Klassische Amphoren mit den Taten des Herakles (hier: Kampf mit den Stymphalischen Vögeln, der Hydra und Kerberus).
Guter Link, um die einzelnen Geschichten und anderes nachzulesen: Das Mythentor
PM
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Feedback: Sybille
1. Wie alles begann
Die Prüfungen lagen für alle diesjährigen Hogwartsabsolventen nun schon ein paar Tage zurück. Hermine hatte ein sehr gutes Gefühl, was die Ergebnisse betraf, was man von ihren beiden Freunden nun nicht unbedingt behaupten konnte.
Sie hatten zusammen gelernt, wie in den vergangenen Jahren zuvor auch schon, aber bei Harry und Ron lagen die Prioritäten mehr beim Quidditchspielen und Herumblödeln. Hermine hatte sich daran gewöhnt und sich zum Schluss vermehrt um ihre eigenen Belange gekümmert. Wenn die beiden den Ernst der Lage nicht begreifen wollten, dann mussten sie eben weniger Punkte bei den Prüfungsergebnissen in Kauf nehmen!
Sie selbst wollte an einer renommierten Universität studieren und benötigte dafür eben hervorragende Ergebnisse. Also tat sie alles dafür, um ihr Ziel zu erreichen.
In ein paar Tagen würde das siebente Schuljahr zu Ende gehen und obwohl ihr weiterer Lebensweg für sie vorprogrammiert war, schwang doch erheblich viel Wehmut mit.
Hogwarts war sieben Jahre lang ihr Zuhause gewesen, das sie nächste Woche nun verlassen musste. Sie hatte immer gewusst, dass es irgendwann so weit sein würde, aber nun würde sie am liebsten hier bleiben. Und das hatte mehrere Gründe. Um genau zu sein zwei Gründe.
Der eine war, dass sie sich hier wohl fühlte, das Schloss kannte, den Unterricht schätzte, die Mahlzeiten in der großen Halle vermissen würde und selbst ihre beiden nervigen Freunde nicht mehr so oft sehen würde.
Der zweite und für sie mit Sicherheit wichtigste Grund hier zubleiben war ER.
ER, der jahrelang nur spöttische Blicke und abfällige Bemerkungen für sie übrig gehabt hatte.
ER, zudem sie trotz allem immer aufgeschaut hatte.
ER, der ihr seit drei Monaten schlaflose Nächte bescherte, weil er in ihren Träumen herum geisterte.
ER, der aus allen Wolken fallen würde, wenn er von ihren Empfindungen zu ihm wüsste.
ER, der Schülerschreck Hogwarts, der in den Gedächtnissen jedes Schülers haften bleiben würde, weil er auf ungerechte und unsensible Art und Weise Angst und Schrecken unter den Lernenden verbreitet hatte.
ER, der ein Hassobjekt ersten Grades war und selbst von seinen Kollegen am liebsten gemieden wurde.
Ausgerechnet in ihn hatte sie sich verlieben müssen. In Professor Severus Snape. Und das lag an dem Vorschlag, den Dumbledore eines Tages allen Anwesenden in der Großen Halle nach dem Mittagessen unterbreitet hatte.
Dumbledore hatte ein Theaterstück aufführen lassen. Mit Lehrern und Schülern. Es hatte einigen Aufruhr darum gegeben, weil sich einer der Lehrer heftig dagegen verwehrt hatte. Professor Severus Snape.
Niemand wusste, wie der Schulleiter es im Endeffekt geschafft hatte, diesen dazu zu bewegen, letztendlich doch mit zu machen. Es wurde auch ein großer Erfolg, von dem man in ein paar Jahren noch sprechen würde. Dieses Theaterstück war in aller Munde.
Hermine und Snape hatten die Hauptrolle darin gespielt und er hatte keinen Tag ausgelassen, ihr seinen Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen, ausgerechnet mit ihr so eng auf der Bühne zu stehen. Er hatte ihr hämische Blicke zugeworfen und ihr verletzende Worte nur so um die Ohren geschmissen. Aber dennoch konnte sie die Tage, an denen die Proben stattfanden, nur mit Ungeduld erwarten. Irgendetwas fand sie an ihm anziehend. Irgendwie konnte sie sich nicht von seinem Blick lösen. Seine Stimme, und hatte sie auch noch so gemeine Dinge gesagt, gezischt und geraunt, begleitete sie immerfort. Verfolgte sie auf Schritt und Tritt.
Sie hatte es selbst nicht verstanden und sich immer wieder gefragt, warum sie ihm nicht längst schon die Meinung gesagt hatte. Warum sie dies alles still ertrug.
Es war so, als ob ein Zauber auf ihr liegen würde, der alles Gemeine und Verletzende von ihr abhalten könnte. Sicher, es gab Tage, an denen sie glaubte, es nicht mehr ertragen zu können, aber dann waren da wieder diese schwarzen, betörenden Augen, diese unglaublich sexy Stimme, die sie völlig gefangen nahmen.
Sie hatte niemanden von ihren Gefühlen und Empfindungen erzählt und litt stumm vor sich hin. Sie lenkte sich mit der Lernerei ab und schöpfte daraus wieder Kraft für den nächsten Tag. Und so ging es immerfort weiter.
Nicht einen Moment hatte sie daran gedacht, sich ihm zu offenbaren. Er hätte es nicht verstanden und sie erst recht bloß gestellt. Da war sie sich sicher gewesen. Es war schmerzlich genug seinen Spott, mit dem er sie täglich überhäufte zu ertragen, da hätte die Schmach seiner Zurückweisung, bei einem Geständnis ihrer Gefühle für ihn, eine Katastrophe heraufbeschworen, die vielleicht mit einem freiwilligen Scheiden aus dem Leben ihrerseits geendet hätte.
So gab sie sich damit zufrieden, ihn aus der Ferne anzuhimmeln und zu bewundern und alles für die Schule zu tun, um dann ordentlich ihr Studium beginnen zu können.
Doch die Tage waren nun gezählt, da sie ihn sehen würde. Und der Gedanke daran zerriss ihr fast das Herz.
Sie würde das Schloss verlassen und in die weite, kalte Welt hinausziehen müssen, wo sie doch so gerne bleiben wollte. Und er würde weiterhin in Hogwarts sein Unwesen treiben, nicht ahnend, dass es einen Menschen auf der Welt gab, der ihn liebte und begehrte. Nicht wissend, dass sein Glück zum Greifen nahe war. Nicht bemerkend, dass er nicht so allein war, wie er sich wähnte.
Ihre Gedanken wanderten wieder zu dem Theaterstück.
Der Schulleiter hatte ihnen drei Themen zur Wahl gestellt.
Der erste Vorschlag war ein Stück zum Mittelalter gewesen, mit Bauern, Handwerkern, Knechten, dem Adel und hätte viel Spielraum gelassen, die Standesdünkel aufzuzeigen.
Das zweite Angebot bestand in einem Drama des Muggeldichters Shakespeare und zu guter Letzt hatte sich dann, nach Abstimmung durch die Schüler und Lehrer, ein Stück aus der griechischen Mythologie durchgesetzt.
Es ging darin um den Sohn des Zeus und der Alkmene, um Herkules. Die Schüler fanden Gefallen an dem Mythos des Jungen, der schon mit acht Monaten zwei Riesenschlangen erwürgt haben soll, die ihm von der betrogenen Gattin des Zeus, Hera, geschickt worden waren.
Ein daraufhin herbeigerufener Seher, namens Teiresias, prophezeite ihm eine ungewöhnliche Zukunft voraus. Herkules, verkündete er, werde erfolgreich sein im Kampf mit Ungeheuern, Meeresungetümern und Riesen.
Tja, Hermine hatte die Rolle der Zeus Gattin Hera inne gehabt und Snape hatte den Göttervater Zeus spielen müssen. Herkules selbst war von Blaise Zabini gespielt worden, mit so einer Überzeugung, dass sogar die Gryffindors wie wild Applaus gespendet hatten.
Wehmütig seufzte Hermine. Zwischen all den Göttern und Königen, gemeinem Gesinde und Ungeheuern, die auf der Bühne gestanden hatten, war ihr ein Ungeheuer am liebsten gewesen. Severus Snape. Der perfekte Zeus! Ihr Gott, zu dem sie aufblickte. Und noch immer grübelte sie, warum sie, die sonst immer logisch und rational dachte, sich nur auf solche Schwärmerei einlassen konnte. Reichte es aus, von jemandes Stimme zu schwärmen, sich von Augen, in denen man zu ertrinken glaubte betören zu lassen oder sich einfach nur davon berauscht zu fühlen, seinem geschmeidigen Gang nach zu blicken, von seinem unermesslichen Wissen begeistert zu sein oder von seinem Mut sich als Doppelspion durchs Leben zu schlagen?
Sie wusste, dass es absurd war und doch sagte ihr irgendetwas tief in ihr drin, dass sich auch er nach Zuneigung und Liebe sehnte und dass sie womöglich die Auserwählte sein könnte.
Auch wenn momentan überhaupt nichts darauf hindeutete! Leider!
In ihren Träumen sah Hermine sich und IHN wieder auf der Bühne stehen, mit all dem antiken Flair ringsherum, mit all der Bühnendekoration, die sie gemeinsam tagelang herbeigezaubert hatten. Die Bühne hatte einem antiken Tempel geglichen. Die Säulen ragten hoch in die Luft der großen Halle und der Thron auf dem Zeus, ihr Gott, gesessen hatte, stand noch immer in der Halle und erinnerte sie jeden Tag aufs Neue daran.
Hermine hatte lange in der Bibliothek zugebracht und neben der Lernerei für ihre Prüfungen unzählige Bildbände und Fachbücher verschlungen. Sie hatte so manchen Tag stundenlang über einer bestimmten Abbildung des Göttervaters Zeus gesessen und dabei zärtlich über das Bild gestrichen und sich gewünscht, dass es Snape wäre.
Irgendwann war der Wunsch übermächtig geworden, wieder die Atmosphäre des Auftrittes zu verspüren. Sie wollte wieder in dem antiken Tempel sitzen und Snape an ihrer Seite wissen.
Sie hatte es mit dem Raum der Wünsche ausprobiert und für ein paar Stunden auch die Atmosphäre genossen, der er ihr bot, aber das reichte ihr nicht aus. Es fehlte etwas. ER!
Sie hatte sich nach dem die Prüfungen überstanden waren, hin und wieder klammheimlich von der Schule fort appariert, mit dem Wunsch, an einem Ort zu landen, an dem sie ihren Wünschen näher kommen konnte.
Vermisst wurde sie in der Zeit nicht. Hermine Granger würde wohl irgendwo mit einem Buch versteckt, irgendetwas lernen!
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Sie hatte auch einen Ort gefunden und inzwischen suchte sie den Ort immer häufiger auf. Einen alten, verlassenen, halboffenen Tempel. Nicht groß, aber für ihre Zwecke geeignet. Mit einem Boden von Marmor, hohen alten Säulen, die teilweise mit Ranken überwuchert waren und an einer Wand befand sich sogar noch eine alte schmiedeeiserne Tür, mit Darstellungen der Heldentaten Herkules darauf. Sie mochte diesen Ort. Sie fühlte sich dort irgendwie geborgen, wenn auch noch immer der wichtigste Teil fehlte.
Hier hing sie ihren Gedanken nach, fern von Hogwarts, las manchmal ein Buch und trauerte und träumte ansonsten vor sich hin.
Wenn es herauskommen sollte, dass sie heimlich das Schloss verließ und von Hogsmeade fort apparierte an einen Ort, von dem sie noch nicht einmal wusste, wo er lag, würde es Ärger geben. Das wusste sie, aber in ihrem Schmerz fand sie nur hier ihre Ruhe.
Sie erinnerte sich.
Eines Tages, als sie mal wieder aus der Schule geflohen war, hin zu ihrem Ort der Ruhe, war etwas verändert. Sie hatte sich erstaunt umgesehen, aber zunächst nicht ausmachen können. Etwas beunruhigt war sie umhergelaufen, hatte angestrengt gelauscht, aber auch keine ungewöhnlichen Geräusche ausmachen können.
Nach einem erneuten kleinen Rundgang, hatte sie dann hinter einer riesigen Säule einen kleinen Altar entdeckt, auf dem zwischen vielen flackernden Kerzen ein kleines Buch gelegen hatte.
Merkwürdig war ihr das schon vorgekommen. Noch nie zuvor hatte sie hier jemanden gesehen. Oder gehört. Wem mochten diese Dinge gehören? Aber sie wusste auch nicht, wo sie genau war, deshalb war es durchaus möglich, dass in der Umgebung auch Menschen wohnten und diesen Tempel als Ort der Ruhe aufsuchten.
Zunächst ließ sie sich auf dem Platz nieder, wo sie sonst auch immer gesessen hatte und begann wie üblich, in einem Schulbuch zu lesen. Aber heute konnte sie sich nicht richtig konzentrieren. Immer wieder wanderten ihre Gedanken zu dem kleinen Buch auf dem Altar hinüber.
Irgendwann hatte sie es nicht mehr ausgehalten, war aufgestanden und näher an den Altar herangetreten. Ihr Blick hatte auf dem Buch gehaftet und dieses unwiderstehliche Verlangen, es an sich zu nehmen, oder zumindest hineinzusehen hatte sie ergriffen.
Zögernd hatte sie ihre Hand danach ausgesteckt, gespürt, wie sie ihre Hand nicht mehr zurücknehmen konnte, da sie wie magnetisch angezogen worden war. Sie war dann doch etwas nervös geworden und hatte mit Macht ihre Hand zurück halten wollen, musste aber hilflos mit ansehen, wie sich ihre Finger in Zeitlupentempo immer mehr auf das Buch zu bewegten.
Noch fünf Zentimeter, noch vier, noch drei...
In dem Moment, als sie das Buch endgültig berührte, hatte sie ein Energiestrom erfasst, der ihren ganzen Körper durchströmte. Einen Augenblick war sie wie elektrisiert gewesen. Ihre Augen hatten sich geweitet, weil sie nicht wusste, was hier passierte. Doch dann war plötzlich Verlangen und eine gewisse Gier in ihr empor gekrochen, eine Welle von Tollkühnheit hatte sie erfasst und sie hatte grinsend nach dem Buch gegriffen und es an sich genommen.
Sie hatte sich dann auf einer Steintreppe niedergelassen und das Buch aufgeschlagen. Ihr Erstaunen war groß gewesen. Schien es doch genau das zu sein, was sie so sehr gesucht hatte. Ein Buch über die griechische Mythologie. Ein Buch über Zeus. Ein Buch über Herkules und seine Heldentaten. Ein Buch, wie für sie geschaffen!
Sie hatte eine halbe Ewigkeit darin gelesen und irgendwann mit Erschrecken festgestellt, dass sich die Nacht schon herab gesenkt hatte. Eilig hatte sie das Buch zurückgelegt und war nach Hogwarts zurück appariert.
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In den folgenden Tagen kehrte sie, so oft es ihr möglich war, hierher zurück. Jedes Mal lag das Buch an der gleichen Stelle, umgeben von Licht spendenden Kerzen.
Wäre sie nicht so in das Werk vertieft gewesen und hätte sie nicht jedes Mal, wenn sie das Buch geöffnet hatte, das untrügliche Gefühl gehabt, dass sie auf irgendeine Art und Weise damit Professor Severus Snape näher kommen würde, hätte sie sich vielleicht auch gewundert. Gewundert darüber, dass die Kerzen immerfort brannten und dabei nie kürzer geworden waren, gewundert darüber, dass bei ihren letzten beiden Besuchen Harfenmusik im Hintergrund erklungen war, sobald sie das Buch geöffnet hatte und gewundert darüber, dass die Ranken sich immer mehr um den Tempel wanden.
Auch bekam sie nicht mit, wie die Figuren auf der schmiedeeisernen Tür sie die ganze Zeit beobachteten.
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Der letzte Schultag war herangerückt. Der Abschlussball überstanden, ohne dass sie ihrer heimlichen Liebe auch nur einen Zentimeter näher gekommen wäre und nun stand sie todtraurig vor dem Schloss und verabschiedete sich.
Ihr Schwarm glänzte, wie erwartet, durch Abwesendheit.
Ihr Herz wog schwer und war angefüllt mit Traurigkeit. Es war nun endgültig soweit Abschied zu nehmen. Nicht in der Lage, irgendetwas zu sagen, führten Ron und Harry sie besorgt zu den Kutschen, halfen ihr beim Einsteigen und setzten sich ihr dann schweigend gegenüber.
Jeden Versuch der Beiden, mit ihr ein Gespräch zu beginnen, erstickte sie sofort im Keim. Sie konnte jetzt nicht reden! Ihr Herz war gebrochen! Sie war gebrochen!
So schauten die beiden Freunde nur hilflos den Tränen ihrer Freundin hinterher und sahen zu, wie diese sich die Nase an der Scheibe platt drückte, um das Schloss so lange wie möglich im Blickfeld zu behalten.
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2. Snapes Ankunft
Die erste Nacht in ihrem neuen Zuhause hatte Hermine wie in Trance verbracht. Sie war momentan nicht fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Sie hatte kaum geschlafen, keinen Appetit und war nur von dem Wunsch beseelt, irgendeinen Weg zu finden, um Severus Snape näher zu kommen.
In ihrer Verzweiflung hatte sie das getan, was sie seit Wochen schon in solchen Momenten getan hatte. Sie apparierte in ihren Tempel, wie sie ihn mittlerweile nannte.
Dort angekommen, trat sie sofort wieder an den Altar und griff ehrfürchtig nach dem kleinen Buch. Sofort durchströmte sie wieder diese inzwischen schon so vertraute Wärme.
Sie schlug es auf und wurde von der Zuversicht erfasst, dass es irgendeinen einen Weg gab, Severus Snape näher zu kommen. Sie wusste, dass es sich nach wie vor um Wunschdenken handelte, aber sie konnte einfach nicht widerstehen. Sie las die Zeilen, die sie nun schon so oft gelesen hatte und hing ihren Gedanken nach.
Als sie bei dem Kapitel über Zeus und Hera angelangt war, kam all die Trauer in ihr zum Ausbruch und Tränen bahnten sich ihren Weg. Sie rannen ihr die Wangen hinunter und benetzten die Seiten des Buches. Das Gesicht von Snape manifestierte sich vor ihrem geistigen Auge und der Wunsch, ihn zu sehen und zu spüren, gewann Überhand. All ihre Gedanken weilten bei ihm, all ihre Kraft legte sie in den Wunsch ihn wenigstens einmal noch sehen zu dürfen. Ihre Hände zitterten und strichen gerade liebevoll über die vergilbten Seiten, als plötzlich ein Nebel aus dem Buch entwich. Erst ganz zart, so dass sie noch glaubte, dass es an ihrem verschleierten Blick wegen den Tränen lag.
Aber das ganze Buch schien nun zunehmend in Aufruhr zu geraten. Es vibrierte in ihren Händen und der Nebel wurde dichter. Erschrocken ließ sie es fallen und begann sich ängstlich umzusehen. Die Ranken verdichteten sich, die Harfenklänge schwollen zu einem Angst einflössenden, hellen Gespiele an und es wurde merklich kühler um sie herum.
Panik machte sich nun in Hermine breit und sie versuchte, aus dem Tempel zu fliehen. Als sie an der Treppe war, prallte sie an einer unsichtbaren Wand zurück.
Entsetzt starrte sie die vermeintliche Wand an. Was geschah hier? Sie versuchte es noch an anderen Stellen, aber es war jedes Mal das Selbe. Eine unsichtbare Wand stand ihr im Weg und ließ sie einfach nicht hindurch. Eine dunkle Ahnung stieg in ihr auf. Was, wenn sie hier nicht heraus kommen würde? Nie wieder! Sie sah sich schon verhungert und verdurstet in einer der Ecken liegen. Oh, bei Merlin!
In Gedanken und in ihrer Panik, die sie nun nicht mehr unter Kontrolle hatte, flehte sie darum, dass Severus ihr beistehen möge. Sie wünschte sich verzweifelt, dass er erscheinen und ihr helfen könnte. Sie legte all ihre Gefühle für ihn in diese Bitte. Kraftlos sank sie zu Boden, begrub ihr Gesicht in ihren Händen und hatte nur noch einen Gedanken.
Severus! Sie wollte Severus um sich haben!
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Es gab einen großen Knall und dichter Nebel hüllte den Tempel ein. Als der Nebel sich wieder verzog, kniete keuchend und auf allen Vieren plötzlich Professor Severus Snape vor Hermine auf dem Boden.
"Was zum Teufel ist hier...GRANGER!" Wut entbrannt erhob er sich, schoss auf sie zu und blickte zornig auf sie herab.
"Prof...Professor Snape!", stammelte Hermine an der Wand kauernd und konnte ihren Augen nicht trauen. Severus war gekommen!
"Wo bin ich hier zum Henker?", kreischte Snape "Und was machen Sie hier, Granger? Los antworten Sie gefälligst, wenn ich Sie etwas frage!"
Hermine fehlten die Worte. Angst und Freude zugleich schnürten ihr die Kehle zu. Sie schaute zu Snape auf, welchem aber angesichts dieses Blickkontakts der Geduldsfaden riss. Er beugte sich hinunter, packte Hermine grob an der Robe und zog sie unsanft auf die Beine.
"So Granger, noch einmal ganz langsam für Sie" zischte er bedrohlich "wo bin ich hier? Warum bin ich hier? Und vor allem, warum hocken Sie hier verheult auf der Erde?"
Hermine deutete zitternd auf das Buch auf dem Boden.
"Das...das Buch hat das gemacht." Sie war kaum zu verstehen gewesen, es war nur ein Wispern, welches Snape vernommen hatte. Aber es reichte aus, um Hermine zu schütteln.
"Sind Sie denn total durchgeknallt, Granger?", schrie er sie an. "Ein Buch also! Ja? Geht es auch etwas präziser? Sie konnten doch sonst nicht ihren Mund halten. Haben immerfort Ihre Redseeligkeit unter Beweis gestellt und einem damit auch den letzten Nerv geraubt."
Snape tat ihr weh, aber sie wollte trotzdem nicht, dass er sie losließ. Er war gekommen! Sie hatte sich gewünscht, ihm nahe zu sein. Und nun war er da! Sie lächelte.
Snape hingegen reichte es. Er ließ Hermine unsanft wieder zu Boden fallen und fuhr sie dann erneut an: "Sagen Sie mal, Granger sind sie völlig irre? Haben Sie irgendetwas getrunken oder sich mit irgendwelchen Rauschmitteln beholfen?"
Hermine schüttelte den Kopf. Langsam konnte sie wieder denken.
"Nein, habe ich nicht! Wie ich schon sagte, es war das Buch. Ich habe darin gelesen und...."
"Und? Ich höre!"
"Also, ich habe darin gelesen und plötzlich qualmte das Buch und...und die Musik wurde immer lauter und..."
"Musik, Granger? Wo bitte ertönt hier Musik?" Snape war noch immer ziemlich ungehalten.
"Ich schwöre, dass da Musik war. Harfenklänge."
Jetzt lachte Snape auf. "Granger Sie sind durchgeknallt! Kein Zweifel! Harfenklänge! In ihrem Kopf scheint ja eine Menge Musik zu ertönen, die anderen verborgen bleibt! Ehrlich, bevor es um einen sonst so begabten Kopf zu spät ist, sollten Sie sich im St. Mungos gründlich untersuchen lassen!"
"Sie glauben mir also nicht? Wie bitte schön sind Sie denn eigentlich hierher gekommen?"
Snape schaute nun ernst.
"Das ist mir ein Rätsel, Granger. Außer dem Hinweis auf das Buch...und der Musik, die nun bedauerlicher Weise nicht mehr da ist, habe ich ja noch keinen weiteren Hinweis von Ihnen erhalten. Vielleicht können Sie sich noch an etwas anderes erinnern?"
"Ich hatte Angst", sagte sie leise "und habe an Sie gedacht. Und dann waren Sie da."
"Wie bitte?" Snapes Augen wurden zu Schlitzen. "Sie haben sich erdreistet an mich zu denken und mir diesen Schlamassel damit eingebrockt?"
Hermine nickte stumm und starrte auf ihre Füße.
Snape schüttelte den Kopf. "Es reicht, ich höre mir diesen Blödsinn hier nicht länger an. Ich werde jetzt diese Treppe hinuntergehen und wieder in meinen Kerker zurückkehren."
"Sie kommen hier nicht raus", sagte Hermine wieder leise, noch immer auf den Boden starrend.
"Was? Das werden wir ja sehen!", sagte Snape, marschierte los und sobald er auf der Höhe der Treppe war, prallte er genau wie Hermine zuvor zurück und fand sich auf dem Boden wieder.
"Bei Merlin, was ist das?", sagte er erstaunt und sah zu seiner ehemaligen Schülerin. "Miss Granger, was wird hier gespielt? Was machen Sie hier überhaupt? Wie kommen Sie denn hierher?"
"Ich...ich komme schon seit längerem hierher. Ich bin einfach hierher appariert."
"Ah, Miss Granger, Sie apparieren also schon seit längerem hierher? Interessant! So weit ich weiß, waren Sie bis gestern noch Schülerin und hätten gar nicht verschwinden dürfen."
Seine Stimme hatte nun wieder an Schärfe gewonnen und angespannt musterte er sie.
"Ja, ich habe es im Schloss nicht mehr ausgehalten", sagte Hermine nun auch schon eine Spur schärfer.
"Haben Ihre Freunde Sie so sehr verärgert, dass Sie die Flucht antreten mussten?" Ein höhnisches Grinsen überzog nun sein Gesicht.
"Nicht meine Freunde..."
"Sondern?"
Hermine sprang nun auf und blickte ihn an. "Schön, wenn Sie es genau wissen wollen. Sie waren der Grund meines Verschwindens. Nur hier fand ich die Ruhe und die Kraft, die ich benötigte, um den Alltag durchzustehen."
Nun war Snape verblüfft. "Ich? Aber eines geht in meinen Kopf nicht hinein. Wenn ich der Grund des unerlaubten Verschwindens war, wieso denken Sie da ausgerechnet an mich, wenn Sie hier fest sitzen?"
"Weil...weil ich...weil dich den Mann, den ich...ach vergessen Sie es! Überlegen Sie lieber, wie wir hier wieder heraus kommen!"
Snape musterte Hermine argwöhnisch. Irgendwie kam sie ihm immer noch seltsam vor. Das wollte so gar nicht zu der verdammten Gryffindor passen, die er sieben Jahre lang unterrichtet hatte.
Er räusperte sich. "Sie sagten, dass dieses Buch hier Schuld an allem sei?"
"Ja, ich glaube schon", gab Hermine resigniert von sich.
"Glauben und Wissen sind zweierlei Dinge, Miss Granger. Nun dann wollen wir doch mal sehen!" Er hob das Buch auf und zog erstaunt die Augenbrauen nach oben. "Griechische Mythologie? Das erinnert mich an unangenehme Stunden in Ihrer Gegenwart." Er sah sich um, verzog den Mund und sagte spöttisch: "Zumindest passt ja da Ambiente zum Buch."
Als Snape das Buch jedoch aufschlug, ertönte wiederum diese Harfenmusik und er sah erstaunt zu Hermine. Hastig schlug er es wieder zu.
"So Granger, nun noch mal ganz von vorn! Woher haben Sie dieses Buch?"
"Es lag dort hinten auf dem Altar. Die erste Zeit, als ich hier war, stand dort noch kein Altar. Erst seit zwei, drei Wochen. Als ich es nahm, konnte ich es gar nicht sofort zurücklegen, es war wie Zwang. Ich musste es einfach nehmen und lesen. Immer wenn ich ging, legte ich es wieder dorthin. Und jedes Mal, wenn ich wieder kam, war es noch da."
Snape untersuchte dann den Altar, besah ihn sich von allen Seiten und konnte nichts Auffälliges feststellen. Er wollte aber auch noch nicht aufgeben und versuchte nun, die unsichtbare Wand weg zu hexen. Mit dem Ergebnis, dass er dieses Mal nicht nur zurück prallte, sondern zurück geschleudert wurde. Unsanft krachte er gegen die Wand und sank fassungslos daran herab.
Hermine sprang sofort auf und eilte zu ihm. "Professor, haben Sie sich verletzt?"
"Nein! Nehmen Sie bloß ihre Finger von mir!", keifte er "wer weiß, was Sie noch alles herauf beschwören."
"Es tut mir leid, Sir. Ich wollte doch nur in Ihrer Nähe sein und..." Erschrocken hielt sie inne und beobachtete ihn.
"Sie wollten in meiner Nähe sein? Jetzt eben, oder als Sie an mich dachten, während Sie in diesem merkwürdigen Buch lasen?"
Verlegen sagte sie: "Beides, Sir."
"Oh Merlin, steh mir bei!", rief er stöhnend aus und fuhr sich durch die Haare. "Womit habe ich das bloß verdient? Habe ich nicht schon genug Buße beim dunklen Lord getan? Da dachte ich allen Ernstes, dass ich Potter und & Co ein für alle mal losgeworden sei und bin dann nur einen Tag später mit einem Mitglied des goldenen Trios eingesperrt, dass auch noch in meiner Nähe sein möchte. Miss Granger, in meiner Nähe möchte man nicht sein! Meine Nähe sucht man nicht. Die Menschheit ist froh, wenn Sie mir nicht über den Weg laufen muss."
"Ich bin nicht die Menschheit", stellte Hermine bestimmt klar. "Es ist mir egal, was die anderen denken. ICH möchte nun mal in Ihrer Nähe sein!"
"Wenn wir hier nicht bald herauskommen", zischte er "werden Sie sogar bis an Ihr Lebensende in meiner Nähe sein."
"Wenn das mein Schicksal sein soll, dann nehme ich es gerne an", sagte Hermine. "Ich hatte schon befürchtet, dass ich Sie niemals wieder sehen werde."
"Granger", fuhr Snape nun auf "es reicht wirklich! Sie scheinen keinen Sinn für Ironie zu besitzen. Das war ein Scherz! Natürlich möchte ich hier wieder heraus. Ich bin über das Buch und Ihre Gedanken hier hereingekommen, also werde ich über das Buch auch einen Weg nach draußen finden!"
Entschlossen packte Snape das Buch und schlug es erneut auf. Wie zuvor ertönte der Harfenklang. Je länger aber Snape das Buch drehte und wendete, desto kühler wurde es ringsumher, die Ranken schlängelten am Boden entlang und erreichten schon fast Hermines Füße und der Klang der Harfe hatte bald wieder diese unglaublich hohe Tonlage erreicht, dass es schon in den Ohren schmerzte. Als es gar nicht mehr auszuhalten war, schleuderte Snape das Buch, mit einem wütenden Aufschrei, entnervt in eine Ecke.
Augenblicklich war es stockdunkel und totenstill. Gespenstisch still. Hermine wisperte im Dunklen: "Professor, sind Sie noch da?"
Snape schnaubte. "Sicherlich, wo sollte ich auch sonst sein? In meine Räume gelange ich ja zur Zeit nicht."
"Ich habe Angst, Sir."
"Wohl ist mir auch nicht gerade, Granger... meine Güte, kommen Sie schon her!"
Hermine tastete im Dunklen nach ihm und war froh, als sie seine Hand zu fassen bekam. Seine warme, weiche Hand! Sie umschloss sie sanft und seufzte.
Snape hingegen polterte gleich wieder los:
"Reißen Sie sich gefälligst zusammen, Granger! Hier wird nicht geseufzt! Das ist hier schließlich kein Rendezvous!"
Hermine aber lächelte still. Sie war nun nicht mehr allein!
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3. Gefangen
Nachdem es dunkel geblieben war, hatten sie sich an einer Wand niedergelassen und warteten darauf, dass hier irgendetwas geschehen würde. Es war so dunkel, dass man die Hand nicht vor Augen sehen konnte.
Zu hören waren lediglich ihre Atemgeräusche. Sonst absolute Stille. Snape hatte mit seinem Zauberstab in der Hand LUMOS! gemurmelt und konnte nun wenigstens etwas sehen. Doch was er sah, behagte ihm überhaupt nicht.
Die Schlingpflanzen krochen lautlos über den Boden, umrankten die Säulen und hatten inzwischen eine undurchdringbare Mauer gebildet, wo zuvor noch die Treppe zu sehen gewesen war.
Hermine hielt noch immer ängstlich Snapes Hand fest umklammert und war nicht gewillt, sie jemals wieder loszulassen.
Snape hatte keinen Kommentar mehr von sich gegeben. Jeder hing seinen Gedanken nach.
Sie wussten wirklich nicht, wie viel Zeit vergangen war, als ganz plötzlich und völlig unvorhersehbar mit einem ohrenbetäubenden Krachen, die schmiedeeiserne Tür aufflog.
Sowohl Hermine, als auch Snape schrieen erschrocken auf vor Schreck und hangelten sich an der Wand, an den Händen haltend, empor. Sie hielten die Hand vor Augen, weil sie durch das plötzliche, grelle Licht geblendet waren. Mit bebendem Atem und vor Entsetzen verzehrten Gesichtern sahen sie sich dann einer riesigen, Furcht einflössenden Kreatur gegenüber, welche einen grünlichen Nebel mit einer Handbewegung im Raum verteilte.
Die Kreatur sagte nichts und auch sonst war kein Laut zu hören, so dass Snape wagte zu fragen: "Wo sind wir hier? Und warum können wir nicht hinaus? Was wollt Ihr von uns?"
Es herrschte noch immer Stille, Hermine zitterte und auch Snape wurde allmählich nervös. Er ließ dann Hermines Hand los und trat einen Schritt vor. Sofort prallte er zurück gegen die Wand und blieb dort erst einmal sitzen.
"Ihr habt Euch zu sehr in die alten Mythen verstrickt, Fremde", donnerte eine Stimme los.
Snape fasste sich wieder und sprang entrüstet auf.
"Was? Ich bestimmt nicht, sondern Miss Neunmalklug hier an meiner Seite." Ein böser Blick von Snape traf Hermine.
"Was machst du dann hier?", fragte die Kreatur wieder und zeigte auf Snape.
"Das frage ich mich auch", zischte er aufgebracht "vor kurzem saß ich noch in meinem Büro, nun bin ich hier. Gewiss nicht freiwillig!"
"Du bist nun hier, Fremder und wirst die Konsequenzen zu tragen haben!"
Snape starrte Hermine grimmig an und zischte: "Schönen Dank auch Granger, hätten Sie nicht an Potter oder Lupin denken können?"
"Ihr habt den Tempel für euch entdeckt, in unserem heiligen Buch gelesen und werdet dafür bezahlen. Aber keine Sorge, ihr bekommt eine Chance. Die allerdings davon abhängt, wie gut ihr Euch in der griechischen Mythologie auskennt, wie mutig und tapfer ihr euch bewährt und wie sehr ihr euch vertraut und unterstützt."
Die Kreatur lachte ein grausames Lachen, das selbst bei Snape Gänsehaut erzeugte.
"Was genau erwartet Ihr von uns?", rief Snape erneut hinüber und hob seinen Zauberstab empor. In dem grünlichen über dem Boden wabernden Nebel, hatten aber beide nicht bemerkt, dass sich die Ranken auf sie zu bewegt hatten. Auf einmal schoss eine der Schlingpflanzen hervor, peitschte über Snapes Hand und entriss ihm den Stab. Er schrie vor Schmerz auf und presste die andere Hand fluchend über den blutigen Striemen, der den ganzen Handrücken überzog. Hermine hatte sich augenblicklich noch enger an die Wand gepresst und wagte kaum zu atmen.
"Was wisst ihr über Herkules?", donnerte da die grausame Stimme wieder los.
Snape stieß Hermine an. "Na, Granger gar nicht versessen darauf, zu antworten? Ihr Arm war doch sonst bei jeder Frage als erstes oben."
Hermine zitterte noch immer, sagte dann aber leise: "Er war der Sohn von Zeus und Alkmene. Er war ein Held und...und er wurde in den Olymp aufgenommen und ihm wurden göttliche Ehren zu teil."
"Ha, ha", lachte die Kreatur. "Sehr schön, aber ihr solltet entschieden mehr darüber wissen, um zu überleben! Seit einhundert Jahren warten wir nun schon darauf, dass sich endlich wieder einmal jemand hierher verirrt, mit dem wir unseren Spaß haben können. Seit Wochen kommst du nun schon hierher, aber es hat lange gedauert, bis du dich so intensiv in deine Liebe hineingesteigert hast, Kleine. Wir geben hier nämlich nur Pärchen einen Einblick in unsere Welt. Als Deine Tränen die Seiten des Buches benetzten und Du den Mann, den Du so sehr liebst, klar vor Augen hattest und ihn damit hierher brachtest, war unsere Zeit endlich gekommen. Ich bedanke mich schon mal im Voraus für das Vergnügen, dass auf uns zukommen wird. Also, was weißt Du noch so über den großen Helden?"
Snape starrte Hermine mit großen Augen an. Sie hatte ihm diese Suppe hier eingebrockt, weil sie in ihn verliebt war? Als sie vorhin meinte, dass sie in seiner Nähe sein wollte, hatte er es einfach so abgetan, als Schwärmerei und pubertäres Getue. Aber wenn sie es geschafft hatte, ihn hierher zu bringen, mussten schon intensivere Gefühle eine Rolle spielen! Sie liebte ihn! Er war entsetzt.
"Er hatte ein unbeherrschtes Temperament", fuhr Hermine fort "und er war furchtbar stark. Hera wollte ihm schaden und hexte ihm den Wahnsinn an, so dass er dann seine Frau Megara und seine drei Kinder erschlug. Als er wieder zu Sinnen kam, bereute er seine Tat und befragte das Orakel von Delphi", sagte Hermine und die Kreatur nickte, befahl aber sogleich weiter zu sprechen.
"Also Delphi war eine berühmte Pilger -und Weissagungsstätte des antiken Griechenlands in Phokis, war sie, glaube ich."
Die Kreatur lachte wieder und nickte. "Weiter, Kleine!"
"Tja, er ging dann zu Pythia, der Priesterin im Tempel von Delphi und trug ihr sein Problem vor. Sie sagte dann:" Entsühnung für deine schreckliche Mordtat erlangst du nur, wenn du dich zwölf Jahre in den Dienst des Eurystheus stellst und die von ihm geforderten Taten erfüllst."
"Genau, dies wird eure Aufgabe sein, Fremde!", lachte das Monster vor ihnen.
"Was?", fragte Hermine erstaunt "wir sollen die Taten erfüllen?"
"Völlig richtig! Von den zwölf Taten, die unser Held Herkules vollbringen musste, werdet Ihr sieben zu absolvieren haben!"
"Moment mal", mischte sich Snape ein "Herkules benötigte dazu zwölf Jahre. Sie werden uns für unsere Aufgaben doch wohl nicht sieben Jahre lang hier behalten wollen?"
"Ich bezweifle, dass ihr überhaupt lange hier sein werdet, denn ihr werdet schneller den Tod finden, als euch lieb ist! Und das auf keine nette Art, soviel sei euch versichert!
Vielleicht schafft ihr auch ein paar Runden, wer weiß?
Damit es nicht langweilig wird, erlauben wir uns, auf unsere besondere Art mit euch zu verfahren und euch nebenbei, als Beigabe so zusagen, zu testen. Doch dazu später.
Jeder von euch muss drei Aufgaben lösen, die letzte... falls ihr euch dann noch habt, löst ihr gemeinsam. Definitiv werdet ihr hier nicht eher herauskommen, bis die sieben Aufgaben erfüllt sind. Welche der zwölf Taten in Frage kommen, entscheidet ihr, indem ihr ein Los zieht. Alles Weitere erfahrt ihr dann. Die Spiele mögen beginnen!"
Vergnügt rieb die Kreatur sich die Hände, gab noch einmal sein schauriges Lachen in einem solchen Ausmaß zum Besten, dass Hermine und Snape die Haare flatterten und verschwand dann mit einem ebenso gewaltigen Knall, wie sie gekommen war.
Snape schrie noch hinterher: "Wer seid Ihr überhaupt?" Aber zu spät. Sie waren wieder allein.
Wiederum waren die Beiden in völlige Dunkelheit eingehüllt und ließen sich am Boden nieder.
"Granger, Sie sind verrückt!", sagte Snape leise. "Sich in mich zu verlieben ist schon albern genug, aber dann auch noch diese Geister, Monster oder was auch immer die hier sein mögen zu erwecken, grenzt an Wahnsinn."
"Ich habe das doch nicht absichtlich gemacht", schluchzte Hermine "ich konnte nur nicht mehr schlafen, weil ich ständig an unseren Auftritt denken musste. Sie gingen mir einfach nicht mehr aus dem Kopf, Professor Snape. Sie haben mich aber nicht beachtet, sondern waren erst recht fies und gemein zu mir. Irgendwann konnte ich eben nicht mehr, war im Raum der Wünsche und dann habe ich diesen Ort hier für mich entdeckt. Es tut mir so leid, dass ich Sie da mit rein gezogen habe. Vermissen wird man mich sowieso nicht, denn ich habe mich von Allen losgesagt. Und was ist mit Ihnen, wird Dumbledore nach Ihnen suchen?"
"Nein, bedauerlicherweise nicht! Denn eigentlich sollte ich heute Abend zu einer zweiwöchigen Messe für Zaubertränke nach Frankreich reisen und anschließend wollte ich seltene Pflanzen in Südamerika sammeln, aber damit wird es ja wohl dank Ihrer Zuneigung zu mir nichts werden", knurrte Snape.
Eine Weile schwiegen sie sich an, dann flüsterte Hermine LUMOS!, hob Snapes Zauberstab auf und reichte ihm diesen.
"Hier, er ist noch da. Zumindest haben wir die Zauberstäbe noch."
Snape nahm ihn an sich, drehte ihn nachdenklich in seinen Händen und sagte dann: "Ich nehme an, Sie wissen, Granger, was Herkules für Heldentaten vollbringen musste?"
"Ja, und möchte mir lieber nicht vorstellen, wie ich gegen Löwen, Stiere, Eber oder die Hydra antreten soll."
"Das scheint aber nun unser Los zu sein!", zischte Snape wütend. "Das haben Sie wirklich ganz prima hinbekommen, Miss Granger! Sind Sie jetzt wenigstens zufrieden, mich an ihrer Seite zu haben? Gratuliere! Sie haben Ihren Wunsch ja erfüllt bekommen."
"Ja, verspotten Sie mich ruhig! Das konnten Sie ja schon immer gut. Da geht es mir doch gleich besser!" Hermine stützte den Kopf in ihre Hände und fühlte sich hundeelend.
Snape wurde nun erst richtig grantig.
"Für Ihre Aktion hier, Granger, verdienen Sie noch viel mehr, als allen Spott der Welt. Ich glaube es einfach nicht, da verliebt sich so eine dämliche Rotzgöre in mich und bringt es fertig, sich mit mir in einem Tempel einsperren zu lassen."
Hermine stand wortlos auf und marschierte mit ihrem leuchtenden Zauberstab in eine andere Ecke des Raumes, um sich dort niederzulassen.
"Ach, was ist los?", brüllte Snape ihr hinterher "Ist Ihnen meine Nähe nun doch nicht mehr recht? Erst können Sie es gar nicht erwarten, mich wieder zu sehen, nun hauen Sie einfach ab!" Snape lachte dann grausam vor sich hin und machte damit in Hermines Augen dem Monster glatt Konkurrenz.
Snape versuchte noch ein paar mal mit diversen Verbalattacken Hermine aus der Reserve zu locken, aber sie war an einem Punkt angekommen, da sie nicht noch mehr ertragen konnte. Also schwieg sie und hielt sich, am Boden sitzend, die Ohren zu. Es tat ohnehin schon weh genug, dass er sie noch immer verhöhnte. Vorhin, als sie für eine Weile seine Hand gehalten hatte, da war noch Hoffnung in ihr gewesen, dass er angesichts ihrer jetzigen Situation, ein Einsehen haben würde. Aber da hatte sie sich wohl getäuscht!
So saß sie in der einen Ecke im Dunklen und er in der anderen.
Sie schluchzte vor sich hin, zitterte, weil ihr kalt war und sie Angst hatte und war zudem zu Tode darüber betrübt, dass er sich noch immer so abweisend ihr gegenüber verhielt.
Snape hingegen versuchte einen klaren Gedanken zu fassen und grübelte herum, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gab, dem Ganzen hier zu entkommen.
Was waren das für Wesen? Wo genau waren sie hier?
Ihm wollte nichts einfallen. Und Granger war ihm offenbar auch keine Hilfe dabei! Statt wenigstens still zu sein, nervte sie ihn mit ihrer Heulerei gewaltig und er schwor sich, ihr heute noch den Schnabel zu stopfen mit einem Stillezauber oder ein paar heftigen Worten, so dass ihr das Blut in den Adern gefror.
Nach einer Weile hielt er es nicht mehr aus und brüllte erneut zu ihr hinüber: "Jetzt habe ich aber genug, wie soll ich mich denn bei dieser ewigen Schluchzerei von Ihnen konzentrieren? Verdammt, halten Sie jetzt Ihre Klappe oder ich vergesse mich augenblicklich!"
Hermine wollte etwas erwidern, aber in diesem Moment flog unter lautem Getöse die Tür wieder auf. Hermine stieß einen spitzen Schrei aus und rannte so schnell sie konnte zu Snape hinüber, um sich ängstlich an ihn zu klammern.
Snape wusste nicht, worüber er sich mehr erschrocken hatte und entsetzt sein sollte. Über das plötzliche Krachen der Tür oder den Ansturm dieser Gryffindorgöre. Energisch schob er sie von sich und blickte dann auf die geöffnete Tür.
Weder Nebel, noch Monster waren zu sehen. Stattdessen schwebte eine 2m x 2m große Matratze in den Raum und sank in der einen Ecke zu Boden. Auf ihr lagen eine große, weiche Decke und zwei Kissen. Der Raum erhellte sich etwas, da an den Wänden plötzlich zwei Kerzenhalter auftauchten, worauf jeweils drei große Kerzen flackerten. Zu guter Letzt schwebten noch ein Krug Wasser, zwei Trinkpokale und ein Korb mit Brot und Obst hinein, bevor die Tür wieder zuschlug.
Überrascht und neugierig näherten sie sich den Gaben. Wagten aber nicht, sofort zuzulangen. Hermine setzte sich auf die Matratze, zog die Beine an ihren Körper heran und beobachtete Snape, der sich nun angestrengt umsah.
Er musterte die Tür intensiv und besah sich die Heldentaten des Herkules, die darauf abgebildet waren. Plötzlich wich er erschrocken zurück, denn die Figuren hatten sich bewegt und ihre Gesichter zu grauenhaften Fratzen verzogen.
"Auf welcher Seite möchten Sie schlafen, Sir?", fragte Hermine leise.
Snape stöhnte. "Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass ich mir mit Ihnen ein Lager teile?", sagte er und starrte noch immer auf diese Tür.
Hermine hatte die Nase voll von seiner Unhöflichkeit und erwiderte nichts, sondern legte sich hin und zog sich die Decke über ihren Kopf. Schlafen konnte sie, obwohl sie müde war, aber auch nicht. Sie dachte mit Schrecken daran, was alles auf sie zu kommen würde.
Die Heldentaten von Herkules nachspielen! Nein, ein Spiel war es nicht! Es sah nach bitterem Ernst aus! Wie sollten sie das denn überhaupt bewerkstelligen? Wer von ihnen musste wohl beginnen? Wie lange würden diese Aufgaben dauern? Was wäre, wenn einer von ihnen wirklich nicht zurückkommen sollte? Und was meinte diese Kreatur mit dem Testen, auf besondere Art und Weise?
Sie krabbelte von der Matratze herunter und füllte den Pokal mit Wasser. Nachdenklich trank sie und beobachtete dabei Snape. Mit ernstem Gesicht setzte er sich ihr gegenüber und trank ebenfalls Wasser.
Es herrschte Schweigen. Hermine aß etwas Obst und legte sich dann wieder hin. Snape rutschte an der Wand hinunter und starrte unverwandt auf diese Tür.
Snape war ratlos. Er hatte schon viel mitgemacht, aber was hier ablief, war ihm noch immer ein Rätsel. Er konnte sich keinen Reim darauf machen. Weder hatte er eine Ahnung was das für eine Kreatur war, noch wo sie überhaupt waren. Ob sie sich überhaupt noch in ihrer Zeit befanden?
Er sah zu Hermine hinüber, welche sich die Decke wieder über den Kopf gezogen hatte.
Granger liebte ihn!
Seit dem Theaterstück!
Hatte er sich nicht genug Mühe gegeben, sie wissen zu lassen, dass sie eine Nervensäge war? Wie kam sie überhaupt dazu sich in ihn zu verlieben?
Er musste schlucken. Hatte sich überhaupt schon einmal jemand in ihn verliebt? So weit er wusste, war dies noch nie der Fall gewesen. Und jetzt bekam er sein erstes Liebesgeständnis seines Lebens zu hören und war eingesperrt. Mit einer ehemaligen Schülerin! Die diejenige war, die ihn liebte! Gemeinsam waren sie dazu verdammt, Heldentaten des Herkules nachzustellen. Wie grotesk!
Allem Anschein nach, würden sie beide hier nie wieder lebend heraus kommen. Und wie auf besondere Weise mit ihnen verfahren werden sollte, wollte er lieber nicht wissen.
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4. Der Tanz beginnt
Hermine war irgendwann doch eingeschlafen. Die Decke fest um ihren Körper geschlungen. Snape hatte sie noch eine Weile Kopf schüttelnd beobachtet und sich dann ans äußerste Ende der Matratze gesetzt. Auf dem marmornen Fußboden war es ihm nämlich inzwischen zu kalt geworden.
Auch er bediente sich nun aus dem Korb und probierte von dem Brot und dem Obst.
Prima, um ihr leibliches Wohl schien man hier ja besorgt zu sein! Er lachte grimmig in sich hinein. Wie sollte man auch Heldentaten vollbringen, wenn man ihnen entkräftet begegnete!
Ach, was wäre es doch jetzt schön, am Kamin im Kerker zu sitzen, ein Glas Burgunder zu genießen und sich Albus dämliches Gequatsche anzuhören, dachte er noch, da war der Korb mit den Nahrungsmitteln auf einem Mal verschwunden und die Kerzen an der Wand flackerten bedrohlich in dem Wind, der urplötzlich durch den kleinen Tempel zog. Alarmiert richtete Snape sich auf und weckte dann Hermine.
"Miss Granger, wachen Sie sofort auf! Irgendetwas geht hier schon wieder vor sich."
Hermine setzte sich augenblicklich auf und blickte Snape fragend an.
"Ich weiß nicht was es ist, aber irgendetwas kommt mir hier merkwürdig vor", sagte Snape und blickte zu den Kerzen empor, die bei dem Wind, der nun stärker geworden war, fast zu erlöschen drohten.
Kurz darauf flog die Tür wieder auf und die Kreatur trat mit einem diabolischen Grinsen ein.
"Ah, wie ich sehe, habt Ihr Euch hier schon gut eingelebt. Ja, genießt die Zeit, die Euch noch verbleibt!"
"Wer sind Sie überhaupt?", fragte Snape wütend.
"Das hat Dich nun wirklich nicht zu interessieren, Fremder", donnerte das Monster los und blitzte ihn drohend an.
Dann wanderten die Augen der Kreatur zu Hermine.
"Kleine, komm zu mir!", ertönte es zuckersüß. "Du wirst Deine erste Aufgabe nun bestimmen."
Hermine schlotterte am ganzen Körper und war unfähig sich zu bewegen. Sie hockte auf ihrem Lager und presste sich vor Angst immer mehr in die Ecke hinein.
Die Kreatur zog die Augen zu Schlitzen zusammen und hob einen Arm. Daraufhin schossen die Ranken auf Hermine zu, umschlangen ihr Bein und zerrten sie mit atemberaubender Geschwindigkeit in die Mitte des Tempels.
Hermine kreischte los, aber es half alles nichts. Snape wollte eingreifen, fand sich aber augenblicklich an der Wand wieder. Entsetzt sah er zu, wie Hermine kreidebleich und zitternd eine der Zwölf Pergamentrollen auswählte, die fröhlich in der Luft herum tänzelten.
Als sie ihre Wahl getroffen hatte, schwebte die Rolle ihr in die Hand und die Kreatur brüllte vor Lachen.
"In Kürze geht es auf zur ersten Runde. Schon aufgeregt, Kleine?", hauchte das Monster in ihren Nacken, so dass Hermine augenblicklich speiübel wurde.
Und ehe sie sich versah, war die Tür auch schon wieder zugeschlagen, das Monster fort und es totenstill im Tempel.
Snape eilte auf Hermine zu, die inzwischen zu Boden gesunken war und sich ihre Arme besah. Die Haut war an den Unterarmen abgeschürft und vereinzelt sickerte Blut daraus hervor.
"Das haben wir gleich", sagte Snape mitfühlend, hob den Zauberstab und murmelte einen Spruch. Die Arme sahen anschließend wieder unversehrt aus.
"Danke!", schniefte Hermine und sah Snape in die Augen. "Die Frage, wer beginnen darf, scheint ja nun geklärt zu sein."
"Sehen Sie nach welche Aufgabe Sie erwischt haben!", sagte Snape und starrte ungeduldig auf die Rolle.
Mit zitternden Fingern entrollte Hermine das Pergament, las und lachte los. Verständnislos sah Snape sie an. "Was gibt es denn in dieser Situation zu lachen?", raunte er.
"Ach nichts!", sagte Hermine und kämpfte mit den Tränen "ich muss nur mal eben in die Unterwelt herab steigen und den Höllenhund Kerberos heraufholen. Wird bestimmt lustig!"
Snape dachte einen Moment nach und sagte dann: "Miss Granger, erinnern Sie sich bitte daran, dass sie etwas Ähnlichem, wie solch einem Höllenhund schon einmal gegenüber gestanden haben!"
"Ach, wirklich? Wann sollte das denn gewesen sein?", fuhr Hermine ihn an.
Snape grinste. "In ihrem ersten Schuljahr!"
"Fluffy!", entfuhr es Hermine. "Kerberos, der Bewacher des Einganges der Unterwelt kann auch mit Musik besänftigt werden. Genau wie Fluffy! Allerdings mit Gesang. Fluffy ist damals bei Harfenmusik eingeschlafen."
"Mich hat diese dreiköpfige Töle damals am Bein erwischt", brummte Snape. "Natürlich ist Kerberos ein anderes Kaliber. Sie müssen sich auf jedem Fall vor seinem Gesabber in Acht nehmen, denn dies ist hochgradig giftig. Der Legende nach entstand aus dem Speichel dieses Hundes der giftige Eisenhut, als er die Erde benetzte. Außerdem ist dieser Höllenhund mit Honigkuchen zu besänftigen. Sie müssen irgendetwas in Honigkuchen verwandeln!"
"Vorausgesetzt ich darf meinen Zauberstab mitnehmen! Und wie komme ich nun in die Unterwelt? Herkules hatte ein Jahr Zeit, danach zu suchen."
"Sie schaffen das, Miss Granger!", sagte Snape leise und sah sie an.
"Seit wann trauen Sie mir denn etwas zu, Professor Snape?", fragte Hermine überrascht.
"Ich kann ja schlecht zu Ihnen sagen, dass Sie doch lieber hier bleiben sollten, weil Sie das ja sowieso nicht auf die Reihe bekommen, oder?", sagte Snape und lächelte. Allerdings war es dieses Mal kein spöttisches oder abfälliges Lächeln.
Hermine wurde sehr ernst und räusperte sich.
"Ähm, Sir? Da ich nicht weiß, ob ich wieder kommen werde", sagte sie mit brüchiger Stimme "möchte ich Sie bitten, ob Sie...ähm, ob Sie mich vielleicht einmal in den Arm nehmen könnten? Ein Mal, bitte! Bitte nur ein einziges Mal!" Flehend und mit Tränen in den Augen sah sie ihn an.
Snape starrte sie an und war total verunsichert von ihren Worten. Er senkte seinen Blick dann auf den Boden und wusste nicht wie er sich verhalten sollte.
Sie war in ihn verliebt! Sie war verzweifelt! Sie hatte Angst! Und vielleicht stieß ihr unterwegs wirklich etwas zu. Außerdem wusste keiner, wie lange sie für die Aufgabe benötigen würde.
Sie war immerhin die einzige Frau, die ihm Gefühle entgegenbrachte. Er wusste nicht warum, aber sie tat es. Dennoch haderte er mit sich. Haderte so lange, bis er sah, dass sie sich mit hängenden Schultern abwandte und zum Schlafplatz hinüber schlich.
Etwas tief in ihm drin sagte, dass es falsch sei, sie nicht zu trösten. Er war hin und her gerissen, konnte sich aber nicht dazu durchringen.
Er ließ sich an der Wand herab gleiten, hörte, wie sie weinte und kam sich wie der jämmerlichste Versager der ganzen Welt vor. Aber er konnte es einfach nicht! So einem banalen Wunsch nach einer tröstenden Umarmung nachzukommen, wo sie doch in Kürze einen schwierigen und gefährlichen Weg vor sich hatte!
Er kaute sich nervös auf seinen Fingernägeln herum und konnte sich selbst nicht leiden.
So verging die Zeit, in der er nichts anderes vernahm, als ihr leises Schluchzen, bis es dann so weit war.
Es ging alles sehr schnell. Die Kerzen an der Wand erloschen und die Tür flog mit lautem Krachen gegen die Wand.
Das gleißende Licht, von der anderen Seite der Tür her, erfüllte das Dunkel des Tempelinneren und die Ranken bahnten sich ihren Weg zu Hermine hin. Diese sprang entsetzt auf und presste sich bebend vor Angst an die Wand. Die Pflanzen kannten kein Erbarmen. Sie umschlossen die Füße von Hermine und zogen ihr diese mit einem Ruck unter dem Körper weg. Sie prallte hart mit ihrem Kopf gegen die steinerne Wand und stöhnte auf vor Schmerz.
Snape sah diesem Schauspiel schockiert zu, unfähig sich zu rühren. Er sah zu, wie Hermine wiederum durch die Halle geschliffen wurde und die Schlingpflanzen kurz vor der Tür von ihr abließen. Jetzt erst erwachte er aus seiner Starre, erhob sich und eilte auf sie zu. Doch eine der Ranken peitschte ihm heftig über das Gesicht, so dass er entsetzt zurück wich und die Hände schützend vor seinen Kopf hielt.
Hermine erhob sich, drehte sich noch einmal um und ging zwei Schritte auf ihn zu. Sie flüsterte gerade: "Ich liebe dich!", als eine der Ranken durch die Luft schnellte und wie ein Peitschenhieb auf ihrem Rücken niedersauste. Hermine schrie vor Schmerz laut auf und ging in die Knie. Sofort wurde sie wieder an den Füßen gepackt und nun endgültig hinaus gezogen. Sie schrie verzweifelt: "Hilf mir!" und Snape hastete zur Tür. Kurz bevor er sie erreicht hatte hieb die Ranke wieder nach ihm und entwand ihm den Zauberstab.
Die Tür fiel krachend ins Schloss. Hermine war fort!
Er tastete panisch im Dunklen nach dem Knauf der Tür und als er ihn gefunden hatte, verbrannte er sich die Finger daran. Er benutzte dann seinen Umhang um den Knauf zu packen, mit dem Willen, die Tür aufzureißen, um Hermine zu helfen. Mit dem Ergebnis, dass nun ein großes Loch in dem Umhang hinein gebrannt war und er feststellen musste, dass die Tür sich einfach nicht öffnen ließ.
Er fluchte vor sich hin. Das durfte doch alles nicht wahr sein!
Er schlug gegen die Tür und schrie verzweifelt: "Miss Granger, es tut mir leid!"
Ja, es tat ihm leid! Leid, dass sie beginnen musste. Und es tat ihm ganz besonders leid, dass er nicht in der Lage gewesen war, ihr den Trost den sie nun dringend benötigt hätte auf ihrer gefährlichen Mission, gegeben zu haben. Sie wollte doch nur einmal in den Arm genommen werden! Nichts weiter!
Er sank an der Tür herab, fuhr aber kurz darauf zurück, weil ihm ziemlich warm am Rücken wurde. Entsetzt sah er, wie die Tafel mit dem Höllenhund darauf aufleuchtete und ihn die gelben Augen der Bestie fixierten.
Snape krabbelte auf allen Vieren hinüber zu der gegenüberliegenden Wand und lehnte sich dagegen. Er atmete schwer. Sein Herz raste. Er stützte den Kopf in seine Hände und bemerkte jetzt erst, dass er im Gesicht blutete. Vorsichtig tastete er es ab. Ein blutiger Striemen zog sich scheinbar über Stirn, Nase und Wange. Aber es war ihm egal. Er wischte sein Gesicht nur grob mit dem Umhang ab und dachte dann an Hermine.
Ihr "Ich liebe dich!" und ihre Schreie hallten in seinen Ohren wider. Ihren Hilferuf glaubte er noch immer zu vernehmen. Sie waren so brutal mit ihr umgegangen! Er konnte es nicht glauben. Waren dies die Tests und die besonderen Zuwendungen, die man ihnen versprochen hatte?
Hermine hatte eine Platzwunde am Hinterkopf von dem Sturz gegen die Wand davon getragen. Er hatte es in ihrem Haar verdächtig schimmern sehen. Und der Peitschenhieb auf ihrem Rücken dürfte eine ähnliche Wunde herbeigeführt haben, wie in seinem Gesicht!
Oh bei Merlin, sie ging schon angeschlagen in die erste Runde! Das hatte sie nicht verdient, mochte sie auch noch so neunmalklug sein und ihm diese Katastrophe hier eingebrockt haben.
Snape zitterte. Ihm war schlecht. Und er hatte mit den Tränen zu kämpfen!
Er wusste nicht, wie er die Zeit hier im Dunklen überstehen sollte. Die Ungewissheit, was jetzt mit Hermine Granger gerade geschah, machte ihn schier verrückt. Dazu kam auch noch das schlechte Gewissen, sie nicht in den Arm genommen zu haben.
Verdammt, was wäre denn daran so schlimm gewesen?
Er lächelte bitter. Sie hatte ihn geduzt! Normalerweise wäre er darüber sehr erbost gewesen. Aber das hier war alles nicht normal!
Heute Morgen schien die Welt noch in Ordnung gewesen zu sein. Er war frühstücken in der großen Halle, hatte in aller Ruhe seine Sachen für die Messe gepackt und sich dann noch an seinen Schreibtisch gesetzt, um dringende Unterlagen durchzusehen.
Plötzlich hatte ihn Schwindel befallen und ehe er sich versehen hatte, war er von einem Strudel erfasst worden, bis er vor Hermine Granger auf dem Boden gekniet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sie noch leidenschaftlich gehasst, diese unverbesserliche Nervensäge.
Und nun? Nun wusste er, dass sie in ihn verliebt war. Nun hatte er mit ansehen müssen, wie sie mit Gewalt hier aus diesem Tempel geschleppt worden war. Nun saß er hier, gefangen, in völliger Dunkelheit, ohne Zauberstab, mit ungewisser Zukunft und hoffte, dass die kleine Nervensäge zurückkehren würde. Nun empfand er sogar Mitleid mit ihr. Mitleid mit der Gryffindor, die ihm sieben Jahre lang ein Dorn im Auge gewesen war!
Eine Weile saß er noch dort, dann kamen ihm Zweifel, ob nicht doch bloß alles ein böser Scherz gewesen sei. Er erhob sich und tastete sich an der Wand entlang, in die Richtung, wo er die Treppe vermutete, die vor Stunden noch da gewesen war. Snape ertastete zunächst Steinwände. Doch dann berührte er Blätter. Ranken. So schnell konnte er gar nicht reagieren, wie sie sich um ihn wanden, ihm seine Kehle abschnürten und ihm die Luft zum Atmen nahmen. Mit aller Kraft versuchte er sich aus deren Fängen zu befreien. Er schrie und wand sich und schaffte es endlich sich loszureißen. Dabei stürzte er zu Boden und krabbelte panisch weiter auf allen Vieren, bis er die Matratze erreicht hatte. Was hatte ihn nur veranlasst, sich in die Nähe dieser Teufelspflanzen zu begeben? Er wusste doch, dass die Treppe zugewuchert war!
Nun war es Snape, der sich die Decke über den Kopf zog, die Brandblasen an seinen Händen ignorierte und sich zur Ruhe zwang. Dabei stieg ihm der Geruch von Hermine in die Nase.
Hier hatte sie gelegen! Mit dieser Decke hatte sie sich zugedeckt und geweint, weil er nicht in der Lage gewesen war, sie zu trösten! Er sog den Geruch tief ein, schloss die Augen und strich seufzend über die Decke, während er flüsterte: "Du schaffst es, Hermine! Ich weiß, dass du es schaffen wirst!"
Allmählich drang es in sein Bewusstsein vor. Es war alles Realität! Alles erschreckende, grausame Realität!
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5. Kerberos
Die Ranken lösten sich von Hermine, als sich die Tür geschlossen hatte. Ihr Kopf schmerzte und ihr Rücken brannte wie Feuer. Nun war sie also hier draußen und Severus da drinnen!
Nun war es an ihr, diesen Höllenhund zu finden. Unsicher schaute sie sich um.
Sie befand sich in einem düsteren Gang, in dem Fackeln an der Wand vor sich hin flackerten. Es roch muffig und wirkte nicht sehr Vertrauen erweckend. Ihre Hand schloss sich fest um ihren Zauberstab. Die Angst vor dem, was nun kommen mochte, schnürte ihr die Luft zum Atmen ab.
"Ah, meine Kleine, da bist du ja schon", dröhnte die Stimme der Kreatur durch den Gang.
Hermine zuckte zusammen und starrte abwartend auf dieses Monstrum.
"Folge mir!", sagte die Kreatur grinsend und marschierte voran. Hermine hatte wohl keine Wahl, zumal die Ranken auch hier ein Auge auf sie geworfen zu haben schienen. Sie schlängelten sich an der Decke und an der Wand entlang und warteten förmlich darauf, dass Hermine wieder zögerte und sie dann zuschlagen konnten.
Nach ungefähr fünf Minuten Fußmarsch hielten sie an und die Kreatur wies lächelnd auf einen großen Spiegel. Hermine blickte hinein und war verwundert.
Sie sah sich und Severus Händchen haltend über die Ländereien Hogwarts schlendern, sie sah, wie sie beide im Labor standen, Tränke brauten und sich liebevolle Blicke zuwarfen.
Sie schüttelte den Kopf. Was war das? Wie kamen diese Bilder dort hinein? Noch während sie sich wunderte, verschwammen die Bilder plötzlich und andere Bilder tauchten auf.
Nun waren Severus und sie in diesem Tempel. Sie lag auf der Matratze, auf der sie vor kurzem noch gelegen hatte und Severus strich ihr über den Kopf, beugte sich dann lächelnd zu ihr hinunter und küsste sie. Hermines Atem beschleunigte sich. Was würde sie darum geben, wenn es so wäre! Was war das hier eigentlich? Ein Spiegel der Wünsche?
Sie hatte keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn auf einmal war der Spiegel wieder verschwunden und die Kreatur bestand darauf, dass sie weitergingen.
Am Ende des Ganges war eine große Tür. Dort blieben sie stehen.
"So Kleine, wenn du durch diese Tür gehst, bist Du auf Dich allein gestellt", sagte das Monster und bleckte seine gelben Zähne. "Deine Aufgabe ist klar und den Weg dorthin musst Du wohl selbst finden! Ich würde mich an Deiner Stelle aber beeilen, wenn Du Deinen Liebsten wieder sehen möchtest. Denn ich kann nicht garantieren, dass er, solltest Du nicht innerhalb von zwei Tagen zurückgekehrt sein, länger unter den Lebenden weilen wird. Es könnte sein, dass wir dann erst recht mit ihm unseren Spaß haben werden." Dann beugte sich die Kreatur ganz nah zu Hermine herunter, so dass ihr von seinem üblen Atem schlecht wurde und schnarrte: "Wenn du verstehst was ich meine!"
Hermine verstand und verspürte plötzlich wieder intensiv diesen grauenhaften Kopfschmerz. Sie kniff die Augen zusammen und fragte mit zitternder Stimme: "Und wohin soll ich diesen Höllenhund schaffen, insofern ich ihn jemals finden sollte?"
"Du wirst unterwegs einen Hinweis finden! Und nun hinaus mit Dir!" Das Monster packte Hermine am Kragen und warf sie im hohen Bogen durch die nunmehr geöffnete Tür hinaus.
Hermine landete im Dreck, die Tür schlug zu.
Sie richtete sich stöhnend auf und sah sich um. Eine hügelige Landschaft breitete sich vor ihr aus. So weit das Auge reichte, sah sie Buschwerk, Bäume, bewachsene Hügel. Wenn sie nicht gerade den Höllenhund hätte finden müssen und Angst um Severus gehabt hätte, der nun gewiss wieder im Dunklen saß, hätte sie sich an dieser Umgebung erfreut und wäre mit Entzücken hier wandern gegangen.
Was sollte sie nun tun? Ihren Zauberstab hatte sie zum Glück noch. Vielleicht könnte sie einfach zum Eingang der Unterwelt hin apparieren? Das wäre bestimmt der einfachste Weg!
Sie versuchte es daraufhin, aber der Versuch schlug fehl. Plötzlich hatte sie Angst, dass die Zauberkräfte weg sein könnten. Hastig suchte sie sich irgendetwas, was sie bewegen könnte. Da, ein Holzstamm. Sie rief: "REDUCTO!" Der Stamm wurde aus dem Weg geschossen, prallte an einer unsichtbaren Wand wieder ab und kam nun unaufhaltsam auf sie zugeschossen. Hermine warf sich blitzschnell zu Boden und der Stamm segelte an ihr vorüber und prallte gegen die Tür.
Puh! Sie stieß die Luft aus. Zaubern funktionierte also noch! Sehr schön! Sie atmete erleichtert aus.
Dann sah sie sich wieder um. Warum war der Stamm abgeprallt und woran?
Die Antwort darauf bekam sie sehr schnell. Sie war erst ein paar Meter gegangen, als sie schon das erste Mal mit einer unsichtbaren Wand Bekanntschaft machte und zu Boden geschleudert wurde. Sie testete aus, wie viel Spielraum sie hatte und nach mehreren Versuchen und einigen blauen Flecken an ihrem Körper stellte sie fest, dass sie den Weg allem Anschein nach durch eine Gasse, die links und rechts mit unsichtbarem Wänden gesichert war und in ihrer Breite ungefähr vier Meter betrug, finden musste. Na prima! Fluchtgefahr konnte hier also nicht bestehen, so gut wie alles gesichert war. Es gab nur einen Weg, der sie hoffentlich zu ihrem Ziel bringen würde.
Zunächst tastete sie sich langsam voran, um ja nicht wieder Bekanntschaft mit den Wänden machen zu müssen, denn ihr Körper schmerzte auch so schon genug. Dadurch kam sie aber sehr langsam voran.
Dann streckte sie den Zauberstab aus, sprach einen einfachen Ortungszauber und spürte nun an Hand der Vibration des Stabes, wo sich die Wände befanden. Damit kam sie schon erheblich schneller voran und schnell wollte sie schließlich sein. Sie rannte und rannte. Dadurch, dass der Weg aber gewunden war, passierte es häufig, dass sie dennoch, erst recht bei ihrem Tempo, gegen die Wände prallte und unsanft Bekanntschaft mit dem Boden machte.
Irgendwann legte sie eine Verschnaufpause ein. Bisher hatte sie noch keinen Hinweis auf die Unterwelt erhalten. Ihre Zunge klebte am Gaumen. Sie sehnte sich nach Wasser. Lange würde sie dieses Tempo nicht durchhalten können.
Der Gedanke an Severus ließ sie bald wieder aufstehen und weiterlaufen. Sie stolperte über Wurzeln und Steine, zerkratzte sich Arme und Beine an dornigen Büschen und prallte hin und wieder gegen die Wände. Sie war zwar jetzt schon erschöpft, aber sie gab nicht auf und hastete weiter. Immer weiter, diesen Pfad entlang, der kein Ende nehmen wollte.
Es wurde langsam dunkel und noch immer hatte sie nichts entdecken können.
Kein Hinweis! Nichts! Nichts, absolut nichts, deutete daraufhin, dass irgendwo in der Nähe ein riesiger Höllenhund, namens Kerberos auf sie wartete.
Ihre Füße spürte sie inzwischen schon gar nicht mehr. Die Haare und die Kleidung klebten ihr am Körper und sie war noch immer so wahnsinnig durstig. Verzweifelt setzte sie sich auf den Boden und wäre am liebsten auf der Stelle eingeschlafen. Ihr Kopf dröhnte noch immer, das Brennen auf dem Rücken wurde auch nicht besser und zudem plagte sie sich mit der Angst um Severus und der Angst vor ihrer Aufgabe.
Honigkuchen kam ihr plötzlich in den Sinn. Severus hatte gesagt, sie solle irgendetwas in Honigkuchen verwandeln, um Kerberos damit besänftigen zu können. Sie rupfte dann ein paar Grasbüschel aus und versuchte es damit. Sie musste unwillkürlich lachen, denn das was sie nun vor sich hatte, erinnerte nicht an Honigkuchen, sondern eher an ein Mus aus Erbsen. Verzweifelt probierte sie es weiter. Mit einem Stein. Mit Wurzeln. Mit einem Käfer. Aber nichts, auch rein gar nichts erinnerte an Honigkuchen! Verdammt!
Es wurde immer dunkler und Panik kam allmählich wieder in ihr auf. Ihr war kalt, sie war erschöpft, hatte Hunger und Durst und noch immer keinen Honigkuchen. Als sie dann auch noch glaubte, merkwürdige Stimmen zu vernehmen, hastete sie, von Angst angetrieben weiter, ohne Rücksicht auf ihren Zustand.
Sie rannte, als wäre der Teufel leibhaftig hinter ihr her. Ihre Lunge pfiff wie nach einem Marathonlauf, der Schweiß rann noch immer ihren Rücken hinunter und schien sich in ihre Wunde tief hinein zu brennen.
Doch auf Schmerzen und Unpässlichkeiten konnte und wollte sie keine Rücksicht nehmen. Dazu hing zu viel davon ab. Zwei Tage hatte sie nur Zeit!
Während des Laufens machte sie sich Gedanken darüber, was passieren würde, wenn sie hier zusammen brechen sollte. Würde ihr Hilfe zu teil oder die Zeit für ihre Aufgabe verlängert werden? Was mochte dann mit Severus geschehen?
Nach geraumer Zeit, als sie wiederum anhalten musste, weil ihr die Luft knapp geworden war, die Seitenstiche kaum noch zu ertragen waren und sie außerdem den Eindruck hatte, das sie sich jeden Moment die Seele aus dem Leib kotzen müsste, sah sie in der Ferne ein Licht.
Licht! War dies eine Halluzination? Oder real? Würde dort jemand sein, der ihr das so sehr begehrte Wasser reichen sollte? Oder jemand, der ihr einen Hinweis auf den Höllenhund gab?
Sie schleppte sich mit letzter Kraft der Lichtquelle entgegen. Der Wille war auf jeden Fall da, aber ihr Körper war mittlerweile schwach. Zudem wollte der Weg einfach kein Ende nehmen. Sie sah das Licht, aber es wollte einfach nicht näher kommen. So kam es ihr zumindest vor.
Als sie dennoch, mehr taumelnd, als aufrecht gehend, das Lagerfeuer erreicht hatte und sah, dass dort ein Laib Brot bereit lag und zudem zwei Krüge mit Wasser auf sie warteten, sank sie auf die Knie und konnte nur noch weinen. Unter Tränen trank sie das kühle Nass und riss kleine Stückchen von dem Brot ab, die sie langsam kaute.
Der Weg hierher war eine einzige Tortur gewesen. Und sie war fertig. Stundenlang war sie nun schon unterwegs. Sie wusste, dass sie heute keinen Schritt mehr gehen konnte, dennoch grauste ihr, die Nacht hier im Freien zu verbringen.
Nach dem Genuss des Wassers ging es ihr schon wieder etwas besser und sie hatte sich auch einigermaßen beruhigen können. Nun galt es wieder rational zu denken!
Einen Teil des Brotes verwandelte sie gleich in den so dringend benötigten Honigkuchen, was ihr nun auch problemlos gelang. Aber sie fragte sich schon, inwiefern sich so ein Höllenhund mit seinen drei gefräßigen Köpfen von Honigkuchen in der Größe einer Praline beeindrucken lassen würde. Eigentlich benötigte sie eine ganze Wagenladung an Brotlaiben!
Ihre Gedanken drifteten immer mehr ab, sie bemerkte, wie ihr die Augen zu fielen. Der Schmerz in ihrem Kopf nahm zwar an Intensität wieder zu, aber sie hatte einfach keine Kraft mehr, sich darüber noch großartig Gedanken zu machen.
Sie wickelte sich in ihren Umhang ein, dachte sehnsuchtsvoll an Severus und streckte sich auf dem Boden, nahe dem Feuer aus.
Der dringend benötigte Schlaf ließ nicht lange auf sich warten.
Als sie wieder erwachte, hatte die Morgendämmerung schon eingesetzt. Das Feuer war heruntergebrannt und der morgendliche Tau hatte ihren Umhang durchtränkt, so dass sie erbärmlich fror. Zittern vor Kälte erhob sie sich, reckte ihre steifen Glieder und erblickte dann, an der Stelle, wo gestern noch die Krüge mit dem Wasser gestanden hatten, eine Pergamentrolle.
Sie nahm an, dass es endlich ein Hinweis sein würde, der ihrer Mission nur dienlich sein konnte. Ein Hinweis darauf, wo sich dieser Höllenhund befand und was sie mit ihm anstellen sollte.
Sie holte tief Luft, entrollte das Pergament und las dann:
"Weit bist Du gekommen, nun
kurz vor dem Ziele,
Lauf den Hügel hinunter, dort
erwarten Dich die Spiele!
Der Eingang der Unterwelt wird von
einem Hüter bewacht.
Man nennt ihn Kerberos, den
Höllenhund. Bei Tag und bei Nacht
sitzt er vor dem Tore und wehrt ab
jeden Wicht.
Singe ihm Lieder vor, die ihn
besänftigen und -
Wirf ihm Deinen Honigkuchen in den
Schlund!
Zeige keine Angst und fürchte Dich
nicht!
Zähme ihn und schicke
ihn in das Land der Träume!
Es bleibt Dir keine Wahl, Du musst
die Tat vollbringen!
Mühe Dich, dann bleiben Deine
Wünsche keine Schäume!
Doch versagst Du, wird Dein Geliebter
mit dem Tode ringen.
Kerberos darf kein Leid geschehen,
sondern nur zu Schlafe gebracht
werden, und seiest du dann noch am
Leben,
so eile Dich, denn Du musst zurück
sein vor der Nacht."
Hermine atmete tief durch und schaute dann den Hügel hinunter. Gestern Nacht im Dunklen hatte sie gar nicht mitbekommen, so erschöpft wie sie gewesen war, dass sie dem Ziel schon so nahe.
Sie sah nun einen riesigen Hügel, indem sich ein Eingang befand. Dort musste es also zur Unterwelt gehen. Und dort würde auch Kerberos auf sie warten!
Mit äußerst mulmigem Gefühl machte sich an den Abstieg. Den Hügel hinunter. Immer wieder sagte sie die Zeilen vor sich hin. Sie musste also dieses riesige, dreiköpfige Etwas nirgendwo hintransportieren, sondern nur zähmen und zum Einschlafen bringen.
Nur! Na, wenn es weiter nichts war! Oh Gott, wie sollte sie denn an den herankommen und ihm die Honigkuchen in den Schlund werfen? Außerdem durfte sie ihm nichts zu leide tun! Zuviel Zauberstabgefuchtel fiel also aus!
Und sie musste erfolgreich sein und vor Einbruch der Nacht zurück sein, damit Severus nicht mit dem Tode ringen musste.
Oh, Severus! Bei dem Gedanken an ihn wurde ihr wieder ziemlich schwer ums Herz. Er hatte sie nicht in den Arm nehmen wollen! Doch sie spürte augenblicklich, wie Gefühle der Zuneigung für ihn durch ihre Adern krochen. Sie liebte ihn trotz allem!
Vor dem Höhleneingang angekommen hielt sie kurz inne und sprach sich Mut zu, bevor sie eintrat. Die Gedanken an Severus kreisten noch immer in ihrem Kopf herum.
Doch aus ihren sentimentalen Anwandlungen wurde sie plötzlich herausgerissen, als sich der Höllenhund bemerkbar machte.
Sie erstarrte. Der Höllenhund, den sie nun erblickte, war mindestens doppelt so groß wie Fluffy. Gigantisch in seinen Ausmaßen und überaus Furcht einflößend blickte er sie mit seinen gelben Augen an und gab ein Knurren von sich, das sich an den Wänden in einem gewaltigen Echo fortpflanzte und Hermines Ohren aufs Heftigste malträtierte. Sein langer schlangenartiger Schwanz peitschte sofort auf sie zu und sie sprang erschrocken hinter einen Felsvorsprung. Von dort lugte sie vorsichtig um die Ecke und sah, wie die Schlangenköpfe auf seinem Rücken in ihre Richtung zischten und dabei ihr Gift in alle Richtungen verteilten. Kerberos selbst hatte Schaum vor dem Maul und knurrte nun verhalten vor sich hin.
Sie erinnerte sich wieder daran, dass sie auf keinen Fall mit diesem Speichel in Berührung kommen dufte.
Vorsichtig näherte sie sich, tastete nach den Honigküchlein in ihrer Tasche und überlegte krampfhaft, was sie ihm vorsingen sollte.
Sie begann dann mit irgendwelchen Schlafliedern, die ihr einst ihre Mutter im allabendlichen Ritual vorgesungen hatte. Diese schienen jedoch nicht die rechte Wirkung zu erzielen, denn der Höllenhund wurde nun geradezu aggressiv und schlug wieder wild mit seinem langen Schwanz nach ihr. Sie konnte ausweichen, wurde aber am Arm schmerzhaft von Gesteinsbrocken getroffen, die der Höllenhund in seiner Rage abgeschlagen hatte.
Fieberhaft überlegte sie nun, mit welchem Zauber man Musik heraufbeschwor, bei dem selbst Höllenhunde einschliefen. Sie trat hervor und versuchte erneut tapfer mit ihrem Gesang zu überzeugen, aber auch dieses Mal blieb für sie nur der Sprung hinter den Felsen übrig.
So konnte das nicht weitergehen! Warum hatte sie auch vorher nicht schon alles genau geplant? Sie ärgerte sich über sich selbst. Kostbare Zeit ging hier verloren.
Sie entschloss sich dann die Honigkuchen in sein Maul schweben zu lassen, um ihn zumindest zu besänftigen. Dies würde ja wohl zu bewerkstelligen sein! Aber was war nun mit dem Gesang? Sie war nun mal keine gute Sängerin! Und so groß war ihr Repertoire an Liedern auch nicht. Außer Schlafliedern, fielen ihr nur noch Wanderlieder ein, die ihr noch lebhaft im Gedächtnis haften geblieben waren von den Urlaubsreisen mit ihren Eltern. Sie seufzte.
Vielleicht würde auch Summen genügen, wenn sie schon nicht singen konnte? Langsam wurde sie wieder panisch. Eigentlich schien es doch ganz einfach zu sein. Singen und Kuchen verteilen. Fertig.
Hermine beschwor dann ein helles Licht an die Decke über dem Höllenhund. Er wurde geblendet und starrte immerfort mit seinen sechs Augen dorthin.
Diese Ablenkung wollte sie sich zu nutze machen, indem sie die Honigkuchen in sein Maul schweben ließ.
Sie wagte sich Schritt für Schritt heran, aber dummerweise hatte der Hüter der Unterwelt sechs Augen an seinen drei Köpfen und unzählige Augen am Rücken. Die Schlangenköpfe zischten augenblicklich alle in Hermines Richtung und verspritzten ihr Gift, so dass sie erneut zurückwich.
Hermine versuchte es dennoch mit dem Schwebezauber. Ein WINGARDIUM LEVOISA! und das erste Honigküchlein schwebte auf Kerberos zu. Sie steuerte es mit dem Zauberstab und war hocherfreut, als es seinen Bestimmungsort erreichte und in einem der Mäuler verschwand. Der Kopf des Hundes, welcher nun angefüttert worden war, blickte begierig in ihre Richtung, so als erwarte er Nachschub. Sofort ließ Hermine ihm das nächste Stück zukommen, welches er genüsslich verspeiste und augenblicklich friedlich gestimmt war.
Zufrieden holte Hermine das nächste Stück aus ihrer Tasche. Insgesamt hatte sie für jeden Schlund drei Stücke zur Verfügung. Gerade wollte sie sich daran machen, den zweiten Kopf zu besänftigen, als die anderen beiden Köpfe, die noch nichts erhalten hatten, mit einem schauerlichen Gebrüll in ihre Richtung aufbegehrten. Sie versuchten nach Hermine zu schnappen, knurrten und der giftige Speichel troff nur so aus ihrem Maul und wurde bei diesen Bissattacken herumgeschleudert.
Wiederholt schlug der Schwanz nach ihr aus und Hermine konnte nur mit Mühe und Not diesem Angriff entgehen. Sie erklomm in der Höhle dann einen Felsen und schickte von dort aus den nächsten Kuchen auf die Reise. Angespannt verfolgte sie das schwebende Küchlein und hoffte, dass es ankommen würde. Es drehte in der Luft Pirouetten und schlug Kapriolen, da Hermine ständig dem langen Schwanz ausweichen musste und sich dazu noch auf sehr glitschigem, felsigen Untergrund befand.
Aber auch dieses erreichte seinen Bestimmungsort. Sofort legte sie das nächste nach und versuchte sich gleichzeitig festzuhalten, um nicht in die Tiefe zu stürzen und den Kuchen zu steuern. Sie war voll konzentriert, denn sie wusste, dass Unachtsamkeit im falschen Moment ihren Untergang bedeuten könnte.
Das zischen der Schlangenköpfe wurde immer bedrohlicher und der Strom an ausgestoßenem Schlangengift erreichte inzwischen auch den Gesteinsbrocken, auf den Hermine sich begeben hatte. Sie musste, ob sie wollte oder nicht, die Kuchenschweberei für einen Moment sein lassen und errichtete hastig einen Schutzschild um sich vor dem Gift der Schlangen und dem Geifer des gierigen dritten Kopfes zu schützen. Da ihr der Schutzschild nicht sofort gelingen wollte und sie mehrere Anläufe dafür benötigte, wurde der dritte Kopf wütender, denn je und stürzte sich, ungeachtet dessen, dass seine beiden Kameraden schon halbwegs besänftigt waren, in Hermines Richtung.
Erst starrte er sie gefährlich knurrend mit seinen gelben, durchdringenden Augen an und jagte ihr damit schon einen Schauer über den Rücken, dann biss er höllenhundswild in den Felsen und rüttelte so sehr daran, dass Hermines Standfestigkeit erheblich beeinträchtigt wurde. Sie schrie entsetzt auf, schwankte durch diese Rüttelei auf ihrem Felsen hin und her und konnte daher auch nicht rechtzeitig reagieren, als der Schwanz des Höllenhundes auf sie zugesaust kam.
Er hatte sie frontal erwischt und Hermine prallte erst hart gegen die Felswand und stürzte dann drei Meter in die Tiefe, wo sie wiederum äußerst unsanft mit dem Gestein in Berührung kam. Obwohl Hermine nun das Gefühl hatte, dass der Hogwartsexpress über sie hinweggerattert wäre, krabbelte sie unter Aufbietung aller Kräfte hinter einen Felsen und schickte von dort wiederum einen Kuchen auf die Reise.
Sie durfte jetzt einfach nicht aufgeben! Sie zitterte und Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie wusste auch nicht genau wann sie begonnen hatte, leise vor sich hinzu singen. Sie selbst war erstaunt darüber, als sie es bemerkte. Aber es schien ihr gut zu tun, denn damit konnte sie die Angst und die Schmerzen aushalten.
Ohne dass sie es bewusst tat, wurde ihr Gesang lauter und lauter, kraftvoller und melodischer, während auch das letzte Honigküchlein sein Ziel erreichte. Hermine aber hockte, ihre Zitterei schon längst nicht mehr unter Kontrolle halten könnend, hinter dem Felsvorsprung und sang sich die Kehle aus dem Hals.
Sie sang um ihr Leben. Um das Leben von Severus. Für eine Zukunft mit ihm.
Ein Lied nach dem nächsten kam über ihre Lippen, sie war so in die Singerei vertieft und stand wohl vor Schmerz und Angst unter Schock, dass sie gar nicht mitbekam, wie der Höllenhund Kerberos schon längst seine drei Köpfe zu Boden gleiten lassen hatte.
Erst ein gewaltiger Knall erweckte sie aus ihrer Trance und sie riss die Augen erschrocken weit auf.
Vor ihr schwebte ein Pergament, worauf mit großen Lettern geschrieben stand:
Es ist vollbracht, warst Du auch in großer
Not,
doch nun spute Dich, sonst ist Dein
Geliebter tot.
Voller Panik sprang Hermine auf, als sie Botschaft verinnerlicht hatte. Doch sogleich sackte sie, laut aufstöhnend, von kaum zu ertragenden Schmerzen, wieder in sich zusammen.
Sie hatte keine Ahnung, was sie sich alles gebrochen hatte. Im Grunde genommen war es ihr auch egal, Hauptsache sie war rechtzeitig zurück im Tempel! Doch wie bitte schön, sollte sie mit diesen Schmerzen den langen, weiten Weg zurücklaufen. Nie, nie und nimmer würde sie dies schaffen! Zumindest nicht bis zum Einbruch der Nacht! Nicht in diesem Zustand!
Verzweifelt sank ihr Kopf auf ihre Knie und sie begann hemmungslos zu weinen. Hatte sie vor kurzem noch unkontrolliert gesungen und gezittert, so erbebte jetzt ihr ganzer Körper unter den heftigen Schluchzern.
"...spute Dich, sonst ist Dein Geliebter tot!" Die hatten vielleicht Nerven! Wie sollte sie sich denn mit ihren Verletzungen sputen?
Nachdem der größte Tränenstrom versiegt war, versuchte sie logisch zu denken. Und sie besann sich darauf, dass sie eine Hexe war. Es fiel ihr mit einem Mal wieder ein, dass Hexen auch apparieren konnten. Ihre Chance, die sie sofort beim Schopfe packte. Mit einigen Anstrengungen gelang es ihr, sich ins Freie zu schleppen. Sie lächelte und drückte fest die Daumen. Ihre einzige Chance rechtzeitig zurück zu sein. Sie bat inständig darum, dass es gelingen möge.
Sie schloss die Augen und verschwand dann tatsächlich mit einem leisen Plopp.
Hermine bekam noch mit, wie sie sich vor der Tür, die zum Tempel gehörte manifestierte, dann brach sie bewusstlos zusammen.
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5. Zurück aus der Unterwelt
Snape hatte all die Stunden, die Hermine nun fort war, kein Auge zu tun können. Zum einen hatte er Angst um sie und betete unaufhörlich zu Merlin, dass sie es schaffen würde.
Zum Anderen hatte er, selbst wenn er kurz davor gewesen war einzuschlafen, nicht schlafen können, weil in diesen Momenten entweder die Harfenmusik in unvorstellbarer Lautstärke ertönt war, zudem völlig verzerrt und falsch gespielt, oder die Schlingpflanzen hatten ihm das Leben zur Hölle gemacht, indem sie lautlos, aber im Dunklen, über ihn hinweg gekrochen waren. Die Angst, im Schlaf erwürgt zu werden, ließ ihn fast die gesamte Zeit über an der Wand lehnen. Dementsprechend schmerzte ihm nun der Rücken.
Die Bewegung, die er bei seinen Rundgängen in Hogwarts gewöhnt war, fehlte ihm.
Der Schlafentzug setzte ihm außerdem zu. Zu Essen hatte es auch nur einmal gegeben. Ein Stück Brot und ein Krug Wasser hatte man ihm genehmigt! Zumindest hatte er in dieser Zeit für schätzungsweise dreißig Minuten Licht gehabt. Ansonsten hatte er seine Zeit in völliger Düsternis verbracht.
Wiederum dachte er an Hermine Granger, die Musterschülerin. Warum hatte sie sich bloß in ihn verliebt? Er hatte sie doch von ihrem ersten Schultag an ignoriert! Er war gemein zu ihr und ihren Freunden, bedachte sie regelmäßig mit Punktabzügen, Strafarbeiten und anderen Gemeinheiten. Warum nur mochte sie ihn?
Wäre sie in seinem Haus gewesen, hätte er ihre Leistungen, die sie ohne Frage erbracht hatte, auch anerkannt. Ganz bestimmt sogar. Aber einer Gryffindor Anerkennung aussprechen? Das wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Nie! Zu viele unangenehme Erfahrungen und Erinnerungen waren bei ihm mit diesem Haus verbunden. Zu viele, als dass er über seinen Schatten hätte springen können.
Doch nun war sie in sein Leben getreten. Hermine Granger! Durch Liebe zu ihm hatte sie es geschafft, ihn in einen Tempel zu teleportieren und damit sein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Nun war er soweit, dass er sich Sorgen um eine Gryffindor machte und es bedauerte, ihrem Wunsch nach Umarmung nicht nachgekommen zu sein!
Er grübelte noch, da flammten auf einmal die Kerzen an der Wand auf. Seine Augen schmerzten, als das plötzliche Licht, und sei es auch noch so gering, auf sie traf.
Ein paar Minuten später, wurde die Tür aufgerissen und die Kreatur schleifte Hermine lachend, am Kragen gepackt, herein, bevor sie wieder verschwand.
Sofort sprang er auf und eilte zu ihr.
"Miss Granger...Hermine, Sie...Sie haben es geschafft!" Er kniete neben ihr nieder und stellte fest, dass sie offenbar nicht bei Bewusstsein war. Verzweifelt blickte er auf sie herab. Er hatte noch nicht einmal einen Zauberstab, um ihre Wunden, die sie offensichtlich hatte, zu versorgen! Was sollte er denn nun tun? Er hob sie hoch und lagerte sie vorsichtig auf der Matratze.
Da machte es plopp und mitten im Raum, da, wo Hermine eben noch gelegen hatte, standen ein Korb und ein Krug Wasser. Obenauf sah er seinen Zauberstab liegen und seufzte erleichtert.
Als er näher trat, entdeckte er einen Zettel. Darauf stand:
"Genau 60 Minuten
hast Du Zeit,
eile Dich, brau` für
den Zweck,
den Trank der Heilung
stell` bereit!
Ist die Stunde um, ist
alles weg."
Er wühlte im Korb herum und entdeckte sämtliche Zutaten, die man für einen einfachen Heiltrank und ein Schmerzmittel benötigte. Auch ein Kessel und Phiolen lagen bereit.
Er zögerte keinen Moment und machte sich hastig ans Werk. Geübte Finger hackten Zutaten und mischten dies und das zusammen. Zwischendurch warf er immer mal wieder einen besorgten Blick zu Hermine hinüber.
Als der Trank endlich am Köcheln war, wandte er einen Reinigungszauber auf Hermine und sich an, und schloss dann ihre Wunden. Am Arm hatte sie einen tiefen Riss und der rechte Oberschenkel wies eine tiefere Wunde auf.
"Hermine, ich muss mir einen Überblick über Ihre Verletzungen verschaffen", flüsterte er "und dazu ist es unumgänglich, dass ich Sie...ähm, entkleide. Ich hoffe Sie sehen mir das nach!"
Kurz darauf lag Hermine nur mit Slip bekleidet vor ihm und er musste schlucken und begann zu schwitzen. Nachdem er den Blick von ihrem nackten Körper wieder lösen konnte, besann er sich darauf, dass ihm nur 60 Minuten zur Verfügung standen. Hektisch untersuchte er sie und stellte zwei gebrochene Rippen fest und eine Fraktur des linken Handgelenks.
Die Hand schiente er mit FERULA! und die Rippen würden hoffentlich schnell wieder zusammen gefügt werden, nachdem sie den Heiltrank zu sich genommen hatte. Ansonsten schien sie keine inneren Verletzungen zu haben. Die oberflächlichen Blessuren, Hautabschürfungen und Kratzer würden schnell heilen. Die Wunde am Kopf und den blutigen Striemen auf dem Rücken, die sie noch hier davon getragen hatte, besah er sich außerdem.
Er rührte dann kurz im Trank herum und kniete anschließend wieder neben der jungen Frau. Er strich ihr über den Kopf und war bedrückt. Sie wirkte völlig erschöpft. Was hatte sie nur durch machen müssen? Sie tat ihm leid.
Und sie war so schön, so jung und schön, und intelligent...und sie war in ihn verliebt, schoss es ihm durch den Kopf. Noch einmal strich er ihr über ihre Haare und seufzte dabei.
Snape testete gerade den Trank, besah ihn sich und roch daran, als von der Schlafstätte her ein Stöhnen erklang. Augenblicklich war er an Hermines Seite und griff nach ihrer Hand.
"Hermine, hören Sie mich?", fragte er besorgt.
Mit Mühe öffnete sie ihre Augen, lächelte und flüsterte nur ein Wort: "Severus!"
Snape schluckte wiederum und murmelte verlegen: "Ich habe einen Trank gebraut, der Ihnen helfen wird. Moment!"
Der Trank war nun fertig und Snape kühlte ihn mit einem Zauber ab. Dann marschierte er zu dem provisorischen Bett hinüber, hob Hermines Kopf ein wenig an und flößte ihr den Trank vorsichtig ein.
Sie hatte gerade den letzten Tropfen ausgetrunken, als es auch schon wieder Plopp machte und der Korb mit allem Drumherum, einschließlich Snapes Zauberstab, verschwunden war. Fassungslos starrte er auf seine Hand. Eben war dort noch der Becher gewesen, nun war seine Hand leer.
Einzig der Krug mit dem Rest Wasser war noch verblieben, so dass Snape beschloss, eilig etwas zu trinken, bevor auch dieses fort war.
Hastig trank er ein paar Schlucke und gab auch Hermine noch etwas davon ab.
Er hatte es völlig versäumt, Hermines Sachen zu säubern und wusste nun nicht, was er tun sollte. Die vor Dreck stehenden, mit Erde und Blut besudelten Klamotten wollte er ihr nicht zumuten.
Er räusperte sich: "Ähm, Hermine...ich, ich habe es versehentlich unterlassen, Ihre Kleidung zu säubern und Sie haben nun nichts mehr an. Daher, ähm...würde es Ihnen etwas ausmachen, sich in meinen Umhang zu hüllen? Bedauerlicherweise ist mein Zauberstab wieder fort und bei Ihnen habe ich auch keinen gefunden."
Hermine schaute ihn an, lächelte schwach und flüsterte: "Ich denke, dass ich mit dem Umhang leben kann."
Erleichtert zog Snape diesen aus und hüllte Hermine darin ein. Dann beugte er sich lächelnd
über sie und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. Erschrocken über seine Geste zog er sich gleich wieder zurück, aber Hermine ergriff seine Hand und blickte ihm in seine schwarzen Augen.
Plötzlich erloschen die Kerzen und hüllten den Raum in Dunkelheit.
Hermine konnte es nur recht sein. Sie sehnte sich nach Schlaf auf einer weichen Matratze, unter einer weichen, wärmenden Decke und zudem auch noch mit Severus an ihrer Seite. Snape aber bekam schon fast wieder Panik und flehte, dass die Pflanzen Ruhe geben würden und auch die Harfe ihn verschonen würde. Seufzend legte er sich neben Hermine, die noch immer seine Hand hielt und deckte sie beide zu.
Eine Weile lagen sie schweigend nebeneinander, bis Hermine sich mit einem Mal erinnerte, was sie in dem Spiegel gesehen hatte. Darüber musste sie mit Severus noch einmal reden. Offenbar zeigte dieser nicht nur Wünsche, sondern auch einen Teil der Zukunft an. Sonderbar!
Sie rückte noch näher an Severus heran, bekam mit, wie er nach einigem Zögern einen Arm um sie legte und schlief dann, erschöpft, aber glücklich, ein.
Severus selbst war todmüde, konnte aber dennoch nicht sofort einschlafen. Zu viele Gefühle tobten in ihm.
Da war zum einen die Angst. Angst vor den Ranken, die ihn oder Hermine im Schlaf erwürgen könnten, Angst vor der Aufgabe, die ihm nun bevorstand, während er sie hier allein zurücklassen musste und da war zum anderen dieses neue Gefühl, welches er empfand. Er konnte es nicht benennen. Er wusste nicht, welchen Namen er diesem Gefühl geben sollte. Er wusste nur, dass ihn eine wohlige Wärme durchströmte und es sehr angenehm war, Hermine Granger im Arm zu halten. Die Körperwärme, die sie unter der Decke verströmte, vermittelte ihm irgendwie Geborgenheit. Er atmete tief ein und aus. Er war nun nicht mehr allein hier in diesem schrecklichen Tempel.
Es hatte ihn vorhin sehr erschreckt, sie bewusstlos zu seinen Füßen liegen zu sehen. Er hätte sie gerne vor allem Unheil bewahrt. Noch hatte er auch nicht in Erfahrung bringen können, was sie genau erlebt hatte, aber der Zustand, in dem sie zurückgekehrt war, ließ nicht auf einen harmlosen Spaziergang schließen.
Und sie hatte ihn angelächelt und Severus genannt! Und was hatte er getan? Er hatte sie doch tatsächlich etwas später auch angelächelt, sich zu ihr hinabgebeugt und sie auf die Stirn geküsst! Und er hatte auch noch das Gefühl, dass es richtig war. Was war nur los mit ihm?
Er beugte sich zu ihr hinüber und nahm mit geschlossenen Augen bewusst ihren Geruch auf. Ja, es war derselbe Duft, der der Decke angehaftet hatte, als er plötzlich allein hier drinnen gewesen war und sich die Decke über den Kopf gezogen hatte.
Er lauschte ihren Atemgeräuschen, konzentrierte sich auf den Druck, den ihr Kopf auf seinen Arm auslöste und schmunzelte, als sich plötzlich wieder die Bilder von der nackten Hermine in seinem Kopf einnisteten. Es war zwar alles verwirrend für ihn, aber dennoch schön.
Mit diesen Gedanken trat auch er endlich den Weg ins Land der Träume an.
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Ein paar Stunden ließ man sie schlafen, dann wurde die Tür wieder mit einem Scheppern aufgerissen und gegen die Wand geschlagen, so dass Hermine und Snape augenblicklich aufrecht auf ihrem Lager saßen und ahnungsvoll Richtung Tür starrten.
Die Kreatur hatte wiederum dieses genüssliche, Ekel erregende Grinsen auf den Lippen und winkte Snape zu sich.
Während Snape sich von Hermine löste, sich die Hand geblendet von dem Licht, vor Augen hielt und langsam aufstand, schwebten auf ein Fingerschnipsen des Monsters hin, elf Pergamentrollen durch das Tempelinnere.