Liebe deine Feinde
von Chrissi C.
Über euer Feedback freut sich Chrissi
Kapitel 10 - 12
Tamara starrte fassungslos in Malfoys Gesicht.
„Nein!“, sagte sie nach einigen Sekunden und schüttelte dann energisch den Kopf.
„Ich kann mir vorstellen, dass es schwer für dich ist, das zu akzeptieren, aber nichts desto trotz – es ist dir Wahrheit“, sagte der blonde Mann, der behauptete, Severus Snape zu sein.
„Nein!“, wiederholte Tamara monoton.
„Okay – ich werde dir als Beweis etwas aus der Vergangenheit beschreiben, das Malfoy nicht wissen kann – etwas, von dem nur du und ich Kenntnis haben.“ Er schien nachzudenken und kurz darauf auch zu einem Entschluss gekommen zu sein, mit dessen Ergebnis er jedoch offensichtlich haderte. „Es sind nicht mehr viele Erinnerungen da“, sagte er mit etwas belegter Stimme, „und ich brauche eine eindeutige, um dich zu überzeugen.“
Tamaras Atmung ging flach und in ihrem Kopf herrschte Chaos. Sie stand nur da und sah Malfoy mit weit aufgerissenen Augen an.
„Wir haben es unter der Dusche getrieben...“, begann dieser ohne den Blick von ihr abzuwenden. „zuerst normal und danach... Du bist mit dem Rücken zu mir auf dem Seitenrand gestanden und ich habe dich von hinten genommen – anal. Zuerst warst du nicht so ganz angetan davon, aber dann... bist du offensichtlich auf deine Kosten gekommen. Du fragtest mich, wie sich das anfühlen würde und ich antwortete ‚eng’ – aber das genügte dir nicht, also hab ich dir gesagt, dass es sich anfühlt, wie der jungfräuliche Popo einer vorlauten Nachhilfeschülerin und dass du die Klappe halten sollst.“
Tamara schnappte nach Luft. Das was er beschrieben hatte, war eindeutig etwas, das sie mit Severus erlebt hatte. Es war aus einer Situation entstanden, in der sie sich gegenseitig liebevoll geärgert hatten, was schließlich in einer heftigen leidenschaftlichen Vereinigung und einer für sie neuen Variante des Liebesspiels gegipfelt hatte, die mit Zärtlichkeit ausgeklungen war. Was sie gerade gehört hatte, klang jedoch eher nach hartem, lieblosen Sex, als nach einer sinnlichen Begegnung. Trotzdem musste sie zugeben, dass es ein beeindruckender Beweis war – denn dass Severus Malfoy von dieser Sache erzählt hatte und noch dazu so detailliert, war kaum vorstellbar.
Die Erkenntnis, dass er die Wahrheit sagte, machte sie allerdings nicht glücklich, sondern wütend – weil er sie die ganze Zeit, die sie schon hier im Zoo waren, getäuscht hatte, weil er es vorgezogen hatte, sich ihr in anderer Gestalt zu nähern und es ihr nicht möglich war, ihn wirklich zu sehen, weil er ihr gerade diese Sache unter der Dusche erzählen musste und weil es so sachlich davon sprach, als wäre es völlig bedeutungslos gewesen, mit ihr zu schlafen.
„Verdammt! Musstest du unbedingt diese Erinnerung wählen?“, zischte sie ihn unvermittelt an. „Wir haben uns so sehr geliebt und du behältst ausgerechnet einen Analfick im Gedächtnis?“
Ein Lächeln trat auf sein Gesicht, das gar nicht zu Malfoy zu passen schien und dessen Züge in einer Weise sympathisch wirken ließ, die Tamara verblüffte.
„Dein Temperament scheint keinen Schaden genommen zu haben, seit wir uns das letzte Mal trafen“, sagte er. „Du glaubst mir also?“
„Ja!“, stieß Tamara hervor. Sie brachte es nicht über sich, näher an ihn heranzutreten, geschweige denn, sich in seine Arme zu schmeißen, denn sie hatte noch immer eindeutig Malfoy vor Augen. „Es ist nicht fair, dass ich nicht dich sehen darf, Severus, sondern nur ihn.“
„Lucius würde dir das sicher sehr übel nehmen, wenn er dich hören könnte“, meine Snape ironisch.
Er erdreistete sich also auch noch, sich in dieser Situation über sie lustig zu machen? Tamara bebete vor Zorn. Sie hatte sich das Wiedersehen mit Severus in ihren Tagträumen ganz anders vorgestellt – und nun das...
Gerade als sie Luft holte, um ihrem Zorn Luft zu machen, sprach er weiter. „Schließ die Augen, Tamara – damit du diesen schrecklich gutaussehenden, blonden Kerl nicht mehr ansehen musst.“
Im gleichen Moment, als er das sagte, sprang Tamara die Angst an, dass er – falls sie seiner Aufforderung nachkam – fort sein könnte, wenn sie die Augen wieder öffnete, bevor sie ihm hatte sagen können, wie sehr sie ihn liebte und dass sie weiterhin an seine Loyalität glaubte.
„Keine Sorge - ich werde nicht einfach verschwinden“, sagte er, als hätte er ihre Gedanken gelesen.
Es würde sicher nicht schaden, ihn zu überzeugen, dass sie ihm vertraute. Tamara schloss die Augen.
Sie spürte die Wärme seiner Hand schon kurz bevor er sie tatsächlich auf ihre Wange legte. Diese Berührung fühlte sich unsagbar gut an... und vertraut - vor ihrem inneren Auge war es nun wirklich Severus der da vor ihr stand. Der Zorn, der sie noch vor ein paar Sekunden durchgeschüttelt hatte, fiel von ihr ab und an seine Stelle trat das Bedürfnis, ihm zu sagen, was ihr am meisten auf der Seele lag, solange sie die Gelegenheit dazu hatte.
„Komm zurück zu mir, Severus!“, flüsterte sie.
„Das kann ich nicht – noch nicht“, erwiderte er, „und das weißt du auch.“
...noch nicht... NOCH nicht – Tamara hielt sich an dem einzigen Wort fest, dass ein wenig Hoffnung zuließ.
„Auch wenn fast alle anderen das denken - ich habe nicht geglaubt, dass du wirklich ein... Todesser bist, Severus“, sagte sie gehetzt, ohne die Augen dabei zu öffnen. „Du bist doch noch immer auf unserer Seite, nicht wahr? Sag mir, dass es so ist... bitte...“
„Ja, das bin ich“, sagte Snape.
Tamara kam es vor, als würde bei diesen Worten eine tonnenschwere Last ihre Schultern verlassen.
„Warum hast du...“ fuhr sie fort und verstummte dann, weil sie es nicht über sich brachte, diese Frage zu stellen.
„Dumbledore?“, fragte Snape an ihrer Stelle.
„Ja!“
„Ich hatte es ihm versprochen“, sagte Snape dumpf. „Albus war todkrank... und er wollte Draco Malfoys Seele schützen.“
„Wer ist das?“, fragte Tamara. „Malfoys Sohn?“
„Ja!“
„Wie konnte er den Jungen denn beschützen, indem er stirbt?“, fragte Tamara irritiert.
Sie öffnete die Augen wieder, senkte aber den Blick, weil sie es als befremdlich empfand, von Malfoy junior zu sprechen und dabei dessen Vater ins Gesicht zu sehen. Im gleichen Moment verschwand Snapes Hand von ihrem Gesicht. Um den körperlichen Kontakt zu ihm nicht abbrechen zu lassen, griff sie danach. Er erwiderte den Druck ihrer Finger und aus den Augenwinkeln sah Tamara, dass er für einen kurzen Moment lächelte.
„Draco hatte vom dunklen Lord den Auftrag, Dumbledore umzubringen“, sagte er dann wieder ernst, „in Vertretung seines Vaters, der zu dieser Zeit in Askaban einsaß.“
„Du hast ihm diesen... Mord... also abgenommen?“, fragte Tamara.
„Ja!“
„Aber warum hat Albus...“
„Es reicht!“, unterbrach Snape Tamara plötzlich unwirsch. „Die Zeit ist knapp und nun bin ich an der Reihe, Fragen zu stellen.“
Das war so typisch Snape, dass Tamara nun eindeutig das Gefühl hatte, mit Severus zu sprechen und es aufgab, sich an Malfoys Anblick zu stören.
„Na dann – leg los“, sagte sie und sah ihn erwartungsvoll an.
„Warum ist Sullivan hier?“, fragte Snape.
Musste er unbedingt gleich DAS fragen? Tamara zog für einen kurzen Moment in Erwägung, weiterhin Ahnungslosigkeit vorzutäuschen, entschied sich aber dann doch für die Wahrheit, da Severus ihr vermutlich ohnehin nichts anderes abkaufen würde.
„Er passt auf mich auf“, sagte sie leise und behielt Snapes, beziehungsweise Malfoys Mimik im Auge.
„So wie es aussieht, tut er das nur mit mäßigem Erfolg“, bemerkte dieser spöttisch.
„Es war aber auch nicht anzunehmen, dass du von Anfang an die alte Lady verdächtigen würdest“, verteidigte Tamara ihren Lehrmeister.
„Ich habe ihn schon einmal in dieser entzückenden Aufmachung gesehen und auch in der des bärtigen Hippies, als ich noch beim Orden war“, erklärte Snape „... oder sollte ich lieber sagen, als der Orden mich noch als ihm zugehörig betrachtete...?“
„Na ja – wir hatten ja auch mit Malfoy gerechnet und nicht mit dir.“ Vor ihrem inneren Auge sah Tamara David schon heftig fluchen, wenn er erfahren würde, warum seine Deckung so schnell aufgeflogen war.
„Wir...“, echote Snape und zog das Wort dabei pikiert in die Länge. „Dann ist Sullivan also in deine Pläne mich wiederzusehen komplett eingeweiht?“
Nun wurde es gefährlich.
„Ja!“, entgegnete Tamara.
„Wie war das noch mal? Warum wolltest du mich treffen?“, fragte Snape sarkastisch.
„Das weißt du ganz genau“, fauchte Tamara. „Weil ich dich liebe, Severus!“
„Und warum will Sullivan, dass du mich triffst?“, fragte Snape ungerührt weiter. „Ich gehe mal stark davon aus, dass ER mich nicht liebt.“
Nun wurde es verdammt gefährlich.
„Er... möchte mir helfen“, sagte Tamara mit belegter Stimme, „und er schließt die Möglichkeit nicht aus, dass du noch auf unserer Seite stehst.“
„Komisch – das hat er sich gar nicht anmerken lassen, als ich ihn das letzte Mal traf“, sagte Snape spöttisch.
„Vielleicht lag das daran, dass du ihn mit deinen verdammten schwarzen Flüchen traktiert hast?“, fuhr Tamara ihn an.
„Hast du mit ihm geschlafen?“, fragte Snape. Er tat es fast beiläufig – ohne der Frage eine besondere Intensität zu verleihen – musterte Tamara dabei jedoch durchdringend aus Malfoys eisblauen Augen.
Verflucht noch mal – nun WAR es gefährlich. Tamara spürte förmlich, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich und fragte sich eine unwirklich erscheinende Sekunde lang, ob das unverfänglicher war, als rot anzulaufen.
„Zweimal!“, stieß sie atemlos hervor. „Aber das war nur weil...“
„Ich will nicht wissen, warum!“, unterbrach Snape sie grob. „Mich interessiert vielmehr, welches Interesse ein Mann, der dich vögelt und der mich noch dazu für einen Verräter hält, daran haben sollte, dass du mich wiedersiehst, außer natürlich jenem, mich im Gefängnis oder vielleicht besser noch tot sehen zu wollen.“
„Es ist nicht so, wie du denkst“, keuchte Tamara. „David hat mir versprochen, dir die Chance zu geben, zu beweisen, dass deine Loyalität nach wie vor dem Orden gehört und dass du immer noch gegen Vol... den dunklen Lord kämpfst.“
„Wie großzügig von ihm“, sagte Snape sarkastisch. „Du hast dich also wirklich dazu bereit erklärt, als Lockvogel für ihn zu fungieren? Na, wenn das keine Liebe ist...“
„Nachdem ich keinerlei Zweifel an deiner Unschuld habe, ist das nicht halb so verwerflich, wie du es hinstellst“, zischte Tamara.
„Und was, wenn ich diese Unschuld nicht beweisen kann?“, knurrte Snape. „Besuchst du mich dann wenigstens mal in Askaban?“
Tamara wurde noch blasser. „Du wirst es beweisen können – du wirst einfach die Wahrheit sagen...“, hauchte sie.
„Die Wahrheit...“, schnaubte Snape, „...ist ohne Beweise nicht mehr wert, als...“ er brach ab und sein Kopf ruckte herum. Mit zusammengekniffenen Augen spähte er, über das Tigergehege hinweg, den Weg hinunter, auf dem sie vorhin gekommen waren.
„Da kommt er ja, dein Beschützer“, sagte er leise.
Tamara folgte seinem Blick und tatsächlich – die Gestalt, die dort in der Ferne auszumachen war, entpuppte sich beim Näherkommen als ihr Lehrmeister. Er hatte nun, nachdem er so offensichtlich erkannt worden war, auf die Tarnung verzichtet und wieder sein normales Aussehen angenommen, wobei auch er – der Örtlichkeit angepasst - Muggelkleidung trug.
Noch während sie hinsah, begann Sullivan zu laufen.
„Severus, rede mit ihm“, bat Tamara flehentlich. „Ich schwöre dir...“
„Nein!“, unterbrach Snape sie scharf. „Dieses Risiko werde ich nicht eingehen. Ich kann unserer Sache nur dienen, indem ich Voldemorts Armee von innen heraus sabotiere und das kann ich nicht von Askaban aus tun. Tamara, ich will nicht, dass du noch einmal versuchst, Kontakt mit mir aufzunehmen. Halt dich von Malfoy und von allen anderen Todessern fern. Versprich mir das!“
„Aber...“
„Versprich es mir!“, zischte Snape, packte sie bei den Schultern und schüttelte sie.
Sullivan riss im Laufen den Zauberstab heraus.
„Das kann ich nicht...“, hauchte Tamara.
Snape ließ die Arme sinken und starrte sie wütend an
Tamara fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Er erwiderte den Kuss ungestüm und grob, bevor er sie von sich stieß.
„Pass auf dich auf“, flüsterte er und disapparierte.
Tamara starrte auf die Stelle, wo er eben noch gestanden hatte. Sie taumelte und griff haltsuchend hinter sich, erreichte die Umrandungsmauer und rutschte, den Rücken dagegen gelehnt, langsam daran herab, bis sie auf dem Boden saß.
So fand Sullivan sie, als er kaum eine halbe Minute später, ziemlich außer Puste dort eintraf.
„Tamara!“, die Angst in seiner Stimme war unüberhörbar.
Er ging vor ihr in die Hocke, legte seine Hände an ihre Wangen und hob ihren Kopf so weit an, dass er ihr in die Augen schauen konnte.
„Bist du okay?“, fragte er.
„Ja...“, hauchte Tamara.
Sullivan überprüfte ihre Aussage sicherheitshalber mit seinem Zauberstab
„Warum hast du Malfoy geküsst?“, fragte er dann.
„Das war nicht Malfoy“, flüsterte Tamara.
Sullivan starrte sie an.
„Snape?“, keuchte er.
Tamara nickte.
„Hast du von Anfang an gewusst, dass er es sein würde?“, fragte Sullivan gepresst.
„Nein – das hat er mir erst hier gesagt.“ Wieder starrte sie auf die Stelle, an der Snape verschwunden war.
„Komm hoch!“, forderte Sullivan sie auf, nahm sie bei den Händen und zog sie auf die Beine. „Und? Was hat er gesagt?“ Es gelang ihm nicht, seine Stimme dabei auch nur ansatzweise freundlich klingen zu lassen.
„Dass ich ihn nicht mehr kontaktieren soll – verstehst du, David? Das war’s! Ich werde ihn nicht wiedersehen... und dabei konnte ich ihn nicht mal sehen, sondern nur Malfoy...“ Tamara grub die Zähne in ihre Unterlippe und schloss die Augen, als sie die Tränen kommen spürte.
Sullivan seufzte tief und vernehmlich. „Na komm schon her!“, brummte er und zog sie an sich. Sie legte den Kopf an seine Brust und ließ ihrer Verzweiflung freien Lauf, während er ihr tröstend über Rücken und Haar strich.
Nach einer Weile hatte sich Tamara etwas beruhigt und hob den Kopf mitsamt dem tränenfeuchten Blick.
„Er hat gesagt, er steht immer noch auf unserer Seite“, krächzte sie mit vom Weinen heiserer Stimme.
„Na klar – was sollte er denn sonst sagen?“, schnaubte Sullivan.
Tamara sah ihn verzagt an.
„Was erwartest du? Dass ich ihm das abnehme?“ Sullivan schüttelte den Kopf. „Davon müsste er mich schon höchstpersönlich überzeugen.“
„Er vertraut dir so wenig, wie du ihm“, sagte Tamara leise.
„Nachdem er aber nun mal derjenige ist, der Beweise zu erbringen hat – falls seine Behauptung wirklich wahr sein sollte - wird er wohl oder übel jemandem vom Orden vertrauen MÜSSEN, wenn er sich nicht weiter den Vorwurf machen lassen will, ein dreckiger Verräter zu sein“, sagte Sullivan schneidend. „Jeder weitere Tag, den er das nicht tut, ist ein weiteres Argument dafür, dass er mit dem Mord an Dumbledore endgültig übergelaufen ist.“
Er nahm Tamara bei den Oberarmen und schob sie ein wenig von sich weg.
„Lass uns nach Hause gehen“, fügte er wesentlich sanfter hinzu.
Tamara nickte stumm. Sullivan legte den Arm um ihre Schulter und sie gingen langsam den Weg zurück, den er vorher im Laufschritt bewältigt hatte.
Snape, der hinter einem dichten Gebüsch umweit des Tigergeheges stand, das ihn vor den Blicken der Beiden verborgen hatte, sah ihnen nach, bis sie verschwunden waren.
Gleich danach apparierte er an einen Ort im schottischen Hochland, den er bevorzugt aufsuchte, wenn er alleine sein wollte - aufgrund der Unzugänglichkeit des Geländes war er dort noch nie einer Menschenseele begegnet. So stand er nun inmitten von wogendem Gras auf einem Hochplateau, lies sich den Wind um die Nase wehen und den Blick dabei in die Ferne schweifen.
Es würde wohl noch eine Weile dauern, bis die Gestalt, die er angenommen hatte, sich wieder in seine eigene zurückverwandelte, und er würde darauf warten, da es nicht ganz ungefährlich war, die Wirkung von Vielsafttrank vorzeitig durch einen Zauberspruch zu beenden. Er wollte nicht das Risiko eingehen, nachher anders auszusehen als vorher und diesen Umstand Voldemort erklären zu müssen.
Untätig warten war allerdings auch nicht unbedingt das, was er im Moment brauchen konnte – lieber wäre es ihm gewesen, seine aufgewühlten Gefühle umgehend mit Arbeit zuzudecken – aber dass er als Malfoys Double durch Voldemorts Hauptquartier spazierte, kam natürlich nicht in Frage, zumal auch der echte Lucius sich vermutlich dort aufhalten und auf seine Rückkehr warten würde. Und eigentlich schadete es auch nicht, wenn er etwas zur Ruhe kam, ehe er zurückkehrte, denn das Wiedersehen mit Tamara hatte ihn erheblich aufgewühlt, was er sich selbst zwar zähneknirschend eingestand, seinem Freund gegenüber aber nicht vorhatte zuzugeben.
Es war ein seltsames Gefühl gewesen, ihr wieder gegenüber zu stehen. Sie war ihm fremd – eben wie jemand, den er vor Jahren flüchtig gekannt hatte - und gleichzeitig geradezu unheimlich vertraut. Er hatte viele ihrer kleinen Gesten in dem Gespräch vorausgeahnt, hatte gewusst, an welcher Stelle sie die Stirn runzeln oder die Nase kraus ziehen würde.
Die innere Wärme, die er trotz seines Misstrauens in ihrer Gegenwart empfunden hatte, irritierte ihn. Es fühlte sich an wie... wie etwas, für das in seinem Leben momentan absolut kein Platz war.
Der Wind zerrte an seinen Haaren und obwohl diese schon länger in sein Blickfeld flatterten, wurde ihm nun erst bewusst, dass es seinen eigenen, schwarzen waren und nicht mehr Malfoys blonde Mähne.
Es war an der Zeit zurückzukehren – zu einem Leben, in dem kein Platz war für die Freiheit eines Einzelnen und schon gar nicht für die Gefühle, die ihn gerade überrollt hatten. Er sog noch einmal tief die würzige Luft in seine Lungen und disapparierte.
Als er vor Voldemorts Hauptquartier ankam, wurde er schon von Malfoy erwartet, der in zur Seite zog, sodass er genötigt war, mit in den Garten zu gehen.
„Da bist du ja endlich!“ Der Blonde musterte ihn neugierig. „Nun erzähl schon, Severus – was hast du erlebt? Ich hoffe, du hast es gebührend genossen, in so einen perfekten Körper zu stecken.“
„Du alter Angeber“, seufzte Snape, der sich etwas mehr Aufschub gewünscht hatte, bevor er Bericht erstatten musste. Gleich darauf verfinsterte sich seine Miene, als ihm einfiel, dass er noch ein Hühnchen mit Malfoy zu rupfen hatte. „Du hast Tamara vorgeschlagen, dass sie mit dir ins Bett gehen soll, als Ausgleich für deine großzügige Unterstützung?“, fuhr er den anderen an. „Vermutlich hattest du nur vergessen, das mir gegenüber zu erwähnen, nicht wahr?“
Malfoy wich automatisch einen Schritt zurück, als sein Freund ihn anblaffte.
„Das war nur ein Test, Severus, nichts weiter.“ Er hob die Hände zum Zeichen seiner Unschuld und bemühte sich um einen dementsprechenden Gesichtsausdruck. „Ich wollte nur sehen, wie sie reagiert – wie weit sie geht, wenn ich sie in die Enge treibe. Sie hat diese Option ziemlich vehement abgelehnt, falls dich das beruhigt.“
„Hm... was mich weit weniger beruhigt, ist mein Gefühl, das mir sagt, dass du das durchaus durchgezogen hättest, wenn sie darauf eingegangen wäre“, knurrte Snape.
„Severus - was denkst du nur von mir?“, schnaubte Malfoy entrüstet. „Es stimmt schon, dass ich normalerweise keine Skrupel hätte, so etwas zu tun“, lenkte er dann ein. „Sie ist eine sehr reizvolle Frau, diese Tamara, und anfangs hatte ich durchaus in Erwägung gezogen, sie flachzulegen, aber nachdem ich nun weiß, wie du zu ihr stehst, ist sie natürlich tabu für mich.“
Snape fixierte ihn mit einem abschätzigen, kaltem Blick.
„Du glaubst mir nicht“, sagte Malfoy leise. Er schien ehrlich betroffen zu sein.
„Ist es denn wichtig, ob ich das glaube?“, fragte Snape barsch.
„Ja, das ist es – MIR ist es wichtig“, zischte Malfoy. „Kannst du dich erinnern, dass ich dir sagte, ich würde dich umbringen, wenn du etwas mit Narzissa anfangen würdest und du mir geantwortet hast, DAS würde dich nicht davon abhalten, wohl aber, dass ich dein Freund bin? Ich habe wirklich keinerlei Problem damit, mir eine Frau, dir mir gefällt auch zu nehmen, aber einen Freund zu hintergehen... das würde auch ich nicht tun.“
„Natürlich erinnere ich mich, dass ich das gesagt habe, Lucius, und ich meinte es auch so, aber es dir zu sagen, war leichter, als es dir jetzt zu glauben.“ Snape stockte einen Moment und überlegte, ob er weiterreden sollte. „Solche ehrbaren Grundsätze wirken irgendwie etwas... skurril, in dem Umfeld, in dem wir beide uns bewegen.“
„Ich weiß!“, sagte Lucius und das traurige, resignierte Lächeln, dass er aufsetzte, ließ sein Gesicht seltsamerweise jünger wirken. „Aber ich weiß auch, dass du ein Mann von Ehre bist, Severus... ich vertraue dir voll und ganz... als Mensch, ganz unabhängig vom Umfeld... und es bestürzt mich, dass du dasselbe nicht von mir sagen kannst.“
Snape sah ihn aufmerksam an.
„Du bist anders seit Askaban“, sagte er dann.
Malfoy erbleichte und sein Gesicht schien einzufallen – von einem Augenblick auf den anderen wirkte er müde und kraftlos.
„Seit Askaban ist mir klar, dass ich versagt habe“, flüsterte er. „Ich habe die Weichen für mein Leben und auch für das meiner Frau und meines Sohnes falsch gestellt... und es gibt kein Zurück.“
Schweigend studierte Snape das Gesicht seines Freundes und versuchte sich darüber klar zu werden, ob dieser tatsächlich meinte, was er sagte – und auch darüber, wie viel er nun sagen konnte, ohne sich in Gefahr zu bringen.
„Wenn es eine Möglichkeit gäbe von diesem Zug abzuspringen und einen anderen Weg zu nehmen...“, fragte er nach einer Weile zögernd, „würdest du es tun?“
„Ja“, sagte Malfoy düster, „aber machen wir uns nichts vor - es gibt keinen Weg zurück. Wenn man eine bestimmte Grenze einmal überschritten hat – so wie du und ich es getan haben – dann kann man nur noch weitergehen... bis zum Ende, denn die einzigen Alternativen dazu sind Askaban und der Tod und keine davon ist tatsächlich akzeptabel.“
„Da hast du Recht – keine davon ist annehmbar“, erwiderte Snape ernst. „Ich vertraue dir, Lucius“, fügte er dann leise hinzu.
Malfoy antwortete nicht darauf, aber es war ihm anzusehen, wie viel ihm diese Worte bedeuteten.
Er räusperte sich, als wolle er versuchen, seine Rührung damit zu verscheuchen. „Und – was ist nun im Zoo passiert?“, erkundigte er sich und seine Stimme klang nur noch leicht kratzig dabei.
Snape berichtete in groben Zügen, wie das Treffen mit Tamara abgelaufen war, wobei er allerdings die Informationen wegließ, die ihm zum Verhängnis hätten werden können, wenn sie in falsche Hände gelangten.
„Sullivan war also schon wieder da?“, fragte Malfoy stirnrunzelnd. „Sie handelt demnach tatsächlich in Absprache mit ihm?“
„Entweder das, oder sie ist sehr unvorsichtig, was das Verwischen von Spuren angeht“, sagte Snape.
„Meinst du, dass sie sich daran hält, keinen Kontakt mehr mit dir aufzunehmen?“ Malfoys Miene nach, hielt er selbst das nicht für wahrscheinlich.
„Ich hoffe es“, entgegnete Snape und überlegte gleichzeitig, ob dies tatsächlich der Wahrheit entsprach.
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„Hier!“, sagte Sullivan und reichte Tamara ein Glas, das sie entgegennahm, ohne ihn wirklich anzusehen.
Mit einem leisen Seufzer ließ Sullivan sich – ebenfalls mit einem Glas Whisky in der Hand - neben ihr auf das Sofa sinken. „Meinst du nicht, dass du nun lange genug das Feuer angestarrt hast?“
Tamara schüttelte den Kopf ohne den Blick von den Flammen abzuwenden, in die sie tatsächlich seit geraumer Zeit schweigend starrte.
„Na komm schon – lass mich teilhaben an deinem Elend“, raunte Sullivan und legte den Arm um sie.
„Das ist nicht witzig, David!“, fauchte Tamara, wehrte sich aber nicht gegen den Körperkontakt.
„Na ja – wenn du auf gutgemeinte Ratschläge nicht reagierst...“ Sullivan zuckte die Schultern. „Und jetzt erzähl mir, was in dir vorgeht und vor allem, was du als nächstes vorhast – denn dass du dich darauf beschränkst, weiterhin still vor dich hinzuleiden, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.“
„Was in mir vorgeht?“, flüsterte Tamara gequält. „Ich fühle... eine absolut... trostlose Leere. Als hätte ich in diesem Zoo für ein paar wundervolle Minuten lang wieder wirklich gelebt und nun ist wieder alles... taub und... hohl. Es ist ein Zustand... der nur den Namen ‚Leben’ trägt, sich aber nicht so anfühlt. Ich atme und mein Herz schlägt einfach weiter, aber ich weiß nicht warum... und wofür sich das überhaupt noch lohnen sollte.“
Sullivan zog sie näher an sich und strich ihr tröstend über die Schulter.
„Also, ehrlichgesagt bin ich froh, dass dein Herz und deine Lungen ein wenig vernünftiger sind, als du“, murmelte er. „Vielleicht wissen sie eben besser als du selbst, dass du eine Kämpfernatur bist und niemals aufgibst.“
„Ich will nicht mehr kämpfen müssen“, flüsterte Tamara. „Ich habe keine Kraft mehr, David.“
„Vielleicht im Moment nicht, aber die kommt wieder, Täubchen, glaub mir.“ Sullivan küsste sie auf den Scheitel.
Tamara drückte sich an ihn und schniefte vernehmlich.
„Warum willst du überhaupt, dass ich weiterkämpfe?“, fragte sie dann, für einen völlig hohlen Menschen erstaunlich angriffslustig. „Du glaubst doch nicht an Severus’ Unschuld und müsstest demnach froh sein, wenn ich aufhöre, mir Hoffnungen zu machen.“
„Vielleicht, weil ich mir dich gar nicht anders vorstellen kann, als dich nach diesem arroganten Kerl mit den Leichenbestatterklamotten verzehrend?“, schlug Sullivan vor.
„Findest du wirklich, das ist der richtige Zeitpunkt, dich über mich lustig zu machen?“, knurrte Tamara.
„Wenn es dich aus deiner Lethargie holt – durchaus“, entgegnete Sullivan. „Du darfst mich auch gerne beschimpfen, falls dich das erleichtert.“
„Blödmann“, murmelte Tamara.
„Du warst schon mal besser, im Beschimpfen“, bemerkte Sullivan stirnrunzelnd.
Tamara seufzte und lächelte kläglich, als sie den Kopf zu ihm hob.
„Was soll ich denn nun tun, David?“, fragte sie leise. „Die Vorstellung, einfach nur abzuwarten, was passiert, ist... schrecklich. Ich kann doch nicht untätig herumsitzen und warten... Was ist, wenn irgendwann einer von euch Severus angreift, falls der Orden auf die Todesser trifft, und er vielleicht getötet wird? Er schwebt in ständiger Gefahr, die von beiden Seiten ausgeht, solange er nicht bewiesen hat, dass er kein Verräter ist.“
„Ja, das könnte man durchaus so sehen“, gab Sullivan zu, „wenn seine Behauptung stimmt – was ich noch immer nicht glaube.“
„Ich werde ihm helfen, diesen Beweis zu erbringen“, sagte Tamara mit plötzlicher Entschlossenheit und rückte ein Stück von Sullivan ab, damit sie ihn ansehen konnte.
„Wie willst du das denn anstellen?“, fragte der skeptisch.
„Ich habe dir doch erzählt, was Severus mir über Dumbledores Tod berichtet hat. Bestimmt hat Albus irgendeinen Beweis dafür hinterlassen, dass er von Severus verlangte, ihn zu töten.“ Tamaras Augen glänzten, aber diesmal nicht wegen der Tränen, sondern vor Tatendrang.
„Minerva hat Dumbledores Büro nach seinem Tod gründlich auf den Kopf gestellt“, dämpfte Sullivan ihre neu erwachte Motivation. „Wenn da irgendein Beweisstück gewesen wäre, hätte sie es entdeckt. Oder meinst du, Dumbledore hätte etwas, das Snape entlastet, so gut versteckt, dass niemand es findet?“
„Vielleicht hat Minerva nur nicht an den richtigen Stellen gesucht“, sagte Tamara stur.
„Sie kannte Dumbledore ziemlich gut...“ Sullivans Stimme klang nun schon etwas ungehalten.
„Ich werde am besten selbst mit ihr darüber reden“, entgegnete Tamara brüsk.
Sullivan verschränkte die Arme. „Schön – dann warten wir ab, was sie dazu zu sagen hat.“
„Wir? Nachdem du ohnehin nicht glaubst, dass Severus noch auf unserer Seite steht, dürfte es kaum nötig sein, dass du bei diesem Gespräch dabei bist“, mokierte sich Tamara.
Sullivans Blick verdüsterte sich. „Nun pass mal gut auf, meine Liebe...“, sagte er schneidend, „ich habe dich nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit bei deinem Plan unterstützt. Es gibt eine Vereinbarung zwischen uns – wir sind ein Team. Du wirst doch nicht ernsthaft glauben, dass ich dich im Alleingang weitermachen lasse, bloß weil dir gerade eingefallen ist, dass dir meine Mitwirkung gerade gar nicht so willkommen ist?“
„Schön – dann reden eben WIR mit Minerva“, fauchte Tamara. Sie sprang auf und begann vor dem Kamin auf und ab zu laufen.
„Vielleicht sollten wir auch mit Potter sprechen um zu erfahren was genau er beobacht hat - jede kleinste Nuance“, stieß sie hervor.
„Potter ist unterwegs um nach... hm... er sucht gewisse Dinge, die helfen sollen Riddle zu vernichten“, meinte Sullivan kopfschüttelnd, „und außerdem hab ich mir sagen lassen, dass er ziemlich explosiv auf den Namen Snape reagiert – er würde dich zum Teufel jagen, wenn du mit deiner Unschuldstheorie daherkommst.
„Und was ist mit Malfoys Sohn?“, fragte Tamara ohne stehen zu bleiben. „Der war doch auch dabei.“
Sullivan verdrehte die Augen. „Denkst du, es wäre klug, ausgerechnet Malfoys Sohn darauf zu stoßen, dass du Snape für einen Gegner des Lords hältst? Es ist anzunehmen, dass die Malfoys bei Riddle nicht gerade hoch im Kurs stehen und jede Möglichkeit wahrnehmen würden, um wieder ein paar Pluspunkte einzuheimsen.“
„Und was bleibt dann noch?“, fuhr Tamara ihn an. „Wenn ich wüsste, wo ich diesen bescheuerten Riddle finde, könnte ich ja hingehen und mich als Todesserin anheuern lassen“, knurrte sie leise.
„Ich hör wohl nicht recht!“, schnaubte Sullivan.
„Habt ihr eigentlich eine Ahnung, wo er sich aufhält?“, fragte Tamara.
„Das würde ich ganz bestimmt gerade DIR auf die Nase binden“, sagte Sullivan sarkastisch.
„Wie war das gleich noch mal mit ‚Wir sind ein Team’?“ Tamara blieb stehen, stemmte die Hände in die Hüften und funkelte ihren Meister von oben herab an. „Du willst mich nur als Lockvogel, nicht war David? Damit du Severus in die Finger kriegst. Du erwartest, dass ich dir vertraue und alles mit dir bespreche, aber DU vertraust MIR kein bisschen.“
„Das ist nicht dasselbe“, brummte Sullivan.
„Natürlich nicht!“, schnaubte Tamara verächtlich. „Weil du nämlich die Weisheit mit Löffeln gefressen hast und ich nur eine dumme kleine Frau mit unpassenden Gefühlen bin.“
„So drastisch würde ich das nicht ausdrücken“, entgegnete Sullivan trocken.
„Vielen Dank auch!“, zischte Tamara und wandte sich ab, offensichtlich in der Absicht den Raum zu verlassen.
„Tamara!“, rief Sullivan.
Sie war schon fast bei der Tür.
„Wir haben nicht den blassesten Schimmer, wo Riddle sich aufhält - ehrlich“, sagte Sullivan. „Das wäre eine der Fragen, die ich Snape gerne stellen würde, wenn ich ihn ‚in die Finger kriege’.“
Tamara blieb stehen.
„Blöderweise hat er dir das Märchen nicht abgenommen, dass ich dich so fürchterlich schikaniere“, sinnierte Sullivan, „sonst könne die Lockvogel-Sache tatsächlich ganz gut funktionieren.“
„Er hat mich selber so behandelt, als ich seine Schülerin war“, sagte Tamara finster und drehte sich um, „darum wäre das nie Grund genug für ihn, um sich in die Nähe einer möglichen Falle zu begeben.“
„Was ist mit... Eifersucht? Wäre das eventuell Grund genug?“ Nun war es Sullivan, der in die Flammen starrte.
Tamara ging langsam zur Couch zurück und setzte sich wieder hin – allerdings so weit wie möglich entfernt von ihm. Sie hatte ihm verschwiegen, dass Severus sie danach gefragt hatte, ob sie miteinander schliefen. Überhaupt war es ihr unheimlich, das Thema David gegenüber anzusprechen. Seit er auf ihre Vorwürfe nach der Sache in der Küche so extrem reagiert hatte, hielt sie es für sicherer, so zu tun, als wäre nie etwas Derartiges zwischen ihnen vorgefallen, auch wenn sie manchmal deutlich spürte, dass er sie auf eine Art ansah, auf die ein Meister seine Schülerin nicht ansehen sollte und die erst recht nichts Väterliches an sich hatte. Zwar fühlte sie sich nicht wohl dabei, denn Dinge unter den Teppich zu kehren, entsprach durchaus nicht ihrer Gewohnheit, aber sie wusste einfach nicht, wie sie sich dazu äußern sollte, ohne entweder seinen Zorn heraufzubeschwören, oder - was noch fataler wäre - ein neues Ereignis dieser Art auszulösen. Und nun kam er mit dieser Frage...
„Ich glaube nicht...“, sagte sie vage. „Ich schätze, Severus denkt zu... pragmatisch und rationell, um sich aus einem solchen Grund zu spontanen Handlungen hinreißen zu lassen.“
„Ich könnte ihm schreiben...“, sagte Sullivan. Es war ihm nicht anzumerken, ob er ihren Einwand überhaupt wahrgenommen hatte. „Malfoy würde den Brief sicher weitertransportieren, wenn er so aussieht, als käme er von dir.“
„NEIN – das wirst du nicht tun!“, rief Tamara.
Sullivan warf ihr einen Blick zu, der erschreckend wenig nach ‚Einlenken’ aussah. „Wenn ich ihn glauben machen könnte, dass ich wirklich nur aus dieser einen Motivation heraus handele... wenn ich diese Rolle überzeugend spielen würde - einen alten halbsenilen Narren, der sich in eine junge Frau verliebt hat...“
„David!“, unterbrach ihn Tamara empört.
„Was würde er wohl tun, wenn ich ihm schreibe, dass ich Anspruch auf dich erhebe und er seine schmierigen Todesserfinger von dir lassen soll?“, fragte Sullivan ungerührt. „Meinst du, er würde mir einen Besuch abstatten um mich von der Amoralität meines Ansinnens zu überzeugen?“
„Du bist vollkommen übergeschnappt – das meine ich!“, fauchte Tamara.
„Mag sein – und wenn er das auch meint, wird er sich vielleicht ködern lassen“, antwortete Sullivan kühl.
„David! Ich will, dass Severus mir vertraut“, sagte Tamara mühsam beherrscht. „Ich kann ihn nicht anlügen.“
„Das müsstest du ja auch nicht“, entgegnete Sullivan. ‚Nicht einmal ich müsste lügen...’, fügte er in Gedanken hinzu. „Du wärst praktisch nicht direkt involviert.“
„Das ist doch... verrückt!“, stöhnte Tamara. „Und was, wenn er hier auftaucht und DICH erwischt, anstatt du ihn?“
„Tja – da hoffe ich, dass du mir den Arsch rettest“, meinte Sullivan flapsig. „Wofür habe ich dich die letzten zwei Jahre ausgebildet?“
„Reicht es dir nicht noch vom letzten Zusammentreffen mit Severus? Hast du noch immer nicht genug, von dunklen Flüchen und Schmerzen?“, fragte Tamara schneidend.
Sullivans Miene verdüsterte sich. Er drehte den Kopf weg und starrte in die Flammen. Als er sich wieder ihr zuwandte, sah er Tamara mit genau dem Blick an, vor dem sie sich fürchtete – er dachte an die Nummer auf dem Küchentisch, das spürte sie.
Nun war sie diejenige, die den Kopf abwandte.
„Ich werde diesen Brief schreiben“, sagte Sullivan rau. „Was habe ich schon zu verlieren...?“
Noch bevor Tamara sich darüber Gedanken machen konnte, wie er das meinte, wurden sie beide abgelenkt von einer Eule, deren Schnabel ungeduldig an die Scheibe des Wohnzimmerfensters klackerte. Sullivan erhob sich, um sie hereinzulassen.
Tamara hatte insgeheim gehofft, dass der Brief von Severus wäre, weil er ihr vielleicht doch noch etwas mehr zu sagen hatte, als er es im Zoo hatte tun können, und seufzte leise, als der Vogel David den Fuß hinhielt.
Ihre Enttäuschung wurde jedoch umgehend verdrängt, als sie sah, wie Sullivan auf die Nachricht reagierte. Der Hauch von Resignation, der seine Gesichtszüge gerade noch beherrscht hatte, war abgelöst worden, von energischer Entschlossenheit.
„Ich muss weg!“, sagte er knapp und schloss das Fenster, nachdem er die Eule hinausgescheucht hatte. „Ein Todesserangriff auf... egal – es scheint ernst zu sein.“
„Ich komme mit!“, rief Tamara.
„Das tust du nicht!“ Sullivans Stimme klang so scharf und bestimmt, dass Tamara nicht wagte, ihm zu wiedersprechen, da sie befürchtete, er würde mit irgendeinem Zauber sicherstellen, dass sie sich seinem Willen beugte.
Er warf ihr noch einen letzten, intensiven Blick zu, legte seinen Umhang über und disapparierte.
Die darauffolgenden Minuten tröpfelten zäh wie klebriger Honig vor sich hin, sodass Tamara mehrmals versucht war, die Wanduhr, auf die sie immer wieder starrte, mit einem gezielten Fluch explodieren zu lassen um sich abzureagieren. Ihre Hilflosigkeit machte sie verrückt. Es gab nichts, was sie tun konnte, außer warten. David hatte scheinbar genau gewusst, dass er ihr den Ort des Geschehens nicht nennen durfte – im anderen Fall wäre sie längst dorthin unterwegs gewesen.
Auch wenn es ihr wie eine halbe Ewigkeit vorkam - es war kaum etwas mehr als eine Stunde vergangen, als Sullivan schließlich zurückkehrte. Seine Kleidung wies an einigen Stellen Brandlöcher auf, die langen weißen Haare hingen wirr um seinen Kopf und er wirkte ziemlich erschöpft, war aber nicht verletzt – zumindest nicht offensichtlich.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Tamara vorsichtshalber nach. Ihre Stimme zitterte so stark, dass sie selber davon erschrak.
„Ja...“, antwortete Sullivan heiser, „ich bin okay.“ Er strich sich mit beiden Händen die Haare aus dem Gesicht, atmete einmal tief durch und fixierte Tamara mit seinen durchdringenden grauen Augen.
„Snape...“, sagte er dann und machte eine Pause, in der Tamara meinte, ihr Herz würde stehen bleiben, „...wir haben ihn!“
„Ihr... habt ihn...“, sagte Tamara tonlos. Sie wirkte wie erstarrt – nur ihre Augen zeugten von dem emotionalen Ausnahmezustand, in den sie diese Nachricht versetzt hatte.
Sullivan nickte.
„Er... lebt...?“ Tamaras Stimme bekam einen hysterischen Unterton.
„Aber ja – er ist nur leicht verletzt“, entgegnete Sullivan.
„Wo ist er?“, keuchte Tamara. „Ihr habt ihn doch nicht nach Askaban gebracht?“
„Nein! Er ist bei Moody.“ Im gleichen Moment, als er dies aussprach, trat Sullivan auf Tamara zu und fasste sie am Arm.
„Ich will zu ihm!“, zischte Tamara und versuchte sich freizumachen.
„Natürlich willst du das. Was meinst du, warum ich dich festhalte?“, schnaubte Sullivan. „Du kannst nicht zu ihm – zuminderst jetzt noch nicht. Aber er wird Gelegenheit erhalten, sich zu erklären – dafür wird Minerva schon sorgen.“
„Warum kann ich nicht zu ihm? Bitte David, bring mich da hin“, flehte Tamara.
„Nein!“, sagte Sullivan entschlossen. „Die Situation ist ohnehin schon schwierig genug. Moody und auch ein paar der Anderen, sind reichlich aggressiv. Der Kampf war heftig und es gab einige üble Verletzungen. Zum Glück wurde niemand getötet, sonst wäre es extrem schwierig geworden, die Bande zum Stillschweigen über Snapes Festnahme zu bewegen. Wenn du da nun auch noch auftauchst und Randale machst, ist die Katastrophe vorprogrammiert.“
Tamara drehte sich der Magen um, als ihr klar wurde, in welcher Lage sich Severus befand.
„Sie werden ihm doch nichts antun?“, flüsterte sie.
„Im Moment besteht da keine Gefahr“, beruhigte Sullivan sie. „Solange Kingsley, Remus und Minerva dafür sorgen, dass die Vernunft die Oberhand behält, wird ihm nichts geschehen.“
Nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte, sprach Tamara nun etwas gefasster weiter. „Wie kam es überhaupt, dass ihr ihn... erwischen konntet?“
„Das hat er Bellatrix Lestrange zu verdanken“, sagte Sullivan. „Dieses verrückte Weibsbild ist ihm in den Rücken gefallen – hat ohne ersichtlichen Grund plötzlich angefangen, Flüche auf ihn abzufeuern, in einer Situation, in dem sie ihm eigentlich Feuerschutz hätte geben müssen. Snape blieb praktisch nur noch die Flucht nach vorne, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, von ihr erledigt zu werden – tja und vorne waren wir.“
„Wer hat ihn gefangen genommen?“, fragte Tamara leise. „Warst du dabei?“
„Nicht unmittelbar – ich war mehr damit beschäftigt, Mad-Eye davon abzuhalten, Dumbledores Mörder sofort umzunieten“, erklärte Sullivan. „Remus, Sturgis, Tonks und...“
In diesem Moment apparierte jemand direkt neben Sullivan. Tamara erschrak fürchterlich, denn bis vor Kurzem hatte, aufgrund der Sicherheitssperren, nur David selbst auf diesem Weg direkt in sein Haus gelangen können. Der Neuankömmling war McGonagall, deren Äußeres in einem ähnlich desolaten Zustand war, wie das von Sullivan.
Sowohl Tamara als auch Sullivan starrten sie an und warteten auf etwaige schlimme Nachrichten, die ihr sofortiges Erscheinen gerechtfertigt hätten.
„Er muss da weg, David!“, erklärte McGonagall entschieden, nachdem sie Tamara flüchtig zugenickt hatte. „Severus kann dort nicht bleiben – das geht nie und nimmer gut. Alastor schmiedet schon Pläne, welche Verhörtechniken er anwenden könnte und hetzt alle anderen mit seinem Gerede auf.“
Tamara schnappte entsetzt nach Luft. „Aber wieso denn?“, krächzte sie. „Glaubt denn kein einziger, was Severus sagt?“
„Dazu hatte niemand Gelegenheit, Tamara“, seufzte McGonagall. „Er hüllt er sich hartnäckig in Schweigen. Und dieses Verhalten kommt verdammt schlecht an... nicht nur bei Moody.“
„Das wird sich schon legen“, meinte Sullivan. „Die sind alle noch aufgeputscht vom Kampf. Wart ab, bis sie müde werden, dann haben sie auch keine Lust mehr auf Mad-Eyes Hetzereien.“
„Mag schon sein“, McGonagall schaffte es, ihn von oben herab zu mustern, obwohl sie kleiner war als er, „aber erstens möchte ich mich darauf nicht verlassen und zweites will ich mir gar nicht vorstellen, was Alastor tun würde, wenn ihm niemand mehr auf die Finger sieht. Wir alle müssen irgendwann mal schlafen...“ Sie straffte sich und sah Sullivan mit ernstem Blick in die Augen. „Ich möchte ihn hierher, in dein Haus bringen, David.“
„NEIN! Das kommt gar nicht in Frage!“, fuhr Sullivan sie an.
McGonagall war deutlich anzusehen, dass sie keinesfalls mit einer solchen Reaktion gerechnet hatte. „Und warum bitte nicht?“, fragte sie pikiert.
„Weil ich ihn nicht hier haben will!“, fauchte Sullivan.
„David!“, sagte McGonagall beschwörend.
„NEIN!“
„Bitte...“, flüsterte Tamara.
„NEIN!“
„Wo sollen wir ihn denn sonst hinbringen?“, fragte McGonagall aufgebracht. „Hogwarts scheidet wegen der Gefahr für die Schüler aus, Kingsley ist zu sehr damit beschäftigt, auf den Muggel-Premierminister aufzupassen, als dass er auch noch einen Gefangenen bewachen könnte, Remus kommt demnächst in die Vollmondphase und von den anderen Ordensmitgliedern traue ich ehrlichgesagt niemandem zu, es mit Severus aufzunehmen.“
„Moody ist bestens geeignet, auf einen Gefangenen aufzupassen“, knurrte Sullivan.
„Ja – aber es wird nicht lange dauern, bis er ihn dabei ‚aus Versehen’ umbringt“, seufzte McGonagall, was Tamara zu einem kleinen gequälten Geräusch animierte. „Außerdem möchte ich wirklich gerne alleine mit ihm reden und das kann ich nicht, wenn Alastor an meiner Seite klebt, wie eine Klette. Er weigert sich, mich mit Severus alleine zu lassen, weil er davon überzeugt ist, dass ich nicht mit ihm fertig würde, selbst wenn er seinen Zauberstab nicht mehr hat.“ Es war der alten Dame deutlich anzusehen, wie erbost sie über diese Einschätzung war. „Nur dir würde er seinen Gefangenen freiwillig übergeben, ohne sich gleich mit einzuquartieren“, fuhr sie fort, „weil er dir vertraut.“
Sullivan schwieg, sah McGonagall missbilligend an und verschränkte die Arme.
„Bitte, David! Du bist der einzige, der sowohl genug Erfahrung, als auch genug Selbstbeherrschung besitzt, um mit der Situation fertig zu werden, und dein Haus ist die reinste Festung. Warum weigerst du dich denn so vehement? Das sieht dir gar nicht ähnlich.“ McGonagall schüttelte seufzend den Kopf.
„Wegen ihr!“, fauchte Sullivan und zeigte anklagend auf Tamara.
McGonagall runzelte die Stirn und Tamara sah ihn entrüstet an.
„Sie wird sich nicht von dem Kerl fernhalten“, fuhr Sullivan fort, „und er wird meiner Überzeugung nach keineswegs davor zurückschrecken, diesen Umstand auszunützen und sie als Geisel zu nehmen um seine Freiheit zurückzuerlangen.“
„Ich verspreche, dass ich nichts tun werde, was...“, begann Tamara, aber die beiden anderen schienen ihr gar nicht zuzuhören.
„Es gab doch da einen Fluch, der früher im offenen Strafvollzug angewandt wurde“, sagte Minerva nachdenklich, „der verhindert, dass der Mensch, dem er auferlegt ist, einen anderen verletzen kann.“
„Dieser Fluch wurde schon vor langer Zeit verboten“, rieb Sullivan ihr unter die Nase. „Weil er schwarzmagischen Ursprungs ist und vor allem, weil er nicht nur verhindert, dass der Sträfling jemandem weh tut, sondern ihm selbst erhebliche Schmerzen zufügt, wenn er es doch probiert.“
„Aber er funktioniert, oder?“, fragte McGonagall spitz. „Manchmal muss man eben außergewöhnliche Wege beschreiten... Wirst du mir nun helfen, David, oder muss ich noch weiter betteln?“
Sullivan verzog das Gesicht und starrte auf den Boden.
„Na schön...“, murmelte er nach einer Weile. „Dann bring ihn her, aber lass mir ein bisschen Zeit, um einen geeigneten Raum herzurichten.“
„Ich wusste doch, dass ich auf dich zählen kann“, sagte McGonagall erleichtert. „Danke David!“
„Danke!“, flüsterte auch Tamara.
„Ich bin spätestens in einer halben Stunde wieder da - mit Severus.“ McGonagall schien der Meinung zu sein, dass dies das Maximum war, das Moodys Nerven noch aushalten würden.
„Du wirst in Begleitung nicht direkt hereingelangen können“, sagte Sullivan, „ich erwarte euch also am Gartentor.“
„Könntest du nicht für dieses eine Mal...?“, seufzte McGonagall.
„Nein!“, unterbrach Sullivan sie unwirsch. „Ich werde die Sicherheitsbarriere nicht aufheben. Viel zu gefährlich!“
„Na schön!“ McGonagall verdrehte die Augen, nickte den Beiden zum Abschied zu und disapparierte.
„Soll ich das Gästezimmer neben dem meinen herrichten?“, fragte Tamara.
„Nicht nötig“, entgegnete Sullivan. „Snape wird im Keller logieren.“
„Im Keller?“, rief Tamara entrüstet. „Aber...“
„Ja, im Keller!“ Sullivans Stimmer wurde scharf. „Er ist ein Gefangener, kein Gast, und solange das so bleibt, ist der Keller genau richtig.“
Mit diesen Worten ließ er sie stehen und trat hinaus in den Flur, um von dort aus die Treppe nach unten zu nehmen.
Tamara wartete eine Weile. Sie wusste, dass sich die ohnehin angespannte Situation noch zuspitzen würde, wenn sie David jetzt hineinredete, und es war sicher besser, ihn so wenig wütend wie möglich zu machen, ehe Severus hier ankam. Allerdings war sie viel zu besorgt und aufgewühlt, um nicht nachzusehen, was er dort im Keller tat, und so folgte sie ihm schließlich nach ein paar Minuten.
Sullivan war gerade dabei, den Raum, den er mit ein paar schnellen Zaubern geleert und gesäubert hatte, mit dem Nötigsten zu versehen, um einen Gefangenen darin unterzubringen, als Tamara hereinkam. Schweigend sah sie sich in der kleinen Kammer um, deren Wände rau und nur grob verputzt waren. Die spärliche Möblierung bestand aus einer Pritsche, einem Tisch und zwei Stühlen. Sie trat ein paar Schritte vor und begutachtete die direkt anschließende, winzige Nasszelle, in der sich eine Toilette und ein Waschbecken befanden.
Als sie sich wieder umdrehte, wanderte ihr Blick von dem Kopfkissen und der grauen Wolldecke, die mittlerweile auf der Pritsche erschienen waren, zu dem kleinen, vergitterten Kellerfenster, das wenigstens ein bisschen Licht hereinlassen würde.
Bei dem Gedanken, dass Severus bald in diesem trostlosen Loch eingesperrt sein würde, dreht sich ihr der Magen um. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, sah sie Sullivan an, der sie aus den Augenwinkeln beobachtete, aber der Vorwurf, den sie ihm machte, stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Was?“, fuhr er sie an, als sie ihn weiter anschwieg.
„Das ist... entwürdigend“, sagte Tamara tonlos.
„Dann ist es genau richtig“, entgegnete Sullivan bissig.
„Ist mit der Gefangennahme von Severus, nachdem ich dazu nicht beigetragen habe, alles hinfällig, was du mir versprochen hast?“, fragte Tamara ihn heiser. „Vor ein paar Stunden noch hast du mich eindringlich daran erinnert, dass wir ein Team sind. Hat sich das nun geändert?“
„Nein!“, erwiderte Sullivan. „Falls Snape es schafft, mich zu überzeugen, dass er noch auf unserer Seite steht, kann er meinetwegen ins Gästezimmer umziehen, aber bis das passiert – was so wahrscheinlich ist, wie Frost in der Hölle - wird er mit diesem Raum vorlieb nehmen müssen und glaub mir, das hier ist der reinste Luxus, gegen die Zellen in Askaban.“
Er schob Tamara ein Stück zurück und anstatt zu antworten – was ohnehin wenig Sinn gehabt hätte – sah sie ihm zu, wie er ein Energiefeld errichtete, das immer größer wurde und schließlich von Wand zu Wand reichte und den Raum teilte. Die Grenze verlief noch vor dem Tisch und trennte somit den Bereich unmittelbar nach der Eingangstür vom Rest ab.
„Ich dachte, ihr wollt ihm einen Fluch auferlegen, damit er niemanden verletzen kann?“, fragte Tamara leise.
„Ja, aber es kann nicht schaden, zusätzliche Maßnamen zu ergreifen, die zum Beispiel auch verhindern dass er abhaut, wenn jemand die Türe nicht richtig zumacht“, antwortete Sullivan, und sah seine Schülerin an, als würde sie bereits dementsprechende Pläne schmieden.“
Tamara schwieg. Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit ihrem Ausbilder zu diskutieren – er würde alles genau so machen, wie er es für notwendig hielt.
Sullivan ließ seinen Blick noch einmal durch den Raum gleiten, nickte zufrieden und brachte das Energiefeld auf ein Niveau, in dem man es durchqueren konnte, es aber nur eines einzigen Zaubers bedurfte, um wieder die volle Stärke zu erhalten.
„Fertig!“, sagte er. „Wir sollten hinauf in den Garten gehen – Minerva schien es vorhin ziemlich eilig zu haben.“
Nebeneinander stiegen sie die Stufen hinauf und Tamara entging dabei der besorgte Blick, den ihr Meister auf seine ungewöhnlich in sich gekehrte Schülerin warf.
„Wenn du lieber im Haus warten willst...“, sagte er zu ihr, als sie wenig später auf die Veranda hinaustraten.
„Nein, das will ich nicht“, entgegnete sie kühl.
„Tamara – ich möchte nicht, dass du...“, begann Sullivan.
„Mach dir keine Sorgen, ich werde nicht hysterisch“, unterbrach Tamara ihn rüde.
Sullivan brummte etwas Unverständliches, das nicht unbedingt wie eine Zustimmung klang. „Es wäre besser, wenn du das Reden vorerst mir überlassen würdest... solange die anderen dabei sind“, meinte er dann.
„Ja!“, entgegnete Tamara ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
Nachdem sie das Gartentor erreicht hatten, standen beide schweigend nebeneinander und warteten.
Schon wenige Minuten später kamen sie an: McGonagall und Shacklebolt bildeten die Vorhut, Moody und Lupin waren an den Flanken, Tonks und Podmore hinten – alle mit überaus ernsten und angespannten Gesichtern - und in der Mitte, von den Zauberstäben der letzteren Vier in Schach gehalten... Snape.
In kerzengerader Haltung, die Hände offenbar auf den Rücken gefesselt, stand er da. Er hielt den Blick gesenkt, auch als die Truppe sich eilig in Bewegung setzte, ohne dass jemand ein Wort sprach, und das Tor passierte, das Sullivan für sie geöffnet hatte.
Tamaras Herz schlug bis zum Hals, als sie Severus sah. Dass es unter diesen Umständen geschah, dass sie ihn nicht berühren und nicht mit ihm sprechen konnte - ihn auf diese Weise gedemütigt zu sehen – tat so weh, dass es ihr fast den Atem raubte.
Nichts in seinem Verhalten deutete darauf hin, dass er sie wahrgenommen hatte und Tamara war gleichermaßen froh darüber, wie sie es auch bedauerte. Alles ihn ihr schrie danach, ihm wenigstens durch Blickkontakt ein bisschen Hoffnung zu geben, aber gleichzeitig ahnte sie, dass sie in dieser Situation niemals zu ihm durchdringen würde.
Als sie den Ordensmitgliedern folgte, die nun – noch immer eng um ihren Gefangenen geschart – dem Haus zustrebten, konnte Tamara einen Blick auf Severus’ im Rücken gekreuzte Handgelenke werfen und erkannte, dass sie tatsächlich mehrfach mit einem Strick umwickelt waren, was darauf schließen ließ, dass jemand der Meinung gewesen war, magische Fesseln würden nicht ausreichen.
„In den Keller!“, sagte Sullivan und zeigte auf den Abgang zur Treppe, als sie das Haus betreten hatten. Er ging voraus und die anderen folgten ihm.
Auf Moodys zerfurchtem Gesicht erschien neben dem deutlich misstrauischen Ausdruck ein Hauch von Zufriedenheit. Obwohl ganz offensichtlich nicht mehr Fluchtgefahr bestand als zuvor, packte er seinen Gefangenen am Arm, als sie die Treppe hinunterstiegen, die so schmal war, dass nur zwei Menschen nebeneinander Platz darauf hatten. Snape versteifte sich für einen Moment unter diesem Griff, ließ sich aber sonst nichts von seinem Widerwillen gegen die Berührung anmerken.
Tamara, die das Ganze von oben beobachtete, da sie als Letzte die Treppe hinunterstieg, befiel eine extreme Antipathie gegen Moody. Umso mehr verstand sie nun auch Minervas Ansicht, dass Severus in der Obhut des Ex-Aurors alles andere als gut aufgehoben war.
Nachdem sie das kurze Stück Flur entlanggegangen waren, öffnete Sullivan die Tür zu dem Raum, den er vorbereitet hatte, und lies die Anderen eintreten. Tamara, die sich noch immer ganz am Ende befand, sah für einen Moment nur noch die Rücken von Podmore und Lupin und als sie es schließlich auch geschafft hatte hineinzukommen, befand sich Snape bereits als Einziger in der hinteren Hälfte des Raumes, während der Rest links und rechts neben der Tür stehen geblieben war.
Einen Augenblick lang schien niemand so recht zu wissen, wie es weitergehen sollte. Alle starrten sie Snape an, während der seinen Blick unbeirrt auf den Boden gerichtet hielt.
Es war McGonagall, die schließlich das beklemmende Schweigen beendete.
„Dreh dich bitte um, Severus“, sagte sie leise. „Ich möchte dir die Fesseln abnehmen.“
Snape hob den Kopf und sah sie an. Allein das veranlasste Moody schon dazu, einen Schritt vorzugehen und mit seinem Zauberstab, den er ohnehin kampfbereit in der Hand hielt, deutlich sichtbar auf den Gefangenen zu zielen.
„Alastor – ich bitte dich“, stöhnte McGonagall gereizt.
Snape zeigte keinen Ansatz, McGonagalls Aufforderung Folge zu leisten und den Anderen damit den Rücken zuzuwenden. Es wirkte fast, als wolle er ausprobieren, wie der alte Auror auf diese Weigerung reagieren würde, denn er sah nun aus den Augenwinkeln zu Moody hinüber, woraufhin dieser sich noch mehr aufplusterte.
Sullivan, dem das alles schließlich zu bunt wurde, trat kurzerhand hinter den Gefangenen, löste den Knoten der Fesseln mit einem Zauber und zog sie herunter, was Snape schlagartig davon abbrachte, Mad-Eye weiter zu provozieren. Er blieb zwar stocksteif stehen, drehte aber den Kopf so weit es ging zu Sullivan um.
Als er befreit war, ließ er die Arme an den Seiten herabhängen, schloss und öffnete die Finger ein paar mal, um die Muskeln zu entkrampfen, und führte die Hände dann vor dem Körper zusammen, um sich die Gelenke zu reiben, auf denen der Strick seine Spuren hinterlassen hatte. Währenddessen war sein Blick Sullivan gefolgt, der sich wieder an seinen Ausgangspunkt zurückbegeben hatte und nun seinen Zauberstab erhob.
Eine Sekunde später spannte sich der magische Schutzwall quer durchs Zimmer, der Snape von den Anderen abtrennte.
Zustimmendes Gemurmel erhob sich und Sullivan machte nun Ansätze, die Ordensmitglieder aus dem Raum zu scheuchen.
„Geht jetzt raus hier!“, sagte er ziemlich barsch, als keiner auf seine relativ eindeutigen Handbewegungen reagierte. „Wir können uns oben im Wohnzimmer über alles Weitere unterhalten.“
Manche von ihnen – darunter Tonks und Lupin - schienen gerne dieser Aufforderung nachzukommen, während McGonagall und auch Moody sich nur zögernd der Tür zuwandten, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Motiven.
„Bist du sicher...?“, begann Mad-Eye.
„Ja, verdammt!“, entgegnete Sullivan ohne sich die Frage erst anzuhören. „Er kommt hier nicht raus, Al, darauf kannst du dich verlassen. Nun geh schon rauf!“
Mit einem letzten missbilligenden Grunzen ließ Moody sich hinausschieben und McGonagall folgte ihm kopfschüttelnd.
Tamara blieb stehen, als sie einer nach dem anderen den Raum verließen. Endlich war niemand mehr zwischen ihr und Severus – bis auf eine undurchdringliche Wand aus magisch erzeugter Energie - und endlich hob er den Kopf und sah ihr direkt in die Augen...
Der Blick ging ihr durch Mark und Bein, aber nicht, weil er irgend ein Gefühl transportiert hätte – es lag weder Wut noch Zuneigung oder Hoffnung darin, sondern nur teilnahmslose Kälte.
„Severus!“, keuchte Tamara erstickt.
„Komm jetzt!“, befahl Sullivan, der an der Tür auf sie wartete.
„Aber ich kann doch nicht einfach... ich muss doch...“, stammelte Tamara.
„Später!“, sagte Sullivan scharf.
Nachdem sie nicht reagierte, trat er zu ihr und packte sie am Arm. Tamara widersetzte sich jedoch vehement seinem Versuch, sie aus dem Raum zu ziehen.
„Wenn du jetzt hier bleibst, werden die Anderen anfangen Fragen zu stellen“, knurrte Sullivan, „und auch, wenn sie darauf keine wahrheitsgetreuen Antworten erhalten, werden sie ihre eigenen Rückschlüsse ziehen und eventuell nicht damit einverstanden sein, dass er hier bleibt. Also – mach, dass du rauf kommst - sofort!“
Tamara zögerte noch einen Moment, sah ein letztes Mal zu Snape, dessen Blick jedoch nun auf Sullivan ruhte, und ließ sich dann aus der Tür schieben.
Die anderen Ordensmitglieder hatten sich schon im Wohnzimmer versammelt und auf die vorhandenen Sitzgelegenheiten verteilt. Sie redeten vereinzelt leise miteinander, verstummten aber, als Sullivan und Tamara den Raum betraten.
Sullivan holte den Whisky aus dem Schrank und bedachte jeden seiner Gäste mit einem Glas davon, was von allen dankbar angenommen wurde. Danach ließ er sich auf dem einzigen Sessel nieder, der noch frei war, und auf dessen breiter Armlehne Tamara bereits platzgenommen hatte.
„Dann legt mal los“, sagte Sullivan und erhob sein Glas, bevor er einen Schluck nahm.
„Was soll das?“, fragte Moody barsch, während sein Blick – der seines eigenen und der des furchteinflößenden, magischen Auges – auf Tamara heftete. „Sie hat hier nichts zu suchen, wenn wir besprechen, was nun mit dem Verräter geschehen soll.“
„Für diejenigen unter euch, die noch nicht das Vergnügen hatten“, sagte Sullivan mit einem Blick in die Runde – wobei er Moody bewusst übersah, „das hier ist meine Schülerin, Tamara Ogareff... und ich verbürge mich für ihre Vertrauenswürdigkeit“, fügte er nachdrücklich hinzu, wobei er den alten Mad-Eye nun eindringlich ansah.“
Dieser schnaubte verächtlich und stand offensichtlich im Begriff, zu einem heftigen Widerspruch anzusetzen, als McGonagall das Wort ergriff.
„Ich verbürge mich ebenfalls für sie“, sagte sie ruhig.
„Damit dürften den Formalitäten genüge getan sein“, sagte Shacklebolt und schenkte Tamara ein aufmunterndes Lächeln, das sie dankbar erwiderte.
„Pffffttt!“, machte Moody und verschränkte erbost seine Arme, verzichtete jedoch auf weitere Kommentare.
Sullivan stellte Tamara nun rasch die anderen Anwesenden vor, die sie alle mit einem freundlichen Nicken begrüßten, bis auf Moody, der sie weiterhin misstrauisch anstarrte.
„Wir haben uns schon zuhause bei Alastor ein wenig darüber unterhalten, wie wir weiter vorgehen wollen“, ergriff McGonagall danach das Wort. „Einer von uns wird immer hier sein, um dich zu unterstützen, David.“
Sullivan zog die Augenbrauen hoch und ersetzte das Wort ‚unterstützen’ im Geiste unwillkürlich durch ‚überwachen’, äußerte sich aber nicht dazu.
„Remus wird den Anfang machen, denn er fällt in Kürze aus... du weißt schon... “, fuhr McGonagall fort.
Tamara betrachtete für einen Augenblick den müde wirkenden Lupin in seinem abgerissenen Mantel, der zusammen mit Tonks – den Arm um sie gelegt - auf dem Sofa saß und dessen Augen bei der Erwähnung seines Ausfalls einen resignierten, traurigen Ausdruck annahmen.
„Danach werde ich hier sein, nach mir Tonks, dann Kingsley, anschließend Sturgis“, zählte McGonagall auf. „Alastor hingegen gehört nicht zu den Personen, die dich hier unterstützen werden“, sie sah über ihre Brillengläser hinweg warnend zu Moody hinüber, der aussah, als würde er gleich anfangen wie ein wütender Hund zu knurren, „weil seine Anwesenheit eine eher... destruktive Auswirkung auf unseren Gefangenen haben dürfte - auch darüber wurde schon ausführlich diskutiert.“
Sullivan nickte. „Sieh es von der positiven Seite, Al“, sagte er ironisch. „Du kannst nachhause gehen und die Füße hochlegen, während wir uns mit dem arroganten Kerl im Keller herumärgern müssen.“
„Du wirst ihn doch richtig in die Mangel nehmen, Dave?“, fragte Moody und erntete einen giftigen Blick von McGonagall und Tamara.
„Aber sicher!“, entgegnete Sullivan und zog diese Blicke damit auf sich.
„Wusste ich’s doch, dass man sich auf dich verlassen kann“, brummte Moody.
„Wir werden Severus so lange hier behalten, bis wir haargenau wissen, woran wir mit ihm sind“, sagte McGonagall, „was aber nicht heißen soll dass sämtliche möglich erscheinende Methoden gerechtfertigt sind, um an diese Information zu kommen“, fügte sie streng hinzu.
Der letzte Halbsatz war eindeutig an Sullivan gerichtet gewesen, aber der zuckte nur mit den Schultern. „Wir werden uns schon über die Methoden einigen“, sagte er ruhig.
McGonagall sah ihn noch einen kurzen Moment lang prüfend an. „Ja, davon gehe ich auch aus“, stimmte sie dann zu. „Ich werde noch ein wenig hier bleiben, da ich noch einmal versuchen möchte, mit Severus zu reden. Vielleicht ist das ja nun möglich“, fügte sie spitz und mit einem passenden Blick auf Moody hinzu, was dieser mit einer wenig freundlichen Grimasse erwiderte, die in seinem verwüsteten Gesicht aber nicht weiter auffiel.
Nachdem sie ihren Whisky ausgetrunken hatten, erhoben sich alle. Sullivan brachte Tonks, Moody, Shacklebolt und Podmore zur Tür und Lupin begleitete ihn, um sich von Tonks zu verabschieden.
McGonagall atmete sichtbar erleichtert auf, als sie das Wohnzimmer verlassen hatten. Tamara überlegte gerade noch, ob sie die Gunst des Augenblicks ausnutzen und in den Keller verschwinden sollte, als Sullivan schon wieder in der Tür stand.
„Und nun? Willst du gleich mit ihm reden?“, fragte er McGonagall.
„Ich werde zuvor kurz nach Hogwarts apparieren, um in der Bibliothek herauszufinden, wie dieser Zauber funktioniert, über den wir gesprochen hatten und dann umgehend hierher zurückkehren“, entgegnete diese.
„Nicht nötig – ich weiß, wie er funktioniert“, sagte Sullivan.
„Welcher Zauber?“, fragte Lupin, der gerade wieder das Zimmer betreten hatte.
„Agressio Retribuo Dolorosus”, murmelte Sullivan, was Lupin seinem Gesichtausdruck nach, jedoch nichts zu sagen schien.
„Ein Fluch, der verhindert, dass eine Person andere angreift, indem er dieser Person... na ja... erheblich zusetzt, wenn sie es doch versucht“, erklärte Sullivan.
„Praktisch!“, sagte Lupin trocken. „Wie kommt’s, dass ich noch nie davon gehört habe?“
„Er ist verboten“, flüsterte McGonagall. „Schon seit längerer Zeit.“
„Ah...“, Lupin zog belustigt die Augenbrauen hoch, „und du willst wirklich etwas Verbotenes tun, Minerva? Tz, tz, tz...“ Seine Mundwinkel wanderten minimal nach oben und verliehen dem melancholischen Gesichtsausdruck eine heitere Note.
„Ähm ja – der Zweck heiligt manchmal die Mittel“, sagte McGonagall und errötete hauchzart.
„Und woher weißt du so genau, wie dieser verbotene Fluch funktioniert, David?“, fragte Lupin weiter.
„Ach... ich habe... davon gehört“, sagte Sullivan. „Blödsinn...“, schnaubte er gleich darauf. „Ich habe den Fluch schon ein paar mal angewandt, eben weil er verdammt praktisch ist... ihr werdet das ja wohl kaum dem Ministerium petzen...“
„Stimmt!“, sagte Lupin.
„Gehen wir runter!“ McGonagall schien es fast genauso eilig zu haben, wieder in den Keller zu kommen, wie Tamara. „Ich möchte, dass du diesen Fluch über Severus sprichst und ihr mich dann mit ihm alleine lasst.“
„Das ist keine gute Idee“, sagten Lupin und Sullivan gleichzeitig.
„Beim Barte des Merlin – ich habe ihn nicht von Alastor weggebracht, damit ihr jetzt an mir klebt, wie die Fliegen“, wetterte McGonagall. „Bleibt meinetwegen vor der Tür stehen – in Rufbereitschaft - aber lasst mich alleine mit ihm sprechen.“
„Wir sollten nur zu zweit zu ihm gehen“, sagte Lupin. „Nicht nur wegen des Sicherheitsaspekts - es steht immer noch der Verdacht im Raum, dass einer von uns ein Verräter sein könnte.“
„