Der Ferienjob
Über Euer Feedback freut sich: Chrissi
Disclaimer: Die Rechte an allen bekannten Personen,
Orten, Zaubersprüchen usw. gehören natürlich J.K. Rowling.
Der Rest ist von mir - ich schreibe nur zum Vergnügen,
und ziehe keinerlei finanziellen Vorteil hieraus.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen - und ich würde
mich sehr freuen, wenn Ihr mich wissen lasst, ob's Euch gefallen hat.
Kapitel 1 - Sprechstunde
Professor Snape saß hinter dem massiven Schreibtisch seines Büros, und starrte missmutig aus dem Fenster, auf die Silhouette der Bäume, die sich scharf und schwarz gegen das schwache, rötliche Licht der untergehenden Sonne absetzte.
Wenn man seinen Blick hätte deuten wollen, wäre der Verdacht nahe gelegen, dass er einen tiefen Groll gegen diese Bäume hegte - was selbstverständlich nicht den Tatsachen entsprach, da seine Gedanken bei etwas - beziehungsweise jemand - völlig anderem waren.
Dieser Jemand war - wie jeder, der Professor Snape ein wenig näher kannte, unzweifelhaft vermutet hätte - eine jener Kreaturen, die der Meister der Zaubertränke mit großer Hingabe verachtete: Ein Schüler - und noch dazu ein äußerst aufsässiger Vertreter dieser widerlichen Spezies.
Das Ungewöhnliche an diesem speziellen Schüler war, dass er nicht regulär mit Erreichen des entsprechenden Alters in Hogwarts aufgenommen worden war, sondern erst mit dreizehn. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er mit seinem Vater - einem russischen Diplomaten, im Ausland gelebt.
Die Mutter des Jungen war schon vor Jahren gestorben. Sie war Schottin gewesen, eine geborene McKenzie, und somit selbstverständlich in Hogwarts zur Schule gegangen. Ihre Familie - eine alteingesessene Zauberersippe - war seit Generationen befreundet mit Dumbledores Familie.
Auch nachdem Diana McKenzie den jungen russischen Zauberer Dimitri Ogareff geheiratet hatte, und ihm in seine Heimat gefolgt war, hatte sie den Eulenkontakt mit Albus nicht abreißen lassen.
Der Direktor hatte es schließlich dann auch möglich gemacht, dass Dianas Sohn, der vor Kurzem mit seiner erwachsenen Schwester nach Großbritannien zurückgekehrt war, mitten unter dem Schuljahr, in die dritte Klasse aufgenommen wurde.
Und nun hatte er, Snape, den Burschen auf dem Hals, da dieser ausgerechnet dem Haus Slytherin zugeordnet worden war.
Alexander Ogareff war ein Kind, dass schon vom Naturell her in völligem Gegensatz zu seinem Hauslehrer stand: Blond, sommersprossig, von eher stämmiger Statur, vorlaut, immer zu lustigen Streichen aufgelegt - eine wahre Frohnatur, sehr beliebt bei den anderen Lehrern, und ein ständiges Ärgernis in den Augen des Zaubertränkemeisters.
Nicht nur dass es dem Kerl an Begabung und Interesse fehlte - er nahm die hohe Kunst des Tränkebrauens einfach nicht ernst, was an sich schon frevelhaft genug gewesen wäre - nein, dieser kleine sture Bengel wagte es auch noch, ihm, seinem Lehrer, offen zu widersprechen, und hatte sich bisher auch nicht durch diverse Strafarbeiten und unzählige Einschüchterungsversuche davon abbringen lassen.
Vor einigen Tagen hatte ihm der aufmüpfige Wicht mitgeteilt, dass seine große Schwester ihn zu sprechen wünsche, und fragen ließe, ob es Professor Snape am Freitag abend recht wäre.
Obwohl es in Hogwarts eher unüblich war, dass die Erziehungsberechtigten der Schüler persönlich vorsprachen, hatte er nach anfänglichem Zögern zugestimmt - was allerdings hauptsächlich auf einige subtile Drohungen des Schulleiters zurückzuführen war, der irgendwie Wind von dieser Zögerlichkeit bekommen hatte.
Nun saß er hier, am Freitag abend - anstatt gemütlich mit einem Buch und einem Glas Wein in seiner Wohnung - in seinem Büro, und wartete auf Ogareffs Schwester. Genauer gesagt wartete er bereits seit einer halben Stunde, denn die Dame verspätete sich zu allem Überfluss auch noch, und Unpünktlichkeit war etwas, dass er auf den Tod nicht ausstehen konnte.
Diese Frau war scheinbar genauso unmöglich, wie ihr kleiner Bruder.
Eine weitere Viertelstunde später war ein energisches Klopfen an der Bürotür zu hören.
Snape, dessen Stimmung inzwischen fast die Grenze zum Gemeingefährlichen überschritten hatte, gab ein kurzes, bellendes „HEREIN!" von sich, murmelte das entsprechende Passwort, um die Tür zu entriegeln, und harrte mit zornfunkelnden Augen, der Person, die gleich sein Büro betreten würde.
Die Frau, die gleich darauf zielstrebig auf ihn zukam, entsprach nicht im mindesten der Vorstellung, die er von der Schwester seines Schülers gehabt hatte.
Zum einen war sie wesentlich älter, als erwartet, des weiteren hatte sie rein äußerlich absolut keine Ähnlichkeit mit ihrem Bruder.
Ihr Gesicht, das nicht eine einzige Sommersprosse vorzuweisen hatte, wurde von dichten, schwarzen Haaren umrahmt, die ihr glatt und seidig über die Schultern fielen. Die hohen Wangenknochen und die dunkelbraunen Augen gaben ihrem Aussehen einen interessanten exotischen Anstrich. Lediglich die Andeutung des überheblichen Grinsens, das ihre Mundwinkel umspielte, wies leichte Parallelen zu Alexander Ogareffs Gesichtszügen auf.
Snape wartete provozierend lange damit, ihr einen Sitzplatz anzubieten - er ließ gerade so viel Zeit verstreichen, das es noch nicht direkt als grobe Unhöflichkeit ausgelegt werden konnte. Das gab ihm außerdem Zeit, sie zu taxieren.
„Sie sind Professor Snape, nehme ich an...?", sagte sie gelassen, und zog fragend eine Augenbraue hoch, während sie auf dem Stuhl Platz nahm, auf den er schließlich mit einer schweigenden, halbwegs einladenden Geste gedeutet hatte.
„Scharf kombiniert!", sagte Snape bissig. „Nachdem sie sich an dem Ort befinden, an dem sie vor einer knappen Stunde einen Termin mit dem Lehrer ihres Bruders gehabt hätten, muss ich wohl genau der sein. Außerdem ist es unter zivilisierten Menschen üblich, sich selbst zuerst vorzustellen, wenn man den Bereich eines anderen betritt."
„Wie überaus nachlässig von mir! Mein Name ist Tamara Ogareff, und ich bin wirklich sehr erfreut, ihre Bekanntschaft zu machen, Professor", sagte die Besucherin spöttisch, und zog auch noch die zweite Augenbraue hoch - was umgehend zwei bis drei Falten mehr auf die zorngefurchte Stirn des Zaubertränkemeisters trieb.
„Hätten sie nun, nachdem sie mich über eine Dreiviertelstunde warten ließen, eventuell auch die Freundlichkeit, mir mitzuteilen, was sie von mir wollen", sagte Snape ölig, „die Spannung wird nämlich langsam unerträglich."
„Oh - bitte verzeihen sie die Verspätung", sagte Tamara lächelnd, „ich war pünktlich hier, aber zuerst habe ich bei Direktor Dumbledore etwas Zeit verplaudert und auf dem Weg zu ihrem Kerker traf ich meinen Bruder und ein paar seiner Freunde - das hat mich noch mal etwas aufgehalten."
Das schlug doch dem Kessel den Boden aus! Dieses Weib besaß noch nicht einmal den Anstand, wichtigere Gründe für ihr Zuspätkommen vorzuschieben - sie gab offen zu, das sie nur getrödelt hatte.
„Nachdem sie nun mein Büro nach all den netten Plaudereien doch noch gefunden haben...", schnarrte Snape, „würde ich vorschlagen, sie nennen mir nun den Grund ihres Hierseins. Ich hatte eine Stunde für dieses Gespräch reserviert - sie haben also noch genau fünf Minuten!"
„Ein zivilisierter Mann wie sie wird doch eine Dame nicht einfach hinauswerfen", sagte Tamara in tadelndem Ton, aber immer noch ironisch lächelnd. „Nur wegen einer kleinen, harmlosen Verspätung..."
„Vier Minuten!", sagte Snape eisig. „Sie vergeuden ihre Zeit!"
„Sascha hat recht - sie sind wirklich ein ...außergewöhnlicher Mann", sagte Tamara freundlich.
„Wer zum Teufel ist Sascha?", fragte Snape gereizt.
„Mein kleiner Bruder - Alexander", sagte Tamara.
„Sie sind aber doch sicher nicht den weiten Weg von was-weiß-ich-woher gekommen, um eine spitzfindige Bemerkung ihres Bruders zu überprüfen, Miss Ogareff", sagte Snape barsch.
„Nein - eigentlich wollte ich sie darum bitten, ein wenig Nachsicht mit Sascha zu haben", sagte Tamara ruhig. „Es ist nicht leicht für ihn, sich hier einzugewöhnen - das Leben, das er bisher geführt hat unterscheidet sich erheblich von dem, was in Hogwarts von ihm erwartet wird."
„Dann wird er sich eben etwas mehr um Anpassung bemühen müssen", sagte Snape grob. „Ich kann nicht jeden in Watte packen, der Schwierigkeiten hat, seine eigenen Bedürfnisse dem Alltag dieser Schule unterzuordnen."
„Warum sind SIE eigentlich Lehrer geworden?", fragte Tamara ungläubig, und zum ersten mal, seit sie sein Büro betreten hatte, machte sich deutlicher Unwillen auf ihrem Gesicht breit.
Das wiederum verschaffte Snape das erste Hochgefühl seit ihrem Zusammentreffen.
„Ihre Zeit ist um!", sagte er höhnisch lächelnd und wies auf die Tür.
Zu seinem größten Erstaunen stand sie widerspruchslos auf, was umgehend ein Siegerlächeln (das man mit Fug und Recht überheblich nennen konnte) auf Snapes Gesicht zauberte, während er sich zufrieden, mit verschränkten Armen in seinem Sessel zurücklehnte.
Dieses Lächeln wiederum gefror jedoch auf der Stelle, als sie - anstatt den Weg zur Tür einzuschlagen - zu einem der Wandregale ging, wo sie interessiert die Inhalte seiner Einmachgläser studierte.
„Was soll das werden, Miss Ogareff?", zischte Snape ungehalten.
„Hübsche schleimige... Dinger haben sie da", sagte Tamara ohne sich umzudrehen.
„Ich glaube, sie haben mich nicht verstanden", sagte Snape in dem leisen, gefährlichen Ton, der bei seinen Schülern gewöhnlich Symptome wie Blässe, Angstschweiß, oder zumindest Gänsehaut hervorrief, „die Sprechstunde ist vorbei - und sie verlassen nun bitte mein Büro!"
„Sie wollen mich also wirklich rauswerfen?", fragte sie, scheinbar nicht im Mindesten eingeschüchtert, und wandte sich mit einem amüsierten Grinsen zu ihm um.
„Erfasst!", sagte Snape knapp.
„Und was machen sie, wenn ich nicht gehe?", fragte Tamara neugierig, während sie gemächlich zu ihm herübergeschlendert kam.
Ihre lasziven Bewegungen, und vor allem die Tatsache, dass sie sich nun auch noch auf SEINER Seite des Schreibtisches anlehnte, und mit einem unverschämten, wissenden Lächeln auf ihn heruntersah, verschlugen Snape für einen kurzen Moment die Sprache.
„Hat es ihnen die Sprache verschlagen, Professor Snape?", gurrte Tamara prompt.
„Raus!", knurrte Snape, aber in seiner Stimme lag ein winziger Hauch von Unsicherheit.
„Nein!", sagte Tamara, setzte sich schwungvoll auf seinen Schreibtisch und schlug elegant die Beine übereinander, wobei ihr langer, gewickelter Rock bis zur Mitte des Oberschenkels auseinander klaffte, und somit einen interessanten Einblick gewährte.
„Wenn sie nicht sofort machen, dass sie von meinem Schreibtisch runterkommen, und aus diesem Raum verschwinden...", fauchte Snape.
„Ja - was machen sie denn dann mit mir?", unterbrach ihn Tamara, und legte sich nun direkt vor ihm auf den Tisch.
Den Kopf bequem auf die linke Hand gestützt sah sie den fassungslos vor ihr sitzenden Mann ernst und aufmerksam an.
„Haben sie völlig den Verstand verloren?", sagte Snape belegt.
„Nein - durch aus nicht - nur ein wenig die Beherrschung", schnurrte Tamara, „aber das ist ja auch kein Wunder, oder?"
„Was...?", krächzte Snape.
„Solcherart zur Schau getragene Dominanz, gepaart mit einer ordentlichen Portion Arroganz, bringt mich immer etwas aus der Fassung", sagte Tamara, „vor allem bei einem so attraktiven Mann, wie ihnen", fügte sie mit einem verschwörerischen Lächeln hinzu.
Snape schob mit einem hässlichen, schnarrenden Geräusch seinen Stuhl zurück und stand auf.
„Bringt sie mein kleiner Kontrollverlust etwa so durcheinander?", fragte Tamara mitleidig, die sich inzwischen auf den Rücken gerollt hatte. Die Arme locker nach oben ausgestreckt, das schwarze Haar wie ein Fächer um ihren Kopf ausgebreitet lag sie da und schaute ohne irgendein Anzeichen von Scheu direkt in Snapes zornig zusammengekniffene schwarzen Augen, und bedachte ihn auch noch mit einem spöttischen Schmunzeln.
„Gemessen an ihrem Verhalten könnte einem ihr Bruder direkt normal vorkommen", sagte Snape grimmig, „und jetzt hören sie auf, sich lächerlich zu machen und steigen von meinem Tisch herunter - und zwar SOFORT!"
Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen zog er den Zauberstab aus dem Umhang.
„Ts ts ts - sie gehen ja wirklich bis zum Äußersten", sagte Tamara vorwurfsvoll, beeilte sich aber, seiner Aufforderung Folge zu leisten.
Nachdem sie sich mit raschen, geschmeidigen Bewegungen aufgesetzt und den Tisch verlassen hatte, stand Tamara nun vor Snape - eigentlich viel zu nah - aber auch er wich keinen Schritt zurück.
„Vielen Dank, für dieses aufschlussreiche Gespräch, Professor Snape", sagte sie unverschämt herzlich, und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Man sieht sich...", fügte sie beiläufig hinzu, drehte ihm den Rücken zu, und verließ, ohne sich noch einmal umzudrehen, den Raum.
„Nicht, wenn ich es irgendwie vermeiden kann!", knurrte Snape ihr hinterher.
Immer noch vor sich hinlächelnd betrat Tamara das Büro des Direktors.
Dumbledore sah ihr erwartungsvoll entgegen.
Ihm gegenüber saß eine streng aussehende Dame, mit dunklem, zu einem voluminösen Knoten geschlungenem Haar. Über den Rand ihrer Brille hinweg fixierte auch sie die Besucherin.
„Und...?", fragte Dumbledore neugierig. „Wie finden sie ihn? Wird es gehen?"
„Oh - ich finde er ist ein arroganter, eingebildeter, unhöflicher Kotzbrocken, aber irgendwie auch süß - und ja, es wird gehen!", sagte Tamara vergnügt.
„Süß?", sagte die strenge Dame ungläubig zu Dumbledore. „Sie redet doch nicht etwa von Severus...?"
„Ich fürchte doch", sagte Dumbledore lachend. „Minerva - darf ich dir Tamara Ogareff vorstellen? Tamara - dies ist meine Stellvertreterin und gute, alte Freundin, Professor McGonagall."
„Ich freue mich sehr, sie kennen zu lernen - Alexander spricht oft von ihnen", sagte McGonagall lächelnd, „aber erklären sie mir doch bitte, was zum Teufel man an Professor Snape süß finden kann."
„Oh - er ärgert sich auf sehr dekorative Weise", sagte Tamara grinsend.
„Aus diesem Blickwinkel habe ich es noch gar nicht betrachtet...", sagte McGonagall nachdenklich.
„Sie schicken mir eine Eule, ob alles klar geht, Albus?", fragte Tamara.
„Das mache ich, meine Liebe - sie können sich auf mich verlassen", sagte Dumbledore.
„Meinst du wirklich, du wirst das so ohne weiteres hinkriegen?", fragte McGonagall skeptisch, nachdem Tamara gegangen war. „Er wird sich bestimmt mit Händen und Füßen wehren."
„Das mach' ich schon", sagte Dumbledore mit einem schelmischen Lächeln, „glaub mir - ich weiß schon, wie ich ihn rumkriege."
Tags darauf bekam Snape eine Einladung des Direktors, am Abend auf ein Gläschen Wein vorbeizuschauen, der er ohne Argwohn und auch nicht gerade ungern nachkam.
Immerhin war Dumbledore der einzige Mensch in Hogwarts, der ihm völlig vertraute.
Wenn der alte Mann auch manchmal etwas anstrengend sein konnte, so war er doch ein sehr gebildeter und vor allem ein sehr weiser Gesprächspartner, und Snape begegnete ihm mit großem Respekt.
Außerdem hatte der Schulleiter einen ausgezeichneten Geschmack, was die Auswahl seiner Weine betraf.
Im Bezug auf den Wein sollte Snape Recht behalten, und auch das Gespräch verlief an diesem Abend zunächst in gewohnt angenehmer Weise, bis der Direktor anfing, über seltsame Dinge zu sprechen.
„Wie ist eigentlich Ihre Meinung zum Thema Erwachsenenbildung, Severus?", fragte er den erstaunten Snape. „Nehmen wir einmal an, jemand hätte in seiner Kindheit nicht die Möglichkeit gehabt, alles zu erlernen, was ihm wichtig erscheint", fuhr er fort, „meinen sie, er könnte diese Defizite als Erwachsener noch aufholen?"
„Ich denke schon - wenn dieser jemand es ernsthaft genug versucht...", sagte Snape.
„Würden sie sagen, das gilt für jede Fachrichtung?", erkundigte sich Dumbledore.
„Es gibt sicher Fähigkeiten, die man sich im Kindesalter leichter aneignen kann, aber grundsätzlich ist man sicher nie zu alt, um etwas neues zu lernen", sagte Snape.
„Meinen sie, es gibt auch Dinge, die man besser erst als Erwachsener lernen sollte?", fragte Dumbledore.
Snape legte die Stirn in Falten, und sah den Direktor mit leichtem Misstrauen an. Er fragte sich, worauf dieses Gespräch hinauslaufen sollte, denn es war mittlerweile ziemlich klar, dass Dumbledore eine bestimmte Absicht verfolgte.
„Wenn man davon ausgeht, dass erwachsene Menschen eine gewisse geistige und moralische Reife mitbringen - was leider nicht immer der Fall sein dürfte - ja", sagte er vage, „das wäre eigentlich Voraussetzung für so manchen Lehrstoff."
„Wie zum Beispiel bei den schwierigeren Lektionen in Verteidigung gegen die dunklen Künste...?", fragte Dumbledore interessiert. „Oder bei den komplizierteren, gefährlicheren Zaubertränken...?"
„Worauf wollen sie eigentlich hinaus, Albus?", fragte Snape mit etwas genervtem Unterton.
„Mir war so, als hätte ich sie schon einmal klagen hören, dass viele ihrer Schüler ihr Unterrichtsfach nicht ernst genug nehmen...", sagte Dumbledore beiläufig.
Zwischen Snapes Augenbrauen bildete sich eine steile, zornige Falte, als er seinen Vorgesetzten ansah.
„Es wäre doch sicher reizvoll, einmal jemanden zu unterrichten, der die nötige Reife mitbringt, nicht war?", sagte Dumbledore mit einem freundlichen Lächeln.
„Was soll die Frage?", sagte Snape knapp.
„Ich habe da eine Anfrage, von einer erwachsenen Person, ob es möglich wäre, bei uns eine Art komprimierten Nachhilfeunterricht zu bekommen", erklärte Dumbledore. „Diese Person hat es bedauerlicherweise versäumt hat, die Prüfungen in den Fächern Zaubertränke und Verteidigung ordnungsgemäß abzulegen - was nun einer bestimmten Zusatzausbildung entgegensteht, die sie machen möchte."
„Was genau ist denn gemeint, mit komprimiert?", fragte Snape skeptisch.
„In etwa den Stoff der letzten beiden Schuljahre in einem..., na ja, ...nennen wir es mal Intensivverfahren, auf die Zeitspanne der Sommerferien zu verteilen", sagte Dumbledore.
„Und wer, bitte, soll das tun?", fragte Snape leise und unbehaglich.
„Ich dachte, dass sie...", meinte Dumbledore.
„Oh nein!", sagte Snape energisch.
„Severus - sie verbringen als einziger von meinen Lehrkräften die gesamten Ferien in Hogwarts", sagte Dumbledore beschwörend, „ein bisschen Gesellschaft könnte ihnen doch hierbei nicht schaden."
„Ich lege keinen Wert auf Gesellschaft!", schnaubte Snape.
„Sie würden mir wirklich einen großen Gefallen tun...", sagte Dumbledore ernst.
Snape sah aus, als hätte er gerade herzhaft in eine Zitrone gebissen.
„Das gäbe ihnen auch die Möglichkeit, endlich einmal Verteidigung gegen die dunklen Künste zu lehren - das wollten sie doch schon lange", sagte Dumbledore. „Die Person, um die es sich handelt, hat auch schon einige Vorkenntnisse - es geht eigentlich nur um den letzten Schliff, um die beiden Prüfungen ablegen zu können."
Snape starrte seinen Vorgesetzten immer noch schweigend, und mit einem unverändert verbiesterten Gesichtsausdruck an.
„Severus - ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie mich in dieser Sache unterstützen könnten", sagte Dumbledore sanft.
„Um wen handelt es sich?", fragte Snape barsch.
„Die Dame ist Anfang Dreißig...", begann Dumbledore.
„Eine Frau?", fragte Snape ungläubig.
„Ja, eine Frau - ist das etwa ein Problem für sie?", sagte Dumbledore belustigt.
„Nein..., natürlich nicht...", sagte Snape zögernd.
„Wie gesagt, die Dame ist Anfang Dreißig und wenn mich nicht alles täuscht, bringt sie einiges an Erfahrung und auch reichlich Begabung mit", sagte Dumbledore. „Sie wird während der Ferien hier in Hogwarts wohnen, damit sie nicht ständig hin und her apparieren muss. Die Prüfung kann sie dann kurz vor Beginn des neuen Schuljahres ablegen - das habe ich alles schon in die Wege geleitet."
Dumbledore machte eine kurze Pause und sah seinen Zaubertränkelehrer treuherzig an.
„Sie müssten sie nur ein paar Stunden am Tag unterrichten, und am Anfang vielleicht ein bisschen aufpassen, das sie sich nicht im Schloss verläuft", fuhr er fort.
„Hm...", machte Snape, der immer noch alles andere als begeistert aussah.
„Werden sie das für mich tun, Severus?", fragte Dumbledore, und blickte dem anderen dabei tief in die Augen.
„Na schön - ich mach's!", seufzte Snape und verdrehte die Augen.
„Ich wusste, sie würden mich nicht hängen lassen!", rief Dumbledore begeistert. „Ich werde Tamara gleich eine Eule schicken..."
„WAS? ... WEM?", bellte Snape.
„Tamara Ogareff - ich glaube, sie haben sie schon kennen gelernt", sagte Dumbledore freundlich.
„Ja - ich habe sie kennen gelernt, und - ich werde diese Frau auf keinen Fall unterrichten!", fauchte Snape.
„Sie haben mir gerade zugesichert, dass sie es tun würden", erinnerte ihn Dumbledore.
„Sie haben mich reingelegt, Albus!", zischte Snape. „Das können sie nicht ernsthaft von mir verlangen - dieses Weib ist völlig durchgeknallt!"
„Aber, aber - Severus - gleich zwei Unterstellungen auf einmal", sagte Dumbledore beschwichtigend. „Tamara mag ein wenig unkonventionell sein - das gebe ich ja zu - aber nichts desto trotz möchte ich, dass sie die Möglichkeit erhält, ihre Prüfungen nachzumachen. Und ich möchte, das sie ihr dabei behilflich sind, da ich niemanden wüsste, der besser hierfür geeignet wäre."
„Kann schon sein, dass ich dafür geeignet bin, mit einer Wahnsinnigen fertig zu werden", knurrte Snape, „ nur ist es leider so, dass sie, nachdem ich sie erwürgt habe, keine Prüfungen mehr ablegen können wird."
„Severus, nun sein sie doch nicht albern!", sagte Dumbledore leicht vorwurfsvoll.
„Warum hat sie überhaupt Nachholbedarf - da wo sie herkommt gibt es doch sicher auch eine Schule", fragte Snape gereizt, hauptsächlich um Zeit zu gewinnen, bis ihm etwas Besseres einfiel, um sich aus der Affäre zu ziehen.
„Das schon, aber scheinbar hatte Tamara einige ...Meinungsverschiedenheiten mit ihren Lehrern, und wurde deshalb zu den Prüfungen in den beiden besagten Fächern nicht zugelassen", sagte Dumbledore.
„Na wunderbar!", sagte Snape sarkastisch. „Mit anderen Worten - sie hat den Abschluss nicht gemacht, weil sie ein aufsässiges, unverschämtes Weibsbild ist! Dazu kann man wirklich nur eines sagen: Selber schuld!"
„Mag sein, aber ich glaube, sie hat wie jeder andere auch, eine zweite Chance verdient - oder nicht, Severus?", sagte Dumbledore scharf.
...Treffer...!
Snape senkte den Kopf.
„Severus...?", sagte Dumbledore leise aber fordernd.
„Schon gut - ich habe es verstanden", sagte Snape rau.
„Ich verlange nicht, dass sie das tun - ich bitte sie darum", sagte Dumbledore ruhig.
„Das läuft auf das Gleiche hinaus - mir ist durchaus bewusst, dass ich in ihrer Schuld stehe, Albus", sagte Snape verbittert.
„Ganz so dramatisch sollten sie das nicht sehen, mein Freund", sagte Dumbledore. „Ich werde in diesem Fall auch ein Nein von ihnen akzeptieren - gutheißen, oder gar verstehen, würde ich das jedoch absolut nicht."
„Sie können aufhören, mich zu überzeugen - ich kapituliere!", sagte Snape resigniert.
„Danke, Severus! Mir ist durchaus bewusst, was sie das an Überwindung kostet", sagte Dumbledore. „Versuchen sie doch, es als Herausforderung zu sehen - das wird sicher eine interessante Erfahrung für sie werden."
„Ja - ganz bestimmt!", sagte Snape sarkastisch.
„Irgendwie sehen sie so aus, als ob sie noch ein Glas Wein vertragen könnten", sagte Dumbledore lächelnd.
Endlich waren sie weg!
Die nichtsnutzige, eingebildete, ungezogene, parasitäre, ewig schnatternde und gackernde Brut - genannt Schüler - hatte das Schloss verlassen.
Snape blickte ihnen mit einem unbeschreiblichen Wohlgefühl nach, als sie in den Schulkutschen davonfuhren.
Bereits nach wenigen Sekunden jedoch, rief er sich ins Bewusstsein, dass die aufkeimende Euphorie dieses Jahr nicht angebracht war, denn immerhin war SIE schon angekommen, und er würde SIE die ganzen Ferien über ertragen müssen.
Dumbledore hatte Hogwarts neueste Schülerin mit hinein genommen, nachdem sie sich mit großem Brimborium von ihrem Bruder verabschiedet hatte, der die Ferien bei seinem Vater verbringen sollte.
Vermutlich saß sie mittlerweile im Büro des Schulleiters, und es war nur eine Frage der Zeit, bis er auch dorthin gerufen werden würde.
Um diesen Zeitpunkt soweit wie möglich hinauszuzögern machte sich Snape unverzüglich auf, zu einem langen, herrlich einsamen Spaziergang.
Der Hauself erwischte ihn schließlich im Wald.
Als zum fünften mal ein verzweifeltes „Professor Snape, Sir...?" hinter ihm erklang, blieb Snape seufzend stehen, und drehte sich um.
„Was gibt's?", sagte er barsch.
„Direktor Dumbledore schickt mich, Sir, um ihnen zu sagen, Sir, dass sie bitte ins Schloss kommen sollen, Sir, in Direktor Dumbledores Büro, Sir!", sagte der Hauself während er sich mehrmals verbeugte.
„Schön - sag ihm, ich bin gleich da", meinte Snape ungehalten, und machte eine gereizte Handbewegung, als wolle er den Elf verscheuchen.
„Äh...tut mir leid, Professor Snape, Sir,... Direktor Dumbledore hat gesagt, dass sie das sagen würden, Sir,", murmelte der Elf verlegen, „er hat gesagt, ich darf nicht ohne sie zurückkommen, Sir..."
„Ist ja gut - ich komme schon!", sagte Snape genervt.
Von seiner Ferienlaune war so gut wie nichts mehr übrig, als er kurz darauf Dumbledores Büro betrat.
Wie erwartet, war die zukünftige Nachhilfeschülerin anwesend, und zu allem Überfluss auch noch McGonagall, die ihn unverschämt amüsiert musterte.
„Ah - Severus - da sind sie ja", sagte Dumbledore fröhlich.
„Ja, da bin ich - nachdem sie diesen penetranten Elfen auf mich angesetzt haben", murmelte Snape mir finsterem Blick.
Tamara Ogareff stand auf, um ihn zu begrüßen.
„Professor Snape - ich freue mich, sie wiederzusehen", sagte sie höflich und sah ihn unschuldig an.
„Es würde mich freuen, das auch von mir behaupten zu können, Miss Ogareff", sagte Snape seidig.
Dumbledore sah ihn mit mildem Tadel an während McGonagalls Belustigung sich noch steigerte.
„Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass sie sich während ihrer Ferien die Zeit nehmen, mich zu unterrichten", fuhr Tamara unbeirrt freundlich fort.
„Dazu konnte ich einfach nicht nein sagen!", meinte Snape und warf Dumbledore einen kurzen, und sehr vorwurfsvollen Blick zu, den dieser mit einem breiten Grinsen quittierte.
„Ich bin sicher, ich werde sehr viel von ihnen lernen können", sagte Tamara.
„Es wird sich noch herausstellen, ob sie das können...", sagte Snape mit einem dezent boshaften Unterton.
„Sie haben tatsächlich eine raffinierte Art, ihre Schüler zu motivieren", sagte Tamara lächelnd.
„Wenn sie nicht motiviert genug sind, sollten sie die Sache lieber verschieben", sagte Snape, „vielleicht auf das nächste Jahr, oder das nächste Jahrzehnt..."
„Aber nicht doch - ich bin so was von motiviert - das können sie sich gar nicht vorstellen", sagte Tamara treuherzig, „ich kann's kaum erwarten, anzufangen."
„Morgen früh, neun Uhr, Kerker, erste Tür rechts!", sagte Snape. „Und seien sie pünktlich!", fügte er drohend hinzu.
„Jawohl!", sagte Tamara spöttisch und deutete eine leichte Verbeugung an.
„War's das?", fragte Snape an Dumbledore gewandt.
„Für den Moment ja", sagte Dumbledore. „Ich sehe sie doch später beim Abendessen...?"
„Eigentlich...", murmelte Snape.
„Es wäre mir wirklich sehr recht, wenn sie es einrichten könnten, uns Gesellschaft zu leisten, Severus", sagte Dumbledore, und sah Snape mit seinen stahlblauen Augen freundlich über den Rand seiner Brille hinweg an.
„Jaaa - schon gut - ich werde da sein", sagte Snape, und verdrehte genervt die Augen, bevor er das Büro verließ.
„Und sie finden das wirklich süß...?", sagte McGonagall, und sah Tamara mit einem sehr skeptischen Gesichtsausdruck an.
Gemächlich durchquerte Snape am Abend die große Halle, und genoss es, nicht an Heerscharen schwatzender Schüler vorbeilaufen zu müssen.
„Er ist da - wir können anfangen!", sagte McGonagall, als er zum Lehrertisch trat.
Es war nur eine kleine Gruppe, die sich dort versammelt hatte, da die meisten unmittelbar nach den Schülern abgereist waren.
Auf einem Stuhl, der vor der langen Tafel aufgestellt worden war, thronte der sprechende Hut.
„Sie wollen die Hutzeremonie durchführen?", fragte Snape ungläubig.
„Oh ja, die Statuten von Hogwarts machen da keine Ausnahme", sagte McGonagall, „jeder, der als Schüler hierher kommt, muss einem der Häuser zugeteilt werden."
„Ich bin schon so gespannt, wo mich der Hut hinsteckt", sagte Tamara grinsend, „...bestimmt in ihr Haus, wie meinen Bruder."
„Man sollte nicht immer gleich den schlimmstmöglichen Fall in Erwägung ziehen", sagte Snape gespreizt.
Nachdem Dumbledore persönlich Tamara den Hut aufgesetzt hatte, lies sich dieser erst mal ziemlich lange Zeit, und murmelte dann undeutlich etwas von Slytherin, schien sich aber noch nicht endgültig festlegen zu wollen.
Wenn die Entscheidung tatsächlich auf sein Haus fallen sollte, schoss es Snape durch den Kopf, würde der Direktor womöglich noch verlangen, dass er sich auch außerhalb der Unterrichtsstunden um das Wohl seiner Schülerin kümmerte.
Misstrauisch sah er den immer noch grübelnden Hut an.
„...Gryffindor!", verkündete das Ding nach einer halben Ewigkeit endlich.
McGonagall klatschte begeistert in die Hände.
„Das war eigentlich klar, dass jemand, der so viel Mut hat, sich die ganzen Sommerferien freiwillig von Severus unterrichten zu lassen, ein Gryffindor sein muss", sagte sie spöttisch.
Snape verabschiedete sich sofort nach dem Essen.
Zum Großteil heute Abend, spätestes aber morgen früh, würden die restlichen seiner Kollegen abreisen - das Schloss hätte für viele Wochen ihm allein gehören können, wenn man ihm nicht dieses anstrengende Frauenzimmer aufs Auge gedrückt hätte.
Er beschloss, ihr außerhalb des Unterrichts, den er ihr wohl oder übel geben musste, konsequent aus dem Weg zu gehen.
Hogwarts war schließlich groß genug, dass zwei Menschen mühelos längere Zeit darin leben konnten, ohne sich zu begegnen.
Dumbledore hatte ihn zwar während des Essens noch einmal gebeten, sich auch in seiner Freizeit ein bisschen um den Gast zu kümmern, aber er war fest entschlossen, dieses „Bisschen" auf seine Weise auszulegen.
Am nächsten Morgen stand Snape bereits fünf Minuten vor neun hinter dem Lehrerpult im Zaubertränkeklassenzimmer, und ging noch einmal die Lektion durch, die er für seine Schülerin vorbereitet hatte, obwohl das eigentlich absolut nicht nötig war, da er diese Rezepte im Schlaf hätte zubereiten können.
Fünf Minuten nach neun - Snape verriegelte eben mit entschlossener Miene die Tür des Unterrichtsraumes von außen - kam Tamara angelaufen.
„Guten Morgen - tut mir leid, dass ich zu spät bin, aber ich wollte mich noch schnell von den anderen verabschieden", sagte sie keuchend, „und dann habe ich noch die Zeit unterschätzt, die ich brauche, um hierher zu kommen - verdammt groß, der alte Kasten!"
Sie sah ihn erwartungsvoll an, in der Annahme, dass er das Zimmer wieder aufschließen würde.
Snape zog wortlos die Augenbrauen hoch, wandte sich um und ging Richtung Treppe.
„Nun sein sie doch nicht gleich beleidigt!", rief Tamara ihm verblüfft hinterher.
Er stieg die Treppe hinauf, ohne auch nur im Mindesten auf sie zu reagieren.
Kopfschüttelnd eilte Tamara ihm hinterher.
„Das ist doch jetzt wohl nicht ihr Ernst...?", blaffte sie seinen Rücken an.
Snape lief unbeirrt weiter. Er ging an der Großen Halle vorbei, zum Haupteingang des Schlosses hinaus, und schlug schließlich den Weg zum See ein.
Tamara war ihm immer noch auf den Fersen.
„Soll ich ihnen etwa den ganzen Tag hinterherlaufen?", fauchte sie gereizt.
„Das können sie halten, wie sie wollen", sagte Snape gelangweilt.
„Nun bleiben sie endlich mal stehen, Snape!", rief Tamara und stampfte wütend mit dem Fuß auf.
„Professor!", sagte Snape, ohne sein Tempo zu verlangsamen.
„Wie bitte?", sagte Tamara gepresst, die sich bemühte, Schritt zu halten.
„Sie reden mich entweder mit Professor, oder mit Sir an, Miss Ogareff", stellte Snape klar.
„Mit Sir? Aber sonst geht's ihnen gut?", zischte Tamara aufgebracht.
„Wenn ich mich recht erinnere, sind sie als Schülerin in Hogwarts", sagte Snape kühl, „und nachdem ich hier Lehrer bin, werden sie sich an diese kleine Formalität halten - wenn sie mich schon anreden müssen. Ansonsten können sie sich jede Art von Unterricht gleich aus dem Kopf schlagen."
„Na schön, SIR, könnten sie jetzt endlich mal stehen bleiben, SIR? Ich würde nämlich gerne mit ihnen sprechen, ohne neben ihnen hertraben zu müssen, ...SIR!", bellte Tamara.
Snape sah sie mit leicht schräg gelegtem Kopf interessiert an. „Sie klingen irgendwie wie ein Hauself", sagte er belustigt.
„Ach nein - tatsächlich, SIR? Woran mag das liegen, SIR?", fauchte Tamara.
„Sicher an ihrer freundlichen, bescheidenen Art", sagte Snape gelassen.
„Würden sie eventuell so nett sein, stehen zu bleiben und mit mir reden, Professor Snape, ...bitte!", würgte Tamara hervor.
Endlich machte Snape halt.
„Na wer sagt's denn", meinte er spöttisch, „es geht ja...!"
„Ich hab' sie schon verstanden - sie sind der Boss, und ich muss mich fügen", seufzte Tamara. „Wäre es ihnen recht, wenn wir jetzt mit dem Unterricht beginnen?"
Snape zog die Augenbrauen hoch und sah sie abwartend an.
„Wäre ihnen das recht, SIR?", sagte Tamara zähneknirschend.
„Neun Uhr wäre mir recht gewesen!", sagte Snape, und setzte seinen Marsch fort.
„Verdammt...!", fluchte Tamara und rannte ihm wieder hinterher.
„Was muss ich tun, damit sie mich unterrichten", sagte sie aufgebracht. „...SIR!", fügte sie eilig hinzu.
„Pünktlich sein!", sagte Snape knapp.
„Und was muss ich tun, damit sie mich heute unterrichten, wo ich schon das absolut widerliche Verbrechen begangen habe, fünf Minuten zu spät zu kommen, SIR...", blaffte Tamara, „...muss ich ihnen die Füße küssen, ...SIR?"
„Das wäre immerhin ein Anfang...", sagte Snape nachdenklich.
„Würde es helfen, wenn ich sie ernsthaft um Verzeihung bitte, Professor Snape?", sagte Tamara entnervt.
„Versuchen können sie es", schlug Snape vor.
„Könnten wir vielleicht solange stehen bleiben?", fragte Tamara und verdrehte die Augen.
Snape blieb stehen, drehte sich zu ihr um, und sah sie mit verschränkten Armen, halb skeptisch - halb amüsiert an.
„Dann lassen sie mal hören, Miss Ogareff", sagte er samtig.
Tamara atmete tief durch.
„Okay - es tut mir wirklich leid, dass ich sie vorhin habe warten lassen, Professor", sagte sie ruhig.
„Ach ja? Und...?", sagte Snape belustigt.
„Und es wird nicht wieder vorkommen", sagte Tamara mit mühsamer Zurückhaltung, „das verspreche ich."
Snape sah sie fragend an.
„Und - ich bitte sie um Verzeihung, Sir!", knirschte Tamara.
„Schön...", sagte Snape, und grinste sie spöttisch an, „...versuchen wir es! Zehn Uhr, im Kerker - und keine Sekunde später! Und bis dahin will ich nichts davon merken, dass sie überhaupt existieren", fügte er hinzu, bevor er sich umdrehte und weiterging.
Tamara sah ihm mit zornig zusammengekniffenen Augen nach, und die Geste, die sie mit der Hand hinter seinem Rücken machte, war alles andere als freundlich.
Fünf Minuten vor zehn stand sie vor dem verschlossenen Kerker.
Punkt zehn erschien Snape öffnete die Türe, und ging an ihr vorbei in den Raum hinein, ohne irgendein erkennbares Zeichen, dass er sie überhaupt wahrgenommen hatte.
Missmutig trottete Tamara hinter ihm her.
Als er sie weiter ignorierte, und in dem Zaubertranklehrbuch auf seinem Pult blätterte, setzte sie sich schließlich in eine Bank in der ersten Reihe.
Kaum dass sie saß, hob Snape den Kopf.
„Schließen sie bitte die Tür, Miss Ogareff!", forderte er sie auf.
Schnaubend holte Tamara ihren Zauberstab heraus, und richtete ihn auf die Tür.
„Per Hand, Miss Ogareff", sagte Snape ölig, „in diesem Fach gibt es kein Zauberstabgefuchtel!"
Tamara sprang auf und marschierte mit großen Schritten zur Tür, knallte sie zu, marschierte zurück, und ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen.
„War's recht so, Sir?", fragte sie bissig.
„Das nächste mal etwas leiser, wenn's ginge!", sagte Snape gleichmütig.
„Ich werde mich bemühen!", sagte Tamara mit einem falschen Lächeln.
Im Lauf der nächsten Stunde ließ er sie einen relativ einfachen Trank, nach einem Rezept aus dem Lehrstoff der fünften Klasse herstellen.
Während sie arbeitete, blätterte er weiter in verschiedenen Büchern um schon grob zu planen, welche Rezepturen er ihr in den folgenden Wochen antun würde.
Zwischendurch sah er immer wieder hoch, um sie beim Arbeiten zu beobachten - allerdings begutachtete er dabei nicht, wie beabsichtigt, nur ihre Arbeitweise, sondern vor allem sie selbst.
Sie war leger gekleidet - mit Jeans und T-Shirt - wirkte aber trotzdem sehr weiblich und auf eine unaufdringliche Art sexy.
Von Zeit zu Zeit schob sie ungeduldig eine Strähne ihrer langen Haare zurück, die ihr immer wieder vor's Gesicht fiel.
Sie arbeitete schnell und ziemlich verbissen, und der Blick, mit dem sie die Wurzeln und Kräuter feindselig ansah, bevor sie sie zerstückelte, hatte fast etwas Rührendes.
Als sie schließlich zum letzten Mal umrührte, und sich dann mit einem Seufzer auf ihren Stuhl plumpsen ließ, schlug er sein Buch zu, und begab sich zu ihr.
Er sah schon am Dampf, der aus dem Kessel aufstieg, dass der Trank gründlich misslungen war.
Skeptisch warf er einen kurzen Blick auf das Gebräu, bevor er sein Augenmerk auf Tamara richtete, die scheinbar zufrieden in ihrem Stuhl lümmelte.
„Was bitte soll das sein, Miss Ogareff?", fragte Snape seidig.
„Na was schon - ihr Stärkungstrank!", sagte Tamara ungeduldig.
„Lila?", sagte Snape, und sah zweifelnd in den Kessel.
Tamara zuckte angenervt mit den Schultern.
„Der Trank sollte, wenn er richtig hergestellt wurde, von einem hellen, durchsichtigen Türkis sein", sagte Snape, „ist das ihrer werten Aufmerksamkeit entgangen, Miss Ogareff?"
„Nein, das nicht - aber was soll ich machen - ich habe alles reingeschmissen, was im Rezept stand", sagte Tamara treuherzig.
„Reingeschmissen..., hm...", sagte Snape, „...wie viel Salamanderblut haben sie denn reingeschmissen?"
„Ein paar Tropfen...?", sagte Tamara vage.
„Im Rezept stehen drei Tropfen, und nicht ein paar", sagte Snape scharf.
„Na ja - es werden schon drei gewesen sein", sagte Tamara entschuldigend.
„Und von den zerstoßenen Fledermausflügeln...?", fragte Snape weiter.
„Ich würde mal sagen, ...ein bisschen was", meinte Tamara.
„Meinen sie das ein bisschen was, dasselbe ist, wie ein Gramm?", fauchte Snape.
„So ungefähr schon!", sagte Tamara trotzig.
„Wie viel Granatapfelsaft?", fragte Snape barsch.
„Davon habe ich einige ...Spritzer hineingetan", sagte Tamara.
„Im Rezept stehen zweiundzwanzig Tropfen!", knurrte Snape.
„Ich habe eben geschätzt!", fauchte Tamara.
„GESCHÄTZT?", schrie Snape.
„Ja, verdammt, geschätzt! Beim Kochen gibt's ja auch Rezepte, aber die richtig guten Köche dosieren die Zutaten nach Gefühl", verteidigte sich Tamara.
„Köche? Was glauben sie, was sie hier machen? Ein Süppchen kochen, oder was...?", schnappte Snape.
„Das ist ein guter Vergleich", sagte Tamara erfreut, „wenn ich Borschtsch koche, gehe ich auch nach Gefühl vor, und nicht stur nach einem Rezept."
„Borschtsch?", sagte Snape ratlos.
„Kohlsuppe!", sagte Tamara. „Ist ein sehr beliebtes Gericht in meiner alten Heimat."
„Sie vergleichen die hohe Kunst des Zaubertrankbrauens ernsthaft mit dem Kochen von Kohlsuppe?", sagte Snape erschüttert.
„Also, gewisse Parallelen sehe ich da schon...", sagte Tamara vorsichtig.
„Sie sind ein hoffnungsloserer Fall, als ich es mir jemals habe träumen lassen", sagte Snape abfällig. „Sie werden nun noch mal ganz von vorne anfangen mit diesem Rezept, und diesmal werden sie sich exakt an die Mengenangaben und genauestens an die sonstigen Anweisungen halten. Und damit ich auch sicher gehen kann, dass sie das wirklich tun, werde ich hier stehen bleiben, und ihnen fortwährend über die Schulter schauen."
Tamara machte ein angewidertes Gesicht.
„Ist das ihr Ernst? Das Gleiche noch mal?", sagte sie verdrießlich.
Er blickte sie grimmig an.
„Nein, nicht das Gleiche! Diesmal werden sie tatsächlich den Stärkungstrank herstellen, der in dem Rezept beschrieben ist", sagte Snape bissig, „denn mit dem Gebräu, das sie vorhin fabriziert haben, würden sie nicht mal einen ausreichenden ZAG in diesem Fach bekommen - und so wie ich das verstanden habe, wollen sie ja sogar einen UTZ."
„Ja...", sagte Tamara leise.
„Ja was?", bellte Snape.
„Ja, ich will einen UTZ, und ja, ich werde den Trank noch mal machen, und ja, sie haben Recht, Professor Snape, Sir!", schmetterte Tamara.
„Worauf warten sie dann noch?", fragte Snape ölig.
Beim zweiten mal achtete Tamara akribisch darauf, sich an die vorgeschriebenen Mengenangaben zu halten, was nicht zuletzt daran lag, dass Snape tatsächlich während der ganzen Prozedur direkt hinter ihr stand, und ihr auf die Finger schaute. Dass sein Blick hin und wieder auch zu anderen Regionen ihres Körpers abdriftete, bekam sie aufgrund ihrer konzentrierten Arbeitsweise nicht mit.
Als sie alle Zutaten zugefügt hatte, und begann, ein letztes mal umzurühren, packte Snape plötzlich energisch ihre Hand.
„Sie sollen links herum rühren!", fauchte er.
„Scheiße!", murmelte Tamara.
„Wissen sie wo links ist, Miss Ogareff?", fragte Snape mit falscher Freundlichkeit.
„Ja, verdammt!", knurrte Tamara.
„Siebzehneinhalb mal links herum, und verzählen sie sich gefälligst nicht", sagte Snape barsch bevor er ihre Hand freigab.
Nachdem sie fertig gerührt hatte, war der Trank zwar nicht direkt türkisfarben - er wies einen leichten Grünstich auf - und er war auch nicht wirklich durchsichtig, sondern etwas milchig, aber Tamara war sicher, diesmal etwas brauchbares zustande gebracht zu haben.
„Na - was sagen sie nun, Herr Professor?", sagte sie stolz, und sah ihn mit in die Hüften gestemmten Händen auffordernd an.
Snape schöpfte eine Kelle von dem Trank ab und ließ die schillernde Flüssigkeit dann langsam in den Kessel zurück fließen.
„Ich würde sagen, das Ergebnis ist nicht ganz so lausig, wie beim ersten Versuch", meinte er schließlich herablassend.
„Nicht ganz so lausig? Sie können einen vielleicht aufbauen...", sagte Tamara entnervt. „Da bemüht man sich, zählt Tröpfchen für Tröpfchen, und wiegt das Zeug auf's Hundertstel Gramm genau ab, hackt sich die Finger wund, an diesen bescheuerten Wurzeln..."
„Sie haben schlampig gehackt!", unterbrach sie Snape.
„Wie bitte?", knurrte Tamara.
„Schlampig! Viel zu große Stücke!", sagte Snape ungerührt. „Außerdem hätten sie zum Schluss noch alles komplett versaut, wenn ich sie nicht davon abgehalten hätte, weiter in die falsche Richtung zu rühren - beim Tränkebrauen muss man sich eben bis zum Schluss konzentrieren, und nicht nur bis kurz davor. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Bewertung, nicht ganz so lausig, geradezu ein Kompliment - meinen sie nicht auch?"
„Ist schon gut - sie haben natürlich Recht, ...Sir", sagte Tamara pampig, „aber ich habe mich so angestrengt - dafür könnten sie mich ruhig auch mal loben."
„Dass sie sich anstrengen, sollte selbstverständlich sein", sagte Snape kalt, „sie sind schließlich auf eigenen Wunsch hier, und ganz bestimmt nicht auf meinen - dafür können sie nicht ernsthaft auch noch ein Lob erwarten."
„Oh - natürlich nicht, verzeihen sie mir bitte diese Anmaßung", sagte Tamara sarkastisch. „Behandeln sie ihre Schüler eigentlich auch nach dieser Devise?", fügte sie hinzu.
„Selbstverständlich!", sagte Snape.
„Dann wundert mich nichts mehr", murmelte Tamara.
„Wie bitte...?", sagte Snape warnend.
„Oh - nichts, ...Sir!". sagte Tamara unschuldig.
„Sie werden sich bis morgen auf die beiden Tränke, Seite siebenunddreißig bis neununddreißig in diesem Buch vorbereiten", sagte Snape und schwang den Zauberstab.
Tamara zuckte heftig zusammen, als daraufhin ein dickes Lehrbuch mit einem lauten Klatschen vor ihr auf den Tisch landete.
„Und sie schreiben mir, ebenfalls bis morgen, eine Zusammenfassung des fünften und sechsten Kapitels aus diesem Buch", sagte Snape, worauf hin ein weiteres Exemplar auf das erste knallte. „Es geht darin um Genauigkeit bei der Verwendung von Zutaten und um die präzise Ausführung der einzelnen Arbeitsschritte im Allgemeinen."
„Ich soll einen Aufsatz schreiben?", sagte Tamara angewidert. „Wollen sie mich schikanieren?"
„Ja, das will ich, Miss Ogareff", sagte Snape samtig, „aber ich habe noch gar nicht damit angefangen - glauben sie mir. Und übrigens - wenn sie das mit der korrekten Anrede nicht bald auf die Reihe kriegen, dürfen sie gerne auch noch ein paar Seiten Pergament über Umgangsformen gegenüber Lehrern verfassen. Möchten sie das, Miss Ogareff?"
„NEIN, SIR!", bellte Tamara. „NATÜRLICH NICHT, SIR!"
„Ich sehe sie Punkt zwei Uhr in der Großen Halle zum Verteidigungsunterricht", sagte Snape, machte eine ungeduldige Handbewegung in Richtung Tür, und wandte sich, ohne sie noch einmal anzusehen, wieder seinen Büchern zu, nachdem er den milchig-türkisgrünen Trank mit einem Zauberspruch aus dem Kessel hatte verschwinden lassen.
„Professor Snape?", sagte Tamara.
„Wieso sind sie noch da?", sagte Snape ungehalten.
„Ich wollte sie fragen, ob sie nicht vielleicht Lust hätten mit mir Mittag zu essen", sagte Tamara, mit der zaghaften Andeutung eines Lächelns.
„Nein!", entgegnete Snape grob. „Sonst noch was?"
„Sie sind wirklich ein richtiger Charmeur, Sir!", sagte Tamara erbost, und marschierte, die Bücher unter dem Arm hinaus, nicht ohne kräftig die Tür hinter sich ins Schloss krachen zu lassen.
Tamara saß in der großen Halle allein am Lehrertisch und rührte gedankenverloren in ihrer Teetasse.
Als sie das sich nähernde Geräusch eiliger Schritte hörte, hob sie verwundert den Kopf.
„Es ist doch noch gar nicht Zwei", sagte sie zu Snape, der von der anderen Seite an den Tisch getreten war.
„Und...? Muss ich sie etwa um Erlaubnis fragen, um hier einen Kaffe zu trinken?", schnauzte Snape sie an.
Er nahm Platz und kurz darauf erschien wie aus dem nichts eine, mit dampfendem Inhalt gefüllte Tasse vor ihm auf dem Tisch.
„Sind sie eigentlich immer so unfreundlich, oder ist das speziell für mich, dass sie sich so benehmen", sagte Tamara spitz.
„Ich habe keinen Grund, freundlich zu ihnen zu sein, Miss Ogareff", sagte Snape kalt. „Sie sind ein gewaltiger Störfaktor in meinem Tagesablauf - normalerweise ist es mir vergönnt, die Sommerferien in absoluter Ruhe zu verbringen."
„Sie meinen - völlig allein?", fragte Tamara ungläubig. „Sie verbringen acht Wochen, ohne auch nur einen anderen Menschen zu sehen?"
„Richtig! Die einzigen, die hier bleiben, sind die Hauselfen, und die haben dankenswerterweise die äußerst angenehme Angewohnheit, sich so gut wie unsichtbar zu machen", sagte Snape, mit einem anklagenden Blick auf Tamara.
„Oh - es tut mir wirklich leid, dass ich das nicht so gut beherrsche, wie die Hauselfen", sagte Tamara mit gerümpfter Nase.
„Dann sollten sie es lieber lernen - in ihrem eigenen Interesse", sagte Snape bissig.
„Das muss sehr einsam sein...", sagte Tamara leise.
„Wie bitte...?", sagte Snape konsterniert.
„Ich verstehe nicht, wie jemand das Bedürfnis haben kann, sich so lange in die Einsamkeit zu flüchten", sagte Tamara, und sah ihn aufmerksam an.
„Kümmern sie sich um ihren eigenen Kram!", zischte Snape.
„Sie haben recht - das geht mich natürlich nichts an", sagte Tamara resigniert und senkte den Blick.
Eine Weile saßen sie sich schweigend gegenüber.
Die Augen halb geschlossen, schien Snape das Aroma des Kaffees geradezu inhalieren zu wollen.
Tamara beobachtete gebannt seine langen, eleganten Finger, die sich fest um die Tasse gelegt hatten.
„Sie haben faszinierende Hände", sagte Tamara spontan, bevor sie sich auf die Zunge beißen konnte.
„Was...?", sagte Snape, und sah sie an, als hätte sie den Verstand verloren.
„Wie ein Pianist", sagte Tamara, die beschlossen hatte, die Flucht nach vorn anzutreten, „oder wie ein Muggel-Chirurg, oder...", sie begann über das ganze Gesicht zu grinsen.
„Oder was?", sagte Snape misstrauisch.
„Oder wie ein Muggel-Gynäkologe", prustete Tamara.
„Was zum Teufel...", begann Snape wütend.
„Das ist ein Facharzt für...", wollte Tamara erklären.
„Ich weiß, was ein Gynäkologe ist", bellte Snape. „Aber was in ihrem kranken Gehirn vorgeht, dass sie auf solche abstrusen Ideen kommen - das weiß ich nicht."
„Verzeihung - das kam so über mich", sagte Tamara kichernd.
„Es wird Zeit, dass wir anfangen", sagte Snape barsch und stand auf.
Er ging in die Mitte der Halle und drehte sich um.
„Worauf warten sie - auf eine schriftliche Einladung?", knurrte er. „Kommen sie her!"
Tamara stand betont langsam auf und schlenderte gemächlich auf ihn zu, was ihn tatsächlich noch ein wenig wütender zu machen schien.
Er nahm seinen Umhang ab, und warf ihn auf den nächstbesten Tisch.
„Ich werde mir zunächst ein Bild davon machen, auf welchem Niveau sich ihre Fähigkeiten bewegen", sagte er abfällig. „Noch habe ich Hoffnung, dass sie in Verteidigung nicht ganz so grottenschlecht sind, wie im Zaubertränkebrauen."
„Vielen Dank, Professor, dass sie noch Hoffnungen in mich setzen", sagte Tamara. „Ich bin gerührt!"
„Hören sie auf zu faseln, und holen sie ihren Zauberstab hervor", sagte Snape kühl. „Ich werde sie angreifen, und sie versuchen, sich zu verteidigen."
Sekunden später lag Tamara rücklings auf dem Boden.
„Sie hätten mich wenigstens warnen können, dass es los geht", schimpfte sie, als sie sich wieder hochgerappelt hatte.
„Wieso denn - sie haben das doch auch so gemerkt", sagte Snape mit boshaftem Grinsen.
Den nächsten zwei Flüchen konnte sie ausweichen, einen dritten abwehren, der vierte erwischte sie wieder, zwar nicht frontal, aber dennoch stark genug, um sie umzuwerfen.
„Könnten sie es eventuell ein wenig langsamer angehen lassen, Professor?", fragte sie während sie sich die schmerzende Schulter rieb.
„Noch langsamer?", fragte Snape ungläubig.
„Ja - und es wäre nett, wenn sie mir auch was erklären könnten, und mich nicht nur andauernd umpusten", motzte Tamara.
„Wie gesagt - ich teste zunächst einmal, wie weit sie sind", sagte Snape. „Mit ihrer Reaktionsfähigkeit ist es ja scheinbar nicht besonders weit her."
„Ich habe wenig Übung in diesen offenen Duellen", sagte Tamara entschuldigend.
„Aha..., wofür brauchen sie die beiden nachträglichen UTZe eigentlich", fragte Snape. „Dumbledore erwähnte, sie wollen eine Art Zusatzausbildung machen - worin, wenn ich fragen darf?"
„Als Aurorin!", sagte Tamara.
Snape sah sie einen Augenblick verblüfft an, bevor in hämisches Gelächter ausbrach.
„Da kommen ja harte Zeiten auf die Schwarzmagier dieser Welt zu", sagte er boshaft grinsend.
„Sind eigentlich alle Flüche erlaubt, bei so einem Duell?", fragte Tamara mit zusammengekniffenen Augen.
„Alle, bis auf die drei unverzeihlichen", sagte Snape, „aber bei ihrem Tempo dürfte das keine große Rolle spielen, welchen sie verwenden."
„Expelliarmus!", rief Tamara ohne Vorwarnung.
Snape reagierte sehr schnell. Er wehrte den gleißenden Blitz rechtzeitig mit einem Schildzauber ab.
„Netter Versuch!", sagte er spöttisch, bevor er einen Stupor auf sie losließ.
So ging es noch eine Weile weiter, mit Snapes Test, bei dem Tamara, trotzdem sie sich ziemlich verausgabte, zwischendurch immer wieder unsanft auf dem Boden landete. Sie war mittlerweile fast am Ende ihrer Kraft, zumal Snape ihr keine einzige Verschnaufpause gönnte.
Nachdem sie bei dem Versuch, einem Petificus Totalus auszuweichen unglücklich über ihre eigenen Füße gestolpert war, blieb sie zunächst entkräftet liegen, in der Hoffnung, Snape würde dann vielleicht endlich merken, dass sie genug hatte.
Tatsächlich schlenderte er langsam auf seine am Boden liegende Schülerin zu, als sie nicht wieder hochkam.
„Na was ist den los, Miss Nachwuchs-Aurorin?", sagte er betont mitleidig. „Hat sie der Mumm nun endgültig verlassen?"
Tamara, drehte sich auf den Bauch, und richtete unauffällig die Spitze ihres Zauberstabes, der unter ihrem Arm und der Flut ihrer Haare verborgen war, auf Snape aus.
„Bitte, Professor Snape...!", sagte sie flehend, während sie mit großen, traurigen Augen zu ihm aufblickte.
„Na was denn, Miss Ogareff, wollen sie etwa schon aufhören?", fragte Snape belustigt, der etwa zwei Meter vor ihr stehen geblieben war, und nun abschätzig auf sie herunter sah.
„Sadérschka!", flüsterte Tamara.
Zwischen ihren schwarzen Strähnen schoss ein flammendroter Lichtstrahl hervor, der den unvorbereiteten Snape in der Mitte des Oberkörpers traf.
Das überhebliche Grinsen, das eben noch sein Gesicht geziert hatte war immer noch ansatzweise vorhanden - es wirkte nur etwas festgefroren. Und nicht nur das Grinsen, der ganze Mann stand steif und starr da - lediglich die wütend funkelnden Augen schienen lebendig zu sein.
Geschmeidig erhob sich Tamara vom Boden, und ging mit einem unheilverkündenden Lächeln auf ihn zu.
„Er-wi-ischt!", sagte sie hämisch, und zupfte lässig den Zauberstab aus seiner leicht angehobenen Hand. „Verbindlichen Dank!", flötete sie, machte eine kleine Verbeugung, und warf den Stab auf den nächsten Tisch.
„Auch das ist eine kleine Spezialität aus meiner alten Heimat - wir haben nicht nur Kohlsüppchen, nein...!", sagte sie schmunzelnd. „Es ist so eine Art Lähmfluch, nur das er nicht völlig lähmt, sondern nur die Bewegungen erheblich verzögert. Es gehört allerdings ein sehr starker Wille dazu, sich unter diesem Fluch noch zu bewegen."
Sie stellte sich direkt vor ihn, und sah ihm interessiert ins Gesicht.
„Aber sie haben einen äußerst starken Willen, wie's aussieht", sagte sie beeindruckt. „Vorhin, in dem Moment, als ich sie erwischte, grinsten sie noch so schadenfroh - jetzt ist kaum mehr was davon zu sehen. Respekt!"
Sie ging noch näher an ihn heran.
„Es ist ein bisschen, wie im Traum - wenn man laufen möchte, und kommt einfach nicht von der Stelle", sagte sie mit einschmeichelnder Stimme. „Kennen sie das, Professor?"
Sie hob langsam die Hand, und führte sie zu seinem Gesicht. Er folgte ihrer Bewegung entsetzt mit den Augen.
Vorsichtig, mit den Spitzen ihres Zeige- und Mittelfingers nahm sie eine Strähne seiner Haare auf, und strich sie aus der Stirn.
„Es ist ein Scheiß-Gefühl, so ausgeliefert zu sein, nicht war?", flüsterte sie, und fuhr mit den Fingerspitzen an seiner Schläfe entlang, die Wange herunter, bis zum Hals.
„Ich weiß, sie würden mich jetzt gern erwürgen - aber glauben sie mir, das würde Stunden dauern", sagte sie lächelnd.
Ihre Finger waren mittlerweile bei seiner Kehle angekommen - ohne sie wegzunehmen ging sie ein Stückchen um ihn herum, so das sie seitlich neben ihm zum stehen kam.
Snapes Augen folgten ihr, soweit sie konnten.
„Denken sie mal darüber nach, was ich jetzt alles mit ihnen machen könnte, ...Sir", hauchte sie ihm ins Ohr. „Oder ist es in dieser Situation nicht angebracht, Sir zu sagen - sollte ich sie vielleicht lieber Severus nennen, solange sie mir ausgeliefert sind?"
Er verdrehte die Augen, dass die Pupillen kaum noch zu sehen waren.
Sie ging ein paar Schritte weiter, und stand nun direkt, Körper an Körper, hinter ihm, die Finger immer noch locker auf seinem Hals liegend.
Langsam ließ sie ihre Hand auf seine Schulter gleiten, und begann, ihn sanft zu massieren.
„Sie wirken etwas verspannt, Severus", raunte sie. „Was kann man dagegen nur tun...?"
Mit den Fingern die Line seiner Schultern entlangstreichend, bis zum Nacken, wechselte sie nun auf seine andere Seite, wo Snapes glühende, schwarze Augen sie wieder in Empfang nahmen.
Seine Hand war mittlerweile ein deutliches Stück höher gewandert.
Tamara strich mit den Fingerspitzen von seinem Nacken, über die Schulter, den Arm entlang, bis zu dieser Hand.
„Sie machen Fortschritte!", sagte Tamara anerkennend. „Wenn ich sie hier stehen lassen würde, würden sie es glatt bis zur Tür schaffen - in ein bis zwei Tagen."
Sie ging elegant um seinen erhobenen Arm herum, mit den Fingern auf seiner Hand verweilend, als würden sie miteinander tanzen.
„Wissen sie, Severus, das Gemeine an diesem Fluch ist, dass er, obwohl er einen nicht völlig lähmt, dafür umso länger anhält", sagte sie bedauernd.
Sie stellte sich wieder direkt vor ihn - zu nah, wie seine Augen ihr deutlich mitteilten.
„Ich glaube, ich werde jetzt einmal testen, wie hoch ihr Niveau ist, und ihre Reaktionsfähigkeit", sagte sie boshaft.
Noch einmal strich sie mit dem Handrücken zärtlich über seine Wange.
„Ich werde gleich ihre Jacke aufknöpfen - ganz langsam, Knöpfchen für Knöpfchen - danach ihr Hemd, und zum Schuss die Hose", sagte sie mit einem diabolischen Lächeln. „Wenn sie meine Hand festhalten können, bevor sie völlig im Freien stehen, sind sie wirklich gut!"
Snapes Augen traten fast aus den Höhlen, als sie gleich darauf anfing, mit einer Hand den obersten Kopf seiner Jacke zu öffnen.
Als sie mit der Jacke fertig war, hatte er es geschafft, seine Hand bis auf circa zwanzig Zentimeter der ihren zu nähern.
„Oh - oh, ich glaube, ich muss mich ein bisschen beeilen, wenn ich noch was zu sehen kriegen will", meinte Tamara nach einem Seitenblick belustigt.
Als sie sein Hemd bis zur Hälfte der Brust aufgeknöpft hatte, begann Snape vor Anstrengung zu zittern, war aber dafür bereits bei zehn Zentimetern.
Beim letzten Hemdknopf angekommen, zog sie den Stoff leicht auseinander und fuhr mit ihren Fingernägeln in Schlangenlinien vom Brustbein über den Bauch hinunter, bis zum Hosenbund.
„Finale!", sagte sie verheißungsvoll, und sah ihm mit einem unverschämten Lächeln in die zornfunkelnden Augen.
Auf Snapes Stirn erschienen feine Schweißperlen, als sie den ersten Knopf der Hose aufknöpfte, und er berührte ihre Hand.
Nachdem sie den zweiten Knopf geöffnet hatte, legte sich seine Hand langsam um ihr Handgelenk.
Bevor sie den dritten Knopf öffnen konnte schlossen sich seine Finger wie ein Schraubstock um ihr Gelenk, und machten jede weitere Handbewegung unmöglich.
„Sie Spielverderber!", raunte Tamara. „Und jetzt lockern sie, so schnell, wie sie nur können ihren Griff! Ich halte immer noch meinen Zauberstab in der anderen Hand, und ich werde ihn einsetzen, wenn sie mir weiter weh tun."
Der Schmerz in ihrem Handgelenk, wurde langsam schwächer.
„So ist es brav, Severus!", zischte Tamara. „Und jetzt hören sie mir gut zu - ich werde den Fluch gleich aufheben, und danach werde ich wieder ganz ihre folgsame Schülerin sein, und sie Sir nennen - unter einer Bedingung: Sie werden einen magischen Vertrag mit mir eingehen, in dem sie mir erstens zusichern, mich weder umzubringen, noch zu foltern, noch rauszuwerfen, und zweitens versprechen, mir weiter wie geplant Unterricht zu erteilen. Das ganze werde ich vorsichtshalber mit ein bisschen Zauberstabgefuchtel absichern, und ein paar nette Konsequenzen für den Fall eines Vertragsbruchs einbauen, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Ich nehme an, sie haben alles verstanden?"
Sie hob ihren Zauberstab und murmelte ein paar Worte in einer ihm fremden Sprache, woraufhin winzige silberne Funken aus der Spitze stoben, und auf die beiden niedersanken.
„So - fertig!", sagte Tamara. „Ich gebe ihnen mein Wort, bei meiner Hexenehre, dass ich sie nicht bescheiße, Severus. Wenn sie dem Vertrag zustimmen, drücken sie noch mal meine Hand."
Nichts passierte.
„Ach ja - und wenn nicht, lasse ich sie hier stehen, und schaue morgen früh wieder vorbei", sagte Tamara lächelnd.
Snape drückte ihr Handgelenk.
„Sehr vernünftig!", lobte Tamara. „So - und jetzt lassen sie mich los, dass ich ein Stück zurücktreten kann."
Er hielt sie weiter fest.
„Na schön..", seufzte Tamara, „ich verstehe ja, dass sie mich nicht gehen lassen wollen."
Sie trat so weit zurück, wie es Snapes Griff zuließ und hob ihren Zauberstab.
„Und eines noch, Professor Snape, bevor ich sie erlöse", sagte sie seidig, „versuchen sie nie wieder mich zu demütigen - das können sie sich ganz ohne Magie, schlicht und einfach hinter die Ohren schreiben!"
Sie richtete ihren Zauberstab auf seine Brust.
„Oswoboschdénije!", murmelte sie leise.
Snapes freie Hand schoss vor und packte sie an der Kehle.
Einen Moment lang sah es so aus, als wolle er sie tatsächlich umbringen. Dann schien er sich an den eben geschlossenen Vertrag zu erinnern, und lockerte den Griff etwas.
„Dafür werden sie büßen!", sagte er heiser vor Zorn.
„Das war's mir wert!", ächzte Tamara angestrengt.
Sie schielte auf sein noch immer vor der Brust aufklaffendes Hemd.
„Ich helfe ihnen gerne beim Anziehen, Sir, wenn sie dafür meinen Hals loslassen", krächzte sie.
„Wenn sie es noch einmal wagen sollten, mich anzurühren, werde ICH ihnen ein paar Spezialitäten vorführen", zischte Snape drohend, ließ sie aber los, und wandte sich ab, um seine Kleidung zu schließen.
Anschließend holte er seinen Zauberstab vom Tisch und nahm wieder Aufstellung.
„Und jetzt werde ich meinen Teil dieses Vertrags erfüllen, und ihnen weiter Unterricht geben", sagte er kalt. „Machen sie sich bereit."
Im weiteren Verlauf des Nachmittags wurde Tamara deutlich bewusst, dass er bei den anfänglichen Duellen - vor ihrer Lähm-Aktion - weit unter seinen Möglichkeiten geblieben war.
Jetzt jedoch, hatte er jede Zurückhaltung abgelegt. Er erwischte sie ein ums andere mal, und sie hatte kaum Gelegenheit überhaupt einen Gegenfluch anzubringen, geschweige denn ihn richtig zu platzieren.
Irgendwann hörte sie auf, mitzuzählen, wie oft er sie bereits von den Füßen gefegt hatte.
Und nicht nur das - er hatte sie unter anderem tanzen lassen, ihr den Kitzelfluch verpasst, ihr unterschiedlichstes Getier auf den Hals gehetzt, sie gefesselt und gelähmt - mit anderen Worten - er hatte scheinbar sein ganzes Repertoire durchgeflucht.
Am späten Nachmittag gab es keine Stelle an ihrem Körper, die nicht schmerzte.
Als sie zum wiederholten Male unsanft auf dem Rücken landete, blieb sie einfach liegen.
„Stehen sie auf, Miss Ogareff!", blaffte Snape sie an.
„Ich kann nicht mehr", keuchte Tamara.
Er kam langsam auf sie zu, behielt aber dabei sorgfältig ihren Zauberstab im Auge.
„Können wir aufhören?", ächzte Tamara.
„Vielleicht - wenn sie es nett genug formulieren", sagte Snape ölig.
„Könnten wir für heute mit dem Unterricht aufhören, Sir?", sagte Tamara tonlos. „Bitte!"
„Schön!", sagte Snape aufgeräumt. „Morgen, Neun Uhr, Kerker - und vergessen sie nicht, ihre Hausaufgaben zu machen."
Nach einem letzten zufriedenen Blick auf seine regungslos daliegende Schülerin, warf er seinen Umhang über und rauschte aus der Halle.
Nach einer Weile rappelt Tamara sich mühsam hoch, und schlurfte ebenfalls hinaus.
Sie war in einem der Gästezimmer im zweiten Stock untergebracht. Der Weg dorthin erschien ihr plötzlich unerträglich lang.
In ihrem Quartier angekommen, schälte sie sich zunächst einmal vorsichtig aus ihrer Kleidung, wobei sie feststellen musste, das diese teilweiße zerrissen war, und an manchen Stellen auch Brandspuren aufwies.
Als sie alles ausgezogen hatte, stellte sie sich vor den Spiegel, um die tieferliegenden Schäden zu begutachten.
Sie hatte diverse Schürfwunden an den unterschiedlichsten Stellen, ihr Haar war an manchen Stellen angesengt, und wie die unzähligen Prellungen und Blutergüsse morgen aussehen würden, daran wollte sie nicht einmal denken.
Während sie unglücklich ihr Spiegelbild anstarrte, überrollte sie plötzlich eine heiße Welle der Wut auf den Mann, der sie so verunstaltet hatte.
Wenn er sie nicht so herablassend behandelt hätte, wäre es nie so weit gekommen, dass sie ihn angegriffen hätte. Dieser verdammte Bastard hatte eine Art, zu provozieren, die sie einfach aus der Haut fahren ließ.
Und dies war erst der erste Tag der Sommerferien gewesen. Sie würde es noch acht Wochen lang mit ihm aushalten müssen.
Seufzend beschloss sie, ihren schmerzenden Körper mit einem heißen Bad, und einem Glas Wein zu betäuben.
Als sie das erste Bein mühsam über den Wannenrand gehoben hatte, klopfte es an der Tür.
Ächzend, und fluchend zog sie das Bein wieder zurück, wickelte sich in ein Handtuch und humpelte zur Tür.
Draußen stand ein Hauself, der ihr ein Glasgefäß entgegenstreckte.
„Ähm, Miss Ogareff, Madam, Professor Snape schickt mich", wisperte der Elf. „Er sagt ich soll ihnen das hier geben, Madame, zum Einreiben, damit sie morgen nicht aussehen, wie ein gefleckter Schnarchknarl, Madame."
„Oh - wie aufmerksam von ihm", sagte Tamara überrascht, und nahm das Gefäß entgegen.
„Könntest du ihm bitte meinen Dank ausrichten und eine kleine Nachricht überbringen?", fügte sie lächelnd hinzu.
„Selbstverständlich, Miss Ogareff, Madame!", sagte der Elf und verbeugte sich.
„Richte Professor Snape bitte aus, dass ich jetzt gleich ein Schlückchen Wein in meiner Badewanne trinken werde", sagte Tamara, „wenn der Professor möchte, darf er mir dabei Gesellschaft leisten - und danach könnte er mir höchstpersönlich beim Auftragen dieser Tinktur behilflich sein."
„Aber Madame...,", sagte der Elf verzweifelt, „soll ich das alles wirklich sagen, zu Professor Snape?"
„Aber ja!", sagte Tamara streng. „Wort für Wort!"
„Da wird er ganz schön wütend werden, der Professor Snape...", murmelte der Elf, als er nach einer letzten Verbeugung davon trottete.
Als Tamara kurz darauf in ihrer Wanne lag, und die Schmerzen im heißen Wasser tatsächlich ein wenig nachließen, rekapitulierte sie noch einmal jede Einzelheit ihres Etappensieges über Snape.
Bei der Situation mit den Knöpfen angekommen beschloss sie grinsend, dass es vielleicht doch nicht so schlimm war, die nächsten zwei Monate mit ihm zu verbringen.
Am nächsten Morgen, kurz vor neun, war Tamara auf dem Weg in den Kerker.
In ihrem Bauch machte sich ein etwas mulmiges Gefühl breit.
Sie hatte verschlafen, und es nicht mal geschafft, eine Tasse Kaffee zu sich zu nehmen, geschweige denn, etwas zu essen.
Obendrein würde sie Snape gleich ohne die von ihm geforderte schriftliche Abhandlung gegenübertreten müssen. Auch auf die Rezepturen der beiden Tränke, die sie heute herstellen würde, hatte sie sich nicht vorbereitet.
Das alles lag daran, dass sie gestern sehr lang in der Wanne liegen geblieben, und - anstatt eines Abendessens - noch eine ganze Menge Wein zu sich genommen hatte.
Danach war sie einfach nicht mehr fähig gewesen, einen halbwegs klaren Gedanken zu fassen.
Sie hatte es lediglich noch geschafft, Snapes Heilsalbe auf die geschundenen Stellen ihres Körpers aufzutragen, die einen angenehm kühlenden Effekt hatte, und die Schmerzen nahezu zum Verschwinden gebracht hatte.
Anschließend hatte sie sich ins Bett gelegt, mit dem festen Vorsatz, nur ein kleines Bisschen zu schlafen, und sich dann an ihre Hausaufgaben zu machen.
Um Viertel vor neun am nächsten Morgen war sie wieder aufgewacht - soviel zu festen Vorsätzen.
Snape würde sie sicher niedermachen!
Nach ihrer gestrigen Vorstellung war er vermutlich ohnehin alles andere als gut auf sie zu sprechen.
Punkt neun schlich sie ins Zaubertränkeklassenzimmer und setzte sich vorsichtig auf ihren Platz.
Snape, der hinter seinem Pult stand, und schon wieder in irgendeinem dicken Buch las, ignorierte sie.
„Guten Morgen, Professor Snape", sagte Tamara höflich. „Ich habe die Türe heute schon geschlossen, Sir... leise, Sir!"
Snape sah noch eine ganze Weile in das Buch bevor er den Kopf hob.
„Wollen sie damit etwa andeuten, sie wären tatsächlich lernfähig, Miss Ogareff?", sagte er skeptisch.
„Ich bin sogar ganz sicher, das ich das bin..., Sir", sagte Tamara.
„Wir werden sehen...", murmelte Snape.
Er kam auf sie zu und streckte ihr die offene Hand auffordernd entgegen.
„Wollen sie mit mir tanzen, Professor?", sagte Tamara grinsend. „Ich fürchte, ich bin etwas unpässlich - bin gestern gestürzt, so ein bis fünfhundert mal."
„Ihren Aufsatz!", schnarrte Snape ungehalten.
„Oh..., ich fürchte es gibt da ein kleines Problem, Professor", sagte Tamara etwas kleinlaut, „es ist nämlich so..."
Snapes Augenbrauen wanderten in die Höhe.
„Na ja, ...ich wollte ihn ja schreiben, ehrlich, aber...", fuhr Tamara fort.
„Sie haben es aber dann doch unterlassen...?", schlug Snape vor.
„Ja! Es tut mir leid...", seufzte Tamara.
„Kann es sein, Miss Ogareff, dass sie die ganze Sache hier nicht ernst nehmen", sagte Snape leise und gefährlich ruhig, „und ich meine Zeit hier nur verplempere mit einer, nicht nur unfähigen, sondern auch noch impertinenten, überheblichen und eingebildeten Pseudoschülerin, die meint, es nicht nötig zu haben, sich nach den Anweisungen ihres Lehrers zu richten?"
„Nein - ich versichere ihnen, dass es nicht so ist", sagte Tamara schnell. „Ich bin mir durchaus nicht zu schade, mich danach zu richten, bitte glauben sie mir - aber gestern war ich einfach nicht mehr fähig, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Ich war fix und fertig. Sie haben mich geschafft..., Sir."
„Sie waren immerhin noch fähig, mich in ihre Badewanne einzuladen", sagte Snape mit zusammengekniffenen Augen, „da müsste es doch für das bisschen Hausaufgaben locker gereicht haben."
„Wären sie meiner Einladung nachgekommen, hätten sie gesehen, dass ich zu gar nichts mehr imstande war", sagte Tamara verschmitzt lächelnd.
„Sie haben sich also auch nicht auf die beiden Tränke vorbereitet?", sagte Snape streng.
„Nein - das einzige, das ich noch getan habe war, mich mit ihrem Wundermittel einzuschmieren. Und das hat gedauert! Sie glauben gar nicht, wo ich überall lädiert bin", fügte sie mit einem vorwurfsvollen Blick hinzu.
„Ich tendiere zu der Meinung, dass sie das durchaus verdient haben", sagte Snape kühl.
„Wenn das so ist, danke ich ihnen ganz besonders für die Salbe", sagte Tamara. „Das war wirklich sehr fürsorglich von ihnen."
Snape sah sie skeptisch an.
„Warum haben sie das eigentlich getan?", fragte Tamara neugierig.
„Nur zur Vorbeugung", sagte Snape samtig. „Heute Nachmittag machen wir weiter mit Verteidigung, und ich möchte vermeiden, das sie jedes Mal vor Schmerzen schreien, wenn sie umfallen."
Tamara wurde etwas blass bei der Vorstellung, dass der heutige Nachmittag ähnlich wie der gestrige enden könnte.
„So, Miss Ogareff, sie stecken jetzt ihre Nase in die Bücher", sagte Snape. „Ich bin um elf wieder hier. Dann will ich ihre Zusammenfassung auf meinem Pult liegen sehen, und ich erwarte, dass sie die beiden Rezepturen auswendig können. Anschließend werden sie dann die zwei Tränke herstellen - und wenn sie sich dabei ein bisschen beeilen, haben sie möglicherweise sogar noch Zeit, ein kleines Päuschen einzulegen, bevor es um zwei Uhr mit Verteidigung weitergeht."
„Alles klar!", sagte Tamara seufzend. „Aber dürfte ich sie vielleicht noch um etwas bitten, Sir?"
„Nämlich?", sagte Snape unwirsch.
„Ich hatte keine Zeit zu frühstücken, Sir, könnte ich vielleicht...", sagte Tamara vorsichtig.
„Ist das mein Problem?", blaffte Snape sie an.
„Bitte, bitte, Sir..., ich flehe sie an, Sir!", säuselte Tamara. „Außerdem fällt verhungern lassen unter Folter, und das dürfen sie laut Vertrag nicht", fügte sie aufsässig hinzu.
Ein Blick in Snapes Augen zeigte ihr, dass es eventuell keine so gute Idee gewesen war, ihn an diesen Vertrag zu erinnern.
„Na schön, dann essen sie was!", bellte er. „Aber wenn sie es wagen sollten, mir meinen Unterrichtsraum vollzukrümeln, dann lasse ich sie hier putzen, völlig unmagisch, auf den Knien herumrutschend."
„Ich verspreche feierlich, nur völlig unkrümelige Sachen zu mir zu nehmen, Sir", flötete Tamara.
Nach einem letzten grimmigen Blick auf seine Schülerin rauschte Snape hinaus.
Als er knapp zwei Stunden später den Raum wieder betrat, scheuchte er Tamara sofort zum Zutatenschrank, und befahl ihr, den ersten der beiden Tränke zuzubereiten.
Er selbst vertiefte sich in ihre schriftliche Arbeit, die er auf seinem Pult vorfand.
Darum entging es scheinbar auch seiner Aufmerksamkeit, dass Tamara, bei der Auswahl der Trankzutaten, anstatt der passierten Lurchleber, eine andere Flasche erwischt hatte.
Er sah erst in dem Moment hoch, als sie die tiefrote, zähe Flüssigkeit dem Trank zufügte, was ein verdächtig zischendes Geräusch verursachte.
„Was zum Teufel...", fauchte er zornig.
Er sprang auf und stürzte zu dem Kessel.
„WEG DA!", schrie er und riss Tamara am Arm unsanft zurück.
Trotzdem Snape das Feuer unter dem Kessel sofort löschte, und versuchte mit diversen Zaubersprüchen Schlimmeres zu verhindern, schien der Trank eine unheimliche Eigendynamik zu entwickeln.
Der Kessel begann bedrohlich zu vibrieren. Ein seltsam blubberndes Geräusch, das immer lauter zu werden schien, erfüllte den Raum, begleitet von einer Wolke übel riechenden Qualms, der sich langsam ausbreitete.
Kurz darauf trat das brodelnde Gebräu über den Rand des Kessels, und lief unaufhaltsam auf den Schülertisch und von dort auf den Boden.
Entsetzt starrte Tamara auf die Bescherung, die sie angerichtet hatte.
Nach einer Weile schien das Ganze glücklicherweise doch zum Stillstand zu kommen.
Snape richtete seinen Zauberstab auf die glibberige, rotbraune Masse, woraufhin das meiste davon verschwand, allerdings wie es schien nicht rückstandslos. Ein dünner Film zog sich zunächst wie Kaugummi, und blieb dann schließlich mit einem schnalzenden Geräusch auf Kessel, Tisch und Boden kleben.
Snape schwang weiter murmelnd den Zauberstab, woraufhin ein großer, gefüllter Eimer auf dem Tisch erschien.
Als Tamara sich strecke, um einen vorsichtigen Blick auf den Inhalt zu werfen, klatschten ein Putzlumpen und eine Bürste hinein, und sie wurde von oben bis unten nass gespritzt.
Danach marschierte Snape zu einem der Schränke und kehrte mit einem Paar dicker, langer Lederhandschuhe zurück, die er vor Tamara auf den Tisch warf.
„PUTZEN!", schnauzte er sie an.
„Kann man das nicht doch mit Zaubern wegmachen?", fragte Tamara angewidert.
„SIE werden diese Sauerei beseitigen!", knurrte Snape. „Vielleicht trägt das dazu bei, dass sie beim nächsten Mal genau hinschauen, was sie aus dem Schank nehmen."
„Es tut mir wirklich leid...", sagte Tamara zerknirscht. „Aber immerhin hat das Zeug gar nicht gekrümelt."
„Putzen sie endlich!", sagte Snape barsch.
„Bitte - das ist gemein - wenn's doch auch anders geht", sagte Tamara, und warf ihm einen trotzigen Blick zu.
„Gemein wäre, wenn ich sie ohne Handschuhe putzen ließe", sagte Snape mit einem drohenden Unterton. „Sie können gerne einmal ausprobieren, wie das Gebräu auf ihre bloße Haut wirkt."
Resigniert schnappte sich Tamara die Handschuhe und machte sich an die Arbeit.
Der Trank erwies sich als äußerst hartnäckig.
Fluchend schrubbte sie mit der Bürste an den Rückständen herum, wogegen ihre, noch von gestern geschundene Muskulatur heftig rebellierte.
Snape war zu seinem Pult zurückgekehrt, wo er sich vordergründig wieder mit dem Aufsatz beschäftigte. Tatsächlich war er jedoch hauptsächlich in den Anblick seiner auf dem Boden herumkriechenden Schülerin versunken, der ihn mit großer Genugtuung erfüllte.
Außerdem kam er nicht umhin, bei dieser Gelegenheit festzustellen, dass sie ein äußerst wohlproportioniertes Hinterteil vorzuweisen hatte.
Er gratulierte sich still und vergnügt zu der genialen Idee, das eingedickte Feuersalamanderblut unauffällig vor die Lurchleber gestellt zu haben.
Nachdem sie mit dem Putzen endlich fertig war, begann Tamara noch einmal von Vorne, mit der Herstellung des Trankes.
Snape schenkte ihr während der ganzen Prozedur keine Beachtung. Erst als sie fertig war, kam er, das Ergebnis zu begutachten, an dem er natürlich wieder einiges auszusetzen hatte.
Nachdem er etwas herumgemäkelt hatte, ließ er sich jedoch zu der Bemerkung herab, dass der Trank mit viel gutem Willen gerade noch als ausreichend zu bezeichnen war.
„Da bin ich aber wirklich froh, dass sie mir so wohlwollend gegenüberstehen", sagte Tamara ironisch.
„Sie sollten sich das Blabla sparen, Miss Ogareff, und mit der nächsten Rezeptur beginnen", schnarrte Snape.
Während sie den zweiten Trank herstellte, verfolgte Snape eine neue Taktik - er stellte sich direkt vor den Tisch, und ließ sie keine Sekunde aus den Augen.
Und fast an jedem der Arbeitsschritte die sie ausführte, hatte er etwas auszusetzen:
„Sie haben sich eben verzählt, Miss Ogareff!"
„Da steht fein schaben, und nicht grob hacken, Miss Ogareff!"
„Rühren sie bloß nicht wieder verkehrt herum, Miss Ogareff!"
„Wenn sie die Wurzel nicht ein bisschen schneller schneiden, sitzen sie morgen noch da, Miss Ogareff!"
„Sie müssen zuerst die Misteln beigeben, und dann die gehackten Schnecken, Miss Ogareff - können sie nicht lesen?
„Sie sollen die Tollkirschen nur zerdrücken, und nicht völlig zermatschen, Miss Ogareff!"
Während er sie fortwährend kritisierte, blieb seine Stimme gleichmäßig gelangweilt, als wolle er damit ausdrücken, dass es ohnehin sinnlos war, ihr etwas beibringen zu wollen.
Tamara biss die Zähne zusammen, und bemühte sich, trotz aufsteigender Wut, ihre Arbeit ordentlich zu tun.
„Sind sie auch wirklich sicher, das es Lurchleber ist, die sie da zufügen, Miss Ogareff?", sagte Snape, als sie die Zutat dem Trank beifügte - und es war definitiv Lurchleber.
„Sie nerven, Professor Snape!", platzte Tamara heraus.
„Geben sie mir keinen Grund, etwas zu bemängeln, und ich werde es lassen, Miss Ogareff", sagte Snape gleichmütig.
„Und noch was - könnten sie mit dem ewigen Miss-Getue aufhören? Das geht mir tierisch auf den Geist!", schnaubte Tamara.
„Wie würden sie denn gerne angesprochen werden, Gnädigste?", sagte Snape ölig.
„Sagen sie einfach Tamara! Oder würde sie das überfordern, Professor Snape, Sir?", sagte Tamara giftig.
„Das wäre nicht angemessen - schließlich sind sie meine Schülerin", sagte Snape. „Ihre früheren Lehrer haben sie doch sicher auch nicht beim Vornamen genannt - oder ist das so üblich in den Schulen von... eher unterentwickelten Ländern?"
„Der Lehrer, der mich zuletzt in Zaubertränke unterrichtete, nannte mich immer mein Täubchen - wollen sie das auch tun?", sagte Tamara treuherzig.
„Ich kann keine Gemeinsamkeiten, zwischen ihnen und einem Täubchen erkennen - passender wäre Tarantelchen, das hat zudem gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Namen?", sagte Snape trocken.
„Wow - sie haben ja tatsächlich so was ähnliches wie Humor", sagte Tamara anerkennend.
„Ich schätze, ich werde weiter bei Miss Ogareff bleiben", meinte Snape.
„Ich mache ihnen einen Vorschlag, Professor", sagte Tamara, „wenn es mir gelingt, sie im Verteidigungsunterricht auch einmal umzupusten, nennen sie mich dafür beim Vornamen."
Snape warf ihr einen skeptischen Blick zu.
„Trauen sie sich etwa nicht?", stichelte Tamara.
„Na schön, damit sie aufhören, zu nölen - nachdem dieser Fall äußerst unwahrscheinlich ist, stimme ich zu", sagte Snape schließlich herablassend.
„Und wenn ich es ein zweites mal schaffe, sie umzunieten, darf ich sie beim Vornamen nennen!", rief Tamara übermütig.
„Ja, in Ordnung - träumen sie weiter!", sagte Snape kopfschüttelnd. „Und jetzt sehen sie zu, dass sie fertig werden - Verteidigung geht gleich los!"
Einige Stunden später, lag Tamara schon wieder völlig fertig in ihrer Badewanne.
Snape hatte sie aber dieses mal nicht nur mit Flüchen drangsaliert, sondern ihr auch ein paar Fragen zu speziellen Verteidigungsmaßnamen, gegen alle möglichen magischen Geschöpfe gestellt, die sie scheinbar zu seiner Zufriedenheit beantwortet hatte. Erstaunlicherweise hatte er nicht herumgemeckert, wie vorher, im Zaubertrankunterricht.
Er hatte ihr auch ein paar Tipps gegeben, um ihre Reaktionsfähigkeit zu steigern, was aber bisher noch keine Früchte trug - sie landete nach wie vor bei jedem Duell früher oder später unsanft auf dem Boden.
Trotz der Vorsorge durch Snapes Balsam, war das heute wesentlich schmerzhafter verlaufen als gestern. Wenn das so weiter ging, würde sie am Ende der Woche nur noch kriechen können.
Und natürlich war es ihr nicht gelungen - nicht einmal annähernd - ihren Lehrer wie geplant bei einem Duell wegzuputzen.
Missmutig und ächzend stieg Tamara aus der Wanne.
Sie hatte diesmal wohlweislich keinen Alkohol zu sich genommen, denn es lag noch jede Menge Arbeit vor ihr.
Snape hatte ihr wieder Vorbereitungen für Zaubertränke, und auch noch eine ziemlich umfangreiche schriftliche Arbeit in Verteidigung aufgebrummt.
Es war schon fast Mitternacht, als sie schließlich die Feder aus der Hand legte und müde zu ihrem Bett wankte.
Die nächsten Tage verliefen relativ ereignislos.
Tamara achtete darauf, immer pünktlich zu sein, sie machte ihre Hausaufgaben, versuchte Snapes hohen Anforderungen im Bezug auf die Akribie bei der Zaubertrankherstellung zu entsprechen, strengte sich mordsmäßig an, um ihre Kenntnisse in Verteidigung zu vertiefen und übte fleißig, um ihre Reflexe zu schulen.
In all diesen Punkten hatte sie - ihrem Empfinden nach auch schon leichte Fortschritte gemacht - aber nichts desto trotz behandelte sie Snape immer noch mit der gleichen Geringschätzung wie zuvor.
Er erteilte ihr zu den von ihm festgesetzten Zeiten Unterricht - aber ansonsten behandelte er sie wie Luft.
Er aß nie mit ihr gemeinsam, und wechselt so gut wie nie ein privates Wort mit ihr.
Als er ihr am Samstag Mittag, nach dem Unterricht mitteilte, das er sie erst am Montag morgen wieder zu sehen wünsche, platzte Tamara der Kragen.
„Was habe ich ihnen eigentlich getan, Professor Snape?", fauchte sie. „Können sie mich nicht wie einen Menschen behandeln?"
„Wo käme ich da hin, wenn ich jetzt auch schon Schüler wie Menschen behandeln würde?", entgegnete Snape, und ließ sie stehen, ohne eine Antwort abzuwarten.
Den Rest des Tages bekam sie ihn nicht mehr zu Gesicht.
Weil es draußen regnete, und sie nichts unternehmen konnte, machte sie ihre Hausaufgaben und verbrachte den Nachmittag in der Bibliothek, um Bücher über Verteidigungsstrategien zu wälzen.
Sie war mehr denn je entschlossen, ihm seine ablehnende Haltung heimzuzahlen.
Abends saß sie alleine in der großen Halle beim Essen.
Da sie danach noch keine Lust hatte, gleich in ihr Quartier zurück zu gehen, beschloss sie, einen Spaziergang durch das Schloss zu machen.
Sie durch streifte die Gänge, und gelangte auf ihrer Tour nach längerer Zeit schließlich auch zum Astronomieturm.
Nachdem der Regen endlich aufgehört hatte, ging sie hinaus, trat an die Brüstung, und genoss den Ausblick und die frische, kühle Nachtluft.
Als sie sich nach einer Weile umdrehte, um wieder hinein zu gehen, traf sie fast der Schlag.
Im Schatten einer Mauer wenige Meter von ihr entfernt, stand eine schwarzgekleidete Gestalt, und beobachtete sie.
„Verdammt, Snape, sie haben mich zu Tode erschreckt!", schnappte sie.
„Hat leider nicht funktioniert, so wie's aussieht!", kam die Antwort aus dem Dunkel.
„Wieso stehen sie hier rum!", fauchte Tamara.
„Die Frage ist vielmehr - was haben sie hier zu suchen?", sagte Snape.
„Ich bin nur spazieren gegangen", verteidigte sich Tamara.
„Dann spazieren sie jetzt am besten wieder hinein, Miss Ogareff",, sagte er scharf.
„Wieso sind sie immer so unfreundlich zu mir?", sagte Tamara aufgebracht.
„Weil es keinen Grund gibt, freundlich zu sein", sagte Snape.
„Mögen sie mich nicht?", fragte Tamara.
„Nein!", sagte Snape grob.
„Warum nicht?", fragte Tamara gereizt.
„Das habe ich ihnen schon am ersten Tag erklärt", sagte Snape ausweichend.
„Ja, klar - weil ich ein Eindringling in ihrem achtwöchigen Einsamkeitstrip bin - aber ich bin nun mal hier!", sagte Tamara hartnäckig. „Warum machen sie nicht das Beste daraus?"
„Das tue ich bereits, Miss Ogareff", sagte Snape kühl.
„Wollen sie damit sagen, sie halten die Art, wie sie mit mir umgehen für normal?", fragte Tamara ungläubig.
„Durchaus!", sagte Snape knapp.
„Haben sie eigentlich schon mal was von Gastfreundschaft gehört?", fauchte Tamara.
„Sie sind kein Gast - sie sind eine Schülerin!", sagte Snape geringschätzig.
„Wenn sie mich unterrichten bin ich eine Schülerin - drei Stunden vormittags und drei Stunden nachmittags - ansonsten bin ich sehr wohl ein Gast!", schnaubte Tamara empört.
„Das ist Auslegungssache!", sagte Snape.
„Sie werden dem Ruf, der ihnen vorauseilt wirklich gerecht - ungenießbar und überheblich!", fauchte Tamara.
„Sie können den ganzen Zirkus jederzeit beenden, wenn sie damit nicht zurechtkommen", schlug Snape vor.
„Das könnte ihnen so passen!", zischte Tamara. „So leicht lasse ich mich nicht vergraulen - ich bin schon mit schlimmeren als ihnen fertiggeworden."
„Das wage ich zu bezweifeln", sagte Snape belustigt.
„Ich werde es ihnen beweisen, warten sie es ab", sagte Tamara mit Nachdruck. „Und dass ich mich außerhalb des Unterrichts wie eine Schülerin von ihnen behandeln lasse, können sie sich abschminken!"
„Was wollen sie denn dagegen tun?", fragte Snape grinsend.
„Oh - ich bin sehr einfallsreich, wenn es darum geht, meinen Kopf durchzusetzen - lassen sie sich einfach überraschen", meinte Tamara lässig.
Snape trat aus der dunklen Ecke einen Schritt auf sie zu.
„Bleibt abzuwarten, wer hier wen überrascht", sagte er, und verschwand nach einem letzten undefinierbaren Blick auf seine Widersacherin im Inneren des Schlosses.
Leise fluchend ging auch Tamara wieder hinein, und machte sich auf den Weg zu ihren Räumen.
Sie hatte genau im Kopf, welchen Weg sie nehmen musste, doch jedes Mal, wenn sie eine Treppe betrat schwenkte diese in eine andere Richtung, und setzte sie an einer völlig anderen Stelle als geplant wieder ab.
Nach zwanzig Minuten hatte sie völlig die Orientierung verloren, und war sich obendrein sicher, dass Snape hier die Finger im Spiel hatte.
Es kam auch sonst schon mal vor, dass eine Treppe die Richtung änderte, aber in dieser Häufigkeit war das Phänomen bislang noch nie aufgetreten.
Nach einer Stunde hatte sie es schließlich geschafft, im richtigen Stockwerk des richtigen Flügels zu landen.
Kurzfristig dachte sie daran, zu Snape in den Kerker zu gehen, und ihn zur rede zu stellen, aber vermutlich würde sie dafür wieder eine Stunde brauchen, und nach einer erneuten Wanderung durch das Schloss stand ihr absolut nicht der Sinn.
Also setzte sie diesen Punkt gedanklich auf die Liste, der Dinge, für die sie sich bei Snape rächen wollte, und kehrte in ihre Wohnung zurück.
Als Snape am nächsten Morgen flotten Schrittes aus seinen Privaträumen trat, landete er umgehend und äußerst unsanft auf dem Allerwertesten.
Der Boden des Korridors hatte sich in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelt.
Heftig fluchend sah Snape zu, das er wieder auf die Beine kam.
Das würde er diesem verwünschten Weib heimzahlen.
Tamara hatte am Morgen erleichtert festgestellt, dass die Treppen wieder normal zu funktionieren schienen.
Sie war sehr früh aufgewacht, und hatte in der Hoffnung, dass Snape sich noch in seinen Räumen aufhielt eine geniale Idee, die ihr in der vergangenen Nacht gekommen war in die Tat umgesetzt.
Sie hätte sich nur zu gern am Ende des Flurs postiert, um mitzuerleben, wie Snape mit dem Eis zurecht kam, aber das war ihr dann doch etwas zu gefährlich erschienen.
Statt dessen hatte sie nach einem ausgiebigen Frühstück beschlossen, das herrliche Wetter auszunutzen und zum See hinunter zu gehen um zu schwimmen.
Bei strahlendem Sonnenschein machte sie sich wenig später auf den Weg.
Am See angekommen, hielt sie Ausschau nach einem ganz bestimmten Platz, den ihr Dumbledore beschrieben hatte.
Schon nach kurzer Zeit fand sie ihn - es war eine Stelle direkt am Wasser, an der drei Trauerweiden so nah beieinander standen, dass das Ufer von den herabhängenden Zweigen völlig verdeckt war.
Tamara zog die Schuhe aus, schlüpfte aus dem leichten Sommerkleid und aus ihrer Unterwäsche, und versteckte alles zusammen mit dem Handtuch, das sie mitgebracht hatte, in einem Gebüsch.
Danach watete sie ein kleines Stück in den See hinein, und begann nach wenigen Metern zu schwimmen.
Sie schwamm in gerader Linie auf einen markanten Baum am weit entfernten, gegenüberliegenden Ufer zu, und zählte dabei die Schwimmzüge.
...hundertvierunddreißig, hundertfünfunddreißig, hundertsechsunddreißig... beim hundertsiebenunddreißigsten Schwimmzug erschien vor ihr wie aus dem Nichts eine kleine Insel, mit ein paar Bäumen und einem hübschen sandigen Uferstreifen.
Tamara ging an Land und streckte sich wohlig im warmen Sand aus.
Sie überließ sich der angenehmen Wärme der Sonnenstrahlen auf ihrem Körper und dem beruhigenden Geräusch der sanft plätschernden Wellen.
Kurze Zeit später war sie eingeschlafen.
Als sie erwachte, stand die Sonne hoch am Himmel und brannte mittlerweile ziemlich heiß auf sie herab.
Noch benommen vom Schlaf, beschloss sie, zur Abkühlung vorerst in den Schatten der Bäume zu flüchten.
Sie ging ein paar Schritte ins Innere der kleinen Insel hinein, bis sie einen geeigneten Baum gefunden hatte, der genügend Schatten spendete.
Sie setzte sich in das hohe Gras, das hier wuchs und lehnte sich mit dem Rücken an den Stamm.
Sie bedauerte, ihren Zauberstab nicht mitgenommen zu haben - denn sie bekam langsam ein wenig Durst - aber wo hätte sie den Stab unter diesen Umständen auch hinstecken sollen?
Noch ein wenig vor sich hindösend erinnerte sie sich lächelnd an die Begeisterung, mit der Dumbledore ihr von diesem kleinen Paradies berichtet hatte, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass das Plätschern der Wellen lauter geworden war.
Neugierig reckte sie den Hals, um über die hohen Grashalme hinwegsehen zu können, und konnte gerade noch einen überraschten Laut unterdrücken.
Am Ufer des Sees stieg gerade der Meister der Zaubertränke höchstpersönlich aus dem Wasser.
Tamara reckte den Kopf noch ein bisschen höher.
Auch er hatte scheinbar auf das Tragen von Badebekleidung verzichtet, es sei denn, da käme noch ein sehr knappes Höschen zum Vorschein.
Die nächsten ein, zwei Schritte würden es ans Tageslicht bringen.
...?
Nichts!
Heute war definitiv ihr Glückstag!
Und der Anblick, den ihr sonst so zugeknöpfter Lehrer hier bot, war absolut nicht zu verachten.
Tamara saß völlig unbeweglich, um ihn ja nicht auf sich aufmerksam zu machen.
Snape ließ sich in den Sand fallen - zum Glück ein paar Meter neben der Stelle, an der sie gelegen war, sonst hätte er womöglich noch ihre Fußspuren entdeckt - und streckte sich entspannt aus.
Eine ganze Weile genoss Tamara lediglich die Aussicht, bis sie schließlich doch zum Angriff überging.
So leise sie konnte, erhob sie sich und schlich langsam auf Snape zu.
Als sie am Rande der grasbewachsenen Fläche angekommen war, wo der sandige Abschnitt begann, hatte Snape noch immer nichts von ihrer Anwesenheit bemerkt, obwohl sie nur noch circa zwei Meter von ihm trennten.
Er hatte die Augen geschlossen, und lag völlig gelöst im warmen Sand.
Für einen kurzen Moment machte sich so etwas wie ein schlechtes Gewissen bei Tamara breit, dass sie ihn ohne sein Wissen in dieser intimen Situation beobachtete, aber als ihr wieder bewusst wurde, wie mies er sie die letzten Tage behandelt hatte, verflüchtigte sich dieser Rechtschaffenheitsanfall sehr schnell.
Langsam ging sie mit einigem Abstand an ihm vorbei und ließ sich mit äußerster Vorsicht ein paar Schritte von ihm entfernt, auf gleicher Höhe im Sand nieder.
Sie machte es sich im Schneidersitz bequem und räusperte sich dann dezent.
Snape fuhr augenblicklich herum, wie von der Tarantel gestochen, und rollte sich auf den Bauch - was auch kein uninteressanter Anblick war - bevor er eilig eine sitzende Stellung einnahm, welche die entscheidenden Stellen verdeckte.
Völlig entgeistert starrte er sie an.
„Hi, Professor!", sagte Tamara lieblich.
„Was zum Teufel tun sie hier?", sagte Snape tonlos und mit gefährlichem Blick.
„Das gleiche wie sie vermutlich - mit dem Unterschied, dass ich zuerst hier war", sagte Tamara.
„Woher wissen sie überhaupt...? ...Natürlich! Dumbledore!", knurrte Snape. „Das ist wirklich das Letzte!"
„Nehmen sie's nicht so tragisch - ich schau' ihnen schon nichts weg", sagte Tamara fröhlich.
„Sie verschwinden jetzt - und zwar sofort!", fauchte Snape.
„Nein!", sagte Tamara knapp.
„Wenn sie nicht auf der Stelle...", begann Snape zornig.
„Was tun sie dann?", sagte Tamara rebellisch. „Ersäufen sie mich im See? Graben sie mich im Sand ein? Oder haben sie etwa ihren Zauberstab dabei - das wäre genial, ich habe nämlich Durst."
Snape warf ihr einen jener berüchtigten Blicke zu, die seine Schüler so fürchteten.
„Schauen sie mich doch nicht so an", sagte Tamara vorwurfsvoll, „so... eisig", fügte sie grinsend hinzu. „Was mir gerade einfällt - war's eigentlich kühl im Kerker, heute morgen?"
„Und sie sind gut heimgekommen, gestern Nacht?", fragte Snape bissig.
„Ach - ich bin noch ein bisschen länger spazieren gegangen als geplant", sagte Tamara, lehnte sich seufzend zurück in den Sand, und streckte die Arme über dem Kopf aus.
Hastig drehte Snape sich weg.
„Probleme, Professor?", fragte Tamara amüsiert.
„Übertreiben sie es nicht, Miss Ogareff, ich warne sie", knurrte Snape.
„Na schön - dann gehe ich halt, wenn sie das unbedingt wollen", sagte Tamara.
Sie erhob sich, ging die paar Schritte zu Snape hinüber, und blieb direkt neben ihm stehen.
Ihr Schoß war nur ein paar Handbreit von seinem Kopf entfernt, und genau in Augenhöhe.
Snape schnaubte entrüstet und blickte stur geradeaus.
„Mache ich sie etwa nervös?", fragte Tamara.
„Verschwinden sie endlich!", sagte Snape gepresst.
„Wissen sie, was mir gerade durch den Kopf geht...?", sagte Tamara nachdenklich.
„Nein - aber es steht wohl zu befürchten, dass sie mir das gleich mitteilen werden", sagte Snape gereizt.
„Wir sind doch zwei erwachsene Menschen", sagte Tamara, „und beide ungebunden, und so wie's aussieht, werden wir die ganzen Ferien zusammen verbringen - da spräche doch eigentlich nichts dagegen, wenn wir ..., na ja,...ein bisschen Spaß miteinander hätten - sie wissen schon, was ich meine..."
Snape wollte ihr einen ungläubig-entsetzten Blick zuwerfen, blieb aber bereits im Ansatz bei ihrem dunklen, gelockten Schamhaar hängen, woraufhin er die Augen sofort wieder abwandte.
„Sind sie zu lange in der Sonne gelegen, Miss Ogareff?", sagte er statt dessen giftig.
„Nein - ich bin nur zulange bei keinem Mann mehr gelegen", erklärte Tamara.
„Und da kommen sie ausgerechnet auf mich?", sagte Snape zweifelnd.
„Die Auswahl ist nicht sehr groß hier, im Moment, oder?", sagte Tamara ironisch. „Aber selbst wenn ich die Wahl hätte, würde das nichts ändern."
Snape rutschte unbehaglich ein wenig von ihr weg.
„Gehen sie jetzt!", sagte er finster.
„Also gut!", sagte Tamara und ging drei Schritte in Richtung See, bevor sie sich wieder umwandte. „Schade ist das aber schon - der Sand ist so schön warm und weich...", fuhr sie mit einschmeichelnder Stimme fort.
„Verschwinden Sie!", fauchte Snape.
„Wenn sie mir versprechen, heute Abend mit mir zu essen, bin ich so gut wie weg", sagte Tamara lächelnd.
„Ich verspreche es", sagte Snape völlig entnervt, „wenn sie sich beeilen, wäre ich sogar bereit, es zu schwören!"
„Schön - ich freue mich schon! Um acht in der Halle? Oder sollen wir lieber bei mir dinieren?", sagte Tamara.
„Um acht in der Halle!", sagte Snape mit zusammengebissenen Zähnen.
„O.k.!", sagte Tamara, drehte sich um und ging wieder auf das Wasser zu.
Spürbar erleichtert sah Snape ihr nach, wobei er nicht umhin kam, ihre Rückseite äußerst appetitlich zu finden.
Sein verräterischer Körper allerdings hatte schon lägst festgestellt, das die Nähe dieser schönen, nackten Frau etwas völlig anderes als eine Belästigung darstellte - was er umgehend anhand einer beachtlichen Erektion unter Beweiß gestellt hatte, die Snape seit geraumer Zeit krampfhaft zu verbergen suchte.
Zum Glück verließ dieses verrückte Weib nun endlich die Insel, zudem er auch schon nahe daran war, sich einen Sonnenbrand zu holen.
Sie stand schon bis zu den Knien im Wasser, als sie sich nochmals umdrehte.
Snape seufzte gequält.
„Eine Frage noch, Professor", rief Tamara.
„WAS?", knurrte Snape.
„Sie stehen schon auf Frauen, oder?", fragte Tamara.
Snape sah sie entgeistert an, bevor er zornig die Augen verengte.
„Aber ja doch! Wie können sie es wagen, mir etwas anderes zu unterstellen!", blaffte er sie an.
„War ja nur eine Frage", sagte Tamara achselzuckend und watete weiter ins Wasser.
Kurz darauf begann sie zu schwimmen, und bald war ihr Kopf nur noch als kleiner dunkler Fleck in der Ferne zu sehen.
Befreit stand Snape auf und verschwand zwischen den Bäumen, einerseits um endlich aus der sengenden Sonne in den kühlenden Schatten zu kommen, andererseits um einem anderen, genauso dringenden, körperlichen Bedürfnis Folge zu leisten..."
Tamara war allerbester Laune, als sie an diesem Abend in die Halle hinunterging.
Sie hatte sich besonders sorgfältig zurecht gemacht - dezent geschminkt, die Haare hochgesteckt, Parfum aufgetragen - und trug ein langes, rotes Sommerkleid das ihre Figur schmeichelnd umspielte.
Mittels Magie hatte sie dann noch den Ausschnitt ein wenig tiefer rutschen lassen, und die Taille ein bisschen enger gemacht - scheinbar war sie durch den kräftezehrenden Unterricht ein paar Pfunde losgeworde