BRIEFE


Satia/Marion





Erster Teil


Mir gehört wie immer nix

Mir gehört wie immer nix. JKR alles. Die folgende "Story" besteht ausschließlich aus Briefen. Es ist möglich, daß irgendwann kleinere oder größere Zwischensequenzenkommen, aber im Prinzip geht es um die Briefe, die sich Snape und Hermine hin und herschicken, obwohl sie tagtäglich in Hogwarts aufeinandertreffen... lest, warum sie sie schreiben...

PS. Keine Sorge, das hier bringt mich von den anderen Stories nicht ab, das "lag hier nur noch so rum..." +ggg+


BRIEFE...

Ausgangssituation:

Hermine besitzt ein Buch über Zaubertränke aller Arten, das nicht zu den Schulbüchern zählt. Das hat sie sich im ersten Schuljahr von lange erspartem Geld gekauft. Es war schweineteuer, weil es ein limitiertes Buch ist.

Dort hat sie in den gesamten Jahren in Hogwarts tausende von winzigklein geschriebenen Notitzen hineingeschrieben, die allesamt aus dem stammen, was sie bei Snape gelernt hat. Oft sind Satzteile oder Zutatenmengen von ihr durchgestrichen und mit Kommentaren wie: "PSS sagt, daß man hier besser... macht/nimmt/wegläßt" - was auch immer...

Man sieht an ihrer sich verändernden Handschrift auch in etwa, welche Notitzen aus welchem Jahr sind.

Normalerweise überträgt sie abends ihre Notizen aus dem Unterricht da hinein. An einem Tag hat sie das Ding aber im Unterricht mit und weil sie weiß, daß sie sich schon vor langer Zeit mal eine Notiz zu dem hineingeschrieben hat, was sie gerade an diesem Tag machen, holt sie es heraus und blättert heimlich darin herum.

Snape erwischt sie dabei, nimmt das Buch weg, klappt es zu und nimmt es mit.

Und als sie es wiederhaben will, sagt er ihr lediglich, daß sie dieses nicht wiederbekommen wird, wenn sie meint, sie müsse es haben, solle sie sich entweder ein neues kaufen oder es in der Bibliothek leihen.

Das Besondere an dem Buch ist auch die Tatsache, daß Hermine auf diversen halben Seiten die an Kapitelenden leer waren, kurze Eindrücke aus dem Zaubertrankunterricht aufgeschrieben hat. Natürlich auch quer auf das ganze Buch verteilt, weil die Themen im Unterricht ja nicht in der gleichen Reihenfolge abgelaufen sind wie im Buch - nur an der Handschrift läßt sich erahnen, was wann geschrieben wurde.

In den ersten Jahren klingen Ehrgeiz und pure Verzweiflung gleichzeitig heraus. Abwechselnd der Gedanke, 'das schaffe ich nie' und 'dem werd ich's zeigen'. Natürlich nicht so detaliert wie ein Tagebuch - aber doch schon recht deutlich.

Später tauchen Vergleiche zu Autoren anderer Zaubertrankbücher auf - bei denen Snape erstaunlich gut abschneidet. In der Regel belegt sie, mit Zitaten von Snape, wo die Autoren falsch liegen.

Irgendwann sind sogar Kommentare zu finden, daß sie sein Fachwissen und ihn als Lehrer bewundert, daß sie sich wünscht, einmal so mit Zaubertränken umgehen zu können wie er, daß sie sich nur wünschte, er wäre etwas umgänglicher, und daß es ihr auch auf den Geist gehen würde, mit Schülern wie Ron und Neville arbeiten zu müssen...

An dem Buch kann Snape erkennen - was Hermine selbst natürlich nicht bewußt ist - das sie sich zu einer Koryphäe auf dem Gebiet der Zaubertrankmagie entwickelt!

Hermine will natürlich weder daß Snape diese Kommentare liest (ihre Hoffnung ist, daß es ihm zu mühselig ist, sich durch ihre unzähligen, kleingeschriebenen Notitzen durchzuwurschteln), noch will sie, daß Ron, Neville oder sonst einer der Schüler über die sie sich darin aufregt, das Ding in die Finger bekommt...

Ein paar Einträge aus dem Buch.

Natürlich sind viel, viel mehr Einträge über Fachliches darin, aber ich habe mal einige ganz wenige von denen rausgepickt, die mit IHM zu tun haben, oder mit Ron, Harry o.ä,

Junge Handschrift erste Jahre

ältere Handschrift mittlere Jahre

aktuelle Handschrift unmittelbare Vergangenheit - Gegenwart


(junge Handschrift)

Wie ich Hogwarts überstehen soll, ist mir schleierhaft, obwohl ich mehr zu lernen scheine als die anderen, habe ich das Gefühl, daß der Stoff des Unterrichts weit über das hinausgeht, was mein Verstand begreifen und behalten kann. Und daß ausgerechnet Zaubertränke von PSS unterrichtet wird ist die Hölle. Er kann mich nicht ausstehen und ganz egal was ich mache - es reicht nicht...


(ältere Handschrift)

Es ist unglaublich, was er alles weiß.


(ältere Handschrift)

Warum kann ich es nicht bleiben lassen, Neville zu helfen? Das kostet mich irgendwann nochmal Kopf und Kragen.


(ältere Handschrift)

Wenn Ron noch einmal bei mir abschreibt, verpfeife ich ihn! Ok - mach ich natürlich nicht... aber verdient hätte er es...


(ältere Handschrift)

Manchmal frage ich mich wirklich, wofür ich das alles mache. Wenn ich sehe, mit welcher Sorglosigkeit Harry und Ron die Schule angehen ist es so unglaublich unfair, daß sie sich auf meinem Lernen ausruhen - Hermine wird's schon richten, Hermine wird's schon mitschreiben - die können mich bald mal!


(ältere Handschrift)

Gibt es außer Crabbe und Goyle jemanden der dämlicher ist als Ron?


(ältere Handschrift)

PSS hat mich heute im Unterricht, als Nevilles Kessel mal wieder explodierte, gerade rechtzeitig aus der Gefahrenzone weggerissen. Werde den ganzen Tag das Gefühl nicht los, daß er mich festhält. Unfassbar, daß er das rechtzeitig gesehen hat. Er hat seine Augen überall. Niemand ist aufmerksamer als er. Noch unfassbarer, daß er nicht einfach mit Freuden zugesehen hat. Ron und Harry machen schon den ganzen Tag Witze darüber, aber mir ist gar nicht nach scherzen zumute - Bin sehr verwirrt.


(aktuelle Handschrift)

Die Angst ist inzwischen einem Gefühl gewichen, daß ich fast als Ehrfurcht bezeichnen kann. Sein Wissen macht schwindelig. Ich wünschte ich könnte ihm irgendwann in diesem Punkt ebenbürtig werden. Ich werde alles daran legen. Habe mich heute zum ersten Mal nach dem entsprechenden Studiengang erkundigt. Keine Ahnung ob ich bei den Aufnahmeprüfungen eine Chance hätte.


(ältere Handschrift)

Wieder zwei Bücher durchgearbeitet in denen sich Widersprüche zu PSSs Erklärungen gefunden haben. Wieder alles selbst in der Freizeit im Labor ausprobiert. Wieder festgestellt, daß PSS Recht hatte, obwohl die Bücher hochgelobte Fachbücher waren. Woher hat der Mann sein Wissen? Und warum schreibt ER keine Bücher? Dann wüßte ich wenigstens, daß ich keinen Quatsch lerne wenn ich in der Bibliothek sitze!
Aber irgendwie wird dieses Buch hier ja langsam zu "seinem". Es ist schon erstaunlich, was ich hier alles bereits gestrichen und durch seine Erkenntnisse ersetzt habe. Ich liebe dieses Buch! Obwohl (weil?) es inzwischen von seinem Wissen so sehr durchdrungen ist.


(aktuelle Handschrift)

Harry mag ein großartiger Zauberer werden - aber von Zaubertränken hat er soviel Ahnung wie eine Kuh vom Sonntag. Warum habe ich das Projekt "Harry" nicht längst aufgegeben? Er will es doch auch gar nicht lernen.


(junge Handschrift)

Punkte für Gryffindor geholt BEI PSS! Unfassbar - ich werde mich noch mehr in das Thema reinknien, auch wenn Harry und Ron wieder meckern. Es lohnt sich! Ich scheine doch eine Chance zu haben!


(ältere Handschrift)

Wie hält PSS das mit Neville überhaupt aus? Neville hat durchaus Ahnung - wenn ich mit ihm lerne, weiß er das alles - aber im Unterricht ist er eine Katastrophe. Wäre ich PSS hätte ich ihn vermutlich längst eine Klasse zurückgestuft. Wir kommen im Unterricht nicht weiter, weil er uns wie ein Bleigewicht an den Füßen hängt. Typisch, daß den anderen nicht aufgefallen ist, daß PSS das Tempo gedrosselt hat, als Neville gar nicht mehr mitgekommen ist. Sie sehen immer nur seine Maulerei - warum sehen sie nicht genauer hin?


(aktuelle Handschrift)

Wenn James Potter wirklich so ein arroganter Widerling war, dann kommt Harry inzwischen ganz nach seinem Vater. Daß ich ihm nochmal bei den Aufgaben helfe, kann er sich abschminken.


(aktuelle Handschrift - direkt darunter)

Konnte Harrys Bettelei mal wieder nichts abschlagen. Er und Ron schreiben gerade meine Aufzeichnungen ab. Ich bin sooo blöd.


(aktuelle Handschrift)

In der letzten Stunde habe ich PSS beobachtet. Ich konnte die Augen nicht von seinen Händen nehmen. Die Sicherheit mit der er Zutaten zusammenstellt und vorbereitet zeigt mir immer wieder, wie weit ich davon entfernt bin, eine gute Hexe zu sein. Er hat unglaublich elegante Hände...


(ältere Handschrift)

WAS FINDEN DIE AN QUIDDITCH! Ich werde irre! Die Prüfungen sind nur noch vier Wochen entfernt und die haben nichts anderes im Sinn als diesen blöden Bällen hinterherzufliegen.


(junge Handschrift)

Liebes Buch, entschuldige den Fleck (Pfeil zu einem kleinen Tuscheklecks den sie da offensichtlich noch nicht magisch wegmachen konnte) - bin mal wieder beim Lernen eingeschlafen...


(junge Handschrift - man sieht, daß diese Seite mal feucht geworden ist)

Wenn ich mich wieder beruhigt habe, werde ich zum See runtergehen. Jetzt geht noch nicht, weil dann jeder sieht, daß ich geheult habe. PSS hat mich mal wieder vor der ganzen Klasse runtergemacht und mir prophezeit, daß ich es im besten Falle zur drittklassigen Köchin bringen würde - aber keinesfalls zur Zaubertrankmeisterin, woraufhin Malfoy, zur Freude von PSS, natürlich wieder auf meiner Herkunft herumgetrampelt ist.


(aktuelle Handschrift)

Was will dieser Mann eigentlich von mir? Er ist wohl davon überzeugt, daß ich immer noch Angst vor ihm habe. Dabei liegt es nur an meinem Respekt vor ihm, daß ich inzwischen den Mund halte, wenn er mich ungerechtfertigt anmacht. Heute war es wirklich Unfug mich anzubrüllen. Habe das Gefühl, daß es ihm nicht passt, daß ich nicht mehr so schnell anfange zu heulen wie früher. Damit wird er wohl leben müssen!


(ältere Handschrift)

Habe ich eine Wunderwaffe gegen PSSs Angriffe gefunden? Wenn ich ihm direkt in die Augen sehe und nicht ausweiche, wie sonst, ist die Tirade viel schneller rum.


(ältere Handschrif)

Hab von PSS geträumt. Was, das kann ich nicht einmal hier hineinschreiben - jetzt bin ich RICHTIG verwirrt. War echt gruselig - aber nicht die ganze Zeit...


(ältere Handschrift)

Es hat mal wieder keiner begriffen, warum ich gestern auch nachsitzen mußte, obwohl nur Neville seinen Trank versaut hat. Neville und ich hatten das Labor für mehrere Stunden für uns. PSS hat erlaubt, daß wir über den Trank reden. Ich konnte ihm alles erklären - und prompt hat Neville heute eine ziemlich gute Stunde hingelegt! Ich bin sicher, daß genau das die Absicht von PSS war.


(aktuelle Handschrift)

Verdammt - Warum sind mir bloß diese Hände aufgefallen?

 

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Sehr geehrter Professor Snape,

mehrfach habe ich nun schon versucht, mit Ihnen darüber zu sprechen, daß es sich bei dem, was Sie mir im Unterricht abgenommen haben, nicht einfach nur um ein Buch handelt und es mir deshalb nichts nützt, mir ein anderes Exemplar dieses Titels neu zu kaufen oder es aus der Bibliothek auszuleihen, wie Sie lediglich vorgeschlagen haben (zumal es davon in der Bibliothek gar kein Exemplar gibt).
Da Sie sich aber mit einer mir unbegreiflichen Vehemenz dagegen wehren, mit mir über dieses Thema zu sprechen, bleibt mir nun nichts anderes mehr, als Ihnen diesen Brief zu schreiben, in der Hoffnung, daß Sie in nicht gleich ungelesen verbrennen.
Vielleicht habe ich ja auf diesem Wege die Chance 'auszureden' ohne von Ihnen unterbrochen zu werden, und eventuell kostet mein Haus dieser Weg endlich einmal nicht automatisch Punkte.
Ich möchte mich noch einmal in aller Form dafür entschuldigen, daß ich mich in Ihrem Unterricht mit einem Buch beschäftigt habe, das nicht zum Unterrichtsstoff gehörte. Und mir ist klar, daß es auch dadurch nicht besser wird, daß es zum Thema Zaubertränke generell war. Ich kann Ihnen nur nochmals versichern, daß es sich bei dem, was ich darin gesucht habe ganz explizit um das Thema der Stunde gehandelt hat!
Sollten Sie einen Blick hineingeworfen haben, ist Ihnen sicherlich aufgefallen, daß ich viele Notizen hineingeschrieben habe, und in dem Kapitel über Grünblattzutaten hatte ich auch Notizen über Essenzen aus Milchgewächsblättern gemacht, die ich zu Rate ziehen wollte.
Ich weiß, daß es Sie sicher nicht interessiert, daß dieses Buch das erste Zaubererbuch gewesen ist, das ich mit selbst gekauft habe und ich kann vermutlich davon ausgehen, daß es sie auch nicht weiter beeindruckt, wenn ich ihnen sage, daß ich nicht die finanziellen Mittel besitze, um mir diese besondere Ausgabe noch einmal zu kaufen - vorausgesetzt ich würde überhaupt noch ein Exemplar finden. (Ich bin sicher, daß Sie wissen, daß dieses Buch nur in einer streng limitierten Edition erschienen ist - und deshalb waren ihre lapidaren Vorschläge, mir das Buch neu zu besorgen, gemein.)
Aber obwohl das Buch an sich schon sehr kostbar ist, hat es für mich noch einen viel unschätzbarerern Wert, weil ich die Notitzen die ich zum Unterricht über nun beinahe sieben Jahre gemacht habe, auch mit viel Arbeit, nicht wiederherstellen könnte.
Gut - vieles von dem was ich notiert habe ist inzwischen für mich Selbstverständlichkeit, aber vieles andere nicht - und es würde mich Jahre kosten, dieses gesammelte und konzentrierte Wissen wieder so zusammenzustellen. Es mag für Sie nichts Besonderes sein, was ich darin zusammengetragen habe - aber für mich ist es die Essenz dessen, was ich zum Thema Zaubertränke gelernt habe.
Ich bitte Sie eindringlichst, mir dieses Buch wieder auszuhändigen.
Bitte...

Mit freundlichen Grüßen
Hermine Granger

 

 

 

 

Kurze Anmerkung: Auf diese Idee bin ich im Alleingang gekommen. Ich halte sie weder für besonders origniell, noch behaupte ich, daß ich die einzige bin, die jemals diese Idee hatte... Es war einfach eine Idee - die übrigens schon Ende 2003 entstanden ist. Daher verweise ich nicht auf andere Geschichten, die evtl. den gleichen Grundgedanken haben. Zumal ich denke, daß es mehr als nur eine Story geben wird, die dieser hier ähneln und die lange vor meiner geschrieben wurden... Ich bin generell der Meinung, daß es fast keine Idee gibt, die nicht schon von jemandem geschrieben wurde. Irgendjemand hat mal gesagt: "Es gibt keine neuen Geschichten - es gibt nur neue Zusammenstellungen der alten Erzählungen..." - aber ich werde die Story die in den Reviews genannt wurde selbstverständlich lesen (ich kenne sie noch nicht), damit ich vermeiden kann, daß große Ähnlichkeiten aufkommen. Danke für den Tip!
Die "Unpersönlichkeit" des ersten Kapitels (die ich genauso sehe) ist übrigens das Ergebnis der Tatsache, daß ich diese Briefaktion schon einmal mit einer lieben Bekannten (Vielen Dank ;-), war eine aufregende Zeit - Deine PM) gemacht habe, wobei einer von uns die Briefe von Miss Granger und einer die von Snape geschrieben hat und ich habe damals stichpunktartig die Ausgangssituation beschrieben, damit wir wissen, wo wir loslegen können. Es ist also quasi nur eine Art Regie-Anweisung gewesen...
Satia


Miss Granger,

sollten Sie geglaubt haben, Ihre Versuche, auf einfachstem Wege das Buch zurückzuerhalten, das Sie meinten, außerhalb der gestatteten Hilfsmittel in meinem Unterricht benutzen zu dürfen, seien mir nicht verständlich geworden, so mache ich Sie hiermit darauf aufmerksam, daß es nicht der Schriftform bedarf, um mir eine Anfrage verständlich zu machen, gleich welcher banalen Natur sie auch sein mag.
Obendrein ist mir, wie Sie ja selbst zu Recht annehmen, die Seltenheit dieses speziellen Titels durchaus bekannt. Wenn meine Bemerkung bezüglich eines Neuerwerbs Sie erbost haben sollte - - - dann hat sie ihr Ziel fraglos erreicht.
Quid pro quo.
Mir ist beim flüchtigen Durchblättern des Bandes aufgefallen was Sie in Ihrem Brief auch benennen, nämlich, daß Sie sich erdreistet haben, ein renomiertes Werk der Fachliteratur mit unzähligen Kommentaren zu versehen! Darf ich demnach annehmen, daß das Manuskript für Ihr erstes Fachbuch noch vor Erwerb des Abschlusses in Hogwarts die magische Weltpresse begeistern wird?
Selbst Sie sollten es als Anmaßung erkennen, noch während Ihrer Schulzeit Fachbücher korrigieren zu wollen.
Ich werde mir diese "fachlichen" Anmerkungen selbstverständlich genauer ansehen, um zu beurteilen, ob Ihre Korrekturen wenigstens Hand und Fuß haben, oder purer Unfug sind.
Wenn Sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, sich ein solches Buch noch einmal zu kaufen, sollten Sie derlei nicht im Unterricht mit sich herumtragen, sondern an einem sicheren Ort verwahren. Ganz abgesehen davon, daß Ihnen bekannt ist, daß ich Hilfsmittel gleich welcher Art, die nicht dem genehmigten Lehrmaterial angehören, in meinem Unterricht nicht dulde.
Ich empfand übrigens den Hinweis, daß ich die Hausaufgaben für die Gryffindor-Schüler offenbar splitten muß, damit gewisse Schüler nicht von anderen abschreiben können als äußerst nützlich...
Ich möchte Sie an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich davor warnen, in meinem Unterricht Hilfsmittel zu benutzen, die obendrein speziell Sie nicht nötig hätten.
Verraten Sie mir allerdings eines - was hat Sie auf den Gedanken gebracht, ich könne einer schriftlichen Anfrage mehr Gehör schenken als einer mündlichen? War es reine Selbsterkenntnis, daß allein die Androhung einer weiteren Wortmeldung Ihrerseits zu Abwehrreaktionen des Lehrkörpers führen muß? Oder haben Sie eine Kopie Ihres Briefes für spätere Beweisführung an Professor McGonagall weitergeleitet, damit diese mich für den Fall der Nicht-Beantwortung Ihres Bitt-Pamphletes dafür zur Rechenschaft ziehen kann?
Haben Sie sich eigentlich je Gedanken darüber gemacht, warum Ihre permanent erhobene Hand im Unterricht so unfassbar nervtötend ist? Halten wir doch einmal fest: Die Tatsache, daß ich eine Frage an die Klasse richte, hat noch NIE bewirken sollen, daß die eine Schülerin die ohnehin den Lehrstoff vorwärts und rückwärts herunterbeten kann, die Antwort darauf gibt. Ist Ihnen noch nie in den Sinn gekommen, daß es die Hohlköpfe Ihres Hauses mehr zum Lernen motivieren könnte, wenn sie permanent in die unangenehme Situation gebracht werden, eine meiner Fragen nicht beantworten zu können, anstatt sich die korrekte Antwort von Miss Hermine Granger vorbeten zu lassen? (Ja, Professor McGonagall, für den Fall, daß Sie dies hier ebenfalls zu lesen bekommen - bei meiner Art zu Lehren handelt es sich durchaus um eine "Lehrmethode", die mehr bewirken soll, als Ihre behüteten Gryffindors seelisch einen Kopf kürzer zu machen...)
Allein die zwischen den Zeilen doch erkennbare Höflichkeit ihrer Anfrage hat mich dazu gebracht, darauf zu antworten, obwohl es einfach lächerlich ist, Ihnen einen Brief zu schreiben, wenn wir uns wöchentlich mehrfach, beinahe täglich, persönlich sehen.
Aber möglicherweise finden geschriebene Worte - so wie dies ja augenscheinlich durch Bücher geschieht - gezielteren Einlass in Ihr vom Lehrstoff vernebeltes Gryffindor-Hirn.
Es gibt keine schulische oder rechtliche Verordnung, die mich zwingen würde, Ihnen Ihr Buch vor Ablauf dieses Schuljahres - im Zweifelsfall sogar vor Ablauf Ihrer generellen Schulzeit - zurückzugeben. Es ist nach wie vor selbstverständlich Ihr Eigentum - ich habe es lediglich in Verwahrung genommen, weil es zu unlauteren Dingen genutzt worden ist. Dieses Recht habe ich als Lehrer an diesem Institut (wie Ihnen sicherlich bekannt ist - da Sie sonst kaum so vorsichtig vorgegangen wären, sondern längst Ihre Hauslehrerin auf mich gehetzt hätten).
Ich schließe trotzdem nicht aus, daß ich Ihnen das Buch vor Ablauf dieses Schuljahres zurückgeben werde, sofern Sie sich in meinem Unterricht vorbildlich verhalten und ich keinen weiteren Grund zur Klage finde.
Derweil werde ich mich (da Sie mich mit ihrem Brief geradezu neugierig gemacht haben auf das, was Sie so "Wichtiges" in Ihr Buch eingetragen haben), wie schon oben genannt, von der Korrektheit ihrer "Korrekturen" überzeugen. Sie dürften es hilfreich finden, wenn ich einige Ihrer Anmerkungen nun meinerseits korrigiere, falls Sie mit ihren Einträgen hier oder dort falsch gelegen haben. Schließlich und letztendlich geht es Ihnen doch - Ihrem Brief nach zu urteilen - um die fachliche Wertigkeit des Buches, nicht wahr? Und als Ihr Lehrer im Fach Zaubertränke, bin ich selbstverständlich bereit, zur Perfektion Ihres Wissensstandes beim Verlassen von Hogwarts, behilflich zu sein.

Professor. S. Snape

 

 

 

 

Sehr geehrter Professor Snape,

ich muß gestehen, daß ich niemals mit einer schriftlichen Antwort Ihrerseits gerechnet hätte und wie Sie sicher verstehen ist mir ganz und gar nicht danach zumute, auf Ihre beißenden Worte erneut zu antworten, aber angesichts dessen, was Sie geschrieben haben, bleibt mir wohl nur der Weg, Ihnen ein weiteres "Bitt-Pamphlet" zu senden.
Obwohl ich sicher bin, daß Sie längst wissen, was in diesem Buch alles zu finden ist (sonst hätten Sie das Wort "Wichtiges" wohl kaum in die fühlbar ironischen Anführungszeichen gesetzt), bleibt mir, in der Gewissheit, daß Sie sich nun sehr viel genauer mit den Eintragungen beschäftigen werden als mir lieb sein kann, ganz gryffindormäßig, nur die Flucht nach vorne.
Sie werden diverse Kommentare finden, in denen es um Sie persönlich geht.
Das, was ich davon halte, wie Sie Ihren Unterricht führen, dürfte kaum Neues für Sie bereithalten, aber sicher wird es Sie verwundern, was ich über Ihre Arbeit schreibe. So wie Sie niemals öffentlich zugeben würden, daß ich eine intelligente Schülerin bin, so würde ich niemals öffentlich verkünden, daß Sie in meinen Augen nicht nur dem Titel nach ein Meister der Zaubertränke sind. Ich bringe Ihrer Arbeit tiefen Respekt entgegen und zolle Ihrem Wissen auf diesem Gebiet die größte Bewunderung.
Ich bitte Sie höflichst und eindringlich: ersparen Sie es Ihnen und mir, irgendetwas anderes aus den Kommentaren herauszulesen als diese beiden Punkte. Es ist definitiv nichts anderes in den Kommentaren enthalten.
Meine "Schwärmereien", wie Sie es sicherlich hämisch lachend nennen werden, gelten Ihrer Intelligenz und Ihrem Wissen - nicht dem Mann...
Wieviel peinlicher kann eine Offenbarung werden? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß ich mich selbst in diese Situation hineinmanövriert habe und es deshalb offenbar nicht besser verdient habe. Angesichts der Tatsache, daß ich eigentlich wirklich nichts verbrochen habe, widert es mich an, Sie in dieser Situation so dermaßen auf der triumphierenden Sieger-Seite zu sehen. Aber da es meine Ungeschicktheit und Dummeheit ermöglicht hat, daß Sie was mich betrifft nun dort stehen, wo Sie stehen, will ich Ihnen die Genugtuung gönnen und mich im Unterricht ab sofort Ihren neuen Bedingungen entsprechend verhalten in der Hoffnung, daß Sie mir das Buch nicht erst nach Ablauf meiner Schulzeit zurückgeben. Ich werde mich in Ihrem Unterricht nicht mehr melden, sondern nur noch auf konkrete Fragen das Wort erheben.
Der einzige, magere Triumph der mir bleibt, ist die Tatsache, daß es beinahe sieben Jahre, eines dummen Zufalls und einer Erpressung Ihrerseits bedurfte, um Sie erreichen zu lassen, daß ich mich so verhalte.
Es mag sein, daß es sich bei dem, was Sie im Unterricht tun um "Ihre" Form des Lehrens handelt und ich bestreite nicht einmal, daß sie erfolgreich ist. Aber ich weiß auch, daß jeder andere Lehrer und jede andere Lehrerin - einschließlich Professor Binns und Professor Trelawney ebenfalls viel Wissen vermittelt haben und daß dazu keine Wutausbrüche und keine Tränen erforderlich waren. Ich bin nicht sicher, daß das Maß, das Ihre Lehrmethode unzweifelhaft mehr an Wissen in die Schüler "hineinprügelt" es wert ist, daß man Angst vor ihnen hat. Ich bin ganz sicher keine der beliebtesten Schülerinnen dieser Schule und ich weiß, daß man mich hinter meinem Rücken als unangenehme Besserwisserin bezeichnet, womit ichleben kann- aber Merlin möge bewahren, daß man jemals Angst vor mir hat. Nichts wäre mir das wert...
Aber bevor ich mich hier in Ausschweifungen verstricke, muß von mir noch erwähnt werden, daß Sie aus meinen Charaktereigenschaften zumindest die Anmaßung streichen können, die Sie mir unterstellen.
Nein, ich habe nicht vor, die Fachwelt mit meinen geistigen Ergüssen zum Thema Zaubertränke zu erfreuen. Mir ist bewußt (und ich behaupte jetzt einfach einmal: mehr als den meisten meiner Mitschüler), daß ich Schülerin bin. Lernende... Und weit davon entfernt, mehr Wissen vermitteln zu können oder zu wollen, als eine Hausaufgabenhilfe oder gemeinsames Üben für eine Prüfung darstellen würde.
Sie werden feststellen, daß es sich in dem Buch im Prinzip nicht um meine Korrekturen des Buchtextes handelt - sondern um Ihre... ich habe sie lediglich niedergeschrieben. Sollte sich darunter "Unfug" befinden, wäre es dementsprechend Ihr Unfug. Aber Sie können versichert sein, daß ich jeden einzelnen Eintrag zum Fachlichen persönlich überprüft habe. Anfangs in der charakterlich sicherlich sehr zweifelhaften und kindischen Absicht, Ihnen aus Rache für Ihr Verhalten mir gegenüber, Fehler nachweisen zu können - später, als klar war, daß es einen solchen Nachweis nicht geben würde, aus rein wissenschaftlicher Neugier.
Ich habe es übrigens nicht nötig gehabt, eine Kopie meines Briefes an meine Hauslehrerin weiterzureichen - noch habe ich ihre Antwort an sie gegeben. Ich bin durchaus in der Lage, mich selbst meiner Haut zu wehren und die Zeit in der ich mich heulend zurückgezogen habe, wenn etwas nicht nach meinem Willen lief, sind Geschichte.
Da Sie allerdings solche Befürchtungen äußerten, kann ich vermutlich davon ausgehen, daß Sie von sich auf andere geschlossen haben und selbst keine Hemmungen hätten, Ihrerseits meine Brief eventuell an Dritte weiterzureichen, für die meinen Worte nicht gedacht waren. Ich habe allerdings kein Interesse daran, meine Eingeständnisse Ihnen gegenüber am Schwarzen Brett wiederzufinden. Daher habe ich diesen Brief nun mit einem einfachen Zauber belegt, der es nur noch Ihnen ermöglicht, diese Zeilen zu lesen. In Ihrer Nähe entwickelt man im Laufe einiger Jahre eine (un?)gesunde Form von Paranoia...
Ich fasse noch einmal zusammen: Ich werde mich bis zum Ende dieses Schuljahres in Ihrem Unterricht so verhalten wie Sie es sich schon immer gewünscht haben - - - verzeihen Sie, ich meinte selbstverständlich: so verhalten, wie Sie wünschen. Ich werde nichts mehr mit in den Unterricht bringen, was von Ihnen nicht explizit gefordert wurde.
Ich gratuliere Ihnen zum Sieg, Professor Snape.

Mit höflichen Grüßen
Hermine Granger

PS. Sie können übrigens davon ausgehen, daß das Ende des siebten Schuljahres für mich mit dem Ende meiner Schulzeit übereinstimmen wird.
PPS. Herzlichen Dank für die Splittung der Hausaufgaben in der heutigen Stunde. Ich habe selten mit soviel Ruhe meine Arbeit erledigen können...

 

 

 

 

Der folgende Brief wird noch am gleichen Tag - aber mitten in der Nacht - von einer unscheinbaren, recht kleinen Eule an Hermines Fenster abgegeben. Gerade als die kleine Eule das Papier loslassen will, kommt ein Rabe angeflogen, der die Eule angreift, auf sie einhackt und ihr beinahe den Brief entreißt, als solle er verhindern, daß der Brief seinen Adressaten erreicht. Aber Hermine ist schnell genug, greift rettend nach der Eule, schlägt nach dem Raben und verschließt erschrocken das Fenster. Der Brief ist leicht beschädigt, aber ansonsten in Ordnung. Allerdings ist die Schrift "unordentlicher" als bei dem ersten Brief. Irgendwie fahriger... Während die leicht verstörte Eule ihren Keks frißt, liest Hermine...


Sehr geehrte Miss Granger,

Sie sollten unter die Juristen gehen. Während meine Angriffe wenigstens offen formuliert sind, sind Ihre unverschämten Unterstellungen und anmaßenden Definitionen meiner Person in einer derart gekonnten Weise in geradezu schmeichelnd anmutende Phrasen eingebunden, daß man beim ersten Lesen Ihres Briefes glauben könnte, es sei das gemeint, was er oberflächlich auszudrücken scheint. Das Wappentier Ihres Hauses sollte vom Löwen in eine Katze verändert werden, denn nur diese hinterhältigen Tiere sind in der Lage mit ausgefahrenen Krallen so täuschend echt zu schnurren...
Um der Wahrheit die Ehre zu geben - ich hätte an Ihrer Stelle ebenfalls nicht mit einer Antwort meinerseits gerechnet und bin in diesem Moment, so wie Sie es vermutlich auch sein werden, erneut überrascht, daß ich diese Zeilen schreibe.
Warum ich dieses Wortgefecht weiterführe? Nennen Sie es die slytherinsche Variante dessen, was man in Gryffindor vermutlich Sportsgeist nennen würde.
Vielleicht liegt es auch an dem überaus großartigen Wein den unser Schulleiter mir zu meinem letzten Geburtstag hat zukommen lassen, und den ich mir für eine besondere Gelegenheit aufgehoben hatte, die nun gekommen war. Eigentlich wollte ich nicht zurückschreiben, aber jedes Glas dieses wunderbaren Rotweins hat mich stärker davon überzeugt, daß es eigentlich eine Verschwendung hochwertiger Agressionsbereitschaft wäre, nicht zu antworten.
Ihr Brief übertrifft in seiner Dreistigkeit alles, was mir in meiner bisherigen Lehrtätigkeit zugekommen ist. Miss Granger, ich ziehe meinen imaginären Hut vor Ihrer inspirierenden Kampfeslust und Ihrer Fähigkeit eine Gratulation zu meinem Sieg auf eine Weise "einzupacken" die mich als Verlierer dastehen ließe, wenn ich nicht erneut reagieren würde.
Vielleicht lasse ich Sie aber auch nur aus purer Neugier darüber, wie weit Sie diesen Weg zu gehen wagen werden, gewähren. Ihnen muß klar sein, daß Sie sich auf Terrain bewegen, das einer Schülerin unter gar keinen Umständen zusteht. Aber um des Spiels willen, will ich Ihnen gestatten, ungestraft noch ein paar Schritte weiterzugehen.
Selbstverständlich wußte ich, was in Ihrem Buch zu finden war. Und wenn Sie darauf bestehen, daß ich in den Kommentaren nicht zwischen den Zeilen lese, werde ich ich dies selbstverständlich unterlassen. Möchten Sie auch, daß ich es unterlasse, Sie im Unterricht mit meinen - warten Sie...wie hatten Sie sie doch gleich genannt... ah ja... "eleganten Händen" abzulenken? Ihr Wunsch, Miss Granger ist mir natürlich Befehl...
Aber nun zurück in die Realität - ich bin in der Lage zu begreifen, daß Sie keine Gefühle pubertärer Art für mich hegen, nur weil von möglicherweise tausenden von Einträgen, die sich zudem auf einen Zeitraum von fast sieben Jahren verteilen, einige wenige Male meine Person in einer - nennen wir es einmal "unangebrachteren" - Weise genannt wird. Schon gar nicht, wenn sich in der gleichen Handschrift, also aus den selben Zeiträumendie sehr viel üblicheren Hass-Tiraden finden.
Ich bin schon deshalb in der Lage dies zu begreifen, weil Sie in Ihrem geradezu unmenschlichen Eifer für das Studium der Magie überhaupt keine Zeit für derlei hätten... weder in Ihrer eigenen Altersgruppe noch in unangebrachten Kreisen. Vielleicht sollten Sie Ihr Studium auch auf dieVerhaltensweisen richten, die die menschliche Rasse ausmachen und zu denen, sofern ich mich recht erinnere, zwangsläufig auch ein gewisses rituelles Verhalten dem anderen Geschlecht gegenüber erforderlich ist. Wenn ihr scharfer Verstand nicht dadurch verloren gehen soll, daß Sie ihn nicht an Nachkommen weiterreichen, sollten Sie das eine oder andere Buch zugungsten der Auslebung pubertärer Notwendigkeiten liegenlassen. Es wäre für Mr. Weasley sicher eine Erlösung, wenn Sie dies endlich erkennen. Der Arme kann einem inzwischen fast leid tun...
Sie wollen wissen, wieviel peinlicher eine Offenbarung werden kann? Vielleicht sollte Albus Dumbledore Ihnen bei Gelegenheit einmal seine Ansammlung von Briefen liebeskranker Schülerinnen zeigen... DAS ist peinlich...
Mir fällt gerade auf, daß Wein-Trinken und Briefeschreiben nicht unbedingt zwei Dinge sind, die zusammengehören - entschuldigen Sie die Handschrift... aber ein paar Dinge müssen noch geschrieben werden.
Sie wollen Sich "meinen Regeln entsprechend" im Unterricht verhalten? Lassen Sie das bleiben. Oder wie wollen Sie dies Ihren Mitschülern erklären? Nun ja, vielleicht wäre eine verlorene Wette ein Argument...
Ich erwarte lediglich keinen Widerspruch und keine Hilfsleistungen mehr an Ihre Mitschüler.
Und hier bin ich dann an der Stelle angelangt, für die Ihr Brief entweder verbrannt gehört, oder für die Sie einen Orden erhalten sollten.
Es bedurfte also eines dummen Zufalls und einer Erpressung meinerseits, damit Sie sich im Unterricht so verhalten "wie ich es wünsche"?
Sie beschuldigen mich der Erpressung. Sie behaupten, ich hätte das Verhalten meiner Schüler nicht im Griff. Sie nennen meine Methode zu Lehren "hineinprügeln" und letztendlich bitten Sie Merlin darum, daß er verhindern möge, daß man Ihnen die gleichen Empfindungen entgegenbringt wie mir...?
Miss Granger... das Glas, das neben diesem Briefbogen steht, trinke ich auf Sie, weil Sie es geschafft haben, meinen persönlichen Rekord in konzentrierten persönlichsten Beleidigungen zu brechen... Sie... eine Gryffindor...
Allein dies geschrieben zu haben, läßt mich diesen Brief jetzt schon einmal vorsorglich auf die gleiche Form magisch versiegeln, die Sie für Ihren genutzt haben.
Sie gratulieren mir zum Sieg, Miss Granger? Ich kann nur sagen "touché"
Sie haben nun ebenfalls eine Schlacht gewonnen. Bleibt herauszufinden, wer diesen Krieg gewinnt, den Sie da entfacht haben.
Oh... was den Krieg, einzelne Schlachten und Niederlagen betrifft, habe ich hier etwas für Sie: Was das Ende Ihrer Schulzeit betrifft, über dessen TerminSie ja so überaus sicher sind,verrate ich Ihnen ein Geheimnis. Und ich vertraue auf Ihre Gryffindor-Ehre, daß Sie mich nicht als Quelle dieser Information verraten. Ich würde es ohnehin leugnen.
Die selbstverständlich hochkompetente Professor Trelawney (der Sie ja in Ihrem Brief ebenfalls sehr gute Lehreigenschaften bescheinigt haben) beabsichtigt, konkret Ihren (und NUR Ihren) praktischen Prüfungsteil aus Gründen die durch die Schulordnung realisierbar sind, auf vier Fünftel anzuheben. Sollten Sie den praktischen Teil in diesem Fach nicht bestehen - wovon laut Professor Trelawney auszugehen ist - wären Sie gezwungen, in diesem Fach eine Nachprüfung abzulegen, die erst nach den Ferien erfolgen würde.
Ich denke nicht, daß es Sie den Abschluß kosten würde, aber selbstverständlich würde dieser "Patzer" im Abschlußzeugnis erwähnt werden...
Damit Sie sich noch weiter auf die Vorbereitung der Prüfungen konzentrieren können, ohne daß Sie nervende Mitschüler zu fürchten haben, werde ich die von Ihnen ja ganz offensichtlich begrüßte Splittung der Hausaufgaben noch konkreter vornehmen, damit Sie sich nicht plötzlich mit Freizeit konfrontiert sähen, die sie vor die erschreckende Aufgabe stellen würden, sich eventuell doch mit zwischenmenschlichen Ritualen beschäftigen zu müssen. Stellen Sie sich doch nur vor, Mr. Weasley bekäme heraus, daß Sie einen ganzen Tag lang ohne Beschäftigung sind...
Oh... aber nun fällt mir wieder ein, daß es ja eigentlich erstrebenswert wäre, wenn Sie sich der Tatsache wieder besinnen würden, daß sie weiblich sind... vielleicht sollte ich Sie stattdessen lieber von den Hausaufgaben entbinden?
Was meinen Sie, Miss Granger?
Oder hält Sie die Angst die man vor mir ja offenbar haben muß, davon ab, mir noch einmal Ihre Meinung zu sagen? Das wäre bedauerlich...

Severus Snape

 

 

 

 

Der folgende Brief erreicht Snape noch vor dem Frühstück...


Sehr geehrter Professor Snape,

vielleicht sollte ich mich wirklich für eine Laufbahn als Juristin interessieren? Dann könnte ich zum Beispiel Zauberern und Hexen, die sich vor Gericht wegen fragwürdiger Dinge verantworten sollen, helfen, stattdessen einen guten Arbeitsplatz in einem renomierten Institut wie z.B. Hogwarts zu bekommen... ach nein... das macht ja bereits unser Schulleiter. Dann bleibe ich doch lieber bei dem Berufsweg, den ich ursprünglich angestrebt habe. Auch wenn es Ihnen keineswegs gefallen wird (wahrscheinlich erzähle ich es Ihnen genau deswegen), plane ich einen Studiengang in den Fächern Zaubertrank- und Runenmagie.
Mein Brief übertrifft jede Dreistigkeit die Ihnen vorher zugekommen ist? Lesen Sie sich doch, bevor Sie sie abschicken gelegentlich noch einmal Ihre eigenen Zeilen durch... wenn Sie unfassbare Dreistigkeit und Beleidigungen suchen, werden Sie dort im Übermaß fündig werden! Ich könnte Ihnen wahlweise auch einfach die Erinnerung an eine beliebige Ihrer Unterrichtsstunden, in ein Denkarium gelegt, zur Verfügung stellen.
War eigentlich der Pathos Ihres letzten Briefes, oder die Tatsache daß man zwischen den Zeilen lesen konnte, daß ich eventuell einen Nerv hinter Ihrer undurchdringlichen Fassade getroffen habe, der Grund dafür, daß Sie es sich mit dem Versenden des Briefes in letzter Sekunde doch noch anders überlegen wollten? Wenn Sie der offenbar übermäßige Genuss von Wein in Ihrer Entscheidungskraft in Bezug auf so eine banale Entscheidung wie das Abschicken eines Briefes beeinflußt, sollten Sie demnächst vielleicht von dem Genuss alkoholischer Getränke absehen, wenn Sie eine Entscheidung treffen müssen, die relevanter ist als ein Gang ins Bad.
Der Rabe hätte die Eule, die nichts als ihren Job gemacht hat, beinahe umgebracht! Entweder Sie schreiben, oder Sie schreiben nicht - aber lassen Sie Ihre Unentschlossenheit nicht am Leben eines kleinen Tieres aus - auch wenn das vielleicht Ihrem Wesen entsprechen sollte!
Wenn ich morgen früh kaum die Augen im Unterricht aufhalten kann, dann können Sie das mit Freuden Ihrer Person zuschreiben, denn ich habe mich entschieden, noch eine Weile Wache über den kleinen Nachtvogel zu halten, bis ich sicher gehen kann, daß er die Attacke unbeschadet überstanden hat. Zu müde zum Lernen nutze ich die Zeit stattdessen, um Ihnen eine gepfefferte Antwort auf Ihre frisch übermittelte neue Kampfansage zu schreiben!
Sie sind neugierig, wie weit ich mich zu gehen wage? Professor Snape, ich habe bisher nicht einmal den ersten Schritt ganz getan und beabsichtige den Weg bis zum bitteren Ende zu gehen, sollte sich dies als notwendig herausstellen.
Es ist erstaunlich, wie gut es tut und wie befreiend es sein kann, Ihnen auf diesem Weg einmal relativ unverblümt die Meinung zu sagen! Das Angebot, mich "ungestraft" noch einige Schritte gehen zu lassen, beflügelt sehr.
Und wo ich jetzt gerade einmal in Fahrt bin: Wenn Ihnen klar ist, daß die wenigen unangemessenen Kommentare nichts weiter zu bedeuten haben, dann verkneifen Sie sich gefälligst auch Zitate aus dem Buch, die unterstellen, daß doch mehr gemeint sein könnte. Die Eleganz Ihrer Hände und die Art wie Sie sie benutzen ist ohnehin ein an Sie verschwendetes Geschenk der Natur. Und wenn ich daran denke, zu was alles Sie Ihre Stimme einsetzen könnten, anstatt damit Schüler an den Rande eines Nervenzusammenbruchs zu bringen... dann möchte ich sie packen und schütteln, bis Sie endlich einsehen, wie anders es sein könnte!
Himmel! Warum muß ein Verstand wie Ihrer in einer so ungenießbaren Verpackung daherkommen? Dabei habe ich manchmal das Gefühl, daß Sie den Widerling nur vorschieben, um Ihre Ruhe zu haben! Ich weiß ja, wie Ihnen offenbar aufgefallen ist, daß eine gewisse Nicht-Beachtung gewisser Personen von Vorteil sein kann, aber nicht jeder Schüler dieser Schule ist ein hormonell gesteuerter Ron Weasley der es auf Sie abgesehen hat! Und es geht Sie übrigens absolut überhaupt gar nichts an, ob ich ein Liebesleben habe und wie und mit wem ich dieses gestalten würde! Es ist schon außerordentlich dreist, wenn ausgerechnet jemand wie Sie mir mangelnde zwischenmenschliche Interaktion vorwirft. Es liegt übrigens auch nicht in meiner Absicht, die Welt mit meinen Genen zu "beschenken", indem ich im Alleingang eine Quidditch-Mannschaft gebäre.
Ich hatte wohl gehofft, daß wenigstens Sie begreifen, daß es mir bei meinem Lerneifer nicht um das Erreichen von Ruhm und Ehre, oder gar um die Unsterblichkeit in Form von Nachkommen geht, sondern einzig und allein um den tiefen Wunsch, mir selbst und meinen eigenen Ansprüchen genügen zu können. Ich weiß selbst, daß es dumm ist, auch den Ansprüchen der Menschen um einen herum genügen zu wollen (wobei ich sicher bin, daß Sie zumindest DIESE Anwandlung nicht aus eigener Erfahrung kennen und wohl eher befremdlich finden). Aber umso schrecklicher ist es, wenn man dann eindeutig den Ansprüchen eines Menschen, dessen Wohlwollen einem besonders wichtig wäre, nicht genügen kann - ganz gleich, was man tut...
Oh je... Sie werden Sich mit Begeisterung in meinen sentimentalen Anwandlungen aalen - soviel steht fest... aber was soll's...
Der kleinen Eule scheint es wieder besser zu gehen. Sie hatte sich wirklich erbärmlich bei dem Angriff des Raben erschrocken. Ich dachte kurz, sie fiele mir vor Angst einfach tot vom Fensterbrett... aber sie ist ein tapferes, kleines Ding.
Aber zurück zu Ihrem Brief. Professor Snape, ich war außerordentlich überrascht, als ich am Ende Ihres Briefes beinahe so etwas wie Betroffenheit zu erkennen glaubte...
Waren Sie lediglich in Ihrer Ehre gekränkt? Oder hat es Sie wirklich getroffen, daß ich von "hineinprügeln" gesprochen habe? Von Ihnen mit Worten angegriffen zu werden, wenn Sie wieder einmal regelrechten Missbrauch Ihrer Stimme betreiben indem Sie sie als brachiale Waffe benutzen, entspricht dem Gefühl, geprügelt zu werden. Es macht keinen Unterschied, ob Sie einen Schüler real schlagen, so daß er auf die Knie geht, oder ob Sie dies mit einem Blick aus Ihren Augen tun, die so grausam scheinen und die in ihrer dunklen Tiefe ganz sicher zu so viel anderen Dingen in der Lage wären. Auch scheint Ihnen nie wirklich bewußt geworden zu sein, daß Ihr Verhalten nicht nur Respekt sondern in der Tat Angst vor Ihnen verursacht. Versuchen Sie doch einmal, in der Körpersprache der Schüler zu lesen, die vor Ihnen sitzen... es sind nur wenige darunter, die Sie nicht fürchten...
Professor, man muß sich an dieser Schule und auch mit Ihnen als Lehrer Tränen ganz schnell abgewöhnen, weil sie einen noch verwundbarer machen, als man es in dieser Umgebung ohnehin schon ist. Aber manches Mal, wenn Sie mich gerade wieder irgendetwas gelehrt haben, das mich in seiner Komplexität begeistert, wenn es Ihnen gelungen ist, wie es nur Ihnen gelingt, mich so zu fordern, daß ich wieder einmal über mich hinauswachsen durfte und konnte, wenn ich am liebsten einfach zu Ihnen kommen würde, um Sie um ein Gespräch zu bitten, weil ich nicht aufhören will, wenn die Stunde herum ist, dann möchte ich mich in mein Zimmer verkriechen und weinen, wenn ich stattdessen Ihre hochgewachsene, unnabare, schwarze, abweisende Gestalt sehe und weiß - "niemals wird das geschehen"...
Verflucht noch mal! Ich will MEHR von Ihnen als nur ein paar Unterrichtseinheiten! Ich will von Ihnen nicht nur Buchtitel und Lernanweisungen! Ich will mit Ihnen diskutieren! Ihre persönliche Meinung zu allen möglichen Theorien hören! Ich will meine Möglichkeiten bis zur Neige austesten! Ich will meine Grenzen kennenlernen und weiß, daß nur Sie sie mir zeigen können! Ich lerne und lerne und lerne - und ernte Lob und Begeisterung unter den Lehrern, aber es ist so unfassbar stumpfsinnig nur nachzudenken, was andere vor mir längst gedacht haben. Ich möchte vor Wände aus komplexen Rätseln laufen, durch die ich mich mit meinem Geist hindurchkämpfen muß - aber alles was ich finde, sind weit offene, endlos lange Gänge, durch die ich hindurchrenne bis ich keine Luft mehr habe.
Ich will NEUE Gedanken denken. Und es macht mich rasend, Stunde um Stunde vor Ihnen zu sitzen, und zu wissen, daß Sie in Ihrem Kopf haben, was ich will! Sagen Sie mir, was ich tun muß, damit Sie mich ernst nehmen und mich teilhaben lassen an dem, was Ihnen so wichtig ist. Die Zaubertrankmagie muß Ihnen wichtig sein, sonst wären Sie nicht ein solcher Meister auf diesem Gebiet. Wie gelange ich da hin, wo Sie sind? Was muß ich tun? Wie erreiche ich das?
Wie sind Sie dorthin gekommen?
Ich weiß nicht, warum ich Ihnen dies schreibe, wenn doch so überaus klar ist, wie Sie darauf reagieren werden. Es ist wirklich zum heulen... und ich muß hier aufhören, weil ich sonst das Gefühl irgendetwas durch die Gegend werfen zu wollen nicht mehr unterdrücken kann. Eines muß ich Ihnen lassen, niemand füllt meinen Organismus so sehr mit Adrenalin wie Sie. Jetzt werde ich erst recht nicht mehr schlafen können, obwohl die Sonne bereits aufgeht.
Der Eule geht es wieder gut. Ich werde Sie mit diesem Brief zurückschicken, warne Sie aber noch einmal eindringlichst davor, das hübsche Tier noch einmal in solch eine Gefahr zu bringen.
Sollte ich auf diesen Brief tatsächlich noch eine Antwort erhalten, kann ich jetzt, in diesem Moment nicht einmal vermuten, wie sie aussehen wird... ich könnte mir nur vorstellen, daß sie diesen Brief, den Sie jetzt gerade in Händen halten, so nicht vermutet hätten.
Wie auch immer - wenn es sonst schon nichts gebracht hat, hätte ich Sie wenigstens einmal überrascht...

Mit freundlichen Grüßen
Hermine Granger

PS. Das Wappentier des Hauses Gryffindor ist übrigens absolut zu Recht ein Löwe und keine Katze. Denn die herausragendste Eigenschaft der Gryffindor ist neben ihrem fast legendären Mut auch die bei den Löwen bekanntermaßen von der Natur festgelegte Tatsache, daß die Löwinnen die komplette Arbeit zu erledigen haben, während die Löwen lediglich faul in der Sonne herumliegen und ab und zu den wilden Mann spielen.

PPS. Danke für die Warnung vor Professor Trelawney... ich werde mich darauf einstellen...

 

 

 

 

Anmerkung: Es ist korrekt, daß Hermine Wahrsagen abgewählt hat, aber es ist durchaus möglich, daß sie es aus irgendeinem Grund (z.B. Einschreibebedingung für die Magie-Uni? Wie bei uns vielfach das Latinum?) im siebten Jahr doch wieder nehmen mußte... und da das hier so schön gepaßt hat - ist das in meiner Version halt so +ggg+


Seit Hermines Brief ist fast eine Woche vergangen. Die zwei haben in der kompletten Woche so getan, als wäre alles absolut normal. Ein wenig auffällig ist für die anderen höchstens, daß Hermine so viele Aufzeichnungen im Unterricht macht, daß sie kaum noch Zeit findet, sich zu melden... da sie dadurch aber in einem für sie sehr angenehmen Maße weniger Zielfläche für Snapes Sarkasmus zu bieten scheint, findet niemand es verwunderlich, daß sie das beibehält...

Hermine geht inzwischen davon aus, daß sie keinen weiteren Brief erhalten wird, als abends wieder die kleine Eule an ihr Fenster pickt und einen ausgesprochen dicken Umschlag bei sich hat...


Sehr geehrte Miss Granger,

Ich habe mich bei meiner Zwergeule, ihr Name ist übrigens Helena, für das, was ihr geschehen ist, entschuldigt. Der Angriff dürfte allerdings schlimmer ausgesehen haben, als er es war, denn Helena ist die Angriffe von Alexander, meinem Raben, aus ihren täglichen kleinen Kämpfen längst gewöhnt, aus denen sie übrigens nicht selten als Siegerin hervorgeht. Auch Professor McGonagall ist stets um Helena besorgt, aber letztendlich muß sie doch immer einsehen, daß für die Eule keine Gefahr besteht, da sie es versteht, ihren Gegner mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, im Zweifelsfall sogar, indem sie ihn schlicht mit einem Blick aus ihren großen Augen um den Finger, pardon - die Feder - wickelt.
Aber Sie haben trotzdem Recht, daß meine Vorgehensweise unangebracht war. Und es würde mir wohl kaum gut zu Gesicht stehen, die Schuld dafür auf den Wein zu schieben...
Ich werde die folgenden Worte sehr vorsichtig wählen. Sicherlich vorsichtiger, als Sie es von mir gewohnt sind. Ich bewege mich damit auf Neuland und bitte Sie, zu versuchen, nicht zwischen den Zeilen zu lesen. Ich werde versuchen, alles was ich sagen will IN die Zeilen zu schreiben.
Ich habe Ihren Brief oft - sehr oft - durchgelesen und obwohl darin eigentlich nichts stand, was mir neu sein sollte, hat er mich in der Tat betroffen gemacht.
Entschuldigen Sie das Schmunzeln das auf meinen Lippen liegt, obwohl mir zu allem anderen als zum Lachen zumute ist, aber ich kann Sie jetzt vor mir sehen, wie sie mit vermutlich sehr weit geöffneten Augen und - wie es Ihre Art ist, wenn Sie schockiert sind - offenem Mund auf diese Zeilen starren - und ihn jetzt selbstverständlich schließen, weil es Ihnen unangenehm ist, daß Sie darauf aufmerksam gemacht wurden...
Es ist schon sehr seltsam... Sie haben geschrieben, ich solle auf die Körpersprache der Schüler achten - - - das tue ich... jeden Tag... in jeder Unterrichtsstunde... schon allein deshalb, weil es für mich ein Mittel ist, vorauszusehen, wann ein Schüler einem Trank etwas Falsches, Gefährliches hinzufügen will. Ich weiß wie jeder einzelne von Ihnen aussieht, wenn er konzentriert ist und ich weiß wie jeder einzelne von Ihnen aussieht, wenn er nur so tut, als sei er konzentriert... ich weiß von jedem wie er aussieht, wenn er unsicher wird und ich kann allein an der Körpersprache erkennen, ob es einem Schüler egal ist, ob er Fehler macht, oder ob er versagt, obwohl er sich bemüht... Ich weiß, daß Ronald Weasley gefährlich wird, wenn er unsicher wird und ich weiß, daß Neville Longbottom gefährlich wird, wenn er sich seiner Sache sicher ist! Ich weiß, daß aufgeregte Konzentration oder Unsicherheit ihrer Unterlippe nicht bekommen, ich weiß, daß sie sehr viel weniger Wert auf Maniküre legen als auf korrekt geschälte Zaubertrankzutaten, Ich weiß, daß Sie sehr viel länger als es natürlich wäre, den Atem anhalten, wenn der Trank vor Ihnen sich in einem entscheidenden Stadium befindet und ich weiß, wie Ihr Körper die Spannung entläßt, wenn der Trank sich auf die gewünschte Weise entwickelt hat.
Ich könnte jede Bewegung beschreiben, die Sie in meinem Unterricht machen, jede Regung, jeden Blick - und ich war dem Irrtum erlegen, ich würde Sie deshalb kennen...
Und nun stelle ich zu meinem grenzenlosen Erstaunen fest - ich kenne Sie nicht...
Ich habe angsichts dieser Novität lange überlegt und bin anfangs zu dem Schluß gekommen, daß Sie diesbezüglich schlicht und ergreifend eine Ausnahme darstellen. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto bewußter wurde mir, daß ich nur den gleichen Fehler ein zweites Mal begehen würde, wenn ich davon ausgehe, daß ich alle anderen Schüler korrekt beurteile.
Ich weiß nicht genau, was ich mit dieser neuen Erkenntnis nun anfangen soll und fühle mich im Moment damit, so schwer es mir fällt das zuzugeben, ein wenig überfordert...
Eine Gryffindor, die sarkastische Bemerkungen über ihr eigenes Haus macht.
Ein Slytherin, der mangelnde Menschenkenntnis zugibt.
Die Säulen Hogwarts scheinen zu wanken, Miss Granger...
Ihr Brief hat mich - gelinde gesagt - verwirrt.
Allerdings scheinen auch Sie mich falsch einzuschätzen. Weder taugt meine Stimme zu anderem als zu dem, wozu ich sie nutze, noch findet sich in meinen Augen etwas Besonderes. Allein die Tatsache, daß ich es einem ungünstigen Gen-Pool zu verdanken habe, daß sie dunkelbraun sind, ist kein Grund, dort mehr Tiefe zu vermuten, als vorhanden ist. Anderes zu erwarten, hieße sentimental sein und das alleine wäre für mich, wie Ihnen klar sein dürfte, wieder ein Grund meine Stimme auf die bekannte Weise einzusetzen...
Viel dramatischer ist die Falscheinschätzung allerdings bei den Möglichkeiten die Sie in mir als Wissenschaftler vermuten (gerade ist eine Säule eingebrochen, haben Sie es gehört? Noch mehr offene Worte und ich reiße Hogwarts mit diesem Brief nieder...). Es mag sein, daß ich viel über mein Fachgebiet weiß, aber ich bezweifel, daß es mehr ist, als Professor McGonagall über Verwandlungen weiß, oder Professor Sprout über die magische Pflanzenwelt... Zugegebenermaßen ist die Welt der Zaubertränke außergewöhnlich komplex und bietet vielfache Möglichkeiten zur Forschung, aber ansonsten...
Mit meiner Liebe zu den Zaubertränken haben Sie Recht. Ohne wenn und aber... es ist verständlich, daß Sie, wenn Ihnen meine Hingezogenheit zu meinem Fachgebiet bewußt ist, Wissen vermuten, das über das normale Maß hinausgeht.
Zwingen Sie mich aber bitte nicht, nun auch noch über mich selbst nachzudenken, um darüber urteilen zu können, ob Sie mit Ihren Vermutungen richtig liegen. Ich weiß nur soviel, daß ich weiß, wovon ich spreche, wenn das Thema Zaubertränke ist.
Aber Sie sprachen noch ein anderes, wichtiges Thema an. Sie sind der Meinung, es sei mir nicht aus eigener Erfahrung bekannt, wie es ist, den Ansprüchen anderer genügen zu wollen? Oh, Miss Granger... wie sehr Sie sich in diesem Punkt täuschen... Diese Erfahrung, dieses "Wollen" hat mich zu dem gemacht, der ich bin. Seien Sie also vorsichtig, daß Sie nicht den gleichen Weg einschlagen, wenn Sie nicht dort ankommen wollen, wo meine Endstation war. Zumal ich befürchte, daß Sie nicht ohne weiteres damit klarkommen würden, daß man alleine dort ankommt. Sie haben Recht (noch eine Säule...) wenn Sie mir vorwerfen, es sei anmaßend, wenn ausgerechnet ich Ihnen unterstelle, Sie wären zwischenmenschlich nicht aktiv genug. Aber ich warne Sie trotzdem, indem ich Sie darauf aufmerksam mache, daß Sie einige Dinge verpassen, die Sie später bereuen werden und die nicht nachholbar sind...
Die langen, offenen Gänge, die Sie beschreiben, kenne ich ebenfalls. Es gab nur drei Magier in meinem Leben, die vor mir diese Wände aufstellen konnten, nach denen ich genauso gegiert habe, wie Sie. Die fachlichen Wände waren von Albus Dumbledore und Nicolas Flamel, die dritte Wand, auf deren Durchdringen ich heute nicht mehr stolz bin, stammt von... nun ja... Sie können sich denken, von wem...
Sie, Miss Granger, sind das Musterbeispiel für eine Hexe, die sich von dem Versprechen von Wissen an den Teufel verkauft. Ich weiß, wovon ich rede...
Und da ich durch Ihren Brief begriffen habe, daß ich selbst damals andere Wege gegangen wäre, wenn man mir rechtzeitig eine Wand gegenübergestellt hätte an der ich mir den neugierigen Kopf hätte einrennen und an der ich meinen unruhigen Geist hätte reiben können, unterbreite ich Ihnen ein Angebot.
Sie finden als Anlage an diesen Brief Kopien meiner bisherigen Forschungsergebnisse zum Versuch Teile des Skarabäus mit Phönix-Tränen zu kombinieren, um einen Heiltrank herzustellen, der die Wirkung der Phönix-Tränen hat, ohne daß ein Phönix zugegen sein muß, um sie "frisch" zu verschenken. Fawkes hat sich bereiterklärt, an den Versuchen mitzuwirken, solange in den Trank eine Art "Gesinnungs-Garantie" eingebaut wird. Ich habe zusätzlich eine Literaturliste beigelgt, die die Bücher beinhaltet, die eventuell Hinweise zu dem Thema enthalten. Die markierten sind die, die ich bereits durchgearbeitet habe, mit Vermerken ob die Hinweise hilfreich oder kontraproduktiv waren.
Sie haben Sich sozusagen Permanent-Nachsitzen in meinem Labor eingehandelt. Sollte es Ihnen wirklich nicht bewußt gewesen sein, verrate ich Ihnen nun noch ein weiteres Geheimnis: Ich nehme Sie ernst - habe es immer getan.

Miss Granger, wenn Sie einverstanden sind, arbeiten Sie ab sofort mit mir an meinem aktuellen Forschungsprojekt...

Mit freundlichen Grüßen
Professor Severus Snape

 

 

 

 

Seit dem letzten Brief sind zwei Wochen vergangen. Hermine hatte sich am folgenden Tag unmittelbar nach dem Frühstück bei Professor Snape für das Angebot bedankt und angenommen und er hat ihr mit einem Gesicht als habe sie ihm angeboten ihm Neville an die Robe zu heften (also mit seinem ganz normalen Gesicht) zu verstehen gegeben, daß er erwartet, daß sie innerhalb von zwei Tagen die Unterlagen durcharbeitet. Das Gespräch hat schätzungsweise 10 Sekunden gedauert und der Inhalt des Briefes wurde selbstverständlich nicht erwähnt.

Ron und Harry sind fassungslos über Hermines Projekt und zweifeln an ihrem Verstand. Hermine ist ziemlich angenervt davon - gleichzeitig auch arg im Streß, weil sie gleichzeitig ihr Lernen organisieren muß. Am dritten Nachmittag wird sie nach dem Unterricht ins Labor bestellt und ist von da an jeden Tag unter der Woche für zwei Stunden dort...

Hermines zaghafte Versuche, über den Inhalt des Briefes zu sprechen werden im Keim erstickt. Er sieht sie mit einem regelrecht liebenswerten Lächeln an: "Soll ich uns ein Stück Kuchen und einen süßen Milchkaffee zum Kaffeekränzchen besorgen?" lange Pause, totale Änderung in der Haltung - der Blick wird mörderisch ...dann setzt er nach: "Sie sind hier um zu Arbeiten, nicht um zu Plaudern...". Worüber sie in den zwei Wochen auch immer sprechen - es ist rein fachlich...

Samstags morgens erhält Hermine unerwarteterweise einen weiteren Brief...


Sehr geehrte Miss Granger,

um es kurz zu machen - Ich kann so nicht arbeiten! Da sich die Punkte die ich damit meine allerdings nicht auf den fachlichen Bereich Ihrer Arbeit beziehen, ziehe ich diesen Weg vor, um Sie von den Änderungen in Kenntnis zu setzen, die Sie auf der Stelle umzusetzen haben.
1) Sie werden keinerlei Ingwer-Backwerk mehr ins Labor bringen. Weder diese gerollten, dünnen Stangen, noch die kleinen flachen Kekse! Es sollte Ihnen möglich sein, zwei Stunden ohne Nahrungsaufnahme überleben zu können! Ihnen dürfte aufgefallen sein, daß ich in Ihren außerschulischen Laborstunden von dem Abzug von Hauspunkten abgesehen habe. Sollte ich noch einmal auch nur einen Ingwerkekskrümel in meinem Labor finden, werde ich diese Entscheidung rückgängig machen!
2) Sie werden keinerlei abfällige Bemerkungen mehr über mein Essverhalten machen. Dazu gehört auch Ihr missbilligender Gesichtsausdruck angsichts meines Kaffees! Auch hochgezogene Augenbrauen oder Ihre typischen, ungehaltenen Laute werde ich in diesem Zusammenhang nicht länger dulden! Und sollte ich noch ein einziges Mal einen Hauselfen in meinem Labor dabei ertappen, wie er mir auf Ihre Order hin "vernünftige" Mahlzeiten kredenzt, werde ich Sie wegen Hauselfen-Misshandlung anzeigen, weil Sie billigend in Kauf genommen haben, was mit dem Elfen geschieht, wenn ich ihn in die Finger bekomme!
3) Sie werden Mr. Potter, Mr. Weasley und Professor McGonagall in den leuchtendsten Farben schildern, wie begeistert Sie von diesem Projekt sind - gleichgültig ob dies der Wahrheit entspricht oder nicht -, damit diese aufhören, mich mit drohenden Blicken und abendfüllenden Vorträgen über die Überforderung von Gryffindor-Schülern zu nerven.
4) Sie werden Ihre Haare in meinem Labor nicht mehr offen tragen (allein der Gedanke, daß eines Haare in den Kessel fällt!). Außerdem werden Sie zum Waschen Ihrer Haare nicht mehr den Vanille-Duftstoff verwenden, den sie üblicherweise benutzen, sondern etwas völlig Neutrales. Mir ist klar, daß Sie diese Essenz schon seit der fünften Klasse nutzen - und so lange Sie damit nur im Klassenzimmer über ihrem Schulkessel saßen war mir das auch gleichgültig und ging mich nichts an - aber wenn Sie neben mir an einem Kessel arbeiten, verlange ich, daß ich Sie vom Geruch her nicht wahrnehme, weil dies eine wichtige Komponente beim Zaubertrankbrauen - den Geruch des Trankes - unbrauchbar macht! Sie hätten selbstverständlich längst selbst darauf kommen können, daß es bei dieser Art Arbeit in höchstem Maße (fachlich!) irritierend ist, wenn Ihre Haare Vanilleduft verströmen - und es ist ein Unding, daß ich Sie erst darauf aufmerksam machen muß!
5) Sie werden abends zu einer vernünftigen Uhrzeit ins Bett gehen, weil ich Ihre Beteiligung an dem Projekt abbrechen werde, wenn ich Sie noch ein einziges Mal schlafend an meinem Schreibtisch vorfinden sollte! Mir ist gleichgültig, wie Sie Ihre Zeiteinteilung für das Projekt UND ihre Prüfungsvorbereitungen organisieren. Sollten Sie zeitlich überfordert sein, teilen Sie mir dies mit und ich entbinde Sie auf der Stelle von der Forschungsarbeit.
Ich erwarte, daß Sie die Änderungen ab sofort umsetzen!

Professor S. Snape


Zugegeben - sehr kurz... aber freut euch schon mal auf Hermines Antwort.. in der Ihr deutlich mehr darüber erfahrt, was in diesen zwei Wochen WIRKLICH geschehen ist... +breitgrins+ sofern ihr es nicht ohnehin schon zwischen den Zeilen

 

 

 

 

Der nächste Brief ist schon nachmittags bei Snape. Anbei hängt zusätzlich ein kleines Päckchen...


Sehr geehrter Professor Snape,

nun gut, dann also wieder auf dem schriftlichen Wege, da Sie sich offenbar außerstande sehen, auch nur eine Sekunde der kostbaren Laborzeit für Außerfachliches zu "verschwenden". Entweder dies, oder Sie weichen schlicht einem persönlichen Gespräch mit mir aus. Wie auch immer... angesichts der Leistung die wir während der Laborstunden erbringen, soll mir der Grund gleichgültig sein.
Daß Sie so nicht arbeiten können, wurde in der letzten Woche ja nun wirklich offensichtlich - das hätten Sie mir nicht schreiben brauchen - ich hätte nie gedacht, daß Sie so tollpatschig sein können - aber wenn Sie mir die Gründe dafür genannt hätten, daß Sie so irritiert sind, hätte ichdiese längst abstellen können.
Dann gehen wir Ihre neuen Regelungen doch einmal Punkt für Punkt durch:

1) Ich soll also kein Ingwer-Backwerk mehr mitbringen...
Professor Snape, wenn Sie der Meinung sind, ich hätte nicht bemerkt, daß Sie sich gleich am ersten Nachmittag an den Keksen bedient haben, während ich auf Ihre Anweisung im Lager die fehlenden Zutaten geholt habe, dann haben Sie sich getäuscht... und einmal auf den Gedanken gebracht, ich könne eventuell eine Nascherei entdeckt haben, die Sie mögen, habe ich von da an exakt darauf geachtet, welcher Keks und welche Rolle wie liegt. Sollten es nicht die Hausgeister gewesen sein, die bei Ingwer einfach nicht ‚nein' sagen konnten, dann waren es wohl Sie, der immer mal wieder den einen oder anderen Keks stibitzt hat... das war auch in Ordnung so - ich habe Sie schließlich offen angeboten und hingestellt. Aber so zu tun, als fände man sie schrecklich um dann heimlich dranzugehen, ist eigentlich nicht Ihr Stil. Daher vermute ich, daß das auch der Grund dafür ist, daß Sie in den letzten beiden Tagen nicht mehr dran waren und es mir nun verbieten wollen, sie überhaupt mitzubringen. Sie wollen nicht in Versuchung geführt werden!

2) Ich werde im Labor nichts mehr über Ihr Essverhalten äußern und ich werde auch keinen Hauselfen in die Gefahr bringen, durch sie um Leib und Leben fürchten zu müssen. Aber da unser Briefwechsel ja offenbar dazu gedacht ist, offen sprechen zu können, erwähne ich hier noch ein einziges Mal, daß Sie Ihrem Körper keinen Gefallen tun, wenn Sie weiterhin diesen Cowboy-Kaffee trinken (ein anderer Name fällt mir für diese teerschwarze Brühe nicht ein). Derart intensiver Kaffee MUSS auf Dauer die inneren Organe schädigen. Es würde mich nicht wundern, wenn Sie längst ein Magengeschwür hätten. Aber das würden Sie dann sicher auf uns Schüler schieben... ich weiß... Und ein erwachsener Mann, der sich zudem so oft über so lange Zeiträume konzentrieren muß wie es bei Ihnen der Fall ist, der kann nicht einfach nur von so überzogen magerem Zeug leben. Sie brauchen die eine oder andere nutzbare Kalorie für ihren Körper und ihren Geist! Und auch wenn ich Ihnen meine Kekse von Herzen gönne, ist das nicht wirklich die beste denkbare Energiequelle für Sie! Es ist absolut kein Wunder, daß Sie stets so übermüdet und grantig sind! Wenn ich meinem Körper so wenig Energie zuführen würde, wäre ich auch nur schlecht gelaunt!

3) Ich habe Ron und Harry zusammengestaucht und mit Professor McGonagall werde ich morgen sprechen. Sie ist heute nicht in der Schule. Sehen Sie diesen Punkt als erledigt an!

4) Warum wissen Sie, seit wann ich meine Haare mit genau diesem Produkt wasche? Nicht einmal ich hätte einen so genauen Zeitraum nennen können... Aber wenn der Duft Sie stört, dann werde ich selbstverständlich zu einem neutralen Produkt wechseln. Ich habe eine Probe beigelegt, vielleicht können Sie selbst es ja einmal ausprobieren, dann wissen Sie genau, ob es Ihren Ansprüchen genügt. Sollte es Ihnen zusagen, kann ich Sie gerne regelmäßig damit versorgen... nur für den Fall, daß Sie keine Zeit haben, selbst etwas derartiges zu besorgen...
Was die offen getragenen Haare betrifft: Ich werde meine Haare ab sofort schon deshalb hochgesteckt tragen, damit sich die losen Strähnen nicht - wie in den letzten Tagen ja ständig geschehen - in den Knöpfen Ihrer Weste verfangen, wenn Sie (aus rein fachlichen Gründen - ich weiß...) so nah hinter mir stehen! Für wie dumm halten Sie mich eigentlich, Herr Professor? Aber Sie Leiten das Projekt, Sie bestimmen die Regeln und ich werde mich selbstverständlich danach richten.

5) Ich werde meine Schlafphasen anders organisieren, damit etwas Derartiges nicht mehr vorkommt. Der Vorfall war mir unangenehm, wie Sie sicherlich gemerkt haben und ich werde alles daransetzen, etwas Ähnliches nicht mehr geschehen zu lasen. Aber... wenn es Sie so stört, wenn ich an ihrem Schreibtisch einschlafe, während ich die Ergebnisse der letzten Tränke eintrage - warum wecken Sie mich dann nicht? Den Eintragungen nach zu urteilen die ich nur geschafft habe, muß ich fast unmittelbar nach Beginn der Laborzeit eingeschlafen sein - und ich bin davon wach geworden, daß Sie am Ende der Zeit ganz "unauffällig" das Buch haben fallen lassen...
Professor Snape, ich glaube Ihnen Ihren Unwillen nicht und der bissige Ton Ihrer Zeilen erscheint mir seltsam, wenn ich mich gleichzeitig vage daran erinnern kann, daß ich beim Aufwachen in dem kühlen Labor nicht gefroren habe, weil ich zugedeckt war...

Woran liegt es, daß Sie jedes private Wort meiden? Fürchten Sie, daß ich alles weitertratschen könnte und würde, was zwischen uns gesprochen wird? Ich kann Ihnen nur nochmals versichern, daß absolut nichts von dem, was in diesen zwei Stunden geschieht, in irgendeiner Weise nach außen getragen wird. Weder der fachliche, noch der sonstige Bereich.
Vielleicht ist Ihnen nicht klar, wie wertvoll diese zwei Stunden jeden Tag für mich sind. Obwohl Sie Ihr Licht unter den Scheffel gestellt hatten, habe ich bei Ihnen exakt das gefunden, was ich gesucht hatte. Die Stunden mit Ihnen im Labor sind unendlich inspirierend, aufweckend (nun gut - abgesehen von dem einen Tag...), fordernd und zugleich trotzdem irgendwie herrlich entspannend. Mein Geist fühlt sich danach so an, wie mein Körper sich nach dem Schwimmen fühlt - angestrengt - aber gleichzeitig erholt...
Professor, ich erwarte von Ihnen doch gar nicht, daß Sie sich mit mir über private Dinge unterhalten oder gar mit mir Plauderpausen einlegen - ich weiß nur nicht, wieviel Sinn es macht, mir solche Dinge wie die Störung durch den Vanilleduft nicht persönlich zu sagen, sondern per Brief... warum nicht Auge in Auge?
Ich möchte mich noch einmal bei Ihnen für diese grandiose Möglichkeit bedanken und sende Ihnen ein wenig von dem Nerven-Nahrungs-Vorrat, den meine Mutter mir geschickt hat. Tun Sie damit, was sie wollen, aber wagen Sie nicht, es mir zurückzuschicken...

Mit freundlichen Grüßen
Hermine Granger


Snape liest den Brief einige Male durch, bevor er ihn seufzend auf den Tisch legt. Dann zieht er zögerlich das Päckchen an sich heran, zieht einmal schnuppernd die Luft ein undes taucht der Hauch eines Schmunzelns auf seinem Gesicht auf, während er das Päckchen öffnet.
In dem zigarrenkistengroßen Päckchen ist eine herrliche Auswahl an duftenden Ingwer-Plätzchen... und eine kleine Flasche mit einer Paste - die offenbar ein Waschmittel darstellt.
Er nimmt, nachdem er es sich sehr genau ausgesucht hat, eins der Plätzchen, beißt genüßlich eine kleine Ecke davon ab, nimmt sich noch einmal den Brief, lehnt sich in dem Sessel zurück und liest ihn genüßlich das Plätzchen kauend noch einmal...
Als der Keks gegessen ist, legt er den Brief zur Seite und greift selbst wieder zu Papier und Feder...

 

 

 

 

Hermine wird morgens, kurz bevor es Zeit ist aufzustehen, davon wach, daß Helena an ihr Fenster klopft. Hermine öffnet, nimmt den Brief entgegen und während Helena etwas knabbert, zieht Hermine sich mit dem Brief wieder in ihr noch warmes Bett zurück und liest...


Sehr geehrte Miss Granger,

Ich sehe mich gezwungen, ein paar Dinge doch etwas konkreter zu erläutern, als ich es vorhatte.
Ich bin es gewohnt, so dicht an meinen Tränken zu stehen, wie möglich - aber da stehen bei diesem Projekt nun einmal relativ häufig Sie, da ein Nebeneinanderstehen an dem Kessel in meinem Labor aus den Ihnen bekannten, gegebenen Umständen nur schwierig zu bewerkstelligen ist. Wir könnten höchstens die Arbeitsflächen umstellen, was ich aber, wenn möglich, vermeiden möchte.
Prinzipiell ist es kein Problem, Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes "über die Schulter" zu sehen. Meine Verwirrung bezieht sich selbstverständlich nicht auf Ihre Person, sondern allein auf die Tatsache, daß dort überhaupt ‚irgendeine' Person steht.
Miss Granger, im Unterricht kann ich mich auf dutzende Vorgänge gleichzeitig konzentrieren und es gibt wohl kaum etwas, das mich dort aus der Ruhe bringen könnte. Aber in meinen Forschungen, bin ich in einem Maße auf meine Arbeit konzentriert, daß jede auch noch so kleinste Abweichung meiner gewohnten Umgebung die Automatismen die ich mir in sechzehn Jahren in diesem Labor angeeignet habe, unbrauchbar machen.
Ich setze sämtliche mir zur Verfügung stehenden Sinne als Meßinstrumente ein. Ich sehe, fühle beziehungsweise taste, rieche, schmecke und höre während des Prozesses des Brauens ununterbrochen. Es mag so aussehen, als stünde man einfach nur vor dem Kessel, aber es ist ständig der gesamte Körper gefordert.
Mit den Augen sieht man Konsistenz, Farbe, Rauchentwicklung, aufsteigende Blasen, Schaum und anderes.
Mit den Fingern fühlt man die Viskosität des Trankes oder die korrekte Vorbereitung der Zutaten, fühlt beim Umrühren den Widerstand des Trankes, die Zähigkeit oder Flüssigkeit.
Mit der Haut, speziell der des Gesichtes, der Handinnenflächen und der empfindlichen Innenseite der Handgelenke, fühlt man, wie sich die Luft über und um den Kessel verändert. Feuchtigkeit, Hitze, Brennen, Trockenheit - all dies kann auftreten.
Die Wichtigkeit des Geruches ist offensichtlich. Man erreicht irgendwann einen Punkt, an dem man sogar riechen kann, ob der Trank sich zu einem Gift entwickelt oder nicht.
Schmecken kann man einen Trank nicht nur, wenn man davon mit einem Löffel etwas zu sich nimmt - wovon ja oftmals abzuraten sein dürfte -, sondern auch wenn man neben dem Kessel dicht bei den aufsteigenden Schwaden steht.
Selbst das Hören hat eine weitaus wichtigere Funktion als auf den ersten Blick offenbar wird.
Werden diese Meßinstrumente mit "falschen Werten" irritiert, wirft mich das aus dem gewohnten Gleichgewicht.
Wenn Sie nun vor mir vor dem Kessel stehen - zwischen mir und dem Trank - dann sehe ich Sie, weil Sie schlicht in meinem Blickfeld stehen, dann fühle ich Sie, weil ich, um einen Blick in den Kessel werfen zu können, zwangsweise dicht hinter Sie treten muß, dann rieche ich statt des Trankes Sie, aus den schon genannten Gründen, dann kann ich Sie, wenn der Trank sich gerade in einem eigentlich hervorragenden Zustand befindet - der aber in diesem Fall dann gänzlich ungeeignet ist, weil sein Dampf als Träger dient - sogar schmecken. Daß ich, anstatt den Fortgang des Trankes zu hören, von Ihrem Atem und Ihrem permanenten leisen, kaum hörbaren, offenbar unbewußten Summen abgelenkt bin, ist dann schon fast als Nebensächlichkeit zu nennen.

Verstehen Sie nun, Miss Granger, warum ich mit Ihnen über derlei nicht einfach so sprechen kann? JEDEN dieser Punkte könnte man mir als zweideutig, verwerflich, anrüchig oder sogar unehrenhaft auslegen, was ich in höchstem Maße als unangenehm empfinde... denn es steckt nichts Unmoralisches dahinter! Darüber sprechen zu wollen, hätte gehießen, Situationen erklären zu müssen, in denen es eigentlich nichts zu erklären geben sollte, außer der Gegenüber heißt vielleicht Minerva-ich-achte-auf-die-moralische-Korrektheit-im-Umgang-mit-meinen-Löwenbabies-McGonagall. Aber ich entnehme Ihrem Brief zu meinem großen Entsetzen, daß sogar Sie mir seltsame Absichten unterstellen!
Ich arbeite in meiner Forschung seit sechzehn Jahren alleine und ich tue dies mit meinem Verstand und mit meinen Sinnen. Und letztere sind - und das meine ich selbstverständlich NICHT in einem zwischenmenschlichen, sondern rein beruflichen Zusammenhang - von Ihnen erfüllt, wenn Sie mit offenen Haaren vor mir stehen und auf eine Art und Weise nach Vanille duften, daß man IHNEN seltsame Absichten unterstellen könnte (!), oder mein Magen sich meldet, weil drei Meter hinter mir eine Schale mit Ingwer-Gebäck steht - das übrigens ebenfalls den kompletten Raum mit seinem Duft belegt. Ich werde einige Absätze später noch einen weiteren Grund nennen, warum ich das Gebäck nicht im Labor haben möchte! Stellen Sie sich einfach vor, Sie müßten einen Aufsatz schreiben, während vor ihrer Nase permanent ein Hauself singend und steppend auf und ab geht und ihnen alle fünf Minuten einen gelben Punkt auf die Nase malt...
Meine komplette Konzentration, die bei unserer Arbeit liegen sollte, richtet sich zwangsläufig auf Sie, weil Sie das ‚neue Element' in meiner Arbeit sind. Da ist es kein Wunder, daß ich fahrig wirke (den Begriff ‚tollpatschig' verbitte ich mir!).
Ich kann Ihnen versichern, daß meine Sinne auf ähnliche Weise verwirrt wären, wenn Sie häßlich wie die Nacht wären, stinken würden wie ein toter Biber und Sie anstelle der Plätzchen gequollene Linsensuppe mit ins Labor gebracht hätten.
Nur würde ich mich angesichts solcher Umstände dann obendrein auch noch unwohl fühlen...

Miss Granger, im Prinzip sind Sie - entgegen meiner anfänglichen Bedenken und abgesehen davon, daß ich mich schlicht an Ihre Gegenwart in meiner bisher allein bestrittenen Domäne gewöhnen muß - eine Bereicherung für meine Arbeit, wie ich es erhofft hatte, denn durch Ihre Gedankengänge und durch die Tatsache, daß Sie nicht durch in langjähriger Arbeit festgefahrene Gedankenmuster von bestimmten Gegebenheiten ausgehen, bringen Sie einigefrische Ideen und Schlußfolgerungen in dieses Projekt, die ich alleine vielleicht nicht - oder nur in sehr viel längerer Zeit - zustandegebracht hätte. Der Gedankenaustausch mit Ihnen während der Arbeit kommt einem sehr produktiven, fachlichen Zuwerfen von logischen Bällen gleich...
Mit dem Angebot, Sie an diesem Projekt mitarbeiten zu lassen, habe ich offenbar den Fisch Hermine Granger ins Wasser geworfen... Dieses Projekt liegt Ihnen - das ist unbestreitbar.

Da Sie zustimmen (womit ich, wenn ich ehrlich bin, nicht gerechnet habe - ich hatte heftigste Diskussionen auf mich zukommen sehen) sich geruchsmäßig zu neutralisieren, denke ich, daß ich Ihnen als Zeichen meines guten Willens für eine ruhige Zusammenarbeit ebenfalls einen Schritt entgegengehen werde.
Wenn es Ihrer fürsorglichen Seele Ruhe beschert, werde ich in Zukunft im Labor auf den Kaffee verzichten und gestatte Ihnen - da schwarzer Tee in der Konsistenz in der ich ihn zu trinken pflege ebenfalls durch Ihr Gesundheitsraster hindurchfallen dürfte - stattdessen einen Kräutertee auszusuchen, den wir dann für die Laborzeit aufbrühen können (kommen Sie nicht auf die Idee, mir irgendeinen Früchtetee andrehen zu wollen und suchen Sie um Merlins Willen etwas ohne Süßholz aus. Ich hasse Süßholz..)
Lassen Sie mich an dieser Stelle noch einmal auf meine Mahlzeiten zurückkommen. Ich habe - durch meinen Beruf zwangsläufig entwickelt - eine starke Affinität zu allem, was meine Sinne positiv anregt. Deshalb esse ich - auch wenn die Gerüchte anderer Art sind - sehr gerne. Zu gerne... ich hätte bei gleichgebliebener Größe inzwischen das Körpergewicht von Hagrid, wenn ich jeder Versuchung nachgeben würde... das ist der zweite Grund, warum ich kein Gebäck im Labor dulde!

Was Ihr Einschlafen an meinem Schreibtisch betrifft, haben Sie mir wieder einmal ein Musterbeispiel von gryffindorscher Arroganz geliefert... Warum bedeutet die Tatsache, daß ich verlange, daß Sie Ihren Schlaf so regeln, daß Ihnen nicht während der Arbeitszeit die Augen zufallen, automatisch, daß ich Sie wecken muß, wenn es dann doch einmal passiert ist? Miss Granger, ich kenne Sie, so denke ich, gut genug, um zu wissen, daß Sie dort nicht aus eigenem Wunsch einfach ein Nachmittagsschläfchen gehalten haben, sondern daß es an gravierendem Schlafmangel liegen muß, wenn Sie beim Übertragen der Ergebnisse einschlafen. Ich hätte Sie in diesem Zustand im besten Fall einfach nur wegschicken können, denn so übermüdet kommen Sie mir nicht an den Kessel! Und da ich selbst nicht an den Schreibtisch mußte, war es schlicht nicht notwendig, Sie zu wecken...
Außerdem konnte ich in dieser Zeit in Ruhe ihre Tasche durchwühlen...
Nein, natürlich nicht... aber ich dachte, da Sie das sicher ohnehin vermutet haben... denn - ich meine - wenn Sie mir schon mit der Anordnung der Kekse Fallen stellen, um mir nachweisen zu können, daß ich mir diese unrechtmäßig aneigne (nur um dann gleichzeitig zu sagen, daß sie dazu gedacht waren, daß man davon nimmt)... was trauen Sie mir dann sonst noch alles zu? Ach ja - ich vergaß - Sie nähmen offenbar in Kauf, daß ich mich Ihnen in unangebrachter Weise nähern könnte... bei Merlin - diese Forschungen müssen Ihnen verfluchtviel bedeuten, wenn Sie dafür diesen Professor Snape in Kauf nehmen der ich vor Ihrem inneren Auge bin. Ich wußte, daß mein Ruf unter den Schülern schlecht ist - aber das hier übertrifft selbst meine düstersten Vermutungen...
Wie kommt es dann gleichzeitig, daß Sie es augenscheinlich als etwas Negatives ansehen, wenn ich privaten Gesprächen aus dem Wege gehe? Das müßten Sie doch eigentlich als etwas sehr Positives empfinden. Aber selbst wenn meine Einstellung zu dem Thema "plaudern" anders wäre... Miss Granger, ich bin Lehrer und einige wenige Dinge mehr - abereine private Person Snape gibt es nicht. Es gäbe also nichts, worüber man "plaudern" könnte. Es ist mir unbegreiflich, wie ein Mensch so "privat" sein kann, daß er stundenlang über nichts als sich selbst reden kann... ich habe es oft gesehen - begriffen habe ich es nie...
Lassen Sie uns fachlich weiter so agieren, wie wir es bisher getan haben - denn das funktioniert meiner Meinung nach erfreulich gut. Jedes ‚mehr' wäre ein ‚zu viel'...

Mit freundlichen Grüßen
Severus Snape

PS. Ich danke Ihnen trotzdem für die Ingwer-Plätzchen (die tragischerweise in der Tat eine geheime Leidenschaft und eine Versuchung sind, der ich nicht widerstehen kann - und ich schwöre Ihnen Mord und Totschlag, wenn Sie dies dem Schulleiter oder sonst einer Seele verraten...) und habe keinen Moment daran gedacht, sie zurückzuschicken...
Und so unverschämt das Fläschchen auch sein mag, kann ich es a) als Retourkutsche sehr wohl verstehen und tolerieren und werde ich es b) möglicherweise wirklich einmal ausprobieren... wollen wir doch mal sehen, wieviele Säulen wir noch wegschlagen können, bevor das Dach einstürzt...