mr Longbottom so mühelos zum Einsturz gebracht hat, befanden sich über hundert Zutaten - es würde länger als unser beider Leben zusammen dauern, alle potenziellen Kombinationen zu testen, die er kreiert haben könnte. Diesen speziellen Effekt kenne ich nicht; der Fakt, dass Mr Longbottom anscheinend einen ganz neuen Trank erschaffen hat, obwohl er noch nicht einmal die einfachsten schon bekannten herstellen kann, ist dagegen ziemlich ironisch."

"Sie scheinen mit der Situation gut zurechtzukommen, Professor", sagte Hermine. Ihr Kommentar wurde von einem schnaubenden Lachen Snapes unterbrochen.

"Den Kopf zu verlieren wäre nicht sinnvoll, Miss Granger. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass ich das nicht angenehmer als Sie finde. Es ist ... irritierend, gelinde gesagt. Ohne Zweifel werden wir beginnen, uns daran zu gewöhnen."

´'Irritierend'`. Das traf es wohl kaum, dachte Hermine. ´'Vollkommen verrückt'` passte besser.

"Also...", Hermine zog das Wort in die Länge, als sie sich der Bedeutung des Ganzen bewusst wurde, "Sie meinen, wir werden so bleiben? Ich bin Sie, Sie sind ich und ... oh Gott, ich muss im Juni meine Abschlussprüfungen machen!"

"Glauben Sie mir, Miss Granger, ich habe keine Lust, bis nächsten Juni in Ihrem Körper zu bleiben - und sogar noch weniger, die Prüfungen noch einmal zu schreiben. Obwohl ich vermute, dass Sie eine exzellente Note in Zaubertränke bekommen würden."

In diesem Moment wurde Hermine klar, dass Snape all das genauso schwierig fand, wie sie selbst - der zerstreute Tonfall seiner Stimme, als er vom Thema abgewichen war, bewies das zur Genüge. Es schien, als ob er vermeiden wollte, konkret über das Problem nachzudenken. Sie mussten jemand anderem ihr Problem vortragen - jemand, den das nicht direkt betraf.

"Dumbledore." Hermine fragte sich, ob sie laut gedacht hatte, bis sie begriff, dass, obwohl sie ihre eigene Stimme gehört hatte, Snape es gewesen war, der gesprochen hatte; er war offensichtlich zum selben Schluss gekommen.



Teil 2: Das Treffen mit Dumbledore



Hermine ließ sich niedergeschlagen in einen von Dumbledores großen, weichen Sesseln fallen und sah zu, wie sie selbst durch das Zimmer schritt.

Der Weg hinauf aus den Kerkern war eine peinliche Sache gewesen. Zum Glück wurde dieser Teil des Schlosses nur von wenigen Schülern frequentiert, aber die paar, die sie getroffen hatten, hatten sie fragend angestarrt. Einmal war Snape abrupt stehengeblieben, sodass Hermine beinahe mit ihm zusammengestossen wäre. Sie hatte noch nicht den richtigen Rhythmus beim Gehen gefunden und fühlte sich, als ob sie auf einmal auf Stelzen laufen müsste.

"Um Himmels Willen, Mädchen", vernahm sie das gemeine Flüstern; die Stimme kam ihr immer noch ungewohnt vor.

"Trödeln Sie nicht so hinterher. Beeilung! Und gehen Sie selbstbewusst. Ihnen soll man abnehmen, dass Sie Hauslehrer an dieser Schule sind."

Hermine hatte sich nichts dabei gedacht, dass er voran ging wie immer. Sie schluckte ihren Ärger hinunter, sagte sich, dass Dumbledore schon alles klären würde, versuchte, sich gerade zu halten und mehr wie Snape zu laufen.

Sie waren weitergegangen. Snape versuchte anscheinend ihre, kürzeren, Beine dazu zu bringen, sich seinem üblichen Schritttempo anzupassen. Das Resultat war ein ihr nicht gerade schmeichelndes Watscheln, dachte sie. Sie hatte sich für ein paar weitere Schritte konzentriert und dann aufgegeben.

Hermine hatte gewartet, bis ein paar neugierige Slytherins vorbei gegangen waren und zischte dann:

"Professor!"

Er war stehengeblieben und hatte sie finster angefunkelt. Weil es ihre Augen waren, schien es irgendwie nicht so schlimm.

"Vielleicht sollte ich vorgehen?", hatte sie schüchtern vorgeschlagen. "Da man mir abnehmen soll, dass ich Hauslehrer an dieser Schule bin."

Der antwortende Blick war pures Gift gewesen, aber er hatte mit einer Geste zu verstehen gegeben, dass sie vorangehen sollte. Sie hatten ihren Weg in einem etwas gesetzterem Gang fortgesetzt, der es, ironischerweise, beiden leichter machte.

In angespanntem und feindseligem Schweigen hatten sie das Büro des Direktors erreicht.

Hermine zwang sich dazu, wieder an das Hier und Jetzt zu denken. Sie bemerkte, dass Snapes Ruhe allmählich schwand, da er jetzt schneller im Büro hin- und herlief. Sie war nicht sicher, ob sie das beruhigte oder nicht, aber sie fand, dass es nur fair war, dass auch er ein bisschen zu leiden hatte. Denn wenn er Neville nicht terrorisiert hätte, wäre nichts von all dem geschehen. Sie entschied, dass alle Schuld auf Snape zu schieben, sie eindeutig besser fühlen ließ.

Der leicht surreale Effekt, ihre eigenen Bewegungen zu beobachten, schien abzuflachen und wurde durch einen Gedankenfluss, der die abscheulichen Konsequenzen des Unfalls zum Vorschein brachte, unterbrochen. Sie setzte sich gerader hin und versuchte unbeholfen, ihre längeren Beine und den Oberkörper, die sie immer noch nicht richtig unter Kontrolle hatte, in eine annehmbare Position zu bringen.

Snape hatte aufgehört, auf und ab zu gehen und stand nun direkt vor dem Direktor; er stützte sich auf den Schreibtisch und blickte finster drein. Dumbledores Gesicht war ernst, aber seine Augen glitzerten vor offensichtlicher Belustigung beim Anblick der Snape-isch böse guckenden Gryffindor-Schulsprecherin.

"So so", sprach er. "Sie beide scheinen sich in eine missliche Lage gebracht zu haben, nicht wahr?"

"Bei allem Respekt, Direktor", zischte Snape und versuchte, Hermines Stimme einen giftigen Klang zu verleihen, "ICH habe absolut nichts zu dieser Situation beigetragen."

Hermine unterdrückte ein Schnauben. Ein tiefes Bariton-Geräusch erhob sich aus den Tiefen des Sessels. Sie dachte, dass Snapes Stimme für Schnauben wie geschaffen war. Beide ... ´Männer`, mutmasste sie, mangelte es ihr momentan noch an der passenden Beschreibung für Snape ... drehten sich um und sahen sie an.

"Haben Sie etwas hinzuzufügen, Miss Granger?" fragte Snape seidig.

Nur dass er noch nicht raushatte, wie er das mit ihrer Stimme hinkriegen sollte. Hermines leichter Mezzosopran konnte einfach nicht seidig klingen. Es hörte sich eher schmollend an, dachte sie. Snape dachte eindeutig dasselbe und verzog das Gesicht.

Dumbledores Belustigung verlagerte sich nun von seinen Augen auf seinen Mund.

"Das verspricht sehr ... äh ... interessant zu werden", sagte er und streckte seine Hand nach einem kleinen silbernen Teller auf dem Schreibtisch aus. "Möchte jemand Scherbert Zitrone?"

"Bei allem Respekt, Direktor, ich glaube kaum, dass dies der richtige Zeitpunkt für Scherbert Zitrone ist." Seine Stimme hatte nun einen beinahe gequälten Klang angenommen.

Dieses eine Mal stimmte Hermine ihm voll und ganz zu. Diese Sache war überhaupt nicht komisch.

"Nun, vielleicht haben Sie recht", gab der Direktor zu und stellte den Teller mit den Süßigkeiten wieder auf den Tisch. "Jetzt mal im Ernst, wie lange, glauben Sie, wird es dauern, bis Sie ein Gegengift gefunden haben? Oder denken Sie, dass es mit der Zeit verschwinden wird?"

Plötzlich fühlte Hermine Hoffnung in sich aufkeimen. Vielsaft-Trank wirkte nur etwa eine Stunde. Vielleicht würden sie abends wieder ihren eigenen Körper zurückhaben. Snape neben ihr seufzte und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Er ließ es jedoch abrupt los, als er bemerkte, dass es weit über seine Schultern reichte.

"Momentan ist es unmöglich herauszufinden, welche Zutat oder Kombination von Zutaten für diesen ... Zustand verantwortlich ist". Er deutete verächtlich auf Hermines Körper. "Die Aussichten, ein Gegenmittel zu finden sind extrem gering. Und was das Verschwinden anbelangt - theoretisch ist dies eine realistische Möglichkeit. Wenn man jedoch den bis jetzt nicht einschätzbaren ´'Longbottom-Effekt'` miteinbezieht, dürfen wir, glaube ich, den sicheren Schluss ziehen, dass die bequemste Lösung die am wenigsten wahrscheinliche ist."

Hermine fühlte sich empfindlich gekränkt, dass sich Snape so leichtfertig über ihren Körper ausgelassen hatte. Es war nicht so, dass sie gefragt worden war, ob sie in einem mageren, hässlichen, ungepflegten, männlichen Körper gefangen sein wollte. Bevor sie protestieren konnte, riss Dumbledore das Wort an sich.

"Ich glaube, dass Miss Granger ihre jetzige Situation ebenfalls nicht begrüßt, Severus."

Snape sah sie direkt an, wohl zum ersten Mal, seitdem all das passiert war. Er war etwas verlegen.

"Nein, ich vermute nicht", gab er grummelnd zu.

Hermine fragte sich, ob sie gerade eine Entschuldigung von Snape gehört hatte. Wunder gab es immer wieder.

Sie riss sich zusammen und fragte:

"Professor Dumbledore, was sollen wir machen?"

Sie wünschte, sie hätte ein bisschen selbstbewusster geklungen. Snapes Stimme konnte genauso wenig ´'wehleidig'` klingen, wie ihre ´'seidig'`. Die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben.

"Wir müssen auf jeden Fall einen Weg finden, dem Schulalltag fernzubleiben, bis sich diese Situation geklärt hat."

Doch Dumbledore schüttelte den Kopf.

"Ich fürchte, das wird nicht möglich sein, Severus."

Snape sah so erschrocken aus wie Hermine sich fühlte. Für einen Moment funktionierten die vertauschten Verstande und Körper in perfekter Harmonie. Snape fand als Erster seine Sprache wieder.

"Das kann nicht ihr Ernst sein, Direktor. Sie meinen doch nicht ..."

"Doch, das ist mein voller Ernst, Severus. Sie können nicht sagen, wie lange dieser Effekt andauern wird. Es geht nicht, dass mein Zaubertrankmeister und meine Vertrauensschülerin beide für unbestimmbare Zeit verschwinden. Es gäbe keine Möglichkeit, diese Information geheim zu halten und die daraus resultierenden Spekulationen wären verheerend. Nein, Sie müssen einfach einen Weg finden, die Rolle des Anderen zu spielen, bis sich eine Lösung findet."

Hermine ließ den Zustand des Horrors hinter sich und erreichte stattdessen ein Stadium purer Panik. Dumbledore verlangte von ihr ... wie war das noch mal? ´'Ihre Rolle zu spielen'`? Wie um Himmels Willen sollte sie das anstellen? Was war mit Harry? Was war mit Ron? Was zum Teufel war mit Neville? Mit ihren Eltern? Natürlich würde er nicht auch noch von ihr erwarten, zu unterrichten?

Sie begann ernsthaft darüber nachzudenken, wie schlimm es wohl wäre, wenn jeder dachte, dass sie mit Snape durchgebrannt wäre. Das müsste besser sein, als tatsächlich er zu sein.

Entfernt hörte sie, wie ihre eigene Stimme sagte: "Alle Gerüchte zerstreuen sich irgendwann, Direktor."

Mit einem leicht unguten Gefühl dämmerte ihr, dass Snape wohl denselben Gedankengang gehabt hatte und zum selben Schluss gekommen war.

"Es tut mir leid, Severus und Hermine. Wirklich. Aber das ist einfach keine Alternative." Dumbledores Stimme klang nun todernst,. "Wenn es nur eine Frage Ihrer persönlichen Unannehmlichkeiten wäre, wäre ich froh, denn es scheint, als ob Sie damit umgehen könnten. Ich bin mir mehr als sicher, dass Sie jeden Sturm überstehen würden. Aber es steht mehr auf dem Spiel als nur das. Sie wissen das, Severus. Und ...", er wandte sich an Hermine, "Wenn Sie aufhörten nachzudenken, würden sie das auch einsehen, Hermine."

Gegenüber von ihr ließ sich der Körper, der jetzt unter der Kontrolle des Zaubertrankmeisters stand, auf Dumbledores anderen Sessel nieder, als ob er gerade eine schwere Niederlage erlitten hätte. Trotz ihrer eigenen Gefühle, tat er Hermine ein wenig leid. Letztendlich würde sie wenigstens Lehrer sein. Er hingegen würde sich daran gewöhnen müssen, wieder Schüler zu sein. Was sie wieder auf Harry und Ron brachte ...

"Ähm ... es wird nicht allzu schlimm werden", begann sie mit der schwachen Hoffnung, etwas zur allgemeinen Beruhigung beitragen zu können. "Ich bin mir sicher, dass Harry und Ron helfen werden, wenn ich sie darum bitte." Und irgendwann werden sie aufhören, sich darüber halb tot zu lachen, fügte sie im Geiste hinzu.

Letzteren Gedanken hatte Snape offensichtlich auch gehabt.

"Oh ja, Miss Granger. Das Objekt Potters und Weasleys Belustigung zu werden, wird mir die Situation so viel leichter machen..."

Sie wollte gerade ihre Freunde verteidigen, als Dumbledore erneut eingriff.

"Mr Potter und Mr Weasley dürfen davon nichts wissen. Auch niemand sonst des Lehrkörpers."

Hermine war sprachlos. Wie konnte er von ihr erwarten, mit der Situation zurecht zu kommen, wenn sie mit keinem ihrer Freunde darüber reden durfte?

Sie sah hinüber zu Snape, der den Kopf in den Nacken gelegt hatte und mit großem Interesse die Decke betrachtete.

"Wieso nicht?", fragte sie schließlich den Direktor, als aus dem anderen Sessel kein Kommentar zu kommen schien.

"Ich weiß, dass Ihre Noten bemerkenswert sind, Miss Granger und dass Sie, selbstverständlich, eine Gryffindor sind. Aber glauben Sie wirklich, dass dies Sie dazu befähigt, Voldemort alleine gegenüber zu treten?"

Sie konnte Snapes Gesicht nicht sehen und seine Stimme war ausdruckslos.

Voldemort.

Sie hatte Snapes zwiegespaltene Stellung innnerhalb des Dunklen Lords Reihen vergessen.

"Oh." Ihr fiel nichts anderes ein, was sie sagen konnte.

Nach einem raschen Blick auf seinen Zaubertranklehrer/ seine Schulsprecherin fuhr Dumbledore fort:

"Exakt, Hermine. Wenn Voldemort herausfindet, dass mit Professor Snape etwas nicht stimmt, wird er Nachforschungen anstellen. Der Professor würde gerufen werden, um Rechenschaft abzulegen, und das betrifft, genau genommen, im Moment Sie."

Sie verstand. Wenn Voldemort herausfand, dass sie nicht Snape war, würde er sie töten - und dann hinter Snape in ihrem Körper her sein. Sie nickte bedächtig.

"Spaß beiseite, Miss Granger, dieser Unfall setzt Sie beide einem großen Risiko aus. Keiner von Ihnen kann sich leisten, in jemandem auch nur den kleinsten Zweifel darüber aufkommen zu lassen, dass Sie nicht der sind, der Sie zu sein scheinen. Es gibt schon zu viele potentielle Informationswege zwischen Voldemort und dieser Schule. Je mehr Leute davon wissen, desto größer ist die Gefahr."

Hermine fühlte ihren Mund trocken werden und sie sah erneut zu Snape hinüber. Er erwiderte ihren Blick immer noch nicht. Sie brachte ihm keine sehr große Zuneigung entgegen, aber das hieß nicht, dass sie sein Leben absichtlich aufs Spiel setzen würde. Vor allem da er momentan für ihren Körper Sorge trug. Nur vorübergehend, sagte sie sich mit Nachdruck.

"OK", sagte sie behutsam und sah ihn dabei immer noch an, "aber Sie müsen mir helfen."

Der letzte Teil des Satzes war an Snape gerichtet. Letztendlich hatte er genauso viel persönliches Interesse daran, sie am Leben zu erhalten, wie sie ihn am Leben erhielt.

Bildete sie sich das nur ein, oder sah er nun etwas entspannter aus? Dumbledore strahlte, als ob sie gerade eine außerordentlich schwere Hausaufgabe gelöst hätte.

"Ich schlage vor, dass Sie sich beide etwas Zeit nehmen um ... äh ... sich ein wenig besser kennenzulernen. Ich erwarte Sie zum Abendessen, Miss Granger. Und vergessen Sie bitte nicht die Lehrerkonferenz direkt danach."

Hermine nickte verwirrt und hatte den Eindruck, dass sie damit entlassen waren. Snape schien das auch so zu sehen, da er sich erhob und auf die Tür deutete.

Dieses Mal dachte sie daran, voranzugehen. Sie glaubte nicht, dass sie es geschafft hatte, sein markenzeichenähnliches Flattern des Umhangs authentisch aussehen zu lassen. Aber sie bemerkte, mit leichter Befriedigung, seinen verärgerten Blick, als sie so nahe an ihm vorbeirauschte, dass sie ihn beinahe aus dem Weg gedrängt hatte.

Schweigend liefen sie durch die Korridore, bis sie die Eingangshalle erreichten. Zumindest das war typisch für beide. Instinktiv sahen sie zu den gigantischen Sanduhren hoch und überprüften die Hauspunkte. Gryffindor hatte minus zehn Punkte, Slytherin lag bei plus fünf. Snape gab einen zufriedenen Laut von sich, während Hermine verärgert mit der Zunge schnalzte.

"Sie sollten sich freuen ... Professor", vernahm sie ein bitterböses Flüstern neben sich., "Slytherin macht sich gut."

Sie schloss ihre Augen fest, als ihr die Wahrheit bewusst wurde.

Sie war jetzt Slytherins Hauslehrer.



Teil 3: Anfängerkurs in "Ich" oder 'Hermine - leicht gemacht'



Sie war Slytherins Hauslehrer.

Nein. Das war lächerlich. Es gab kaum jemanden in der Schule, der weniger dafür geeignet war, Hauslehrer von Slytherin zu sein als sie, dachte Hermine. Nach Neville vielleicht. Obwohl es ein Kopf-an-Kopf-Rennen wäre.

OK Hermine, mein Mädchen, Zeit, sich zusammen zu reißen. Du und Snape werden eine Lösung finden - egal was er über ´'länger als unser beider Leben zusammen'` gesagt hat. Warte ein paar Tage ab - höchstens eine Woche - und es ist vorbei. Das kann doch nicht so schwer sein.

Es schien einfach zu sein. Alles was sie tun musste, war, herauszufinden, wie Snape in jeder möglichen Situation reagieren würde und dann das gleiche zu tun. Also, was würde er jetzt tun? Sie warf ihm einen kurzen Blick zu. Er sah sie böse an, obwohl es dieses Mal schien, als ob er versuchte, es so unauffällig wie möglich zu tun.

Unterm Strich bedeutete das, dass er die Hauspunkte nicht verträumt anstarren würde.

Sie versuchte, ihre Gedankengänge in Snape´sche Bahnen zu lenken.

Er wäre unfreundlich. Und unfair. Das waren Tatsachen. Und er würde Verantwortung übernehmen. Sie brachte ihre Schultern in eine aufrechte Position und atmete tief durch. Dann ergriff sie das Wort und versuchte, dabei so abfällig wie möglich zu klingen.

"Ich schlage vor, Miss Granger" , ... oh Gott, an dem spöttischen Tonfall musste sie noch arbeiten ..., "dass wir, anstatt hier herumzustehen, zurück zum Zaubertrank-Unterrichtsraum gehen und nachsehen, ob wir etwas von den Überresten des ... ähm ... Experiments retten können. Es könnte uns einen Hinweis geben."

Sie hatte nicht ganz mit dem verächtlichen Tonfall gesprochen, den sie angestrebt hatte. Das Funkeln in seinen Augen sagte ihr, dass er mit der Bemerkung über das ´'Herumstehen'` ebenfalls nicht einverstanden war. Wie dumm, dachte sie schlecht gelaunt.

Irritiert raffte Hermine ihren Umhang und stolzierte davon, ohne darauf zu achten, ob Snape ihr folgte.

Auf halbem Wege in die Kerker bemerkte sie, wie sich eine Gruppe von drei Hufflepuffs näherte. Sie wusste nicht sofort ihre Namen, aber sie hoffte inständig, dass sie weder mit ihr, noch mit Snape etwas zu tun hatten. Es überraschte sie kaum, als sie beinahe vor ihr zurückschreckten, als sie vorbeiging. Sie warfen Snape hastige, mitfühlende Blicke zu. Sie dachten einfach, dass ihre Schulsprecherin auf dem Weg zu ihrer Strafarbeit war. Das bedeutete, dass sie durch die Kombination von Boshaftigkeit, schwerem, schwarzem Stoff und Gewinn an Körpergröße ihren Gang ziemlich gelungen hatte erscheinen lassen.

Trotzdem war sie erleichtert, als sie die Kerker ohne weitere Begegnungen mit Schülern erreichten. Die Tür zum Zaubertrank-Klassenzimmer war verschlossen. Sie drückte dagegen, aber sie ließ sich nicht öffnen. Für einen Augenblick war sie verwirrt und dann dämmerte es ihr. Sie drehte sich zu Snape um.

"Ich brauche das Passwort", sagte sie ohne Umschweife.

Er sah aus, als ob er es ihr nicht geben wollte. Dann sagte er schließlich:

"Nachtschatten."

Natürlich hat er sich für etwas Fröhliches und Erheiterndes entschieden, dachte sie säuerlich.

Zusammen betraten sie den Unterrichtsraum. Er sah noch genauso chaotisch aus, wie sie ihn verlassen hatten. Zutaten waren verstreut und Möbelstücke waren umgeworfen. Sie merkte, wie Snape hinter ihr die Tür zum Klassenzimmer schloss und magisch versiegelte. Dann nahm sie den erstbesten Stuhl, stellte ihn auf und versuchte, sich darüber klar zu werden, wo sie am Besten anfangen sollten.

Im hinteren Teil des Raumes hatte das teuflische Gebräu auf Nevilles und Hermines Tisch eine zähflüssige, silber-graue Pfütze gebildet. Behutsam bahnte sie sich ihren Weg durch die Überreste des Unterrichts. Dann blieb sie stehen, starrte auf die Unordnung auf dem Pult und auf das unmögliche Durcheinander von Zutaten, Glassplittern und Tonscherben auf dem Boden.

"Wo sollen wir denn bloß anfangen?", murmelte Hermine, mehr zu sich selbst. Der Bariton-Laut, der sich aus ihrer Brust erhob, erinnerte sie an die Dringlichkeit der Sache.

"Wir fangen damit an," ,sagte die scharfe, weibliche Stimme, "indem wir uns einen Besen besorgen, Professor. Ich bezweifle, dass wir hiervon etwas retten können."

Es war erstaunlich, wie man so viel Abneigung in eine respektvolle Anrede einfließen lassen konnte, dachte sie. Sie drehte sich um und sah, dass Snape in einer Hand einen Besen hielt und mit der anderen ihr einen zweiten entgegenstreckte. Sie nahm ihn und begann, Snape dabei zu helfen, den Boden um den Tisch herum zu kehren.

Einen Moment später sagte Snape:

"Ich denke, jetzt ist ein ebenso guter Zeitpunkt wie jeder andere damit anzufangen, Professor."

Hermine war einen Augenblick lang verblüfft.

"Womit anfangen?"

Die höhere Stimme nahm einen verächtlichen, sarkastischen Ton an.

"Warum erzählen Sie mir nicht ein wenig über sich selbst, Miss Granger?", sagte er mit übertriebener Höflichkeit. "Das ist eine Gesprächsfloskel, geschaffen, um die soziale Interaktion zu erleichtern, durch die man Interesse an seinem Konversationspartner ausdrückt, so heißt es."

Sie hielt in ihrem Fegen inne und sah ihn finster an.

"Nun, zunächst einmal,", fauchte sie, "weder spotte ich, noch verwende ich Ausdrücke wie ´'eine Gesprächsfloskel, geschaffen, um dem Konversationspartner was auch immer zu erleichtern'`. Wenn Sie solche Dinge Harry oder Ron gegenüber sagen, werden Sie innerhalb einer Minute enttarnt."

Sie hielten den Blick für einen Moment; keiner war bereit, nachzugeben. Schließlich seufzte Hermine.

"Was wissen Sie bereits über mich?"

Snape zuckte halbherzig mit den Achseln.

"Ihr Name ist Hermine Patience Granger. Ich habe immer gedacht, dass die Wahl Ihres zweiten Vornamens außergewöhnlich unpassend war. Ich glaube, Sie wurden irgendwann in 1980 oder 1981 geboren, wenn man davon ausgeht, dass Sie in Ihrem letzten Jahr sind. Keiner ihrer Elternteile ist magisch. Sie sind eine Gryffindor. Sie lernen viel und erreichen gute Noten in allen Fächern, obwohl Madam Hooch sagt, dass Ihre Flugkünste noch verbesserungswürdig sind. Sie verkehren mit Potter und Weasley und man kann sich in jedem Fall darauf verlassen, dass Sie in der Nähe sind, wenn diese die Schulregeln brechen. Trotz dieser hochgradigen Verletzungen der Schulregeln, bringen Ihre anderen Lehrer Ihnen übermäßige Sympathie entgegen, was man darauf zurückführen kann, dass Sie Schulsprecherin sind. Sie sind herrisch, mischen sich gerne ein und sind übereifrig wenn es darum geht, Ihr Wissen zu demonstrieren. Und Sie besitzen eine große, buschige, rote Katze, die einen gräßlichen Geschmack in der Wahl derer hat, denen es seine Zuneigung zeigt."

Hermine blinzelte nach dieser Zusammenfassung über sie.

"Erinnern Sie mich daran, dass ich Sie als Redner für meine Beerdigung benenne", murmelte sie.

Snape blickte sie fragend an.

"Bevorzugen Sie unaufrichtige Schmeicheleien, Miss Granger?"

"Würde es eine Unterschied machen, wenn ich ja sage?"

Hermine glaubte, seine Lippen daraufhin leicht zucken zu sehen, aber seinem Mund entfuhr nur ein nichtssagendes Geräusch. Sie entschied, es durchgehen zu lassen. Sie unterbrach ihr Kehren, sammelte sich und versuchte herauszufinden, wo sie am Besten anfangen könne.

"Ähm ... ich wurde am 19.September 1980 geboren. Meine Eltern heißen Alison und Frank. Sie sind Zahnärzte und wohnen in Esher in Surrey. Patience war meine Großmutter mütterlicherseits, daher der Name. Ähm ... ich ging auf eine kleine, staatliche Grundschule bis ich meinen Hogwartsbrief erhielt. Meine beste Freundin in der Schule war Karen Marshall, die zwei Häuser nebenan wohnte. Wir tauschten oft Puppenkleider aus ..." Es war ein ziemlich unangenehmes Gefühl, Snapes Stimme über Puppen reden zu hören. Sie sah ihn an. Sein Gesichtsausdruck war unbeschreiblich. "Ich glaube das brauchen Sie nicht wirklich wissen", sagte sie etwas verlegen.

"Ganz bestimmt nicht", antwortete er.

"OK", sagte Hermine und versuchte sich auf die Bereiche ihres Lebens zu konzentrieren, die ihm in der jetzigen Situation helfen würden. Schließlich fuhr sie fort: "Meine Katze heißt Krummbein, und er ist ein er und kein es. Er schläft nachts gerne auf dem Kopfkissen, direkt neben mir. Ich denke, ich komme mit jedem in Gryffindor aus, nicht nur mit Harry und Ron. Normalerweise verliere ich beim Schach spielen gegen Ron. Ich esse kein Fleisch, keine Stachelbeeren und keinen Spargel. Ich mag Schokolade und Rhabarber." Sie zermarterte sich das Hirn. Es war schwierig, sich aus dem Stegreif selbst zu beschreiben. "Meine Lieblingsfächer sind Arithmantik, Verwandlung und Zaubertränke ...", sagte sie etwas defensiv und versuchte seinen Laut des Unglaubens zu ignorieren, "... Fliegen mag ich nicht und ich kann weder Wahrsagen noch Professor Trelawney ausstehen.

Sie hielt inne, als ihr klar wurde, was sie da gerade eben gesagt hatte.

"Ich denke nicht, dass Sie sich darüber sorgen müssen, dass Sie eine plötzliche Leidenschaft für Wahrsagen entwickeln, Miss Granger." Snape klang eher amüsiert als beleidigt. "Und das ist etwas, das ich wissen muss", fügte er ernst hinzu.

"Ich habe Bücher zu fast jedem Thema gelesen.", fuhr Hermine fort., "Ich mag Musik, weiß aber nicht viel darüber. Ich mag Katzen, Hunde eher nicht ...", erneut ignorierte sie seinen kommentierenden Laut und dachte, jetzt kann ich es auch durchziehen ... "Ich sehe es nicht gerne, wenn Leute geärgert werden, und ich mag Leute nicht, die auf Andere wegen ihrer Herkunft oder anderer Dinge, für die sie nichts können, herabsehen." In ihren letzten Worten lag etwas Herausforderndes, doch Snape ging nicht darauf ein.

"Normalerwiese helfe Neville bei den Hausaufgaben...", sie brach ab, da ihr etwas einfiel. "Professor", sagte Hermine, "Sie werden ... ich meine, Sie werden doch nicht ...", Ungeduldig schüttelte sie den Kopf und fing nochmals an. "Was ich meine ist, wenn Sie ... ich ... Neville nicht helfen, wird es komisch wirken ... die Leute werden denken, dass etwas nicht stimmt."

Er seufzte.

"Mir ist bewusst, dass Mr Longbottom in nächster Zeit auf mich zu kommen wird." Er machte eine Pause, und als er wieder anfing zu sprechen, klang er, als ob es ihm körperlich schwer fiel, das zu sagen. "Ich werde den Nachhilfeunterricht mit Mr Longbottom fortsetzen. Er wird es zu schätzen wissen."

Hermine atmete erleichtert auf. Snape legte seinen Besen zur Seite.

"Ich denke, wir können jetzt die restliche ... Substanz abfüllen."

Er zog seinen Zauberstab hervor und murmelte "Accio Phiolen!", und mehrere leere Glasfläschchen flogen von einem kleinen Regal an einer Seite des Raumes herbei. Über dem Tisch blieben sie in der Luft schweben. Snape nahm sie und stellte sie auf den Tisch. Geschickt wandte er den Pleneo-Zauber an, um die Reste des silber-grauen Trankes in die Flaschen zu füllen. Dann versiegelte er sie fest, belegte sie mit einem Zauber und ging in Richtung seines Büros. Hermine folgte. Snape stoppte an der Tür und sah sich rebellisch um.

"Wenn ich das hier durchziehen soll, brauche ich von Ihnen alle Passwörter", bemerkte sie spitz.

Nach einer kleinen Pause gab er schließlich widerwillig nach.

"Ich wünsche jedoch nicht, dass Potter und Weasley es sich in meiner Abwesenheit hier gemütlich machen", fügte er hinzu und betrat sein Büro.

Hermine war mit einem Schlag sehr verärgert.

"Und ich wünsche nicht, dass meine Freunde plötzlich Unmengen von Hauspunkten abgezogen bekommen für Dinge, die sie in der Ungestörtheit des Gryffindor-Gemeinschaftsraum äußern", erwiderte sie scharf.

In seinem Gesicht arbeitete es und Hermine wartete auf die unausweichliche Explosion. Die kam aber nicht. Als er sprach, klang seine Stimme gezwungen: "Keine Sorge, Miss Granger. Alles, was mir ihre ... Freunde ... , die mich für Sie halten, erzählen, werde ich für mich behalten."

Hermine nickte.

"Und alles was die Leute, die mich für Sie halten, sagen, werde ich auch geheim halten", erwiderte sie.

Wieder hielten sie den Blick des anderen und dieses Mal schlossen sie einen vorläufigen Waffenstillstand.

"Jetzt, da wir das erledigt hätten", sie deutete auf die Phiolen, die er gerade in der Schublade seines Pultes verstaute., "sollte ich Ihnen wohl meine Räume zeigen. Oder besser gesagt: Ihre Räume."

Snape hörte auf, in den Blättern auf seinem Schreibtisch zu wühlen und nickte. Er hielt ein Stück Pergament in der Hand und hielt es ihr entgegen.

"Das werden Sie brauchen. Dies sind einige Informationen und die Tagesordnung für die Besprechung heute Abend", sagte er kurz angebunden. "Bevor sie anfängt, werde ich Ihnen alles Wichtige mitteilen."

Hermine nahm das Blatt.

"Danke", sagte sie schlicht, " Sollen wir gehen?"

Sie verließen das Klassenzimmer - dieses Mal erlaubte er Hermine, die Tür magisch zu versiegeln - und Snape führte sie in eine Richtung, die Hermine nicht gewählt hätte. Vor einer kahlen Wand blieben sie stehen und Snape bediente sich einer Variante des Dissendium-Zaubers, durch den sich die Wand zu einem Bogen verformte. Hinter diesem befand sich eine Treppe. Er teilte ihr mit, dass sie so den größten Teil des Weges zurücklegen konnten ohne das Risiko einzugehen, von der Schülerschaft gesehen zu werden. Zweifelslos war das eine sehr kostbare Information, die Snapes Fähigkeit, wie aus dem Nichts zu erscheinen, erklärte. Hermine entging nicht, dass seine Erklärung mit zusammengebissenen Zähnen erfolgte.

Als sie ihr Zimmer erreichten, legte Hermine ihre Hand auf die Tür und sagte: "Einhornblut!"

Die Tür schwang zur Seite. Sie betrat den Raum und bat Snape herein. Sie versuchte sich von dem Gedanken zu distanzieren, dass sie ihren Zaubertranklehrer in ihren Privaträumen bewirtete. Es war ein größerer Einschnitt in ihre Privatsphäre, als es der Aufenthalt mit ihm allein im Unterrichtsraum gewesen war. Snape sah aus, als ob er von der Wahl des Passworts überrascht wäre.

"Was denn?", fauchte sie knapp. "Was haben Sie denn erwartet? ´'Süßes, kleines Miezekätzchen'` ?"

Mit einem finsteren Blick kommentierte er ihren Tonfall.

"Mein begrenztes Interesse an den Gedankengängen von Mädchen im Teenageralter endet an der Klassenzimmertür, Miss Granger", herrschte er sie an.

Hermine ignorierte ihn. Sie ging durch das Zimmer und wünschte, dass sie heute morgen besser aufgeräumt hätte. Das Bett war nicht gemacht.Als sie es sah, wurde ihr unangenehm bewusst, dass ihr Nachthemd auf einem Haufen auf dem Boden lag. Sie beugte sich hinunter, um es aufzuheben. Der Anblick des zerknitterten, weißen Baumwollteils in Snapes starker, offensichtlich männlichen Hand war beinahe zu viel für sie. Sie musste gegen den Drang ankämpfen, zurück zu Dumbledore zu rennen und ihm zu sagen, dass ihr alles egal war - sie konnte das nicht ertragen.

Sie versuchte, nicht zu zittern, und mit zusammengebissenen Zähnen legte sie ihr Nachthemd auf das Bett, zerstreut die Laken zurechtziehend.

"Das ist mein Zimmer", sagte Hermine unnötigerweise. "Leider bin ich von Zeit zu Zeit etwas unorganisiert. Aber man kann alles finden, wenn man nur danach sucht."

Es war eine entnervende Erfahrungen, sein eigenes, privates Reich durch die Augen eines anderen zu sehen. Ihr Zimmer war nicht mädchenhaft. Keine Rüschen, keine Volants und nirgends auch nur eine Spur Rosa. Es gab wenig Zierde, nur eine Muggel-Fotographie in einem einfachen, silbernen Rahmen. Es zeigte ein glücklich aussehendes Paar in den Vierzigern - ihre Eltern. Es gab einen kleinen Ofen, zwei dunkelrot gepolsterte Sessel standen davor. Der polierte Holzboden vor dem Ofen war mit einem ebenfalls weinroten, flauschigen Teppich bedeckt. Links von der Tür standen Regale, auf denen sich ungeordnet Bücher und Schriftrollen stapelten. An ein Regal war ein großes Stück Pergament befestigt, auf das verschiedenfarbige Diagramme und Symbole gezeichnet waren.

Ein Tisch, der an der entgegengesetzten Wand unter einem Fenster stand, war ähnlich vollgepackt. In der rechten Wand war eine weitere Tür eingelassen, welche zu Hermines eigenem Badezimmer führte. Neben dieser Tür standen ein großer Kleiderschrank aus hellem Eichenholz und eine Kommode aus dem selben Material. Ein Schrankkoffer diente als ein niedriger Tisch.

Obwohl der ganze Raum in den Gryffndor-Farben gehalten war, wirkte es nicht erdrückend und sorgte für eine helle, geräumige Atmosphäre. Abgesehen von dem Foto waren die einzigen wirklich persönlichen Gegenstände in Hermines Zimmer ein sehr alter, sehr mitgenommen aussehender Teddybär auf dem Bett und ein pelziges, rotes Etwas mit bösartig schauenden Augen.

Krummbein stand auf, streckte sich, sprang vom Bett und tapste zu den beiden hinüber. Er beschnupperte Hermines Füße und dann Snapes.

"Krummbein, das ist ist Professor Snape." Hermine deutete auf die Person, die wie sie aussah und, ohne Zweifel, auch so roch. "Es gab einen kleinen Unfall. Er wird für ein Weilchen hierbleiben."

Sie kam sich ein bisschen dumm vor, dass sie ihrer Katze etwas erklärte. Snapes Gesichtsausdruck zufolge stimmte er mit ihrer Einschätzung überein. Krummbein sah "Hermine" gefährlich an und fauchte.

"Sei bitte nett zu ihm", bat Hermine und fühlte sich noch dümmer dabei.

Krummbein sah sie an, dann Snape, machte eine Bewegung, die nur ein Achselzucken sein konnte und taperte zurück zum Bett.

Wer hat gesagt, dass er bei der Auswahl seiner Freunde einen grässlichen Geschmack hat, dachte sie mit Genugtuung.

Sie deutete mit ihren Händen auf den Raum.

"Das ist es also. Die Hauselfen beziehen das Bett einmal die Woche, aber zwischendurch können Sie es selbst machen. Oder nicht. In dem Schrank sind meine Schulkleidung, meine Blusen, Röcke und Festumhänge. Oh, und auch noch ein paar Muggelsachen da und dort. In der Kommode sind Pullover, Hosen und ..." Es war ihr egal, was der Direktor gesagt hatte - sie hatte nicht vor, mit Snape ihre Unterwäsche zu diskutieren. Das würde er schon selbst finden, . " ... und andere Dinge", schloss sie zerstreut. "Ich denke, Sie werden sich schon zurechtfinden. Montags holen die Hauselfen die Wäsche ab und bringen sie Mittwochs zurück. Ähm ... ", sie deutete auf die Tür, " ... das Badezimmer ist dort. Da drin ist noch ein Schrank mit ... naja ... Sachen halt. Möchten Sie einen Tee?"

Den letzten Satz hatte sie mit steigender Verzweiflung hinzugefügt, um sich von Snapes immer ungläubiger aussehendem Gesicht abzulenken.

"Ich soll hier wohnen?", brachte er schließlich heraus.

Sie schluckte ihre Verärgerung hinunter.

"Es könnte schlimmer sein", sagte sie in säuerlichem Tonfall. "Sie hätten ihren Körper mit Lavender Brown tauschen können. Ich bin mir sicher, dass Sie all die zusätzlichen Wahrsagen-Stunden genießen würden. Oder es hätte letztes Jahr passieren können. Dann hätten Sie sich mit ihr und Parvati ein Zimmer teilen müssen."

Du meine Güte, dachte sie. Für einen Moment habe ich mich wirklich wie er angehört. Snape blinzelte. Offenbar hatte er dasselbe gedacht.

Sie deutete auf das Pergament, das am Regal hing.

"Das ist mein Stundenplan. Alles, was Sie für den Unterricht brauchen, liegt entweder auf dem Regal oder dem Tisch. Meine Hausaufgaben sind alle auf dem neuesten Stand." Sie zuckte mit den Achseln. "Ich weiß nicht, was ich Ihnen sonst noch sagen könnte." Sie versuchte zu lächeln. Es fühlte sich seltsam an, als ob die Muskeln an diese Bewegung nicht gewöhnt wären. "Ich fürchte, ich bin keine sehr interessante Person."

Als Snape diesen Köder nicht schluckte, sah sie ihn neugierig an. Er schritt ziemlich nervös auf und ab.

"Stimmt etwas nicht?", fragte sie und war sich der tiefen Ironie bewusst, diese Frage in ihrer beider Situation zu stellen.

Es schien, als ob er um Worte rang. Dann sagte er:

"Miss Granger, bitte sagen Sie mir eines. Sind Sie ... ich meine, Potter ... "

Noch ein erstes Mal, dachte sie gedankenverloren, Snape hat es die Sprache verschlagen.

Besagter Herr schloss die Augen und fuhr hartnäckig fort: "Miss Granger, sagen Sie mir bitte, dass Sie keine ... romantische Beziehung mit Potter oder Weasley führen ... oder mit jemand anderem ... "

Im ersten Augenblick war sie verblüfft. Dann wurde sie sich der Möglichkeiten bewusst. Sie ließ sich in einen Stuhl nahe dem Feuer fallen und fing an, zu zittern. Nach einem harten, erfolglosen Kampf um ihre Fassung, brach sie in Gelächter aus. Sogar die giftigen Blicke quer durch den Raum konnten sie nicht ernüchtern; die Vorstellung war einfach zu lächerlich. Für einen Moment spielte sie mit dem Gedanken, ihm zu sagen, dass sie heimlich mit Neville Longbottom verlobt wäre.

Außerdem mochte sie ihren vollen Bariton. Er war unerwartet weich. Soweit sie wusste, hatte noch niemand Snape je lachen hören. Mit Mühe riss sie sich zusammen.

"Nein, Professor,", gluckste Hermine und versuchte, ihn zu beruhigen. "Ich habe zur Zeit keine romantische Beziehung mit jemandem." Etwas zwang sie hinzuzufügen, "obwohl - wenn Sie vorhaben, das zu ändern, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie es vorher mit mir besprechen würden."

"Das ist nicht zum Lachen, Miss Granger", sagte er in einem arktischem Ton. "Ich kann Ihnen versichern, dass ich Ihr Liebesleben nicht für Sie regeln werde."

Das brachte sie wieder zurück auf den Boden.

"Entschuldigung", sagte sie mit echtem Bedauern. "Ich habe Sie nicht ausgelacht. Es war vielmehr die ganze Situation - ich denke, ich musste einfach die ganze Anspannung loswerden. Abendessen ist eine Sache, aber ich freue mich nicht gerade darauf, später bei der Konferrenz zu versuchen, das restliche Kollegium davon zu überzeugen, dass ich Sie bin." Sie hielt inne. "Wollten Sie eigentlich einen Tee?"

"Ja, nun", sagte er schließlich, "ich glaube, Tee wäre nett."



Teil 4 - Kehrtwende in Richtung Hölle, oder 'Severus - leicht gemacht'



Tee wäre nett - eigentlich alles, um ihn vom aufkeimenden Horror abzulenken, als die Realität der Situation sich einen Weg an die Oberfläche bahnte. Dumbledore und das Aufräumen des Schulzimmers hatten ihn genügend beschäftigt um nicht zu weit zu denken, doch nun, hier in Hermines - oder besser gesagt seinem - Zimmer, war er buchstäblich umgeben von den Konsequenzen von Mr Longbottoms Handlungen. Und jetzt würde er auch noch dem Jungen Nachhilfe erteilen müssen.

Snape unterdrückte das Bedürfnis zu stöhnen und den Kopf in seinen Händen zu vergraben. Das öffentliche Zurschaustellen von Miss Grangers Körper und Seele war unangenehm genug, ohne auch noch ihre Besorgnis hinzu zu fügen.

Er entschied sich schliesslich für ein leichtes Kopfschütteln, sobald Hermine sich umgedreht hatte um Tee zu kochen; er erschauerte abrupt, das Gefühl der langen Haare, die über seinen Rücken glitten, war gelinde gesagt überwältigend. Er widerstand dem Bedürfnis sie zu berühren und dachte daran, dass er später noch genug Zeit zum Erforschen haben würde... dann schob er schnell alle Überlegungen an Erforschung weit weg, spürte er doch wie sein Gesicht leicht rot wurde, als seine Gedanken von Miss Grangers - nein, seinen - Haaren abschweifte.

Auf der Suche nach Ablenkung blickte Snape sich erneut im Zimmer um und seufzte leise, die rote Katze auf dem Bett bemerkend, welche ihn misstrauisch begutachtete. Beinahe hätte er an kosmische Vergeltung zu glauben begonnen - das Ganze sah verdächtig danach aus, als ob er nun für alles büßen musste, was er bisher in seinem Leben getan hatte; nun, vielleicht nicht alles. Aber mit Sicherheit büßte er für irgend etwas. Ein Teenager zu sein war... er konnte sich ehrlich gesagt nichts anderes vorstellen, was er noch weniger gern gewesen wäre. Die einzige Gnade in seinen Augen war, dass sie wenigstens keinen festen Freund hatte - er schauderte beim blossen Gedanken, als die Vorstellung, eine Beziehung mit Potter oder Weasley aufrecht zu erhalten, wie ein Dementor in seinem Kopf auftauchte.

Er biss die Zähne zusammen, schob diese Gedanken von sich und begann danach, mit Hermines Rücken zu sprechen während sie Tee kochte.

"Die Lehrerkonferenz - Sie haben die Agenda, und die meisten Themen sind darin ersichtlich. Über einige davon sollten Sie meines Wissens nach bereits schon Bescheid wissen, da Sie als Schulsprecherin mit der Administration der Schule vertraut sein müssten. Ich bevorzuge es, mich während den Konferenzen im Hintergrund zu halten; nehmen Sie einen Sessel beim Feuer und vermeiden Sie, am unaufhörlichen Geschwätz vor - und nach - der Konferenz teilzunehmen.

Die einzige Sache, bei der man von Ihnen verlangen könnte etwas zu sagen, betrifft Professor McGonagalls Protest bezüglich Mrs Norris. Ich glaube, sie hatte eine ziemlich heftige Auseinandersetzung mit Filchs Tier das letzte Mal, als sie sich entschieden hatte, spät nachts in Katzenform durch die Schule zu wandern."

Er machte eine kurze Pause und bemühte sich nicht über die Geschichte zu lachen, die man ihm erzählt hatte; wie McGonagall vor Mrs Norris geflohen war, zu sehr damit beschäftigt zu entkommen, als sich daran zu erinnern, sich zurück in ihre menschliche Form zu verwandeln. Er konnte auch Hermines Schultern leicht zucken sehen. Doch als sie ihn anschaute, war nur Neugier in ihrem Gesicht zu erkennen.

"Wieso werde ich mich dazu äußern müssen?"

"Weil Filch, aus Gründen die ich noch nie verstanden habe, immer zu glauben scheint, dass ich ihn unterstützen würde - und deshalb wird er sich auf Sie berufen. Ich schlage vor, dass Sie einfach sagen, es habe nichts mit Ihnen zu tun, und dass es nicht in Ihrer Absicht liegt, weiter in solche Angelegenheiten involviert zu werden. Halten Sie sich kurz und knapp, und sorgen Sie sich nicht um Filchs Gefühle. Oder McGonagalls, wenn ich schon dabei bin."

Zu seiner Erleichterung hinterfragte Hermine seine Instruktionen nicht und nickte nur, als sie ihm eine Tasse Tee brachte, von der träger Dampf aufstieg. Er nahm sie vorsichtig entgegen, immer noch darum bemüht, sich an seine kurze Reichweite und die ungewohnten Finger zu gewöhnen.

"Danke.", sagte er, seine Gedanken wieder auf den eigentlichen Grund ihres Zusammensitzens fokussierend. Sie brauchte einige Informationen über ihn, um als er durchgehen zu können, ohne sie beide zu vernichten. Er hoffte, dass ihre schauspielerischen Talente einigermassen gut waren - und entschied, dass sie am Besten damit beginnen sollten.

Snape öffnete seinen Mund, doch er war zu lange still geblieben und Hermine war schneller. Da war ein Lächeln auf ihrem Gesicht, dass entschieden eigenartig aussah. Vermutlich lag dies an der mangelnden Benützung der entsprechenden Muskeln - er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal wirklich gelächelt hatte.

"Also, Professor. Sind Sie denn in romantischem Sinne mit jemandem zusammen liiert?"

Snape erstarrte, und überraschte dann sich selbst - und Hermine - indem er ihrem vorhergehenden Beispiel folgte und auflachte; er stellte den Tee sorgfältig auf dem Koffer ab, setzte sich in den anderen Sessel und versuchte wieder zu Atem zu kommen, selbst überrascht von seiner Reaktion. Materie über Verstand, so schien es; wie viele weitere Reaktionen würden wohl den Schriftzug des Körpers tragen, der nicht sein eigener war? Wenigstens stellte sich heraus, dass er ein angenehmes Lachen hatte, weder kichernd noch hysterisch, auch wenn er sich unangenehm bewusst war, dass Hysterie nicht weit davon entfernt lag. Er beruhigte sich wieder, eine Hand hochhaltend.

"Bitte entschuldigen Sie, Miss Granger. Nein... nein, ich bin nicht mit jemandem zusammen. Weder romantisch noch in anderer Weise.", ergänzte er und versuchte, seinen ursprünglichen Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. "Mein... Leben... ist bisher nicht unbedingt förderlich gewesen, was solche Verbindungen anbelangt; Sie werden bestimmt eine Idee haben, wieso dem so ist."

Hermine nickte und beobachtete ihn mit seinen eigenen Augen. Es war ein merkwürdiges Gefühl, eher wie wenn man die ganze Zeit in einen Spiegel schauen würde.

"Wieso erzählen Sie mir nicht, was Sie über mich wissen? Dann kann ich die für Sie nötigen Details ergänzen. Zum Glück bedeutet", sprach er gedehnt, seine Beherrschung wiedererlangend, "mein... Bedürfnis... nach Privatsphäre, dass Sie mit merklich wenigen Menschen näher zu tun haben werden als ich."

"Sie würden überrascht sein", murmelte Hermine. "Nun gut. Sie sind Severus Accius Snape - die Jahrbücher in der Bibliothek sind sehr informativ, Professor", ergänzte sie, als sich seine Augenbrauen in Überraschung hoben. "Sie sind 38 Jahre alt, Sie sind Zaubertränkemeister hier in Hogwarts seit... ehrlich gesagt, ich weiss nicht, wie lange Sie schon hier sind. Lange genug zumindest um Bill und Charlie Weasley unterrichtet zu haben. Sie... lassen sich nicht zum Narren machen, Sie haben einen, ähm, einzigartigen Unterrichtsstil. Sie können Quidditch-Spiele referieren, was Sie aber erst ein Mal getan haben, seit ich hier zur Schule gehe." Einen Moment lang hielt sie inne, und er konnte sie schlucken sehen. "Und Sie waren ein Todesser. Jetzt spionieren Sie für Dumbledore."

Ihre Stimme versiegte.

"Das ist alles, was Sie über mich wissen?", fragte Snape kurze Zeit später, und Hermine nickte.

"Gut. Das ist auch alles, was Sie hätten wissen dürfen. Wenigstens haben Ihre nächtlichen Untaten mit Potter und Weasley Ihnen keine weiteren Informationen geliefert - Untaten mit Potters Unsichtbar-Umhang, Miss Granger, ich möchte damit nicht die Aufrichtigkeit ihrer Antwort von vorhin in Frage stellen, dass Sie mit keinem von beiden zusammen sind", ergänzte Snape, als Hermine ihn aufständisch anfunkelte

"Wie ich schon gesagt habe", sprach er langsam, fuhr dann aber in normalem Tempo fort. Hermines Stimme war nicht wirklich zum gedehnten Sprechen geeignet - es klang eher noch gelangweilter und sarkastischer als seine eigene Stimme. Unglücklicherweise lag das Resultat auch näher bei 'schmollender Teenager' als bei Einschüchterung. "Wie ich schon gesagt habe, bevorzuge ich Alleinsein. Es passt nicht zu mir, alle und jeden in Details meines Lebens einweihen zu wollen, und weder ermutige ich dies, noch ziehe ich es in Erwägung, dies in Zukunft zu ermutigen - Ich habe mich nie an unnötigem Geplauder beteiligt, Miss Granger, und es wäre sicherer für uns beide, wenn Sie dies auch nicht ändern würden."

Hermine unterbrach ihn; Snape bemerkte, dass sie allmählich seinen Tonfall zu meistern begann. "Professor, ich bin mir durchaus den Gefahren für uns beide bewusst, sollte irgend jemand misstrauisch auf auch nur einen von uns werden", brachte sie hervor. "Wenn wir auf die gegenseitigen Beleidigungen verzichten könnten, würden wir dies um einiges schneller hinter uns bringen."

"Gut.", Snape lächelte beinahe über die Verwirrung, die Hermine ins Gesicht geschrieben stand. "Sie haben tatsächlich wie ich geklungen, Miss Granger. Behalten Sie es bei."

"Verdammter Bastard."

Snape entschied sich, nicht über diese leise gemurmelte Beleidigung zu streiten; sie wütend zu lassen war der schnellste Weg sicher zu gehen, dass sie eine einigermassen überzeugende Fassade gegenüber der Schule zur Schau trug. Er konzentrierte sich erneut auf das Gespräch, entschlossen es so rasch als möglich hinter sich zu bringen.

"Details. Nun, ich bezweifle dass es einen Grund für Sie gibt, diese zu wissen, aber es ist möglich, dass einer der anderen Lehrer etwas erwähnen könnte, von dem erwartet wird, dass Sie darüber Bescheid wissen. Ihre Nachforschung in der Bibliothek war korrekt, ich bin 38 - geboren am 13. September 1960. Ich feiere meinen Geburtstag nicht und ich habe nicht geplant, dass wir uns immer noch in dieser speziellen Situation befinden, wenn er das nächste Mal kommt. Meine Eltern leben noch beide und ja, Miss Granger, sie waren verheiratet, als ich geboren wurde; sie leben in Suffolk und sind nicht sonderlich bemerkenswert. Niemand der übrigen Lehrer hat sie bisher kennengelernt, oder, meines Wissens nach, etwas anderes über sie erfahren, als dass sie überhaupt existieren. Ich habe ein Haus in Hogsmeade, welches ich von meiner Grossmutter geerbt habe. Sollte jemand Sie danach fragen, dann sagen Sie einfach, Sie hätten in nächster Zeit nicht vor dorthin zu gehen. Ich habe weder Geschwister noch andere Verwandte.

Ich arbeite seit 15 Jahren für Dumbledore - in beiden Beziehungen. Ich bin im Sommersemester 1983 ins Schulkollegium eingetreten. Ich war damals seit 5 Jahren ein... Anhänger Voldemorts gewesen, ab meinem 18. Geburtstag. Ich spreche mit niemandem über diese Zeit, also wird auch niemand von Ihnen erwarten, dass Sie darüber sprechen oder sich darauf beziehen."

Eine tiefe, leise Stimme fragte: "Ausser Voldemort."

"Wie Sie sagen.", antwortete Snape und nickte kurz, "Ausser Voldemort. Mein letztes Treffen mit ihm ist... noch nicht sehr lange her. Sie sind vermutlich im Moment sicher, aber wir sollten dieses Wochenende einen Plan für unvorhergesehene Ereignisse entwickeln. Im Moment müssen wir uns nur mit morgen befassen, und dann haben wir wenigstens das Wochenende, um uns vernünftig mit unseren beiden Charakter-Fassaden bekannt zu machen. Jetzt haben wir nicht genügend Zeit, Sie werden bald bei der Lehrerkonferenz erwartet. Nichts desto trotz, da anscheinend keines unserer Leben im Moment reibungslos abzulaufen scheint, sollte das Mal - auf ihrem linken Arm", erinnerte er Hermine, welche instinktiv einen Ärmel hochgezogen hatte und auf die Haut ihres Armes starrte, "Sollte das Mal sichtbar werden oder zu brennen beginnen, dann suchen sie mich unverzüglich auf. Wagen Sie nicht irgendwelche Gryffindor'sche Heldentaten, Miss Granger, oder wir werden beide tot sein."

Hermine sträubte sich, und er fuhr fort, bevor sie mit Reklamieren begann. Es war besser, sie in diesem Zustand zu halten und somit ihre Darstellung von ihm zu verbessern.

"Glücklicherweise habe ich nicht die Angewohnheit, mich irgend jemandem gegenüber erklären zu müssen - ausser vielleicht Dumbledore - und so werden Sie auch keinen Argwohn erwecken, sollten Sie mich dringend zu sprechen wünschen. Alles wonach ich bitte ist", seufzte er, "dass Sie jede Klasse, die Sie jeweils gerade unterrichtet haben, anständig entlassen. Ich hätte gerne mein Klassenzimmer in einem relativ intakten Zustand zurück, sobald das alles vorbei ist.

"Ja, Professor." Hermine beendete ihren Tee und stand abrupt auf. Ihre und Snapes Tasse einsammelnd, begab sie sich zu einem kleinen Waschbecken in der Ecke. Sie beschäftigte sich mit Tassen auswaschen, während Snape ihren Rücken betrachtete. Unerwartet sprach sie, ihr Ton ziemlich giftig.

"Wissen Sie, Professor, ihr Plan mich wütend genug zu machen, um eine passable Nachahmung von Ihnen darstellen zu können, wirft ein paar Fragen auf." Sie machte eine Pause, und Snape hätte beinahe diesen Moment genutzt, um sie zurecht zu weisen, dass er eine Diskussion über seine Psyche glattweg ablehnte. Er war dankbar für sein Zögern, denn Hermine hatte wieder zu sprechen begonnen.

"Die erste Frage ist, was muss ich tun um sicher zu gehen, dass Sie die anderen überzeugen können, dass Sie ich sind?"

Hermine hatte sich umgedreht und beobachtete ihn nun, gross gewachsen und still. Snape bemerkte nebenbei, dass sie sich sorgfältig bemühte, ruhig zu bleiben, anscheinend um seine übliche Haltung zu imitieren. Er erwischte sich selbst, wie er zu aufrecht auf dem Stuhl saß und zwang sich, sich etwas nach vorne sinken zu lassen, wie so viele seiner Schüler es taten, inklusive Miss Granger. Sein Rücken würde weh tun, noch bevor der Tag zu Ende war, dessen war er sich sicher.

"Ich habe gedacht", antwortete er nachdenklich, "dass Sie vermutlich beginnen werden, ziemlich besessen von den Abschlussprüfungen zu werden, Miss Granger. Es wäre nicht untypisch für Sie, nicht einmal so früh im Jahr."

Hermines bleiche Haut errötete leicht, doch sie nickte und überlegte kurz, bevor sie antwortete: "Sie müssen auf Harry und Ron aufpassen, sie werden jeweils genauso besessen, mich aus der Bibliothek zu schleifen, wenn sie glauben, dass ich zu hart arbeite. Und doch glaube ich, dass es eine gute Idee ist; sollte Ihnen ein Ausrutscher passieren, dann können Sie auf es die Überarbeitung zuschrieben. Und es wird Ihnen zudem die Gelegenheit geben, die Gryffindors als einen von ihnen zu behandeln."

Snape nickte und stützte sein Kinn auf seinen gefalteten Händen auf.

"Es bedeutet auch, dass ich mich hier im Zimmer einschliessen und behaupten kann zu studieren, um stattdessen Sie in meinen Räumen treffen und die Stundenpläne des nächsten Tages mit Ihnen durchzugehen . ", Hermine erbleichte während er sprach, der Vorstellung, dass sie Zaubertränke unterrichten musste, anscheinend erst jetzt richtig gewahr werdend, "aber auch um Ihnen meine Notizen aus den Klassen zu geben und Sie über Ihre Hausaufgaben zu informieren, Miss Granger."

"Meine Hausaufgaben?", echote sie.

"Ihre Hausaufgaben, Miss Granger. Es ist schon schlimm genug, dass ich das siebte Jahr wiederholen muss, Miss Granger - Sie haben doch sicher nicht geglaubt, dass ich auch noch Ihre Hausaufgaben machen werde, oder?", er hob eine Augenbraue als er sprach und stand dann auf. "Ich glaube, wir werden zu spät zum Abendessen kommen, wenn wir nicht jetzt gehen, Miss Granger."





Teil 5 - Gib nicht einfach die Heimatwelt fort

Teil 5 - Gib nicht einfach die Heimatwelt fort

Snape schien wirklich zu denken, dass seine wenigen Sätze es ihr ermöglichen würden, mit dem kommenden Abend fertig zu werden. Sie war geneigt, nicht damit übereinzustimmen und dieser Eindruck verhärtete sich auf dem Weg zur Großen Halle. Mit leiderprobter Miene erschien er wie ein Mädchen im Teenager-Alter, das des Lebens überdrüssig war und seinen unüblich tumben Eltern etwas erklären musste. Er begann zu erzählen, was sie erwarten würde.

Ihre Lippen zuckten und sie unterdrückte den Drang wieder los zu lächeln; er war offensichtlich vollkommen in Unkenntnis über den Effekt seines Gesichtsausdrucks. Um so besser für ihn.

„Auch wenn der Direktor es als Lehrerversammlung umschrieben hat, ist es letztendlich nur das monatliche Treffen der Hauslehrer, was bedeutet, dass Sie mit einer geringeren Anzahl von Leuten zu tun haben werden."

Mit einer geringeren Anzahl, aber wahrscheinlich mit denen, die am Schwersten zu täuschen sind, dachte sie und ihre Belustigung klang langsam ab.

"Hören Sie zu!", fauchte er.

Leicht mit den Zähnen knirschend, richtete sie ihre Augen auf den aufgeregten Gryffindor vor ihr.

"Wie ich schon sagte, Sie sollten bereits mit manchen der Themen vertraut sein - das Benehmen der Schüler, spezielle Probleme und Unmut wegen Ihnen und Ihren Freunden sind diesmal keine Punkte der Tagesordnung.

Das war zumindest ein Grund zur Erleichterung. Es bestand kein Zweifel daran, dass es ihm enorme Freude bereiten würde sich vorzustellen, wie sie aus irgendeinem Grund den Schulverweis von Harry und Ron befürworten müsste.
Natürlich nur im Interesse des In-Der-Rolle-Bleibens.

"Die Treffen finden im Büro des Direktors statt und fangen für gewöhnlich eine halbe Stunde nach dem Abendessen an. Das Passwort lautet 'Lakritzkonfekt'. Ich schlage vor, dass Sie die Zeit bis dahin nutzen, um sich stärker mit den Themen vertraut zu machen." Sie verstaute das Pergamentenbündel mit den Texten zur Tagesordnung sicher in der Robe. Diese hier besaß beträchtlich mehr Taschen und anderen versteckten Stauraum als ihre Schulrobe. Sie nickte als Antwort.

"Und es gibt bestimmt keine besonderen Sachbestände, die Slytherin betreffen und somit zur Sprache kommen könnten?", fragte sie und versuchte dabei souveräner zu klingen als sie sich fühlte.

"Nein, Miss Granger," sagte er geduldig, "nicht bei diesem Treffen. Versuchen Sie sich einfach im Sinn meines Hauses rauszuhalten, falls Ihnen das möglich ist. Slytherin ist kein Haus, das sich freiwillig meldet, um beispielsweise eine Abfallsammlung zu organisieren."

"Wie Sie wünschen," sagte sie knapp, da sie nervös und müde wegen seinem unnachgiebigen Sarkasmus war. Besonders weil sie es von ihrer eigenen Stimme gesprochen hörte. Er sah sie an.

"Miss Granger, bis auf die Sache mit Mrs Norris ist es extrem unwahrscheinlich, dass Sie an diesem Abend irgendeinen Beitrag leisten müssen. Wenn irgendwelche schwierigen Themen aufkommen, dann - und daran hege ich keine Zweifel - wird der Direktor das Gespräch in sichere Bahnen lenken." Seine Stimme wurde fast unmerklich weicher. "Sie sollten unbeschadet durch den Abend kommen, wenn Sie sich einfach jenen Sessel setzen, der als nächster zum Kamin steht und jede Tasse Tee trinken, die Ihnen der Direktor auftischt. Ansonsten, starren Sie vor sich, grunzen Sie ab und zu und machen Sie den Eindruck, als ob sie überall lieber wären als in einer Personalsitzung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dies unter den gegebenen Umständen als eine zu schwere Aufgabe herausstellen sollte."

Sie warf einen kurzen Blick auf ihn. Sollte das ein Witz sein? Sein Gesichtsausdruck war nicht zu interpretieren. Im Übrigen hatte sie nicht sonderlich viel Erfahrung damit, ihre eigene Mimik zu deuten. Ein unangenehmes Schweigen kam auf, und sie wog sich indes in dem eben von Snape in Erinnerung gerufenen, tröstenden Gedanken, dass Dumbledore dabei sein würde - der Direktor würde sie vor Fehlern bewahren, dachte sie. Sie musste nur die Versammlung überstehen, danach würde sie in Ruhe zusammensacken können ... ah. Ja.

Snape hatte pausiert.

"Gibt es noch etwas, Miss Granger?"

Oh ja, allerdings.

"Passwörter," sagte sie kurz und bündig.

Er schaute sie ein wenig verdutzt an.

"Passwörter," wiederholte sie. "Um genauer zu sein Ihre." Sein Gesichtsausdruck verdunkelte sich. "Nun," fuhr sie fort und versuchte dabei vernünftig anstatt aufgeregt zu klingen, "im Moment ist das Schulsprecherinnen-Zimmer der einzige Schlafplatz, der mir zugänglich ist. Entweder verraten Sie mir die Passwörter zu Ihren Räumlichkeiten, oder ich benutze mein Zimmer gemeinsam mit Ihnen und wir können ausknobeln, wie wir es Harry und Ron am nächsten Morgen erklären."

Sie hörte, wie er ein deutliches Würgen zu unterdrücken versuchte. Mit einem mürrischen Brummen teilte er ihr dann die notwendigen Kombinationen mit, die es ihr ermöglichten, seine privaten Räume aufzusuchen.

Eine Eingebung ließ sie ihn plötzlich verstehen. Ihr selbst widerstrebte bereits der Gedanke, dass er in ihre persönlichen Bereiche eindringen würde. Der sehr verschlossene Zaubertranklehrer musste es mindestens gleichermaßen unerträglich finden, dazu gezwungen zu werden, ihr einen fast unbeschränkten Zugang zu seinem Leben zu gewähren, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Sie hielt ihr Gesicht mit aller Sorgfalt starr. Dies war nicht der Moment, um Sympathie zu zeigen.

Es hieß, die kommende Feuerprobe zu bestehen.

Abendessen.

Ihr erster öffentlicher Auftritt als Snape. Wenn auch nur aus der Distanz.

Gerade als beide in einen reichlich bevölkerten Korridor einbiegen wollten, überkam Hermine ein schrecklicher Gedanke. Sie riss an seiner Robe.

"Warten Sie," zischte sie und zog ihn zurück.

Er öffnete seinen Mund um zu protestieren, aber sie bedeutete ihm ruhig zu sein. Sie sah nicht, dass sich auf seinem Gesicht kurz so etwas wie Anerkennung abzeichnete.

"Gibt es irgendetwas, was Sie nicht essen?"

Was auch immer er gerade hatte sagen wollen, erstarb auf seinen Lippen, als er offensichtlich sehr schnell zu denken begann.

"Schalentiere jeglicher Art." Sicherlich, kein Problem. Schon der Gedanke an Schalentiere bereitete ihr das kalte Grausen, ob tot oder lebendig. "Muggel-Süßigkeiten." Erträglich. Er schloss seine Augen. "Ich mag absolut keinen Kürbissaft." Och nein. Wasser also. "Und ..." und nun nahm seine Stimme den Klang tiefempfundener Abscheu an "... Brokkoli."

Über letzteres war sie überrascht und musste auf ihre Unterlippe beißen, um nicht laut loszulachen. Sie fragte sich, was die unschuldige Brokkolipflanze Snape angetan hatte, dass er sie mit solcher Vehemenz hasste. Ein Blick in sein Gesicht vermittelte ihr sofort, dass dies nicht der passende Moment war, um derartige Nachforschungen anzustellen.

"Zudem esse ich Fleisch," sagte er, mit einem Hauch von Böswilligkeit. "Ich mag es sogar sehr gern."

Typisch!

Sie blitzte ihn an und verschwand ohne ein Wort auf den Korridor, um sich der restlichen Lehrerschar und den Schülern beizumischen, die allesamt auf dem Weg in die Große Halle waren.

Sie konzentrierte sich so stark darauf, ihre Haltung aufrecht und ihren Schritt lang und entschlossen zu halten, dass sie mit sich kämpfen musste, um nicht loszukreischen, als ihr Arm in freundlicher Weise ergriffen wurde und eine wohlbekannte Stimme sagte:

"Ah, Severus, herrlich Sie zu sehen."

Während sie es kaum hinbekam, ihren Schritt nicht zu unterbrechen, wurde sie von einer unerbittlichen Kraft mit Namen Albus Dumbledore in Richtung des Lehrertisches gezogen.

"Direktor," versuchte sie ihm auf anerkennende Art und Weise entgegenzubringen.

"Sind Sie bereit für unser kleines Treffen heute Abend? Herrlich, einfach herrlich," wiederholte er, ihre Antwort erst gar nicht abwartend. "Ich bin mir sicher, dass Sie einen sehr produktiven Nachmittag hatten, nicht wahr?"

Während er dies fragte, hatte er sie auch schon zielsicher auf einen Stuhl neben sich verfrachtet. Diesmal schien es, als erwarte er eine Antwort auf seine Frage.

Sie nickte kurz, allerdings eher um sich selbst Zeit zum Denken zu geben als aus irgendeinem anderen Grund sonst.

„Es war ... informativ," war das Beste, was sie sagen konnte.

„Herrlich," sagte Dumbeldore einmal mehr. „Und es gibt heute Beef Wellington. Ich weiß, wie gern Sie das mögen." Er klopfte ihr auf den Rücken und ging an ihrer Linken vorbei, um seinen eigenen Platz einzunehmen.

Hermine war sehr dankbar für die Hinweise, die ihr der Direktor zuwarf, aber unsicher, wie sie mit dem üppigen Ausbruch von Gutmütigkeit umgehen sollte. Ihr Unbehagen hatte aber anscheinend die richtige Wirkung produziert, denn keiner der Kollegen warf einen zweiten Blick auf ihn. Madame Hooch, seine unmittelbare Nachbarin zur Linken nickte ihm nur ein kurzes, respektvolles „Severus" zu. Hermine nickte im Gegenzug, nicht sicher, was nun zu sagen war. Das Nicken war wohl alles, was Hooch erwartete, denn sie nahm augenblicklich wieder ihr Gespräch mit Sprout auf.

Ein Hauself stellte ein dampfendes Tablett mit Teig umhülltem Fleisch vor ihr ab. Schwer schluckend griff sie nach ein wenig Kartoffelbrei. Sie sah, dass die Gemüseplatte Karotten, gezuckerte Knallerbsen und Brokkoli bereit hielt. Gut, dass er sie gewarnt hatte, dachte sie. Sie selbst mochte Brokkoli nämlich ziemlich gerne.

All ihren Mut zusammennehmend, begann sie zu essen.

Letztendlich war das Abendessen solch eine Qual, wie sie erwartet hatte. Als sie einmal angefangen hatte zu essen, erkannte sie, dass sie wirklich ziemlich hungrig war. Sie kämpfte tapfer gegen den Drang sich vollstopfen zu wollen, hielt einen Augenblick inne und stocherte dann langsam auf einem Teller mit Röstkartoffeln herum, bis der Pudding serviert wurde. Sie bemerkte, dass niemand sie wirklich beachtete. Wenn es passierte, dass sie zufällig in ein umliegendes Augenpaar sah, riss sich dieses hastig wieder los, um schnell nach jemand anderen, mit dem es sich beschäftigen konnte, zu suchen.

Während sie an ihrem Wasser nippte, ließ sie ihren Blick zum Gryffindor Tisch und dem Punkt, an dem sie selbst für gewöhnlich saß, schweifen. Zumindest saß er auf dem richtigen Platz, dachte sie erleichtert. Sie nahm an, dass es ihm in den Sinn gekommen war, Ron zu folgen. Oder Dumbledore hatte es wieder geschafft, einen seiner Hinweise auszuspielen. Snape schaute streng, zu streng und sie versuchte nicht über die Massen Essen, die er vertilgte, erschrocken zu sein. Ron und Harry redeten währenddessen über irgendetwas - wahrscheinlich über Quidditch - und als sie die Längsseite des Tisches weiterverfolgte, konnte sie Nevilles aufrichtiges Gesicht etwas sagen sehen.

Wahrscheinlich wollte er wissen, was geschehen war, nachdem die Klasse entlassen worden war und ob Snape so richtig grauenvoll zu ihr gewesen wäre. Sie hoffte, dass er zumindest versuchen würde, nett zu ihm zu sein.

Die Ironie bei der ganzen Sache war, dass sie es normalerweise als eine Ehre betrachtet hätte, am Lehrertisch speisen zu können. In diesem Moment allerdings, aß sie unter mechanischem Kauen ihren Pudding und versuchte sich nicht allzu sehr danach zu sehnen, nun mit ihren Freunden zusammen sein zu dürfen.

Als das Abendessen endlich zu Ende ging, sehnte sie sich nach einem ruhigen Platz zum Lesen. Die Kerker waren zu weit weg und mit dem Lehrerzimmer konnte sie sich nicht anfreunden. Als sich jedermann zum Gehen aufmachte, stand sie auf, zog ihren Umhang an und versuchte so aus dem Raum zu enteilen, als ob sie dringliche Geschäfte zu erledigen hätte. Niemand versuchte sie daran zu hindern - vielmehr teilten sich die Schülerschar vor ihr, um ihr erleichterten Durchlass zu gewähren.

Sie erinnerte sich daran, dass sie sich sehr nah an einem selten benutzen Geheimgang befand - eine nützliche Entdeckung, die sie auf einer Mitternachtsexkursion zusammen mit Harry und Ron vor einem Jahr oder so gemacht hatte. Sie löste sich aus dem Gedränge und schaffte es, einen leeren Raum zu finden. Hastig schloss sie die Tür und legte einen Schutzbann darauf, um sich danach hinzusetzen und zu lesen.

Zu schnell war ihre halbe Stunde um. Sie stahl sich vor den Eingang zu Dumbledores Büro und murmelte das Passwort am schlafenden Wasserspeier. Sie konnte sich gut vorstellen, dass Snape der pünktliche Typ war.

Die Tür zum Büro des Direktors schwang auf, noch bevor sie anklopfen konnte.

„Severus," ertönte eine fröhliche Stimme aus dem Innern des Raums, „kommen Sie und leisten Sie uns Gesellschaft."

Im Büro waren fünf weich gepolsterte Sessel rings um den Kamin aufgestellt. In der Mitte stand ein tiefer Tisch mit einem Tablett darauf. Auf dem Tablett befanden eine große Teekanne und fünf Tassen. Professor McGonagall stand in Nähe des Tisches und schaute der Kanne zu, wie sich diese diensteifrig selbst ausgoss.

Hermine stand da und versuchte, die mühelose Autorität des Hauslehrers von Slytherins auszustrahlen.

„Nehmen Sie Platz, Severus, na los."

Was hatte er gesagt? Der Sessel, der am Nächsten beim Feuer stand?

Sie setzte sich direkt neben den Kamin und nickte Dumbledore zu.

„Direktor."

„Tee"?

Sie nickte wiederum und erinnerte sich, wie er ihn in seinem Raum getrunken hatte.

„Schwarz."

Sie überlegte sich dann, dass sie zu manch anderen Themen wohl mehr artikulieren musste als ein Nicken und Einzelwörter. Allerdings, ein Kommentar von Professor McGonagall blieb aus. Sie sah Hermine nur ein wenig sauer an und setzte sich.

Vielleicht war Snape für gewöhnlich wirklich nicht eloquenter als sie jetzt gerade.

„Ich nehme an, dass es witzlos ist, Sie zu fragen, ob Sie irgendetwas zum neuen Beratungskonzept, für das ich eine Skizze habe herumgehen lassen, zu sagen haben." Dies kam von McGonagall.

Meine ganze Anwesenheit hier ist witzlos, dachte sie, ironisch darüber sinnend, dass dies ein sehr Snape'ischer Gedanke war. Ich wundere mich ...

Sie gab einen Laut ab, der zeigen sollte, dass sie nachdachte und belegte diesen Ton mit soviel Langeweile, wie sie nur konnte.

McGonagall schnaubte.

„Das ist Ihre Meinung," donnerte sie, „nur weil Sie kein Interesse daran haben..."

Dumbledore unterbrach sie mit fröhlicher Stimme und rettete Hermine so davor, in den unerwarteten Treibsand der interhäuslichen Politik zu geraten. Sie machte sich eine geistige Notiz, dass sie hierüber ein langes Gespräch mit Snape führen musste.

„Aber, aber, Minerva, lassen Sie uns dieses Thema für alle aufbewahren. Wir wollen hier ja schließlich keinen übergehen."

Er schien in Hermines Richtung zu blinzeln und sie fühlte sich gerade ziemlich zufrieden mit sich selbst, als sie ein neuer Gedanke aufschreckte. Severus. Minerva. Albus. Man erwartete von ihr, dass sie diese Leute mit den Vornamen anredete. Sie versuchte krampfhaft Professor Flitwicks Vornamen in Erinnerung zu rufen. Frederick... nein. Frank... Philip... Filius... das war er. Aber wie zum Teufel lautete Professor Sprouts Name?

Das Treffen entpuppte sich als langweilig und erschreckend zugleich. Das Mysterium des Namens von Professor Sprout wurde gelöst, indem ihr der Direktor ein enthusiastisches „Irmgard!" entgegen posaunte, als sie den Raum betrat. Danach wurde Hermine in einen endlosen Strom von Details gerissen, darüber wie man eine Schule am Laufen hielt. Der Gedanke, dass Snape erwarten würde, vollständig informiert zu werden, hielt ihre Aufmerksamkeit aufrecht. Aber das Treffen erwies sich als ungemein langwierig.

Es machte den Anschein, dass ein desinteressierter Blick und ein gelegentliches Grunzen tatsächlich das war, was jeder vom Slytherin-Hauslehrer erwartete. Das bisherige Treffen über hatte ihre einzige Mitwirkung darin bestanden, Tee aus der scheinbar bodenlosen Teekanne nachzufüllen.

Gerade als Dumbledore das Treffen für beendet erklären wollte und Hermine damit begonnen hatte zu entspannen, konnte man McGonagalls scharfen schottischen Akzent erneut erklingen hören.

„Entschuldigen Sie, Direktor. Ich glaube, es gibt noch ein weiteres Thema zur Diskussion."

Mrs Norris. Hermine schloss die Augen. Sie hatte trotz aller Hoffnungslosigkeit gehofft, dass es übersehen würde. Offensichtlich nicht. Ihr Herz sank in ihre Hosentasche und sie versuchte, nicht laut zu ächzen.

„Nun, Severus, es tut mir leid, wenn diese Sache Ihrem Günstling schaden könnte, aber diese Angelegenheit ist für mich von großer Wichtigkeit."

Filch? Ein Günstling?

„Minerva, ich kann Ihnen versichern, dass Filch sehr weit davon entfernt ist, ein begünstigtes Irgendetwas von mir zu sein." Vorsichtig ließ sie ein wenig von ihrer aufrichtig empfundenen Abscheu gegen diesen Gedanken in ihre Stimme und ihr Gesicht fließen und war darüber erfreut, dass sie es geschafft hatte, Professor McGonagalls Vornamen ohne zu zögern auszusprechen.

McGonagall schnaubte nur.

„Wie Sie ja wissen," begann sie, „kontrollierte ich vor einigen Nächten die Korridore, bis ich attackiert wurde von ... dieser Katze." Sie schüttelte sich und schien gerade zu einer detaillierten Beschreibung übergehen zu wollen, als Dumbledore einhakte.

„Minerva, ich denke, dass wir alle wissen, was passiert ist. Sollen wir Argus hereinbitten und uns anhören, was er zu sagen hat?"

Es erklang ein weiterer entrüsteter Laut aus dem Munde der Gryffindor-Hauslehrerin. Hermine versuchte angemessen uninteressiert auszusehen, merkte dann aber, dass sowohl Flitwick als auch Sprout eher die Ausstattung vom Dumbledores Büro bewunderten. Einen Moment lang wunderte sie sich darüber, bis es ihr dämmerte, dass sie nur redlich versuchten, nicht belustigt zu erscheinen.

Der kleine Teil von ihr, der nicht komplett verschreckt war, musste überrascht feststellen, dass dies alles eigentlich ziemlich spaßig war.

Ihre Aufmerksamkeit wurde in die Gegenwart zurückgerissen, als der aufrührerisch aussehende Argus Filch eintrat und so wirkte, als ob er gründlich darauf vorbeireitet wäre, seine gespenstige Katze bis auf den eigenen Tod zu verteidigen. Er strich sein wirres Haar nach hinten, um noch ein wenig abstoßender auszuschauen. Neben Filch, dachte sie, sah Snape geradezu gut gepflegt aus.

„Nun, Mr. Filch," begann Dumbledore freundlich, „ich denke, Sie wissen, warum ich Sie darum gebeten habe, heute herzukommen. Wir wissen alle um die kürzliche, unglückliche ... äh ... Begegnung zwischen Mrs. Norris und Professor McGonagall."

„Begegnung?" kreischte die Hauslehrerin von Gryffindor mit empörter Stimme. „Ich wurde auf bösartige Weise von dieser Katze angegriffen, wenn das da überhaupt eine Katze ist. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass es irgendein gemeingefährlich Biest ist, das durch einen Fluch das Aussehen einer Katze erlangt hat."

Filch sträubte sich.

„Nun, weswegen wird mein armes liebes Mädchen angeklagt, hm? Da wandert sie umher, patroulliert wie sie es immer tut, und sie macht wie üblich gute Arbeit, als sie auf eine sonderbare Katze trifft, die eigentlich nicht dort sein sollte. Natürlich verteidigt sie ihr Revier. Das ist nur normal."

Diese Katze sollte aus den Schulgebäuden verbannt werden," murmelte McGonagall mit finsterer Stimme.

„Und wer soll dann die Schüler aufspüren, die etwas aushecken?", wollte Filch wissen. „Sie stimmen mir doch zu, nicht wahr, Professor Snape? Sie sagen doch immer, dass Sie ohne sie verloren wären."

Hermine, die begonnen hatte, den Schlagabtausch zu genießen, realisierte plötzlich, dass sie angesprochen war. Sie stutze ein wenig und versuchte dies mit einem hmpf zu kaschieren. Der gleiche kleine Teil von ihr wie gerade wies sie nun darauf hin, dass dies eine glänzende Gelegenheit war, Filch fertig zu machen ohne die Aussicht auf dessen Vergeltung.

„Dies hat nichts mit mir zu tun, Filch. Ich habe ganz und gar nicht die Absicht, in irgendeinen Katzenkampf verstrickt zu werden."Snapes Stimme war für solcher Arten Anmerkungen wie geschaffen, stellte sie fest. Sie hätte außerdem darauf schwören können, dass Flitwick einen verräterischen Laut von sich gab, der hastig in ein Niesen abwandelte. Eine andere Frage machte sich in ihrem Kopf breit und sie fragte sich, ob sie es wagen könnte, ihr Glück noch weiter herauszufordern ...

„Aus reiner Neugierde," wendete sie sich eher an die Luft im Raum als an irgendjemanden direkt, „wer hat eigentlich gewonnen?" Diesmal war es Sprout, welche ein freches Husten entwickelte, während McGonagall wütend wie selten aussah und etwas befangen an ihrem rechten Ohr rubbelte. Filchs unterwürfiges Verhalten verwandelte sich in ein triumphales..

„Nun gut," meinte Dumbledore mit sanfter Stimme, „ich bin mir sicher, dass Mrs. Norris Professor McGonagall in Zukunft erkennen wird und umgekehrt. Vielleicht könnten Sie sie ... ähm ... in den nächsten paar Nächten bei sich halten, Argus? Gut." Er strahlte. „Danke, dass Sie gekommen sind."

Mit diesen Worten des Direktors verschwand der graue Hausmeister aus dem Raum und ließ eine wütende McGonagall, die giftige Blicke gen Hermine schoss, hinter sich. Hermine selbst war damit beschäftigt, sich schuldig zu fühlen, weil sie ihre eigene Hauslehrerin schamlos kompromittiert hatte.

Mit dem Abgang von Filch war das Treffen endlich vorüber. McGonagall stakste hinaus und murmelte indes etwas in Gälisch. Sprout und Flitwick waren nun offen am Kichern. Hermine stand auf und wollte ihnen hinaus folgen, doch Dumbledore legte eine Hand an ihren Arm, um sie zurückzuhalten. Als der Raum leer war, lächelte er sie an.

„Gut gemacht, meine Liebe. Ich denke nicht, dass sie irgend etwas bemerkt haben."

Sie lächelte zurück.

„Nun, ich denke, es hilft, dass Professor Snape ..." ein unausstehlicher Bastard ist ... sie fügte hastig hinzu, „nun, er ist nicht sehr gesprächig."

„Nein." Er sah sie mit einem sonderbar wehmütigen Gesichtsausdruck an.

„Ist irgendetwas, Direktor?" Das kam ihr nach dem Treffen fast automatisch über die Lippen.

„Nein, nein. Es ist nur schon so schrecklich lange her, dass ich Severus habe lächeln sehen." Er schüttelte sich. „Achten Sie nicht auf einen rührseligen alten Mann, Miss Granger. Sie haben diesen Abend sehr gut gemeistert."

Er geleitete sie zur Tür und sie ging hinaus. Ihr Schritt war schon geübter und sie verbot sich ausdrücklich, über seine letzte Bemerkung nachzudenken.

Sie verließ nach einigen Augenblicken die privaten Gefilde des Direktors und war gerade dabei ihre ... seine ... Räume aufzusuchen, als sie etwas spürte. Sie fühlte die unvermeidlichen körperlichen Konsequenzen eines im Sitzen und mit Teetrinken verbrachten Abends.

Sie musste zur Toilette.

Sofort.

Sie wusste, wo die Personaltoiletten waren und schaffte es, nicht allzu unschicklich zu erscheinen, als sie bei ihnen ankam. Sie dachte sogar sofort daran, in die Herrenkabine zu gehen.

In welcher sie, wegen des Anblicks, der sich ihr bot, wie angewurzelt stehen blieb.

An der Wand vor ihr hingen eine Reihe von glänzend weißen Porzellan- ... nun ja ... Becken war das einzige Wort dafür. Bis auf die Tatsache, dass sie keine Wasserhähne aufwiesen und höhere Rücken besaßen als man erwarten würde. Sie hatten Löcher aber keine Stopfen. Und sie waren definitiv auf ... nun ... jener Höhe an der Wand angebracht. Leistenhöhe.

Zu einer Seite stand ein kleiner Tritthocker. Sie verdrängte das Bild eines Professor Flitwicks aus ihrem Kopf. Und wie Hagrid ...

 

Nein. Nein. Nein. Neineineineineineineinein.

Sie konnte nicht eins von diesen Dingern benutzen. Nein.

Der Druck auf ihrer Blase erinnerte sie daran, dass sie eine Lösung finden musste. Vorzugsweise eine, die nicht beinhaltete, dass sie sich selbst nass machte.

Sie sauste in eine Kabine und verschloss die Tür. Ungeschickt fingerte sie an der ungewohnten Robe herum, bis sie endlich auf der - normalen - Toillette sitzen und sich erleichtern konnte. Die gesamte Zeit über standhaft nicht nach unten schauend.

Gott. Oh Gott.

Sie ließ den Kopf in ihre leicht zitternden Hände sinken.

Nach einer Weile offenbarte sich ihr, wie ihre Gedanken ein überraschend lebhaftes Bild von Neville Longbottom formten, wie dieser eine langwierige und schreckliche Qual erlitt. Sie fragte sich, ob das Slytherinblut, das gegenwärtig ihr Hirn versorgte, ihren Denkprozess beeinflusste. Sie war absolut überzeugt, dass private Nachhilfe von Snape das Mindeste war, was Neville verdient hatte, da er ihr diese Folter auferlegt hatte.

Schließlich und endlich setzte sie sich wieder aufrecht hin, stand auf und ordnete ihre Kleidung. Das war nicht einfach. Sie musste sich zusammenreißen. Nachdem sie die Kabine verlassen hatte, wusch sie ihre Hände und verließ die Toilette, um fast in den wahren Snape hineinzulaufen.

Er sah, wo sie gewesen war und eine seiner Augenbrauen zuckte leicht.

Sie fixierte ihn mit einem Blick, der einen Basilisken beeindruckt hätte.

"Ich will nicht darüber sprechen," spie sie aus.

Anmerkung: Die Überschrift dieses Kapitels ist ein extrem obskures Zitat einer Folge von Babylon 5.