Severus Snape-Fanfiction
                                         


   ABSCHIED 2 - ... UND ELEND SEI DER WEG INS GLÜCK

    von Severina


   Über Euer Feedback freut sich: Severina


Kapitel 9 - 17



„Abschied 2

9.

 

 

Bleich und völlig gelähmt saß Dianea da und starrte blicklos auf ihre geliebte Eule.

„Was für ein Sadist muss das sein, der sich an einem wehrlosen Tier vergreift?", murmelte sie und ihr Blick fiel auf das Stück Pergament in ihrer Hand.

 

Severus!! - er war verschwunden!!!!!!

 

Hastig sprang die junge Medihexe auf und packte Mirna bei den Schultern.

„Wir müssen ins St. Mungo, auf dem schnellsten Weg.", sprudelten hastig die Worte aus ihrem Mund und so überhörten Beide das leise „Plopp".

 

Dianea wandte sich noch einmal um und stieß einen leisen Schrei aus.

 

„Prof. Mc Gonagall!!", japste sie vor Schreck.

 

„Verzeihen Sie, Dianea. Sicherlich habe ich Sie mit meinem plötzlichen Auftauchen erschreckt. Normalerweise ist es nicht meine Art, unangemeldet bei jemandem zu erscheinen, aber die Situation erforderte ein schnelles Handeln."

Besorgnis lag in den Zügen der älteren Hexe.

 

„Prof. Snape ist verschwunden. Ich muss schnellstens ins St. Mungo. Wenn Sie mich begleiten möchten.", fertigte Dianea den unerwarteten Besucher ab.

 

„Ich weiß es und deshalb bin ich auch hier. Sie müssen mit mir nach Hogwarts kommen. Sofort!"

 

Prof. Mc Gonagalls Stimme duldete keinen Widerspruch und Dianea glaubte in ihren Augen etwas zu erkennen, das sie hier nicht preisgeben durfte.

 

„Aber das Krankenhaus und der Dienst..........", protestierte die Medihexe schwach.

 

„Ich habe bereits alles geregelt und der junge Heiler Gilmore gab grünes Licht für Ihre Abwesenheit. Sie - müssen allerdings sofort zurück, meine Liebe.", wandte sie sich an Mirna und schob diese etwas unsanft zur Tür hinaus.

 

„Es ist ernst, Dianea. Sehr ernst.", sprach Minerva leise und eindringlich.

 

„Ja, ich weiß", und Dianea deutete auf ihre tote Eule und den Brief. „Ich habe Angst, Minerva. Wo mag Severus nur sein und was ist passiert?", flüsterte sie und begann zu weinen.

 

Der ganze Schmerz und die Angst der letzten Stunden entluden sich in einem unaufhaltsamen Tränenstrom.

 

Unbeholfen nahm Prof. Mc Gonagall die junge Frau in den Arm und versuchte sie mit leisen Worten zu beruhigen.

 

„Es ist alles meine Schuld.", schluchzte Dianea laut auf. „ich habe es Lucius Malfoy verraten."

 

„Aber doch sicherlich nicht freiwillig, oder?" fragte Minerva und schüttelte sie leicht an den Schultern. „Dianea!! ODER?"

 

„Nein!! Natürlich nicht. Ich würde Severus nicht verraten.", weinte die Medihexe auf.

 

„Was ist hier passiert?", fragte die Ältere eindringlich. „Dianea, was hat man mit dir gemacht?", ihre Stimme hatte etwas mütterliches und Dianea weinte verzweifelt auf.

„Cruciatus!", murmelte sie nur, fast unverständlich. „Er wird mich umbringen"

 

„Wer?", schluckte Minerva.

 

„Lucius Malfoy! Er war hier und hat es aus mir heraus gepresst und er drohte mich umzubringen, falls ich irgend etwas darüber erzähle.", verängstigt blickte Dianea auf die Hexe.

 

„Du kommst jetzt mit nach Hogwarts, Kindchen. Dort bist du erst einmal sicher."

 

Dianea sträubte sich.

„Nein! Ich muss Prof. Snape finden, sonst habe ich keine Ruhe."

 

„Er ist in Sicherheit, Mädchen. Und nun komm, bevor hier jemand auftaucht und dir noch schlimmeres antut", aus Minervas Stimme klang leichte Besorgnis und das nicht ohne Grund.

 

Ein Poltern im Treppenflur und der Schrei einer Frau drangen zu ihnen hoch.

 

„MIRNA!!", schrie Dianea auf. „Das war Mirna. Sie werden ihr etwas tun. Ich muss ihr helfen.", und schon wollte sie zur Tür eilen.

 

„DIANEA BLEIB STEHEN!!", donnerte Prof. Mc Gonagalls Stimme und hastig zückte sie ihren Zauberstab.

 

Mit einem lauten Bersten zerbrach die Wohnungstür und Dianea erkannte das lange wehende Blondhaar von Lucius Malfoy.

 

Minerva ergriff hart ihren Arm und schon spürte die Medihexe den bekannten Sog des Portschlüssels.

 

Nur kurz sah sie den wütenden Blick Malfoys, als Minerva und sie im Nichts entschwanden.

 

Malfoy stieß einen zornigen Schrei aus.

Er fühlte sich betrogen und ließ seinen Frust an der unschuldigen Frau aus, die von anderen Todessern in die Wohnung gezerrt wurde.

 

Wutentbrannt packte Lucius Malfoy die Krankenschwester bei den Haaren und schrie sie unbarmherzig an.

 

„Wo sind sie hin? Und wo ist Prof. Snape?"

 

Mirna wimmerte vor Schmerz und schaute bittend auf den Mann vor sich.

„Ich habe keine Ahnung. Prof. Snape war heute morgen bei Dienstantritt bereits verschwunden."

 

„Lüg mich nicht an, du kleine Kröte.", zischte Malfoy kalt und ohrfeigte Mirna, wie er es zuvor bereits mit Dianea getan hatte.

 

Die junge Frau zitterte und weinte.

„Ich schwöre es, ich weiß nicht Bescheid. Es gab neue Sicherheitsvorkehrungen und selbst ich kam nicht mehr allein in das Zimmer des Professors."

 

„Wo ist Dianea?", fauchte Lucius.

 

„Weiß ich nicht", murmelte Mirna, doch diese Antwort brachte ihr eine erneute Ohrfeige ein.

 

Mirnas Lippe war aufgeplatzt und Blut tropfte auf ihre Bluse.

 

„Ist es dir nun eingefallen?", brüllte Malfoy erneut.

 

„Bitte!!", jammerte die Krankenschwester und versuchte, die Hand des Mannes zu packen, die fest in ihren Haaren verkrallt war.

 

Doch Lucius Malfoy zog um so fester, zückte seinen Zauberstab und hielt ihn der wimmernden Frau an die Schläfe.

 

„Fass - mich - nicht - an!", zischte er.

„Und? Hast du mir jetzt etwas zu sagen? Wo befindet sich Dianea?"

 

Mit schreckgeweiteten Augen hatte Mirna die Bewegungen Malfoys verfolgt und hielt die Luft an, als sie seinen Zauberstab spürte.

 

Unbändiger Zorn flackerte in den eiskalten Augen des Mannes.

 

„Weißt du eigentlich, wie ich Dianea zum Reden gebracht habe?", flüsterte Lucius dicht an Mirnas Ohr.

 

Die Krankenschwester flüsterte kaum hörbar: „Nein."

 

„Mit einem einfachen, doch sehr wirkungsvollen Folterfluch! Möchtest du ihn kennenlernen?", seine Stimme war kalt und spröde.

 

„NEIN!! Bitte, ich......... sie ist in Hogwarts!!"

 

Malfoys Augen flackerten kurz auf.

 

„Ist das auch die Wahrheit? Denn wenn du mich belogen hast, dann..........", und Mirna glaubte, er würde sie bei lebendigem Leib skalpieren.

 

„Ja, ja, es ist die Wahrheit!", schrie sie, vom Schmerz überrollt.

 

Angewidert stieß Malfoy die Frau von sich und meinte verächtlich zu den Anderen: „Sie gehört euch!"

 

Mit schnellen Schritten eilte er davon und nahm die Schreie der Frau mit in den Hausflur und hinaus auf die Straße.

 

 

*

 

Noch leicht benommen landete Dianea neben Prof. Mc Gonagall im Büro des Schulleiters.

Wie lange lag ihr letzter Besuch in diesen Räumlichkeiten zurück.

 

Damals lebte Prof. Dumbledore noch.

Sein gütiges, von Falten durchzogenes Antlitz erschien vor ihrem geistigen Auge und sie seufzte leise, ehe sie realisierte, dass sie seit geraumer Zeit auf das Portrait des Schulleiters blickte.

 

„Willkommen, Dianea. Schön Sie mal wieder zu sehen.", lachte er auf Dianea herab.

 

„Prof. Dumbledore!!"

Sichtlich bewegt trat die junge Medihexe näher heran.

„Es tut mir...........ich weiß gar nicht.........ach!", stotterte sie und wandte sich kurz ab.

 

Noch immer fehlte ihr die Kraft zu verstehen, dass Albus Dumbledore nie mehr die kleine Treppe zu seinem Büro herunterkommen würde, um sich in einer ihm eigenen Art an den Schreibtisch zu setzen, die Hände zu verschränken und alle Anwesenden über seine halbmondförmige Brille hinweg anzusehen, als blicke er jedem auf den Grund seiner Seele.

 

„Na na Kindchen, keine Traurigkeit.", meinte der gütige alte Mann aus dem Rahmen heraus und Dianea wischte sich verstohlen eine Träne aus den Augenwinkeln.

 

„Es ist nur so, ich.........", fing Dianea an, verstummte jedoch im nächsten Augenblick.

 

„Ich verstehe Sie schon Dianea. Doch glauben Sie mir, es gibt weitaus Schlimmeres.", tröstete Prof. Dumbledore die junge Frau, ehe er sich an Prof. Mc Gonagall wandte.

 

„Nun Minerva, wie sieht es aus?"

 

„Ach Albus. Wie ich es schon vermutet hatte. Voldemort ist noch hinter Severus her und will sicherlich sein Werk vollenden. Ich konnte Dianea im letzten Moment aus der Wohnung holen, bevor Malfoy mit seinem Anhang in die Räume stürmte. Leider haben sie sich der kleinen Krankenschwester bemächtigt und werden aus ihr herausbringen wo sich Dianea befindet."

 

Man spürte deutlich die Sorge und auch eine leichte Panik in ihrer Stimme.

 

„Aber woher weiß Malfoy eigentlich dass Severus noch am Leben ist. Sind es Vermutungen?", wollte Dumbledore wissen.

 

„Nein, er weiß es von mir.", piepste Dianea mit belegter Stimme.

 

„Aber sie kann nichts dafür, Albus.", versicherte Minerva schnell.

 

Dumbledore schaute über den Rand seiner Brille hinweg auf die Medihexe.

„Erzählen Sie es mir, Dianea", bat er leise.

 

Und Dianea berichtete alles über den Besuch von Lucius Malfoy, die Anwendung des Folterfluches unter dem sie die Wahrheit preisgab, ihre Briefe und der Tot ihrer geliebten Eule, sowie die blutigen Worte der Warnung.

 

„Hoffentlich lebt Mirna noch, ich mache mir solche Vorwürfe,", schloss Dianea ihren Bericht und blickte auf das Portrait des Schulleiters, dessen Miene einen besorgt - entschlossenen Ausdruck hatte.

 

„Dianea, Sie begeben sich erst einmal zu Madam Pomfrey in den Krankenflügel. Lassen Sie sich gründlich untersuchen und behandeln und ruhen Sie sich aus. Sie haben genug durchmachen müssen und auch die Pflege von Prof. Snape war sicher nicht einfach."

Ein verständnisvoll - verschmitztes Lächeln traf die junge Frau, die es ebenso erwiderte.

 

„Gewiss nicht. Sie kennen ja Prof. Snape.", lachte Dianea. „Aber ich fühle mich wirklich gut."

 

„KEINE Widerrede. Wir brauchen noch Ihre ganze Kraft und jetzt verschwinden Sie endlich!", grollte Dumbledore gespielt böse.

 

„Nicht, ehe ich weiß wo Prof. Snape sich befindet.", wandte sich Dianea an Prof. Mc Gonagall.

„Sie hatten erwähnt, er wäre in Sicherheit. ABER WO?", die letzten Worte schrie die junge Frau fast heraus und ihre aufsteigenden Tränen verrieten ihre Angst um den Mann.

 

„Es ist nur zu Ihrem Besten wenn Sie den Aufenthaltsort von Prof. Snape im Moment noch nicht erfahren, Dianea. Wir dürfen für seine Sicherheit kein Risiko eingehen.", leise, aber eindringlich waren die Worte von Prof. Mc Gonagall und Dianea verstand, wenn auch widerwillig.

 

Ihr war bewusst, dass Malfoy und somit auch Voldemort ihren Aufenthaltsort wussten und nicht lange darauf warten ließen, ihrer habhaft zu werden. Und obwohl sie auch unter Folter nichts verraten könnte, würde sie es beim nächsten Mal mit Sicherheit nicht überleben.

 

„Ich verstehe, Minerva. Verzeihen Sie, aber ich mache mir eben große Sorgen um den Professor.", murmelte Dianea bedrückt.

 

Prof. Mc Gonagall trat zu der jungen Medihexe und berührte sacht ihren Arm.

„Er ist gut aufgehoben und ihm geht es auch gut, glauben Sie mir.", beantwortete sie die stumme Frage der Jüngeren.

 

„Madam Pomfrey erwartet Sie!", erinnerte Dumbledore leise mahnend und Dianea nickte.

 

Wortlos fügte sie sich und verließ das Büro in Richtung Krankenflügel.

Die Gänge und Treppen riefen alte Erinnerungen wach und leise murmelte Dianea:

„Severus, wo bist du bloß?"

 

 

10.

 

 

Lucius Malfoy warf sich zu Füßen des Dunklen Lords in den Staub und brachte ihm seine Ergebenheit zum Ausdruck.

 

„Ich habe gute Nachrichten, mein Gebieter.", flüsterte er schleimig.

 

„Erhebe dich, Lucius mein Freund und berichte.", meinte Voldemort streng und schaute erwartungsvoll auf den blonden Mann vor sich.

 

„Zu Diensten, Meister. Ich kann berichten, dass der Verräter Snape noch am Leben ist. Diese kleine Baxter verriet mir seinen Aufenthaltsort, doch als wir ihn aufsuchten, war der Vogel bereits ausgeflogen. Die verdammte Medihexe verschwand vor meiner Nase, aber ich weiß inzwischen, dass sie sich in Hogwarts aufhält. Was sind Eure weiteren Befehle, mein Gebieter?"

 

Kriecherisch buckelte Malfoy neben dem Dunklen Lord und heischte um Lob.

 

„Warum ist euch dieser Bastard entwischt? Ihr wart nicht schnell genug und das ist sehr nachlässig. Ich dulde jedoch keine Nachlässigkeiten.", flötete Voldemort leise, um im gleichen Moment sein „CRUCIO" gezielt gegen Malfoy zu richten.

 

Dieser ging aufstöhnend zu Boden und wand sich vor Schmerz im Staub.

 

Vor kurzem befand er sich noch auf der anderen Seite, hatte er diesen Fluch gegen andere gerichtet, nun musste er ihn selbst ertragen und erst kurz vor einer drohenden Bewusstlosigkeit hob der Dunkle Lord den Fluch wieder auf.

 

„Nun, mein Lieber. Ich denke ich habe dich genug motiviert. Finde diese kleine Kröte und bring in Erfahrung wo sich dieser Verräter aufhält. Bei einem Versagen deinerseits..........", lächelte Voldemort und hob spielerisch seinen Zauberstab.

 

Malfoy verstand!!

 

„Gewiss, mein Lord, gewiss. Ich werde Sie zufriedenstellen, werde alles tun, um die Kunde von Snapes Aufenthalt so schnell als möglich zu überbringen, Meister."

 

Sein Gebaren war schon ekelerregend schleimig und Voldemort verzog angewidert das Gesicht.

 

„Verschwinde aus meinen Augen, du Nichtswürdiger!", fauchte der Dunkle Lord und mit einer tiefen Verbeugung apparierte Malfoy schleunigst ins Nichts.

 

„Euch anderen sei hiermit noch einmal demonstriert, wie ich Versagen zu honorieren weiß. Wie weit sind die Vorbereitungen für den großen Kampf vorangeschritten, Mc Ewans?", blaffte er den ihm nahestehenden Mann an.

 

„Alles zu Ihrer vollsten Zufriedenheit, Meister. Es verläuft alles planmäßig und jeder kennt seine Aufgaben!", beeilte sich der Angesprochene zu versichern.

 

„Sehr schön, sehr schön.", murmelte der Dunkle Lord und schickte seinen Blick über die wabernde schwarze Menge.

 

Er wollte die alleinige Macht und er würde sie bekommen.

 

Seine größten Widersacher waren bereits ausgelöscht und weitere würden folgen, allen voran der Verräter Snape und dieser Potterjunge.

 

 

*

 

 

Währenddessen fielen sich im Krankenflügel die beiden Medihexen in die Arme.

 

„Dianea, dass ich dich noch einmal wiedersehe. Und in meine Fußstapfen bist du getreten? Ach, Mädchen", gerührt wischte sich Madam Pomfrey eine Träne aus den Augen.

 

„Es ist schön, mal wieder hier zu sein, auch wenn der Anlass ein trauriger und ernster ist", meinte Dianea.

 

„Erzähl, wie ist es dir ergangen und was meinte Dumbledore mit deinen Verletzungen?", fragte die alte Medihexe besorgt. Und zum zweiten Mal an diesem Tag musste Dianea ihre Geschichte erzählen.

Fassungslos vernahm die alte Medihexe, dass Dianea dem „Cruciatus" ausgesetzt war.

 

Ohne viel Federlesen packte Madam Pomfrey die junge Frau anschließend in ein Bett und untersuchte fachmännisch jeden Zentimeter ihres Körpers.

 

„Ich sehe schon, meine geschätzte Kollegin hat sich bereits selbst verarztet.", meinte sie lachend und tätschelte Dianeas Wange.

„Aber wenn ich schon die Gelegenheit habe, wirst du wenigstens eine Nacht im Krankenflügel verbringen." Und wie schon damals so duldete Madam Pomfreys Stimme auch heute keinen Widerspruch.

 

Doch Dianea gab sich viel zu gerne in ihre Obhut und genoß es sichtlich, dass sich endlich mal wieder jemand um sie sorgte und kümmerte.

 

Bereits wenige Minuten später dämmerte Dianea in einen traumlosen tiefen Schlaf, ohne zu ahnen, dass die ältere Medihexe dabei ihre Hände im Spiel hatte.

 

 

11.

 

 

Die Sonne warf bereits ihre Strahlen weit in das große Krankenzimmer und ein besonders vorwitziger Strahl kitzelte Dianea penetrant an der Nase.

 

In einer unnachahmlichen Art zog die junge Frau ihre Nase kraus, nieste und öffnete vorsichtig die Augen.

 

Madam Pomfrey stand lächelnd an ihrem Bett und meinte: „Guten Morgen, du Langschläferin."

 

„Wieso Guten Morgen?", fragte Dianea noch leicht benommen und richtete sich langsam auf.

 

„Nun, ein neuer Tag hat begonnen, den gestrigen hast du ja fast komplett verschlafen. Doch es tat dir sicherlich gut." Und Madam Pomfrey reichte Dianea eine dampfende Tasse Tee.

 

„Ja, aber ich verstehe nicht, so lange.........", und Dianea blickte in das wissend lächelnde Gesicht der Älteren.

 

„Ich hatte ein wenig nachgeholfen. Deinen berühmten Sturschädel habe ich noch gut im Gedächtnis und ehe ich hätte lange Diskussionen führen müssen, warum und weshalb, war ich halt ein bisschen hinterlistig."

 

Dianea lachte und drohte Madam Pomfrey scherzhaft mit der Faust.

 

„Aber ich darf jetzt wieder aufstehen, oder?", wollte die junge Frau nun wissen und schwang bereits die Beine über die Bettkante.

 

„Stopp, stopp, du junges Fohlen. Erst noch eine letzte, abschließende Untersuchung und dann........... vielleicht!!", brubbelte die Medihexe los.

 

Gehorsam sank Dianea in die Kissen zurück und ließ es über sich ergehen, dass Madam Pomfrey noch einmal jeden Zentimeter untersuchte. Endlich war es soweit und die Medihexe gab grünes Licht.

 

„Aber nur unter Protest, Dianea. Du weißt selbst welche Schäden der „Cruciatus" Fluch hinterlässt."

 

Dianea packte die Hand der Älteren und streichelte sie. „Ich weiß es doch. Aber mir geht es doch schon wieder gut, wirklich. Poppylein!!"

 

Der Kosename aus Dianeas Praktikumszeit brachte Madam Pomfreys Herz zum Schmelzen.

 

„Na dann verschwinde, du Wildfang. Aber wenn.........."

Dianea lachte. „Ja, ich verspreche, wenn ein kleines Wehwehchen kommt, bin ich wieder da."

 

Sprachs und verschwand eilends im angrenzenden Badezimmer, von wo aus sie wenige Minuten später angezogen den Weg hinaus antrat.

 

„Bis später, Poppylein", und schon flog die Tür ins Schloss.

 

„Bis später", murmelte die Medihexe und schaute Dianea sorgenvoll hinterher.

 

 

*

 

Gedankenverloren glitten Prof. Mc Gonagalls Blicke über die Regalreihen mit den seltsamen Apparaturen.

 

Ein Räuspern ließ sie in die Gegenwart zurückfinden und machte sie darauf aufmerksam, dass sie nicht allein war.

 

„Ja also", sie schluckte, „Severus, ich finde Prof. Dumbledore hat recht. Das Risiko ist einfach zu groß für Sie. Wer sagt Ihnen denn, dass er Sie nicht gleich nach Ihrem Auftauchen töten wird. Sie werden gebraucht, Sie und Ihr Können in der Zaubertrankbrauerei."

 

Ihre Worte klangen eindringlich, doch Prof. Snape zog seine Augenbrauen nach oben, ein untrügliches Zeichen, dass seine Vorstellungen von denen Minervas gewaltig abwichen.

 

Er stand mitten im Raum, würdevoll - erhaben, und sein schwarzer Umhang umhüllte seine Gestalt wie eine geheimnisvolle Aura, die schwarzen Augen ruhten kühl auf seinem Gegenüber und die Mundwinkel zuckten leicht, als Zeichen seiner inneren Erregung.

 

Niemand, der ihn so vor sich sah, ahnte, dass dieser Mann noch vor wenigen Tagen dem Tode geweiht war.

Seine Haut war blass, aber ebenmäßig, sein Schritt fest und sein Blick klar.

 

„Vielleicht könnten Sie die Güte haben und sich meinen Vorschlag zunächst einmal anhören.", meinte Snape etwas bissig.

 

Minerva musterte ihn scharf und meinte schließlich pikiert:

„Na bitte schön. Lassen Sie hören."

 

Auch aus dem Portrait heraus kam die Stimme des ehemaligen Schulleiters.

„Mir ist nicht wohl dabei, Severus. Gibt es denn........?"

 

„ALBUS!!", fuhr Snape barsch dazwischen.

 

„Na gut.", gab Dumbledore nach und ließ sich auf einem alten Lehnstuhl nieder.

 

„Wären Sie auch so freundlich?", deutete Severus Snape auf einen Stuhl und durchbohrte Prof. Mc Gonagall mit seinem geübt eisigen Blick.

 

Er selbst blieb stehen und blickte auf Beide, um sich ihrer Aufmerksamkeit sicher zu sein.

 

„Nun, mein Entschluss steht fest. Ich werde Lucius Malfoy kontaktieren und versuchen, eine Basis für ein Gespräch aufzubauen. Ist das geschehen, so steht der Weg zu Voldemort offen.

Auch auf die Gefahr hin, wie Sie schon erwähnten", und er schaute auf Minerva, „dass mich Voldemort gleich töten wird, werde ich bestrebt sein, meine alte Spiontätigkeit wieder aufzunehmen.

Er wird Beweise verlangen und meine Loyalität bis an die Grenzen austesten, doch ich werde es überstehen. Wir müssen wissen, wie weit der Dunkle Lord mit seinen Vorbereitungen ist und welche Strategien er für den großen Kampf verfolgt.

Der Orden wurde zusammengerufen?", wandte er sich erneut an Prof. Mc Gonagall, die mit verkniffenem Gesichtsausdruck seinen Worten gefolgt war.

 

„Ja, natürlich. Die ersten Mitglieder sind bereits eingetroffen.", meinte Minerva spitz.

 

„Um so besser. Dann werde ich mit meinen Vorbereitungen beginnen.", seine Stimme klang spröde wie Glas.

 

„Nein! Severus, das ist zu gefährlich und ich werde es Ihnen verbieten. Sie können Minerva jetzt nicht allein lassen mit der ganzen Verantwortung. Sie werden hierbleiben!", ertönte Dumbledores Stimme scharf aus dem Portrait.

 

„Ach ja? Wie wollen Sie mich denn daran hindern, Albus?", zischte Snape ihm entgegen. „Mein Entschluss steht, wie gesagt, fest und wenn Sie ehrlich sind, ist es für uns der einzige Weg.!", damit wandte sich Snape ab.

 

Für ihn war das Gespräch beendet.

 

„Ach, übrigens Severus", meldete sich Minerva noch einmal, „Dianea Baxter ist zur Zeit in Hogwarts."

 

Für einen kurzen Moment zuckte es unmerklich in Prof. Snapes Gesicht, doch wenige Augenblicke später war seine Miene verschlossen wie zuvor.

 

 

*

 

Dianea eilte leichtfüßig durch die Gänge, auf dem Weg zum Büro des Schulleiters.

Ohne Erlaubnis durfte auch sie nicht einfach durch das Schloss streifen.

 

Jemand, der sie nicht kannte, würde sie vielleicht für einen Eindringling halten und sie verletzen.

Vorsicht war in den jetzigen Zeiten oberstes Gebot.

 

Am Wasserspeier angekommen, stockte Dianea der nächste Schritt.

Verdammt!!! Das Passwort!

 

Sie hatte keine Ahnung und weit und breit war kein Lehrer in Sicht.

Schon wollte sie aufgeben und in den Krankenflügel zurückkehren, da regte sich in ihr der Mut zum Risiko.

 

Einen Versuch war es wert und vielleicht hatte Minerva in Erinnerung an ihren alten ehemaligen Direktor und Gefährten ja das Passwort beibehalten.

 

Dianea ging in Position, streckte beide Hände vor und rief laut, auf den Wasserspeier deutend: „Zitronendrops"

 

Einen Moment lang tat sich nichts und sie wollte sich bereits enttäuscht abwenden, als ein leicht schabendes Geräusch sie aufhielt.

 

Freudig blickte Dianea auf die sich langsam nach oben schraubende Wendeltreppe und eilte schnell auf die unterste Stufe.

 

„Gute alte Minerva.", murmelte sie lächelnd und stand wenig später vor der großen eichenen Portaltür des Schulleiterbüros.

 

Zaghaft klopfte sie an und vernahm im Inneren verschiedene Stimmen, die hastig durcheinander sprachen.

 

„Ja, wer da?", ertönte Minervas lauter Aufruf und Dianea antwortete zögernd.

 

Die Tür öffnete sich lautlos.

 

Im Büro waren zu Dianeas Erstaunen nur zwei Personen anwesend, also mussten die anderen Gesprächsteilnehmer aus den verschiedenen Portraits geredet haben.

 

Ihr Blick fiel zuerst auf Minerva, die ihr betont freundlich lächelnd entgegensah.

 

Dann nahm sie die weitere Person in Augenschein, die sich in diesem Moment umwandte und für einen Wimpernschlag stockte ihr der Atem.

 

„DU??", flüsterte Dianea heiser.

 

Und ohne Vorwarnung rannte Dianea quer durch das Büro, sprang mit einem Aufschrei in die vor Überraschung geöffneten Arme und begann haltlos zu schluchzen.





„Abschied 2

Hallo meine lieben (Schwarz-) -leser. Es freut mich wenn euch meine Story gefällt, aber mich würde auch mal ein kleines Review erfreuen, um zu sehen, ob es sich noch lohnt weiter zu schreiben. ;),

 

 

12.

 

Fest hielten seine Arme ihre schluchzende Gestalt umfangen und streichelte eine Hand sanft über Dianeas Haar, während Prof. Mc Gonagall leicht säuerlich zur Seite blickte.

 

Allmählich verebbte das Schluchzen und erstarb schließlich ganz, doch noch immer umklammerten seine Arme ihre schmale Gestalt und verbarg Dianea ihr Gesicht in den Falten seines Umhanges.

 

Ein leises, aber energisches Räuspern ließ Beide auseinander fahren und die junge Frau blickte betreten zu Boden.

Plötzlich schien es ihr peinlich ihrem Gegenüber in die Augen zu blicken.

Wie sollte sie ihren Überfall erklären??

 

Mit einem erneuten Räuspern bat Prof. Dumbledore aus seinem Portrait heraus um Aufmerksamkeit.

 

„Es tut mir leid, aber hier müssen Prioritäten gesetzt werden. Es gibt im Moment Dinge von außergewöhnlicher Wichtigkeit, sodass private Angelegenheiten hinten anstehen müssen."

Er warf einen bedauernden Blick auf Dianea und diese senkte betroffen den Kopf.

 

Ein Klopfen unterbrach für einen Moment die Worte des ehemaligen Schulleiters und Prof. Mc Gonagall öffnete vorsichtig einen Spalt die schwere Holztür, um sie kurz darauf weit offen zu halten und die Besucher herein zu bitten.

Zu Dianeas Erstaunen betraten Männer und Frauen verschiedenen Alters das Büro und versammelten sich vor Dumbledores Portrait. Kurze Blicke fielen auf Dianea und ein leichtes Nicken begrüßte den Mann neben ihr.

 

„Meine Lieben", durchschnitt Dumbledores Stimme das Wispern und Tuscheln der Menge, „ ihr alle wisst worum es in unserem so eilig einberufenen Treffen geht. Es ist auch euch kein Geheimnis mehr, dass Voldemort den großen finalen Kampf plant, um endlich die Macht für sich zu gewinnen die Welt zu beherrschen und seine Schreckensherrschaft über den Erdball zu verteilen. Ihr alle seid schon über Monate hinweg unterwegs, um Erkundigungen einzuholen, Kampfgenossen zu finden und euch selbst vorzubereiten auf diesen Kampf.

Nun ist mir leider zu Ohren gekommen, dass einer von uns plant, sich erneut dem dunklen Lord anzuschließen, um die für uns so wichtigen Informationen aus erster Hand zu erhalten."

 

Aufgeregtes Raunen zog durch das Büro und Dianea blickte verständnislos zu dem alten Mann herauf. Doch mit keiner Miene ließ dieser erkennen, ob er Dianeas Blicke bemerkt hatte oder nicht.

 

„Wir, dass heißt Prof. Mc Gonagall und ich, haben leider vergeblich versucht ihn davon abzubringen. Er ist bereits bei den Vorbereitungen und sucht die ersten Kontakte zu einem der Todesser, um wieder in die Reihen Voldemorts aufgenommen zu werden. Es ist ein Spiel mit dem Tod, denn niemand weiß, ob Voldemort ihn nicht bei seinem ersten Auftauchen hinrichten wird."

 

Dumbledore machte eine bedeutungsvolle Pause und ließ das Flüstern der anderen durch den Raum schwingen, währenddessen er nun den Blick auf Dianea heftete.

 

Eine junge Frau mit wildem grünen Haarschopf rief durch die Menge hindurch:

„Und es ist wirklich Severus Snape, der so verrückt ist?"

 

Augenblicklich verstummte das Murmeln um sie herum und alle Blicke fielen auf sie.

„Ja Tonks, du hast recht, es ist Prof. Snape."

 

„Na das erklärt ja alles.", meinte Tonks lapidar. „Der Mann macht ja ständig was er will. Den könnt ihr nicht mehr umstimmen."

 

Ein leicht tadelnder Blick traf die junge Frau, den sie jedoch mit einem Schulterzucken abtat.

 

Dianea hingegen stand wie gelähmt in der Menge und verstand nichts außer dem Namen: Snape. Ein Rauschen erfüllte ihre Ohren und ihr Magen schlug Purzelbäume, ihr wilder Atem hob und senkte in schneller Folge ihre Brust und die Gedanken in ihrem Kopf überschlugen sich.

 

„Nein!", flüsterte sie. Und noch einmal lauter: „Nein, nein!!"

Verwunderte Blicke bahnten sich den Weg zu Dianea, die sie jedoch nicht wahrnahm.

Ihr Blick ging zu dem Mann an ihrer Seite und stumm schüttelte sie immer wieder den Kopf. Doch der Mann antwortete genauso stumm mit einem Nicken.

„Das......nein.....bitte nicht.......das geht nicht.", schluchzte Dianea auf und krallte sich am Umhang des Mannes fest.

 

„Bitte Dianea, versuch es zu verstehen. Es geht nicht anders und auch du wirst es nicht verhindern können. Es ist wichtig für den Orden, um im Fall des Falles richtig und schnell reagieren zu können. Wir müssen wissen welche Schritte der Dunkle Lord plant, um immer einen Schritt vor ihm zu sein. Und wir brauchen auch deine Hilfe.", leise klang seine beruhigende Stimme an ihr Ohr, doch noch immer schluchzte und weinte Dianea leise vor sich hin.

 

Vorsichtig packte der Mann sie und schob sie in Richtung Tür.

Wie in Trance setzte Dianea ein Bein vor das andere, immer noch ihre Hände in den Umhang gekrallt, als wolle sie nie wieder loslassen.

 

„Nein", donnerte Dumbledores Stimme durch den Raum, „lass sie hier. Dianea muss uns helfen und wir haben nicht mehr viel Zeit, auch nicht für Emotionen."

 

Dianeas Augen richteten sich zu dem alten Mann im Portrait empor und ihr Blick war voller Zorn, für den sie sich im nächsten Augenblick bereits schämte, als ihr bewusst wurde dass dieser Mann ja bereits tot war. Gestorben für die gute Sache, doch getötet von dem Mann der sich jetzt ihrem Erzfeind Voldemort erneut anschließen wollte.

 

Dianeas Finger lösten sich aus dem Umhang und ein vernichtender Blick traf den Mann. Dann wandte sie sich um und schritt zu der Wand nach vorn, an dem Dumbledores Portrait hing.

 

„Es tut mir leid, Professor. Was kann ich tun, was ist meine Aufgabe, um zu helfen?", rief Dianea mit lauter Stimme, um auch den Anderen zu zeigen dass sie gewillt war den Orden zu unterstützen und sich auch von dem Kampf nicht ausschloss.

 

„Du wirst Prof. Snapes Labor übernehmen hier in Hogwarts. Wir benötigen Tränke aller Sorten, um die Verletzungen und Schäden während des Kampfes zu lindern und zu heilen. Und auch so ist vieles nachzufüllen und zu brauen, da sich unser derzeitiger Tränkelehrer völlig überfordert fühlt. Er schafft kaum die Unterrichtsstunden für die Schüler.", leichter Spott lag in der Stimme Dumbledores.

 

„Sie werden sich auf mich verlassen können, Prof. Dumbledore.", meinte Dianea mit klarer Stimme und wandte ihren Blick kurz zu dem Mann in der Menge zurück.

Dieser nickte ihr leicht aufmunternd zu und versuchte ein kleines Lächeln.

Da gewahrte sie Tonks neben ihm und ihre Hand auf seiner Schulter, so selbstverständlich als wäre es schon immer so.

 

Der ehemalige Schulleiter strahlte Dianea an und rief:

„Ich habe nichts anderes erwartet, Dianea. Willkommen zurück in Hogwarts."

 

„Ich werde dann mal gehen, schließlich wartet eine Menge Arbeit auf mich. Den Weg kenne ich ja noch ganz gut." Und mit einem Zwinkern ging Dianea langsam zur Tür, vorbei an Prof. Mc Gonagall, die ihr kurz über den Arm strich, dann weiter, einen letzten Blick auf den Mann und Tonks werfend und schloss dann schnell die schwere Eichentür hinter sich, ehe die Tränen von ihr Besitz ergriffen und ihr haltlos über die Wangen rollten.

 

Dianeas Gedanken fuhren Achterbahn. Kaum genesen wollte Snape sein Leben schon wieder wegwerfen. Sein Vorhaben konnte nicht gutgehen, er würde sterben bei seiner Mission.

Immer schneller strömten die Tränen aus ihren Augen und zuckten die ersten krampfhaften Schluchzer durch ihren Körper.

Sie begann zu rennen, haltlos, ziellos, einfach nach vorn, weg von hier, nur irgendwo hin wo sie ihrem Schmerz freien Lauf lassen konnte.

 

Sie spürte nicht die Blicke aus brennenden Augen, die ihr folgten, hörte nicht den stummen Schrei, der aus einem gepeinigten Herzen kam, hörte auch nicht ihren Namen der leise geflüstert durch den Gang schlich, sie stolperte nur blind vor Tränen davon und ihr Weinen hallte mitleiderregend von den Wänden.

 

 

13.

 

Wie ein gefangenes Raubtier tigerte Snape durch den Raum, prüfte in Abständen die Konsistenz und Farbe des Trankes, rührte weitere Zutaten unter, prüfte wieder, rührte erneut und zwischendurch setzte er seine Wanderung durch den Raum fort.

Ab und an fiel sein Blick auf eine kleine Kristallkugel in der noch immer wie in Nebel schwimmend Dianeas Gesicht verewigt schien.

 

Er blieb stehen, versenkte kurz seinen Blick in ihr Bildnis und tigerte weiter.

Prof. Dumbledore hatte ihm diese Kugel zukommen lassen, dessen Gegenstück in seinem ehemaligen Büro stand. So konnte Snape alles was dort gesprochen wurde und geschah in seiner Kugel verfolgen.

Und so sah er immer wieder Dianea, umringt von den Mitgliedern des Ordens bei der letzten Versammlung, sah auch den Mann neben ihr, in dessen Umhang sie sich verkrampfte, sah ihre Tränen, aber auch ihre Entschlossenheit mitzukämpfen und zu helfen.

 

Und erneut sah er die Verzweiflung in Dianeas Augen, hörte ihr gequältes „Nein".

Es kostete ihn seine ganze Überwindung, nicht doch noch zu kapitulieren.

 

„Nein!", rief er sich selbst zur Ordnung. „Es steht zu viel auf dem Spiel. Ich habe meinen Weg zu gehen und der erste Schritt ist bereits getan."

 

Noch einmal prüfte Prof. Snape den gerade gebrauten Trank, ehe er ihn behutsam in eine kleine Phiole umfüllte und sorgsam verkorkte.

Geheimnisvoll grün leuchtend schimmerte der Inhalt durch das Glas und langsam ließ der Tränkemeister das Fläschchen in seinen Umhang gleiten.

 

Sein Blick kreiste durch den Raum in dem er sich befand.

Seltsame Apparaturen standen auf einem riesigen Tisch in der Mitte und gaben Rätsel auf über ihren Gebrauch und ihre Nutzung.

An den Wänden waren Regale gefüllt mit Gläsern und Flaschen, deren Inhalt dem Laien verwunderlich und bisweilen auch ekelerregend schienen, doch für den Meister wichtige und notwendige Zutaten enthielten.

 

An einer Wand erkannte man eine Schlafgelegenheit, wohl oft genutzt und nur notdürftig in Ordnung gebracht. Eine kleine Öllampe auf einem kleinen Schränkchen neben dem Bett und diverse Bücher und Pergamentrollen schlossen auf viele durchwachte Nächte.

 

Überall verstreut lagen dicke Bücher, Nachschlagewerke und dichtbeschriebene Pergamentrollen, standen Kerzenständer vollgetropft mit Wachs und mit herunter gebrannten Kerzen bestückt.

 

Ein Fenster suchte man in diesem Raum vergeblich und auch die Tür erkannte nur ein Eingeweihter.

 

Die Luft in diesem Raum war verbraucht, roch verräuchert und muffig.

Und doch war dieser Raum der einzige, in den es Prof. Snape immer wieder hinzog.

Hier fühlte er sich sicher und geborgen, hier konnte er ungestört arbeiten, fern von dem schulischen Leben, fern von anderen Plagen und Einflüssen von außen.

 

Sein Schritt verhielt vor dem großen Kamin, der in einer Ecke des Raumes eingelassen, trostlos und kalt wirkte.

Kein Feuer flackerte lustig in ihm, noch nicht einmal ein kleiner Berg Holz war eingeschichtet, der verriet dass der Kamin auch genutzt wurde.

 

Ein kleiner Lufthauch drang aus dem Inneren und Severus trat einen Schritt zurück.

Nur einen Augenblick später trat Prof. Mc Gonagall aus dem Kamin heraus ins Zimmer und blickte sich suchend um.

Da entdeckte sie Snape an der Wand neben dem Kamin stehen und ihr widerwillig entgegen blickend.

 

„Was verschafft mir die Ehre, Minerva?", grummelte er wenig einladend.

 

Mc Gonagalls Blick fiel auf die Kugel und sie sah das Gesicht Dianeas in ihr.

 

„Werden Sie ihr helfen, Severus?", flüsterte die alte Hexe und blickte eindringlich auf den Mann vor sich.

 

„Nein. Sie muss es allein schaffen. Ich kann sie nicht der Gefahr aussetzen ein Spielball Malfoys oder Voldemorts zu werden. Und außerdem werde ich nicht mehr allzuviel Zeit in Hogwarts verbringen, sobald die Eule von Lucius zurück ist, beginnt meine Reise."

Severus wich dem anklagenden Blick Minervas aus.

 

„Es wird eine Reise ohne Wiederkehr, Severus. Seien Sie doch vernünftig. Es muss auch noch einen anderen Weg geben. Verdammt warum sind Sie nur immer so stur!", schimpfte sie, doch ihre Vorwürfe prallten an seiner abwehrenden Haltung ab.

Die Hände vor der Brust verschränkt stand er vor ihr und sein Blick zeigte in aller Deutlichkeit die Härte seines Entschlusses.

Und Minerva verstand endgültig - diesen Mann würde niemand von seinem gefassten Plan abbringen.

 

Mit traurigem Blick sah sie auf Snape und zurück auf Dianeas Bildnis in der Kugel.

 

„ Dann wünsche ich Ihnen alles Gute. Leben Sie wohl, Severus. Und mögen Sie diesen Schritt niemals bereuen müssen."

Zitternd hielt Minerva dem Mann die Hand zum Abschied entgegen.

Erstaunt, doch sichtlich gerührt ergriff Severus die Hand und drückte sie länger als nötig.

 

„Ich danke Ihnen, Minerva und ich weiß auch Ihre Sorge um mich zu schätzen. Aber Sie kennen mich lange genug, um meine Entscheidung zu respektieren."

Er ließ die Hand los und trat einen Schritt beiseite.

 

Mc Gonagall nickte noch einmal, was immer es auch bedeuten sollte und lenkte ihren Schritt zum Kamin zurück.

Ein leises Räuspern ließ sie noch einmal umsehen.

 

„Achten Sie bitte auf Dianea.", murmelte Snape, dann wandte er sich um und ging zurück zum großen Tisch, wo er kurz darauf erneut wie wild zu hantieren begann.

 

 

14.

 

 

Nach endlosen Gängen und Fluren, Treppen aufwärts und abwärts, blieb Dianea endlich stehen, völlig außer Atem, und sah sich um.

Welches Stockwerk, welcher Flügel von Hogwarts musste das hier sein?

Unzählige Ritterrüstungen schmückten die Wände, unterbrochen von Wandgobelins erlesener Schönheit.

Fackeln an den Wänden erleuchteten spärlich den Gang und Dianea registrierte, dass nicht ein Fenster in die Wände eingelassen war, nicht ein Lichtstrahl auf den Boden fiel und die Luft modrig und verbraucht roch.

 

Eine eiskalte Hand griff nach Dianeas Herz und schnürte es ab, drohte die Angst sie in Panik versinken zu lassen.

Wo war sie?

 

Lauerte hier hinter der nächsten Biegung eine Gefahr?

Würde man sie hier vermuten und auch finden?

 

Langsam drang Nebel in ihr Hirn und gaukelte ihr vor was so nicht existierte.

Gleitende Schatten, verkrümmte Gestalten und Flüstern und Wispern.

Dianea begann wie Espenlaub zu zittern und schrie auf, als etwas Feuchtes sie am Arm berührte.

Doch nichts war zu sehen und schon glaubte die junge Frau den Verstand zu verlieren.

Kamen die Wände auf sie zu, verengte sich der Gang?

Doch Angst und Panik lähmten ihre Beine und Dianea stierte fassungslos in die Richtung aus der sie gekommen war.

Nichts - absolut nichts.

Kein Gang, kein Weg.

 

Und die Rüstungen und Gobelins? Wo waren sie hin?

Alles verschwunden und nur noch die kahlen Wände schienen Dianea auszulachen.

Angstvoll begann die junge Frau zu schreien, ohne viel Hoffnung, von jemandem gehört zu werden.

„Hilfe! Hilfe, hört mich denn niemand?"

 

Sie rannte von einem Ende zum anderen und die Schritte wurden immer weniger. Die Wände kamen bedrohlich näher und schon am Rande des Wahnsinns hämmerte Dianea mit ihren Fäusten panisch an die Wand vor ihr.

 

Diese änderte plötzlich ihre Farbe, wurde rosarot und weich wie Watte.

Was passierte hier? Doch noch bei der Überlegung ging der nächste Schlag ins Leere und kippte Dianea haltlos nach vorn, wo sie schmerzhaft aufschlug und die Besinnung verlor.

 

 

*

 

„Dianea!"

Wie durch zähen Nebel hindurch hörte sie ihren Namen und spürte, wie jemand mit der Hand leicht auf ihre Wangen klopfte.

 

„Wie kommt sie nur hier herunter?", hörte Dianea die Stimme Prof. Mc Gonagalls hektisch flüstern.

 

Also irgendwo unten war sie, aber wo?

 

Langsam versuchte sie die Augen zu öffnen und verspürte eine Schwellung im Gesicht, ihre Nase.

„Aua", nuschelte sie benommen.

 

„Na endlich. Komm schon Mädchen, mach die Augen auf."