ABSCHIED
von Severina
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Kapitel 24 - 27
Dianea tobte und schrie, dass es schauerlich an den
Wänden des Kerkers zurück hallte.
Die Sinnlosigkeit einer Gegenwehr erkennend,
versuchte sie, ihre Kräfte zu sammeln.
Noch immer lag Severus Snape schwer auf ihrem Körper
und nahm ihr fast die Luft zum Atmen. Die Handgelenke schmerzten von seinem
eisenharten Griff und kein Knochen in ihrem Leib schien heil.
„Halt endlich den Mund.", fauchte Snape die
schreiende Dianea an. Die so Zurechtgewiesene verstummte und blickte ihn
flehend an, als wolle sie sagen: `Hab Mitleid.`
„Hast du letzte Nacht auch so geschrien? Ich glaube
doch wohl fast, nicht. Also mach jetzt nicht so ein Theater und füge dich in
dein Schicksal.", höhnisch klangen seine Worte in Dianeas Ohren.
Einige Sekunden tauchten ihre Blicke ineinander und
schienen zu verschmelzen.
Dianea spürte, wie erlösende Tränen heiß über ihr
Gesicht rannen und ein Schluchzen drang aus ihrer Brust.
„Was habe ich dir getan?", formten ihre Lippen
tonlos. „Warum willst du mir das antun? Warum?"
Es war, als hätten Dianeas Tränen eine Sperre
gelöst. Oder waren es ihre hilflos geflüsterten Worte?
Schweigend erhob sich Severus Snape und zog Dianea
mit sich.
Auf wackligen Beinen stand die junge Frau an den
Schreibtisch gelehnt und schaute angstvoll auf ihren Mentor.
„Severus.", versuchte sie es leise, doch der große
Mann reagierte nicht.
Blicklos starrte er an ihr vorbei ins Leere.
Noch einmal wisperte Dianea:
„Severus, bitte hilf mir."
Da wandte sich der Zaubertrankmeister ab und
murmelte kaum hörbar:
„Geh jetzt."
Und mit einem Schlenker seines Zauberstabes löste er
das neue magische Siegel an seiner Tür.
„Warum kann ich dir nicht erklären, was ich
eigentlich selbst nicht verstehe? Warum hilfst du mir nicht, die Geschehnisse
zu ordnen? Remus konnte auch.................", doch weiter kam Dianea nicht.
„RAUS
JETZT!!", brüllte Snape und schob sie derb in Richtung Tür.
„Aber.......", versuchte Dianea ein letztes Mal,
erschrak jedoch vor dem gefährlichen Glitzern in seinen Augen.
„Verschwinde. Lauf zu deinem Remus.", zischte er sie
an und dirigierte, keinen Widerspruch duldend, die junge Frau durch sein Büro.
Lautlos öffnete sich die schwere Holztür und kalte
feuchte Luft schlug ihnen entgegen. Snape packte Dianea an den Armen und
drängte sie aus der Tür hinaus in den Gang, wo sie mit schnellen Schritten
davoneilte.
Noch Meter weit war der Knall zu hören, als die Tür
ins Schloss geworfen wurde und der Hall sich echoartig an den Wänden entlang
schlängelte.
Hinter der Tür lehnte sich Prof. Snape erschöpft an
das Holz und stöhnte.
Immer wieder murmelte er tonlos:
„Bei Merlin, was passiert hier?"
Wie er so dastand, völlig verzweifelt und am Ende
seiner Kraft, blieb nicht mehr viel von seiner sonstigen Kälte und Erhabenheit.
Sein Gesicht war gezeichnet von Schmerz und Enttäuschung,
der Ausdruck seiner Augen schien wie ein weidwundes Reh an der Schwelle des
Todes.
*
Währenddessen jagte Dianea kopflos durch die Gänge
des Schlosses, ohne Ziel, ohne auf ihre Schritte zu achten. Nur fort von der
Stätte ihrer Schmach und Demütigung.
Nie hätte sie geglaubt, von dem Mann, dem ihr ganzes
Herz gehörte, so verletzt zu werden.
Noch immer spürte Dianea die Angst in sich, als sie
Severus Snapes Drohungen hörte. Wäre er wirklich dazu fähig gewesen? Hätte er
ihr wirklich diese Schande angetan?
Und was sollten seine Worte heißen, er schreibt keine Briefe? Wollte er sie zur
Lügnerin stempeln, abstreiten, dass er Gefühle hegte und sie auch zeigen
wollte? Oder war es ihm nur peinlich, dass jemand erkennen könnte, dass er,
Severus Snape, auch menschlich sein konnte?
Dianea wurde es schwindelig von den vielen Fragen
und sie blieb kurz stehen und zu Atem zu kommen. Ihr Atem trieb kleine
Nebelwölkchen hinauf und plötzlich spürte Dianea die Kälte, die sie umhüllte.
Fröstelnd umschlang sie sich mit ihren Armen und
schaute sich um.
Wo befand sie sich? Ihr Blick fiel in einen
kreisrunden Raum, in dessen Wände in regelmäßigen Abständen glaslose
Fensteröffnungen eingelassen waren. Ein Turm.
Aber welcher?
Erschöpft lehnte sie sich an die Wand und schloss
kurz die Augen. Doch das Einzige, was sie erblickte, waren kalte schwarze
Augen, die sie voll Hass ansahen. Und wieder hörte sie die herzlosen Worte aus
seinem Mund:
„Verschwinde. Lauf
zu deinem Remus."
Wieviel Hass und Verachtung lagen in diesen Worten und
wieviel Grausamkeit musste sie vorher ertragen.
Was hatte sie diesem Mann nur getan? Warum sträubte
er sich gegen jede Erklärung und warum hatte er solch einen Hass auf Remus
Lupin?
Verzweifelt öffnete Dianea wieder ihre Augen, um
diesen vorwurfsvollen Blick loszuwerden.
Mit schleppenden Schritten trat sie an eines der
Fensteröffnungen und schaute hinaus, ließ ihre Gedanken fliegen in den weiten
Himmel über ihr und erinnerte sich an das erste zarte Erblühen eines Gefühles
zwischen Severus und ihr.. Lange hatte es gebraucht, bis sie endlich erkannte,
dass er der Mann war, den sie liebte. Nun, glaubte sie, würde sich der Himmel
öffnen und ihr einen strahlenden Weg an der Seite dieses Mannes zeigen. Würden
Rosen blühen bei jedem Schritt, den sie tat, und würde sie auf Händen getragen
werden.
Doch als hätte der Teufel seine Hände mit im Spiel,
ging von dem Moment ihrer Erkenntnis alles gründlich daneben.
Statt Zuneigung und Vertrauen, schlugen ihr
Ablehnung und wilder Hass entgegen, statt Rosenduft zu atmen, zerrissen die
Dornen ihr die Haut und durchbohrten ihr Herz.
Es tat so schrecklich weh.
Ihr Herz war erfroren in der Kälte seiner Nähe,
fürchtete sich in der Dunkelheit, die sie nun umgab.
Deutlicher, als er es heute getan hatte, konnte
Severus Snape seine Abneigung gegen sie nicht zum Ausdruck bringen. Nie würde
sie die Worte vergessen, noch nie fühlte sie sich so hilflos, so gedemütigt und
verraten.
Langsam lehnte sich Dianea hinaus und warf einen
Blick in die Tiefe.
Einfach nur fallen lassen und alles wäre vorbei.
Jeder Gram, jeder Schmerz.
Keinen Blick mehr aus diesen zynischen schwarzen
Augen ertragen müssen, keine anklagenden gehässigen Worte mehr hören.
Ihr Blick ging in die Ferne, über die verschneiten
Wälder und Wiesen, entlang am schimmernden Horizont, und sie spürte die Ruhe in
ihr Herz einziehen.
Die Ruhe der Gewissheit, das gleich alles vorbei
wäre.
Noch weiter lehnte sich Dianea aus dem Turmfenster
und nur noch zwei Finger hielten ihren Körper.
Ob man Schmerz verspürte, oder bereits tot war, wenn
man unten ankam?
Da ertönte hinter ihr eine leise sanfte Stimme.
„Willst du dein junges Leben wirklich deswegen
wegwerfen, Dianea? Denkst du, er würde es gutheißen und mit dieser Schuld leben
können? Ich denke, du liebst ihn, dann tu ihm das nicht an. Ihr hattet eine
schwere Zeit und sie ist noch nicht vorbei. Doch nichts rechtfertigt so einen
Schritt. Gebt euch noch Zeit, lernt euch vertrauen. Gib nicht auf, Dianea.
Nicht so!!!"
Immer eindringlicher klangen Prof. Dumbledores Worte
an ihre Ohren und berührten sie eigenartig.
Ja, was tat sie hier überhaupt?
Wie erwachend wandte sie die verzweifelte junge Frau
um und ehe sich der Schulleiter versah, hing Dianea an seinen Schultern und
weinte sich den Schmerz der letzten Wochen von der Seele.
Befreit aufatmend strich der alte Mann ihr sacht
über die Schultern und ließ ihr die Zeit, welche sie brauchte, um sich etwas zu
fassen.
Mit tränenglänzenden Augen sah sie zu ihm hoch.
„Danke.", hauchte sie nur.
Dumbledore nickte nur unmerklich und zog sie weg von
dem Ort, an dem sich beinahe eine nicht wieder gut zu machende Tragödie
abgespielt hätte.
Ein raschelndes Geräusch und schwerer Atem ließen
Dumbledore und Dianea aufblicken.
Durch die Türöffnung stürmte jemand und riss Dianea
erleichtert in die Arme.
„Dem Himmel sei Dank, Prof. Dumbledore, Sie haben
Dianea gerettet. Das werde ich Ihnen nie vergessen."
Remus Lupin presste noch einmal die junge Frau an
sich.
„Dianea, warum wolltest du dir das antun? Ich war
auf der Suche nach dir und sah dich an diesem Turmfenster stehen. Glaubte,
jeden Moment sei es zu spät. Warum nur?"
Erschüttert schaute er sie an und strich ihr mit
zitternden Händen über die Wangen.
Doch Dianeas Blick ging an ihm vorbei, zurück zur
Türöffnung. Dort stand, keuchend, noch eine Gestalt und schaute ihr entgegen.
Das schwarze Haar klebte verschwitzt an seiner Stirn
und seine Lippen bebten.
„.....sah vom Kerker aus..............dachte, ich
komme zu spät................werde nicht gebraucht...........", stotterte
Severus Snape atemlos und wandte sich zum gehen.
Da traf ihn Dianeas Blick, bittend, verzweifelt, und
sah er die Tränen, die an ihren Wangen hinab rannen.
„Severus.", formten ihre Lippen, bettelten ihre
Augen, doch er wandte sich ab.
Dianea schon wieder in Lupins Armen konnte er nicht
mehr ertragen.
Er würde immer der Verlierer sein und diese
Erkenntnis trieb ihn vorwärts.
„Severus!!!!"
Eine harte Stimme bestimmte ihn zum Stehenbleiben.
Jetzt erst gewahrte er den Schulleiter und ahnte,
wer Dianea wirklich gerettet hatte.
„Verdammt noch mal, benehmt euch nicht wie die
Kinder. Alle in mein Büro und zwar jetzt sofort. Und ich sagte alle!!!!!",
meinte er laut, als er bemerkte, dass sich sein Zaubertranklehrer wieder
abwandte.
„Ich weiß nicht, über was da noch geredet werden
müsste.", grummelte Snape.
Da meldete sich Lupin zu Wort.
„Es gibt da sicher einiges zu klären. Auch ich
verstehe nur die Hälfte und habe so das Gefühl, mein Gewinn sollte nicht meiner
sein. Hören wir doch einfach mal an, was jeder zu sagen hat."
Ein Räuspern und ein unnachgiebiger Blick
Dumbledores ließ nun endlich alle das kleine Turmzimmer verlassen und
Dumbledore schwor sich, diesen Eingang so schnell wie möglich zumauern zu
lassen.
25.
Schweigen lastete auf den Anwesenden in Prof.
Dumbledores Büro.
Man hatte Prof. Mc Gonagall dazu gebeten, sozusagen
als Außenstehenden und neutralen Zuhörer. Vielleicht erhoffte man sich von ihr
als Frau eine andere Sicht auf die Dinge, als es ein Mann tat.
Mit einem Schlenker seines Zauberstabes sorgte der
Schulleiter für einen heißen Grog, damit sich jeder zuerst aufwärmen konnte.
Dumbledore und Mc Gonagall saßen an einer
Tischseite, Dianea suchte einen Platz neben Minerva und Snape, sowie Lupin,
wurden von Dumbleodre an die andere Seite plaziert. Dem Gesicht des
Tränkelehrers war es abzulesen, wie wenig erfreut er über Lupins Nähe war und
so war auch sein Blick grimmig und hart.
Endlich waren alle aufgewärmt und so sah es der
Schulleiter an der Zeit, dass nun die Wahrheit ans Tageslicht kommen sollte.
„Severus.", wandte sich Albus Dumbledore an den
Tränkemeister, „ich möchte , dass du beginnst. Erzähle uns bitte alles vom
gestrigen Abend."
Zuerst sah man nur die ablehnende Miene Snapes, doch
ein Blick Dumbledores reichte, um ihn zu ermahnen. Der Tränkelehrer räusperte
sich kurz und fing mit abweisender Miene an zu erzählen.
„Ich hatte gestern, wie schon so oft, eine kleine
Auseinandersetzung mit meiner Praktikantin.", begann Snape, woraufhin Dianea
laut die Luft durch die Nase zog, als Ausdruck ihres Protestes. Doch ein kurzer
Wink des Schulleiters gebot ihr zu schweigen.
„Nachdem Miss Baxter mein Büro verlassen hatte,",
fuhr Snape fort, „bekam ich kurz darauf Besuch von Lucius Malfoy in einer
privaten Angelegenheit."
Nun dämmerte es Dinaea, woher Snape von den Malfoys
und ihr wusste und „scheinheiliger Schleimbeutel" war noch das Mildeste, mit
dem sie Malfoy in Gedanken beschimpfte.
Erneut drangen Prof. Snapes Worte in ihre Gedanken.
„Der Besuch dauerte vielleicht eine Stunde und als
Mr. Malfoy mich verließ, begab ich mich zu meinen Räumlichkeiten. Eigentlich
hatte ich vor, Miss Baxter noch einen Besuch abzustatten, um ihr ein
vergessenes Buch zu überbringen, doch zuerst wollte ich mir ein wenig Ruhe
gönnen. Auf meinem Tisch stand schon die allabendliche Karaffe Wein und so
genoß ich ein Glas davon und die mich umgebende Ruhe. Ich fühlte mich müde und
ausgelaugt.
Als ich erwachte, saß ich noch immer
zusammengesunken in meinem Sessel, das Buch lag noch auf dem Tisch, die
Weinkaraffe war leer und der Morgen bereits erwacht. Ich konnte mich an nichts
erinnern, wann ich eingeschlafen war und wann ich den restlichen Wein trank.
Nach einem Blick auf die Uhr begab ich mich ins
Badezimmer und gönnte mir eine heiße Dusche, danach wollte ich in die große
Halle zum Frühstück. Mir fiel eigenartiger weise auf, dass plötzlich die
Karaffe vom Tisch verschwunden war, obwohl die Hauselfen um diese Zeit nie
aufräumten. Und es waren auch nur Glas und Karaffe verschwunden. Doch mir blieb
keine Zeit, lange darüber nachzudenken.
Pünktlich stand ich in meinem Büro und wunderte mich
über das Fernbleiben von Miss Baxter. Nach einer Stunde ging ich dann zu ihren
Räumen, wo ich sie auch fand. Und Prof. Lupin. Die Situation war eindeutig.",
setzte Snape noch nach und beendete mit mürrischem Gesicht seinen Bericht.
„Was sollte Miss Baxter denn am Sonntagmorgen in
Ihrem Büro, Prof. Snape?", meldete sich Prof. Mc Gonagall zu Wort.
„Sie erhält von mir Nachhilfestunden. Schließlich
soll sie auch etwas lernen.", giftete Snape.
Der Schulleiter hatte aufmerksam zugehört und ohne
auf Snapes Worte näher einzugehen, wand er sich gleich weiter an Prof. Lupin.
„Remus, bitte jetzt Ihr Bericht.", meinte Prof.
Dumbledore mit einer auffordernden Handbewegung.
„Ich war am Nachmittag in Hogsmeade, um mich mit
einem alten Freund in den „Drei Besen" zu treffen. Erst am späten Abend kam ich
ins Schloss zurück und ging gleich in meine Räume. Eigentlich war ich müde und
wollte zu Bett gehen, doch ein Blick auf meinen Kaminsims machte mich schlagartig wieder munter.
In einer Vase stand eine einzelne rote Rose und ein
kleines Kuvert lehnte daran.
Verwundert öffnete ich den Brief und las die darin
stehenden Zeilen. Mein Verstand setzte vor Freude fast aus und ich begann
sofort, mich zurecht zu machen. Auf keinen Fall wollte ich sie warten lassen
und doch war es bereits nach Mitternacht, als ich den Weg zu ihren Räumen
antrat. Die Tür war unverschlossen, aber in den Räumen herrschte Dunkelheit.
Nur kurz sah ich Dianea im Schein der sich schließenden Tür.
Sie.............,", Lupin senkte den Kopf, als ihn die Erinnerung überrollte
und fuhr leise fort, „ sie schien mich erwartet zu haben, denn sie war so
zärtlich, keine Spur von Ablehnung und Abwehr."
„Ja, in Ordnung. Das reicht, Professor. Aber eines
müssen Sie uns noch verraten. Was genau stand in Ihrem Brief?"
Dumbledore hatte Lupins Worte unterbrochen, um
Peinlichkeiten zu ersparen und horchte nun aufmerksam auf seine letzten Sätze.
„In dem Brief stand wortwörtlich:
Lieber Remus,
mein Herz weiß jetzt nicht nur das Ziel, sondern
endlich auch den Weg. Nimm mich in deine Arme und halt mich fest.
Ich erwarte dich um Mitternacht.
Dianea"
Prof. Lupins Stimme war nur noch ein Flüstern und er
sah betreten auf seine Hände, die verkrampft in seinem Schoss lagen.
Der Schulleiter sah abwechselnd von Lupin zu Snape, der
mit versteinerter Miene und schmalen Lippen auf Dianea blickte.
Diese saß zusammengesunken auf ihrem Platz neben
Prof. Mc Gonagall und weinte still vor sich hin.
„Ich habe niemals diesen Brief geschrieben.",
murmelte sie tonlos und weitere Tränen liefen über ihr blasses Gesicht.
„Ich habe Remus zu verstehen gegeben, dass mein Herz
nicht frei ist und ich ihm nicht mehr als meine Freundschaft anbieten könnte."
Verzweiflung lag in Dianeas Stimme und hilflos
schaute sie auf Minerva, als erhoffte sie sich von ihr fraulichen Beistand.
Doch diese saß mit verschlossener Miene neben Dianea
und hatte sichtlich Mühe, dem verworrenen Geschehen zu folgen.
„Dianea,", begann der Schulleiter leise, „ würdest
du uns jetzt bitte deinen gestrigen Abend schildern?"
Dianea schluckte ein paar Mal heftig. Was würde sie
preisgeben müssen und was verschweigen?
Nach einem tiefen Atemzug fing sie leise zu erzählen
an.
„Wie Prof. Snape schon erwähnte, hatten wir gestern
Abend ein paar kleine Meinungsverschiedenheiten, in Folge dessen er mich aus
seinem Büro „komplimentierte". Auf dem Weg zu meinen Räumen traf ich auf Lucius
Malfoy, einen guten Bekannten meines Vaters und guten Freund für mich."
Bei diesen Worten zuckten die Anwesenden leicht
zusammen und Snape blickte zynisch auf Dianea.
„Wir wechselten nur wenige Worte miteinander, denn
er schien etwas in Eile.
In meinen Räumen angekommen, fand auch ich auf
meinem Tisch im Wohnzimmer eine Weinkaraffe und einen Brief. Dieser Brief
brachte mich, genau wie bei Remus, ziemlich aus der Fassung. Ich konnte es kaum
glauben und hüpfte vor Freude mit meinem Kater durch das Zimmer. Er würde
kommen, er würde endlich mir gehören, mein Traum würde sich erfüllen, endlich
glücklich sein."
Verträumt schloss Dianea kurz die Augen.
„Von wem war dieser Brief, Dianea?", fragte
Dumbledore vorsichtig.
Da senkte Dianea den Kopf und flüsterte kaum hörbar:
„Von Severus. Von Prof. Snape."
Lupin hielt die Luft an, Prof. Mc Gonagall schaute
entgeistert auf die junge Frau, nur allein der Schulleiter blickte gefasst auf
Dianea.
Sein Blick ging zu seinem Tränkelehrer, der beim
Nennen seines Namens entrüstet auffuhr.
„Das ist eine Unterstellung" Ich schreibe keine
Briefe.", donnerte seine Stimme böse durch den Raum.
„Dianea, bitte. Was für ein Brief war es?", wandte sich
Prof. Dumbledore sanft an die junge Frau, die erschreckt auf Snape blickte, der
sie böse anfunkelte.
"Ich........., ich weiß nicht......, ob ich es sagen
möchte.", stotterte Dianea verzweifelt.
Sie müsste ihre Gefühle preisgeben und wusste nicht
einmal, ob sie damit nicht vielleicht ein Inferno der Wut und Zurückweisung
auslösen würde. Wie würde er darauf
reagieren?
„Kindchen. Wir sind hier, um die Vorfälle der
letzten Nacht zu klären. Es scheint ein Rätsel zu sein, welches wir lösen
müssen und an eines glaube ich auf gar keinen Fall, an einen schlechten Scherz.
Komm Dianea. Versuch es, hilf uns, die Geschehnisse
zu klären."
Aufmunternd lächelte Dumbledore der verzweifelten
Dianea zu.
„Also gut.", gab Dianea auf und begann stockend zu
erzählen.
„In diesem Brief bat mich Prof. Snape um Verzeihung
für sein Benehmen. Meine Nähe brächte ihn aus der Fassung. Als
Versöhnungsgeschenk schickte er mir seinen besten Wein."
„Das war alles, Dianea?", wollte Dumbledore
ungläubig wissen, als sie ihre Worte beendete.
Langsam schüttelte die junge Frau den Kopf. Ihr
Blick wanderte zu Prof. Snape herüber, der sie ansah, als hätte sie soeben den
Verstand verloren.
„Erwarte mich gegen Mitternacht in deinen Räumen.
Unterzeichnet mit Severus.", murmelte Dianea und duckte sich instinktiv, als
Snape wütend aufsprang.
„Eine infame Lüge, eine Verschwörung, niemals habe
ich solche Zeilen geschrieben.", schrie der Tränkelehrer zornig.
Dumbledore wollte ihn zügeln, ihn zurechtweisen, als
Dianea selbst plötzlich aufsprang und Prof. Snape anfunkelte.
„Woher sollte ich das ahnen, dann schließlich hast
du selbst mir vor einiger Zeit deine Gefühle offenbart, hast du das schon
wieder vergessen? Und du hast gewusst, dass auch mein Herz Gefühle für dich
hegt, oder waren deine Küsse eine einzige Lüge? Du batest mich um Zeit und die
habe ich dir gegeben, habe ich uns beiden gegeben. In dieser Zeit ist mir klar
geworden, dass du der einzige Mann bist, den ich liebe. Doch seit dieser Zeit
bist du mir gegenüber unausstehlich, suchst ständig nach einer Möglichkeit,
mich zu verletzen, zu demütigen. Tun dir deine Gefühle bereits wieder leid?
Dann sag es mir, sprich mit mir darüber.
Ich habe letzte Nacht wirklich geglaubt, dass du es
warst, dem ich mich hingab, dem ich all meine Liebe schenkte. Ich habe noch
gelächelt über den Liebestrank, den du dem Wein beigemischt hattest, obwohl er
nicht nötig gewesen wäre. Ja, ich bemerkte, dass noch etwas in der Karaffe war
außer Wein, schließlich bin ich deine Schülerin. Mir war nur nicht ganz klar,
was noch beigemischt war. Es machte mich auf alle Fälle etwas müde und
schwindelig. Aber die Vorfreude auf dich machte mich alleine schon taumelig.
Kannst du dir eigentlich vorstellen, dass ich vor
Schreck und Scham heute morgen am liebsten gestorben wäre? Das ich das Gefühl
hatte, jetzt ist mein Leben vorbei?
Mein Herz ist heute gestorben, erfroren in deiner
Gefühlskälte. Denn ich habe dich geliebt, Severus Snape. Mit der ganzen Kraft
meines Herzens."
Nach Dianeas Worten war es still im Raum geworden.
Lupin saß zusammengesunken auf seinem Stuhl und
bedeckte das Gesicht mit seinen Händen. Er war am Boden zerstört und konnte das
soeben Gehörte kaum fassen.
Prof. Dumbledore und Minerva Mc Gonagall wechselten
stumm erstaunte Blicke, wobei im Gesicht des Schulleiters die Erkenntnis lag,
dass ihn seine Ahnungen nicht getäuscht hatten.
Severus und Dianea standen sich noch immer
gegenüber, nur durch den Schreibtisch Prof. Dumbledores getrennt, und sahen
sich an.
Dianea wirkte erschöpft und ausgelaugt.
Ihre Augen brannten, doch sie besaß keine Träne
mehr, um diesen Schmerz zu löschen. Ihr Inneres fühlte sich taub an und ihre
Beine würden jeden Moment nachgeben.
Severus suchte vergeblich nach Worten auf Dianeas
Beichte. Sie liebte ihn, nur ihn.
Nun hatte er die Bestätigung, die er schon immer
wollte. Ihr Herz gehörte ihm allein.
Doch was nutzte es jetzt noch?
Er hatte alles zerstört, ihr Vertrauen, ihre Liebe,
ihr Herz, sich selbst.
Denn tief in seinem Innersten hockte ein kleiner
Klumpen Gefühl und flüsterte leise, aber eindringlich:
„Du liebst sie doch auch."
26.
Ein erschrockener Schrei löste sich von den Lippen
Prof. Mc Gonagalls, als Dianea lautlos zusammenbrach.
Schon einen Wimpernschlag später kauerte Prof. Lupin
neben ihr, bettete ihren Kopf in seinen Schoß und tätschelte sanft ihre Wangen.
„Das war alles etwas zu viel für Miss Baxter.",
murmelte der Schulleiter und blickte auf Snape, der dem Geschehen mit
steinerner Miene gefolgt war.
„Wir sollten sie zu Madam Pomfrey bringen.", seufzte
Minerva leise, als Prof. Snape langsam zu der am Boden liegenden Dianea trat,
eine kleine Phiole aus seinem Umhang entnahm und sich hinkniete.
„Sie erlauben, Lupin!", meinte er unwirsch und
begann, Dianea vorsichtig den Inhalt des Fläschchens einzuflössen.
Remus hielt ihren Kopf etwas hoch, damit sich die
junge Frau nicht verschlucken konnte und beobachtete jeden Handgriff des
Tränkelehrers argwöhnisch.
Schon war eine leichte Rötung ihrer Wangen zu
erkennen, als Dianea die Augen aufschlug und sich verwirrt umsah.
Peinlich berührt registrierte sie ihre momentane
Situation und versuchte sich zu erheben, was ihr erst mit Lupins Hilfe gelang.
Zitternd und schwankend stand sie da und blickte von
Einem zum Anderen.
„Sie entschuldigen mich bitte, aber ich brauche
dringend Ruhe.", murmelte Dianea zu Prof. Dumbledore, als Minerva leicht
entrüstet sagte:
„Sie müssen umgehend in den Krankenflügel, Mädchen."
„Nein, es geht schon wieder. Ich möchte nur noch in
mein Bett.", meinte Dianea störrisch, als ein erneuter Schwächeanfall sie in
Prof. Lupins Arme warf.
Dieser fing sie auf, nahm sie hoch und trug die
Protestierende aus dem Büro.
„Wäre das nicht eigentlich deine Aufgabe gewesen,
Severus?", wandte sich der Schulleiter an Prof. Snape. „Ich glaube, eine
gründliche Aussprache täte euch beiden ganz gut."
„NEIN!", blaffte Snape wütend und rauschte ohne ein
weiteres Wort aus dem Büro.
„Verstehe das einer.", grummelte Dumbledore.
Da meldete sich Prof. Mc Gonagall.
„Ach Albus, ich habe das Gefühl, unser Severus ist
ein wenig eifersüchtig auf Prof. Lupin, will es sich aber um keinen Preis
eingestehen.
Ich habe vor langer Zeit mal einen schönen Spruch
gelesen:
Eifersucht ist
eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schafft!!!!"
Verwundert blickte Prof. Dumbledore die Frau vor
sich an, dann lächelte er.
„Minerva, Minerva. Wenn du mal nicht Recht hast."
**
Draußen im Gang kämpfte Prof. Lupin noch immer mit
der Widerspenstigen auf seinem Arm.
„Bring mich in meine Räume und lass mich endlich
runter. Remus, hörst du:", quiekte Dianea durch den Gang und strampelte wie ein
unartiges Kind.
„Gib jetzt Ruhe, oder ich werfe dich wie einen
Mehlsack über die Schultern.", drohte Remus lachend.
„Das wagst du dir nicht, Remus Lupin.", fauchte sie,
gab jedoch ihren Widerstand auf, aus Angst, er könnte seine Drohung doch in die
Tat umsetzen.
„Bitte lass mich runter. Ich kann alleine laufen.",
bettelte Dianea erneut und endlich setzte der Mann seine ungeduldige Last ab.
„Aber ich bringe dich bis zum Bett und überwache, ob
du dich auch wirklich hinlegst. Du brauchst dringend Ruhe."
Seine Stimme duldete keinen Widerspruch.
Eine Weile liefen Beide nebeneinander her und jeder
hing seinen Gedanken nach.
„Bist du mir noch böse, Remus?", murmelte Dianea und
blickte den Mann fragend von der Seite an.
Dieser blieb stehen und legte seine Hände auf ihre
Schultern.
„Ich weiß, was du meinst, Dianea, aber sei
unbesorgt, ich bin dir nicht böse. Es war eine Verkettung unglücklicher
Umstände und du hast mir schon am Anfang zu verstehen gegeben, das du mir nur
deine Freundschaft anbieten kannst."
Traurig sah Dianea ihm in die Augen.
„Es tut mir leid. Aber sag mal, hast du nun die
Zusammenhänge erkannt, was letzte Nacht geschehen war?"
Prof. Lupin schüttelte den Kopf.
„So richtig nicht, aber das da jemand seine Hand im
Spiel hat, ist offensichtlich. Ich weiß nur noch nicht wer und warum."
„Ich wünschte, es wäre alles nicht passiert.",
wisperte Dianea.
Da nahm Lupin sie vorsichtig in den Arm und strich
ihr übers Haar.
„Was wird nun mit Snape?", fragte er mit leicht
zitternder Stimme.
„Du weißt nicht alles, was passiert ist, und das ist
auch gut so. Doch er hat mein Herz so sehr verletzt, dass es daran vielleicht
stirbt."
Hinter ihnen in einer Biegung lehnte sich ein Mann
gequält stöhnend an die kalte Wand. Verzweiflung spiegelte sich auf seinem
Gesicht und in seinen Augen stand der Schmerz eines zerstörten Lebens.
`Ales sinnlos, du hast verloren.`, rauschte es in
Severus Snapes Ohren.
Da vernahm er Remus Lupins nächste Frage.
Zögernd und leise war seine Stimme und man erkannte
die unterschwellige Angst vor der Antwort.
„Darf ich dir helfen, dein Herz zu heilen? Ich lasse
es nicht zu, dass es stirbt."
Bittend ruhte sein Blick in ihrem und sekundenlang
hielt er den Atem an.
„Lass mir bitte noch Zeit, den Schmerz zu überwinden
und sei einfach für mich da, wenn ich dich brauche. Aber verlange nicht mehr,
als ich dir jetzt geben kann. Die Enttäuschung sitzt tief und tut weh."
Schweigend hatte Prof. Lupin zugehört und nickte nur
unmerklich.
„Einverstanden. Ruf mich, wenn du mich brauchst,
aber lass es mich bitte auch wissen, wenn ich wieder hoffen darf. Denn eines
darfst du trotz alledem nicht vergessen. Ich liebe dich, Dianea."
„Ich weiß.", war die schlichte Antwort.
Hinter der Biegung kämpfte Severus Snape um Fassung
und wünschte, er hätte die Worte niemals vernommen. Doch er musste es Dianea
anerkennen, dass sie ihn nicht verraten hatte, sondern Stillschweigen wahrte
über die Vorkommnisse im Kerker.
Wie gerne hätte er alles ungeschehen gemacht.
Doch unmerklich schlich sich aus tiefsten Tiefen
sein altes Ego an die Oberfläche und versuchte, aufkommende Gefühle im Keim zu
ersticken. Er straffte seine Gestalt und legte den gewohnt kalten harten
Ausdruck auf sein Gesicht.
`Ich habe dir immer gesagt, lass dich nie mit Frauen
ein, Severus Snape.`, sagte er zu sich selbst und mit wehendem Umhang eilte er
schnellen Schrittes zurück in seine Kerker.
Der Panzer, den er begann, um sein Herz zu
schmieden, wurde bei jedem Schritt stärker.
Und als er sich, in seinem Büro angekommen, an dem
großen Schreibtisch niederließ´, würde jeder, der ihn sah, glauben es wäre nie
etwas geschehen.
Unterdessen waren Remus und Dianea an den Räumen der
jungen Frau angekommen.
„Ich werde gleich ins Bett gehen.", meinte Dianea,
erschöpft vom langen Weg und hielt Remus zum Abschied die Hand entgegen.
„Was hatte ich gesagt? Ich bringe dich bis zum Bett.
Schließlich will ich sichergehen, ob du dich auch wirklich zur Ruhe legst.",
widersprach der Mann und ignorierte die Hand.
„Nein, Remus. Kein Mann in meinen Räumen. Akzeptiere
es.", klang es hart aus Dianeas Mund und ihr Gesicht wurde abweisend.
„Entschuldige, ich war taktlos.", murmelte Lupin.
„Aber versprich mir, dass du dich hinlegst, bitte."
Mit treuen Hundeaugen blickte er auf Dianea
herunter, sodass sie schließlich lachen musste.
„Na gut, ich verspreche es, okay?"
Und schon schlüpfte Dianea behände durch die offene
Tür und schlug sie hinter sich zu.
Müde und erschöpft lehnte sich die junge Frau an das
Holz und schloss kurz die Augen.
Dann stieß sie sich entschlossen von der Tür ab und
trat auf ihr Sofa zu, um mit ihrem Kater Mikado ein wenig zu schmusen.
Dabei fiel ihr erschreckter Blick erneut auf einen
Zettel auf dem Tisch.
Mit spitzen Fingern griff sie nach dem Stück Papier
und überflog die wenigen Zeilen.
^^Habe hoffentlich in deinem Sinne gehandelt.
Dumbledore ^^
Verständnislos blickte sich Dianea im Wohnzimmer um.
Was meinte der Schulleiter mit seinen Worten?
Doch Dianea war zu müde, um der Sache noch auf den
Grund zu gehen.
Nach einer kurzen Erfrischung im Bad schritt sie
langsam auf ihr Schlafzimmer zu.
Mit aller Gewalt schlugen die Bilder vom Morgen auf
sie ein und eine innere Abwehr machte sich breit, das Zimmer zu betreten.
Sekundenlang ruhte ihre Hand unschlüssig auf der Türklinke, um sie dann doch energisch
herunterzudrücken.
Atemloses Stauen lag auf ihrem Gesicht und plötzlich
verstand sie Dumbledores Worte.
Er hatte, feinfühlig wie immer, ihre Ängste und
Abscheu geahnt.
Vor Dianea lag ein völlig neues Zimmer, mit anderen
Möbeln, anderen Farben, anderer Einrichtung.
Nun lächelte sie dankbar und verstand einmal mehr
die Bedeutung der Worte - er ist ein weiser alter Mann - .
Erleichtert schlug sie die silberfarbene Decke
zurück und schlüpfte hinein in das traumhafte Himmelbett. Der blau-silberne
Baldachin wogte über ihr dahin und geleitete sie sanft in das Reich der Träume.
27.
Mitten in der Nacht erwachte Dianea und glaubte im
ersten Moment an einen Traum.
Doch nein - energisch wurde an ihrer Tür geklopft
und um Einlass gebeten.
Nach einem Blick auf ihre Uhr, es war nach Mitternacht,
fragte sich Dianea, wer um diese Zeit durch das Schloss geisterte.
Kurz nur überlegte sie, dann löste die junge Frau
das magische Verschlusssiegel und öffnete vorsichtig einen Spalt die Tür. Mit
starrem Blick schaute sie hinaus und wollte die Tür bereits zuschlagen, als
eine harte Hand zugriff und sie weit öffnete. Die Tür hinter sich schließend
und versiegelnd, baute sich Severus Snape vor Dianea auf.
„Was soll das? Was willst du hier?", fauchte die
junge Frau, um ihr Zittern zu verbergen.
Prof. Snape trat auf sie zu und blickte sie kalt an.
„Setz dich, ich will mit dir reden.", forderte er
schroff.
„Hallo, das sind meine Räume, Prof. Snape.",
konterte Dianea böse.
„Bitte.!, kam es leicht gereizt.
Stillschweigend setzte sich die junge Frau auf ihr
Sofa und forderte den Mann mit einer Handbewegung auf, sich ebenfalls zu
setzen.
Snape bevorzugte den Sessel und Dianea sollte es nur
Recht sein.
„Was ist so wichtig, dass du mich mitten in der
Nacht aus dem Schlaf reißt? Oh, entschuldige, oder sollte ich doch wieder „Sir"
oder „Professor" sagen?", meinte sie sarkastisch.
„Nein. Hör mir einfach zu und lass mich ausreden.
Aber zuerst zeig mir den Brief, welchen ich angeblich geschrieben habe.", bat
der Tränkelehrer und hielt die Hand auf.
„Verschwunden, mitsamt Karaffe. Tut mir leid.", gab
sie ihm zur Antwort.
„Dianea, bitte.", klang Snapes Stimme bereits
lauter.
Lange blickte Dianea in die schwarzen Augen.
„Es ist kein Scherz. Ich fragte sogar Dobby, aber
Brief und Weinkaraffe waren wie vom Erdboden verschwunden."
„Es ist seltsam. Mich hat man mit einem Schlaftrank
matt gesetzt, du bekommst einen Liebestrank und wer weiß was noch und einen
Brief. Und alles verschwindet auf mysteriöse Weise. Nur Lupin hatte angeblich
außer einem Brief nichts weiter. Gesehen hat ihn keiner von uns.", meinte Snape
lauernd.
Dianea richtete sich auf.
„Willst du etwa Remus verdächtigen?", fuhr sie ihn
an.
„Und willst du leugnen, dass er hinter dir her ist.
Er will dich, oder nicht?", platzte es aus dem Mann heraus.
„Warum kannst du es nicht gewesen sein? Vielleicht
wolltest du mich loswerden. Auch deinen angeblichen Schlaftrank hat keiner
gesehen. Oder vielleicht war ich es selbst, weil ich mich anders entschieden
habe."
Dianea redete sich in Rage.
„Es hat keinen Sinn, Dianea. Wir könnten uns
tagelang gegenseitig beschuldigen, die Wahrheit erfahren wir dadurch auch
nicht.", meinte Snape mürrisch.
„Dann hör auf damit.", meinte Dianea leicht bissig.
Beider Blicke trafen sich und versanken ineinander.
Schon bekam Dianea dieses altbekannte Gefühl in der
Magengegend, wogegen sie sich vehement wehrte, als Snape mit seinen nächsten
Worten auch den kleinsten Rest aufkommenden Gefühles vernichtete.
„Ich wollte dir nur noch sagen, dass ich es dir hoch
anrechne, wie du Stillschweigen über die Vorkommnisse im Kerker bewahrt hast."
Wie harte Schläge waren diese Worte und beschworen
Bilder und Erinnerungen hervor.
„Sag mir nur eines, Severus. Hättest du mir das angetan?", murmelte Dianea.
„Ich weiß es nicht.", war seine ehrliche Antwort.
Entsetzen stand in ihren Augen und sie schluckte.
„Was wird mit meinem Praktikum?", fragte sie leise.
„Das wirst du natürlich fortsetzen. Morgen, nein,
heute 8.00Uhr erwarte ich dich wie immer zum Unterricht.", und seine Stimme war
hart und befehlend wie immer.
„In Ordnung und nun geh jetzt.", sagte Dianea so
kühl wie möglich.
Beide standen auf und Snape trat zur Tür, um das
Siegel zu lösen.
„Wie kommst du überhaupt dazu, meine Tür zu
versiegeln?", fragte die junge Frau spitz.
Mit zusammengekniffenen Augen sah Snape sie an und
meinte zynisch:
„Ich wollte vermeiden, dass wir durch eine bestimmte
Person belästigt werden."
„Remus ist mein guter Freund. Hast du
Schwierigkeiten damit?"
Severus verzog angewidert den Mund. „So wie auch
Lucius und Draco?", lachte er süffisant.
„Woher weißt du das alles?", wollte Dianea wissen.
„Der gute Lucius ist manchmal sehr gesprächig und so
habe ich alles erfahren, was auf eurer Familienweihnachtsfeier passierte. Ich
bemerkte bereits hier in Hogwarts, dass Draco Interesse an dir hat, doch ich
nahm es nicht ernst. Er ist noch zu jung für solche Spielchen. Und was Lucius
angeht, glaube nicht, dass er nur den guten Freund abgeben will. Er ist ein
hinterhältiges Schlitzohr und sucht nur seine Vorteile und Vergnügen. Sorgen
und Probleme anderer interessieren ihn herzlich wenig und du wirst für ihn auch
nur ein Spielzeug unter vielen sein. Er will spielen und er bestimmt die
Regeln. Und glaub nicht, dass es ein faires Spiel wird."
Prof. Snape sah sie eindringlich an.
„Willst du mir damit irgend etwas sagen.", giftete
Dianea ihm entgegen.
„Nein, mach deine Erfahrungen selbst. Vielleicht
weißt du irgendwann einmal, wer es ehrlich mit dir meint.", klang seine Stimme
leise.
Severus Snapes Hand lag auf der Klinke ohne die Tür
zu öffnen.
Unentschlossen standen sich Beide gegenüber.
Dianea spürte ein Brennen in der Brust und auch
Severus hörte unter dem dicken Panzer ein leises Schlagen.
Doch niemand gab dem anderen die Hand, keiner tat
den ersten Schritt. Es gab so viele ungesagte Worte, doch ihre Lippen schwiegen.
„Geh.", flüsterte Dianea kaum hörbar.
Und Severus Snape wandte sich um und verließ den
Raum.
Ein leiser Hauch seines Duftes blieb im Zimmer
zurück. Ein sanftes Flüstern von Kräutern und Moschus. Ein Duft, der auf ihrer
Haut prickelte.
Dianea spürte die Tränen auf ihren Wangen. Und immer
wieder fragte sie ihr dummes Herz:
„Warum sterben Gefühle nur so langsam?"