Der Ferienjob 2 - Liebe deine Feinde

von Chrissi C.



Über euer Feedback freut sich Chrissi


Hallo liebe Leser (ich hoffe, ich habe noch welche *g*), es tut mir wirklich leid, dass es mit dem Kapitel so lange gedauert hat. Neben den üblichen Zeitfressern der Alltags, haben mich ein Schulwechsel meines Sohnes, die Neugestaltung meines Flurs und vor allem de Umstieg auf ein neues Laptop (weil mein alter PC meinte, sich selbst inklusive aller Dateien killen zu müssen) extrem vom Schreiben abgehalten. Aber jetzt geht’s weiter! :) Viel Spaß dabei!

Liebe Grüße, Chrissi


Kapitel 13 – Heimlich


Während des Abendessens, von dem sie nur ein paar Bissen zu sich nahm, ehe sie begann, im Rest herumzustochern, zerbrach Tamara sich den Kopf, wie sie es erreichen konnte, dass David sie die Nacht bei Severus verbringen ließ.

Nachdem die beiden Herren ziemlich schweigsam waren – die wenigen Worte, die ihr Ausbilder von sich gab, klangen gereizt, die von Lupin freundlich, aber müde – hatte sie reichlich Gelegenheit, sich darüber Gedanken zu machen. Sie kam schließlich zu dem Ergebnis, dass sie David am besten direkt darum bitten würde, denn alles Taktieren würde seine ohnehin schlechte Laune sicher nur noch verschlimmern. Allerdings konnte sie das nicht tun, solange Lupin anwesend war und so wartete sie ungeduldig auf eine Gelegenheit, unter vier Augen mit David zu sprechen.

 

Umso überraschter war sie, als Lupin sie darüber in Kenntnis setzte, dass er über ihre Beziehung zu Severus Bescheid wusste.

Diese Situation muss sehr schwierig für Sie sein, Miss Ogareff“, sagte er und sah sie mit seinem gefühlvollen, braunäugigen Hundeblick mitleidig an, „sicher hätten Sie sich gewünscht, Severus unter anderen Umständen wiederzusehen.“

Tamara machte große Augen.

Es war Ihnen deutlich anzusehen, dass Sie etwas für ihn empfinden“, meinte Lupin schmunzelnd. „Ich habe daraufhin David und Minerva gefragt, ob Sie eine Beziehung zu Severus hatten und nachdem beide sehr untalentierte Lügner sind, mussten sie es wohl oder übel zugeben.“

Hättest du nicht ‚ehrliche Menschen’ sagen können?“, brummte Sullivan. „Das klingt besser, als ‚untalentierte Lügner’.“

Ich bin sicher, wenn ihr talentiertere Lügner wärt, hätte eure Antwort anders ausgesehen“, entgegnete Lupin belustigt, „demnach dürfte meine Bezeichnung durchaus treffend sein.“

 

Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Tamara zu. „Ich nehme mal an, Sie glauben jedes Wort von dem, was Severus erzählt hat...?“

Ja – das tue ich“, antwortete Tamara ohne Zögern.

Ihnen ist aber doch klar, dass es – vom rein sachlichen Standpunkt aus betrachtet – möglich wäre, dass er uns alle zum Narren hält und dies schon immer getan hat?“, fragte Lupin weiter.

Natürlich! Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich Severus glaube. Ich bin mir völlig sicher, dass er die Wahrheit sagt.“ Tamara sah Lupin unverwandt in die Augen. Wenn sie ihn überzeugen konnte, wäre einiges gewonnen, denn durch seine ruhige überlegte Art, hatte er sicher einigen Einfluss auf die anderen Ordensmitglieder.

 

Es ist ja nun wirklich nichts Neues, dass Liebe blind macht“, bemerkte Sullivan in dezent gelangweiltem Tonfall.

Tamara sah ihn scharf an, entgegnete aber nichts.

Was ich Ihnen damit sagen wollte, Miss Ogareff“, fuhr Lupin fort, „ist Folgendes – ich möchte, dass Sie auch den Standpunkt derer verstehen, die Zweifel am Wahrheitsgehalt von Severus’ Aussage haben und respektieren, dass einige von uns weitere Beweise brauchen, ehe sie in Erwägung ziehen, seine Geschichte zu glauben.“

Das verstehe ich natürlich“, versicherte Tamara.

David und Minerva haben sich für Sie verbürgt und mir reicht die Aussage der Beiden. Wohler würde ich mich allerdings fühlen...“, Lupin räusperte sich, aber sein Blick zeigte keine Spur von Verlegenheit, „wenn Sie mir schwören würden, dass Sie nicht versuchen, Severus zu befreien.“

 

Tamara sah ihn eine Weile an, bevor sie zu einer Antwort ansetzte.

Da verlangen Sie reichlich viel von mir, Mister Lupin...“

Nennen Sie mich doch bitte Remus“, unterbrach Lupin sie.

Aber gern - wenn sie mich Tamara nennen...“, entgegnete sie lächelnd.

Sullivan verdrehte die Augen, widmete sich aber weiter seinem Abendessen.

Ich sehe mich nicht in der Lage, Ihnen das so ohne weiteres zu schwören, Remus“, fuhr Tamara fort, „weil ich gar nicht abschätzen kann, wie sich alles weiterentwickelt. Momentan bin ich froh, dass Severus hier ist, wenn auch als Gefangener und unter...“, ihr Blick wanderte für einen Moment zu Sullivan, „...erschwerten Bedingungen. Im Augenblick würde ich also niemals versuchen, ihn freizubekommen, nur damit er sich wieder unter diese fanatischen Irren begibt. Aber wenn sich die Lage zuspitzen sollte und sein Leben vielleicht bedroht wäre...“

Erschwerte Bedingungen – pffft...“, brummte Sullivan.

Der Orden hält sich strikt an einige moralische Regeln“, sagte Lupin ernst. „Wir würden NIEMALS jemanden hinrichten. Solange Severus keinen von uns angreift – und das kann er ja Dank Davids Fluch kaum – sodass dieser gezwungen ist, in Notwehr zu handeln, ist er auch nicht in Gefahr.“

Tamara nickte. „Das glaube ich Ihnen aufs Wort, Remus – was sie selbst und Minerva betrifft - aber wenn ich mir da zum Beispiel Mister Moody anschaue, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass jemand es forcieren könnte, in eine solche Notwehrsituation zu geraten.“

 

Ich verstehe, was Sie meinen“, sagte Lupin beschwichtigend, „aber glauben Sie mir – Mad Eye ist gar nicht so schlimm, wie es vielleicht den Anschein hat. Das ist wie mit den bellenden Hunden, die nicht beißen.“

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Mister Moody ab und zu beißt“, bemerkte Tamara mit hochgezogenen Augenbrauen.

Sullivan nickte bestätigend, was Tamara allerdings nicht mitbekam, da sie sich auf Lupin konzentrierte.

Na schön“, seufzte dieser, „wären Sie wenigstens bereit, mir zu versprechen, dass Sie nicht versuchen Severus zu befreien, solange die Situation so bleibt und er nicht in Gefahr ist?“

Aber natürlich kann ich das“, entgegnete Tamara. „Eine bessere Chance, den Orden von seiner Loyalität zu überzeugen, wird er wohl kaum so schnell bekommen – ich habe also überhaupt keinen Grund, ihn hier rausbringen zu wollen.“

Schwören Sie es?“, fragte Lupin mit schiefgelegtem Kopf.

Ja doch – ich schwöre!“, sagte Tamara mit dezenter Genervtheit. Als Lupin sich – scheinbar zufrieden mit dem Ergebnis seiner Bemühungen – wieder seinem Teller zuwandte, sah sie zu Sullivan hinüber und verdrehte die Augen, was diesen zu einem spöttischen Grinsen animierte.

 

Als sie das Abendessen beendet hatten, streckte sich Lupin und gähnte.

Das Gästezimmer ist oben, die dritte Tür links“, sagte Sullivan.

Ich habe gelüftet und das Bett bezogen“, fügte Tamara an.

Lupin sah unschlüssig von einem zum anderen. „Ich könnte wirklich eine Mütze voll Schlaf brauchen, aber...“

Leg dich ruhig hin“, unterbrach Sullivan ihn. „Wenn es nötig werden sollte, wecke ich dich auf.“

Lupin warf ihm einen dankbaren Blick zu. „Tu das auf jeden Fall – ich löse dich in ein paar Stunden ab.“

Es ist gar nicht notwendig, dass wir Wache schieben“, entgegnete Sullivan. „Der Raum im Keller ist bestens gesichert – da kommt so leicht keiner rein, geschweige denn raus. Nur Minerva und ich kennen die Passwörter“, fügte er aufgrund Lupins fragenden Blickes hinzu. „Und sogar Tamara hat versprochen, es vorerst nicht zu versuchen.“ Sullivan ertrug stoisch den vorwurfsvollen Blick seiner Schülerin.

Okay – wenn du meinst...“ Lupin schien der Vorstellung nicht abgeneigt, die ganze Nacht schlafen zu können und nicht nur ein paar Stunden.

Geh schon“, ermunterte Sullivan ihn. „Unsere Fragen können wir Snape auch morgen noch stellen, wenn Minerva mit dem Veritaserum da ist.“

 

Veritaserum?“ Tamara sah ihren Lehrmeister fragend an, nachdem Lupin ihnen eine gute Nacht gewünscht und den Raum verlassen hatte.

Minerva verspricht sich einiges vom Einsatz dieser Wahrheitsdroge“, entgegnete Sullivan.

Und du nicht?“, fragte Tamara.

Nein, denn es ist nicht auszuschließen, dass Snape eine Möglichkeit gefunden hat, sich gegen die Wirkung zu wehren“, sagte Sullivan.

Tamara runzelte die Stirn. „Das heißt, du würdest ihm auch nicht glauben, wenn unter Einfluss des Veritaserums seine Antworten zu Albus’ Tod dieselben wären, wie ohne?“

Richtig! Das würde mich vielleicht ein wenig beeindrucken, aber nicht überzeugen.“ Sullivan stand auf und begann das Geschirr in die Küche zu räumen und Tamara half ihm dabei.

 

Als sie damit fertig waren, setzten sie sich – beide mit einem Glas Whisky in der Hand - vor den Kamin. Eine Weile starrten sie in einvernehmlichem Schweigen auf die züngelnden Flammen, die sich knisternd in die Holzscheite fraßen und Tamara wurde bewusst - zum ersten mal seit Dumbledores Tod ihr Leben auf den Kopf gestellt hatte – wie geborgen sie sich in diesem Haus und vor allem bei David fühlte. Sicher - die Ereignisse der letzten Wochen hatten Spuren in ihrem Verhältnis zueinander hinterlassen, die dieses Gefühl der Geborgenheit beeinträchtigten - dennoch war David ihr Freund, auch wenn er sich Severus gegenüber recht ruppig benahm.

Umso unerklärlicher erschien es Tamara nun, dass sie sich nie die Frage gestellt hatte, was David nach diesen turbulenten Ereignissen für sie empfand, sondern selbstverständlich davon ausgegangen war, dass er den Sex, zu dem es zwei mal zwischen ihnen gekommen war, ebenfalls als Ausrutscher wertete.

Wenn sie nicht ständig weiter darüber nachgrübeln wollte, musste sie ihn fragen... Tamara seufzte. Es würde bestimmt kein einfaches Gespräch werden, aber sie kannte sich selbst gut genug um zu wissen, dass Weitergrübeln gar nicht in Frage kam. Ein weiterer Seufzer brachte ihr einen scheelen Blick von Sullivan ein.

 

Tamara nutzte die Gelegenheit, um den Stier bei den Hörnern zu packen „Kann ich dich etwas fragen, David?“

Sicher kannst du das“, antwortete Sullivan. Seine Gereiztheit, die schon den ganzen Tag über anhielt, schien sich etwas gelegt zu haben.

Tamara setzte ein paar mal zum Reden an, fand aber offensichtlich nicht die richtigen Worte. „Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll“, murmelte sie schließlich frustriert.

Sullivan zog erstaunt die Augenbrauen hoch, denn es kam äußerst selten vor, dass seine Schülerin sprachlos war.

Sag einfach das, was du sagen willst – ganz gerade heraus“, schlug er vor.

Okay!“, sagte Tamara und atmete tief durch. „Was empfindest du für mich?“ Sie konnte es nicht vermeiden, dass ihre Wangen sich rot einfärbten, nachdem sie ihre Frage gestellt hatte.

Sullivan sah sie überrascht an, dann verfinsterte sich seine Miene und er wandte den Blick ab. „Warum fragst du mich das – ich meine, warum ausgerechnet jetzt?“

Severus hat mich auf den Gedanken gebracht“, antwortete Tamara leise.

 

Sullivans Kopf ruckte herum. „Wie bitte?“

Ich... es tut mir leid, David – du musst mich für furchtbar oberflächlich halten, aber ich habe wie selbstverständlich angenommen, dass du das, was zwischen uns passiert ist... du weißt schon, was ich meine, dass du das genau wie ich, als Ausrutscher ansiehst. Severus hat mich danach gefragt und da ist mir erst bewusst geworden, dass ich nie darüber nachgedacht habe.“ Tamara wandte den Blick von den stechenden Augen ihres Meisters ab und starrte wieder in das Feuer.

Sullivan schwieg eine Weile, ehe er mit rauer, verärgert klingender Stimme antwortete. „Du bist meine Schülerin und von daher eigentlich tabu für mich. Aber es ist nun einmal so, dass du auch eine verdammt anziehende Frau bist und ich beileibe kein Mönch... Außerdem bist du kein junges Mädchen mehr, sondern erwachsen genug, zu wissen, was du tust. Was meine Gefühle für dich angeht – ich mag dich, sonst hätte ich dich auch wohl kaum in mein Haus aufgenommen. So - bist du nun zufrieden? Konnte ich dein Gewissen beruhigen?“

Ich mag dich auch, David“, antwortete Tamara vorsichtig. „Dann siehst du die beiden Male, als wir miteinander... geschlafen haben also auch nur als etwas an, was sich zufällig so ergeben hat – ohne größere Bedeutung?“, fragte sie zaghaft nach.

Natürlich! Als was denn wohl sonst?“, knurrte Sullivan. Sein aggressiver Tonfall ließ bei Tamara alle Alarmglocken läuten. Hatte Severus mit seiner Andeutung Recht gehabt? Empfand David wirklich mehr für sie, als er zugab?

 

Hättest du etwas dagegen, wenn ich die Nacht bei Severus verbringe?“, fragte sie.

Die Wut, die sich für einen Moment in Sullivans Augen spiegelte, erschreckte Tamara bis ins Mark.

Ich habe etwas dagegen...“, sagte er dann, wobei er sich schon wieder völlig im Griff hatte, „aber wer weiß - vielleicht lasse ich es trotzdem zu...“

Tamara sah ihn verwirrt an.

Ich werde mich erst noch einmal mit ihm unterhalten – dann sehen wir weiter“, sagte Sullivan.

Aber Lupin...“, begann Tamara.

Dazu brauche ich Lupin nicht“, unterbrach Sullivan sie. „Ich will alleine mit Snape reden.“

Ihr hattet doch vereinbart, dass ihr nur zu zweit zu ihm geht“, erinnerte ihn Tamara stirnrunzelnd.

Es muss ja niemand den anderen erzählen, dass ich unserem Gefangenen alleine einen Besuch abgestattet habe“, gab Sullivan gelassen zurück. „Genauso, wie ihnen niemand erzählen muss, dass du dort die Nacht verbracht hast...“

Das klingt nach Erpressung“, schnaubte Tamara.

Sullivan zuckte die Schultern. „Vielleicht habe ich ja die Dringlichkeit deines Wunsches im Keller zu nächtigen überschätzt...“

 

Was willst du von Severus?“, fragte Tamara anklagend. „Warum musst du unbedingt alleine mit ihm sein?“

Es gibt eben Dinge, die man besser ohne Zuschauer klärt“, entgegnete Sullivan und grinste boshaft, als Tamara blass wurde. „Reg dich ab - ich werde ihm schon nichts tun“, fügte er dennoch hinzu.

Lass mich dabei sein“, bat Tamara.

Nein!“ Sullivans Antwort ließ keinen Spielraum, daher verzichtete Tamara auch darauf, ihn noch einmal zu fragen.

David?“

Was?“

Hasst du Severus?“ Tamara hatte die Frage gestellt, ohne groß darüber nachzudenken und stellte nun überrascht fest, wie sehr sie sich vor der Antwort fürchtete.

 

Ist das denn so wichtig für dich?“, fragte Sullivan ausweichend.

Ja, das ist es“, sagte Tamara.

Ich hielt ihn schon früher für einen arroganten und sozial fast nicht tragbaren Menschen – seit ich annehmen muss, dass er ein Mörder ist, ein Verräter, habe ich noch das Attribut ‚skrupellos’ hinzugefügt und diese Einschätzung hat sich auch bestätigt, als ich das letzte Mal vor seiner Gefangennahme auf ihn traf.“ Sullivans graue Augen schienen Tamara hypnotisieren zu wollen. „Ich kann ihn nicht leiden, deinen Severus, aber hassen werde ich ihn erst dann, wenn sich herausstellt, dass all das, was ihm zur Last gelegt wird wahr ist... und wenn er dir damit das Herz gebrochen hat.“

Und wenn sich herausstellt, dass er die Wahrheit sagt“, fragte Tamara leise, „...und wenn er mich glücklich macht...?“

Für einen Augenblick wurde der Schmerz in Sullivans Miene sichtbar, ehe er sich wieder fing und eine kühl-distanzierte Maske aufsetzte. „Dann werde ich ihn wohl akzeptieren müssen – mehr aber auch nicht“, sagte er und bemühte sich dabei sichtlich, die Emotion aus seiner Stimme herauszuhalten.

Tamara kannte ihn jedoch zu gut, um darauf hereinzufallen. „Es tut mir leid, David...“, flüsterte sie.

 

Sullivan stand abrupt auf, knallte sein Whiskyglas auf den Kaminsims und durchquerte anschließend mit großen Schritten den Raum. „Ich bin im Keller“, knurrte er, „und ich will dich dort unten nicht sehen – sonst kannst du deinen Wunsch, die Nacht mit deinem Lover zu verbringen, gleich wieder vergessen.“ Die Tür fiel krachend hinter ihm ins Schloss. Tamara, die nach Sullivans rüden Worten aufgesprungen und ihm hinterhergelaufen war, riss diese wieder auf und trat auf den Flur hinaus.

DAVID!“, rief sie laut. Doch ihr Lehrmeister stieg die Kellertreppe hinunter, ohne sich noch einmal umzudrehen.

 

xxx

 

Bellatrix Lestrange hatte immer gedacht, wenn der Tod eines Tages zu ihr käme, würde sie ihm stolz erhobenen Hauptes ins Gesicht blicken und nicht feige zu Kreuze kriechen, wie so mancher, den sie ins Jenseits befördert hatte. Jetzt, wo sie mit der Möglichkeit konfrontiert war, in den nächsten Sekunden zu sterben, sah die Sache jedoch ganz anders aus, als sie sich das vorgestellt hatte – sie hatte eine Scheißangst und hätte Voldemorts Fluch ihr nicht die Kehle zugeschnürt, hätte sie ihn vermutlich angebettelt, sie am Leben zu lassen.

Als die unsichtbaren Hände, die sich um ihren Hals gelegt und zugedrückt hatten, sie endlich freigaben – nur um als Faust in ihrem Nacken zu landen und sie auf die Knie fallen zu lassen – sog sie hektisch Luft in ihre Lungen und bekam einen Hustenanfall, weil sie den Staub, den sie selbst bei ihrem Kniefall aufgewirbelt hatte, dabei mit einatmete. Erst als sie wieder Luft bekam, hob sie vorsichtig den Kopf und ihr Blick fiel auf ihre Todesserkollegen, die in einer Reihe standen und ihre Erniedrigung durch den Lord beobachteten. In keinem der Gesichter war eine Spur von Mitleid zu erkennen. Greyback war sichtlich begeistert, auch Dolohow und die beiden Carrows schienen Vergnügen bei der Vorführung zu empfinden, während Yaxley lediglich interessiert aussah und Lucius eher angewidert.

 

Vorsichtig drehte Bellatrix ihren Kopf ein wenig, bis der Saum von Voldemorts Robe in ihr Blickfeld kam.

Was hast du dir dabei gedacht“, zischte die Stimme des dunklen Lords über ihr, „einen der Unseren anzugreifen und ihn damit in die Arme des Feindes zu treiben?“ Gleichzeitig spürte sie mit Entsetzen, dass Voldemort mit Macht in ihren Geist eindrang und ihr somit keine andere Wahl blieb, als die Wahrheit zu sagen.

Er ist ein Verräter“, versuchte sie sich wieder besseren Wissens zu verteidigen.

LÜG MICH NICHT AN!“, kreischte Voldemorts Stimme unerträglich laut in ihrem Kopf, während der gleiche Satz im Raum nur als scharfes Flüstern hörbar war.

Ich wollte ihm einen Denkzettel verpassen. Er hat mich... abgewiesen...“, keuchte Bellatrix mit schmerzverzerrtem Gesicht.

Du gefährdest also den Erfolg einer Mission, um dich dafür zu rächen, dass Snape dich nicht besteigen wollte?“ Voldemort sprach noch immer leise, aber der Zorn in seiner Stimme war unüberhörbar. „Du stellst die Befriedigung deiner niederen Triebe über unsere Sache – über MEINE Sache? Du dreckige Hure!“

 

Die unsichtbaren Hände, die sie gewürgt und in die Knie gezwungen hatten, packten Bellatrix beim Genick und drückten ihr Gesicht in den Staub, sodass ihr Hinterteil den höchsten Punkt des Häufchens Elend bildete, als das sie vor ihrem Meister kauerte.

Vielleicht sollte ich dich ein paar Tage lang auf einen dieser wunderbaren altmodischen Strafböcke binden“, fuhr der Lord drohend fort, „und all meinen treuen Todessern die Gelegenheit geben, ihre Triebe an dir zu befriedigen. Was hältst du davon, meine angeblich so ergebene Dienerin, die in Wirklichkeit nur eine nichtsnutzige Schlampe ist?“

Ich werde tun, was immer Ihr wünscht, mein Herr“, wimmerte Bellatrix.

Das hast du bereits in der Vergangenheit behauptet“, entgegnete Voldemort kalt, „aber meinen besten Mann durch deine Schuld zu verlieren, war eindeutig nicht mein Wunsch. Ich werde darüber nachdenken, welche Strafe für deinen Ungehorsam angemessen ist, und bis ich eine Entscheidung getroffen habe, bleibst du genau da, wo du jetzt bist.“

Zur Bekräftigung seiner Aussage wurde Bellatrix durch den Fluch noch unnachgiebiger zu Boden gepresst. Sie unterdrückte ein Wimmern und hauchte stattdessen nur: „Ja, mein Gebieter!“

Voldemort wandte sich nun an die stummen Zeugen seiner Abrechnung mit Bellatrix. „Findet heraus, wo Severus ist“, sagte er düster und machte eine auffordernde Kopfbewegung Richtung Tür. Die Todesser setzten sich sofort in Bewegung um den Raum zu verlassen – manche ohne sich umzusehen, andere mit einem letzten Blick auf die am Boden kauerndere Frau.

 

xxx

 

Sullivan öffnete die Türe zu Snapes Zelle und noch ehe auch der magische Schutzwall herunterlassen war, hatte sich der Tränkemeister, der auf der Pritsche gelegen hatte, schon aufgesetzt und sah nun seinem Besucher entgegen.

Na so was - der Hausherr persönlich“, sagte er spöttisch. „Was für eine reizende Überraschung.“

Die unvergleichliche Arroganz, mit der er das vorbrachte, weckte in Sullivan - der ohnehin noch aufgebracht war - das Bedürfnis, Snape die zuvor nur angedeutete Ohrfeige nun tatsächlich zu verpassen. Er bedauerte zum ersten Mal, diesen Fluch ausgesprochen zu haben, der sie zwar alle vor Aggressionen des Gefangenen schützte, jedoch gleichzeitig - unter dem moralischen Aspekt – diesen vor Angriffen ihrerseits in Schutz nahm.

 

Sullivan setzte sich auf den ihm am nächsten stehenden Stuhl und er klopfte auffordernd auf das entgegengesetzte Ende der Tischplatte. „Gesellst du dich freiwillig zu mir, oder muss ich erst Remus aufwecken, damit er ‚bitte’ sagt?“

Ich werde doch so einen hochanständigen Mann wie unseren guten Lupin nicht um den Schlaf bringen“, meinte Snape ironisch, erhob sich und setzte sich Sullivan gegenüber. „Nun - was verschafft mir die Ehre zu so später Stunde? Willst du noch einmal ausprobieren, ob dein schwarzmagischer Fluch tatsächlich funktioniert?“, fragte er im Plauderton.

Nein – aber falls du es noch einmal ausprobieren möchtest... ich sehe gerne dabei zu“, entgegnete Sullivan kalt.

Das glaub ich dir aufs Wort“, sagte Snape. „Wie hat es dir eigentlich gefallen, schwarze Magie anzuwenden? Ein berauschendes Gefühl... eines, das Lust auf mehr macht, nicht wahr, Sullivan?“ Er beugte sich interessiert vor und lächelte auf eine Art, die sicher schon Generationen von Schülern eine Gänsehaut über den Rücken gejagt hatte.

Ich bin zwar eigentlich nicht hier, um dir Fragen zu beantworten“, sagte Sullivan, „aber... das Berauschendste an diesem schwarzen Fluch war eindeutig das hervorragende Ergebnis“, fügte er bissig hinzu.

 

Nett!“, schnaubte Snape, lehnte sich mit verschränkten Armen auf seinem Stuhl zurück und sah Sullivan abwartend an.

Eines werde ich dir doch noch beantworten“, sagte dieser scheinbar ruhig. „Du hast mich gefragt, ob ich es moralisch vertretbar finde, mit Tamara zu schlafen. Meine Antwort darauf lautet: Wage es nicht noch einmal, mir eine solche Frage zu stellen, sonst wirst du eventuell auf sehr unangenehme Weise feststellen müssen, dass sich die Grenzen meiner Moralvorstellungen manchmal hart am Ausmaß des Nutzens orientieren, den eine bestimmte Vorgehensweise für mich hat.“

Wie rebellisch!“, bemerkte Snape zynisch. „Herzlichen Dank für die freundliche Drohung.“

Für einen Todesser, der eine so große Klappe hat, bist du bei erstaunlich guter Gesundheit“, konterte Sullivan. „was mich zu dem Schluss bringt, dass du dich durchaus beherrschen kannst, wenn es nötig ist... oder sollte Riddle wider Erwarten Vergnügen an sarkastischen Scherzen seiner Anhänger haben?“

Ich war noch nicht lebensmüde genug, das auszuprobieren“, entgegnete Snape. „Umso entspannender ist es für mich, einmal wieder mit rechtschaffenen Zauberern zu verkehren... auch wenn ein paar heimliche Revoluzzer darunter sind, die der schwarzen Magie, sowie einigen unorthodoxen Methoden gar nicht so abgeneigt scheinen.“

 

Ich habe läuten hören, dass du auf Hogwarts deine Schüler mit nicht wenigen unorthodoxen Methoden konfrontiert hast“, sagte Sullivan trocken. „Eigentlich müsstest gerade du Verständnis für mich haben“, fügte er ironisch hinzu. „Dir müsste doch klar sein, dass es oft wirkungsvoller ist, eine Tatsache kurz zu demonstrieren, als ellenlange Erklärungen abzulassen... und genauso wenig dürfte dir das Gefühl fremd sein, mit einer Frau ins Bett zu gehen, die einem zur Ausbildung anvertraut ist.“

Snapes Augen flackerten für einen Moment zornig auf und Sullivan, dem das Geplänkel zunächst auf die Nerven gegangen war, begann mit einem mal Gefallen daran zu finden.

Ich hätte mehr Verständnis dafür, wenn du dich, auf die Bank vor deinem Haus setzen würdest, so wie andere Greise das eben auch tun...“, sagte Snape ölig, „...vielleicht mit Moody zusammen - einen Tee trinkend und über die vielen aufregenden Jahrzehnte deiner Vergangenheit plaudernd...?“

Das hätte ich vielleicht sogar hin und wieder getan“, entgegnete Sullivan, „...am liebsten mit Albus Dumbledore zusammen – dass du ihn ermordet hat, brachte meine Pläne diesbezüglich allerdings etwas durcheinander.“

 

Snape senkte den Kopf - was Sullivan als einen ersten Etappensieg in ihrem kleinen verbalen Kräftemessen empfand – und atmete einmal tief durch, ehe er ihn wieder hob. Sein Gesicht wirkte ernst und auch aus seiner Stimme war jeglicher Spott verschwunden.

Ich hatte keine andere Wahl“, sagte er ruhig.

Man hat immer eine andere Wahl“, hielt Sullivan ihm vor.

Was hätte ich tun sollen?“, knurrte Snape. „Es dem Jungen überlassen? Für Albus war es enorm wichtig, dass nicht Draco ihn tötet, denn er war sich sicher, dass es für diesen noch nicht zu spät war, trotz der Weichen, die seine Herkunft ihm stellte. Hätte ich warten sollen, bis Grayback seine Zähne in Albus’ Hals schlägt? Oder mich alleine gegen vier Todesser und den Jungen stellen... um mich zu opfern und zusammen mit Albus zu sterben? Das wäre sicher extrem heldenhaft gewesen – und extrem dumm, weil es niemandem genützt, sondern die Chance, den Dunklen Lord zu besiegen, erheblich vermindert hätte. Albus wollte es so – er bat mich um seinen Tod, der ihn ohnehin in den darauffolgenden Wochen eingeholt hätte. Ich hatte also – angesichts der Unsinnigkeit der anderen Optionen - KEINE andere Wahl, Sullivan.“

 

Da ist was dran...“, gab Sullivan zu, „ allerdings nur, wenn man davon ausgeht, dass deine Geschichte wahr ist.“

Und das tust du natürlich nicht“, ergänzte Snape kühl.

Ich habe keinen Grund, dir zu vertrauen. Warum sollte ich die logischste Erklärung beiseite schieben und davon ausgehen, dass deine doch eher unglaubwürdige Variante der Wahrheit entspricht?“ Sullivan sah den Tränkemeister herausfordernd an.. „Die Annahme, dass du schon immer ein Spion Voldemorts warst, erscheint mir nun mal sehr viel einleuchtender.“

Natürlich!“, sagte Snape Verständnis vortäuschend. „Außerdem steigen deine Chancen, weiterhin deine Schülerin vögeln zu können, wenn ich diesem Bild entspreche.“

Es war offensichtlich, dass Snapes Zynismus einzig dem Zwecke der Provokation diente, dennoch zuckte Sullivans Hand unter dem Tisch unwillkürlich und der Wunsch zuzuschlagen, kehrte zurück. Was hätte er in diesem Moment darum gegeben, dem eingebildeten schwarzhaarigen Bastard unter anderen Bedingungen gegenübertreten zu können... Er ballte die Finger zur Faust und atmete tief durch.

 

Snape schien, wie durch einen siebten Sinn, genau zu wissen, was in seinem Gegenüber vorging.

Ja, ja - es ist schon eine Qual mit der Moral“, sagte er süffisant. „Manchmal glaube ich fast, das ist es, was uns daran hindert, unsere Feinde zu besiegen, die sich keinen Deut um ethische Grundsätze scheren. Kein einziger unter den Todessern hätte an deiner Stelle gerade eben gezögert, mich fertig zu machen.“

Du solltest dich lieber nicht zu sehr auf meine moralische Hemmschwelle verlassen“, sagte Sullivan mit leiser, wütender Stimme.

Snape sah ihn ein par Sekunden schweigend an. „Nein, das sollte ich wohl tatsächlich nicht tun“, meinte er dann ohne erkennbaren Spott.

Sullivan beobachtete den Gefangenen lauernd, als würde er damit rechnen, dass dessen scheinbar vernünftiger Antwort, eine unverschämte folgte. Als dies nicht geschah, lehnte er sich auf dem Stuhl zurück und versuchte, sich zu entspannen.

 

Wer war an dem Überfall auf die Ministeriumsmitarbeiter in Havering beteiligt?“, fragte er dann ruhiger.

Fast nur junge, relativ unerfahrene Todesser“, antwortete Snape.

Sie haben dich mit einem Rudel grüner Jungs losgeschickt?“, fragte Sullivan stirnrunzelnd.

Ich war nicht da“, beschied ihm Snape, „...zumindest nicht offiziell“, fügte er hinzu, als Sullivans Gesicht sich verdüsterte, da ihm Snapes Anwesenheit an diesem Überfall wohl schmerzlich in Erinnerung geblieben war.

Sullivan hob erstaunt die Augenbrauen. „Was wolltest du dann dort? Den Anfängern auf die Finger sehen?“

Ich kam nur deinetwegen vorbei.“ Snape lächelte ironisch und Sullivans Miene wurde noch grimmiger. „Die Wahrscheinlichkeit, dass du dort sein würdest, war relativ hoch - und ich musste mit dir über Tamara reden“, erklärte Snape.

Reden?“, schnaubte Sullivan zornig.

Du wolltest nicht zuhören...“, sagte Snape und hob die Hände zu einer ‚Was kann denn ich dafür?’-Geste.

Und das ist Grund genug, einen Verbündeten – denn du gibst ja vor, noch immer zu uns zu gehören – mit schwarzen Flüchen zu traktieren?“ Sullivans Hände ballten sich erneut zu Fäusten und er zwang sich willentlich, sie wieder zu öffnen.

Auf meine moralische Hemmschwelle ist eben auch nicht immer Verlass“, entgegnete Snape schulterzuckend.

 

Sullivan bekam schmale Augen, wechselte aber das Thema. „Sag mir die Namen der jungen Todesser“, forderte er.

Snape zählte die jungen Männer nun einzeln auf, von denen Sullivan ein paar bekannt waren – zumindest dem Familiennamen nach, da es sich meist um die Sprösslinge von altbekannten Todessern handelte – sowie auch der zuletzt genannte Draco Malfoy.

Der kleine Dreckskerl, wegen dem Albus angeblich seinen eigenen Tod von dir verlangt hat, steht also am Beginn einer Verbrecherkarriere“, sagte Sullivan.

Er hat nicht unbedingt viele andere Möglichkeiten“, entgegnete Snape.

Natürlich – er muss ja in die Fußstapfen seines reizenden Vaters treten“, sagte Sullivan bissig.

Der Lord hat ihn scharf im Auge, seit Lucius die Sache mit der Prophezeiung versaut hat ...“, erklärte Snape, „und er benützt ihn als Druckmittel gegen seinen Vater.“

Du verteidigst den jungen Malfoy also“, stellte Sullivan spöttisch fest. „Na ja – nachdem du mit seinem Vater so dick befreundet bist...“

Ich stelle lediglich Tatsachen fest“, entgegnete Snape kühl.

 

Aber du bist doch mit Lucius Malfoy befreundet?“, hakte Sullivan nach. „Mit Riddles rechter Hand – das macht dich nicht unbedingt vertrauenswürdiger.“

Er ist längst nicht mehr in dieser Position“, widersprach Snape. „Und ich bin ziemlich sicher“, fugte er nach kurzem Zögern hinzu, „dass Lucius Malfoy breit wäre, gegen den dunklen Lord zu agieren, wenn man ihm Amnestie und außerdem Schutz für seine Familie anbieten würde.“

Lucius Malfoy als Mitstreiter in den Reihen des Ordens – eine interessante Vorstellung. Im Vergleich mit ihm, würdest sogar du plötzlich integer wirken“, schnaubte Sullivan sarkastisch. „Wer ist denn dann neuerdings Voldemorts bestes Pferd im Stall?“

Ich!“, antwortete Snape trocken.

Das macht die Sache ja noch schlimmer.“ Sullivan schüttelte belustigt den Kopf.

Nicht, wenn du es vom richtigen Standpunkt aus betrachtest“, entgegnete Snape mit stoischer Geduld. „Es macht die Wahrscheinlichkeit, dass ich Voldemort letztendlich empfindlich schaden kann, wesentlich größer.“

Es macht auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass du uns schaden kannst - falls du lügst... wovon ich nach wie vor ausgehe“, widersprach Sullivan.

 

Snape lächelte nur kurz und resignierend, machte sich aber nicht die Mühe, dieses zu kommentieren.

Nun – dann werde ich dich mal der Nacht überlassen und den Überraschungen, die sie bereithält“, sagte Sullivan und erhob sich.

Überraschungen?“, fragte Snape in ironischem Tonfall und runzelte die Stirn. „Kommst du alle Stunde vorbei und weckst mich auf? Diese Foltermethode ist zwar nicht übel, aber es dauert, bis sie Wirkung zeigt.“

Tamara wird kommen“, sagte Sullivan mit einem hintergründigen Lächeln, „und so wie ich das verstanden habe, hat sie vor, hier zu bleiben.“

Nun schien Snape tatsächlich erstaunt zu sein. „Und du lässt das zu?“

Aber ja doch – zwei Liebende zu trenne, wäre doch wirklich herzlos“, entgegnete Sullivan süffisant. „Sie ist deine Schwachstelle, Snape“, fuhr er wesentlich bissiger fort. „Ich werde mir doch die Möglichkeiten nicht entgehen lassen, die sich mir bieten, wenn sie dich weich gekocht hat. Du bist natürlich ein harter Kerl, aber die Tatsache, dass du so viel riskiert hast, nur um deine ehemalige Geliebte zu sehen, lässt doch tief blicken.“ Zufrieden mit sich selbst und vor allem mit dem ungläubigen Blick, den ihm sein Gefangener zuwarf, wandte sich der alte Zauberer zum Gehen.

 

Sullivan...“, rief Snape, als dieser schon die Türklinke in der Hand hatte. Sullivan drehte sich um und wartete.

Wir waren noch einmal in Havering“, sagte Snape. „Die Ministeriumsbeamten stehen jetzt unter dem Imperiusfluch. Ich selbst habe ihn ausgesprochen.“

Sullivan lehnte sich mit dem Rücken an die Tür. „Wozu sollen sie durch den Fluch gezwungen werden?“

Es geht um ein Bauprojekt“, erklärte Snape. „Nach der Schlacht im Ministerium soll dort umgebaut und unter anderem die Vorhalle neu gestaltet werden. Es haben sich mehrere Firmen um diesen Auftrag bemüht – eine davon, gehört Geoffrey Porter, einem geldgierigen Geschäftsmann, der in aller Heimlichkeit enge Verbindungen zu Voldemort pflegt. Die Arbeiter der ausführenden Firma werden sich relativ frei im ganzen Ministerium bewegen können und daher ist dem Lord sehr daran gelegen, dass Porter den Bauauftrag zugesprochen bekommt. Alle fünf Mitarbeiter, die dem Imperius zum Opfer fielen, sitzen in der Kommission, die darüber entscheidet.“

Porter?“, fragte Sullivan überrascht. „Der ist doch mit Scrimgeours Frau verwandt...?“

Ja – er ist ihr Cousin - aber das hält ihn scheinbar nicht wirklich davon ab, unsaubere Geschäfte zu machen“, entgegnete Snape ironisch. „Allerdings hat der Minister anklingen lassen, dass er es nicht so sehr begrüßen würde, wenn Porter den Auftrag erhält – eben wegen dem Verwandtschaftsverhältnis, damit niemand auf die Idee kommt, ihm Vetternwirtschaft zu unterstellen. Die Kommission ist offiziell zwar unabhängig, aber die Mitglieder werden natürlich den Teufel tun und gegen den Willen ihres Chefs abstimmen... und genau da kommt unser Imperius ins Spiel.“

Wann ist diese Abstimmung?“, fragte Sullivan.

Geplant ist sie für übermorgen!“, entgegnete Snape.

Gut! Das gibt uns genügend Zeit, um etwas zu unternehmen.“ Sullivan öffnete die Tür, drehte sich aber auf dem Flur noch einmal zu Snape um. „Das war eine wirklich nützliche Information – deine Geschichte nehme ich dir aber trotzdem nicht ab.“

 

xxx

 

Voller Ungeduld wartete Tamara auf Sullivans Rückkehr. Ein paar Mal war sie versucht gewesen, sich in den Keller zu schleichen, aber die Drohung, dass sie dann ihren Wunsch, die Nacht dort zu verbringen, gleich vergessen könne, hielt sie doch nachhaltig davon ab.

Die Ungewissheit, was zwischen den beiden Männer wohl vorgehen mochte, machte sie verrückt, aber noch mehr bedrückte sie die Entdeckung, die sie bei dem Gespräch vorhin gemacht hatte: David empfand also doch mehr für sie, als sie angenommen hatte. Tamara war völlig unsicher, wie sie damit umgehen sollte, zumal er selbst es ja auch nicht zugab.

Sollte sie es einfach ignorieren... so tun, als hätte sie die deutlichen Anzeichen seiner emotionalen Bredouille nicht bemerkt? Sie konnte sich nicht vorstellen, dies durchziehen zu können, ohne dabei völlig verkrampft zu wirken, was bei dem sehr offenen und legeren Umgang, den sie gewöhnlich mit David pflegte, extrem auffallen würde.

Oder sollte sie ihn noch einmal direkt darauf ansprechen, was wiederum den Anschein erwecken konnte, sie wolle noch Salz auf seine Wunden streuen?

Tamara löste das Problem wie schon viele zuvor in ihrem Leben – sie beschloss, alles auf sich zukommen zu lassen und sich dann spontan aus dem Bauch heraus zu entscheiden.

 

Als Sullivan kurze Zeit später das Wohnzimmer betrat, sprang sie von ihrem Sessel auf und ging ihm entgegen.

Du kannst jetzt runter gehen“, sagte Sullivan düster. „Ich habe dich bereits angekündigt... aber du konntest den lautstarken Jubel unseres ‚Gastes’ anlässlich dieser erfreulichen Aussicht ja sicher bis hier herauf hören“, fügte er sarkastisch hinzu.

Er hatte wohl geplant, dieser kleinen Bosheit noch eine weitere hinzuzufügen, verbiss sich diese aber, als Tamara ohne ein Wort zu verlieren auf ihn zutrat, die Arme um seine Taille schlang und den Kopf auf seine Schulter legte.

Was ist los mit dir?“, fragte er verwirrt.

Nichts!“, erwiderte Tamara ohne sich von ihm zu lösen. „Ich wollte dir nur danken, dass du so viel Verständnis für mich hast... und dir zeigen, wie viel du mir bedeutest“, fügte sie leise hinzu und zog danach unwillkürlich den Kopf etwas ein – nicht ohne Grund, wie sich gleich herausstellen sollte, denn Sullivan packte sie bei den Schultern und schob sie von sich weg.

Darauf kann ich gerade im Moment gut verzichten“, knurrte er. Seine grauen Augen musterten sie ein paar Sekunden lang abweisend, ehe er den Blick abwandte und in Richtung Flur nickte. „Na geh schon!“, sagte er barsch und wartete, bis sie sich in Bewegung setzte, um dann voraus zu gehen.

 

An der Kellertreppe forderte Sullivan Tamara mit einer knappen Geste auf, ihm ihren Zauberstab auszuhändigen, und sie kam dem ohne Widerspruch nach. Davids Zurückweisung hatte ihr überraschend weh getan und während sie schweigend nebeneinander die Stufen hinabstiegen, beschlich Tamara das unangenehme Gefühl, dass sie gerade etwas kaputt machte, von dessen Existenz sie vor kurzem noch nicht einmal etwas geahnt hatte. Dieser beunruhigende Gedanke wurde jedoch zusehends von der Vorfreude auf die Nacht mit Severus verdrängt und auch von der Nervosität, die sie angesichts der Vorstellung empfand, dass dieser sie vielleicht gar nicht willkommen heißen würde.

 

Als Sullivan die Tür zu Snapes Zelle geöffnet und die magische Sicherheitsbarriere gesenkt hatte, machte er eine spöttisch übertriebene, einladende Handbewegung woraufhin Tamara ohne ihn anzusehen an ihm vorbei in den kargen Raum hineinging. Ihre volle Aufmerksamkeit galt nun Snape, der auf seiner Pritsche saß und ihr mit unergründlicher Miene entgegensah.

Sullivan zog die Wand aus Energie wieder hoch, kaum dass seine Schülerin die entsprechende Linie überquert hatte.

Ich wünsche angenehme Nachtruhe“, sagte er eisig. „Vielleicht werde ich ab und zu mal vorbeischauen – ältere Menschen haben oft einen unruhigen Schlaf... aber das wird gar nicht stören - ihr werdet es nicht mal bemerken, da ich die Tür nicht öffnen muss. Der Abhörzauber funktioniert einwandfrei an dieser Wand und zudem sogar ein etwas komplizierterer, der einen kleinen Teil des Mauerwerks von außen durchsichtig werden lässt.“

Mit diesen Worten, die er mit dem Anflug eines gehässigen Grinsens garnierte, machte er kehrt und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

 

Snape murmelte etwas, das wie ‚Arschloch’ klang, während Tamara von Sullivans Worten, deren Bedeutung sich ihr erst mit ein paar Sekunden Verzögerung erschloss, wie paralysiert war.

Es tut mir leid“, flüsterte sie, als sie sich wieder etwas gefangen hatte und sich erneut Severus zuwandte, der sich noch immer nicht erhoben hatte und ihr nun mit einem Blick entgegensah, der verdächtig spöttisch wirkte.

Was tut dir leid?“, fragte er scheinbar amüsiert. „Dass du dich entschlossen hast, im Keller zu übernachten? Ja, vielleicht war das eine falsche Entscheidung – und ich will gar nicht erst darauf rumreiten, dass du mich nicht nach meiner Meinung dazu gefragt hast, denn ich bin ja hier nur ein Gefangener – vielleicht hättest du dich lieber im Bett deines Meisters einquartieren sollen, um ihn milde zu stimmen. Oder ist er ohnehin lieber Voyeur, als selbst aktiv zu werden? War es eventuell sogar sein Wunsch, dass du zu mir kommst? Außerdem fällt es wohl durchaus in den Bereich ‚Folter’ zwei Menschen auf einer Pritsche schlafen zu lassen, die kaum mehr als einen halben Meter breit ist. Du hast nicht zufällig deinen Zauberstab bei dir, um das Ding ein wenig komfortabler zu gestalten?“

Hör auf!“, sagte Tamara scharf. „Ich würde sogar im Stehen übernachten, wenn ich dafür bei dir sein kann und David...“, sie stockte - nein, sie würde Severus nicht erzählen, was sie über Davids Gefühle herausgefunden hatte, denn ihre innere Stimme sagte ihr, dass er es umgehend als Waffe gegen ihren Ausbilder einsetzen würde, „...hat nur zugestimmt, weil er weiß, wie wichtig du mir bist.“

 

Snape musterte sie abschätzend. „Na wenn das so ist...“, sagte er in einem Ton der deutlich klar machte, dass er ihr diese Aussage nicht abnahm, „...dann kann ich mich wohl glücklich schätzen, dass ich einem so gütigen alten Herrn in die Hände gefallen bin.“

Ja, das kannst du!“, zischte Tamara mit zusammengebissenen Zähnen. „Oder wärst du lieber bei Moody geblieben?“

Der ist auch nicht viel grantiger als du gerade eben“, entgegnete Snape – empörenderweise noch immer amüsiert, „allerdings siehst du dabei wesentlich besser aus.“

Sehr witzig!“, fauchte Tamara. „Soll ich wieder gehen?“

Wie willst du das anstellen?“, fragte Snape interessiert. „Kommst du etwa durch diese Barriere? Oder klingelt irgend etwas oben bei Sullivan, wenn du mit dem Kopf dagegen läufst?“

Erst jetzt wurde Tamara klar, dass sie keine Möglichkeit hatte, ihre Entscheidung hier zu übernachten auf die Schnelle wieder zu revidieren, und insgeheim verfluchte sie David, dass er ihr nicht mitgeteilt hatte, wie sie ihn auf sich aufmerksam machen konnte, wenn sie die Zelle verlassen wollte.

 

Mit einer ihrer Wut entsprechenden, abrupten Bewegung drehte sie sich um und ging die paar Schritte bis zu der Wand aus magischer Energie, die lediglich als leichtes Flimmern in der Luft erkennbar war. Versuchsweise streckte sie ihre Hand aus und traf auf eine glatte Oberfläche, die sich zunächst weich und nachgiebig, bei stärkerem Druck jedoch so massiv wie Stahlbeton anfühlte. Tamara hatte diesen Gedanken noch nicht zuende gedacht, als ein schmerzhafter Schlag sie traf, der ein äußerst unangenehmes Brennen von ihrer Handfläche bis in die entferntesten Nervenbahnen ihres Körpers schickte. Mit einem kurzen erschrockenen Aufschrei zog sie die Hand zurück und presste sie mit der anderen in Schutzhaltung auf den Bauch.

 

Snape war aufgestanden und ihr gefolgt, als sie den Versuch mit der Barriere gestartet hatte. Fast hätte er dem inneren Drang nachgegeben, sie zurückzuhalten, was er sich jedoch selbst untersagte, denn schließlich war es wichtig für ihn herauszufinden was passierte, wenn man das Energiefeld berührte. Dass er sich jedoch mehr darüber sorgte, Tamara könne sich verletzen, war eine überraschende Erkenntnis für ihn und die Behauptung, diese Frau wäre seine Schwachstelle, bekam mit einemmal ein anderes Gewicht.

Einen Moment lang hielt er den Atem an und ließ ihn erst wieder entweichen als er annehmen konnte, dass Tamara nicht ernsthaft zu Schaden gekommen war. Es berührte ihn seltsam, sie dort stehen zu sehen – die getroffene Hand an sich gezogen und angestrengt seinen Blick meidend. Er konnte sich nicht entscheiden, was ihn mehr beeindruckte, ihr Stolz – oder sollte man es eher Sturheit nennen - der sie sogar in dieser Situation den Kopf hoch tragen ließ, wie eine Königin, oder die Verletzlichkeit, die sie gleichzeitig ausstrahlte, obwohl dies im krassen Gegensatz zu ihrer Haltung stand.

 

Snape trat nahe sie heran und streckte die Hand aus. „Komm her!“, sagte er sanft aber bestimmt.

Tamara hob den Kopf und man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie mit sich haderte, ob sie der Aufforderung nachkommen sollte, ehe sie einen Schritt auf ihn zuging.

Alles in Ordnung?“, fragte er und obwohl Tamara nickte, griff er nach ihrer Hand, um diese auf Verletzungen zu untersuchen. Als er nichts dergleichen fand, griff er auch noch nach ihrem anderen Handgelenk und zog Tamara näher zu sich heran.

Es hat nicht geklappt, mit dem wieder Verschwinden“, sagte sie spröde, „aber ich kann am anderen Ende des Raumes auf dem Boden schlafen wenn du das möchtest – oder in der Dusche.“

Red keinen Blödsinn!“, sagte Snape und legte seine Arme um ihre Taille.

Und ich weiß gar nicht, ob David das oben merkt, wenn jemand die Barriere berührt“, murmelte Tamara, „vielleicht kommt er gleich.“

Ja, vielleicht...“, stimmt Snape zu und zog ihren Körper eng an sich.

Tamara gab ihren halbherzigen Widerstand auf, schlang die Arme um seinen Nacken und barg den Kopf in seiner Halsbeuge.

Ich habe dich so vermisst!“ Ihre Stimme war nur mehr ein raues Flüstern.

Ich glaube, ich habe dich auch vermisst“, entgegnete Snape, „ich kann mich nur nicht mehr daran erinnern.“

 

Das, was sich schließlich aus dieser Umarmung ergab, passierte auf eine mysteriöse Weise ganz von alleine, ohne dass die Beiden noch die Chance hatten, eine willentliche Entscheidung zu treffen. Ihre Körper schienen sich wiederzuerkennen und wie früher genügten wenige Berührungen und Blicke, um die Leidenschaft zu entfachen.

In dem engen Badezimmer, in das Snape sie getragen hatte – möglichst weit weg von einer möglichen Überwachung – hochgehoben, an die Wand gedrückt und von ihm mit festem Griff gehalten, weinte Tamara vor Glück, ihren Geliebten endlich wieder zu spüren.

Er nahm sie mit großer Selbstverständlichkeit, ohne zu Zögern, ohne sich auch nur einen Moment lang langsam vortasten zu müssen, um herauszufinden, was sie brauchte – sein Unterbewusstsein schien sich sehr wohl an Tamara zu erinnern – war zwar nicht überbetont zärtlich, aber auch nicht grob, sondern berührte sie genau so nachdrücklich und war so besitzergreifend in seinen Gesten und Bewegungen, wie sie es von ihm in Erinnerung hatte und liebte.

Sie kam noch vor ihm und gab dem überwältigenden Gefühl, das sie mit dem Orgasmus überrollte, dementsprechend hingerissen stöhnend Ausdruck. Dies wiederum spornte Snape noch mehr an – seine Stöße wurden schneller und härter, bis er sich mit einem tiefen, triumphierenden Laut in Tamaras Schoß ergoss.

 

Mit einem erlösten Aufseufzen schlang sie die Arme um seinen Hals und presste sich an seinen Brustkorb, während er versuchte, seine Atmung wieder unter Kontrolle zu kommen.

Ich liebe dich so sehr“, flüsterte sie.

Anstelle einer Entgegnung küsste er ihren Hals.

Du brauchst nichts sagen“, murmelte Tamara.

Ach... muss ich nicht?“, fragte Snape mit amüsiertem Erstaunen.

Nein... NOCH nicht!“ Tamara vergrub die Hände in seinem Haar und zog spielerisch seinen Kopf in den Nacken, um ihm besser in die Augen sehen zu können.

Er ließ sich diese Behandlung ohne Widerstand gefallen. „Darf ich trotzdem etwas sagen?“, fragte er ironisch.

Wenn es unbedingt sein muss“, entgegnete Tamara in gespielt gelangweiltem Ton.

Ich bin froh, dass du hier bist“, sagte Snape leise.

Tamara sah ihn gerührt an und küsste ihn sanft auf den Mund.

...auch wenn du langsam verdammt schwer wirst“, ächzte Snape.

Charmant!“, schnaubte Tamara, löste ihre Beine, die sie fest um seine Hüften geschlungen hatte und ließ sich mit seiner Hilfe gemächlich hinunter auf den Boden rutschen.

Sie umarmten sich noch einmal und sie verschmolzen noch einmal bei einem langen, innigen Kuss miteinander, bevor sich schließlich trennten.

 

Um sie herum lag der Teil ihrer Kleidung, von dem sie sich in aller Eile befreit hatten. Tamara fragte sie sich, ob sie sich nun wieder ankleiden, oder den Rest auch noch ausziehen sollte. Ein Blick auf Snape, der – scheinbar ohne zu zögern - seine Hose wieder zugeknöpft hatte und bereits sein Hemd anlegte, gab ihr die Antwort darauf. Mit einem bedauernden Seufzen schob sie ihr T-Shirt über den Busen nach unten, hob ihre Jeans vom Boden auf und zog sie an.

Nachdem sie auch wieder in ihre Schuhe und ihr Hemd geschlüpft war, richtete Tamara sich auf und begegnete Snapes Blick.

Und? Wo soll ich nun hin, nachdem die Pritsche zu eng für uns beide ist?“, fragte Tamara und legte den Kopf schief.

Ich denke, wir sollten doch probieren, ob wir dort zusammen Platz finden“, entgegnete Snape lächelnd.

Er legte den Arm um sie und sie traten eng umschlungen hinaus in den angrenzenden Raum. Nach wenigen Schritten standen sie vor der Pritsche.

 

Verdammt eng!“, befand Tamara mit kritischem Blick. „Wir werden wohl übereinander liegen müssen... ich darf doch nach oben, oder?“

Mal sehen...“, meinte Snape und ging, eine Armeslänge davon entfernt, vor der schmalen Schlafstatt in die Hocke. Er streckte beide Hände aus, legte sie auf den Rand des Möbels und sah konzentriert auf dieses herab.

Tamara glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als Snape seine Arme langsam immer mehr anwinkeln musste, da die Pritsche in die Breite wuchs.

Wie machst du das?“, keuchte sie verblüfft. „Ohne Zauberstab...?“

Einfache Zauber gehen auch ohne“, entgegnete Snape unbescheiden, als er sein Werk vollendet und sich wieder erhoben hatte, „...bei dem Energiefeld dort, würde ich mir allerdings die Zähne ausbeißen. Du brauchst dich also nicht sorgen, dass ich heimlich verschwinden könnte.“

 

Sehr beruhigend“, murmelte Tamara. Zauberstablose Magie galt als hohe Kunst und die wenigen Zauberer, denen es in der Vergangenheit bekanntermaßen gelungen war, ihre magischen Kräfte auch ohne Fokus wirken zu lassen, waren dünn gesät. „Das war doch keine schwarze Magie?“, fragte sie vorsichtig.

Jetzt wo du es erwähnst... das Bett wird dich vermutlich fressen, sobald du dich hineinlegst“, sagte Snape beiläufig. „Ich hoffe, das ist nicht allzu tragisch...?“

Nicht, solange es mich zusammen mit dir verschlingt“, entgegnete Tamara lächelnd und machte eine Geste, die ihn einlud, sich als erster auf die Pritsche zu legen.“

Snape seufzte und ließ sich nieder, wobei er aber in letzter Sekunde den Arm um Tamara schlang und sie mitzog, sodass sie schließlich lachend halb auf ihm zu liegen kam.

 

Sie kuschelte sich an ihn, während er die Decke über ihrer beider Körper zog.

Weißt du eigentlich, wie viel es mir bedeutet, hier bei dir zu liegen?“, fragte sie nach einer Weile ernst. „Ich bin so glücklich, Severus.“

Ich auch’, war er für einen Moment versucht zu antworten, aber der vernunftgesteuerte Teil seines Wesens, unterband diese Gefühlsäußerung. „Das ist schön, auch wenn es nichts an der Gesamtsituation ändert“, sagte er stattdessen.

Egal! Es reicht, wenn ich mir darüber morgen wieder Gedanken mache“, schob Tamara energisch seinen pragmatischen Denkansatz zur Seite.

Er schnaubte belustigt, zog ihren warmen anschmiegsamen Körper an sich und genoss dieses Gefühl, das ohne Zweifel dazu geeignet war, für eine Weile glücklich zu machen.





Kapitel 14 –  Beobachtungen  


Tamara wachte in dieser Nacht mehrmals auf, als müsse ihr Verstand sich versichern, dass sie wirklich bei Severus war, und schlief dann – noch enger an den Körper ihres Geliebten geschmiegt – nach Kurzem wieder ein.

Auch Snape wurde einige Male wach, checkte die Lage und schloss die Augen wieder, ohne dabei in wirklich tiefen Schlaf zu sinken.

Gegen Morgen war er mit einemmal hellwach. Er fühlte er sich beobachtet und verspürte außerdem deutlich die Präsenz eines anderen, überaus wachen Geistes. Ein verstohlener Blick auf die friedlich schlafende Frau an seiner Seite machte ihm klar, dass sie es nicht war, deren Aufmerksamkeit ihn geweckt hatte. Sullivan musste da draußen sein!

Snape schloss die Augen und versuchte der Wut Herr zu werden, die er bei dem Gedanken empfand, der Überwachung und der Willkür dieses Mannes derart ausgeliefert zu sein - was ihm so früh am Morgen, bevor er sämtliche Schutzmechanismen für seine Nerven hochgefahren hatte, ganz und gar nicht leicht fiel. Tief und gleichmäßig atmete er ein und aus – und kaum eine Minute später war plötzlich die Idee da, wie er seinem Gefängniswärter etwas entgegensetzen konnte.

 

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Sullivan hatte eigentlich damit gerechnet, nicht schlafen zu können, und war erstaunt gewesen, dass es schon fast Morgen war, als er zum ersten Mal aufwachte. Höchste Zeit, um im Keller nach dem Rechten zu sehen!

Vor der Tür zu Snapes Gefängnis angekommen aktivierte er den Abhörzauber – es war alles still. Was seinen Zauber anging, der angeblich Teile der Mauer durchsichtig werden ließ, hatte er am Abend zuvor ein wenig dick aufgetragen - es war vielmehr so, dass er beim Herrichten der Zelle für Snape ein Fenster eingesetzt hatte, das aber als Mauerwerk getarnt war. Er war imstande, diese Tarnung nun so zu modifizieren, dass er in den Raum sehen konnte, ohne dass sich die Wand im Inneren des Raumes veränderte. Der Effekt war also derselbe, wenn auch auf einem anderen Weg.

Die Zelle war rund um die Uhr schwach erleuchtet – dafür hatte Sullivan gesorgt, damit der Gefangene besser zu überwachen war – und hinter der Glasscheibe konnte er nun deutlich die beiden von der Decke verhüllten Körper auf der Liege sehen, sogar Tamaras Gesicht war halbwegs erkennbar, da sie außen lag und den Kopf zur Seite gedreht hatte. Eine Sekunde lang war Sullivan irritiert, wie sie und Snape nebeneinander Platz auf der engen Liege gefunden hatten, als seine Aufmerksamkeit von einer Bewegung unter der Decke abgelenkt wurde.

 

ooo

 

Tamara wachte auf, weil eine Hand sich fordernd zwischen ihre Beine schob und noch während sie verschlafen gegen diese Störung protestieren wollte, stand ihr Schoß schon in Flammen und reagierte wie von selbst mit wollüstigen Gegenbewegungen auf die aufreizende Reibung. Wenig später war die Müdigkeit verflogen und sie schlang die Arme um Snape um sich noch näher an ihn zu pressen.

Guten Morgen! So früh schon so... munter?“, murmelte sie ihm leise ins Ohr und küsste seinen Hals.

Hast du etwas besseres vor?“, raunte Snape, während er den Reißverschluss ihrer Jeans herunterzog.

Ganz und gar nicht – das was du vorhast, passt geradezu perfekt in meinen Terminplan“, gurrte Tamara und hob ihr Becken, damit er ihr die Hose abstreifen konnte. Als seine Hand zum Ausgangspunkt – zwischen ihren Schenkeln – zurückkehrte, stellte sie fest, dass auch ihr Unterhöschen verschwunden war.

 

Trotz der Zielstrebigkeit, mit der er bislang vorgegangen war, war Tamara nicht wirklich auf seinen nächsten Schritt gefasst und keuchte überrascht auf als seine Finger ohne Zögern tief in sie eindrangen. Die Art, wie er sie stimulierte, war nahe an der Grenze zur Grobheit, aber eben genau die kleine, entscheidende Nuance davon entfernt, die Tamara fast verrückt vor Erregung machte. Alles in ihr schrie danach, sich diesem Mann mit Haut und Haaren auszuliefern – sich hinzugeben und bis zur vollkommen Ekstase mit ihm zu vereinigen.

Nimm mich!“, flüsterte sie heiser - doch er schien gar nicht daran zu denken, ihrer Auforderung Folge zu leisten. Während er weiter tief und rhythmisch mit den Fingern in sie drang, zog er mit der anderen Hand ihr Hemd auseinander und schob das T-Shirt hoch, um ihre Brüste freizulegen.

Tamara stöhnte kehlig auf, als er sich herabbeugte und die Lippen sich um eine ihrer Brustwarzen schloss. Aus dem Stöhnen wurde ein kleiner Schrei, da diese Liebkosung ähnlich zärtlich ausfiel, wie die seiner Finger in ihrem Schoß.

Sie versuchte, seinen Kopf wegzudrücken um ihn zurückzuhalten und ein wenig Kontrolle über die Situation zu bekommen, doch er ließ nicht von ihr ab, sondern packte ihre Hand - als sie mit der anderen versuchte, sich zu befreien, auch noch die zweite – und hielt sie über ihrem Kopf auf die Matratze gepresst fest.

Beide warteten eine Sekunde lang atemlos, ob der Fluch, der Severus daran hindern sollte, jemanden anzugreifen, auch hier zur Wirkung kam, aber aus unerfindlichen Gründen passierte nichts dergleichen

 

Tamara empfand durchaus Wut bei dieser rüden Behandlung, aber nachdem sie auch das Gefühl hatte, vor Geilheit fast zu platzen, was alles andere rigoros in den Hintergrund drängte, wirkte diese Wut absolut belanglos.

Es war, als würde ihre Sehnsucht nach Severus’ Berührung - aufgestaut in all den schlaflosen Nächten, die sie ohne ihn verbracht hatte – verzweifelt ein Ventil suchen... sie wollte ihn spüren - so intensiv, dass es weh tat, sie wollte...

VERDAMMT! NIMM MICH DOCH ENDLICH!“, fauchte sie ihn plötzlich wild an und wand sich heftig in seinem Griff.

Snape ließ von ihrer Brust ab, hob den Kopf und lachte.

Teuflisch!’, schoss es ihr durch den Kopf, aber in diesem Moment war es ihr egal, ob ihr ganz persönlicher Engel in Wirklichkeit ein Teufel war – er war ihr Schicksal – was immer er auch sonst noch sein mochte.

Bitte Severus!“, flehte sie. „Erlöse mich!“

 

Was genau soll ich denn mit dir tun?“, fragte er interessiert, als hätte er selber keinen konkreten Plan.

Du sollst mich ficken!“, stöhnte Tamara.

Ich hör dich so schlecht“, sagte Snape mit einem Grinsen, für das sie ihm gerne die Nägel quer übers Gesicht gezogen hätte, was natürlich außerhalb ihrer Möglichkeiten lag, da er sie immer noch eisern festhielt.

FICK MICH!“, schrie sie außer sich vor Zorn und Verlangen.

Schon besser“, gab er zur Antwort und zog seine Finger aus ihrem Schoß um seine Hose zu öffnen. Als er auch noch ihre Hände losließ und sich zwischen ihren weit auseinandergespreizten Schenkeln postierte, streckte ihm Tamara ihr Becken in geradezu obszöner Weise entgegen.

JA!“, keuchte sie, als er bis zum Anschlag in sie eindrang.

Ich will dich hören – so laut, dass das ganze Haus aufwacht“, knurrte Snape und versenkte sich mit einem weiteren harten Stoß in ihrem willig dargebotenen Schoß.

Tamara krallte ihre Finger in seine Hände, die sie hielten. Eine kurze Zeit lang brachte sie es noch fertig, sich zu kontrollieren, dann schrie sie ihre Lust heraus, ohne den Gedanken an irgendwelche Folgen auch nur in die Nähe ihres Verstandes zu lassen.

 

ooo

 

Bewegungslos, die Hände zu Fäusten geballt und die Zähne so fest aufeinandergepresst, dass die Muskeln im Unterkiefer nervös zuckten, stand Sullivan da und starrte auf das Bild, das sich ihm hinter der Fensterscheibe bot. Der Drang, dort hineinzustürmen und den Kopf seines Gefangenen gegen die Wand zu schlagen, bis das Blut spritze war nahezu übermächtig.

Warum wirkte der Schutzzauber, den er angewandt hatte, nicht gegen Snapes brachiale Beischlafmethode? Erkannte dieser schwarze Drecksfluch vielleicht, dass das vermeintliche Opfer Lust empfand, anstatt Angst?

Sullivan wusste, dass Tamara sich freiwillig, ja vermutlich sogar überaus bereitwillig hingab – sein Verstand hämmerte es ihm geradezu schmerzhaft nachdrücklich ein – trotzdem fachte dieser Anblick, bei dem sich die Parallele zu einer Vergewaltigung unweigerlich aufdrängte, seinen Zorn in einem Ausmaß an, das ihn selbst erschreckte.

Was zum Teufel tat er eigentlich hier unten – was hatte er erwartet? Hatte er sich tatsächlich eingebildet, der Hinweis auf seine tollen Überwachungsmethoden würde die beiden davon abhalten, miteinander zu schlafen? Sullivan kam sich mit einemmal unsagbar dumm vor. Er wollte fort von hier – fort von diesem unerträglichen Anblick, fort von Tamaras entgleistem Jargon und ihrem ekstatischen Keuchen... und vor allem weit fort von seiner eigenen hell lodernden Eifersucht.

 

Gerade als er den Zauberstab hob, um das Fenster verschwinden zu lassen, begann Tamara hemmungslos zu schreien und im gleichen Moment drehte Snape den Kopf zur Seite und sah ihm – so schien es Sullivan zumindest – direkt in die Augen.

Dieser verfluchte Bastard wusste, dass er da war!

Auch wenn es eigentlich viel zu dunkel war, um etwas Derartiges zu erkennen, glaubte Sullivan für einen Moment, einen triumphierenden Ausdruck im tintenschwarzen Blick seines Rivalen zu erkennen und schloss unwillkürlich die Augen - nur um weiterhin das Bild der beiden ineinander verschlungenen Körper vor sich zu sehen, dass sich tief in sein Gehirn eingebrannt zu haben schien. Tamaras Schreie, die allmählich in ein kaum weniger geräuschvolles Wimmern übergingen, taten ein Übriges, um Sullivans Nerven zu malträtieren. Folglich hob der erste Schlenker seines Zauberstabes dann auch den Abhörzauber auf, damit er diesem Geräusch nicht länger ausgesetzt war, und erst der zweite ließ das Fenster verschwinden und wieder wie einen normalen Bestandteil der Wand erscheinen. Erst als er die beiden Zauber gesprochen hatte, öffnete Sullivan die Augen und starrte stumpfen Blickes auf eben dieses Stück Mauer in der Hoffnung durch den Anblick der weiß getünchten Fläche, das hartnäckige Bild aus seinem Gedächtnis zu tilgen.

 

Als er sich schließlich umdrehte und mit ausgreifenden Schritten den Rückweg antrat, stieß er fast mit Lupin zusammen, der am Fuß der Kellertreppe stand.

Wie lange stehst du da schon?“, blaffte Sullivan ihn an.

Noch nicht lange...“, sagte Lupin und betrachtete den Hausherrn forschend. „Was tust du hier unten und wieso starrst du die Wand an?“

Ich habe nach dem Rechten gesehen“, sagte Sullivan vage und ärgerte sich, dass es so nach Ausrede klang.

Lupins hochgezogenen Augenbrauen bestätigten dies umgehend. „Und? Ist alles in Ordnung?“

Alles ruhig!“, entgegnete Sullivan knapp.

Ich habe etwas gehört...“, sagte Lupin zögernd.

Er war also doch schon lange genug da! Verdammt! Sullivan schnaubte frustriert. „Was hast du gehört?“

Einen Schrei...“

Wahrscheinlich irgendein Vogel – die Biester sind um diese Stunde besonders laut“, unterbrach Sullivan Lupin unwirsch.

Es war Tamara, die geschrieen hat“, sagte Lupin, „und es war eine... ganz besondere Art von Schrei – ich habe einen siebten Sinn für so etwas... kurz vor Vollmond.“

 

Sullivan sah Lupin an, als wolle er ihn allein durch diesen Blick am Weitersprechen hindern, aber der Werwolf zeigte sich gänzlich unbeeindruckt. „Sie ist bei IHM, nicht war?“, fragte er stattdessen.

Ja!“, seufzte Sullivan. „Behalte es für dich, okay?“

Es ist sehr menschlich von dir, den beiden die Möglichkeit zu geben, sich so nahe zu sein“, sagte Lupin sanft, „und ich muss zugeben, dass mich deine Großzügigkeit positiv überrascht, denn ich hatte dich wesentlich strenger und konservativer eingeschätzt. Dir liegt sehr viel an deiner Schülerin, nicht war?“

Ich bin nicht großzügig – ich bin nur ein Idiot!“, brummte Sullivan verdrießlich und ging an Lupin vorbei die Stufen hinauf, ohne dessen letzte Frage zu beantworten.

Lupins Blick blieb noch eine Weile nachdenklich an der Wand hängen, auf die Sullivan gestarrt hatte, dann folgte er diesem die Treppe hinauf.

 

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Tamara genoss in vollen Zügen die Zärtlichkeit mit der Snape sie verwöhnte, nachdem sie beide in einem furiosen Finale den Zenit der Lust überschritten hatten. Diese Sanftheit, die ihr nach der absolut erotisierenden, aber dennoch strapaziösen Härte, mit der er sie genommen hatte, unendlich gut tat, ließ sie fast schnurren vor Wohlbehagen.

Das war eine wundervolle Art, mich aufzuwecken“, seufzte sie. „Scheint so, als hätte ich dir tatsächlich gefehlt.“

Wie gesagt...“, brummte Snape, „ich habe dich bestimmt vermisst – mein Körper scheint das noch zu wissen, auch wenn ich keine Erinnerung mehr daran habe.“

Ich glaube, darauf können wir aufbauen, bis du deine Erinnerungen wieder hast“, sagte Tamara und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge.

Snape antwortete mit einem leisen belustigen Schauben und zog sie noch etwas enger an sich.

Ein paar Atemzüge später war Tamara eingeschlafen.

 

Einige Zeit später – Tamara kam es allerdings nur wie ein paar Minuten vor – wurde sie durch einen lauten Knall aus dem Schlaf gerissen. Es war das Geräusch der Tür, die auf eine Weise geöffnet wurde, die sie in den Angeln zur Seite schwingen und an die Wand krachen ließ.

Aufstehen!“, hörte sie Sullivans Stimme, deren Befehlston den kleinen Raum komplett auszufüllen schien.

Tamaras Blick glitt hinüber zu Snape, der mit offenen Augen die Decke anstarrte und sich auf einen Punkt direkt über ihm zu konzentrieren schien.