Liebe deine Feinde
von Chrissi C.
Über euer Feedback freut sich Chrissi
Kapitel 7 - 9
Als die fünf maskierten Todesser in Havering apparierten – auf einem kleinen Weg zwischen den Gärten, verdeckt von den hochgewachsenen Hecken am Rande der Zäune – brach bereits die Abenddämmerung über die schmucke Vorstadtsiedlung herein.
Snape ging an der Gartenhecke entlang und warf einen vorsichtigen Blick auf die Straße hinaus.
„Scheint alles ruhig zu sein“, sagte Yaxley, der ihm genau, wie die anderen Drei, gefolgt war.
„Hm...“, machte Snape, „ruhig bedeutet nicht, dass uns niemand erwartet.“
„Und dass du das Kommando hast, bedeutet scheinbar nicht, dass dein Mut zum Risiko sich zusammen mit der gewachsenen Verantwortung gemehrt hat“, sagte Bellatrix vorgeblich bedauernd. „Wenn die uns erwarten, können wir ihnen doch die Freude nicht verderben! Es war das dritte Haus rechts, oder?“
Mit diesen Worten schob sie sich an ihnen vorbei und marschierte auf den breiten Gehweg hinaus. Als sie an der ersten Straßenlaterne vorbeikam, visierte sie diese mit dem Zauberstab an, woraufhin nicht nur das Licht erlosch, sondern der Beleuchtungskörper explodierte, wenn auch nur mit einem verhältnismäßig leisen Klirren.
„Wie soll man ein Fiasko vermeiden, wenn man mit einer Verrücken zusammenarbeiten muss?“, murmelte Snape.
Er machte den anderen ein Zeichen, ihm zu folgen und schloss zu Bellatrix auf.
„Da bist du ja, Snape – ich hatte schon fast befürchtet, du bist beleidigt“, sagte diese und sah ihn spöttisch an.
„Legst du Wert darauf, weiterhin an dieser Aktion teilzunehmen, Lestrange, oder wäre es dir lieber, mit einem Lähmfluch versehen in irgendeiner dunklen Ecke auf unsere Rückkehr zu warten?“, fragte Snape ohne äußere Anzeichen von Ärger.
„Uiuiui – du willst mir doch nicht etwa drohen, Snapilein“, quiekte Bellatrix. „Da krieg ich ja Aaaa-hangst – na ja – eher einen Lachanfall, aber es ist aufregend... ehrlich...“
Sie nahm die Bewegung aus den Augenwinkeln zwar scheinbar noch war, reagierte aber trotzdem zu langsam, um den Fluch abzuwehren, den Snape ohne Vorwarnung aus dem Handgelenk auf sie abfeuerte, kaum dass sie ihren Satz zu Ende gesprochen hatte.
„Sie hat sich gerade für die Option ‚warten’ entschieden“, erklärte Snape, zupfte Bellatrix den Zauberstab aus den erstarrten Fingern und hielt sie am Arm fest, als sie – steif, wie ein Brett – seitwärts umzukippen drohte.
„Dafür wird sie dich mindestens töten“, meinte Yaxley nicht ohne Anerkennung.
„Wohl kaum...“, entgegnete Snape gleichmütig.
„Wir können alle froh sein, wenn wir sie nicht mit rein nehmen müssen“, schaltete sich Malfoy ein. „Sie ist ein wandelndes Risiko.“
„Da kann man kaum widersprechen“, seufzte Yaxley.
„Und wer soll dir nun auf die Finger sehen, Severus?“, fragte Dolohow spöttisch.
„Das könnt ihr Drei übernehmen“, sagte Snape.
Zusammen mit Malfoy hakte er Bellatrix unter und schleifte sie zu ein paar dichten Büschen, auf dem Grünstreifen neben der Straße, zwischen denen sie die Hexe umsturzsicher aufstellten. Nachdem dies erledigt war, steuerten sie ihr erstes Zielobjekt an.
Es war weit und breit keine Spur von einer Wache zu sehen, als sie den Vorgarten durchquerten und es hinderte sie auch niemand am Betreten des Hauses. Kurz darauf wurde auch klar, warum ihnen kein unfreundlicherer Empfang bereitete wurde – der vom Ministerium abgestellte Wachmann saß mit dem Hausherrn und dessen Frau plaudernd im Wohnzimmer.
Als die maskierten Todesser das Zimmer betraten, sprangen die beiden Männer auf - die Frau blieb sitzen, griff jedoch am schnellsten zu ihrem Zauberstab. Snape entwaffnete die Dame des Hauses, Lucius übernahm den Wachmann und Dolohow ihre Zielperson, den Ministeriumsmitarbeiter – dies passierte so schnell und reibungslos, dass man hätte meinen können, die Szene wäre von allen Beteiligten einstudiert worden.
„Hinsetzen!“, befahl Snape.
Der Hausherr kam der Aufforderung mit ängstlich aufgerissenen Augen sofort nach, der Wachmann wurde von Yaxley grob an der Schulter nach unten gedrückt, als er keine Anstalten machte, sich ebenfalls zu fügen.
Snape richtete seinen Zauberstab nun auf den Hausherren. „Imperius!“
Die Frau schrie auf. Yaxley trat zu ihr und riss sie an den Haaren grob nach hinten, woraufhin sie jedoch noch lauter schrie.
„Sehr wirkungsvoll!“, schnarrte Dolohow verächtlich. „Reiß ihr die Haare doch gleich ganz aus und überleg dir auch gleich noch eine passende Erinnerung, warum sie plötzlich kahlköpfig ist.“
„Bitte - lassen Sie sie doch los“, rief der Wachmann.
„Halt’s Maul, Arschloch!“, bellte Yaxley.
Mit einem Schlenker seines Zauberstabs, begleitet von einem Seufzer, der seine Meinung über das Niveau seiner Mitstreiter deutlich machte, legte Malfoy einen Schweigezauber über die Frau.
Yaxley gab ihr Haar frei. „Geht doch!“, murmelte er.
Dolohow lachte und schüttelte den Kopf.
Snape hatte sich von alledem nicht ablenken lassen, sondern mit ganzer Konzentration den Imperiuszauber vollendet, der sein Opfer dem Willen des Angreifers völlig unterwarf. Erst, als er damit fertig war, wandte er sich an Yaxley.
„Wenn ich dir so zusehe... da hätte ich genauso gut gleich die Verrückte mitnehmen können“, sagte er kalt. „Erinnerung an die Geschehnisse seit unserem Eintreffen löschen und danach einen Minutenschlaf, der unseren Abgang sichert“, ordnete er dann zwischen Malfoy und Dolohow hin- und herblickend an. Beide nickten. Malfoy zielte mit seinem Zauberstab auf die Frau und Dolohow auf den Wachmann, während Snape wieder den Hausherren ins Visier nahm. Gleichzeitig murmelten sie „oblivate!“ und „somnus perbrevis!“, woraufhin die Köpfe ihrer Opfer auf die Stuhllehen sanken.
„Wir hätten uns ruhig noch ein bisschen Spaß gönnen können, wenn wir ihr Gedächtnis eh löschen“, maulte Yaxley, als sie die Wohnzimmertüre hinter sich geschlossen hatten und auf dem Weg nach draußen waren.
„Keine Zeit für Spaß!“, knurrte Snape.
„Außerdem war die zu dick“, sagte Dolohow abfällig.
„Blödsinn! Genau so mag ich es“, pampte Yaxley zurück. „Da hat man wenigstens etwas mehr als einen Haufen Knochen in den Händen.“
„Wen interessiert es denn, ob ihr lieber dicke oder dünne Frauen vögelt?“, fragte Malfoy genervt. „Wir haben einen Auftrag zu erfüllen.“
„Nun hab dich mal nicht so, Malfoy“, murrte Dolohow.
„Du hast doch nur Schiss, dass du wieder...“, begann Yaxley und Malfoy riss schon nach ‚Schiss’ den Zauberstab heraus.
„Dicke sind kuscheliger!“, sagte Snape ernst und brachte damit sowohl Yaxley zum Schweigen, als auch Malfoys Hand zum Sinken.
„Du stehst also auf dicke Frauen?“, fragte Dolohow, der den Zaubertrankmeister ob dieser unerwarteten und für ihn so völlig untypischen Bemerkung genauso entgeistert anstarrte, wie die anderen Beiden.
„Wer sagt denn, dass ich kuscheln will?“, schnauzte Snape ihn an. „Und jetzt haltet endlich den Rand – wir haben zu tun.“
Er trat durch das Gartentor auf den Fußweg hinaus und der Rest seines Trupps folgte ihm schweigend.
Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen und das Gebüsch, in dem Bellatrix wartete, lag nahezu völlig im Dunkeln. Die erstarrte Hexe hing noch genauso im Dickicht, wie die Männer sie dort zurückgelassen hatten. Snape hob den Zauberstab und visierte sie an.
„Wirst du ihr Gedächtnis manipulieren, bevor du den Lähmfluch aufhebst?“, fragte Dolohow interessiert.
„Nein, natürlich nicht“, antwortete Snape herablassend, „dann wäre ja der ganze Lerneffekt beim Teufel.“
„Sie wird dich umbringen“, wiederholte Yaxley seine Vorhersage und es klang, als wäre er nicht sonderlich bestürzt über diese Aussicht.
„Wir werden sehen...“, sagte Snape und nahm den Fluch von Bellatrix.
„Ich bring dich um, du dreckiger Hurensohn“, zischte Bellatrix, kaum dass sie der Sprache wieder mächtig war.
„Sag ich’s doch!“, brummte Yaxley zufrieden.
„Das wirst du nicht tun!“, sagte Snape ruhig.
Bellatrix, die inzwischen gemerkt hatte, dass sie ohne Zauberstab war, stürzte sich auf Snape, und fand sich – weil dieser ihren Angriff schon erwartete hatte – nach einem kurzen Gerangel mit auf dem Rücken verkreuzten Armen in einem ziemlich schmerzhaften Festhaltegriff wider. Allerdings hatte die Grobheit, mit deren Hilfe Snape Bellatrix eigentlich energisch in ihre Schranken hatte verweisen wollen, einen gänzlich anderen Effekt – sie stöhnte laut auf und wand sich auf eindeutig anzügliche Art in seinen Händen.
„Dieses Weib ist wirklich völlig daneben“, schnaubte Lucius angewidert.
„Willst du mich ficken, bevor ich dich töte, Giftmischer?“, raunte sie und rieb ihren Hintern einladend an seinem Oberschenkel.
„Das will er bestimmt nicht – du bist ihm nämlich zu dünn“, belehrte Yaxley sie.
„Was...?“ Bellatrix verblüffter Gesichtsausdruck brachte sogar den bisher merklich angespannten Malfoy zum Grinsen.
„Wenn du so weiter machst, könnte ich mir gut vorstellen, dass vor dem nächsten Haus DU im Gebüsch landest, Yaxley“, orakelte Dolohow feixend.
Snape stieß Bellatrix von sich weg und warf einen strengen Blick in die Runde.
„Genug jetzt!“, sagte er scharf. „Jeder von euch, der sich ab jetzt nicht zusammenreißt, wird sich dafür vor dem Lord verantworten müssen.“ Dabei wanderte sein Blick von Yaxley zu Bellatrix um dann bei ihr zu verweilen. „Der Lord mag von deiner Hingabe entzückt sein, Lestrange, aber wenn ich ihm berichte, dass du durch deinen Mangel an Beherrschung zu einer Gefahr für das Gelingen einer jeden Operation wirst, wird er sich wohl überlegen müssen, wie nützlich du ihm trotz deiner bedingungslosen Treue bist. Das gleiche gilt für den Fall, dass du wirklich versuchst, mich umzubringen – damit würdest du die Kampfkraft seiner Armee schwächen – glaubst du wirklich, dass deine Ergebenheit ihn dafür ausreichend entschädigen würde?“
Bellatrix funkelte ihn wütend an, aber der Irrsinn schien sie zuminderst für eine kurze Weile verlassen zu haben.
Er hielt ihr den Zauberstab hin und sah ihr dabei fest in die Augen.
„Ich bin sicher, du wirst dein Bestes tun, um den Lord nicht zu enttäuschen“, sagte er eindringlich.
Bellatrix riss ihm ihren Zauberstab aus der Hand und steckte ihn weg.
„Dich krieg noch, Snape“, raunte sie, „auch wenn ich lange darauf warten muss – und dann werde ich mich prächtig mit dir amüsieren... bevor ich dich umbringe.“
Snape antwortete nicht darauf. Er sah Yaxley scharf an, der den Mund schon zu einem Kommentar geöffnet hatte, ihn dann jedoch vorsichtshalber wieder schloss, ohne ein Wort zu verlieren.
„Wir haben zu tun!“, sagte Snape knapp. Er machte eine auffordernde Handbewegung in die Richtung des nächsten Hauses, dem sie einen Besuch abzustatten gedachten, woraufhin sich alle schweigend in Bewegung setzten.
Auch beim Kontakt mit den vier anderen Zielpersonen, trafen sie nicht auf nennenswerten Widerstand – lediglich das Haus, in dem am Vorabend die Pokerrunde stattgefunden hatte, war etwas besser bewacht aber auch diese Hürde nahmen die Todesser ohne größere Schwierigkeiten. Yaxley und Dolohow verzichteten nun weitgehend auf launige Kommentare, Malfoys Unruhe wich der Professionalität, die man aus früheren Tagen von ihm gewohnt war und sogar Bellatrix benahm sich relativ diszipliniert, fast als wäre sie keine durchgeknallte Verrückte.
Gut eine Stunde nach ihrem Eintreffen in dem Vorstadtwohnviertel, hatten sie ihre Mission erfüllt und apparierten zurück in das Hauptquartier des dunklen Lords.
Voldemort ließ sie umgehend zu sich rufen, als er von ihrer Ankunft verständigt wurde.
„Nun - wie ist es gelaufen, Severus?“, fragte er, während seine langen knochigen Finger zärtlich über den Kopf von Nagini strichen, die sich neben seinem Sessel zusammengerollt hatte.
„Zufriedenstellend, mein Lord!“, antwortete Snape. „Die fünf Zielpersonen stehen unter dem Imperiusfluch, bei den anwesenden Zeugen wurden die Erinnerungen verändert. Niemand wird merken, dass wir überhaupt da waren.“
„Hervorragend!“, sagte Voldemort. „Und warst du mit deinen Begleitern ebenso zufrieden, wie mit dem Ergebnis?“ Sein Blick blieb auffällig lange an Malfoy hängen und glitt dann hinüber zu Bellatrix.
„Durchaus!“, entgegnete Snape.
Bellatrix sah ihn überrascht an.
„Wie erfreulich“, sagte Voldemort. „Wenn dem so ist, könnt ihr jetzt gehen. Bellatrix – du bleibst noch da.“
Die vier Männer verneigte sich knapp vor dem dunklen Lord und verließen den Raum.
„Sie wird dich verpfeifen“, raunte Dolohow Snape zu, kaum dass sie die Tür hinter sich geschlossen hatten.
„Schon möglich“, erwiderte dieser gelassen.
„Ich wär’ nicht so ruhig, wenn diese Irre es auf mich abgesehen hätte“, sagte Yaxley.
„Woher willst du wissen, dass dem nicht so ist?“, fragte Dolohow feixend. „Wahrscheinlich steckt sie dem Lord gerade, dass du sie zu dünn findest.“
„Ich habe ihr erklärt, dass Severus sie vermutlich zu dünn findet“, verbesserte Yaxley, „das bedeutet noch lange nicht, dass ich dasselbe tue, obwohl sie mir natürlich auch zu dünn ist – viel zu dünn, um genau zu sein. Und selbst, wenn sie etwas rundlicher wäre – mit einer völlig Durchgeknallten in die Kiste springen - ich weiß nicht...“
„Mach dir keine unnötigen Gedanken“, sagte Dolohow spöttisch. „Sie würde dich eh nicht ranlassen.“
Snape und Malfoy überließen die beiden Todesser ihrem spannenden Gespräch und traten gemeinsam hinaus auf den Flur.
„Hast du Lust, mit uns Abendzuessen, Severus?“, fragte Malfoy, als sie gemeinsam die Treppe hinuntergingen.
Snape zögerte kurz, dann stimmte er zu. „Gerne, Lucius! Dein Haus ist doch inzwischen sicher, oder?“
„Ich habe sämtliche Bewachungszauber überlistet, die das Ministerium eingebaut hat“, entgegnete Malfoy mit einem dezenten Anflug von Stolz, „auch wenn ich dir nicht unbedingt raten würde, von draußen zum Haupteingang hineinzuspazieren – du kannst hinein apparieren, ohne das jemand etwas von deiner Anwesenheit mitbekommt, ausgenommen natürlich meine Frau.“
„Wie geht es Narzissa?“, fragte Snape. „Ich habe sie lange nicht mehr gesehen.“
„Sie hat Angst“, sagte Malfoy leise, „aber sie hält sich tapfer. Vielleicht wird dein Besuch sie ein wenig ablenken.“
Kurz darauf apparierten die beiden Zauberer direkt in die Bibliothek von Malfoy Manor.
Der Hausherr schenkte seinem Gast und sich selbst Cognac ein. Nachdem sie beide einen Schluck getrunken hatten, stellte Malfoy sein Glas ab und wandte sich zum Gehen.
„Mach es dir bequem, Severus – ich sage nur schnell Narzissa Bescheid, dass du unser Gast bist.“
Er öffnete die Tür zur Eingangshalle und trat erschrocken einen Schritt zurück, denn eine Eule flatterte dicht über seinen Kopf hinweg ins Zimmer und ließ sich auf dem Kaminsims nieder.
„Die Nachricht scheint eilig zu sein“, bemerkte Snape ironisch, als der Vogel, ungeduldig auf einem Bein hüpfend, den anderen Fuß, an welchem ein versiegelter Umschlag hing, Lucius entgegenstreckte. Dieser bewaffnete sich mit einem Eulenkeks aus einer bereitstehenden Schale, ehe er sich der geflügelten Botin näherte, denn mit hungrigen Eulen, die auf den Adressaten ihrer Post hatten warten müssen, war erfahrungsgemäß nicht zu spaßen.
Tatsächlich stürzte sich der Vogel gierig auf den Keks und Lucius beeilte sich, den Brief an sich zu nehmen. Er trat ein Stück beiseite und öffnete die Nachricht, um sie sogleich zu überfliegen, wobei ein erstauntes Lächeln seine Züge erhellte.
„Angenehme Neuigkeiten?“, fragte Snape und klang dabei eher höflich, als neugierig.
„Angenehm wäre übertrieben - nur... überraschend“, entgegnete Malfoy. „Ich bin gleich wieder bei dir.“ Er verließ den Raum und die Eule, die inzwischen den Keks verputzt und eine ziemliche Sauerei auf dem Kaminsims hinterlassen hatte, nutzte die Gelegenheit, um hinauszufliegen, bevor er die Tür wieder hinter sich schloss.
Schon ein paar Minuten später war Malfoy wieder da.
„Narzissa freut sich auf dich“, vermeldete er und ließ sich auf einen Sessel gegenüber seinem Freund nieder. „Sie hat mich weggescheucht, damit sie sich noch ein wenig für dich hübsch machen kann, bevor sie herunterkommt – muss ich mir jetzt Sorgen machen?“
Snape grinste und schwieg.
„Severus!“, sagte Malfoy gespielt vorwurfsvoll.
„Was denn? Wenn ich darauf zu schnell ‚nein’ sage, mache ich mich nur verdächtig“, meinte Snape belustigt.
„Mal angenommen, meine Frau würde dir schöne Augen machen...“, begann Malfoy – der Klang seiner Stimme machte zwar klar, dass er dies nicht ernst meinte, aber es schwang ein gewisser, unterschwellig bedrohlicher Ton darin mit, „...dir ist doch klar, dass ich dich töten würde, wenn du darauf eingingst?“
„Ja!“, antwortete Snape ruhig.
„Und würde dich das davon abhalten... nur theoretisch - für den Fall, dass du geneigt wärst, etwaigen unanständigen Avancen meiner Gattin nachzugeben...?“, bohrte Malfoy weiter.
„Nein!“, sagte Snape.
„NEIN?“ Malfoy sah sein Gegenüber ungläubig an. „Und du meinst, dass dieses spontan und ohne jegliches Zögern geäußerte ‚Nein’ dich nicht verdächtig macht? Du spielst ganz schön mit dem Feuer, mein Freund!“
„Tun wir das nicht alle, Lucius?“, sagte Snape lächelnd.
Die Miene des blonden Mannes verfinsterte sich zusehends.
„Du solltest die richtigen Fragen stellen, wenn du entsprechende Antworten bekommen möchtest“, meinte Snape sanft.
„Könntest du aufhören herumzuorakeln, Severus?“, knurrte Malfoy.
„Wenn ich tatsächlich auf deine Frau scharf wäre, würde mich nicht die Aussicht auf deine Rache zurückhalten, wohl aber die Freundschaft, die mich mit dir verbindet und das Vertrauen, dass du mir hoffentlich entgegenbringst“, sagte Snape. „Seit wann machst du dir Sorgen um Narzissas Treue?“, fügte er kopfschüttelnd hinzu. „Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die ihrem Mann bedingungsloser angehört, als die deine. Woher kommen diese plötzlichen Selbstzweifel?“
Malfoy, der bei Snapes Erklärung merklich erleichtert gewirkt hatte, antwortete nicht. Er zog seinen Zauberstab und entzündete ein Feuer im Kamin, als wäre ihm mit einemmal eingefallen, dass er fror.
„Askaban?“, fragte Snape.
Malfoy schwieg weiterhin und starrte in das Feuer.
Snape akzeptierte dies, verzichtete auf weitere Fragen und nahm stattdessen einen Schluck Cognac.
„Ich wäre dort beinahe zerbrochen“, flüsterte Malfoy nach einer Weile kaum hörbar. „Weißt du, wie es ist, eingesperrt und der Willkür anderer ausgeliefert zu sein, Severus?“
„Ja – das heißt, natürlich nicht in dieser extremen Form, aber im Prinzip schon“, entgegnete Snape.
„An manchen Tagen hatte ich das Gefühl, ich würde bald nicht mehr die Kraft aufbringen, weiterzuatmen“, sagte Malfoy tonlos, ohne den Blick von den Flammen abzuwenden. „Es war alles... leer in meinem Inneren... so unerträglich leer, dass es weh getan hat, als wäre Hoffnung ein Gefühl, das niemals existiert hat, außer in meiner Vorstellung, genau wie... die Liebe...“
„Du bist wieder hier - deine Hoffnung hatte also durchaus einen reellen Charakter“, sagte Snape. Seine Stimme, die sachlich klang und bar jeden Mitleids zu sein schien, brachte Malfoy dazu, sich zusammenzureißen und holte ihn damit wieder aus dem emotionalen Loch heraus, in das er kurzfristig gefallen war.
„Du hast Recht – es ist vorbei und ich bin wieder da“, sagte er energisch und nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. „Weil wir uns gerade über Frauen unterhalten“, fuhr er fort, als hätte das kurze Gespräch über seine Gefangenschaft gar nicht stattgefunden, „du wolltest mir doch mehr über die Kleine erzählen, die sich nach dir erkundigt hat – Tamara Ogareff.
„Nein – das wollte ich nicht“, sagte Snape.
„Na komm – sei kein Spielverderber“, stichelte Malfoy. „Erzähl mir von ihr. War das tatsächlich nur eine Bettgeschichte für dich oder steckt da noch mehr dahinter?“
Snape antwortete nicht, sondern zog lediglich seine Augenbrauen vorwurfsvoll nach oben.
„Sie scheint es ja durchaus etwas ernster zu meinen, sonst würde sie nicht drei Jahre später noch Kontakt mit dir aufnehmen wollen.“ Malfoy grinste. „So toll kannst selbst du nicht im Bett gewesen sein, dass eine Frau das aus reiner Geilheit machen würde.“
„Lucius!“, seufzte Snape genervt.
„Was soll ich machen, falls sie noch mal bei mir aufkreuzt?“, fragte Malfoy, nachdem seine Taktik, den Freund aus der Reserve zu locken nicht fruchtete.
Snape warf dem Blonden einen scharfen Blick zu.
„Na was schon – schick sie weg“, knurrte er. „Und sag ihr, dass sie aufhören soll, nach mir zu suchen.“
Malfoy erwiderte seinen Blick ohne mit der Wimper zu zucken.
„Bist du ganz sicher, dass du keine Gefühle für sie hast?“, fragte er mit einlullender Stimme.
„Auch wenn sie mir nichts weiter bedeutet“, fauchte Snape, „ich würde ihr nicht wünschen, dass sie in Kontakt mit den Todessern kommt – das ist doch wohl nicht so schwer zu verstehen, oder?“
„Schon gut, Severus – natürlich verstehe ich dich“, besänftigte ihn Malfoy, aber auf seinem Gesicht lag ein wissender Ausdruck, der Snape ärgerte und ihn außerdem nötigte, noch etwas nachzusetzen.
„Manchmal gehst du mir wirklich auf den Sack, Lucius“, schnaubte er bissig.
„Keine Ursache - dafür sind Freunde doch da, mein Lieber“, sagte Lucius grinsend.
„Idiot!“
„Selber!“
Wider Willen wirkte Malfoys ungeniertes Grinsen ansteckend auf Snape.
„Du bist eine Plage!“, seufzte er kopfschüttelnd.
Malfoy hatte gerade zu einer Antwort angesetzt, als er inne hielt und lauschte. „Da kommt Narzissa!“, sagte er erfreut. „Klag' ihr doch dein Leid beim Essen – vielleicht hat sie ja sogar Verständnis für dich.“
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Tamara war nervös – komischerweise viel mehr, als letzte Woche, bei ihrem Besuch in Malfoys Haus. Er hatte auf die Nachricht, die sie ihm vor zwei Tagen geschickt hatte, rasch geantwortet und einem Treffen in der Winkelgasse zugestimmt.
Sullivan hatte darauf bestanden, dass sie nicht noch einmal zu Malfoy nach Hause ging, sondern ihn an einem belebten Platz traf, wo er ihr nicht so ohne weiteres etwas antun könnte und sie außerdem mühelos zu überwachen wären.
Nun saß sie hier im Sonnenschein vor dem Eiscafé, in der samstags überaus belebten Einkaufsstraße, und wartete auf den Mann, dem sie bei der letzten Begegnung schon nicht annähern das hatte entlocken können, was sie so dringend erfahren wollte. Sullivan hatte sich – zur Tarnung äußerlich verändert - an einem Tisch einige Meter weiter niedergelassen und las Zeitung. Nichts deutete darauf hin, dass er sie beobachtete.
Als Tamara schon zu zweifeln begann, ob Malfoy wirklich auftauchen würde, traf er endlich ein – mit fast zehn Minuten Verspätung. Ohne sich dafür zu entschuldigen, begrüßte er sie mit „Miss Ogareff – wie schön, Sie wiederzusehen!“ nebst einem angedeuteten Handkuss und ließ sich ihr gegenüber an dem kleinen Tisch nieder.
„Mister Malfoy – danke, dass Sie sich noch einmal Zeit für mich nehmen“, sagte Tamara.
„Es ist mir ein Vergnügen!“, entgegnete ihr Gegenüber galant.
Als nächstes sorgte er dafür, dass die Bedienung, die an den Tisch gekommen war und ihn überaus beflissen fragte, was sie ihm den bringen dürfe, rot anlief, da er ihr beim Kaffeebestellen ungeniert auf den wohlgeformten Busen sah, anstatt ins Gesicht.
Tamara zog fragend die Augenbrauen hoch, als er sich danach wieder ihr zuwandte.
„Pardon – es ist natürlich nicht höflich, fremde Frauen anzustarren, während so ein Prachtexemplar wie Sie am Tisch sitzt, meine Liebe, aber manchmal kann ein Mann einfach nicht anders“, sagte Malfoy lächelnd und ohne das geringste Anzeichen von Verlegenheit.
„Tun Sie sich keinen Zwang an“, entgegnete Tamara mit dezent brüskierter Stimme.
„Ganz bestimmt nicht“, versicherte Malfoy. „Sie wollen also unser Gespräch von letzter Woche fortführen, Miss Ogareff?“, fügte er hinzu, nachdem er Tamara eine Weile eingehend gemustert hatte, was ihrer Nervosität nicht gerade entgegenwirkte.
„Ja! Sie sind der Einzige, von dem ich weiß, dass er mit Severus in Verbindung steht – mir bleibt also gar nichts anderes übrig, als Sie erneut um Ihre Hilfe zu bitten“, sagte Tamara.
„Das soll vermutlich heißen, dass Sie es durchaus vorzögen, jemand anderen zu kontaktieren, wenn Sie nur wüssten wen?“, fragte Malfoy süffisant.
„Ich zöge es tatsächlich vor, nicht allein auf Sie angewiesen zu sein“, gab Tamara offen zu, „was nicht bedeuten soll, dass ich mich nicht gerne mit Ihnen unterhalte, aber - Sie wissen schon – Konkurrenz belebt das Geschäft.“
„Mal abgesehen davon, dass Sie mit den anderen Leuten, die momentan mit Severus verkehren, sicher nicht wirklich zu tun haben wollen... Konkurrenz?“, fragte Malfoy spöttisch. „Was hätten Sie mir denn anzubieten...“, er unterbrach sich kurz, um den Ausblick auf die sanft schwingenden Brüste der Bedienung gebührend zu würdigen, als diese sich – den Kaffee servierend – direkt neben ihm leicht nach vorne beugte. „...was mich reizen könnte, mit jemandem darum zu konkurrieren?“
„Geld... eventuell Informationen...“, sagte Tamara leichthin.
Malfoy sprang nicht wie erwartet, auf den Köder an.„Auch Ihren Körper?“, fragte er stattdessen spöttisch.
Tamara schluckte, bevor sie ihn möglichst charmant anlächelte.
„Ich glaube nicht, dass Sie ein Mann sind, der es nötig hat, sich Frauen zu kaufen, Mister Malfoy.“
„Richtig! Das bedeutet aber nicht, dass es mir nicht Spaß macht, das trotzdem hin und wieder zu tun“, gab dieser zurück.
„Wollen Sie damit andeuten, dass Sie wirklich etwas derartiges von mir erwarten?“, fragte Tamara ungläubig.
„Schauen Sie, meine Liebe – Sie wollen etwas von mir und den Preis dafür setze nun mal ich fest“, erklärte Malfoy in nervenaufreibend geduldigem Ton. „Es reizt mich, Ihnen etwas abzuverlangen, was wirklich ein Opfer für Sie bedeuten würde – außerdem gäbe es mir Aufschluss darüber, wie wichtig Ihnen die Sache ist. Und wie Severus darauf reagieren würde, wenn ich ihm erzähle, dass ich mit Ihnen Sex hatte, wäre sicher interessanter, als die Informationen, die Sie mir anzubieten haben.“
„Sie sind verrückt!“, zischte Tamara.
„Das ist Auslegungssache“, meinte Malfoy gelassen. „Sicher nicht verrückter, als eine unbescholtene junge Frau, die auf Teufel komm raus einen bösen Todesser sucht.“
Tamara atmete tief durch, um sich zu beruhigen.
„Wie kommen Sie darauf, dass meine Informationen für Sie nicht von Belang sind?“, fragte sie so ruhig wie möglich.
„Was könnten Sie mir schon berichten?“, entgegnete Malfoy abfällig. „So eine Geschichte hat immer zwei Seiten, je nachdem, wer sie erzählt. Severus zum Beispiel beharrt darauf, dass er mit Ihnen lediglich eine Affäre hatte – nichts weiter...“ Er genoss sichtlich das schmerzliche Zusammenzucken in Tamaras Gesicht, bevor sie sich wieder unter Kontrolle bekam. „Seine Reaktion auf einen Fick zwischen uns beiden, würde diese Behauptung entweder bestätigen oder aber von Grund auf widerlegen. Und meinen Spaß hätte ich auch dabei – bei dem Fick meine ich – das wären zwei Fliegen mit einer Klappe, besser geht’s doch gar nicht.“
„Das sehe ich nicht so optimistisch“, sagte Tamara eisig, „und außerdem - die Informationen, die ich Ihnen anbot, bezogen sich nicht auf den Stand der Dinge zwischen Severus und mir.“
„Sondern?“ Malfoy zog spöttisch die Augenbrauen hoch.
„Ich könnte Ihnen Informationen über den Orden des Phönix bieten“, eröffnete ihm Tamara.
Malfoy wurde schlagartig ernst, wenn ihm auch der Unglaube deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
„Sie wollen mir tatsächlich erzählen, dass Sie etwas für mich Wertvolles über den Phönixorden wissen – und dass Sie dies verraten würden?“, raunte er, sich etwas näher über den Tisch zu ihr herüberbeugend. „Das nehme ich Ihnen nicht ab.“
„Sie kennen mich doch überhaupt nicht“, sagte Tamara.
„Ich besitze genügend Menschenkenntnis um auch jemanden beurteilen zu können, den ich nicht kenne. Sie mögen zwar forsch sein und auch ein kleines bisschen hinterlistig, wenn es darum geht, etwas zu erreichen, aber Sie sind auch gradlinig und halten an gewissen Grundsätzen fest. Dass Sie Ihren Ausbilder, den guten alten Sullivan, und seine Mitstreiter verraten, glaube ich Ihnen keinen Moment lang.“ Malfoy hatte sie während seines Vortrags genau beobachtet und registrierte nun erstaunt, dass sich ihre Miene verfinsterte und ihre Stirn sich unwillig runzelte, als er Sullivan erwähnte.
„Glauben Sie es, oder glauben Sie es nicht“, sagte Tamara kühl. „Wenn Sie meinen, mit Informationen über ihn und den Orden nichts anfangen zu können...“ Sie zuckte die Schultern.
„Was hat er Ihnen angetan, dass Sie ihn in die Pfanne hauen wollen?“, fragte Malfoy neugierig.
„Nichts!“, sagte Tamara sofort.
Der Blonde sah sie mit wachsendem Interesse an. „Blödsinn! Wenn Sie mich überzeugen wollen, werden Sie schon bei der Wahrheit bleiben müssen.“
Bingo! Er hatte angebissen! Tamara nahm sich sehr zusammen um sich ihre Genugtuung darüber nicht anmerken zu lassen.
„Sullivan ist nicht...“, begann sie zögernd und senkte dann den Kopf, als würde sie verzweifelt nach den richtigen Worten suchen. Malfoys Blick schien sie fast verschlingen zu wollen. „...er ist nicht das, was er vorgibt zu sein“, beendete sie leise ihren Satz und sah Malfoy von schräg unten an.
„Und? Was weiter?“, fragte Malfoy ungeduldig.
„Er tut nach außen hin immer so, als hätte er die Tugend und die Gerechtigkeit erfunden – vor allem bei seinen Freunden vom Orden“, platzte Tamara heraus und verzog angewidert das Gesicht, „dabei ist er nur ein selbstgerechter, egozentrischer, verbohrter alter Mann... und er hat keinerlei Skrupel, seine Macht als mein Lehrmeister einzusetzen, um mich zu... quälen.“ Wieder senkte sie den Kopf. „Es ist nicht so, dass ich mich an ihm rächen will, denn er handelt nur nach seiner ziemlich verkorksten Überzeugung, aber wenn ein Verrat an ihm der Preis ist, um Severus wiederzusehen, bin ich bereit, ihn zu zahlen.“
Malfoy ließ seinen Blick eine Zeit lang auf ihr ruhen.
„Geht der Alte Ihnen an die Wäsche?“, fragte er dann lauernd.
Tamara schluckte. Sie hatte ihn eigentlich nur überzeugen wollen, dass sie durchaus bereit war, ihrem Ausbilder zu schaden, weil er sie mies behandelte – so wie sie es zuvor mit David abgesprochen hatte - dass Malfoy Severus womöglich damit aufziehen würde, dass seine Ex-Schülerin nun von ihrem neuen Lehrer gepoppt wurde, lag durchaus nicht in ihrem Interesse.
„Nein!“, sagte sie mit einem – wie sie hoffte – glaubhaften Hauch von Empörung. Leider wurde sie auch rot dabei, woraufhin Malfoy sich unverzüglich in seiner Annahme bestätigt sah.
„Tz, tz – Sie sollen mich doch nicht anlügen, Schätzchen“, sagte er tadelnd und grinste anzüglich.
„Das tu' ich doch gar nicht“, erwiderte Tamara und blöderweise bekam ihr Teint dabei noch mehr Ähnlichkeit mit dem einer Indianerin.
„Das braucht Ihnen doch nicht peinlich sein“, raunte Malfoy und streckte seine Hand aus um mit der Außenseite der Finger sanft über ihre Wange zu streifen. „Obwohl... eigentlich steht Ihnen ein bisschen dekorative Scham und ein wenig ‚missbrauchtes-Mädchen-Image’ ganz gut“, fügte er spöttisch hinzu. „Arme kleine Tamara!“
Die Indianerin verwandelte sich in eine Tomate – eine wütende Tomate.
„Nehmen Sie Ihre Finger weg, Malfoy!“, knurrte sie.
Malfoy lachte, kam jedoch ihrer Aufforderung nach.
„Es würde mich wirklich interessieren, wie Ihr leicht explosives Temperament mit Severus’ gelegentlich doch recht cholerischen Anwandlungen harmoniert“, meinte er amüsiert.
„Sie können es aus erster Hand erfahren, wenn Sie ein Treffen zwischen ihm und mir arrangieren“, entgegnete Tamara spitz.
„Hm... vielleicht... mal sehen“, sagte Malfoy. „Zuerst will ich noch ein paar Informationen. Halten wir also fest – Sullivan geht Ihnen an die Wäsche. Erfolgreich?“
„Selbst wenn es so wäre, ginge es Sie gar nichts an“, fauchte Tamara.
„Also ja!“, sagte Malfoy überzeugt. „Und? Bringt er’s noch, der alte Sack?“
„Sie wollten wissen, warum ich, um Severus zu treffen, sogar bereit bin, meinem Lehrmeister zu schaden und diesen Grund habe ich Ihnen genannt“, sagte Tamara mühsam beherrscht. „Alles, was Sie sich sonst noch zusammenreimen, werde ich nicht mehr kommentieren. Die Informationen, die ich Ihnen anbot, bezogen sich auf Sullivans Arbeit für den Orden und nicht auf mein privates Verhältnis zu ihm.“
„Wie bedauerlich“, seufzte Malfoy. „Na, dann lassen Sie mal hören – was genau haben Sie anzubieten?“
„Ich könnte Sie über alle geplanten Aktionen des Ordens informieren, von denen ich etwas mitbekomme“, bot Tamara an.
„Sie sind selber kein Mitglied des Ordens?“, fragte Malfoy stirnrunzelnd.
„Nein, aber ich erfahre zumeist das, was mich interessiert.“ Tamara lehnte sich zurück und trank einen Schluck von ihrem nur noch lauwarmen gewordenen Kaffee.
„Tatsächlich? Prahlt ihr Herr und Meister etwa im Bett mit seiner Wichtigkeit im Kampf gegen das Böse?“, fragte Malfoy genüsslich boshaft. „Verhilft es ihm vielleicht zu mehr... Standhaftigkeit, wenn er das tut?“
Tamara starrte ihn vernichtend an.
„Nun gut – es geht mich schließlich nichts an, was Sie tun, oder mit sich tun lassen, um an Ihre Informationen zu kommen“, sagte Malfoy schulterzuckend und mit einem milden Lächeln. „Und was genau erwarten Sie nun von mir im Gegenzug für solche Informationen?“
Tamara schluckte ihren Ärger herunter. „Zuerst, dass Sie Severus davon unterrichten, dass ich ihn treffen will – gegebenenfalls auch, dass Sie ihn überzeugen, dass ich ihn treffen MUSS und dann, dass Sie als Bote zwischen uns fungieren, bis das Treffen organisiert ist.“
„Eine entzückende Idee! Ich sehe förmlich Severus’ strahlendes Lächeln vor mir, wenn ich ihm eröffne, dass ich den Kuppler spielen werde“, sagte Malfoy spöttisch.
„Sie scheinen davon auszugehen, dass er kein Interesse hat, mich wiederzusehen.“ Tamara straffte sich und sah ihn herausfordernd an. „Nur, weil er nicht zugegeben hat, dass er etwas für mich empfindet, als Sie ihm von meinem Besuch erzählten? Na und? Was beweist das schon?“
„Was macht Sie so sicher, dass er sich darauf einlassen wird?“, fragte Malfoy interessiert.
„Ich weiß es einfach“, sagte Tamara.
„Und wenn Ihr Gefühl Sie täuscht? Was, wenn er sich weigert, Sie zu treffen?“ Die eisblauen Augen des Mannes schienen tiefer in sie hineinzublicken, als ihr lieb war.
„Sagen Sie ihm einfach, ich werde niemals aufgeben“, entgegnete Tamara leise.
„Wie rührend!“, sagte Malfoy, grinste spöttisch und griff über den Tisch nach ihrer Hand.
Tamara versuchte, sich ihm zu entziehen, aber er hielt sie eisern fest.
„Verdammt - lassen Sie mich los!“, zischte sie.
„Wenn Sie mit mir zusammenarbeiten wollen, werden Sie sich bessere Manieren zulegen müssen“, erwiderte Malfoy tadelnd, „und sich ein wenig entgegenkommender zeigen.“ Er zog ihre Hand an seine Lippen.
„Hören Sie auf damit, Malfoy!“ Tamara wehrte sich vergebens gegen seinen unnachgiebigen Griff. „Sie tun mir weh!“
„Fügen Sie sich, dann hört es auf, weh zu tun“, belehrte sie Malfoy und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken, während er ihr die Finger zusammenquetschte.
Es war klar, dass dies nur ein kleines Machtspielchen war und doch war Tamara versucht, ihren Zauberstab zu ziehen und Malfoy für diese Demütigung einen üblen Fluch auf den Pelz zu brennen. Sie schluckte ihre Wut hinunter und gab nach.
Malfoy sah sie über ihre Hand hinweg lauernd an.
Ein paar Tische weiter stand ein älterer, leger gekleideter Herr, von dessen Gesicht durch den mächtigen Vollbart so gut wie nichts zu erkennen war, von seinem Tisch auf, ging eilig hinein in das Café und verschwand auf der Herrentoilette. Gleich darauf kam David Sullivan, ordentlich gekleidet und mit wehendem Umhang, eben dort heraus und kein Mensch hätte vermutet, dass es sich bei ihm um den selben Mann handelte, der vor wenigen Sekunden hineingegangen war.
Er verließ das Café durch den Hinterausgang, umrundete das Gebäude und betrat den dazugehörigen Bereich davor, von der Straße aus, als wäre er ein normaler Passant, der hier gerade vorbeikam.
Mit großen Schritten näherte er sich dem Tisch, an dem seine Schülerin mit Malfoy saß. Dieser hielt noch immer Tamaras Hand in der seinen, als wolle er testen, wie weit denn ihre Selbstbeherrschung und ihr guter Wille reichten. Als Sullivan an den Tisch trat ruckte der Kopf des Blonden herum, aber er ließ dennoch nicht los – im Gegenteil – sein Griff wurde wieder fester.
Auch Tamara sah erschrocken hoch zu Sullivan, der wie ein Racheengel auf sie hinabblickte.
„Nehmen Sie Ihre Finger von meiner Schülerin, Mister Malfoy!“, sagte Sullivan leise, aber scharf.
Malfoy sah aus, als würde er überlegen.
„David – was tust du hier?“, fragte Tamara bestürzt.
Sullivan beugte sich herab und stützte sich mit einer Hand auf der Tischplatte ab, während er ihr zornig ins Gesicht sah. „Die Frage ist doch wohl eher: Was tust DU hier?“ Sein Blick wanderte zurück zu ihrer Hand und weiter zu Malfoy, der diese noch immer hielt.
„Mister Sullivan! Wie schön, dass wir wieder einmal aufeinander treffen – nach so langer Zeit“, sagte Malfoy. Anstatt Tamara loszulassen, legte er auch noch seine zweite Hand auf ihre festgehaltene und tätschelte diese sanft.
„Das ist eine Frage des Standpunkts, Mister Malfoy“, entgegnete Sullivan kalt.
„Ihre Schülerin hat also vergessen, Sie darüber zu informieren, dass sie ein Date mit einem alten Bekannten ihres Vaters hat?“ Malfoy legte die Stirn in Falten. „Oder hat sie nur vergessen, Sie darüber zu informieren, dass ich dieser Bekannte bin, weil sie vielleicht befürchtete, Sie könnten es als... unpassend empfinden?“
„Lassen Sie sie los, Malfoy!“, knurrte Sullivan und legte die Hand an seinen Zauberstab, der sichtbar aus seiner Jackentasche herausragte.
„Nun machen Sie mal nicht so viel Wind, Sullivan“, sagte Malfoy. „Ich nehme sie Ihnen schon nicht weg, Ihre... Schülerin.“ Gleichzeitig gab er Tamara jedoch frei und hob theatralisch die Hände, um damit seine vermeintliche Harmlosigkeit demonstrieren.
„Wollen Sie sich nicht ein wenig zu uns setzen?“, fragte er den älteren Mann mit einer professionellen Sanftheit, die an den Ton einer Irrenhauskrankenschwester erinnerte.
„Sie gehören definitiv nicht zu den Leuten, mit denen ich mich an einen Tisch setzen möchte“, knurrte Sullivan.
„Sie sehen mich tief bestürzt, Mister Sullivan“, sagte Malfoy sarkastisch.
„Tamara – du kommst mit!“, sagte Sullivan.
„Aber ich...“ Der Blick, den ihr Ausbilder ihr zuwarf, ließ sie umgehend verstummen. Wenn sie nicht sämtlichen Aussichten auf seine Mithilfe in den Wind schießen wollte, blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als sich zu fügen.
Sie erhob sich und nickte Malfoy entschuldigend zu, der ihre Kapitulation scheinbar amüsiert beobachtete. Als sie nach ein paar Knuts kramte, um den Kaffee zu bezahlen, legten sich Sullivans Finger um ihren Oberarm.
„Sie bezahlen, Mister Malfoy“, sagte er und schob Tamara Richtung Ausgang.
„Selbstverständlich tue ich das“, entgegnete Malfoy und sah ihnen nach, „...schon seit einer ganzen Weile...“, fügte er leise hinzu, als der alte Mann und seine Schülerin schon außer Hörweite waren.
Sullivan ließ Tamara auch nicht los, als sie aus den Tischreihen des Cafés heraus auf die Straße traten. Noch ehe sie ein Wort sagen konnte, apparierte er sie beide nach Hause. Erst, als sie beide in seinem Wohnzimmer standen, gab er sie frei.
„Was sollte das denn, David?“, fragte Tamara gereizt. „Warum musstest du dich unbedingt einmischen?“
„Weil dieser Dreckskerl dich auf eine Weise angefasst hat, die mir nicht passt“, gab Sullivan barsch zurück.
Tamara verdrehte die Augen. „Okay – das war nicht gerade angenehm, aber noch lange kein Grund...“
„Ich hatte nun mal keine Lust zu warten, bis er seine Finger unter deinen Rock schiebt“, sagte Sullivan kalt. „Außerdem warst du dabei, dich immer weiter in die Scheiße hinein zu manövrieren, wenn ich das mal so salopp formulieren darf.“
„Woher weißt du, was...“ Tamara sah ihn überrascht an und plötzlich wurde ihr sein Verhalten um einiges klarer. „Verdammt, David – wie konntest du das alles mithören?“
„Ich hatte deine Gürtelschnalle ein wenig modifiziert“, sagte Sullivan.
„Du hast mich verwanzt?“, zischte Tamara empört. „Ohne mir etwas davon zu sagen? Das ist ja wohl das Letzte!“
„Ich hatte meine Gründe“, beschied ihr Sullivan ungerührt.
„Würdest du es eigentlich als total abartig empfinden, mir zu vertrauen?“, fauchte Tamara ihn an. „Du erwartest doch auch, dass ich dir vertraue. Ich dachte, wir wären ein Team, aber du hintergehst mich bei der ersten Gelegenheit. Vielen Dank für diese deutlich Demonstration deiner krankhaften Kontrollsucht – nun weiß ich wenigstens, woran ich bin.“
„Diese Maßnahme war nur zu deinem Schutz“, sagte Sullivan, der trotz ihres Ausbruchs erstaunlich ruhig blieb, „damit ich eingreifen kann, wenn dir die Situation über den Kopf wächst oder sonst wie eskaliert.“
„Die Situation ist weder eskaliert, noch ist sie mir über den Kopf gewachsen“, entgegnete Tamara zornig.
„Malfoy hat sich zuviel herausgenommen und du hattest dem nichts entgegenzusetzen – die Kontrolle über die Situation ist dir eindeutig entglitten.“ Sullivan sprach ernst und geduldig mit seiner Schülerin, wie er es im Unterricht zu tun pflegte, wenn er ihr etwas erklärte. Dieser sachliche Tonfall nahm Tamara etwas den Wind aus den Segeln.
„Schön – aber du hättest mich einweihen müssen, dass du mithörst“, sagte sie schon etwas ruhiger.
Sullivan winkte ab. „Du hättest dich durch dein Verhalten verraten. Malfoy ist ein Schweinehund, aber kein Idiot – er hätte deine Hemmungen beim Sprechen sofort bemerkt... und die hättest du mit Sicherheit gehabt, wenn du gewusst hättest, dass ich mithöre. Du hast dir ohnehin schon viel zu viel anmerken lassen. So ein Spiel spielt man mit verdeckten Karten, meine Liebe, aber mit deinem Pokerface ist es nicht weit her.“
„Du hast Recht...“, sagte Tamara zerknirscht. „Ich bin wirklich nicht sehr gut in so was und ich wollte auch gar nicht, dass Malfoy den Eindruck bekommt...“
„...dass ich dir an die Wäsche gehe und im Bett die Geheimnisse des Ordens ausplaudere, wenn du es geschickt genug anstellst?“, fragte Sullivan nach, als sie nicht weitersprach.
„Das war ein Unfall.“ Tamara zuckte die Schultern. „Es tut mir leid.“
„Halb so wild“, sagte Sullivan kühl, „wenn diese Information Snape in die Offensive treibt, soll es mir Recht sein.“
„Meinst du, dass Malfoy überhaupt mit ihm redet, nachdem du unser Gespräch so abrupt beendet hast?“, fragte Tamara. „Ich konnte gar nichts Genaues mehr mit ihm vereinbaren.“
„Er wird es ihm erzählen – darauf kannst du Gift nehmen“, sagte Sullivan grimmig. „Der Kerl ist ein Marionettenspieler – er wird mit Sicherheit keine Gelegenheit auslassen, bei jemand anderem die Fäden zu ziehen... und ich schätze, er ist zu dem Eindruck gelangt, dass du eine sehr willige Puppe abgibst. Wir werden nun einfach abwarten, was passiert.“
„Ich hasse warten“, sagte Tamara dumpf.
„Ach? Das ist ja ganz was Neues“, mokierte sich Sullivan. „Ich werde dir die Wartezeit ein wenig Verkürzen – mach dich bereit zum Unterricht.“
„Jetzt?“, fragte Tamara naserümpfend.
„Warum nicht? Hast du etwas anderes vor? Mir ein paar Geheimnisse entlocken vielleicht?“ Sullivan sah mit unergründlicher Miene auf sie herab.
„Äh... nein“, nuschelte Tamara.
„Also dann – jetzt!“
„Sie hat was...?“
Malfoy war überrascht, dass die Stimme des Tränkemeisters so leise blieb, als er dies fragte – ziemlich fassungslos, aber leise – denn eigentlich hatte er erwartet, dass sein Freund wütend und dementsprechend laut werden würde, als er ihm von Tamara Ogareffs Angebot erzählte. „Du hast mich schon richtig verstanden. Sie hat mir Informationen über den Orden angeboten, wenn ich dafür ein Treffen zwischen dir und ihr arrangiere.“
„Und wie hat sie auf deine sofortige und äußerst entschlossene Ablehnung dieses Vorschlags reagiert?“, fragte Snape mit bedrohlichem Unterton.
„Ich habe nicht abgelehnt“, sagte Malfoy.
„LUCIUS!“
Na also – jetzt wurde er doch laut!
„Was denn?“ Malfoy drehte mit angewinkelten Armen die Handflächen nach außen. Diese ‚Ich-hab-doch-gar-nichts-getan’-Geste schien Snape allerdings nicht unbedingt zu besänftigen. „Immerhin habe ich auch nicht zugestimmt. Ich dachte mir, es könne nicht schaden, zuerst mit dir zu sprechen“, fügte der Blonde hinzu, während er von dem Blick aus den dunklen Augen seines Gegenübers durchbohrt wurde.
„Habe ich dir nicht bereits in aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, dass du sie wegschicken sollst, wenn sie noch einmal bei dir auftaucht, und ihr sagen, dass sie aufhören soll, nach mir zu suchen?“, fragte Snape eisig.
„Doch“, sagte Malfoy ironisch, „aber das hab ich einfach nicht übers Herz gebracht.“
„Ich warne dich, Lucius“, knurrte Snape.
„Sie setzt immerhin Himmel und Hölle in Bewegung, nur um dich wiederzusehen... beeindruckt dich das denn gar nicht?“, fragte Malfoy.
„Doch - ungemein!“, entgegnete Snape sarkastisch.
Schweigend gingen sie ein paar Schritte nebeneinander her. Malfoy war kurz zuvor in Snapes Labor gekommen und hatte diesen gefragt, ob er Lust hätte, sich zusammen mit ihm die Füße zu vertreten. Der Tränkemeister, dem klar zu sein schien, dass dies die Aufforderung zu einem Gespräch unter vier Augen war, das im Inneren des Gebäudes nicht gefahrlos stattfinden konnte, hatte zugestimmt, ohne nach dem Grund zu fragen.
„Sie ist sogar bereit, ihren Ausbilder zu verraten, um ein Date mit dir zu bekommen - hättest du das gedacht?“, fragte Malfoy, nachdem Snape sich weiter in Schweigen hüllte.
„Hast DU schon einmal daran gedacht, dass das Ganze vielleicht nur ein Bluff ist?“, fragte Snape barsch.
„Ja – zuerst schon“, entgegnete Malfoy, „ihr Angebot kam mir anfangs etwas aufgesetzt vor. Ich vermutete, dass sie entweder wertlose, oder erfundene Informationen liefern würde – beziehungsweise ganz speziell präparierte, falls der Orden bereits die Finger mit im Spiel hat und sie nur den Köder spielt – aber als ich Sullivan erwähnte, hat sie komisch reagiert und das machte mich stutzig, deshalb habe ich nachgehakt...“
Malfoy beschloss diese Nachricht erst einmal wirken zu lassen und seinem Freund genügend Raum für die eigene Fantasie zu geben, ehe er weitersprach.
„Red’ schon weiter!“, fauchte Snape, der diese Art von Rücksichtnahme offensichtlich gar nicht so sehr begrüßte.
„Sie scheint Probleme mit ihm zu haben“, sagte Malfoy.
„Geht es vielleicht noch ein bisschen vager?“, fragte Snape gereizt.
„Sie beschreibt ihn als selbstgerecht, egozentrisch und verbohrt und behauptet, er würde seine Position ausnützen, um sie zu quälen“, sagte Malfoy.
„Dasselbe hätte sie in dem Sommer, als ich sie unterrichtet habe, auch von mir behaupten können“, warf Snape skeptisch ein. „Diese Ausbildung ist eben kein Zuckerschlecken. Sullivan ist bekannt dafür, dass er nicht gerade zimperlich mit seinen Schülern umgeht und Tamara hat grundsätzlich Schwierigkeiten, autoritäres Verhalten zu akzeptieren. Dass sie ihn deswegen ohne Skrupel ans Messer liefert, halte ich allerdings für unwahrscheinlich.“
„Es sieht so aus, als würde der alte Herr seine Lektionen nicht nur auf die Ausbildung beschränken“, sagte Malfoy und zog vielsagend die Augenbrauen hoch.
„Was soll das heißen?“, fragte Snape mit unbewegter Miene.
„Kannst du dir das nicht denken?“ Malfoy fand es einfach zu verlockend, den Meister der Selbstbeherrschung noch ein wenig auf die Folter zu spannen.
„Falls du dich noch weiter in Andeutungen ergehen möchtest, verschwinde ich“, sagte Snape daraufhin - wieder sehr leise, aber Malfoy meinte fast das Eis dabei klirren zu hören, „und du kannst dich mit dem Baum da drüben weiter unterhalten. Wenn du aber ein Interesse daran hast, dass ich dir weiter zuhöre, ist nun der geeignete Moment, mit dem, was du mir zu sagen hast, herausrücken.“
„Okay, Severus! Ich wollte dir das ja nur schonend beibringen – aber wenn du meinst...“ Malfoy zuckte die Schultern. „Sullivan treibt es mit deiner Tamara.“ Er beobachtete seinen Freund genau, um kein einziges verräterisches Zucken in dessen starren Gesichtszügen zu verpassen.
Seine Miene blieb völlig unbewegt - Malfoy, der ihn gut genug kannte, sah jedoch in Snapes Augen, dass diese Nachricht ihn sehr wohl emotional getroffen hatte.
„Das hat sie dir erzählt?“, fragte er schließlich tonlos.
„Nein, nicht direkt – auf meine Frage hin stritt sie es natürlich erst einmal empört ab, aber sie hat sich durch ihre Körpersprache verraten“, erklärte Malfoy. „Außerdem ist sie sehr dekorativ errötet, als ich sie mit meiner Vermutung konfrontierte. Und das ist noch nicht alles...“ Er machte eine Pause und sah Snape an, als warte er auf eine Erlaubnis, dieses unangenehme Thema weiter auszuführen.
„Was noch?“, fragte Snape und bedachte ihn mit einem bösen Blick.
„Ich habe die reizende Miss Ogareff etwas...“, Malfoy behielt den Freund genau im Visier um notfalls ausweichen zu können, „grob angefasst, um ihr ein wenig Angst einzujagen...“ Er wurde durch ein gefährliches Glitzern in den Augen seines Gesprächspartners belohnt. „...genauer gesagt, ihre Hand, und just in diesem Moment kam Sullivan an den Tisch und hat seine Schülerin vor mir gerettet.“
„Er hat euch beobachtet? Also doch ein Bluff“, folgerte Snape sofort.
„Ich weiß nicht... Sie schien wirklich überrascht zu sein, ihn zu sehen und er...“ Malfoy tat, als müsse er überlegen, ob er seinem Freund die nächste Information wirklich geben sollte.
„Hör auf mit dem Getue, sonst dreh ich dir den Kragen um, Lucius“, knurrte der.
„Sullivan war eindeutig eifersüchtig“, fuhr Malfoy bereitwillig fort. „Er hat sich natürlich als Beschützer seine Schülerin aufgespielt, aber das wirkte nicht so ganz echt. Aber was mich noch mehr verwundert hat – die Kleine kuscht vor ihm. Sie hat sofort klein beigegeben und sich kein bisschen gewehrt, als er sie am Arm gepackt und weggezerrt hat. Ich glaube, sie hat Angst vor ihm – gut vorstellbar, dass sie sich in... anderen Situationen auch nicht zur Wehr setzt.“
Snape starrte den Blonden noch ein paar Sekunden an, dann senkte er den Blick. Es passierte nicht wirklich etwas, außer dass er sich für einen Moment straffte und seine Atmung sich leicht beschleunigte, aber Malfoy kam es vor, als könne er den Zorn seines Freundes fast greifen, so deutlich war dieser zu spüren.
Kurz darauf – als Snape ihn wieder ansah - war davon allerdings nichts mehr zu erkennen. Er wirkte ruhig und auch seine Stimme verriet nichts von dem Sturm, der eben noch in ihm gewütet haben musste. „Und nun? Was schwebt dir vor? Du denkst doch wohl nicht wirklich, dass ich mich mit ihr treffen werde?“
„Das ist natürlich deine Entscheidung, aber so abwegig fände ich es eigentlich nicht“, sagte Malfoy.
„Vielleicht sollte ich lieber Sullivan treffen und ihr ‚Problem’ auf diese Weise lösen“, murmelte Snape finster.
„Hm...“, machte Malfoy nachdenklich. „Ich denke, dieses Problem zu lösen, ist nicht ihr primäres Ziel – Sullivan ans Messer zu liefern wäre nur Mittel zum Zweck. Sie lässt dir übrigens ausrichten, dass sie nicht aufgeben wird. Vielleicht wäre es besser, du sprichst mit ihr, bevor sie noch gefährlichere Wege wählt, um dich zu finden – und damit meine ich nicht nur für sie, sondern auch für dich gefährlichere.“
Snape sah Malfoy skeptisch an.
„Stell dir doch nur mal vor, sie würde einen anderen Todesser kontaktieren“, sagte Malfoy.
„Du meist wirklich, das wäre gefährlicher, als wenn sie dich trifft?“, fragte Snape grob.
Malfoy warf ihm einen beleidigten Blick zu.
„Hast du irgendeinen Grund, mir zu misstrauen?“, fragte er spitz.
„Nenn du mir einen, warum ich es nicht tun sollte“, gab Snape zurück.
„Ich bin dein Freund!“, sagte Malfoy ernst.
„Das ist zwar ein Argument, aber nicht unbedingt ein ausreichendes“, entgegnete Snape kühl.
„Du vertraust niemandem, nicht war?“, fragte Malfoy.
„Nein! Und ich denke, das ist einer der Gründe, warum ich noch am Leben bin“, sagte Snape.
„Ich werde über dein Verhältnis zu dieser Frau Stillschweigen bewahren“, versicherte Malfoy. „Du hast mein Wort.“
„Darüber gibt’s auch nichts zu erzählen“, brummte Snape missmutig.
Malfoy war einen Moment lang versucht, diesen Satz zu widerlegen, da er jedoch wusste, dass der Tränkemeister mit Sicherheit noch weniger preisgab, wenn man ihn bedrängte, entschloss er sich dagegen. „Nun - dann werde ich eben über das schweigen, was es angeblich nicht zu erzählen gibt“, sagte er stattdessen ironisch.
Snape antwortete nonverbal - mit einem strafenden Blick.
„Was darf ich der Dame denn nun ausrichten?“, fragte Malfoy. „Soll ich ihr wirklich sagen, dass du sie nicht sehen willst?“
„Ich werde darüber nachdenken“, entgegnete Snape und sein Ton machte klar, dass das Thema für ihn damit vorerst beendet war.
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Er drehte sich herum – circa zum hundertsten Mal in dieser Nacht, zumindest kam es ihm so vor. Doch auch in dieser Position ließ sich der Schlaf nicht dazu verlocken, über ihn zu kommen. Es half nichts – er würde wohl erst ein paar Antworten auf die Fragen finden müssen, die ihn seit dem Gespräch mit Lucius beschäftigten und nun nicht zur Ruhe kommen ließen.
Seufzend richtet Snape sich auf und setzte sich auf die Bettkante. Er strich sich mit gespreizten Fingern durch das Haar, von den Schläfen und der Stirn bis hinunter in den Nacken, als wolle auf diese Weise seine Gedanken zwingen, sich in ähnlich geordnete Bahnen zu begeben, wie die Linien, die seine Fingerspitzen auf der Kopfhaut zeichneten.
Die Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens einsehend, stand er auf und traf Vorbereitungen, seine unruhige geistige Befindlichkeit in einem Glas Cognac aufzulösen - eine Methode, die zwar genauso wenig Erfolg versprach, aber dennoch die Nerven ein wenig beruhigen würde.
Tamara... er hatte nur wenige Erinnerungen an sie, aber er war sicher, dass da noch mehr hätte sein müssen. Er vermutete, dass die fehlenden Puzzleteile, die das Bild des Sommers, den er mit ihr verbracht hatte, komplettieren würden, sich in einem Denkarium befanden, dessen Aufbewahrungsort er sicher herausfinden konnte, wenn er nur tief genug in seinem Bewusstsein kramte. Er machte jedoch nicht einmal den Versuch, dies zu tun, denn der Grund, diese Erinnerungen los zu werden, war offensichtlich – sie wären eine Waffe in Voldemorts Hand, wenn dieser sie bei einem seiner spontanen Ausflüge in seinen Kopf vorfinden würde. Im jetzigen Zustand würde der Lord – und das auch nur, wenn er explizit nach Erinnerungen suchte, die Tamara betrafen – lediglich einige Bilder von Unterrichtsstunden finden, bei denen er als Lehrer seine erwachsene Nachhilfeschülerin nicht anders behandelte, als ansonsten die Horden von Jugendlichen... und ein paar weitere Situationen, in denen er mit ihr schlief. Es war keine Spur von Zärtlichkeit in diesen Erinnerungen zu finden – nur heftiger, hemmungsloser Sex. Diese einzelnen Bilder würden den Eindruck vermitteln, dass er in jenem Sommer eben den Umstand ausgenützt hatte, mit einer schönen jungen Frau alleine im Schloss zu sein und sich genommen hatte, wonach ihm der Sinn stand.
Dass der Fall ganz anders lag, spürte er deutlich, auch wenn er es nicht logisch nachvollziehen konnte. Seine Gefühle für Tamara waren wesentlich intensiver, als diese wenigen Erinnerungsfragmente es belegten – allein der brennende Wunsch, Sullivan noch einmal in die Finger zu bekommen, als Lucius ihm von seinem Verdacht erzählt hatte, sprach Bände.
Was würde passieren, wenn er sich tatsächlich mit ihr traf?
Ganz abgesehen von der Gefahr, dass Voldemort von der Sache Wind bekam, oder auch der Orden – der Gedanke, ihr mit diesem bruchstückhaften Wissen über die Vergangenheit gegenübertreten zu müssen, war ihm nicht geheuer. Die fehlenden Erinnerungen wiederzubeschaffen, kam jedoch in seiner derzeitigen Situation von vornherein nicht in Frage.
Und wenn er sich weigerte, sie zu sehen? Traf es zu, dass sie sich dadurch nur noch in größere Gefahr begeben würde und, wenn ja, würde es ihm viel ausmachen, wenn dies tatsächlich passieren würde? Er stellte sich einen Moment lang vor, wie die langen, knochigen Finger des dunklen Lords spinnengleich über Tamaras feingemeißeltes Gesicht strichen - die hohen Wangenknochen und die vollen, sinnlichen Lippen berührten. Die Übelkeit und der ohnmächtige Zorn, die ihn dabei in einer heftigen Welle überfielen, ließen ihn erschrocken aufkeuchen. Das, was ihn mit dieser Frau verband, schien noch weit tiefer zu reichen, als er angenommen hatte. War es wirklich möglich jemanden zu lieben, an den man sich kaum erinnern konnte? Die Antwort darauf stand ihm überdeutlich vor Augen, auch wenn er sich schwer tat, sie zu akzeptieren. Es machte ihn verrückt, auf den größten Teil seiner Erinnerungen verzichten und sich allein auf sein Gefühl verlassen zu müssen.
Als er den Cognac ausgetrunken hatte, legte er sich wieder auf das Bett und starrte an die Decke.
Hatte er wirklich eine Wahl in dieser Angelegenheit? Wenn er nicht riskieren wollte, dass die Sache weiter eskalierte, war es primär wichtig, Tamara zu überzeugen, dass sie aufhören musste, sich auf gefährliches Terrain zu begeben. Eventuell würde er auch Sullivan die Eier abreißen müssen – ob das notwendig war, würde er noch recherchieren.
Und schon war Snape mitten in der Planung, wie er es anstellen konnte, Tamara zu treffen und dabei möglichst wenig Risiko einzugehen. Als schließlich nach einigem Hin und Her ein einigermaßen zufriedenstellender Plan in seinem Kopf Gestalt angenommen hatte, kam sein Geist endlich so weit zur Ruhe, dass er schläfrig wurde.
Kurz bevor er völlig hinüberdämmern konnte, wurde er jedoch durch ein energisches Klopfen an der Tür jäh aus diesem wohligen Zustand gerissen. Mit einem ärgerlichen Schnauben setzte Snape sich auf, schwang sich aus dem Bett, schlüpfte rasch in seine Hose und machte sich auf den Weg, dem Störenfried zu öffnen.
Voldemort konnte es nicht sein, der da nach seinen Diensten verlangte - denn dieser ließ ihn nicht durch andere holen, sondern rief ihn ohne Rücksicht auf die Tageszeit über das Mal zu sich – und wer immer da vor der Tür stehen mochte, es war der Person anzuraten, einen triftigen Grund für den nächtlichen Überfall zu haben, um nicht mit einer sehr üblen Reaktion seinerseits rechen zu müssen.
Er riss die Tür – den Zauberstab breithaltend - schwungvoll auf und glaubte einen Moment lang, seinen Augen nicht trauen zu können, denn vor ihm stand Bellatrix Lestrange, in eindeutig undezent verführerischem Outfit, und sah ihn an, als wolle sie ihn auf der Stelle mit Haut und Haar verspeisen. In ihrer Hand hielt sie eine Flasche Feuerwhisky, von dem sie – ihrem glasigen Blick und der leicht schwankenden Körperhaltung nach – schon das meiste ausgetrunken zu haben schien.
„Findet ein Maskenball statt, von dem ich nichts weiß?“, fragte Snape spöttisch, während sein Blick über die enge schwarze Samtkorsage ihres ansonsten ziemlich durchsichtigen Kleides glitt, die mehr von ihrem Busen preisgab, als sie verdeckte. „Lass mich raten... du gehst als Nutte?“
„Knapp daneben, Severus“, sagte Bellatrix, die ihm den rüden Text nicht mal ansatzweise übel zu nehmen schien, mit schwerer, schleppender Stimme, „du musst nämlich nicht zahlen.“ Nachdenklich legte sie die Stirn in Falten und lehnte sich in aufreizender Pose gegen den Türrahmen, sodass es Snape unmöglich war, die Türe zu schließen, ohne die Frau vorher zu entfernen. „Ja was bin ich dann eigentlich?“, sinnierte diese. „Eine Nymphomanin? Nein, denn in diesem Fall würde ich nicht zwingend mit dir ficken wollen, sondern mit irgendjemandem.“
„Ich hoffe, du erwartest jetzt nicht, dass ich mich geehrt fühle, weil deine Ambitionen sich explizit auf mich beschränken“, seufzte Snape.
„Mir ist scheißegal, ob du dich geehrt fühlst, Schätzchen“, sagte Bellatrix und starrte herausfordernd auf seinen Schritt um dann den Blick über seinen nackten Oberkörper nach oben wandern zu lassen. „Ich will dich nicht ehren, sondern mit dir vögeln.“
„Nett von dir – aber nein, danke“, entgegnete Snape trocken.
„Na komm schon, Snape – zier dich nicht so“, zischte Bellatrix und griff nach seinem Arm.
Es blieb keine Zeit, sie mit dem Zauberstab abzuwehren, was ihm erspart hätte, sie anfassen zu müssen. Seine Hand schnellte vor und er packte Bellatrix Handgelenk, kurz bevor sie ihn berühren konnte. Die Whiskyflasche fiel zu Boden ohne dabei zu zerbrechen und rollte quer über den Flur als Bellatrix versuchte, mit der anderen Hand an Snape heranzukommen – genauer gesagt, ihm zwischen die Beine zu greifen - aber auch diese stoppte er, bevor sie ihr Ziel erreichte.
Bellatrix lachte und wehrte sich gegen seinen Griff, woraufhin sich seine Finger wie Schraubstöcke um ihre schmalen Gelenke legten. Um seine Position noch zu untermauern, bog er ihre vor die Brust gezogenen Hände nach hinten und zwang sie damit, ein wenig in die Knie zu gehen. Da diese Körperhaltung jedoch wohl zu anstrengend war und noch dazu ziemlich lächerlich wirkte, ließ sie sich gleich ganz auf die Knie herabsinken.
Mit flackerndem Blick sah sie zu ihm auf. „Ja – tu mir weh!“, keuchte sie. „Ich steh auf Kerle, die mich beim Ficken grob behandeln.“
„Wer hätte das gedacht?“, bemerkte Snape sarkastisch.
„Du kannst mit mir machen, was du willst, Giftmischer“, raunte Bellatrix. „solange du mich nur richtig hart rannimmst!“
„Darauf wirst du verzichten müssen“, entgegnete Snape. „Aber ein paar Ohrfeigen könnte ich dir anbieten.“
Bellatrix bäumte sich auf und wehrte sich nun wieder vehement, gegen seinen Griff. „Bist du nicht genug Mann, um mich zu ficken, du elender Versager?“, kreischte sie. „Was hast du da in deiner Hose? Einen Schwanz oder nur ein hängendes Häufchen Elend?“ Sie hatte sich mittlerweile wieder auf die Füße gekämpft und versuchte nun, nach ihm zu treten.
Snape ließ eine ihrer Hände los, holte aus und versetzte ihr eine schallende Ohrfeige. Dieser Schlag bremste zwar ihr Geifern, aber anders als erwartet, scheinbar nicht ihre Ambitionen, mit ihm Sex haben zu wollen. Sie ließ sich wieder auf die Knie fallen und klammerte sich, ehe er es verhindern konnte, mit dem freien Arm an seinem Bein fest.
„Du kannst mich auch schlagen – das macht mir nichts aus – im Gegenteil, es macht mich noch geiler“, keuchte sie, die Wange gegen seinen Oberschenkel gepresst. Im nächsten Moment biss sie ihn dort hinein, was der Stoff der Hose glücklicherweise weitgehend dämpfte.
Er packte sie an den Haaren und riss ihren Kopf grob nach hinten. Bellatrix lachte schrill, obwohl sie eigentlich vor Schmerz hätte schreien müssen. Dieses Weib war wirklich hart im Nehmen. Einen kurzen Augenblick lang war er in Versuchung, sie tatsächlich durchzuvögeln – ohne jede Rücksicht und so lange, bis er sie auf diese Weise zum Schreien brachte – doch der Moment ging vorüber und die Vernunft erlangte wieder die Oberhand.
„Nimm mich, Severus“, stieß sie hervor, als er ihre Haare wieder losließ - mit einem flehenden Ton in der Stimme, der fast dazu geeignet gewesen wäre, einen Hauch von Mitleid aufkeimen zu lassen, wäre da nicht der irre, flackernde Blick in ihren Augen gewesen.
„Nein!“, sagte Snape schneidend. „Und nun verschwinde!“
„Bitte...“, flüsterte Bellatrix.
Das durfte doch nicht wahr sein. Noch nie hatte er dieses Wort über ihre Lippen kommen hören.
„Nein!“ Snapes Stimme klang ein wenig ruhiger, aber ungemindert entschlossen. „Wenn ich auf völlig durchgeknallte Weiber stehen würde, wäre das ein tolles Angebot, Bellatrix – aber das ist nicht der Fall, also mach dich nicht weiter zum Narren. Geh endlich!“
„Bitte Severus... du machst mich so scharf...“, winselte Bellatrix und krallte ihre Finger in seinen Arm.
„Ich will dich nicht!“, knurrte Snape.
Kurzentschlossen stieß er sie von sich weg, trat zurück und zog die Türe schwungvoll zu.
„DU BESCHISSENER WICHSER!“, brüllte Bellatrix. Dumpfe Schläge knallten gegen das Holz. „DU IMPOTENTES WEICHEI! DU DRECKIGER BAS...“
Der Schallschutzzauber, den Snape gerade über den Eingang gelegt hatte, verschonte ihn davor, sich ihre Beschimpfungen weiter anhören zu müssen – nur noch das wiederholte Erzittern der Türe gab ihm Aufschluss darüber, dass Bellatrix noch immer tobte.
Kopfschüttelnd kehrte er zu seinem Bett zurück und ließ sich mit einem Seufzer darauf nieder. Nach dem Auftritt der Verrückten war er nun wieder hellwach und seine Müdigkeit hatte einer wachsenden Gereiztheit Platz gemacht.
Nicht genug, dass er sich gedanklich mit einer Frau, für die er mehr empfand, als ihm lieb war, herumschlagen musste, weil diese sich in den Kopf gesetzt hatte, ihn unbedingt treffen zu müssen – nein – es klopfte zu allem Überfluss auch noch der wandelnde Wahnsinn in Form von Bellatrix Lestrange an seine Tür, um ihn zu verführen. Das war eindeutig zu viel – zum Teufel mit den Weibern.
Mit einer wütenden Handbewegung warf er die Decke über sich - allerdings zu schwungvoll, was sie auf der anderen Seite des Bettes auf den Fußboden herunterrutschen ließ - und holte sie dann leise vor sich hinfluchend von dort wieder herauf, um das gleiche noch einmal etwas gemäßigter zu tun.