Die Originalstory ist auf www.potions-master.com zu finden. Vielen Dank, dass wir die Story übersetzen dürfen.
Feedback: Anne und Abby
Snape schien
wirklich zu denken, dass seine wenigen Sätze es ihr ermöglichen würden, mit dem
kommenden Abend fertig zu werden. Sie war geneigt, nicht damit übereinzustimmen
und dieser Eindruck verhärtete sich auf dem Weg zur Großen Halle. Mit
leiderprobter Miene erschien er wie ein Mädchen im Teenager-Alter, das des
Lebens überdrüssig war und seinen unüblich tumben Eltern etwas erklären musste.
Er begann zu erzählen, was sie erwarten würde.
Ihre Lippen
zuckten und sie unterdrückte den Drang wieder los zu lächeln; er war
offensichtlich vollkommen in Unkenntnis über den Effekt seines
Gesichtsausdrucks. Um so besser für ihn.
„Auch wenn
der Direktor es als Lehrerversammlung umschrieben hat, ist es letztendlich nur
das monatliche Treffen der Hauslehrer, was bedeutet, dass Sie mit einer
geringeren Anzahl von Leuten zu tun haben werden."
Mit einer
geringeren Anzahl, aber wahrscheinlich mit denen, die am Schwersten zu täuschen
sind, dachte
sie und ihre Belustigung klang langsam ab.
"Hören Sie
zu!", fauchte
er.
Leicht mit den
Zähnen knirschend, richtete sie ihre Augen auf den aufgeregten Gryffindor vor
ihr.
"Wie ich schon
sagte, Sie sollten bereits mit manchen der Themen vertraut sein - das Benehmen
der Schüler, spezielle Probleme und Unmut wegen Ihnen und Ihren Freunden sind
diesmal keine Punkte der Tagesordnung.
Das war
zumindest ein Grund zur Erleichterung. Es bestand kein Zweifel daran, dass es
ihm enorme Freude bereiten würde sich vorzustellen, wie sie aus irgendeinem Grund
den Schulverweis von Harry und Ron befürworten müsste.
Natürlich nur im Interesse des In-Der-Rolle-Bleibens.
"Die Treffen
finden im Büro des Direktors statt und fangen für gewöhnlich eine halbe Stunde
nach dem Abendessen an. Das Passwort lautet 'Lakritzkonfekt'. Ich schlage vor,
dass Sie die Zeit bis dahin nutzen, um sich stärker mit den Themen vertraut zu
machen." Sie verstaute das Pergamentenbündel mit den Texten zur Tagesordnung
sicher in der Robe. Diese hier besaß beträchtlich mehr Taschen und anderen
versteckten Stauraum als ihre Schulrobe. Sie nickte als Antwort.
"Und es gibt
bestimmt keine besonderen Sachbestände, die Slytherin betreffen und somit zur
Sprache kommen könnten?", fragte sie und versuchte dabei souveräner zu klingen
als sie sich fühlte.
"Nein, Miss
Granger," sagte er geduldig, "nicht bei diesem Treffen. Versuchen Sie sich
einfach im Sinn meines Hauses rauszuhalten, falls Ihnen das möglich ist.
Slytherin ist kein Haus, das sich freiwillig meldet, um beispielsweise eine
Abfallsammlung zu organisieren."
"Wie Sie
wünschen," sagte sie knapp, da sie nervös und müde wegen seinem unnachgiebigen
Sarkasmus war. Besonders weil sie es von ihrer eigenen Stimme gesprochen hörte.
Er sah sie an.
"Miss Granger,
bis auf die Sache mit Mrs Norris ist es extrem unwahrscheinlich, dass Sie an
diesem Abend irgendeinen Beitrag leisten müssen. Wenn irgendwelche schwierigen
Themen aufkommen, dann - und daran hege ich keine Zweifel - wird der Direktor
das Gespräch in sichere Bahnen lenken." Seine Stimme wurde fast unmerklich
weicher. "Sie sollten unbeschadet durch den Abend kommen, wenn Sie sich einfach
jenen Sessel setzen, der als nächster zum Kamin steht und jede Tasse Tee
trinken, die Ihnen der Direktor auftischt. Ansonsten, starren Sie vor sich,
grunzen Sie ab und zu und machen Sie den Eindruck, als ob sie überall lieber
wären als in einer Personalsitzung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich
dies unter den gegebenen Umständen als eine zu schwere Aufgabe herausstellen
sollte."
Sie warf einen
kurzen Blick auf ihn. Sollte das ein Witz sein? Sein Gesichtsausdruck
war nicht zu interpretieren. Im Übrigen hatte sie nicht sonderlich viel
Erfahrung damit, ihre eigene Mimik zu deuten. Ein unangenehmes Schweigen kam
auf, und sie wog sich indes in dem eben von Snape in Erinnerung gerufenen,
tröstenden Gedanken, dass Dumbledore dabei sein würde - der Direktor würde sie
vor Fehlern bewahren, dachte sie. Sie musste nur die Versammlung überstehen,
danach würde sie in Ruhe zusammensacken können ... ah. Ja.
Snape hatte
pausiert.
"Gibt es noch
etwas, Miss Granger?"
Oh ja,
allerdings.
"Passwörter,"
sagte sie kurz und bündig.
Er schaute sie
ein wenig verdutzt an.
"Passwörter,"
wiederholte sie. "Um genauer zu sein Ihre." Sein Gesichtsausdruck verdunkelte
sich. "Nun," fuhr sie fort und versuchte dabei vernünftig anstatt aufgeregt zu
klingen, "im Moment ist das Schulsprecherinnen-Zimmer der einzige Schlafplatz,
der mir zugänglich ist. Entweder verraten Sie mir die Passwörter zu Ihren
Räumlichkeiten, oder ich benutze mein Zimmer gemeinsam mit Ihnen und wir können
ausknobeln, wie wir es Harry und Ron am nächsten Morgen erklären."
Sie hörte, wie
er ein deutliches Würgen zu unterdrücken versuchte. Mit einem mürrischen
Brummen teilte er ihr dann die notwendigen Kombinationen mit, die es ihr
ermöglichten, seine privaten Räume aufzusuchen.
Eine Eingebung
ließ sie ihn plötzlich verstehen. Ihr selbst widerstrebte bereits der Gedanke,
dass er in ihre persönlichen Bereiche eindringen würde. Der sehr verschlossene
Zaubertranklehrer musste es mindestens gleichermaßen unerträglich finden, dazu
gezwungen zu werden, ihr einen fast unbeschränkten Zugang zu seinem Leben zu
gewähren, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Sie hielt ihr Gesicht mit aller
Sorgfalt starr. Dies war nicht der Moment, um Sympathie zu zeigen.
Es hieß, die
kommende Feuerprobe zu bestehen.
Abendessen.
Ihr erster
öffentlicher Auftritt als Snape. Wenn auch nur aus der Distanz.
Gerade als beide
in einen reichlich bevölkerten Korridor einbiegen wollten, überkam Hermine ein
schrecklicher Gedanke. Sie riss an seiner Robe.
"Warten Sie,"
zischte sie und zog ihn zurück.
Er öffnete
seinen Mund um zu protestieren, aber sie bedeutete ihm ruhig zu sein. Sie sah
nicht, dass sich auf seinem Gesicht kurz so etwas wie Anerkennung abzeichnete.
"Gibt es irgendetwas,
was Sie nicht essen?"
Was auch immer
er gerade hatte sagen wollen, erstarb auf seinen Lippen, als er offensichtlich
sehr schnell zu denken begann.
"Schalentiere
jeglicher Art." Sicherlich, kein Problem. Schon der Gedanke an
Schalentiere bereitete ihr das kalte Grausen, ob tot oder lebendig.
"Muggel-Süßigkeiten." Erträglich.
Er schloss seine Augen. "Ich mag absolut keinen Kürbissaft." Och nein.
Wasser also. "Und ..." und nun nahm seine Stimme den Klang tiefempfundener
Abscheu an "... Brokkoli."
Über letzteres
war sie überrascht und musste auf ihre Unterlippe beißen, um nicht laut
loszulachen. Sie fragte sich, was die unschuldige Brokkolipflanze Snape angetan
hatte, dass er sie mit solcher Vehemenz hasste. Ein Blick in sein Gesicht
vermittelte ihr sofort, dass dies nicht der passende Moment war, um derartige
Nachforschungen anzustellen.
"Zudem esse
ich Fleisch," sagte er, mit einem Hauch von Böswilligkeit. "Ich mag es sogar
sehr gern."
Typisch!
Sie blitzte ihn
an und verschwand ohne ein Wort auf den Korridor, um sich der restlichen
Lehrerschar und den Schülern beizumischen, die allesamt auf dem Weg in die
Große Halle waren.
Sie
konzentrierte sich so stark darauf, ihre Haltung aufrecht und ihren Schritt
lang und entschlossen zu halten, dass sie mit sich kämpfen musste, um nicht
loszukreischen, als ihr Arm in freundlicher Weise ergriffen wurde und eine
wohlbekannte Stimme sagte:
"Ah, Severus,
herrlich Sie zu sehen."
Während sie es
kaum hinbekam, ihren Schritt nicht zu unterbrechen, wurde sie von einer
unerbittlichen Kraft mit Namen Albus Dumbledore in Richtung des Lehrertisches
gezogen.
"Direktor,"
versuchte sie ihm auf anerkennende Art und Weise entgegenzubringen.
"Sind Sie bereit
für unser kleines Treffen heute Abend? Herrlich, einfach herrlich," wiederholte
er, ihre Antwort erst gar nicht abwartend. "Ich bin mir sicher, dass Sie einen
sehr produktiven Nachmittag hatten, nicht wahr?"
Während er dies
fragte, hatte er sie auch schon zielsicher auf einen Stuhl neben sich
verfrachtet. Diesmal schien es, als erwarte er eine Antwort auf seine Frage.
Sie nickte kurz,
allerdings eher um sich selbst Zeit zum Denken zu geben als aus irgendeinem
anderen Grund sonst.
„Es war ...
informativ," war das Beste, was sie sagen konnte.
„Herrlich,"
sagte Dumbeldore einmal mehr. „Und es gibt heute Beef Wellington. Ich weiß, wie
gern Sie das mögen." Er klopfte ihr auf den Rücken und ging an ihrer Linken
vorbei, um seinen eigenen Platz einzunehmen.
Hermine war sehr
dankbar für die Hinweise, die ihr der Direktor zuwarf, aber unsicher, wie sie
mit dem üppigen Ausbruch von Gutmütigkeit umgehen sollte. Ihr Unbehagen hatte
aber anscheinend die richtige Wirkung produziert, denn keiner der Kollegen warf
einen zweiten Blick auf ihn. Madame Hooch, seine unmittelbare Nachbarin zur
Linken nickte ihm nur ein kurzes, respektvolles „Severus" zu. Hermine nickte im
Gegenzug, nicht sicher, was nun zu sagen war. Das Nicken war wohl alles, was
Hooch erwartete, denn sie nahm augenblicklich wieder ihr Gespräch mit Sprout
auf.
Ein Hauself
stellte ein dampfendes Tablett mit Teig umhülltem Fleisch vor ihr ab. Schwer
schluckend griff sie nach ein wenig Kartoffelbrei. Sie sah, dass die
Gemüseplatte Karotten, gezuckerte Knallerbsen und Brokkoli bereit hielt. Gut,
dass er sie gewarnt hatte, dachte sie. Sie selbst mochte Brokkoli nämlich
ziemlich gerne.
All ihren Mut
zusammennehmend, begann sie zu essen.
Letztendlich war
das Abendessen solch eine Qual, wie sie erwartet hatte. Als sie einmal
angefangen hatte zu essen, erkannte sie, dass sie wirklich ziemlich hungrig
war. Sie kämpfte tapfer gegen den Drang sich vollstopfen zu wollen, hielt einen
Augenblick inne und stocherte dann langsam auf einem Teller mit Röstkartoffeln
herum, bis der Pudding serviert wurde. Sie bemerkte, dass niemand sie wirklich
beachtete. Wenn es passierte, dass sie zufällig in ein umliegendes Augenpaar
sah, riss sich dieses hastig wieder los, um schnell nach jemand anderen, mit
dem es sich beschäftigen konnte, zu suchen.
Während sie an
ihrem Wasser nippte, ließ sie ihren Blick zum Gryffindor Tisch und dem Punkt,
an dem sie selbst für gewöhnlich saß, schweifen. Zumindest saß er auf dem
richtigen Platz, dachte sie erleichtert. Sie nahm an, dass es ihm in den Sinn
gekommen war, Ron zu folgen. Oder Dumbledore hatte es wieder geschafft, einen seiner
Hinweise auszuspielen. Snape schaute streng, zu streng und sie versuchte nicht
über die Massen Essen, die er vertilgte, erschrocken zu sein. Ron und Harry
redeten währenddessen über irgendetwas - wahrscheinlich über Quidditch - und
als sie die Längsseite des Tisches weiterverfolgte, konnte sie Nevilles
aufrichtiges Gesicht etwas sagen sehen.
Wahrscheinlich
wollte er wissen, was geschehen war, nachdem die Klasse entlassen worden war
und ob Snape so richtig grauenvoll zu ihr gewesen wäre. Sie hoffte, dass er
zumindest versuchen würde, nett zu ihm zu sein.
Die Ironie bei
der ganzen Sache war, dass sie es normalerweise als eine Ehre betrachtet hätte,
am Lehrertisch speisen zu können. In diesem Moment allerdings, aß sie unter
mechanischem Kauen ihren Pudding und versuchte sich nicht allzu sehr danach zu
sehnen, nun mit ihren Freunden zusammen sein zu dürfen.
Als das
Abendessen endlich zu Ende ging, sehnte sie sich nach einem ruhigen Platz zum
Lesen. Die Kerker waren zu weit weg und mit dem Lehrerzimmer konnte sie sich
nicht anfreunden. Als sich jedermann zum Gehen aufmachte, stand sie auf, zog
ihren Umhang an und versuchte so aus dem Raum zu enteilen, als ob sie
dringliche Geschäfte zu erledigen hätte. Niemand versuchte sie daran zu hindern
- vielmehr teilten sich die Schülerschar vor ihr, um ihr erleichterten
Durchlass zu gewähren.
Sie erinnerte
sich daran, dass sie sich sehr nah an einem selten benutzen Geheimgang befand -
eine nützliche Entdeckung, die sie auf einer Mitternachtsexkursion zusammen mit
Harry und Ron vor einem Jahr oder so gemacht hatte. Sie löste sich aus dem
Gedränge und schaffte es, einen leeren Raum zu finden. Hastig schloss sie die
Tür und legte einen Schutzbann darauf, um sich danach hinzusetzen und zu lesen.
Zu schnell war
ihre halbe Stunde um. Sie stahl sich vor den Eingang zu Dumbledores Büro und
murmelte das Passwort am schlafenden Wasserspeier. Sie konnte sich gut
vorstellen, dass Snape der pünktliche Typ war.
Die Tür zum Büro
des Direktors schwang auf, noch bevor sie anklopfen konnte.
„Severus,"
ertönte eine fröhliche Stimme aus dem Innern des Raums, „kommen Sie und leisten
Sie uns Gesellschaft."
Im Büro waren
fünf weich gepolsterte Sessel rings um den Kamin aufgestellt. In der Mitte
stand ein tiefer Tisch mit einem Tablett darauf. Auf dem Tablett befanden eine
große Teekanne und fünf Tassen. Professor McGonagall stand in Nähe des Tisches
und schaute der Kanne zu, wie sich diese diensteifrig selbst ausgoss.
Hermine stand da
und versuchte, die mühelose Autorität des Hauslehrers von Slytherins
auszustrahlen.
„Nehmen Sie
Platz, Severus, na los."
Was hatte er
gesagt? Der Sessel, der am Nächsten beim Feuer stand?
Sie setzte sich
direkt neben den Kamin und nickte Dumbledore zu.
„Direktor."
„Tee"?
Sie nickte
wiederum und erinnerte sich, wie er ihn in seinem Raum getrunken hatte.
„Schwarz."
Sie überlegte
sich dann, dass sie zu manch anderen Themen wohl mehr artikulieren musste als
ein Nicken und Einzelwörter. Allerdings, ein Kommentar von Professor McGonagall
blieb aus. Sie sah Hermine nur ein wenig sauer an und setzte sich.
Vielleicht war
Snape für gewöhnlich wirklich nicht eloquenter als sie jetzt gerade.
„Ich nehme an,
dass es witzlos ist, Sie zu fragen, ob Sie irgendetwas zum neuen
Beratungskonzept, für das ich eine Skizze habe herumgehen lassen, zu sagen
haben." Dies kam von McGonagall.
Meine ganze
Anwesenheit hier ist witzlos, dachte sie, ironisch darüber sinnend, dass dies
ein sehr Snape'ischer Gedanke war. Ich wundere mich ...
Sie gab einen
Laut ab, der zeigen sollte, dass sie nachdachte und belegte diesen Ton mit
soviel Langeweile, wie sie nur konnte.
McGonagall
schnaubte.
„Das ist Ihre
Meinung," donnerte sie, „nur weil Sie kein Interesse daran haben..."
Dumbledore
unterbrach sie mit fröhlicher Stimme und rettete Hermine so davor, in den unerwarteten
Treibsand der interhäuslichen Politik zu geraten. Sie machte sich eine geistige
Notiz, dass sie hierüber ein langes Gespräch mit Snape führen musste.
„Aber, aber,
Minerva, lassen Sie uns dieses Thema für alle aufbewahren. Wir wollen hier ja
schließlich keinen übergehen."
Er schien in
Hermines Richtung zu blinzeln und sie fühlte sich gerade ziemlich zufrieden mit
sich selbst, als sie ein neuer Gedanke aufschreckte. Severus. Minerva. Albus. Man erwartete von ihr, dass
sie diese Leute mit den Vornamen anredete. Sie versuchte krampfhaft Professor
Flitwicks Vornamen in Erinnerung zu rufen. Frederick... nein. Frank...
Philip... Filius... das war er. Aber wie zum Teufel lautete Professor
Sprouts Name?
Das Treffen
entpuppte sich als langweilig und erschreckend zugleich. Das Mysterium des
Namens von Professor Sprout wurde gelöst, indem ihr der Direktor ein
enthusiastisches „Irmgard!" entgegen posaunte, als sie den Raum betrat. Danach
wurde Hermine in einen endlosen Strom von Details gerissen, darüber wie man
eine Schule am Laufen hielt. Der Gedanke, dass Snape erwarten würde,
vollständig informiert zu werden, hielt ihre Aufmerksamkeit aufrecht. Aber das
Treffen erwies sich als ungemein langwierig.
Es machte den
Anschein, dass ein desinteressierter Blick und ein gelegentliches Grunzen
tatsächlich das war, was jeder vom Slytherin-Hauslehrer erwartete. Das
bisherige Treffen über hatte ihre einzige Mitwirkung darin bestanden, Tee aus
der scheinbar bodenlosen Teekanne nachzufüllen.
Gerade als
Dumbledore das Treffen für beendet erklären wollte und Hermine damit begonnen
hatte zu entspannen, konnte man McGonagalls scharfen schottischen Akzent erneut
erklingen hören.
„Entschuldigen
Sie, Direktor. Ich glaube, es gibt noch ein weiteres Thema zur Diskussion."
Mrs Norris.
Hermine schloss die Augen. Sie hatte trotz aller Hoffnungslosigkeit gehofft,
dass es übersehen würde. Offensichtlich nicht. Ihr Herz sank in ihre
Hosentasche und sie versuchte, nicht laut zu ächzen.
„Nun, Severus,
es tut mir leid, wenn diese Sache Ihrem Günstling schaden könnte, aber diese
Angelegenheit ist für mich von großer Wichtigkeit."
Filch? Ein
Günstling?
„Minerva, ich
kann Ihnen versichern, dass Filch sehr weit davon entfernt ist, ein
begünstigtes Irgendetwas von mir zu sein." Vorsichtig ließ sie ein wenig von
ihrer aufrichtig empfundenen Abscheu gegen diesen Gedanken in ihre Stimme und
ihr Gesicht fließen und war darüber erfreut, dass sie es geschafft hatte,
Professor McGonagalls Vornamen ohne zu zögern auszusprechen.
McGonagall
schnaubte nur.
„Wie Sie ja
wissen," begann sie, „kontrollierte ich vor einigen Nächten die Korridore, bis
ich attackiert wurde von ... dieser Katze." Sie schüttelte sich und
schien gerade zu einer detaillierten Beschreibung übergehen zu wollen, als
Dumbledore einhakte.
„Minerva, ich
denke, dass wir alle wissen, was passiert ist. Sollen wir Argus hereinbitten
und uns anhören, was er zu sagen hat?"
Es erklang ein
weiterer entrüsteter Laut aus dem Munde der Gryffindor-Hauslehrerin. Hermine
versuchte angemessen uninteressiert auszusehen, merkte dann aber, dass sowohl
Flitwick als auch Sprout eher die Ausstattung vom Dumbledores Büro bewunderten.
Einen Moment lang wunderte sie sich darüber, bis es ihr dämmerte, dass sie nur
redlich versuchten, nicht belustigt zu erscheinen.
Der kleine Teil
von ihr, der nicht komplett verschreckt war, musste überrascht feststellen,
dass dies alles eigentlich ziemlich spaßig war.
Ihre
Aufmerksamkeit wurde in die Gegenwart zurückgerissen, als der aufrührerisch
aussehende Argus Filch eintrat und so wirkte, als ob er gründlich darauf
vorbeireitet wäre, seine gespenstige Katze bis auf den eigenen Tod zu
verteidigen. Er strich sein wirres Haar nach hinten, um noch ein wenig
abstoßender auszuschauen. Neben Filch, dachte sie, sah Snape geradezu gut gepflegt
aus.
„Nun, Mr.
Filch," begann Dumbledore freundlich, „ich denke, Sie wissen, warum ich Sie
darum gebeten habe, heute herzukommen. Wir wissen alle um die kürzliche,
unglückliche ... äh ... Begegnung zwischen Mrs. Norris und Professor
McGonagall."
„Begegnung?"
kreischte die Hauslehrerin von Gryffindor mit empörter Stimme. „Ich wurde auf
bösartige Weise von dieser Katze angegriffen, wenn das da überhaupt eine
Katze ist. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass es
irgendein gemeingefährlich Biest ist, das durch einen Fluch das Aussehen einer
Katze erlangt hat."
Filch sträubte
sich.
„Nun, weswegen
wird mein armes liebes Mädchen angeklagt, hm? Da wandert sie umher,
patroulliert wie sie es immer tut, und sie macht wie üblich gute Arbeit, als
sie auf eine sonderbare Katze trifft, die eigentlich nicht dort sein sollte.
Natürlich verteidigt sie ihr Revier.
Das ist nur normal."
„Diese Katze
sollte aus den Schulgebäuden verbannt werden," murmelte McGonagall mit
finsterer Stimme.
„Und wer soll
dann die Schüler aufspüren, die etwas aushecken?", wollte Filch wissen. „Sie
stimmen mir doch zu, nicht wahr, Professor Snape? Sie sagen doch immer, dass
Sie ohne sie verloren wären."
Hermine, die
begonnen hatte, den Schlagabtausch zu genießen, realisierte plötzlich, dass sie
angesprochen war. Sie stutze ein wenig und versuchte dies mit einem hmpf
zu kaschieren. Der gleiche kleine Teil von ihr wie gerade wies sie nun darauf
hin, dass dies eine glänzende Gelegenheit war, Filch fertig zu machen ohne die
Aussicht auf dessen Vergeltung.
„Dies hat nichts
mit mir zu tun, Filch. Ich habe ganz und gar nicht die Absicht, in irgendeinen Katzenkampf
verstrickt zu werden."Snapes Stimme war für solcher Arten Anmerkungen wie
geschaffen, stellte sie fest. Sie hätte außerdem darauf schwören können, dass
Flitwick einen verräterischen Laut von sich gab, der hastig in ein Niesen
abwandelte. Eine andere Frage machte sich in ihrem Kopf breit und sie fragte
sich, ob sie es wagen könnte, ihr Glück noch weiter herauszufordern ...
„Aus reiner
Neugierde," wendete sie sich eher an die Luft im Raum als an irgendjemanden
direkt, „wer hat eigentlich gewonnen?" Diesmal war es Sprout, welche ein
freches Husten entwickelte, während McGonagall wütend wie selten aussah und
etwas befangen an ihrem rechten Ohr rubbelte. Filchs unterwürfiges Verhalten
verwandelte sich in ein triumphales..
„Nun gut,"
meinte Dumbledore mit sanfter Stimme, „ich bin mir sicher, dass Mrs. Norris
Professor McGonagall in Zukunft erkennen wird und umgekehrt. Vielleicht könnten
Sie sie ... ähm ... in den nächsten paar Nächten bei sich halten, Argus? Gut."
Er strahlte. „Danke, dass Sie gekommen sind."
Mit diesen
Worten des Direktors verschwand der graue Hausmeister aus dem Raum und ließ
eine wütende McGonagall, die giftige Blicke gen Hermine schoss, hinter sich.
Hermine selbst war damit beschäftigt, sich schuldig zu fühlen, weil sie ihre
eigene Hauslehrerin schamlos kompromittiert hatte.
Mit dem Abgang
von Filch war das Treffen endlich vorüber. McGonagall stakste hinaus und
murmelte indes etwas in Gälisch. Sprout und Flitwick waren nun offen am
Kichern. Hermine stand auf und wollte ihnen hinaus folgen, doch Dumbledore
legte eine Hand an ihren Arm, um sie zurückzuhalten. Als der Raum leer war,
lächelte er sie an.
„Gut gemacht,
meine Liebe. Ich denke nicht, dass sie irgend etwas bemerkt haben."
Sie lächelte
zurück.
„Nun, ich denke,
es hilft, dass Professor Snape ..." ein unausstehlicher Bastard ist ...
sie fügte hastig hinzu, „nun, er ist nicht sehr gesprächig."
„Nein." Er sah
sie mit einem sonderbar wehmütigen Gesichtsausdruck an.
„Ist
irgendetwas, Direktor?" Das kam ihr nach dem Treffen fast automatisch über die
Lippen.
„Nein, nein. Es
ist nur schon so schrecklich lange her, dass ich Severus habe lächeln sehen."
Er schüttelte sich. „Achten Sie nicht auf einen rührseligen alten Mann, Miss
Granger. Sie haben diesen Abend sehr gut gemeistert."
Er geleitete sie
zur Tür und sie ging hinaus. Ihr Schritt war schon geübter und sie verbot sich
ausdrücklich, über seine letzte Bemerkung nachzudenken.
Sie verließ nach
einigen Augenblicken die privaten Gefilde des Direktors und war gerade dabei
ihre ... seine ... Räume aufzusuchen, als sie etwas spürte. Sie fühlte die
unvermeidlichen körperlichen Konsequenzen eines im Sitzen und mit Teetrinken
verbrachten Abends.
Sie musste zur
Toilette.
Sofort.
Sie wusste, wo
die Personaltoiletten waren und schaffte es, nicht allzu unschicklich zu
erscheinen, als sie bei ihnen ankam. Sie dachte sogar sofort daran, in die
Herrenkabine zu gehen.
In welcher sie,
wegen des Anblicks, der sich ihr bot, wie angewurzelt stehen blieb.
An der Wand vor
ihr hingen eine Reihe von glänzend weißen Porzellan- ... nun ja ... Becken war
das einzige Wort dafür. Bis auf die Tatsache, dass sie keine Wasserhähne
aufwiesen und höhere Rücken besaßen als man erwarten würde. Sie hatten Löcher
aber keine Stopfen. Und sie waren definitiv auf ... nun ... jener Höhe
an der Wand angebracht. Leistenhöhe.
Zu einer Seite
stand ein kleiner Tritthocker. Sie verdrängte das Bild eines Professor
Flitwicks aus ihrem Kopf. Und wie Hagrid ...
Nein. Nein.
Nein. Neineineineineineineinein.
Sie konnte nicht
eins von diesen Dingern benutzen. Nein.
Der Druck auf
ihrer Blase erinnerte sie daran, dass sie eine Lösung finden musste.
Vorzugsweise eine, die nicht beinhaltete, dass sie sich selbst nass machte.
Sie sauste in
eine Kabine und verschloss die Tür. Ungeschickt fingerte sie an der ungewohnten
Robe herum, bis sie endlich auf der - normalen - Toillette sitzen und sich
erleichtern konnte. Die gesamte Zeit über standhaft nicht nach unten schauend.
Gott. Oh Gott.
Sie ließ den
Kopf in ihre leicht zitternden Hände sinken.
Nach einer Weile
offenbarte sich ihr, wie ihre Gedanken ein überraschend lebhaftes Bild von
Neville Longbottom formten, wie dieser eine langwierige und schreckliche Qual
erlitt. Sie fragte sich, ob das Slytherinblut, das gegenwärtig ihr Hirn
versorgte, ihren Denkprozess beeinflusste. Sie war absolut überzeugt, dass
private Nachhilfe von Snape das Mindeste war, was Neville verdient hatte, da er
ihr diese Folter auferlegt hatte.
Schließlich und
endlich setzte sie sich wieder aufrecht hin, stand auf und ordnete ihre
Kleidung. Das war nicht einfach. Sie musste sich zusammenreißen. Nachdem sie
die Kabine verlassen hatte, wusch sie ihre Hände und verließ die Toilette, um
fast in den wahren Snape hineinzulaufen.
Er sah, wo sie
gewesen war und eine seiner Augenbrauen zuckte leicht.
Sie fixierte ihn
mit einem Blick, der einen Basilisken beeindruckt hätte.
"Ich will nicht
darüber sprechen," spie sie aus.
Anmerkung: Die
Überschrift dieses Kapitels ist ein extrem obskures Zitat einer Folge von
Babylon 5.