von
Morg
Fünfzehn
Jahre war es nun her seitdem Harry Potter Hogwarts verlassen hatte. Es
waren fünfzehn ruhige Jahre gewesen die er im Ausland verbracht hatte. Viele
waren damals in Harrys letztem Schuljahr gestorben. Damals im Kampf gegen
Voldemort. Viele Kämpfe hatte Albus Dumbledore gegen die dunklen Mächte
ausgefochten, aber dieser war sein letzter gewesen. Kurz vor dem Ende der
Schlacht, wurde er von einem Fluch niedergestreckt. Ron Weasley war noch viel
zu jung gewesen als er hatte sterben müssen. So viele waren vor ihrer Zeit
gestorben. Obwohl Hogwarts sieben Jahre ein Zuhause für Harry gewesen war,
hatte er es verlassen ohne auch nur einmal zurückzuschauen. Zu viele
schmerzhafte Erinnerungen hatten mit diesem Schloss zusammengehangen. Er hatte
England verlassen und auch nicht damit gerechnet, jemals wieder zurückzukehren.
Nicht einen Tag in den ganzen Jahren hatte er auch nur versucht mit einem
seiner früheren Freunde Kontakt aufzunehmen. Nicht mit Hermione, nicht mit Neville, nicht mit Ginny oder
einem der anderen Weasleys.
Warum
hatte er nur auf die Stellenanzeige reagiert? Warum hatte er Professor
McGonagall geschrieben dass er gerne wieder nach Hogwarts zurückkommen würde um
Verteidigung gegen die dunklen Künste zu unterrichten? Vielleicht war es
Neugier? - Neugier was aus den Anderen geworden war. Wie viele der Lehrer von
früher noch da waren.
McGonagall
war inzwischen Schulleiterin. Binns würde wohl noch in Jahrhunderten Geschichte
der Zaubererei unterrichten. Aber was war mit den anderen? Ob Snape noch da war
und Zaubertränke unterrichtete? Harry stellte sich sein Gesicht vor, wie dieser
erfuhr, dass er, Harry Potter, nun das Fach unterrichten würde auf das er schon
so lange ein Auge geworfen hatte. Aber wahrscheinlich würde der Griesgram gar
nicht mehr da sein. Er hatte jedenfalls nie den Eindruck erweckt, dass er
wirklich an seinem Beruf als Lehrer hing. Nun, in Hogwarts
würde man
Harry bestimmt über seinen Verbleib und den der anderen Lehren die früher
unterrichtet haben in Kenntnis setzen.
Harry
machte sich keine großen Illusionen viele von früher wiederzusehen. Ob Kinder
von jemandem den er früher gekannt hatte nun nach Hogwarts
gingen?
Viele
Fragen stellte sich Harry Potter als er an diesem 1. September am Gleis 9 ¾,
gemeinsam mit einer großen Schar, ihm noch unbekannter Schüler, auf den Hogwarts
Express
wartete. Er wollte nicht auf einem anderen Weg zurückkehren. Er hatte das
Zauberschloss mit dem Zug verlassen, und genauso wollte er auch wiederkehren.
Genau
so wie, in seinem dritten Jahr, Remus Lupin seine Stelle als Lehrer angetreten
hatte.
Zwei
streitende Kinder unterbrachen ihn in seinen Gedanken. Irgendwie erinnerten die
beiden ihn an zwei andere Kinder. „Du spinnst dir ja ganz schön was zusammen.
Um in ein Haus eingeteilt zu werden musst du einen sprechenden Hut aufsetzen
und der sagt dann in welches Haus du kommst. Das weiß ich ganz bestimmt, meine
Eltern sind nämlich beide Lehrer in Hogwarts. Und im Übrigen
empfehle ich dir mal das Buch ‚Geschichte Hogwarts' zu lesen, das wird dir
bei deiner Unwissenheit garantiert gut tun.", sagte das dunkelbraun gelockte,
etwa elfjährige Mädchen mit überlegener Haltung dem etwa ebenso alten,
rothaarigem Jungen. Dieser schaute sie nur mit einem etwas beleidigtem Blick
an: „Ach hör doch auf mich zu nerven, du blöde Kuh." - „Ronald George Weasley!
Wie kannst du nur? Entschuldige dich sofort bei der jungen Dame. Hast du denn
gar keine Manieren?", eine Frau, die von ihrer Art und Stimme etwas wie Molly
Weasley klang, packte den Rotschopf am Arm und zwang ihn sich bei dem Mädchen
zu entschuldigen. Harry war der Name ‚Ronald George Weasley' nicht entgangen.
Kurzentschlossen ging er auf die Frau zu und reichte ihr seine Hand: „Mrs.
Weasley? - Ich bin Harry Potter. Ich werde dieses Jahr in Hogwarts unterrichten." - „Harry
Potter! - Oh ja, ich erinnere mich. Sie waren ein Jahr unter mir. Ich war in
Ravenclaw. Sie waren damals eng mit meinem Mann Fred befreundet. Er wird sich
sicher freuen zu hören dass sie nun unseren Sohn unterrichten. Wissen Sie er
arbeitet nun im Zaubererei-Ministerium. Damals hätte das wohl keiner für
möglich gehalten. Aber als seine Brüder Ron und George starben hat er sich so
verändert. Er ist so ernst geworden. Sie würden ihn wahrscheinlich gar nicht
wieder erkennen."
Das
Rufen einer bekannten Stimme unterbrach das Gespräch: „Kendra, hast du schon
einen neuen Freund gefunden?" - „Ganz bestimmt nicht, Mama.", das dunkelbraun
gelockte Mädchen schielte mit einem beleidigt bösem Seitenblick auf Fred Weasleys
Sohn. - „Hermione!", Harry hatte sie sofort wiedererkannt. Die
Angesprochene kam daraufhin näher und schaute ihn mit ungläubigen Blick an:
„Harry? Harry Potter? Bist du es wirklich? Ich kann das kaum glauben.
Nach all diesen Jahren. - Bist du hier weil eines deiner Kinder heute
eingeschult wird?" - „Nein. Ich habe keine Kinder und bin auch nicht
verheiratet. Ich bin der frischgebackene Professor für Verteidigung gegen die
dunklen Künste.", erklärte Harry. Dann hakte er weiter nach: „Deine Tochter erwähnte
eben das ihre beiden Eltern Lehrer in Hogwarts seien. Das heißt also,
dass ich dich nun des Öfteren sehen werde. Hast du deinen Mann dort kennen
gelernt?" - „So könnte man sagen.", antwortete sie. Harry musste unweigerlich
an einen Typen wie Gilderoy Lockhart denken, in den sich Hermione
Hals über
Kopf verliebt hatte. Aber er würde sich ja bald selbst ein Bild über ihren
Gatten machen können. - „Was unterrichtest du? Und sind viele neue Lehrer dort?
Wer ist noch da? Fährst du und dein Mann zusammen mit eurer Tochter mit im Hogwarts
Express?",
Harrys Neugierde schrie gerade zu nach Befriedigung. Hermione
musste fast
auflachen bei der Fragenflut. „Ich unterrichte Verwandlung und bin auch der
Hausvorstand von Gryffindor. Minerva unterrichtet nicht mehr, seit sie den
Schulleiterposten übernommen hat. Die meisten der Lehrer sind noch dort.
Eigentlich hat es in der Hinsicht wenige Veränderungen gegeben. Der Lehrer für
Verteidigung gegen die dunklen Künste wechselt immer noch jährlich, daran hat
sich auch nach wie vor nichts geändert. Na, in diesem Jahr hast du den Job,
hoffentlich hältst du ein wenig länger durch. Und nein. Mein Mann und ich
bringen unsere Tochter nur zum Zug, wir selbst apparieren. Glaub mir, nur ein
Masochist fährt als Lehrer mit dem Zug. Wir waren die letzte Ferienwoche bei
meinen Eltern, ansonsten wohnen wir das Schuljahr über ganz in Hogwarts." - „Es hat sich also
wenig unter dem Lehrpersonal geändert? Was ist mit Snape? Wird er mich nicht am
liebsten vergiften wollen, das weil ich den Job bekommen habe?", Harry grinste
als er die Frage stellte. Hermione musste schmunzeln: „Nein, ganz bestimmt
nicht. Du wirst lachen, aber er hat tatsächlich für ein Jahr den Posten inne
gehabt. Der Professor den wir in dem Jahr für Zaubertränke bekommen haben, war
niemand geringeres als - Neville Longbottom! Du kannst dir gar nicht
vorstellen, wie er sich gefreut hat nach diesem, für ihn doch recht lang
gewordenem Jahr, sein Zaubertranklabor in einem Stück zurück zu bekommen."
Zur
kleinen Kendra gewannt sagte Harry: „Na, glaubst du, dass du nach Gryffindor
kommen wirst?" - Das Mädchen schüttelte den Kopf und deutete auf den kleinen
Ron: „Da will ich nicht hin. Der da sagt, dass er da hinkommt, und mit dem will
ich nicht in einem Haus sein. Ich will lieber nach Slytherin!" - Harry sah sie
etwas verblüfft an: „Slytherin? Das meinst du doch bestimmt nicht ernst? Du
weißt doch sicherlich wer da der Hauslehrer ist?"
Wie
aufs Stichwort sagte eine kalte dunkle Stimme hinter Harry: „Selbstverständlich
weiß sie das, Potter. Glauben Sie etwa mein Haus wäre nicht gut genug für die
junge Dame?"
Harry
drehte sich um und sah die schwarz gekleidete Gestalt von Snape hinter sich
stehen. Er hatte sich überhaupt nicht verändert. Nur ein paar Falten hatten
sich etwas tiefer in sein Gesicht gegraben. Sein Haar war genauso schwarz und
lang wie früher, aber es sah gepflegter aus. In der Hand hielt er ein etwas
schwer aussehendes Buch. Ohne auf Harrys Antwort zu warten, ging er an ihm
vorbei und blieb direkt vor Kendra stehen. Mit hochgezogener Augenbraue hielt
er ihr das Buch hin und sagte streng: „Das ist doch deins? Kannst du mir mal
verraten wieso ich ‚dein' Buch von Flourish & Blotts bis hierher dir
hinterher tragen musste?" - Kendra sah mit ihren dunklen Augen zu ihm auf. Dann
sagte sie keck: „Ganz einfach. Das Buch ist wahnsinnig schwer und ich bin nur
ein ganz kleines, schwaches Mädchen und du bist ein ganz großer, starker Mann.
So einfach ist das!" - Sie strahlte ihn über das ganze Gesicht an. Er ließ sich
allerdings wenig davon beeindrucken und drückte ihr das Buch nun entgültig in
die Hand. Dann sagte er zu Harry gewannt: „Sehen Sie! Eine echte Slytherin."
Harry
wollte ihn nicht weiter beachten, so wandte er sich wieder seiner alten
Freundin zu: „Du sagtest, mit dem Zug zu fahren sei Masochismus. Wie kommst du
darauf?" - „Äh, ja weißt du Harry...", weiter kam sie nicht. Dafür deutete sie
verstohlen zu einem etwa vierzehnjährigen, rothaarigen Jungen, der sich just in
diesem Moment zu ihnen umdrehte. Hermione drehte ihren Kopf schnell
weg. Professor Snape tat es ihr gleich. Aber der Junge hatte die Lehrer wohl
schon erkannt. Der kleine Ron stöhnte auf als er sah, wer da auf sie zukam: „So
ein Mist! Percy junior, mein behämmerter Cousin. Und er kommt direkt hierher."
„Das
ist eine Freude Sie zu sehen, die Herrschaften Professoren. Darf ich recht in
der Annahme gehen, dass Sie uns im Zug Gesellschaft leisten? Ich hätte da auch
noch so einiges mit ihnen zu besprechen: Verbesserungsvorschläge, Förderkurse,
strengere Aufsichten durch geeignete Schüler so wie zum Beispiel mich und ...",
Snape unterbrach den Redefluss von Percy junior: „Mr. Weasley, wenn Sie etwas
mit uns besprechen wollen, machen Sie das in den Lehrersprechstunden in der
Schule. Im Übrigen, wir fahren nicht mit dem Zug, wir werden apparieren. Aber
wenn Sie auf Lehrergesellschaft nicht verzichten wollen, unser Neuzugang,
Professor Potter fährt mit. Harry Potter dürfte ihnen doch ein Begriff sein
oder?" - Percy sah zu Harry und seine Miene hellte sich deutlich auf. Er ergriff
seine Hand und schüttelte sie heftig: „Professor Potter, was für eine Freude
Sie kennen zu lernen. Mein Vater hat mir ja schon so viel von ihnen erzählt.
Sie waren ja damals auf der Schule die besten Freunde..."
Den
jungen Weasley konnte so leicht nichts zum Schweigen bringen. Harry, der sich
außerstande sah, sich von Percy loszureißen, konnte aus den Augenwinkeln sehen,
wie Hermione, Snape, Ron und seine Mutter gleichsam die Augen
verdrehten.
Der
Schaffner blies in seine Trillerpfeife zur Abfahrt. Harry wunderte sich warum Hermiones
Mann noch nicht aufgetaucht war. Sie sagte doch, dass auch er kommen würde um
Kendra in den Zug zu setzen. Er wollte eigentlich noch fragen, aber Percy zog
ihn schon hinter sich in den Zug, wobei er nicht eine Sekunde aufhörte zu
reden. Harry sah hinter sich. Bis auf ein Kind waren alle eingestiegen.
Kendra stand noch auf der Zugtürtreppe und
zupfte Snape am Ärmel. Genervt fragte der: „Was ist?"
Harry konnte sehen wie sie die Hand fordernd in
Snapes Richtung ausstreckte: „Meinen Zauberstab! Ich möchte meinen Zauberstab!"
- „Den bekommst du in Hogwarts", erwiderte Snape kühl. Die Kleine ließ nicht
locker: „Ich will ihn aber jetzt. Die anderen haben ihren schließlich auch
dabei!"
„Du wirst nur Unsinn damit anstellen, das kenn
ich schon von deiner Mutter", rechtfertigte sich der Zaubertrankprofessor. Da
der Schaffner nun auch diese letzte Tür schließen wollte, fing er an Kendra in
den Zug zu schieben. Diese klammerte sich aber nun an Snapes Robe riss
regelrecht daran und schrie: „Daddy!"
Hermione knuffte Snape in die Seite: „Nun gib
ihn ihr schon." - Entnervt zog Snape Kendras Zauberstab aus einer Robentasche
und reichte ihn der Kleinen: „Wir sprechen uns noch, sobald du zu Hause
angekommen bist.", und etwas entnervt zu Hermione gewannt: „Musst du den immer
auf ihrer Seite sein?"
Der
Schaffner konnte nun endlich die letzte Tür schließen nachdem er hinter Kendra
eingestiegen war. Der Hogwarts Express setzte sich in Bewegung.
Hatte
Harry das gerade richtig mitbekommen? Sagte sie zu Snape ‚Daddy'? Er schaute
noch mal zum Türfenster raus. Harry konnte gerade noch sehen, wie sich Hermione
und Snape
umarmten und dann wie viele andere Eltern auch disapparierten. Wahrscheinlich
hätte Harry noch Stunden damit verbracht ungläubig rauszustarren, aber Percy
hatte da schon andere Pläne. Er zog seinen neuen Professor in ein Abteil, das
er für sie beide ergattert hatte und das seltsamerweise auch auf der ganzen
Fahrt nach Hogsmeade bis auf die beiden leer blieb. Harry sandte ein Stossgebet
zum Himmel, wenn der Junge schon ohne Unterlass auf ihn einredete, konnten doch
zur Abwechslung ein paar Dementoren reinschauen. Aber leider blieb sein Gebet
unerhört. Schon nach einer kurzen Weile fasste Harry sich an seinen nun
schmerzenden Kopf und rieb sich seine blitzförmige Narbe.