DIE FEE

       von Mercédes


      Über Euer Feedback freut sich: Mercédes





Die Charaktere Severus Snape und Albus Dumbledore sowie den am Rande erwähnten Lord Voldemort habe ich mir - wieder mal - von J.K. Rowling ausgeborgt (nochmal Danke, Danke, Danke, Joanne, ich will auch ganz lieb zu ihnen sein und ihnen nicht übermäßig wehtun), während die restlichen vier - auch wieder mal - auf mein Konto gehen (zu den „wieder-mal"s: siehe „Voldemorts Tochter").



(Eine Fiction, in der unser Zaubertrankmeister sein „blaues Wunder" erlebt und erfahren muss, dass es Formen des Übernatürlichen gibt, die auch den meisten Zauberern verborgen sind)



Severus Snape atmete lang und heftig aus, dann sah er noch einmal zweifelnd an sich hinunter: Toll siehst du aus, Snapie!, lobte er sich sarkastisch in Gedanken, Fast als ob du einen Besuch bei Voldemort hinter dir hättest. Tatsache war, dass Severus diesen „Besuch" tatsächlich gerade gemacht hatte. Und es war ein Wunder, dass er überhaupt noch lebte - Voldemort hatte offenbar seine helle Freude daran gehabt, ihn ein wenig mehr zu foltern als andere Spione und ihn dann praktisch tot liegenzulassen.

Er hatte keine Ahnung, wie er an die Grenze des magischen Kreises rund um Hogwarts apparieren hatte können und noch weniger wusste Severus zu sagen, wie er es geschafft hatte, sich in sein Schlafzimmer zu schleppen. Jetzt warf er sich - im wahrsten Sinn des Wortes todmüde - aufs Bett und schlief im nächsten Moment ein.

„Autsch!", mit einem lauten Schrei war er wieder erwacht, als er sich auf die Seite und somit auf seinen linken Arm, der eine einzige riesige Wunde war, gerollt hatte. Er fühlte sich noch immer halbtot, konnte aber keinen Schlaf mehr finden. Also stand Severus mühselig auf und zog sich mit dem rechten Arm ins Bad, wo er sich ein brennend heißes Bad einließ. Er merkte, dass durch das Blut und das Eiter aus unzähligen Wunden seine Kleider an seinem Körper festklebten, aber irgendwie schaffte er es, sich trotzdem herauszuschälen und in die Wanne sinken zu lassen. Das Wasser brannte furchtbar, aber Severus verzog nur die Lippen. Im Grunde nichts, gegen das von vorhin, dachte er böse.

In diesem Moment hörte er Schritte im Schlafzimmer.. vorsichtige, leise Schritte. Aber er hatte die Tür doch abgesperrt?! Und geklopft hatte es auch nicht! Allerdings war Severus zu müde, zu kaputt und zu abgekämpft, um darüber jetzt auch noch nachzudenken. Plötzlich ging aber die Badezimmertür auch noch auf und im Raum stand... ein Mädchen, oder besser gesagt, eine junge Frau, von deren Körper ein bläulicher Schimmer auszugehen schien. Ihre Haut war fast durchscheinend weiß und ebenfalls von dem überirdisch blauen Licht erfasst und sie trug ein wallendes weißes Kleid, das ihre sehr weibliche Figur deutlich unterstrich. „Wer... bist du?", stotterte Severus. Die junge Frau lachte kurz auf: „Kannst du dich wirklich nicht mehr an uns Feen erinnern?" - „Nein... sollte ich etwa?", fragte er leise. Die Fee sah in an: „Naja, du warst ja noch sehr klein damals... dein Vater wird es dir schon noch erzählen..." - „Mein Vater? Ich habe keinen... ich... ich... meine, ich bin ein Findelkind... vor dem Eingangsportal von Hogwarts ausgesetzt... Dumbledore hat mich großgezogen..."

Sie schüttelte den Kopf, ganz so, als wäre sie unzufrieden mit dem, was er erzählte, aber dann meinte sie nur: „Ich glaube, er wird es dir erklären... hoffentlich bald..." Severus wollte nachfragen, wer ihm was erklären sollte, aber sie schüttelte nur verneinend den Kopf. „Nein, Severus, ich habe jetzt nicht die Kraft, es dir zu sagen... es war schwer genug, dich hierher zu bringen." Er staunte nicht schlecht, als er das von ihr hörte, und doch wusste er, dass sie ihm nichts vorspielte, sondern dass das, was sie ihm sagte, die Wahrheit war. Dennoch fragte er, zaghaft geworden, nach: „Du warst das? Du hast mich... gerettet?" Sie nickte: „Deine Mutter hat mir, bevor sie... gegangen ist, den Auftrag gegeben, auf dich ein wenig aufzupassen... nur darum darf ich mich dir zeigen."

„Meine Mutter?" - „Dein Vater wird es dir erklären - nein, frag jetzt nicht nach!" - „Und... du meinst... normalerweise dürft ihr... Feen", es fiel Severus schwer, das Wort in den Mund zu nehmen, „nicht einfach so... einem Zauberer helfen... oder euch ihm zeigen?" Die Fee schüttelte traurig den Kopf und das schwarze Haar, das ebenfalls einen bläulichen Glanz hatte, fiel ein wenig durcheinander: „Nein, wir leben in einer anderen Welt als ihr... aber deine Mutter... sie... hat den Weg hierher gefunden und einen Sterblichen - einen Zauberer - deinen Vater geliebt... ich kann es dir genauso gut sagen... der Preis dafür war hoch: Sie konnte dich, das Zwei-Welten-Kind, nicht mit nach Hause nehmen... und die Sehnsucht nach ihrem Sohn und ihrem Geliebten hat sie schließlich in den Tod getrieben... in den Tod, dem wir Feen normalerweise nicht bestimmt sind..."

Severus starrte sie an. So traurig, wie sie jetzt war, wirkte sie noch schöner und anziehender als zuvor. Schon wollte er die Hand nach ihr ausstrecken, aber plötzlich überkam ihn Angst, dass sich dieses seltsame Wesen, das soviel über ihn zu wissen schien, dann verflüchtigen würde, dass sich die Fee vielleicht nur als Trugbild herausstellte. Dennoch wagte er eine Frage: „Und... mein Vater... wer ist es?" Sie sah ihn lange an: „Nun, was meinst du, warum Albus Dumbledore so einsam ist, Severus? Warum, glaubst du, hat er keine Frau, keine Gefährtin? Was meinst du, warum er dich wie einen eigenen Sohn behandelt?" Doch der Angesprochene war unfähig, ein Wort zu sagen, sondern starrte sie nur überrascht und verwirrt an. „Weil du sein Sohn bist, du Dummerchen", beendete die Fee den Satz.

Severus wagte jedoch, nachdem er den ersten Schock über diese Nachricht verdaut hatte, noch eine Frage: „Und du? Wer bist du... ich meine... wie heißt du?" - „Frage nie eine Fee nach ihrem Namen", flüsterte sie geheimnisvoll. Im nächsten Moment glitt ihr Kleid von ihren Schultern und fiel schließlich ganz zu Boden, um den Anblick ihres Körpers - mit einem verwirrten und verzauberten Blick stellte Severus fest, dass sie ohne irgendeinen Makel schön war - freizugeben. Die Fee lächelte ihn an, dann stieg sie zu ihm in die Badewanne. Seltsamerweise war das Wasser darin noch immer angenehm warm. Sie ließ sich auf die Knie nieder und ergriff seinen linken Arm. Severus schrie auf vor Schmerz, aber sie legte ihm beruhigend die Hand auf die Stirn, die fiebrig heiß war, und flüsterte Worte in einer Sprache, die er nicht verstand und doch zu kennen schien. Nach einiger Zeit konnte er die Sprache der Feen, die er in seiner frühesten Kindheit immer gehört hatte, wieder verstehen: „Sei ruhig, Severus, bleib ruhig. Ruhe, Entspannung, komm, dring vor in die Abgründe deiner Seele, beseitige die Monster, die darin hausen, dann wirst du vollständig ruhig werden können. Sei stark, Severus, suche und finde deine Kraft, die Kraft der Heilung, der dein geschundener Körper bedarf."

Seltsam, etwas in ihm reagierte auf diese im Singsang vorgetragenen Sätze und Beschwörungsformeln und er merkte zu seinem Erstaunen, dass er wirklich vollkommen ruhig und entspannt wurde und - dass sich seine Wunden von selbst beseitgten! „Wie machst du das?", fragte er die Fee erstaunt. „Nicht ich habe dich geheilt, Severus, ich habe dir lediglich geholfen, deine eigenen Kräfte wieder zu entdecken." Sie umarmte ihn und Severus hielt die Luft an, als er ihre Brüste an seinem Oberkörper fühlte.

Er ließ sich von ihrer Bewegung mitnehmen, als sie sich zurücksinken ließ, sodass ihr Haar einen schwimmenden Kranz um ihren Kopf bildete, und ihn über sich zog. Sie hatte Tränen in den Augen, als sie flüsterte: „Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt, Severus." - „Und was ist so schlimm daran?", wisperte er zurück, während er ihr eine Träne von der Wange wischte. „Wir... haben nur diese Nacht... dann... muss ich zurück und kann wahrscheinlich... nie mehr zu dir kommen..."

Im Blick der Fee war wieder unendlich viel Trauer. Severus wollte sie so gerne trösten... vorsichtig küsste er sie auf den Mund, und wie eine Verdustende erwiderte sie seinen Kuss. Sie begann ihn zu streicheln, zuerst am Rückgrat entlang, dann über die Rippen nach vorne, sie liebkoste seine Brust, fuhr ihm mit den schmalen Händen bis hinab zu den Lenden und streichelte ihn auch dort, solange, bis er vor Wolllust aufschrie. Zärtlich griff er jetzt an ihre Oberschenkel, drückte sie leicht auseinander und ließ sich in sie sinken. „Severus", stöhnte sie, als sie vollkommen vereinigt waren und klammerte sich mit aller Kraft an ihn. Der blaue Schein ihres Körpers erfüllte jetzt das gesamte Badezimmer, warme Wellen, die unmöglich noch normales Badewasser sein konnten, umspülten die beiden, der Rhythmus der Wellen bestimmte den Rhythmus ihrer Liebe.

Ein wenig Blut kam aus ihrer Scham, verfärbte das Wasser jedoch nicht, sondern schien ins Nirgendwo zu verschwinden und Severus wunderte sich kein bisschen darüber, dass es nicht rot sondern blauviolett war, allerdings wunderte er sich über etwas anderes: „Du warst noch...?" Die Fee nickte, lächelte ihn an: „Ja, Severus... weißt du, ich wollte immer auf einen warten, den ich wirklich, aus ganzem Herzen, liebe... und ich habe dich erst jetzt gefunden... oder besser gesagt, herausgefunden, dass du es bist..."

„Musst du wirklich nach dieser Nacht gehen?" - „Ja", sagte sie und wurde wieder von Traurigkeit erfasst, „aber ich verspreche dir, dass ich niemals einen anderen außer dich lieben werde, Severus... niemals, bis in alle Ewigkeit nicht..." - „Ich... ich werde dich nie vergessen... wahrscheinlich werde auch ich einsam bleiben, so wie Albus es sein ganzes Leben lang war und ist." - „Nicht sehr lange", flüsterte sie und ein kleines Lächeln, das zugleich unendliche Wehmut ausdrückte, huschte über ihr Gesicht, „ich fühle, dass du mir ein Kind gezeugt hast... in neun Monaten komme ich wieder, Severus, und bringe dir unsere Tochter... sie wird hier aufwachsen... einmal noch werden wir uns sehen, Geliebter."

Nach diesen Worten verschwand die Fee, einzig das Kleid blieb neben der Wanne, in der ein verzweifelter Severus saß, zurück.



Morgaine klappte, tief bewegt, das Heft mit den Aufzeichnungen ihres Vaters zu. Eine schöne, unendlich traurige und berührende Geschichte hatte er sich da ausgedacht und er hatte es wirklich geschafft, die ganze Zeit von sich in der dritten Person zu schreiben. Dennoch glaubte sie ihm nicht, dass sie, wie er ihr vor dem Lesen gesagt hatte, wirklich geschehen war. So sollte sie selbst entstanden sein? Sie war siebzehn und kein Kleinkind, dem man Märchen über Feen und ähnlichen Quatsch vorlas. „So? ‚Quatsch' nennst du uns? Dabei gehörst du selbst fast zu uns, Kleine", sagte eine Stimme neben Morgaine Snape und diese wandte sich erschrocken herum. „Es war gar nicht so leicht, zu dir zu kommen... aber dafür habe ich die Erlaubnis, dass ich dir das Feenreich zeigen darf, wenn du willst... aber ich glaube, zuvor haben wir etwas anderes vor, nicht wahr, Morgaine?", lächelte sie der junge Mann, dessen gesamte Gestalt seltsam bläulich zu schimmern schien, an. Mit dem selben Lächeln beugte er sich zu der sitzenden jungen Hexe hinab und fragte scheinheilig: „Du wirst doch noch nicht vergessen haben, wer wir Feen sind, oder?"