ABSCHIED

    von Severina


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Kapitel 13 - 16



Abschied

 

 

13.

 

„Draco, na los, komm schon.", lachte Dianea und zog den blonden Jungen immer weiter die Treppe hinab. Stolpernd folgte ihr Draco, der unterdessen ihre Hand ergriffen hatte und sich daran festhielt.

„Du hast ein ganz schönes Tempo.", meinte Draco murrend. „Weißt du denn auch genau, wo wir hin müssen?"

Dianea blickte ihn belustigt funkelnd an und meinte mit dem unschuldigsten Blick:

„Nein !"

Beide standen nun am Fuße der Treppe und schauten in die Gänge, welche sich nach allen Seiten ausbreiteten.

„Und jetzt?", wollte Draco wissen und die junge Frau zuckte nur mit den Schultern.

„Dein Kampf- und Entdeckergeist ist wohl oben geblieben?", lästerte Dianea.

„Komm, wir nehmen uns jeder den Zauberstab und gehen einfach in den Gang, der uns am geheimnisvollsten erscheint.", und schon zückte sie ihren Zauberstab und sprach:

„Lumos."

Draco tat es ihr gleich und beide leuchteten in die Gänge hinein.

„Hier," , rief Draco völlig aufgeregt, „in diesem Gang kann ich eine Tür am Ende erkennen. Dahinter beginnen bestimmt die Geheimgänge." , und stürmte nach vorn.

Als er merkte, dass Dianea ihm nicht gleich folgte, stoppte er und rief:

„Hast du Angst bekommen? Ich bin doch bei dir.", damit reichte er der jungen Frau die Hand, die sie auch gleich ergriff.

„Ich habe keine Angst, sondern bin in Gedanken nur die Richtung gegangen und habe überlegt, wo wir sein könnten. Es ist die Richtung in den Garten. Glaube ich jedenfalls.", grinste sie kess.

 

An der Tür angekommen, ergriff Draco die reich verzierte, jedoch schon leicht rostige Klinke und drückte sie herunter. Unwillkürlich hielten beide den Atem an, als die Klinke ein quietschendes Geräusch verursachten und kurz darauf die Tür aufsprang.

Kühle, gepaart mit abgestandener muffiger Luft, die nach Moder und Verwesung roch, schlug ihnen entgegen. Dianea schauderte kurz und griff noch fester nach Dracos Hand.

„Ganz schön aufregend.", wisperte sie und leuchtete mit ihrem Zauberstab in den Gang.

Ein Rascheln und Huschen war als Antwort zu hören und Dianea schrie kurz auf.

„Das sind nur Mäuse.", meinte Draco auflachend.

„Oder vielleicht auch Ratten.", flüsterte Dianea nun doch etwas angeekelt.

Der blonde Junge trat ganz dicht an Dianea heran, er überragte sie um einen halben Kopf, und blickte auf sie herab.

„Na, wer ist jetzt der Hasenfuss?", wollte er wissen.

Kaum hatte er das letzte Wort ausgesprochen, da rannte er auch schon los, mitten hinein in den vor Dunkelheit schwarzen Gang.

„Draco, warte auf mich!", schrie ihm Dianea, nun doch ängstlich, hinterher.

„Draaaaaaaaaaaaacooooooooooooooooooooooo!!!", hallte ihre Stimme durch die Finsternis und Dianea folgte ihm widerstrebend ins Ungewisse.

Nach wenigen Schritten hatte sie ihn eingeholt und schimpfte:

„Ich bin wegen dir hier unten, weil du so neugierig warst, also lass mich jetzt gefälligst nicht alleine."

Durch ihre Stimme zog ein leichtes Zittern.

Draco legte einen Arm um ihre Schultern und murmelte: „Tut mir leid."

„Vielleicht können wir den Gang ein wenig mehr ausleuchten.", schlug Dianea vor und unternahm einen ersten Versuch.

„Lumos Maxima!"

Ein heller Lichtblitz schoss durch die Dunkelheit, sodass Beide geblendet die Augen schlossen. Langsam gewöhnten sie sich an die Helligkeit und sahen sich neugierig um.

„Sieh mal, Dianea. Hier sind noch viel mehr Türen. Wo die wohl alle hinführen?", und schon griff Draco nach der ersten Klinke.

„Verschlossen.", stellte er fest und versuchte ein „Alohomora!", woraufhin sich die Tür knarrend öffnete.

Dianea leuchtete hinein und stellte enttäuscht fest:

„Noch ein paar Türen mehr."

Doch Draco war schon einige Schritte im Gang drin und rief überrascht:

„Schnell, Dianea, komm. Das musst du dir ansehen."

Eilig lief die junge Frau auf ihn zu und stutzte mitten im Schritt.

Die Türen, welche sie in den Nischen vermutet hatten, waren Gittertüren.

„Ein unterirdisches Gefängnis.", murmelte Dianea und schüttelte sich. „Langsam wird es unheimlich."

Doch Draco wurde vom Entdeckerdrang gepackt und er zog Dianea wortlos hinter sich her.

Ein spitzer Schrei entfuhr Dianea, als sie einige Türen weiter dem Jungen über die Schultern sah.

„Da - da - das ist ja ei - eine Folterkammer.", stotterte sie angstvoll.

„Oh Gott, Draco. Wo sind wir hier und was haben vor uns nur für Leute in dem Haus gewohnt?"

„Dianea.", lachte Draco, „komm zu dir. Siehst du nicht die vielen Spinnenweben und den zentimeterdicken Staub? Das hier unten ist mindestens hundert Jahre alt. Wer weiß, was wir entdeckt haben. Damit kommen wir vielleicht in den „Tagespropheten". „

Nach seinem Blick zu urteilen, sah Draco schon die dicken Schlagzeilen über „seine" Entdeckung.

„Bitte Draco, lass uns wieder gehen.", bettelte Dianea.

Unwillig kam seine Antwort: „Ja, ja gleich. Nur noch die Tür dort vorn.", und widerwillig musste Dianea seinen schnellen Schritten folgen.

 

Auch diese Tür zeigte sich verschlossen, ließ sich jedoch, genau wie die andere, mit einem „Alohomora" öffnen.

„Hier ist eine Treppe.", rief Draco erfreut und hastete bereits die ersten Stufen nach oben.

Dianea folgte ihm, als plötzlich mit einem ohrenbetäubenden Knall die Tür hinter ihr ins Schloss fiel.

Atemlose Stille lag in der Luft, da Beide kaum wagten, sich zu bewegen.

„Draco, ich habe Angst.", flüsterte Dianea und man spürte bereits die Tränen die in ihr aufstiegen.

Bei ihm angekommen, versuchten sie gemeinsam mit ihren Zauberstäben in die Höhe zu leuchten.

„Eine Wendeltreppe. Anscheinend ein Turm.", stellte der Junge fest.

Mit letzter Energie begann Dianea die Treppe hinauf zu hasten, immer schneller und panischer.

„Neiiiiiiiiiiiiiiin!" Ihr Aufschrei fand in den dunklen Höhen sein Echo und warf es schauerlich zurück.

„Draco, die Treppe endet hier einfach. Da ist nichts, keine Tür, nichts. Ich will zurück.", weinte Dianea und hetzte die Treppe, Stufen überspringend, wieder zurück.

Aufschluchzend warf sie sich haltlos in Dracos Arme, ihre überreizten Nerven ließen sie unkontrolliert zittern.

„Ich versuche noch einmal die Tür zu öffnen. Es ging doch vorhin auch."

Doch nach dem fünften Versuch „Alohomora" gab Draco erschöpft auf.

„Irgend ein Sicherheitsmechanismus.", meinte er resigniert. Dianea sprang nach vorn und hämmerte wie wild mit den Fäusten auf die Tür ein. Doch außer einem schaurig klingenden dumpfen Hallen hinter der Tür bewegte sich nichts.

„Hör auf, Dianea, es bringt nichts." Dracos Stimme sprach beruhigend auf sie ein und er packte ihre Hände.

„Du verletzt dich nur. Sie werden uns suchen und auch finden. Hab Geduld." Und sacht zog er Dianea in seine Arme zurück.

Sanft streichelte er ihren Rücken, bis das Schluchzen langsam verebbte.

Kraftlos ließ sich Dianea an der Wand entlang rutschen und setzte sich auf den staubigen Boden.

Nach kurzem Zögern nahm Draco neben ihr Platz und legte einen Arm um sie.

„Ist dir kalt?"

Dianea nickte. „Ein wenig schon."

Und so zog er sie noch fester an sich, um sie ein bisschen zu wärmen.

Seine Berührungen wurden immer drängender und ehe Dianea reagieren konnte, packte Draco mit der freien Hand Dianeas Kinn, drehte ihren Kopf zu sich und küsste sie leidenschaftlich.

Mit aller Kraft wehrte sie sich und stieß ihn beiseite, dann sprang sie angstvoll auf.

„Draco, was zum Teufel soll das?", schrie sie ihn an.

Auch Draco war aufgesprungen und packte Dianea fest bei den Armen. Mit aller Gewalt drückte er die sich wie wild Wehrende an die Wand.

„Hast du es noch nie bemerkt, Dianea? Schon in Hogwarts wollte ich dich haben, aber immer kam irgend etwas dazwischen. Doch nun sind wir Beide hier allein und keiner stört uns. Dianea, ich liebe dich und ich begehre dich."

Heiß streifte sein Atem ihr Gesicht, als er erneut versuchte, sie zu küssen. Sein Körper presste sie an das harte Gestein und mit Angst und Schrecken bemerkte Dianea seine Absichten.

„Bitte Draco, sei vernünftig.", versuchte es Dianea.

„Ich soll vernünftig sein.", schrie er sie an. „Mir bei Tisch schöne Augen machen und mich jetzt abblitzen lassen."

Draco war wie von Sinnen und Dianea schloss die Augen.

`Severus.`, dachte sie angstvoll. `Warum hilft mir keiner?`

`"Hör auf, verdammt noch mal. Ich bin gebunden. Mein Herz ist nicht mehr frei und du hast keine Chance. Bitte Draco, sei lieb und hör auf. Lass uns Freunde bleiben. Bitte!", bettelte Dianea und ihre Stimme wurde immer leiser, bis nur noch ein Flüstern zu hören war.

Doch Draco versuchte weiter, in seiner Rage, sie zu Boden zu drücken und erst ein Wimmern ließ ihn aufhorchen.

Dianea kauerte in seiner Umarmung am Boden und winselte nur noch: „Ich will zurück. Bitte hör auf."

Da endlich blickte Draco sie wie erwachend an, umarmte sie fest und flüsterte in ihr Haar.

„Verzeih mir, Dianea. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. In dieser Situation...., bitte verzeih mir. Natürlich werden wir Freunde bleiben. Vielleicht irgendwann....", doch er brach ab, als er spürte, wie sich Dianea wieder versteifte.

„Komm, ich werde dich wärmen, wirklich nur wärmen!", beteuerte er, als er Dianeas Blick sah, „und wir werden warten. Sie müssen uns doch bald finden."

„Wenn aber keiner weiß, wo wir sind, keiner gesehen hat, wo wir hingegangen sind?"

Panik stieg in Dianea hoch.

„Sie finden uns, bestimmt.", versuchte Draco seiner Stimme Festigkeit zu geben.

Und so saßen Beide, einer an den anderen geklammert, am Boden und warteten auf Rettung.

Langsam erfasste sie eine tiefe Müdigkeit und niemand ahnte, dass die Atemluft sich verbrauchte und der Dunst aus Moder und Verwesung begann, sie allmählich zu vergiften. Immer weiter dämmerten Dianea und Draco dem Weg der Bewusstlosigkeit entgegen und Sinnestäuschungen schienen sie zu verhöhnen.

 

 

14.

 

 

„Dianea, Kleines. Komm zu dir."

Sanft tätschelte jemand ihre Wangen.

„Severus?", murmelte sie leise.

Mr. Baxter schaute fragend auf seine Frau.

„Wer ist Severus?"

„Ihr Mentor, Charles. Der Zaubertrankprofessor aus Hogwarts.", antwortete Mrs. Baxter und schaute sorgenvoll in das blasse Gesicht ihrer Tochter.

Charles Baxter schüttelte den Kopf. „Und ihn spricht sie mit Vornamen an?"

Da lächelte seine Frau ein wenig. „Du verstehst heute aber auch gar nichts."

Da glomm Verstehen in den Augen des Mannes auf. „Der Glückliche?"

Mrs. Baxter nickte.

Noch einmal tätschelte Mr. Baxter die Wangen seiner Tochter und rief ihren Namen.

„Warum kommt sie nicht zu sich? Sollten wir doch einen Arzt zu Rate ziehen?"

Mrs. Baxters Stimme zitterte vor Sorge um ihr Kind.

„Wenn ich bitte helfen dürfte,Mr. Baxter?", ließ sich eine leise, etwas kühle Stimme vernehmen.

„Ja, versuchen Sie es mal, Lucius." Und Mr. Baxter gab seinen Platz am Wohnzimmersofa frei.

Lucius Malfoy setzte sich nieder, griff in seinen Zaubererumhang und holte ein kleines verziertes Fläschchen daraus hervor. Sorgfältig entkorkte er es und hielt es Dianea dicht unter die Nase.

Ein lautes Japsen war zu vernehmen und Dianea schlug langsam die Augen auf. Ihr Atem ging noch ein wenig schnell, aber ansonsten schien es ihr gut zu gehen.

Schnell verkorkte Lucius Malfoy das Fläschchen und steckte es möglichst unauffällig zurück in seinen Umhang.

„Na da bist du ja wieder. Hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Wie geht es dir, Dianea?" und vorsichtig streichelte Lucius ihr übers Gesicht.

Ungläubig blickte Dianea den Mann über sich an. „Lucius?", und einige Atemzüge später, „Wo ist Draco? Er war auch mit...."

„Ich bin hier, Dianea. Bleib ruhig. Mir geht es gut." Der blonde Schopf beugte sich über die Sofalehne und lächelte sie an.

„Mum, Dad?", rief Dianea in den Raum und schaute sich suchend um.

„Hier sind wir, mein Schatz.", und sichtlich erleichtert umarmten Beide glücklich ihre Tochter.

„Wo sind all die Anderen?", wollte Dianea wissen.

„Das Fest ist vorbei. Erst als sich alle von dir verabschieden wollten, bemerkten wir euer Fehlen. Nur gut, dass Lucius bemerkt hatte, welche Richtung ihr eingeschlagen hattet und auch ein paar Worte über einen Geheimgang hörte. So wussten wir in etwa, wo wir euch suchen mussten."

Mr. Baxter legte einen leicht tadelnden Blick auf, als er seine Tochter ansah.

Doch Dianea setzte sich hoch und sprudelte die Worte nur so hervor.

„Da unten ist ein Gefängnis und eine riesige Folterkammer. Und dann schlug die Tür einfach zu und die Treppe, die nirgendwohin führte.". Hektische Flecke traten auf ihre Wangen.

„Bleib ruhig, mein Kind. Draco hat uns schon darüber erzählt.", murmelte Mr. Baxter.

„Das ist noch ein Teil einer alten geheimen Gefängnisanlage. Kaum jemand weiß darüber Bescheid. Bis vor ungefähr 100 Jahren wurden dort unten noch Menschen gefoltert und gequält."" ließ sich Lucius Malfoys Stimme vernehmen.

„Das ist ja grauenhaft.", meinte Mrs. Baxter. „Unter unserem Haus."

„Und die Wendeltreppe?", fragte Dianea mit Spannung.

„Über diese Treppe wurden die Gefangenen in die Zellen geführt. Sie war oft das Letzte was sie außer ihren Zellen zu sehen bekamen. Irgendwann wurde die Tür zu dieser Treppe einfach zugemauert und die schweren Stahltüren unten verschlossen. Man munkelte, dass die letzten Gefangenen einfach ihrem Schicksal überlassen wurden."

Lucius Malfoys Stimme klang leise durch den Raum und hinterließ bei allen eine leichte Gänsehaut.

Dianea schüttelte sich: „Barbarisch und unheimlich."

„Fast wäre euch eure Neugierde zum Verhängnis geworden. Ihr Beide hättet dort unten ersticken können.", tadelte Mr. Baxter die Kinder, welche schuldbewusst die Köpfe senkten.

„Charles, ich bitte Sie. Es ist ja zum Glück noch einmal alles gut gegangen.", meinte Malfoy.

„Komm Draco, wir müssen jetzt gehen. Deine Mutter wird bereits warten."

Nach einer kurzen Verabschiedung verließen Vater und Sohn das Haus der Baxters und Mr. Baxter wandte sich besorgt an seine Tochter.

„Geht es dir auch wirklich gut, Prinzessin?"

„Ja, Dad. Ich bin nur müde und fühle mich völlig staubig.", beruhigte Dianea ihren Vater.

„Sag mal Schatz. Seit wann duzt du eigentlich Lucius Malfoy?", leichtes Unverständnis lag in seiner Stimme.

„Seit heute erst. Wir trafen uns beim Pavillon und haben uns relativ gut unterhalten. Vielleicht lag es auch am Punsch. Ist auch egal. Ich geh jetzt schnell baden und dann schlafen."

Mr. Baxter sah seine Frau an und diese zuckte mit dem Schultern.

„Unsere Tochter ist vernünftig, Charles. Sie weiß, dass Lucius verheiratet ist und außerdem gehört ihr Herz einem anderen.", nahm sie ihre Tochter in Schutz.

„Dianea und Draco wären doch eine gute Verbindung. Auch Alters mäßig passen beide besser zusammen.", meinte ihr Mann starrsinnig.

„Charles, halt dich da raus.", warnte Mrs. Baxter ihren Mann und folgte Dianea ins Bad.

 

Zur selben Zeit im Hause Malfoy.

Narzissa, welche wegen einer Migräne das Fest schon vor einiger Zeit verlassen hatte, schlief bereits und im Haus war alles dunkel.

„Vater, seit wann bist du mit Dianea so vertraut?", griff Draco schon in der großen Diele seinen Vater an.

Dieser wirbelte herum, so dass sich sein Umhang aufbauschte und funkelte seinen Sohn an.

„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, Draco. Es geht dich nichts an."

„Aber du hast sie doch geküsst, oder nicht?", jaulte der blonde Junge, gekränkt über die Zurechtweisung.

Lucius blickte auf Draco herab. „Wenn ich mich nicht ganz täusche, lagen deine Absichten sogar noch tiefer.", meinte er süffisant. „Ich dagegen wollte nur ein wenig Vertrauen aufbauen bei der jungen Dame."

„Wozu? Für mich?", fragte sein Sohn ungläubig.

Da lachte Lucius Malfoy hart auf. „Das kannst du dir aus dem Kopf schlagen, Draco. Deine Absichten und Dianea."

Draco senkte den Kopf. „Ich weiß. Sie meinte, ihr Herz sei nicht mehr frei und gehöre jemand anderem. Ich will sie aber, mir ist der Andere egal."

„Du Dummkopf. Du kennst deinen Gegner nicht und redest in großen Tönen." Lucius wandte sich um und lief zum Wohnzimmer.

„VATER!! Wer ist es?", rief ihm Draco hinterher.

Ohne sich umzuwenden antwortete Lucius über die Schulter hinweg, „Severus Snape" und ließ Draco mit seinem ungläubigen Blick einfach stehen.

 

In seinem großen pompösen Ledersessel sitzend goss sich Lucius aus einer geschliffenen Kristallkaraffe einen Whiskey ein und trank ihn genüsslich. Dabei lehnte er sich zurück und schloss leicht vor sich hin lächelnd die Augen.

Ein Geräusch ließ ihn blinzeln und er sah direkt in die grauen Augen seines Sohnes.

„Was ist noch?", murrte Lucius unwillig.

„Ich will Dianea und ich gebe nicht auf.", tönte Draco aufsässig.

Langsam richtete sich Lucius im Sessel auf, sein Gesicht verriet nichts Gutes.

„Hast du mich nicht verstanden?", klirrte seine Stimme. „Vergiss es. Die Baxters sind zwar interessante Leute, aber bei weitem nicht so reinblütig, um in unsere Kreise zu passen und außerdem steht die junge Dame nicht auf kleine Jungs. Reicht das?"

„Nein!", schrie Draco und rannte davon.

„DRACO!", donnerte Lucius Malfoys Stimme, „komm her!"

Draco wusste, wollte er sich Ärger ersparen, so wäre es besser, Vaters Worten zu folgen. Er kannte diese Stimme und ihren Tonfall und so schlich er langsam ins Wohnzimmer zurück.

„Setz dich." Lucius deutete auf den Sessel ihm gegenüber.

Stumm nahm Draco Platz und vermied es, seinem Vater in die Augen zu sehen.

„Hör zu, Junge. Die Dame hat dir doch klar zu verstehen gegeben, dass sie dich ablehnt, nicht an dir interessiert ist, oder?"

„Ja.", meinte Draco kleinlaut, „aber bei Tisch, da hat....."

„Da hat sie mit dir und mir geflirtet, genau. Sie spielt gerne, aber so etwas macht man nicht mit uns. Nicht mit einem Malfoy!!! Aber wir werden mitspielen mit der jungen Dame, aber nach unseren Regeln. Hör zu, Draco............!"

Und bald darauf waren Vater und Sohn in ein angeregtes Gespräch vertieft, in deren Verlauf sich auf beide Gesichter ein diabolisches Grinsen legte.

 

 

15.

 

 

Die Ferien hatten schnell ihr Ende erreicht und für Dianea hieß es erneut, Abschied von zu Hause zu nehmen. Jedoch fehlte dieses Mal der Schmerz der Trennung, vielmehr war an dieser Stelle ein freudiges Ziehen, ein Sehnen, ein Hoffen und Bangen auf das Wiedersehen. Und eine große Freude auf Hogwarts und ihre Freunde.

Kings Cross, 11.00Uhr, Gleis 9 ¾. Der Hogwarts-Express pfiff ein letztes Mal laut und eindringlich und setzte sich mit ächzenden Maschinen in Bewegung. Ein Blick, ein allerletztes Winken, dann fuhr der Zug eine Kurve und die Zurückbleibenden entschwanden ihren Blicken.

Aufatmend begann Dianea, Abteil für Abteil abzusuchen nach einem freien Platz.

Fast jedes Abteil war belegt, als sich plötzlich eine Abteiltür öffnete und ein hochgewachsener blonder Junge auf den Gang trat. Mit grauen Augen musterte er Dianea einen Augenblick, bis sein Blick auf ihre Tasche fiel.

„Noch keinen Platz gefunden? Wir rücken gerne etwas zusammen für dich.", meinte er.

Dianea lächelte: „Danke, Draco, aber ich suche nach jemandem. Wir sehen uns." Und schon lief die junge Frau weiter. Ihr war nicht danach zumute, jetzt stundenlang eng neben Draco im Zug zu sitzen und vielleicht noch vor neugierigen Ohren ein Gespräch über die letzten Vorkommnisse zu führen.

„Der Zug ist aber nur für Schüler.", meinte Draco süffisant, jedoch Dianea blieb nicht stehen, als sie rief: „Ich weiß. Tschau."

 

Im übernächsten Waggon blieb Dianea erschöpft stehen, als genau neben ihr Hermine aus einem Abteil trat.

„Dianea.", rief sie freudig überrascht.

„Hallo Hermine. Alles voll.", pustete die junge Frau und griff Hermines Hand, um ihre Freundin zu begrüßen.

„Komm zu uns, Dianea. Hier ist noch Platz.", lud Hermine sie ein und gab die Abteiltür frei.

Mitten in der Tür blieb Dianea erschrocken stehen. Im Abteil saß noch jemand, den Dianea nicht kannte. Ein Mann, mittleren Alters, mit offenem Blick und einem freundlichen Lächeln.

Sofort nach Dianeas Eintritt erhob er sich und trat auf sie zu.

„Hermine, würden Sie uns bitte bekanntmachen?"

Hermine sah den Blick des Mannes und stammelte:

„Na - natürlich. Also, Dianea, das ist Professor Remus Lupin, Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Macht jetzt nach den Ferien Vertretung bis zum Ende des Schuljahres. Professor, das ist Dianea Baxter."

„Miss Baxter." Prof. Lupin ergriff mit einer leichten Verbeugung Dianeas Hand.

„In welcher Klasse werde ich das Vergnügen haben sie zu unterrichten?", begann Lupin gleich ein Gespräch und bot ihr den Platz neben sich an.

Hermine schmunzelte und Dianea lachte.

„Tut mir leid, Professor. Aber ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen, denn ich werde in keiner Klasse sein. Ich bin Praktikantin in Hogwarts."

„Na doch hoffentlich bei VgddK."

Lupin schaute sie hoffnungsvoll an und man erkannte, dass Dianea Eindruck auf ihn machte.

Die junge Frau schüttelte bedauernd den Kopf.

„Zaubertränke.", meinte Dianea und ihr Ton ließ Remus Lupin aufhorchen.

„Bei Prof. Snape.", murmelte er und seine Augen sahen sie bedauernd an.

„Ist er immer noch so streng und zynisch?", wandte sich Lupin an Hermine.

Diese nickte und meinte: „Sie kennen ihn doch, Professor." Und alle Drei lachten.

Der Rest der Reise verging in angeregter Unterhaltung, an deren Ende Prof. Lupin und Dianea bereits bei dem vertrauten „Du" angekommen waren.

„So als Fastkollegen.", meinte Lupin schmunzelnd. „So hast du wenigstens einen Freund in Hogwarts."

Dianea empfand ihn als angenehm und unkompliziert und genoß seine neu gewonnene Freundschaft.

 

Während des kurzen Weges vom Zug zu den Kutschen flüsterte Hermine:

„Da hast du bereits eine Eroberung gemacht. Er lässt ja kein Auge von dir und sucht ständig deine Nähe."

„Ja.", seufzte Dianea und ahnte schon im Voraus Probleme und Verwicklungen.

Doch bevor sie Hermine weitere Erklärungen geben konnte, war Prof. Lupin bereits wieder an ihrer Seite und zog sie zu einer freien Kutsche.

„Hermine, kommst du?", rief die junge Frau ihrer Freundin zu, sehr zum Leidwesen Lupins. Er hatte auf ein paar ruhige Minuten mit Dianea allein gehofft und war dementsprechend enttäuscht. Doch er lächelte Hermine entgegen, hielt galant die Kutschentür auf und vertröstete sich auf Hogwarts. Dort lagen noch lange Monate vor ihnen und auch genug Möglichkeiten, sich besser kennenzulernen.

Und daran lag Prof. Lupin sehr viel.

Dianea blickte aus dem Fenster Hogwarts entgegen und ihr Herz begann unruhig zu schlagen.

Bald würde sie ihn sehen. Ihr kam es wie eine Ewigkeit vor, dass sie Hogwarts verlassen hatte.

Konnte sie ihm noch unbefangen gegenübertreten, jetzt, da sie sich über ihre Gefühle klar geworden war?

Konnte sie jeden Tag seine Anwesenheit, seine Nähe ertragen?

Warum fuhr die Kutsche nicht schneller?

Sie fing Hermines fragenden Blick auf und bemerkte peinlich berührt, dass sie seit geraumer Zeit nicht mehr auf Prof. Lupins Worte geachtet hatte.

Dieser schaute sie irritiert an. Was war plötzlich mit Dianea los?

Betreten lächelte Dianea und meinte flehend:

„Könnt ihr mir noch einmal verzeihen, aber ich war mit meinen Gedanken schon in Hogwarts. Ich sehe das erleuchtete Schloss und schon komme ich ins Träumen."

„Ja, das verstehen ich. Der Anblick von Hogwarts verführt tatsächlich zum Träumen.", murmelte Remus verstehend und strich Dianea über den Arm.

„Dianea und ihre schwärmerische Ader.", lästerte Hermine und brachte sie alle zum Lachen.

Der peinliche Moment war gerettet und nun hielten auch die Kutschen vor dem großen Portal und hieß sie aussteigen.

Eiligen Schrittes stürmten die Schüler in die Große Halle, um sich wieder von der Küchenkunst der Hauselfen verwöhnen zu lassen. Ein Lärmen begleitete Prof. Lupin und Dianea auf ihrem Weg zum Tisch des Lehrerkollegiums und manch erstaunter Blick folgte Remus Lupin.

Dianeas Blick wanderte nach vorn und während ihr Schritt schleppend war, so überschlug sich ihr Herz in der Brust in unregelmäßigen Schlägen.

Das Blut rauschte in ihren Ohren und ihre Hände wurden schweißnass.

Eer war da - er saß bereits am Lehrertisch und schaute ihr kurz entgegen. Nur nebenbei registrierte Dianea neben ihm zwei freie Plätze.

Sie trat zu ihrem Stuhl neben Prof. Snape, setzte sich und lächelte ihm entgegen.

„Guten Abend, Prof. Snape. Ein schönes Weihnachtsfest gehabt?", begrüßte Dianea ihn freundlich.

`Mein Gott, hoffentlich sieht er mir nichts an.` betete Dianea.

„So wie immer.", knurrte Snape und schaute auf die Gestalt, welche nun Platz nahm.

„Ah, Lupin. Wieder im Lande?", tönte seine Stimme, nun mit einem leicht gehässigen Unterton.

Mit Entsetzen sah sich Dianea umgeben von zwei Männern, die sich anscheinend nicht sehr grün waren.

"Severus, erfreut Sie zu sehen.", konterte Lupin.

Nun erläuterte Prof. Dumbledore den Schülern kurz die Anwesenheit Prof. Lupins und eröffnete dann die Festtafel.

Dianea erblickte die schon so schmerzlich vermissten Leckereien und langte herzhaft zu.

„Wie war Hogwarts - Weihnachten, Professor?", wollte Dianea von Snape wissen.

„Ruhig und besinnlich.", meinte er und schaute seine Praktikantin an, als wollte er noch etwas sagen, doch seine Lippen blieben verschlossen.

„Und wie war Ihr Weihnachtsfest, Miss Baxter?", fragte Prof. Snape möglichst unbeteiligt.

„Großes Familientreffen und.............", da fing Dianea plötzlich Dracos Blick auf, „und sonst nichts weiter.", sprach sie schnell.

„Mmhh.", murmelte Snape nur und widmete sich weiter seinem Essen.

„Ich habe Hogwarts vermisst.", flüsterte die junge Frau.

Severus Snape ließ sein Besteck sinken und schaute sie fragend an.

„Und danke noch für Ihren wunderbaren Spruch im Album.", wisperte sie hinterher.

„Hauptsache er hat Ihnen gefallen.", grummelte Snape.

Keiner der Beiden bemerkte den Blick Prof. Lupins, der melancholisch dem Gespräch zwischen Snape und Dianea folgte.

Zwischen zwei Löffeln Nachtisch nuschelte Dianea:

„............scholl morgen weitergehm?"

Prof. Snape sah sie tadelnd an.

„Man sollte Ihnen wohl erst einmal ein paar Tischmanieren beibringen, Miss Baxter:"

Da war er wieder, der stichelnde zynische Snape und nun fühlte sich Dianea endlich wieder richtig in Hogwarts angekommen.

Wie hatte sie das in den letzten Tagen vermisst.

Entschuldigend lächelte sie Prof. Snape an.

„Tut mir leid. Ich weiß, ich bin furchtbar. Ich wollte eigentlich nur wissen, wann ich morgen beginnen soll."

„Kommen Sie nachher noch in mein Büro, dann werden Sie es erfahren."

Schadenfroh grinste er Dianea und Lupin an und verschwand.

„Springt er immer so mit dir um?", sprach Prof. Lupin sie plötzlich an, sodass Dianea erschreckt herumfuhr.

„Meistens.", lachte die junge Frau. „Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Man muss es nicht zu ernst nehmen."

„Ich werde erst einmal meine Räume aufsuchen.", meinte Lupin und schaute Dianea an.

„Gute Idee. Ich mach mich auch erst ein bisschen frisch, ehe ich die Höhle des Löwen betrete.. Begleitest du mich?", fragte Dianea arglos und hakte sich bei Remus unter.

Aus einer Nische heraus folgte ihnen ein Blick aus zusammengekniffenen Augen auf dem Weg zum Geheimgang der Lehrerunterkünfte. Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich, als Dianeas helles Lachen durch den Gang hallte.

 

 

16.

 

 

„Professor?" Zaghaft klopfte Dianea an die offen stehende Bürotür und wartete auf ein „Herein".

„Kommen Sie schon endlich. Was denken Sie für wen ich die Tür geöffnet habe?", fauchte es aus dem Hintergrund.

Ehe sich Dianea versah waren ihr die Worte herausgerutscht.

„Das habe ich doch so sehr vermisst."

Mit einem lauten Knall ließ Prof. Snape die Tür ins Schloss fallen und Dianea entging nur knapp einer Kollision mit dem harten Holz.

„Darf man fragen, was Sie so sehr vermisst haben, Miss Baxter?"

Snape trat dicht an Dianea heran und musterte spöttisch seine Praktikantin.

„Ihre nette freundliche Art mir gegenüber, Professor.", konterte Dianea kess.

„Wenn Sie mehr davon benötigen, sehe ich keinen Grund Ihnen das vorzuenthalten. Und jetzt nehmen Sie endlich am Schreibtisch Platz, wir haben keine Zeit für freundliche Konversation.", knurrte Snape und nahm ihr gegenüber auf seinem Stuhl Platz.

„Kommen wir gleich zur Sache. An Ihren Zeiten hat sich auch nach den Ferien nichts geändert. Unterrichtsteilnahme bei den Sechst- und Siebentklässlern und weiterhin Privatunterricht bei mir. Da Sie einige Defizite vorweisen, sehe ich mich gezwungen, Ihnen auch am Wochenende meine kostbare Freizeit zu opfern und zusätzlichen Unterricht zu erteilen."

Spöttisch blickten seine schwarzen Augen über den Tisch und er erwartete einen Proteststurm der jungen Dame. Doch ihre Reaktion ließ seine Hoffnungen wie ein Kartenhaus zusammenstürzen und verblüfft fand er keine Worte.

„Ja, Professor. Sie haben Recht. Man kann nie genug lernen und ich komme gerne am Wochenende. Wollen Sie heute bereits beginnen?"

Freundlich lächelnd blickte Dianea den Mann ihr gegenüber an.

Nach einigen Sekunden Sprachlosigkeit meinte Snape in seiner gewohnt kühlen Art:

„Wenn Sie so versessen darauf sind, Miss Baxter. Ich benötige nicht viel Schlaf. Daher haben wir noch einige Stunden für Ihre Ausbildung. Kommen Sie mit."

Und mit ausholenden Schritten eilte er zu seinem Labortisch.

„Wo bleiben Sie denn?", knurrte Snape.

„Ich kann nicht fliegen. Entschuldigen Sie.", knurrte Dianea bissig zurück.

„Ich war bis jetzt der Meinung, Sie sind eine Hexe.", funkelte Prof. Snape, doch ehe Dianea antworten konnte sprach er bereits weiter.

„Hier, diese Pinienrinde legen Sie sorgsam in den Ingweraufguss ein, aber achten Sie darauf, dass die Rinde nicht zerbricht. Dann werden Sie die Rattenmilz in dünne Scheiben schneiden und leicht anschmoren. Die Wurzelknolle des Krallenbaumes muss sorgsam geschält werden und wird dann über die geschmorte Rattenmilz geraspelt. Zwei Schöpflöffel kaltes klares Quellwasser am Kesselrand einlaufen lassen und alles zwei Minuten köcheln lassen. Im Abstand von einer halben Minute wird alles vorsichtig durchgerührt, und zwar 4mal rechts und 3mal links herum.

Ganz vorsichtig werden danach 2 Tropfen Blut der schwarzen Mamba und eine Prise zermahlener Zahn des australischen Sumpfalligators untergehoben. Die getrockneten Innereien der Vogelspinne werden.................." Snape wandte sich um.

„Hören Sie mir überhaupt zu?", fauchte er die inzwischen blass gewordene Dianea an.

„Pro - Professor.", stammelte die junge Frau, „das klingt ja schrecklich. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glatt glauben, ich soll hier den „Trank der Gnade" brauen."

Snape sah erstaunt auf seine Praktikantin.

„Woher kennen Sie diesen Trank?", murmelte er.

„Mein damaliger Professor erzählte mir in einer Privatstunde von diesem Trank und wie er wirkt. Wer soll sterben?", flüsterte Dianea tonlos.

Severus Snape schüttelte den Kopf.

„Es stimmt, das dieser Trank tödlich ist, aber man fand heraus, das bei Änderung der Zusammensetzung und Menge dieser Trank auch für die Medizin zu nutzen ist. In althergebrachter Form ist eine kleine Phiole davon tödlich. Da es völlig schmerzfrei ist und schnell wirkt, benutzt man es für unheilbar Kranke aber leider auch gerne um seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Deshalb der Name „Trank der Gnade", da es oft der letzte Ausweg ist. Natürlich ist es auch anwendbar in jedweder Art von Getränken, falls man jemanden unauffällig loswerden möchte.

Ach übrigens, haben Sie Lust auf ein Glas Wein, Miss Baxter?"

„Ich glaube, ich habe keinen Durst.", presste Dianea aus trockener Kehle hervor.

Spöttisch blickte Snape sie an: „Glauben Sie etwa ich wollte Sie vergiften?"

Dianea schüttelte stumm den Kopf und schaute betreten zu Boden.

„Na dann seien Sie nicht albern und trinken ein Glas mit mir. Ich habe einen ausgezeichneten alten Rotwein."

Snape schob sie in Richtung Schreibtisch zurück.

„Und der Trank?", protestierte die junge Frau.

„Das war ein kleiner Wissenstest. Mir scheint Sie hatten doch einen ausgezeichneten Lehrer, der Ihr Potential sehr gut erkannt und gefördert hat."

Severus Snape sah sie mit einem leichten anerkennenden Blick an und plötzlich begann Dianeas Herz zu klopfen. Die schwarzen Augen tauchten tief in die ihren und ihr Verstand umnebelte sich. Doch bevor sie gänzlich versagte, riss sie sich los aus diesem Blick und spöttelte:

„Nanu, ich denke ich habe frappierende Defizite. Das klingt ja nun ganz anders."

„Auf bestimmten Gebieten sind auch Defizite vorhanden, die einer besonderen Schulung bedürfen. Jedoch ist Ihr Grundwissen eine gute Basis, auf der wir unsere Lernarbeit aufbauen werden."

„Na gut, Professor.", fauchte Dianea leise, „aber mein Grundwissen reicht doch sicherlich aus um einzuschätzen, dass giftigen Beeren aus Kanada keine Bisswunden hervorrufen. Doch gegen eine plausible Erklärung hätte ich nichts einzuwenden. Denn wie Sie schon erwähnten, man lernt nie aus."

Warum Dianea gerade jetzt die Sprache auf die mysteriöse Bisswunde nach ihrer Vergiftung brachte war ihr selbst nicht klar. Doch seine leicht zynische arrogante Art über ihren Wissensstand zu sprechen hatte sie verärgert und irgendwann wollte sie auch eine Antwort auf die ungeklärte Frage. Warum also nicht jetzt?

„Natürlich hinterlassen Beeren keine Bisswunden.", blaffte Snape sie an, doch in seinen Augen lag eine leichte Panik. Was hatte er zu verbergen?

„Halluzinationen und Krampfanfälle wollten Sie mir einreden, doch ich wusste genau, was ich gefühlt und gespürt hatte. Sie haben.........." Dianeas Stimme kippte.

Severus Snape hatte sich erhoben und kam langsam und drohend auf sie zu. Mit beiden Händen stützte er sich auf die Armlehnen an Dianeas Stuhl, sein Gesicht kam gefährlich nahe an das Ihre und sein Blick verhieß nichts Gutes.

„Was wollen Sie mir hier unterstellen?", zischte er gefährlich leise.

Dianea schluckte schwer, was sollte sie ihm sagen?

„NA?", lauernd bohrte Snape seinen Blick tief in ihre Augen.

„Ich dachte..........es sah so aus.....................meiner Meinung...........", stotterte die junge Frau hilflos.

Dann reckte sie ihre Gestalt im Stuhl und fauchte:

„Sie wollten mich verführen. Ich spürte doch Ihre Hände und Ihre..........., Sie haben mich gebissen."

Noch immer lag Snapes Blick lauernd auf Dianea.

Dann, mit einer unglaublichen Schnelligkeit riss er sie aus ihrem Stuhl hoch in seine Arme und presste sie hart an den Schreibtischrand.

„So, so. Ich wollte Sie also verführen?"

Snapes Gesicht glich einer Maske, starr und unbeweglich. Seine Arme hielten sie gepackt, sodass Dianea das Atmen schwer fiel. Sein Mund verhielt kurz vor ihren Lippen, als er noch einmal flüsterte;

„Verführen?"

Dianeas Knie begannen zu zittern, ihre Magenwände schienen zu vibrieren und vor ihren Augen tanzten kleine bunte Sternchen.

Da war wieder sein vertrauter Duft und seine verwirrende Nähe.

„Professor?........Severus?", hauchte Dianea leise.

Da vernahm sie seine Stimme, sanft leise verhalten.

„Ja, es stimmt, Dianea. Ich wollte dich ganz. Es war fast unerträglich, dich neben mir liegen zu sehen und die Gefühle zu unterdrücken. Deine Gegenwart und dein Körper machten mich rasend. Doch dann siegte mein Verstand. `Sie ist hilflos `, sagte ich mir und versuchte, dich zu wecken, um schlimmeres zu verhindern. Du bist noch so jung und außerdem mir anvertraut als Schülerin."

„Praktikantin.", murmelte Dianea verbessernd.

Seine Hände hielten nun sanft ihr Gesicht umfangen.

„Was soll nun geschehen?", hilflos blickte er sie an.

„Ich glaube, ich will........", flüsterte Dianea und blickte ihn fest an.

„Hier geht es nicht nach Wollen, junge Dame.", konterte Snape , ein leichtes Zittern lag auf seinen Worten.

„Schschsch. Ich will, dass du mich jetzt küsst. Sofort!!"

Und Dianeas Hände wanderten unter seinen Umhang und streichelten verlangend über seinen Rücken.

„Dianea!", stöhnte Severus auf und presste verzweifelt seine Lippen auf ihren Mund.

Es war ein verzehrender Kuss und Dianea spürte, dass sein Begehren seine ganze Beherrschung abverlangte.

Ein Klopfen ließ beide auseinander fahren. Schwungvoll öffnete sich auch gleich die Tür.

„Hier bist du, Dianea!", rief Lupin erfreut.

„Noch nicht fertig? Wir waren doch zum Spaziergang verabredet."

Remus Lupin entging nicht die Röte auf Dianeas Gesicht und ihr schneller Atem.

Geflissentlich übersah er den grimmigen Blick Prof. Snapes.

„Wenn das so ist, Miss Baxter, dann können Sie selbstverständlich gehen. Ich möchte keiner Verabredung im Weg stehen.", kalt klirrten seine Worte und Dianea zog fröstelnd die Schultern hoch. Sie hatte Lupin völlig vergessen.

„Remus, ich glaube, ich bin noch nicht ganz fertig.", versuchte sie Lupin zum Gehen zu bewegen.

„Doch, doch, Miss Baxter. Wir haben nichts mehr zu klären. Morgen früh um 8.00Uhr erwarte ich Sie zum Unterricht der Siebentklässler. Gehen Sie jetzt!!", durchschnitt Snapes Stimme jede weitere Erwiderung.

Dianea suchte Severus Blick, doch er saß bereits am Schreibtisch über ein Buch gebeugt und ignorierte sie.

Traurig ging sie zur Tür, wo Lupin vertraulich einen Arm um sie legte und meinte:

„Komm, ich habe eine Überraschung für dich."

Auf dem Schreibtisch im Büro blieben zwei unberührte Gläser funkelnden Rotweines einsam zurück.