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1. Durch die Nacht
Ein hakennasiger Mann schrie eine zusammengekauerte Frau an, während ein kleiner, dunkelhaariger Junge in einer Ecke saß und weinte.
Ein eiskalter Sturm fegte durch die rabenschwarze Nacht und Regentropfen peitschten Hestia gewaltsam ins Gesicht, als sie lautlos auf dem Friedhof apparierte. Sie sah sich schaudernd um. Dieser Ort entsprach in jeder vorstellbaren Hinsicht ihren schlimmsten Erwartungen. Um sie herum standen verwitterte und von Moos bewachsene Grabsteine, die nur spärlich vom fahlen Mondlicht beleuchtet wurden. Vor ihr ragte die furchteinflößende Silhouette einer uralten Schlossruine auf, an deren Mauern Moder und Verfall über Jahrhunderte genagt hatten.
Trotz der unheimlichen Atmosphäre, die von ihr und ihrem nicht weniger verkommenen Park ausging, musste Hestia lächeln. Die Gewitterwolken und die aus ihnen in regelmäßigen Abständen hervor schießenden Blitze waren dort eindeutig mit Hilfe starker Magie platziert worden, ebenso wie das Donnergrollen, welches die Szene kunstvoll untermalte, schienen sie mehr Illusion als Realität zu sein.
„Alter Angeber!“, stieß sie zwischen ihren klappernden Zähnen hervor. Sie stapfte mühsam voran, wobei ihr das nasse schwarze Haar immer wieder ins Gesicht geweht wurde und ihre schweren Stiefel permanent im Morast stecken blieben. Es dauerte nicht lange und sie kam an die zu erwartende Grenze, die einen mächtiger Schutzzauber ausmachte, der das ganze Schloss umspannte. Sie ächzte leicht, griff in ihren weiten schwarzen Umhang und zog einen schlanken schwarzen Stab hervor. Sie war eindeutig zu lange auf der Suche gewesen um jetzt, so kurz vor dem Ziel oder vielmehr dem höchstwahrscheinlichen Ziel aufzugeben.
Sie setzte ihren Rucksack ab und begann darin zu wühlen. Als sie mit einem Arm nicht weiterkam, richtete sie ihren Zauberstab in den Rucksack und sprach: „Accio Fläschchen“. Wenige Sekunden später hielt sie eine kleine leere Phiole in ihren Händen. ‚Der ultimative Test, wenn du diesen Bannkreis gezogen hast, dann ist er gleich unbrauchbar’, dachte sie und schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass sie dieses Mal richtig lag.
Sie stellte die Phiole genau auf die Grenze und sprach: „Intromitto praesto!“ Es war, als würde eine gewaltige Blase mit einem leichten Dröhnen zerplatzen. Für einen Augenblick blieb sie reglos stehen, gerade so, als erwarte sie, die Erde würde anfangen zu beben. Doch dem war nicht so und mit einem seltsam bleiernen Gefühl in der Magengegend ging sie auf das morsche Schlossportal zu.
Sie machte sich nicht die Mühe zu klopfen, denn sie wusste es würde niemand öffnen. Abgesehen davon war das Tor nur angelehnt. Wozu auch abschließen, einen Alohomora beherrschte nun wirklich jeder. Langsam drückte sie das Holz beiseite und zuckte ein wenig zusammen, als die rostigen Angeln durchdringend quietschten. Der Anblick, der sich ihr bot, war erwartungsgemäß trostlos. Ratten und Spinnen waren hier sicher die dankbarsten Mieter und hatten ihr Territorium ausgiebig markiert und ihm ihre ganz eigene Note verliehen. Der Boden war von einer dicken Staubschicht bedeckt, die ihre vorsichtigen Schritte dämpfte. Noch konnte sie nicht ganz glauben, dass er keine anderen Schutzmechanismen installiert hatte.
Sie stand in einem großen Raum, der vor einer Ewigkeit womöglich einmal eine beeindruckende Empfangshalle gewesen war. Zwei Freitreppen schwangen sich ihr gegenüber bei weitem nicht mehr so anmutig ins erste Geschoss, wie sie es wahrscheinlich einmal getan hatten. Davor stand eine große Statue, der mehr als nur ein Gliedmaß fehlte. Doch Hestia würde nicht nach oben gehen. Sie wusste, dass sie im Keller suchen musste, je tiefer desto besser.
„Lumos“, wisperte sie. Das weiße Licht ihres Zauberstabs verursachte eine ganze Reihe hektischer Bewegungen in den Ecken. Es beleuchtete den aufgewirbelten Staub, der sich zu einem geisterhaften Nebel vor ihr auftürmte. Leise schlich sie weiter und kam in einen langen Korridor. Ihre Schritte hallten gespenstisch auf dem Steinboden und durchbrachen die sie umgebende Stille. In den dunklen Gängen hingen überall alte Bilder längst vergessener Ahnen und Landschaften deren Existenz bereits sicher vergessen worden waren. Aus den Augenwinkeln nahm sie eine schnelle Bewegung war. Sie blieb stehen, die Hand auf den Zauberstab gelegt. Langsam drehte sie den Kopf zur Seite und blickte durch einen verrosteten Spiegel in ihr eigenes Gesicht. Sie atmete langsam aus und entspannte sich. Nachdenklich betrachtete sie ihr Spiegelbild. Die hohen Wangenknochen und die lange gerade Nase verliehen ihr einen stolzen, eigensinnigen Zug, ebenso wie der schmale Mund. Nur in ihren großen, grauen Augen lag eine Art stoischer Ruhe. Hestia wandte sich ab und ging weiter.
Es war ein schöner Sommertag und das Schloss warf einen langen Schatten auf die Wiese, auf der Snape mit gekrümmtem Rücken saß und gedankenverloren seinen Zauberstab in den Händen drehte. Das schwarze Haar hing ihm schulterlang in das blasse, magere Gesicht.
Ein anderer Junge näherte sich ihm von hinten. Er war ebenso blass wie Snape, dafür aber deutlich hübscher, hochgewachsen mit langem blondem Haar, das ihm elegant über den Rücken fiel. Er setzte sich neben Snape.
„Was hockst du hier allein rum?“, fragte er, als würde er über das Wetter reden.
Snape hob erstaunt den Kopf. In seinem Blick spiegelten sich Erstaunen und Skepsis. Er zuckte mit den Schultern.
„Du solltest mal mit in den Eberkopf kommen, wär’ bestimmt witzig!“ Malfoy lächelte und entblößte eine Reihe strahlend weißer Zähne.
Snape sah ihn verwundert an. „Witzig?“, wiederholte er.
„Ich mein, ich weiß, dass du nicht blöd bist und die anderen werden es auch irgendwann kapieren.“
„Warum, Malfoy?“, fragte Snape irritiert.
„Sagte ich doch, ich mag Leute, bei denen da oben das Licht an ist“, antwortete dieser, tippte mit dem Finger leicht gegen Snapes Kopf und stand auf. Im Gehen sagte er: „Überleg es dir einfach.“
Sie war eine ganze Weile durch das Schloss und seine labyrinthischen Gänge geirrt oder viel mehr durch das, was von ihm noch übrig war, bevor sie die Kellertreppe gefunden hatte. Doch nun hatte sie sie gefunden. Eine kleine Wendeltreppe, die sicher früher nur für das Personal gedacht gewesen war, wand sich mit ihren steinernen, ausgetretenen Stufen tief in die Erde.
Unten angekommen stand sie vor einer eisenbeschlagenen Holztür, die trotz unendlicher Vorsicht beim Öffnen ein leises Quietschen von sich gab. Sie trat in den schmalen Gang hinter der Tür. Hestia meinte aus einem der Türschlitze ein schwaches Licht leuchten zu sehen und löschte ihren Zauberstab. Tatsächlich glomm nur wenige Schritte von ihr entfernt ein gelb scheinender Streifen auf dem Boden. Sanft klopfte Hestia an die Tür und trotzdem schien ihr der Klang des Holzes in den Ohren zu dröhnen. Still stand sie da und wartete mit erhobenem Zauberstab, doch es kam keine Antwort. Sie öffnete die Tür und betrat den Raum.
Ein schlecht gezielter Fluch schoss auf sie zu, unter dem sie sich instinktiv hinwegduckte und den Zauberstab empor riss.
„Protego.“
Ein Schutzschild entstand um sie herum und umgab sie, wie eine leicht schillernde Seifenblase. Das gab ihr die Gelegenheit, sich im Raum umzusehen. Er war nur spärlich von einer einzelnen Kerze beleuchtet und ebenso sparsam möbliert. An der rechten Wand stand ein schlichter Tisch und ein Stuhl und ihr gegenüber ein hölzernes Bettgestell, das ebenfalls nicht gerade vor Bequemlichkeit strotzte. Ihr Blick blieb an einer schwarz gewandeten Gestalt auf dem Bett hängen. Zwei schwarze Augen durchbohrten sie mit einem stechenden Blick, der eine gewisse Unruhe in ihr hervorrief. Ein Zauberstab fiel klackernd aus einer kraftlosen Hand.
„Ihnen auch einen guten Abend, Snape“, sagte sie trocken in die bleierne Stille hinein.
Er schwieg. Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein facettenreiches Spektrum an Empfindungen ab, von Wut über Verwunderung zu Schwäche und Schmerz. Hestia regte sich zuerst und verließ zügigen Schrittes ihre Schutzblase, was in Anbetracht der Tatsache, dass sein Zauberstab auf der Erde lag, nicht so gefährlich war, wie es sich anfühlte.
„Wie sind Sie hier rein gekommen, Jones?“, fragte er. Seine Stimme war nicht mehr als ein heiseres Keuchen.
Sie hob die Phiole vor seine Nase. Sie hatte sie aus seinem Labor in Hogwarts genommen. Man konnte Bannzauber am besten dann brechen, wenn man einen Gegenstand aus dem Besitz der beschützten Person einsetzte.
„Diebin“, murmelte er schwach.
Sie blickte auf ihn herab. Er war schon immer hager gewesen, doch nun bestand er nur noch aus Haut und Knochen. Seine Haut spannte sich pergamentweiß über die hohen Wangenknochen und die markante Hakennase. An seinem Hals klaffte eine gewaltige Wunde und sie hätte bei jedem anderen erwartet, dass jede Menge Blut aus ihr hervorquellen müsse, doch nicht bei ihm. Severus Snape sah nicht aus, als wäre auch nur noch ein einziger Tropfen Blut in ihm übrig.
„Sie waren schon immer ein miserabler Heiler“, murmelte sie.
„Was wollen Sie hier? Woher wussten Sie, wo sie mich finden?“, seine Stimme klang jetzt fester und sein Blick nagelte sie fest, als wollte er sie nur durch Willenskraft zur Antwort zwingen.
„Als Potter von Ihrem Tod berichtete ahnte ich, dass er die Sache damit nicht ganz getroffen hatte. Er hat mir gesagt, was passiert ist und ich wusste, dass Sie sich von einer kleinen Schlange nicht würden töten lassen.“
Snape musterte sie erstaunt. „Was genau wissen Sie?“, fragte er.
„Genug um zu wissen, dass man einen Vampir nicht durch einen Schlangenbiss töten kann.“
Seine Augen weiteten sich. „Woher …“
„Ich war unfreiwillig Zeuge einer Unterhaltung zwischen Ihnen und Dumbledore. Ich weiß es schon seit einer ganzen Weile.“
„Sie haben nie etwas gesagt?“
„Ich war nicht besonders oft in Ihrer Nähe. Nicht ganz zufällig, wie ich gestehen muss.“
„Was wollen Sie?“, die Überraschung auf seinem Gesicht war wieder dem üblichen abweisenden Gesichtsausdruck gewichen.
„Das wird sich jetzt für Sie eigenartig anhören, aber ich hatte vor Ihnen zu helfen - sobald Sie aufhören mich zu verfluchen, versteht sich.“
Eisige Stille trat ein.
„Gehen Sie“, sagte er nach einer Weile.
Sie stand unschlüssig im Raum und spürte die Kälte in sich hochsteigen. Sie hatte gar nicht bemerkt, wie kalt es hier drinnen war.
„Und was gedenken Sie zu tun? Bis zum Ende aller Zeiten hier liegen bleiben?“
„Ich wüsste nicht, was Sie das angeht“, erwiderte er kühl.
„Sie sind ein Mitglied im Orden des Phönix’. Wir lassen einander nicht im Stich.“
Er verzog das Gesicht zu einem schmerzverzerrten Lächeln. „Was wissen Sie denn schon?“
„Warum hat die Schlange Sie nicht vollends gefressen?“
„Das sollte sie, nur später. Man ging nicht davon aus, dass ich den Ort verlassen könnte.“
Hestia lächelte: „Er hat Sie unterschätzt, schon wieder.“
Sie machte einen Schritt auf ihn zu. Er zuckte zurück.
„Kommen Sie nicht näher!“, presste er warnend zwischen den Zähnen hervor.
„Sie sind nicht mal in der Lage Ihren eigenen Zauberstab zu halten. Was sollten Sie mir schon antun können?“, fragte sie. Sie hoffte, dass er nicht hörte, wie wenig sie wirklich von diesen Worten überzeugt war.
„Sie haben nicht die leiseste Ahnung, wozu ich fähig bin, Jones und deshalb sollten Sie jetzt verschwinden.“
„Glauben Sie ich habe Angst?“, fragte sie herausfordernd.
„Wenn Sie auch nur über einen Funken Intelligenz verfügen, dann haben Sie die“, zischte er.
Mit einer schnellen Bewegung, die sie ihm in seinem derzeitigen Zustand niemals zugetraut hätte, packte er ihr Handgelenk und zog sie dicht vor sein Gesicht. Sie starrte gebannt in seine schwarzen Augen und hatte augenblicklich das Gefühl in einen dunklen Tunnel zu fallen. Mit einem Mal erschien ein völlig anderes Bild vor ihrem inneren Auge.
Es war Nacht. Vor ihr standen zwei Gestalten. Sie konnte im schwachen Mondlicht Snapes schwarze Haare erkennen, die ihm tief ins Gesicht hingen. Mit einem festen Griff hielt er eine junge Frau gepackt, in deren Augen ein seltsam leerer Blick stand, als starre sie genau durch Hestia hindurch. Als Snape den Kopf hob, sah sie etwas Wildes und Gefährliches in seinen Augen lodern, die wie Kohlen zu glühen schienen. Hestia wollte sich abwenden, doch es war ihr nicht möglich. Und so musste sie mit ansehen, wie er seine Zähne in dem Hals der Frau vergrub, wie das tiefrote Blut ihren Körper hinunter floss und er es gierig trank. Dann ließ er sie los und die Frau sackte auf dem Boden zusammen. Snape stieg über sie hinweg als sei sie nichts anderes als ein Ast, der auf seinen Weg gefallen war.
Die Szene verschwamm und sie sah wieder in Snapes Augen. Ihr war übel und sie zitterte. Er ließ ihr Handgelenk los und sank zurück auf seine Liege. Hestia brauchte eine Minute um sich wieder zu fassen. Sie wischte sich fahrig den Angstschweiß von der Stirn.
„Sie haben unterrichtet, wie war das möglich?“, flüsterte sie.
Doch er antwortete nicht.
Unschlüssig stand sie da und rang mit sich. Ein Teil von ihr schrie, sie solle jetzt vor dem Monster fliehen, das sie eben zu Gesicht bekommen hatte. Doch etwas in ihr sagte ihr, dass es nicht so einfach war, dass Dumbledore ihm vertraut hatte, dass er nicht versucht hatte sie anzugreifen, jedenfalls nicht ernsthaft.
Sie zog ihren Zauberstab und richtete ihn auf seine Kehle. „Episkey“, murmelte sie und ein orange leuchtender Lichtblitz zuckte aus ihrem Stab hervor. Er traf sein Ziel, doch prallte er wirkungslos von ihm ab.
Snape gab ein trockenes Lachen von sich.
„Ich bin vielleicht ein mieser Heiler, aber das hätte ich auch selbst gekonnt.“
Hestia wurde klar, dass sie es hätte besser wissen müssen.
„Ich werde eine Weile dafür brauchen“, sagte sie fest entschlossen. „Aber ich hole Sie zurück ins Leben.“
Allerdings wusste sie selbst nicht genau, ob sie das überhaupt wollte.
„Ins Leben? Der war gut, lesen Sie denn niemals Gruselromane?“
Snapes Entgegnung war nicht mehr als ein Keuchen und trotzdem verlor sie kaum an Biss.
Doch sie hatte sich entschieden. Er hatte ihrer aller Leben gerettet und verdiente es nicht hier liegen gelassen zu werden. Nachdenklich ließ sie den Blick über ihn gleiten. Aber man sollte es nicht mit dem Todesmut übertreiben.
„Torpor“, murmelte sie und der Zauber traf Snape so überraschend, dass er nicht einmal mehr Zeit hatte einen Fluch auszustoßen, ehe er bewusstlos in sich zusammenfiel. Sie bückte sich und hob seinen Zauberstab auf. Sie würde ihn fürs Erste bei sich aufbewahren, irgendwie erschien ihr das sicherer.
Es überraschte Hestia nicht besonders, sein Labor direkt nebenan zu finden. Manche Dinge änderten sich eben nie, unter keinen Umständen. Es war, wie zu erwarten, hervorragend ausgestattet und fein säuberlich geordnet. Sie begann Dr. Salbaders amnesische Salbe und Murtlap-Essenz herzustellen. Beides waren einfache Prozesse, bei denen die Substanzen eine ganze Weile in ihrem eigenen Saft kochen mussten. Als alles soweit vorbereitet war, stellte sie die Kessel auf die Flammen und sank müde auf eine Decke nieder. Sie blickte gedankenverloren in die Flammen unter dem brodelnden Kessel und die sanfte Glut spiegelte sich in ihren hellgrauen Augen wieder. Die blutüberströmte Frau kam ihr wieder in den Sinn und sie schauderte. Dann legte sich der Schlaf, wie eine bleierne Decke über sie.
2. Heilung mit Hindernissen
Sie schlug die Augen auf und sah sich irritiert um. Das Feuer unter den Kesseln war beinahe erloschen und tauchte die von Moder und Moos überzogenen Mauern des Raumes in spärliches Licht, das geisterhaft umherzuckte. Sie brauchte einige Minuten, um sich zu erinnern wo sie war. Die Erkenntnis hellte ihre Stimmung nicht gerade auf.
Seufzend streckte sie ihre müden Glieder und richtete sich mit schmerzendem Rücken mühsam auf. Sie fühlte sich schon seit einer Weile nicht mehr wie die junge Frau, die sie eigentlich war, ganz so, als ob sie innerlich, wie Lupins Haar, vorzeitig ergraut wäre.
Die Tränke waren noch nicht fertig, also legte sie ein paar Scheite ins Feuer und machte sich auf die Suche nach einem Bad oder eher nach einer Wasserquelle, denn man sollte ja nie zu optimistisch sein.
Nachdem sie sich mehr schlecht als recht an einem Brunnen gewaschen hatte, machte sie einen kurzen Abstecher zu Snapes Schlafkammer und fand ihn dort noch immer tief und fest schlafend vor.
‚Entweder’, dachte sie, ‚war mein Zauber stärker, als beabsichtigt oder es ist die Erschöpfung!’
Hestia beschloss, sich im Schloss umzusehen und stieg hoch in die oberen Stockwerke. Am Ende der Wendeltreppe angelangt, konnte sie das Licht des neuen Tages durch die schmutzigen Fenster dringen sehen. Die rote Morgensonne ließ alles in einem sanften Orange leuchten, sodass es richtig friedlich wirkte. Die Decken waren so hoch, dass man den Kopf in den Nacken legen musste, um die Holztäfelung, die sie zierten, bewundern zu können. Nach einer Weile ziellosen Umherstreifens, gelangte sie an eine Tür, die im Gegensatz zu allen anderen nicht morsch und zerfallen war, sondern stattdessen glänzte, wie frisch lackiert. Neugierig legte sie die Hand auf die Klinke und betrat den Raum. Der Anblick war schlicht und einfach überwältigend und raubte Hestia die Sprache. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
‚Ich hätte es wissen müssen!’, dachte sie.
Es war eng und stickig im Eberkopf. In einer Ecke an einem runden Tisch saß eine ganze Meute von Jungen in Snapes Alter, er selbst mitten unter ihnen. Sie unterhielten sich ausgelassen und johlten zwischendurch immer wieder laut auf. Lucius Malfoy legte gerade lässig seinen Arm um Severus Schulter und hob mit dem anderen einen Krug Butterbier.
„Muggel sind nichtsnutzige Bastarde! Du solltest das am besten wissen nicht wahr, Sev? Du kommst doch aus Muggel-London, oder?“, rief er über das Gegröle der anderen hinweg.
„Mein Vater war ein Muggel“, antwortete Snape. Mit einem Mal trat Stille ein. Alle Augenpaare waren auf ihn gerichtet.
„Er war ein Arschloch!“, ergänzte er grinsend. Wie auf ein Zeichen entspannten sich alle merklich und ein dicker Junge begann zu laut zu lachen.
Zu allen Seiten um sie reihten sich Bücherregale aneinander, so hoch, dass sie die Decke berührten. Sie waren alle in einem hervorragenden Zustand und mit Sicherheit mit einem Staubabweisungszauber belegt worden. Jedes von ihnen war mit einem goldenen Buchstaben versehen. Die Bände glänzten im Licht der Sonne, welches durch die meterhohen Fenster fiel und es roch nach jahrhundertealtem Pergament und Tinte. Fasziniert wandelte Hestia von einem Gang in den nächsten, tunlichst darauf bedacht, kein Geräusch zu machen, als wäre sie ein Störenfried an einem heiligen Ort.
Allmählich dämmerte ihr, was die Leute gemeint hatten, als sie Snape einen Streber nannten. Er musste in der Bibliothek von Hogwarts förmlich gewohnt haben, wenn er so begeistert von Büchern war, dass er sich selbst eine Bibliothek zugelegt hatte, die es mit der der Schule durchaus aufnehmen konnte. Sie ging weiter und kam bei „V“ an. Einer plötzlichen Eingebung folgend zog sie sich eine der nahe stehenden Leitern heran und stieg hinauf. Sie las die Titel der goldenen und silbernen Hochglanzfolianten und strich andächtig über ihre Rücken. Fast erwartete sie, dass ein Fluch sie für diesen Frevel bestrafen würde, doch Derartiges blieb aus.
Neugierig las sie die Titel: „Vanitas et Damnatio“, „Valentinskraut und seine Anwendungen“, „Veritaserum und andere“, „Verschwinden und Verwirrung“. Sie hatte keines dieser Bücher jemals gesehen, geschweige denn gelesen. ‚Aber wahrscheinlich haben wir nicht ganz dieselben Interessen’, dachte sie.
Sie kletterte wieder ein Stück nach unten und fand, was sie gesucht hatte. „Vampirismus in Transilvanien“, „Vacatio lamiae“, „Vampire“.
‚Da bekommt das Wort Selbststudium eine völlig neue Bedeutung’
Sie zog einen schwarzen Ledereinband hervor auf dem in silbernen Lettern „Vampire von Alacer Amentia“ geschrieben stand. Sie schob das Buch unter den Arm und stieg die Leiter hinunter.
‚Genau die passende Nachtlektüre.’
Es war dunkel und der Mond, der durch die Fenster schien, beleuchtete die dunklen Gestalten, die sich im Korridor herumdrückten. Eine von ihnen lachte verhalten. „Da kommt sie“, flüsterte jemand. Das Mädchen musste in die dritte oder vierte Klasse gehen. Sie war etwas dicklich und trug über ihrem Pyjama einen flauschigen Bademantel. Als sie die Jungen sah, erschrak sie und gab ein quiekendes Geräusch von sich.
„Na Miller, alles klar?“, fragte Malfoy, seine Stimme war so sanft, als wollte er ein Tier einlullen, bevor er ihm den Hals umdrehte. Das Mädchen begann zu zittern.
„Tarantalegra“, rief einer der Jungen und die Beine der Kleinen begannen unkontrolliert zu zucken, als sie den Mund zu einem verzweifelten Schrei öffnen wollte, rief Snape:„Silencio!“
In seiner Stimme klang eher Panik als Genugtuung. Jemand wisperte „Engorgio!“ und die Nase des Mädchens schwoll in wenigen Sekunden zu einer gewaltigen Größe.
„Los Sev, du bist dran. Gib’s dem verdammten Schlammblüter!“, rief jemand.
Er hob seinen Zauberstab langsam, wie in Trance.
„Fenite incantatem!“, sagte er leise.
Das Mädchen hörte sofort auf zu zucken und ihre Nase schrumpfte wieder auf ihre ursprüngliche Größe. Als die anderen ihn wütend ansahen, senkte er den Kopf.
„Lasst sie gehen“, sagte er leise.
Niemand wagte es etwas zu sagen. Lucius Malfoy zischte schließlich: „Feigling!“, bevor er sich umdrehte und die anderen aufforderte ihm zu folgen. Snape und Miller blieben allein auf dem Korridor zurück. Er starrte noch immer auf den Boden.
„Es tut mir leid“, nuschelte er kaum verständlich. Doch sie starrte ihn nur mit schreckgeweiteten Augen an und dann drehte sie sich um und lief davon, den Morgenmantel wie eine Fahne hinter sich her flatternd.
Unten angekommen, nahm sie sich wieder der Mixturen an, die unter ständigem Kochen inzwischen gut angedickt und fertig waren. Vorsichtig goss sie den Inhalt der Kessel in einige Phiolen aus Snapes Utensilien und bereitete sich auf die nächste Heilungsoffensive vor. Als sie durch den Korridor zu seinem Zimmer ging, hoffte sie fast, ihn immer noch bewusstlos vorzufinden, auch wenn dies nicht unbedingt ein gutes Zeichen seiner Vitalfunktionen gewesen wäre. Obwohl dieser Begriff im Bezug auf ihn ohnehin mit Vorsicht zu genießen war.
‚Wegsterben wird er mir jedenfalls nicht’, dachte sie.
Sie öffnete vorsichtig die Tür mit der beruhigenden Gewissheit, dass sein Zauberstab außerhalb seiner Reichweite lag. Kaum hatte sie den Raum betreten, fragte er gereizt: „Wo haben Sie meinen Zauberstab?“ „Auch Ihnen einen wundervollen Tag, Snape. Ich hoffe, Sie haben wohl geruht“, erwiderte sie so unbekümmert wie möglich. „Jones, geben Sie mir meinen Zauberstab und gehen Sie.“ „Nicht solange Sie ihn benutzen, um mir Flüche aufzuhalsen“, sagte sie, wie zu einem unartigen Kind, das Fernsehverbot hatte. Sie holte die Phiole aus dem Mantel und stellte sie auf den Tisch. Dann beschwor sie ein paar Leinentücher herauf. Er beobachtete sie argwöhnisch. Als sie die erste Phiole öffnete, reckte er den Kopf ein Stück in die Luft. Seine langen schmalen Nasenflügel blähten sich leicht. „Sagen Sie nicht, dass das Murtlap-Essenz ist“, ächzte er. „Nicht schlecht“, sagte sie, ‚Obwohl, bei der Nase’, dachte sie und tauchte einen Leinenzipfel in den Trank. „Ich werde mich Ihnen jetzt nähern, machen Sie keine Dummheiten!“, kündigte sie an und trat an das Bett. Er sah sie mit einer Mischung aus Spott und Erwartung an, die sie nicht deuten konnte. Hestia beugte sich ein Stück vor, und auch wenn sie es sich selbst nicht eingestehen wollte, hatte sie Angst. Behutsam tupfte sie die Essenz auf seine Wunde, was er ohne zu zucken hinnahm und sie nur weiter aufmerksam beobachtete. Gespannt hob sie das Tuch, um zu sehen, wie sich die Wirkung entfaltete. Sie wartete einige Sekunden, doch absolut nichts geschah. Verwirrt ließ sie die Hände sinken. Er verzog sein Gesicht zu einem höhnischen Lächeln. „Sie wissen, dass Sie mit Murtlap nur lebende Organismen kurieren können, oder? Ich habe Ihnen schon einmal zu erklären versucht, dass Leben nicht ganz der Zustand ist, indem ich mich befinde. Und jetzt tun Sie sich selbst einen Gefallen und nehmen Sie Abstand.“ Sie sah ihn leicht verwirrt an. „Ich verstehe das nicht, Sie atmen schließlich auch.“ „Reine Gewohnheitssache, oder haben Sie schon mal gehört, dass man einen Vampir erstickt hat“, erwiderte er trocken. „Aber …“ Allmählich erkannte sie die Logik seiner Ausführungen. Sie hätte in „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ wohl doch besser aufpassen sollen. Oder fiel das unter „Pflege magischer Geschöpfe“? Sie hatte das mit den Untoten nicht so wörtlich genommen, wie sie es hätte tun sollen. Er verdrehte die Augen, packte ihre Hand und presste sie auf seine Brust. Er fühlte sich kalt an, selbst für jemanden, der eine Weile in einem Kerker gelegen hatte. Eine Gänsehaut zog sich über ihren Arm. Etwas stimmte nicht, sie spürte es, doch sie konnte nicht sagen, was es war. Mit einem Mal wurde es ihr klar und ein Schauer rann ihr, wie eiskaltes Wasser über den Rücken. Er hatte keinen Herzschlag. Ihre Augen weiteten sich und sie starrte ihn an. Hastig zog sie ihre Hand zurück und entfernte sich ein paar Schritte. „Ich sage das jetzt noch ein letztes Mal: Ich bin sehr gefährlich. Ich bin schwach, weil ich seit Wochen nichts mehr getrunken habe. Bitte, zwingen Sie mich nicht zu irgendwelchen anderen blumigen Umschreibungen meiner Situation. Vampire regenerieren durch die Kraft, welche sie aus dem Blut anderer speisen. Also wenn Sie sich nicht zufällig freiwillig zur Verfügung stellen wollen, ist Ihr Bemühen zwecklos.“ Hestia schluckte. „Sie können mir nichts anhaben, wie Sie selbst sagten: Sie sind zu schwach.“ Sie wusste selbst nicht genau, warum sie das sagte. Womöglich nur, weil ihr nichts anderes einfiel, dass sie hätte erwidern können. Er stöhnte und richtete sich ein Stück auf, was ihn offensichtlich große Mühe kostete. Er fixierte ihre Augen mit seinem durchdringenden Blick. Sie spürte sich von seinem Blick magisch angezogen, sodass sie die Augen nicht von den seinen lösen konnte.
Das grüne Kaminfeuer flackerte über ihre Gesichter und warf sein diffuses Licht in die Dunkelheit. Snape und Malfoy standen sich im Gemeinschaftraum der Slytherins gegenüber. Es herrschte eisige Stille, die nur vom Knistern des Feuers durchbrochen wurde. Keiner von beiden war bereit den Blick zu senken.
„Bist du jetzt zu den Muggelschützern übergelaufen, Kleiner?“, fragte Malfoy nach einer Weile. Sein zynisches Lächeln konnte nicht über die Drohung hinwegtäuschen, die in seinen Worten mitschwang.
Snape schien sich wieder gefangen zu haben. Seine linke Augenbraue wanderte langsam empor. „Du meinst, weil ich mich nicht mit dem nötigen Enthusiasmus in den „Kampf“ gestürzt habe?“ Er spuckte das Wort aus, als wäre es ein widerwärtiges Insekt.
„Gründest du jetzt einen Club - ein Herz für Schlammblüter? Ich glaube kaum. dass das dem dunklen Lord gefallen wird“, zischte Malfoy.
„Nein, aber ich weigere mich, meine Zeit mit so einem Schwachsinn zu verschwenden“, erwidere Snape. Um Malfoys Mund spielte ein boshafter Zug, als er sagte: „Es ist deine Entscheidung. Sie werden nicht begeistert davon sein. Und dabei hatte ich gerade so ein gutes Wort für dich eingelegt.“ Malfoy schüttelte den Kopf. „Evans scheint ernsthaft deinen Verstand zu beeinträchtigen.“
Bei der Erwähnung ihres Namens begann eine Ader auf Snapes Stirn heftig zu pulsieren. „Das hat nichts mit ihr zu tun. Ich dachte ihr hättet Ziele. Aber ihr seid nur ein Haufen Idioten“, sagte Snape wütend und voller Verachtung. Dann drehte er sich um und ging hinauf zu seinem Schlafsaal.
Er beobachtete zwei Personen, die auf dem Schulhof standen. Lily Evans lachte glockenhell, als Potter sich eine kleine Lilie aus dem Ohr wachsen ließ um sie ihr dann ins Haar zu stecken. Snapes Rücken verspannte sich, als Lily ihrem Gegenüber die Hand auf die Wange legte. Die beiden schienen ihn nicht zu bemerken.
Die Nacht war kalt und sternklar. Kein Geräusch war zu hören, als Snape allein auf dem Astronomieturm stand und in die Dunkelheit starrte. Sein schwarzer Mantel bauschte sich in einer leichten Brise und sein blasses Profil zeichnete sich klar vom Himmel ab. Ein Rascheln durchbrach die Stille. Snape drehte sich um, er konnte nicht sehen wie Lucius Malfoy einer hochgewachsenen rothaarigen Frau den Weg die Treppe hoch wies, die sie mit einer unglaublichen Anmut erklomm, so dass es fast schien, als würde sie schweben. Dann trat sie auf die offene Terrasse des Turms. Die Frau trug ein langes, schmales, dunkelgrünes Kleid, das ihre schlanke Figur sanft umschmeichelte.
„Was tust du hier oben so ganz allein, Severus Snape?“, ihre Stimme hatte einen undefinierbaren, aber magischen Klang und offensichtlich eine ebensolche Wirkung. Snapes Haltung veränderte sich schlagartig. Seine zuvor noch eng vor der Brust verschränkten Arme fielen herab und auf seinem Gesicht zeichnete sich blanke Verblüffung ab. Die Frau bewegte sich langsam auf ihn zu. Es war unmöglich ihr Alter zu schätzen, denn sie war von einer Art Schönheit, der die Zeit nichts anzuhaben schien. Snape starrte sie aus geweiteten Augen an. Er sah aus, wie eine paralysierte Maus, unfähig sich zu bewegen.
Sie lächelte sanft und kam langsam näher. Als sie ihn erreicht hatte, legte sie Snape ihre schlanke Hand auf seine Wange, deren schwarze, lange Fingernägel behutsam über seine Haut strichen.
„Wer bist du?“, seine Stimme war schwach und rau.
„Ich bin das, was du ersehnst“, flüsterte sie ihm ins Ohr.
Als wollte er herausfinden, ob er träumte, hob er eine Hand und berührte vorsichtig ihr Gesicht. Sie lehnte ihre Wange gegen seine Hand, machte noch einen Schritt auf ihn zu und schmiegte sich an ihn. Für einen Moment stand er regungslos da, als wüsste er nicht, was er davon halten sollte. Dann legte er seine Arme um sie. Sie hob ihren Kopf an seinen Hals und riss den Mund weit auf, sodass ihre funkelnden Zähne entblößt wurden. Snape reagierte nicht, als sie ihre Zähne in seiner weißen Haut vergrub. Das tiefrote Blut rann an ihm herab, doch er bewegte sich nicht. Die Vampirfrau trank gierig sein Blut, während seine dunkeln Augen in die Ferne blickten. Nach einigen Augenblicken löste sie sich von ihm und umfasste sein Gesicht mit ihren blutigen Händen. Sie blickte ihm direkt in die Augen, als würde sie ihn hypnotisieren. Bewegungslos verharrten sie für einige Augenblicke einander zugewandt.
Mit einem Mal ließ sie ihn los und fuhr sich mit einem ihrer scharfen Fingernägel über den Handrücken der Hand, bis aus ihm eine schwarze Flüssigkeit quoll. Als würde sie einem uralten Ritus folgen, presste sie ihren Handrücken gegen seinen Mund, ohne den Blickkontakt abreißen zu lassen. Gehorsam folgte Snape der unausgesprochenen Aufforderung und begann das schwarze Blut zu trinken.
Je mehr er trank, desto blasser, wurde er. Nach einer Weile entzog sie ihm ihre Hand und verschwand mit wehenden Kleidern. Snape sackte bewusstlos auf dem Boden zusammen.
„Wie viel Erfahrung haben Sie mit dem Brauen von Zaubertränken, Jones?“, fragte Snape und blickte sie forschend an.
Sie zuckte gelassen mit den Schultern. „Ist doch im Grunde wie Kochen, oder? Ich kann ziemlich gut kochen.“ Sie hatte es als Scherz gemeint, doch ihr Gegenüber schien eine einzige humorfreie Zone zu sein.
Snape presste die Lippen fest aufeinander, offensichtlich um Fassung bemüht.
„Jones, Zaubertränke zu brauen, ist nicht nur eine überaus schwierige Wissenschaft, sondern darüber hinaus keineswegs ungefährlich. Das mag vielleicht nicht auf den Spielkram zutreffen, den man Ihnen in der Schule beigebracht hat, aber das, was Sie jetzt vor sich haben, erfordert einiges an Geschick und Können.“
Hestia schwieg einen Moment, dann murmelte sie etwas eingeschnappt: „Ich wollte ja gar nicht leugnen, dass ich Ihre Hilfe brauchen werde. Mit Heiltränken habe ich einige Erfahrung, aber ansonsten …“ Sie zuckte mit den Schultern.
„In meinem Laboratorium liegt eine Kopie der Rezeptur. Bringen Sie sie her“, brummte er.
Doch Hestia dachte nicht daran sich vom Fleck zu bewegen. Er sah sie fragend an und hob eine Augenbraue.
„Sie haben das Zauberwort vergessen?“, säuselte sie zuckersüß.
Auf Snapes Gesicht zeichnete sich Erstaunen ab, dass sich schnell in Ärger und dann in Wut verwandelte.
„Zauberwort?“, wiederholte er leise, aber bedrohlich, während er versuchte sich aufzusetzen.
Hestia beobachtete ihn und beglückwünschte sich schon zum zweiten Mal dazu, ihm den Zauberstab entzogen zu haben.
Sie nutzte die Atempause, die seine Hilflosigkeit ihr verschaffte, um ihn näher zu betrachten. Er hatte markante Gesichtszüge. Sein Gesicht war scharf geschnitten und von einer alles dominierenden Hakennase geprägt, die ihm etwas Raubvogelhaftes verlieh. Die kräftigen, glatten schwarzen Augenbrauen verstärkten diesen Eindruck noch dadurch, dass sie, wenn er die Stirn runzelte, wie gerade jetzt, beinahe eine Linie bildeten. Darüber lag eine hohe, gewölbte und fast aristokratisch wirkende Stirn, die den ständig präsenten Anschein von Arroganz weckte. Über seinen kantigen Wangenknochen spannte sich straff blasse Haut.
Von seinen Lippen war kaum mehr als ein schmaler Strich zu sehen, da er sie noch immer fest auf einander gepresst hielt, was ihn hart und unnahbar erscheinen ließ.
Er war trotz seiner eher schmalen Statur hochgewachsen. Das Einzige optisch wirklich angenehme an ihm schienen seine schlanken, eleganten Hände zu sein, deren feingliedrige, aber kräftige Finger geschickt und empfindsam zugleich aussahen. Eben diese klammerten sich jetzt angespannt um eine Stange seines Bettgestells, scheinbar in dem krampfhaften Bemühen sich daran hochzuziehen. Schließlich gab er auf und lehnte sich wieder zurück. Aus den Augenwinkeln sah er sie resigniert an.
„Sie werden lernen, mich wie einen Menschen zu behandeln, auch wenn wir in Sachen soziale Kompetenz wieder im Urschleim anfangen müssen. Ich bin durchaus bereit, Ihnen zu helfen. Und hier kommt Lektion Nummer eins: Es gibt einen Unterschied zwischen helfen und dienen.“
Snape setzte ein gequältes Lächeln auf und sagte dann sarkastisch: „Hochverehrtes Fräulein Jones, wäre es Ihnen eventuell möglich, das gewünschte Pergament hierher zu transportieren. Ich äußere diese dreiste Bitte selbstverständlich nur in der schwachen Hoffnung, dass Ihnen das nicht zuviel ausmacht.“
Hestia wusste nicht, ob sie in Gelächter ausbrechen oder ihm eine saftige Ohrfeige verpassen sollte. Sie beschränkte sich darauf, ein wenig zu grinsen und verließ dann den Raum.
Hestia betrat das Laboratorium und sah sich um. Sofort bereute sie, nicht nach präziseren Koordinaten gefragt zu haben. Es war keineswegs so, dass in diesem Raum keine Ordnung herrschte, mitnichten. Snape hatte mit penibler Genauigkeit jedem einzelnen Gegenstand einen bestimmten Platz zugedacht. Unglücklicherweise eröffnete genau das die Möglichkeit, unglaublich viele Gegenstände auf kleinstem Raum unterzubringen. Sie begann die Schreibtischunterlagen wahllos zu durchstöbern, in der Hoffnung, dass er eine so wichtige Rezeptur immer in greifbarer Nähe aufbewahrte. Eine sehr optimistische Annahme, wie sich herausstellte.
Während sie so zwischen den Unterlagen und Schriftstücken kramte, machte sie ihr Körper mit einem unmissverständlichen Magenknurren darauf aufmerksam, dass ihr Hunger auch nicht mit Hilfe dieser Rezeptur gestillt werden würde. Sie hatte schon über einen Tag lang nichts mehr gegessen. Kurz entschlossen ging sie zu ihrem Rucksack und zog eine ihrer letzten Kürbispasteten hervor. Leise ächzend ließ sie sich auf einem kleinen Holzschemel sinken und biss ein Stück von der Pastete ab. Sie würde sich Gedanken machen müssen, wie sie sich in Zukunft ernähren würde, dachte sie, während sie auf dem inzwischen ziemlich zähen Bissen herumkaute.
Nach ein paar Minuten Wühlen fand sie, was sie suchte. Beim Anblick der tausenden Formeln und Arbeitsschritte kam ihr der Kürbis beinahe wieder hoch. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war sie schon immer ziemlich mies im Brauen von Zaubertränken gewesen. Nach den Erzählungen, die sie von den armen Seelen gehört hatte, die von Snape diese Kunst hatten erlernen sollen, konnte sie Merlin oder auch jeder anderen höheren Macht danken, dass Snapes Lehrkarriere nach ihrer Schulzeit begonnen hatte. Sie rollte die meterlange Pergamentrolle lose ein und klemmte sie sich unter den Arm.
Er beäugte sie mit einem kritischen Blick, während sie durch die Tür trat. Seine Augen huschten über die zwischen Arm und Körper eingequetschte Schriftrolle. Er hatte es inzwischen geschafft, sich zumindest halb aufzusetzen und Hestia bedauerte es zutiefst, dass sie diesen Kampf nicht hatte beobachten dürfen.
Er nahm ihr die Pergamentrolle aus den Händen.
„Haben Sie etwas zu schreiben?“, fragte er.
„Wozu?“
Es war offenbar sehr leicht ihn zu reizen, denn er hatte schon wieder die Augen zu einer imaginären Macht, die scheinbar immer an der Decke zu kleben schien, gerichtet.
„Auf diesem Pergament stehen nur die groben Anhaltspunkte, an denen ich mich orientiere. Sie werden eine genauere Einweisung benötigen.“
Vorsichtig ließ sich Hestia auf dem kleinen Holzschemel an dem Tisch sinken und sah ihn verdattert an.
„Und ich hatte Sie immer für humorlos gehalten“, murmelte sie hoffnungsvoll.
Er bestätigte diesen Eindruck prompt indem er sagte: „Das war kein Scherz.“
Hestia nickte resigniert und zog den Zauberstab. Mit ein paar gemurmelten Zaubern beschwor sie Pergament und Feder herauf.
Sie positionierte beides vor sich, setzte sich mit kerzengeradem Rücken auf und sagte übertrieben ernst: „Bin bereit, Sir!“
Er beobachtete sie skeptisch, dann begann er zu sprechen.
„Die Basissubstanzen sind Rumex Sanguineus, Hypericum Androsaemum, Dianthus Cruentus, Lythrum Salicaria. Erstere finden Sie noch in meinem Laboratorium, die letzten beiden sind im Garten. Sie müssen frisch hinzugefügt werden. Haben Sie das?“
Sie kritzelte eilig, dann nickte sie.
Er fuhr monoton fort: „Wenn Sie alles gut durchgekocht und mit Darwin Lebersaft versetzt haben, werden andere Zutaten hinzugefügt …“
So ging es eine schier unendliche Ewigkeit weiter. Nach kürzester Zeit schwirrte Hestia der Kopf vor lauter Zutaten und Ekligkeiten, denen sie sich würde stellen müssen.
Als Snape geendet hatte, ließ er sich erschöpft zurücksinken und schloss die Augen.
„Gut ja, dann fang ich mal an“, murmelte sie mehr zu sich selbst.
Sie erhob sich ächzend von ihrem äußerst unbequemen Schemel und ärgerte sich, sich nicht die Mühe gemacht zu haben, ihn vorher in etwas Komfortableres zu verwandeln. Sie war schon fast an der Tür, als sie sich noch einmal umdrehte.
„Ach ja, woran erkenne ich diese seltsamen Pflanzen eigentlich?“
Er drehte ihr mühsam den Kopf zu, wobei sie schrecklich gute Sicht auf seinen aufgerissenen Hals bekam.
„Es liegt ein Bestimmungsbuch in der Bibliothek“, murmelte er heiser.
Hestia betrachtete ihn einen Augenblick nachdenklich, dann fragte sie: „Haben Sie Schmerzen?“
Er nickte und sagte knapp: „Ja“
Es war inzwischen dunkel geworden ein dichter Nebel hatte sich über die verwilderte Gartenanlage gelegt, den selbst das Licht ihres Zauberstabs nur schwer durchdringen konnte. Außer ein paar gespenstischen Eulenschreien herrschte absolute Stille. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen und tastete sich durch die Dunkelheit. Ihr Mantel raschelte unheimlich durch das vertrocknete Laub und gab ihr so das unangenehme Gefühl, verfolgt zu werden.
‚Blödsinn’, schalt sie sich selbst. Wer würde sich hier schon freiwillig aufhalten.
Der Kräutergarten befand sich an der Rückseite des Schlosses und wäre im Grunde nicht zu erkennen gewesen, wäre er nicht von einem kleinen Zaun umgeben gewesen. Sie hatte sich die Pflanzen in einem Buch aus der Bibliothek zwar genau angesehen, doch hatte sie inzwischen das Gefühl, dass es trotzdem schwierig werden würde, sie zu finden. Ungeduldig fuhr sie mit den Händen zwischen dem Grünzeug hindurch, ohne es jedoch wirklich von einander unterscheiden zu können.
Nach einer Weile hatte sie die Nase voll. Auch auf die Gefahr hin, den halben Garten zu roden, hob sie ihren Zauberstab und rief: „Accio Dianthus Cruentus!“
Zu ihrer Erleichterung flogen ihr die gesuchten Pflanzen in die Arme, auch wenn es viel mehr waren, als sie gebraucht hätte. Dieselbe Prozedur vollzog sie mit den Lythrum Salicaria.
Auf ihrem Rückweg ging sie durch eine kleine Baumgruppe. Als sie zu den Baumwipfeln hinauf sah, entdeckte sie sehr zu ihrer Freude ein paar Äpfel, die sie sich ohne mit der Wimper zu zucken ebenfalls herunterholte.
Und so mit Grünzeug und Äpfeln beladen ging sie wieder zurück zum Schloss.
Müde ließ sie die Pflanzen auf den Tisch fallen. Snape beäugte ihre Ernte kritisch.
„Sie haben sie nicht von Hand verlesen, die Hälfte von ihnen ist nicht reif genug, um verwendbar zu sein“, sagte er vorwurfsvoll.
Sie drehte sich wütend zu ihm und sagte: „Ich würde ja sagen machen Sie es selbst … Aber Moment mal, richtig, dass können Sie nicht. Also meckern Sie nicht, sondern helfen Sie mir beim Sortieren.“
Snape starrte sie wütend an. Er war es nicht gewohnt, kommandiert zu werden.
„Was glauben Sie eigentlich, wer sie sind?“, zischte er.
„Der einzige Mensch, der momentan bereit ist, sich mit Ihnen herum zu schlagen. Mit anderen Worten, Ihr bester Freund. Also gehen Sie mir nicht auf die Nerven“, entgegnete sie.
Sie war mit ihrer Geduld am Ende. Sie hatte seit Tagen nichts Anständiges mehr gegessen, wurde permanent angenörgelt und hatte die unbeschreiblich wundervolle Aufgabe in Aussicht, eine Darvinleber aus ihrem Einwegglas zu nehmen und sie zu entsaften.
Snape war verstummt. Er beobachtete, wie sie die Ärmel hochkrempelte, um sich daran zu machen die Pflanzen zu sortieren und ihre Blätter in eine extra Schale zu legen. Nach einer Weile begann er ihre Arbeit zu kommentieren.
„Die ist gut … Nein, die nicht, die ist zu jung.“ Es machte fast den Eindruck, als würde er versuchen sich zusammenzureißen.
So arbeiteten sie eine Weile, wenn vielleicht nicht einträchtig, doch zumindest friedlich zusammen. Eineinhalb Stunden und unzählige Blätter später ließ Hestia müde ihren Kopf auf die Tischplatte sinken.
„Was haben Sie vor? Die Blätter müssen sofort weiterverarbeitet werden, sonst werden sie unbrauchbar“, sagte Snape nachdrücklich.
Müde hob sie ihren Kopf. Unter ihren glasigen Augen hatten sich dunkle Ringe gebildet.
Er sah sie an. „Ich habe drüben noch ein Animaserum“, sagte er.
„Doping, nehme ich an“, murmelte sie müde.
„Ich weiß nicht, was Sie damit meinen“, entgegnete er.
„Drogen, die Muggel benutzen um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern“, erklärte sie, während sie sich mühsam von dem Schemel erhob, den sie inzwischen in einen Polsterstuhl verwandelt hatte.
Sie streckte den Rücken. „Gut, wo ist das Zeug?“
„In dem Regal gleich rechts, auf dem zweiten Fach von unten“, antwortete er.
Als sie die Kammer wieder betrat, fühlte sie sich so aufgekratzt, wie nie zuvor in ihrem Leben.
„Gott, das Zeug ist wirklich heftig“, bemerkte sie, während sie den Kessel abstellte, den sie mit herein getragen hatte.
„Es hält nur in etwa eine Stunde an, dann werden Sie bedauerlicherweise einen starken Einbruch haben. Was tun sie da?“, fragte er.
„Sie wollen doch nicht wirklich die Begutachtung des Gebräus mir überlassen. Nein, diese Verantwortung werde ich nicht übernehmen.“
Er seufzte kurz, offenkundig Leid geplagt. „Wahrscheinlich haben Sie Recht.“
Sie bückte sich und entfachte ein Feuer unter dem Kessel. Mit einem geschickten Schwung goss sie Wasser aus dem Brunnen hinein und fügte die mühsam gezupften Blätter hinzu. Mit einer großen Schöpfkelle rührte sie das Ganze durch.
„Das muss jetzt zwei Stunden köcheln. Sie können jetzt die Leber vorbereiten“, sagte Snape.
Sie wandte sich ihm mit hochgezogenen Augenbrauen zu.
Er zögerte einen Moment, dann ergänzte er etwas widerwillig. „Bitte“
Sie sprang auf und ging zurück ins Labor. Als sie mit dem Glas zurückkehrte hielt sie es demonstrativ mit ausgespreizten Fingern von sich weg.
„Ich habe mich nie für zimperlich gehalten, aber das ist doch echt eklig“, sagte sie angewidert. Snape schwieg unbeeindruckt.
Nachdem sie beinahe klaglos die Leber in kleine, glitschige Stücke geschnitten hatte, setzte sie sich vor den Kessel und beobachtete, wie sich der Sud in seinem Inneren allmählich verfärbte. Sie fügte die Leber hinzu und war richtig dankbar, als die kleinen Klümpchen auf nimmer Wiedersehen in der dampfenden Brühe versanken. Nach einer Weile stumpfen in-die-Flamme-Starrens ließ die Wirkung des Wundertonikum nach und sie überkam der bereits angekündigte Einbruch, so schnell und heftig, dass sie das Gefühl hatte ihre Augenlider vor ihren Augäpfeln runterklappen zu sehen.
Sie war umfangen von absoluter Dunkelheit, die sie zu verschlucken schien und wie eine dunkle Kraft, die an ihr zog. Als würde sie in einen endlosen Tunnel blicken, sah sie weit von sich entfernt ein helles weißes Licht. Sie versuchte darauf zuzugehen, doch es fiel ihr mit jedem Schritt schwerer. Vor dem Licht tauchte eine dunkle Gestalt auf, die ihren langen Schatten in den Raum warf. Hestia spürte Panik in sich hochsteigen, die ihr die Kehle zuschnürte. Sie wusste mit einer Gewissheit, die sie sich selbst nicht erklären konnte, dass sie die Gestalt unbedingt erreichen musste. Doch je mehr sie sich anstrengte desto langsamer wurde sie. Kurz bevor sie sie erreicht hatte, fiel die Gestalt und die dunkle Silhouette verschwand.
Sie rannte weiter. Als Hestia sie erreicht hatte, starrte sie in das ausgemergelte Gesicht einer jungen Frau, deren weiße Haut sich straff über ihre hohlen Wangen spannte. In ihren grauen, tiefliegenden Augen, die von dunklen Ringen umgeben waren, standen Angst, Wahnsinn und Verzweiflung – eine stumme Anklage. Der Mund war noch aufgerissen, die spröden Lippen geöffnet zu einem Entsetzensschrei, der bereits vor langer Zeit verhallt war. Das beinahe weiße Haar formte einen leuchtenden Kreis um ihren Kopf.
Aus weiter Ferne hörte Hestia eine Stimme: „Jones, wachen Sie auf!“
Die Dunkelheit löste sich allmählich auf. Nur das Gesicht des Mädchens blieb ihr mit schmerzhafter Klarheit vor Augen. Dumpf und unwirklich hörte sie ihren eigenen Schrei an ihre Ohren dringen.
Mit einem Schlag riss Hestia die Augen auf und starrte direkt in Snapes Gesicht.
„Ich werde Ihnen nie wieder einen Animaserum geben. Es scheint unangenehme Nebenwirkungen auf Sie zu haben“, bemerkte er nüchtern.
Hestia brauchte einige Augenblicke, um sich wieder in ihrer Umgebung zurecht zu finden. Sie richtete sich langsam, mit zitternden Händen auf und wandte den Blick von Snape ab. Das Feuer unter dem Kessel war fast vollständig herunter gebrannt und glühte nur noch schwach. Sie tastete nach ihrem Zauberstab, um ihm wieder neues Leben einzuhauchen und vermied es dabei Snape anzusehen.
Nachdem sie sich wieder gefangen hatte, fragte sie: „Was als Nächstes?“
Als sie gerade die gehackten Dianthus Cruentus und Lythrum Salicaria-Blätter in den Kessel gab, fragte er unvermittelt: „Warum tun Sie das eigentlich?“
Sie blickte nicht auf. „Was meinen Sie?“
„Sie wissen, was ich meine.“ Er hatte sich zu ihr herumgedreht, soweit es ihm sein Zustand erlaubte und sah sie aufmerksam an.
„Das habe ich doch schon gesagt“, erwiderte sie, noch immer in den Kessel starrend, geradeso als würde er die Antworten auf alle Fragen des Universums bereithalten.
„Nicht wirklich“, entgegnete er.
Sie sah ihn kurz an. „Das ist nicht wichtig.“
„Im Gegenteil, es ist die einzige Frage, die wirklich zählt“, sagte er leise.
Doch sie schwieg beharrlich.
„Was hat das mit diesem Mädchen zu tun?“, fragte er.
Sie drehte den Kopf ruckartig zu ihm herum, auf ihrem Gesicht zeichnete sich Erstaunen und Unsicherheit ab.
„Woher…?“
„Man kann mir nur sehr wenig vorenthalten. Legilimentik“, meinte er nur ungerührt.
„Und ich dachte, Sie sollten wissen, dass man die Privatsphäre anderer respektieren sollte.“
Er gab auf und nach einer Weile unbehaglichen Schweigens sagte er: „Wir müssen weiter machen, sonst wird der Trank unbrauchbar.“
Sie nickte nur und stand auf.