Kapitel 13 - Alltag

 

 

 

Der Ferienjob

 

vvon Chrissi C.

 

 

 

Über Euer Feedback freut sich: Chrissi

 

 

 

Kapitel 22 - 25 und Epilog

 

 

Kapitel 22 - Ruhe vor dem Sturm

 

Am Montag vormittag fing Snape an, Prüfungssituationen mit Tamara einzuüben - am Montag nachmittag war Tamara beinahe bereit, Hogwarts umgehend zu verlassen, und ihn nie mehr wiederzusehen.

Nach dem Nachmittagsunterricht stürmte sie wütend aus dem Raum. Die schwere Tür der großen Halle, die sie im Hinauseilen aufriss, krachte so schwungvoll gegen die Wand, dass der Putz von der Decke rieselte.

„Dumbledore wird es nicht mögen, wenn du seine Schule zerlegst!", rief ihr Snape belustigt nach, der ihr mit einigem Abstand zur Tür gefolgt war.

 

Er ließ ihr gerade mal drei Minuten um sich beruhigen, bevor er an ihre Wohnungstür klopfte, die sie mit so großer Wucht hinter sich zugeknallt hatte, dass die Bilder an den Wänden zitterten und die Bewohner derselben immer noch leise und entrüstet vor sich hinschimpften.

Dass diese Zeitspanne nicht einmal annähern ausgereicht hatte, um Tamaras nervlichen Zustand in die Nähe eines einigermaßen normalen Niveaus zu bringen, war deutlich an ihrem Gesichtsaudruck zu erkennen, als sie die Tür auf sein Klopfen hin wieder aufriss.

„Was willst du?", blaffte sie ihn an.

„Du hast etwas vergessen", sagte Snape ruhig.

„Nämlich was?", bellte Tamara.

„Dich zu bedanken!", sagte Snape.

„WAS? Wie pervers bist du eigentlich?", keifte Tamara. „Wofür um alles in der Welt soll ich mich denn bedanken? Dafür dass du mich stundenlang geschunden hast?"

„Ich habe nur versucht, eine annähernd realistische Prüfungssituation zu simulieren, damit du einen Eindruck davon bekommst, was dich erwartet", sagte Snape gelassen.

„Die Herren, die mir die Prüfung abnehmen, kommen meines Wissens nicht direkt aus der Hölle!", fauchte Tamara.

„Weiß man's?", sagte Snape belustigt. „Solche älteren Herrschaften haben oft rheumatische Probleme - dagegen soll Wärme ganz gut helfen. Aber das mit dem Bedanken hatte ich ohnehin auf etwas anderes bezogen", fügte er hinzu.

„Und du wirst mir sicher auch gleich verraten worauf", schnaubte Tamara, „mach schon - ich kann es kaum erwarten - diese Vorfreude macht mich ganz kribbelig."

„Ich habe dir keine Hausaufgaben aufgegeben", sagte Snape herablassend. „Nicht dass ich Gelegenheit dazu gehabt hätte, denn du bist ja rausgestürmt wie eine Verrückte, ehe ich den Unterricht überhaupt für abgeschlossen erklärt hatte - was ich übrigens aufgrund deines etwas verwirrten Zustands ausnahmsweise nicht weiter ahnden werde - aber ich hatte ohnehin nicht vor, dir welche aufzugeben."

„Wie überaus gnädig von dir, mein hochverehrter Meister", sagte Tamara mit zusammengebissenen Zähnen und einem breiten, falschen Lächeln, während sie die Hände vor der Brust zusammenlegte und sich einige Male, Demut mimend, vor ihm verneigte.

„Keine Ursache!", sagte Snape glatt, den ihre gespielte Unterwürfigkeit nicht im mindesten peinlich zu sein schien.

 

„Sonst noch was?", pflaumte Tamara ihn an.

„Ja! Du hast dich relativ wacker geschlagen, aber bei einigen Themengebieten bist du noch etwas unsicher", sagte Snape. „Ich habe dir aufgeschrieben, was du noch einmal nachlesen solltest", fügte er hinzu und hielt ihr ein zusammengefaltetes Stück Pergament hin.

„Keine Hausaufgaben, hm?", zischte Tamara und riss ihm das Papier aus der Hand.

„Nein - es steht in deinem eigenen Ermessen, deinen Wissenstand noch einmal zu festigen - wie gesagt, es waren nur Unsicherheiten, die ich festgestellt habe, keine großen Lücken", sagte Snape.

„Du traust mir also tatsächlich zu, eigene Entscheidungen zu treffen - das ist ja wirklich mal was Neues!", schnaubte Tamara.

„Manchmal schon!", sagte Snape mit stoischer Ruhe. „Zum Beispiel auch, wenn ich dich - wie jetzt - frage, ob du mich zum See begleiten möchtest."

„Schwimmen?", fragte Tamara misstrauisch.

„Man kann mit ein paar kleinen Modifikationen auch auf der Oberfläche laufen - aber das ist nur halb so erfrischend", sagte Snape ohne eine Mine zu verziehen.

Gegen ihren Willen musste sie grinsen.

„Ich bin immer noch mächtig sauer auf dich, Severus - wenn du mit mir schwimmen gehst, musst du damit rechnen, dass ich versuchen werde dich zu ersäufen", sagte sie dann wieder reichlich giftig.

„Es gibt niemanden, von dem ich mich lieber ersäufen lassen würde", sagte Snape mit einem treuherzigen Blick und der dazu passenden, einlullenden Samtstimme.

„Sag später nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!", meinte Tamara und ließ ihn ohne Einladung hereinzukommen an der Tür stehen, um ein Badehandtuch zu holen.

 

Schweigend gingen sie nebeneinander her - Tamara, in der Absicht, ihn dadurch zu strafen, was Snape allerdings absolut nicht zu stören schien - bis zu den Trauerweiden am Ufer des Sees.

Snape war bereits vor ihr im Wasser, weil er scheinbar keine Lust gehabt hatte die unzähligen Knöpfe seiner Lehrermontur manuell zu öffnen, und kurzerhand einen Entkleidungszauber angewandt hatte.

Nach wenigen Schwimmzügen hatte Tamara ihn eingeholt und versuchte nun ohne weitere Verzögerung, ihre Morddrohung wahr zu machen - eine Aktion, die damit endete, dass sie mindestens genauso viel Wasser schluckte wie ihr Opfer.

Als sie schließlich prustend und lachend - und außerdem ziemlich erschöpft auf der Insel ankamen - blieben sie nebeneinander im seichten Wasser des Uferbereichs liegen und versuchten, wieder zu Atem zu kommen.

 

„Kein schlechter Versuch!", sagte Snape, der sich etwas schneller erholt zu haben schien als sie. „Wenn du eine Referenz für das Ministerium brauchst, bin ich gerne bereit zu bestätigen, dass du es beinahe geschafft hättest, mich um die Ecke zu bringen."

„Und du meinst, sie wären tatsächlich mit so einem Beinahe-Erfolg zufrieden?", fragte Tamara. „Wenn du mir schon helfen willst, probieren wir das Ganze nachher noch mal, und du verzichtest darauf dich in so widerspenstiger Weise zur Wehr zu setzen."

„Komm her, du Killerhexe!", sagte Snape und versuchte sie an sich zu ziehen, wogegen Tamara sich jedoch sofort stäubte.

„Ich bin noch immer sehr wütend auf dich!", sagte sie patzig.

„Wie wär's, wenn du dir das für morgen aufhebst?", fragte Snape. „Da gebe ich dir dann auch wieder ein paar hübsche neue Gründe dafür?"

„Ich kann meinen Frust nicht so einfach verschieben!", sagte Tamara erbost.

„Du musst dir einfach selber suggerieren, dass jetzt Teil zwei deiner Prioritätenliste dran ist", sagte Snape mit einem anzüglichen Grinsen.

„Du bist wirklich unmöglich!", seufzte Tamara.

„Na komm schon her!", raunte Snape.

„Nein! Komm du her, wenn du etwas willst!", sagte Tamara trotzig.

„Na schön!", sagte Snape belustigt, und rollte sich zu ihr herum. „Sonst heißt es am Ende wieder, ich würde keine Kompromisse eingehen."

 

Die folgenden Tage verliefen nach einem sehr ähnlichen Muster, wobei Tamara sich immer mehr an die extravagante Art gewöhnte, in der Snape sie auf die Prüfungssituation vorbereitete. Am Ende der Woche hatte sie für seine teilweiße äußerst hinterhältigen Fragen, und für die fortwährenden Versuche, sie unauffällig aufs Glatteis zu führen nur noch ein müdes Lächeln übrig.

Ihre Wissenslücken, auf die er sie nach wie vor täglich in schriftlicher Form hinwies, versuchte sie in der Pause zwischen den beiden Unterrichtsblöcken zu füllen - es gab keine Mittagspause mehr in der sie die Nase nicht in mindestens eines der dicken Lehrbücher versenkte.

 

Am Freitag, nach dem Verteidigungsunterricht, als sich Tamara, die im praktischen Teil von ihrem Lehrmeister sehr an die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit getrieben worden war, völlig erledigt auf einen Stuhl plumpsen ließ, geschah schließlich ein kleines Wunder.

„Du bist soweit!", sagte Snape, der vor ihr stand und mit leicht schräg gelegtem Kopf auf sie herunter sah.

„Wofür?", fragte Tamara müde. „Für die Fluchschädenabteilung des St. Mungos?"

„Für die Prüfung!", sagte Snape. „Du wirst sie bestehen!"

„Ist das dein Ernst?", sagte Tamara und sah ihn mit großen Augen an.

„Aber ja!", sagte Snape.

„Und...?", sagte Tamara zögernd.

Snape sah sie fragend an und zog, in der für ihn so typischen Weise die Augenbrauen hoch.

„Bist du stolz....?", fragte Tamara leise.

„Selbstverständlich bin ich stolz auf mich, dass ich es geschafft habe einer so renitenten Person in so kurzer Zeit, diese immense Menge an Wissen einzutrichtern", sagte Snape trocken.

Tamara stand der Mund noch offen, als er vor ihr in die Hocke ging, und ihre beiden Hände in die seinen nahm.

„Natürlich bin ich stolz auf dich!", sagte er lächelnd. „Sehr sogar!"

„Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich dich das einmal sagen höre", sagte Tamara gerührt.

„Und ich kann kaum glauben, das ich das tatsächlich gesagt habe", meinte Snape kopfschüttelnd.

„Wage es ja nicht, es zurückzunehmen!", sagte Tamara warnend.

 

„Heißt das nun, dass du aufhörst, mich zu festgesetzten Zeiten systematisch schlecht zu behandeln?", fragte Tamara, als sie zusammen die Halle verließen.

„Wenn du willst, kann ich das gerne weiterhin tun", sagte Snape freundlich, „ich möchte nicht, dass du irgendwelche Entzugserscheinungen bekommst - aber im Prinzip sind wir mit dem kompletten Lehrstoff, inklusive Wiederholung durch, und was du noch mal vertiefst liegt bei dir. Ich bin dir allerdings gerne dabei behilflich, falls du das wünschst."

„Ich darf mir was wünschen...", sagte Tamara erfreut. „Dann wünsche ich mir als Erstes ein freies Wochenende, und dann, dass du mich Montag bis Mittwoch noch mal unterstützt, beim Lernen."

„Du lässt dich also freiwillig schlecht behandeln?", fragte Snape spöttisch.

„Ja, nachdem mich deine Methode so weit gebracht hat...", sagte Tamara lächelnd.

 

Sie verbrachten einen entspannten, friedvollen Abend zusammen und nutzten die laue Sommernacht um, auf dem Rücken im Gras liegend, lange Zeit die Sterne zu betrachten.

Den Rest der Nacht verbrachten sie in Tamaras Wohnung, und als Snape sich irgendwann vom Bett erhob, um in seine eigenen vier Wände zurückzukehren, machte Tamara wider besseren Wissens den Vorschlag, er möge doch bei ihr bleiben - und zu ihrer Verwunderung stimmte er zu - allerdings wohl mehr aus Müdigkeit als aus Überzeugung.

 

Tamara wachte auf, als er am Morgen darauf aus dem Bett stieg, obwohl er sich offensichtlich bemühte, dies sehr leise zu tun. Sie stellte sich schlafend, als sie spürte dass sein Blick sie streifte und öffnete die Augen erst wieder, als seine Schritte sich Richtung Badezimmer entfernten.

Dieser heimliche Blick auf seine Kehrseite bescherte ihr ein wohliges Kribbeln im Schoß und sie fragte sich, ob dieses Phänomen, dass sie so stark auf seinen bloßen Anblick reagierte, auch dann noch auftreten würde, wenn sie mit ihm zusammenleben würde.

Wie es wohl wäre, ihn jeden Morgen beim Aufstehen zu sehen, sich am Abend mit ihm darüber auszutauschen, wie der Tag des jeweils Anderen verlaufen war, sich über die meist belanglosen, aber netten Begebenheiten zu unterhalten, die man vielleicht erlebt hatte - einfach, die kleinen Dinge des Alltags mit ihm zu teilen.

In ihrer Ehe mit Nikolai war sie es gewesen, der diese Nähe schnell zu viel geworden war, und so hatte sie schon nach kurzer Zeit eine räumliche Trennung gefordert.

 

Bei Severus läge dieser Fall mit Sicherheit anders - da war es mehr als wahrscheinlich, dass sie ihm mehr auf die Nerven fallen würde, als er ihr.

Die Vorstellung konsequent Tisch und Bett mit Severus Snape zu teilen, hatte bei näherer Betrachtung etwas so Unwirkliches, fast Skurriles, dass Tamara unwillkürlich lachen musste. In dieser Anwandlung von Übermut, und nachdem das Kribbeln in ihrem Unterleib immer noch nicht nachgelassen hatte, beschloss sie spontan, ihm einen Besuch im Badezimmer abzustatten.

Sie benutzte die Toilette - während er noch duschte und von ihrer Anwesenheit scheinbar noch nichts mitbekommen hatte - und kam sich dabei fast wie eine Schwerverbrecherin vor, was wiederum einen erneuten Heiterkeitsausbruch bei ihr auslöste. Anschließend machte sie sich am Waschbecken etwas frisch und postierte sich dann in einem günstigen Blickwinkel zur Duschkabine. Ob er auch manchmal unter der Dusche sang? Sie hatte das Lächeln, zu dem sie diese Vorstellung animierte noch im Gesicht, als schließlich das Wasser abgestellt wurde.

Voller Spannung hing ihr Blick an der Schiebetür der Kabine, als diese sich leise quietschend öffnete.

 

Der tropfnasse Mann, der gleich darauf in ihrem Blickfeld erschien, hätte einen wirklich hinreißenden Anblick geboten, wenn er sie nicht angesehen hätte, als wäre sie ein höchst widerwärtiges Insekt, dass sich unglücklicherweise in seine Nähe verirrt hatte.

„Das Bad ist besetzt!", blafft er sie an.

„Das Bad ist groß genug für uns beide!", sagte Tamara sanft.

„Nicht am Morgen!", knurrte Snape.

„Wie kommt es nur, dass ein intelligenter Mann wie du, davon ausgeht, die Tageszeit würde in irgendeiner Weise die Größe eines Raumes beeinflussen?", sagte Tamara lächelnd und schnappte sich eine Sekunde vor ihm das Handtuch, nachdem er gerade greifen wollte.

„Die Tageszeit hat lediglich Einfluss auf meine Bereitschaft, die Anwesenheit lästiger Eindringlinge in meine Privatsphäre zu ertragen", sagte Snape finster, „und jetzt rück das Handtuch raus - SOFORT!"

„Hol's dir doch!", sagte Tamara und grinste ihn frech an, während sie das Handtuch hinter ihrem Rücken verbarg.

 

Snape kniff in bedrohlicher Weise die Augen zusammen und trat einen Schritt auf sie zu.

„Ich warne dich!", sagte er in seinem typischen leisen Schülereinschüchterungs-Ton, der jedoch nicht die erwünschte Wirkung hatte, sondern - im Gegenteil - ihr Grinsen noch verbreiterte.

Als er mit einer Hand um sie herumfasste, um sich das Handtuch zu holen, ließ Tamara es in die andere Hand wechseln und steckte diese nach hinten seitlich weg.

Er hielt sich nicht damit auf, nun von der anderen Seite sein Glück zu versuchen, sondern packte sie an den Schultern und drehte sie unsanft um, worauf sie nun das Handtuch mit beiden Armen an die Brust drückte, als wäre es ein kostbarer Schatz, den er ihr entreißen wollte.

„Du kriegst es nicht - du kriegst es nicht!", sang sie neckisch vor sich hin.

Während Snape sie von hinten mit einem Arm fest umfasste und mit der freien Hand energisch das Handtuch aus ihrer Umklammerung wand, nützte Tamara die Situation um sich in aufreizender Weise an ihm zu reiben.

„Ich glaube, du brauchst dringend eine Abkühlung!", raunte Snape ihr ins Ohr, als er endlich das begehrte Stück Frottee zurückerobert hatte, um es dann nur achtlos zur Seite zu werfen, und schob sie in Richtung Dusche.

„NEIIIN! LOSLASSEN!", kreischte Tamara und krallte sich mit beiden Händen an den Wänden der Duschkabine ein.

Snape faltete mühelos ihre beiden Hände vor der Brust zusammen, umfasste beide Handgelenke mit einer Hand, wobei er sie umdrehte, und schob sie mit einem fiesen Grinsen im Gesicht, rückwärts in die Kabine hinein, während er mit der anderen Hand nach dem Wasserhahn tastete und schließlich das kalte Wasser aufdrehte.

Tamara stieß einen spitzen Schrei aus, als sich der eiskalte Wasserstrahl auf sie ergoss und versuchte vergebens, sich aus seinem Griff zu befreien. Nachdem ihr das nicht glückte, versuchte sie, ihn mit hineinzuziehen unter den kalten Wasserfall, und nachdem auch dieses nicht von Erfolg gekrönt war, fing sie an nach ihm zu treten, woraufhin er sie schließlich doch losließ und einen Schritt zurückwich.

„HA!", schrie Tamara, riss den Duschkopf aus der Halterung und zielte nun damit auf Snape, der sich umgehend hinter der Seitenwand der Kabine in Sicherheit brachte.

„Ich krieg dich!", rief sie, doch Snape tat ihr nicht den Gefallen, durch eine Antwort seine genaue Position zu verraten, die sie durch die angelaufene Scheibe nicht ausmachen konnte.

Also hielt sie auf gut Glück die Brause dort über die Seitenwand, wo sie ihn vermutete - er jedoch hatte sich schon wieder zum Eingang zurückbewegt und trat plötzlich hinter sie, um ihr die gefährlich kalte Waffe aus der Hand zu winden. Bei diesem Unterfangen bekam er jedoch ebenso viel kaltes Wasser ab, wie sie selbst - wobei er sich natürlich das Schreien verkniff, um nicht als Memme dazustehen, sondern lediglich ein gerade noch vertretbares Keuchen hören ließ - und drehte schließlich mit der freien Hand an den Wasserhähnen, bis die Temperatur auf ein angenehm warmes Niveau angestiegen war. Bibbernd und zähneklappernd klammerte Tamara sich an ihn um auch möglichst viel von dem warmen Wasser abzubekommen.

„Du bist ein ganz gemeiner Schuft!", sagte sie halb beleidigt, halb lachend.

„Und du bist ganz schön lebensmüde!", sagte Snape, der sich immer noch bemühte, seiner Stimme einen drohenden Unterton zu geben.

„Wenigstens weiß ich jetzt, wie man dich so früh am Morgen aus der Reserve locken kann", sagte Tamara und ließ ihn keine Sekunde los, während er den Duschkopf wieder in der Halterung befestigte.

„Es ist nicht mehr wirklich früh - wenn es nämlich wirklich früh wäre, würdest du jetzt mit einer Ganzkörperklammer versehen in der Ecke lehnen, anstatt mit mir unter der Dusche zu stehen", sagte Snape launig.

„Das hättest du getan?", fragte Tamara mit gespielter Entrüstung. „Wo ich dir doch nur ein bisschen Gesellschaft leisten wollte!"

„Ich brauche morgens im Badezimmer keine Gesellschaft", sagte Snape streng.

„Wirklich nicht?", schnurrte Tamara und drückte sich noch ein wenig fester an ihn, während sie ihr Becken nach vorne schob und ihre Hände langsam an seinem Rücken hinunter gleiten ließ, um sie schließlich auf seinem Hintern zu platzieren, wo sie genüsslich zu kneten begann.

„Kannst Du das wirklich verantworten?", knurrte Snape.

„Ich weiß nicht was du meinst!", sagte Tamara unschuldig, und freute sich über den hungrigen Blick, mit dem er sie ansah genauso wie über das, was da mit einem Mal so hart gegen ihren Schoß drückte.

Sie legte den Kopf in den Nacken und bot ihm ihre Lippen an, woraufhin er ihren Mund sofort heftig und fordernd in Besitz nahm.

 

Kurz darauf hing sie, zwischen den Seitenwänden der Duschkabine, sich mit beiden Händen links und rechts daran festkrallend, während ihr Rücken an die geflieste Wand gepresst wurde und ihre Beine um Snapes Hüften geschlungen waren. Sie klammerte sich krampfhaft fest, denn die Stöße mit denen er sie nahm waren alles andere als sanft.

Das Geräusch des warmen Wassers, das auf ihre Körper herab prasselte vermischte sich mit Tamaras lustvollem Wimmern, und Snapes tiefem Stöhnen.

Als sie sich schließlich beim besten Willen nicht mehr halten konnte, schlang sie schnell die Arme eng um seinen Hals, was für sie eine wesentlich bequemere Position war, aber ihn etwas in der Bewegungsfreiheit einschränkte, was ihm nicht recht zu passen schien. Er zog sich aus ihr zurück, drehte sie um und nötigte sie, mit gespreizten Beinen auf den leicht erhöhten Rand der Duschwanne zu steigen.

 

Tamara hörte ihn hinter ihrem Rücken mit dem Duschgel hantieren und kurz darauf spürte sie den Druck seines eindringenden Penis, allerdings nicht dort, wo sie ihn erwartet hatte.

Erschrocken zuckte sie zusammen und wollte sich zu ihm umwenden, doch er hielt sie an den Hüften fest.

„Entspann dich!", raunte er ihr ins Ohr, während er sich weiter langsam und vorsichtig in ihren Anus eindrang. Gleichzeitig ließ er eine Hand, von vorne zwischen ihre Schenkel gleiten, und begann mit sanften, gleichmäßigen Bewegungen ihre Klitoris zu reiben.

Das leise Stöhnen, mit dem Tamara sich seinen Bewegungen hingab, wurde nur hin und wieder von einem überraschten Keuchen unterbrochen, immer dann, wenn er sich noch ein Stückchen weiter in sie schob.

 

Nach einer Weile war er vollständig eingedrungen und begann nun, sich vorsichtig in ihr zu bewegen. Es war ein eigenartiges und leicht schmerzhaftes Gefühl auf diese Art ausgefüllt zu werden, aber eindeutig ein lustvolles.

Nach einer Weile beschleunigte er den Rhythmus, in dem er in sie eindrang und stimulierte nun auch ihre Perle mit schnelleren Bewegungen.

Tamara streckte ihm ihren Hintern entgegen und genoss die Aufmerksamkeit die ihr von beiden Seiten zuteil wurde.

Als sie merkte, dass sich ihr Höhepunkt allmählich anbahnte, klammerte sie sich an seiner Hand fest, wobei sie jede seiner Bewegungen mitmachte - nur, damit er nicht etwa auf die Idee verfiel, die Hand dort vorzeitig wegzunehmen.

 

Bald darauf, heftig von ihrem Orgasmus überrollt, lehnte sie zitternd den Kopf an ihre Hand, die sie flach an die nassen Fliesen gepresst hatte, und spürte dem langsam abebbenden Gefühl nach.

Snape, der sie erneut beidseitig an den Hüften gepackt hatte, beugte sich vor zu ihrem Nacken, und begann, sie dort abwechselnd zu beißen und zu küssen - eine Behandlung, die ihr wohlige Schauer durch den ganzen Körper jagte. Gleichzeitig fuhr er mit den fließenden Bewegungen fort, mit denen er sich immer wieder in ihr versenkte.

„Wie fühlt sich das an?", hauchte Tamara.

„Gut!", flüsterte Snape rau.

„Geht das auch ein bisschen präziser?", fragte Tamara lächelnd.

„Eng!", raunte Snape.

„Und wie noch?", fragte Tamara hartnäckig.

„Sehr eng!", sagte Snape mit leiser Ungeduld in der Stimme.

„Ja, aber...", begann Tamara.

„Wie der, vor kurzem noch jungfräuliche Popo einer extrem vorlauten Nachhilfeschülerin - und jetzt halt die Klappe", knurrte Snape und steigerte die Intensität seiner Stöße.

Tamara stöhnte, zog es aber vor, sich für diese Gemeinheit erst später zu revanchieren, wenn sie ihm nicht mehr so ausgeliefert war, und kurz darauf erreichte auch er den Höhepunkt.

 

Eine Weile blieben sie noch aneinander gelehnt unter dem warmen Wasserstrahl stehen, bis Snape anmerkte, dass er langsam aber sicher aufweiche, und nachdem sie sich gesäubert hatten, stiegen sie schließlich beide aus der Duschkabine.

„Bekomme ich jetzt endlich dieses Handtuch?", sagte Snape vorwurfsvoll.

„Nein!", sagte Tamara, die als Erste danach gegriffen hatte, und wickelte sich darin ein.

„Schon wieder frech!", sagte Snape kopfschüttelnd und wickelte sie umgehend wieder aus, um sich das Handtuch selbst um die Schultern zu legen.

„Du warst gemein zu mir, also kannst du ruhig frieren!", sagte Tamara und krallte sich an dem Tuch fest.

„ICH soll gemein gewesen sein?", fragte Snape überrascht, zog Tamara aber an sich und wickelte sie auch noch mit in das Badetuch ein. „DU bist einfach uneingeladen hier hereinspaziert, um mich am frühen Morgen bereits zu ärgern."

„Uneingeladen? Das ist MEIN Badezimmer!", sagte Tamara belustigt.

„Und ich bin DEIN Gast - benimmt man sich da so?", fragte Snape streng.

„Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass Dir mein Besuch hier drin im Großen und Ganzen doch relativ gut gefallen hat", sagte Tamara, „bis auf meine vorlauten Fragen natürlich."

„Ja - war ganz okay", sagte Snape beiläufig und schnappte sich ihre Hände, bevor sie ihn kratzen oder zwicken konnte, wodurch das Handtuch ins Rutschen kam und auf dem Boden landete.

„Es war natürlich ganz fantastisch", versicherte er grinsend, bevor er mit einem leicht skeptischen Blick ihre Handgelenke wieder frei gab.

„Das will ich Dir auch geraten haben", sagte Tamara grimmig und stemmte die Hände in die Hüften. Sie ließ ihren Blick über seinen nackten Körper wandern und ein Lächeln überzog ihr Gesicht.

„Weißt du eigentlich", sagte sie schmunzelnd, „dass du total knuffig aussiehst, wenn du pudelnass aus der Dusche kommst - bis auf den biestigen Gesichtsausdruck natürlich - aber sonst..."

„KNUFFIG?", sagte Snape entsetzt.

„Ja, sogar verdammt knuffig, um genau zu sein!", sagte Tamara fröhlich.

„Das ist eine ganz gemeine Beleidigung!", schnaubte Snape und zeigte anklagend mit dem Finger auf sie.

„Das ist die reine Wahrheit!", sagte Tamara und zuckte ich-kann-nichts-dafür-mäßig mit den Schultern.

„Nachdem du eh nur Blödsinn von dir gibst, schlage ich vor, du verziehst dich jetzt mal, bis ich fertig bin", sagte Snape und bekräftigte seine Worte mit einer abfällig verscheuchenden Geste.

„Du wirst es doch wohl fertig bringen das Badezimmer mit mir zu teilen!", sagte Tamara und verdrehte die Augen. „Hast du deinen Zauberstab da?", fügte sie hinzu und sah sich suchend um. „Ich habe meinen im Schlafzimmer liegen lassen und hätte mir gerne die Haare getrocknet."

Er nahm seinen Zauberstab von Ablage über dem Waschbecken, reichte ihn ihr jedoch nicht, sondern richtete ihn mit einem durchaus freundlich wirkenden Gesichtsausdruck auf sie.

Bevor Tamara dagegen Einspruch erheben konnte, spürte sie schon, dass ihre gerade noch nass gewesenen Strähnen nicht mehr an ihren Schultern klebten, und die kleinen Rinnsale, die daraus herabgeflossen waren mit einem Mal versiegten.

„Danke!", sagte sie angenehm überrascht.

„Gern geschehen!", sagte Snape und machte sich daran, sein Haar ebenfalls zu trocknen.

 

Als Tamara sich bückte, um das heruntergefallene Handtuch aufzuheben, bemerkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Normalerweise hätte sie ihre schwarzen Haare aus dem Augenwinkel sehen müssen, wenn sie sich bückte. Aber sie sah weder Haare noch Schwarz.

Sie richtete sich wieder auf und schüttelte prüfend den Kopf und bekam immer noch keine Haare zu Gesicht. Hier stimmte etwas ganz und gar nicht - auch der Luftwiederstand war irgendwie anders - aber zumindest war sie sich sicher, noch Haare zu haben, denn sie spürte sie im Nacken kitzeln, wenn sie den Kopf zurücklegte.

Entschlossen trat sie vor den Spiegel und im selben Augenblick machte sich Snape auffällig eilig auf den Weg zur Tür.

Der Spiegel war noch beschlagen vom heißen Wasserdampf und Tamara hatte keine Lust, ihn per Hand trocken zu wischen.

„Severus, würdest du mal bitte...", sagte sie auffordernd und drehte sich zu Snape um, der schon die Hand an der Klinke hatte.

„Aber sicher!", sagte Snape mit einem seltsamen Glitzern in den Augen und richtete seinen Zauberstab auf den Spiegel.

Das Bild klärte sich sofort und Tamara blickte entgeistert auf eine Frau, die ihr entfernt ähnlich sah, deren Haar jedoch verschiedene Rotschattierungen, vom leuchtenden Farbton blühenden Moons bis zum satten Rot von Burgunder aufwies, und zudem in wilden Locken mindestens zwanzig Zentimeter vom Kopf abstand, ihr Gesicht wie ein flammender Glorienschein umrahmend.

„SEVERUS!", keuchte sie entsetzt.

„Stimmt was nicht?", fragte Snape freundlich.

„MACH DAS WEG!", jammerte Tamara. Sie hob die Hand, brachte es aber nicht über sich, die rote Pracht zu berühren.

„Gefällt es dir etwa nicht?", fragte Snape, und legte den Kopf schief, während ein hinterhältiges Grinsen sich auf sein Gesicht schlich.

„Das ist ...ganz ... ganz ...ganz ...fürchterlich ...schrecklich ...grauenhaft...", ächzte Tamara.

„Ich dachte mir, das würde besser zu deinem aufbrausenden Temperament passen", erklärte Snape.

„Ach - dachtest du?", sagte Tamara. „Welche Haarfarbe müsstest du dann wohl tragen - giftgrün?"

„Ich weiß nicht was du meinst!", sagte Snape und versuchte unschuldig auszusehen, was jedoch misslang, da er sich das Grinsen nicht verkneifen konnte.

„Mach es wieder weg - sofort!", schnaubte Tamara.

„Hm, ...mal sehen, ob ich das hinkriege", sagte Snape zweifelnd.

„SEVERUS!" Tamara ging drohenden Blickes ein paar Schritte auf ihn zu.

„Okay, okay!", sagte Snape und hob abwehrend die Hände. „Ich mach ja schon!"

Tamara blieb vor ihm stehen und wippte ungeduldig mit dem Fuß, während er seinen Zauberstab auf sie richtete und sie einen Moment lang konzentriert fixierte.

Zu Tamaras Entsetzen, starrte er sie eine Sekunde später mit weit aufgerissenen Augen an.

„Ach du liebes Bisschen!", murmelte er verlegen und presste Fassungslosigkeit demonstrierend die Hand vor den Mund.

Wie von allen Teufeln gejagt hastete Tamara zum Spiegel zurück, krallte sich am Waschbeckenrand fest und starrte ihr Spiegelbild an, ...das wieder völlig normal aussah - die Haare glatt und schwarz.

„Du fiese Ratte!", sagte sie und drehte sich langsam zu Snape um.

Der stand mit verschränkten Armen lässig an die Tür gelehnt, und amüsierte sich köstlich.

„Kleines Späßchen!", sagte er feixend.

 

Die ausgelassene unbeschwerte Stimmung, in der sie sich trotz Snapes Morgen-Anlauf-Schwierigkeiten befanden, hielt auch den Rest des Tages an.

Tamara schaffte es, den Gedanken an die Zukunft so weit zu verbannen, dass sie völlig losgelöst von jeder Sorge ihre spontanen Gefühle für den Mann an ihrer Seite ausleben konnte und auch er benahm sich ungewöhnlich locker und unkonventionell.

Sie stromerten Hand in Hand über die Ländereien, schwammen im See und liefen durch den Wald, wo sie sich auf einer kleinen, in geheimnisvolles Zwielicht getauchten Lichtung liebten, wie auf einer geschützten, friedlichen Insel, fernab der Wirklichkeit.

Gegen Abend trieb sie schließlich ein Gewitter nebst Wolkenbruch ins Schloss zurück, und nach einem Abendessen in Picknick-Form, das sie witterungsbedingt nicht am See, sondern vor dem Kamin in Snapes Wohnraum zu sich nahmen, zogen sie weiter in den fünften Stock zum Vertrauensschülerbad, mit einer Flasche Rotwein und Gläsern bewaffnet.

 

Gründlich durchgeweicht und rundum glücklich lag Tamara spät in der Nacht in den Armen ihres Geliebten, während er schon eingeschlafen war, und kurz bevor der Schlaf auch sie übermannte, ging ihr der Gedanke durch den Kopf, dass dieser Tag der einzige seit ihrem Aufenthalt in Hogwarts gewesen war, an dem sie sich nicht mit Snape gestritten, oder sich zuminderst über ihn geärgert hatte - wenn man von der kleinen Eskapade mit den Haaren einmal absah.

Wieder verbrachten sie die ganze Nacht zusammen - ohne das sie darüber gesprochen hatten, war es klar, dass sie möglichst viel Zeit gemeinsam verbringen wollten, ehe ihre Zweisamkeit demnächst durch das Eintreffen anderer Personen beendet würde.

Am nächsten Morgen überraschte Snape sie damit, dass er auch direkt nach dem Aufwachen sehr wohl zu einem gewissen Maß an Zuneigung fähig war. Er zog ihren vom Schlaf noch ganz warmen Körper an sich - und schläfrig, mit trägen Bewegungen, die Gliedmaßen zärtlich ineinander verschlungen, vereinigten sie sich wortlos, sanft und unspektakulär.

 

Nachdem es draußen immer noch regnete verbrachten sie den Tag im Schloss wobei Snape Tamara an einige Stellen führte, die sie während ihrem ganzen Aufenthalt in diesen Mauern noch nicht zu Gesicht bekommen hatte, und zu manchen Örtlichkeiten, oder auch Bildern, Wandteppichen und Statuen, wusste er einiges zu berichten, was aus früheren Zeiten überliefert worden war, hin und wieder gab er sogar Anekdoten aus der jüngsten Vergangenheit der Schule zum Besten.

Tamara genoss diese Schlossführung, denn nachdem es weder um Zaubertränke noch um Verteidigung ging, waren Snapes Erzählungen sehr unterhaltsam und ganz und gar nicht so belehrend, wie sie anfänglich befürchtet hatte.

Die ganze Zeit über waren sie sich körperlich sehr nahe, berührten einander mit großer Selbstverständlichkeit, und auch Snape, der in dieser Hinsicht bis vor kurzem doch noch relativ reserviert gewesen war, schien sich dabei sehr wohl zu fühlen.

 

Erst gegen Abend holte sie die Gegenwart mit all ihren Problemen langsam wieder ein - wie ein unaufhaltsam vor sich hinwabernder kalter Nebel schlich sich der Gedanke an die ungewisse und vermutlich nicht sehr rosige Zukunft wieder in ihre Köpfe, als sie sich beim Abendessen gegenübersaßen, beide wie in gegenseitigem Einvernehmen schweigend.

 

„Wird Dumbledore schon morgen zurückkehren?", fragte Tamara in die Stille hinein.

„Ja, ich denke schon!", sagte Snape.

„Und die anderen Lehrer?", fragte Tamara.

„McGonagall wird vermutlich auch morgen eintreffen, und die anderen im Laufe der Woche", sagte Snape. „Es müssen noch einige Vorbereitungen getroffen werden, für das kommende Schuljahr." Seine Stimme klang seltsam hohl - ganz anders als in den vergangenen Tagen.

„Die Aussicht auf das neue Schuljahr scheint dich nicht gerade zu begeistern", bemerkte Tamara vorsichtig.

„Richtig - die Aussicht, dass bald wieder lärmende Schülerhorden durch das Schloss trampeln, und ich mich auch noch mit diesem Pack auseinandersetzen muss, nötigt mich nicht gerade zu Begeisterungsstürmen", sagte Snape finster.

„Hast du eigentlich schon mal daran gedacht, den Beruf zu wechseln?", fragte Tamara.

„Aber ja - spätestes am Ende jedes einzelnen Schultages denke ich daran - manchmal allerdings auch schon fünf Minuten nach Beginn eines solchen", sagte Snape trocken.

„Und warum unterrichtest du dann noch, wenn du diese Aufgabe so verabscheust?", fragte Tamara weiter.

„Weil es nicht anders geht!", antwortete Snape ausweichend, und sein Tonfall machte klar, das er auf weitere Fragen diesbezüglich, nicht mehr antworten würde.

 

„Wirst du mit Dumbledore reden?", sagte Tamara, nachdem sie sich wieder eine Zeit lang angeschwiegen hatten.

„Worüber?", fragte Snape.

„Über uns!", sagte Tamara leise.

„Nein!", sagte Snape ohne zu zögern.

„Und warum nicht?", fragte Tamara, die versuchte nicht allzu enttäuscht zu klingen.

„Erstens, geht das niemanden außer dir und mir etwas an", sagte Snape, „zweitens, würde es ohnehin nichts ändern, wenn ich ihm davon erzähle." ‚...und drittens, wird er es vermutlich auch so merken', fügte er in Gedanken hinzu.

„Heißt das, ab morgen muss ich so tun, als wärst du nicht mehr für mich, als nur mein Lehrer?", fragte Tamara ungläubig.

„In Gegenwart von andern - ja!", sagte Snape.

„Das ist...", begann Tamara, führte den Satz jedoch nicht zu Ende, sondern senkte betrübt den Kopf.

„Das ist was?", fragte Snape stirnrunzelnd.

„...erniedrigend", sagte Tamara leise ohne ihn anzusehen.

Snape wollte gerade zu einem Vortrag darüber ansetzen, dass es absolut unnötig war, das was zwischen ihnen vorgefallen war, vor seiner gesamten Kollegenschaft breitzutreten als Tamara den Kopf wieder hob und ihn ansah. Der ehrliche Schmerz, der aus ihren Augen sprach ließ ihn von seinem Vorhaben Abstand nehmen.

„Es tut mir leid!", sagte er stattdessen, und wunderte sich über sich selbst, noch während er die Worte aussprach.

„Schon gut! Ich kann dich nicht zwingen, zu mir zu stehen!", sagte Tamara mit belegter Stimme.

 

Snape seufzte, schloss die Augen und massiert mit einer leicht ungehalten wirkenden Geste seine Schläfen, als würden ihre Worte ihm Kopfschmerzen verursachen.

Als Tamara schon fast nicht mehr damit rechnete, dass er sich in irgend einer Weise zu ihrer Aussage äußern würde, griff er plötzlich nach ihrer Hand, um diese fest in die seine zu nehmen, und sah sie mit ernstem Blick an.

„Ich gebe zu, dass es mir selbst unter völlig normalen Umständen schwer fallen würde, mein Privatleben, und vor allem so eine intime Angelegenheit wie eine ...Liebesbeziehung, derart öffentlich zur Schau zu stellen", sagte er zögernd, „aber wer weiß - mit der Zeit, wäre ich vielleicht sogar fähig, mich in einem gewissen Rahmen dazu durchzuringen, wenn es denn unbedingt sein müsste. Aber die Umstände sind leider alles andere als normal, und ich möchte nicht, dass dich irgend jemand in dieser Weise mit mir in Verbindung bringt - zu deinem Schutz", sagte Snape eindringlich und hob die Hand, als Tamara ihm ins Wort fallen wollte, „und zu meinem eigenen Schutz!", beendete er seinen Satz.

„Das klingt verdammt endgültig, Severus!", sagte Tamara mit zitternder Stimme. „Gibst du uns den gar keine Chance mehr?"

„Es besteht noch eine minimale Hoffnung, das die Dinge sich anders entwickeln, als es den Anschein hat", sagte Snape, „aber ich werde dir nichts versprechen, von dem ich annehmen muss, dass ich es nicht halten kann."

„Erkläre mir doch bitte wenigstens, was genau eigentlich los ist!", sagte Tamara unglücklich.

„Nein! Je weniger du darüber weiß, desto besser!", sagte Snape mit Nachdruck.

„Warum lässt du mich das nicht selber entscheiden?", begehrte Tamara auf.

„Vertrau mir!", sagte Snape schlicht und strich mit seinen Fingern sanft über ihre Wange.

Tamara senkte den Kopf, weil sie verhindern wollte, dass er die Tränen sah, die ihr in die Augen traten. Doch der erstickte verzweifelte Laut, der ihr gleich darauf entkam, war nicht zu überhören, und veranlasste Snape dazu, sie auf seinen Schoß in eine tröstende Umarmung zu ziehen, was wiederum umgehend dazu führte, dass sie völlig die Fassung verlor.

Haltlos schluchzend lag sie in seinen Armen und gab sich für kurze Zeit einfach dem tiefen Schmerz hin, der ihr das Herz abschnürte.

 

Auch diese Nacht verbrachten sie zusammen, und für eine Weile gelang es Tamara dabei sogar, zu verdrängen, was vor ihnen lag, aber die Unbeschwertheit der vergangenen Tage war endgültig vorbei. Lange Zeit konnte sie nicht einschlafen und wälzte sich von der einen Seite zur anderen, während sie ihren Blick durch das Zimmer wandern ließ, das für viele Wochen ihr Zuhause gewesen war, und das sie bald würde verlassen müssen. Ihre Unruhe blieb Snape nicht verborgen, der wohl auch nicht sehr tief schlief in dieser Nacht. Er zog sie an sich und das Gefühl der Geborgenheit, das sich durch die tröstende Nähe seines warmen Körpers sofort einstellte, ließ sie schließlich irgendwann doch in einen unruhigen Schlaf sinken.

 

Als sie am Morgen erwachte war Snape schon fort.

 

 

 

 

Kapitel 23 - Zukunftsaussichten

 

Tamara hatte ein seltsames Gefühl im Magen, als sie auf dem Weg zum Frühstück die Treppen hinunter stieg. Seit sie an diesem Morgen alleine in ihrem Bett aufgewacht war, kam es ihr so vor, als ob ihr etwas weggenommen worden wäre, das sie nur ein paar kostbare, glückliche Momente lang in ihren Händen gehalten hatte.

Snape saß bereits mit der unvermeidlichen Tasse Kaffee am Lehrertisch, und sein Verhalten, als Tamara den Raum betrat und auf den Tisch zuging, bestätigte nur ihre Befürchtung. Obwohl er bemerkt hatte, dass sie eingetroffen war, hob er nicht den Blick, um sie anzusehen, sondern widmete sich weiter der Zeitung, die vor ihm lag.

Er trug, im Gegensatz zu den letzten zwei Tagen, seine übliche schwarze Kleidung, und wenngleich Tamara dieser Anblick vom Unterricht her vertraut war, wirkte er heute besonders steif und distanziert auf sie.

 

„Guten Morgen!", sagte Tamara leise als sie sich zu ihm setzte.

„Morgen!", murmelte er, warf ihr einen kurzen zerstreuten Blick zu und vergrub sich wieder in seinem Zeitungsartikel.

„Soll ich mich bei dir vorstellen, oder kennst du mich noch?", fragte Tamara anklagend.

Snape reagierte weder bissig noch sonst in irgendeiner typischen Weise. Er griff nur über den Tisch und nahm ihre Hand, seine Augen blieben jedoch an der Zeitung haften.

Tamara schaute eine Weile irritiert zwischen seiner Hand und seinem, über die Zeitung gesenkten Gesicht hin und her.

„Was zum Geier...", begann sie schließlich, unterbrach sich jedoch sofort, als er den Kopf hob.

In seinem Blick lag ein Ausdruck, den sie noch nie bei ihm wahrgenommen hatte, und den ihr Unterbewusstsein - obwohl sie sich dagegen sträubte - sofort als Furcht deklarierte. Zudem wirkte er unnatürlich blass, trotz der leichten Bräunung, die seine Haut im Laufe der vergangen Wochen angenommen hatte.

„Was ist passiert!", fragte sie tonlos.

Statt einer Antwort, schlug er die Zeitung zu, drehte diese um und präsentierte Tamara die Schlagzeile:

 

>SZENEN DES GRAUENS BEI DER QUIDDITCH-WELTMEISTERSCHAFT<

 

Darunter prangte das funkelnde Schwarzweiß-Bild eines Totenschädels, aus dessen Mundhöhle eine Schlange hervorquoll. Das Gebilde, das aus tausenden von kleinen Sternen zu bestehen schien, schwebte über den dunklen Baumspitzen eines Waldes.

„Ist das...?", flüsterte Tamara.

„Das Dunkle Mal!", bestätigte Snape ihre unausgesprochene Frage.

Trotzdem Tamara natürlich sofort gewusst hatte, um was es sich handelte, da sie dieses Zeichen schon x-mal auf Snapes rechtem Unterarm gesehen hatte, verursachte seine Antwort ihr eine Gänsehaut.

„Und was... bedeutet das...?", fragte sie zögernd.

„Nichts Gutes auf jeden Fall!", sagte Snape belegt. Er erläuterte ihr in knappen Worten, was nach dem Endspiel der Qudditchweltmeisterschaft geschehen war.

„Heißt das etwa, ...ER ist wieder da?", fragte Tamara.

„Ganz so schlimm ist es noch nicht, denn das hätte ich sicher mitbekommen", sagte Snape mit einem kurzen Blick auf seinen Arm, „aber es hat sicher seinen Grund, dass die Todesser es wagen sich so öffentlich zusammenzurotten. Immerhin hat es in den letzten vierzehn Jahren jeder, der auch nur ansatzweise mit dem dunklen Lord in Verbindung gebracht wurde, vehement abgestritten diesem Verein anzugehören, oder zumindest behauptet, er wäre dazu gezwungen worden.

„Du auch?", rutschte es Tamara heraus, bevor sie es verhindern konnte.

„Ich habe die Seiten gewechselt, BEVOR der dunkle Lord vernichtet wurde!", sagte Snape scharf.

„Aha! Und warum?", fragte Tamara, die sich von seinem Ton nicht einschüchtern lassen wollte.

„Das tut nichts zur Sache!", sagte Snape barsch.

„Tut es doch!", sagte Tamara stur. „Also - warum?"

„Das geht dich nichts an!", fauchte Snape und warf ihr einen Blick zu, der eine deutlich Warnung beinhaltete.

„Oh -Verzeihung!", sagte Tamara eisig. „Ich hatte vergessen, dass ich in deinem Leben ja nur eine kurze unbedeutende Nebenrolle spiele, die ja sowieso bald endet."

 

Snape schloss die Augen und warf den Kopf in den Nacken, während er gereizt und deutlich hörbar ausatmete.

„Hör auf damit!", sagte er bemüht ruhig, als er sie wieder ansah. „Das ist nun mal absolut nicht der richtige Zeitpunkt, meine Vergangenheit vor dir auszubreiten!"

„Wann ist denn dann der richtige Zeitpunkt?", sagte Tamara schrill. „Morgen? Übermorgen vielleicht? Werde ich dich überhaupt je wiedersehen, wenn diese Woche vorbei ist?" Ihre Stimme hatte sich während dem Sprechen deutlich in die Nähe der Hysterie geschraubt.

Snape reagierte darauf, indem er ihr Gesicht in beide Hände nahm, und sie so zwang, ihn direkt anzusehen, wogegen sie sich zunächst leicht sträubte.

„Hör mir zu, Tamara!", sagte er beschwörend. „Ich würde alles dafür geben, dir diesen Schmerz ersparen zu können, aber es steht nicht in meiner Macht, es sei denn, ...du lässt zu, dass ich deine Erinnerungen ...verändere."

„Wage es nicht einmal daran zu denken!", flüsterte Tamara und sah ihn entsetzt an.

„Es wäre aber leichter...", versuchte Snape es noch einmal.

„NEIN!", sagte Tamara heftig.

Snape seufzte.

„Die Dinge sind nun mal so, wie sie sind!", fuhr er fort. „Ob wir uns nach dem Ende dieser Woche wiedersehen, hängt davon ab, wie sich die Lage entwickelt. Auf jeden Fall muss dir klar sein, dass ich gezwungen sein könnte, die Verbindung zwischen uns von einem Tag auf den anderen abzubrechen."

„Aber warum denn?", sagte Tamara verzweifelt. „Sag mir doch wenigstens warum das für uns beide so gefährlich sein sollte. Was für eine Aufgabe ist das, die du zu erfüllen hast, falls sich herausstellen sollte, dass Du-weißt-schon-wer wieder zurück kommt? Du stehst doch jetzt auf der richtigen Seite, und Hogwarts ist geschützt wie fast kein anderer Ort in Großbritannien - also worin genau besteht die Gefahr?"

 

Snape sah sie äußerst unwillig an.

„Meinst du nicht, ich habe ein Recht, das zu erfahren?", fragte Tamara leise.

„Schön!", sagte Snape nach einer Weile, aber er sah alles andere als begeistert aus. „Wenn du darauf bestehst - aber nur unter der Bedingung, dass du dir einen Bannspruch von mir auferlegen lässt, der dich daran hindert, die Informationen, die du erhältst weiterzugeben."

„Aber sicher doch - ich bin gerührt, über so viel Vertrauen!", zischte Tamara.

„Das hat nichts mit Vertrauen zu tun!", verteidigte sich Snape.

„Ja, ja - ich weiß - du willst mich nur schützen", sagte Tamara ungeduldig. „Jetzt mach schon, verdammt noch mal!"

Snape hob seinen Zauberstab und murmelte so gut wie tonlos vor sich hin. Tamara sah ihn gespannt an und für einen kurzen Moment kam ihr der Verdacht, dass er trotz ihrer deutlichen Weigerung versuchen könnte, ihr einen Vergessenszauber anzuhängen. Daher war sie, als er den Stab wieder senkte, paradoxerweise erleichtert, dass ihre Verzweiflung kein bisschen abgenommen hatte.

 

„Und?", fragte sie ungehalten, nachdem Snape noch immer keine Anstalten machte, sie über den näheren Sachverhalt seiner geheimnisvollen Mission aufzuklären.

Snape schien es trotz seiner Sicherheitsvorkehrungen immer noch nicht für eine gute Idee zu halten, sie einzuweihen.

„Wenn sich wirklich herausstellen sollte, dass der dunkle Lord es geschafft hat, irgendwie am Leben zu bleiben", begann er zögernd, „und der Fall einträte, dass er wieder genug Macht erlangt, um Schaden anzurichten..."

„Ja?", sagte Tamara ungeduldig.

„...und es nicht gelänge, ihn vorher zu erledigen", fuhr Snape fort, „was anzunehmen ist, denn er wird sich mit Sicherheit nicht so leicht erwischen lassen - dann..."

„Was dann?", rief Tamara, der diese Ausführungen viel zu lange dauerten. „Musst DU dann unbedingt an vorderster Front stehen, um ihn zu bekämpfen?"

„...dann werde ich zu ihm zurückkehren!", sagte Snape.

Tamara starrte ihn mit entsetzt aufgerissenen Augen an.

„Zumindest wird er glauben, dass ich zu ihm zurück gekehrt bin!", sagte Snape. „Und er wird denken, dass ich Dumbledore für ihn ausspioniere, während ich genau das Gegenteil davon tun werde, nämlich ihn ausspionieren um Dumbledore zu unterstützen."

„Warum musst ausgerechnet du das tun?", sagte Tamara erschüttert.

„Wer sonst?", sagte Snape. „Ich wüsste niemand in unseren Reihen, der diese Rolle glaubhafter spielen könnte als ich selbst. Außerdem habe ich eine nicht unerhebliche Schuld wieder gut zu machen, und ein Versprechen gegenüber Dumbledore einzulösen."

„Ich hasse Märtyrer!", zischte Tamara.

„Ich bin kein Märtyrer", sagte Snape ruhig. „Aber ich könnte mir selber nicht mehr ins Gesicht schauen, wenn ich mich meiner Verpflichtung entziehen würde."

„Und diese Sache ist wichtiger als ...alles andere?", fragte Tamara verzweifelt.

„Ja!", sagte Snape ohne zu zögern.

 

Tamara schluckte und versuchte die Tränen zurückzuhalten, die ihr angesichts dieser klaren Aussage in die Augen traten.

„Aber du hast doch selber gesagt, dass man noch gar nicht weiß, ob er tatsächlich zurückkehrt", sagte sie, sich an den letzten Strohhalm klammernd, der einen Ausweg zu ermöglichen schien, „und so lange das gar nicht sicher ist, kannst du doch dein Leben führen wie bisher. Und vielleicht ist das alles...", sie warf einen angewiderten Blick auf den Zeitungsartikel, „...ja nur Panikmache, ein übler Scherz von ein paar Spinnern um sich wichtig zu machen."

„Es sind einige Dinge passiert in den letzten Jahren, die darauf hinweisen, dass etwas anderes dahintersteckt...", sagte Snape.

„Aber das sind doch reine Vermutungen!", unterbrach ihn Tamara zornig.

„...und seit einiger Zeit häufen sich diese Anzeichen", sagte Snape unbewegt.

„Und was sind das für Anzeichen?", fragte Tamara.

„Ich habe ...seltsame Träume...", begann Snape, als er schon wieder unterbrochen wurde.

„Du hältst also Träume für sichere Vorboten, dass ER wieder zurückkehrt? TRÄUME?", rief Tamara außer sich.

„Das sind keine gewöhnlichen Träume", erklärte Snape, „eher schon fast Visionen - und aufgrund der intensiven geistigen Verbindung, die zwischen dem Lord und mir bestand, nehme ich das durchaus ernst."

„Ist das dein einziges Indiz?", sagte Tamara stur.

„Das dunkle Mal auf meinem Arm brennt in letzter Zeit häufig, und das ist ein sicheres Zeichen, dass auch die Kraft dessen, der es geschaffen hat zurückkehrt", sagte Snape tonlos.

 

Tamara fiel nichts ein, womit sie ihm diesbezüglich widersprechen konnte und so starrte sie nur wortlos und verzweifelt auf seinen Unterarm.

„Und wo ist nun für dich der Punkt, an dem du die Verbindung mit mir abbrechen würdest?", fragte sie nach einer Weile. „Dann, wenn du weißt, dass du IHM gegenübertreten musst?"

„Spätestens dann - eigentlich aber schon vorher", sagte Snape knapp.

„Aber wir könnten uns doch heimlich treffen - und von Anfang an dafür sorgen, dass niemand etwas von unserer Beziehung erfährt", sagte Tamara rebellisch.

„Der dunkle Lord wird mir - und auch niemand anderem - nicht einfach auf gut Glück vertrauen", sagte Snape ungehalten. „Wenn ich ihm gegenüber trete, und das auch überlebe, dann wird er als Erstes meinen Geist durchwühlen, und jeden Gedanken, der ihm brauchbar erscheint an die Oberfläche zerren. Und ich möchte nicht, dass er DICH dort findet, denn es wäre ihm sicher sehr willkommen, sich mit diesem Wissen, und den Möglichkeiten, die sich daraus ergäben, meiner Loyalität zu versichern."

„Aber was ist mit den ganzen anderen Gedanken", fragte Tamara, „zum Beispiel mit denen, die dich sofort als Dumbledores Spion entlarven?"

„Ich kann meinen Geist verschließen, in einem gewissen Rahmen, ohne dass er es merkt", sagte Snape, „aber sehr stark emotional geprägte Gedanken lassen sich nicht so ohne weiteres verschleiern."

 

Tamara dachte einen Moment nach und sah ihn dann wieder bestürzt an.

„Aber die Gedanken an mich sind doch auch da, wenn Du mich nicht mehr triffst...", sagte sie verwirrt.

„Nein...", sagte Snape.

„Heißt das etwa, du wirst dir selber mit einem Vergessenzauber behelfen?", fragte sie entsetzt.

„Nein - nicht, wenn es sich vermeiden lässt!", sagte Snape. „Ich werde meine Gedanken in ein Denkarium ablegen, ein spezielles Gefäß, das für diesen Zweck erfunden wurde, soweit bis du nur noch als flüchtige Erinnerung in meinem Kopf existierst."

„Du wirst mich ...ablegen?", fragte Tamara mit zitternder Stimme.

„Ja - und ich fürchte, ich werde ein sehr großes Denkarium brauchen!", sagte Snape und streichelte mit dem Handrücken über ihre Wange.

„Heißt das, du wirst dann nicht mehr wissen, was du für mich empfindest?", fragte Tamara bestürzt.

„Doch - das Gefühl bleibt da, nur die Gedanken sind weg", sagte Snape.

Tamara sah ihn geringfügig erleichtert an.

 

„Aber dieses ganze Szenario wird doch eigentlich erst dann nötig, wenn sich herausstellt, dass es ernst wird", sagte sie dann. „Das bedeutet doch, dass wir uns bis dahin treffen können - zumindest heimlich."

„Das war so", seufzte Snape, „bis zu diesem Ereignis bei der Weltmeisterschaft."

„Aber du sagtest doch...", fuhr Tamara ihn an.

„Es könnte sein, dass ich schon vorher meine Fühler in gewissen Kreisen ausstrecken muss", unterbrach Snape sie, „einerseits um herauszufinden, was vor sich geht aber auch um meine eventuelle Rückkehr glaubhaft gestalten zu können - das würde auch definitiv meine Überlebenschance erhöhen. Außerdem dürfte es für dich schwierig sein, heimlich hier rein zu gelangen - Hogwarts ist von zu vielen Menschen bevölkert, als dass man etwas zuverlässig geheim halten könnte - und ich werde nur selten von hier weg können."

„Warum das denn?", stöhnte Tamara.

„Dumbledore holt im nächsten Schuljahr jede Menge Fremde ins Schloss, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, die Tradition des trimagischen Turniers wieder aufleben zu lassen", sagte Snape und erläuterte ihr dann kurz die Bedingungen, unter denen dieses Turnier stattfinden würde.

 

„Und das ist der Grund, warum du nicht weg kannst - weil Besucher von den anderen beiden Schulen hier sein werden?", fragte Tamara ungläubig.

„Es sind ein paar nicht sehr vertrauenswürdige Gestalten dabei", erklärte Snape, „Und außerdem muss ich auf unseren Helden aufpassen."

„Auf wen?", fragte Tamara.

„Potter! Du weißt schon - der Bengel, der überlebt hat", knurrte Snape.

„Ja sicher! Harry Potter! Du scheinst den Jungen aber nicht besonders ins Herz geschlossen zu haben", bemerkte Tamara.

„Nein! Wenigstens dazu kann mich niemand zwingen!", sagte Snape bitter.

 

Tamara schloss kurz die Augen und atmete tief durch, bevor sie fortfuhr.

„Werden wir uns nun, nachdem ich Hogwarts verlassen habe, noch sehen können oder nicht", fragte sie heiser.

„Ich muss zuerst mit Dumbledore reden", sagte Snape ausweichend.

„Musst du ihn etwa um Erlaubnis fragen?", fauchte Tamara.

„Nein - ich werde ihn nach weiteren Informationen fragen", sagte Snape scharf, „und mich mit ihm beraten, ob es angebracht ist, bereits jetzt vorbeugend Kontakt zu ehemaligen Todessern aufzunehmen."

„Und wenn er das noch nicht für nötig hält - wirst du dich dann mit mir treffen?", bohrte Tamara weiter.

 

„Wie stellst du dir das eigentlich vor, alleine in einer eigenen Wohnung zu leben?", fragte Snape skeptisch, anstatt ihr zu antworten. „Innerhalb des Auroren-Ausbildungscamps wäre dein Schutz ausreichend gewährleistet, genauso wie hier in Hogwarts, aber außerhalb... das wird deinen Vater doch mit Sicherheit auf die Barrikaden treiben. Oder schließt ‚alleine leben' für dich automatisch zwei, drei Leibwächter mit ein? Vielleicht könntest du ja sogar ‚Niki' dafür gewinnen", fügte er boshaft hinzu.

„Sehr witzig!", schnaubte Tamara. „Wenn ich ‚alleine' sage, dann meine ich auch alleine! Ich bin in diesem Land bei Weitem nicht so gefährdet, wie mein Vater es gerne darstellt, und nachdem Sascha jetzt wieder zu Hause leben wird und ich nur noch für mich alleine verantwortlich bin, werde ich die gutgemeinten aber erdrückenden väterlichen Fesseln endlich abstreifen, bevor ich daran ersticke."

„Du willst also tatsächlich ganz alleine leben - völlig ungeschützt?", fragte Snape ungläubig.

„Eine Wohnung kann man absichern", sagte Tamara, „und ansonsten habe ich vor, mich völlig frei zu bewegen, wie andere Menschen auch. Ich werde nicht meine Freiheit zugunsten der Sicherheit opfern - dafür ist das Risiko nicht hoch genug."

„Weiß denn dein Vater schon von dieser revolutionären Anwandlung?", fragte Snape interessiert unter heftigem Einsatz der Augenbrauen.

„Ja - er weiß es!", fauchte Tamara - wütend, dass er sie nicht ernst zu nehmen schien.

„Und was sagt er dazu?", fragte Snape weiter.

„Er tobt - aber es wird ihm nichts nützen!", sagte Tamara energisch.

 

„Du probst also tatsächlich den Aufstand!", sagte Snape anerkennend, doch zu Tamaras Ärger wurde dieses Lob von einem ironischen Lächeln begleitet.

„Schön, dass dich das so begeistert!", schnaubte sie. „Du hast immer noch nicht meine Frage beantwortet! Wenn sich herausstellt, dass die Lage noch nicht so ernst ist, dass du als ... ‚Undercoveragent' tätig werden musst - wirst du dich dann noch mit mir treffen, nachdem ich Hogwarts verlassen habe?", fügte sie hinzu und versuchte, seinen Gesichtsausdruck zu imitieren, was angesichts ihrer zitternder Stimme jedoch die Wirkung leicht verfehlte.

„Hast du eigentlich vor, heute morgen einen Hartnäckigkeits-Rekord aufzustellen?", fragte Snape barsch.

„Antworte!", sagte Tamara im gleichen Ton, was ihr einen ziemlich unfreundlichen Blick einbrachte.

„Ja, verdammt, dann werde ich mich mit dir treffen", sagte Snape ungehalten, „vorausgesetzt du legst tatsächlich Wert darauf und siehst nicht doch noch vorher ein, dass es wesentlich vernünftiger wäre, wenn wir uns nicht mehr sehen würden."

Tamara atmete auf - die Erleichterung stand ihr ins Gesicht geschrieben.

„Du wirst ja nicht weit weg sein", sagte Snape in einem etwas versöhnlicherem Ton, „und wenn's hier tatsächlich brennt, bin ich schnell wieder zurück."

Tamara legte die Arme um seinen Hals und ließ ihren Kopf auf seine Schulter sinken.

„Trotzdem wäre es vermutlich einfacher", knurrte Snape, „und vor allem wesentlich sicherer, gleich einen Schlussstrich zu ziehen, und nicht erst abzuwarten bis es unbedingt nötig ist."

„Das ist doch Bockmist, Severus!", murmelte Tamara ungerührt, und kuschelte sich wohlig an ihn.

 

Nach dem Frühstück erzählte Tamara Snape, wo sie ihrer Meinung nach bei der Vorbereitung auf die Prüfung noch seine Unterstützung gebrauchen konnte, und wenig später saßen sie nebeneinander über die Bücher gebeugt, wobei nach kürzester Zeit der übliche Lehrer-Schüler-Zwist wieder ausbrach.

„Das Beste wird sein, wir gehen gleich runter in den Kerker, und du braust diesen Trank", schnauzte Snape Tamara an, als sie eine unzureichende Antwort auf eine Frage gab, „damit du selber siehst, was dabei rauskommt, wenn du einen der Arbeitsschritte einfach auslässt."

„Ist ja schon gut!", pflaumte Tamara zurück. „Ich habe es nur übersehen! Okay?"

„Du solltest es trotzdem ausprobieren", stänkerte Snape, „nur um sicher zu gehen, dass du auch WIRKLICH kapiert hast, worauf es bei diesem Rezept ankommt."

„Ob wohl deine regulären Schüler allmählich schon Albträume bekommen, bei dem Gedanken, nächste Woche wieder deine reizenden Unterrichtsmethoden genießen zu dürfen?", fragte Tamara süßlich.

„Ich würde es ihnen von Herzen gönnen!", sagte Snape samtig.

„Gibt es unter deinen Schülern eigentlich nicht auch ein paar die du magst?", fragte Tamara neugierig.

„Ich mag prinzipiell keine Schüler", schnarrte Snape. „Hatten wir das nicht geklärt?"

Tamara verdrehte die Augen.

„Gibt es wenigstens welche, die intelligent genug sind, um deinen überzogenen Anforderungen zu entsprechen?", fragte sie spitz.

„Vereinzelt!", sagte Snape. „Aber das macht sie nicht zwangsläufig sympathisch."

„Ist dieser Harry Potter einer von denen?", fragte Tamara.

„Potter ist eine Katastrophe!", sagte Snape und verzog das Gesicht. „Nicht mehr als durchschnittlich begabt und außerdem stinkfaul. Seine Freundin, eine Muggelgeborene, von der er auch gerne abschreibt, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, hat wirklich was auf dem Kasten - aber die ist schon wieder so gescheit, dass es kaum auszuhalten ist."

„Dir kann man es aber auch nicht recht machen", sagte Tamara vorwurfsvoll.

„Dieses Mädchen weiß auf alles und jedes eine Antwort!", fuhr Snape fort. „Ich glaube, es wäre mittlerweile schon schwierig, in unserer Bibliothek ein Buch zu finden, in das sie ihre neugierige Nase noch nicht gesteckt hat. Wenn ich im Unterricht eine Frage stelle, ist sie die erste, die ihre Hand oben hat. Und wenn niemand anderes die Antwort geben kann, und ich sie aber trotzdem nicht dazu auffordere, wird ihr Arm immer länger und länger, und sie beginnt zu zappeln und zu hopsen. Hin und wieder hält sie es nicht aus, und gibt ihre Meinung unaufgefordert zum Besten, wofür sie dann natürlich umgehend eine entsprechende Rüge von mir erhält. Ich habe die Methode, sie zu ignorieren beinahe perfektioniert in den letzten drei Jahren."

„Du bist unmöglich!", sagte Tamara kopfschüttelnd.

„Willst du immer noch, dass wir uns wiedersehen, nach dieser Woche?", fragte Snape lauernd.

„So leicht wirst du mich nicht los!", sagte Tamara grinsend.

„Hartnäckiges Biest!", sagte Snape, und beugte sich zu Tamara hinüber, die ihm bereitwillig entgegen kam.

 

Gerade, als sich ihre Lippen schon fast berührten, erklang ein dezentes Räuspern von der Tür her und Tamara und Snape fuhren aufgeschreckt auseinander.

Professor Dumbledore hatte soeben die große Halle betreten, und direkt neben ihm, locker an seinem Arm eingehakt, Professor McGonagall.

Dumbledore war nicht anzusehen, ob er etwas von dem Beinahe-Kuss mitbekommen hatte - er zwinkerte nur freundlich, als er und seine Begleiterin auf den Tisch zukamen - aber McGonagall grinste von einem Ohr zum anderen, was eigentlich nicht unbedingt ihrem Naturell entsprach, und damit eher Anlass zur Besorgung gab.

„Tamara, Severus, wie schön, sie wohlbehalten wieder zu sehen!", sagte Dumbledore herzlich und klopfte beiden freundschaftlich auf die Schulter. „Ich hoffe es geht in Ordnung, dass ich unsere Ankunft nicht extra noch einmal angekündigt habe", fügte er lächelnd hinzu. „Ich dachte, es wäre eine nette Idee, sie damit zu überraschen."

„Ich glaube, das ist uns gelungen!", sagte McGonagall unüberhörbar amüsiert, was ihr einen scharfen Blick von Snape einbrachte.

„Hallo Tamara!", sagte McGonagall freundlich, und nickte Tamara zu. „Severus!", fügte sie deutlich kühler und mit einem sehr knappen Nicken hinzu.

„Albus, Minerva ich freue mich, sie beide wiederzusehen", sagte Tamara lächelnd, während Snape etwas murmelte, dass entfernt nach einer Begrüßung klang, knapp nickte und mit verschränkten Armen missmutig auf die beiden Ankömmlinge starrte.

 

„Wir wollen euch nicht weiter stören - beim, äh ...Lernen", sagte Dumbledore schmunzelnd. „Wir sehen uns beim Mittagessen!"

Er schnappte sich McGonagalls Arm und klemmte ihn aufbruchsbereit wieder unter den seinen.

„Was würdest du gerne zu Mittag essen, meine Liebe?", fragte er, und sah sie mit schiefgelegtem Kopf an.

„Hühnchen!", sagte McGonagall wie aus der Pistole geschossen. „Das passt zu dem, das ich mit Severus zu rupfen habe."

Snape zog fragend die Augenbrauen hoch und legte zum Zeichen seiner Unschuld bestürzt eine Hand auf die Brust.

„Ich denke, das wird ein sehr aufregendes Tischgespräch werden", sagte Dumbledore lächelnd. „Bis später dann!", fügte er hinzu und marschierte dann mit McGonagall am Arm zur Tür hinaus.

 

„Verdammt!", knurrte Snape, als sich die Tür hinter den Beiden geschlossen hatte.

„Wirst du Ärger kriegen, wegen der Manipulation von Minervas Gedächtnis?", erkundigte sich Tamara.

„Ach das!", sagte Snape abfällig. „Sie wird sich ein wenig aufplustern und herumgackern, Albus wird mir einen kleinen Vortrag halten, ich werde etwas Zerknirschung heucheln, und das war's. Was mir nicht behagt, ist der Gedanke an die Vorstellung die du und ich vor den Beiden gegeben haben."

„Das ist doch nicht so schlimm", sagte Tamara. „Minerva ist überaus vertrauenswürdig und Albus ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben - und wenn du sie bittest, Stillschweigen über unsere Beziehung zu bewahren, werden sie sich sicher daran halten."

„Es geht nicht um Stillschweigen!", sagte Snape ungehalten. „Es geht darum, dass sie es wissen!"

„Himmel noch mal - was ist denn daran so schlimm, Severus?", sagte Tamara genervt.

„Das geht niemanden außer dir und mir etwas an!", maulte Snape.

„Was ist schon dabei, wenn Menschen, die dir nahe stehen, darüber Bescheid wissen?", sagte Tamara unwirsch. „Wahrscheinlich freuen sich die Beiden nur für uns."

„Darauf könnte ich gut verzichten!", sagte Snape trotzig.

„Du bist stur wie ein Maulesel!", sagte Tamara kopfschüttelnd.

 

„Willst du nun in den Kerker gehen und diesen Trank brauen, oder reicht dir meine Beschreibung, an welcher Stelle dir der Kessel um die Ohren geflogen wäre?", sagte Snape übergangslos.

„Vielen Dank! Deine Erklärung genügt mir vollauf!", sagte Tamara pampig.

„Wenn du bei der Prüfung nicht dein Hirn zusammenkratzt und eine so ungenügend durchdachte Antwort gibst, dann sehe ich schwarz für deinen Abschluss", sagte Snape giftig.

„Schon gut! Es ist angekommen! Du kannst aufhören, mich fertig zu machen!", gab Tamara reichlich angefressen zurück.

 

Es ging noch den ganzen Vormittag so weiter und als die Mittagszeit näher rückte, und sie beschlossen, mit der Wiederholung des Stoffs aufzuhören, war Tamara sowohl um einiges Wissen als auch um einige Aggressionen reicher.

Auch Snape wirkte geladen, was aber wohl eher auf den Umstand zurückzuführen war, dass ihn der Überfall von Dumbledore und McGonagall noch immer wurmte.

„Gehst du mit raus, die Füße vertreten?", fragte Tamara, in der Hoffnung, die Wogen etwas glätten zu können, bevor sie den Beiden beim Mittagessen wieder begegnen würden.

„Nein! Ich werde in den Kerker verschwinden und dort bleiben!", sagte Snape. „Wenn du am Nachmittag noch mal meine Unterstützung wünschen solltest kannst du ja runter kommen."

„Was soll das heißen, ‚dort bleiben'? Dumbledore und McGonagall erwarten uns beide zum Mittagessen", sagte Tamara misstrauisch die Stirn in Falten legend.

„Sie sind es gewohnt, dass ich solche Erwartungen nicht immer erfülle", sagte Snape ungerührt. „Außerdem kannst du ihnen ja Gesellschaft leisten."

„Wenn du es wagst, dich vor diesem Zusammentreffen zu drücken, nachdem sie uns vorhin nun mal in einer etwas verfänglichen Situation erwischt haben, dann werde ich ihnen alles haarklein berichten, was zwischen uns vorgefallen ist", sagte Tamara drohend, „und ich meine wirklich ALLES. Wenn's sein muss, male ich sogar noch Skizzen dazu - zum besseren Verständnis!"

 

Snape sah sie an, wie vom Donner gerührt und schien abzuwägen, wie viel davon sie ernst gemeint haben konnte.

„Könntest du dir unter diesen Umständen eventuell doch vorstellen, mit uns gemeinsam Mittag zu essen?", fragte Tamara süßlich.

„Du erpresserisches kleines Miststück!", knurrte Snape.

„Ich schätze mal, das heißt ja!", sagte Tamara gelassen und stand auf. „Kommst du jetzt mit raus, oder schmollst du erst noch eine Runde?"

„Treib es nicht zu weit!", zischte Snape, der sich ebenfalls erhoben hatte, und ihr nun frontal und drohend in die Augen sah.

„Und wenn doch? Was tust du dann mit mir?", gurrte Tamara verführerisch und strich mit der Spitze ihres Mittelfingers aufreizend über seine Wange hinunter zu seinem Mund, wo sie die Furche um den Mundwinkel nachzeichnete, die sich durch seinen biestigen Gesichtsausdruck vertieft hatte.

Snape nahm ihre Hand und versenkte seine Zähne kurz und schmerzhaft in ihrem Handballen, während er sie für einen Moment heftig an sich presste und gleichzeitig einen Schritt rückwärts, bis an die Tischkante schob.

„Wenn nicht die Gefahr bestünde, dass hier gleich wieder zwei ungebetene Zuschauer auftauchen, wüsste ich schon, was ich mit dir mache", raunte er ihr ins Ohr, und allein seine Stimme verursachte ihr eine wohlige Gänsehaut.

Gleich darauf ließ er sie ohne Vorwarnung los, und Tamara kam fast auf dem Tisch zu liegen, bevor sie das Gleichgewicht wieder erlangte.

„Es ist wirklich ein Jammer, dass dir diese Option nicht zur Verfügung steht!", sagte sie grinsend. „Komm doch mit raus - vielleicht finden wir ja irgendwo ein verschwiegenes Eck, um wenigstens ungestört zu knutschen."

„Ich kenne viele solche Stellen!", sagte Snape geheimnisvoll. „Die unzähligen Schüler die ich dort erwischt und deren unzüchtige Tätigkeiten ich natürlich sofort unterbunden habe, können ein Lied davon singen."

„Ist das war? Du jagst wirklich junge verliebte Pärchen aus ihren heimlichen Verstecken?", fragte Tamara mit großen Augen.

„Natürlich! Das ist eines meiner liebsten Hobbies!", sagte Snape boshaft.

„Du bist wirklich herzlos!", schnaubte Tamara.

„Ein Grund mehr, keine Beziehung mit mir haben zu wollen", sagte Snape.

„Netter Versuch!", sagte Tamara, „und jetzt lass uns gehen! Ich bin schon gespannt, zu welchem der verschwiegenen Plätzchen du mich führst."

 

Als sie nach einer halben Stunde - und einer kleinen Runde im Garten, bei der sie einige der beliebtesten Verstecke der Schüler aufgesucht hatten - die Halle wieder betraten, warteten Dumbledore und McGonagall schon auf sie.

Der Schulleiter sah ihnen sehr wohlwollend entgegen, als sie auf den Tisch zugingen, McGonagall jedoch setzte eher eine grimmige Miene auf, wobei sich bei näherem Herankommen herausstellte, dass diese ausschließlich Snape galt, denn als Tamara sich setzte schenkte die ältere Dame ihr ein kurzes, freundliches Lächeln.

„Bevor wir essen hätte ich da noch gerne eine Sache mit ihnen geklärt, Herr Kollege", sagte sie gleich darauf in scharfem Ton zu Snape, kaum dass dieser ebenfalls Platz genommen hatte.

„Aber gerne, Frau Kollegin! Ich stehe ihnen zu Verfügung!", sagte Snape mit ausgesucht samtiger Stimme.

„Ich will es kurz machen", sagte McGonagall barsch. „Wagen sie es nicht noch einmal, mein Gedächtnis zu manipulieren, sie heimtückische Natter!"

Auch Dumbledore - der scheinbar schon gewusst hatte, welches Problem sie ansprechen würde - hatte nun ein sehr ernstes Gesicht aufgesetzt, wenn er auch gleich darauf wieder mit seinen Mundwinkeln zu kämpfen hatte, angesichts Snapes Bemühungen, völlig fassungslose und ungläubige Überraschung vorzutäuschen.

„Ich weiß nicht wovon sie reden!", sagte Snape und Tamara kam nicht umhin, die nahezu perfekt gespielte Aufrichtigkeit zu bewundern, die er dabei an den Tag legte.

„Teufel noch mal - sie wissen genau wovon ich rede!", fauchte McGonagall.

Snape tat so, als würde er angestrengt nachdenken.

„Meine Freundin Tessy, bei der ich die Ferien verbracht habe, war sehr überrascht, als ich neulich vom meinem Besuch auf Hogwarts, am selben Abend noch zurückkehrte", sagte McGonagall schneidend. „Sie war ganz sicher, das ich geplant hatte, hier zu übernachten und erst am nächsten Tag zurück zu kommen - und von einer Mitternachtsparty, die sie angeblich organisieren wollte, wusste sie seltsamerweise auch rein gar nichts."

 

Lauernd sah sie Snape an, der immer noch sein Pokerface aufgesetzt hatte und nicht mal ansatzweise schuldbewusst wirkte.

„Na ja...", sagte er gedehnt, „nachdem ihre Freundin mit ihnen die Schulbank gedrückt hat, dürfte sie ja auch nicht mehr die Jüngste sein - da muss man ihr wohl nachsehen, dass sie manchmal etwas durcheinander bringt. In dem Alter kommt das schon mal vor."

„Also das ist ja wohl das Letzte!", schnaubte McGonagall entrüstet. „Wie können sie sich erdreisten, so über meine Freundin zu reden."

„Na schön!", sagte Snape plötzlich nachgiebig und reumütig dreinblickend. „Ich gebe es ja zu! Eigentlich denke ich eher, dass SIE da etwas durcheinander gebracht haben, aber ich wollte ihnen nicht zu nahe treten, Frau Kollegin, und ich dachte, das wäre die schonendste Methode sie auf den Umstand aufmerksam zu machen, dass das, was sie mir da so unüberlegt und voreilig unterstellen, höchstwahrscheinlich auf simple altersbedingte Vergesslichkeit zurückzuführen ist."

McGonagall sah aus, als würde sie ihm jeden Moment an die Gurgel gehen doch bevor sie auf diese Unverschämtheit etwas erwidern konnte, ergriff Dumbledore das Wort.

„Severus!", sagte er, und es klang durchaus nicht unfreundlich, aber dennoch sah Snape nicht mehr ganz so ungerührt drein wie bisher.

„Albus?"

„Könnte es sein", sagte Dumbledore sanft, „dass sie in einem Anflug von Verärgerung über Minervas unerwarteten Besuch, ganz spontan die moralischen Grundsätze, denen wir alle unterliegen - zumindest diejenigen, die auf der richtigen Seite stehen und etwas Ehrgefühl besitzen - beiseite geschoben, und eine kleine Veränderung an ihren Erinnerungen vorgenommen haben?"

Snape seufzte, sah dem Schulleiter jedoch weithin direkt in die Augen.

„Jetzt, wo Sie es erwähnen...", sagte er nachdenklich. „Ich glaube, so könnte es eventuell gewesen sein."

„Ich gehe mal davon aus", sprach Dumbledore weiter, „dass sie sich der Tragweite eines solchen Handelns bewusst sind, und den Folgen, die daraus entstehen können? Wenn wir uns jetzt schon nicht gegenseitig trauen können, wird es schwierig werden, es im Ernstfall zu tun - es wird sich negativ auf unseren Zusammenhalt auswirken, und uns damit schwächen", fügte er eindringlich hinzu.

Snape verzog keine Miene.

„Ich traue ihm ohnehin nicht!", zischte McGonagall, die immer noch sehr aufgebracht wirkte.

„Das solltest du aber, Minerva - er ist unsere größte Hoffnung, neben Harry", sagte Dumbledore ruhig.

 

Tamara kam es so vor, als ob die Professoren ihre Anwesenheit total vergessen hätten. Um noch möglichst viel von der interessanten Wendung mitzubekommen, die dieses Gespräch nahm, verhielt sie sich ganz ruhig und blieb dezent im Hintergrund.

Als hätte Dumbledore ihre Gedanken gelesen, wandte er sich mit einem Mal an sie.

„Es kommt ihnen sicher befremdlich vor, was hier zur Sprache kommt, Tamara", sagte er behutsam, „aber nachdem ich den starken Eindruck habe, dass sie Severus wesentlich näher stehen, als ich es zu hoffen gewagt hatte, dass ihm jemals ein Mensch nahe steht, gehe ich davon aus, dass sie über einige Dinge schon Bescheid wissen, und verstehen, von was die Rede ist."

Tamara nickte stumm und Snape ließ ein ungehaltenes Schnauben hören. Die Richtung, die dieses Gespräch nun aufgrund Dumbledores Bemerkung nahm, passte ihm offensichtlich absolut nicht.

„Ich zöge es vor, dieses Thema - wenn es schon unbedingt sein muss - mit ihnen unter vier Augen zu erörtern", sagte er eisig aber mit zornig funkelnden Augen an Dumbledore gewandt.

„Das können wir nachher gerne noch tun, mein lieber Freund", sagte Dumbledore bedächtig, „aber zuerst möchte ich gerne von ihnen hören, welche Gedanken sie sich noch zum Thema: ‚Versehentliche Anwendung eines Gedächtniszaubers an Kolleginnen und Mitstreiterinnen im Kampf gegen das Böse' gemacht haben."

Snape senkte kurz den Kopf und als er ihn wieder hob, schien er sich erneut völlig unter Kontrolle zu haben.

„Ich gebe zu, das war... nicht ganz korrekt", sagte er emotionslos.

„Nicht ganz korrekt?", zischte McGonagall. „Das war eine bodenlose Schweinerei!"

„So könnte man es auch nennen", sagte Snape ungerührt.

„Würden sie es eventuell über sich bringen, Severus, sich bei Minerva zu entschuldigen, damit wir die Sache abhaken können?", fragte Dumbledore, nun mit einer winzigen Andeutung von Ungeduld in der Stimme.

„Natürlich!", sagte Snape an McGonagall gewandt. „Ich entschuldige mich!" Allerdings schaffte er es mühelos, diese Worte derart arrogant und abschätzig auszusprechen und sie überdies mit einem perfekt dazu passenden Blick zu garnieren, dass McGonagall augenblicklich wieder in die Offensive ging.

„Geht das auch ein bisschen glaubhafter?", fauchte sie ihn an.

„Ich versichere ihnen hiermit meine erhebliche Zerknirschung über das ungeheuerliche Verbrechen, das ich an ihrem werten Gehirn beging", sagte Snape, wobei er kein bisschen weniger überheblich klang, als vorher.

 

„Nun - unser junger Kollege hat sich für sein impulsives Fehlverhalten entschuldigt", sagte Dumbledore beschwichtigend, bevor McGonagall Snape ihre Meinung über seine angebliche Zerknirschung mitteilen konnte, „und ich denke, mehr können wir nicht erwarten."

McGonagalls Blick nach zu urteilen, war sie damit ganz und gar nicht einverstanden, sie beugte sich jedoch mit missbilligend zusammengepressten Lippen dem Willen des Schulleiters.

„Nachdem wir dieses Thema nun abgeschlossen haben", sagte Dumbledore, woraufhin er sich wieder Tamara zuwandte, „und ich das andere Thema, das vorhin angeschnitten wurde, auf Severus Wunsch hin mit ihm alleine besprechen werde, möchte ich ihnen - bevor wir dann endlich mit dem Mittagessen beginnen - nur noch eine Sache sagen, Tamara - es tut mir wirklich unendlich leid, dass die Voraussetzungen für bestimmte Menschen, ein normales, erfülltes Leben zu führen, einfach nicht gegeben sind."

Bei dieser Andeutung ließ er es dann auch bewenden und schnipste einmal kurz mit den Fingern, woraufhin sich der Tisch mit gebratenem Hühnchen und anderen Köstlichkeiten

füllte.





Kapitel 24 - Prüfungen

 

Kapitel 24 - Prüfungen

 

Mit einem dicken Lehrbuch über Verteidigung auf dem Schoß saß Tamara seit geraumer Zeit im Garten, unter einem ihrer Lieblingsbäume, und wartete. Hin und wieder versuchte sie seufzend einen neuen Anlauf, sich auf die Zeilen vor ihren Augen zu konzentrieren, aber jeder neue Versuch scheiterte daran, dass ihre Gedanken unweigerlich zu Severus zurückkehrten. Er war nach dem Mittagessen mit Dumbledore in dessen Büro gegangen und Tamara hatte ein fürchterlich flaues Gefühl im Magen, bei der Vorstellung, dass dort vielleicht gerade das Urteil über ihr weiteres Schicksal gesprochen wurde.

Unruhig sah sie immer wieder zum Eingang des Schlosses hinüber, in der Hoffnung, dass Snape zu ihr kommen würde, wenn er dieses Gespräch hinter sich gebracht hatte. Bei näherer Betrachtung kamen ihr jedoch Bedenken. Eigentlich wäre es viel typischer für ihn, sich erst einmal zurückzuziehen, und die unvermeidliche Befragung durch sie damit hinauszuzögern.

Entschlossen, dies nicht zuzulassen, erhob sie sich und machte sich energischen Schrittes auf den Weg in den Kerker.

 

Als sie dort vergeblich an seine Wohnungstür geklopft und mehrere Minuten lang gewartet hatte, stieg sie die Treppe wieder hinauf und schlug, nachdem sie sich in der Eingangshalle unschlüssig ein paar mal um sich selber gedreht hatte, schließlich seufzend den Weg zum Büro des Direktors ein. Sie würde sich irgendwo unauffällig so platzieren, dass sie den steinernen Wasserspeier, hinter dem die Wendeltreppe zu Dumbledores Räumen lag, im Auge behalten konnte, damit sie Severus nicht verpasste, wenn er von dort herunterkam.

In einer breiten Fensternische, von der aus sie einen guten Überblick hatte, machte sie sich es schließlich bequem und unternahm einige weitere vergebliche Versuche, sich wenigstens halbwegs aufmerksam ihrem Buch zu widmen.

 

Nach einer knappen halben Stunde hatte das Warten ein Ende - der Wasserspeier schwang zur Seite und heraus kam Snape. Tamara sprang aus ihrer Nische und lief ihm - nun absolut nicht mehr unauffällig - entgegen um dann, noch einige Schritte von ihm entfernt, stehen zu bleiben. Snape sah sie zunächst überrascht und auch etwas ungehalten an, seine Züge wurden jedoch merklich weicher, als er die Anspannung und die Angst wahrnahm, die ihr deutlich ins Gesicht geschrieben standen.

„Und?", sagte sie heiser, weder fähig, auch nur ein Wort mehr aus ihrer plötzlich trockenen Kehle hervorzupressen, noch in der Lage, weiter auf ihn zuzugehen.

„Die Lage ist ernst!", sagte Snape ruhig. „Aber noch nicht so ernst, dass wir den Kontakt zueinander sofort nach deiner Abreise abbrechen müssten."

Mit einem befreienden kleinen Aufschrei flog Tamara in seine Arme.

„Was aber nicht heißt, dass es nicht jederzeit so weit sein kann", brummte Snape etwas unwillig, um die Rührung zu kompensieren, die er angesichts ihrer überschwänglichen Begeisterung empfand.

Tamara ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken - beide Arme um seinen Hals geschlungen strahlte sie ihn weiter glücklich an.

 

Äußerst überrascht war sie jedoch, als er die Augen genervt verdrehte, ihre Hände von seinem Nacken pflückte und einen Schritt zurück trat.

Der Grund hierfür erschloss sich ihr allerdings sofort, als sie sich aufgrund seiner Blickrichtung umdrehte und McGonagall zielstrebig und amüsiert lächelnd auf sie zukommen sah.

„Also ich muss schon sagen, Severus", sagte McGonagall schmunzelnd, als sie nahe genug herangekommen war, „ich hätte mir schon absolut nicht träumen lassen, das ich jemals in den Genuss kommen würde, sie in einer verfänglichen Situation mit einer Frau zu erwischen - aber zwei mal an einem Tag schlägt wirklich alle Rekorde."

Tamara konnte nicht anders als grinsen, als sie auf Snapes angesäuerte Miene blickte, was seine Laune nicht gerade zu verbessern schien.

„Es ist mir natürlich eine außerordentliche Freude, so einen erheblichen Beitrag zu ihrem Amüsement zu leisten, Frau Kollegin", sagte er ölig.

„Ja - das glaube ich ihnen aufs Wort!", sagte McGonagall mit blitzenden Augen. „Man sieht ihnen die Begeisterung förmlich an!"

Snape schnaubte gereizt und warf ihr einen wütenden Blick zu.

„Aber jetzt lassen sie sich nicht weiter von mir stören", sagte McGonagall und zwinkerte Tamara vielsagend zu, „ich bin ohnehin auf dem Weg zu Albus, um organisatorische Dinge für das kommende Schuljahr zu besprechen."

 

Sie ging an den Beiden vorbei, drehte sich aber am Wasserspeier noch einmal um.

„Haben sie eigentlich schon gehört, wer den Unterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste in diesem Jahr übernehmen wird, Severus?", fragte sie mit leicht boshaftem Unterton.

„Ja, ich habe es bereits gehört! Der durchgeknallte Auror!", sagte Snape verächtlich. „Was für eine Bereicherung für unsere Schule!"

„Da bin ich ausnahmsweise ihrer Meinung!", seufzte McGonagall. „Aber Albus hält es nun mal für eine gute Idee. Sie kennen Alastor Moody von früher, nicht wahr?", fragte sie vorsichtig.

„Ja, ich kenne ihn!", knurrte Snape, und sein Ton machte deutlich, dass er nicht vorhatte diesen Umstand näher zu erläutern.

„Hm!", machte McGonagall verständnisvoll. „Dann werde ich jetzt mal rauf gehen! Wir sehen uns später!", fuhr sie fort, öffnete den Wasserspeier mit dem derzeitigen Passwort - Lakritzschnecke - und stieg die Stufen der Wendeltreppe empor.

„Ich kann's kaum erwarten!", sagte Snape ironisch, kaum dass sie nicht mehr zu sehen war.

„Das habe ich gehört, Severus!", erklang McGonagalls Stimme gedämpft von oben.

 

„Lernst du wieder mit mir?", fragte Tamara Snape, als sie gemeinsam den Flur hinunter gingen.

„Hast du immer noch nicht genug von meinen Lehrmethoden?", zog Snape sie auf.

„Ich werde nie genug von dir haben!", sagte Tamara gefühlvoll.

„Mit solchen Aussagen wäre ich an deiner Stelle etwas vorsichtiger", sagte Snape grinsend, „schließlich kennst du mich ja nur von meiner guten Seite - ausgeglichen und in entspannter Ferienlaune."

„Entspannte Ferienlaune...", wiederholte Tamara nachdenklich, „hm, ja... jetzt, wo du's sagst ...eindeutig!"

„Ich muss dich warnen - ganz so umgänglich bin ich normalerweise nicht", sagte Snape bedauernd.

„Vergiss es, Severus! Ich lass mich nicht vergraulen!", sagte Tamara lächelnd.

 

Sie verbrachten den Nachmittag gemeinsam und natürlich gerieten sie sich wieder in die Haare, bei der Wiederholung des Lehrstoffes für Verteidigung - aber mit etwas Anderem hatte ohnehin keiner von beiden ernsthaft gerechnet.

Richtig zu eskalieren drohte die Lage jedoch später am Abend.

Sie hatten gemeinsam mit McGonagall und Dumbledore gegessen und waren anschließend noch einige Zeit in der Halle sitzen geblieben, bei einer lebhaften Unterhaltung zu viert, die wider Erwarten relativ harmonisch verlaufen war.

Dumbledore hatte viel über das geplante Trimagische Turnier erzählt und über die anderen beiden Zaubererschulen, die er dazu eingeladen hatte. McGonagall und Snape hatten sich zwar mitunter gegenseitig mit kleinen ironischen Spitzen und Seitenhieben traktiert, aber auch das war durchaus in einem angenehmen Rahmen geblieben.

 

Als sie jedoch später alle gemeinsam die Halle verließen, um sich in ihre jeweiligen Privaträume zurückzuziehen, wandte sich Snape der Kerkertreppe zu, wogegen sich die drei anderen bereits auf den ersten Stufen der aufwärtsführenden Treppe befanden. Tamara, die sich gerade mit McGonagall unterhielt, hob überrascht den Kopf, als er ihnen eine gute Nacht wünschte, und sich daran machte, die ersten Stufen hinabzusteigen.

„Wärst du bitte so nett, mich zu meinem Quartier zu begleiten, Severus?", fragte sie schnell, noch bevor er verschwinden konnte.

Snape drehte sich um und starrte sie finster an, verkniff sich jedoch einen Kommentar, warf McGonagall, deren Mundwinkel schon wieder verdächtig zuckten, und Dumbledore der sich bemühte unbeteiligt auszusehen, jeweils einen warnenden Blick zu, und stieg dann wortlos die Stufen wieder hoch, um sich ihnen anzuschließen.

Als die beiden Anderen sich verabschiedet hatten und in Richtung ihrer eigenen Wohnungen abgezweigt waren, warf Tamara dem schweigend neben ihr gehenden Snape einen vorsichtigen Blick zu. Der jedoch sah stur geradeaus und ignorierte sie völlig.

 

Vor Tamaras Wohnungstür angekommen, begannen sie gleichzeitig zu sprechen.

„Severus...", sagte Tamara einlenkend.

„Gute Nacht!", sagte Snape barsch, drehte sich um und ging davon, ohne sie auch nur noch einmal anzusehen.

Er war erst ein paar Meter weit gekommen, als Tamara neben ihm auftauchte. Sie sprach ihn nicht an, sondern ging nur schweigend neben ihm her, als wäre dies selbstverständlich.

„Was soll das?", fauchte Snape.

„Nachdem du so nett warst, mich zu begleiten, tue ich jetzt dasselbe für dich!", sagte Tamara gelassen.

„Sehr freundlich - aber nein, danke!", sagte Snape giftig.

„Severus! Es tut mir leid, wegen vorhin", lenkte Tamara ein. „Das war sehr undiplomatisch von mir."

„Ich hasse es, so vorgeführt zu werden!", schnaubte Snape.

Tamara sah ihn erstaunt an. Dass er so offen zugab, mit etwas nicht klarzukommen, war recht ungewöhnlich für ihn. Die Tatsache, dass ihre Beziehung zueinander nun nahezu halböffentlich geworden war, schien ihm mehr zu schaffen zu machen, als sie angenommen hatte.

„Es tut mir leid - das wollte ich wirklich nicht!", sagte sie leise. „Es ist mir einfach so rausgerutscht! Danke, das du trotzdem mit hochgegangen bist."

„Wie wär's, wenn du nachdenken würdest, bevor du den Mund aufmachst?", brummte Snape, aber er klang schon bei weitem nicht mehr so aufgebracht.

„Ich werde mich bemühen, aber versprechen kann ich dir nichts!", sagte Tamara zerknirscht und schob unauffällig ihre Hand in die seine. Einen Moment lang befürchtete sie, er würde sie abweisen, doch er umschloss ihre Finger mit sanftem Druck.

„Eigentlich ist es doch auch gar nicht so schlimm, wenn Dumbledore und McGonagall wissen, dass wir die Nacht miteinander verbringen", sagte sie schließlich von seiner Geste ermutigt. „Vermutlich hatten sie ohnehin nichts anderes erwartet."

„Hm ...kann schon sein!", sagte er unwirsch. „Aber trotzdem musst du es ihnen nicht noch zusätzlich auf die Nase binden!"

„Na ja - mehr als vorher wissen sie ja deswegen auch nicht - schließlich habe ich sie nicht eingeladen uns Gesellschaft zu leisten", sagte Tamara schmunzelnd.

„Dumbledore weiß alles!", sagte Snape in einem Ton, der deutlich machte, wie lästig ihm diese Tatsache war. „Es würde mich nicht mal besonders wundern, wenn ich über die Schulter zurückblicken würde - während ich mit dir im Bett sehr intensiv beschäftigt bin - und er mir, am Fußende stehend, zuzwinkern würde."

„Eine wirklich reizende Vorstellung", gluckste Tamara, „auch wenn so etwas vermutlich nicht unbedingt lustfördernd wäre."

Mittlerweile waren sie vor Snapes Wohnung angekommen.

„Darf ich auch wirklich mit reinkommen?", fragte Tamara lächelnd, als er die Tür öffnete.

„Wenn du schon mal da bist - warum nicht", schnarrte Snape.

Kurze Zeit später waren die Meinungsverschiedenheiten vergessen, und sie fielen, in eine leidenschaftliche Umarmung verstrickt, aufs Bett - allerdings nicht, ohne vorher einen kurzen Kontrollblick auf das Fußende zu werfen.

 

Die nächsten beiden Tage verliefen ereignislos, wenn man einmal davon absah, dass Snape Tamara hin und wieder prophezeite, dass sie die Prüfung nicht bestehen würde, wenn sie ihre chaotischen Gedankengänge nicht sortierte, bevor sie eine Antwort gab.

Dass Tamara und Snape die Halle fast jedes mal gemeinsam betraten und auch verließen, akzeptierten Dumbledore und McGonagall mittlerweile ohne eine Miene zu verziehen, und auch, dass sie sich offensichtlich gemeinsam am Abend zurückzogen, rief keinerlei amüsierte Reaktionen mehr hervor. Die melancholischen Blicke und das leise Seufzen, die ihnen sowohl der Schulleiter, als auch seine Vertreterin manchmal hinterherschickten, registrierte allerdings weder Tamara noch Snape.

 

Am Donnerstagmorgen trafen die Prüfer ein, und wenig später auch ein Herr vom Ministerium, der in der Abteilung für die Aurorenausbildung tätig war, und berechtigt, die weiteren Konditionen mit Tamara zu besprechen. Er hatte gebeten, der Prüfung beiwohnen zu dürfen, um sich ein erstes Bild von der neuen Bewerberin machen zu können.

Professor Slughorn und Professor Sullivan begrüßten Tamara kurz, bevor sie sich in die große Halle begaben, wo schon Dumbledore und Snape auf sie warteten - wobei Slughorn ein paar Bemerkungen über Tamaras Vater und dessen bemerkenswerten Bekanntheitsgrad in Osteuropa fallen ließ - und Mister Hewitt, der Ministeriumsbeauftragte, folgte den beiden, nachdem er Tamara freundlich zugezwinkert und ihr viel Glück gewünscht hatte.

 

Unruhig trat Tamara vor den geschlossenen Flügeltüren von einem Bein aufs andere und wartete darauf, hineingerufen zu werden.

McGonagall, die die Herren am Eingang in Empfang genommen hatte, kam zu ihr und legte beschwichtigend ihre Hand auf Tamaras Arm.

„Sind sie sehr nervös?", fragte sie mitfühlend.

„Ja - ein bisschen schon!", sagte Tamara. „Ein bisschen sehr, um ehrlich zu sein."

„Bald haben sie es hinter sich", sagte McGonagall beruhigend.

„Mir wäre es lieber, ich hätte es noch ganz weit vor mir", rutschte es Tamara heraus, „dann müsste ich nicht weg von hier..." Tamara senkte den Kopf. „...und von ihm", fügte sie leise hinzu.

McGonagall seufzte laut und vernehmlich.

„Ich weiß!", sagte sie behutsam, und tätschelte etwas hilflos Tamaras Arm. „Ich wünsche euch beiden von ganzem Herzen eine gemeinsame Zukunft - und ich wünschte, ich könnte ihnen guten Gewissens sagen, dass die Chancen gut dafür stehen...", fügte sie leise hinzu. „Aber immerhin ist ja noch nichts passiert, was Severus zu einem Leben als Einsiedler zwingen würde", fuhr sie, den Rücken straffend, optimistisch fort, „und solange dem so ist, werden sie sich ja sehen können, wenn auch längst nicht so oft, wie sie gerne würden."

Ein heiseres „Ja!" war alles, was Tamara hervorbrachte - die rührende Art, in der McGonagall versuchte, ihr Trost zuzusprechen, kratzte gewaltig an ihrer Fassung.

„Wann werden sie Hogwarts denn verlassen?", fragte McGonagall.

„Sonntag Abend, denke ich", krächzte Tamara. „Meine Ausbildung fängt gleichzeitig mit dem neuen Schuljahr an, also Montag nächster Woche, und auf Wohnungssuche werde ich erst gehen, wenn ich das erste Mal frei habe."

„Dann haben sie ja - heute mitgezählt noch vier Tage lang Zeit, sich voneinander zu verabschieden", sagte McGonagall sanft.

Tamara nickte heftig, während sie die Tränen zurückhielt.

 

McGonagall, der langsam dämmerte, dass ihr Tröstungsversuch nicht gerade die richtige Vorbereitung auf die Prüfung darstellte, die jeden Moment losgehen konnte, bemühte sich, das Gespräch auf ein weniger tragisches Thema umzuleiten.

„Severus ist sich sehr sicher, dass sie diese Prüfung bestehen", sagte sie. „Ich glaube fast, sie sind die bestvorbereitetste Schülerin, die Hogwarts jemals gesehen hat!", fügte sie übermütig hinzu.

„Und warum bin ich dann so verdammt nervös?", sagte Tamara und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen.

„Kopf hoch! Sie machen das schon!", sagte McGonagall energisch.

„Danke Minerva!", sagte Tamara und atmete tief durch.

 

Kurz darauf öffnete sich die Tür und Snape kam heraus.

„Es ist soweit! Du kannst hineingehen!", sagte er zu Tamara.

Zu ihrem großen Erstaunen nahm er sie, obwohl seine Kollegin daneben stand, in die Arme, und zog sie kurz an sich.

„Zeig's ihnen!", flüsterte er ihr ins Ohr, bevor er ihr einen Kuss auf die Stirn gab, und sie dann zu McGonagall schob, die schon an der Tür stand.

„Kommst du nicht mit rein?", fragte Tamara mit einem Anflug von Panik in der Stimme.

„Nein! Die beiden Herren, die dem Prüfungskomitee angehören, sind der Meinung, ich könne vielleicht versuchen, dich zu beeinflussen", sagte Snape, bemüht, sich die Verärgerung hierüber nicht allzu sehr anmerken zu lassen. „Mein Ruf ist einfach nicht der allerbeste."

„Wirklich ungeheuerlich, ausgerechnet ihnen zu unterstellen, sie würden Gedanken manipulieren", sagte McGonagall ironisch. „Kommen sie, Tamara! Sie sollten die Herren Prüfer nicht unnötig warten lassen!"

Tamara warf Snape einen letzten unglücklichen Blick zu und betrat dann zusammen mit McGonagall die Halle.

 

Die Mitglieder des Prüfungskomitees - Dumbledore, Slughorn und Sullivan - saßen nebeneinander an einem langen Tisch. An einer der Stirnseiten hatte Mister Hewitt Platz genommen und auf der gegenüberliegenden Seite, neben Dumbledore, ließ sich Minerva nieder.

Für Tamara war ein kleinerer Tisch reserviert, der in circa drei Metern Abstand, gegenüber aufgebaut war.

Als sie sich dort hinsetzte, fühlte sie sich schlagartig an eine Gerichtsverhandlung erinnert.

Dumbledore lächelte ihr aufmunternd zu, bevor er das Wort ergriff.

„Wir haben uns darauf geeinigt, das Prüfungsverfahren in ihrem Fall ein wenig zu verkürzen - die Vorschriften lassen uns hier zum Glück ein wenig Spielraum - das heißt, sie werden in beiden Fächern eine kurze schriftliche Prüfung ablegen und gleich anschließend jeweils den etwas längeren praktischen Teil, bei dem sie einige Fragen mündlich beantworten, und einen, von Professor Slughorn ausgewählten Trank herstellen werden, beziehungsweise einige Übungen absolvieren werden, die Professor Sullivan für sie vorbereitet hat. Wenn die ganze Sache vorüber ist, wird Mr. Hewitt eventuell noch ein paar Fragen an sie richten wollen, was aber dann nicht mehr zur Prüfung zählt, sondern in Verbindung mit ihren vorherigen Leistungen bereits eine Art Aufnahmetest für die Aurorenausbildung darstellt."

Dumbledore ließ seinen gütigen blauen Augen, in deren Ausdruck die Weisheit von Jahrhunderten zu liegen schien, einen Augenblick lang auf Tamara ruhen, und es kam ihr vor, als ginge dabei ein Teil seiner ruhigen Zuversichtlichkeit auf sie über.

„Sind sie bereit?", fragte er dann.

„Bereit!", gab Tamara zurück und lächelte ihn dankbar an.

Slughorn, ein dicker, älterer glatzköpfiger Mann mit einem beeindruckenden Walrossbart wedelte daraufhin theatralisch mit seinem Zauberstab, und auf ihrem Tisch erschien ein mehrseitiger Fragebogen.

„Eine halbe Stunde dürfte genügen!", sagte Slughorn beiläufig und wandte sich dann Dumbledore zu, augenscheinlich um ein Gespräch über interessantere Themen als Zaubertrank-Prüfungen zu beginnen.

Verblüfft stellte Tamara fest, dass sie von diesem Gespräch nicht eine Silbe mitbekam, denn es schien nun ein Dämpfungszauber über ihrem Platz zu liegen, und sie wurde von der irritierenden Vorstellung heimgesucht, unter einer großen Käseglocke zu sitzen. Aber immerhin konnte sie sich dadurch ungestört auf die Beantwortung des Fragebogens konzentrieren, über den sie sich nun auch sofort hermachte.

Die Fragen waren, im Vergleich zu dem, was ihr Snape in den letzten Wochen abverlangt hatte, nicht übermäßig schwer zu beantworten und die kleinen Fallstricke, die Slughorn hier und da eingestreut hatte, sprangen ihr sofort ins Auge. Kurz vor Ablauf der Zeit war sie damit fertig, und legte die Feder zur Seite.

Die restlichen Minuten verbrachte sie damit, sich etwas zu entspannen und die Anderen zu beobachten. Dumbledore wurde als erstes darauf aufmerksam, dass sie die Arbeit beendet hatte. Er schien jedoch zu spüren, dass ihr die kleine Pause ganz gut tat - daher machte er niemanden darauf aufmerksam, bis Slughorn selber auf die Uhr sah und sein Augenmerk wieder auf Tamara richtete.

„So! Nun kommen wir zum praktischen Teil dieser Abschlussprüfung in der hohen Kunst des Zaubertrankbrauens", sagte dieser feierlich, nachdem Dumbledore den Dämpfungszauber entfernt hatte.

In der folgenden Stunde bekam Tamara zunächst ein Rezept für einen Zaubertrank ausgehändigt, und nachdem Slughorn ihr etliche Fragen über Herkunft und Wirkungsweise der verschiedenen notwendigen Zutaten gestellt hatte, wurde ihr alles Nötige zur Verfügung gestellt, um diesen Trank nun herzustellen.

Es war ein Heiltrank, der die üblen Halluzinationen milderte, die bei vielen Zauberern aufgrund allzu häufigen Apparierens über weite Strecken auftraten. Der Trank, musste wegen der diversen unerwünschten Nebenwirkungen, die er leider hatte, mit äußerster Präzision hergestellt werden, vor allem im Hinblick auf die Dosierung der einzelnen Komponenten. Es war eines der Rezepte gewesen, bei der Snape sie so lange gequält hatte, bis ihr Ergebnis exakt dem entsprach, was er erwartete. Sie nahm sich vor, ihrem strengen Lehrmeister für diese vorausschauende Vorbereitung später gebührend zu danken.

 

Slughorn hatte nichts auszusetzen gehabt, an ihren Antworten. Die Fallen, die er ihr gestellt hatte, waren aufgrund Snapes Übungsmarathon von der letzten Woche, keine große Überraschung für Tamara gewesen. Snape schien sehr genau gewusst zu haben, wie Slughorn einzuschätzen war.

Auch Tamaras fertiggestellter Trank entlockte dem Zaubertränke-Prüfer ein anerkennendes Nicken.

„Ich muss schon sagen, Miss Ogareff", sagte er überrascht, „das war wirklich eine ausgezeichnete Leistung. Wenn ihre schriftlichen Arbeit ebenso perfekt aussieht, haben sie gute Chancen auf die Bestnote.

„Danke Professor Slughorn! Ich hatte auch einen guten Lehrer!", sagte Tamara und lehnte sich erleichtert in ihrem Stuhl zurück.

„Sie dürfen nun eine kleine Pause machen", sagte Dumbledore und nickte ihr freundlich zu. „Wenn sie sich bitte in fünfzehn Minuten wieder hier einfinden würden!"

 

Erfreut stand Tamara auf und verließ so eilig, wie es gerade noch vertretbar war den Saal.

In der Eingangshalle ließ sie suchend den Blick umherwandern. Eigentlich hatte sie im Stillen gehofft, dass Severus hier auf sie warten würde, und dass er nicht hier war versetzte ihr einen kleinen aber scharfen Stich der Enttäuschung.

Egal - eine Viertelstunde würde locker ausreichen um in den Kerker hinunter und wieder herauf zu laufen.

Sie hatte gerade ein paar Meter in Richtung Kerkertreppe zurückgelegt, als eine Hand sie plötzlich hinter die Säule zog, an der sie eben vorbei ging. Er war also doch da - nicht unmittelbar vor der Tür, und somit für jeden der herauskam sichtbar, aber trotzdem so, dass er von seinem Platz aus alles im Blick hatte. Ein warmes Gefühl der Erleichterung und Dankbarkeit durchströmte Tamara.

„Du bist da!", sagte sie glücklich und fiel ihm um den Hals.

„Korrekt!", sagte Snape und schob sie ein Stück von sich weg, um ihr in die Augen sehen zu können. „Und - wie ist es gelaufen, bis jetzt?", fragte er unübersehbar angespannt, obwohl er versuchte, seine Stimme möglichst neutral klingen zu lassen.

„Perfekt ist es gelaufen!", sagte Tamara strahlend. „Slughorn ist beeindruckt von mir!"

„Das will ich ihm aber auch geraten haben!", brummte Snape.

„Bist du jetzt wenigstens ein bisschen stolz auf mich?", fragte Tamara grinsend.

„Das sage ich dir, wenn ich das Ergebnis weiß!", sagte Snape streng.

„Spielverderber!", schnaubte Tamara.

 

Als sie nach Ablauf der Viertelstunde wieder den Saal betrat, zwinkerte ihr Slughorn vertraulich zu - wobei sein überdimensionaler Walrossbart lustig wackelte - was wohl bedeutete, dass auch ihr Fragebogen ihn nicht enttäuscht hatte.

Nachdem Tamara Platz genommen hatte, ergriff Professor Sullivan das Wort, dessen äußeres Erscheinungsbild einen starken Kontrast zu seinem korpulenten Sitznachbarn darstellte. Er war groß und von hagerer Gestalt, sein langes Haar war fast völlig weiß und im Nacken zusammengebunden, was den Blick auf ein arrogant anmutendes, glattrasiertes, aristokratisches Gesicht freigab. Vom Alter her lag er vermutlich irgendwo zwischen Slughorn und Dumbledore, aber seine wachsamen grauen Augen machten Tamara sofort deutlich, dass sie es hier nicht mit einem harmlosen alten Mann zu tun hatte.

„Wir beginnen nun mit der Prüfung in Verteidigung gegen die dunklen Künste, Miss Ogareff", sagte Sullivan und bewegte den Zauberstab unmerklich, woraufhin ein Pergament mit elegantem Schwung auf ihrem Tisch landete, „wobei sie auch hier den schriftlichen Teil zuerst absolvieren werden, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass etliche Prüflinge des Schreibens nicht mehr so recht mächtig sind, nachdem sie den praktischen Teil hinter sich gebracht haben."

Sowohl der Tonfall, als auch die in einem ironischen Satz verpackte Drohung, erinnerten Tamara so stark an Snape, dass sie sich zusammenreißen musste, um nicht über das ganze Gesicht zu grinsen. Sie dankte Sullivan mit einem freundlichen Nicken und begann dann sofort seinen Fragebogen zu beantworten.

Seine Fragen stellten sich als sehr viel anspruchsvoller heraus, als die von Slughorn. Tamara musste manche Formulierungen dreimal lesen, ehe sie verstand, worauf er hinaus wollte. Nachdem Dumbledore wieder die Maxi-Käseglocke über sie gelegt hatte, bekam Tamara nicht mit, worüber sich die Profes