DER ZAUBER DES FRÜHLINGS


von Curlylein




Über Euer Feedback freut sich: Curlylein




Kapitel 1-4


Disclaimer: Nichts gehört mir, alles den Anderen, obwohl die Reviews und (virtuellen) Kekse werde ich ganz allein für mich beanspruchen ;o)

 




 

Kapitel 1: Winterdepression

Beim Aufziehen der Vorhänge heute Morgen war es passiert. Schlechte Laune nahm sie gefangen und ein Entrinnen aus der depressiven Stimmung schien unmöglich.
Hermines grazile Finger umschlossen den Henkel eines hellblauen Bechers, den eine strahlende Sonne verzierte. Seufzend betrachtete sie diese, bevor sie das Porzellan an ihre Lippen setzte und Kaffee durch ihre Kehle rann.
Hermine schloss die Augen. Ein Lächeln umspielte ihren Mund, als Gedanken an einen lauen Sommerwind, der ihre geliebte Hängematte schaukeln ließ, mit der Erinnerung an warme Sonnenstrahlen auf der Haut vermischt sie streiften.


Ein gereiztes Räuspern schreckte sie aus ihren Tagträumen. Widerwillig öffnete sie die Augen. Diesen Ton brachte nur einer so perfektioniert zustande und ein Tausch seines Anblicks gegen ihre Sommerfantasien schien keinesfalls erstrebenswert.


Und da stand er. Sein Auftritt war gekonnt. Finstere Blicke zu allen Seiten verschießend und mit dem dröhnenden Prasseln des Regens als Untermalung hatte sich Professor Severus Snape in bedrohlicher Pose vor ihrem Tresen aufgebaut.


"Womit kann ich Ihnen helfen?" fragte Hermine resigniert.


"Dieses Buch!" forderte sie ihr dunkles Gegenüber auf und ließ ein Pergament, auf dem in geschliffener Schrift ein Buch vermerkt war, auf den Tresen fallen.


"Selbst die Schüler Ihres Hauses kennen ein gewisses Maß an Benimm. Versuchen Sie es doch noch einmal mit einer Formulierung wie: "Ich hätte gerne" und ein Bitte hilft manchmal auch."


Hermine funkelte ihn an. Ein wenig ihrer schlechten Stimmung an Snape auszulassen schien in der Tat sehr reizvoll.
Sie eines wütenden Blickes aussetzend griff Snape nach dem Pergament und verschwand mit einem Flattern seines Umhanges zwischen den Regalen des südlichen Teiles der Schulbibliothek in Hogwarts.


‚Schade, das hätte noch viel amüsanter werden können.' Positiv blieb jedoch, dass er in dieser Richtung der Bücherei sehr lange nach dem gewünschten Band suchen konnte, denn dieser befand sich im nördlichen Teil.


Nach diesem kurzen Vergnügen widmete sich Hermine wieder ihrem Selbstmitleid. Immer noch trafen dicke Regentropfen die hohen Fenster der Bücherei und nur wenig Tageslicht drang herein. Der April schien sich keinesfalls als Frühlingsmonat anzusehen und dies machte Hermine schwer zu schaffen.


"Wo zum Teufel noch mal bleibst du Frühling?" murmelte Hermine als eine Schülerin an ihren Tisch trat und sie höflich um ein Buch bat. Hermine suchte dieses heraus und das Mädchen bedankte sich artig.


Eigentlich konnte sie mit allem zufrieden sein. Sie hatte viele Freunde, war noch jung, einigermaßen hübsch und auch die Anstellung als Bibliothekarin in Hogwarts war nicht zu verachten. Und doch: Dieses Wetter ließ ihre Lebensenergie in sehr rote Gefilde absinken.


Nachdem auch der letzte Schluck der koffeinhaltigen Glückseligkeit in ihren Magen gewandert war, blickte sie umher. Viel Stress versprach der Samstag nicht, obgleich bei diesem Wetter viele Schüler den Nachmittag wahrscheinlich zum Lernen verwenden würden. Nun gut, die Quidditchspieler würde man abziehen müssen und da die Prüfungen noch in einiger Entfernung lagen reduzierte sich die Zahl der Lernenden eigentlich auf ein Minimum.


Hermines Blick streifte den Rückgabekorb. Die zurückgegebenen Bücher passierten erst diese Station bevor sie von Hermine an ihren Stammplatz verfrachtet wurden.
Und dies schien gerade wieder nötig zu sein, denn der Korb hatte seine maximale Befüllung mit ein paar strategisch ausbalancierten Büchern erreicht.
Eines dieser ergriff Hermine nun todesmutig und konnte mit einer raschen Handbewegung verhindern, dass sich die restlichen auf dem Boden verteilten.
Ihre Augen suchten den Titel.

‚Der Zauber des Frühlings.'

‚Tja, das Buch hätte ich auch zurückgegeben...'

Doch ihre Neugier ließ sie zu ihrem Stuhl gleiten und das Buch aufschlagen.
Sie übersprang das Vorwort und ihre Augen glitten über das Inhaltsverzeichnis.


‚Der einzig wahre Weg um Ihrer Winterdepression Herr zu werden', prangte unter Kapitel 7 und ließ Hermine sogleich die angezeigte Seite aufschlagen.
Einige Bilder von depressiven Zauberern, in denen sie sich ohne Probleme wiederfinden konnte, zierten die Seiten.

"Unglaublich, doch zugleich wahr! Ein winziger Zauber lässt Ihre schlechte Stimmung weichen und stattet Sie mit der einzigartigen Gemütslage des Frühlings aus. Um den Zauber auszuführen, müssen Sie nichts weiter tun als den untenstehenden Zauberspruch dreimal zu sprechen und dabei an den Frühling zu denken."

Hermine runzelte die Stirn. Das war zu einfach, um effektiv zu helfen. Aber was sollte schon passieren? Einen Versuch war es immerhin wert...
Sie sprach dreimal den abgedruckten Spruch, während sie krampfhaft ihren Kopf mit Gedanken an Krokusse und Schneeglöckchen füllte.
Nichts passierte.
‚Habe ich es doch gewusst.'
Trotz alledem blätterte sie noch ein wenig in dem Buch.

Ein triumphierendes "Hah" drang aus dem Nordteil der Bibliothek und Hermine wurde klar, dass Snape scheinbar seine Suche nach dem gewünschten Buch erfolgreich abgeschlossen haben musste.


Ein wenig schlechtes Gewissen nagte nun an ihr, doch immerhin hätte er sie ja wirklich freundlich (als ob er das je wäre) fragen können und dann hätte sie ihm schließlich geholfen.
Schritte näherten sich und ein Schatten legte sich über sie.


"Ich habe es allein gefunden, Sie überflüssiger Bücherwurm", erklang Snapes schnarrende Stimme.


Hermine sah nicht auf


"Ich bin ja stolz auf Sie. Sollten Sie tatsächlich erwachsen werden und ein Buch schon allein finden? Toll! Möchten Sie jetzt einen Schokokeks?"


‚Oh was kann man Spaß mit ihm haben.'


Ein starkes Verlangen sein beleidigtes Gesicht zu betrachten stieg in ihr auf, doch dies hob sie sich noch für einen Moment auf. Vorfreude ist schließlich (gleich nach Schadenfreude, wie ihr gerade einfiel) die schönste Freude.


Ein wütendes Schnauben erklang und Hermine erlag ihrem Verlangen und hob den Kopf.


In dem Moment, als sich ihre Blicke trafen, durchfuhr sie ein gleißender Lichtblitz und in großen Wellen verschwamm die Szene vor Hermines Augen.


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Kapitel 2: Rapunzel? Vergiss es!

 

Hermine schlug die Augen auf. Die Sonne ließ sie einen Moment blinzeln. Weich lag sie inmitten eines Bettes.


‚Nur ein Traum, puh. Ein Alptraum, logisch, denn wenn dieser Tränkemeister mitspielt...'


Sie setzte sich auf.

‚Moment, hier stimmt doch etwas nicht...'

Sie blickte sich um. Das war weder ihr Bett, noch ihr Zimmer.
Was war das Letzte, an das sie sich erinnern konnte? Da war nur dieser bescheuerte Traum, aber sonst? Hermine ließ den Kopf in ihre Hände sinken.


‚Also ganz rational: Warum zum Teufel bin ich hier?'

Vermutungen einer durchzechten Nacht in den Drei Besen stiegen in ihr auf, doch eine wirkliche Erinnerung wollte nicht zustande kommen.
Sie entschied sich erst mal das runde Turmzimmer genauer zu inspizieren.


Als sie die flauschige Daunendecke von sich schlug erlebte sie eine weitere Überraschung. Sie trug ein langes weißes Nachthemd, dessen seidige Wellen ohne weiteres den Holzboden erreichten, den sie nun barfüßig betrat.


Wer hatte sie in diesen Fummel gesteckt? War sie entführt worden und stand nun auf der Speisekarte eines verrückten Ritualmörders? Das wäre zumindest eine Erklärung, jedoch eine, die nicht unbedingt für ein sonderlich gutes Gefühl in ihrer Magengegend sorgte.


Hermines Prüfung der Örtlichkeiten war rasch abgeschlossen, denn viel gab es zu ihrem Leidwesen nicht zu entdecken. Sie befand sich in einem runden Turmzimmer, so viel war klar. Steinerne Wände deuteten auf eine trutzige Burg oder Ähnliches hin. Mittelpunkt war das große Bett, in dem sie vor einiger Zeit erwacht war. Keine Tür oder Luke versprach einen Ausweg. Die einzige Verbindung zur Außenwelt war ein kleines rundes Fenster, zu dem sie nun schritt. Schritt - das Nachthemd schien seine Wirkung auf den Träger zu haben.


Der Blick aus dem Fenster ließ ihre Züge erstarren. Ihr Zimmer war in beträchtlicher Höhe und soweit sie sehen konnte einsam. Grüne Rasenflächen umschlossen den Turm. In einiger Entfernung schloss sich ein dichter Wald an. Doch keine Menschenseele war zu finden.


‚Super und jetzt?'


Kälte zog sich in Form von einer Gänsehaut an ihren Beinen hoch. Draußen schien es durchaus warm zu sein. Die Sonne sendete ihre Strahlen, doch die dicken Steinmauern bildeten ein Schutzschild gegen sie, so dass modrige Kühle im Zimmer vorherrschte.
Das Fenster, das nur eine Öffnung im Gemäuer ohne eine Glasscheibe oder eine Isolation war, ließ ein wenig Wind hinein, doch auch dieser war kein laues Lüftchen.
Sie bibberte, teils aufgrund der Temperatur, teils wegen der aussichtslosen und unverständlichen Lage, in der sie sich befand.


Rasch setzte sie sich wieder auf das Bett und zog die Bettdecke eng um sich.
Was sollte sie machen?
Langsam sackten ihre Augenlider hinab.


Was ist denn passiert? ... Ich fand sie so...

Ein lautes Poltern riss sie aus leichtem Schlummer. Hermine strich sich den Schlaf aus den Augen und sah zum Fenster. Holzholme lehnten sich an die Steine. Ein wenig ängstlich schlich sie zum Fenster. Ein Ächzen zeigte ihr, dass sich jemand näherte. Und nun hörte sie das Klappen von Ledersohlen auf Holz.


‚Wer ist das?'


Kurze Zeit später war die Person auf der Höhe des Fensters angelangt.


Hermine verschlug es die Sprache. Lange schwarze Haare schmiegten sich an den Kopf des Kletterers. Allzu bekannte dunkle Augen fokussierten Hermine.
Der obligatorische schwarze Umhang und die viktorianische Kleidung waren albernen grünen Pluderhosen, einem weißem Hemd und einer hellen Lederweste gewichen.


‚Bizarres Theaterspiel und du hast den Vorhang verpasst?'


Snape - denn nur er konnte es sein - stieg nun über die Fensterbank und stand inmitten des Raumes. Hermine wich einen Schritt zurück, denn um die Unmöglichkeit der Szene ins Unbeschreibliche driften zu lassen, tat Snape etwas, das Hermine noch nie bei ihm gesehen hatte.


Er lächelte.


Keinerlei Schadenfreude oder Häme fand sich in dieser freundlichen Miene.
Er sah sie wie verzaubert an und ging nun auf sie zu.
Unverzüglich glitt Hermine einen weiteren Schritt zurück.


"Rapunzel, meine Prinzessin", sprach Snape, machte eine fließende Bewegung auf sie zu und ergriff ihre Hand, die sogleich mit einem Handkuss verziert wurde.


Hermines Kiefer sackte herab. Hinter sich fühlte sie die Steinwand, so dass ein Ausweg nach hinten unmöglich war. Sie fing sich und begann sogleich auf Snape einzureden.


"Rapunzel? Sie haben da etwas vollkommen missverstanden. Ich kenne diese Rapunzel nicht und ich kann Ihnen versichern, dass ich es nicht bin..."
Hermine brach ab, denn Snapes Gesicht hatte einen verschmitzten Ausdruck angenommen.


"Du willst mich nur auf die Probe stellen, meine Prinzessin, aber wer sonst sollte in diesem Turm leben. Du bist nur verwirrt. Ich werde dich vor der bösen Hexe retten und dann reiten wir in den Sonnenuntergang. Und später wirst du meine Gemahlin."


"Wie bitte? Vergessen Sie es! Sie werden mich nicht retten! So läuft das nicht!"


"Und jetzt einen Kuss für deinen Helden", mit gespitzten Lippen näherte er sich wiederum.


Mit einer Hand hielt Hermine ihn auf Abstand.


"Nein, nein, nein - so geht das nicht! Sie können doch nicht einfach…was bilden Sie sich ein? Ich werde Sie nicht küssen und jetzt lassen Sie mich sofort gehen!"


"Was bist du denn so zickig?"


"Ich bin nicht zick..., äh, möchtest du denn eine Gemahlin, die so ist? Ich denke nicht. Versuch dein Glück doch bei Aschenputtel oder Schneewittchen."


"Keine kann dir das Wasser reichen, meine Prinzessin."


"Hör auf, ich bin nicht deine Prinzessin!"


"Aber das Happy End."


"Nicht mit mir, das kannst du dir abschminken!"


Mit diesem Satz trat Hermine ihrem ‚Helden' inmitten seiner märchenhaften Fantasien und während Snape gekrümmt in sich zusammenfiel, rannte Hermine zum Fenster und stieg auf die Leiter.


Als sie den halben Weg zurückgelegt hatte, erschien ein Gesicht am Fenster und mit einem Aufschrei beobachtete Hermine, wie ihre Leiter abgestoßen wurde und schon stürzte sie gen Boden. Plötzlicher Nebel umgab sie und das Bild verschwamm vor ihren Augen.


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Kapitel 3: Unter freiem Himmel

 

Sie spürte, dass sie zu Bewusstsein kam, doch ihre Augen zu öffnen war ein Wagnis, das sie nicht eingehen wollte.

Also gut, es war ein weiterer Traum. Ein vollkommen hirnrissiger Traum. Nichts als ein Traum. Ein Traum einer vollkommen Verrückten - Snape als Rapunzels, Verzeihung, Hermipunzels Prinz Charming - absolut irr. (A/N: thanks to Callista)


‚Ich sollte die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht bin ich diesmal wirklich aufgewacht.'


Sie bewegte sich ein wenig, doch der Untergrund schien keinesfalls ihr Himmelbett zu sein. Langsam sammelte sie ein wenig Mut und schlug dann plötzlich die Augen auf.


‚Scheiße'


Sie lag unter freiem Himmel - nun ja wenigstens ein frühlingshafter Schäfchenwolkenhimmel. Aber dennoch, alles außer ihr Bett war Hermine in diesem Moment nicht recht.


Erst jetzt registrierte Hermine das laute Rauschen, das ohrenbetäubend die Luft durchflutete. Hermine setzte sich auf. Der Untergrund, den sie als bettfremd erkannt hatte, stellte sich als eine grüne Wiese heraus, deren Geruch ihr nun in die Nase drang. Als Verursacher des Rauschens entpuppte sich ein Fluss, der sich brodelnd seinen Weg durch die Natur suchte.


Auf der anderen Seite des Wassers weidete eine Schafherde. Ein Hund, dessen Aufgabe wahrscheinlich darin bestand diese zu bewachen, hatte sich im Gras ausgestreckt und schien die Sonne zu genießen.
Etwas abseits stand ein alter Baum, dessen Blätterdach weit hinab hing. Darunter vermeinte Hermine eine Person, die sich im Schatten an den Stamm lehnte, zu erkennen.


‚Na gut. Noch ein Traum. Toll, toll, toll - aber nicht mit mir! Schließlich brauche ich nichts weiter tun, als sterben. Spätestens dann, werde ich aufwachen müssen...'


Ohne weiteres Überlegen sprang Hermine in den Fluss und bemühte sich nicht aus Reflex gegen die Fluten anzukämpfen. Langsam schwand ihr Bewusstsein.

Hermine, bist du bei uns? Was ist passiert? - Wissen Sie etwas? - Nein, auch ich bin mit meinem Latein am Ende, wir werden abwarten müssen. - Das arme Kind.

An ihren nassen Kleidern wurde sie ans Ufer gezogen. Der moosige Untergrund wich warmen Grashalmen. Vorsichtig wurde sie ein paar Ohrfeigen ausgesetzt. Behäbig begann sie zu blinzeln.


Die Sonne blendete und helle Kreise zogen durch ihre Sicht. Ein Schatten fiel über sie und dunkle Augen erschienen in ihrem Blickfeld.
Schwarze Haare kitzelten sie, als die Person sich über sie beugte. Die Person? ‚SNAPE! Das kann doch nicht sein!'


Plötzlich wurde ihr klar, was dieser sogleich vorhaben würde.
Blitzartig hellwach schrak Hermine auf und stieß hart mit ihrem Kopf gegen den Anstoß ihres Unmutes.


"Lassen Sie Ihre dreckigen Lippen von mir, Sie Ekel!"


Ihr Gegenüber rieb sich das Kinn, das Hermine mit ihrer Stirn arg touchiert hatte und sah sie mit wachsendem Unverständnis an.


"Wie bitte? Ich habe Sie aus den Fluten gezogen und dachte, Sie würden ersticken."


Erst jetzt bemerkte Hermine die triefenden Kleider Snapes.


"Sie Idiot! Warum haben Sie mich nicht aufwachen, äh, ertrinken lassen?"


"Entschuldigen Sie, wenn ich Ihre Pläne durchkreuzt habe, aber es blieb leider keine Zeit sie nach ihren Wünschen zu befragen." In jedem seiner Worte schwang Zorn mit.


Nun tat Hermine ihr Ausbruch leid, doch dies war ein minderwertiges Problem. Wie zum Teufel sollte sie aus diesem Traum entkommen?


"Wenn ich noch einmal hinein spränge, würden Sie mich dann wieder retten?"


"Aber natürlich", sein Ärger war einem kessen Lächeln gewichen.


"Verdammt", fluchte Hermine.


Irritiert sah der Schäfer sie an.


"Ach vergessen Sie es..."


"Sie haben Probleme? Kann ich Ihnen helfen?"


‚Dieser Traum ist so abstrus, so würde er sich nie verhalten. ER hätte mich ertrinken lassen, ER wäre so nett gewesen - Moment, ich sollte meine Gedanken ordnen!'


Währendessen hatte sich Schäfer Snape wieder ins Gras gesetzt und streichelte nun den wuscheligen Hund, der sein Herrchen zuvor ein paar Mal umkreist hatte.
Ein süßes Bild. Der Anflug eines Lächelns glitt über Hermines Gesicht.
Sie setzte sich zu den Beiden und der Hund änderte unverzüglich seine Position, indem er sich von Hermine streicheln ließ.


"Sie frieren?" Der Schäfer sah Hermine besorgt an.


Trotz der Sonne sorgte die nasse Kleidung für eisige Kälte und Hermine nickte.


"Warten Sie..."


Snape lief zum Baum und zog aus dem Schatten einen Umhang hervor.


Lächelnd empfing ihn Hermine.


"Bitte sehr", sagte Snape und reichte ihr den derben Stoff. Hermine griff nach ihm und für einen kurzen Moment streifte ihre Hand die seine.

Alles verschwamm.


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Kapitel 4: Ein Auftritt.

 

Hermine schlug die Augen auf und sah - sich selbst? Sie brauchte einen Moment bis sie verstand, dass sie vor einem großen Spiegel saß.


‚Langsam habe ich keine Lust mehr! Kann ich nicht endlich aufwachen? Wo bin ich eigentlich diesmal gelandet?'


Um dieser Frage nachzugehen, streiften ihre Blicke die Umgebung.


‚O.K., kurzer Statusbericht: Kleiner Raum, grelle Deckenbeleuchtung - Memo an mich: Nicht wieder hineinschauen! - und Schminktisch - Schminktisch??? Gut, nicht darüber nachdenken... Mal weiter sehen: Haare: hochgesteckt - muss Traum sein, hätte ich so nie geschafft; Kleidung: Weißer Bademantel, kann allerdings nicht alles sein, Bademäntel sitzen nicht so eng.'


Neugierig entknotete Hermine den Gürtel und ließ den Froteestoff von ihren Schultern gleiten.


‚Oh! Mein! Gott!'


Nicht sicher, ob ihr gedanklicher Gottesanruf positiv oder negativ gemeint war, begutachtete Hermine den roten Seidenschlauch, der sich scheinbar für ein Kleid hielt.


Eine jede ihrer Kurven abzeichnend - zu Hermines Leidwesen nicht nur jene, die sie gern betonte - fiel die Stoffbahn bis Millimeter über den Boden.
Im Nacken gerafft und in der Folge praktisch ohne Ausschnitt, war dieses Kleid fast zu brav für sie. Sie drehte sich vor dem Spiegel und verwünschte den Schein der Lampe, der sie in unglückliches Licht rückte und ihrer Haut einen leichenfahlen Ton gab.


‚Vielleicht doch nicht zu brav...'


Der Spiegel gestattete ihr einen Blick auf ihren Rücken, der bis weit hinab entblößt, einen reizvollen Anblick bot.


Langsam wurde ihr bewusst, dass dieser Aufzug einen trauminternen Grund haben musste und ein flaues Gefühl befiel sie.


Es klopfte.


"Herein" - das Zittern in Hermines Stimme war nicht zu überhören.


Augenblicklich wurde die Tür geöffnet. Eine blonde Frau schaute herein. Ihre Haare waren zu einem Knoten aufgedreht, in dem diverse Kugelschreiber steckten. Dies und ein Klemmbrett, das sie mit sich führte, als wäre es schon zu einem Teil von ihr geworden, unterstrichen ihren geschäftigen Gesichtsausdruck.


"Hermine, dein Auftritt!"


"Mein was?"


"Ein Scherzkeks wie immer! Hahaha, aber das kann ich gerade nicht brauchen", erklärte die Frau ohne weiter auf Hermines Verwirrtheit einzugehen und schob sie mit der klemmbrettfreien Hand an ihrem Rücken einen Gang entlang.


Vor einem bordeauxroten Samtvorhang kamen sie zum stehen. Der Blondschopf sah auf die Uhr, während Hermines Aufforderungen Aufklärung zu schaffen von ihr abprallten.


Einige Zeit verging bis Hermine von einem Mann, der wie aus dem Nichts auftauchte ein silberner Gegenstand in die Hand gedrückt wurde.


Eine Querflöte?


Irritiert sah sie umher, doch keine Lösung schien greifbar.


In die Klemmbrettträgerin war derweil Leben gekommen, sie zog an einer Leine, so dass der Vorhang sich öffnete, bedachte Hermine mit einem "Toi, toi, toi, das könnte dein großer Durchbruch sein!" und schob sie mit sanfter Gewalt aus dem Schatten des samtenen Stoffes.


‚Durchbruch? Was zu Merlin ist hier los?'


Auf dem glatten Holzboden fast ausgleitend erkannte sie die Umgebung, in die sie hineingeschoben wurde und erstarrte.


Einige hundert Augenpaare waren auf sie gerichtet. Sie schien sich auf einer Bühne zu befinden. Ein schwarzer Flügel stand zu ihrer Rechten. Ein großer Strauß roter Rosen und einige Kerzenleuchter schmückten den Raum.


Das Publikum war in schummeriges Dämmerlicht getaucht, so dass von den hinteren Reihen nur wenig zu erkennen war.
Hermine schluckte. Was hatte das alles zu bedeuten?


Langsam schritt sie rückwärts, nur wenig in ihr hielt sie davon ab zu rennen. Vernehmliches Husten schwirrte durch den großen Raum.


Plötzlich spürte ihr Absatz einen ungewöhnlichen Widerstand. Ein leiser Schmerzlaut war zu hören und Hermine drehte sich um.
Sie erkannte den Widerstand als Fuß einer Person, die ihr nun gegenüberstand.


‚Spielt der eigentlich immer mit?', dachte Hermine genervt.


"Unser Auftritt. Wollen wir?", seine seidige Stimme legte sich über Hermines Sinne und sie ließ sich an seiner Hand zum Flügel führen. Erst dort wurde ihr bewusst, dass dies keinesfalls in ihrer Absicht lag.


Snape, den sein dunkler Anzug außergewöhnlich gut kleidete, setzte sich an den Flügel und nickte ihr aufmunternd zu.


Leise Klänge und Akkorde verformten sich zu einer Melodie und Hermine stand starr neben dem Flügel, dessen Vibrationen in kalten Schauern über ihren Körper rannen.


Wiederum nickte Snape ihr zu und einen Blick von ihm auffangend wusste sie, dass sie spielen musste.


‚Wenn Snape in meinem Traum Klavier spielen kann, warum sollte ich dann nicht Flöte spielen können?'


Sie erhob die Flöte und setzte das kalte Metall an ihre Lippen. Ohne zu wissen, was sie tat, spielte sie. Töne erhoben sich und verschmolzen mit den Klängen des Klaviers zu einer Einheit.

... Wenn wir nur mehr wüssten. Hat sie nicht Snape gestöhnt? Wie steht es um ihn?...

Sie wusste nicht, wie lange sie gespielt hatte, eine fortwährende Trance umgab sie.


Mit einem Mal verklangen die Töne und ein rauschender Beifallssturm brach in die Stille.


Hermine legte die Flöte auf einen Tisch und die entgegengebrachte Begeisterung nahm sie mit. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Mit einem Mal fiel ein Schatten über sie. Snape hatte sich von den Tasten erhoben, eine Rose aus dem Strauß gezogen und hielt sie ihr nun entgegen.


"Ich wusste, dass du es kannst!" Ein Kuss auf ihre Stirn unterstrich seine Worte.


Ein Kribbeln ging durch Hermine und eine Gänsehaut legte sich auf ihre Haut. Plötzlich schien er ihr so nah. Er sah in ihre Augen und sie spürte ihn. Es schien als ob sie unsichtbar verbunden waren und sie merkte, wie ihre Lippen sich den seinen näherten. Es war auf einmal so richtig. Das Einzige, was sie tun konnte. Überlebenswichtig.


Sie schloss die Augen. Wie ein Gewittersturm brach dieser Kuss über sie hinein.

Alles verschwamm.


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