von Hirudo
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Inhalt: es gibt einen neuen Lehrer in Hogwarts, (wie gewohnt) unübliche Verteidigung gegen die dunklen Künste, Einsatz des Tarnumhanges - und ein bisschen Romantik ist auch dabei.
Der kleine Ausschnitt spielt nach dem fünften Buch.
Dachte, ich sollte zur Übung mal wieder was nettes schreiben; bin zwar nicht J.K. Rowling, aber ich hoffe, es gefällt euch trotzdem :-)
Ron und Harry hatten ihre Besen geschultert und marschierten geradewegs zu den Wiesen, die vor den Schlossmauern lagen. Ron hatte Harry gebeten, mit ihm ein wenig seine Hüterfähigkeiten für das nächste Spiel gegen Hufflepuff zu trainieren. Harry war froh über diesen Vorschlag, denn ein wenig Quidditch würde ihn die gesamte Mittagspause erfolgreich davon abhalten, an die nächste Stunde bei Professor Snape zu denken.
„Hier wär's doch gut." befand Ron, stieg auf seinen Besen und stieß sich vom Boden ab.
„Alles klar Harry, du kannst jetzt!"
Harry warf den Quaffel, den sie heimlich hatten mitgehen lassen, als sich in diesem Moment ein Reiter hinter Ron näherte, den beide irgendwie übersehen haben mussten.
Ron, im Feuereifer, hechtete vor und schlug den Quaffel so energisch von sich, dass er nun geradewegs auf die berittene Gestalt zuraste.
„Vorsicht!" schrie Harry und wollte dem Ball hinterher jagen, doch es war zu spät.
Der Reiter zügelte sein Pferd, riss den Arm vor den Kopf und wehrte den Quaffel ab.
Ron und Harry eilten herzu.
„Haben Sie sich verletzt?"
Der Reiter, an dessen Gürtel ein gebogenes Schwert hing, betrachtete seinen Arm, zog dann die Kapuze vom Kopf. Eine Woge goldner Haare fiel heraus und umrahmte das Gesicht einer jungen Frau mit hellen, lachenden Augen.
„Morgen, Jungs."
Ron schaute ängstlich zu ihr auf, als erwarte er eine saftige Zurechtweisung.
„Ah, Mr. Potter möchte ich meinen," sagte die Frau mit einem Blick auf Harrys Narbe, „Wir werden uns wohl noch öfter über den Weg laufen. Nun habe ich es aber eilig. Professor Dumbledore erwartet mich."
Und sie trieb ihr Pferd zur Eile und entschwand.
„Wer... wer war das?" fragte Ron.
„Ich hab keine Ahnung." antwortete Harry und sammelte den Quaffel auf, „Lass uns weitermachen, die Pause ist bald vorbei. Danach haben wir Verteidigung gegen die dunklen Künste..."
„...bei Professor Snape..."
„Warum bekommen wir ihn da auch noch?" nörgelte Harry verzweifelt, „Zweimal Snape - ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll."
So oft ihm Snape auch geholfen haben mochte, irgendwie konnte er ihn einfach nicht leiden. Und dass er nun ausgerechnet sein Lieblingsfach unterrichten sollte...
„Du sagst es!" fand Ron, „Los, wirf, sonst schaffen wir heute nichts mehr!"
Harry warf, aber schon beim Gedanken an die nächste Stunde wurde ihm flau im Magen.
Die Stunde kam. Harry war schon schlecht, als er sich zwischen Ron und Hermine ins Klassenzimmer setzte.
Einige Minuten später trat Snape ein, gefolgt von Professor Dumbledore und der geheimnisvollen Dame, der Ron beinahe einen Quaffel an den Kopf geworfen hatte.
„Liebe Schüler, es kommt etwas plötzlich," sagte der Schulleiter, „doch ist unsere Assistentin für die Verteidigung gegen die dunklen Künste eben erst eingetroffen. Ich darf Ihnen nun vorstellen: Professor Valkyria Foxhound. Auf meinen persönlichen Wunsch wird sie einen Teil des Unterrichts von Professor Snape übernehmen."
Harry hätte vor Glück fast gejubelt, so sehr begeisterte ihn der missbilligende Ausdruck auf Snapes Gesicht.
„Ich verlasse Sie nun wieder, ich habe noch viel zu tun."
Dumbledore sprach 's und verschwand.
Die Klasse starrte gebannt auf die beiden Lehrer.
„Nun, Professor Foxhound," begann Snape kühl, „vielleicht beginnen Sie mit Ihrem Teil. Ich werde dann nötigenfalls ergänzen."
Valkyria Foxhound zwinkerte ihm lächelnd zu.
„Sehr gern, Professor Snape!"
Die Schüler harrten gespannt der Dinge.
„Nun gut. Zu allererst: wie einige von Ihnen bereits vermuten - es ist wahr: ich bin ein Muggel."
Die Klasse ließ ein überraschtes „Äh?!" hören, Crabbe fiel fast vom Stuhl und Severus Snape schnappte nach Luft. Foxhound blickte die Klasse freundlich an, lächelte wieder ihrem Kollegen zu.
„Ein Muggel in Hogwarts!" stieß Malfoy verächtlich hervor.
„Sehr richtig. Ich bin ein Muggel. Demzufolge kann ich Sie keine Zauber lehren - und ich verstehe auch nichts davon. Dafür ist Professor Snape zuständig, einer der vermutlich fähigsten Verteidiger dieser Tage, wie Albus mir versicherte."
„Und was..." Malfoy hielt es nicht für nötig, sich zu melden, „will ein Muggel wie Sie uns beibringen?"
Snape hob eine Braue, als hätte er sich eben dasselbe gefragt.
Foxhound lächelte, verbeugte sich vor der Klasse, und mit einer fließenden, blitzschnellen Bewegung zog sie das Schwert, das an ihrem Gürtel hing und stoppte die Klinge eine Haaresbreite vor Professor Snapes Kehle. Ihre Augen waren plötzlich schmal, ihr Blick stechend, dass Snape es lieber nicht wagte zu schlucken, obwohl er nach außen seine Gelassenheit bewahrte. Dann entspannte sich ihr Gesicht wieder, sie lächelte und steckte das Schwert zurück in die Scheide.
„Verzeihung." sagte sie sanft, wandte sich dann der Klasse zu, die nun gebannt an ihren Lippen hing.
„Was ich Sie lehren kann, ist keine Zauberei. Zauberer," sie begann langsam auf und ab zu gehen und sah in die Runde, „neigen dazu, sich allen anderen Geschöpfen -dazu zählen auch Muggel- überlegen zu fühlen. Tatsächlich aber ist ihre Macht begrenzt, wie die jedes anderen Wesens. Ein Zauberer mag schreckliche Flüche aussprechen können, doch selbst ein unbewaffneter Muggel kann sich gegen sie wehren, wenn er mutig und entschlossen handelt.
Wie Sie alle wissen, ist der dunkle Lord zurückgekehrt. Professor Dumbledore hält es für klug, Ihnen deshalb eine etwas unübliche Ausbildung angedeihen zu lassen. Denn auch diejenigen unter Ihnen, die ihre zauberische Verteidigung nicht zur Perfektion bringen mögen, sollten seiner Meinung nach im Stande sein, im Ernstfall ihr Leben zu retten."
In der Klasse brach Gemurmel aus ob der ernsten Worte der neuen Lehrerin.
„Flüche abzuwehren - das wird Professor Snape Sie lehren; Flüche zu verhindern - das kann ich Ihnen nahe bringen, wenn Sie Willens sind, sich zu engagieren."
Das Gemurmel wurde lauter.
„Wie soll das gehen?" wandte sich Hermine gerade an Harry.
„RUHE!" brüllte Snape gebieterisch, und alles Gerede verstummte augenblicklich.
„Danke, Professor." nickte ihm Foxhound zu und ignorierte einfach seinen beleidigten Gesichtsausdruck.
„Beginnen wir also mit einer ersten Demonstration. Bitte schieben Sie ihre Tische beiseite und bilden Sie einen Halbkreis um mich, so dass Sie mich sehen können."
Man tat wie geheißen.
„Was hat sie vor?" flüsterte Harry.
Ron zuckte mit den Schultern.
„Vielleicht will sie sich ja mit einem von uns duellieren?" höhnte Draco im Kreise seines Anhangs.
„Ich benötige nun einen Freiwilligen." sagte Professor Foxhound und blickte in die Runde, „Wie wäre es mit... Ihnen..., Mr. äh... Malfoy?"
Draco grinste hämisch in Vorfreude auf das kommende und trat vor. Harry schwante ein weiterer unfairer Zug seines Erzrivalen. Auch Crabbe und Goyle lachten sich ins Fäustchen, vielleicht nur aus Gewohnheit.
„Sehr schön. Sie werden mich nun mit einem Fluch angreifen."
„Gerne, Professor!" zischte er, als hätte er sein Leben lang darauf gewartet.
„Welchen Sie wollen, Mr. Malfoy..."
Snape sah irritiert zu ihr hinab und wollte gerade kritisch anmerken: „Halten Sie das für..."
„CRUCIATUS!" brüllte Draco schon, doch bevor er ausgesprochen hatte, stand Foxhound mit einem Satz vor seiner Nase und hielt seinen Zauberstab in der Hand.
„Hmm.. sind gar nicht so schwer, wie ich dachte..." meinte sie als sie ihn prüfend in der Hand wog.
Malfoy lief rot an und schnappte nach seinem Besitz. Aber Professor Foxhound hielt ihn längst in eine andere Richtung und schaffte es gar, es wie Zufall aussehen zu lassen.
„Nun, Mr. Malfoy. Das war noch etwas zaghaft, aber ich habe Sie auch eiskalt überrascht. Ich war im Vorteil. Nun sollen Sie es sein," sie reichte ihm den Zauberstab, drehte sich um und ging einem Schritt vor, „Versuchen Sie es noch mal!"
Das ließ Draco sich nicht zweimal sagen.
„AVEDA---"
Foxhound wirbelte herum, packte seinen rechten Arm und schleuderte den verdatterten Malfoy über ihre Schulter zu Boden. Draco wusste nicht wie ihm geschah. Kaum gelandet sprang die Muggelfrau auf ihn, wand ihm den Zauberstab aus der Hand und drückte die Spitze gegen seinen Hals. Malfoy keuchte und war nun puterrot angelaufen.
Professor Foxhound war nicht wiederzuerkennen. Ihr freundliches Gesicht mit den lachenden Augen hatte sich zu einer grimmigen Maske verzogen.
„Sie... Sie können nicht zaubern!" würgte Malfoy, wie um ihr in Erinnerung zu rufen, dass es sinnlos war, ihn mit dem Stab zu bedrohen.
„Sehr richtig; aber wenn ich zustoße, durchbohrt Ihr feiner Stab ihr feine Haut, Ihr feines Fleisch und schließlich eine große Schlagader mit Ihrem feinen, reinen Blut..."
Draco begann zu schwitzen und atmete schwer.
„Aber das ist ja nur eine Übung!" verkündete sie plötzlich lächelnd.
Ihr Gesicht war wieder freundlich und sanft. Sie legte den Stab beiseite und stieg von ihm herunter.
„Vielen Dank, Mr. Malfoy, für Ihre rege Beteiligung!"
Die Klasse klatschte Beifall - bis auf Malfoys Clique-, sogar Snape schien mäßig beeindruckt.
„Wie habe ich das gemacht?" fragte Foxhound sogleich.
Hermines Finger schnellte in die Höhe, doch die Lehrerin übersah sie.
„Ja,
Mr...."
„Longbottom!" rief Neville eifrig, "Sie... Sie haben sich sehr schnell bewegt!"
„Richtig, Mr. Longbottom. Zauberei ist mächtig, jedoch langsam. Der größte Teil beruht auf Sprache. Zauber erfordern Sprüche, um sie zur Wirkung zu bringen. Der Zauberspruch ist die Schwäche der Zauberei - im Durchschnitt dauert es ein bis zwei Sekunden, einen Fluch auszusprechen. Das Ziehen eines Schwertes dagegen-" zur Verdeutlichung zog sie ihres erneut, „dauert nur Bruchteile einer Sekunde. Mit dem Schwert zu kämpfen, das ist eine Kunst, die jahrelanges Studium erfordert; doch eine Angriffs- oder Abwehrbewegung zu lernen dauert nur Tage. In diesem Kurs möchte ich Ihnen beibringen, wie man einen anderen Zauberer entwaffnet, wenn man selbst unbewaffnet ist. Wichtig ist vor allem, dass man direkt und ohne zu zagen in einen Angriff hineingeht. Morgen werden wir also damit beginnen! Doch nun übergebe ich das Wort an meinen werten Kollegen, Professor Severus Snape."
Die Klasse ließ ein enttäuschtes „Ooooh." hören.
„Das war ungewöhnlich, aber recht interessant, Professor Foxhound. Doch nun wollen wir uns auf den zauberischen Teil der Verteidigung besinnen. Schlagen Sie Ihr Buch auf, Seite 207..."
„Schade, gerade wo's spannend wurde," murrte Ron, „Das war echt krass, wie die Malfoy fertig gemacht hat, ganz ohne Zauber!"
„Ja." murmelte Harry und sah zu Snape herüber.
Irgendwie wirkte er etwas fahrig, dann wieder schloss er die Augen, als versuchte er, sich zu konzentrieren. Ab und zu blickte er aus den Augenwinkeln nervös zu Professor Foxhound herüber, die ihn fröhlich ansah und ihr Schwert zu ölen schien.
Die nächsten Wochen vergingen wie im Fluge, und Verteidigung gegen die dunklen Künste blieb - trotz Snape - Harrys Lieblingsfach. Snape mochte ein guter Lehrer sein, dennoch war sein Unterricht trocken und streng; bei Professor Foxhound jedoch machte es immer Spaß, nicht zuletzt, weil auch Professor Snape sich mit seiner „Assistentin" abfand, tatsächlich sogar etwas auftaute und sich bemühte, mit der Muggeldame zu harmonieren.
Valkyria Foxhound hatte es einmal gar geschafft, dem mürrischen Snape ein Lächeln abzuzwingen, das nicht bösartig oder verächtlich wirkte, welches Harry jedoch trotzdem unheimlich vorgekommen war.
Harry war auch aufgefallen, dass Malfoy sich merkwürdig verhielt und mit Crabbe und Goyle wohl wieder irgendeine Schandtat auszuhecken schien. Bei jeder Gelegenheit betonte er die Unterlegenheit der Muggel und dass die Zeit bei Professor Foxhound völlig vertan wäre.
Weiterhin hatte Draco mehrmals versucht, am Ende des Unterrichts seine Lehrerin auf dem Flur abzufangen, doch Professor Snape begleitete sie vom ersten Tag an höflich aber bestimmt wie eine Leibgarde zu ihren Gemächern, als ahnte er etwas von den üblen Streichen seiner Schüler.
Am Abend hatten Ron und Harry beschlossen, Hagrid einen Besuch abzustatten. Da es immer noch verboten war, das Schloss bei Dunkelheit zu verlassen, schlichen sie mit James Potters Tarnumhang durch die verlassenen Gänge von Hogwarts. Im ersten Stock stießen sie unglücklicherweise auf Mrs. Norris, der Filch auf dem Fuße folgte.
„Was ist denn, Mrs. Norris? Schleicht hier wieder jemand rum? Wartet nur, wenn ich Euch erwische, dann baumelt Ihr von den Zinnen..."
„Schnell hier rein!" flüsterte Ron, öffnete wahllos die nächste Tür, und er und Harry stürzten hinein.
„Puh, noch mal Glück gehabt..."
„Vielleicht auch nicht," meinte Harry als er sich umsah, „Ich glaube wir sind hier in den Privaträumen von..."
In diesem Moment öffnete sich die Tür und eintrat - Valkyria Foxhound, mit einem Lied auf den Lippen.
Kurz sah sie sich um, und dann verstummte sie plötzlich. Langsam griff sie nach dem Schwert an ihrer linken. Dann tat sie etwas, das die Jungen unter dem Tarnumhang ziemlich ins Schwitzen brachte: sie begann, Übungen mit ihrem Schwert zu machen. Dabei schlug sie mit atemberaubender Geschwindigkeit die Klinge durch den Raum.
Foxhound fuchtelte nun mit beharrlicher Präzision in ihre Richtung, als spürte sie, dass sich dort jemand verbarg, stoppte ihre Angriffe aber stets kurz vor ihren Köpfen.
Ron und Harry standen Todesängste aus.
Irgendwann - den Jungen schien es wie eine Ewigkeit - klopfte es, und die Muggeldame steckte ihr Schwert zurück.
Ron atmete auf.
„Ich hab das Gefühl, sie kann uns sehen!" keuchte Harry leise.
„Nicht nur du!" flüsterte Ron.
Foxhound war zur Tür gegangen und öffnete sie gerade.
„Ah, Severus. Treten Sie doch ein."
In der Tür stand tatsächlich Snape. Etwas zögerlich betrat er den Raum.
„Guten Abend, Valkyria." sagte er, etwas förmlich, und nachdem sie die Tür geschlossen hatte: „Ich bin Ihnen endlich auf die Schliche gekommen."
„Hm?"
Sie sah ihn überrascht an.
„Sie sind gar kein Muggel!"
„Wie meinen?"
Erstaunen spiegelte sich in ihrem Gesicht.
„Verstellen Sie sich nicht! Ich habe nachgeforscht. Ihre Eltern waren beide Hogwartsabsolventen mit hervorragenden Abschlüssen, Ihre Mutter ist eine Cousine von Lucius Malfoy und Ihr Großvater war sogar Hauslehrer von Slytherin. Und Sie wollen ein Muggel ohne Zauberkräfte sein?" warf Snape ihr an den Kopf, „Vielleicht sind Sie..."
„...einfach eine Missgeburt?" fragte sie und sah ihn aus den Augenwinkeln scharf an, als sie ihr Schwert an seine Wandhalterung hob.
„...nicht die, für die Sie sich ausgeben." beendete Snape einigermaßen erstaunt seinen Satz.
„Nun, ich bin die, für die ich mich ausgebe. Vielleicht haben Sie bereits die Ähnlichkeit mit meinem Großvater bemerkt." entgegnete sie frostig und fragte mit einem Blick, den Severus sonst nur aus dem Spiegel kannte: „Was verleitet Sie überhaupt zu der Annahme, ich könnte kein Muggel sein?"
Snape zögerte einen Augenblick als fühlte er, dass er gerade in eine unverheilte Wunde gestochen hatte.
Er sah sie einen Moment lang ebenso skeptisch an wie sie ihn, dann fing er sich wieder.
„Ich merke doch, was Sie versuchen!" fuhr er sie an und näherte sich ihr.
„Und was bitte sehr?" fragte sie, verärgert, aber scheinbar ahnungslos.
„Sie wissen ganz genau, was ich meine!" zischte Snape, „Kaum ein Tag vergeht, an dem Sie nicht versuchen, in meine Gedanken einzudringen! Ich spüre, wie Sie es immer wieder versuchen!"
Valkyria Foxhound lachte milde, als hätten sie diese Worte wieder mit ihm versöhnt.
„Interessieren würde mich in der Tat, was Sie denken, Severus, so schweigsam und verschlossen Sie sich geben. Doch habe ich keine Möglichkeit dazu, denn ich vermag nicht den einfachsten Zauber..."
„Glauben Sie, ich bemerke es nicht, wenn Sie in meinen Kopf eindringen? Nur mit größter Konzentration vermag ich Sie zu bannen! Kein Muggel vermag solches, nur mächtige Magier der dunklen Künste..."
Noch immer lächelte sie.
„Sie schmeicheln mir, Severus, doch ich spreche die Wahrheit: ich bin nur ein einfacher Muggel. Ich kann nicht aktiv in Ihre Gedanken eindringen."
Snape schnaubte. Plötzlich fasste er ihr Gesicht mit beiden Händen, als würde die Berührung ihm verraten, ob sie die Wahrheit sprach oder log.
„Ich sehe keine Angst in Ihren Augen. Sie sollten wissen, dass ich die Fähigkeit besitze, gewisse Zauber ohne einen Stab durchzuführen."
„Das weiß ich doch, Severus." antwortete sie unbeeindruckt.
„Warum fürchten Sie sich dann nicht vor mir, wenn Sie ein Muggel sein wollen - wehrlos ohne Gegenzauber?"
Lächelnd sah sie ihn an, und er erwiderte ihren Blick mit seinen schwarzen, undurchdringlichen Augen.
„Warum also?" knurrte er noch einmal.
„Willst du das wirklich wissen?" fragte sie leise.
Snape wich zurück, doch sie hatte seine Grenztürme schon hinter sich gelassen. Sie wartete nicht auf seine Zustimmung, noch akzeptierte sie seinen verzweifelten Versuch einer Distanz.
„Du bist ein Mann, der einen Fehler gemacht hat. Dieser Makel hat dich gezeichnet, hat dir Narben zugefügt, die niemand sehen kann und die du niemandem zeigen würdest. Abweisend bist du dir selbst gegenüber wie anderen; du schützt dich mit Hilfe einer kalten, undurchdringlichen Fassade, verachtest Schwäche, weil du deine eigene fürchtest. Du strafst die Menschen mit Verachtung, obgleich du dir selbst zuweilen wertlos erscheinst...
Und dennoch, Severus Snape, und dennoch... dennoch erkenne ich eine tiefe Sehnsucht, wenn ich in deine Augen sehe, geheime Angst und verschlossene Wärme."
Einen Augenblick schien es, als wolle Snape weglaufen oder wenigstens etwas giftiges erwidern, doch starr stand er da, gebannt von ihrem Blick, wie eine alte, finstere Festung.
„Ich war einmal wie du, weißt du... Aber ich liebe immer das Gute in einem Menschen. In welche Abgründe du sie auch verschließen magst, ich spüre deine Wärme."
„Du vergisst, was ich war: ein Todesser!" klang es drohend aus seinem Mund, doch seine Lippen zitterten, „Und was ich bin..."
Snape hielt inne, als wüsste er nicht, was er wäre, noch wie man es hätte beschreiben können.
„Ich weiß." sagte sie nur.
„...dass ich Muggel verachtete! ... und vielleicht noch immer..."
Seine Stimme klang leer.
„Das ist Theorie. Entscheidend ist, was man tut."
Severus Snape blickte sie lange an und widerstand nicht dem Verlangen, sie zu küssen.
In diesem Moment klopfte es. - Glücklicherweise, wie Harry fand. Snape seufzte und räusperte sich dann, Foxhound ging zur Tür und öffnete sie einen Spalt.
„Mr. Malfoy! Sollten Sie nicht längst im Bett liegen? Was führt Sie zu so später Stunde zu mir?"
„Was will der denn hier?" flüsterte Ron, „Und wie ist der an Filch vorbeigekommen?"
„Keine Ahnung." meinte Harry, der sich auch fragte, was sein Erzrivale wohl im Schilde führen mochte.
„Professor Foxhound, äh... ich wollte Sie fra…"
Weiter kam er nicht, denn Snape stürmte lautlos zur Tür, stellte sich neben seiner Kollegin auf und fragte: „Gibt es ein Problem, Malfoy?"
„Professor Snape!" stieß der Schüler hervor und wurde kreidebleich, „Ich äh... ah, es ist nicht so wichtig!"
Draco lief rot an, drehte sich um und eilte zurück in die Dunkelheit.
Foxhound zuckte mit den Schultern.
„Los, das ist unsere Chance!" flüsterte Ron und stieß Harry in Richtung Ausgang.
Gerade noch rechtzeitig bevor die Tür wieder geschlossen wurde schlüpften sie hindurch. Eilig stolperten die Freunde durch den Flur.
„Ich glaub nicht, was ich gesehen hab!" ereiferte sich Ron halblaut.
„Ich auch nicht!" erwiderte Harry verwirrt, „Was wohl Malfoy wollte?"
„Weiß ich auch nicht. Ob der weiß, dass er mit ihr verwandt ist?"
„Frag mich was leichteres!" schnaubte Harry, „Jetzt aber zu Hagrid!"
Leise liefen sie in die sternenklare Nacht.