Der Ferienjob
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Am nächsten Morgen wurde Tamara von einem penetranten, klopfenden Geräusch an ihrer Wohnungstür geweckt, das zunehmend lauter wurde, je länger sie versuchte, es zu ignorieren.
„Ja - ich komme ja schon!", murmelte sie noch reichlich desorientiert, während sie versuchte, das Laken, mit dem sie sich zugedeckt hatte um ihren Körper zu wickeln.
Verschlafen torkelte sie zur Türe, und öffnete diese.
Sie hatte halb gehofft und halb befürchtet, dass es Snape wäre, der da anklopfte, aber sie rechnete nicht wirklich damit, denn sonst wäre aus dem Klopfen sicher nach wenigen Sekunden ein Hämmern geworden - Geduld gehörte ja bekanntlich nicht unbedingt zu den Stärken des Tränkemeisters.
So war sie auch nicht besonders verwundert, dass sie nach dem Öffnen nicht geradeaus in zwei schwarze Augen, sondern einen knappen Meter tiefer, in zwei kugelrunde braune schaute, die zu einem ziemlich nervös anmutenden Hauselfen gehörten.
„Miss Ogareff - Professor Snape schickt mich! Er sagt, wenn sie nicht in spätestens fünf Minuten bei ihm im Unterrichtsraum sind, können sie sich die Kunst des Zaubertränkebrauens in Zukunft selbst beibringen", sprudelte der Elf aufgeregt hervor.
„Wie spät ist es?", fragte Tamara entsetzt.
„Es ist zehn Minuten nach Neun, Miss Ogareff", piepste der Elf.
„Scheiße! Lauf hinunter in den Kerker und sag Professor Snape, es tut mir leid und ich bin auf dem Weg", rief Tamara, während sie schon ins Zimmer zurückstürzte, und hektisch anfing nach Kleidung zu suchen. „Und sag ihm, er soll mich bitte nicht gleich verdammen, wenn ich eventuell sechs Minuten brauche."
„Jawohl, Miss Ogareff!", sagte der Elf und watschelte eilig davon.
Tamara beschloss in der Not, wieder ihre Jeans anzuziehen und die, etwas zerknitterte, weiße Bluse, die beide noch von gestern auf dem Boden herumlagen. Allerdings hatte sie in der Eile keine Zeit mehr, sich auch noch um frische Unterwäsche zu kümmern, und da die gestrige nicht sofort auffindbar war, verzichtete sie ausnahmsweise ganz auf Wäsche.
Eine Minute später war Tamara, im Laufschritt, auf dem Weg in den Kerker.
Warum musste ihr das ausgerechnet heute passieren, nachdem sie es letzte Nacht immerhin geschafft hatte, sich einvernehmlich und ohne Ärger von Snape zu trennen.
Nachdem sie beide zunächst engumschlungen eingedöst waren, hatte er sie irgendwann in der Nacht geweckt, und ihr freundlich, aber bestimmt nahegelegt, nun doch wieder in ihre eigenen vier Wände zu verschwinden, da er seinen Schlaf benötigen würde, und es vorzöge, dabei ungestört zu sein.
Es hatte sie zwar ein klein wenig geärgert, so hinausgeworfen zu werden, aber um nicht schon wieder einen unnötigen Streit vom Zaun zu brechen, hatte sie Verständnis signalisiert, und war müde und schlurfenden Schrittes in ihre Wohnung zurückgekehrt.
Dort angekommen, hatte sie allerdings dann lange nicht einschlafen können, und sich stundenlang auf ihrem Bett hin- und hergewälzt, was wiederum hinreichend den Umstand erklärte, dass sie heute morgen nicht pünktlich aufgewacht war.
Vor dem Unterrichtsraum angekommen, rieb sie sich noch rasch den Restschlaf aus den Augen und fuhr sich mit gespreizten Fingern ein paar mal durchs Haar.
Gleich beim Eintreten fiel ihr Blick auf Snape, der mit finsterem Blick und natürlich mit verschränkten Armen hinter seinem Pult stand, und sie streng musterte.
„Neun Uhr vierzehn!", sagte er schneidend. „Was hast du zu deiner Entschuldigung vorzubringen?"
„Vierzehn?", sagte Tamara atemlos. „Dann hätte ich mir ja noch eine Minute länger Zeit lassen können!"
„Eventuell hättest du diese Minute nützen können, um dich anständig anzuziehen", sagte Snape, mit Blick auf ihre Bluse, durch die sich, aufgrund des fehlenden Büstenhalters deutlich ihr Busen abzeichneten.
Er selbst war natürlich wie immer ordnungsgemäß in mehrere Lagen makellosen, schwarzen Stoffs gehüllt.
„Wenn du mir nicht gleich solche drastischen Maßnamen angedroht hättest, falls ich nicht innerhalb von fünf Minuten erscheine, hätte ich das sicher getan", sagte Tamara spitz.
„Was denkst du dir eigentlich dabei, mich hier warten zu lassen", fragte Snape grimmig. „Die Tatsache, dass du mit mir das Bett, beziehungsweise die Badewanne geteilt hast, bedeutet nicht, dass du dir in meinem Unterricht irgendwelche Freiheiten herausnehmen kannst."
„Das war nicht beabsichtigt!", schnaubte Tamara. „Und außerdem bist du mit daran schuld - du hast mich gestern aus dem Schlaf gerissen und hinauskomplimentiert, und als ich dann wieder in meinem eigenen Bett lag, konnte ich lange Zeit nicht einschlafen."
„Mag schon sein", sagte Snape ungerührt. „Das ist auch der einzige Grund, warum ich so lange gewartet, und dir sogar einen Hauself geschickt habe - unter anderen Umständen wäre ich spätestens um fünf nach Neun gegangen."
„Unglaublich...", sagte Tamara versonnen, „...das sind ja ganze zehn Minuten, die du mir zugebilligt hast. Ich bin dir wirklich zu unendlichem Dank verpflichtet! Wow - zehn Minuten! Sind das fünf Minuten, für jede Nummer, die wir geschoben haben, oder ist das eine Pauschale? Ich frage nur deshalb, weil - wenn jedes Mal fünf Minuten dabei herausspringen, könnte ich es ja vielleicht bis zum Ende der Ferien hinkriegen, dass ich mal eine ganze Stunde länger schlafen kann."
„Ich würde dir dringend raten, im Unterricht deinen vorlauten Schnabel zu halten, wenn du weiter Wert darauf legst, von mir unterwiesen zu werden - im Zaubertränkebrauen, in Verteidigung gegen die dunklen Künste, und auch in allem anderen, was es für dich hier zu lernen gibt", knurrte Snape, „haben wir uns verstanden?"
„Ja, ...SIR!", sagte Tamara gehässig. „Selbstverständlich, ...SIR!"
„Schon besser!", sagte Snape gelassen, und wandte seinen Blick wieder dem Lehrbuch zu, das aufgeschlagen auf seinem Pult lag. „Nachdem das geklärt wäre, könnten wir endlich anfangen - die Zeit, die du vertrödelt hast, wird natürlich hinten drangehängt."
„Nein - was für eine Überraschung!", zischte Tamara leise.
„Wolltest du noch irgendetwas dazu bemerken?", fragte Snape scharf.
„Aber nein!", sagte Tamara und hob abwehrend die Hände. „Ich würde mir doch nie erlauben, deine Entscheidungen anzufechten!"
„Dann fang an!", bellte Snape. „Das Rezept steht an der Tafel!"
Er hatte einen äußerst schwierigen Trank ausgewählt, und Tamara sah sich schon wieder der undankbaren Aufgabe gegenüber, unzählige Zutaten penibelst abwiegen und zerkleinern zu müssen, wobei ihr Snape äußerst skeptisch zusah, und - wann immer es sich ergab - bissige Kommentare absetzte.
Auch die Technik des Umrührens, die genauen Wartezeiten vor der Zugabe der jeweils nächsten Zutat und die exakte Einhaltung der Temperaturvorgaben bei den verschiedenen Arbeitsschritten, waren für das Gelingen dieser Rezeptur enorm wichtig.
Tamara war nur noch wenige Handgriffe von der Fertigstellung entfernt, als sie vergaß, das Feuer unter ihrem Kessel zu reduzieren - und damit den Trank weitgehend versaute.
Snape, der sie die ganze Zeit über genau beobachtet, aber natürlich nicht auf den Fehler aufmerksam gemacht hatte, warf einen angewiderten Blick in ihren Kessel.
Seufzend zückte er seinen Zauberstab, und ließ das Gebräu mit einem leichten Schnipsen gegen den Kessel völlig verschwinden.
„Das war wohl nichts!", sagte er kühl. „Fang noch mal von Vorne an!"
„Ganz von Vorne? Das kann doch nicht dein Ernst sein!", stöhnte Tamara. „Bitte tu mir das nicht an, Severus!"
„Habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt?", fragte Snape.
„Doch, aber..."
„Was glaubst du eigentlich, wozu du hier bist?", unterbrach Snape sie barsch.
„Ich weiß", sagte Tamara kläglich, „aber ich bin heute wirklich nicht gerade in Höchstform, und außerdem hatte ich noch nicht mal einen Schluck Tee heute Morgen. So müde, wie ich im Moment bin, würde ich sogar eine Ausnahme machen, und eine Tasse Kaffee trinken. Du liebst doch dieses Gebräu - könnten wir nicht eine kleine Pause machen, und zusammen ein Tässchen trinken?"
„Jemand, der die Worte Ausnahme und Gebräu im gleichen Atemzug mit Kaffee erwähnt, ist es nicht würdig, auch nur einen Tropfen davon zu bekommen", sagte Snape entrüstet.
„Bitte!", sagte Tamara ruhig.
Nach einem letzten finster-vorwurfsvollen Blick richtete Snape seinen Zauberstab auf Tamaras Tisch, und vollführte zweimal hintereinander dieselbe kleine Bewegung, woraufhin zwei große Tassen erschienen, aus denen verführerisch duftender Kaffeegeruch empor stieg.
„Da hast du deine Ausnahme!", sagte er pampig.
„Vielen Dank - du rettest mir gerade das Leben!", seufzte Tamara. „Möchtest du dich nicht einen Moment zu mir setzen?"
Wortlos zog Snape sich einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber.
Beide tranken sie ihren Kaffee - ohne sich anzusehen, jeder in sein Schweigen eingehüllt, wie in einen schützend Kokon.
Tamara ertappte sich dabei, wie sie zum wiederholten mal unbewusst seine Hand anstarrte, die nun - leicht mit den Fingern auf die Tischplatte klopfend - neben der Tasse lag. Snape schien dies nicht zu bemerken. Erst als sie ihre Hand auf die seine legte, wandte er sich ihr mit einem überraschten Blick zu.
„Guten Morgen, Severus!", sagte Tamara leise.
Ein langer, undefinierbarer Blick aus seinen dunklen Augen, ließ sie eine Zeit lang hoffen, dass er ihr Friedensangebot angenommen hatte - allerdings nur so lange, bis er seine Sprache schließlich wiederfand.
„Ich glaube, du bringst da zwei verschiedene Dinge durcheinander", sagte er schneidend.
„Tu ich das?", seufzte Tamara genervt, von seiner permanent ablehnenden Haltung.
„DAS...", sagte er, und betrachtete ihre Hand, die immer noch auf seiner lag, als wäre sie etwas reichlich Abartiges, gehört absolut nicht hier her, sondern - wenn überhaupt - in deine und meine Freizeit. Während des Unterrichts bist du meine Schülerin, und ich bin dein Lehrer - und sonst NICHTS! Ich habe den starken Verdacht, dass du aufgrund der ...Vorkommnisse am Wochenende, deine Ausbildung plötzlich nicht mehr so ernst nimmst."
„Das ist nicht war!", sagte Tamara aufgebracht, und zog ihre Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. „Wie kannst du mir so etwas unterstellen, nur weil ich einmal verschlafe."
„Du hast auch den Trank versaut!", sagte Snape ungerührt.
„Ich habe einen Fehler gemacht - OKAY?", blaffte Tamara ihn wütend an. „Machst du nie Fehler?"
Snapes Gesicht wurde zu einer undurchdringlichen Maske. Nur seine Augen verrieten, dass es durchaus Emotionen hinter dieser Barriere gab.
„Ich bin seit zehn Jahren dabei, einen Fehler auszubügeln", sagte er kalt.
„Und das gibt dir das Recht, andere wegen ihrer kleinen Unzulänglichkeiten niederzumachen?", sagte Tamara anklagend.
„Ich habe dich bei weitem nicht niedergemacht", sagte Snape genervt.
„Aber versucht hast du es", beharrte Tamara. „Zuerst strafst du mich ab, weil ich zu spät komme - was ich ja noch verstehen kann, dann drückst du mir einen absolut schwierigen Trank aufs Auge, und starrst mich während der Zubereitung noch andauernd an, um mich zu verunsichern. Du hast es doch geradezu darauf angelegt, dass ich versage. Und zuletzt reagierst du noch auf eine wirklich liebevoll und versöhnlich gemeinte Geste, so übertrieben ablehnend, dass ich mich langsam frage, ob du mich nicht für etwas ganz anderes bestrafen willst."
„Ach - und wofür? Da hast du doch sicher auch schon einen passenden Verdacht!", sagte Snape zynisch.
„Dafür, dass ich dir zu nahe gekommen bin", sagte Tamara, „und dafür, dass ich dich dazu gebracht habe, es zuzulassen."
„Unsinn!", schnaubte Snape. „Hast du deinen Ausnahme-Kaffee nun endlich getrunken?... Dann fang jetzt an!"
„Das werde ich tun", sagte Tamara giftig, „sowie du dich von meinem Tisch verziehst, und mich in Ruhe arbeiten lässt."
„Siehst du, es geht schon wieder los", fauchte Snape, „du benimmst dich albern und respektlos - so geht das nicht weiter!"
„Sowie du es fertig bringst, dich respektabel zu verhalten, werde ich dich mit allem, dir zustehenden Respekt behandeln", erwiderte Tamara bissig.
Snape warf ihr noch einen letzten drohenden Blick zu, ehe er so ruckartig aufstand, dass die Stuhlbeine kreischend über den Boden schrammten, und mit großen Schritten hinter sein Pult zurückkehrte.
Nach einem tiefen Seufzer widmete Tamara sich wieder ihrem Zaubertrankrezept.
Snape schien sie im Verlauf der nächsten Stunde völlig zu ignorieren, was ihrer Konzentration sehr förderlich war, und nicht unwesentlich zum Gelingen des Trankes beitrug.
Er schien tatsächlich perfekt gelungen zu sein.
Als sie eine Probe davon in ein Reagenzglas abfüllte, war sie furchtbar stolz auf sich selber, dass ihr dieses schwierige Unterfangen, trotz der widrigen Umstände geglückt war.
Sie ging zu Snapes Pult, und hielt ihrem Lehrer, der sie noch immer geflissentlich übersah, die Probe unter die Nase.
„Hier - bitteschön!", sagte sie ruhig. „Und entschuldige noch mal die Verspätung. Außerdem tut es mir leid, wenn mein Verhalten dich annehmen ließ, dass ich deinen Unterricht nicht mehr ernst nehmen würde. Ich versichere dir, das es nicht so ist. Ich respektiere dich, und ich möchte von dir lernen - aber ich will auch von dir respektiert werden."
Snape nahm ihr das Reagenzglas aus der Hand, und betrachtete prüfend den Inhalt, bevor er sich mit dem gleichen Blick in ihre Augen bohrte.
Er schien mit beiden Ergebnissen zufrieden zu sein, denn zum ersten Mal an diesem Tag, entspannte sich seine Mine ein wenig.
„Frieden?", fragte Tamara.
„Ja...", entgegnete Snape, zum ersten Mal an diesem Tag nicht unfreundlich, „...vorläufig zumindest."
Die versöhnliche Stimmung hielt auch im weiteren Verlauf des Tages an, was Snape allerdings nicht daran hinderte, Tamara einen weiteren komplizierten Trank herstellen zu lassen, und auch nicht davon, sie am Nachmittag wieder quer durch die Halle zu fluchen. Überdies brummte er ihr in beiden Fächern so viele Hausaufgaben auf, dass sie ungefähr bis Mitternacht beschäftigt sein würde.
„Ist das deine spezielle Vorstellung von Frieden - mich mit deinen blöden Hausaufgaben fertig zu machen", maulte Tamara nach Beendigung des Verteidigungsunterrichts.
Sie hatte sich vor ihm aufgebaut, und starrte ihn herausfordernd an.
„Fühlst du dich etwa überfordert?", fragte Snape samtig.
„Das nicht direkt - aber ich hätte gerne ein wenig freie Zeit, am Abend", sagte Tamara, „die ich mit Tätigkeiten verbringen kann, die ich mir selber ausgesucht habe."
„Ach - schwebt dir da etwas Besonderes vor?", fragte Snape interessiert.
„Oh ja - etwas ganz Besonderes", erwiderte Tamara lächelnd, und trat noch näher an ihn heran.
Snape verhinderte nicht, dass sie die Arme um seinen Oberkörper schlang, er erwiderte die Umarmung sogar kurz, machte aber keine Anstalten, seinerseits mehr Engagement in dieser Sache an den Tag zu legen.
„Samstag!", brummte er.
„Was soll das heißen - Samstag?", sagte Tamara und löste sich mit finsterem Blick von ihm.
„Das soll heißen, deine besonderen Vorhaben wirst du wohl auf das Wochenende verschieben müssen", sagte Snape, langsam, als würde er mit einer besonders begriffsstutzigen Person sprechen, „weil du, wegen der Hausaufgaben, unter der Woche keine Zeit für so was hast."
„Du meinst also, ich muss mich in dieser Sache völlig deinen Vorgaben unterordnen?", fragte Tamara erzürnt.
„Da bleibt dir bei genauerer Betrachtung eigentlich gar keine andere Wahl, oder?", fragte Snape mit einem unverschämt herablassenden Grinsen, bei dem sich Tamaras Magen vor Wut zu verknoten schien.
„Wenn du glauben solltest", knurrte Tamara, „dass ich während der Woche die brave Schülerin gebe, und dann am Samstag - selbstverständlich, nachdem ich deine Hausaufgaben gemacht habe - demütig darauf warte, dass dir vielleicht noch der Sinn nach anderen Dingen stehen könnte, dann bist du gewaltig auf dem Holzweg, Severus Snape!"
Ihre Stimme war während ihrer kleinen Ansprache immer lauter geworden, was Snape jedoch nicht im Geringsten zu beeindrucken schien. Er grinste immer noch.
„Das wird sich noch herausstellen!", sagte er gelassen.
„Da kannst du lange warten, du arroganter Mistkerl!", zischte Tamara.
„Kein Grund, sich zu echauffieren!", sagte Snape tadelnd.
Mit einem wütenden Schnauben wandte Tamara sich von ihm ab, und stolzierte in Richtung Ausgang.
„Sehe ich dich beim Abendessen, verehrte Miss Nachhilfeschülerin?", fragte Snape amüsiert.
„Dafür habe ich keine Zeit!", fauchte Tamara über ihre Schulter zurück. „Ich muss Hausaufgaben machen!"
„So ist's recht!", sagte Snape anerkennend, kurz bevor die Tür hinter ihr zufiel.
Am nächsten Tag stand Tamara schon vor der Türe des Unterrichtraumes, als Snape eintraf.
„Oh - wie schön - heute mal pünktlich!", wurde sie von ihm begrüßt.
„Selbstverständlich!", antwortete sie kühl.
An ihrem Platz holte sie einige Rollen Pergament hervor und legte sie, ohne ein Wort zu sagen auf Snapes Pult.
„Und fleißig gewesen bist du auch", sagte Snape samtig. „Braves Mädchen!"
Tamara warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
„Nachdem du nun - im Gegensatz zum gestrigen Morgen - so eifrig bist, sollten wir bis Mittag mit dem Zaubertränkeunterricht fertig sein", sagte Snape, „vorausgesetzt natürlich, du versaust nicht wieder einen der Tränke durch deine Unachtsamkeit."
Ihr Blick wurde noch eine Spur vernichtender, aber sie enthielt sich weiterhin einer Antwort.
„So schweigsam heute?", sagte Snape spöttisch, wobei die Augenbrauen einen gewissen Aufwärtstrend zu verzeichnen hatten.
„Nicht grundsätzlich", sagte Tamara schneidend, „aber auf dieses Niveau lasse ich mich nicht herab."
„Das trifft mich wirklich hart!", sagte Snape theatralisch seufzend, und seine Hand an die Brust pressend. Seine Augen funkelten vergnügt, während die Mundwinkel verdächtig zuckten.
„Könnten wir jetzt bitte anfangen?", sagte Tamara gepresst.
„Aber ja doch!", sagte Snape freundlich und richtete seinen Zauberstab auf die Tafel, woraufhin ein ellenlanges Trankrezept erschien. „Ich hoffe, das hier entspricht deinem Niveau, meine Teuerste."
Die Rezeptur stellte sich als das Schwierigste heraus, das Tamara je hatte brauen müssen. Sie Zwang sich zu äußerster Konzentration und Effizienz, um Snape auf keinen Fall die Genugtuung zu bereiten, sie versagen zu sehen.
Dieser jedoch erschwerte ihr das Arbeiten außerordentlich, indem er immer wieder um sie herumstrich, wie ein Raubtier um seine Beute.
Am Schlimmsten war es, wenn er dicht hinter ihr stand, und ihr über die Schulter sah. Er kam ihr dabei so nahe, dass sie seinen Atem im Nacken spürte, und seinen dezenten männlich-herben Geruch wahrnahm.
Wenn er mit ihr sprach, hatte seine Stimme, selbst wenn er sie tadelte, einen so seidigen Unterton, dass ihr jedes Mal unwillkürlich ein Schauer den Rücken hinunter lief. Spätestens jetzt wurde ihr klar, das Snape sehr wohl um die Wirkung seiner Stimme wusste, und sie sehr gezielt einsetzte.
Der Höhepunkt seiner Ablenkungsmanöver kam in Form seines Zauberstabs einher, den er ihr vor die Nase hielt, und an dem das von ihr vermisste Höschen und der dazugehörige Büstenhalter hingen.
„DAS... habe ich in meinem Schlafzimmer gefunden", sagte Snape genüsslich. „Ich habe es mitgebracht, für den Fall, dass du wieder unvollständig angezogen zum Unterricht erscheinst - aber glücklicherweise scheint das heute nicht nötig zu sein."
„Wie überaus gütig von dir!", sagte Tamara süßlich und pflückte ihre Wäsche von dem Stab.
Unter Aufbietung all ihrer Selbstbeherrschung brachte es Tamara wider Erwarten tatsächlich fertig, den Trank zu vollenden.
Nachdem sie sich ein letztes Mal davon überzeugt hatte, dass das Ergebnis vorzeigbar war, gab sie ihre bisherige, angespannte Körperhaltung auf, und streckte den Rücken durch, während sie den Kopf langsam von einer Schulter zur anderen bewegte, um die angespannte Nackenmuskulatur zu entkrampfen.
Als Snape hinter sie trat, und begann, mit beiden Händen geschickt ihre verspannten Muskeln zu massieren, war es um ihre Selbstbeherrschung geschehen.
„Was soll das?", fauchte sie, und duckte sich unter seinem Griff weg.
„Ich weiß gar nicht was du willst? Ich versuche nur, nett zu dir zu sein", sagte Snape, und obwohl sie ihn nicht ansah, wusste sie, dass er dabei spöttisch grinste.
„Darauf kann ich gut verzichten!", blaffte Tamara. „Schau dir lieber den Trank an, nachdem ich mich halb tot geschuftet habe, ihn hinzukriegen."
Langsam ging Snape um den Tisch herum und warf einen äußerst skeptischen Blick in ihren Kessel.
Er schöpfte eine Kelle voll ab, um den Inhalt in einem dünnen Rinnsal zurückfließen zu lassen. Anschließend füllte er eine Probe des Tranks in ein Reagenzglas, an dem er zunächst roch und es dann prüfend gegen das Licht hielt, während er es leicht hin- und herbewegte.
Ungeduldig trommelte Tamara mit den Fingern auf die Tischplatte.
„Und?", schnaubte sie ungehalten, als er selbst nach dieser eingehenden Prüfung keine Tendenz zeigte, eine Bewertung abzugeben.
Snape warf einen letzten abschätzigen Blick auf die Probe, bevor er seine Aufmerksamkeit Tamara zuwandte, die sich schon innerlich gegen eine seiner typischen, niederschmetternden Kommentare wappnete.
„Selbst unter Berücksichtigung deiner gegenwärtigen Gemütsverfassung" begann Snape bedächtig, und schwenkte den Inhalt des Reagenzglases dabei spielerisch im Kreis herum, „kann ich zum Ergebnis deiner redlichen Bemühungen nur eines sagen..."
Er machte eine Pause und zog die Augenbrauen hoch. Tamara war mittlerweile bereit, ihm ins Gesicht zu springen.
„...es gibt absolut nichts an diesem Trank auszusetzen!", beendete Snape seinen Satz.
Tamara, die den Mund schon zu einer deftigen Entgegnung geöffnet hatte, sah ihn erstaunt an.
„Äh..., wirklich nicht?", fragte sie zögernd.
„Abgesehen davon, dass du auf meinen Versuch, die Nachwirkungen der Schufterei aus deinen Nackenmuskeln zu massieren, mit einer gewissen Gereiztheit reagiert hast - nein!", sagte Snape samtig.
„Lass meine Muskeln aus dem Spiel!", sagte Tamara, aber ihre Stimme klang längst nicht mehr so streng, und ein Hauch von Stolz schwang deutlich darin mit.
„Ungern!", raunte Snape.
„Was soll ich als nächstes brauen?" ,wechselte Tamara das Thema.
„Woher kommt nur dieser plötzliche Eifer?", fragte Snape süffisant. „Liegt das eventuell daran, dass du alle ...äh, sagen wir mal ...ablenkenden Gedanken aus deinem entzückenden Kopf verbannt hast?"
„Nein - das liegt daran, dass ich die Prüfung bestehen will!", sagte Tamara heftig.
„IST das wahr?", sagte Snape gedehnt.
„Warum wohl sollte ich mich sonst so anstrengen, obwohl du dein Bestes tust, um mich fertig zu machen?", fragte Tamara feindselig.
Snape, der bereits auf dem Rückweg zu seinem Pult war, murmelte etwas, was verdächtig nach „Masochismus?" klang.
Tamara war kurzfristig versucht, die Schöpfkelle nach ihm zu werfen, besann sich aber doch noch eines Besseren, und ignorierte die Provokation.
Nachdem sie im Anschluss einen weiteren Trank - der im Zwischenstadium vierundzwanzig Stunden ruhen musste - für den morgigen Tag vorbereitet, und von Snape das übliche Pensum an Hausaufgaben aufgebrummt bekommen hatte, verließ Tamara mit einem knappen Abschiedsgruß den Unterrichtsraum.
Der Nachmittagsunterricht in Verteidigung gestaltete sich zunächst genauso, wie an allen anderen Tagen zuvor - Tamara lag öfter auf dem glänzenden Parkettboden der großen Halle, als dass sie darauf stand.
Nach einer halben Stunde Duell schien Snape jedoch die Lust zu verlieren, sie wieder und wieder umzupusten.
„Das hat so keinen Sinn!", sagte er kopfschüttelnd. „Du bist einfach zu langsam. Es ist keine Verbesserung mehr festzustellen, nicht einmal ansatzweise."
„Oh - vielen Dank!", zischte Tamara, während sie sich den Staub aus der Kleidung klopfte.
„Ich schätze, wir werden doch daran arbeiten müssen, dass du lernst deinen Geist zu verschließen", sagte er nachdenklich.
„Hattest du nicht angedeutet, dass mir die Begabung fehlt, um diese überaus schwierige Kunst zu erlernen?", fragte Tamara spitz.
„Nein - ich sagte nur - nicht jeder hat die Begabung dazu", sagte Snape, „aber ich glaube nicht, dass du diesbezüglich ein völlig hoffnungsloser Fall bist."
„Es ist geradezu überwältigend, wie du mit Komplimenten um dich wirfst", sagte Tamara zähneknirschend.
„Das kommt daher, dass ich im Grunde ein total netter Kerl bin", sagte Snape ironisch, „aber erzähl das bitte nicht weiter - ich habe einen Ruf zu verteidigen."
„Ich werde es für mich behalten", versprach Tamara treuherzig, „schon allein deshalb, weil mir das ohnehin niemand glauben würde."
„Ja - es ist schlimm, wie misstrauisch die Leute heutzutage sind", sagte Snape. „Können wir dann aufhören, zu plaudern und uns wieder der Arbeit zuwenden?"
„Ich bin bereit!", sagte Tamara knapp.
„Also gut, pass auf! Bei der Okklumentik kommt es darauf an...", begann Snape.
„Moment mal!", schnappte Tamara. „Wieso Okklumentik? Du hattest doch behauptet, du würdest während eines Duells nicht in meinen Geist eindringen, sondern lediglich auffangen, was ich herumschleudere."
„Das ist richtig", sagte Snape, „aber die Verteidigung ist die gleiche - ob du nun verhindern willst, dass jemand in deine Gedanken eindringt, oder dass dein Geist etwas preisgibt, das du lieber für dich behalten möchtest."
Tamara sah ihn misstrauisch an. „Und wie kann ich das üben?", fragte sie.
„Das ist einfach! Ich dringe in deinen Geist ein, und du versuchst es zu verhindern", sagte Snape trocken.
„NEIN!"
„Nein?"
„Ich will nicht, dass du in meinen Geist eindringst!", sagte Tamara empört.
„Noch vor zwei Tagen hattest du gegen ein Eindringen von meiner Seite nichts einzuwenden", sagte Snape mit einem anzüglichen Grinsen.
Tamara stieß etwas auf Russisch hervor, das sich schwer nach einem Schwall übler Schimpfwörter anhörte.
„Schön - wenn du es nicht lernen willst, dann lassen wir es eben", sagte Snape gleichmütig.
Tamara starrte ihn böse an.
„Was muss ich tun?", sagte sie zähneknirschend.
„Mach deinen Kopf frei", sagte Snape ruhig. „Versuche, dich von all deinen Emotionen zu lösen."
Tamara nickte stumm.
Snape richtete seinen Zauberstab auf sie.
Die große Halle begann, sich vor Tamaras Augen aufzulösen. Bilder aus der Vergangenheit schoben sich davor, zunächst verschwommen, dann ganz deutlich sichtbar.
......Sie war sechzehn Jahre alt und stand im Büro ihres Vaters, der wild mit den Händen gestikulierend vor ihr auf und ab lief und zornig auf sie einredete. Ihre Mutter saß auf einem Stuhl und weinte. Es war das übliche Procedere, das regelmäßig nach einer ihrer mehrtägigen „Ausreißertouren" stattgefunden hatte......Sie hielt ein neugeborenes Baby im Arm - ihren Bruder Sascha - während ihr die Tränen unaufhaltsam die Wangen herunterliefen......Sie stand am Grab ihrer Mutter, links neben ihr, ihr Vater, mit einem völlig gebrochenen Gesichtsausdruck, zu ihrer Rechten Nikolai, der beschützend den Arm um sie legte.....
Etwas stimmte hier nicht - der Arm, der sie tatsächlich hielt, gehörte eindeutig zu jemand anderem. Snape! Er hielt sie fest, weil sie bedrohlich schwankte. Sie befand sich wieder in der großen Halle. Tamara blinzelte verwirrt.
„Wieder im Hier und Jetzt angekommen?", fragte Snape, bevor er sie losließ.
Tamara nickte.
„Du hast mir nichts entgegengesetzt!", sagte Snape vorwurfsvoll.
„Ich weiß nicht wie!", zischte Tamara.
„Ich kann dir nicht erklären, wie das geht - du musst es spüren", sagte Snape. „Versuche, deine Erinnerungen zu verbergen, indem du mir eine geistige Barriere entgegen setzt."
„Genau das habe ich versucht!", sagte Tamara störrisch.
Snape sah sie skeptisch an.
„Wer war der große, Blonde neben dir, auf der Beerdigung?", fragte er plötzlich.
„...Ein Leibwächter...", murmelte Tamara, immer noch durcheinander, von dem Ausflug in die Vergangenheit.
„Hm...! Nächster Versuch! Bist du bereit?", sagte Snape.
„Ja, ...ich glaube schon!", sagte Tamara zögernd.
„Mach deinen Kopf frei!", befahl Snape. „Legilimens!"
.....Wieder war sie sechzehn. Sie war äußerst wütend, ...wütend und verletzt, und sie schrie die erste große Liebe ihres Lebens an, einen schlanken, dunkelhaarigen jungen Mann namens Fjodor......Sie wurde von zwei bulligen Bodyguards von einem ihrer „Ausflüge" nach Hause eskortiert......ihr alter Zaubertranklehrer sah sie frustriert an und seufzte „Täubchen - was soll nur aus dir werden?"......Ihr neuer Zaubertranklehrer, Snape, beugte sich über ihren Tisch und fauchte „Sie sollen links herum rühren!"......Der selbe Lehrer stand ihr gegenüber und brannte ihr einen Stupor auf den Pelz......Der selbe Mann drückte sie an die Wand des Schwimmbeckens und.......NEIN! RAUS! Mach, das du aus meinem Kopf rauskommst, Severus!
Schwer atmend und auf dem Boden liegend kam sie zu sich, während die große Halle sich um sie zu drehen schien.
Snape war neben ihr in die Hocke gegangen, und rieb sich die Schläfen, als hätte er Kopfschmerzen.
„Kein Grund, so zu schreien!", murmelte er vorwurfsvoll.
Die Umgebung hörte allmählich auf, sich um Tamara zu drehen.
„Ich habe geschrieen?", fragte sie verwirrt.
„Nicht tatsächlich - aber in deinem Kopf", sagte Snape.
„Habe ich es tatsächlich geschafft, dich rauszuschmeißen?", fragte Tamara erstaunt.
„Sagen wir mal - du hast so viel Tamtam gemacht, dass ich es vorzog zu gehen", sagte Snape schmunzelnd, „und das, gerade als es anfing, interessant zu werden."
„Soweit ich mich erinnere, warst du dabei, als diese interessante Begebenheit sich tatsächlich zugetragen hat", sagte Tamara zornig.
„Es ist trotzdem sehr aufschlussreich, das Ganze aus deiner Perspektive zu betrachten", sagte Snape ruhig, „...und deine Emotionen zu spüren."
„Du spürst ...meine Emotionen?", fragte Tamara entgeistert.
Snape nickte mit einem vielsagenden Lächeln.
„Und was ...schließt du daraus?", wisperte sie.
„Zumindest soviel, dass du nichts vorgetäuscht hast", sagte Snape amüsiert, „aber das hatte ich auch nicht erwartet."
„Du bist dir bei allem, was du tust, ziemlich sicher, nicht war?", sagte Tamara rebellisch, während sie sich vom Boden erhob.
Snape stand ebenfalls auf.
„Ja!", sagte er knapp. „Bereit für die nächste Runde?"
„Bereit!"
„Versuche nun das, was du vorhin getan hast, von vornherein zu tun, damit ich gar nicht erst hineinkomme, in deinen Geist", sagte Snape, „...und, Tamara - du brauchst dabei nicht so zu schreien."
„Schon gut - ich werde versuchen zu flüstern", zischte Tamara.
„Mach deinen Kopf frei! Trenn dich von deinen Gefühlen!", sagte Snape.
„Das fällt mir nicht so leicht wie dir - ich bin kein Mann!", giftete Tamara.
Snape sah sie fragend, und Augenbrauen-hochziehend an.
„Für dich mag das ein Leichtes sein! Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten - du lebst ständig getrennt von deinen Gefühlen", knurrte Tamara wütend. „Aber ich bin eine Frau, und ich habe keine Ahnung, wie man sich von seinen Gefühlen trennt."
Snape warf ihr einen nachdenklichen Blick zu.
„Du scheinst in der Tat recht weit entfernt zu sein, vom Zustand der Emotionslosigkeit", bemerkte er trocken.
„Du zynischer Bastard!", murmelte Tamara.
„Verdammt weit entfernt!", sagte Snape grinsend. „Okay, pass auf - vielleicht hilft es dir, dich auf ein Bild zu konzentrieren, das du vor deinem inneren Auge hast. Schließ die Augen und stell dir eine Tür vor. Du machst sie zu, sobald ich versuche hereinzukommen. Verstanden?"
„Verstanden!"
Tamara sah die Tür klar und deutlich vor sich - sie war aus massivem Holz und blau angestrichen.
Sie schloss die imaginäre Türe - im gleichen Moment begann das Bild zu verschwimmen.
......Ihr kleiner Bruder lief lachend auf sie zu - er war etwa zwei Jahre alt.....Ihr Vater hielt ihr einen seiner ellenlangen, ermüdenden Vorträge darüber, warum es unverantwortlich sei, wenn sie sich ohne Begleitschutz aus dem Haus begäbe.....Sie wälzte sich im Bett mit einem Mann - wild, hemmungslos...und dieser Mann war nicht Snape.....verdammt!.....SCHER DICH RAUS HIER!
Sie riss die Augen auf.
„Wolltest du nicht flüstern?", sagte Snape anklagend.
„Ich hab's leider vergessen!", zischte Tamara.
„Du hast die Tür zu spät...", sagte Snape.
„Das weiß ich selbst!", unterbrach Tamara in unwirsch.
„Ich war schon drin!", sagte Snape vergnügt.
„Ach nein!", rief Tamara aufgebracht. „Hat dir wenigstens gefallen, was du gesehen hast?"
„Es gibt Schlimmeres", sagte Snape.
„Oh - vielen Dank!", knurrte Tamara. „Kannst du mir eigentlich sagen, warum du immer ...so was findest?"
„Purer Zufall!", behauptete Snape. „Dein Kopf scheint voll zu sein mit Erinnerungen aus dieser Rubrik."
„Ich könnte schwören, du suchst genau danach!", sagte Tamara scharf.
Snape grinste und schüttelte den Kopf.
„War das nicht dein Leibwächter von vorhin?", fragte er interessiert.
„Das geht dich gar nichts an!", keifte Tamara.
„Willst du es noch einmal versuchen, oder hast du Bedenken, ich könnte an noch brisantere Bilder herankommen", fragte Snape lächelnd.
An Tamaras Gesichtsausdruck war deutlich abzulesen, dass sie am liebsten gestreikt hätte.
„Einmal versuche ich es noch", sagte sie widerwillig.
Sie schloss die Augen, und visualisierte nochmals die Tür, und wartete auf den Zauberspruch.
„Konzentriere dich!", hörte sie stattdessen Snapes Stimme nah an ihrem Ohr raunen. „Du bist völlig alleine hinter dieser Tür - sowie du auch nur einen Hauch von meiner Anwesenheit spürst, schlägst du die Tür zu."
Tamara nickte unmerklich.
„Legilimens!", flüsterte Snape.
Tamaras Nackenhaare sträubten sich - sie knallte die Tür zu.
Sie starrte auf die Innenseite der Tür und wartete - nichts passierte.
Tamara öffnete langsam die Augen.
Snape sah sie aufmerksam an, und für einen kurzen Moment meinte Tamara so etwas wie Stolz in seinem Blick erkennen zu können, bevor die übliche Mischung aus Spott und Herablassung wieder ihren angestammten Platz einnahm.
„Das war gar nicht so schlecht", sagte er gönnerhaft. „Du willst mich also mit weiteren Einzelheiten aus deinem bewegten Liebesleben verschonen?"
„Versuch, etwas weniger enttäuscht zu klingen", sagte Tamara spitz.
„Die Enttäuschung hält sich in Grenzen", sagte Snape. „Ich werde einfach dafür sorgen, dass du zu ein paar neueren Erinnerungen dieser Art kommst - das dürfte wesentlich vergnüglicher werden."
Er war ganz nah an sie herangetreten, und strich während er sprach wie beiläufig mit den Fingerspitzen an ihrer Schläfe herab, über ihren Hals.
„Tust du das?", flüsterte Tamara, bei der die Berührung mehr auslöste, als ihr recht war.
„Ja!", flüsterte Snape, und schob ihre langen Haare zur Seite, um einen sanften Kuss auf ihrem Hals zu platzieren.
„Und worauf wartest du dann noch?", seufzte Tamara.
„Auf Samstag!", sagte Snape.
Tamara trat einen Schritt zurück und starrte ihn erbost an.
„Samstag? Schon wieder? Was soll das?", fauchte sie.
Snape zuckte die Schultern.
„So steht's auf meinem Plan", sagte er leichthin.
„WEIßT DU, WO DU DIR DEINEN PLAN HINSTECKEN KANNST?", schrie Tamara.
„Na, na - wir werden doch nicht ausfallend werden, meine Teuerste", sagte Snape amüsiert.
Tamara warf ihm einen Mörderblick zu und marschierte dann schnurstracks auf den Ausgang zu.
„Der Unterricht ist noch nicht beendet", rief Snape ihr nach, der nun gar nicht mehr belustigt klang.
Tamara ignorierte ihn. Sie öffnete eine der großen Flügeltüren.
Snapes Stimme knallte wie eine Peitsche durch den Saal. „Wenn du diesen Raum verlässt, war das dein letzter Verteidigungsunterricht!", rief er.
Tamara erstarrte. Es war ihm durchaus zuzutrauen, das er das durchziehen würde, wenn sie ging. Bei näherer Betrachtung war es sogar äußert wahrscheinlich. Sie beschloss, das dieser Preis, auch wenn er für ihren Stolz gezahlt würde, zu hoch war.
Ergeben senkte sie den Kopf und schloss die Tür.
„Eine weise Entscheidung!", sagte Snape seidig.
„Du sitzt einfach am längeren Hebel", sagte Tamara rau, „Ich hoffe, du genießt es!"
„Durchaus!", sagte Snape. „Komm her!"
Allein diese zwei Worte, und die Art, wie er sie aussprach, bescherten Tamara bereits wieder weiche Knie.
Sie bemühte sich, einen möglichst gelassenen Eindruck zu machen, während sie langsam zu ihm zurück ging.
Er ließ sie nicht aus den Augen, und auch, als sie wieder direkt vor ihm stand, nagelte er sie noch eine geraume Zeit mit seinem tiefschwarzen Blick fest, bevor er weitersprach.
„Du wirst deine neu gewonnene Fähigkeit nun einsetzen, während du einen Fluch sprichst", sagte Snape, „vorerst ohne meine Verteidigung darauf - ich will nicht schon wieder den Boden mit dir aufwischen - das wird langsam langweilig."
Tamara warf ihm einen wütenden Blick zu und rümpfte empört die Nase, was er mit einem leisen Lächeln quittierte.
„Ich werde deinen Flüchen lediglich ausweichen", fuhr er fort.
„Schön - und wie soll ich den Fluch durch die Tür kriegen?", schnappte Tamara. „Durchs Schlüsselloch?"
„Nette Idee!", sagte Snape. „Probier es einfach mal aus!"
Sie nahmen Aufstellung, und Tamara konzentrierte sich, und verschloss im Geiste die blaue Tür, und fixierte das Schlüsselloch, bevor sie die Hand ausstreckte und den Fluch losließ.
Das schien geklappt zu haben. Stolz und erwartungsvoll sah sie zu ihrem Lehrer.
„Du kannst doch bei einem Duell nicht die Augen schließen!", sagte der vorwurfsvoll und kopfschüttelnd.
„Wie soll ich mir den die Scheiß-Tür vorstellen, wenn ich die Augen nicht schließe?", bellte Tamara.
„Da musst du dich eben mehr anstrengen", sagte Snape kühl. „Und lass deine überschäumenden Emotionen stecken!"
Tamara versuchte, sich die Tür mit geöffneten Augen vorzustellen - was wesentlich schwieriger war - und wiederholte das ganze Procedere.
„Du zielst nicht!", schnarrte Snape. „Ich musste mich nicht mal einen Millimeter bewegen, dafür hat das Parkett Brandspuren."
„Es ist nicht besonders einfach, durch das verf...luchte Schlüsselloch zu zielen!", sagte Tamara barsch.
„Dann stell dir eben etwas vor, womit du besser zurechtkommst", sagte Snape genervt, „oder beschränkt sich deine Phantasie etwa nur auf einen ganz bestimmten Sektor?"
Tamara starrt ihn an.
Sie stellte sich vor, sie stände hinter einer dicken, schützenden Burgmauer, und würde Snape nur durch eine enge Schießscharte beobachten. Sie hob den Zauberstab genau in die Höhe dieser Öffnung.
„STUPOR!" Sie hatte nur geflüstert, aber in ihrem Kopf war es ein Schrei.
Snape drehte sich blitzschnell zur Seite, und ließ den Fluch an sich vorbeizischen.
Danach kam er lächelnd auf sie zu.
„Respekt!", sagte er spöttisch. „Miss Ogareff hat's kapiert - wer hätte das gedacht. Darauf müssen wir eigentlich mit einem anständigen Rotwein anstoßen..."
Misstrauisch sah Tamara ihn an, ehe sie sich dazu durchrang, das Lächeln zu erwidern.
„...am Samstag!", sagte Snape.
Die darauffolgenden Tage verliefen einer wie der andere, nach dem selben Muster.
Zaubertränke am Vormittag - wobei sich der Anspruch der herzustellenden Rezepturen kontinuierlich auf einem sehr hohen Level einpendelte - und Verteidigung am Nachmittag - hier steigerte sich allmählich Tamaras Fähigkeit, ihre Gedanken zu verschließen.
Wie gewöhnlich brummte Snape ihr auch weiterhin täglich eine Wagenladung Hausaufgaben auf.
Außerdem tat er in beiden Unterrichtsfächern sein Möglichstes, um sie aus dem Konzept zu bringen, jedoch ohne sie dabei direkt zu sabotieren. Er versuchte auf eine subtile, und - oberflächlich betrachtet - nicht anstößige Weise, sie zu manipulieren, was Tamara umso mehr erboste, da sie sich dagegen nicht wirkungsvoll wehren konnte.
Je mehr er es darauf anlegte, sie mit seiner Stimme, und mit kleinen, fast unbewusst wirkenden Berührungen einzuwickeln, desto mehr war Tamara entschlossen, sich nicht seinem Willen zu beugen. Sie schwor sich, das ganze Wochenende über, etwaigen Verführungsversuchen von seiner Seite zu widerstehen, auch wenn ihr das - selbstkritisch betrachtet - sicherlich äußerst schwer fallen würde.
Nachdem sie am Samstag nachmittag die letzten Hausaufgaben für diese Woche erledigt hatte, etwas spazieren gegangen sowie einige Runden im See geschwommen war und anschließend eine ausgiebige heiße Dusche genommen hatte, stand sie grübelnd vor ihrem Kleiderschrank, und überlegte, welches Outfit wohl eine hemmende Wirkung auf Snapes Ambitionen haben könnte.
Sie hatte seine Aufforderung, ihm beim Abendessen Gesellschaft zu leisten, nicht ablehnen wollen, um nicht etwa in den Verdacht zu geraten, feige zu sein.
Ihre Wahl fiel schließlich auf einen langen, weiten Rock aus hellem Leinen, und einer passenden Bluse, die zwar sowohl ihre Arme als auch die Schultern freiließ, aber dafür vorne zugeknöpft, und hochgeschlossen bis zu einem kleinen Stehkragen war.
Die Haare kämmte sie streng nach hinten und schlang sie zu einem Knoten, in der Hoffnung, dadurch etwas seriöser, und damit unnahbarer zu wirken.
Als sie die große Halle betrat, fiel ihr sofort ins Auge, dass auch Snape sich bei der Wahl seiner Kleidung wohl etwas gedacht hatte. Anstatt seiner üblichen Montur, trug er lediglich ein an der Brust leger aufgeknöpftes, weißes Hemd zur gewohnten schwarzen Hose - was ihm ausnehmend gut stand, wie Tamara nicht umhin kam, zu registrieren.
Er saß bereits am Lehrertisch, wo - ähnlich wie bei dem vor einiger Zeit von ihr arrangierten Dinner - einige Kerzen den Raum in ein sanftes Licht tauchten. Auf das Verstreuen von Rosenblättern hatte er allerdings verzichtet.
Tamara war noch nicht am Tisch angekommen, als er schon aufstand um sie zu begrüßen. Er streckte ihr lächelnd die Hand entgegen, die sie automatisch ergriff - und bevor sie wusste, wie ihr geschah zog er ihre Hand an seine Lippen um zunächst einen Kuss auf dem Handrücken zu platzieren, und danach dasselbe zu wiederholen - an der hochempfindlichen Stelle ihres Handgelenks, an der die Pulsadern direkt unter der Haut verliefen.
Auch wenn Tamara es schaffte, äußerlich relativ unbeeindruckt durch diese außergewöhnliche Begrüßung zu wirken, machte ihr die wohlige Gänsehaut, die sich umgehend einstellte klar, dass ihr Plan, ihm zu widerstehen dabei war, sich in ein zunehmend schwieriges Unterfangen zu verwandeln.
„Guten Abend, schöne Frau!", sagte Snape samtig, und führte sie zu ihrem Stuhl, den er - ganz gentlemanlike - für sie zurechtrückte.
„Guten Abend, Severus!", sagte Tamara, und bemühte sich, sowohl in ihren Blick, als auch in ihre Stimme, eine Mischung von herablassender Freundlichkeit und gepflegter Langeweile einfließen zu lassen, was Snape auch zur Kenntnis nahm - zu ihrem Verdruss, allerdings reichlich belustigt.
„Ich nehme an, du hast alle deine lästigen Schüler-Pflichten erledigt?", sagte er lächelnd.
„Falls du das unverschämt und unnötig hohe Pensum an Hausaufgaben meinst, das du mir netterweise aufs Auge gedrückt hast - ja!", sagte Tamara kühl. „Warum fragst du?"
„Weil ich gerne wissen möchte, ob ich dich ohne schlechtes Gewissen anderweitig beanspruchen kann", sagte Snape glatt.
„Das eine hat mit dem andern nichts zu tun - aber abgesehen davon - für die Beanspruchung, die du im Sinn hast, stehe ich ohnehin nicht zur Verfügung", sagte Tamara, nun mit deutlicher Schärfe in der Stimme. „Das hatten wir übrigens bereits geklärt."
„Du dachtest, du hättest es geklärt", berichtigte Snape sie freundlich. „Ich kann mich nicht erinnern, dir da in irgendeiner Weise beigepflichtet zu haben."
„Es schert mich einen feuchten Dreck, ob du mir beipflichtest!", fauchte Tamara. „Du kriegst mich nicht - und basta!"
Snape lehnte sich lachend in seinem Stuhl zurück.
„Welch ein Ausbund an Willenskraft!", sagte er spöttisch.
„Du kannst mich nicht von Montag Morgen bis Samstag Mittag wie eine dumme, kleine Schülerin behandeln - in deiner herablassendsten Oberlehrermanier, versteht sich - und nur die restlichen eineinhalb Tage als Frau", sagte Tamara giftig, „...und dann noch erwarten, dass ich voller Begeisterung mit dir in die Kiste hüpfe."
„Ich hatte eigentlich gar nicht vor, dich wesentlich anders zu behandeln...", sagte Snape gelassen.
„WAS?"
„...als eine dumme, kleine Schülerin", fuhr er fort. „Nur das Unterrichtsfach ist ein anderes."
Tamara fiel die Kinnlade herunter. Ungläubig starrte sie ihn an, während sie versuchte die Fassung wiederzuerlangen.
„Rotwein?", fragte Snape höflich, und schenkte, nachdem sie keine Reaktion zeigte, ihr Glas halbvoll.
„Das kannst doch - selbst du - unmöglich ernst meinen!", sagte Tamara gepresst.
„Wieso - was ist mit dem Wein nicht in Ordnung?", fragte Snape, und sah die Flasche in seiner Hand mit einem misstrauischen Blick an.
„SEVERUS!"
„Okay...", sagte Snape mit einem amüsierten Lächeln, „...zieh das Attribut dumm vor der Schülerin ab, und ersetze es durch ...entzückend."
„Ich scheiß auf entzückend!", zischte Tamara.
„Ich stelle in letzter Zeit einen Hang zu verbalen Entgleisungen bei dir fest", bemerkte Snape trocken.
„Du..."
Ihr fehlten die Worte.
Snape saß nun wieder lässig zurückgelehnt da und grinste sie provozierend an.
In Tamara keimte ein überwältigender Drang auf, ihn zu ohrfeigen.
„Ich nehme mal an, du möchtest noch etwas essen ...vorher...?", sagte Snape.
„Ja, ich möchte etwas essen", knurrte Tamara, „aber das nachher irgendetwas in der von dir angedachten Weise läuft, kannst du vergessen."
„IST das so?", sagte Snape ironisch. „Was schwebt dir denn stattdessen vor - du bist schließlich diejenige, die auf gemeinsamen Aktivitäten außerhalb des Unterrichts bestanden hat."
„Äh...", sagte Tamara einen Moment zögernd, da die mit dieser Frage nicht gerechnet hatte.
„Du hast also nicht mal ein Ersatzprogramm in petto?", fragte Snape stirnrunzelnd. „Das nenne ich aber wirklich schlecht vorbereitet Miss Ogareff!"
„Können wir uns darauf einigen, zunächst einmal etwas zu essen?", fragte Tamara giftig.
„Durchaus, meine Liebe! Wie es aussieht, sind wir uns ja nur über das Dessert nicht ganz einig", sagte Snape grinsend.
„Du könntest mir auch mal etwas über dich erzählen, nachdem du schon so viel über mich erfahren hast", sagte Tamara, nachdem sie den Punkt Essen relativ schweigend hinter sich gebracht hatte.
„Das Bedürfnis, meine bisherige Lebensgeschichte vor dir auszubreiten, hält sich in Grenzen", sagte Snape unwillig.
„Dann erzähl mir etwas über deine gegenwärtige Situation - ich meine als Lehrer, mit deinen Schülern", sagte Tamara ungeduldig.
„Schön...", seufzte Snape gelangweilt, „es ist eine nervenaufreibende Angelegenheit, einem Haufen Hohlköpfe ein Minimum an Bildung beizubringen - Ende!"
„Oh - so viel Ausführlichkeit wäre aber gar nicht nötig gewesen", sagte Tamara sarkastisch. "Und was ist mit deinen Kollegen?", fuhr sie fort.
„Was soll mit denen sein?", raunzte Snape.
„Na ja, ich meine - wie kommst du mit ihnen aus?", sagte Tamara und verdrehte die Augen.
„Gerade eben so gut, wie ich mit ihnen auskommen muss", sagte Snape abweisend.
„Wie kannst du nur so leben", sagte Tamara zweifelnd, „...so uneins mit deiner unmittelbaren Umgebung?"
„Die Umgebung ist schon in Ordnung, nur die Gestalten, die sie bevölkern, sind teilweise nicht so ganz mein Geschmack", sagte Snape überdrüssig. „Was soll die Fragerei eigentlich?"
„Ich will mich einfach nur mit dir unterhalten", sagte Tamara barsch.
„Das willst du nicht!", sagte Snape.
„Ach nein?", fragte Tamara spitz. „Was will ich dann?"
„Komm rüber zu mir, dann zeige ich es dir", sagte Snape mit seiner samtigsten Stimme.
„Vergiss es, Severus!", zischte Tamara.
„Wenn das so ist, werde ich zu dir kommen", sagte Snape und erhob sich.
„Untersteh dich!", fauchte Tamara, und schob hastig ihren Stuhl zurück.
Bevor sie ebenfalls aufstehen konnte, hatte Snape bereits den Tisch umrundet, und sich unmittelbar vor ihr postiert, die Hände auf den Armlehnen ihres Stuhls aufgestützt.
„Lass mich in Ruhe!", sagte Tamara und ärgerte sich über das unüberhörbare Zittern in ihrer Stimme.
Snape strich langsam und bedächtig mit der leicht rauen Innenfläche seiner Hand über ihren bloßen Arm bis nach oben, zur Schulter.
„Hör auf! Ich will das nicht!", flüsterte Tamara.
„Mach dir doch nichts vor!", raunte Snape.
Er schloss nun beide Hände um ihre Schultern, zog sie zu sich hoch und küsste sie - zunächst sanft aber dann immer fordernder. Tamara versuchte anfangs halbherzig sich dem zu widersetzen, brachte es aber letztendlich nicht fertig, den Kuss nicht zu erwidern.
Als er sie wieder freigab ließ er auch ihre Arme los. Er hielt sie nur noch mit seinem Blick fest.
„Du könntest nun weglaufen...", sagte er ruhig.
Tamara sah ihn verstört an.
Weglaufen - das war genau das, was ihr Verstand ihr einhämmerte. Ihr Stolz gebot ihr jedoch, die Stellung zu halten, und Snape vehement in die Schranken zu verweisen - und was ihr Bauchgefühl ihr überdeutlich mitteilte, darüber wollte sie gar nicht erst nachdenken. Wie schaffte es dieser Mann nur immer wieder, sie mit so minimalem Einsatz so sehr zu erregen.
Noch ehe ihr Verstand ihren Füßen den Befehl geben konnte, wenigstens einen Sicherheitsabstand zwischen sich und Snape zu bringen, packte dieser sie wieder an den Armen und schob sie rückwärts, bis sie an die Tischkante stieß.
„Du willst also nicht gehen?", flüsterte er heiser.
„Doch... nein ...ich ...ich weiß nicht...", krächzte Tamara, völlig verwirrt von ihren widersprüchlichen Gefühlen.
Er zog den Zauberstab, und ließ das benutzte Geschirr verschwinden, bevor er mit beiden Händen ihr Hinterteil ergriff, und sie auf den Tisch hob.
Die ganze Zeit über bohrte er seinen schwarzen Blick in ihre Augen, und Tamara war bestürzt und fasziniert zugleich, über die Macht, die er damit auf sie auszuüben schien.
Als er ihre Schultern mit sanftem, aber nachhaltigem Druck auf die Tischplatte dirigierte, und anschließend ihre Beine anhob, während er begann ihren Rock hochzuschieben, nahm Tamara verwundert zur Kenntnis, das ihr anfänglicher Wunsch, er möge von ihr ablassen, auf ein kleines trotziges Restchen zusammengeschrumpft war.
Was sie allerdings leicht irritierte war die Tatsache, dass er hier, sozusagen in der Öffentlichkeit, so zur Sache ging.
„Was ist mit den Hauselfen und den Geistern?", fragte sie leise. „Hast du heute nichts gegen eventuelle Beobachter?"
„Ich habe die Halle ein wenig präpariert", sagte Snape lächelnd, „nichtmenschliche Wesen haben heute keinen Zutritt."
Er ließ seine Hände langsam an der Innenseite ihrer Oberschenkel hinunterwandern, und Tamara, die nun jeden Gedanken an Widerstand aufgegeben hatte, bog ihm begierig ihr Becken entgegen. Kurz bevor er die Stelle erreichte, die sie ihm so einladend darbot, erstarrte er jedoch plötzlich mitten in der Bewegung.
Sein Kopf schnellte mit einem alarmierten Gesichtsausdruck zur Tür.
Bevor Tamara wusste, wie ihr geschah, zog er ihren Rocksaum hektisch nach unten, packte sie grob an den Armen und stellte sie schwungvoll auf die Füße, bevor er eiligst einen Schritt zurücktrat und sich zum Eingang drehte.
Eine Sekunde später - Tamara hielt sich noch schwankend an der Tischplatte fest - betrat Professor Minerva McGonagall die große Halle.
„Guten Abend, Miss Ogareff", sagte sie freundlich, als sie fast beim Lehrertisch angekommen war. „Guten Abend, Severus", fuhr sie in etwas kühlerem Ton fort.
„Professor McGonagall - was für eine Überraschung!", sagte Tamara, die hoffte, dass ihr Lächeln einigermaßen echt wirkte.
„Minerva!", sagte Snape mit einem knappen Nicken.
„Ich wollte euch nicht so überfallen", sagte McGonagall entschuldigend, „aber die Eule, die ich losgeschickt habe, um meinen Besuch anzukündigen, sitzt aus irgendeinem Grund draußen, in der Eingangshalle."
Tamara warf Snape einen kurzen Blick zu. Klar war die Eule nicht hereingekommen - sie war eindeutig ein nichtmenschliches Wesen - was man von McGonagall selbstverständlich nicht behaupten konnte.
„Besuch?", fragte Snape. „Kann man daraus schließen, verehrte Kollegin, dass sie uns nur für kurze Zeit mit ihrer Anwesenheit erfreuen werden, und nicht vorhaben, den Rest der Ferien hier zu verbringen?"
„Keine Sorge, verehrter Kollege, ich werde nicht lange bleiben", sagte McGonagall trocken. „Nur bis morgen Nachmittag vermutlich. Ich habe meinen Urlaub lediglich unterbrochen, weil Albus mich gebeten hat, hier einmal nach dem Rechten zu schauen. Nicht, dass das nötig wäre", fügte sie nach einem Blick auf Snapes gerunzelte Stirn beschwichtigend hinzu, „ich bin sicher, das Miss Ogareff bei ihnen in den besten Händen ist, Severus - aber sie wissen doch wie Albus ist..."
Tamara nickte zustimmend. (...Wenn du wüsstest, was der
gute Severus mit seinen Händen so alles anstellt...)
„Der Schulleiter hätte ohnehin dieser Tage die Berichte über den Halbzeitstand bekommen, die er vor einiger Zeit angefordert hat", sagte Snape leicht gereizt.
„Diese Eule können sie sich nun sparen, und mir beide mündlich Bericht erstatten", sagte McGonagall gutgelaunt, „natürlich getrennt voneinander", fügte sie hinzu, nachdem sie den Blick einmal zwischen Snape und Tamara hin- und herschweifen hatte lassen.
„Das wird durchaus nicht nötig sein", sagte Snape steif. „Was ich über meine Nachhilfeschülerin zu sagen habe, ist kein Geheimnis."
McGonagall zog fragend die Augenbraue hoch, und wandte sich wieder Tamara zu.
„Äh ...ja, dasselbe gilt auch für mich", beeilte sich Tamara zu sagen, die sich immer noch nicht ganz von der Überraschung durch die unerwartete Besucherin erholt hatte.
Außerdem hatte sie die leise Befürchtung, dass die Professorin, die sie mit ihrem wachen Blick aufmerksam musterte, mehr sah, als es Tamara im Augenblick lieb war. Sie musste unbedingt etwas Zeit gewinnen, um sich zu fassen, ehe sie ein Statement über ihren bisherigen Hogwarts-Aufenthalt, und über ihren Nachhilfelehrer abgab.
„Haben sie schon zu Abend gegessen, Professor McGonagall?", fragte sie daher fürsorglich.
„Oh ja - danke, meine Liebe", sagte McGonagall erfreut, „aber einem guten Glas Wein wäre ich durchaus nicht abgeneigt."
„Ja, natürlich...", sagte Tamara, „Severus würdest du bitte..."
Sie verstummte, weil der kurze vernichtende Blick, den Ihr Snape daraufhin zuwarf, alles darüber aussagte, was er von dieser vertraulichen Anrede im Beisein von McGonagall hielt.
McGonagalls Mundwinkel zuckten amüsiert, aber sie enthielt sich eines entsprechenden Kommentars.
„Bei der Auswahl des Weins verlasse ich mich gern auf ihren vorzüglichen Geschmack, Severus", sagte sie statt dessen diplomatisch.
Auf einen kurzen Wink von Snapes Zauberstab hin erschienen drei Gläser Rotwein auf dem Tisch, und nachdem die beiden Frauen gegenüber voneinander Platz genommen hatten, setzte sich der noch immer ziemlich finster dreinblickende Tränkemeister auf den Stuhl an der Stirnseite des Tisches.
„Superb!", sagte McGonagall anerkennend, nach dem sie einen Schluck Wein genommen hatte.
Snapes Dank für dieses Kompliment bestand aus einem knappen Nicken.
„Wo verbringen sie denn ihren Urlaub, Professor McGonagall", fragte Tamara interessiert.
„Bei einer alten Freundin in Cornwall", gab McGonagall bereitwillig Auskunft. „Sie hat ein Häuschen am Meer - es ist wirklich wunderschön dort, und es tut gut, so richtig ausgiebig mit der lieben Tessy zu plaudern, nachdem wir uns das ganze restliche Jahr weitgehend auf Eulenkontakt beschränken - aber mitunter ist sie auch etwas anstrengend, die Beste. Es wird mir sicherlich ganz gut tun, einen Tag Pause in Hogwarts einzulegen."
Tamara nickte verständnisvoll, im Gegensatz zu Snape, der sich nur wenig Mühe gab, seinen angewiderten Gesichtsausdruck zu verbergen, was McGonagall auch mit leichter Verärgerung zur Kenntnis nahm.
„Sie sehen so aus, als ginge ihnen das gegen den Strich, Herr Kollege", sagte sie spitz.
„Es ist nicht mein Schloss!", antwortete Snape brummig.
„Nein, das ist es nicht - Merlin sei Dank!", murmelte McGonagall, trank einen Schluck von ihrem Wein und wandte sich wieder Tamara zu.
„Nun - was machen ihre Studien, meine Liebe? Entspricht der Unterricht den Vorstellungen, die sie hatten?", fragte McGonagall.
„Meine Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen!", sagte Tamara mit einem vorsichtigen Seitenblick auf Snape.
„Ach... tatsächlich?", sagte McGonagall. „Heißt das, sie haben sich mit den ...äh, ...etwas eigenwilligen Unterrichtsmethoden meines jungen Kollegen hier abgefunden, oder sollte er wider Erwarten sogar einmal ein wenig humaner vorgegangen sein...?"
„Sie hat sich abgefunden!", antwortete Snape an Tamaras Stelle.
„Hätte mich auch gewundert...", murmelte McGonagall.
„Ich lerne wirklich sehr viel bei Se..., in Hogwarts, Professor McGonagall", sagte Tamara.
„Ach nennen sie mich doch Minerva", sagte McGonagall belustigt, „nachdem sie und Severus die Förmlichkeiten schon völlig ad acta gelegt zu haben scheinen..."
Sie wurde umgehend mit einem bösen Blick aus zwei wütend zusammengekniffenen schwarzen Augen belohnt, den sie mit einem süffisanten Lächeln erwiderte.
„Ich würde es bei Weitem vorziehen, Minerva, wenn sie ihr Augenmerk auf die Dinge beschränken, die in ihren Kompetenzbereich fallen", sagte Snape seidig.
„Nachdem Tamara dem Hause Gryffindor zugehörig ist, fällt ihr ...Umgang - mit wem auch immer in dieser Schule - durchaus in meinen Kompetenzbereich", sagte McGonagall gelassen.
„Wie war denn das Wetter in Cornwall?", versuchte Tamara verzweifelt die Situation zu entschärfen.
Die beiden Kontrahenten schienen jedoch ihre Anwesenheit vorübergehend vergessen zu haben.
„Natürlich! Ich bin auch völlig sicher, sie würden nie ihren Status als Hauslehrerin ausnützten, um ihre Nase in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen", sagte Snape, wobei er es schaffte, seine Stimme trotz des rüden Textes noch ein wenig einlullender klingen zu lassen.
„Das hoffe ich doch sehr, dass sich nicht solche abstrusen Ideen in ihren ansonsten hochintelligenten Gedankengängen breit machen, werter Herr Kollege", sagte McGonagall, immer noch gesetzt, aber schon mit etwas mehr Schärfe in der Stimme.
„Ganz im Gegenteil, verehrte Frau Kollegin - ich bin sicher, sie wollten ursprünglich nur ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass ich nicht darauf bestanden habe, den Umgang mit unserer reichlich erwachsenen, und damit auch annähernd gleichrangigen Nachhilfeschülerin mit unnötigem Formalismus zu belasten", sagte Snape ausgesucht samtig.
„Genau das war meine Anliegen", sagte McGonagall mit einem sardonischen Lächeln. „Wie schön, dass sie das mit dem ihnen eigenen Scharfsinn umgehend erkannt haben, ohne mir unnütz eine weniger wohlwollende Motivation zu unterstellen."
„So etwas Ungeheuerliches würde ich mir nie und nimmer anmaßen", sagte Snape, einen Hauch von Bestürzung vortäuschend.
„Und ich würde mich selbstredend auch nie dazu versteigen, so etwas Negatives von ihnen auch nur zu denken", flötete McGonagall.
„Ich danke ihnen, verehrte Kollegin!", sagte Snape mit einer angedeuteten Verbeugung. „Diese Aussage trägt in der Tat erheblich zu meinem geistigen und moralischen Wohlbefinden bei."
McGonagall bedachte ihn mit einem königlichen Nicken.
„Das Wetter war wundervoll in Cornwall", sagte sie plötzlich, mit nun wieder völlig normaler Stimme zu Tamara. „Strahlender Sonnenschein und eine frische Briese. Aber sie wollten mir doch von ihren Fortschritten in Verteidigung und Zaubertränke erzählen - fahren sie doch bitte damit fort, meine Liebe."
„Ja, äh... meine Fortschritte...", sagte Tamara zögernd, immer noch etwas verwirrt, von dem verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden Professoren.
„Auch wenn es vielleicht den Anschein erweckt...", mischte sich Snape wieder ein, „sie hat nichts von ihrem Sprachvermögen eingebüßt - nicht dass sie diesbezüglich auf dumme Gedanken kommen, Minerva!"
„Es wäre ihnen durchaus zuzutrauen, den ein oder anderen Verstummungszauber über eine Schülerin zu legen, wenn ihnen niemand auf die Finger sieht, Severus", sagte McGonagall kühl.
„Mein Sprachvermögen ist völlig intakt", beeilte Tamara sich zu sagen (...Wenn du wüstest, was er erst mit seinen Fingern alles anstellt...) da sie einen weiteren Disput zwischen den Beiden möglichst verhindern wollte.
„Das freut mich zu hören!", sagte McGonagall mit einem letzten scharfen Seitenblick auf Snape, der sich bemühte, möglichst gelangweilt auszusehen.
„Ich habe wirklich sehr viel gelernt, in den vier Wochen, die ich nun hier bin", sagte Tamara, „die Unterrichtsmethoden mögen zwar etwas ...gewöhnungsbedürftig sein, aber nichts desto trotz äußerst, äh ...motivierend. Und ich bin sehr dankbar, für die Mühe, die ...Severus sich mit mir macht", fügte sie leiser, und etwas zögerlich hinzu.
„Wer hätte das gedacht, Herr Kollege, dass sich einmal eine Schülerin so positiv über sie äußert?", sagte McGonagall spöttisch. „Ich hege fast den Verdacht, Tamara ist wohl doch nicht in den Genuss der kompletten Palette von Gemeinheiten..., pardon, ich meine natürlich Besonderheiten, gekommen, die sie gewöhnlich im Unterricht abzulassen pflegen."
„Das mag daran liegen", sagte Snape schneidend, „dass sie wesentlich weniger mimosenhaft ist, als das ihre Gryffindor-Lämmchen für gewöhnlich sind. Außerdem hat sie aufgrund ihrer Reife keine pubertären Anwandlungen - wofür ich wirklich sehr dankbar bin - lärmt nicht auf den Fluren herum, und sie ist eine aufmerksame Schülerin, die unbedingt etwas lernen will - was man von der Horde Hohlköpfe, die ich ansonsten unterrichten muss, nicht unbedingt behaupten kann."
„Oh, wie schön - noch eine Premiere!", sagte McGonagall amüsiert. „Professor Severus Snape geruht, sich lobend über eine Schülerin zu äußern - darauf können sie sich wirklich etwas einbilden, Tamara!"
Tamara sah verunsichert von McGonagall zu Snape, der ein genervtes Schnauben von sich gab.
„Dann richte ich Albus also aus, dass alles bestens läuft, ja?", fragte McGonagall. „Kann er die Abschlussprüfung für Tamara in die Wege leiten?"
„Ja, ich denke schon!", sagte Snape. „Vorausgesetzt, sie kommt auch mit dem Stoff der siebten Jahrgangsstufe, der in den nächsten Wochen ansteht, so gut zurecht, wie mit dem bisherigen, hat sie gute Chancen, die Prüfung zu bestehen."
McGonagall nickte und warf Tamara einen auffordernden Blick zu.
„Ich werde mein Bestes geben!", sagte diese folgsam.
„So ist's recht!", sagte McGonagall anerkennend. „Zeigen sie, was in ihnen steckt!"
Tamara schluckte. (...Wenn du wüsstest...)
„Das werde ich!", sagte sie energisch.
„Dann wünsche ich ihnen viel Glück", sagte McGonagall freundlich, „oder noch besser, Geduld, Durchhaltevermögen und Gelassenheit", fügte sie mit einem vielsagenden Seitenblick auf Snape hinzu.
„Vielen Dank, Minerva!", sagte Tamara.
„Nachdem das nun geklärt zu sein scheint...", sagte Snape, und erhob sich, „...würden mich die Damen bitte kurz entschuldigen? Ich möchte noch einen Brief an Albus fertig machen, in einer anderen Angelegenheit - und ich würde diesen lieber ihnen mitgeben, Minerva, als ihn mit einer Eule zu schicken."
„Es ehrt mich, dass sie mir mehr Vertauen entgegenbringen, als einer Eule", sagte McGonagall lächelnd. „So - und jetzt erzählen sie mir doch mal, wie es ihnen in Hogwarts gefällt", fuhr sie an Tamara gewandt fort, als ihr Kollege sich bereits auf den Ausgang zubewegte.
„Es ist wirklich fantastisch hier", sagte Tamara, die verwundert aus dem Augenwinkel wahrnahm, dass Snape sich noch einmal umgedreht hatte, und nun seinen Zauberstab zog...
McGonagall nickte zustimmend.
...Snape richtete seinen Zauberstab auf ihren Rücken...
„Ich wünschte, ich wäre hier zur Schule gegangen, als ich noch jünger war", sagte Tamara.
„Ja - an Hogwarts kommt so leicht keine der anderen Schulen heran", sagte McGonagall stolz.
...Snape bewegte lautlos die Lippen.
Für einen kurzen Moment trat ein allarmierter Ausdruck in McGonagalls Gesicht, der jedoch sofort wieder verschwand, und einer leicht irritiert wirkenden Mine Platz machte.
„Was sagte ich gerade...?", murmelte sie. „Ach ja - Hogwarts! Es ist meine Heimat geworden, im Lauf der Jahrzehnte - nirgendwo auf der Welt möchte ich lieber leben."
„Das kann ich gut verstehen", sagte Tamara, und sah nachdenklich auf die, hinter Snape zufallende Tür.
„So - und nachdem wir nun unter uns sind - sagen sie mir doch, wie Severus sich in Wahrheit benimmt", sagte McGonagall schmunzelnd, „und vor allem, ob sie sein Verhalten immer noch süß finden", fügte sie belustigt hinzu.
„Okay - als süß würde ich das mittlerweile nicht mehr bezeichnen", gab Tamara grinsend zu, „er hat in der Tat eine wesentlich einschüchterndere Wirkung, als ich zunächst angenommen hatte. Aber was ich vorhin gesagt habe, war durchaus ernst gemeint - ich hätte es wahrscheinlich nie so weit gebracht, in diesen beiden Unterrichtfächern, wenn Severus mich nicht so getriezt hätte."
„Wie, um alles in der Welt, haben sie ihn dazu gebracht, sich mit ihnen zu duzen?", fragte McGonagall neugierig. „Das sieht ihm absolut nicht ähnlich."
„Das war der Einsatz bei einer Wette, die wir in Verteidigung gegen die dunklen Künste laufen hatten", sagte Tamara.
„Ich dachte mir schon etwas in der Art", sagte McGonagall amüsiert. „Wie macht er sich den so, als Lehrer für Verteidigung?"
„Oh - sehr gut! Wobei er den theoretischen Teil ziemlich knapp abhandelt - er gibt mir hierzu aber jede Menge Lesestoff, und - zu meinem Leidwesen - auch jede Menge Hausaufgaben", berichtete Tamara bereitwillig. „Die meiste Zeit haben wir bisher damit verbracht, meine Reflexe, und meine mentalen Fähigkeiten zu trainieren."
„Und wie hat er auf die Nachricht
reagiert, dass er im kommenden Jahr wieder nicht den offenen Posten für Verteidigung bekommt", fragte McGonagall.
„Nun ja - er war schon extrem übel drauf, an dem Tag", sagte Tamara, und verdrehte die Augen, „aber ich habe es geschafft, ihn weitgehend zu entschärfen, bevor er beim Duell den Boden mit mir aufgewischt hat."
„Sie duellieren sich?", fragte McGonagall interessiert. „Was unternimmt er noch, um ihre Fähigkeiten zu trainieren."
„Neuerdings versuche ich mich in Okklumentik", sagte Tamara. „Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte ich auch hier schon ein paar kleine Erfolge."
„Okklumentik?", sagte McGonagall überrascht. „Das nenne ich Mut. Der Gedanke, ausgerechnet Severus würde versuchen, in meinen Geist einzudringen, ist ziemlich erschreckend", fügte sie mit vielsagendem Lächeln hinzu. „Das hat schon etwas Gruseliges!"
„Mein Bedürfnis, ausgerechnet in ihren Geist eindringen zu wollen, Minerva, ist äußerst minimal - um nicht zu sagen - gleich null", ertönte eine äußerst eisige Stimme hinter ihr.
Beide Frauen schreckten hoch.
„Severus! Müssen sie sich so anschleichen?", sagte McGonagall vorwurfsvoll.
„Ich bin durchaus nicht geschlichen", sagte Snape, „sie waren wohl nur so sehr mit Aushorchen beschäftigt, dass ihr sonstiges Wahrnehmungsvermögen vorübergehend nur eingeschränkt funktioniert hat."
„Ich habe Tamara nicht ausgehorcht!", schnaubte McGonagall entrüstet. „Wir haben uns nur unterhalten!"
Snape zog skeptisch die Brauen in die Höhe.
„Hier ist der Brief für Albus", sagte er, und hielt ihr einen versiegelten Umschlag entgegen.
„Danke!", sagte McGonagall, und nahm den Brief mit spitzen Fingern entgegen. „Den hatten sie aber schnell fertig - und auch noch versiegelt - ganz so weit ist es also doch nicht her, mit ihrem Vertrauen zu mir", fügte sie vorwurfsvoll hinzu.
„Aber nein!", sagte Snape gelassen. „Das ist nur für den Fall, dass sie auf dem Rückweg überfallen und umgebracht werden... deswegen habe ich auch das Siegel dahingehend modifiziert, dass es eine kleine, aber heftige Explosion hervorruft, sollte es von jemand anderem als Albus geöffnet werden."
„Nett!", sagte McGonagall trocken, und ließ den Umschlag unter ihrem Umhang verschwinden.
„Wann werden sie den Schulleiter treffen?", fragte Snape.
„Übermorgen - da kommt er zum Tee", sagte McGonagall. „Bei dieser Gelegenheit werde ich ihm auch von Tamaras Fortschritten berichten, und von dem augenscheinlich guten Einfluss, den sie auf ihren unleidigen Lehrer ausübt", fügte sie genüsslich hinzu, „das wird Albus sicher gerne hören."
Snapes Antwort darauf bestand in einem verächtlichen Brummen.
„So, ihr Lieben, und nun werde ich euch wieder verlassen", sagte McGonagall aufgeräumt, und erhob sich.
„Sie gehen schon?", fragte Tamara verwundert. „Wollten sie nicht bis morgen Nachmittag bleiben?"
Snape sah Tamara ungehalten an und schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Ich kann leider nicht länger bleiben", sagte McGonagall, „meine Freundin Tessy hat für heute eine Mitternachtsparty geplant - ganz wie ihn alten Zeiten..." Ihr Blick wurde verträumt. „Hatte ich das vorhin nicht erwähnt?", fuhr sie nachdenklich fort.
„Wahrscheinlich habe ich es nur überhört", sagte Tamara und warf Snape einen äußerst vorwurfsvollen Blick zu.
Dieser bemühte sich redlich um einen völlig neutralen Gesichtsausdruck.
„Soll ich sie zum Tor begleiten, Minerva?", fragte er höflich, während er ebenfalls aufstand.
„Nein danke, Severus!", sagte Minerva leicht verwundert. „Das ist nett von ihnen, aber ich finde schon allein hinaus. Leisten sie lieber der jungen hübschen Dame hier weiterhin Gesellschaft."
Snape nickte ihr kommentarlos zu.
„Sie scheinen tatsächlich eine erstaunliche Wirkung auf ihn zu haben", raunte McGonagall Tamara zu, als sie sich von ihr verabschiedete.
„Oh, ja, ...kann sein", sagte Tamara lächelnd (...wenn du wüsstest...) „Grüßen sie Albus ganz herzlich von mir!", fügte sie hinzu.
„Das werde ich!", sagte McGonagall lächelnd.
Kaum das McGonagall die Halle verlassen hatte, nahm Tamara Snape ins Visier, der mit unbewegtem Gesichtsausdruck am Tisch saß.
„Du hast ihr Gedächtnis manipuliert!", sagte Tamara anklagend.
„Ich weiß gar nicht, wie du darauf kommst", sagte Snape unschuldig.
„Das weißt du ganz genau! Sie hat vorher laut und deutlich verkündet, dass sie bis morgen bleiben will", schnaubte Tamara, „Und außerdem habe ich gesehen, das du sie mit deinem Zauberstab angepeilt hast."
„Tja - hast du mich doch glatt erwischt!", sagte Snape grinsend. „Was soll's? Hauptsache, sie ist weg!"
„Aber das kann doch nicht wahr sein, das du so mir nichts - dir nichts im Gedächtnis von jemandem herumpfuscht", sagte Tamara empört, „so etwas ist verantwortungslos und moralisch absolut verwerflich!"
„Ach weißt du Tamara", sagte Snape freundlich, „so eine kleine Gedächtnismanipulation fällt bei meinem umfangreichen Sündenregister absolut nicht ins Gewicht."
Er trank sein Glas aus, und stand auf.
„Und nun werde ich mich zurückziehen", sagte er. „Ich wüsche dir angenehme Nachtruhe."
„Du gehst?", fragte Tamara ungläubig.
„Ja!", sagte Snape, und kam um den Tisch herum zu ihrem Stuhl. „Die gute Minerva hat irgendwie meine Lust auf ein Schäferstündchen mit dir völlig lahmgelegt."
Tamara sah ihn fassungslos an.
Er beugte sich herunter und gab ihr einen kurzen Kuss.
„Du wirst dich bis morgen gedulden müssen!", sagte er lächelnd, und strich leicht mit dem Handrücken über ihre Wange, bevor er sich umdrehte, um die Halle zu verlassen.
Nachdem Tamara in der Nacht noch lange gegrübelt hatte, ob sie nun eigentlich erleichtert oder doch eher enttäuscht war, über Snapes plötzlichen Abgang, lag sie am Sonntag morgen noch selig schlummernd in ihrem Bett als die Sonne hoch genug stand, um durch das Schlafzimmerfenster zu scheinen.
Geweckt wurde sie allerdings nicht von der Sonne, sondern von einem energischen Klopfen an ihrer Türe.
Zuerst hatte sie ein paar panische Sekunden lang das Gefühl, es wäre Montag, und sie hätte schon wieder verschlafen, und würde erneut zu spät zu Snapes Unterricht kommen - wofür er ihr diesmal mit Sicherheit mindestens einen üblen Fluch auf den Hals hetzen würde.
Einen kurzen Moment später war sie sich jedoch völlig sicher, dass heute Sonntag war, und sie absolut nichts verbrochen hatte.
Daher sah sie auch keinen Grund, sofort aufzustehen, sondern schnappte sich ihren Zauberstab, und legte einen Sonorus-Zauber auf ihre Stimmbänder.
„Wer ist da?", hallte ihre Stimme durch den Raum.
„Na wer wohl?", donnerte Snapes Stimme - ebenfalls magisch verstärkt - zurück.
„Ein Hauself, der Professor Snape nachmacht?", rief Tamara.
„Sehr witzig!", dröhnte Snape. „Wenn du Interesse hast, diesen Tag in meiner Gesellschaft zu verbringen, dann komm runter in die Halle - bald - sonst bin ich weg!"
„Severus?",
rief Tamara.
Sie wickelte sich schnell in ihre Bettdecke, stolperte zur Tür, und riss diese auf, doch der Korridor vor ihrer Wohnung war leer.
Verdammt! Das war typisch für ihn, sie schon wieder unter Zeitdruck zu setzen. Immer musste es nach seinen Bedingungen laufen. Und er konnte auch nicht fragen: „Tamara - hättest du nicht Lust, den Tag mit mir zu verbringen?" oder noch besser: „Tamara - ich würde gerne den Tag mit dir verbringen - hast du Lust?" - Nein! Schon wieder ein Ultimatum! „Komm runter, sonst bin ich weg!" Unmöglich, dieser Mann!
Wütend warf sie die Decke zurück aufs Bett und marschierte ins Badezimmer.
Eigentlich sollte sie ihn da unten sitzen lassen! Das würde ihm recht geschehen, diesem Despoten!
Sie klatschte sich schnell ein paar Handvoll kaltes Wasser ins Gesicht, putzte sich die Zähne, und bürstete ihre Haare.
Warum tat sie nur immer wieder genau das, was er wollte. Weil du es auch willst... sagte eine Stimme in ihrem Hinterkopf. ...und er weiß genau, das du es auch willst...
Sie wühlte in ihrem Kleiderschrank und zog die ausgefranstesten Jeans heraus, die sie finden konnte, ein verwaschenes rotes T-Shirt und ein Paar alte Stoffturnschuhe.
Wenn sie sich schon die Blöße gab, auf seinen Zuruf hin anzutanzen, wollte sie wenigstens einen möglichst unbemühten Eindruck machen, indem sie sich deutlich von seinem konservativen Kleidungsstil abhob.
Als sie in die Halle kam, saß Snape bereits am Tisch und frühstückte.
Tamara schlenderte betont langsam zum Lehrertisch.
„Guten Morgen, Severus", dröhnte ihre Stimme. Scheiße! Sie hatte vergessen, den Sonorus rückgängig zu machen.
Snape zuckte zusammen, und sah sie vorwurfsvoll an.
„Ich bin nicht taub!", sagte er bissig.
„Ich bitte vielmals um Verzeihung!", sagte Tamara in einem süßlichen Ton - der ziemlich genau darüber Aufschluss gab, wie wenig leid es ihr tatsächlich tat - nachdem sie den Zauber aufgehoben hatte.
Snape brummte und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Kaffeetasse in seiner Hand zu.
„So - und wobei habe ich nun die große Ehre, dir Gesellschaft leisten zu dürfen?", fragte Tamara spitz, nachdem sie ebenfalls Platz genommen, und sich Tee und Toast genommen hatte.
„Täuscht mich der Eindruck, oder sind wir heute etwas schlecht gelaunt?", fragte Snape unter provokantem Einsatz beider Augenbrauen.
„Wir? Das kann ich nicht beurteilen!", sagte Tamara giftig. „ICH bin durch ein lautes, ungeduldiges Klopfen an der Tür, gefolgt von einer hundsgemeinen Erpressung geweckt worden - das katapultiert meine Laune nicht gerade in schwindelerregende Höhen."
„Tz tz tz - so empfindlich heute? Wie möchten Madame denn gerne geweckt werden?", sagte Snape spöttisch.
„Das wirst du nie herausfinden, wenn du mich immer so kaltschnäuzig abservierst, wie gestern Abend", knurrte Tamara.
„Mir war so, als wären deine Pläne für gestern Abend ursprünglich nicht so geartet gewesen, als dass sie meine Anwesenheit bei deinem Erwachen mit einbezogen hätten", sagte Snape ruhig.
„Ursprünglich nicht - das ist schon richtig", gab Tamara zu, „aber dann..."
„Aber dann hast du dich anders entschieden", unterbrach Snape sie, „und ich habe mich eben später anders entschieden - wo ist da bitte der Unterschied?"
„Das weißt du genau!", fauchte Tamara empört. „Du spielst mit mir! Du wickelst mich ein und du stößt mich weg - mal bist du liebevoll und mal grausam - ganz wie es dir beliebt."
„Und das verunsichert dich...?", fragte Snape samtig.
„Ja!", flüsterte Tamara.
„Und es fasziniert dich zugleich...?"
„...Ja, aber..."
„Und es erregt dich!"
„Nein!"
„Doch! Ich spüre es!", raunte Snape.
„Verdammter Schnüffler!", zischte Tamara.
Snape lachte, lehnte sich in seinem Stuhl zurück, und betrachtete sie mit einem fast liebevoll anmutenden Blick.
„Warum wehrst du dich dagegen?", fragte er amüsiert. „Ist das der fürchterliche Gryffindor-Stolz, der dir da im Wege steht?"
„Was ist daran so fürchterlich, sich seinen Stolz zu bewahren?", fragte Tamara giftig.
„Es ist nur ein kleiner Schritt vom Stolz zur Überheblichkeit", belehrte Snape sie.
„Na das sagt ja wohl gerade der Richtige!", schnaubte Tamara. „Du sprichst da aus eigener Erfahrung, ja?"
„Ich weiß gar nicht, was du meinst - meine Erfahrung auf diesem Gebiet rührt eher von langjähriger Beobachtung her", sagte Snape schmunzelnd. „Mir scheint übrigens, du bist heute ziemlich frech, für eine Schülerin."
„Es ist unterrichtsfrei - da kann ich sein, wie ich will!", sagte Tamara patzig.
Snape sah sie erwartungsvoll an.
„Was ist?", knurrte Tamara.
„Nichts! Ich warte nur darauf, dass du aufspringst und mit dem Fuß aufstampfst", sagte Snape lächelnd.
Tamara starrte böse zurück.
„Warum behandelst du mich so?", sagte sie anklagend. „Was habe ich dir getan?"
Snape legte den Kopf schief und schien zu überlegen.
„Neulich nacht, als ich zu dir gekommen bin, um meine Wettschulden einzulösen, hast du gesagt, du würdest dich ergeben", sagte er schließlich nach einer Weile, während er seine Kaffeetasse einer genauen Betrachtung unterzog. „Hast du eigentlich mal darüber nachgedacht, was das bedeutet?", fuhr er fort, wobei er sie nun mit einem scharfen Blick musterte.
„Stimmt - das habe ich gesagt - und in dem Moment habe ich es auch so gemeint", sagte Tamara leise, „aber, nachdem wir uns dort auf dem Sofa ...so gut verstanden haben, konnte ich da auch noch nicht wissen, dass du wieder zum tyrannischen Mistkerl mutieren würdest."
„Eine nette Unterhaltung, eine Umarmung und ein Kuss verändern keinen Menschen", sagte Snape. „Es war reichlich blauäugig von dir, so etwas anzunehmen."
Tamara schnaubte frustriert und senkte den Kopf.
„Hör auf zu kämpfen!", sagte Snape ungewöhnlich sanft.
„Das kann ich nicht!"
„Doch, du kannst!"
„Du würdest mich dann noch mehr verachten!", sagte Tamara.
„Im Gegenteil - ich würde dich bewundern, für deinen Mut", sagte Snape.
„Meinst du nicht eigentlich Demut?", fragte Tamara heiser.
„Zur Demut gehört sehr viel mehr Stärke, als man meinen möchte", sagte Snape ruhig, „vor allem bei einer so bemerkenswert selbstsicheren und eigenwilligen Person wie dir."
„Ich kann das nicht!", sagte Tamara gequält.
„Du brauchst nichts weiter zu tun, als dich einfach fallen lassen", sagte Snape.
Tamara sah ihn zweifelnd an.
„Vertrau mir!", sagte Snape eindringlich.
„Ich habe Angst!", flüsterte Tamara erstickt.
Snape stand auf und kam um den Tisch herum, auf ihre Seite herüber. Er blieb vor ihr stehen und sah ihr tief in die Augen, bevor er ihr die Hand entgegenstreckte.
Zögernd ergriff Tamara seine Hand. Seine Finger schlossen sich mit festem Druck um die ihren. Er zog sie langsam zu sich hoch, nahm ihren Kopf in beide Hände und küsste sie zärtlich auf die Stirn.
„Wovor fürchtest du dich?", fragte er leise.
„Davor, mich zu verlieren!", flüsterte Tamara.
„Du wirst dich nicht verlieren", sagte Snape, „du wirst nur eine Seite an dir entdecken, die schon immer da war, die du dir bisher nur nicht gestattet hast, auszuleben."
„Was macht dich da so sicher?", sagte Tamara zweifelnd.
„Intuition!", sagte Snape lächelnd.
Tamara ließ ihren Kopf auf seine Brust sinken und seufzte vernehmlich.
„Ich habe mich noch nie zuvor so gefühlt", sagte sie.
„Nämlich wie?", fragte Snape.
„So hin- und hergerissen!", sagte Tamara. „Einerseits möchte ich so nahe wie möglich bei dir sein, andererseits habe ich den starken Drang, vor dir wegzulaufen. Wenn du mich so oberfies abkanzelst, in deinem Unterricht, dann könnte ich dir glatt einen Kessel an den Kopf schmeißen, und wenn du mich dann wieder so einlullst, mit deiner Wahnsinnsstimme, dann würde ich dir am liebsten um den Hals fallen."
„Du weißt also nicht genau, was du willst! Aber das ist doch absolut nicht ungewöhnlich - für eine Frau!", sagte Snape grinsend, was ihm einen Stoß in die Rippen einbrachte.
„Nehmen wir einmal an, ich würde kapitulieren", fragte Tamara nachdenklich, „wärst du dann freundlicher zu mir?"
„Manchmal...", sagte Snape, „...vielleicht!"
„Toll!", sagte Tamara sarkastisch. „Warum zweifle ich eigentlich noch?"
„Wenn du dich darauf verlassen könntest, dass ich nett zu dir bin, würdest du dich sehr schnell langweilen", sagte Snape launig. „Erst das Risiko macht die Sache so richtig interessant."
„Ach so? Okay - dann werde ich mich ergeben!", sagte Tamara forsch.
„Tatsächlich?", sagte Snape überrascht.
„Ja! ...Manchmal!...Vielleicht!", sagte Tamara grinsend.
Snape sah sie amüsiert und trotzdem strafend an.
„Ich weiß gar nicht was du hast!", sagte Tamara achselzuckend. „Das macht die Sache erst interessant - so ein bisschen Risiko."
„Du bist sowieso ein wandelndes Risiko!", brummte Snape.
„Ich weiß gar nicht, was du damit andeuten willst!", sagte Tamara unschuldig, und schlang ihre Arme um seine Taille.
Snape umarmte sie ebenfalls und ließ seine Hände langsam von ihrem Rücken zu ihrem Hintern wandern. Als er dort angekommen war, und mit den Fingern über die ausgefransten, und stellenweise durchlöcherten Gesäßtaschen ihrer Jeans strich, runzelte er missbilligend die Stirn.
„Aus welcher Kiste hast du eigentlich diese Klamotten gezogen?", fragte er skeptisch.
„Ist dir das etwa zu flippig?", sagte Tamara feixend. „Ja - als Spießer hat man's nicht leicht!"
„Du nennst mich einen Spießer?", sagte Snape, machte sich von ihr los, und warf ihr einen drohenden Blick zu, wobei seine Mundwinkel jedoch verdächtig zuckten.
Snape war auf ähnlich Art gekleidet wie am vorigen Abend, in Hose und Hemd. Tamara ließ ihren Blick einmal von oben nach unten und wieder zurück wandern.
„Nun ja - deinen gewöhnlichen Kleidungsstil kann wohl nicht anders als extrem konservativ bezeichnen", sagte sie achselzuckend, „obwohl es heute gar nicht so schlimm ist."
„Würdest du es vorziehen, mich ebenfalls in ...Lumpen zu sehen?", fragte Snape spitz.
„Das sind keine Lumpen, das ist Used-Look, und der ist total in", sagte Tamara, „aber davon hast du natürlich nicht den Hauch einer Ahnung.
„Eine treffende Bezeichnung!", schnaubte Snape. „Das Zeug sieht tatsächlich ziemlich gebraucht aus." Er sah sie nun ebenfalls berechnend von oben bis unten an. „Aber das hat natürlich auch einen Vorteil - auf ein paar Löcher mehr in dieser Hose wird es wohl nicht ankommen, und dieses dünne Fähnchen, das du oben herum trägst, sieht aus, als würde es schon zerreißen, wenn man etwas zu scharf hinschaut", stellte er erfreut fest.
„Du willst mir doch nicht etwa die Kleider vom Leib reißen?", sagte Tamara mit gespieltem Entsetzen.
„Würde dir das etwa nicht gefallen?", fragte Snape samtig. „Du hattest doch erwähnt, dass du gerne ein Vorspiel möchtest."
„Ich glaube, du hast da etwas missverstanden!", sagte Tamara lächelnd.
„Ach wirklich?", sagte Snape unschuldig.
Er nahm dem unteren Saum ihres T-Shirts zwischen die Finger und betrachtete es versonnen. Kurz entschlossen griff er mit der anderen Hand ebenfalls an diese Stelle und riss mit einem kräftigen Ruck den Stoff auseinander. Das dünne, durch häufiges Waschen schon ziemlich marode Material gab sofort nach.
Trotzdem sie beinahe schon auf so eine Aktion gefasst gewesen war, entwich Tamara ein überraschtes Keuchen, das ohnehin passend war, da Snape sich umgehend auf den freigelegten Stellen ihres Dekolletes zu schaffen machte. Gleichzeitig suchte er mit einer Hand zielstrebig nach einem Riss auf der Rückseite ihrer Hose, der sich zwischen dem Gesäß und dem Oberschenkel befand. Als er diesen gefunden hatte, fuhr er mit seinen Fingern hinein und versuchte unter dem Stoff in höhere Regionen zu gelangen. Nachdem ihm dies nicht in zufriedenstellender Weise gelang, erweiterte er den Riss, und zerrte letztendlich so lange daran, bis die Hose im Schritt komplett aufgerissen war.
Er schob ihren knappen Slip zur Seite und drang in einer energischen Bewegung mit seinen Fingern zum Ziel seiner Wünsche vor.
„Ich glaube, ich kann diesem Used-Look doch etwas abgewinnen", flüsterte er Tamara ins Ohr, als sie sich stöhnend unter seinem Griff wand.
Kurz darauf lag Tamara erneut mit dem Rücken auf dem Tisch, und Snape führte das zu Ende, wobei er am Vorabend so unliebsam unterbrochen worden war.
Als sie etwas später wieder in ihre Jeans schlüpfte, stellte Tamara überrascht fest, das diese wieder völlig intakt war. Snape hatte scheinbar gezaubert, ohne das sie es bemerkt hatte.
„Du hast meine Sachen repariert!", sagte sie vorwurfsvoll.
„Schon gut - du musst dich nicht bedanken!", sagte Snape trocken, der bereits wieder komplett angezogen war.
„Du hast mit deinem Reparo meinen schönen Used-Look versaut", schnaubte Tamara. „Die Hose sieht aus wie neu!"
„Na das ist doch positiv", sagte Snape leicht gereizt. „Es reicht ja wohl, wenn der Inhalt gebraucht ist."
Er wich ihrer Hand die nach ihm schlug geschickt aus.
„Das war meine Lieblings-Jeans!", sagte Tamara anklagend. „in der habe ich praktisch jahrelang gewohnt - und nun ist sie einfach irgendeine Jeans."
Snape sah sie an, als hätte sie völlig den Verstand verloren. Danach warf er einen prüfenden Blick auf den Tisch, auf dem sie gerade zu Gange gewesen waren.
„Was tust du da?", fragte Tamara misstrauisch.
„Ich will nur sicher gehen, dass ich dir nicht das Gehirn rausge... schüttelt habe", sagte Snape.
Diesmal erwischte sie ihn an der Schulter.
„Ich will meine alte Jeans wieder haben!", forderte Tamara energisch.
„O.k.!", sagte Snape resigniert. „Willst du die Risse an strategisch günstigeren Stellen als vorher?"
„Die Risse sollen genau dahin, wo sie vorher auch waren", sagte Tamara streng.
„Dann zieh das Ding mal lieber aus", sagte Snape. „Das ist ein komplizierter Zauberspruch - ich will nicht, das du womöglich auch noch ein paar Löcher kriegst, da wo sie nicht hingehören", fügte er grinsend hinzu.
Tamara warf ihm einen warnenden Blick zu, schälte sich wieder aus der Hose, und warf diese auf den Tisch.
Snape zog seinen Zauberstab, zielte auf die Jeans und bewegte lautlos die Lippen.
Mit einem leisen Plopp verwandelte sich die Hose in eine elegantes schwarzsamtenes Abendkleid.
„Severus!", sagte Tamara warnend. „Ich will meine Jeans!"
„Du bist aber verdammt hartnäckig!", seufzte Snape und murmelte einen weiteren Zauberspruch.
Nun lag wieder die Jeans auf dem Tisch, und auf den ersten Blick sah sie genauso abgewetzt und zerschlissen aus, wie im Urzustand.
Tamara hob die Hose hoch und besah sie prüfend von allen Seiten. Danach schlüpfte sie hinein und lief ein paar Schritte hin und her.
„Perfekt!", sagte sie schließlich strahlend, fiel Snape um den Hals, und gab ihm einen schmatzenden Kuss auf die Wange.
„Und da heißt es immer, Frauen wären so anspruchsvoll, und nur äußerst schwer zufrieden zu stellen", sagte Snape ungläubig, „dabei kann man manche mit ein paar Löchern in der Hose glücklich machen."
„So? Wieviel Erfahrung hast du denn so, mit anderen Frauen?", fragte Tamara beiläufig.
„Sei nicht so neugierig!", sagte Snape, und schob sie in Richtung der Türe.
Sie verbrachten den Rest des Vormittages im Freien, da das Wetter, das sich morgens eher wechselhaft präsentiert hatte, nun zusehends aufklarte.
Während sie über die Ländereien spazierten stellte Tamara erfreut fest, dass Snape durchaus ein angenehmer und interessanter Gesprächspartner sein konnte, wenn er in der richtigen Laune war. Abgesehen davon, dass er sie rücksichtslos mit seinem Sarkasmus niederbügelte, wenn sie etwas auch nur annähernd Banales von sich gab, verlief ihre Unterhaltung sehr erfreulich. Lediglich dann, wenn sie mit ihren Fragen zu sehr in den vermeintlichen Hochsicherheitstrakt seiner Vergangenheit eindrang, wurde er vorübergehend äußerst wortkarg und abweisend.
Nachdem sie an einem netten Plätzchen hinter den Gewächshäusern, das mit Tisch und Stühlen ausgestattet war, ein leichtes Mittagessen eingenommen hatten, schlenderten sie zum See hinunter und setzten sich unter einen der großen Bäume in der Nähe des Ufers.
In einvernehmlichem Schweigen lehnten sich beide an den dicken Stamm, und Tamara legte vertraulich ihren Kopf an Snapes Schulter, was ihn nicht weiter zu stören schien.
„Darf ich dich mal was fragen, Severus?", sagte Tamara nach einer ganzen Weile.
„Warum nur versetzt mich diese Frage in Verbindung mit diesem Tonfall umgehend in Alarmbereitschaft?", brummte Snape unwillig.
„Weil du ein oberspießiger Chauvinist bist?", schlug Tamara vor.
„Was würdest du eigentlich davon halten, wenn ich dich im See ertränke?", gab Snape zurück.
„So was Undankbares!", sagte Tamara grinsend. „Da will man helfen, und erntet nichts als Aggression! Dabei wollte ich dir nur eine ganz klitzekleine harmlose Frage stellen."
„Frag!", knurrte Snape.
„Was empfindest du eigentlich für mich?", fragte Tamara vorsichtig.
„Bei allen Göttern - ich hätte es wissen müssen! Allein dieser Tonfall!", blaffte Snape. „Eine klitzekleine Frage", säuselte er, übertrieben ihre Stimme imitierend, „ganz harmlos! Aber wehe, du gibst die falsche Antwort - dann hexe ich dir die Eier weg!"
Tamara musste bei dieser Darbietung wider Willen lachen, hakte aber dennoch nach, da sie die Frage durchaus ernst gemeint hatte.
„Und...?", sagte sie, und sah ihn erwartungsvoll an.
„Was und?", schnaubte Snape genervt.
„Deine Antwort...?", bohrte Tamara weiter.
„Ich hänge an meinen Eiern!", sagte Snape im Brustton der Überzeugung.
„Dann bemüh dich!", sagte Tamara schmunzelnd.
Sie stemmte sich vom Boden hoch und schwang ein Bein über seinen Körper, sodass sie rittlings auf seinem Schoß zu sitzen kam.
„Hilfe!", sagte Snape.
„Sag was!", zischte Tamara grinsend, und packte ihn spielerisch beidseitig am Hemdkragen.
„Von allen Nervensägen, die mir je begegnet sind...", begann Snape.
„Oh - oh!", sagte Tamara kopfschüttelnd.
„...bist du bei Weitem...", fuhr er fort.
„Ja...?"
„...nicht die Allerschlimmste", beendete er grinsend seinen Satz.
„Dein Dasein als Eunuch ist so gut wie gesichert", sagte Tamara drohend.
„Dabei habe ich mich so bemüht!", sagte Snape zerknirscht.
„Hat leider nicht gereicht!", sagte Tamara bedauernd, und zog ihren Zauberstab. „Verabschiede dich, von deinen Kronjuwelen!"
Snape packte vorsichtshalber ihr Handgelenk und drehte den Stab von sich weg.
„Wie wäre es mit einer nonverbalen Antwort?", schlug er vor.
„Und was schwebt dir da vor?", sagte Tamara interessiert. „Lässt du mich per Legilimentik einen Blick in deinen Kopf werfen?"
„So sehr hänge ich auch wieder nicht an den Dingern!", schnaubte Snape. „Ich dachte da mehr an etwas Anderes."
Er versenkte die freie Hand in ihrem Haar, zog ihren Kopf zu sich herunter, und küsste sie - zunächst sanft und spielerisch, dann aber immer fordernder.
„Okay - du hast gewonnen!", sagte Tamara etwas atemlos, als er sie wieder freigab. „Ich lasse mir diese Eunuchen-Sache noch mal durch den Kopf gehen!"
„Das ist eine sehr weise Entscheidung", sagte Snape zufrieden.
„Aber eine vernünftige Antwort auf meine Frage möchte ich schon noch haben", sagte Tamara streng.
„Wie war noch mal die Frage?", sagte Snape nachdenklich.
„SEVERUS!"
„Ach, du meinst diese Frage!", sagte er lachend, als sie den Zauberstab wegwarf um mit beiden Händen auf ihn loszugehen.
Er packte nun beide Handgelenke und drückte ihre Arme mit sanfter Gewalt hinter ihren Rücken. Gleichzeitig beugte er sich vor, und versuchte spielerisch, sie in den Hals zu beißen.
„Das kitzelt!", quietschte Tamara, und versuchte, sich seinem Griff, und seinen Bissen zu entwinden.
„Geschieht dir recht!", knurrte Snape. „Was folterst du auch arme Zauberer mit bösen Fragen!" Wieder vergrub er die Zähne genüsslich in ihrem Nacken.
„Lass mich los!", bettelte Tamara lachend.
„Wie?"
„Lass mich lo-ooos!", nölte Tamara.
„Was?"
„Loslassen!", japste Tamara.
„Ich versteh' dich so schlecht!", sagte Snape.
„Bitte!", winselte Tamara grinsend.
„Ach, ich soll dich loslassen! Warum hast du das nicht gleich gesagt?", meinte Snape amüsiert, und gab ihre Hände und auch den Hals frei.
Aufatmend legte sie ihre Arme um seinen Hals und sah ihn liebvoll an.
„Severus?", sagte sie lächelnd.
Snape schüttelte sich leicht.
„Schon wieder dieser Tonfall!", sagte er misstrauisch.
„Gehen wir schwimmen?", fragte Tamara.
„Du hast ein Faible für Wasser, oder?", sagte Snape belustigt.
„Es ist ganz schön warm geworden, und ich möchte so gerne noch mal zu der kleinen Insel schwimmen", sagte Tamara. „Magst du?"
„Von mir aus - wenn du versprichst, mir unterwegs keine Fangfragen zu stellen", sagte Snape.
„Ich glaube kaum, dass wir uns während dem Schwimmen groß unterhalten werden", sagte Tamara schnippisch. „Ich habe nämlich vor, dich abzuhängen!"
„Lächerlich!", schnaubte Snape.
„Willst du mit mir wetten?", sagte Tamara grinsend.
„Nachdem ich die letzten drei Wetten gegen dich verloren habe...", begann Snape, „...kommt's auf eine mehr oder weniger auch nicht mehr an! Und was schwebt Madame diesmal als Einsatz vor?", fügte er skeptisch hinzu. „Und sag jetzt bloß nicht - eine Antwort auf deine Folter-Frage!"
„Ein Vorspiel!", sagte Tamara.
„Was?"
„Ein richtig schönes, ausgedehntes, unglaublich zärtliches Vorspiel, vor dem äh ...nächsten Mal", sagte Tamara amüsiert.
„Ich werde dich auf gar keinen Fall gewinnen lassen!", sagte Snape finster.
Eine knappe halbe Stunde später erreichte Snape die kleine Insel, völlig außer Atem, und etwa zehn Sekunden nach Tamara, die schon am Ufer saß, und längst nicht so extrem keuchte wie er.
Erschöpft ließ er sich neben ihr auf den Rücken plumpsen.
Tamara beugte sich mit einem Siegerlächeln im Gesicht über ihn.
„Hatte ich eigentlich irgendwann erwähnt, dass ich jahrelang Schwimmen trainiert, und regelmäßig an den verschiedensten Meisterschaften teilgenommen habe?", fragte sie lieblich.
„Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass du eine hinterhältige kleine Kröte bist?", sagte Snape vorwurfsvoll.
„Ja - ich glaube, so was Ähnliches hast du schon mal angedeutet", sagte Tamara grinsend.
Snape gab einen beleidigten Brummton von sich.
Tamara beugte sich noch tiefer zu ihm hinunter.
„Ich freu' mich schon sehr auf mein Vorspiel!", flüsterte sie ihm ins Ohr.
„Du sagtest - beim nächsten Mal - wer weiß schon, wann das sein wird...?" sagte Snape vage.
„Ich glaube, ich weiß es schon!", sagte Tamara, und ließ ihre Fingerspitzen beiläufig über seine Brust zum Bauch hinunter wandern. Mit Genugtuung nahm sie die Gänsehaut war, die sich auf seiner Haut bildete, sowie eine weitere willkommene Reaktion seines Körpers.
„Siehst du - du weißt es auch!", schnurrte sie und ließ ihre Hand noch ein Stückchen tiefer gleiten.
„Reiner Reflex!", murmelte Snape, machte aber keine Anstalten, ihre Expedition zu unterbrechen.
Sie strich an der Leiste entlang, mit dem Handrücken dabei wie unabsichtlich seine halbaufgerichtete Männlichkeit streifend, und erreichte die Innenseite des Oberschenkels.
„Ich hoffe, du hast deinen Zauberstab am anderen Ufer gelassen!", brummte Snape.
„Oh - keine Angst - ich hexe dir nichts weg", sagte Tamara lächelnd und ließ ihre Hand auf der gegenüberliegenden Seite wieder nach oben wandern, wobei ihr nun bereits ein deutlich aufgerichtetes Hindernis im Weg stand, das sie einige Male spielerisch umkreiste.
Als sie schließlich beherzt ihre Finger um das Objekt der Begierde schloss, gab Snape einen eindeutig wohligen Laut von sich.
„Bist du jetzt doch meiner Meinung?", fragte Tamara nach, während sie anfing ihre Hand in einem sanften Rhythmus zu bewegen.
„Ja doch! Gar nicht schlecht, so ein Vorspiel!", sagte er anerkennend. „Mach ruhig weiter!"
„So war das nicht geplant mein Herr!", sagte Tamara mit leicht vorwurfsvoller Stimme.
„Nein?"
„Nein!"
„Schade!"
Tamara ließ ihre Hand zurück auf seine Brust wandern und legte sich wieder neben ihn.
„DU sollst MICH verwöhnen!", sagte sie fordernd.
„Du bist ein hartherziges Luder!", sagte Snape, dem der abrupte Abbruch ihrer Bemühungen nicht so besonders zuzusagen schien.
Er beugte sich über sie und biss sie spielerisch in die Brustwarze.
„Autsch!", beschwerte sich Tamara postwendend. „Ich sagte - schönes, ausgedehntes, unglaublich zärtliches Vorspiel - ich schätze, du hast mindestens einen Teil davon nicht verstanden."
„Ein überaus anspruchsvolles hartherziges Luder!", knurrte Snape, bedachte aber ihren Busen anschließend mit einer Reihe von sanften Küssen.
„Ist es so recht, Mylady?", raunte er.
„Schon besser!", sagte Tamara seufzend. „Wenn da noch dieser Hauch von Sarkasmus aus deiner Stimme verschwinden würde, wäre es ...annehmbar."
„ANNEHMBAR?", fragte Snape empört.
„Vielversprechend...?", sagte Tamara grinsend.
Snape ließ ein widerwilliges Grunzen zwischen ihren Brüsten heraus dringen.
„Nahezu perfekt?", gluckste Tamara.
„Lass das nahezu weg!", knurrte Snape.
„Angeber!", sagte Tamara amüsiert.
„Okay - es ist perfekt!", gab