von Curlylein
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Ein langes Seufzen entrann ihrer Kehle, als die warmen Lippen, die die ihrigen
noch vor Sekunden berührt hatten einer plötzlichen Kälte wichen.
Hart schlug sie auf - die Augen noch immer geschlossen. Schwüle Luft umgab
sie. Der Duft, den nur mediterrane Sträucher zu schenken vermochten, legte
sich über sie wie ein Schleier.
In der Ferne vermischte sich das Zirpen einiger Grillen mit dem Konzert eines
gefiederten Sängers.
In ihr Schicksal ergeben öffnete Hermine die Augen und sah sich von Terrakotta-Farben
umgeben. Sie lag ausgestreckt auf Steinfliesen, auf denen Tupfer von Kerzenlicht
fielen, das der Nacht, die sie umgab, Formen verlieh.
Ein leichter Wind zog durch eine geöffnete Terrassen- oder Balkontür,
die an einer Seite des Raumes, um einige Zentimeter offen, einen Bruch in die
dunklen Wände brachte.
Ein Bett befand sich an der Seite und auch im herrschenden Dämmerlicht
hob sich die kostbare Spitze der Oberdecke deutlich vom Holz des Rahmens ab.
Schränke und ein Spiegel rundeten die Einrichtung ab.
"Das ist einfach nicht fair!"
Wütend trommelte Hermine mit ihren Fäusten auf den kalten Fliesen,
bis ihre Wut wich und Tränen ihren Platz annahmen.
Sie erhob sich.
"Wenn ich schon nicht nach Hause komme, warum kann ich dann nicht wenigstens
in einem Traum bleiben, der mir gefällt?", inquirierte sie eine Wand,
die ihr die Antwort schuldig blieb.
"Dieser Kuss war einfach wunderb - ICH HABE SNAPE GEKÜSST!"
Sich über den Mund wischend verzog sie angeekelt das Gesicht.
"Nein, ich habe einen Traum-Snape geküsst, der überhaupt nichts
mit dem Realen zu tun hat", setzte sie ihren Monolog fort, "Sollen
Träume nicht Spaß machen? Also, ich werde all das genießen,
das tun, was ich mich nie trauen würde. Ich nehme mir, was ich bekommen
kann und wenn es Snape ist..."
Entschlossen trat sie nun zu der Tür, gespannt was sich dahinter verbergen
würde. Erst jetzt fiel ihr Augenmerk auf die Kleidung, die sie zierte.
Ein heller, seidener Morgenmantel umschlang ihren Körper und hielt in seiner
Umarmung ein dünnes dunkelblaues Nachthemd, dessen filigrane Träger
auf ihren, durch die Schwüle mit kleinen Schweißperlen benetzten,
Schultern ruhten.
Nach den vorangegangenen Ereignissen wunderte sie dies keinesfalls und sie
trat durch die Tür ins Freie.
Hermine fand sich auf einem kleinen Balkon wieder, der, umrankt von wildem Wein,
in der Nachbarschaft von hohen Bäumen war und einen einzigartigen Ausblick
auf den sternenübersäten Nachthimmel bot, der wie dunkler Samt schien.
Fasziniert betrachtete Hermine die blinkenden Gestirne und fühlte, wie
eine seltsame Ergriffenheit über sie strich.
Sie wusste nicht, wie lange sie auf dem Balkon gestanden hatte, als ein leises
Wispern zu ihr herauf drang:
"Julia?"
Bin ich wirklich so unkreativ?'
"Ja" war ihre Antwort, in der eine gehörige Portion Desinteresse
mitschwang.
"Ich komme hoch, warte Teuerste!"
Muss das sein? Jetzt steigt Snape hier hoch, versaut mit seiner Anwesenheit
die ganze Stimmung und zeigt mir ein weiteres Mal, dass ich als Kind zu viel
Muggel-Fernsehen geschaut habe, das mir den letzten Funken Kreativität
nahm...'
Ein Holzgitter, das der Rankpflanze neben ihr Halt geben sollte und bis in
das Dunkle des Erdgeschosses reichte, klapperte nun leise, als es durch Kletterversuche
immer wieder von der Wand abkam und dann gegen sie stieß.
Hermine erwartete bereits einen dunklen Haarschopf und überlegte sich eine
passende Abfuhr für ihren Romeo, als sie sich an ihr Versprechen vor einigen
Momenten erinnerte.
Sie wollte es genießen und das würde sie versuchen, mit oder ohne
Snape...
Gibt Romeo Julia in der Balkon-Szene eigentlich einen Kuss? Schließlich
ist mein Snape durchaus begabt...'
Ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
"Meine Julia" Der Kletterer hatte sie nun erreicht und sich auf einen
herausragenden Stein gestellt, der etwas unterhalb des Balkons lag, so dass
er zu Hermine ein wenig aufsehen musste.
AAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!'
"Geliebte"
Ungläubig betrachtete Hermine ihren Romeo. Das waren keine schwarzen Haare
- diese waren so derart blond -, das keine dunklen Augen - das stählerne
Grau durchdrang selbst die Dunkelheit.
"Malfoy?"
"Meine Teuerste, seid ihr verwirrt? Oder habe ich etwa einen Nebenbuhler,
der meint er könnte einen Keil zwischen mich und mein Herzensgut treiben?
Sterben soll er!"
Draco Malfoys Körper hatte sich in Rage geredet.
"Schon klar... Hör zu,", Hermines Finger umschlangen den Kragen
des Blonden und zogen ihn damit mehr zu ihrem Gesicht, so dass ihm beinah die
Luft wegblieb, "was auch immer du hier machst, du hast in meinem Traum
noch viel weniger zu suchen, als dieser schwarze Unheilbringer, o.k.? Hast du
mich verstanden? Denn ich würde dafür sorgen, dass ein Alptraum für
mich ein viel schlimmerer für dich wird... Und jetzt verzieh dich, das
war die Lerche und nicht die Nachtigall. Adieu."
Mit diesen letzten Worten entließ sie ihn aus ihren Fingern und begutachtete
seinen verstörten Abgang.
Das ist doch einfach unglaublich, dieses Gesindel in meinem Traum!'
Sie ging zurück ins Innere des Hauses und ließ die Balkontür
mit einem Krachen zufallen.
Wie war das noch - genießen? Das war es wohl nicht. Aber was
hat mich eigentlich so aufgeregt? Nicht, dass ich mir Malfoy wirklich als Romeo
vorstellen könnte, aber schlimmer als Snape ist er auch nicht. Vielleicht
war er einfach nicht der, den ich erwartet habe... aber das würde ja bedeuten,
dass ich - Nein, Snape ist ein Ekel, auf den wartet man nicht und wenn, dann
ist man gefälligst froh, dass man noch ein paar glückliche Minuten
ohne ihn hat. - Warum ist er nicht gekommen?'
Hermine setzte sich langsam auf die Kante des Bettes und verschränkte
ihre Arme.
"Ist er weg?"
Sie schreckte auf und sah sich blitzartig um. Keine 30cm von ihr entfernt saß
eine Gestalt auf dem Bett und sah sie nun interessiert an.
Allein die Stimme hätte ihr zur Erkennung genügt.
Was macht der hier?'
Hermine wandte sich wieder von ihm ab und starrte ins Leere.
Sie spürte, wie der Stoff ihres Mantels vorsichtig zur Seite geschoben
wurde. Eine Gänsehaut überfiel die freigelegte Stelle und breitete
sich rasch über ihren gesamten Körper aus.
Brennende Lippen glitten über ihren Hals und bahnten sich einen Weg über
ihre Schulter. Sie hielt den Atem an. Ihre Haut schien zu glühen.
Es ist SNAPE!'
"Nein" Es war nicht mehr als gehaucht.
"Genieß es einfach." Seine Stimme schickte Schauer über
ihren Rücken.
Genießen, ja, einfach genießen, ein Traum, nicht mehr'
Sie schloss die Augen und fühlte, wie seine Hände über ihren
Rücken wanderten und dann den seidenen Stoff über ihre Schultern zog.
Ihre Gedanken verließen sie und hinterließen das Gefühl eines
vollendeten Moments.
Sie drehte sich zu ihm und bettete inständig nicht in wirbelnder Dunkelheit zu verschwinden.
~*~*~*~*~*~*~
Sie sieht so glücklich aus... Sie entgleitet uns, wir haben nicht mehr viel Zeit...
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Sonnenschein kitzelte sie und ließ sie erwachen. Ein liebevoller Blick
aus dunklen Augen empfing sie. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht
aus.
"Du bist wunderschön."
Schmetterlinge flatterten in ihrem Bauch.
"Ich glaube, ich habe mich verliebt"
Er lächelte als Antwort und beugte sich über ihr Gesicht, bis sich ihre Lippen trafen und verschmolzen. Alles verschwamm.
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Kapitel 6: Frühlingsgefühle
Hermine ballte die Fäuste. Wer auch immer für diese Träume verantwortlich war, er würde leiden müssen...
Wie konnte man sie aus dieser herrlichen Illusion reißen? Sie war lange genug Single um das zu schätzen, was ihr wiederfahren war.
Halt! Sie hatte tatsächlich mit Snape... Wie notgeil musste man sein um mit diesem... selbst in ihren Träumen, aber... krank, einfach nur krank... Moment, genießen war die Devise und das war schließlich kein Problem gewesen... erstaunlicher Weise.
Wenn man mal von dem schwarzen Ungetüm, das sich allerdings in manchen Dingen recht geschickt anstellte - eine plötzliche Hitze stieg in ihr auf -, absah, hatten sich ihre Träume durchaus gesteigert. Was sollte man nach der letzten Nacht eigentlich noch steigern? - Exakt! Die Besetzung.
Die Liebeserklärung, die ihr noch vor ein paar Minuten über die Lippen gerutscht war, schien vergessen...
Erwartungsfroh öffnete sie die Augen.
"Sie schon wieder?"
Zu ihrer Überraschung hatte ihr Gegenüber synchron mit ihr gesprochen.
"Was soll das denn heißen?", fragte ihn Hermine irritiert und ein wenig ungehalten.
"Was das heißen soll? Sie dusselige Schlampe verfolgen mich in meinen Träumen! Lassen Sie das augenblicklich!"
"Wer verfolgt hier denn wen? Sie meinten doch mich aus dem Turm retten zu müssen! Sie lassen mich verflucht noch mal nicht in Ruhe!"
"Wer ist denn um Mitternacht verschwunden, so dass ich mich mit einem lumpigen Schuh herumschlagen musste, Sie oder ich?"
Hermine und Snape saßen sich mit verschränkten Armen und finsteren
Blicken gegenüber.
Erst langsam dämmerte ihnen, was sie verband.
"Sie also auch", murmelte Hermine.
"Was auch?"
"Sie hatten auch so merkwürdige Träume."
"Alpträume wohl eher, wie sollte ich sonst Ihre Anwesenheit erklären..."
"Sie mich auch." - Wütend sprang Hermine von der weißen Bank. Bis zu diesem Moment hatte sie diese mit Snape - sitzender Weise - geteilt.
Erst jetzt fiel ihr Augenmerk auf die Umgebung. Einige Bäume umgaben die Lichtung, die die Parkbank beherbergte. Ihre Blätter waren bunt, als hätte der Herbst vor einiger Zeit Einzug gehalten. Die Wellen eines Sees schlugen ans nahe Ufer und ein kühler Wind bestärkte ihren unermüdlichen Gang.
Das würde sie sich nicht gefallen lassen. Diese Fledermaus kann diesen Traum allein gestalten! Sie würde gehen und zwar so schnell wie möglich.
Energischen Schrittes wollte sie nun zwischen zwei Bäumen hindurcheilen. Doch plötzlich versetzte sich der Stamm einer Eiche und die Lücke war Vergangenheit. Verwundert blieb Hermine stehen.
Hatte sie das gerade eben geträumt?
Natürlich hatte sie das! Innerlich schlug sie sich gegen die Stirn.
"Sie sind wohl noch nie durch einen Wald gelaufen. Sie müssen um die Bäume herumgehen...", ließ sich eine Stimme von der Bank vernehmen.
Klugscheißer!'
"Nein, wirklich?", ihre Antwort triefte vor Sarkasmus.
Hermine steuerte nun auf eine weitere Lücke zu, doch wieder versetzte sich ein Baum und der Ausweg von der Lichtung blieb ihr versperrt.
"Verfluchte Scheiße, ich will hier weg!"
"Dann gehen Sie doch, ich halte Sie ganz bestimmt nicht auf."
"Ich habe nicht mit Ihnen geredet!", fuhr Hermine Snape an.
"Mit wem denn sonst?"
Hermine schwieg. Mit den Bäumen' klang in ihren Ohren irgendwie
merkwürdig.
Unbeweglich blieb sie stehen.
"Wenn Sie nicht in der Lage sind zu gehen, werde ich es eben tun."
Snape erhob sich, zeigte Hermine eine arrogante Miene und nahm Kurs auf einen Bruch im Unterholz. Doch bevor er diesen erreichte, hatte sich schon ein Baum dort niedergelassen.
Perplex starrte er die morsche Rinde der Eiche an.
Als er Hermines belustigten Blick auf sich spürte, schritt er hocherhobenen
Kopfes auf eine weitere Lücke zu. Als auch diese ihm verwehrt blieb, grinste
Hermine ihn an.
"Professor, Sie müssen zwischen den Bäumen entlang gehen..."
Ein Brummen, das die Wucht der Schimpfworte auffing, antwortete ihr.
Hermine ließ ihren Blick schweifen. Bäume, Bäume, Bäume. Aber der See!
"Ich weiß ja nicht, was Sie machen, aber ich werde jetzt gehen."
"Und wie, wenn ich bitten darf?"
"Ich schwimme jetzt auf die andere Seite des Sees, den Baum, der mich davon abhält, möchte ich sehen. Und retten Sie mich bitte nicht!"
"Als ob ich das tun würde..."
"Man weiß ja nie... Einmal haben Sie es schließlich schon getan."
"Das wüsste ich."
"Wenn Sie meinen..."
Hermine schritt nun auf den See zu und watete ein paar Meter hinein. Das eiskalte Wasser lähmte sie und drang in ihren Mantel ein. Sie hätte am Liebsten geschrieen, aber sie presste ihre Lippen fest zusammen. Sie würde vor diesem Kerl keine Schwäche zeigen.
Kraftvoll drückte sie sich vom matschigen Untergrund ab und gewann mit ein paar Zügen Abstand vom Ufer.
Verdammt ist das kalt'
Mit einem Mal brauste eine Welle vor ihr auf und schob sie unaufhörlich zurück. Ohne zu wissen, wie ihr geschah, wurde sie ans Ufer gedrückt und mit einem lauten Brausen landete sie auf dem sandigen Boden, der den See umgab.
"Schon wieder da?" - Ein hämisches Grinsen zeichnete sich auf Snapes Gesicht ab.
Hermine keuchte. Eisige Kälte hielt sie noch immer gefangen.
"Kommen Sie!" - Seine Stimme hatte jegliche Gehässigkeit abgelegt.
Eine Hand erschien in ihrem Blickfeld und Snape half Hermine auf. Sie klopfte sich den Sand von den Kleidern und blieb zitternd stehen.
"Hier."
Snape hatte seinen Umhang abgestreift und reichte ihn Hermine.
"Und ich dachte schon, ich wäre auf den richtigen Snape gestoßen."
"Was heißt hier richtig'? Ich bin es doch."
"Dazu sind Sie zu nett."
"Herzlichen Dank! Reiner Selbstschutz. So wie ich diese Träume kenne, muss ich noch einige Zeit mit Ihnen verbringen und wenn Ihnen kalt ist, werden Sie unerträglich jammern."
Hermine antwortete ihm nicht, stattdessen wickelte sie sich in den Mantel und setzte sich wieder auf die Bank. Snape ließ sich neben ihr nieder.
"Kriege ich jetzt von Ihnen zu hören, dass das Leben wie eine Schachtel Pralinen ist?", sagte Hermine, das Zähneklappern unterdrückend, denn trotz des wärmenden Umhangs sorgten ihre nassen Kleider für ein frostiges Gefühl.
"Was soll das denn heißen?"
"Ach ich dachte nur, dass wir vielleicht diesmal bei Forrest Gump mitspielen müssen."
"Forrest Gump?"
"Vergessen Sie's!"
"Dann lassen Sie uns mal die Lage klären, wenn Sie denn dazu fähig sind."
"Wie wäre es, wenn wir mal den Teil mit den Beleidigungen überspringen würden?"
"In Ordnung, Sie können sich meiner persönlichen Geringschätzung Ihrer Person sicher sein."
"Na dann ist es ja gut. Was ist das Erste, an das Sie sich erinnern können?"
"Bibliothek, Sie hatten es nicht nötig mir zu sagen, wo ich den Atlas der mittelalterlichen Alchemie finde." - Ein bitterböser Blick streifte Hermine.
"Und Sie hatten es nicht nötig mich einfach darum zu bitten." - Trotzig verschränkte die Braunhaarige ihre Arme.
"Ich bitte Sie um nichts."
"Deshalb bekommen Sie ebenso viel zurück."
Einige Vögel flogen kreischend auf, als ihre lauten Worte durch den Wald hallten.
"Also, was haben Sie gemacht um uns in diesen Mist reinzureiten?"
Hermine öffnete ihren Mund, doch war sie für einen Moment sprachlos.
"Warum ich? Könnte es nicht sein, dass Sie auch einmal die Schuld tragen?"
"Nein, das ist nicht möglich."
Hermine kochte vor Wut.
"Sie haben doch in einem Buch gelesen, bevor ich zu Ihnen gekommen bin. Was war das für ein Buch?"
Hermine antwortete nicht.
"Hallo! Ich rede mit Ihnen!"
"Das ist mir vollkommen egal."
"Wollen Sie nun aus diesen Träumen raus oder nicht?"
"Der Zauber des Frühlings."
"Hier ist doch eindeutig Herbst"
"Nein, das Buch hieß Der Zauber des Frühlings'."
"Und? Haben Sie etwas damit gemacht?"
Ihre Stimmen hatten den trotzigen und aggressiven Klang verloren.
"Da war so ein Zauber, der einen in frühlingshafte Stimmung bringen sollte..."
"Frühlingshafte Stimmung? Sie haben doch bestimmt genug Hormone um allein in diesen Zustand zu kommen."
"Soll ich weiter erzählen?"
"Ich bitte darum."
"Also ich habe den Zauber ausgesprochen und es ist rein gar nichts passiert. Dann kamen Sie und haben mich mit Ihrem Gehabe genervt."
"Und dann?"
"Dann ist alles verschwommen."
"Aber da muss doch etwas Bestimmtes passiert sein."
"Ich weiß nicht, außerdem waren Sie auch dabei..."
"Sie haben nach oben geschaut."
"Ja, weil ich sehen wollte, wie Sie sich ärgern."
"Und mir unterstellt man Gehässigkeit."
"Sie sind halt der Typ für so was."
Ein kurzes Lächeln glitt über ihre Gesichter.
"O.K., jetzt weiß ich, dass Sie der Traum-Snape sind."
Snapes Lächeln verschwand.
"Ach komm schon. Ich nehme es dir eh nicht ab... Weißt du, du gefällst mir doch, nur dein reales Double kann ich nicht leiden."
Snape sah sie irritiert an.
"Komm schon, lass uns einfach da weitermachen, wo wir im letzten Traum aufgehört haben."
"Flippen Sie jetzt vollkommen a-?"
Doch bevor er den Satz beenden konnte hatte sich Hermine bereits an ihn geschmiegt
und versiegelte seine Lippen mit den ihren.
Schnell versiegte Snapes Widerstand und er zog Hermine fester an sich. Vielleicht war es ja doch seine Traum-Hermine. Zugegeben sie verhielt sich ein wenig merkwürdig, aber auch nicht merkwürdiger als bei ihrem Tanz im Ballsaal des Königs.
***
Na bitte, ich habe es doch gewusst. Als ob ich in meinen Träumen
den realen Snape treffen würde.'
***
Moment mal, warum konnte sie sich an die Bibliothek erinnern?'
***
Halt, stopp! Er wusste von der Szene in der Bibliothek, also... oh verdammt!'
***
Urplötzlich schraken die beiden auseinander.
"Oh mein Gott, Sie sind die reale Hermine."
"Natürlich bin ich das, aber Sie sind der reale Snape, das ist viel schlimmer."
Alarmiert betrachteten sie sich.
Schließlich durchbrach Hermine das Schweigen.
"Ich glaube, wir müssen reden."
"Ja, das sollten wir tun."
"Sie stimmen mir zu?"
"Könnten wir diesen Teil überspringen?"
~*~*~*~*~*~*~
Es dunkelte bereits als Hermine ihre Erzählung über ihren musikalischen Auftritt mit Snape beendete.
"Sie sind eine verkappte Romantikerin."
"Sagte derjenige von uns beiden, der von uns in der Casablanca-Endszene geträumt hat?"
Das gegenseitige Erzählen ihrer Träume hatte den Umgangston der zwei deutlich gemildert.
Hermine wunderte sich, dass sie zugegeben hatte, Snape geküsst zu haben. Gut, die Tatsache, dass Snape Ähnliches zu berichten hatte, erleichterte die Sache gewaltig, aber trotzdem... Doch nachdem sowohl ihr, als auch Snape klar war, dass Geheimnisse das Letzte waren, das sie aus dieser Situation führte, hatte sich eine erschreckende Offenheit zwischen Ihnen gefestigt.
"Sie sind dran!"
Snape räusperte sich und Hermine bemerkte, dass ihm der folgende Traum scheinbar nicht so leicht über die Zunge ging, wie die vorangegangenen und dann wurde ihr schlagartig etwas bewusst....
Sie hatte im letzten Traum mit ihrem' Snape geschlafen. Und das
sollte sie nun dem realen Snape gestehen?
Shit!'
Es war schon schwierig genug gewesen den Kuss zu offenbaren. Ihr Ego hatte sich deshalb bereits im See ertränkt und ihre Selbstachtung folgte unaufgefordert. Snape hatte sich zurückgehalten, da er nun mal in der selben Situation war. Aber wie sollte sie Snape eine solche Fantasie erklären?
Ach Sevi, weißt du, ich bin ja schon so lang Single und dachte, ich vernasch einfach mal dein Traum-Ich. Nimm es mir nicht übel, es war ja nur ein One-Night-Stand und hat auch gar nichts mit dir zu tun, vielleicht mit deinem Körper, aber bestimmt nicht mit dir... Du weißt ja ich kann dich überhaupt nicht leiden....'
Irgendwas störte sie an dieser Erklärung und fieberhaft suchte sie
nach einer Geschichte, die als Ersatz ihres Traumes fungieren könnte. Die
Wahrheit war einfach nicht immer das Richtige - konnte überhaupt nicht
das Richtige sein...
Er würde sie damit bis zu ihrem seligen Tod quälen, sie aufziehen
und sie vor der gesamten Schule zum Gespött machen. Verdammt! Verdammt!
Verdammt!
"Ja also,..."
Ja, also? Ach so, Snape war ja mit erzählen dran, was soll ich ihm nur sagen? Warum stockt er eigentlich? Das ist doch vollkommen untypisch für ihn'
"Ich, ähm..."
"Ja?"
"Ich bin auf einem Gletscher erwacht."
"Gletscher?"
"Ja genau und da habe ich einen Eisbären - ach verdammt! Na gut, nein, ich war nicht auf einem Gletscher und wenn nur ein Wort über Ihre Lippen kommt, dann...", demonstrativ wanderte sein ausgestreckter Zeigefinger an seiner Kehle entlang.
"Ich werde schweigen und das werden Sie auch tun..." wenn mir keine gute Erklärung für den letzten Traum einfällt...'
"Na gut, in meinem letzten Traum muss ich in Italien gewesen sein."
"Italien?"
"Na ja, ich konnte eindeutig mediterrane Sträucher riechen, ich kenne mich schließlich aus."
"Und?"
"Ich bin recht unsanft auf dem Bett gelandet und konnte durch eine angelehnte Tür eine recht aggressive Frauenstimme hören."
Unsanft auf dem Bett gelandet? Im Vergleich zu den kuscheligen Steinfliesen muss das richtig schmerzhaft gewesen sein - oh nein, das darf doch nicht wahr sein!'
"Und dann?" - Ein leichtes Wackeln schlich sich in Hermines Stimme.
"Ich bin eingeschlafen."
"Eingeschlafen?"
"Ja und dann bin ich auf der Parkbank wieder aufgewacht."
"Ach nein, sind Sie sicher?"
"Ja", eine eindeutige Unsicherheit beschlich ihn, "und was ist
Ihnen passiert?"
Und schon hatte sich das Blatt gewendet.
"Mit mir? Nichts weiter."
"Nichts weiter?"
Hermine seufzte
"Ich war auch in Italien."
"So?" - Unwillkürlich schien ihn wieder Verlegenheit zu ergreifen.
"Ja, ich hatte nur eine kleine Meinungsverschiedenheit mit Draco Malfoy auf einem italienischen Balkon."
"Wirklich?"
"Ja, danach bin ich in genau so ein Zimmer gekommen, wie es auch in Ihrem
Traum hätte vorkommen können..."
Hermine fühlte sich in diesem Moment tollkühn, doch irgendwann würden
sie gegenseitig zugeben müssen, was passiert ist und auf diese Weise hatte
sie zumindest die Oberhand....
"Was Sie nicht sagen."
"Tja und dort habe ich Sie dann vorgefunden."
"Und was haben Sie mit mir gemacht?"
"Ach, Sie schliefen und da haben wir nicht sonderlich viel gemacht."
"Nicht sonderlich viel?", Snape funkelte sie an.
"Tja, für meine Verhältnisse...", sagte Hermine und schenkte ihm ein funkelndes Lächeln.
"Als ob das nicht der beste S...- oh nein!"
"Der beste was?" - Ein gezielter Wimpernaufschlag traf Snape mit einem Lächeln.
"Sie falsche Schlange."
"Aus Ihrem Mund ein wahres Kompliment! Was sind Sie auf einmal so unfreundlich..."
Wie war das doch gleich: Mit ihm kann man Spaß haben...'
Snape verschränkte die Arme, sprang auf und wandte sich von Hermine ab.
Sie wartete einen Moment, dann sprach sie ihn wieder an.
"Ach kommen Sie schon!"
"Ich habe auch meine Würde."
"Aber doch nicht in meinen Träumen." - Hermine kicherte.
"Machen Sie nur Ihre Witzchen."
Männer!!!'
"Na gut," seufzte Hermine, "ich sage Ihnen was, aber Sie halten den Mund!"
"Und wenn nicht?"
"Dann werden 10kg härteste Cellulite Ihre Oberschenkel zieren."
Hermine sah wie die abgewandte Person zitterte, ein Lachen unterdrückend.
Sie konnte Snape zum Lachen bringen? Sie hätte Komikerin werden sollen...
"Sie waren wunderbar, ich werde mich ein Leben lang nach Ihren Künsten im Bett verzerren. Bitte seien Sie mir nicht mehr böse - warum, zu Merlin, mir das gerade auch wichtig sein mag."
Snape drehte sich um. Sein Lächeln ließ Hermine fast dahinschmelzen.
"Hermine, du bist..."
...wunderschön? ...die tollste Frau auf der Welt?'
"...vollkommen bescheuert."
"Du kannst ja richtig nett sein..."
"Wir sollten uns küssen."
"Wir sollten was?"
"Uns küssen, ich will nach Hause."
"Du nutzt die Lage aus."
"Ich bin müde und ich habe keine Lust mehr auf diesen Traum-Mist."
"Müde? Du schläfst doch die ganze Zeit."
"Also?" - Auffordernd trat er einen Schritt näher.
"Wenn es denn sein muss."
Hermine schloss die Augen. Sein warmer Atem strich über ihre Haut und
ließ ihr unwillkürlich kalte Schauer über den Rücken rieseln.
Seine Hand berührte vorsichtig ihre Wange und sie fühlte, wie einige
seiner Haare, vom Wind mitgerissen, gegen ihre Nase flatterten.
Ihre Lippen trafen sich. Nur ein kurzer Moment und schon verließen sie
Hermine wieder.
Hermine öffnete die Augen und erkannte die unergründliche Tiefe der
seinen nur Zentimeter von ihr entfernt. Ein kurzes Glühen in ihnen zeigte
ihr, dass dies soviel mehr als ein purer Fluchtversuch war, bevor sich ihre
Lippen erneut trafen.
Wieder schloss sie ihre Augen. Abrupt trennten sich ihre Lippen erneut und ein bitterer Geschmack überzog ihre Sinne.
"Küss mich noch einmal", murmelte Hermine.
"Poppy, ich habe dir schon immer gesagt, dass ich anziehend auf junge Frauen wirke."
Poppy???'
Schlagartig öffnete Hermine ihre Augen. Die plötzliche Helligkeit ließ sie blinzeln.
"Ms. Granger, Sie sind wieder wach." - Freudig erschien Dumbledore in ihrem Blickfeld.
"Was ist denn passiert?" Hermines Mund war trocken und behinderte damit das Sprechen.
Der alte Zauberer setzte zum Sprechen an, doch er wurde unterbrochen.
"Professor Dumbledore! Professor Snape ist aufgewacht!"
Hinter einer Trennwand aus weißem Leinen kam strahlend Madame Pomfrey
hervor.
Hermine befand sich eindeutig im Krankenflügel.
"Oh, Sie sind auch erwacht - das ist ja wundervoll!" Augenblicklich wuselte die Medi-Hexe um Hermine herum und reichte ihr ein Glas Wasser. Die junge Hexe setzte sich auf und trank gierig.
"Was ist denn nun passiert?", fragte sie schließlich.
"Das wüssten wir gern von Ihnen", sagte Dumbledore, "Wir fanden Sie und Professor Snape in der Bibliothek - in tiefen Schlaf versunken."
"Und?"
"Na ja, wir haben Sie beide in den Krankenflügel gebracht und Poppy hat versucht Sie mit allem Möglichen wieder wach zu bekommen, doch bis heute hat nichts funktioniert."
"Und womit haben Sie uns wach bekommen?" - Hermine versteckte ein Gähnen hinter ihrer Hand.
"Wach scheint der falsche Ausdruck zu sein, was?", schmunzelte der bärtige Zauberer.
"Ein Trank aus Frühlingskräutern, Ms. Granger", mischte sich Madame Pomfrey ein, die mit Ungnade Albus Verunglimpfung ihres Trankes verfolgt hatte.
"Frühlingskräuter, so, so...", wisperte Hermine.
"Sagt Ihnen das etwas, Ms. Granger?"
"Nein, nein", beteuerte Hermine.
"Was ist denn jetzt eigentlich mit Ihnen passiert?"
"Ich habe keine Ahnung, ich kann mich an nichts erinnern." Die Lüge war ihr ohne weiteres über die Lippen gegangen, obwohl sie nicht die geringste Ahnung hatte, warum sie nicht einfach die Wahrheit sagte.
"Zu Schade."
Für einen Moment hatte Hermine das Gefühl, dass der Schulleiter ihr zuzwinkerte.
"Ich werde Severus befragen, vielleicht kann er sich an etwas erinnern."
Hermine nickte.
Albus schritt um die Trennwand, nur um einen Moment später wieder zu erscheinen.
"Er ist weg."
"Es ist doch immer das Selbe mit ihm. Lässt man ihn zwei Minuten allein, verschwindet er aus dem Krankenflügel. Männer!", erboste sich Madame Pomfrey.
~*~*~*~*~*~*~
"Wie ist das Wetter?"
"Eben hat es noch geregnet, aber es scheint aufzuklaren", erwiderte Madame Pomfrey.
"Dann werde ich einen Spaziergang machen", beschloss Hermine.
"Aber überfordern Sie sich nicht, Ms. Granger. Nur weil ich Sie heute aus dem Krankenflügel entlasse, heißt das noch lange nicht, dass Sie sich nicht mehr schonen müssen."
"Ein bisschen frische Luft hat noch niemandem geschadet."
Hermine hüllte sich in ihren Umhang und verabschiedete sich von der Medi-Hexe Hogwarts.
Vor zwei Tagen war sie aus ihrem 10-tägigen Koma erwacht und hatte seitdem
Snape nicht mehr getroffen. Schiere Neugier erfasste sie. Wie würde er
auf sie reagieren, wie würden sie sich verhalten? Doch auch die Furcht
vor seinem Verhalten hielt sie gefangen. Die Träume hatten eine Erwartung
geschnürt, die vielleicht nie erfüllt werden würde.
Außerdem war das alles doch vollkommen verrückt - vielleicht war
leichte geistige Umnachtung eine Nebenwirkung ihres Schlafes. Das konnte immerhin
möglich sein...
Schmatzend gab die Wiese zu ihren Füßen nach. Der Regen des Morgens
hatte die Graspolster getränkt. Hermine pustete, scheinbar war sie doch
noch ein wenig schwach. Wenn man 10 Tage nur im Bett lag, schwächte das
die Muskeln. Sie hatte den See erreicht und setzte sich auf eine der Bänke,
die das Gewässer umstanden. Die Sonne kam hinter einigen Wolken hervor
und setzte goldene Tupfen auf die blauen Wellen.
Hermine schloss die Augen und spürte, wie die Sonnenstrahlen ihre Nase
kitzelten.
~*~*~*~*~*~*~
Ein Räuspern schreckte sie auf. Sie saß nun nicht mehr allein auf der Bank. Neben ihr hatte Severus Snape Platz genommen. Fragend sah sie ihn an.
"Meine Mutter hat einmal gesagt, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen..."
"...man weiß nie, was man kriegt."
Hermine lächelte und rückte näher an ihn heran. Sein Arm umschlang sie und ihre Lippen näherten sich unaufhaltsam.
Bin ich eingedöst? Schon wieder ein Traum?'
Die Sonne setzte Facetten auf ihre Locken und der Geruch blühender Pflanzen
durchzog die Luft.
Es war Frühling und allein das war schon etwas ganz Besonderes.
ENDE
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(A/N:) Ich möchte mich ganz herzlich bei meiner Beta oFlowero bedanken, die all meine wirren Gedanken auseinanderfädelt und meine Wortwiederholungen ausgemerzt hat. Sollten sich trotzdem Rechtschreib- oder Grammatik-Fehler finden, haben wir sie zur Belustigung der Leserschaft hineingeschrieben ;o) - Schon klar, oder? All den Lieben, die mich mit Reviews unterstützt haben, ein herzliches *Knuddel* - Ohne euch würde ich wahrscheinlich nicht mehr schreiben...
Ob Hermine nun träumt oder nicht überlasse ich übrigens ganz allein euch.
Curlylein