DURCH DIE HÖLLE UND ZURÜCK

von Sybille



          

Klassische Amphoren mit den Taten des Herakles (hier: Kampf mit den Stymphalischen Vögeln, der Hydra und Kerberus).
Guter Link, um die einzelnen Geschichten und anderes nachzulesen: Das Mythentor
PM

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Feedback: Sybille



Kapitel 12- 17



Dumbledore strauchelte und wurde im selben Moment von einer überaus erbosten Kreatur gepackt, die sofort realisiert hatte, was

12. Kapitel

 

Die Rosse des Diomedes

 

Die Kreatur griff mit einem spöttischen Grinsen auf den blutverschmierten Lippen, nach der linken, von Snape erwählten Phiole und begab sich zu Hermine. Derb packte sie nach ihrem Schopfe, riss die Gryffindor mit einem Ruck empor und hielt ihr den Trank an die Lippen.

Hermine stöhnte auf und wimmerte: "Geh weg! Ich...will keine Uhren...keine Zeiger...nur Ruhe..."

"Halt die Klappe!", brummte die Kreatur "und trink, was Dein Geliebter für Dich erwählt hat!"

Hermine machte keine Anstalten den Mund wieder zu öffnen, oder gar irgendetwas zu trinken, sondern hing zitternd und stöhnend, an ihren Haaren gepackt, in der mit Blut besudelten Hand des Monsters. Mit einem erneuten Ruck an ihren Haaren, riss das Monster ihr ein ganzes Büschel aus und warf es ärgerlich bei Seite. Dann wurde Hermine grob unter dem Kinn ergriffen, und ob sie wollte oder nicht, stopfte man ihr die Phiole in den Mund und hielt ihr die Nase zu, bis sich das kleine Glasgefäß geleert hatte. Unwillkürlich musste sie nun schlucken.

Zufrieden entließ sie die Kreatur wieder aus ihrer Pein und Hermine fiel zu Boden, wo sie sich zusammen rollte und reglos liegen blieb.

 

Snape hatte gar nicht hinsehen wollen, es unweigerlich aber doch getan. Es zerriss ihm fast das Herz. Er hätte gerne ihr Leid auch noch auf sich genommen. Sie tat ihm so leid! Eine vereinzelte Träne rann ihm über die Wangen und in seinem Inneren brodelte ein unbändiger Zorn. Sollte er Hermine irgendwann in Sicherheit wissen und die Gelegenheit erhalten sich zu rächen, würde seine Vergeltung grausam ausfallen!

 

Nun aber starrte er mit angehaltenem Atem auf Hermine. Sie regte sich nicht. Variante eins, dass sie in Sekunden geheilt würde, schien er nicht erwählt zu haben!

Konnte nicht mal irgendetwas glatt gehen? Sein Kopf wurde schwer und sank ihm auf die Brust. Seine Schmerzen lähmten sein Denken. Es fiel ihm zunehmend schwerer seinen Kopf zur Seite zu drehen, um Hermine zu beobachten. Hoffentlich hatte er nicht den Tod über sie bestimmt! Seine letzten Gedanken, bevor ihm die Sinne schwanden, galten Hermine. Sie sollte leben!

 

Er kam erst wieder zu sich, als er zu Boden stürzte, weil ihm die Kreatur die Fesseln durchschnitt.

"Glück gehabt!", schnarrte diese "es obliegt nun Dir, sie wieder herzustellen, damit sie die nächste Aufgabe in Angriff nehmen kann."

Die Worte erreichten ihn nur von Ferne, durchdrangen aber dennoch seinen Geist. Sie war nicht gestorben! Noch nicht! Er konnte ihr helfen. Er konnte sie retten! Seine Hermine lebte!

Auf dem Boden liegend sah er in ihre Richtung und robbte dann unter äußerster Anstrengung zu ihr hin. Seine Arme waren momentan zu nichts zu gebrauchen. Erst recht nicht der linke Arm. Schmerzen versuchte er zu ignorieren. Jetzt zählte nur Hermine!

Als er endlich bei ihr war, legte er seinen Kopf auf ihre Schultern und atmete erschöpft ein und aus. Er war bei ihr! Sie lebte noch! Nur das zählte!

 

Weder er noch sie waren zu irgendwelchen Handlungen fähig. Sie bekam offenbar gar nichts mit und er war zu entkräftet, um irgendetwas in Angriff zu nehmen.

Genau in diesem Moment, als die Kreatur höhnisch auf das Pärchen zu seinen Füßen herabblickte, erschien der Phoenix Professor Dumbledores im Tempel.

Als die Kreatur dieses ungebetenen Gastes gewahr wurde, schrie sie sie entsetzt mit hellem Tone auf und presste sich ängstlich an die Wand.

Ein Phoenix! Im heiligen Tempel! Das konnte nichts Gutes bedeuten!

 

Snape erkannte ihn wie durch einen Schleier und presste heiser hervor: "Fawkes! Fawkes, hilf Hermine! Bitte!"

Doch der Phoenix setzte sich zunächst auf Snapes Schulter und weinte eine seiner kostbaren Tränen. Diese perlte auf dem Rücken des Tränkemeisters herab und ließ unter einem Brodeln und Zischen die unschönen Striemen, die ihm die peitschwütigen Ranken hatten zukommen lassen, verschwinden. Anschließend benetzte er auch noch Snapes Arm und wollte sich dann gerade auch Hermine zuwenden, als die Kreatur ihre Fassung zurück gewann und das Signal zum Angriff auf diesen wunderschönen Vogel gab.

 

Die Ranken schossen hervor und trieben ein übles Spiel mit Fawkes. Sie umschlossen seine langen Schwanzfedern und wirbelten ihn herum. Dumbledores ganzer Stolz wehrte sich verbissen und konnte den Schlingpflanzen nach erbittertem Kampf entweichen. Bevor er jedoch endgültig verschwand, angelte er sich hastig etwas vom Boden und trug es in seinem Schnabel davon.

 

Snape atmete tief ein und empfand augenblicklich wieder Hoffnung. Albus musste Fawkes entsandt haben! Man war ihnen auf der Spur! Er wusste nicht, ob Albus nur nach ihm suchte, oder auch nach Hermine. Ihr Verschwinden musste schließlich auch irgendwie aufgefallen sein! Doch dass man eine Verbindung zu ihm sah, war eher unwahrscheinlich. Egal! Dieser wunderschöne Phoenix machte ihm wieder Mut.

Hermine war nicht gestorben, sondern atmete und er war seine blutigen Striemen los! Vorsichtig versuchte er den Arm zu bewegen. Er war etwas enttäuscht, denn obwohl Fawkes auch diesen bedacht hatte, gelang es ihm, diesen nur minimal zu beugen. Dafür war die Wunde fort, wofür Snape mehr als dankbar war.

 

In seiner Dankbarkeit grinste er schwer atmend vor sich hin, welches aber sofort verschwand, als er einen heftigen Tritt in die Seite erhielt. Drohend stand die Kreatur über ihn gebeugt da und zischte:

"Was war das für ein Vogel?"

"Ich bin sicher, dass Du genau weißt, dass dies ein Phoenix war", presste Snape hervor und musste sich Mühe geben, dabei todernst auszusehen. Diese widerliche Kreatur hatte offenbar Angst vor Fawkes. Interessant!

"Woher kam dieser?", hakte das Monster gleich nach "kanntest Du ihn?"

"Nein, woher?", sagte Snape unschuldig "...ein glücklicher Umstand des Schicksals vielleicht?"

 

Das Monster blickte ihn skeptisch an und verließ danach eilig den Tempel.

 

Snape aber atmete tief durch, hob Hermine vorsichtig hoch und trug sie zu der Matratze.

"Hermine", sagte er leise "stell Dir vor, Fawkes war hier! Vielleicht holt Professor Dumbledore uns aus dieser Hölle raus."

Die Worte prallten jedoch von Hermine ab, wie Regentropfen an der Fensterscheibe. Momentan drang nichts zu ihr durch. Sie hing zitternd in seinen Armen, erging sich in einem erneuten Hustenanfall und auf ihrer Stirn glänzten die Schweißperlen um die Wette. Sie hatte noch immer Fieber und ihr geschwächter Körper benötigte dringend etwas zu trinken, zu essen und verschiedene Tränke. Wo blieb nur dieser verflixte Korb?

Snape war mit seiner Geduld fast schon wieder am Ende. Und siedendheiß fiel ihm nun auch wieder ein, dass er keinen Zauberstab mehr hatte! Wie hatte er sich nur so provozieren lassen können? Auf den Zauberstab war er doch angewiesen! Ob man dem Korb, wenn er denn nun endlich kommen wollte, Hermines Zauberstab beilegen würde? Er hoffte es!

 

Es sollte noch jede Menge Zeit ins Land ziehen, bis der ersehnte Korb dann auch tatsächlich im Tempel bereit stand. Snape hatte wiederholt gegen die Tür getrommelt und war sich in sich in Verwünschungen und Verfluchungen gegenüber den Monstern ergangen, bis endlich das herbei gewünschte und mittlerweile vertraute Plopp ertönte.

In dem Korb befanden sich nicht nur sämtliche Zutaten, für diverse Tränke, sondern auch mehrere Phiolen, die ein Brauen auf Vorrat ermöglichten. Sollte man tatsächlich erkannt haben, dass Hermine, um sich wieder zu erholen, regelmäßig ihre Dosen benötigte? Snape verzog spöttisch das Gesicht und fragte sich zum wiederholten Male, woher diese Kreaturen diese Kenntnisse über die exakten Zutaten für die jeweiligen Tränke hatten. Auch unter ihnen schien sich ein Meister der Braukunst zu verstecken!

Zufrieden nahm er Hermines Zauberstab in die Hand, den man gnädigerweise beigefügt hatte und machte sich eifrig ans Werk.

 

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Derweil in Hogwarts:

 

Harry hatte eine Expresseule von Dumbledore erhalten, daraufhin Ron abgeholt und sich mit ihm dann umgehend auf den Weg zum Schloss gemacht.

Soeben waren sie im Büro des Schulleiters angekommen und saßen ihm nun mit vor Aufregung feuchten Händen gegenüber. Der Schulleiter hatte nur kurz mitgeteilt, dass er sie beide sehen wollte, weil Fawkes zurückgekehrt war. Sie hatten also noch keine Ahnung, ob es neue, befriedigende Erkenntnisse gab, oder nicht.

 

"Gut, dass Ihr so schnell kommen konntet", sagte Dumbledore niedergeschlagen "wir warten nur noch auf Professor McGonagall, dann berichte ich Euch alles. Ich hielt es für ratsam, sie einzuweihen."

 

Harry und Ron nickten stumm und sahen sich dann an. Dumbledore sah sehr bedrückt aus. Das schien nichts Gutes zu verheißen!

 

Kurz darauf ging die Tür auf und die Hauslehrerin der Gryffindors trat mit äußerst ernster und besorgter Miene ein. Sie grüßte nur kurz und ließ sich dann ebenfalls in einem der Sessel nieder, um angespannt auf den Schulleiter zu starren.

 

"So, da wir dann vollzählig sind", ließ sich Dumbledore vernehmen "möchte ich Euch etwas zeigen." Er öffnete eine Schachtel, holte etwas heraus und legte es zur Ansicht auf den Schreibtisch. Verwundert blickten alle darauf und schauten dann fragend den Schulleiter an.

 

"Fawkes brachte dies von seiner Mission mit. Es ist ein Teil des Zauberstabes von Professor Snape, woran sein Blut haftet. Ich habe es in seinem Labor überprüft und verschiedene Zauber darüber gesprochen. Es besteht kein Zweifel!"

 

Professor McGonagall schlug sich die Hände vor das Gesicht und auch Harry und Ron wurden blass. Auch wenn es sich um diesen verhassten, düsteren Mann handelte, so konnten auch sie ein Entsetzen nicht verbergen.

 

"Das ist leider noch nicht alles", sagte der Direktor "Fawkes brachte auch dieses hier mit." Damit zog er aus der Schachtel das Haarbüschel, welches die Kreatur Hermine ausgerissen und achtlos fortgeworfen hatte.

"Hermine!", schrie Harry geschockt auf "das...das sind Haare von Hermine, stimmt´ s?"

"Ich fürchte ja, Harry", sagte Dumbledore betroffen "auch daran haftet Blut. Ich kann jedoch noch nicht mit Gewissheit sagen, ob es ihres ist. Wir benötigen dafür von ihr ein paar Hautschüppchen oder Haare. Dazu sollten wir noch einmal in ihre Wohnung. Eventuell finden wir eine Haarbürste oder Ähnliches."

 

Minerva, die sich nun nein paar Tränen wegwischte, stand resolut auf und verkündete: "Albus, wenn Du erlaubst, dann werde ich mich mit den jungen Herren sofort darum kümmern."

"In Ordnung Minerva", sagte Dumbledore, erleichtert darüber, dass seine Stellvertreterin ihm diese Aufgabe abnehmen wollte "während Du mit Ron und Harry unterwegs bist, werde ich versuchen, Näheres herauszufinden."

 

Eine Stunde später standen die Vier gemeinsam in dem Heiligtum Professor Snapes, seinem privaten Labor, und untersuchten das Blut, welches an dem Haarbüschel haftete.

 

Sie konnten feststellen, dass die Haare eindeutig zu Hermine gehörten, das Blut daran jedoch nicht. Auch Snape kam dafür nicht in Betracht.

 

"Wessen Blut ist es aber dann?", fragte Ron.

"Das wissen wir nicht", seufzte der Direktor "noch nicht! Ich werde alle Zauber zu Rate ziehen, um etwas in Erfahrung zu bringen, das könnt ihr mir glauben!"

"Albus, kannst Du über das Blut einen Weg finden, um den Ort zu bestimmen, wo sie sich aufhalten?", wollte McGonagall wissen. Sie war sichtlich nervös, was man von ihr eigentlich nicht gewohnt war und musste sich ständig die Brille auf der Nase zurechtrücken.

"Es kommt auf die Entfernung an, Minerva. Da wir nicht wissen, wo die Beiden sich befinden, kann ich weder ja noch nein sagen. Aber ich kenne einen Spezialisten dafür...Ich werde ihn sofort kontaktieren. Ihr entschuldigt mich?" Mit einem Plopp war der Schulleiter verschwunden... und das mitten im Schloss!

 

"Nun ist es sicher", murmelte Harry vor sich hin, als sie das Labor zusammen mit ihrer ehemaligen Hauslehrerin verlassen hatten.

"Was ist sicher? Was meinst Du, Harry?", fragte Ron und sah seinen Freund verwundert an.

"Na, dass Hermine tatsächlich mit Snape zusammen verschwunden ist", rief Harry laut und schlug mit seiner Handfläche gegen die Tür des Zaubertränkeklassenzimmers, an der sie auf dem Weg zurück, gerade vorüber kamen.

"Du hast doch selbst gelesen, dass sie ihn liebt", erwiderte Ron Schulter zuckend "da kann man eben nichts machen!"

"Man, Ron, wach auf!", ereiferte sich Harry erneut "der hat ihr doch bestimmt irgendetwas in den Kürbissaft getan! So sehr an Geschmacksverirrung kann Hermine doch gar nicht leiden!"

 

"Mr. Potter! Mäßigen Sie sich gefälligst!", ertönte da hinter Harry die strenge Stimme Professor McGonagalls. "Auch für mich kam dies sehr überraschend. Miss Granger und Professor Snape gemeinsam verschwunden! Und dann auch noch der Verdacht, dass sie in ihn verliebt sein könnte! Aber, Mr. Potter, mögen Sie auch noch so in Zwistigkeiten mit Professor Snape verstrickt sein, es gibt Ihnen nicht das Recht, ihn zu verurteilen bevor auch nur der kleinste Anhaltspunkt für seine Schuld auf dem Tisch liegt! Ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt! Sollte der Schulleiter Weiteres herausgefunden haben, werden Sie umgehend benachrichtigt. Einen schönen Tag noch."

Damit entschwand sie in einem Geheimgang und Ron und Harry, welcher nun etwas betreten vor sich hinstarrte, blieben allein im Kerkergang zurück.

Harry und Ron beschlossen auf Hogwarts zu verbleiben. Es war Wochenende, sie hatten für den heutigen Tag keinerlei weitere Verpflichtungen und wollten schließlich so schnell wie möglich vor Ort sein, wenn Professor Dumbledore von diesem Spezialisten zurückkam.

 

Am Abend, die beiden Gryffindors hatten sich gerade von den Hauselfen verköstigen lassen, kam die ersehnte Eule auf sie zugeflogen. Sie ließen alles stehen und liegen und sprinteten hinauf in das Büro des Schulleiters, wo auch schon die Hauslehrerin der Gryffindors angespannt im Sessel saß.

 

"Sir, haben Sie etwas herausfinden können?", rief Harry schon von der Tür aus.

"Ja, Harry. Setz Dich bitte! Dann werde ich Euch berichten, was ich weiß."

 

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Dumbledore ließ seinen Blick durch den Raum wandern, rieb sich noch einmal über seine müden Augen und erzählte dann:

"Ich war bei einem alten Freund, der sich auf solche Angelegenheiten spezialisiert hat. Das Blut an den Haaren stammt nicht von einem Menschen und nicht von einem Tier, jedoch strahlt es magisches Potenzial aus. Nach mehreren Tests ordnete er es einer Gruppe von Kreaturen zu, die eigentlich als ausgestorben gelten. Sie lebten wohl schon vor tausenden von Jahren im Mittelmeerraum und verbreiteten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Sie nannten sich selbst die Mächtigen und waren eine Gruppe von primitiven, brutalen Monstern unter denen nur ganz wenige gescheite Köpfe zu finden waren. Die Gescheiten aber waren hervorragende Meister der Braukunst und belieferten mit ihren ominösen Tränken schon die Regenten der Antike. Ich selbst habe noch nie von denen gehört und war vorhin selbst sehr erstaunt. Mein Freund meinte, dass diese Kreaturen der Legende nach, alle einhundert Jahre ein Pärchen opferten, welches sie allerdings über Wochen hinweg quälten. Im Angesicht der Qual ihrer Opfer sammelten sie Energie, um fortbestehen zu können. Ich kann nur hoffen, dass Severus und Hermine nicht diesen Monstern in die Hände gefallen sind."

 

"Albus, ich verstehe nicht", äußerte sich Professor McGonagall "wenn sie als ausgestorben gelten, wieso...gibt es sie dann immer noch? Und auf welchem Wege sollten Severus und Miss Granger zu ihnen gelangt sein?"

Bedauernd hob der Schulleiter seine Schultern. "Dies entzieht sich leider meiner Kenntnis, Minerva. Zuerst müssen wir wohl klären, ob diese Kreaturen auch in der heutigen Zeit noch im Verborgenen existieren und wenn nicht...dann müssen wir wohl davon ausgehen, dass die Beiden in einer anderen Zeit gelandet sind. In der Zeit dieser Kreaturen."

 

"Wie hat denn Fawkes es geschafft, zu ihnen zu gelangen?", erkundigte sich nun Harry. "Könnte Ihr Phoenix denn überhaupt in eine andere Zeit gelangen, Sir?"

"Das ist eine berechtigte Frage, Harry", sagte Dumbledore "in eine andere Zeit gelangt Fawkes nur, wenn es eine Zeit ist, in der der Phoenix eine bedeutende Rolle gespielt hat. Er muss einen Bezug dazu haben. Zum Beispiel war der Phoenix in der Spätantike schon ein Symbol der Unsterblichkeit, da er die Fähigkeit hatte, sich zu regenerieren, wenn er verwundet wurde. Er wurde bei den alten Ägyptern ebenso verehrt, wie bei den Griechen. Phoenix ist der griechische Name für den Sonnegott Re und steht für Auferstehung und Unsterblichkeit."

"Ich höre immer nur Antike und alte Griechen und irgendwas von irgendwelchen Göttern", wandte Ron ein. "Es ist schon merkwürdig, also ich meine erst dieses Theaterstück. Hermine war doch auch seitdem komisch drauf. Ausgerechnet sie und Snape haben dort Zeus und Hera gespielt. Nun sind sie beide weg. Und jetzt sagen Sie, Sir, dass das Blut von Hermines Haaren einer Kreatur gehört, die aus der Antike stammen soll, also ich weiß nicht..."

"Genau, Professor", warf Harry aufgeregt ein "der Liebesbrief von Hermine, der steckte doch auch in einem Buch über die griechische Mythologie, oder?"

 

Dumbledore nickte und setzte sich nun kerzengerade in seinem Sessel auf, während die Hauslehrerin der Gryffindors noch etwas in Gedanken verloren dem Saum ihres Umhanges jede Menge Aufmerksamkeit zu kommen ließ.

 

"Mein alter Freund konnte mir leider auch nicht mehr mitteilen, also müssen wir wohl selbst mehr zu den Kreaturen herausfinden!", meinte Dumbledore. "Zumindest haben wir nun einen Anhaltspunkt. Wie die Beiden dorthin gelangt sein sollen, insofern sie dort sind, ist mir noch ein Rätsel. Ich werde versuchen Severus zu orten, sehe meinen Buchbestand durch und Ihr begebt Euch in die Bibliothek...Minerva? Minerva!"

Angesprochene schreckte hoch und sah sich irritiert um.

"Albus?"

"Minerva, ich möchte Dich bitten, dass Du mit Harry und Ron in der Bibliothek alles durchforstest, was uns weiterbringen könnte."

"Selbstverständlich, Albus! Mr. Potter, Mr. Weasley, wenn Sie mir dann folgen möchten?" Mit ernstem Gesicht öffnete McGonagall die Tür und verließ mit Ron und Harry das Büro des Schulleiters.

 

Albus aber eilte dann selbst zu seinem Bücherregal, um etwas zu finden, was noch ein wenig Licht ins Dunkle zum Verschwinden von Severus und Hermine bringen könnte.

 

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Snape braute zunächst einen Trank gegen das Fieber und die Schmerzen. Zu seiner Freude waren auch drei Krüge mit Wasser bereitgestellt worden. Er flösste es Hermine Schluck für Schluck vorsichtig ein. Sie schlief fast nur und hatte ihm noch immer kein Zeichen gegeben, dass sie wusste wo sie war oder dass sie ihn überhaupt erkennen würde. Seine Sorge um sie stieg ins Unermessliche. Wenn sie einen wachen Moment hatte, schrie sie nur und redete irgendetwas von Uhren, die ihr wehtun würden. Snape konnte sich einfach keinen Reim darauf machen!

Was hatte sie nur erlebt, als er gegen den Riesen gekämpft hatte?

Erst am nächsten Tag, nach unzähligen Stunden jedenfalls, denn ob es nun Tag oder Nacht war wusste man ja nicht, war das Fieber bei Hermine gesunken und sie öffnete ihre Augen wieder. Snape hatte in der ganzen Zeit neben ihr gewacht, dabei selbst kein Auge zugetan und unverdrossen mehrere Phiolen mit Tränken bereitgestellt. So lange, bis der Korb, die Kessel und auch Hermines Zauberstab wieder verschwunden waren. Einzig die in einer Reihe aufgestellten, gefüllten Phiolen zeugten von seiner stundenlangen Arbeit.

Nun aber, da er sah, dass Hermine ihn anblickte, konnte er nichts anderes tun, als befreit zu lächeln und sie in seine Arme zu ziehen.

"Hermine, endlich!", hauchte er und wartete ungeduldig auf ein Wort von ihr.

"Severus", flüsterte sie schwach "ich habe Durst."

Sie hatte ihn erkannt! Sie hatte seinen Namen genannt, nachdem er so lange darauf gewartet hatte! Seine Augen füllten sich mit Tränen, als er ihr mit zitternden Händen dabei behilflich war, den mit Wasser gefüllten Pokal an den Mund zu führen.

 

"Hast Du noch Schmerzen, Hermine?", fragte er leise. Sie schüttelte den Kopf und sank nach dem Trinken auch sofort erschöpft wieder in die Kissen zurück.

"Oh, Gott Hermine, ich habe mir solche Sorgen um Dich gemacht", sagte Snape bedrückt "es sah überhaupt nicht gut für Dich aus. Du hattest hohes Fieber, warst total ausgezehrt und nicht ansprechbar... ich hatte einfach Angst, dass Du es nicht schaffen würdest."

Sie lächelte schwach und flüsterte: "Ich bin eine Gryffindor!"

"Ja, das bist Du, Hermine!", sagte er und strich ihr behutsam über den Kopf. "Hier das ist ein Trank, der Dich stärken wird. Trink ihn!" Zufrieden sah er zu, wie sie aus eigener Kraft die kleine Phiole leerte. "Möchtest Du etwas essen? Es ist nichts Besonderes und nicht mit der Küche Hogwarts zu vergleichen, aber Du solltest unbedingt etwas essen!"

 

Hermine wollte eigentlich nicht so recht und er musste sie mehr oder weniger dazu überreden, Nahrung zu sich zu nehmen. Aber immerhin aß sie ein wenig. Snape war damit schon zufrieden. Kurz darauf schlief sie auch schon wieder ein.

Jetzt erst wollte auch er sich ein bisschen Schlaf gönnen und kroch zu ihr unter die Decke. Die Kerzen flackerten noch immer an den Wänden und warfen ihr spärliches Licht in den Tempel. Ein paar Minuten beobachtete er Hermine noch, dann fielen ihm die Augen zu.

 

Geweckt wurde er erst wieder, als Hermine aus einem unruhigen Schlaf, wiederum schreiend, erwachte.

"Psst, Hermine, es ist gut, ich bin bei Dir", flüsterte er und wiegte sie in seinen Armen "es war nur ein Traum."

"Die Uhren waren so laut, Severus", wimmerte sie, sah sich hektisch um und krallte ihre Finger in die Bettdecke "sie haben gelacht und die Zeiger haben mir wehgetan. Werden diese Träume jemals verschwinden?"

"Ich versichere Dir, dass hier keine Uhren sind, Hermine", sagte er beruhigend und war doch selbst aufs Höchste beunruhigt "möchtest Du mir erzählen, was das für Uhren sind, die sich in Deine Träume einschleichen?"

 

Hermine zitterte, als sie ihm von der Uhr über der Tür berichtete, von den Ohren -und Kopfschmerzen und dem Traum mit der Schaukel, der sich immer wieder einstellte. Sie erzählte ihm unter Tränen, wie sehr sie sich gewünscht hatte zu schlafen, von ihrem unbändigen Durst und der Angst wahnsinnig zu werden.

Betroffen und zunehmend wütender werdend auf diese Gestalten, die Hermine das angetan hatten, hörte er ihr zu und strich ihr dabei immer wieder über den Rücken, bis Hermine in seinen Armen wieder in den Schlaf gefunden hatte.

 

Während er also unter sengender Sonne, durch duftende Orangenhaine geschlichen war, hatte man Hermine hier drinnen gefoltert! Snape konnte es nicht fassen. Reichten denn Dunkelhaft und Nahrungsentzug nicht aus? Nein, sie musste auch noch ohne Wasser und unter Schlafentzug durch eine tickende Uhr gequält werden!

Hoffentlich fand Albus so schnell wie möglich einen Weg, um sie hier heraus zu holen, bevor einer von ihnen doch noch wahnsinnig wurde oder starb!

Wenn er daran dachte, dass Hermine als nächste mit einer Herkulesaufgabe an der Reihe war, wurde ihm schon im Voraus schlecht.

 

Viele Stunden oder Tage waren inzwischen ins Land gezogen, man wusste es ja nicht genau, und Snape war in der Zeit noch unzählige Male von Hermine, die schrie, aus dem Schlaf gerissen worden, besserte sich ihr Zustand zunehmend.

Über die Hälfte der Phiolen war inzwischen schon aufgebraucht worden und Hermine saß mittlerweile auch schon wieder aufrecht und aß mit Appetit. Nahrung und Wasser wurden bereitgestellt und verschwanden auch irgendwann wieder. Ein Spiel ohne Ende!

 

Hermine erwachte gerade wieder und blickte auf Severus, der neben ihr lag, seinen einen Arm auf ihrem Bauch zu liegen hatte und noch schlief. Glücklich, dass er bei ihr war, strich sie ihm lächelnd ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht, als er auch schon die Augen aufschlug.

 

"Habe ich Dich geweckt?", fragte sie leise "dass wollte ich nicht. Ich war nur so froh, dass Du bei mir bist und konnte nicht widerstehen, Dich zu berühren."

"Nicht so schlimm", murmelte er verschlafen und richtete sich auf. "Ich liege hier sowieso schon viel zu lange herum. Mein Rücken tut mir weh von dieser ewigen Liegerei." Dabei erinnerte er sich auch wieder an die Ranken, die auf seinem Rücken niedergesaust waren.

 

"Hermine, hast Du eigentlich mitbekommen, dass Fawkes hier war?", sagte er und blickte sie abwartend an.

"Fawkes war hier?", rief Hermine verblüfft aus. "Du meinst Professor Dumbledores Phoenix? Der war wirklich hier? Nein, das habe ich nicht mitbekommen."

"Als ich von meiner Mission zurückkam, fand ich Dich hier fiebrig vor", erzählte er mit finsterem Gesicht "und musste zwischen drei grünen Phiolen wählen und..."

 

Atemlos und entsetzt lauschte Hermine erst seinen Schilderungen von seiner Aufgabe und dann der Wiederkehr. Er berichtete von Helios, dem Riesen, Hera, den Stieren, der Wahl der Tränke, dem Verlust seines Zauberstabes, von dem Auspeitschen, von Fawkes und der Angst der Kreatur vor diesem, von seiner großen Sorge um sie und sah sich am Ende seines Berichtes von Hermine in die Arme gezogen, da er nun bei all diesen Erinnerungen, die da über ihn hereinströmten, selbst des Trostes bedurfte.

 

"Ich habe von alldem, was hier drinnen geschah nichts mitbekommen...nichts!", sagte Hermine fassungslos "meine Erinnerungen beschränken sich auf grinsende Uhren. Ich habe wirklich nicht bemerkt, wie Du gelitten hast, Severus, ich..."

"Hermine! Du hast ja wohl genug mitgemacht!" sagte er sanft und nahm ihr Gesicht in seine Hände. "Sei froh, dass Dir dies erspart geblieben ist!"

 

Sie sahen sich in die Augen und wie von selbst fanden sich ihre Lippen und verschmolzen miteinander. Der Kuss war innig, voller Gefühl und währte eine kleine Ewigkeit. All ihre Dankbarkeit und Zuneigung dem anderen gegenüber und die Gewissheit, dass nach diesen Erlebnissen und Erfahrungen, die man hier gemeinsam gemacht hatte, sie nie wieder etwas voneinander trennen könnte, waren in ihn gelegt worden. Diese Torturen hier würden sie auf ewig miteinander verbinden!

Sie saßen eng umschlungen an die Wand gelehnt und schweigend da, als Hermine in die Stille hinein besorgt sagte: "Severus, als Du mit mir gesprochen hast, da...also ich höre auf dem linken Ohr nichts mehr, meinst Du das geht wieder vorüber?"

"Vielleicht. Ich weiß es nicht Hermine. Ich habe sämtliche Heilzauber auf Dich gelegt, die mir bekannt sind. Zudem habe ich Heiltränke gebraut und etwas gegen Schmerzen, das Fieber und zur Stärkung. Mehr kann ich leider auch nicht tun, aber sollten wir je wieder nach Hogwarts gelangen, weiß Poppy gewiss einen Ausweg."

Hermine grinste gequält. "Als die Uhr so laut war, habe ich mir gewünscht, nichts mehr hören zu müssen und nun bin ich halb taub! Toll!"

Er sah sie ernst an. "Aber Du hast überlebt, Hermine! Es kann sein, dass es nur eine Folge des Stresses und der Angst ist...bestimmt gibt sich das nach ein paar Tagen..."

"Vielleicht werde ich aber auch nie wieder auf diesem Ohr hören können!", antwortete Hermine resigniert. Sie fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen, um zwei vereinzelte Tränen zu beseitigen und fragte Severus dann: "Wie geht es nun Deinem Arm? Kannst Du ihn wieder richtig bewegen?"

 

"Leider nicht", brummte er "ich kann ihn nach wie vor nur minimal beugen. Aber wäre dieser Stier nicht darauf herum getrampelt, hätte mich wohl das Gift der Schlange dahingerafft."

"Weißt Du eigentlich, dass aus dem Blut des Geryon ein Baum mit steinlosen Kirschen gewachsen sein soll, Severus?"

"Nein, aber das ist mir auch so was von egal! Zumal die Pfeile ihn mitten im Fluss trafen. Was weiß ich, ob da inzwischen schon die ersten Triebe aus dem Wasser ragen."

Hermine schmunzelte nun sogar etwas. "Und Du hast wirklich die Sonne abgeschossen?"

"Mhm, und anschließend saß ich ungefähr vierzehn Stunden in diesem Pokal und bin damit über den Ozean geschippert. Erinnere mich bloß nicht dran! Mir war kotzübel. Aber weißt Du, mir fällt gerade ein, was Helios zu mir sagte. Er meinte, dass ich schon vorher, bevor ich hierher kam, eine Sympathie für Dich gehegt haben muss, sonst wäre es Dir nicht gelungen, mich hierher zu holen."

"Ach!" Hermine sah Severus erstaunt an. "Warst Du doch heimlich in mich verliebt und hast diesen Umstand nur geschickt hinter Deiner Fassade aus Sarkasmus versteckt?"

Snape lachte dunkel. "Nicht das ich wüsste! Vielleicht zählt auch, dass ich Dich für Deine Fähigkeiten in meinem Unterricht im Stillen schon irgendwie bewundert habe. Eventuell geht das als Sympathie im weitesten Sinne durch."

 

Hermine lächelte und griff nach seiner Hand. "Die Kreatur hat am ersten Tag erwähnt, dass hier nur Pärchen Einzug halten dürfen, erinnerst Du Dich, Severus? Zu diesem Zeitpunkt waren wir ja wohl gewiss noch kein Pärchen!"

"Vielleicht sind wir von Geburt an für einander bestimmt gewesen? Ich weiß es auch nicht, Hermine. Aber dafür weiß ich jetzt genau, was ich für Dich empfinde und was Du mir bedeutest." Er blickte ihr erneut tief in die Augen und zog sie dann in einen zärtlichen Kuss.

 

Eng umschlungen lagen sie beieinander und standen, sich gegenseitig tröstend, ihre Ängste aus. Jetzt wo es Hermine besser ging, würde sie wohl bald zu ihrer nächsten Aufgabe abgeholt werden. Was würde es diesmal sein? Was würde der Spiegel wohl zeigen? Hatte Fawkes einen entscheidenden Hinweis nach Hogwarts überbringen können?

 

Die nächste Zeit verbrachten sie damit, häufig im Tempel, die paar Quadratmeter, die ihnen zur Verfügung standen nutzend, umherzugehen. Sie mussten sich bewegen! Hermine stand beim ersten Erheben sehr wacklig auf ihren Beinen, was Snape bei diesem Anblick einen Schauer über den Rücken jagte. So konnte sie niemals die Waffen tragen und lange Strecken bewältigen, geschweige denn irgendwelche Kämpfe bestreiten! Zwar hatte sie schon wieder erheblich an Gewicht zugenommen und er achtete auch darauf, dass sie genügend aß, aber das würde nicht ausreichen. Snape überlegte auch, ob er mit den Monstern vielleicht verhandeln sollte, dass er ihre Aufgabe übernahm, aber was würde in der Zwischenzeit mit ihr im Tempel geschehen? Er wäre dann nicht da, wenn sie wieder von ihren Alpträumen geplagt wurde. Und er konnte auch im Voraus nicht wissen, was man sich für denjenigen ausdenken würde, der im Tempel verbleiben musste. Beide Varianten wollte er Hermine nicht zu muten. Zudem hatte er keinen Zauberstab, was durchaus noch zu Problemen führen konnte.

Wie er es auch drehte und wendete, eine zufrieden stellende Lösung war einfach nicht zur Hand.

Je besser sich Hermine fühlte, je mehr sie sich erholte, desto unruhiger wurden beide. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es wieder losgehen sollte. Ein Nerven aufreibendes Spiel, bei dem Snape auf jeden Fall die Oberhand behalten wollte! Hermine gelang es leider nicht, denn in den letzten Stunden hatte sie nicht mehr viel gesagt, sooft Severus sie auch in ein Gespräch verstricken wollte. Sie hatte wieder diesen panischen Gesichtsausdruck angenommen und wollte Severus gar nicht mehr loslassen. Ihr Blick war einzig auf die Tür gerichtet. Er tat, was er konnte, um diesem Zustand entgegen zu wirken...war aber machtlos.

 

Als hätte man nur darauf gewartet, flog die Tür mit lautem Krachen genau in dem Moment auf, als Hermine die letzte zur Verfügung stehende und sie stärkende Phiole geleert hatte.

 

Das Monster trat ein, grinste sein abscheulichstes Grinsen und ließ wie zuvor auch schon, die verbliebenen Pergamentrollen in der abgestandenen Luft des kleinen Tempels auf und nieder tanzen. Nun waren es nur noch acht Stück, die erwählt werden wollten.

 

Snape musste Hermine mit sanfter Gewalt von seinem Arm lösen. Sie hatte ihre Fingernägel schmerzhaft in seine nackte Haut gekrallt und zitterte wie Espenlaub.

"Geh!", bat er leise "ich möchte nicht, dass sie Dir weh tun."

Wie in Trance kam Hermine seiner Aufforderung nach, stand eine Weile vor der Kreatur und betrachtete ausdruckslos die Rollen, bis sie dann ganz langsam eine davon ergriff, sich auf den Boden setzte und sie entrollte.

"Wir sehen uns dann gleich wieder, Kleine", höhnte das Monster, "hat ja lange genug gedauert, bis Du Dich erholt hast. Nun, vielleicht wird das ja auch Deine letzte Aufgabe werden. Es könnte sein, dass die Stuten Appetit auf Dich haben." Es lachte schallend, dass die Wände des Tempels wackelten, warf Snape noch einen geringschätzigen Blick zu und verschwand.

 

Als die Tür geschlossen war, sprang Snape zu Hermine, setzte sich neben sie und fragte: "Was ist es Hermine? Sind es wirklich die Rosse des Diomedes?"

Sie überreichte ihm wortlos die Pergamentrolle und starrte auf den Boden. Snape las und zog Hermine besorgt in seine Arme.

"Hermine, Du schaffst das schon", versuchte er sie zu ermuntern, aber sie betrachtete noch immer gebannt den Boden zu ihren Füßen und reagierte nicht. "Hermine, weißt Du, wie die Pferde zu zähmen sind?", hakte er nach, doch noch immer sagte sie nichts. "Hermine!", rief er nun schon etwas lauter "ich würde gerne für Dich losziehen, aber ich weiß beim besten Willen nicht, was dann hier auf Dich warten wird. Du musst da nun durch, ob Du willst oder nicht!"

Stumme Tränen rannen ihr die Wangen hinab. Snape sah es zwar, wusste aber auch nicht, wie er reagieren sollte. So strich er ihr nur über den Rücken und hoffte, dass dies genügen würde, um sie zu beruhigen.

 

Hermine fuhr ganz plötzlich und unerwartet für Snape herum, so dass dieser zusammenschrak, und klammerte sich an seinen Hals. Sie schluchzte: "Ich will nicht von Dir weg. Allein schaffe ich das nicht. Bitte Severus, Du darfst mich nicht gehen lassen!"

"Was soll ich denn tun, Hermine?", fragte er aufgebracht. "Glaubst Du wirklich, dass wir eine Chance haben, gemeinsam zu gehen?"

"Du willst es nicht versuchen!", schrie sie, der Hysterie nun schon wieder verdammt nahe. "Du willst dass ich allein gehe!"

"Verdammt, Hermine!", raunzte Snape sie an "reiß Dich gefälligst zusammen!" Als er ihr erschrockenes Gesicht sah, fügte er noch hinzu: "Schön, wenn Du abgeholt wirst, frage ich noch einmal freundlich nach, ob ich mitkommen darf. Aber die Antwort kennst Du genau so gut, wie ich."

 

Er sah, wie sie zunehmend in Panik verfiel und musste sich sehr zusammen nehmen, dass er nicht Gleiches tat. Sie war noch längst nicht wieder hergestellt. Zwar hatte sie zugenommen, doch ihr Körper wirkte noch immer dünn und kraftlos. Zudem lag ihre Psyche völlig am Boden. Doch sie musste jetzt einfach die Nerven behalten, sonst war alles verloren und jegliche Chance, heil hier raus zu kommen, verspielt!

"Hermine, konzentriere Dich jetzt auf Deine Aufgabe!", versuchte er es erneut, hatte aber noch immer das Gefühl, dass er nicht zu ihr durchdrang. Verzweifelt riss er sie an sich und hoffte, dass sie durch den Körperkontakt wieder zu sich finden würde, doch seine Hoffnung erfüllte sich nicht, denn nun schluchzte sie erst recht laut los.

Er wusste auch nicht mehr, was er noch machen sollte, auch seine Nerven lagen blank.

 

Snape nahm ihr Gesicht in seine Hände, blickte ihr in die Augen und ehe er sich versah, hatten ihre Arme sich um seinen Hals gewunden und ihr Mund sich verlangend auf seinen gepresst. Er genoss den Kuss und ihre Zärtlichkeit zwar, hielt es aber nicht unbedingt für den geeigneten Moment. Seines Erachtens wäre es nun weitaus klüger gewesen, die Aufgabe bis ins kleinste Detail durch zu sprechen. Doch er hatte gar keine Gelegenheit, sich ihrem Ansturm zu entziehen.

Gerade wollte er, in einer kleinen Atempause, nochmals das Gespräch auf die Herkulesaufgabe lenken, da fühlte er sich an seinem besten Stück gepackt. Entsetzt über ihre Anwandlungen in solch einem Moment, zog er sich zurück und sah sie ernst an.

"Hermine, es reicht jetzt! Du weißt, dass ich Dich liebe, aber jetzt ist wirklich nicht..."

 

Weiter kam er nicht, denn Hermine ergriff wiederum, wie besessen, Besitz von seinem Körper und flüsterte mit Tränen in den Augen: "Schlaf mit mir, Severus! Bitte!"

"Was? Hermine spinnst Du?", stieß er ungläubig hervor. "Sonst wirklich gerne, aber jeden Augenblick geht die Tür auf und die Kreatur holt Dich ab!"

"Das ist mir doch scheißegal", kreischte sie nun, unter Tränen, ungehalten los "kannst Du nicht verstehen, dass ich für unterwegs noch einen schönen Gedanken brauche? Irgendetwas, was mich davon abhält, pausenlos an Ranken, Melonen und Messer, tickende Uhren und Schaukeln, die nicht anhalten, wenn man es möchte, zu denken? Kannst du das wirklich nicht verstehen?"

Er war bestürzt. Natürlich konnte er verstehen, dass sie Angst hatte und sich an einen positiven Gedanken klammern wollte, aber doch nicht so!

 

Nach einer kleinen Pause, in der sie sich stumm angestarrt hatten, lehnte sie sich wiederum an ihn und ließ ihre Finger durch seine Haare gleiten. Als er schon dachte, dass sie sich beruhigt hätte und gerade befreit aufatmen wollte, begann sie doch schon wieder ihren Wunsch vorzutragen!

"Wenn Du mich wirklich liebst, dann schlafe mit mir, Severus!", sagte sie leise. Er schüttelte nur mit dem Kopf. Daraufhin bat sie: "Dann möchte ich Dich wenigsten noch einmal überall berühren! Es kann sein, dass dies hier unser letztes Zusammentreffen ist und ich möchte wenigstens noch einmal in meinem Leben gesehen haben, wie er in meiner Hand Gestalt annimmt."

Snape glaubte sich verhört zu haben. Allmählich zweifelte er wirklich an ihrem Verstand. Was ging nur in ihr vor?

Er atmete tief ein und aus. "Hermine hör zu! Du musst Dich jetzt auf Deine Aufgabe einstellen. Wenn Du wieder da bist, ergibt sich gewiss eine Möglichkeit...."

 

Sie wich getroffen von ihm zurück und flüsterte, sich die Haare raufend, immer wieder: "Du weist mich zurück. Du weist mich zurück...."

In ihrem Gesicht spiegelte sich dabei so viel Trauer und Enttäuschung, dass es ihm einen gehörigen Stich ins Herz versetzte. Dieser enttäuschte Anblick war fast mehr, als er ertragen konnte. Auspeitschen war dagegen eine Wohltat! Mit körperlichem Schmerz konnte er wenigstens umgehen, aber diese Problematik hier überforderte ihn zunehmend.

 

"Ich weise dich nicht zurück, Hermine", rechtfertigte er sich verzweifelt "aber sieh es doch bitte ein, Du bist im Augenblick in einer schlechten Verfassung und musst gleich gehen. Ich kann diese Situation nicht ausnutzen! Ich möchte nicht, dass Du mir hinterher vorwirfst, ich hätte die Situation missbraucht."

"Ich möchte es aber", sagte sie und kam entschlossen auf ihn zu "ich wünsche es mir so sehr, ich brauche es als Beweis meiner Zugehörigkeit zu Dir, ich..."

Snape hörte gar nicht mehr hin, was sie noch alles sagte, er versuchte nur Abstand zu wahren

und entzog sich ihr mehrmals. Aber sie ließ nicht locker und bedrängte ihn immerfort, die Tränen rannen ihr dabei unaufhörlich über das Gesicht und ihre Stimme wurde in Snapes Ohren immer schriller. Jetzt war er kurz davor, es ihr gleich zu tun und überzuschnappen.

 

Als sie noch einmal verzweifelt versuchte seines Teiles habhaft zu werden und ihre Hand das gute Stück schon fast erreicht hatte, packte er sie energisch bei den Schultern und schrie sie wütend an: "Verdammt, benimm Dich gefälligst nicht, wie ein alberner, dummer Teenager!" Als sie daraufhin in lautes Gelächter ausbrach, wusste er sich keinen anderen Rat mehr, holte aus und verpasste ihr eine gewaltige Ohrfeige, die sie augenblicklich verstummen, aber leider auch gleich zu Boden stürzen ließ. Im Raum schien die Luft still zu stehen. Nur das Klatschen hallte von den Wänden noch sekundenlang nach.

 

Entsetzt betrachtete der Tränkemeister seine Hand. So heftig hatte er gar nicht zuschlagen wollen! Er wollte doch nur, dass sie endlich still war und zur Besinnung kam! Nichts weiter!

Bedrückt und mit klopfendem Herzen, sah er zu ihr, aber sie wich seinem Blick sofort aus und hielt sich nur fassungslos ihre Wange.

 

"Hermine, ich...es tut mir leid...das wollte ich nicht...wirklich nicht...", stammelte Snape betrübt über sein Handeln. Als er einen Schritt auf sie zu tat, zuckte sie sofort zusammen und wich mit vor Angst aufgerissenen Augen, sich dabei noch immer mit allen Vieren auf dem Boden befindend, nach hinten aus. So weit, bis sie nicht mehr weiterkam, weil ihr die Tür den Weg versperrte.

 

Das war ja nun das Letzte, was Snape erreichen wollte! Nun hatte sie Angst vor ihm! Er fluchte still vor sich hin...und sah wie sich auf ihrer geschwollenen, geröteten Wange in aller Deutlichkeit seine fünf Finger abzeichneten. Zudem war die Lippe aufgeplatzt und ein dünnes Rinnsal Blutes erstreckte sich schon bis zum Kinn.

Unsicher biss er sich auf der Lippe herum, bis auch er einen metallischen Geschmack auf der Zunge hatte. Was sollte er denn jetzt bloß tun? Er war doch ihr einziger Halt! Wenn sie durch ihn keine Unterstützung erfuhr, wie sollte sie denn da draußen bestehen? Wo sie doch sowieso ein einziges Nervenbündel war!

Noch einmal versuchte er einen Schritt auf sie zu zugehen, aber sofort hob sie die Hände schützend vor ihr Gesicht und hauchte: "Bitte nicht!"

"Hermine ich wollte Dir nicht wehtun, ich..."

"Bleib da!", kreischte sie und hangelte sich an der Tür hoch. Dann schlug sie wild dagegen, den Blick dabei nicht von Snape lassend.

 

Es brach ihm fast das Herz mit anzusehen, wie sie vor ihm flüchten wollte. Fort von ihm und geradewegs in die Arme der Monster! Oh, Merlin, dass durfte doch alles nicht wahr sein!

 

Hermine wurde erhört und die Tür öffnete sich. Das Monster ließ seinen Blick über die Beiden streifen und schüttelte belustigt seinen Kopf.

"Also wirklich! Ihr habt aber eine merkwürdige Art, Euch voneinander zu verabschieden. Und das, wo ihr Euch in dieser Minute wahrscheinlich zum letzten Mal sehen werdet. Also wirklich!"

 

"Hermine, ich möchte mich entschuldigen, es tut mir leid! Ich liebe Dich doch!", rief Snape, zu ihr hinüber, aber den abweisenden, anklagenden Blick, den er von Hermine daraufhin erhielt, ließ ihm seine Eingeweide gefrieren und jegliche Hoffnung, dass sie ihm den Schlag verzeihen würde begraben. Der Blick hatte ihn bis ins Mark getroffen. Er stand zur Salzsäule erstarrt auf der Stelle und sah wie hypnotisiert zu, wie sich die Tür hinter ihr und dem Monster schloss. Auch als die Kerzen schon längst erloschen waren und ihn die Dunkelheit umhüllte, war er noch für lange Zeit unfähig sich zu rühren.

 

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Die Kreatur trieb Hermine in dem düsteren Gang vor sich her, indem sie ihr immer wieder derbe Stöße in den Rücken versetzte. Sie blickte sich ängstlich um, erkannte wo sie sich befand und allmählich drang es auch in ihr Bewusstsein vor, dass sie nun auf dem Weg war, sich ihrer neuen Aufgabe zu stellen. Ungläubig und noch immer entsetzt, fuhr sie sich über ihre schmerzende Wange und stand kurz darauf dem Spiegel gegenüber.

 

Der Spiegel! Hermines Gedanken überschlugen sich. Sie wollte nicht hineinsehen, hatte aber noch gut in Erinnerung, dass sie es wohl oder übel tun musste. Das Monster würde wohl auch dieses Mal darauf bestehen!

Ihre Gedanken drifteten zu Severus ab. Er hatte sie geschlagen! Aber auch gesagt, dass es ihm leid täte. Obwohl es sie sehr verletzt hatte, wurde ihr zunehmend klar, dass dies wohl die einzige Möglichkeit für ihn gewesen war, sie in die Realität zurück zu holen.

Hatte Severus eben wirklich gerufen, dass er sie lieben würde? Zumindest hatte sie diese Worte noch in ihrem Ohr. In dem einen, denn auf dem anderen hörte sie noch immer nichts. Daran hatte auch die Ohrfeige nichts ändern können.

 

Sie wischte sich gerade das Blut von ihrer Lippe, als sie auch schon wieder grob im Genick gepackt wurde und das ärgerliche Zischen der Kreatur vernahm:

"Kleine, der Spiegel! Du möchtest doch bestimmt wissen, was Dich erwartet, wenn Du zurückkommen solltest, oder? Dein gewalttätiger Geliebter wäre doch gewiss enttäuscht, wenn wir Dich nicht vorbereiten würden."

 

Hermine straffte ihren Rücken, warf dem Monster einen finsteren Blick zu und sah dann, wie sie mit Severus, Arm in Arm auf dem Astronomieturm stand, mit Harry, Ron und Severus zusammen in ihrer angemieteten Wohnung beim Essen saß oder auch, wie sie ein seltenes, längst vergriffenes Werk über Alchemie in dem Buchladen in der Winkelgasse erwarb, welches Severus mit seinen Galleonen, die er aus seinem Umhang lässig hervor kramte, bei dem Verkäufer bezahlte.

So weit so gut, dachte sich Hermine. Soviel also zu ihren Wünschen. Sie wartete gespannt, wie es weitergehen würde. Nun mussten doch die Bilder aus dem Tempelinneren kommen! Doch das Bild im Spiegel blieb verzerrt. Fragend sah sie zu dem Monster, welches die Zähne bleckte und ihr mit seinem schlechten Atem entgegenhauchte: "Na, willst Du noch mehr sehen, Kleine?"

"Von wollen kann ja wohl keine Rede sein", gab Hermine patzig zurück. "Kommt nun noch die Tempelszene oder nicht?"

"Die Wahrheit ist, es gibt nichts zu sehen, Kleine", murmelte das Monster und konnte sein hässliches Gegrinse kaum noch unterdrücken. "Aber wenn Du darauf bestehst...bitte schön!"

 

Ein Fingerschnipsen später, entzerrte sich das Bild und Hermine sah sich im Tempel stehen. Allein. Von Severus war keine Spur zu sehen. Irritiert starrte Hermine in den Spiegel. Was sollte das denn nun? Wo war Severus abgeblieben?

Kurz darauf war der Spiegel wieder verschwunden und das Monster schnarrte: "Los mitkommen! Du hast die nächste Zeit noch Großes zu vollbringen!"

 

"Moment mal", sagte Hermine "erst möchte ich wissen, was Ihr mit Severus gemacht habt, sonst gehe ich keinen Schritt weiter! Warum war er nicht im Spiegel zu sehen?"

"Ich werde Dir doch nicht schon vorher alles verraten, Kleine. Da geht doch der ganze Spaß verloren!"

"WO WIRD ER SEIN, WENN ICH WIEDER KOMME?", kreischte Hermine nun wütend los.

Das Monster jedoch trat dicht an sie heran, packte sie an ihrem zerschlissenen Gewand und knurrte: "Erstens, WENN Du wieder kommst! Wenn! Zweitens, die Spielregeln bestimmen wir! Und drittens, wenn Du Dir überhaupt noch Hoffnung machen solltest, jemals wieder Deine dünnen Ärmchen um ihn zu schlingen, dann kreische hier gefälligst nicht herum, sondern komme mit, nehme die Waffen in Empfang und trete Deine Aufgabe an!"

 

Hatte Hermine sich eben noch etwas gestärkt gefühlt, so fühlte sie sich nun schlagartig wieder gelähmt. Severus war nicht mehr da, wenn sie wieder kam! Was würde mit ihm geschehen?

Die Ohrfeige war vergessen. Die Ungewissheit, was sie mit ihm anstellen würden, löste die Angst die sie vor ihm und einem erneuten Schlag eben noch gehabt hatte, im Nu auf. Verstört blickte Hermine auf die Stelle, wo eben noch der Spiegel gewesen war. Erst ein Reißen an ihren Haaren, ließ sie weiter gehen. Ein dichter Nebel hatte sich über ihr Denken gelegt und blockierte es.

 

Ihre Waffen nahm sie nun wie selbstverständlich am Ausgang entgegen, öffnete sogar selbst noch die Tür und trat wie benebelt ins Freie.

 

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Da stand Hermine nun, völlig ahnungslos, wohin sie gehen sollte, mit Waffen, die schwer auf ihren Schultern lasteten und mit einem noch viel schwerer auf ihrem Gemüt liegenden Gefühl. Severus! Was veranstalteten sie mit ihm während ihrer Abwesenheit?

Sie fühlte sich schlapp, ausgelaugt, sie war noch immer so müde, obwohl sie stundenlang geschlafen hatte und hatte überhaupt keine Muße sich auf den Weg zu irgendwelchen Rossen zu machen, die nur mit Menschenfleisch zufrieden zu stellen waren.

 

Sie hätte sich auf der Stelle hinlegen können und schlafen. Schlafen, schlafen und nochmals schlafen. Jeder Knochen ihres Körpers schmerzte. Jede Faser ihrer Muskulatur tat weh. Da fiel die brennende Wange von Severus Ohrfeige auch nicht mehr ins Gewicht!

 

Apparierversuche schlugen fehl. Wie nicht anders zu erwarten! Seufzend schrumpfte Hermine die Waffen, trennte ein Stück ihres schäbigen Gewandes ab, um sich daraus eine Tasche zu zaubern, die sie sich umhängen konnte, um die Waffen zu verstauen.

Mit einem erneuten Seufzen stolperte sie, noch immer benommen von den erlittenen Torturen und der Angst um Severus, die ihr fast die Luft abschnürte, aufs Geratewohl in die unwirtliche Landschaft hinaus.

 

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In Hogwarts liefen die Recherchen derweil auf Hochtoren. Weder Harry, Ron und Professor McGonagall in der Bibliothek, noch Albus Dumbledore in seinem Büro gönnten sich eine

Pause. Die Mahlzeiten nahmen sie nicht in der großen Halle, sondern an ihrem jeweiligen Betätigungsfeld ein. Seit zwei Tagen wälzten sie nun schon unzählige Bücher und durchforsteten den gesamten Bestand der verbotenen Abteilung. Madame Pince war noch in den Ferien und konnte ihnen leider nicht mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch die Hauslehrerin der Gryffindors hatte nach stundenlangem Grübeln einen Zauber ausgesprochen mit dem ihnen die Bücher, welche relevantes Material enthielten, auf den Tisch geschwebt kamen. Das erleichterte die Arbeit erheblich. Doch der Stapel nahm ein gewaltiges Ausmaß an und wollte erst einmal bewältigt werden.

 

Es war Harry, der zuerst den Verdacht auf eine bestimmte Art von Tempel lenkte. Seine Vermutungen teilte er den anderen mit.

 

"Bei allem, was wir bislang über die Mächtigen an Material zusammen getragen haben, steht doch immer ein bestimmter Tempel, den sie für ihre Opferungen benutzt haben im Vordergrund. Vielleicht sollten wir nicht nur etwas über diese komischen Kreaturen herausfinden, sondern uns auf dieses Bauwerk konzentrieren?", schlug er vor.

"Schön", sagte McGonagall "damit ist zwar die Frage nach der Art und Weise, wie Miss Granger und Professor Snape dorthin gelangt sind, noch nicht gelöst, aber Sie könnten Recht haben, Mr. Potter. Eventuell sind die Beiden wirklich in solch einem Tempel eingesperrt."

 

"Können wir denn die Region, in der dieser Tempel steht schon irgendwie eingrenzen?", erkundigte sich Ron und sah aus seinem Buch hoch.

"Er wird sich irgendwo in Griechenland befinden", antwortete Professor McGonagall "aber leider kann ich auch noch nicht sagen, wo genau das sein soll. Wichtiger wäre wohl, herauszufinden, in welcher Zeit die Beiden nun stecken. In der heutigen Zeit oder in der Vergangenheit."

"Und wie finden wir das nun raus?", fragte Harry und sah seine Hauslehrerin erwatungsvoll an. "Ich meine ja nur, die Zeit drängt bestimmt. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie Hermine gefoltert und gequält wird."

"Ich mir auch nicht, Mr. Potter! Und vergessen sie bitte nicht, dass Miss Granger nicht allein dort ist! Auch Professor Snape wünsche ich keine Folter, die hatte er, nur so nebenbei erwähnt, unter dem dunklen Lord schon genug zu ertragen!"

 

"Mhm", brummte Harry nur. Der Gedanke, dass Hermine mit Snape irgendwo gefangen gehalten wurde, behagte ihm noch immer nicht. Und dass sie in dieses Ekel verliebt war, erst recht nicht. "Na schön", sagte er dann "wollen wir nicht mal nachsehen, ob Professor Dumbledore schon weitergekommen ist?"

 

In diesem Moment kam der Schulleiter schon durch die Tür der Bibliothek auf sie zu und erkundigte sich nach einem etwaigen Fortschritt.

Er hörte sich an, was die Drei zu berichten hatten und nickte dann mit dem Kopf.

 

"Auch ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir uns auf diesen Tempel konzentrieren sollten. In den Büchern ist sehr wenig Material zu dieser Thematik zu finden, und ich bin überzeugt, dass es unzählige Tempel in Griechenland geben wird, die sich höchstwahrscheinlich auch noch sehr ähnlich sehen, doch ich schlage vor, dass wir die Bücher von Hermine noch einmal eingehend untersuchen. Sie hatte jede Menge Literatur zu der griechischen Mythologie in ihrer Wohnung. Harry, würdest Du bitte alle Bücher, die Du bei ihr finden kannst, hierher holen? Ich weiß, es schickt sich nicht, in fremden Wohnungen ungefragt ein und aus zugehen, aber uns bleibt keine Wahl."

"Ja, klar, kann ich machen, Sir", sagte Harry "aber glauben Sie Hermine hat andere Bücher, als die, die hier in der Bibliothek stehen?"

"Nein, keine anderen Bücher", sagte Dumbledore "aber Bücher, mit denen sie sich beschäftigt hat und die uns vielleicht einen Hinweis geben können. Sie hatte eventuell einen bestimmten Tempel vor Augen, einen, der im Buch abgebildet war. Darüber lässt sich dann, wenn wir Glück haben, ein Kontakt herstellen."

"Sir, kann es auch möglich sein, dass Hermine, genau wie Harry damals zu Tom Riddle, über ein Buch dorthin gekommen ist?", fragte Ron neugierig.

"Möglich ist es, Ron. Doch wie dann Severus dazu gekommen sein soll...ich weiß es nicht."

 

Dumbledore seufzte und berichtete ihnen dann, dass er auch schon versucht hätte die Beiden zu orten, doch war er auf eine dicke Mauer aus dunkler Magie gestoßen. Er war sich nun aber

sehr sicher, dass sie nicht in der Gegenwart, sondern in einer andern Zeit gelandet waren. Nachdem was er in seinen Unterlagen hatte finden können, mussten diese Kreaturen der Vergangenheit angehören und tatsächlich schon vor ewiger Zeit ausgestorben sein.

 

"Hermine war oft hier auf Hogwarts in der Bibliothek", wandte Ron ein, da er das Gefühl hatte, irgendetwas sagen zu müssen, um diese unangenehme Stille, die plötzlich über dem Raum hing, zu überbrücken "und daher ist es doch wahrscheinlich, dass sie auch hier immer wieder dieselben Bücher angesehen hat und sich bestimmte Spuren daran befinden."

"Das stimmt, Albus", sagte McGonagall aufgeregt "während Mr. Potter die Bücher Miss Grangers beschafft, sollten wir herausfinden, mit welchen der vielen Bücher auf diesem Tisch sie sich befasst hat!"

 

Während Harry sich dann eilig auf den Weg machte, sprach der Schulleiter mehrere Zauber über die Bücher aus und Ron fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er sah, wie die Bücher sich auf dem Tisch geradezu darum drängelten, sich dem Direktor zu offenbaren. Sie boten sich freiwillig an und schlugen von ganz allein die Seiten auf, die benötigt wurden.

 

Hermine hatte viele unsichtbare Spuren auf den unzähligen Seiten hinterlassen, die nun Dank des Zaubers aufleuchteten.

Schon nach kurzer Zeit stand fest, dass sich Hermine auf einen bestimmten Tempeltyp festgelegt zu haben schien. Alle Abbildungen, die in Frage kamen, glichen dem Tempel, den sie anlässlich des Theaterstücks kreiert hatten auf verblüffende Art und Weise. Fasziniert sahen sie zu, wie auch verschiedene Absätze und Artikel zum Thema Zeus und Hera in einem silbrigen Nebel aufleuchteten.

"Miss Granger scheint sich wirklich in ihre Liebe zu Professor Snape hineingesteigert zu haben", bemerkte Minerva mit gerunzelter Stirn "sieh nur hier Albus! Das Abbild des Zeus leuchtet nicht nur, es strahlt so hell, dass man schon fast geblendet wird. Unzählige Male muss sie dies berührt haben. Ähm, Albus was sind das hier für Flecken?" Minerva deutete auf ein paar dunklere Stellen.

"Tränen, Minerva!", sagte der Schulleiter betrübt. "Sie scheint sehr unglücklich gewesen zu sein."

"Kein Wunder!", rief Ron empört aus "so wie Snape sie behandelt hat! Da muss sie ja unglücklich gewesen sein."

"Ich habe davon nichts mitbekommen", flüsterte McGonagall bestürzt. "Sie war doch in meinem Haus! Ich hätte es bemerken müssen! Aber sie hat fleißig gelernt...ich, ich dachte sie wäre nur wegen den Prüfungen etwas wortkarg, dabei..."

Minerva trat ans Fenster und wischte sich verlegen ein paar Tränen fort. Es nahm sie alles sehr mit. Sie hätte es bemerken müssen, dass mit ihr etwas nicht in Ordnung war! Wenn ihr nun ernsthaft etwas geschehen war, dann könnte sie sich das nie vergeben.

 

Dumbledore, McGonagall und Ron suchten weiter, und als Harry dann zurückkehrte, beladen mit den Habseligkeiten Hermines, waren die Drei vor Freude schon völlig aus dem Häuschen. Endlich waren sie einen Schritt weitergekommen!

Hermines Bücher wurden dann ebenfalls einigen Prüfungen unterzogen. Welcher Zusammenhang nun genau zwischen den Büchern, dem Tempel und den Mächtigen bestand, ließ sich noch immer nicht restlos klären, genau so wenig, wie Snape und Hermine gemeinsam in diese Gefangenschaft geraten konnten. Doch immerhin hatte man ein paar neue Aspekte ausfindig gemacht, von denen man sich versprach, die Hilfe zu geben, die Hermine und Snape benötigten.

Sie zogen dann zu viert in das Büro des Schulleiters, mit jeder Menge Nachschlagewerke unter dem Arm, weil sie nun auch Fawkes, der ja immerhin schon dort gewesen war, mit einbeziehen wollten. Vielleicht konnte der schlaue Phoenix an dieser Stelle weiterhelfen.

Eine Karte des alten Griechenlands war schnell gefunden und auf dem Schreibtisch ausgebreitet worden.

Auf Zuruf Dumbledores flatterte Fawkes herbei, betrachtete mit schief gelegtem Kopf die Abbildungen des Tempels, welcher es Hermine wohl angetan hatte, ließ seine Flügel über die noch immer leuchtenden Spuren, die die Gryffindor auf ihren Lieblingsseiten hinterlassen hatte, gleiten und krächzte dann heiser an einem bestimmten Punkt, mit seinem Schnabel darüber kreisend.

 

"Fawkes, erkennst Du etwas wieder?", fragte Dumbledore aufgeregt "zeige uns, wo die Beiden sich aufhalten!"

 

Eine halbe Stunde später, hatten sie ungefähre Angaben, wo der Tempel, den sie suchten liegen musste. Es war noch immer nicht hundertprozentig sicher, ob es wirklich gesuchter war, aber alle Vier waren sich einig, dass sie nichts unversucht lassen wollten.

 

Die Reisevorbereitungen wurden in Windeseile getroffen, alles Nötige verpackt und schon stand man in Dumbledores Büro bereit und versammelte sich um den von dem Schulleiter bereitgestellten Portschlüssel.

 

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Severus ließ man zunächst unbehelligt, was ihm schon komisch vorkam. Er rechnete jeden Moment mit einer neuen Gemeinheit und wünschte sich schon fast, dass sie endlich kommen möge, damit er etwas hatte, mit dem er sich beschäftigen konnte. Die Ungewissheit, ob und wann nun etwas geschah oder nicht, empfand er als fast noch schlimmer. So hatte er jedenfalls keine Chance, das enttäuschte, abweisende und ängstliche Gesicht Hermines aus seinem Geist zu verbannen. Permanent sah er es vor sich und fühlte sich mit jeder Minute und jeder Stunde die verstrich schuldiger. Sein schlechtes Gewissen fraß ihn auf und ließ ihn auch nicht zur Ruhe kommen. So saß er zusammengekauert in der äußersten Ecke der Matratze mit dem Rücken an die Wand gelehnt und starrte trübselig in die Dunkelheit hinein.

 

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Hermine wankte und stolperte mehr schlecht als recht durch die Lande. Sie hatte überhaupt keinen Blick für die herrliche Landschaft, die sich inzwischen zu ihren Füßen erstreckte. War sie zunächst nur über Wurzeln und Geröll gewandert, so lief sie nun auf weichem, grünen, moosigen Untergrund, der sie so gar nicht berührte. Sie hatte keinen Sinn für die Schönheit der Natur rings um sich herum. Er war ihr abhanden gekommen. Ihre Gedanken drehten sich nur um die Sorge um Severus...und ein wenig auch um ihre Aufgabe, die ihr bevorstand. Doch konnte sie sich nicht gänzlich darauf einlassen. Etwas in ihr sagte ihr zwar, dass sie genau dies tun sollte, aber sie hatte keine Kraft dazu. Immer öfter musste sie Pausen einlegen um sich auszuruhen. Mal an einem Bächlein, mal im Schatten eines ausladenden Baumes. Und jedes Mal kostete es sie enorme Überwindung, sich wieder zu erheben.

 

Ganz anders noch bei ihrer ersten Aufgabe. Da war sie stundenlang ohne Unterlass dahin geeilt. Da war sie noch bei Kräften und noch nicht diesen Qualen ausgesetzt gewesen. Doch nun forderte ihr Körper zunehmend sein Anrecht auf Erholung ein.

 

Doch eines war geblieben: nur der Gedanke an Severus ließ sie aufrecht gehen und sich nicht einfach hinlegen und schlafen...oder sich der Aufgabe gänzlich entziehen.

 

Als sie gerade mal wieder eine Rast einlegen musste, weil ihr das Herz bis zum Halse schlug und sie sich mit Schwindelgefühlen herumplagte, musste sie sich gewaltig anstrengen, um sich die Details ihrer Heldentat ins Gedächtnis zu rufen. Es war gar nicht so einfach. Denn so schnell die Erinnerungen an die Zeilen aus dem Buch über die griechische Mythologie in ihrem Hirn Einzug fanden, so schnell entglitten sie ihr auch wieder. Sie konnte diese Erinnerungen, in ihrem erschöpften Zustand, einfach nicht lange genug festhalten, um an Ort und Stelle einen Schlachtplan zu entwerfen.

 

Fieberhaft mühte sie sich. Rosse des Diomedes. Vier Pferdebestien. Wild, stark, ungestüm. Fraßen nur Menschenfleisch... und schon befielen sie wiederholt grausame Kopfschmerzen und verhinderten damit, dass sie sich intensiv mit dem ihr Bevorstehenden auseinander setzen konnte. Sie versuchte, nicht an das Hämmern in ihrem Kopf zu denken, versuchte sich weitere Einzelheiten in das Gedächtnis zu rufen, während sie sich angestrengt die Schläfen massierte.

Zähmen, sie musste diese Bestien zähmen und nach Mykene bringen. Zu Eurystheus. Was hatte Herkules getan, um dieses zu vollbringen? Verflucht, was hatte er denn bloß getan?

Hermine kamen die Tränen. Es wollte ihr einfach nicht einfallen. Was hatte der denn bloß getan? Sie verzweifelte bei dieser Grübelei, rollte sich irgendwann vor sich hin wimmernd zusammen und fiel in einen tiefen Schlaf.

 

Doch dieser Schlaf wollte nicht lange währen. Wiederholt quälten sie ihre schlimmen Alpträume, aus denen sie schreiend und Schweiß überströmt erwachte. Sie schrie wie von Sinnen. Schrie nach Severus. Doch die Erkenntnis, dass er nicht da war, sondern sie allein und hilflos in der Wildnis unterwegs war, um eine Heldentat zu vollbringen, raubten ihr fast den Verstand. Zitternd erhob sie sich, gab jeglichen Wunsch nach Schlaf auf und taumelte weiter ihrem Bestimmungsort entgegen, der wo auch immer liegen mochte.

 

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Die Professoren Dumbledore und McGonagall, sowie Harry und Ron landeten am Rande eines kleinen Haines von Olivenbäumen, welcher, soweit das Auge reichte, umgeben von verdörrten Feldern war. Irgendwie sah alles trostlos und unwirtlich aus. Einzig der Hain mit den Olivenbäumen verlieh dem Terrain etwas Malerisches.

Die Sonne des Südens brannte unbarmherzig auf sie herab und der plötzlichen, flirrenden Hitze ausgesetzt, sahen sie sich unsicher um.

Von einem Tempel war weit und breit nichts zu sehen.

 

"Ähm, sollten wir nicht in einem Tempel landen, Sir?", fragte Harry irritiert und wischte sich schon die ersten Schweißperlen von der Stirn "wo sind wir hier eigentlich?"

Der Schulleiter Hogwarts sah sich ebenfalls ratlos um, kniff die Augen wegen dem grellen Sonnenlicht etwas zusammen, zupfte an seinem grauen Rauschebart herum und erwiderte: "Ich weiß es nicht genau, Harry. Noch nicht. Ich habe mich ganz auf den Tempel konzentriert, genau den, welchen Hermine sooft angesehen hatte. Eventuell sind wir nicht weit davon entfernt oder er ist überwuchert und daher gut getarnt. Auf jeden Fall dürften wir in Griechenland sein."

"Albus, wäre es nicht möglich, dass wir ihn nur nicht sehen können?", wandte Minerva nachdenklich ein "wir haben eventuell keinen Bezug dazu...jedenfalls nicht so sehr, wie Miss Granger."

"Vielleicht sind wir ja auch gar nicht in der Vergangenheit gelandet, sondern immer noch in der Gegenwart, und...und den Tempel gibt es jetzt überhaupt nicht mehr. Der ist inzwischen verwittert und in sich zusammengefallen", mutmaßte Harry nun und sah äußerst skeptisch aus.

"Und wie geht es jetzt weiter? ", fragte Ron mit einem gequälten Gesichtsausdruck, zerknickte seufzend ein paar dürre, vertrocknete Halme und blickte dann alle der Reihe nach fragend an.

 

Dumbledore stieß geräuschvoll die Luft aus, dachte nach und meinte dann: "Ich bin sicher, dass wir schon in der rechten Zeit sind, in der Vergangenheit. Jedoch könnte Minerva Recht haben. Der Tempel verschließt sich unserem Auge. Ich nehme an, dass dieser mysteriöse Tempel völlig unscheinbar und jedem zugänglich in der Landschaft stand. Zu der Zeit, da jedoch wieder ein Pärchen diesem innewohnte und grausamen Qualen ausgesetzt war, verschloss er sich dem Rest der Welt. Erinnern wir uns: Nur etwa alle einhundert Jahre wurde ein Pärchen geopfert! Es kann daher gut möglich sein, dass in dieser Zeit nur diesen beiden Unglückseligen der Zutritt gewährt wird und auch nur diese Beiden ihn erblicken können. "

"Na prima!", stieß Harry aus "und was heißt das nun genau? Was machen wird denn jetzt?"

 

"Sir, vielleicht sind wir doch falsch gelandet", brummte Ron vor sich her und hielt sich die Hand über seine Augen, um die Sonne, die hier viel intensiver, als in England schien, ein wenig fernzuhalten.

 

"Nein! Ich spüre Magie, Ron", sagte Dumbledore überzeugt "und zwar die selbe dunkle Magie, die ich schon in Hogwarts gespürt habe. Der Tempel befindet sich in der Nähe. Ich fühle es immer mehr! Wir sollten zunächst hier bleiben und noch einmal alle Details durchgehen! Ich werde aber zunächst für alle Fälle eine erneute Ortung vornehmen."

 

Damit zeigten sich dann alle einverstanden. Minerva hexte für jeden von ihnen einen Strohhut auf den Kopf, um zu verhindern, dass schon in der ersten Stunde ihres Aufenthaltes hier, jemand durch einen Sonnenstich außer Gefecht gesetzt werden konnte.

Während Dumbledore sich unter der Sonne noch mühte, errichteten die anderen ein kleines überdachtes Lager, begaben sich in ihren Unterschlupf, tranken gierig das mitgebrachte Wasser und beobachteten von dort aus angestrengt und voller Sorge den Schulleiter aus den Augenwinkeln heraus.

 

"Es tut mir leid, es sagen zu müssen", verkündete das Oberhaupt Hogwarts nach einer Weile resigniert, "aber die Mauer der Magie lässt sich einfach nicht durchbrechen. Ich stoße andauernd auf Widerstände. Immer wenn ich glaube, den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort der Beiden vor Augen zu haben, wird er mir wieder entrissen."

Danach griff auch er durstig nach einer Wasserflasche und breitete anschließend geschwind die mitgebrachten Utensilien, wie Karte, Bücher und persönliche Dinge von Severus und Hermine auf dem Boden aus.

 

Sie blieben vor Ort, gingen alles in Erfahrung gebrachte noch einmal durch und vertrauten darauf, dass sich ihr Direktor nicht täuschte, sondern in der Gewissheit wiegte, dem Tempel nahe zu sein.

 

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Hermine unterdes glaubte schon fast, vor Erschöpfung keinen Schritt mehr weiter gehen zu können, als sie einem, in ein weißes Gewand gehüllten Menschen begegnete, der sich zu ihrer Freude noch als nützlich erweisen sollte.

Noch war er ein gutes Stück entfernt, näherte sich ihr aber unaufhaltsam. Sie wusste nicht, ob es ein Freund oder ein Feind war, sah sich aber auch nicht in der Lage schnellstens Reißaus zu nehmen. Dazu reichten ihre Kräfte gewiss nicht!

Sie umklammerte ihren Zauberstab unter ihrem schmutzigen Fetzen von Stoff, welchen sie am Körper trug und wartete ergeben, mitten auf dem staubigen Weg, bis sich ihr der junge Mann genähert hatte.

 

Der Mann blieb vor ihr stehen und musterte sie eingehend, wobei er hämisch grinste und sich mit seiner Zunge über die Lippen fuhr. Hermine hielt die Luft an und schaute mit unsicherem Gefühl zurück. Ihr schauderte vor diesem Fremden.

 

"Was macht ein so junges Ding ganz allein hier in dieser rauen Landschaft?", schnarrte der Fremde abfällig, umkreiste sie und beäugte sie dabei misstrauisch.

"Ich...bin auf dem Weg zu den Rossen des Diomedes", sagte Hermine mit fester Stimme "ich bin ausgezogen, um sie zu zähmen."

Der junge Mann wurde auf der Stelle blass, schlug sich die Hände vor das Gesicht und wich vorsichtig ein paar Schritte zurück. Verwundert schaute Hermine ihn an. Was war denn mit dem los?

Noch mehr wunderte sie sich, als sich der Mann vor ihr auf die Knie fallen ließ und anfing zu weinen.

"Endlich...endlich!", stammelte der Fremde überglücklich "endlich wurden unsere Gebete erhört. Wir warten schon so lange auf Denjenigen, der sie zähmt und uns von diesen Bestien erlöst. Meine halbe Familie wurde ihnen schon zum Fraß vorgeworfen. Die Leute meines Dorfes werden Euch mit offenen Armen empfangen. Kommt mit! Ihr seht so aus, als wenn Ihr eine Stärkung benötigen würdet."

 

Hermine überlegte, ob das eine Falle sein sollte, oder nicht und zögerte daher zu zusagen. Hier musste man vorsichtig sein! Die Lektion mit dem Trank, den sie von der Kreatur erhalten hatte und der fast mit dem Tode von Severus endete, hatte sie nicht vergessen.

Eine Stärkung könnte sie allerdings wirklich gebrauchen... Im rechten Moment gab ihr Magen ein knurrendes Geräusch von sich, so dass sie zustimmte, dem Fremden zu folgen. Sie beschloss jedoch alles Dargebotene mit einem Zauber heimlich zu überprüfen. Vorsicht konnte nicht verkehrt sein!

 

"Wisst Ihr denn, wo sich diese Bestien aufhalten?", fragte Hermine, nachdem sie schon ein paar Schritte gegangen waren "denn ich habe im Moment keine Ahnung, welche Richtung ich einschlagen soll."

"Aber ja! Ja, ich weiß wohl, wo sich diese Ungetümer aufhalten", sagte der Mann schnell. "Ich werde Euch den Weg weisen. Man nennt mich Abderos und verzeiht, dass ich zunächst unfreundlich zu Euch war! Nun aber kommt, kommt schnell!"

 

Und so folgte Hermine diesem merkwürdigen Mann. Unterwegs musste sie sich nochmals eine Pause gönnen. Ihr Reisetempo war zwar nicht schnell, aber im Augenblick strengte sie einfach alles furchtbar an. Sie rasteten an einem kleinen Bach, tranken das köstliche, kühle Nass und ruhten sich im Schatten eines Baumes aus. Bald darauf drängte der Fremde aber darauf, dass sie weitergingen.

"Wir müssen vor Einbruch der Nacht im Dorf sein. Wenn es dunkelt, wird jeder, der nicht in seinem Haus ist und durch die Gegend streunt, eingefangen und verfüttert. Ihr müsst wissen, dass sonst nur die Fremden den Rossen zum Fraß vorgeworfen wurden, aber da immer weniger Reisende in die Stadt Tirida kommen, so wurden auch die umliegenden Dörfer mit einbezogen. Dieser schreckliche Diomedes, König der Thrakier ist sehr kriegerisch und grausam. Niemand ist vor ihm und seinen Schergen sicher. Er wütet mit seinen Kriegern, den Bistonen und hinterlässt, dort wo er des Weges zieht, nichts als verbrannte Erde und den Gestank von Tod und Leid. Also kommt, sputet Euch!"

 

Nach einer guten Stecke Weges, die Hermine wie ein Gewaltmarsch vorkam, gelangten sie zu dem kleinen Dorf des Abderos. Eine Schafherde versperrte ihnen am Eingang des Dorfes den Weg. Doch um weiterzukommen, mussten sie da hindurch. Während Abderos die Tiere einfach bei Seite schob und sich seinen Weg bahnte, gelang der Gryffindor dies auf Anhieb nicht. Sie schob und stemmte sich gegen die Schafe, doch die wichen keinen Millimeter zur Seite. Hermine versuchte eine Lücke auszumachen an der sie vorbei huschen konnte, sah sich aber augenblicklich von den blökenden Tieren eingekreist, die sie nun auch noch an einen Baum drückten. Dann zupften und knabberten sie an ihrem Gewand herum und drängelten immerfort, bis Hermine laut nach Abderos rief.

 

Dieser eilte erschrocken sofort zu Hermine zurück, stieß die Tiere dabei energisch zur Seite, ergriff dann die Hand der jungen Frau und zerrte sie einfach mit sich.

Hermine hatte keine Zeit sich großartig darüber zu wundern, oder gar zu protestieren. Sie war froh, den Wollknäueln entronnen zu sein.

 

Im Hause des Abderos herrschte eine ausgesprochene Hochstimmung, als sie hörten, dass Hermine ihre Rettung sein sollte. Das halbe Dorf lief zusammen und bestaunte sie ehrfurchtsvoll. Hermine allerdings war nur müde und hungrig und wünschte sich, dass die Menschen wieder in ihre Hütten zurückkehrten. So ein Trubel hatte ihr noch gefehlt!

Die Dämmerung neigte sich zum Glück bald darauf über dem Dorf herab und die Leute zogen sich aufgeregt gestikulierend in ihre bescheidenen Hütten zurück.

 

 

Die Mutter des Abderos raunte ihr zu: " Kommt schnell in das Haus hinein! Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, beginnt wieder die Jagd auf die armen Leute, die es nicht rechtzeitig schaffen, sich zu verbergen. Die Rosse sind immerfort hungrig."

 

Hermine wurde ein warmes, herrlich nach Kräutern duftendes Bad in einem hölzernen Badezuber zubereitet, welches sie sehr genoss. Sie wusch sich seit langem mal wieder die Haare und spülte den Dreck von Tagen und Wochen hinfort. Allerdings wünschte sie sich, dass sie es gemeinsam mit Severus genießen könnte. Wie mochte es ihm wohl gehen?

 

Abschließend reichte man ihr ein neues, weißes Gewand und verköstigte sie reichlich. Abderos versprach, sie am frühen Morgen zu den Rossen hin zu begleiten und auch zu unterstützen. Dankbar nickte sie ihm zu und hatte immer mehr Mühe, ihre Augen offen zu halten.

Als sie zum wiederholten Male hinter vorgehaltener Hand gähnen musste, führte sie die Mutter des jungen Mannes zu einem Lager. Die Leute hier waren arm und hatten keine Betten, aber ein mit Stroh ausgefüllter Bezug, auf den Hermine kurz darauf niedersank, kam ihr in diesem Moment wie der Himmel auf Erden vor.

 

Sie bedankte sich nur kurz und nickte fast augenblicklich darauf ein.

 

 

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Auch in dieser Nacht, in dem Dorfe des Abderos, blieb Hermine nicht von ihren Albträumen verschont. Mehrmals wachte sie schweißgebadet auf und blickte panisch in alle Richtungen. Zum Glück musste sie dieses Mal nicht schreien. Oder hatte sie dies doch getan? Sie hoffte dass dem nicht so war, denn es musste ja einen tollen Eindruck machen, wenn die Bezwingerin der blutrünstigen Rosse sich des Nachts die Kehle aus dem Leibe schrie!

Zumindest war niemand zu ihr geeilt und auch sonst vernahm sie keinen Laut. Eine Weile horchte sie noch in die Nacht hinein, aber es schien alles ruhig zu bleiben. Erleichtert stieß sie die Luft aus und fragte sich dann zum wiederholten Male, was wohl mit Severus gerade geschah. Und warum verdammt noch mal, sie ihn im Spiegel nicht sehen konnte! Er fehlte ihr so sehr.

 

Abderos! Hermine fiel nun auch wieder ein, dass sie den Namen schon irgendwo gehört hatte. Nein, nicht gehört, korrigierte sie sich im Stillen, sie hatte den Namen gelesen...in dem Buch über die Taten des Herkules. Abderos war demnach der Begleiter Herkules und eigentlich der Sohn des Hermes. Doch warum sollte der Sohn eines Gottes in diesem ärmlichen Dörfchen wohnen? Eine Namensgleichheit? Mhm! Aber merkwürdig war es schon, dass sie ausgerechnet auf einen jungen Mann namens Abderos traf wenn sie auf dem Weg zu den Rossen des Diomedes war. Der Legende nach wurde dieser Gehilfe und Freund Herkules, als er auf die Rosse acht geben sollte, während der Held die ihm folgenden, wütenden Bistonen aufhielt und gegen sie kämpfte, von den wilden Stuten in Stücke gerissen und verspeist. Aus Trauer und ihm zu Ehren gründete Herkules später die Stadt Abdera.

 

Hermine hoffte, dass der junge, freundliche Mann seiner Familie erhalten blieb und kein Opfer der Rosse wurde. Sie seufzte und versuchte noch ein wenig zu schlafen, denn erwartungsgemäß würde der kommende Tag keinen Spielraum für Entspannung bieten.

Die Sonne mochte gerade erst aufgegangen sein, jedenfalls in aller Frühe, stand die Mutter von Abderos neben Hermines Lager und berührte die Gryffindor sacht an der Schulter.

"Kommt, Ihr müsst Euch noch stärken! Mein Sohn wird Euch dann nach Tirida begleiten."

Hermine erhob sich seufzend. Nun hatte sie doch noch in den Schlaf gefunden und das auch noch traumlos, da war die Nacht schon wieder vorbei!

 

Man stellte Hermine eine große Schale mit Wasser bereit, wo sie sich erfrischen konnte, reichte ihr sogar Bürste und Spiegel, um sich die Haare in Form zu bringen und lud sie dann zu einem Frühstück vor dem Haus ein.

Die Dorfbewohner hatten sich aus ihren Behausungen wieder herausgetraut und beobachteten sie erst beim Essen und eskortierten sie dann auch noch zum Dorfe hinaus. Viele kamen auf Hermine zu und küssten ihr die Hand, was Hermine allerdings allmählich unheimlich wurde, denn jeder schien sie auf irgendeine Art berühren zu wollen, um auf diese Weise seine Dankbarkeit auszudrücken.

 

Jedenfalls war sie äußerst froh, als das Dorf hinter ihnen lag, und sie mit Abderos allein auf dem Weg in die Stadt unterwegs war.

 

Am frühen Nachmittag erreichten sie Tirida. Die Wächter ließen sie auch ungehindert passieren. Hofften sie wohl, dass dies Fremde wären, die nichts von den Geflogenheiten dieses Ortes wussten. Jedenfalls grinsten und pfiffen sie ihnen hinterher und rieben sich vergnügt die Hände. Endlich gab es wieder eine Belustigung mit anzusehen, Fremde, die verfüttert wurden! Das versprach noch eine spannende und erheiternde Nacht zu werden, die Abwechslung von dem tristen Alltag eines Torwächters bot!

 

Hermines Begleiter schien sich hier gut auszukennen. Geschickt lotste er sie durch die Gassen, vorbei an Gemüsehändlern, Harfenspielern und Barbieren. Sie überquerten gepflasterte Plätze, auf denen das Leben tobte. Sänger traten in den Wettstreit und erheiterten die Wohlhabenden der Stadt. An einer Ecke wurde ein Theaterstück aufgeführt, an der nächsten ein Konzert dargeboten. Die Menge applaudierte frenetisch und warf den armen Komödianten und Musikussen großzügig Geldstücke entgegen.

Hermine vergaß fast, weshalb sie eigentlich in dieser Stadt war. Ihr gingen vor Staunen die Augen über. Es war alles so unglaublich, so interessant...und genauso hatte sie sich die Marktplätze und die Gebäude im antiken Griechenland vorgestellt!

 

"Was sind das für Gebäude da drüben?", fragte sie atemlos.

"Das dort ist das Badehaus...und dort die Universität...und dort hinten das Theater", erklärte Abderos. "Aber kommt, gleich werde ich Euch die Stallungen zeigen! Dort werden wir auch auf die Bestien treffen."

Schlagartig wusste Hermine wieder, wo und warum sie hier war. Die Pferdebestien!

 

Kurz darauf wurde sie derer angesichtig und musste schlucken. Da waren sie. Riesig! Die größten Pferde, die sie je gesehen hatte. Sie waren an dicke, eiserne Ketten gebunden, an denen sie zogen und zerrten. Eines der Rosse trank gerade Wasser aus einem eisernen Trog und riss seinen Kopf ganz plötzlich witternd in die Höhe, als hätten sie gespürt, dass Hermine in der Nähe wäre. Ehrfurchtsvoll betrachtete Hermine sie und sah, dass nun alle vier blutrünstigen Stuten ihre Nüstern blähten und in ihre Richtung starrten.

Flankiert wurden diese Pferdeungeheuer von zwei Wachen, die wie Hermine wusste, als erstes verfüttert werden mussten.

 

Abderos erkundigte sich, wie Hermine vorzugehen gedenke. Die Gryffindor wollte keine Zeit verlieren und wies ihren Begleiter an, am Eingang der Ställe Wache zu halten. Dieser musste ja nicht alles mitbekommen. Erst recht nicht, dass sie zauberte.

Während dieser nickend davon schlich und am Eingang Stellung bezog, beförderte Hermine ihren Zauberstab hervor, atmete tief ein und schockte die Wachen. Alsdann ließ sie diese bedauernswerten, bulligen Kerle direkt zu den Rossen in den eisernen Trog schweben.

 

Die Stuten wieherten, rasselten mit den Ketten und verbissen sich dann sofort in die beiden ihnen zum Fraß Vorgeworfenen. Man hörte das Knacken der Knochen und das Zerreißen von Fleisch.

Ein blutiges Spektakel, dem Hermine zu ihrer großen Überraschung zusehen konnte, ohne dass ihr großartig schlecht davon wurde. Zwei Pferde schnappten gleichzeitig nach einem Mann und zerrissen ihn zunächst in Stücke, bevor sie ihn gierig herunterwürgten.

Ja, Hermine empfand sogar so etwas wie Genugtuung! Sie hatte mit Severus inzwischen schon soviel erlebt und durchgemacht, dass ihr dies überhaupt nichts mehr ausmachte. Sie hoffte allerdings, dass diese blutrünstigen Szenen sich nicht im Nachhinein auch noch in ihre Träume einschleichen würden.

 

Der Anfang ward gemacht. Und sogar mit Erfolg, wie es schien, denn nun standen die Rosse einträchtig beieinander und schienen für den Moment besänftigt zu sein. Sehr schön, dachte Hermine, nun galt es des Königs der Thrakier, Diomedes, habhaft zu werden, welcher als Nächstes im Trog zu landen hatte.

 

Sie rief nach Abderos und kam sich plötzlich ziemlich abgebrüht vor. Dieser kam auch sofort angelaufen und erschauderte, als er das Blut ringsherum erspähte.

Doch mit dessen Erschrecken wollte sie sich ebenfalls nicht lange aufhalten und befahl ihm, sie nun sofort in des Königs Gemächer zu bringen. Abderos erschrak, nickte aber beflissen und bedeutete ihr, ihm zu folgen.

 

Der Palast des Königs befand sich unweit der Stallungen. Durch den Dienstboteneingang verschafften sie sich in Windeseile Zutritt zur prunkvollen und in weißem Marmor gefassten Behausung des Königs. Hermine schockte weitere Wachen, stieg über diese hinweg und befand sich nunmehr in einem Rausch. Sie achtete auch kaum noch auf ihren Begleiter, dem das Entsetzen im Gesicht geschrieben stand und dem gewiss auch einige Fragen auf der Zunge lagen, bezüglich des kleinen hölzernen Stäbchens in Hermines Hand.

 

Egal, Hermine hatte keine Zeit für Erklärungen. Sie raste durch den Palast, schockte hier und dort jemanden, schoss hier und dort Gegenstände aus dem Weg oder öffnete mit Hilfe eines kleinen Spruches verschlossene Türen.

 

Endlich stand sie dem völlig überraschten König gegenüber, der in Panik einen Säbel zog und auf Hermine zustürzte. Doch sie wich ihm mit einer schnellen Bewegung aus, entwaffnete ihn mit einem spöttischen Grinsen und legte ihm dann, nachdem sie ihn hatte verstummen lassen, magische Fesseln an.

Sie hätte diesen wohlgenährten Monarchen auch schocken können, aber irgendwie verspürte Hermine auf diesen grausamen König ganz plötzlich, aus heiterem Himmel, eine Riesenwut. Ja, er sollte am eigenen Leibe verspüren, was es hieß Angst zu haben! Und die hatte er auch! Sie hatte es in seinen Augen sehen können. Er sollte ruhig alles mitbekommen!

Sie trieb ihn vor sich her, stieß ihm schadenfroh in den Rücken und erzählte ihm auch noch dreist, was ihn jeden Moment erwarten würde.

Bei den Pferdeungeheuern angekommen, schubste Hermine ihn in den eisernen Trog und sah wiederum zu, wie er in Stücke gerissen und verspeist wurde.

 

Dann beobachtete sie die Rosse eingehend und fand, dass diese ruhig, besänftigt und ...gezähmt aussahen. Wagemutig löste sie die schweren Ketten von den Gemäuern, erfasste diese und führte die Pferde ins Freie.

Abderos hingegen stand blass und schwer atmend an die Wand gelehnt da und schaute Hermine mit aufgerissenen Augen an.

 

Erst als Hermine dieses ängstliche Gesicht sah, begriff sie so richtig, was sie soeben getan hatte. Ungläubig sah sie auf ihre Hände, die die eisernen Ketten umklammert hielten und wandte ihren Blick dann nach oben, von wo aus sie vier vor Geifer und blutigen Schaum tropfende Mäuler von vier friedlichen Pferden anschauten.

Hermine schluckte und konnte nicht vermeiden, dass auch sie nun nicht ganz frei von Angst war. Schnell ließ sie aus ihrem Zauberstab Stricke hervor schießen, die sich ruckzuck um die Mäuler der Stuten wanden. Sicher war sicher.

 

So nun musste sie zum Wasser. Die Pferde mussten zum Meer getrieben werden und auf dem Weg dorthin würde es noch zum Gefecht zwischen ihr und den Bistonen kommen, die den Tod des Königs rächen wollten.

 

"Abderos", rief sie "kommt, Ihr müsst mir nun den Weg zum Meer weisen!"

Nur zögernd trat er auf sie zu. Die Angst, die er nun vor Hermine empfand, war nicht zu übersehen.

"Einiges mag Euch merkwürdig vorkommen", sagte sie mitfühlend "aber ich kann Euch nicht alles erklären. Vertraut mir einfach!"

"Ihr habt schon so viel für uns getan", antwortete ihr Begleiter mit gesenktem Blick "ja, ich vertraue Euch. Verratet mir nur...wie seid Ihr überhaupt hierher gekommen. Ich meine, wer sandte Euch?"

Hermine seufzte. "Abderos, Ihr würdet es nicht verstehen. Da sind solche grässlichen, grünen Monster und...."

"Die Mächtigen!", stieß dieser entsetzt aus und schlug sich die Hände vor das Gesicht.

"Die Mächtigen? Was meint Ihr, Abderos?", fragte Hermine sichtlich verwundert. "Kennt Ihr diese Monster?"

"Ich sah sie nie persönlich, doch es geht eine Legende um, nach der...nach der diese Kreaturen sich mit den Herrschenden verbünden. Unter ihnen sollen Magier sein, die die Kunst des Tränkebrauens zur Perfektion beherrschen. Sie opfern Pärchen, schon seit hunderten von Jahren...sie...sie sind schrecklich."

Hermine strich sich nervös durch die Haare. Diese Monster nannten sich die Mächtigen und opferten Pärchen? Sollten Severus und sie etwa auch geopfert werden, auch wenn sie alles erledigt hatten? Ihr fröstelte plötzlich und sie starrte entsetzt vor sich hin.

 

Gerade wollte Abderos zu einer weiteren Erklärung ansetzen, als wütendes Gebrüll hinter ihnen ertönte. Erschrocken fuhren beide herum und sahen, wie mehrere berittene Krieger auf sie zu gestürmt kamen und wütend Lanzen und Schwerter in der Luft herum schwangen.

 

"Führt die Rosse von hier fort! Hinfort zum Meer!", fuhr Hermine ihren Begleiter an "ich werde sie aufhalten und Euch einen Vorsprung verschaffen. Sobald es möglich ist, werde ich Euch folgen. Los geht schon! Eilt Euch!"

Abderos ergriff zögernd die eisernen Ketten und zog die Pferde hinter sich her. Hermine wusste, dass diese zur Zeit noch gesättigt und daher zahm waren, aber sie ahnte auch, dass der junge Mann ihnen noch zum Opfer fallen würde. So besagte es zumindest die Legende. Er tat ihr leid, denn er hatte ihr geholfen und war so nett und freundlich gewesen. Seine Familie würde um ihn trauern! Doch es blieb keine Zeit, denn die Reiter waren schon gefährlich nahe gekommen. Ein letztes Mal blickte Hermine dem Abderos hinterher und rief: "Ich danke Euch für alles!", als sie auch schon den Zauberstab zog und die ersten Angreifenden geschockt vom Pferde stürzten.

 

Es waren an die zwanzig Reiter, die da auf sie zu geeilt kamen und sie hatte zu tun, im rechten Augenblick, die rechte Deckung zu finden. Sie schienen plötzlich überall um sie herum zu sein. Sie schleuderte die Flüche nur so um sich, doch als sie von einer Lanze in der Schulter getroffen wurde, entriss es ihr den Zauberstab. Hermine sackte zu Boden und biss die Zähne zusammen. Im Nu färbte sich ihr Gewand blutrot. Hermine stöhnte und barg aus ihrer Tasche Pfeil und Bogen und das Schwert. Nun musste sie damit zurechtkommen, denn es blieb ihr im Kampfgetümmel noch nicht einmal die Zeit, ihren Zauberstab wieder herbeizurufen. Nachdem sie zwei der Reiter mit einem Pfeil vom Pferd geholt hatte und einem dritten mit einem Schwerthieb am Bein erheblich zugesetzt hatte, gelang es ihr allerdings, sich hinter eine Mauer zu rollen und dort im dichten Buschwerk zu verbergen. Vor Angst und Schmerz schlotterte sie am ganzen Körper. Die Wunde machte ihr zu schaffen. Sie warf vorsichtig einen Blick darauf und erschauderte. Eine tiefe, klaffende, fleischige Wunde zeigte sich ihren Augen, aus der das Blut unaufhörlich quoll.

 

Nachdem sie ihren Zauberstab endlich wieder in der Hand hielt, versuchte sie durch Apparation diesem Ort zu entkommen, was aber mal wieder nicht gelang. Sie schimpfte stumm vor sich hin, wartete noch eine Weile ab und als sie sicher war, oder zumindest hoffte, sich in Sicherheit wiegen zu können, eilte sie Abderos hinterher.

Hoffentlich war es noch nicht zu spät! Sie nahm sich vor, sobald sie diesen netten, jungen Mann unversehrt antraf, ihn sofort aus ihren Diensten zu entlassen und ihn in sein Dorf zurückzuschicken.

Doch ihre Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Schon von weitem hörte sie einen erstickten Schrei des Schmerzes und der Angst. Und als sie endlich die Pferde erreichte, fand sie nur noch ein abgetrenntes Bein des Abderos, Blut ringsumher und sah angewidert eines der Rosse genüsslich einen Arm, der noch halb aus dem Maule des Ungetüms hing, verspeisen.

 

Sie war geschockt. Traurig. Und wisperte ihrem nun ehemaligen Begleiter im Stillen zu, dass zum Troste einst eine Stadt nach ihm benannt werden würde, worauf seine Mutter Stolz sein könne.

 

Notdürftig band sie ihre Wunde ab, indem sie mal wieder Hand an ihr Gewand legen musste. Ihr Gewand, was kaum noch einen weißen Flecken aufwies. Alles war inzwischen voller Blut.

War ihr Auftrag hiermit erledigt? Die Pferde waren besänftigt worden. Diomedes tot. Abderos geopfert. Das sollte genügen!

Ein erneuter Apparierversuch war dieses Mal von Erfolg gekrönt. Verletzt und von unvorstellbaren Schmerzen gepeinigt löste sie sich auf.

 

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13. Kapitel

 

Lügen

 

 

Severus war noch immer in Ruhe gelassen worden. Was seiner gewachsenen Nervosität nicht zuträglich war. Er harrte im Dunklen aus, mit einem harten Laib Brot und einem Krug abgestandenen Wassers.

Umso größer war seine Freude, als plötzlich die Kerzen aufflackerten.

Hermine! Das musste das Zeichen sein, dass Hermine zurückkam! Sein Pulsschlag begann sich voller Vorfreude zu erhöhen und ein warmes Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. Er atmete tief ein, schloss für einen Moment die Augen und glaubte Hermines Hände schon spüren zu können, wie sie sacht über seinen Arm strichen oder seine Haare durchfuhren. Gleich konnte er sie wieder in seinen Armen halten!

Erleichtert, dass die Zeit des Wartens vorbei war, richtete er sich auf und lehnte sich gegen die Wand. Hoffentlich war sie nicht verletzt worden und hoffentlich verzieh sie ihm den Schlag! Er wollte sich bei ihr entschuldigen und ihr erklären, dass er sich in einer Ausnahmesituation befunden hatte und es ihm entsetzlich leid täte.

Jeden Moment würde die Tür aufgehen und er sie in seinen Armen halten können. Er konnte es gar nicht erwarten. Wann öffnete sich endlich die verdammte Tür? Er wollte seine Hermine wieder sehen und sie umarmen und küssen dürfen!

 

Umso enttäuschter war er, als sich die Tür dann tatsächlich öffnete und die Kreatur grinsend eintrat. Allein! Ohne Hermine!

Fragend blickte er zu der Kreatur. Wo war Hermine denn? Wo war die Frau, in die er sich verliebt hatte und um die er in den letzten Stunden so viele Ängste ausgestanden hatte?

Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus.

Denn so, wie dieses Monster dort stumm, aber diabolisch grinsend, stand und ihn musterte war irgendetwas geschehen. Ihm wurde schlecht, sein Magen rebellierte.

Heiser brachte er hervor: "Wo ist Hermine?"

 

Das Monster ließ seine Fingerknöchel knacken, kniff seine Augen zusammen und raunte: "Du willst wissen, wo die Kleine abgeblieben ist?"

"Ja, sicher will ich das wissen", krächzte Snape, während ihn eine dunkle Vorahnung überkam, die ihm schwer wie Blei auf seinen Schultern lastete.

"Du weißt, welche Aufgabe sie zu bewältigen hatte?"

"Natürlich, weiß ich das!", brachte Snape verärgert hervor. Warum spannte diese Kreatur ihn so grausam auf die Folter?

"Schön! Dann erinnerst Du Dich gewiss auch, dass Du sie brutal geschlagen hast, nicht wahr?"

Dem Tränkemeister zogen sich bei dieser Erinnerung sämtliche Eingeweide zusammen. Stumm nickte er.

"Die arme Kleine", fuhr das Monster unbeirrt fort "stand total unter Schock, musst Du wissen. Ihr Geliebter hatte sich so rabiat ihr gegenüber verhalten, dass sie sich gar nicht auf ihre Aufgabe konzentrieren konnte. Ohne Konzentration macht man aber Fehler. Einmal nicht aufgepasst und tja...schon ist es um einen geschehen."

 

Snape stockte der Atem. Fassungslos starrte er das Monster an. Seine Gedanken überschlugen sich. Angst breitete sich in ihm aus. Angst um Hermine. Nackte, blanke Angst. Er hatte Schuld daran, dass sie einen Fehler gemacht hatte? Einen Fehler? Von welchem Ausmaß?

Er rang nach Worten und brachte dann mühsam hervor: "Was...was willst Du damit sagen?"

"Ach", höhnte das Monster "kannst Du Dir das nicht denken? Statt andere Leute zum Verfüttern herbeizuschaffen, hat sie sich selbst, nun wie soll ich sagen...geopfert? Geopfert, weil sie die Gedanken an Dich und die Angst vor Dir nicht unter Kontrolle bringen konnte. Du hättest sie wohl nicht schlagen sollen!", endete das Monster lapidar und polkte sich genüsslich mit seinen spitzen Fingernägeln in den gelben Zähnen herum.

 

"Nein", rief Snape laut aus "das glaube ich nicht! Ich... will sie sehen!"

"Stell Dich nicht dümmer, als Du bist!", spie das Monster verächtlich aus und kam ein paar Schritte auf Snape zu. "Wie willst Du sie wohl sehen können, wenn sie doch von den Rossen grausam in Stücke gerissen und anschließend zwischen den kräftigen Kiefern zermalmt wurde? Ihre Schreie hallen mir jetzt noch in den Ohren...tja, ihren Tod hast Du ganz allein zu verantworten!"

 

Tod! Snape stand wie vom Blitz getroffen auf der Stelle und begann unwillkürlich zu zittern. Er schluckte schwer. Das war doch wohl alles ein schlechter Scherz! Nein, er konnte nicht daran glauben, dass Hermine nicht mehr wieder kam. Sie sollte tot sein? Niemals!

 

"Nein, nein, das stimmt nicht", murmelte er leise vor sich hin und raufte sich verzweifelt die Haare. "Sie lebt! Bestimmt steht sie draußen vor der Tür und... kommt gleich um die Ecke."

"Möchtest Du nachsehen?", schnarrte das Monster und öffnete bereitwillig und einladend die schmiedeeiserne Tür.

Snape zögerte kurz und stürmte dann zu der Tür hinaus. Er sah nach links und rechts. Nichts! Keine Hermine! Er lehnte sich mit geschlossenen Augen gegen die Wand des düsteren Ganges und hoffte und betete inständig, dass Hermine nichts geschehen war, während seine Augen sich mit Tränen füllten und seine Beine drohten nachzugeben.

"Na, glaubst Du es nun, dass Du Deine Kleine nicht wieder sehen wirst?", schnarrte die Kreatur dicht neben Snapes Ohr.

Snape schüttelte energisch den Kopf. Er wurde langsam wütend. Wut auf die Monster, Wut auf diesen Tempel und vor allem Wut auf sich. Wie hatte er sie nur schlagen können?

"Nein, ich will es nicht glauben", schrie er aufgebracht und wischte seine Tränen fort "sie kommt wieder, ganz bestimmt!"

 

"So, jetzt will ich Dir mal was sagen!", fuhr da das Monster auf, packte Snape grob an den Haaren und presste dessen Kopf gegen die Wand. "Nur weil Du Deine Aggressionen nicht unter Kontrolle hattest, war die Kleine total durch den Wind und hat kläglich versagt. Uns geht nun eine Menge Spaß verloren, weil wir das Spiel nun mit Dir allein zu Ende spielen müssen, denn die Kleine weilt ja nun nicht mehr unter uns. Und das hast Du ganz allein zu verantworten! Du -bist -Schuld!"

 

Snape glaubte augenblicklich wahnsinnig werden zu müssen. Er war bestürzt. Alle Hoffnung verloren. Er war Schuld... und kurz vorm Durchdrehen.

Vor Wut auf sich selbst und auf die Kreaturen schlug er gegen die Wand und brüllte seinen Schmerz laut heraus. Immer und immer wieder trafen seine Fäuste alles, was ihm in den Weg kam. Wände, ein Schemel, Kerzenhalter...

Dass er hier allein nicht mehr herauskam war ihm klar. Zu zweit hätten sie vielleicht eine Chance gehabt, aber er würde nie allein gehen dürfen...und was mit Albus war, wusste der Geier, wo der steckte! Tiefe Verzweiflung breitete sich in ihm aus...und eine entsetzliche Leere.

 

Als die Kreatur auch noch höhnisch über ihn lachte und ihn einen Jammerlappen nannte, rastete er gänzlich aus und warf sich wie ein Besessener auf dieses Monster. Ein paar Schläge musste die Kreatur einstecken, dann verging dieser das Lachen und sie hob wieder ihre Hand, so dass Snape mit einem hässlichen Geräusch gegen die Wand krachte, herabrutschte und dort, das Gesicht in die Hände gestützt, sitzen blieb und hemmungslos weinte. All seine Trauer über den Verlust des geliebten Menschen, floss ihm aus den Augenwinkeln heraus und benetzte seine nackte Brust, seine Hose und den Boden.

Es wollte zwar in seinen Kopf nicht hinein, dass er Hermine nie wieder sehen sollte, aber es musste wohl stimmen. Es schmerzte sehr, dass seine erste große Liebe auch seine letzte se