Der Ferienjob 2 - Liebe deine Feinde

von Chrissi C.

Über euer Feedback freut sich Chrissi



Hallo liebe Leser,

hier kommt sie also - wie schon länger angekündigt - die Fortsetzung von „Der Ferienjob“. Man sollte den Vorgänger gelesen haben, bevor man sich an „Liebe deine Feinde“ macht, da die Umstände, die sich aus der ersten Story ergeben und in der Fortsetzung eine Rolle spielen, hier nicht noch einmal ausführlich erklärt und auch die von mir erfundenen Personen nicht erneut „vorgestellt“ werden. Snape hat zwar eindeutig die Hauptrolle, aber zu Anfang der Story macht er sich noch rar. ;) So handelt zum Beispiel das erste Kapitel auch hauptsächlich von zwei OC’s.

Die HP-Bücher habe ich bis einschließlich Band 6 berücksichtigt – von der Handlung aus Band 7 werde ich allerdings deutlich abweichen. ;)

Die Rechte an allen bekannten Personen, Orten und Zaubersprüchen usw. gehören natürlich wie immer J. K. Rowling. Der Rest ist von mir – ich schreibe nur zum Vergnügen und ziehe keinerlei finanziellen Vorteil hieraus.

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Prolog

Die ersten Tage, nachdem sich Severus Snape von einem Tag auf den anderen von ihr getrennt und ihr jeden weiteren Kontakt aus Sicherheitsgründen strengstens untersagt hatte, konnte Tamara Ogareff sich nicht vorstellen, dass sie je wieder lachen würde oder auch nur ansatzweise glücklich sein könnte, solange sie nicht wieder mit ihm vereint war.

Sie meinte, der Schmerz, den sie so scharf und so tief in sich spürte, dass er sie alles andere vergessen ließ, würde niemals enden und sie schließlich langsam Stück für Stück auffressen. Aber die Zeit arbeitete nicht gegen, sondern für sie und klebte immer wieder neue Pflaster auf ihre verwundete Seele, bis ihr Kummer zwar immer noch ein ständiger Begleiter war, aber ihr nicht mehr die Luft zum Atmen abschnürte. Der Gedanke an Severus war immer noch präsent und tat auch noch sehr weh, aber er blockierte nicht mehr ununterbrochen ihr Denken und hinderte sie nicht daran, weiterzumachen und ihr Leben langsam wieder mit Sinn zu füllen.

David Sullivan, ihr Ausbilder, war ihr eine große Hilfe in dieser schweren Zeit. Er schien ein untrügliches Gefühl dafür zu haben, wann sie jemanden zum Reden brauchte und wann man sie besser in Ruhe ließ. Allerdings hatte er auch ein sehr gutes Gespür dafür, wann es nötig war, ihr in den Hintern zu treten, damit sie in die Gänge kam und er ließ nicht zu, dass sie sich im Selbstmitleid oder auch im Alkohol ertränkte.

Die ganze Woche verbrachte sie bei ihm, kam frühmorgens – was ihr ein großes Maß an Disziplin abverlangte – und ging am späten Abend, meistens völlig erschöpft nach Hause um nach kurzer Zeit wie ein Stein ins Bett zu fallen. In der ersten Zeit hatte sie nachts oft Albträume, in denen sie Snape sterben sah, ohne ihm helfen zu können, und aus denen sie schreiend, schweißgebadet und mit wild klopfendem Herzen hochschreckte, aber auch das ließ mit der Zeit nach und mittlerweile schlief sie fast immer durch, bis sie am Morgen wieder aus den Federn musste.

Das wirklich gefährliche an ihrem Leben waren die Wochenenden, an denen sie plötzlich Zeit zum Nachdenken hatte, aber auch da hatte Sullivan einen siebten Sinn entwickelt – seine Eule ob sie nicht zum Essen kommen wolle, oder mit ihm das ein oder andere unternehmen, kamen oft kurz bevor sie in ihrer Verzweiflung zu versinken drohte. Nach den ersten paar Monaten wurde sie stabiler und längeres Alleinsein stürzte sie nicht mehr unweigerlich in eine Krise. Auch das schien ihr Ausbilder zu erkennen, denn je stärker sie wurde, desto mehr zog er sich zurück und überließ sie sich selbst und ihren Gedanken.

Ihren Urlaub verbrachte sie zum großen Teil bei ihrer Familie in Russland.

Sascha, ihr Bruder, und dessen Leibwächter - und zugleich Tamaras Ex-Ehemann - Nikolai besuchten sie im Gegenzug regelmäßig in den Schulferien. Sullivan hatte die beiden und auch Tamara eingeladen, während dieser Zeit in seinem Haus zu wohnen, weil Tamaras Wohnung eindeutig zu klein war, um für längere Zeit zwei Gäste zu beherbergen – vor allem zwei Gäste, die von zu Hause aus an sehr viel Platz gewohnt waren.

Die Wochen, die sie auf diese Art zu viert verbrachten, verliefen immer sehr vergnüglich. Sascha verstand sich hervorragend mit Sullivan, obwohl dieser sich von ihm nicht um den Finger wickeln ließ und auch Nikolais anfängliche Skepsis, die wohl noch seiner turbulenten Begegnung mit Snape zu verdanken war, wich nach einer Weile einer nicht zu übersehenden Sympathie für seinem Gastgeber.

Auch Tamara kam gut mit Nikolai zurecht – nachdem sie ihm klargemacht hatte, dass zwischen ihnen absolut keine Beziehung mehr möglich war, die über eine Freundschaft hinaus ging und dass Snape ein Thema war, über das sie nicht mit ihm sprechen würde.

Es waren mittlerweile fast schon zwei Jahre vergangen, seit sie ihre Auroren-Ausbildung begonnen hatte und damit etwa zwei Drittel ihrer Lehrzeit vorbei. Während dieser ganzen Zeit, hatte sie keine Nachricht von Snape erhalten – sie wusste nur von Albus Dumbledore und Minerva McGonagall, mit denen sie von Zeit zu Zeit Briefe austauschte, dass er wohlauf war - sowie von Sullivan, der nach langem Zögern Dumbledores Aufforderung nachgekommen war, dem Orden des Phönix beizutreten, und bei den Ordenstreffen auch hin und wieder dem Tränkemeister begegnete.

Tamara quetschte ihren Ausbilder nach jedem diese Treffen aus wie eine Zitrone. Sie wurde nicht müde zu fragen, welchen Eindruck Severus gemacht hätte, und sich wiederholt ungläubig zu versichern, ob er wirklich nicht nach ihr gefragt hätte.

Es traf sie hart, dass Snape sich nicht ein einziges Mal nach ihr erkundigte, obwohl er doch wusste, dass sie ihre Ausbildung bei Sullivan machte. Scheinbar hatte er mit diesem Kapitel wirklich abgeschlossen oder sie so weit aus seinen Gedanken verbannt, dass er sämtliche Erinnerung an sie genauso gut komplett in diesem Denkarium hätte ablegen können.

Sullivan gab ihr jedes mal, wenn sie wieder vergeblich danach fragte, zu verstehen, dass Snape unbedingt einen kühlen Kopf bewahren musste, weil er sonst als Spion nicht überleben konnte, aber das tröstete Tamara nur unwesentlich.

An manchen Tagen kam es ihr total abstrakt vor, dass sie und Severus getrennt waren, obwohl doch die Welt um sie herum in völlig normalen Bahnen verlaufen zu schien und die Bedrohung durch Voldemort nur wie ein dunkler Nebel am Rande ihres Bewusstseins existierte. Dann gab es Tage, an denen Sullivan wieder mit Insiderinformationen nachhause kam, die er über einen seiner vielen nützlichen Kontakte erhalten hatte, und die sich absolut nicht normal anhörten. Der dunkle Lord gewann an Macht – soviel hatte er ihr klar zu verstehen gegeben.

Tamara nahm diese Dinge zwar ernst, aber ihr unerschütterlicher Optimismus – und nicht zuletzt ihre Angewohnheit, den Kopf auch mal in den Sand zu stecken, wenn ihr das, was über dem Sand lag nicht gefiel – schafften es jedoch, sie aufrecht zu halten und fest daran glauben zu lassen, dass der Albtraum in Kürze vorbei wäre und sie und Severus bald wieder vereint sein würden.

An dieser Linie hielt sie fest – bis zu dem Tag, der sie erneut aus der Bahn warf...

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Kapitel 1 – Die Hiobsbotschaft

Tamara Ogareff war mit Abstand die anstrengendste Person, die David Sullivan je ausgebildet hatte. Allerdings war sie auch zäh – ihr Durchhaltevermögen und ihre Bereitschaft zu kämpfen erstaunte ihn immer wieder. Außerdem war sie auf jeden Fall diejenige, die er am meisten ins Herz geschlossen hatte, auch wenn sie ihm manchmal den letzten Nerv raubte. Tatsächlich bereut hatte er es niemals, sie als Auror-Schülerin angenommen zu haben.

Seit sie aus Russland zurückgekommen war und sich eine Wohnung im nächsten Ort gemietet hatte, kam sie fünf Tage in der Woche zu ihm nach Hause und ließ sich dort von morgens bis abends von ihm schikanieren – so nannte sie es zumindest.

Sie gerieten sich oft in die Haare – seine Schülerin und er – denn sie war mit einem sehr ausgeprägten Widerspruchsgeist gesegnet, aber im Laufe der Zeit war auch eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen entstanden. Er war gern mit ihr zusammen und irgendwie war sie für ihn, genau wie er für sie, eine Art Familienersatz geworden.

Als er jedoch an diesem Morgen die Stufen zu ihrer Wohnung hinaufstieg, hätte er sonst was dafür gegeben, dies nicht tun zu müssen – ihr nicht diese Nachricht überbringen zu müssen, die ihr Leben erneut auf den Kopf stellen würde.

Er atmete einmal tief durch, bevor er den Rücken straffte und an die Tür klopfte. Es erfolgte keine Reaktion – auch nicht nach dem zweiten Klopfen – erst nach dem dritten Versuch hörte er Geräusche und verhaltenes Fluchen von drinnen, ehe die Tür dann schließlich aufgerissen wurde.

Die völlig verschlafen und verstrubbelt aussehende Frau, die ihm nun in Unterhosen und einem verwaschenen T-Shirt gegenüberstand, wies bei näherem Hinsehen eindeutig Ähnlichkeit mit seiner Schülerin auf.

David! Was zum Geier...“ Tamara stockte. Ihr Lehrer hatte sie seit sie hier wohnte nur ein einziges Mal so früh am Morgen besucht – nämlich als sie verschlafen hatte - und er hatte diesen Besuch genützt um ihr einen Vortrag über den Nutzen der Pünktlichkeit zu halten, mit anderen Worten, um sie gehörig runterzuputzen.

Wie spät ist es?“, fragte sie daher gehetzt und sah auf ihr Handgelenk, obwohl dieses keine Uhr vorweisen konnte. Ein weiterer Blick in das Gesicht ihres Ausbilders machte ihr jedoch klar, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie konnte weder Spott noch einen Vorwurf darin erkennen, sondern nur Bedauern.

Was ist passiert?“, fragte sie mit wachsender Beklemmung.

Darf ich herein kommen?“, fragte Sullivan.

Was ist los?“, fragte sie noch einmal, als sie die Tür hinter ihm geschlossen hatte und ihm in die Küche folgte. „Ist etwas mit Sascha oder mit meinem Vater? Nun rede schon, David!“

Nein! Deinem Vater und Sascha geht es gut - zumindest soweit ich weiß“, sagte Sullivan und zog einen Stuhl unter dem Küchentisch hervor. „Setz dich, Tamara!“

Nachdem Tamara auf dem Stuhl platzgenommen hatte, setzte er sich ihr gegenüber und eine Sekunde später stand auf einen Wink seines Zauberstabs hin eine Tasse Tee vor ihr.

Trink!“, sagte Sullivan.

Obwohl Tamara ihm am liebsten ins Gesicht gesprungen wäre, nahm sie die Tasse und trank. Sie wusste aus Erfahrung, das es nicht viel Sinn hatte, ihm zu widersprechen, wenn er in diesem Ton etwas anordnete.

Ich habe heute Morgen eine Eule von Minerva McGonagall erhalten“, sagte Sullivan, als sie die Tasse wieder abgestellt hatte.

Tamara sah ihn mit großen Augen an.

Es geht um Severus nicht wahr?“, flüsterte sie. „Was ist mit ihm? Ist er verletzt? Ist er... tot? Bitte, David! Sag es mir!“

Ich weiß nicht, wie es ihm geht“, sagte Sullivan. „Aber jemand anders ist tot... Dumbledore!“

Albus ist tot?“, fragte Tamara fassungslos. „Aber... oh mein Gott!“ Sie schlug die Hände vors Gesicht.

Wie ist er gestorben?“, fragte sie, als sie einen Moment später mit leichenblassem Gesicht wieder dahinter auftauchte.

Er ist ermordet worden“, sagte Sullivan.

Von wem?“, keuchte Tamara. „Von Voldemort?“

Nein! Wie es aussieht, von... Severus Snape“, sagte Sullivan leise.

Nein!“, sagte Tamara. „Nein! Nein! NEIN! NEIN! Das ist nicht möglich! Da muss ein Irrtum vorliegen! Das ist nicht wahr! Nein!“ Sie schüttelte den Kopf wie eine Wilde und der Blick mit dem sie Sullivan ansah, rief in ihm eine überwältigende Woge von Mitleid hervor.

Sag mir, dass das nicht wahr ist!“, flehte Tamara ihn an. „Das kann einfach nicht wahr sein! Da muss ein Irrtum vorliegen!“

Ich fürchte, es ist die Wahrheit“, sagte Sullivan und griff über den Tisch um ihre Hand zu nehmen, die kraftlos neben der Teetasse lag. „Es gab einen Augenzeugen und Snape ist nach der Tat geflohen und seither unauffindbar.“

Aber er würde das doch niemals tun“, wimmerte Tamara. „Albus ist doch sein Freund.“

Er hat es getan, Tamara!“, sagte Sullivan. „Es scheint so, als hätte Snape uns allen etwas vorgemacht. Albus Dumbledore hat ihm vertraut und darum haben auch wir es getan – das war ein Fehler, wie es aussieht.“

Das ist nicht wahr!“, sagte Tamara schrill. „Severus Loyalität war echt. Er hat diesen Kampf gegen die dunkle Seite über alles andere in seinem Leben gestellt. Ich weiß, dass es so ist. Er kann nicht Dumbledores Mörder sein!“

Er ist es!“, sagte Sullivan scharf. „Und je eher du akzeptierst, dass du dich in ihm getäuscht hast, desto schneller wirst du die Sache überwinden.“

SACHE?“, schrie Tamara und sprang auf. Sullivan hielt ihre Hand jedoch weiter fest.

ICH LIEBE SEVERUS! UND DU SPRICHST VON EINER SACHE?“, schrie Tamara und versuchte sich loszureißen.

Er ist ein Mörder!“, sagte Sullivan kalt. „Er hat deine Liebe nicht verdient!“

Lass mich los!“, fauchte Tamara.

Sullivan ließ sie nicht los, aber er stand ebenfalls auf und kam nun um den kleinen Tisch herum auf sie zu.

Tamara schüttelte ihren Arm und versuchte erneut, sich aus seinem Griff zu befreien, aber er hielt sie eisern fest.

Tamara…“, sagte er sanft.

Geh weg!”, wimmerte Tamara.

Doch Sullivan gab nicht nach. Er zog sie an sich, obwohl sie sich heftig wehrte und nachdem sie ein paar mal vergeblich auf ihn eingeschlagen hatte, ließ sie sich endlich fallen und brach weinend in seinen Armen zusammen.

Nachdem der Weinkrampf, der sie durchgeschüttelt hatte, endlich verebbt war, führte Sullivan Tamara in das angrenzende Wohnzimmer, und setzte sich mit ihr auf das Sofa. Immer noch hielt er sie an sich gedrückt und strich ihr beruhigend über das Haar, während sie sich an ihn klammerte und leise an seiner Brust vor sich hin schluchzte.

Was werden sie mit ihm machen, wenn sie ihn kriegen?“, flüsterte Tamara.

Im günstigsten Fall bekommt er lebenslänglich Askaban“, sagte Sullivan mit schonungsloser Offenheit, „aber in diesem Fall halte ich die Todesstrafe für wahrscheinlicher.“

Und wenn er gar nicht schuldig ist?“, hauchte Tamara.

Das müsste er dann erst mal beweisen“, seufzte Sullivan.

ICH werde das beweisen“, flüsterte Tamara.

Red keinen Blödsinn, Mädchen“, sagte Sullivan und strich ihr sanft die Haare aus dem Gesicht. „Falls er ein verfluchter Verräter ist, wovon ich ausgehe, bringst du dich in große Gefahr wenn du auf ihn triffst und für den Fall, dass er wirklich noch auf unserer Seite steht, was ich für nahezu ausgeschlossen halte, bringst du ihn in große Gefahr – also wirst du dich, wie bisher, schön brav von den Todessern fernhalten und alles weitere dem Orden überlassen. Wenn auch nur der geringste Hinweis darauf auftauchen sollte, dass Snape unschuldig ist, werden wir dem nachgehen – darauf hast du mein Wort.“

Ja... vermutlich hast du Recht, David“, sagte Tamara, was Sullivan angesichts des Tons, in dem sie sprach, mühelos mit ‚rede du nur - ich tue ja doch, was ich will’ übersetzte.

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Die nächsten Tage verbrachte Tamara im Haus ihres Ausbilders, da er sich strikt weigerte, sie alleine zu lassen und sie ihre Wohnung – vor allem in diesem emotional verwundeten Zustand - eindeutig als zu eng für sich und ihren ‚Überwacher’ empfand.

Einerseits grollte sie Sullivan für die Unnachgiebigkeit, mit der er sich über ihren Wunsch alleine zu sein einfach hinwegsetzte, andererseits war sie ihm unendlich dankbar, dass er sie nicht alleine ließ und sie erfolgreich davon abhielt, sich völlig in ihrem Elend aufzulösen.

Er brachte sie dazu, wenigstens ein Minimum an Nahrung zu sich zu nehmen und redete so lange auf sie ein, bis sie einsah, dass Wodka als einzige Flüssigkeitszufuhr dem Körper nicht gut tat.

Ich will mir nicht gut tun“, sagte sie giftig zu ihm, nachdem er es wieder einmal geschafft hatte, sie zu einer Tasse Tee zu überreden. „Ich will mir weh tun, damit ich... egal.. du würdest das eh nicht verstehen...“

Du willst dir weh tun?“, fragte Sullivan trocken. „Kann ich dir behilflich sein? Mit ein paar Ohrfeigen vielleicht, oder brauchst du etwas härteres?“

Du bist so ein Arsch, David!“, fauchte Tamara, aber sein Sarkasmus hatte es wieder einmal geschafft, ihre Tränen aufzuhalten. Allerdings erinnerte sie diese Antwort stark an Snape und nach kurzer Zeit standen ihre Augen wieder unter Wasser. Ohne lange zu überlegen griff sie erneut zur Wodkaflasche - ehe sie diese jedoch erreichen konnte, zog Sullivan sie ihr weg.

Gib her!“, zischte sie. „Behandle mich gefälligst nicht wie ein kleines Kind. Wenn ich mich betrinken will, werde ich mich auch betrinken – du hast kein Recht mich davon abzuhalten.“

Wenn du weitersäufst, nehme ich dich morgen früh nicht mit zu Dumbledores Beerdigung“, sagte Sullivan ruhig.

Du nimmst mich nicht mit?“, knurrte Tamara und sprang von dem Sofa auf, auf dem sie beide saßen, während Sullivan sitzen blieb und ihr zusah, wie sie leicht torkelnd vor ihm auf und ablief. „Albus Dumbledore war mit meiner Familie befreundet so lange ich denken kann“, rief Tamara und zeigte anklagend mit dem Finger auf ihren Ausbilder. „Wie kommst du darauf, dass du mich mitnehmen oder auch nicht mitnehmen kannst? Ich werde mich von Albus verabschieden – egal, ob dir das passt, oder nicht.“

Wenn du zu betrunken bist um gerade stehen zu können und demnach auch zu betrunken um dein Sprachzentrum unter Kontrolle zu haben, werde ich dich hier zurücklassen – natürlich mit einem Paket netter Flüche versehen, die dafür sorgen, dass du weder mein Haus, noch dich selbst in Gefahr bringst“, sagte Sullivan ungerührt. „Ich werde auf jeden Fall verhindern, dass du auf der Beerdigung herumläufst und lauthals deinen Glauben an Snapes Unschuld verkündest, was zu befürchten steht, so wie du im Moment drauf bist.“

Ich nehme zurück, dass du ein Arsch bist“, sagte Tamara tonlos. „Du bist ein Aasgeier, ein gemeiner Erpresser, ein mieser Despot...“

Vergiss nicht mit dem Fuß aufzustampfen, Engelchen“, unterbrach Sullivan sie milde lächelnd.

Wie kannst du nur meine Gefühle so in den Dreck ziehen?“, sagte Tamara fassungslos.

Das tue ich nicht, Tamara“, sagte Sullivan, „aber ich werde auch nicht zulassen, dass du die Leute auf Albus’ Beerdigung vor den Kopf stößt und zudem alle Welt mit der Nase darauf, dass du mit dem Mörder des Verstorbenen eine Affäre hattest.“

EINE AFFÄRE?“, schrie Tamara. Sie war stehen geblieben und funkelte ihn von oben herab wütend an.

Nenn es wie du willst“, sagte Sullivan, „es wäre auf jeden Fall ziemlich fatal, auf diese Weise mit einem gesuchten Todesser in Zusammenhang gebracht zu werden. Es könnte jemand auf die dumme Idee kommen, dich über ihn befragen zu wollen. Nicht nur die Leute vom Ministerium würden aufmerksam werden, sondern auch die Spitzel von Du-weißt-schon-wem und dann wäre deine Gesundheit noch gefährdeter, als jetzt - bei deiner Wodka-Diät.“

Du meinst also ernsthaft, ich soll mit niemandem darüber reden, dass ich mir absolut sicher bin, dass Severus unschuldig ist?“, fragte Tamara aufgebracht.

Du kannst mit McGonagall sprechen, falls sie Zeit für dich hat“, schlug Sullivan vor.

Wie gnädig von dir, dass du mir das gestattest“, fauchte Tamara.

Ich bin eben doch ein netter Mann und kein Despot“, sagte Sullivan trocken.

Und wie kommst du darauf, das ich nach deiner Pfeife tanze“, fragte Tamara bockig.

Ich bin dein Meister und du meine Schülerin“, sagte Sullivan ernst. „Du bist mir Gehorsam schuldig.“

Aber nicht, wenn es um meine Privatangelegenheiten geht“, zischte Tamara empört.

Severus Snape ist nicht nur deine Privatangelegenheit“, seufzte Sullivan, „er ist ein Desaster, das die ganze Zaubererwelt betrifft und den Orden des Phönix sowieso.“

Ach – den hochgeheimen Orden des Phönix, dem ich ja nicht beitreten darf, weil ich eine AFFAIRE mit Severus habe?“, knurrte Tamara.

Sullivan zog die Brauen hoch und verdrehte die Augen. Tamara wollte ihm am liebsten ins Gesicht schlagen für diese Geste, die sie sofort wieder an Snape erinnerte.

Er ist einer von euch und er hat verdammt viel aufgegeben, um für den Orden zu spionieren!“, sagte sie stattdessen bitter. „Aber ihr seid alle ganz gierig darauf zu glauben, dass er euch verraten hat.“

Das könnte eventuell stark mit der Tatsache zusammenhängen, dass er unser Oberhaupt umgebracht hat“, sagte Sullivan trocken.

Vielleicht gab es dafür Gründe“, sagte Tamara verzweifelt. „Potter ist euer einziger Augenzeuge – vielleicht hat er etwas falsch interpretiert.“

Die restlichen Augenzeugen sind leider mit deinem Ex-Liebhaber abgehauen“, sagte Sullivan mit leiser Ungeduld in der Stimme. „Aber das haben wir in den letzten Tagen schon wiederholt durchgekaut – lass es gut sein, Tamara.“

Sie sah ihn beleidigt an, schnaubte verächtlich, ließ sich auf das Sofa fallen und griff erneut nach der Wodkaflasche.

Und hör endlich auf zu saufen!“, fauchte Sullivan und riss ihr die Flasche aus der Hand.

Du bist so... so...“ Tamara sah ihm mit zornig funkelnden Augen an.

Ich bin was?“, fragte Sullivan provozierend.

... so herzlos!“, zischte Tamara, sprang auf und lief aus dem Raum, nicht ohne die Tür dramatisch heftig hinter sich ins Schloss zu werfen.

Nein, das bin ich nicht“, murmelte Sullivan müde, schraubte die Wodkaflasche auf und nahm einen tiefen Schluck daraus.

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Am nächsten Morgen war Tamara tatsächlich vollkommen nüchtern.

Sie ließ den prüfenden Blick, mit dem ihr Meister sie ansah, als sie die Küche betrat, über sich ergehen, setzte sich zu ihm an den Tisch und schenkte sich Tee ein.

Wie geht es dir?“, fragte Sullivan schließlich, nachdem sie die optische Überprüfung scheinbar zu seiner Zufriedenheit bestanden hatte.

Beschissen!“, sagte sie barsch. Und das war nicht gelogen. Sie fühlte sich noch angreifbarer als in den vergangenen Tagen. Es schien, als hätte der Alkohol sie davor beschützt, das Drama in der vollen Tragweite zu begreifen. Sie fühlte sich schwach und so empfindlich, als lägen ihre Nervenenden bloß.

Muss ein seltsames Gefühl sein, so völlig ohne alkoholische Dröhnung“, bemerkte Sullivan prompt.

Tamara schluckte das, was sie darauf am liebsten spontan geantwortet hätte, hinunter und beschränkte sich darauf, ihren Ausbilder giftig anzuschauen.

Spuck es aus!“, sagte Sullivan.

Was denn?“, brummte Tamara.

Das, was du dir eben gedacht hast“, sagte Sullivan.

Es war beängstigend, wie gut dieser Mann sie mittlerweile kannte.

Dass du dich ins Knie ficken sollst?“, fragte Tamara. „Es wäre nicht angebracht, dir als meinem Meister so etwas zu sagen, ganz abgesehen von der anatomischen Unmöglichkeit dieser Aufforderung.“

Sullivan fing an zu lachen.

Anatomische Unmöglichkeiten sind nicht unbedingt ein Hindernis für einen begabten Zauberer“, sagte er grinsend, als er sich wieder beruhigt hatte.

Du bist zu nachsichtig mit mir“, sagte Tamara tadelnd. „Anstatt mich für meine Unverschämtheit zurechtzuweisen, lachst du nur darüber. Wo soll das noch hinführen? Außerdem macht es keinen Spaß, so was zu sagen, wenn du nicht einmal ansatzweise schockiert bist.“

Tut mir leid, dass ich nicht deinen Erwartungen entspreche“, sagte Sullivan lächelnd. „Und daran, dass ich zu nachsichtig mit dir bin, werde ich dich erinnern, wenn der Unterricht demnächst weitergeht.“

Tamara verdrehte die Augen und seufzte. Dann senkte sie den Kopf. Dass das Leben wie bisher weitergehen sollte, dass sie Unterricht bei David haben würde, und mit ihm nach Feierabend entspannt herumblödeln, schien unvorstellbar. Nachdem diese Überlegung ihren Kopf im Moment gewaltig überforderte, beschloss sie spontan, sie auf später zu verschieben.

Sullivan ließ ihren Stimmungswandel unkommentiert.

Bist du bereit?“, fragte er nach einer Weile, als er sein Frühstück beendet und auch Tamara zu ihrem Kaffee eine ihr aufgezwungene Scheibe Toast hinuntergewürgt hatte.

Sie nickte und ein paar Minuten später standen sie bereits am Apparierpunkt unweit des Hauses.

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Als sie in Hogwarts ankamen, und Tamara erstmals seit dem Sommer, den sie hier verbracht hatte, das Schloss wieder vor Augen hatte, bildete sich ein Klos in ihrem Hals. Alles hier erinnerte sie an Severus. Das Eingangstor, an dem sie sich so verzweifelt verabschiedet hatten, der See, der Schlosshof – all das wieder zu sehen öffnete Türen in ihrem Gedächtnis, die sie aus Angst vor dem damit verbundenen Schmerz verschlossen gehalten hatte.

Tamara klammerte sich an Sullivans Arm, als sie zwischen den Stühlen hindurchgingen, die im Freien aufgestellt worden waren und auf denen vereinzelt schon ein paar Trauergäste saßen.

Ihr Ausbilder begrüßte den ein oder anderen Besucher und stelle ihnen zum Teil auch seine Schülerin vor, wobei sie den Leuten nur abwesend zunickte.

Sie suchten sich einen Platz in einer der hinteren Stuhlreihen.

Tamara schenkte den Menschen, die an ihnen vorbei gingen kaum Beachtung, sondern starrte gedankenverloren auf ihre Hände, bis ihr plötzlich etwas einfiel.

Ist Harry Potter schon da?“, fragte sie leise, sich zu Sullivan hinüberbeugend.

Er hatte ihr, entgegen seiner anfänglichen Absicht, verraten, wer der Augenzeuge des Mordes an Dumbledore war – wenn auch ziemlich widerstrebend und unter Androhung etlicher übler Konsequenzen, falls sie es nicht für sich behielt und auch erst, nachdem sie geschworen hatte, Potter nicht zu kontaktieren.

Sullivan warf ihr einen äußerst misstrauischen Blick zu.

Ich werde ihm schon nichts tun“, knurrte Tamara ungeduldig.

Er sitzt dort drüben auf der anderen Seite, direkt am See“, sagte Sullivan und sah zu einer Gruppe von vier jungen Leuten. „der Dunkelhaarige mit der Brille.“

Tamara folgte seinem Blick und musterte den jungen Mann, der wie erstarrt zwischen zwei hübschen Mädchen saß, die ziemlich mitgenommen, aber äußerlich ruhig wirkten, während der rothaarige Junge neben ihnen nervös den Saum seines Umhangs durch seine Finger gleiten ließ. Auch wenn Potter nicht einmal ansatzweise so unsympathisch wirkte, wie Tamara sich das ausgemalt hatte, stellte sie sich trotzdem vor, einfach zu ihm hinüberzugehen, ihn am Kragen zu packen und ihn so lange zu schütteln, bis er zugab, dass Severus unschuldig war.

Kurz darauf wurde sie aus dieser, auf perfide Weise befriedigenden Fantasie gerissen, da Hogwarts’ Lehrer nun eintrafen und sich zu den vorderen Stuhlreihen begaben, die für sie freigehalten worden waren – an der Spitze Minerva McGonagall. Tamara schwor sich, alles daran zu setzen, später mit ihr reden zu können.

Eine Weile später wurde ihr schmerzlich bewusst, dass ihre Gedanken noch kaum bei dem eigentlichen Grund ihres Hierseins gewesen waren – Dumbledore war tot - und als die Wassermenschen ihren Gesang anstimmten und ein riesenhafter weinender Mann, den toten Körper des Schulleiters zu dem für die Aufbahrung vorbereiteten Marmortisch trug, drängte sich die Trauer über den Tod des alten, weisen Mannes in den Vordergrund und verbannte Severus’ Schicksal für eine Weile aus ihren Gedanken.

Das Wetter an diesem strahlenden Sommertag schien auf den ersten Blick so gar nicht zu dem traurigen Anlass zu passen, der all die Menschen hier versammelt hatte, aber Tamara beschloss nach kurzer Überlegung, dass es vorzüglich zu der mächtigen und positiv strahlenden Aura passte, die Dumbledore zu Lebzeiten umgeben hatte.

Dem kleinen, schwarz gekleideten Mann, der die Trauerrede hielt, hörte sie schon nach den ersten Sätzen nicht mehr zu, sondern ließ im Geiste die Begegnungen mit Albus Revue passieren. Sie wurde erst wieder in die Gegenwart zurückgeholt, als Aufruhr entstand, weil um den Leichnam herum helle Flammen aufloderten, aus deren Mitte schließlich ein weißes Grabmal aus Marmor entstand.

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Als die Beerdigungszeremonie zuende war und die Besucher ihre Plätze nach und nach verließen, stand auch Tamara auf und ihr Ausbilder tat es ihr gleich.

Entschuldigst du mich für eine Weile“, sagte Tamara und ging ohne eine Antwort abzuwarten an ihm vorbei und den Mittelgang zwischen den Stuhlreihen entlang.

Sullivan folgte ihr wortlos.

David!“, sagte sie entnervt, als er dieselbe Richtung einschlug wie sie, nachdem sie die Stühle hinter sich gelassen hatte. „Es ist nicht notwendig, dass du mich überwachst.“

Notwendig vielleicht nicht“, sagte Sullivan gelassen, „aber sinnvoll auf jeden Fall.“

Du meinst, du willst unbedingt dabei sein, wenn ich entgegen dem, was ich dir versprochen habe, Potter in den Kerker zerre und ihn foltere, bis er mir die Wahrheit sagt?“, schnaubte Tamara und verdrehte die Augen. „Verdammt, David – ich will nur mit Minerva reden.“

Wenn du darauf bestehst, mit ihr unter vier Augen zu sprechen, werde ich vor ihrer Bürotür warten, „sagte Sullivan, nun leicht angefressen, „aber bis dorthin werde ich dich begleiten. Wer weiß, vielleicht erhöht das ja sogar deine Chance, zu ihr vorgelassen zu werden.“

Tamara starrte ihn feindselig an, nickte dann aber widerstrebend.

Sullivan sollte recht behalten – die Zugänge zum Schloss waren bewacht, von ziemlich misstrauischen Leuten des Ministeriums, und Sullivan hatte als ehemaliger Mitarbeiter keinerlei Schwierigkeiten, durchgelassen zu werden, als er erklärte, seiner alten Freundin Minerva sein Beileid zum Tode Dumbledores aussprechen zu wollen.

Sie trafen in der großen Halle auf McGonagall, wo Sullivan Tamara energisch hineingezogen hatte, als diese die Treppen Richtung Schulleiterbüro hinaufstürmen wollte.

Die neue Direktorin Hogwarts stand mit dem Zaubereiminister und noch einigen weiteren, wichtig aussehenden Herren beieinander. Als sie Sullivan und Tamara erblickten, die – letztere von ersterem zurückgehalten – einige Schritte entfernt stehen geblieben waren, bedeutete sie ihnen zu warten und bat schließlich ihre Gesprächspartner kurz darauf, sie zu entschuldigen.

Tamara, David“, sagte sie mit vor Trauer noch immer bewegter Stimme, als sie auf die beide zukam. „Wie geht es Ihnen, meine Liebe?“ In ihre Stimme mischte sich ein deutlich mitleidiger Ton, der Tamara nervös machte, zumal McGonagall ihr dabei beruhigend über den Arm strich.

Es geht“, krächzte sie.

Hallo Minerva“, sagte Sullivan. “Ein traurigerer Anlass hätte uns kaum zusammenführen können, dennoch freue ich mich, Sie zu sehen.“

McGonagall seufzte und warf Sullivan einen dankbaren Blick zu.

Kann ich einen Moment mit Ihnen reden, Minerva?“, fragte Tamara.

McGonagall sah sie traurig an und ihr Blick schien die Antwort schon ohne Worte zu geben – zu spät, es gibt nichts mehr zu reden, schien er zu sagen. Doch dann straffte sie sich und atmete einmal tief durch.

Natürlich“, sagte sie. „Gehen wir hoch in Albus’... in... mein Büro.“

Dort angekommen, geleitete McGonagall Sullivan so selbstverständlich mit in den Raum, dass Tamara es nicht fertig brachte, ihn wieder hinaus zu bitten. So saßen sie nun nebeneinander vor dem Schreibtisch, der dem Schulleiter gehört hatte und hinter dem McGonagall seltsam verloren wirkte.

Ich kann kaum glauben, dass er wirklich nicht mehr bei uns ist“, eröffnete Sullivan mit Blick auf das Bild des schlafenden Dumbledore an der Wand das Gespräch, nachdem keine der Damen beginnen zu wollen schien.

Ja, nicht war...“, sagte McGonagall leise, seinem Blick folgend. „Sein Tod ist so unwirklich... immer noch...“

Es tut mir unendlich leid“, sagte Tamara rau. „Er war so ein wundervoller, gütiger Mensch – die Welt wir nie mehr dieselbe sein, ohne ihn.“

McGonagalls Blick fing den ihren ein und hielt ihn fest.

Ich nehme an, Sie wollen dennoch über... etwas anderes mit mir reden“, sagte die alte Dame sanft.

Tamara hielt dem forschenden Blick stand, auch wenn sich neben der Trauer etwas Rebellion in ihre Miene schlich.

Ja, das will ich“, sagte sie leise. „Minerva... es ist doch nicht möglich... es kann doch nicht wirklich wahr sein, dass Severus das getan hat.“ Im Anschluss daran brachte sie sämtliche Argumente vor, mit denen sie auch schon seit Tagen Sullivan bombardierte, aber McGonagall ließ sich davon ebenso wenig beeindrucken wie Tamaras Ausbilder.

Die Miene der alten Dame drückte danach keinen Zweifel, sondern lediglich ihr Mitgefühl aus.

Es tut mir wirklich leid, Tamara. Glauben Sie mir bitte, dass ich Ihnen wirklich gerne etwas anderes sagen würde, aber dass Severus Albus’ Mörder ist...", sie atmete tief durch und senkte für einen Moment resigniert den Kopf, „steht außer Frage. Ich nehme an, David hat Sie über die Einzelheiten informiert?“, fügte sie hinzu

Aber vielleicht hat Potter etwas nicht richtig verstanden“, sagte Tamara verzweifelt. „Oder das, was Severus getan hat, war mit Albus abgesprochen.“

Tamara“, sagte McGonagall beschwörend, „Sie können mir wirklich glauben, wenn ich Ihnen versichere, dass ich diese Möglichkeiten überprüft habe. Auch ich wollte nicht glauben, dass mein langjähriger Kollege und vermeintlicher Mitstreiter im Kampf gegen die dunkle Bedrohung, so etwas getan haben könnte, aber es ist, wie es ist – er hat uns getäuscht. Er ist zur anderen Seite übergelaufen, beziehungsweise, er war schon immer dort. Es gibt keinen einzigen Hinweis auf einen anderen Grund für sein Handeln.“

Aber...“, krächzte Tamara.

Glauben Sie wirklich, wenn Albus seinen Tod von Severus verlangt hätte, wäre ich nicht eingeweiht worden? Albus war immer um das Wohl seiner Leute besorgt. Er hätte zumindest einen Brief oder ein andere Art von Beweis hinterlegt, um Severus zu entlasten – wir haben jedoch nichts dergleichen gefunden und glauben Sie mir, wir haben das ganze Schloss auf den Kopf gestellt. Außerdem hätte Severus Kontakt mit mir aufnehmen können, wenn ihm daran gelegen wäre, sein Verbrechen in ein anderes Licht zu rücken – er hat es nicht getan.“

McGonagall hob die Hand, als Tamara erneut zum Sprechen ansetzen wollte.

Was Potter betrifft – ich habe mich nicht nur auf seine Aussage verlassen, sondern sämtliche Register gezogen, sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen“, sagte sie streng. „Seine Darstellung entspricht der Wahrheit.“

Ihre Miene wurde nun wieder etwas sanfter.

So leid es mir tut, Tamara“, sagte sie leise, „Sie müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass Sie – genau wie ich, genau wie wir alle – von Severus getäuscht worden sind. Seine Gefühle für Sie mögen durchaus echt gewesen sein“, fügte sie zögernd hinzu, „aber unsere Sache hat er verraten. So sehr ich es bedaure, das sagen zu müssen - Severus Snape ist eindeutig unser Feind.“

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An die Verabschiedung von McGonagall konnte sich Tamara später kaum mehr erinnern. Sie war wie betäubt neben Sullivan hergelaufen, hatte nichts mehr vom Schloss und von den übriggebliebenen Besuchern der Trauerfeier mitbekommen, und war schließlich von ihm an der Hand genommen und mit in sein Haus appariert worden.

Ihre letzte Hoffnung – das Gespräch mit Minerva würde irgendwelche Neuigkeiten, wenigstens einen vagen Hinweis auf Severus’ Unschuld bringen – war dahin und an deren Stelle war eine bodenlose Traurigkeit getreten, in der sie immer mehr zu versinken drohte.

Sullivan schob sie auf das Sofa in seinem Wohnzimmer und besorgte ihr einen Tee, den sie auch nach gutem Zureden nicht einmal anrührte.

Seufzend setzte er sich neben sie.

Tamara“, sagte er sanft und streichelte ihren Arm. „Komm schon – rede mit mir.“

Seine Schülerin schwieg und starrte die gegenüberliegende Wand an. Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie an sich.


Wenn er nicht gelogen hat“, sagte Tamara nach einer Weile plötzlich mit seltsam leerer Stimme, „wenn er mich wirklich liebt, dann... dann wäre das nichts mehr wert, wenn er wirklich ein Mörder ist, oder? Ich will nicht von einem Mörder geliebt werden. Ich will auch keinen Mörder lieben... ich will nicht... aber ich kann nichts dagegen tun... nichts... ich liebe ihn immer noch, auch wenn er ein Mörder ist, ein Todesser, ein Anhänger Voldemorts, ein böser Schwarzmagier... von mir aus der Teufel persönlich... ich liebe ihn immer noch.“

Sie drehte langsam ihren Kopf und sah Sullivan in die grauen Augen, in denen das Mitleid für seine Schülerin deutlich geschrieben stand.

Was soll ich nur tun?“, fragte sie tonlos. „Was soll ich tun, David? Bitte hilf mir!“ Ihre Stimme wurde zwar immer leiser, aber es schwang ein hysterischer Unterton darin mit, der ihren Ausbilder beunruhigte. „Was soll ich denn nur tun? So hilf mir doch, David!“

Beruhige dich erst mal“, sagte Sullivan. „Du kannst im Moment gar nichts tun, aber mit der Zeit...“

Weiter kam er nicht, denn Tamara nahm ohne Vorwarnung sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn – nicht etwa sanft und so, dass es mit ein bisschen gutem Willen als freundschaftliche Geste durchgehen hätte können, sondern so lüstern und wild, dass er fast das Atmen vergaß.

Verdammt, Tamara – was soll das?“, fauchte Sullivan, als er sich vom ersten Schock erholt hatte und sie von sich geschoben hatte, aber schon eine Sekunde später war er wieder sprachlos, denn sie schwang sich rittlings auf seinen Schoß und versuchte erneut ihn zu küssen.

Hör auf!“, sagte Sullivan scharf.

Bitte, David“, wimmerte Tamara. „Hilf mir! Ich will ihn vergessen – wenigstens für einen Augenblick.“

Sie ignorierte seinen empörten Blick und begann, ihm das Hemd aufzuknöpfen. Sullivan hielt ihre Hände fest.

Was glaubst du eigentlich...“, begann er wütend.

Tamara presste sich in eindeutiger Weise an ihn.

Komm schon – du willst es doch auch, David“, flüsterte sie mit einer Stimme, die sich wie ein Mantel aus weichem Samt um seine Wut zu legen schien. „Meinst du, ich habe nicht bemerkt, wie du mich manchmal ansiehst? Denk nicht drüber nach! Tu es einfach!“

Tamara, ich... verfluchter Mist – hör auf damit“, zischte Sullivan.

Sie rieb ihren Schoß an seinem Unterleib und er – verdammt – er war hart geworden. Sie hatte Recht – er wollte sie – aber es war ganz und gar nicht richtig, dem einfach nachzugeben.

Ich brauche dich“, jammerte Tamara, „lass mich jetzt nicht hängen, David - bitte.“

Nimm doch Vernunft an, Mädchen“, sagte Sullivan mit zusammengebissenen Zähnen. „Du würdest morgen bitter bereuen, etwas derartiges getan zu haben.“

Tamara brach in ein freudloses Lachen aus, das eher wie ein Aufschluchzen klang.

Es ist mir egal, was morgen ist“, stieß sie hervor, „ob ich noch lebe, oder ob ich tot bin – ich will nur, dass dieser Schmerz aufhört... dass er nur für einen Moment aufhört.“

Sie ließ den Kopf hängen und sank merklich in sich zusammen. Sullivan ließ ihre Handgelenke los, um ihr die Haare aus dem Gesicht zu streichen, da es ihn verunsicherte, ihre Mimik nicht mehr beobachten zu können. Tamara nütze diesen Umstand, um nach seinem Hemd zu greifen und es auseinander zu reißen, sodass jene Knöpfe, die sich dieser Methode widersetzten, nach allen Richtungen davon sprangen.

Verdammt!“, knurrte Sullivan und packte sie erneut, um sie von weiteren Untaten abzuhalten.

Da sie ihre Hände nun nicht mehr gebrauchen konnte, streckte sie sich nach vorne und leckte über seine nackte Brust.

Lass es jetzt gut sein, du verrücktes Weib!“, zischte Sullivan und schubste sie unsanft von sich herunter. Tamara hielt sich jedoch an seinen Armen fest, so dass er mitgerissen wurde und auf ihr zu liegen kam. Da er sich auf beide Hände stützte, um den Körperkontakt so gering wie möglich zu halten, hatte er keine Chance, ihr weiteres Vorgehen zu unterbinden.

Sie bog ihm ihren Unterleib entgegen und rieb sich ungestüm an seiner Erektion. Gleichzeitig legte sie ihre Hände auf seinen Hintern und zog ihn zu sich herunter.

Bei seinem übereilten Versuch, sich von ihr zu lösen, verloren sie beide das Gleichgewicht und plumpsten von der Couch auf den Boden.

Sullivan war kaum gelandet und auch noch nicht einmal sicher, ob sein Rücken den Sturz unbeschadet überstanden hatte, als Tamara schon mit flinken Fingern seine Hose öffnete.

Sein gekeuchtes ‚Nein!’ ignorierend und seinem Versuch, von ihr wegzurutschen zuvorkommend, griff sie ohne weitere Umstände in seine Unterhose und begann mit kräftigen Bewegungen seinen Penis zu stimulieren.

Es war eine Weile her, dass Sullivan mit einer Frau geschlafen hatte. Es war ihm mit den Jahren immer weniger wichtig geworden, seinen Trieb jedes mal zu befriedigen, wenn es ihn danach verlangte, auch wenn jener noch sehr ausgeprägt vorhanden war.

Dass Tamara ihn in dieser Hinsicht reizte, hatte er sich lange nicht eingestanden – schließlich war sie seine Schülerin und es gehörte sich nicht für einen Meister, seinen Lehrling zu begehren – es war unprofessionell und insgeheim hatte er Snape immer verurteilt, mit ihr intim geworden zu sein, während sie von ihm ausgebildet worden war.

Nun lag der Fall allerdings anders – seine Schülerin hatte seinen Schwanz in der Hand – höchste Zeit, die Sache noch einmal zu überdenken.

Abzustreiten, dass es sich verdammt gut anfühlte, was sie da tat, wäre sinnlos gewesen, ebenso wie abzustreiten, dass er sie vögeln wollte – jetzt, auf der Stelle. Das Argument, dass er ihre Verzweiflung nicht zu seinem Vorteil ausnutzen durfte, wurde von dem überwältigenden Verlangen, das ihn überkam, und von der unbestreitbaren Tatsache, dass sie es eindeutig auch wollte, in den hintersten Winkel seines Geistes gedrängt.

Mit einem Knurren, das mehr nach Angriff, als nach Kapitulation klang, packte er ihren Nacken, zog ihren Kopf zu sich herunter und küsste sie gierig.

Tamara dachte nicht mehr – sie fühlte nur noch und es fühlte sich gut an, was sie tat... und was er mit ihr tat. Als er ihr die Bluse und den BH auszog, streckte sie ihre Brüste seinen ungeduldigen Fingern entgegen und als seine Hände unter ihren Rock wanderten und zwischen ihre Schenkel, spreizte sie diese so weit es ging, um ihn willkommen zu heißen.

Kurz darauf waren sie beide nackt. Tamara lag nun auf dem Rücken und Sullivan rollte sich auf sie um gleich darauf in sie einzudringen.

Das Gefühl war überwältigend. Sie hatte seit zwei Jahren keinen Mann mehr gehabt – nicht mehr, seit sie Severus zum letzten mal gesehen hatte. Ihr Körper war wie ausgehungert, ihr Schoß gierte geradezu danach, ausgefüllt zu werden.

Mit dem Mann, der sie gerade mit harten, schnellen Stößen nahm, verband sie keine leidenschaftliche Liebe, aber eine tiefe, ehrliche Freundschaft und im Moment war ihr egal, wie sie sich fühlen würde, nachdem sie mit ihm geschlafen hatte. Sie genoss es - jetzt – und nichts anderes war wichtig.

Ihr Orgasmus kam überraschend schnell und unaufhaltsam. Sullivan stöhnte auf, als sich Tamara im Taumel der Ekstase in seinen Hintern krallte und erhöhte sein Tempo, um sich kurz darauf unspektakulär, lediglich mit einem langgezogenen, leisen Seufzen in ihr zu ergießen.

Der Rücksturz in die Wirklichkeit war hart – genau, wie der Boden, auf dem sie lag. Sie vermied es, ihrem Ausbilder in die Augen zu sehen und auch er schien nicht erpicht darauf zu sein, dies zu tun.

Er erhob sich und reichte ihr die Hand, um ihr aufzuhelfen. Als sie nach ihren Kleider greifen wollte, zog er sie jedoch mit Nachdruck an sich und ließ sich mit ihr zusammen auf dem Sofa nieder. Und als sie dort saß, den Kopf an seine Brust gebettet und seinem noch immer erhöhten Herzschlag lauschend, kamen endlich die Tränen und schwemmten die seltsam unwirkliche Taubheit, die ihre Seele umgeben hatte, mit unerbittlicher Gründlichkeit fort.

Schluchzend klammerte sie sich an ihn, während er ihr über den Rücken strich und tröstende Worte murmelte. Nach einer Weile beruhigte sie sich tatsächlich und wischte die Tränen mit notdürftig mit der Hand fort, ehe sie den Kopf hob und ihn ansah.

Danke, David!“, flüsterte sie mit rauer Stimme.

Sullivan sah sie besorgt an und strich ihr die feuchten Haare aus dem Gesicht.

Geht es dir gut?“, fragte er und ärgerte sich gleichzeitig darüber, eine solche Banalität von sich gegeben zu haben.

Tamara nickte. „Ich bin nur... müde“, fügte sie hinzu.

Ich bring dich ins Bett“, sagte Sullivan, froh, etwas Produktives tun zu können.

Er schlüpfte rasch in seine Hose, während Tamara ihre Kleider aufsammelte, legte dann einen Arm um ihre Schulter und führte sie hinauf in das obere Stockwerk.

Mit einem keuschen Kuss auf die Stirn verabschiedete er sich von ihr, als sie vor der Tür ihres Zimmers angelangt waren.

Komm zu mir, wenn du mich brauchst... oder ruf mich“, sagte er.

Tamara nickte. Sie konnte kaum noch die Augen offen halten, so bleischwer fühlten sich ihre Lider mit einem mal an.

...und versprich mir, keinen Unsinn zu machen“, fügte Sullivan zögernd hinzu.

Ich verspreche es“, murmelte Tamara.

Kurz darauf lag sie in ihrem Bett.

Ihr letzter Gedanke, bevor sie die Augen schloss war... Severus...

Sie glitt in einen unruhigen Schlaf hinüber und träumte von schwarzen Augen, die sie durchdringend und strafend ansahen.





Kapitel 2 - Willkommen

Es war ungemütlich kühl, für eine Nacht in dieser Jahreszeit, sogar für den ohnehin nicht sehr warmen britischen Sommer. Ein kalter Wind trieb den leichten Nieselregen vor sich her und sorgte dafür, dass dieser unter die Kleider, auf die Haut kroch. Der Mond war hinter einer dicken Schicht von Wolken verborgen und die einzige Lichtquelle weit und breit war ein winziger, aber heller Punkt am Ufer des Sees, der sich im Wasser widerspiegelte.

Auf diesen Punkt hielt der Fährmann zu, der den Auftrag hatte, das Bündel Mensch, das in seinem Boot kauerte und noch keinen einzigen Ton von sich gegeben hatte, seit es drüben auf der Insel mit einem Tritt auf den Boden des alten Kahns befördert worden war, bei genau dieser schwach beleuchteten Stelle am anderen Ufer abzuliefern.

Der Fährmann hatte nicht gefragt, wen oder was er da transportierte, als ihm der große hinkende Wärter mit dem zuckenden Auge diesen Auftrag erteilt hatte. Er hatte das Geld eingestrichen und die Klappe gehalten. Ganz davon abgesehen, dass der Typ mit dem unruhigen Auge sehr ungemütlich werden konnte, wenn man zu neugierig war, interessierte es den Fährmann auch gar nicht, welches Schicksal der Person in seinem Boot widerfahren war und noch widerfahren würde. Das Leben war hart und es behandelte die Menschen nicht gerecht – daran konnte man nichts ändern – jeder musste sehen, wo er blieb.

Je mehr das Boot sich näherte, desto größer erschien der Lichtpunkt, bis er schließlich begann, sich zu bewegen.

Die Kieselsteine am Seeufer gaben ein knirschendes Geräusch von sich, als der Kahn darauf auflief. Während das Licht auf ihn zukam und nach und nach die schattenhafte Gestalt des Mannes enthüllte, von dessen Zauberstab es stammte, stieß der Fährmann seinen Passagier mit dem Fuß an.

Mach, dass du raus kommst“, knurrte er.

Das Bündel bewegte sich unter leisem Ächzen, kroch langsam aus dem Boot heraus und stolperte durch das seichte Wasser ans Ufer.

Der Mann mit dem Licht war nun so nah herangekommen, dass man deutlich seine Finger sehen konnte, die den Stab umspannten – der Rest blieb jedoch weitgehend im Dunklen verborgen. Zeit abzuhauen! Der Fährmann hatte nicht die Absicht, dem Fremden womöglich ins Gesicht zu sehen. Je weniger er wusste, desto besser. Er rammte sein Ruder in den steinigen Grund, stieß sich ab und entfernte sich und seinen Kahn aus der Gefahrenzone.

Die menschliche Fracht des sich entfernenden Bootes war mittlerweile ins Trockene gelangt und kauerte nun dort, knapp über der Wasserlinie, keuchend auf allen Vieren. Mit seinem Zauberstab das Gesicht des durchnässten und vor Kälte zitternden Ankömmlings beleuchtend, ging Severus Snape, der Mann der ihn erwartet hatte, vor diesem in die Hocke.

Hallo Lucius“, sagte er mit dunkler, sarkastischer Stimme, „willkommen zurück in der Hölle.“

Die Hölle ist da, wo ich herkomme, Severus“, antwortete Lucius Malfoy krächzend.

Das bleibt abzuwarten“, sagte Snape trocken und packte den anderen am Arm, um ihn hochzuziehen. „Der Dunkle Lord erwartet dich.“

Malfoy kämpfte sichtlich um sein Gleichgewicht, als er auf den Beinen stand und seine Körperhaltung blieb gekrümmt, als ob er Schmerzen hätte.

Was ist mit dir los?“, fragte Snape, ohne dass seiner Frage auch nur ein Hauch von Besorgnis anzumerken gewesen wäre.

Der Wärter, der so nett war, bei meiner vorzeitigen Entlassung mitzuwirken, brachte sein Bedauern, mich gehen lassen zu müssen, mit einer speziellen Abschiedsbehandlung zum Ausdruck“, sagte Malfoy.

Ist es lebensbedrohlich?“, fragte Snape sachlich.

Nein!“, schnaubte Malfoy.

Dann lass uns aufbrechen“, meinte Snape.

Hättest du was dagegen, wenn wir vorher kurz bei mir zuhause vorbeischauen?“, fragte Malfoy und man hätte ihm den Plauderton fast abnehmen können, wäre sein Zustand nicht so erbärmlich gewesen. „Ich bräuchte dringend eine Dusche und frische Kleidung.“

Der Lord betonte, dass er dich sofort sehen will“, sagte Snape. „Er legt scheinbar Wert darauf, dich im Askaban-Outfit zu bewundern.“

Dein Sarkasmus hat offenbar nicht gelitten unter dem, was du getan hast“, sagte Malfoy lauernd. „Stimmt es, was man sich erzählt, Severus? Hast du wirklich Dumbledore erledigt?“

Halt den Mund und komm mit!“, sagte Snape barsch.

Er zog den mehrmals dabei strauchelnden Malfoy mit sich, bis sie den Bereich verlassen hatten, in dem man aufgrund der Nähe zum Gefängnis aus Sicherheitsgründen nicht apparieren konnte.

Sekunden später waren sie verschwunden.

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Die rot leuchtenden Augen Voldemorts ruhten wie teilnahmslos auf der vor ihm im Staub liegenden Gestalt.

Snape hatte Malfoy, nachdem sie am Rande des Anwesens appariert waren und die Kontrollen passiert hatte, sofort in den Raum gebracht, in dem der dunkle Lord seine Audienzen abzuhalten pflegte. Die Wachposten, die sie auf dem Weg dorthin getroffen hatten, waren durch den scharfen Blick des Tränkemeisters davon abgehalten worden, irgendwelche abfälligen Kommentare über die Rückkehr und vor allem den Zustand des einst so stolzen Favoriten ihres Herrn loszulassen, doch an der Schwelle dieses Raumes, endete Snapes Einfluss auf das weitere Schicksal Malfoys.

Bewegungslos und mit einem versteinerten Gesichtsausdruck stand der Schwarzhaarige nun neben dem protzigen Sessel, in dem der Lord thronte, und sah ebenso starr auf den am Boden kauernden herab, wie sein Gebieter.

Gab es irgendwelche Schwierigkeiten?“, zerschnitt die hohe, kalte Stimme Voldemorts die bleischwere Stille.

Nein, mein Lord“, antwortete Snape.

Malfoy verharrte noch immer in demütiger Pose. Er schien zu wissen, dass jeder auch noch so geringe Affront gegenüber der dunklen Geißel der Zaubererwelt, seine Lage unermesslich verschlimmern konnte.

Steh auf, Lucius“, sagte Voldemort schließlich nach einer halben Ewigkeit und seine Stimme klang sanft und fast hypnotisierend dabei, ohne etwas von ihrer Emotionslosigkeit einzubüßen.

Mühsam seine Schmerzen verbergend, erhob sich Malfoy so schnell er konnte, bis er schließlich, etwas wacklig auf den Beinen, mit gesenktem Kopf dastand.

Ich hatte einen guten Grund, dich aus dem Gefängnis zu holen, wozu ich übrigens einen Teil deines Vermögens verwendet habe – deine Frau war so freundlich, mir diesen zu überlassen... geradezu aufgedrängt hat sie ihn mir“, sagte Voldemort. „Sieh mich an, wenn ich mit dir rede, mein getreuer Diener...“ er stockte und legte den Kopf leicht schief. „Das bist du doch noch, Lucius?“

Ja, mein Lord“, sagte Malfoy, rasch den Kopf hebend. Er konnte ein Schauern nicht unterdrücken, als er direkt in die gnadenlosen, roten Augen seines Gegenübers blickte.

Der einzige Grund, warum ich dich aus Askaban befreit habe“, sagte Voldemort, der Malfoys Reaktion genauestens beobachtet hatte, „...ist der, dass ich denke, du kannst mir noch nützlich sein in der ein oder anderen Angelegenheit. Siehst du das genauso, mein nach wie vor treuer Diener?“

Selbstverständlich, mein Lord“, sagte Malfoy beflissen nickend.

Solltest du noch einmal so jämmerlich versagen, wie bei der Sache im Ministerium, wirst du dir wünschen, in Askaban geblieben zu sein“, sagte Voldemort mit einer schlangengleich unter die Haut kriechenden Sanftheit.

Ja, mein Lord“, flüsterte Malfoy.

Nur, damit dir das auch gut in Erinnerung bleibt...“, sagte Voldemort und nun schwang ein Hauch von Emotion in seiner Stimme mit – die Lust an der Grausamkeit, die nun unweigerlich folgen würde.

Malfoys Augen weiteten sich vor Angst.

Severus!“, sagte Voldemort auffordernd und zeigte mit seinen bleichen, unnatürlich langgliedrigen Fingern auf den Mann der vor ihm zitterte, während er den Angesprochenen durchdringend und prüfend ansah.

Snape hob seinen Zauberstab und zielte auf Malfoy. Nichts in seiner unbeweglichen Miene ließ darauf schließen, dass er knapp davor war, zu erbrechen.

Crucio!“, erklang seine Stimme leise. Ein gleißender Strahl schoss auf Malfoy zu und riss ihn zu Boden, wo er zuckend und mit vor Entsetzen geweiteten Augen liegen blieb, den Mund weit aufgerissen, aber unfähig auch nur einen einzigen Ton von sich zu geben.

Zufrieden und mit einem Ausdruck in seinem unmenschlichen Gesicht, der fast einem Lächeln gleichkam, beobachtete Voldemort das Leiden seines zurückgekehrten Anhängers. Nichts wies darauf hin, dass er vorhatte, es zu beenden.

Er ist zu geschwächt, um das länger auszuhalten, ohne zu sterben“, bemerkte Snape sachlich.

Willst du mich darüber belehren, wie ich mit meinen Untergebenen umzugehen habe, Tränkemischer?“, zischte Voldemort und sein glühender Blick legte sich erneut auf Snape.

Nein, mein Lord!“, sagte der. „Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass dieser Untergebene im Moment nicht sehr widerstandsfähig ist.“

Beende es!“, schnaubte Voldemort mit einem letzten, bedauernden Blick auf den Gefolterten.

Snape nahm den Fluch von Malfoy, der daraufhin völlig zusammenbrach und röchelnd am Boden liegen blieb.

Schaff ihn weg und sorg dafür, dass er wieder auf die Beine kommt“, befahl Voldemort.

Ja, mein Lord“, sagte Snape.

Er war mit wenigen Schritten bei Malfoy und transportierte ihn, weil er des Gehens eindeutig nicht mehr mächtig war, sogleich mit einem Schwebezauber aus dem Raum.

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Ich fass es nicht!“, knurrte Sullivan, seinen ungläubigen Blick nicht von dem vor ihm liegenden Tagespropheten nehmend.

Was ist los?“, fragte Tamara, die ihm am Küchentisch gegenübersaß und gedankenverloren in ihrem Tee rührte.

Sie haben Malfoy aus Askaban entlassen!“, sagte Sullivan aufgebracht.

Malfoy? Das war doch der Kerl, der wegen der Sache im Ministerium letztes Jahr verurteilt wurde?“, fragte Tamara.

Der Anführer, dieser Saubande“, knurrte Sullivan.

Wie kann man so jemand entlassen?“, fragte Tamara stirnrunzelnd.

Hier steht etwas von Verfahrensfehlern bei der Verhaftung, die das Urteil ungültig machen und dass die Sache neu verhandelt werden muss“, sagte Sullivan angewidert. „Es ist wirklich ein Skandal, wie korrupt das Ministerium mittlerweile ist.“

Sind das nicht alle Ministerien auf der Welt?“, fragte Tamara leichthin.

Das unsere war einmal eine Institution, in der Gerechtigkeit eine entscheidende Rolle gespielt hat“, sagte Sullivan bitter, „aber das ist lange her.“

Leute mit genügend Geld bleiben selten lange in Gefängnissen – und wenn sie es doch tun, residieren sie dort wie die Könige“, sagte Tamara abgeklärt, „das ist doch überall so.“

Na DU musst das ja wissen“, knurrte Sullivan.

Tamara zuckte gleichmütig die Schultern. Sie war es gewohnt, in solcher Weise auf das Vermögen ihrer Familie angesprochen zu werden.

Und wo ist er nun, der werte Herr Malfoy?“, fragte sie, nachdem Sullivan sich nicht mehr äußerte, sondern mit einer sich vertiefenden, steilen Falte zwischen den Augenbrauen den Artikel weiterlas.

Es ist ihm, gegen Hinterlegung einer beachtlichen Kaution gestattet worden, in sein Haus zurückzukehren, bis sein Fall neu verhandelt wird“, bellte er zornig. „Von einer Untersuchungshaft wird abgesehen, weil angeblich keine Fluchtgefahr besteht. Das ist ein Skandal!“

Tamara zog erstaunt die Augenbrauen hoch. Ihr sonst so selbstbeherrschter Ausbilder sah aus, als erwöge er Malfoy einen Besuch abzustatten und ihn eigenhändig zu erwürgen, oder wahlweise das Ministerium in Brand zu stecken.

Was macht dich denn dabei so rasend wütend, David?“, fragte sie sanft. „Die Ungerechtigkeit an sich, oder die Tatsache, dass ausgerechnet Malfoy davon profitiert?“

Beides!“, sagte Sullivan.

Kennst du ihn denn persönlich?“, fragte Tamara neugierig.

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, ihn in Hogwarts zu unterrichten“, knurrte Sullivan. „Er war schon als junger Kerl ein unerträglich hochnäsiger Snob, machtgeil und skrupellos.“

Klingt, als ob du ihn nicht besonders mochtest“, bemerkte Tamara trocken.

Richtig!“, schnaubte Sullivan. „Und meine Einschätzung hat sich als goldrichtig erwiesen, denn als er mir das nächste mal begegnete, war aus dem versnobten Teenager ein äußerst gerissener und gefährlicher Mann geworden, der vor keiner Schweinerei zurückschreckte, wenn sie ihm nur zum Vorteil gereichte.“

Hm...“, machte Tamara.

Sullivan warf ihr einen scharfen Blick zu. Manchmal hatte er den Eindruck, dass auch die Methoden, deren sich ihr Vater bediente, nicht immer den Gesetzen ihres Heimatlandes, beziehungsweise den gängigen Moralvorstellungen entsprachen und vor allem, dass sie – Tamara – diese Methoden durchaus billigte.

Malfoy hat übrigens nicht wenige Leute für die dunkle Seite rekrutiert, damals, als du-weißt-schon-wer zum ersten mal an die Macht kam“, sagte er lauernd.

Aha...“, sagte Tamara unbeeindruckt.

Es heißt auch, dass er es war, der Snape dazu gebracht hat, sich dem dunklen Lord anzuschließen“, sagte Sullivan und bereute es im nächsten Moment, als die Gleichgültigkeit aus Tamaras Gesicht verschwand und einem schmerzerfüllten Ausdruck Platz machte.

Vielleicht sollte jemand Mister Malfoy drei Meter unter die Erde hexen, dann könnte man sich die neue Verhandlung sparen“, sagte sie leise und mit einem mal überraschend hasserfüllt.

Keine schlechte Idee“, murmelte Sullivan.

Meinst du, dass er noch Kontakt mit Severus hat“, fragte Tamara möglichst beiläufig.

Nein!“, sagte Sullivan energisch – zu energisch, wie Tamara fand.

Nein?“, wiederholte sie ungläubig.

Malfoy ist sicher unten durch, nachdem er die Ministerium-Sache versaut hat“, sagte Sullivan missmutig. „Er wird wohl keine große Rolle mehr unter den Todessern spielen, ganz im Gegensatz zu dem Mann, der ihnen Dumbledore vom Hals geschafft hat.“

Und warum haben sie ihn dann rausgeholt, wenn er nicht mehr wichtig ist?“, fragte Tamara.

Was weiß denn ich?“, schnauzte Sullivan sie an. „Vielleicht will der irre Riddle ihm persönlich das Fell über die Ohren ziehen – würde ihm ähnlich sehen.“

Riddle?“, fragte Tamara.

Du-weißt-schon-wer“, sagte Sullivan. „Das war sein Name, bevor er ein Monster wurde.“

Hast du ihn damals etwa gekannt?“, fragte Tamara mit großen Augen.

Nicht wirklich, aber ich bin ihm einmal begegnet“, antwortete Sullivan.

Und denkst du tatsächlich, er hat sich die Mühe gemacht, Malfoy aus dem Gefängnis zu holen, nur, um ihn dann umzubringen?“, fragte Tamara skeptisch.

Nein, vermutlich nicht“, seufzte Sullivan. „Tamara?“, fügte er misstrauisch hinzu.

Sie sah ihn fragend an.

Du erinnerst dich doch noch daran, dass du unlängst zu dem Schluss gekommen bist, dass es klug wäre, Snape so schnell wie möglich zu vergessen?“, fragte Sullivan und musterte sie eindringlich.

Natürlich!“, sagte Tamara leise. „Ich versuche mein Bestes.“

Und du weißt auch, dass ich das nicht aus Eigennutz frage, sondern weil ich mir Sorgen um dich mache?“, fragte Sullivan leise.

Das weiß ich, David“, sagte Tamara.

Nachdem sie am Tag der Beerdigung so verzweifelt über ihn hergefallen war und er schließlich auch über sie, hatte Tamara sich einige Gedanken gemacht, wie ihr Verhältnis zueinander sich weiter gestalten würde, doch zu ihrer großen Erleichterung, hatte Sullivan sich durch nichts anmerken lassen, dass sie miteinander intim geworden waren – er behandelte sie nicht anders als vorher – nicht vertraulicher, aber auch nicht vorsichtiger. Der Morgen, an dem sie den Unterricht wieder aufnahmen, und er sie mordsmäßig zur Sau machte, weil sie eine ihr gestellte Aufgabe unkonzentriert erfüllte, hatte schließlich ihre letzten Zweifel beseitigt, dass sich zwischen ihnen etwas Gravierendes geändert haben könnte.

Und du wirst keinesfalls anfangen, nach Snape zu suchen?“, sagte Sullivan und starrte ihr tief in die Augen.

Du würdest doch nicht deine mentale Überlegenheit dazu ausnützen, den Wahrheitsgehalt meiner diesbezüglichen Angaben nachzuprüfen, wenn ich dir darauf antworte?“, fragte Tamara barsch.

Natürlich nicht – wie kommst du denn auf so was?“, sagte Sullivan glatt.

Ich werde Severus nicht suchen, okay?“, knurrte Tamara. ‚Ich werde einfach diesen Malfoy fragen, wo ich ihn finden kann’, ergänzte sie in Gedanken, nicht ohne Sullivan dabei genauestens zu beobachten. Er schien mit ihrer Antwort zufrieden zu sein.

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Es war nicht schwierig, herauszufinden wo Malfoy lebte. Tamara ging einfach in den Ort und stöberte in dem dortigen ‚Laden für alles Mögliche und Unmögliche’ herum, um in einem günstigen Augenblick die Ladeninhaberin, Mrs. Hucklebarry, auf die Schlagzeile im Tagespropheten anzusprechen. Als sie das Geschäft wieder verließ, wusste sie eine ganze Menge über die Malfoys.

Nun musste ein Plan her, wie sie in das Haus hinein, mit Malfoy reden und vor allem auch lebend wieder herauskommen sollte – und das alles, ohne dass Sullivan etwas mitbekam. Dies wiederum würde keine einfache Übung werden, denn sie war nach der Beerdigung auf die mehrfach ausgesprochene Einladung ihres Ausbilders einfach bei diesem wohnen geblieben, was er – vorgeblich unter dem Sicherheitsaspekt – sehr begrüßt hatte. Unter seinen wachsamen Augen zu agieren und dabei keinen Verdacht zu erregen, würde nicht einfach werden.

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Als erstes verfasste Tamara einen Brief an ihren Vater, schrieb ihm über Dumbledores Beerdigung - wobei sie jedoch die Nachricht, dass der Mann den sie liebte, dessen Mörder war, unter den Tisch fallen ließ - berichtete von ihren Fortschritten in der Ausbildung und über dieses und jenes, um dann wie nebenbei zu fragen, ob er eigentlich diesen Malfoy kennen würde, der unlängst aus Askaban entlassen worden war, wo man ihn zu Unrecht festgehalten hätte.

Da ihr Vater so gut wie alle steinreichen Zaubererfamilien in Europa kannte und mit einigen auch Kontakte pflegte, standen ihre Chancen gut, dass er die Malfoys kannte.

Und tatsächlich teilte Tamaras Vater ihr in seiner Antwort mit, dass er Lucius und Narzissa Malfoy auf einigen Empfängen getroffen und bei diesen Gelegenheiten auch ein paar Worte mit ihnen gewechselt hätte. Er ließ sich darüber aus, dass die Malfoys eine seit Generationen angesehene und sehr mächtige Familie wären und dass er es durchaus begrüßen würde, seine Tochter in diesen Kreisen verkehren zu sehen – allerdings erst, wenn das unleidige Thema Voldemort vom Tisch wäre, in das Malfoy sich wohl irgendwie verstrickt hätte, was dieser aber sicher relativieren würde, wenn der Stern dieses selbsternannten finsteren Lords im Begriff stände zu sinken.

Tamara konnte sich lebhaft vorstellen, dass ihr Vater seinen Gedanken freien Lauf gelassen hatte und sie schon mit einem schwerreichen Angehörigen des britischen Zaubereradels verheiratet gesehen hatte, den sie in diesen Kreisen eventuell aufgabeln konnte – allemal eine wesentlich passendere Partie, als ein Zaubertränkemeister. Dass er das ‚Thema Voldemort’ dabei so nebensächlich behandelte, sah ihm ähnlich. Schwierigkeiten waren nach Dimitri Ogareffs Lebensphilosophie dazu da, sie aus dem Weg zu räumen, und er zweifelte nicht daran, dass die Briten genau das mit ihrem schwarzmagischen Problem machen würden.

Einen ganzen Tag lang überlegte Tamara, wie sie es am geschicktesten anstellen sollte, mit Malfoy Kontakt aufzunehmen und kam schließlich mangels besserer Ideen zu dem Schluss, dass sie ihm einfach einen höflichen Brief schicken würde, in dem sie bat, ihn aufsuchen zu dürfen, ohne einen speziellen Grund dafür zu nennen. Nach dem, was ihr Vater geschrieben hatte, würde der Name Ogareff Malfoy sicher etwas sagen und wenn er nicht völlig von den Gepflogenheiten der elitären Zaubererfamilien abwich, würde er sie auch empfangen.

Die Antwort auf ihren Brief, den sie noch am selben Tag weggeschickt hatte, kam ausgerechnet, als sie Samstagmorgens mit ihrem Ausbilder am Frühstückstisch saß. Skeptisch beäugte Sullivan das Tier, das er sofort als nicht der Eulerei ihres Vaters entstammend einordnete.

Ich habe einer alten Freundin geschrieben“, sagte Tamara erklärend, als sie seinen Blick sah und verfluchte schweigend den Umstand, dass sie hier wohnte. Mit etwas fahrigen Bewegungen, nahm sie der Eule – die daraufhin nach ihr hackte – den Brief ab, damit Sullivan nicht noch das Malfoy’sche Siegel zu Gesicht bekam.

Und? Willst du nicht lesen, was deine Freundin schreibt?“, fragte der misstrauisch, als Tamara den Brief in die Hosentasche steckte.

Später!“, sagte sie. „Weißt du – meine Freundin hat ein Faible für schweinische Witze und womöglich erröte ich beim Lesen. Am Ende denkst du dann noch, ich hätte einen Verehrer.“

Sie hatte in den vergangenen Tagen - nachdem ihr seelischer Schmerz nicht mehr so übermächtig war und ihr Verstand begann, sie durch relativ normale Gedankengänge vor dem Durchdrehen zu bewahren – festgestellt, dass Sullivan der ‚Ausrutscher’ in der Nacht nach Dumbledores Beerdigung peinlich war und dass er sich Vorwürfe deswegen machte. Seit diesem Zeitpunkt zog sie ihn damit auf – eine kleine unbedeutende Rache, für all das, was er ihr im Unterricht antat.

Wär’ nicht das schlechteste“, knurrte Sullivan wenig überzeugend. „Das würde dich endlich von deiner Grübelei ablenken.“

Aber wo denkst du hin...“, flötete Tamara. „Du genügst mir vollauf, Chéri.“

Sehr witzig!“, brummte Sullivan verdrießlich.

Mit fliegenden Fingern riss sie wenig später in ihrem Zimmer Malfoys Nachricht auf.

Er hatte mit den üblichen Höflichkeitsfloskeln auf ihre Anfrage reagiert und lud sie ein, am Sonntagnachmittag in Malfoy Manor vorzusprechen.

Nachdenklich starrte sie auf die elegant geschwungene Handschrift und überlegte dabei, welche Ausrede sie gegenüber Sullivan gebrauchen sollte, um sich abzuseilen.

Sie teilte ihm schließlich ziemlich beiläufig mit, dass sie vorhätte, den nächsten Tag am Meer zu verbringen – alleine – um ihre Gedanken ein wenig durchzulüften und zu sortieren.

Wenn du meinst, dass das hilft...“, sagte Sullivan skeptisch.

Sie beseitigten gerade zusammen das Unkraut in seinem Garten – er bestand auf einzelnen Zaubern pro Pflänzchen, da er der Überzeugung war, dass ein globaler Zauber den Nutzpflanzen schaden könne. „Pass aber auf, dass du nicht das mit hinauslüftest, was du von mir gelernt hast.“

Mach ich, verehrter Meister!“, sagte Tamara ironisch. Der düstere Blick, den er ihr zuwarf, als sie kurz darauf ins Haus zurückkehrte, um etwas zu trinken zu besorgen, entging ihrer Aufmerksamkeit.

Am nächsten Tag verabschiedete sie sich nach dem Mittagessen von Sullivan und apparierte zunächst einmal an die Küste um ihren Ausbilder, falls er ihre Spur tatsächlich verfolgte, nicht misstrauisch zu machen.

Sie lief eine Weile am Strand entlang und versuchte tatsächlich, ihre Gedanken zu sortieren – nämlich die, wie sie am besten vorgehen sollte, um Malfoy Informationen zu entlocken. Nachdem ihr das allerdings nicht so recht gelingen wollte, beschloss sie spontan, einfach zu improvisieren.

Sie trank bei einer der Strandbuden noch einen Kaffee – ein Getränk, bei dem sie unweigerlich an Severus denken musste – und suchte sich dann einen möglichst geschützten Platz, um zu disapparieren.

Sullivan, der sich mit einem Schlapphut, unauffälliger Muggelkleidung, dichtem Bartwuchs und einer langen Haarmähne in ausgebleichtem Rotblond getarnt hatte, weswegen er Tamara auch nicht aufgefallen war, sah sie in dem Wäldchen verschwinden und nicht mehr auftauchen. Unverzüglich nahm er mit dem Zauberstab ihre Spur auf und verfolgte sie, bis zu der Stelle, an der Tamara verschwunden war. Er atmete einmal tief und sehr ärgerlich durch, ehe er den Zauber sprach, der ihm ihren Zielort offenbaren würde.

Tamara apparierte ein Stück weit von der Malfoy’schen Familienvilla entfernt und ging das restliche Stück zu Fuß.

Sie trat auf das große kunstvoll geschmiedete Tor zu, zog an der Klingel und wurde prompt von einer näselnden Hauselfenstimme, die aus dem Nirgendwo zu kommen schien, gefragt, wer denn Einlass wolle und was das Begehr sei.

Tamara nannte ihren Namen und das Tor schwang auf. Schnellen Schrittes ging sie die gekieste Auffahrt hinauf auf das Haus zu.

Sullivan hatte sein Outfit vorsichtshalber etwas verändert. Er trug nun eine Baseballkappe, die er tief in die Stirn gezogen hatte, die Kleidung war schmuddeliger geworden und die Farbe seines Barts, sowie der Haare, in ein straßenköterfarbiges Brünett übergegangen.

Er hatte sich ein Stück entfernt gegenüber der Villa postiert, und bekam noch mit, wie Tamara einem bulligen Wachposten am Eingang ein Stück Pergament zeigte, woraufhin dieser ihr die Tür öffnete und sie im Inneren des Hauses verschwand.

Sullivan wusste natürlich, welches Anwesen er hier vor der Nase hatte und es war ihm auch klar, dass er dort nicht hineinmarschieren konnte, ohne erhebliche Verwicklungen zu verursachen.

Mit wütend zusammengepressten Lippen zog er sich zwischen die Bäume am Straßenrand zurück, legte einen Tarnzauber über sich und grübelte darüber nach, wie viel Zeit er vergehen lassen sollte, ehe er - für den Fall, dass seine Schülerin nicht wieder herauskam – entgegen jeder Vernunft das Gebäude stürmen würde.

Tamara wurde, nachdem sie den Wachposten am Eingang passiert hatte, von einem Hauselfen in einen kleinen, vor Vornehmheit strotzenden Salon geführt, wo sie sich auf einem der steiflehnigen Stühle niederließ, um darauf zu warten, dass der Hausherr sie rufen ließ.

Zehn Minuten später – Tamara, die schon nach einer Minute wieder von dem Stuhl aufgesprungen war, vibrierte schon vor Ungeduld – kehrte der Elf zurück und bat sie, ihm zu folgen, Master Malfoy würde sie nun empfangen.

Der Raum, in den sie gebracht wurde, glich mehr einem Audienzzimmer, als einem Büro. Sogar der riesige Schreibtisch wirkte fast verloren, vor dem noch imposanteren Kamin, und der Hausherr, der sich bei Tamaras Eintreten höflich, wenn auch deutlich uneilig erhob, war gekleidet wie ein König. Ihm war vom Kopf bis zu den Zehenspitzen anzusehen, dass er sowohl Geld als auch Stil hatte. Das lange Haar fiel ihm so seidig und überaus gepflegt über die Schultern, dass der Blick des Betrachters zunächst einmal gefangen war und damit von dem einzigen Punkt ablenkte, der den Gesamteindruck veränderte – seinem Gesicht.

Dieses Gesicht, das oberflächlich betrachtet das eines wirklich gutaussehenden Mannes war, trug deutliche Spuren der Gefangenschaft und des Leids, das er in den Mauern Askabans erfahren hatte, auch wenn Malfoy sich bemühte, dies durch einen überheblichen, leicht gelangweilten Ausdruck zu kompensieren.

Miss Ogareff“, sagte er mit angenehmer, wenn auch leicht kratziger Stimme. „Willkommen in meinem Haus.“ Seine hellen Augen musterten sie wohlwollend, bevor er – sich minimal verneigend - ihre Hand ergriff und einen Handkuss andeutete.

Tamara schauderte unwillkürlich als sein warmer Atem für einen Moment ihren Handrücken streifte.

Es ist mir eine Freude, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mister Malfoy“, sagte sie und hoffte, dass ihr Lächeln überzeugend wirkte. „Vielen Dank, dass Sie mich in Ihrem Haus empfangen, obwohl wir uns noch nie begegnet sind.“

Malfoy lud sie mit einer sparsamen, aber sehr eleganten Geste ein, in dem Sessel vor seinem Schreibtisch Platz zu nehmen.

Ich bin ihrem Vater begegnet“, sagte er, nachdem sie sich beide gesetzt und der Hausherr Tee bei dem Elfen geordert hatte.

Bevor Tamara darauf antworten konnte, kam schon ein großes Tablett mit Tee, Gebäck und Sandwichs hereingeschwebt, unter dem der Hauself kaum noch zu sehen war. Der kleine Bedienstete postierte seine Last geschickt auf dem Schreibtisch, schenkte zwei Tassen voll Tee und verschwand in Windeseile.

Ein beeindruckender Mann, Ihr Herr Vater“, führte Malfoy weiter aus. „Sehr charmant, sehr energisch und ebenso erfolgreich, soweit ich das beurteilen kann.“

Ja“, sagte Tamara lächelnd, „er hat ein ziemlich... einnehmendes Wesen.“

Bedienen Sie sich doch bitte“, forderte Malfoy sie mit einem Blick auf das Tablett auf.

Vielen Dank“, sagte Tamara, griff artig nach der Teetasse und nahm einen Schluck.

Mein Vater erwähnte mir gegenüber“, sagte sie dann, „dass er Sie und Ihre Gemahlin mehrmals bei Empfängen getroffen hätte und darum habe ich mir auch die Freiheit herausgenommen, Sie zu kontaktieren. Ich hoffe, Sie empfinden dies nicht als allzu aufdringlich.“

Aber nein“, sagte Malfoy glatt. „Wie könnte ich den Besuch einer so schönen Lady als aufdringlich empfinden?“

Sie schmeicheln mir“, sagte Tamara und zwang sich, die Mundwinkel oben zu lassen. Sie überlegte, wie sie Malfoy am besten einwickeln könnte, doch der wache, taxierende Blick mit dem er sie musterte, machte sie zunehmend nervös.

Ich nehme doch an“, sagte Malfoy, nachdem er ebenfalls einen Schluck Tee genommen hatte, „dass es sich hierbei nicht um einen reinen Höflichkeitsbesuch Ihrerseits handelt und auch nicht nur um eine Gelegenheit, die Sie ergreifen, um Zutritt zu der gehobenen Schicht der alten Zaubererfamilien unseres Landes zu bekommen, denn das hätten Sie längst tun können. Ihr Name und Ihre Abstammung hätte Ihnen so gut wie alle Türen geöffnet.“

Das ist richtig, Mister Malfoy“, sagte Tamara. „Ich bin schon seit einiger Zeit in Ihrem Land“, fuhr sie zögernd fort, „und...“

Das ist mir bekannt, Miss Ogareff“, sagte Malfoy, als sie nicht gleich weitersprach. „Ich weiß, dass Ihr Bruder ein Jahr in Hogwarts absolviert hat – im Hause Slytherin, wie ich zu meiner Freude erfahren durfte – und dass Sie seither auf unserer schönen Insel weilen.“

Woher wissen Sie, dass ich hier geblieben bin?“, platzte Tamara heraus.

Ein wölfisches Lächeln erschien auf Malfoys Gesicht und Tamara verfluchte sich für ihre Impulsivität.

Mir ist ebenfalls bekannt, dass sie sich für einen Ausbildungsplatz als Aurorin beworben haben“, sagte Malfoy, „und dass das Ministerium Sie auch angenommen hätte, Sie sich aber dann für einen privaten Ausbilder entschieden.“

Tamara wurde heiß und kalt. Was wusste dieser Kerl noch alles über sie? Es war eindeutig ein sehr heißes Pflaster, auf dem sie sich gerade bewegte.