Klassische Amphoren mit den Taten des Herakles (hier: Kampf mit den Stymphalischen Vögeln, der Hydra und Kerberus).
Guter Link, um die einzelnen Geschichten und anderes nachzulesen: Das Mythentor
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8. Der nemeische Löwe und andere Kreaturen
Heftig atmend stand Snape im, nun wieder düsteren, Tempel und starrte auf die Tür. Fassungslos! Entsetzt! Hilflos!
Die Tafeln des Kerberos, der Hydra und nun auch des Löwen leuchteten wie zum Hohn auf.
Die Augen des Höllenhundes schienen ihn zu durchbohren, die Hydra wand geschwind ihre zahlreichen Köpfe hin und her und der Löwe, der nun zu Hermines Schicksal wurde, brüllte laut auf.
Snape war wütend. Warum hatten sie ihnen nicht zugestanden sich über die Taktik, über die Vorgehensweise, vorher zu beraten? Warum nicht? Warum musste alles so schnell gehen?
Hoffentlich fiel Hermine alles wieder ein, was den Löwen betraf! Eigentlich zweifelte er nicht daran, denn sie war sehr belesen. Aber trotzdem!
Hermine! Sie war jetzt fort und er hoffte so sehr, dass sie alles unbeschadet meistern würde. Snape fühlte eine Leere in sich. Eben hatte er sie noch in seinen Armen gehalten, nun war sie von dieser widerlichen Kreatur hinausgezerrt worden. Er vermisste sie jetzt schon. Ihre Nähe war ihm wichtig geworden. Sie war ihm wichtig. Sie ließ sich nicht davon beirren, dass er von den anderen gemieden und gehasst wurde. Sie nicht! Sie hielt trotzdem zu ihm!
Snapes Lippen bebten. Vor Wut und Verzweiflung. Vor Anspannung und Angst. Angst um die Frau, die ihm sehr viel zu bedeuten begann. Wie viel Zeit mochte vergehen, bis er sie wieder in den Arm nehmen durfte? Würde sie dann verletzt sein?
Es machte ihn mal wieder rasend, dass er ihr jetzt nicht helfen konnte! Wie beim ersten Mal schon, aber dieses Mal hingen erheblich mehr Gefühle daran. Jetzt wusste er ganz sicher, dass sie ihn lieben würde. Jetzt hatte er mit ihr geschlafen. Aus Zuneigung zu ihr!
Er taumelte verzweifelt zurück zu der Matratze, wischte sich an dem Laken die blutende Nase ab und ließ sich dann todunglücklich auf das Lager fallen.
Vor einer Stunde war er noch so glücklich gewesen, jetzt hing sein Glück von einem riesigen, blutrünstigen Löwen ab. Wenn Hermine nicht zurückkehren sollte, wollte er auch nicht mehr leben! Dann sollten sie mit ihm machen was sie wollen. Köpfen, Vierteilen, Hängen...es wäre ihm dann so was von egal!
Er kämpfte nun auch nicht mehr gegen seine Tränen an, die sich schon wieder ankündigten. Sollten sie doch kommen! Sollten sie doch fließen! Heute schien eben ein sehr emotionaler Tag zu sein. Na und!
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Hermine wurde unterdes weiter durch den Gang geschubst. Bis sie anhielten und die Kreatur mit einem schmierigen Grinsen und einladender Handbewegung auf den großen Spiegel deutete.
Sie sah hinein und erblickte sich und Severus in einem großen Bett. Er beugte sich zärtlich über sie und küsste sie sanft. Ja, dachte sie, das wäre wirklich ein schöner Wunsch. Nach diesem ganzen Horror hier mit ihm zusammen zu sein und seine Wärme zu genießen! Sie schwelgte weiter in Träumereien herum und alles, was sie sich vorstellte, erschien kurz darauf auch im Spiegel. Hermine lächelte selig.
Dieses Lächeln erstarb aber kurz darauf, als die Bilder im Spiegel wieder verschwammen und neue auftauchten. Mit einem entsetzten Aufschrei wich Hermine an die Wand zurück, zitterte am ganzen Körper und schloss die Augen. Sie wollte diese Bilder nicht sehen, aber die Kreatur packte sie brutal im Nacken und zwang sie, alles noch einmal anzusehen.
Hermine schrie: "NEIN, das könnt ihr nicht verlangen!" Der Griff in ihrem Nacken verstärkte sich jedoch und Hermine sah mit vor Tränen verschleierten Augen, noch einmal, wie sie im Tempel zunächst an einem gedeckten Tisch stand, dann mit einem Messer, welches einen gelben Knauf hatte, eine Melone zerteilte. Sie lächelte dabei. Als Severus auf sie zu kam und hinter ihr stehen blieb, drehte sie sich ruckartig um und rammte ihm dieses Messer in seinen Bauch. Sie sah noch, wie er sie mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen anstarrte, sich den Bauch hielt und dann zu Boden sank.
Dann war das Bild im Spiegel weg.
"Weiter geht es, Kleine", raunte das Monster dunkel. "Du hast heute noch großes vor und meine Brüder und Schwestern können sehr ungemütlich werden, wenn man sie zu lange warten lässt!"
Hermine stand geschockt auf der Stelle und hatte immer noch Severus Gesicht vor sich, seine ungläubig blickenden Augen. Das konnten die doch nicht ernst meinen!
Zum Grübeln wurde ihr keine Zeit mehr gelassen, denn sie fühlte sich an den Haaren gepackt und durch den Gang gezerrt. Wimmernd fügte sie sich.
An der Tür erwartete sie, wieder hinaus gestoßen zu werden, aber zu ihrer Überraschung trat das Monster mit hinaus.
Hermine sah sich um. Die Sonne stand hoch am Himmel und blendete sie enorm, sie konnte kaum etwas erkennen. Doch als sich ihre Augen an das grelle Licht gewöhnt hatten, erblickte sie noch mehr solcher Kreaturen, die sie neugierig anstarrten und murrende Geräusche von sich gaben. Ungefähr zwanzig dieser Wesen tummelten sich vor der Tür.
Sie hatten fast alle dieses riesige Ausmaß der schon bekannten Kreatur, unterschieden sich aber voneinander, da sie entweder dick oder dünn waren, die Hautfarbe von dunklem Tannengrün bis zart Mintgrün nuancierte oder sie sich in weibliche und männliche Monster unterteilten. Einige hatten merkwürdige Haarbüschel auf dem Kopf, einigen war nicht ein einziges Haar vergönnt aber eines hatten sie alle gemein - dieses furchtbare, einem Gänsehaut bescherende, grausame Lachen, welches noch schauriger wirkte, da es von einem Maul, aus dem spitze, blinkende Zähne herausschauten untermalt wurde.
Verstört stand Hermine da und wusste nicht, was sie jetzt tun sollte. Doch schon trat die ihr inzwischen gut bekannte Kreatur an sie heran und schnarrte: "Na, wieder mal aufgeregt, Kleine? Heute wirst Du bei Deiner Mission nicht alleine sein. Wir wollen alle sehen, wie Du Dich windest und leidest. Alle sind gekommen, um Deine Heldentat zu bewundern. Du weißt, was Dir bevorsteht?"
"Ich soll den nemeischen Löwen besiegen und ihm das Fell abziehen nehme ich an?", sagte Hermine leise und versuchte die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken.
"Goldrichtig! Du wirst mir persönlich das Fell des Löwen überreichen müssen, Kleine! Nun, was weißt Du darüber?"
"Dieser Löwe trieb in der Landschaft Argolis auf der Peloponnes sein Unwesen, in den Wäldern von Nemea. Er kann durch keine menschliche Waffe besiegt werden. Herkules hat ihn erwürgt", brachte Hermine mechanisch hervor und hatte dabei noch immer das Bild aus dem Spiegel vor Augen. Ein Gefühl der Leere und unendlicher Traurigkeit breitete sich in ihr aus. Sie konnte Severus doch nicht ernsthaft mit einem Messer verletzen!
Ein heftiger Schlag gegen ihre Schulter ließ sie wieder in die Realität zurückkehren und ängstlich zu dem Monster aufblicken.
"So Kleine, womit war denn Herkules ausgestattet?", erkundigte sich dieses, während die anderen Gestalten rings um sie herum nun laut anfingen zu murren.
"Mit dem Schwert des Hermes, Pfeil und Bogen des Apollon und mit der selbst geschnitzten Keule aus dem Stamm eines wilden Ölbaumes." Hermine war es leid, hier Rede und Antwort zu stehen. Sie wollte wieder zu Severus!
Die Kreatur schnipste mit dem Finger und zu Hermines Füßen lagen nun das Schwert und Pfeil und Bogen.
"Na, was fehlt uns denn da noch?", lachte die Kreatur dreckig.
"Die Keule fehlt!", schrie Hermine, "die verdammte Keule fehlt!"
"Tja, dann musst Du Dir wohl eine schnitzen", rief das Monster lautstark und brach nun in schallendes Gelächter aus, worauf alle mit einstimmten.
Hermine hielt sich die Ohren zu. Sie konnte diese Gestalten nicht ertragen. Dieses eklige Gelächter erst recht nicht. Ihr war zum Heulen zu Mute.
"Mitkommen!", hörte sie da plötzlich neben sich, fühlte sich wieder grob am Arm gepackt und fort gezerrt.
Die Kreatur schleifte sie so lange mit, bis sie vor einem großen, ausladenden Baum standen.
"Dies ist ein wilder Ölbaum", sagte sie, "ich hoffe doch, Du weißt, was Du nun zu tun hast?"
"Was?", fragte Hermine ungläubig "ich soll jetzt daraus eine Keule schnitzen?"
"Genau! Eile Dich, denn ich weiß nicht, wie lange ich meine Brüder und Schwestern noch hinhalten kann, denn sie brennen darauf, dem Schauspiel bei zu wohnen...und Deinen Geliebten willst Du doch auch nicht so lange warten lassen, oder? Jetzt, wo ihr so viel Spaß zusammen hattet. Es wäre doch schade um ihn."
Ein Blick zu den Zähne fletschenden Brüdern und Schwestern reichte Hermine, um sich ihrer Lage bewusst zu werden.
"Ich verlange meinen Zauberstab!", sagte sie tapfer und mit einem wütenden Blick der Kreatur kam er auf sie zugesegelt. Sie fing ihn auf und überlegte dann fieberhaft, wie sie nun eine Keule schnitzen sollte. Sie entschloss sich zunächst den Baum zu fällen, was sich schon als sehr mühsam herausstellte, da das Holz sehr hart war. Unter der sengenden Sonne, ohne Wasser und unter den johlenden Blicken ihrer Zuschauer verwandelte sie das Schwert in eine Axt und ließ diese unerbittlich auf den Baum einschlagen. Allerdings ließ diese sich nicht so koordinieren, wie sie es gerne gehabt hätte, so dass sie die Axt irgendwann eigenhändig ergriff und wie wild auf den Stamm einschlug. Der Schweiß rann ihr in Strömen den Körper herunter, die Sonne brannte noch immer unerbittlich auf sie herab und ihre Handflächen waren inzwischen wund und schmerzten von dem Griff der Axt.
Als sie sich total verausgabt hatte und aus diesem Grunde einen Moment hinsetzen musste, brach ein zorniges Geschrei los. Man schüttete ihr einen Eimer kalten Wassers über den Kopf, riss sie aus ihrer sitzenden Position und befahl ihr umgehend weiter zu machen.
Stöhnend hieb sie weiter auf den Stamm ein. Nach Stunden, wie es ihr vorkam, kippte der Baum dann tatsächlich um und begrub sie fast noch unter sich. Beifall erklang und sie hätte, wenn es nicht so ernst gewesen wäre, am liebsten laut los gelacht.
Sie hielt einen Augenblick inne, doch schon war wieder ein Murren zu vernehmen. Angestrengt überlegte sie, welchen Zauber sie ausführen sollte, um nun so schnell wie möglich die Keule zu fertigen. Denn so wurde sie ja nie fertig! Und der Löwe wartete schließlich auch noch irgendwo. Aber bis dahin war sie wahrscheinlich schon an Entkräftung gestorben oder von den spitzen Zähnen ihrer ungeduldigen Fans in Stücke gerissen worden!
Sie probierte dann mehrere Zauber aus. Versuchte das Schwert sogar in eine elektrische Kettensäge zu verwandeln, aber nur mit bescheidendem Erfolg. Aber immerhin hatte sie es geschafft, dass die Axt ihr nun gehorchte und die Konturen einer Keule allmählich ersichtlich wurden.
Die Sonne neigte sich schon dem Horizont zu, als sie endlich ihr Meisterstück in ihren Händen hielt. Eine Keule, die bestimmt zehn Kilogramm oder mehr wog. Sie war unhandlich und unsagbar schwer. Vielleicht kam ihr das in ihrem geschwächten Zustand auch nur so vor. Sie wusste es nicht. Sie war eigentlich nur noch müde nach ihrer Plackerei mit diesem verflixten, wilden Ölbaum und hätte sich am liebsten hier auf dem Boden ausgestreckt und geschlafen.
Doch dazu kam es natürlich nicht, denn kaum war bekannt geworden, dass die Keule fertig gestellt wurde, eilte auch schon die Kreatur auf sie zu, musterte ihr Werk und nickte dann.
"Komm mit, Kleine", forderte sie und Hermine bewaffnete sich mit Schwert, Bogen und Keule, um dem Monster dann geschafft hinterher zu traben. Sie liefen ungefähr zwanzig Minuten, was Hermine wie eine Ewigkeit vorkam, verfolgt von dem Pulk der lärmenden Schar, die sich nichts entgehen lassen wollte.
Zu ihrer Überraschung wurde sie dann an ein großes Lagerfeuer gebeten und aufgefordert zu essen und zu trinken. Verunsichert sah Hermine sich um und ergriff dann auch einen der Spieße, um ihn ins Feuer zu halten.
Das Mahl war üppig, das Wasser klar und frisch. Ein wenig erholt fühlte sie sich schon, als es circa eine Stunde später hieß, dass nun ihr großer Augenblick gekommen sei.
Sie erhob sich und folgte dann, ihre Waffen schulternd, der Kreatur. Als sie eine kleine Anhöhe erklommen hatten und sie hinunterschaute, stockte ihr der Atem. Vor ihr breitete sich eine Arena aus, auf deren Rängen hunderte dieser Kreaturen sitzen mussten.
Sie sollte in einer Arena mit dem Löwen kämpfen? Vor den Augen all der Ungeheuer? Es war wie ein schlechter Traum, aus dem sie hoffentlich gleich erwachen würde!
Aber sie erwachte nicht. Stattdessen gab es wieder einen heftigen Schlag gegen ihre Schulter, der sie vorwärts taumeln ließ. Sie hatte den Eindruck, dass ihre Knie jeden Moment nachgeben würden. Die Übelkeit nahm solche Ausmaße an, dass sie plötzlich einen Schritt nach links machte und sich heftig erbrach. Ihr war schwindlig, alles flimmerte vor ihren Augen und sie war kurz davor schlapp zu machen, als die Kreatur sie auch schon wieder derb im Nacken packte und anschrie: "Wage Dir nicht, Dich vor Deiner Aufgabe zu drücken! Sonst ist Dein Geliebter schneller einen Kopf kürzer, als Dir lieb sein dürfte! Vorwärts!"
Hermine schleppte sich weiter und dachte an Severus. Ihm zu liebe würde sie das hier durchstehen. Sie musste einfach! Ihre aufkommenden Tränen unterdrückte sie erfolgreich. Wie lange ihr dies allerdings noch gelingen würde, wusste sie nicht, aber im Moment fühlte sie sich dazu noch in der Lage.
Kurz vor den Toren der Arena standen schon viele Gestalten. Die Menge teilte sich bei ihrem Anblick und bildete eine Gasse, durch die Hermine schritt, als wenn sie auf dem Weg zu ihrer Kreuzigung wäre. Einige jubelten ihr zu, andere bespuckten sie und schwangen wild ihre Fäuste in der Luft herum. Es war nicht zu fassen, wie sie hier empfangen wurde. Hermine schien immer kleiner zu werden unter ihrer Last, die sie trug.
Ihr Herz schlug ihr inzwischen bis zum Halse und drohte ihren Brustkorb auf kurz oder lang zu sprengen. Die Angst vor dem, was gleich kommen musste, schnürte ihr die Kehle zu und ließ sie kaum noch klar denken. Verzweifelt versuchte sie sich alles über den Löwen ins Gedächtnis zu rufen. Unverwundbar! Er ist unverwundbar, war alles, was ihr einfiel. In ein paar Minuten würde sie in Stücke gerissen, mitten in einer Arena, fern ab von Hogwarts liegen. In einem fernen Land oder einer Region, oder gar einer anderen Zeit. Sie wussten es ja nicht! Verdammt, sie wussten noch nicht einmal wo sie hier waren!
Nun kullerten doch die ersten Tränen über ihre Wangen. Severus, dachte sie im Stillen, ich verspreche Dir, alles zu geben. Ich liebe Dich! Vergiss das nie!
Dann war es soweit, die Kreatur öffnete eine schwere Eisentür, schob Hermine samt Keule, Schwert und Bogen hindurch und knallte die Tür wieder zu. Augenblicklich stand Hermine mitten in der Arena, ohne jegliche Fluchtmöglichkeit. Die Menge auf den Rängen tobte ausgelassen, klatschte wie verrückt, stampfte mit den Füßen, so dass die Schwingungen noch bei Hermine ankamen und verlangte lautstark nach dem Löwen.
Hermine stand noch zitternd da und überlegte, aus welcher Richtung sich wohl der Tod auf sie stürzen würde, da erklang unmittelbar hinter ihr ein wütendes Fauchen.
Sie fuhr herum und sah sich nur zehn Meter entfernt einem riesigen, sie fixierende Löwen gegenüber.
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Hermine hielt den Atem an. Da war er, der Löwe! Er war unverwundbar! Aggressiv! Riesig!
Jegliche Waffen, seien es nun Pfeile oder Schwerter, waren ihm gegenüber wirkungslos. Um ihm den Garaus machen zu können, musste sie sich wirklich etwas einfallen lassen!
Ihre Gedanken überschlugen sich, während sie mit klopfendem Herzen ihr Gegenüber musterte.
Herkules hatte ihn erwürgt, aber Hermine sah sich auf keinen Fall dazu in der Lage, mit ihren kleinen Händen Gleiches zu vollbringen. So viel Kraft hatte sie auch gar nicht! Erst recht nicht, nachdem sie sich schon so bei der Herstellung der Keule verausgabt hatte.
Der Löwe knurrte und scharrte mit einer Pfote wütend auf dem sandigen Boden herum, so dass eine Wolke Staubes sich von dem nun aufgewühlten Untergrund erhob und ihn darin einhüllte.
Hermine versuchte hektisch und schwer atmend ein Schutzschild um sich herum aufzubauen. In irgendeinem Buch hatte sie darüber gelesen. Irgendwie musste sie den ersten Angriff abwehren! Denn dieser schien unmittelbar bevor zu stehen. Gewiss hätte Severus mehr darüber gewusst! Aber es war ihnen ja nicht vergönnt gewesen, gemeinsam eine Taktik für sie auszutüfteln!
Hermine spürte zwar eine Woge der Magie, in welche sie nach Aufsagen des Spruches gehüllt wurde, aber es war nicht die Art von Schutzzauber, die sie sich so vorgestellt hatte. Normalerweise hätte sie nun in eine bläulich schimmernde Wolke gehüllt sein sollen. Aber da war keine Wolke! Ein Lüftchen und fort war es wieder. Was sollte sie jetzt nur tun? Ihre Angst ließ sie kaum noch klar denken.
Der Schweif des Löwen peitschte nun immer wütender über den staubigen Boden und der Nacken schwoll vor Zorn und Kraft an. Unter einem drohenden Fauchen, sträubte er seine buschige, gelbbraune Mähne, krümmte seinen Rücken und setzte dann zum Sprung an.
Hermine schrie fast starr vor Entsetzen auf und zog als erstes eine kleine Feuerwand hoch. Was anderes war ihr auf die Schnelle nicht eingefallen und schien auch nicht die beste Lösung gewesen zu sein, denn der Löwe hielt nur kurz inne und übersprang das Feuer dann einfach.
Erneut stand er ihr gegenüber und starrte sie mit seinen gelben, zu Schlitzen gezogenen Augen an. Er bleckte seine Zähne und brüllte Furcht einflößend so laut, dass die Monster auf den Rängen begeistert klatschten und jubelten.
Hermine erinnerte sich, dass Herkules dem Löwen mit der Keule Hiebe auf den Kopf versetzt hatte und ihn damit von den Füßen holen konnte. Ihr kam auch wieder in den Sinn, wie im ersten Schuljahr der Troll von der Keule getroffen zu Boden gegangen war. Warum sollte es dann nicht auch bei dem Löwen gelingen?
Sie hielt die Keule fest umklammert und überlegte, wie sie diese nun einsetzen sollte, als das Ungetüm nun endgültig zum Angriff überging. Sie wich kreischend aus, stürzte dabei zu Boden und zielte noch halb im Fallen begriffen, mit dem Zauberstab auf ihn. Grelle Feuerblitze trafen ihn, was ihn nur noch rasender machte. Der Löwe tobte, fauchte und umkreiste sie nun hoch aufgereckt. Er war zwar durch Hermines Feueraktion ein wenig verunsichert worden und wahrte daher einen gewissen Abstand, war dadurch aber nicht minder wütend. Hermine schlug das Herz noch immer bis zum Halse und sie wich immer weiter zurück. Schon war sie an der Begrenzung der Arena angekommen und hangelte sich kurz entschlossen über die Bande, um sich vor der aggressiven Bestie verstecken und in Sicherheit bringen zu können. Von dort wollte sie die Keule über dem Haupte des Löwen schweben und tänzeln lassen.
Sie wollte einfach nur aus sicherer Distanz agieren, aber die Zuschauer deuteten dies wohl als Schwäche, als Angst, als Versagen oder was auch immer, sahen sich um ihren Spaß gebracht und schrieen nun zornig. Sie bewarfen Hermine mit ekligen Essensresten und ehe Hermine sich versah, sauste ein goldener Trinkpokal genau auf sie zu und prallte schmerzhaft gegen ihren Kopf. Für einen Moment sah Hermine Sterne, ihr wurde schwarz vor den Augen und sie taumelte. Dann wurde sie brutal gepackt und wieder in die Arena zurück befördert. Man warf sie einfach wieder über die Bande in die Kampfarena zurück! Sie spürte, wie ihr das Blut heiß an der linken Gesichtshälfte herunter lief und hockte zitternd auf dem staubigen Boden. Jeden Moment würde der Löwe sie mit seinen riesigen, mit langen, gelben Krallen besetzten Pranken erwischen und sie in Stücke reißen!
Sie feuerte zum ersten Mal in ihrem Leben einen AVADA KEDAVRA! ab, aber der Löwe schüttelte nur einen Moment irritiert sein Haupt und kam weiter auf sie zu. Sie zitterte, ließ nun die Keule hoch in der Luft schweben, hatte aber keine Zeit mehr sie zu platzieren, denn schon setzte er erneut zum Angriff an, hob seine Pranke und erwischte sie am Bein. Sie schrie schmerzerfüllt auf, die Menge klatschte begeistert und Hermine glaubte ernsthaft, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hätte. Sie schoss erneut einen Feuerfluch ab und atmete erleichtert auf, als sie sah, dass der Schweif des Löwen nun in Flammen stand. Rasend vor Wut drehte der Löwe sich im Kreis und versuchte nach seiner entflammten Schwanzspitze zu schnappen.
Die Keule sauste nun nieder auf seinen Kopf, aber erzielte nicht gleich die entscheidende Wirkung. Er blinzelte nur und schnappte dann weiter nach seinem Schweif. Wieder und immer wieder ließ Hermine die Keule nun herab sausen.
Dann schaffte sie es einen Beinklammerfluch anzubringen. Der Löwe strauchelte und wankte, bevor er zu Boden fiel.
Die Zuschauer buhten und murrten und die gut bekannte Kreatur, die sich auch unter den Beobachtern des Spektakels befand schrie aufgebracht: "Kleine, bringe mir ja das Fell, sonst ist es mit Deinem Geliebten vorbei!"
Hermine nun wieder an Severus erinnert, nahm die Keule in die Hand, trat auf den am Boden liegenden Löwen vorsichtig zu und schlug dann wie eine Besessene auf seinen Kopf ein. Dabei musste sie höllisch aufpassen, denn obwohl sich dieser eigentlich nicht mehr hätte rühren können, biss er mit Schaum vor dem Maul aggressiv um sich.
Der Löwe brüllte vor Schmerz unter den wuchtigen Schlägen und Hermine unterdrückte ein Würgen, bei all dem Blut, das dem Untier aus der offenen Kopfwunde strömte. Das war so widerlich! Sie versuchte es zu ignorieren und betete verzweifelt vor sich her, dass dies die einzige Möglichkeit sei, Severus und ihr Leben zu retten.
Die Attacken des Löwen wurden zwar mit der Zeit immer schwächer, aber auch die Kräfte von Hermine schwanden rapide. Die Keule an für sich war schon schwer genug, aber sie vor jedem Schlag hoch über den Kopf zu erheben und kraftvoll nieder sausen zu lassen, ließ sie irgendwann neben dem Löwen erschöpft nieder sinken. Ihre Arme schmerzten, ihr Schädel brummte und die Wunde am Bein blutete und brannte unaufhörlich. Aber die eigentliche Aufgabe, den Löwen zu erwürgen, stand ihr noch bevor.
Am Boden hockend, schweißüberströmt, blutbesprenkelt und völlig entkräftet, ließ sie unter Tränen Seile aus der Spitze ihres Zauberstabes hervor schießen, die sich um den Hals des Löwen wanden.
Nun war der Hals des Raubtieres zwar umschlossen und er atmete auch schwer, aber die Seile ließen sich mit dem Zauberstab nicht so fest zuziehen, dass damit sein Ende eingeläutet werden konnte.
Hermines Hände zitterten. Sie erhob sich unsicher und sprang auch gleich wieder erschrocken zurück, als der Löwe erneut den Kopf hob und losbrüllte.
Dennoch schien der Beinklammerfluch noch zu wirken. Als wiederholt von der Kreatur die Aufforderung kam, nun endlich zu handeln und das Fell zu bringen, weil sie sonst mit Konsequenzen zu rechnen hätte, sprach Hermine sich noch einmal Mut zu, atmete tief durch und schwang sich dann mit einem Satz auf den Rücken, des am Boden liegenden Löwen, packte die Seile und zog sie so fest zusammen, wie es ihr möglich war. Sie zog und zerrte, mit aller Kraft, doch noch immer gab der Löwe wütende Knurrgeräusche von sich.
Auch er schien nun alle verbliebenen Kräfte zu mobilisieren, und spannte seine Muskeln an. Sie spürte unter sich dieses enorme Muskelspiel und ihr wurde Angst und Bange bei dem Gedanken, dass er den Klammerfluch überwinden könnte. Der Schweiß floss Hermine bei dieser Anstrengung in Strömen vom Körper, ihre Hände, ihre Arme, alles zitterte unter der enormen Anspannung. Doch sie konnte jetzt nicht aufhören! Jetzt wo sie schon weit gekommen war und den Löwen unter sich hatte, musste sie so lange weitermachen, bis er sein Leben ausgehaucht hatte!
Mit letzter Anstrengung versuchte das blutrünstige Tier unter ihr Aufzubegehren. Es gab einen Ruck durch den Körper des Untieres und mit einem Mal erhob sich der Löwe. Hermine kreischte bis ins Mark erschüttert lauthals los und krallte sich in der Mähne fest, um nicht herunterzufallen.
Die Menge brüllte augenblicklich vor Begeisterung los, trampelte mit den Füßen und klatschte sich die Hände wund. Auf so etwas hatten sie nur gewartet!
Hermine jedoch war froh, dass der Löwe nach ein paar Schritten nun endgültig zusammenbrach. Sie konnte sich des Erfolges nicht so richtig erfreuen. Sie hatte soeben getötet! Auch wenn es ein Untier war, welches schon unzählige Opfer gefordert hatte. Egal! Sie hatte getötet! Und sie war erschöpft! Und sie wollte nur noch zu Severus zurück.
Schlagartig fiel ihr wieder die Szene aus dem Spiegel ein! Angespannt starrte sie auf den staubigen Boden, als auch schon die Kreatur neben ihr auftauchte und nach dem Fell verlangte.
"Es ist jetzt Nacht, Kleine! Spätestens in der Morgendämmerung erwarte ich das Fell des Löwen! Halte Dich ran! Du weißt, was Euch sonst geschieht!"
Mit einem Fingerschnipsen erhellte ein riesiges Feuer die Mitte der Arena. Ein Krug mit Wasser und ein Korb mit Brot standen bereit. Dann beugte sich das Monster zu Hermine herunter und warf ihr ein Tüchlein vor die Füße. Zögernd öffnete Hermine dieses und erkannte ein Kraut, das Blutungen stillte. Fragend sah sie auf.
Das Monster bleckte die gelben, spitzen Zähne und raunte: "Wir wollen doch nicht, dass der Spaß schon vorbei ist, nicht wahr?" Dann schlurfte es davon und ließ Hermine alleine dort sitzen.
Hermine stützte die Hände in den Kopf und lachte hysterisch los. Oh, was war man doch um sie besorgt! Sie hatte Speis und Trank erhalten! Und ein Kraut, welches die Blutung an ihrem Bein stoppen sollte! Sie lachte so lange, bis ihr die Tränen haltlos über das Gesicht rollten.
Sie konnte einfach nicht mehr! Sie war völlig am Boden. Physisch, wie psychisch!
Schwerfällig nahm sie das Kraut, kaute es gut durch und breitete das Gemisch dann auf ihrem Bein aus. Anschließend fiel sie in einen tiefen Schlaf.
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Während Hermine inmitten der Arena neben dem getöteten Löwen lag und entkräftet schlief, hatte Snape ganz andere Sorgen.
Stundenlang war er sich noch in seiner Angst um Hermine ergangen, hatte wütend über diese Kreaturen geflucht und war irgendwann müde auf der Matratze eingeschlafen.
Mitten im Schlaf spürte er plötzlich irgendetwas an seinem Bein. Er riss die Augen weit auf und war augenblicklich hellwach. Er hatte noch gut in Erinnerung, wie ihn die Ranken beim ersten Mal, als Hermine fort war, im Schlaf fast erwürgt hatten. Doch dieses Gefühl an seinem Bein war ein anderes. Unter Einsatz aller Sinne, richtete er vorsichtig seinen Oberkörper auf und packte dann blitzartig nach dem, was da an seinem Bein krabbelte.
Augenblicklich schrie er vor Schmerz laut auf und hielt sich seine Hand. Was zur Hölle war das gewesen? Er musste es einfach wissen und tastete erneut danach. Verdammt, warum war das hier auch so dunkel? Er kniete sich hin und versuchte etwas zu hören. Irgendetwas war doch da! Vorsichtig griff er zu und tastete es mit der anderen Hand ab. Ihm entfuhr ein entsetzter Aufschrei, als ihm bewusst wurde, um was es sich handelte.
Ein Skorpion! Und dieser Skorpion hatte ihm in die Hand gestochen! Er wusste, dass die meisten Arten völlig harmlos waren und nur etwa zwanzig Arten konnten für den Menschen überhaupt gefährlich werden. Aber er hätte nun gerne gewusst, um welche Gattung es sich hierbei handelte! Aber es war ja dunkel in diesem verdammten Tempel!
Im Bett konnte er nun nicht mehr liegen bleiben! Also sprang Snape auf und eilte in Richtung Tür. Auf dem Weg dorthin trat er auf etwas, das unter seinen Füßen ein knirschendes Geräusch von sich gab.
Oh nein, noch mehr von der Sorte! Er wurde panisch. Wusste nicht, wo nun in dieser Düsternis eine skorpionfreie Zone sein sollte. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Die ließen aber auch nichts aus, um einen zu peinigen!
Seine Hand brannte wie Feuer, war angeschwollen und ihm brach der Schweiß aus. Fieberhaft versuchte er sich alles in Erinnerung zu rufen, was ihm über Skorpione bekannt war. Er selbst hatte so einige der gefährlichsten Sorten eingeweckt in seinem Labor zu stehen. Für einige Tränke benötigte man das Gift oder Teile des Skorpions, aber so lange er nicht wusste, welche Sorte ihn hier nun gestochen hatte, wusste er leider auch nicht, ob er nun noch lange zu leben hatte, oder ob es bei Übelkeit und einer schmerzenden Hand bleiben würde.
Tatsache war, dass die Hand geschwollen und ihm der Schweiß ausgebrochen war. Zudem war ihm schlecht. Vor Angst, Aufregung oder dem Gift? Er wusste es nicht, bemerkte aber, dass er sich immer mehr hineinsteigerte, zumal er jeden Moment auf einen anderen Gesellen treten konnte, der schon mit erhobenem Stachel im Dunklen auf ihn lauerte.
Schritt für Schritt tastete er sich zu der Tür, um dort angekommen, laut dagegen zu schlagen und zu brüllen. Er verlangte nach Licht und seinem Zauberstab! Doch niemand rührte sich!
Snape eigentlich ein gestandener Mann, der vor kaum etwas Angst hatte und gewiss schon viele gefährliche, schreckliche Momente in seinem Leben bewältigt hatte, befand sich nun kurz davor durchzudrehen.
Nichts war schlimmer, als einem Feind gegen überzustehen, den man nicht sah! Wie viele dieser kleinen Spinnentiere mochten sich hier wohl versteckt haben?
Als er von einem Bein auf das andere trat, weil er nervös geworden war und überlegte, ob es Sinn machen würde, erneut zu schreien und zu klopfen, spürte er wiederum etwas an seinem Bein. Nun war es egal! Er schrie und trat erneut gegen die Tür. Solange, bis in der Tat die Kerzen an der Wand aufleuchteten.
Hektisch sah Snape sich um und erblickte scheinbar überall diese kleinen, nachtaktiven Tierchen.
Er sah den schwarzen, afrikanischen Kaiserskorpion, der im Grunde genommen nicht gefährlicher, als ein Hornissenstich war. Er hoffte, dass es dieser war, der ihn gestochen hatte, denn die nächste Art, die er erblickte, trieb ihm erst recht den Schweiß auf die Stirn. Der giftigste Skorpion der Welt. Sehr aggressiv, vor allem in Nordafrika beheimatet und jährlich für zahlreiche Tode verantwortlich.
Snape ratterte alles herunter, was ihm einfiel. Wenn er eine tödliche Dosis erhalten haben sollte, dann würde der Tod 5-20 Stunden später durch Atemstillstand eintreten. Er stieß die Luft geräuschvoll aus und horchte in sich hinein. Waren schon irgendwelche weiteren Symptome auszumachen?
Er musste einen klaren Kopf bewahren und zwang sich daher zur Ruhe! Jetzt sah er zumindest schon einmal, wo etwas war und konnte dem aus dem Weg gehen! Aber er benötigte seinen Zauberstab! Ihm war nämlich gerade eine Idee gekommen.
Wenn er das Gift dieser Skorpione gewinnen konnte, dann müsste dies statt des Hydragiftes, welches er ja nicht mitgebracht hatte, doch auch damit funktionieren!
Noch einmal verlangte er ausdrücklich nach seinem Zauberstab, welcher nach zwanzigminütigem, unermüdlichen Rufen auch endlich in den Tempel schwebte.
Äußerst zufrieden über den Umstand, nicht locker gelassen zu haben und damit nun den unentbehrlichen Begleiter eines jeden Zauberers in der Hand zu halten, machte er sich sofort daran, die Tiere zu schocken und auf einem Stapel anzuhäufen. Gerade die Matratze drehte und wendete er mehrfach. Untersuchte sie gründlich nach eventuellen kleinen Löchern, in denen die Skorpione sich verstecken konnten. Ebenso sorgsam verfuhr er mit den Kissen und den Decken. Zwischendurch betrachtete er immer wieder seine Hand aufmerksam und legte Kühlzauber darüber. Ihm war immer noch übel, aber das konnte auch an der Aufregung im Allgemeinen liegen oder der Tatsache, dass es schon wieder eine Ewigkeit her war, dass es etwas zu essen gegeben hatte.
Nachdem er den Tempel gründlichst untersucht hatte und sich dazu sogar in die Nähe der Ranken gewagt hatte, kehrte er zu dem ansehnlichen Haufen lahm gelegter Skorpione zurück. Aus einem Trinkpokal, der erfreulicherweise noch im Tempel stand, obwohl der Wasserkrug schon längst geleert worden war, hexte er eine Phiole, in die er nun nach und nach, das herausgepresste Gift der Skorpione tröpfeln ließ.
Es war natürlich nicht viel zusammen gekommen, aber Snape hoffte doch sehr, dass damit seine Schmach von dem Kampf mit der Hydra ausgemerzt werden konnte!
Seine Hand schmerzte noch immer trotz Kühlzauber heftig und hatte sich feuerrot gefärbt, aber sie schien nicht von dem giftigsten aller Skorpione getroffen worden zu sein.
Jetzt hoffte er nur noch, dass Hermine so bald wie nur möglich und unversehrt wieder hier eintraf.
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Hermine erwachte mitten in der Nacht aus dem tiefen, festen Schlaf. Sie brauchte einen Moment, um sich zu recht zu finden. Verschlafen rieb sie sich die Augen. Jede Bewegung schmerzte. Dann wurde sie des Löwen gewahr, der neben ihr lag. Erschrocken richtete sie sich auf. Oh, Merlin! Wie lange hatte sie denn nun geschlafen? Sie musste doch noch dieses stinkende Fell abziehen!
Sie fluchte leise vor sich hin und trank dann in hastigen Zügen einen Großteil des Wassers aus dem Krug, der noch immer unangetastet neben ihr stand.
Es war kühl hier draußen. Kein Wunder, denn das Feuer war in den Stunden, in denen sie geschlafen hatte heruntergebrannt.
Sie fühlte sich noch immer ziemlich matt, aber den Schlaf hatte sie dringend benötigt. Verzagt warf sie einen Blick auf ihr Bein. Dort, wo der Löwe sie mit seiner Pranke erwischt hatte, zog sich die Wunde noch immer quer über ihr Bein, aber zumindest hatte das Kraut geholfen und die Blutung gestillt. Immerhin etwas, dachte sie deprimiert und riss sich ein Stück des Brotes ab. Während sie langsam kaute, bereitete sie sich mental auf die folgende Plackerei vor. Wenn der Morgen dämmerte, wollte dieses Scheusal von Kreatur dieses Fell überreicht bekommen!
Hermine starrte an den Himmel, um vielleicht an Hand der Sterne feststellen zu können, wie spät es eigentlich war und wie viel Zeit ihr noch blieb. Aber zu ihrem Pech, wie hätte es auch anders sein können, war der Himmel ausgerechnet jetzt von dicken Wolken verhangen und nicht ein einziger Stern zu sehen. So blieb ihr nichts andres übrig, als sich so schnell, wie möglich ans Werk zu machen.
Wie sie wusste, konnte man der Haut des Löwen weder mit Steinen, noch mit Messern beikommen, sondern Herkules hatte dem Tier mit dessen Krallen das Fell abgezogen.
Es graute ihr davor, dieses tote Untier überhaupt nur zu berühren, aber es blieb ihr wohl nichts anderes übrig!
Vorsichtig berührte sie den Löwen. Irgendwie hatte sie Panik davor, dass dieser doch irgendwie noch am Leben sein und jeden Augenblick aufspringen könnte, um über sie herzufallen. Erst als sie sich vergewissert hatte, das sie ihm wirklich sein Leben ausgehaucht hatte und keinerlei Puls -oder Herzschlag zu fühlen waren, atmete sie erleichtert aus. Wie sollte sie nun aber die Krallen abbekommen, um mit ihrem Werk zu beginnen?
Sie holte sich dann das Schwert, welches noch immer am Eingang der Arena lag, wo sie es gestern panisch weggeworfen hatte und versuchte damit die Krallen abzutrennen. Diese saßen aber fest, hatten sich teilweise noch richtig tief, während des Todeskampfes des Löwen, in die Erde eingegraben. Es war eine äußerst widerliche Angelegenheit.
Aber Hermine hatte schließlich schon so einiges durchgemacht, so dass sie einfach tief einatmete, sich erhob und dann mit einem gezielten Schwerthieb eine ganze Pranke des Löwen abtrennte.
Sie setzte die Krallen der Pfote an der Brust des Kadavers an, unterdrückte ihren Würgreiz mehr schlecht, als recht und zog diese dann der Länge nach über den Bauch. Erstaunlicherweise ging das ziemlich leicht. Stück für Stück häutete sie nun das Tier und war äußerst dankbar, dass das Feuer schon weit heruntergebrannt war. Denn so war sie nicht gezwungen ihre Handlung in einem vollem Farbspektrum mit ansehen zu müssen. Die Lichtverhältnisse reichten gerade aus, um zu sehen was sie tat. Und Dank der Nacht erschien alles mehr oder weniger in verschiedenen Grautönen. Der strenge Geruch, der von dem Löwen ausging reichte ihr völlig.
Die Hälfte war schon geschafft. Nun musste sie das Tier noch wenden. Zufrieden stellte sie fest, dass ihr Zauberstab noch da war, wendete den Löwen und machte sich über die andere Seite her. Auch wenn es mit den Krallen leicht von statten ging, so war es dennoch eine körperlich anstrengende Arbeit.
Gerade hatte sie ihr blutiges Werk vollendet und die ersten Sonnenstrahlen schoben sich über den Horizont, als auch schon die grässliche Kreatur durch die Arena geschlurft kam.
Hermine stöhnte innerlich auf. Sie konnte dieses Monster einfach nicht mehr ertragen! Zum Glück waren die Brüder und Schwestern wieder verschwunden!
"Na, Kleine, hast Du alles zur Zufriedenheit erledigen können?", grinste die Kreatur.
Hermine hatte keine Lust zu antworten, sondern zeigte nur stumm auf die Haut.
"Da hast Du ja noch mal Glück gehabt! Lass mal sehen! Prächtig, prächtig!", schnarrte die Kreatur und streifte sich die blutige Haut über. Hermine aber drehte nur angewidert ihr Gesicht weg.
Dem Mythos nach hatte eigentlich Herkules sich die Haut übergezogen und war fortan unverwundbar. Zudem hatte sich der Held auch noch aus dem Kopf des Löwen einen Helm gefertigt, aber Hermine hatte überhaupt keine Ambitionen mit diesem Monster nun über Haut und Kopf zu feilschen. Es war so schon alles Ekel erregend genug gewesen. Sollte der doch glücklich werden mit seinem stinkenden, blutigen Umhang und den Trophäen, die sie errungen hatte! Sie wollte jetzt nur schleunigst in den Tempel zu Severus zurück!
"Kann ich dann den Rückweg antreten?", fragte sie schnippisch.
"Sicher Kleine!", sagte die Kreatur gut gelaunt, "der Spaß soll doch schließlich weitergehen! Komm mit!"
Und so folgte Hermine diesem Kerl, bewaffnet mit Keule, Schwert und Bogen, zurück zu dem mysteriösen Tempel, in dem weitere Prüfungen und Aufgaben warten würden.
Erst jetzt bemerkte Hermine, dass sie ihr Bein nicht richtig belasten konnte und hinkte hinterher. Auch machten sich die Anstrengungen des vergangenen Tages und der letzten Nacht bemerkbar. Unter der Last ihrer Waffen brach sie nach halbstündigem Marsch fast zusammen. Aber sie biss die Zähne aufeinander und schleppte sich mit viel Mühe und Qual dahin.
Die Angst, was es nun mit dem Spiegel und dessen Bildern auf sich haben könnte, brach unterwegs mit Gewalt über sie herein. Für eine Weile hatte sie die Gedanken daran erfolgreich unterdrücken können. Aber nun, da sie dem Tempel immer näher kamen, waren die Bilder wieder da und ein äußerst beklemmendes Gefühl stieg in ihr auf.
Bitte, lass es nicht wahr werden, betete sie nun unaufhörlich vor sich hin. Bitte lass es nicht wahr werden!
Schon war der Tempel in Sicht. Die letzten Meter waren eine Qual für sie.
Angst, Erschöpfung, Hunger, Durst, Sehnsucht nach Severus und Sorge darum, wie es ihm inzwischen ergangen sein mochte, einschließlich der Bilder aus dem Spiegel, ließen sie kurz vor der Tür verharren und wie festgewurzelt auf der Stelle stehen.
"Keine Sehnsucht nach Deinem Geliebten, Kleine?", schnarrte das Monster.
"Doch, sogar sehr!", flüsterte Hermine "aber...aber was ist mit dem Spiegel?"
"Ach, das", sagte das Monster und grinste hinterhältig. Dann zog es Hermine fast liebevoll in den Tempel hinein, ließ sie die Waffen, einschließlich des Zauberstabes, in eine hölzerne Kiste legen und reichte ihr einen Becher.
"Trink das Kleine!", sagte es sanft "es wird Dir gut tun." Hermine war über die plötzliche Freundlichkeit überrascht und hinterfragte auch gar nicht, was das für ein Gebräu war. Sie setzte den Becher an ihre Lippen und trank ihn mit einem Zug leer.
Augenblicklich wurde ihr schwindlig. Alles drehte sich um sie herum und sie hatte den Eindruck, dass ihr jeden Moment der Kopf zerspringen müsste. Sie rang verzweifelt nach Luft ...und sie hatte dieses Bild aus dem Spiegel vor Augen. Sie sah, wieder dieses Messer mit dem gelben Griff in aller Deutlichkeit vor sich. Sie grinste, als sie die Melone damit zerteilte, sich umdrehte und...
"NEIN!", schrie sie auf "was war das für ein Trank? Du Bestie! Sag mir sofort, was das für ein abartiger Trank war!"
Sie hämmerte mit ihren Fäusten wild auf die Brust der Kreatur ein, die nur ein höhnisches Lachen erklingen ließ, sie derb an ihrem zerfetzten, besudelten Gewand packte und sie so hochhob. Die Kreatur sah ihr in die Augen und zischte zornig: "Das Kleine, war ein Trank, der uns zu Diensten sein wird! Und nun hinein zu Deinem Geliebten! Du weißt hoffentlich, was Du nun zu tun hast!"
Dann trat das Monster die Tür mit dem Fuß auf und warf die kreischende, um sich schlagende Hermine einfach hinein und schloss die Tür geräuschvoll.
9. Fremde Stimmen
Erschrocken sprang Snape sofort auf und kniete sich neben sie.
"Hermine", hauchte er, "ich habe mir so sehr gewünscht, dass Du zurückkommst."
"Severus", sagte Hermine und hatte noch immer mit dem Schwindel zu kämpfen "ich bin so froh, Dich wieder zu sehen, aber ich soll..." An dieser Stelle war ihre Zunge wie gelähmt. Sie wollte ihm von dem Spiegel berichten, aber sie brachte diesbezüglich einfach nichts über ihre Lippen. Es war zum Verzweifeln! Die Bilder tanzten in den schillerndsten Farben in ihrem Kopf herum, aber sie konnte nicht darüber sprechen. Dabei wäre es doch so wichtig gewesen, ihn davon in Kenntnis zu setzen!
Tränen traten ihr in die Augen und sie scannte den Raum intensiv. Noch schien kein Tisch mit Melonen und einem Messer hier zu sein, was sie aber nur wenig beruhigen konnte, denn sie wusste, dass alles noch kommen würde. Verdammt, sie wusste es genau! Sie wusste es!
Sie zitterte am ganzen Körper und Severus zog sie behutsam in seine Arme.
"Ist ja gut Hermine", flüsterte er "Du bist nun wieder hier! Die Aufgabe ist vorbei. Ich bin bei Dir!"
Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und weinte bitterlich. Wenn er doch nur wüsste! Nichts war vorbei! Es ging alles immer weiter! Weiter, bis zum bitteren Ende!
"Bist Du verletzt?", fragte er behutsam "ich habe zum Glück noch meinen Zauberstab, den sie mir freundlicherweise überlassen haben, als die Skorpione über mich hergefallen sind."
"Skorpione?", fragte Hermine schniefend "was für Skorpione denn?"
Und während Snape Hermines Beinwunde und die Schürfwunden versorgte, sie säuberte und ihr Gewand flickte, so gut es ging, erzählte er ihr von dem Überfall der Spinnentiere und wie er das Gift gewonnen hatte.
Im Gegenzug berichtete sie ihm von dem Löwen, der Herstellung der Keule, den ganzen anderen Monstern, musste sich aber zwischendurch immer wieder unterbrechen, weil sie den Eindruck gewann, dass fremde Stimmen in ihrem Kopf das Sagen übernehmen wollten. Diese wollten das Gespräch in eine ganz andere Richtung drängen und Hermine wünschte, dass sie Okklumentik beherrschen würde.
Sie massierte sich die Schläfen und fühlte sich noch immer etwas benommen. Und sie ahnte auch, dass das an diesem verflixten Trank lag. Hätte sie diesen nur nicht zu sich genommen!
Snape sah sie besorgt an. Irgendetwas war anders an ihr. Sie benahm sich seltsam.
"Hermine, ist Dir nicht gut?" Als sie nicht antwortete, trug er sie zu der Matratze und deckte sie fürsorglich zu. Dabei sah er sie ernst an. Ihre Pupillen waren geweitet, wie er verwundert feststellte und auf ihrer Stirn bildete sich ein zarter Schweißfilm.
Er legte sich neben sie und zog sie in seine Arme. Hermine war dankbar dafür. Obwohl sich die Welt noch immer um sie zu drehen schien, konnte sie ganz klar denken. Und sie wurde die Bilder nicht los!
Eine Weile lagen sie so schweigend nebeneinander, als Hermine in ihrem Kopf die Aufforderung wahrnahm, sich mehr um ihren Geliebten zu bemühen. Sie lachte schallend auf und Snape blickte verwundert auf sie.
"Hermine, ist alles in Ordnung mit Dir?"
"Sicher, was sollte denn nicht in Ordnung sein?", hörte sie sich mit lieblicher Stimme sagen und spürte dann das unwiderstehliche Verlangen ihn zu küssen. Sie riss ihn an sich und bohrte ihre Zunge in seinen Mund. Snape überrascht über diese plötzlich aufwallende Leidenschaft ergab sich dieser nur zögernd. Das schien zwar schon eher die Hermine zu sein, die ausgezogen war, den Löwen zu besiegen, aber irgendetwas blieb merkwürdig!
In Hermines Kopf überschlugen sich die Gedanken und es fiel ihr schwer, ihre eigenen von denen zu trennen, die man ihr versuchte einzugeben. Doch die Gefühle, die sie nun für Severus zu überwältigen drohten, waren echt. Ganz bestimmt waren die echt!
Sie betrachtete ihn verlangend. Er war noch immer nackt. Man hatte ihm noch immer keine Gewänder gereicht, aber das konnte ihr nur recht sein! Sie fand diesen Gedanken sogar ziemlich komisch und kicherte nun, während sie mit ihren Fingern schon nach seiner Männlichkeit angelte.
Snape stöhnte erregt auf, aber dieses Kichern irritierte ihn doch sehr. Also löste er sich sanft von ihr und setzte sich auf.
"Hermine, was zum Teufel ist los?", fragte er sie ernst.
"Ach Severus, magst Du mich nicht mehr?", fragte sie leise "so lange war ich doch gar nicht weg!"
"Hermine, doch ich mag Dich noch immer, aber..."
"Dann schlaf endlich mit mir!", bettelte sie und presste schnell ihre Lippen auf seinen Mund, bevor er noch irgendetwas sagen wollte.
Snape war noch immer verwundert, gab sich dann aber wieder seinen Gefühlen zu ihr hin. Sie war nun auch wieder die alte Hermine, oder sah er es nur so, weil er schon ziemlich erregt war? Egal, seine Erregung stand wie eine Eins und Hermine wurde leidenschaftlicher in ihrem Tun. Sie krallte sich geradezu an ihm fest, sie küsste ihn wild und half mit ihrer Hand nach, als er nicht sofort in sie eindrang.
Snape war von seinem Empfinden völlig überwältigt und wurde nun auch aktiver. Eine Stimme in seinem Hinterkopf jedoch signalisierte ihm permanent, dass irgendetwas hier nicht stimmen konnte. Doch der Strudel der Erregung riss ihn immer mehr mit, ließ auch ihn nicht mehr klar denken und sich nur noch seinen niederen Instinkten hingeben. Das Keuchen und Aufschreien von Hermine an seinem Ohr spornten ihn zusätzlich an und erhöhten das Tempo der nun zügellos ausgelebten Leidenschaft um ein Vielfaches.
Erschöpft und ausgepowert von diesem Höllenritt sank er anschließend nach Atem ringend neben Hermine nieder. Er strich ihr zärtlich über ihren erhitzten Körper und betrachtete sie aufmerksam. Sie hatte ihre Augen geschlossen, aber ihre Lider zuckten nervös.
Nachdenklich grübelte er über das soeben Geschehene. Es war außergewöhnlich gewesen. Und im Nachhinein merkwürdig. Ihr ganzes Verhalten war, seitdem sie wieder hier war, merkwürdig!
Sie schlief nicht und er hätte daher eigentlich erwartet, dass sie ihn noch einmal küssen würde und sich dann an ihn kuscheln. Aber nichts! Sie lag einfach nur mit geschlossenen Augen da. Aber hinter ihrer Stirn schien es zu arbeiten. War er eben zu stürmisch gewesen? Doch genau genommen, hatte sie sich doch zuerst so wild gegeben!
Snape deckte sie zu, hauchte ihr noch einen Kuss auf die Wange und lehnte sich dann selbst an die Wand. Immer seinen Blick auf Hermine ruhen lassend.
Als sie hier vorhin regelrecht hinein geworfen wurde, war sie sehr aufgelöst gewesen. Sie hatte ihn nicht gleich umarmt, sondern wollte irgendetwas sagen. Hatte es dann aber doch nicht ausgesprochen. Ja und danach hatte sie sich hektisch umgesehen, war fast in Panik verfallen, bis sie heulend an seinem Hals hing.
Diese Monster mussten sie auf irgendeine Art und Weise unter Druck gesetzt haben!
Dann hatte er geglaubt, dass sie todmüde wäre und nur noch nach Schlaf verlangen würde, aber stattdessen kicherte sie albern herum und wollte unbedingt mit ihm schlafen. Die erweiterten Pupillen deuteten daraufhin, dass sie irgendetwas zu sich genommen haben musste.
Snape hätte sich selbst ohrfeigen können. Er hatte die Situation ausgenutzt! Schändlich ausgenutzt! Mochte sie auch noch so verliebt in ihn sein, ihr Verhalten deutete daraufhin, dass irgendetwas mit ihr los war und er hatte nichts Besseres zu tun, als sich von seinen Trieben leiten zu lassen! Er schluckte schwer. Die Situation war ihm unangenehm und sein schlechtes Gewissen klopfte schon wieder an.
"Severus, komm her!", hörte er sie plötzlich flüstern. Erstaunt, dass sie nicht wütend auf ihn war und doch noch seine Nähe wollte, legte er sich neben sie. Sie ergriff seine Hand und sagte leise: "Egal, was noch geschehen wird, ich liebe Dich! Und...und Du sollst wissen, dass..."
"Was, Hermine, was möchtest Du mir sagen?", fragte er beunruhigt.
Sie versuchte noch einmal krampfhaft etwas von dem Spiegel und den Bildern in ihrem Kopf zu berichten, aber nach wie vor bekam sie kein Wort dazu über ihre Lippen. Sie rang mit sich. Versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Bemühte sich verzweifelt das Chaos in ihrem Kopf zu sortieren, aber je angestrengter sie sich darum bemühte, desto schneller drehte sich alles um sie herum. Sie stöhnte leise auf und spürte sofort, wie Severus seine Arme um sie schlang.
Hermine traten die Tränen in die Augen. Sie hatte furchtbare Angst und begann wieder zu zittern.
"Psst, Hermine", hörte sie Severus leise Stimme "versuche zu schlafen! Du hast Schreckliches erlebt und brauchst nun Ruhe! Ich bin bei Dir!"
Nun wiegte er sie in seinen Armen und versuchte sie zu beruhigen. Was ging nur in ihr vor?
Wenige Augenblicke später war sie in seinen Armen eingeschlafen. Er war erleichtert, dass sie ihm eben noch einmal versichert hatte, dass sie ihn lieben würde. Auch er schloss nun seine Augen und empfand wieder das Glück, nicht alleine zu sein und geliebt zu werden.
Kurz darauf erschien mit einem Plopp ein Tisch im Tempel. Obwohl es ein sehr leises Geräusch gewesen war, riss Hermine sofort die Augen auf. Als sie den Tisch erblickte, auf dem eine große Wassermelone thronte, schrie sie entsetzt auf, befreite sich ungestüm aus den Armen von Snape und flitzte zur Tür. Dort schlug sie gegen und verlangte hinaus gelassen zu werden.
Völlig entsetzt, nicht verstehend, was hier vor sich ging, erhob sich auch der Tränkemeister ruckartig und sagte: "Ich möchte jetzt endlich wissen, was hier geschieht! Hermine, bitte rede mit mir!"
Sie schüttelte nur energisch den Kopf und hämmerte weiter gegen die schmiedeeiserne Tür.
Er ging mit großen Schritten auf sie zu, wollte sie an sich ziehen und Hermine hätte dem auch fast stattgegeben, als ihr Blick wieder zu dem Tisch glitt und sie das funkelnde Messer mit dem leuchtendgelben Griff erblickte.
Sie stieß Snape von sich und zischte: "Bleib weg von mir!"
"Was? Wieso?...Was soll das?", stammelte Snape ungläubig und streckte seine Hand nochmals nach ihr aus. Doch Hermine schubste ihn nun unsanft zur Seite und wiederholte aufgebracht: "Du sollst von mir wegbleiben, verdammt noch mal!"
Sie hasste sich für ihre Worte, sah sie doch, wie Fassungslosigkeit und Enttäuschung sich auf seinem Gesicht breit machten, doch sie konnte nichts gegen die Stimmen, die ihr nun befahlen, die Melone anzuschneiden, unternehmen. Sie musste Severus auf Distanz halten, auch wenn es ihr beinahe das Herz zerriss. Er durfte ihr nun nicht näher kommen, jetzt da das Messer im Tempel war!
Zitternd stand sie an der Tür und sah betrübt, wie Severus sich die Haare raufend auf der Matratze niederließ. Er schüttelte seinen Kopf und musterte sie bestürzt.
"Was ist mit Dir passiert? Was haben diese Kreaturen nur mit Dir gemacht, Hermine?"
Seine Stimme bebte und war voller Sorge. Er verstand ihre Reaktion nicht. Das passte alles nicht zusammen! Da stand sie nun schwer atmend auf der anderen Seite und machte einen gequälten, gehetzten Eindruck auf ihn. Er wollte ihr helfen, aber was sollte er denn verdammt noch mal tun, wenn sie es nicht zuließ? Sie hatte ihre Augen vor Angst weit aufgerissen, schien mit sich zu hadern und einen inneren Kampf auszufechten. Er sah traurig, wie ihr die Tränen über die Wangen rollten und versuchte noch einmal auf sie zu zugehen.
Aber er hatte sie noch gar nicht erreicht, da kreischte sie schon hysterisch los: "Halte Dich von mir fern! Komm mir nicht zu nahe!" Dann sank sie auf die Knie und flüsterte verzweifelt: "Bitte, bleib weg! Bitte..."
Das passte nun auch wieder nicht zusammen! Snape war ratlos. Warum, in Merlins Namen, kreischte sie erst los und bat ihn dann so verzweifelt darum fern zu bleiben? Er konnte auch keine Spur von Wut bei ihr ausmachen, sondern nur hoffnungslose Verzweiflung!
Hermine spürte nun den Drang zu dem Tisch zu gehen. Sie wollte nicht, aber sie tat es trotzdem. Eine Stimme flüsterte ihr ein, dass sie das Messer ergreifen und sich ein Stück der saftigen Melone abschneiden sollte. Sie versuchte aufzubegehren, sah sich aber kurz darauf zu dem Messer greifen und die Melone mit einem Grinsen im Gesicht zerteilen. Es war, als würde sie neben sich stehen und ihrer Doppelgängerin bei der Hausarbeit zusehen. Das war nicht sie selbst und doch war sie es! Ihr trat der Schweiß auf die Stirn und für einen Moment schaffte sie es, sich gegen die Stimmen zu wehren. Sie schrie laut: "Nein!" und wich zurück, doch schon ertönte das grausame Lachen der Kreatur in ihrem Kopf und schneller als ihr lieb war, werkelte sie wieder an der Frucht herum.
Eine Stimme raunte ihr zu, auch ihrem Geliebten von der erfrischenden Melone etwas anzubieten. Und tatsächlich und zu ihrem eigenen Entsetzen sagte sie dann mit einem Lächeln auf den Lippen zu Severus: "Möchtest du Dich nicht auch von der köstlichen Frucht probieren? Sie ist so saftig und so süß. So süß, wie der Tod. Komm her und hole Dir ein Stück!"
Snape starrte sie nur verständnislos an. Diese Stimmungswechsel waren krank! Er wollte keine verflixte Melone! Er wünschte sich nur, dass Hermine wieder normal war, mehr nichts! Sie machte ihm allmählich Angst. Hoffentlich war dies nur ein vorübergehender Zustand!
"Nun komm schon, Severus!", hauchte Hermine da wieder mit sanfter Stimme und hätte sich am liebsten die Zunge abgebissen. Sie bemerkte sehr wohl, was hier ablief, konnte sich aber gegen die Anordnungen nicht erwehren. "Zier Dich nicht so! Sie ist wirklich sehr lecker und Du solltest sie nicht verschmähen!" Dann wurde ihre Stimme tiefer: " Mich hast Du doch vorhin auch nicht verschmäht, sondern Besitz ergreifend und brutal genommen!"
Snape zuckte zusammen. Brutal? Nein, er war doch nicht brutal gewesen! Nie könnte er ihr gegenüber brutal sein! Was sollte diese Anschuldigung denn jetzt? Außerdem hatte sie ihm doch anschließend noch versichert, dass sie ihn lieben würde...egal, was passieren sollte.
Egal, was passieren sollte! Hier passierte gerade jede Menge. Meinte sie das damit?
Snape fluchte vor sich hin. Er war überfordert mit dieser Situation. Er hatte keinen blassen Schimmer, was er tun sollte! Hermine machte ihm Angst. Sie verunsicherte ihn.
"Hermine, ich weiß nicht mehr weiter!", rief er mit Tränen in den Augen aus.
Sie lächelte, während sie gerade in ihrem Kopf vernahm, dass sie nun endgültig das Messer dazu benützen sollte, wofür es vorgesehen war. Sie zog eine Grimasse, drehte Snape den Rücken zu und flötete: "Gut, ich nehme das Brutalsein zurück, aber nun komm her und hole Dir ein Stück Melone!"
Zögernd und mit einem unbestimmten, misstrauischen Gefühl ging er in ihre Richtung und trat hinter sie. In der einen Hand hielt sie die Melone, in der anderen das Messer. Der Druck in ihrem Kopf war stärker, als jemals zuvor. Ihre Hände zitterten von dem inneren Kampf, den sie ausfocht. Sie hatte verloren! Sie konnte ihre Handlung nicht steuern! Jetzt war es soweit, die Prophezeiung würde sich erfüllen...
Mit einem Ruck drehte sie sich um und rammte Snape das Messer in den Bauch. Sie sah noch, wie er fassungslos seine Hände auf seinen Bauch presste, das Blut sich seinen Weg über die nackte Haut bahnte und hörte, wie er gepresst, ein: "Warum?" hervorbrachte, bevor er mit weit aufgerissenen Augen zu Boden sank.
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Im selben Augenblick wie Snape zu Boden sank, hörte Hermine noch ein letztes Mal dieses scheußliche Gelächter der Kreatur in ihrem Kopf, bevor sich der Nebel darin endgültig verzog und auch der Tisch samt Melone verschwand.
Sie hatte es also tatsächlich getan! Sie hatte das Messer benutzt und Severus verletzt!
Panisch kniete sie nun über Severus und wimmerte: "Ich konnte nichts dagegen tun. Bitte glaube mir! Es tut mir so leid! Severus, bitte sage doch etwas!"
Das Blut quoll unaufhörlich aus der Bauchwunde, in der das Messer noch immer steckte und Snape stöhnte. Seine Lippen bebten und seine Augen waren noch immer weit aufgerissen und blickten Hermine fassungslos und ängstlich zugleich an.
Als Hermine ihn berühren wollte, wich er entsetzt mit aller Kraft vor ihr zurück.
Er hauchte nur: "Geh weg! Lass mich!"
"Bitte, Severus, ich habe versucht, mich dagegen zu wehren, aber..."
"LASS MICH IN RUHE!", presste er mühsam, aber sehr energisch hervor und versuchte angestrengt einen Abstand zwischen sich und der Frau neben ihm, die ihn soeben versucht hatte umzubringen, zu gewinnen.
Hermine versuchte rational zu denken. Der Zauberstab! Severus musste seinen Zauberstab noch irgendwo hier haben. Sie rannte hastig umher, drehte die Kissen um, konnte ihn auf Anhieb aber nicht finden, so dass sie: "ACCIO Professor Snapes Zauberstab!" ausrief.
Augenblicklich wühlte sich dieser unter der Decke hervor und flog in ihre Hand. Dann kniete sie wieder neben Snape auf dem Boden.
Snape, der dies mit angesehen hatte, richtete sich mit aller Macht auf und versuchte ihr den Stab zu entwinden. Er fürchtete, dass sie ihm nun endgültig das Leben nehmen wollte. Panik und Todesangst durchzogen sein Gesicht. Seine blutige Hand ergriff den Zauberstab, doch Hermine hatte noch das andere Ende in der Hand und redete immer wieder auf ihn ein:
"Severus, bitte! Ich möchte Dir nur helfen", flehte sie "die Wunde muss verschlossen werden. Bitte!"
Sie wollte ihm über den Kopf streichen, aber er drehte diesen gleich weg. Hermine war der Hysterie nahe. Er vertraute ihr nicht mehr! Er hatte Angst! Vor ihr! Sie sah es und biss sich verzweifelt auf der Lippe herum. Sie wollte doch mit ihm nicht um den Zauberstab ringen! Sie wollte ihm doch nur helfen!
Schluchzend versuchte sie es noch einmal: "Severus, verstehe doch bitte, ich habe das mit dem Messer im Spiegel gesehen. Ich war nicht ich selbst...ich ...ich liebe Dich doch...und bitte lass mich die Wunde versorgen. Ich verspreche Dir, dass Du Deinen Zauberstab dann bekommst. Verhexe mich dann! Es ist mir egal, Hauptsache Du bist versorgt!"
Er lachte nur grimmig. "Danke, Sie haben mich ja schon versorgt, Granger! Wenn ich dann meinen Zauberstab bekommen dürfte!"
Ohne ein weiteres Wort gab sie nach und starrte nun ihrerseits fassungslos auf Severus, der seinen Zauberstab fest umklammerte und auf sie richtete.
Hermine war schockiert.
Dann wurde ihr bewusst, dass der Trank seine Wirkung verloren hatte, da sie soeben den Spiegel erwähnen konnte. Auch das Gefühl fremd bestimmt zu sein war weg. Eigentlich hätte sie jetzt froh sein müssen, doch auch jetzt rasten ihre Gedanken wie wild in ihrem Kopf herum.
Granger! Er hatte sie tatsächlich wieder Granger genannt! Sie schrie ihren Schmerz laut heraus, rannte wieder zu der Tür und schlug so lange dagegen, bis ihre Fingerknöchel bluteten. Jetzt war sie zwar wieder ganz sie selbst, aber dennoch kurz vorm Durchdrehen. Severus blutete, wollte sich nicht helfen lassen, weil er ihr misstraute!
Er hatte sie einfach abgewiesen! Wie eh und je! Kühl und verachtend! NEIN! Das konnte einfach alles nicht wahr sein!
Sie ließ sich an einer Wand herab gleiten, atmete heftig und hatte das Gefühl nur noch schreien zu wollen. Verzweifelt biss sie sich in ihr Handgelenk, in der Hoffnung dadurch irgendwie zur Ruhe zu kommen. Sie biss mit aller Kraft zu, verspürte aber keinen Schmerz, so dass sie auch das Blut erst bemerkte, als es sich über ihre Lippen ergoss. Sie schmeckte es, aber es machte ihr nichts aus, denn all ihre Sorge galt Severus, der noch nicht einmal zu ihr hinüber sah. Es tat seelisch so sehr weh!
Sie wollte weinen, aber sie hatte keine Tränen mehr. Sie wollte körperlichen Schmerz spüren, um zu wissen, dass sie noch am Leben war, aber sie empfand nichts. Sie war todmüde, sich aber sicher, nicht schlafen zu können. Und wenn Severus sie jetzt wieder hassen sollte, dann würde sie zu einer erneuten Aufgabe nicht mehr antreten, dann wollte sie lieber sterben! Dann war alles umsonst. Dann hatte ihr Leben keinen Sinn mehr.
"Granger!", vernahm sie da schwach die Stimme von dem Mann, den sie doch über alles liebte. Er stöhnte noch einmal auf und zischte: "Schön, kümmern Sie sich um die Wunde, aber ich warne Sie, wehe sie versuchen noch irgendwelche Tricks!"
"Nein, Severus, ganz bestimmt nicht", flüsterte sie erleichtert, dass er sich nun doch helfen lassen wollte und eilte zu ihm. Sein ganzer Körper bebte und ringsum ihn herum war alles rot vor Blut. Er hatte die Augen fast geschlossen und atmete ziemlich oberflächlich, aber noch immer richtete sich der Zauberstab auf Hermine. Nur zögernd übergab er ihn ihr. In seinem Gesicht waren pures Misstrauen, Wut und Enttäuschung zu lesen, was Hermines Hoffnungen, dass sich alles jeden Moment aufklären würde, einen erheblichen Dämpfer verpasste.
Schnell hatte sie das Messer entfernt und die Wunde verschlossen. Sie säuberte ihn und untersuchte ihn auch noch nach inneren Verletzungen. So gut kannte sie sich damit auch nicht aus, aber sie hoffte, nichts Lebensgefährliches erwischt zu haben.
Sie müsste einen Trank brauen, der auch innere Leiden heilen konnte, doch ein Korb mit Zutaten war noch nicht aufgetaucht. Fieberhaft überlegte sie, welche Art von Trank benötigt werden würde, als Snape auch schon die Hand ausstreckte und raunend forderte: "Meinen Zauberstab!"
Sie gab ihm diesen sofort zurück und unternahm noch einmal einen Versuch, ihm über den Kopf zu streichen, doch ein zorniges: "Verschwinde!", holte sie augenblicklich auf den Boden der Tatsachen zurück. Kopf schüttelnd, alles nicht fassen könnend, wich sie nach hinten aus, taumelte gegen die Wand und war an einem Punkt der Belastbarkeit angelangt, an der sie einfach nicht mehr konnte. Sie riss sich an ihren Haaren und kreischte dann laut los: "Ich halte das nicht mehr aus! Ich kann nicht mehr!"
Ihr Ruf hallte laut durch den Tempel, echote von den Wänden, ließ Snape aber scheinbar unbeeindruckt.
Hermine tastete sich benommen an der Wand entlang, wohl wissend, dass sie den Ranken immer näher kam. Es war ihr egal! Sie hatte nun alles verloren, für was sie gekämpft hatte. Sollten die Pflanzen sie doch erwürgen! Sollten sie doch! Dann hätte sie wenigstens ihre Ruhe! Wenn Severus sie nicht mehr wollte und sie nun verachtete, dann gab es keinen Grund mehr für sie zu leben. Keinen!
Nun war sie nur noch einen Meter entfernt, noch einen halben und schon angelten die Pflanzen nach ihr. Zunächst strichen sie noch zärtlich über sie und schienen froh zu sein, ein williges Opfer gefunden zu haben, doch mit einem Mal fielen sie regelrecht über sie her. Während einige sie nur festhielten und ihre Arme und Beine fixierten, peitschten ihr die anderen mit voller Wucht über das Gesicht.
Doch Hermine schrie nicht. Sie ergab sich einfach. Sie hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, da gab es nichts mehr zu schreien!
Dann wanden sie sich um ihren Körper, zogen sich immer mehr zusammen, bis die ersten auch ihren Hals erreichten. Sie spürte, wie ihr Blut an den Armen bereits abgeschnürt wurde. Bei den kleinen kratzenden Geräuschen, die die Ranken auf den Steinen und an ihrem Gewand machten, bekam Hermine den Eindruck, dass die Pflanzen lachen würden. Ja, sie freuten sich regelrecht, dass sie etwas zu tun bekamen.
Allmählich wurde ihr die Luft knapp, denn immer mehr dieser Ranken schlängelten sich um ihren Hals herum und zogen fester zu.
So musste es dem Löwen ergangen sein, dachte sie. Sie hatte schließlich auch jemanden erwürgt, warum sollte sie nun nicht auch auf diese Art sterben?
Hermine machte keine Anstalten, sich daraus zu befreien. Sie schwelgte in Erinnerungen an die Küsse, die sie mit Severus ausgetauscht hatte und an die beiden Male, die sie miteinander geschlafen hatten. Sie hätte am liebsten selig gelächelt, aber sie empfand nichts mehr und kein Lächeln wollte ihr glücken. Sie wollte einfach nur noch ihre Ruhe haben, fort von Allem sein, fort in eine andere Welt entfliehen...
Die Pflanzen wurden immer rabiater und zerkratzten ihr das Gesicht, sie zerschnitten ihr die Arme, aber Hermine schrie noch immer nicht. Nicht ein Laut war über ihre Lippen gekommen, worauf sie sehr stolz war. Hoch erhobenen Hauptes wartete sie auf den Tod.
Langsam fing sie an zu keuchen und sie hatte das Gefühl, dass ihr die Augen aus den Höhlen springen würden. Die Luft war nun sehr knapp geworden und sie konnte sich nun doch einen Laut des Entsetzens nicht verkneifen. Wie es war erwürgt zu werden, konnte sie schließlich im Voraus nicht wissen. Nur einen Moment dachte sie darüber nach, dass es doch nicht so eine gute Idee gewesen sein könnte, sich umbringen zu wollen, aber nun war es sowieso zu spät, nun musste sie da durch. Befreien konnte sie sich aus dem ganzen Wirrwarr aus eigener Kraft eh nicht mehr! Sie wollte es auch nicht! Noch einmal keuchte sie laut auf, als sie Severus rufen hörte:
"Verdammt, Hermine, was tust Du da?"
Sie röchelte bereits vor sich hin und konnte nur noch mit erstickter Stimme flüstern: "Sterben! Wenn Du mich...wenn Du mich nicht mehr willst, so sehe ich keinen Sinn darin, weiter zu existieren!"
Mit einem Satz sprang Snape auf, achtete nicht auf seinen eigenen Schmerz, nicht auf seine wackligen Füße, die ihn wegen des Blutverlustes kaum tragen wollten, noch auf andere Befindlichkeiten, sondern stürmte zu Hermine und riss und zerrte an den Ranken und der jungen Frau. Mit erhobenem Zauberstab, sprengte er einige Ranken auseinander, die daraufhin auf ihn einschlugen, ihn peitschten und ihn von den Füßen holen wollten.
Dabei vernachlässigten sie Hermine etwas.
Nun da sie sah, dass Severus ihr zu Hilfe geeilt war, versuchte sie sich ein bisschen zu bewegen, aber sie war schon zu sehr eingeschnürt und gab es schnell wieder auf. Es war ja doch alles hoffnungslos!
Snape aber kämpfte wie ein Löwe um Hermine zu befreien. Er musste noch mehrere Hiebe einstecken, bis es ihm gelang, erst ihren Hals und dann auch den Rest des Körpers frei zu bekommen. Haltlos stürzten beide zu Boden und Severus schleppte sie noch ein paar Meter weiter, wo sie einige Minuten keuchend liegen blieben.
Snape richtete sich dann langsam auf, sah Hermine wütend an und schrie: "Bist Du völlig verrückt geworden? Hermine, was geht nur in Deinem Kopf vor?"
Sie zuckte mit den Schultern, sah ihn dann ausdruckslos an und sagte nüchtern: "Das sagte ich doch bereits. Ich liebe Dich, aber wenn Du mich jetzt wieder verachtest und hasst, dann will ich nicht mehr leben. Mein Leben hat dann einfach keinen Sinn mehr."
Snape verschlug es die Sprache. Zusätzlich zu den Schmerzen in seinem Bauchraum fühlte er wieder dieses warme Gefühl in sich. Welches er immer bekam, wenn er an Hermine dachte. Welches ihm signalisierte, dass er sie mochte.
Er massierte sich angestrengt die Schläfen und suchte nach den richtigen Worten, um ihr zu erklären, was ihm in den letzten Minuten so durch den Kopf gegangen war.
Er war von ihrer Attacke mit dem Messer her noch immer maßlos enttäuscht, aber dass sie sich nun sogar umbringen wollte, gab ihm zu denken. Sie wollte sich ernsthaft das Leben nehmen, weil er sie zurückgewiesen hatte! Er war bestürzt...und ihm wurde bewusst, wie viel ihm eigentlich an ihr lag.
Er beobachtete Hermine. Sie saß neben ihm und starrte völlig teilnahmslos ins Leere. Keine Gefühlsregung war in ihrem Gesicht abzulesen. Dann versorgte er seufzend ihre Schnittwunden an ihren Armen, die Würgemale an ihrem Hals und stutzte, als er an ihrem Handgelenk ihre eigene Bisswunde entdeckte.
"Hermine?" Sie schaute ihn aus leeren Augen an, sagte aber nichts. Sie lachte nicht, sie weinte nicht. Nichts!
"Hermine, tue das bitte nie wieder! Nie wieder, hörst Du?", sagte er eindringlich.
"Ich konnte nichts dafür", sagte sie leise und emotionslos. "Ich habe es im Spiegel gesehen. Die Kreatur gab mir einen Trank. Ich wusste nicht, was es war. Es kam mir vor, als wenn ich unter dem Imperio stehen würde. Fremde Stimmen waren in meinem Kopf. Sie gaben mir Befehle. Ich hörte sie lachen. Ich wollte das nicht."
"Warum...warum hast Du mir nichts davon gesagt", erkundigte sich Snape verzweifelt.
"Es ging nicht. Mein Sprachzentrum war zu diesem Thema blockiert. Warum hast Du mich nicht sterben lassen?"
"Was? Hermine, ich würde Dich doch nicht sterben lassen!"
Snape raufte sich erneut die Haare und Hermine setzte daraufhin ihren monotonen Singsang fort:
"Du hast mich weggeschickt. Ich sollte verschwinden. Warum durfte ich nicht verschwinden? Verschwinden aus dieser Hölle. Verschwinden aus Deinem Leben, wo Du mich nun sowieso wieder hasst... Du hättest mich gehen lassen sollen!"
"Nein!", rief Snape, "ich ...ich hasse Dich nicht...ich war nur furchtbar enttäuscht, und..."
"Du hättest mich gehen lassen sollen!" Noch immer hatte Hermine diesen leeren Blick, aus dem man nichts, aber auch rein gar nichts herauslesen konnte. "Warum bin ich noch immer hier?"
"Weil ich nicht zulassen werde, dass Du gehst", rief Snape nun mit Tränen in den Augen aufgebracht aus "ich werde nicht zusehen, wie Du Dich aufgibst!"
"Warum nicht?", fragte Hermine mit müder Stimme und besah sich dabei den Boden.
"Warum nicht? Du fragst warum nicht? Hermine, ich...ich habe mich in Dich verliebt." Dann packte er sie an den Schulter und sagte leise: "Hermine hörst Du? Ich liebe Dich und wir werden das hier gemeinsam durchstehen!"
Hermine hob den Blick und sah ihn an, aber Snape war sich nicht sicher, ob seine Worte bei ihr angekommen waren. Noch immer zeigte sie nichts als, wie sollte er es nennen...Gleichgültigkeit? Sie war erschöpft, hatte ihren toten Punkt bestimmt schon vor Stunden überwunden und ihr Gesicht war von den Strapazen gezeichnet.
"Komm, Du legst Dich jetzt hin und schläfst", bestimmte Snape dann. Widerstandslos ging Hermine mit, legte sich hin und ließ sich zudecken.
Snape selbst legte sich dazu und nahm sie in die Arme. Hermine schien es egal zu sein. Sie rührte sich nicht. Sie lag einfach nur da, hatte die Augen offen und starrte an die Decke.
"Versuche zu schlafen! Mach die Augen zu!", forderte er sie besorgt auf.
"Wenn ich die Augen schließe, sind die Bilder wieder da. Ich will keine Bilder sehen. Der Löwe mit seinem blutigen Kopf. Die blutige Keule, mit der ich zugeschlagen habe. Die Angst um Dich ist wieder da. Das Messer mit dem gelben Griff ist wieder da. Das lachende Monster ist wieder da... Ich kann nicht schlafen."
Snape selbst schloss nun die Augen. Das war ein einziger Alptraum hier! Nicht auszudenken, wenn er ausgerechnet jetzt zu seiner nächsten Aufgabe abgeholt werden würde. Hermine wollte er in diesem Zustand auf keinen Fall allein lassen. Und sie musste nun endlich schlafen!
Was war das heute nur wieder für ein Tag! Sie hätte ihn vorhin fast umgebracht. Wie hatte er nur daran denken können, dass sie es in vollem Bewusstsein tat?
Ein Trank hatte sie gesagt? Mit Wirkung eines Imperio? Und es war ein Bild aus dem Spiegel gewesen! Dann hatte sie wahrscheinlich auch schon während ihrer ganzen Heldentat daran gedacht! Sie tat ihm so leid. Erst recht, weil er zu ihrer ganzen Qual noch an ihrer Liebe gezweifelt hatte! Ihm wurde ganz schlecht bei dem Gedanken, dass er fast noch ihren Selbstmord ausgelöst hätte. Wenn er nicht ihr Röcheln und Keuchen vernommen hätte, wäre es zu spät gewesen! Zu spät! Dann wäre Hermine nicht mehr! Seine Hermine! Oh, bei Merlin!
Ihm rannen still die Tränen über die Wangen, während er ihr mit den Händen sacht durch die Haare fuhr. Wie sollte das hier bloß weitergehen? Er hätte nie gedacht, dass er sich jemals in seinem ganzen Leben wieder so emotional fallen lassen könnte, wie er es als Sechsjähriger getan hatte. Er hatte sich damals geschworen, nie wieder zu weinen. Nie wieder! Und wie oft waren ihm hier in diesem Gefängnis nun schon die Tränen gekommen? Oft! Viel zu oft! Dreiunddreißig Jahre lang hatte keine Träne sein Auge verlassen und nun kannten sie gar kein Halten mehr!
Seine Schmerzen waren kaum noch zum Aushalten und als Hermine flüsterte: "Ich bin so müde...so schrecklich müde, aber ich kann nicht schlafen", platzte ihm diesmal der Kragen und er schleppte sich zu der Tür und trommelte wütend dagegen.
"Bringt jetzt endlich Trankzutaten!", schrie er zornig, "auf der Stelle verlange ich den Korb mit den Zutaten! Sie braucht etwas, damit sie endlich schlafen kann, sonst könnt Ihr Eure Taten selbst vollbringen! Genug ist genug!"
Er war sich sicher, dass man ihn gehört hatte und hoffte, dass diese Wesen nun endlich ein Einsehen hatten. Sie mussten einfach, denn er konnte es kaum noch ertragen, Hermine so leiden zu sehen. Seine Schmerzen waren ihm dabei völlig egal, es ging ihm einzig um Hermine. Sie hatte zuviel durchgemacht und er war sich nicht sicher, ob sie sich den Ranken nicht doch noch einmal nähern würde, wenn er fort wäre.
Oh Gott, es wäre der blanke Horror, wenn er wieder kehren sollte und sie erwürgt auffinden würde!
Es dauerte eine ganze Weile, bis endlich der ersehnte Korb, mit allem, was man benötigte, um einen Schmerz -und Schlaftrank herstellen zu können mit einem Plopp erschien. Darauf lag mal wieder eine kleine Pergamentrolle, die Snape hastig entrollte und las.
Ein
Einsehen sollen wir haben? Wir wollen nicht so sein.
Ach,
die Kleine hat gelitten? Dann brau den Tranke fein!
Doch
denke dran, Eile und Präzision sind oberstes Gebot,
nicht
das Du Dich vertust und deine Geliebte ist tot.
Wütend zerknüllte Snape das Pergament und schmiss es fort. Die machten sich noch lustig! Er, der Meister der Zaubertränke würde sich wohl kaum vertun beim Brauen und dass er sich beeilen würde, stand ja wohl außer Zweifel!
Innerlich aufgewühlt und von Schmerzen, die ihn kaum aufrecht sitzen ließen, gepeinigt, hackte, mischte und rührte er wieder.
Nachdem er Hermine endlich den Schlaftrank verabreicht hatte, schlief sie auch ein. Er war erleichtert, denn die ganze Zeit, in welcher der Trank köchelte, hatte sie wiederholt davon gesprochen, dass sie sich wünschte, endlich zu schlafen.
Für ihn selbst hatte er in einem zweiten Kessel noch einen Trank gegen die Schmerzen ansetzen können, den er dann auch kaum zu sich genommen hatte, als der Korb auch schon wieder verschwunden war.
Anschließend erloschen auch die Kerzen im Tempel, so dass Snape den Weg unter die Decke im Dunklen finden musste. Aber damit kannte er sich ja schon aus!
Seufzend nahm er Hermine in den Arm, überdachte noch für eine Weile ihre hoffnungslose Lage und sank dann auch in einen tiefen Schlaf, der hoffentlich lange, lange anhalten würde.
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Immer wieder war Hermine schreiend aufgewacht und Snape hatte sie trösten müssen. So lange, bis sie wieder eingeschlafen war. Aber es war eine beängstigende Situation für Snape. Wie lange würden ihre Alpträume wohl anhalten und vor allem, was geschah mit ihr, wenn er zu seiner nächsten Aufgabe abgeholt werden würde? Er mochte gar nicht darüber nachdenken und doch musste er es! All das Blut und das Grauen, welches sie gesehen hatte, ihre Schuldgefühle ihm gegenüber, die Missionen, die ihnen noch bevorstanden ließen ihr keine ruhige Minute mehr. Und ihm auch nicht. Er wollte für sie da sein und würde es auch, so lange er noch hier war. So lange, bis sie ihn hier wieder herausholten, um ihn in den erneuten Kampf zu schicken.
Auf sein Liebesgeständnis hatte sie völlig apathisch reagiert. Hatte sie es überhaupt registriert? Auch Snapes Gedanken überschlugen sich. Er war sich überhaupt nicht sicher, dass sie mitbekommen hatte, dass er sie lieben würde. Nun hatte er es schon ausgesprochen und sie wusste vielleicht noch gar nichts davon! Snapes Gefühle und Gedanken fuhren Achterbahn.
Als die Kerzen wieder aufflackerten, öffnete er mühsam seine Augen und fühlte sich so müde und hilflos, wie nie zuvor. Seit vielen Stunden hatte es schon nichts mehr zu essen gegeben und auch Wasser war nicht gereicht worden. Seine Zunge klebte ihm am Gaumen und auf die Knurrgeräusche seines Magens gab er schon längst nichts mehr.
Im Augenblick war es für ihn unvorstellbar, in diesem Zustand zum nächsten Gefecht ausrücken zu müssen. Er fühlte sich ausgelaugt, erschöpft in höchstem Grade und die Sorge um Hermine trug ihr Übriges dazu bei.
Hermine!
Sie schlief noch und sein Blick glitt über sie. Ihr Körper sah so erschöpft aus, wie er sich fühlte. Ihre Wangen waren eingefallen, die Narben, die sie im Kampf draußen und durch die Ranken hier drinnen davon getragen hatte, zierten ihr Gesicht und doch fand er sie schön. Ja, sie war schön, wunderschön! Zärtlich strich er ihr über die Haare, die an ihrem Kopf klebten und strähnig waren. Ihm war dies egal. Hermine hatte ihm, Severus Snape, so viel Wärme und Zuneigung entgegengebracht, dass es für drei verkorkste Leben, wie seines eines war, ausgereicht hätte.
Er hatte ihr seine Liebe gestanden und es war nicht nur aus der Situation heraus gesagt worden. Er liebte sie wirklich und es tat ihm noch immer unendlich leid, dass er sie abgewiesen und an ihr gezweifelt hatte.
Seufzend richtete er sich auf. Liegen konnte er nicht mehr, denn obwohl sein Bauch noch immer sehr schmerzte, gesellten sich Rückenschmerzen von der ewigen Liegerei dazu. Er musste sich bewegen, und seien es auch noch so kurze Wege!
So pendelte er bestimmt zum vierzigsten Male gerade zwischen Matratze und Tür hin und her, als mit einem Plopp der Tisch mit Allerlei darauf erschien. Neugierig und mit spöttischem Blick begutachtete er die kulinarischen Köstlichkeiten und langte dann zu. Lieber gleich verzehren, was sich einem bot, dachte er, bevor man wieder stunden -oder tagelang das Nachsehen hatte.
Irgendwann bemerkte er, dass Hermine ihre Augen geöffnet hatte und sofort war er an ihrer Seite.
"Wie fühlst Du Dich?", fragte er besorgt und strich ihr behutsam über den Kopf.
"Müde. Ich bin noch immer so müde", antwortete sie schwach.
"Sie haben etwas zu essen bereitgestellt. Du solltest etwas zu Dir nehmen!"
"Ich habe keinen Hunger, Severus. Ich möchte nur schlafen."
Ob sie nun wollte oder nicht, sie musste ihrem Magen eine Kleinigkeit anbieten! Er riss Verschiedenes in kleine Stückchen, packte es auf das Tablett und setzte sich neben sie.
"Hermine, und wenn ich Dich füttern muss, Du wirst jetzt etwas essen!"
Hermine stöhnte nur und drehte ihren Kopf weg.
"Ich meine es ernst!", betonte Snape noch einmal, aber Hermine mochte noch immer nicht. "Gut, Du hast es nicht anders gewollt", sagte er lässig und griff nach ihrem Kinn.
"Schon, gut!", murrte Hermine, "was gibt es denn?"
"Obst, Brot, Hühnerkeulen...das Übliche eben. Womit möchtest Du beginnen?"
"Ich möchte zuerst etwas trinken", sagte Hermine, fuhr sich mit beiden Händen über ihr Gesicht und sah Snape dann an. Die Verletzungen vom gestrigen Tag waren nicht zu übersehen und das getrocknete Blut im Gesicht, am Hals, eigentlich überall zierten Snapes Körper.
"Severus, wenn es Dir nichts ausmacht...ähm, Du hast noch die ganzen Kratzer und Striemen von den Ranken und jede Menge Blut an Deinem Körper."
"Wirklich? Ist mir gar nicht aufgefallen", sagte Snape nachdenklich, goss den Becher voll und reichte ihn Hermine. "Weißt Du, ich laufe nun seit Tagen auch schon nackt herum. Auch dies stört mich nicht mehr. Es wäre mir im Traum nicht eingefallen, so in meinen Räumen in Hogwarts herum zu laufen. Selbst wenn ich ein Bad genommen habe, oder duschen war, so zog ich mich im Bad aus und habe mich dort auch wieder angekleidet. Vieles scheint in solchen Situationen, wie wir sie gerade erleben, nebensächlich zu werden."
"Ja, scheint so. Reichst Du mir den Zauberstab, Severus? Ich bringe Deinen Körper wieder in Ordnung, ähm das heißt...wenn Du mir wieder vertraust?" Fragend sah Hermine ihn an.
Sein Blick durchbohrte sie. "Hermine, erinnerst Du Dich daran, was ich Dir gestern gesagt habe?"
"Ich bin mir nicht sicher", murmelte sie leise und blickte auf den Boden. "Es gibt da etwas, was ich glaubte zu hören, im Nachhinein aber nicht einordnen kann. Ich weiß nicht, ob es Traum oder Realität war." Dann hob sie den Blick und sah in die betörendsten, schwarzen Augen der Welt, in die ein gewisser Glanz getreten war, so dass sie sofort wusste, dass er es wirklich gesagt hatte.
"Severus!", sie stellte das Tablett bei Seite und schlang ihre Arme um seinen Hals. "Sag es bitte noch einmal!", hauchte sie in sein Ohr und sofort rann eine Gänsehaut über ihren ganzen Körper, als er mit samtiger, tiefer Stimme erwiderte: "Ich sagte, dass ich Dich lieben würde, Hermine. Ich tue es von ganzem Herzen und möchte daher auch nicht, dass Dir etwas zustößt oder Du Dich leichtsinnig in Gefahr begibst!"
"Oh Gott, Severus, ich bin so froh", schluchzte sie nun erleichtert an seinem Hals los "Ich liebe Dich so sehr und die Sache mit dem Messer, ich..."
"Hermine!", sagte er und nahm ihr Gesicht in seine Hände "ich habe Dir verziehen... und um Deine Frage zu beantworten, ja ich vertraue Dir. Ich weiß nun, dass Du mich nicht absichtlich verletzt hast. Du standest unter diesem mysteriösen Trank."
Er küsste sie ausgiebig und zärtlich und übergab ihr dann seinen Zauberstab.
"Hier, nimm ihn! Ich vertraue Dir!"
"Danke!", schluchzte Hermine erleichtert, säuberte Severus und beseitigte dann auch bei ihm die Spuren des Ringkampfes mit den Pflanzen. Außerdem warf sie einen kritischen Blick auf die Stichwunde. Es schien soweit alles in Ordnung damit zu sein.
Es bedeutete ihr so unendlich viel, dass diese Angelegenheit nun geklärt worden war. Er vertraute ihr! Und er war auch in sie verliebt!
Nun war sie auch wieder in der Lage zu lachen und zu weinen! Sie hätte die ganze Welt umarmen können. Aber sie saßen ja noch immer hier fest. Und die nächste Aufgabe würde gewiss nicht mehr lange auf sich warten lassen.
"Severus", sagte sie leise, sah ihn an und hatte dabei ihre Arme auf seiner Schulter zu liegen, "ich habe Angst davor, was Du als nächstes im Spiegel sehen wirst."
"Ich auch, das kannst Du mir glauben, Hermine!", sagte er und verzog sein Gesicht. "Wenn ich geahnt hätte, was diese Ausgeburten der Hölle von Dir verlangt haben, dann hätte ich Dich gelesen, obwohl ich nicht mit Gewissheit sagen kann, ob mir das in irgendeiner Weise geholfen hätte, aber ich hätte Dich verstehen können. Du kamst mir schon etwas merkwürdig vor, aber ich habe es auf das, was Du erlebt hast zurückgeführt."
"Ich war hin und her gerissen und habe mich dagegen gesträubt, aber diese Stimmen in meinem Kopf..."
"Ich trage Dir nichts nach, Hermine. Dein innerer Kampf ist mir nicht verborgen geblieben, nur wusste ich nicht, worauf das hinausläuft", sagte er tröstend und küsste sie erneut sanft.
"Noch etwas Severus", flüsterte sie und sah ihn dabei etwas verlegen an "ich versichere Dir, dass Du nicht brutal warst und mir nicht wehgetan hast. Es war zwar etwas ungestüm, aber...aber trotzdem schön mit Dir. Ich erinnere mich an jede Einzelheit."
Snape atmete tief durch. Dieser Vorwurf, dass er sie brutal genommen haben sollte, lastete, wenn er ehrlich war, noch immer auf ihm. Er blickte sie stumm an und nickte nur.
Hermine lehnte sich an ihn. Sie hatte noch immer sein verständnisloses, enttäuschtes Gesicht vor sich, als sie ihm erst diesen Sachverhalt unterstellt und dann auch noch mit dem Messer attackiert hatte. Er hatte Grund genug gehabt, wütend zu sein! Hermine schüttelte den Kopf. Und dann war sie auf dieses bescheuerte Idee gekommen, dass alles verloren war und hatte sich in einer Kurzschlussreaktion den Ranken in die Hände gespielt!
Als hätte Snape ihre Gedanken gelesen, sah er sie an und sagte eindringlich: "Hermine, wenn ich fort bin, erwarte ich von Dir, dass Du durchhältst. Für uns! Für mich! Starte bitte nie wieder solche absurden Aktionen, wie gestern. Es kann durchaus möglich sein, dass Du sowieso hier drinnen mit irgendwelchen Spielchen konfrontiert wirst. Meine Gedanken werden bei Dir sein, aber ich möchte mir auch nicht mehr Sorgen, als nötig um Dich machen müssen!"
"Gut, ich verspreche Dir, dass ich keinen Blödsinn machen werde. Jetzt...jetzt, wo ich weiß, was Du für mich empfindest, Severus, habe ich auch gar keinen Grund dazu. Und egal, was die mit mir hier drin veranstalten, ich werde nicht aufgeben! Versprochen!"
"Komm her!", sagte er leise und zog sie ganz fest an sich.
Die Nähe, Vertrautheit und Wärme tat beiden sehr gut. Minutenlang hielten sie sich einfach nur fest. Dann aßen sie beide noch etwas, bevor alles wieder verschwunden war und tranken
soviel Wasser, wie sie nur konnten, denn ihre ausgelaugten Körper hatten es dringend nötig.
Snape griff dann unter die Matratze und holte die Phiole mit dem Skorpiongift hervor.
"Ich hoffe, dass ich dieses Gift auch benutzen darf", sagte er und schaute unsicher auf die kleine Phiole. "Es wäre eine bodenlose Frechheit, wenn sie diese einziehen würden. Jetzt, nachdem sie auch schon das schützende Löwenfell und den Kopf haben!"
"Also ich bin nicht scharf darauf, mir diesen ekligen Kopf überzustülpen, Severus", sagte Hermine und schüttelte sich. "Es war so schon grausam genug, den Löwen zu häuten. Das...viele Blut...alles war rot...erst in der Arena und dann Du...Severus ich habe Angst. Niemand wird da sein, wenn ich wieder diese Alpträume bekommen werde."
Dann klammerte sie sich wieder verzweifelt und zitternd an den Tränkemeister. Für eine Weile war die Angst fort gewesen, doch nun war sie wieder da. Sie ließ sich einfach nicht abschütteln! Snape strich ihr über den Kopf und redete beruhigend auf sie ein. Doch es hatte den Anschein, dass Hermine sich immer mehr hineinsteigern würde. Er konnte sie so gut verstehen. Auch ihm war äußerst unbehaglich zu Mute. Zum einen die neue Aufgabe und dann Hermine, die er zurück lassen musste. Und...sie hatten beide keine Option darauf, sich wieder zu sehen, sondern nur Hoffnung, dass alles gut ausgehen würde.
Sie klammerten sich beide an ein kleines Stückchen Hoffnung! Am liebsten hätte Snape nun laut geschrieen, irgendwo gegen geschlagen, etwas zerstört, aber er wusste, dass Hermine dann erst recht durchdrehen würde. Nein, er musste sie ruhig halten, indem er sich selbst gelassen gab! Es war einfacher gedacht, als praktiziert!
So setzten sie sich dann gesättigt auf die Matratze, lehnten sich eng umschlungen an die Wand, deckten sich zu und warteten. Nicht zum ersten und vielleicht auch nicht zum letzten Mal.
Insofern alles glatt gehen sollte!
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Zur gleichen Zeit in Hogwarts.
Professor Dumbledore war gerade auf dem Weg zu seinem Büro, als er Harry im Schulhaus begegnete.
"Professor, warten sie bitte einen Moment!", rief Harry außer Atem.
"Harry, das ist aber eine Überraschung. Was machst Du denn hier?", fragte der Schulleiter erstaunt. "Ich denke Du hast jetzt Ferien und genießt sie, bevor die Ausbildung beginnt. Doch scheinbar ist die Sehnsucht nach Deiner alten Schule größer. Also, was kann ich für Dich tun, mein Junge?"
"Tja, wie soll ich es sagen, Sir? Ähm..."
"Na komm erst einmal mit hoch, da plaudert es sich gemütlicher!", sagte Dumbledore und schritt voran.
Nachdem beide gemütlich saßen, eine Tasse Tee in den Händen hielten und Harry dankend abgelehnt hatte, sich Zitronenbrausedrops zu nehmen, sagte Harry:
"Also Sir, es ist so, ich...ähm, ich mache mir Sorgen um Hermine. Sie war schon in den letzten Schultagen so komisch... Nein eigentlich war sie wochenlang merkwürdig. Na ja und als wir Hogwarts verlassen haben, hat sie nicht ein Wort mit uns gesprochen, nur geheult und so. Weder Ron noch ich wissen, was mit ihr los ist. Bis heute nicht!"
"Und wie kann ich Dir da jetzt behilflich sein, Harry?", fragte der Direktor ernst und schaute ihn durch seine Halbmondbrille erwartungsvoll an.
"Professor, so genau weiß ich das auch nicht, aber Sie sind so zu sagen meine letzte Hoffnung. Hermine hatte uns auch nicht gesagt, wo sie wohnen würde. Da ich aber nächste Woche meinen Geburtstag feiern möchte, wollte ich Hermine auch dabei haben und so haben Ron und ich ihre Eltern aufgesucht, welche uns dann einen Hinweis gaben, wo sie in etwa wohnen würde, da ihre Mutter sich mit ihr einige Wohnungen angesehen hatte. Selbst bei ihren Eltern hat sich Hermine aber bisher nicht gemeldet. Sie vermuten, dass sie verreist ist, wissen es aber auch nicht genau.
Ron und ich haben dann sämtliche, in Betracht kommende Objekte abgeklappert und überall nachgefragt. Und, wir haben ihre Wohnung auch nach mehreren Stunden ausfindig gemacht."
"Und, habt ihr Hermine angetroffen?", fragte Dumbledore nach.
"Nein, das ist ja das Kuriose. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden.", sagte Harry niedergeschlagen. "Ihre Vermieterin war ziemlich verärgert, weil sie ihre Miete noch nicht bezahlt hatte, dieses aber am zweiten Tag tun wollte. Und sie wurde auch von dieser Mrs. Clark nicht gesehen. Jedenfalls haben Ron und ich dann Angst bekommen, weil wir dachten, dass sie vielleicht krank ist, oder irgendwelche Hilfe braucht. Minutenlanges Klingeln und Klopfen an ihrer Tür hat nichts gebracht, so dass wir wieder zu der Vermieterin gegangen sind und nicht eher Ruhe gegeben haben, bis diese zeternd die Tür zu Hermines Wohnung geöffnet hat."
"Was habt Ihr vorgefunden?", erkundigte sich der Schulleiter, nun auch ein wenig nervös.
"Hermine war nicht da", sagte Harry leise und bedrückt. "Dafür aber all ihre Sachen. Sie hatte den Koffer noch nicht einmal ausgepackt. Ihre Eule lag verhungert und verdurstet im Käfig, in der kleinen Küche auf dem Tisch schimmelten das Brot und der Saft im Krug vor sich hin. Sie schien tagelang nicht da gewesen zu sein. Ihr Bett war zwar berührt, also eine Nacht wird sie wohl darin verbracht haben, aber dann...?"
Verzweifelt blickte Harry zu seinem ehemaligen Direktor und väterlichen Freund.
Dumbledore fuhr sich nachdenklich durch seinen langen Rauschebart. Lange Zeit äußerte er sich nicht und schien ganz in Gedanken versunken zu sein, dann sagte er:
"Hermine ist nicht die Einzige, die unter merkwürdigen Umständen verschwunden ist."
Harry starrte mit offenem Mund sein Gegenüber an und stammelte dann: "Ähm, wer ist denn...wer fehlt denn noch?"
"Professor Snape!"
"Wie? Was? Warum ist Snape weg?" Harry war völlig verdattert. "Ich denke, der verlässt seine Kerker sowieso nie."
"Harry, auch Professor Snape sitzt nicht den ganzen Tag in seinen Räumen", sagte Dumbledore tadelnd. "In den großen Ferien ist er meistens für zwei Wochen in fernen Ländern und sammelt dort verschiedene Pflanzen. Das hatte er auch dieses Jahr wieder vor. Zuvor sollte er allerdings zwei Wochen lang in Frankreich auf einer Messe sein, zu der er aber nicht erschienen ist."
"Ach!", sagte Harry nur verwundert und Dumbledore fuhr fort: "Severus hatte sich nicht verabschiedet, nicht nett von ihm, aber ich kenne ihn ja schließlich. Zwei Tage später vermisste ich ein wichtiges Pergament, welches ich ihm überlassen hatte, es nun aber selbst benötigte. Also bin ich in seine Räume, um es mir von seinem Schreibtisch zu nehmen. Sein Gepäck, seine Flugtickets nach Südamerika, einfach alles lag noch da. Das hat mich sehr stutzig gemacht und ich bin umgehend zu dieser Messe nach Frankreich appariert. Dort war er nie, das Zimmer, welches er gebucht hatte, stand leer. Man versicherte mir, mich zu informieren, wenn er dort doch noch auftauchen sollte. Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, aber weder haben die sich, noch hat er sich gemeldet."
"Aber... aber Sir, Sie wollen doch jetzt nicht einen Zusammenhang zwischen Snape und Hermine herstellen? Was sollten denn die Beiden miteinander zu schaffen haben?"
"Ich weiß es nicht, Harry", sagte der Schulleiter müde "aber merkwürdig ist der Umstand schon, meinst Du nicht auch? Beide müssen um dieselbe Zeit verschwunden sein!"
"Vielleicht hat Snape sie entführt, weil Hermine etwas herausgefunden hat, was ihm ungelegen kommt und er sich erpresst sah..."
Dumbledore schlug mit der Faust auf den Tisch, was für ihn mehr als ungewöhnlich war und blickte Harry ärgerlich an. Dieser zuckte zusammen.
"Mein lieber Harry", sagte Dumbledore drohend "dass Ihr beide Euch noch nie leidern konntet, ist mir bekannt, aber solche Unterstellungen Severus gegenüber verbitte ich mir!"
Kleinlaut erwiderte Harry: "Entschuldigung, Sir! Ich kann nur einfach keine Verbindung zwischen dem Verschwinden der Beiden sehen."
"Ich im Moment leider auch nicht, Harry, aber ich werde Dich auf dem Laufenden halten. Wenn ich etwas erfahre, lasse ich es Dich wissen. Ich werde die Universität, an der Hermine studieren wollte kontaktieren und nachfragen, ob sie ihre Unterlagen alle eingereicht hat und Du bleibst mit ihren Eltern in Kontakt und schaust regelmäßig nach, ob sich in ihrer Wohnung oder in ihrem Briefkasten etwas getan hat! Was aber mit Severus sein sollte, ist mir ein Rätsel. Er mag manchmal ausgesprochen unhöflich sein und seine Ecken und Kanten haben, aber er ist zuverlässig und wäre aus freien Stücken niemals der Messe fern geblieben."
Harry verabschiedete sich kurz darauf bedrückt. Beide waren in höchstem Maße irritiert, dass Hermine UND Snape verschwunden waren. Hatten aber überhaupt keine Idee, ob dies nun ein dummer Zufall war, oder ob es irgendeine Verbindung gab. Grübelnd lehnte sich Dumbledore in seinen Sessel zurück, schloss die Augen und hoffte, dass sich alles so schnell, wie möglich als blinder Alarm herausstellen würde.
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Hermine und Snape hatten noch lange an der Wand gesessen, ohne dass etwas passiert wäre. Hermine war noch immer ziemlich in ihren Ängsten gefangen gewesen. Mal beruhigte sie sich ein wenig und Snape glaubte, dass sie zu alter Stärke, einer Gryffindor würdig, zurück gefunden hatte, doch dann begann sie sich plötzlich wieder an ihn zu klammern, zitterte am ganzen Körper und hörte nicht mehr auf das, was er zu ihr sagte. In diesen Momenten war sie völlig weggetreten.
Im Nachhinein war ihr dies selbst immer sehr unangenehm, dass sie sich von Zeit zu Zeit so gehen ließ, aber sie hatte dann einfach mehr keine Gewalt über ihre Gefühle und wurde von schrecklichen Bildern und Erlebnissen heimgesucht.
Snape versuchte nach dem dritten Panikanfall sie in Gespräche zu verstricken. Irgendwie musste er sie doch ablenken und vielleicht half ihr das Reden ja auch. Er hatte zumindest gehofft, dass sie ruhiger werden würde, wenn sie sich alles von der Seele reden konnte.
Und es schien zu funktionieren. Snape war erleichtert über diesen Umstand.
Sie besprachen alle möglichen Heldentaten, die noch in Betracht kommen konnten und analysierten auch die, die sie schon vollbringen mussten. Hermine wurde zwar wieder mit Allem konfrontiert, aber ihre Nervosität ließ dabei merklich nach.
Dann machte es mit einem Mal plopp, sie zuckten zusammen und dachten schon, dass es wieder losgehen würde, aber zu ihrer großen Überraschung erschien wi