ABSCHIED 2 - ... UND ELEND SEI DER WEG INS GLÜCK
von Severina
Über Euer Feedback freut sich: Severina
Kapitel 1 - 8
Auf Wunsch meiner lieben Leser der Story „Abschied" nach einer Fortsetzung habe ich all meine Fantasien zusammengekratzt und hoffe, euch auch mit den nächsten Kapiteln wieder Kurzweil, Unterhaltung, Humor und Spannung zu bieten und natürlich wieder unseren unübertroffenen - Severus Snape.
Es sei an dieser Stelle noch einmal J.K. Rowling
gedankt, deren wunderbarer Fantasie die Personen und Orte entsprungen sind, die
ich mir hier gerne noch einmal ausleihen möchte. Außer den Feedbacks (die doch
zahlreich kommen möchten), verdiene ich an dieser Story nichts. Alles nur aus
Spaß an der Freude.
Doch nun lasst uns auf die Suche gehen nach
Professor Severus Snape und seiner ehemaligen Praktikantin, Dianea Baxter.
.........2 Jahre später..............
Kapitel 1
Stille lag über der Stadt.
Die Nacht hatte alles fest eingehüllt in ihre blau -
schwarze Decke und nur vereinzelt drang ein schwacher Lichtstreifen durch die
Finsternis.
Auch in St. Mungo, dem Krankenhaus für magische
Krankheiten und Verletzungen,
war alles ruhig und friedlich, lagen fast alle
Zimmer in einer beruhigenden, heilenden Dunkelheit und selbst die Flure waren
nur spärlich erleuchtet.
Ab und an huschte eine flinke Gestalt in einem
langen Kittel durch die Gänge, um nach den Patienten zu sehen, die auch in
dieser Nacht keine Ruhe fanden.
Gequält von Sorgen und Schmerz, Ängsten und
Einsamkeit, suchten diese armen Seelen Trost und Halt, eine warme Hand, die sie
sicher durch die Nacht führte.
Im Erdgeschoss, der Station für Utensilien -
Unglücke, lag ganz am Ende des Flures das Zimmer 321.
321 - Für besonders schwere und hoffnungslose Fälle.
Das Zimmer, in dem man Abschied nahm vom Leben, von
demjenigen der sich schon halb auf die Reise gemacht hatte in eine bessere
Welt.
Oft gab es nicht mehr als nur noch ein Händehalten,
das Erträglichmachen der Schmerzen und das Trocknen der Tränen.
Sanftes Licht erfüllte den Raum, gerade ausreichend,
um die Umrisse der Gestalt auf dem Bett erkennen zu lassen. Völlig apathisch
lag sie in den Kissen, das Gesicht weißer als das Laken auf dem sie ruhte.
Kraftlos lagen die Hände neben dem Körper, als gehörten sie schon längst nicht
mehr dazu, als hätten sie schon vergessen, wozu sie einmal fähig waren.
Schwarzer Grind bedeckte die Haut an Händen und dem Gesicht und unter der
Bettdecke zeichnete sich ein ausgemergelter Körper ab.
Erschüttert stand die Nachtschwester am Bett und
lauschte auf die unregelmäßige und flache Atmung, die nur von vereinzelten
Schmerzensseufzern unterbrochen wurde.
Das Zimmer war spärlich eingerichtet, doch hier
brauchte niemand mehr viel Komfort.
Ein Bett und ein Nachtschrank bildeten fast das
gesamte Mobilar, ausgenommen ein Stuhl unter dem künstlichen Fenster für
Besucher des Patienten.
Doch dieser Patient erhielt nicht viel Besuch. Seit
drei Tagen lag er unverändert in diesem Raum und außer einer alten verbitterten
Hexe, die täglich zur selben Zeit erschien, kam niemand um sich nach ihm zu
erkundigen.
Ein erneuter Seufzer ließ die Pflegeschwester
aufhorchen, doch noch immer war keine Regung zu erkennen. Kleine Schweißperlen
lagen auf der Stirn des Patienten und so entnahm sie mit geübten Griffen aus
einer mit Wasser gefüllten Schale ein Tuch und tupfte vorsichtig über das Gesicht.
Das Stöhnen wurde lauter und die Schwester ahnte, welche Schmerzen in diesem
Moment den geschundenen Körper durchrasten. Noch einmal frischte sie das Tuch
auf und legte es behutsam auf die Stirn des Patienten, die wie alles andere
auch, mit diesem schrecklichen schwarzen Grind bedeckt war.
Eine Welle des Mitleids durchflutete die junge Frau
in diesem Moment, obwohl sie wusste, das Mitleid in ihrem Beruf nichts half,
sondern allerhöchstens ihre Seele krank machte.
Leise verließ sie das Zimmer und atmete vor der Tür
tief durch.
Ein Blick zur Uhr verriet ihr, dass es gerade kurz
nach Mitternacht war, also lag der ersehnte Feierabend in noch weiter Ferne.
Im Schwesternzimmer brannte nur eine kleine Leuchte
auf dem Schreibtisch, doch sie zeigte gnadenlos die viele Arbeit, die noch auf
die Nachtschwester wartete. Stapel von Krankenakten mussten nachgetragen
werden, Medikationen geändert und das Befinden der Patienten während der Nacht
dokumentiert werden.
Aufseufzend ließ sich die junge Frau in den Stuhl fallen
und streifte die Schuhe von den Füßen.
`Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht.`, fuhr es ihr
durch den Sinn und so zückte sie ihren Zauberstab und schon bald zog der Duft
nach frischem Kaffee durch den Gang.
Fast wäre der jungen Frau die Tasse aus den Händen
geglitten, als sich zwei starke Arme um ihre Taille schlangen und ein Mund heiß
eine Spur an ihrem Hals hinterließ.
„Na mein Täubchen, kleine Pause?", gurrte eine
Stimme.
„Gilmore, musst du mich so erschrecken?", schimpfte
sie lachend.
Schuldbewusst senkte der Gescholtene den Kopf. „Es
roch halt so gut nach Kaffee."
Gilmore Salomonis war Heiler im St. Mungo und in
dieser Nacht Bereitschaftsdienst für Notfälle. Die kleine Nachtschwester war
seine heimliche Flamme und gerne stattete er ihr in ruhigen Nächten einen
Besuch ab.
„Erzähl, Mirna, wie geht es unserem Sorgenpatienten?
Schon eine Änderung eingetreten?", dabei schlürfte er genüsslich den heißen
Kaffee.
„Dann wärst du doch sicherlich der Erste, der
darüber informiert würde.", meinte Mirna und lächelte ihn sanft an.
Dieses Lächeln brachte den Mann zum Schmelzen und
hastig stellte er den Becher ab, zog die junge Frau aus ihrem Stuhl und presste
sie in seine Arme. Leidenschaftlich trafen sich ihre Lippen, als ein Sensor
ansprang und ein magisches Licht zu leuchten begann. Rot und unheilvoll
schwebte es fast über dem Schreibtisch und ließ einen durchdringenden Warnton
hören. Das rote Licht formte die Zahl - 321.
Nur Sekunden schauten sich die Beiden an, als sie
auch schon begannen zu rennen.
Sie wussten, hier konnte es um Leben oder Tod gehen,
und Mirna war froh, in diesem Moment genau die richtige Person an ihrer Seite
zu haben.
Vor diesen Situationen hatte sie regelmäßig Angst,
das Erklingen der Warnsirene und das Aufleuchten der Zimmernummer 321.
Einmal musste sie hilflos zusehen, wie ein Patient
starb. Etwas zu wissen ist die eine Seite, es zu erleben die andere. Seit
dieser Zeit betete sie in jeder Nachtschicht, das Zimmer möge unbelegt sein.
Noch ehe Mirna den Raum erreichte, hatte Gilmore
bereits den Zauberstab gezogen und begonnen, den Patienten vor dem
Erstickungstod zu bewahren. Wohl gewählte Heilsprüche und ein schnell
verabreichter Trank ließen den Patienten bald wieder ruhiger atmen.
„Das war sehr knapp.", kommentierte der Heiler nur
sein Handeln, als er die Tränen von Mirna sah.
„Wir haben es doch geschafft, Mädchen. Für heute
jedenfalls.", flüsterte er und nahm sie in die Arme.
„Durch die viele verbrannte Haut bekommt der Körper
zu wenig Sauerstoff und die Lunge hatte auch ihren Teil abbekommen. Ein Wunder,
dass er es überhaupt schon drei Tage geschafft hat."
Gilmore schüttelte ungläubig den Kopf. „Einen
verdammt harten Lebenswillen scheint unser Patient hier zu haben."
Plötzlich schrie Mirna laut auf.
„Gilmore. Schnell."
Der Heiler reagierte sofort und sah, wie sich eine
Hand des Patienten an Mirna festklammerte und sich die gesamte Gestalt
verkrampfte.
Röchelnd kam ein einziges Wort über die vergrindeten
Lippen:
„Ster - ben!!"
Tränen schossen der jungen Frau aus den Augen, als
sie die Hand löste und behutsam auf die Bettdecke legte. Blut quoll unter dem
Grind hervor, der an verschiedenen Stellen aufgerissen war.
Ein leises Stöhnen drang noch einmal aus der Brust,
dann war nichts mehr zu hören außer dem unruhigen flachen Atem des Patienten.
„Armer Kerl.", flüsterte Mirna betroffen und Gilmore
nickte. „Ja, für ihn wäre der Tod eine Erlösung."
Mit einem letzten Zauberspruch setzte der Heiler den
Patienten in einen künstlichen Tiefschlaf und sorgte für eine permanente
Risikoüberwachung.
So schnell gab er nicht auf, sah der Fall im Moment
auch aus als wäre er ohne jede Hoffnung.
Bedächtig schloss die Schwester die Tür des
Krankenzimmers hinter sich und betete, die Nacht möge schnell vergehen.
*
„Na, wie war dein Wochenende?", begrüßte Mirna müde
lächelnd ihre Kollegin, die frisch
ausgeruht durch die Tür trat.
„Eigentlich wie immer, viel schlafen und etwas
lernen.", antwortete die Angesprochene fröhlich.
Mirna grinste schief. „Könnte man glatt neidisch
werden. Doch ich werde bestimmt die nächsten zwei Tage auch nur noch schlafen."
„Ach ja??", neckte ihre Kollegin. „Und was wird
Gilmore dazu sagen?"
„Na erst mal Guten Morgen.", tönte es von der Tür
her und beide Frauen fuhren erschrocken herum.
Der junge Heiler blickte lächelnd von einer zur
anderen und meinte theatralisch:
„Wenn ich mich nur entscheiden könnte:", und
seufzte.
Mirna drohte ihm mit dem Finger.
„Kommst du dann, mein Täubchen?", fragte Gilmore in
Mirnas Richtung.
„Ja. Nur noch schnell die Übergabe und dann komm
ich.", antwortete diese.
Lächelnd wandte sich Mirna an ihre Kollegin.
„Na dann aufgemerkt, meine liebe Dianea. Das
Wochenende brachte eigentlich nichts besonders neues, außer unseren
Sorgenpatienten in Zimmer 321."
„Zimmer 321 ist wieder belegt?", flüsterte Dianea
erschrocken. „Was ist es dieses Mal?"
Mirna wurde ernst und reichte der jungen Medihexe
ein Klemmbrett mit der Krankenakte.
„Kesselexplosion, schwere Verbrennungen des gesamten
Oberkörpers mit Grindbildung an Armen und Gesicht, schwere Schnittverletzungen
an Beinen, akute Unterversorgung des gesamten Organismus, Schädigung der Lunge
durch innere Verbrennungen, diverse Knochenbrüche an Rippen, Armen und Beinen,
Schädigung des Körpers durch Anwendung des „Cruciatus - Fluches", hoher
Blutverlust........."
Dianeas Stimme erstarb. Ihr Blick fiel auf das Datum
der Einlieferung: Freitag, der.....
„Seit drei Tagen überlebt dieser Patient bereits
solche Verletzungen?", meinte sie ungläubig.
„Gilmore meint, er habe einen starken Lebenswillen.
Anders kann er es sich auch nicht erklären. Letzte Nacht versagte fast die
Lunge und Gilmore konnte ihn in letzter Sekunde retten.", erstattete Mirna kurz
Bericht.
Während ihrer Unterhaltung waren beide Frauen in
Richtung Zimmer 321 gelaufen und standen nun plötzlich vor der Tür. Zaghaft
öffnete Mirna und ließ der Medihexe den Vortritt. Sie selbst war „nur"
Krankenschwester, doch Dianea stand auf der medizinischen Leiter ein Stück über
ihr, sie war Medihexe, einer Vorstufe zur Heilerin. Trotzdem war Dianea eine
liebe einfache und unkomplizierte Kollegin, mit der jeder gut auskam.
Mit dem Klemmbrett in der Hand trat Dianea langsam
an das Bett und warf einen ersten Blick auf den Patienten. Sie konnte ihr
Erschrecken kaum verbergen, als sie das entstellte und mit schwarzem Grind
bedeckte Gesicht auf den Kissen sah.
„Schwarze Magie.", stellte die junge Medihexe leise
fest. „Was meinte Gilmore, besteht Hoffnung auf Heilung?"
Mirna schüttelte langsam den Kopf.
„Wie alt ist er eigentlich?", fragte Dianea mehr zu
sich selbst und schaute auf das Krankenblatt. „Mein Gott, gerade mal 46 Jahre
alt.", flüsterte sie erschüttert.
Ihr Blick ging zurück zum Bett, streifte die hagere
Gestalt unter der Bettdecke und die blutigen grindigen Hände, weiter über das
kaum zu erkennende Gesicht und blieb schließlich hängen an dem Haar, das sich
wie ein Fächer über dem Kissen ausbreitete. Schulterlang, etwas fettig und
unordentlich lag es da und schimmerte blauschwarz. Einige silberne Fäden
durchzogen es geheimnisvoll und deuteten auf Lebenserfahrung , aber auch
Schmerz und Kummer.
Dianeas Hand begann zu zittern und Erinnerungen
stiegen in ihr auf, Erinnerungen an eben solches Haar, jedoch ohne die grauen
Strähnen und schnell schüttelte sie die Gedanken von sich ab.
Leise öffnete sich die Tür und Gilmore trat ein.
„Bist du dann soweit, Mirna?", flüsterte er und trat
zu Dianea heran.
„Schlimmer Fall.", meinte er an die Medihexe
gewandt. „Sieht kaum nach Heilung aus. Dass er überhaupt solange.............",
abrupt brach er ab, als er Dianeas Ausdruck auf dem Gesicht sah. Ihr Blick lag
auf dem Klemmbrett wie festgenagelt und tonlos murmelte sie immer nur:
„Severus Snape. Es ist Severus Snape.
Severus...........", und mit einem Aufschluchzen brach sie zusammen.
Erschrocken fing Gilmore die leichte Gestalt auf und blickte fragend zu Mirna, doch diese konnte nur hilflos mit den Schultern zucken.
2.
Dianea schaute verwirrt auf das besorgte Gesicht
ihrer Kollegin Mirna.
„Was ist los? Warum liege
ich..........,Severus!!!!!!!!!!!!"
Mit einem Aufschrei sprang die junge Medihexe von
der Liege, auf die sie Gilmore nach ihrem Zusammenbruch gelegt hatte und
blickte sich wie gehetzt um.
Der Heiler trat an ihre Seite und nahm sie behutsam
in seine Arme. Währenddessen rührte die Krankenschwester einen Trank zusammen
und reichte ihn Gilmore.
„Hier, trink das, Dianea. Dann geht es besser.", und
damit hielt er der Medihexe das Glas hin. Mit zitternden Händen trank Dianea
gehorsam die Medizin und reichte Mirna das leere Glas zurück.
Ein splitterndes Geräusch und das Glas zerschellte
am Boden.
„Tut mir leid.", flüsterte Dianea erschrocken.
„So, nun setzt du dich noch einmal hier hin und
erzählst uns mal genau, was los ist. Wir verstehen nämlich leider überhaupt
nichts, weder deinen Zusammenbruch noch deine Nervosität und dein Zittern. Wir
wollen nicht neugierig sein, sondern dir versuchen zu helfen.", rigoros packte
Gilmore die junge Frau, setzte sie auf die Liege und sorgte für einen Stuhl für
sich und Mirna.
Erwartungsvoll schauten Beide auf die Medihexe.
Doch Dianea war zu aufgewühlt, um zu wissen wo sie
beginnen sollte.
„Kennst du unseren Patienten?", wollte Mirna wissen.
Dianea nickte.
„Wie gut?", hakte der Heiler nach.
„Ich liebte ihn.", murmelte Dianea.
Nun war es an Mirna und Gilmore, überrascht und
fassungslos auszusehen.
„Nun musst du uns aber wirklich alles erzählen.",
drängte die Krankenschwester atemlos und so begann Dianea zu berichten.
Von ihrem Praktikum in Hogwarts und einige
Einzelheiten, wie sie Prof. Snape kennenlernte und später auch liebte. Von
Irrungen und Wirrungen und ihrem traurigen Abschied von der Zauberschule und
dem Professor. Auch den Brief im Zug ließ sie nicht unerwähnt.
„Aber leider spielte uns das Schicksal wohl einen
Streich. Ich schrieb endlos Briefe, auf die ich nie eine Antwort erhielt und
eines Tages gab ich auf. Da ich keine Hoffnung auf eine Stelle als
Zaubertranklehrerin hatte, schulte ich um auf Medihexe und so bin ich heute
hier im St. Mungo. Zu viel ist in der Zwischenzeit passiert."
Dianeas Stimme wurde immer leiser und erstarb
schließlich ganz.
Mit fassungslosen Gesichtern hatten die beiden
Anderen Dianeas Bericht gelauscht.
„Es muss schrecklich sein für dich, ihn nun so
hilflos und schwer verletzt wiederzufinden. Es tut mir leid, Dianea.",
flüsterte Mirna teilnahmsvoll.
„Liebst du ihn denn noch?", wollte Gilmore wissen.
Dianea nickte.
„Aber du weißt schon, dass er Prof. Dumbledore, den
Schulleiter von Hogwarts, ermordet hatte?"
Dianea funkelte den Heiler an:
„Er wurde absolut rehabilitiert, das weißt du aber
auch, oder?", fauchte sie. „Und er sollte sogar selbst Hogwarts übernehmen.
Liest du keinen „Tagespropheten"?"
„Ist ja gut, entschuldige.", maulte Gilmore und
wandte sich leicht beleidigt ab.
„Wir sollten jetzt endlich Feierabend machen.",
meinte Mirna und zog Gilmore kurz entschlossen aus dem Raum. Sie kannte beide
Streithähne zur Genüge und hatte keine Lust auf Diskussionen bis zum Abend.
An der Tür winkte sie Dianea noch einmal aufmunternd
zu, dann ging sie endgültig.
Nach einer Kontrollrunde über die Station packte
sich Dianea das Krankenblatt Severus Snapes und ging mit schleppenden Schritten
in Richtung Zimmer Nr. 321.
Ihre Hand ruhte kurz schwer auf der Klinke, doch
dann atmete sie einmal tief durch und trat ein.
Noch immer lag das Zimmer ins Halbdunkel getaucht
und nahm dem Anblick des Schwerverletzten ein wenig den Schrecken.
Dianea trat dicht an das Bett heran und strich mit
unendlicher Sanftheit über die vergrindeten, schwer entstellten Wangen. Ein
leiser Seufzer entrang sich den Lippen des Patienten, der Dianea zeigte, welche
Schmerzen der Mann erleiden musste.
„Severus.", flüsterte sie leise. „So habe ich mir
unser Wiedersehen nicht vorgestellt."
Tränen rannen über ihre Wangen und tropften auf sein
Gesicht.
Ein leises Räuspern ließ Dianea herumwirbeln und
erst jetzt gewahrte sie, dass sie nicht allein im Raum war. Verwundert blickte
sie auf die Frau auf dem Stuhl.
„Prof. Mc Gonagall?", fragte sie überrascht.
„Ja, Miss Baxter. Ich warte hier bereits seit
drei Tagen auf Ihr Kommen."
Ihre Stimme klang leicht vorwurfsvoll.
„Ich hatte ein freies Wochenende und außerdem ahnte
ich nicht, dass Severus hier liegt.
Wie geht es Ihnen überhaupt, Professor?", wollte Dianea wissen und reichte Prof. Mc Gonagall die Hand.
„Sie haben ja von den ganzen Vorkommnissen gehört,
Dianea. Der Tod von Prof. Dumbledore hat mich sehr mitgenommen, obwohl ich nie
so richtig glauben konnte, dass Severus es aus Rache oder anderen Gründen getan
hat. Doch er der mysteriöse
Halbblutprinz und dann seine Tätigkeiten für - na Sie wissen schon -, es war
nicht einfach, das Ministerium und alle Anderen davon zu überzeugen, dass er
unschuldig ist. Severus schlug sich ganz auf unsere Seite und wurde das
stärkste Mitglied im Orden. Er konnte sich nur nicht überzeugen lassen Hogwarts
als neuen Leiter zu übernehmen. Zu tief saßen noch die Verletzungen der
Anschuldigungen und Verhöhnungen, er musste erst wieder lernen Vertrauen zu
fassen."
„Wissen Sie, wie dieser Unfall passiert ist,
Professor?", unterbrach Dianea die Hexe.
Etwas pikiert blickte Mc Gonagall auf.
„Ein Rachezug von Voldemort.", spuckte sie aus.
„Severus hatte im Hauptquartier ein eigenes kleines
Labor, wo er spezielle Heiltränke herstellte für Verletzungen durch
Fluchschäden - für den großen Kampf. Er hatte wieder die ganze Woche hart
gearbeitet, als am Freitag morgen eine furchtbare Explosion das Gebäude
erschütterte. Severus konnte nur noch halb verbrannt aus den Trümmern gezogen
werden und wurde umgehend nach St. Mungo gebracht. Doch auch hier konnte man
nicht mehr viel für ihn tun, außer seine Schmerzen zu lindern.
Zum Glück ist wenigstens keinem anderen etwas
passiert."
Verstohlen wischte sich die Hexe eine Träne aus den
Augen.
„Woher wussten Sie, dass Voldemort dahintersteckt?",
fragte Dianea.
„Kurz nach dem Unglück erreichte uns eine Nachricht.
> Hoffentlich hat es ihn völlig zerfetzt
LV<", erklärte Prof. Mc Gonagall leise.
Die Medihexe schaute erwartungsvoll auf die Frau vor
ihr, als sie fragte:
„Können Sie mir sagen woran Severus gearbeitet
hatte, was diese Verletzungen verursacht hat?"
Traurig schüttelte Mc Gonagall den Kopf und
Dianea schlug verzweifelt ihre Hände vors Gesicht.
„Wir haben alle unsere Hoffnungen in Sie gesetzt,
Dianea.", murmelte die alte Hexe und legte tröstend eine Hand auf Dianeas
Schulter.
Wie erwachend schaute die junge Medihexe auf und
blickte in das gütige Gesicht voller Falten.
„Sie haben Recht, Professor. Wir sollten versuchen,
alles in unserer Macht stehende für Severus zu tun. Ich werde nicht eher ruhen,
bis ich irgendwo auf dieser verdammten Erde etwas gefunden habe, das Severus
retten kann. Schließlich war ich während meiner Ausbildung auch ein halbes Jahr
in Deutschland, vielleicht gibt es dort eine Medizin, einen neuartigen Zauber
für solche Verletzungen. Wir werden nicht aufgeben, Professor, das schwöre ich
Ihnen.", feierlich klangen Dianeas Worte durch den Raum und es war fast wie ein
Schwur. Prof. Mc Gonagall wusste, es waren keine leeren Worte, welche die
Medihexe gesagt hatte. Dianea würde sich aufopfern und alles menschenmögliche
versuchen, um eine Heilungschance zu finden.
„Viel Glück, Dianea. Wir sehen uns wieder und wenn
Sie Hilfe benötigen, dann wissen Sie wo Sie mich finden."
Mit gramgebeugtem Rücken verließ Prof. Mc Gonagall
den Raum, mit sich die Hoffnung tragend, das nun ein Mensch alles daransetzt
Severus Snape den Weg zurück ins Leben zu ebnen.
3.
Eine schwarze Menge wogte über den Waldboden und
ratloses Flüstern schwebte über den Bäumen. Welchen Grund hatte das nächtliche
Treffen und warum hatte der Dunkle Lord
fast alle seine Anhänger gerufen?
Wie aus dem Nichts erschien die Gestalt des Dunklen
Lords mitsamt seinem Gefolge, bestehend aus Wurmschwanz, der stets untertänig
und gebeugt hinter seinem Meister hinterher schlich wie ein geschlagener Hund
und seine Anweisungen erwartete, und Lucius Malfoy, einen stolzen, kalt blickenden
Mann mit langen blonden Haaren, der fast wie ebenbürtig neben dem Dunklen Lord
daher schritt und dem die Überheblichkeit aus seinem arroganten Gesicht sprang.
Auf dunklen Wegen war es Lucius Malfoy gelungen, aus Askaban, dem
Zauberergefängnis, zu entkommen. Keiner ahnte, wer an seiner Stelle in der
Zelle des Gefängnisses dem Tod entgegendämmerte.
Mit einem Schlag erstarb das Murmeln und Flüstern
und aller Augen hingen ängstlich an dem Mann in ihrer Mitte.
Als Voldemort seine Hand hob, warfen sich seine
Anhänger ausnahmslos in den Staub zu seinen Füßen und senkten devot ihre
Blicke. Der eine oder andere durchforstete seine Gedanken nach etwaigen Fehlern
und Vergehen, für die er heute bestraft werden könnte.
„Meine treuen Gefolgsleute,", donnerte Voldemorts
Stimme kraftvoll über die Menge, „wie ich Kunde erhalten habe, lebt der größte
Verräter an unserer Sache noch. Doch es ist ein ärmliches Leben, ein Leben in
Qual und Siechtum."
Seine Augen leuchteten vor Begeisterung, denn
Schmerz, Qual und Tod waren das schönste Spiel, das der Dunkle Lord kannte.
„Leider hat es Severus Snape nicht in tausend Stücke
zerrissen, wie ich es mir eigentlich gewünscht hatte. Doch sein Leben wird in
Kürze enden, er hat die Strafe verdient die er erhalten hat. Verräter müssen
sterben!!!!!!!!!!" Unheimlich hallte seine hohle Stimme durch den nächtlich
dunklen Wald und erzeugte bei einigen eine unangenehme Gänsehaut.
„ Doch auch wenn es diesen Verräter nicht gleich
hinweg gerafft hat, dürfen wir eine Sache nicht aus den Augen lassen - unseren
großen Kampf. Die Macht muss wieder die Meine werden, die Erde soll erzittern,
sobald mein Name genannt wird. Wir müssen weiter kämpfen für die Reinheit des Zaubererblutes - nieder
mit allen Schlammblütern!!!!"
Einem Schlachtruf gleich erschollen die Worte und
eine Welle der Begeisterungsrufe, die herausgeschrien aus den Kehlen seiner
Anhänger eine wahre Lawine auslöste, stieg empor zu den höchsten Wipfeln der
Bäume.
„Nieder mit den Unreinen! Tod allen Schlammblütern!!
Alle Macht dem Meister!!"
Die Parolen wirbelten durcheinander, doch eine
einzige Handbewegung des Dunklen Lords gebot Ruhe. Jede Regung, jede Silbe
erstarb und alles schaute erwartungsvoll und gebannt auf Voldemort.
„Nachdem Dumbledore endlich den Tod gefunden hat,
wird es wohl nicht mehr lange dauern und Harry Potter wird versuchen, die
Prophezeiung zu erfüllen und versuchen mich von meinem Thron zu stoßen, mich,
den größten aller schwarzen Magier, zu
töten."
Sein hässliches Lachen quoll durch die Menge und
demütig lachten alle mit.
„Lacht nicht, ihr Schwachköpfe. Noch seid ihr nicht
bereit, den großen Kampf zu führen. Euer Bestreben muss sein, mein Leben zu
schützen, wenn es sein muss mit eurem eigenen wertlosen Leben. Unterschätzt
nicht den Potter- Jungen und denkt daran, dass auch der Orden hinter ihm steht.
Starke Zauberer und Hexen werden versuchen, meine Reihen zu lichten, um dem
Jungen den Weg zu ebnen. Mein Leben ist eure Existenz, ohne mich seid ihr ein
Nichts, ein Haufen hohler Dummköpfe. Ich allein werde euch zu einem besseren
Dasein führen, zu einem Leben in Macht. Also setzt alles in eurer Macht
stehende ein, um mich zu schützen. Wir müssen als Sieger aus diesem Kampf
heraus gehen.!!!!!!!"
Ein Gejohle und laute Zustimmung ertönte, in dessen
Widerhall sich Voldemort selbstgefällig sonnte. Ihm ging es um seine Macht,
seine Weltherrschaft, und dafür war ihm jedes Mittel recht.
Lord Voldemort - der - dessen Name nicht genannt
werden darf - der Dunkle Lord - alles sollte erzittern, wenn sein Name fiel,
wenn die Kunde seiner Schreckenstaten über die Erde kreiste wie ein
Damoklesschwert.
Was wollte da dieser kleine Potter-Junge gegen ihn
ausrichten? Gegen ihn - den größten Magier aller Zeiten, den Teufel der
schwarzen Magie. Er würde sie alle auslöschen, von der Erde vertilgen wie
Ungeziefer.
„Mein Meister.", Malfoy sank ergeben in die Knie.
„Was für Befehle haltet Ihr für mich bereit?"
Voldemort blickte kurz abfällig über die Menge und
wandte sich dann an den Mann zu seinen Füßen.
„Erhebe dich, Lucius. Der baldige Tod des Zaubertrankpanschers
wird den Orden um einiges zurückwerfen, schließlich brauchen sie die Tränke für
ihre Verletzten beim großen Kampf. So bleibt uns noch Zeit für unsere
Vorbereitungen. Es darf nichts schiefgehen bei dem großen Finale. Trag dafür
Sorge, dass jeder Einzelne seine Aufgabe kennt . Ich möchte keine Pannen
erleben, sonst wird meine Rache keine Gnade kennen. Treib diesen Haufen
Dummköpfe an den Rand ihrer Kräfte, peitsche sie zu Höchstleistungen. Mein
Leben steht an erster Stelle, mach das diesen kriechenden Idioten klar."
Seine Wut kannte keine Grenzen und deutlich hörte
man den Abscheu in seiner Stimme. Er kannte keine Freunde, kannte keine Gnade,
für ihn waren all seine Anhänger nur Mittel zum Zweck. Kämpfen, quälen, töten
mussten sie können und in erster Linie gehorchen. Ja, Voldemort verlangte
bedingungslosen Gehorsam. Er hasste Fragen nach dem Warum und Weshalb. Er
befahl und die anderen hatten zu folgen.
Wie viele standen unter dem „Imperius" - Fluch,
andere wurden mit dem „Cruciatus" gefügig gemacht und noch andere erhofften
sich ein Stück des großen Kuchens „Ruhm und Macht".
„Meister, was wird mit Snape? Sollte ich vielleicht
im St. Mungo......?", biederte sich Malfoy an.
„Nein, Lucius, du hast deine Aufgaben. Dieser
Verräter wird sterben, darauf kannst du dich verlassen. Ob nun heute oder an
einem anderen Tag ist letztendlich egal. Wichtig war, ihn zu beseitigen und das
haben wir geschafft."
Ein verächtliches Grinsen lag auf seinen hässlichen
Lippen, als er sich abwandte und im Nichts verschwand.
4.
Dunkle Ringe lagen unter Dianeas Augen und die
Kaffeetasse war ihr ständiger Begleiter.
Tag und Nacht durchsuchte die Medihexe
Aufzeichnungen aus aller Welt, sandte Eulen quer über den Erdball, nutzte sogar
die Muggelerfindung „Internet", um einen kleinen Hinweis zu finden, wie sie
Severus Snape helfen konnte.
Doch nichts - alles umsonst.
Müde stützte Dianea ihr Gesicht in die Hände und
stöhnte leise. Bereits zweimal mussten sie Snape wieder zurück ins Leben holen,
die Lunge wollte nicht mehr.
Wenn sie nur wüsste, welche schwarze Magie diesen
Unfall verursacht hatte. Der schwarze Grind, der sich einem Parasiten gleich,
nun auch über den gesamten Oberkörper ausgebreitet hatte, machte es unmöglich,
einen Heilzauber in das Innere des Patienten zu bringen. Wie einen
undurchdringlichen Panzer umschloss der Grind den Körper und ließ nichts
hindurch.
So versagte die Lunge jeden Tag mehr und Dianea
musste hilflos mit ansehen, wie Severus von einem Erstickungsanfall in den
nächsten glitt.
Die anderen Verletzungen wie Knochenbrüche an den
Beinen und die Schnittverletzungen konnten mühelos geheilt werden, doch das
wichtigste, der Aufbau der Lunge und die Heilung der Rippenbrüche waren unmöglich.
Ruhelos sprang Dianea auf und eilte mit hastigen
Schritten auf Zimmer 321 zu.
Gilmore, der Heiler der Station, sah ihr mitleidig
hinterher. Sein anfänglicher Optimismus war einer stillen Resignation gewichen.
Er sah keinerlei Hilfe mehr für den Patienten, wollte aber Dianea die
schreckliche Wahrheit nicht sagen.
Vielleicht geschah
doch noch ein Wunder......
Leise, als könnte sie den Patienten wecken, öffnete
Dianea die Tür und schlüpfte hinein.
Wie erwartet saß Prof. Mc Gonagall auf ihrem Stuhl
am künstlichen Fenster und blickte ihr fragend entgegen.
„Es tut mir leid, Professor. Noch nichts Neues. Ich
weiß mir keinen Rat mehr, weiß nicht, wo ich noch suchen soll. Die Zeit rinnt
uns durch den Fingern hindurch. Letzte Nacht war wieder ein schwerer Anfall und
ich hatte schon Angst wir schaffen es nicht."
Leise klang ihre Stimme durch den Raum und Prof. Mc
Gonagall ahnte die Tränen, welche Dianea lautlos über die Wangen liefen.
„Sie lieben ihn immer noch?", murmelte die alte Hexe
leise und Dianea nickte stumm.
„Dann weiß ich, dass Sie weiter suchen, bis Sie eine
Lösung haben. Geben Sie nicht auf, mein Kind. Wo Liebe ist, da ist auch
Hoffnung."
Sie hatte sich erhoben und schritt auf die Medihexe
zu. Langsam strich sie ihr über den Rücken. „Sei stark, Mädchen.", dann verließ
sie wortlos den Raum.
Dianea trat an das Bett, beförderte den Stuhl an
ihre Seite und setzte sich. Lange schaute sie in das kaum noch zu erkennende
Gesicht und strich zärtlich über das schwarze zerzauste Haar. Ein leiser
Seufzer entrang sich ihrer Brust.
Sanft fuhr ihre Hand über seinen Arm und die vergrindete
Hand. Wie ein schwarzer Pilz frass sich der Grind stetig weiter über den Körper
und schwächte ihn täglich mehr.
Es war grausam zuzusehen, wie der Mann vor ihr immer
mehr dahin sichte und jeden Tag ein kleines Bisschen starb.
Wieviele Tinkturen und Salben hatte Dianea schon
ausprobiert, um den Grind zu erweichen, doch außer das sie Severus damit
quälten half es nichts.
Ein verkrampftes Schütteln des Körpers im Bett riss
Dianea aus ihren Überlegungen.
Ein erneuter Anfall!! Röchelnd lag Severus da und
kämpfte um Atem, die Augen angstvoll geweitet, fiebrig glänzend. Ein Krampf
nach dem anderen raste durch den geschwächten Körper.
Mit dem Zauberstab sorgte Dianea in Sekundenschnelle
für eine Sauerstoffblase auf seinem Gesicht, doch noch immer krampfte sich
Severus zusammen.
Die Medihexe hielt sich den Zauberstab an den Hals
und sprach: „Sonorum"
Mit verstärkter Stimme schrie sie:
„Giilmoooooooooooooore."
Angst und Panik klangen aus ihrem Schrei.
Heftig wurde die Tür aufgerissen und Gilmore,
gefolgt von Mirna, stürmten ins Zimmer.
„Er krampft wieder, dieses Mal sehr heftig. Trotz
Sauerstoffblase atmet er nicht richtig. Gilmore, er erstickt. Hilf bitte, mach
etwas!!!!!!!!!!!!!!!"
Sie fühlte sich gepackt. Glaubte Gilmore wollte sie
beiseite schieben, als sie erkannte, dass Severus sich an ihr festkrallte. Die
Augen waren blutunterlaufen und als ahnte er, das er sterben musste, stammelte
er:
„Ster-ben las-sen. Di- a-ne-a."
Dann Stille. Es war vorbei.
5.
„Er hat meinen Namen genannt.", flüsterte Dianea
fassungslos. „Er weiß, dass ich hier bin."
Gilmore trat an die Medihexe heran und strich sanft
über ihre Schultern.
„Er kann dich nicht erkannt haben, Dianea. Nicht in
seinem jetzigen Zustand. Es kam wohl eher aus seinem Unterbewusstsein. Du
scheinst noch eine wichtige Rolle in seinem Leben zu spielen.", leise sprach
der Heiler auf sie ein.
Dianea schluchzte auf und legte Severus Hand fast
zärtlich zurück auf die Decke.
Ein leicht rasselnder Atem verriet, dass der Anfall
des Patienten vorbei war.
„Lange wird es sein Körper nicht mehr mitmachen.",
murmelte Gilmore teilnahmsvoll.
„Er wird nicht sterben, falls du das damit
ausdrücken willst.", fauchte Dianea ihn an und nur die Anwesenheit des
Patienten hielt sie zurück, nicht hysterisch laut zu schreien.
Der Heiler wollte etwas erwidern, doch der warnende
Blick Mirnas und ihr unmerkliches Kopfschütteln ließen ihn verstummen.
Wortlos verließ er das Krankenzimmer.
„Nimm es ihm bitte nicht übel, Dianea.", bat die
zierliche Krankenschwester leise. „Es nimmt ihn auch ziemlich mit. Du weißt
doch, Gilmore gibt nicht gerne auf, doch hier sieht er keine Hoffnung mehr. Der
Grind verbreitet sich rasend schnell, wächst wie ein giftiger Pilz und schließt
seinen Körper ein wie ein Parasit sein Opfer. Sieh es realistisch, Severus
Snape ist schon fast tot. Keine Ahnung was ihn solange am Leben hält, oder ob
ein langes Siechtum beabsichtigt war."
Mirna wirkte zerknirscht und traurig. Dem Patienten
nicht helfen zu können war schon schlimm genug, doch die Freundin und Kollegin
leiden zu sehen und nur hilflos daneben
stehen, ging schon fast an ihre Grenzen.
„Ich weiß, wie du leidest, Dianea und glaube mir
keiner würde dir lieber helfen und ein Wunder herbeizaubern wie Gilmore und
ich. Aber es gibt keine Wunder, jedenfalls hier nicht mehr. Wir sollten ihn
vielleicht nicht mehr leiden lassen. Dianea...." und ein unmissverständlicher
Blick traf die Medihexe.
Dianea erbleichte und wurde kurz darauf zornesrot.
„Seid ihr denn völlig wahnsinnig, mir überhaupt so
einen Vorschlag zu unterbreiten. Ich soll ihn sterben lassen, obwohl wir noch
nicht alles versucht und probiert haben. Er wird wieder gesund, das weiß ich
und außerdem habe ich es jemandem versprochen, nichts unversucht zu lassen, um
Severus Snape zu retten.", ihre Stimme glitt in ein Flüstern über, aus dem man
ihre eigene Ratlosigkeit und Verzweiflung hören konnte.
Ohne Vorwarnung ließ sich die junge Frau in die Arme
der Krankenschwester fallen und weinte hemmungslos.
„Mirna, ich kann ihn nicht sterben lassen, ich muss
weitersuchen nach einer Lösung. Verdammt, ich will ihn nicht verlieren!!"
Sanft streichelte Mirna der jungen Frau über den
Rücken und versuchte, ihre eigenen Tränen zu verbergen.
„Bitte geh jetzt, Mirna. Lass mich allein."
Verstehend wandte sich die Krankenschwester um
und verließ auf leisen Sohlen das
Krankenzimmer.
Dianea trat vorsichtig an das Bett heran und griff
sacht nach der Hand auf der Bettdecke.
„Weißt du wirklich nicht, dass ich hier bin?",
flüsterte sie Severus Snape zu.
„Ich gebe dir all meine Kraft, halte durch, bitte.
Wir werden etwas finden und dich zurückholen, das schwöre ich dir."
Sie hauchte einen leichten Kuss auf die durch den
schwarzen Grind entstellte Hand und hielt sie an ihre Wange. Tränen tropften
auf die wie verbrannt aussehende Haut, doch Dianea bemerkte es nicht.
Verzweiflung spiegelte sich ihn ihrem Blick und ihre Augen ruhten auf seinem
Gesicht, das der Grind schon wie mit einer schwarzen Maske überzogen hatte.
Mit einem Schlenker ihres Zauberstabes beförderte
sie den Stuhl in die richtige Position und ließ sich nieder, die Hand immer
noch fest in der ihren. Dianea beugte sich herab und strich unendlich zärtlich
über das ehemals eigenwillig schöne Gesicht.
„Severus, bitte gib nicht auf, bleib bei mir, denn
ich brauche dich."
Und ohne lange nachzudenken beugte sich Dianea noch
weiter herab und flüsterte:
„Severus, ich liebe dich so sehr.", dann legte sie
ihre Lippen in unendlicher Zartheit auf seinen Mund und küsste ihn.
Ein Beben ging durch den Körper in den Laken und
Dianea schaute angstvoll auf.
Hatte sie sich das nur eingebildet, oder bewegten
sich die Finger in ihrer Hand ein bisschen?
Nein, seine Hand war noch genauso steif und unbeweglich
wie vorher. Enttäuschung fraß sich tief in ihr Inneres und die Hoffnung, welche
sich kurz aufgerichtet hatte, fiel wie ein Kartenhaus zusammen.
„Ich lass dich nicht allein.", murmelte die Medihexe
und fuhr über sein schwarz-glänzendes Haar.
Mit einem Seufzer kuschelte sich Dianea an seine
Schulter, ohne die Hand loszulassen und war kurz darauf eingeschlafen.
*
„Dianea, wach auf."
Jemand rüttelte sie unsanft an der Schulter.
Schlaftrunken öffnete sie die Augen und sah sich um. Ihr Kopf ruhte noch immer
auf dem Bett des Patienten, der Rücken schmerzte und der Nacken war steif.
Widerwillig hob sie ihren Kopf und schaute direkt in
das Gesicht des Heilers Gilmore.
„Was ist los?", maulte Dianea.
„Sieh es dir selbst an, Mädchen.", meinte der Mann
euphorisch. „Du wolltest doch ein Wunder und nun verschläfst du es auch noch."
Dianea hatte sich gänzlich erhoben und schüttelte
verständnislos den Kopf.
„Könntest du mal klarer werden? Welches Wunder?"
Gilmore grinste noch immer und deutete auf das Bett.
Zuerst fiel der Medihexe nichts Neues auf und sie
ließ ihren Blick über das Bett wandern. Da plötzlich - ein Staunen lag auf
ihrem Gesicht, ungläubig aber langsam begreifend.
Die Hand - seine Hand!!
Dianea griff zu und hob seine Hand ihrem Gesicht
entgegen, um auch sicher zu sein, dass sie nicht träumte. Immer und immer
wieder starrte sie auf diese Hand und anschließend auf Gilmore, der ihr
lächelnd zunickte.
Da endlich erfasste ihr Verstand die Wahrheit und
eine Woge Glückseligkeit durchströmte
ihren Körper wie eine Droge.
Sanft streichelte Dianea die Hand, von der ein nicht
geringer Teil des schwarzen Grinds einfach verschwunden war. Leicht rosa
schimmerte neue gesunde Haut und strahlte Hoffnung aus.
Wie von tausend Lasten befreit, ließ sich Dianea auf
den Stuhl zurück fallen.
„Ja, aber......ich verstehe nicht.........wie konnte
plötzlich.........", stammelte Dianea
fassungslos.
„Das ist etwas, das ich auch noch nicht verstehe.
Aber auf alle Fälle gibt es Hoffnung, endlich Hoffnung auf eine Heilung, denke
ich jedenfalls.", gab Gilmore zu und lächelte der Medihexe aufmunternd zu.
„Hast du ihm irgend etwas gegeben, irgend etwas
gemacht?", fragte der Heiler weiter, doch Dianea schüttelte stumm den Kopf.
Mirna stand ebenfalls mit leuchtenden Augen neben
dem Bett und schaute abwechselnd auf Dianea und den Patienten.
„Dianea, es scheint wirklich ein Wunder zu sein.
Gestern noch hatten wir keinerlei Hoffnungen mehr und heute..... Aber du musst
doch irgendeine Medizin angewendet haben?"
Die Medihexe schüttelte noch immer den Kopf.
„Ich habe Prof. Snape nichts gegeben. Ich verstehe
es ja selbst nicht...........", leise sinnierte Dianea vor sich hin. „Die
Tränen............ meine Tränen.............nein unmöglich."
„Denk nach, Dianea.", drängte der Heiler. „Willst du
mir etwas sagen, irgend etwas erzählen?"
„Nein, das ist zu verrückt und wahrscheinlich auch
nur reiner Zufall.", murmelte sie.
„Komm erzähl schon, auch wenn es dir vielleicht
verrückt erscheint. Du weißt, manchmal liegt die Lösung wirklich im Absurden."
Gilmore strich ihr aufmunternd über die Schultern.
„Ich weiß nicht.", seufzte die Medihexe. „Aber gut,
ich erzähle euch alles. Als ihr Beide gegangen wart, habe ich noch einmal seine
Hand ergriffen und........... na ja ich habe geheult wie ein Schlosshund und seine
Hand wohl mit meinen Tränen fast durchweicht. Und ich habe mit ihm geredet,
ziemlich einseitig wohl, und ihm geschworen, dass wir eine Lösung finden
werden, habe gesagt, wie sehr ich ihn liebe und dann habe ich ihn geküsst. Das
war eigentlich schon alles. Muss wohl eingeschlafen sein."
Auf Gilmores Gesicht zauberte sich ein Lächeln.
„Kannst du dich noch erinnern, was du in Bezug auf
seine Verletzungen sagtest, Dianea?"
„Ich verstehe nicht ganz........", zuckte Dianea die
Schultern.
„Als du seine Verletzungen sahst, hattest du einen
ganz bestimmten Verdacht, weißt du noch?"
„Ja, ich sagte, es scheint dunkle Magie im Spiel
gewesen zu sein. Böse, schwarze Magie.", flüsterte sie leise. „Du
meinst........"
„Ja, es war sicherlich ein Fluch aus der schwarzen Magie.
Und deine Tränen, geweint aus tiefstem Schmerz und der Kuss, gegeben mit
bedingungsloser Liebe, haben wohl den Ring des Fluches gesprengt. In der
dunklen Magie gibt es keine Liebe, aber es gibt auch kein Mittel gegen dieses
stärkste Gefühl auf der Welt. Derjenige, der ihm das zugefügt hatte..........."
„Voldemort!", rief Dianea dazwischen.
„......
rechnete wohl nicht damit, dass Severus Snape trotz seiner furchtbaren
Entstellungen noch geliebt wird, dass sich noch jemand bereitwillig seinen
Lippen nähert und ihm Liebe schenkt."
„Grundgütiger!!!", hörten sie eine Stimme und fuhren
erschreckt herum.
Niemand hatte die Frau bemerkt, die nun fassungslos
vor dem Bett stand und immer wieder kopfschüttelnd auf den Mann starrte.
„Prof. Mc Gonagall.", rief Dianea und eilte zu ihr.
Gerade noch rechtzeitig konnte sie der älteren Hexe den Stuhl zurecht schieben,
auf dem sie kraftlos nieder sackte.
„Dianea, wie haben Sie das nur geschafft?", wisperte
sie und wischte sich verstohlen eine Träne aus den Augenwinkeln.
„Ich weiß nicht..."
„Mit Liebe, gute Frau. Mit unerschütterlicher
Liebe.", antwortete Gilmore und strahlte, als hätte er dieses Wunder
vollbracht.
Ein Stöhnen drang aus den Kissen und alles eilte an
die Seite des Patienten.
Unglaube stand in den Gesichtern und die stumme
Frage nach dem „wie?", als die Anwesenden das Gesicht des Professors sahen. Ja,
das Gesicht!!!
An großen Stellen war auch dort der schwarze Grind
zurückgegangen und hinterließ rosa Haut.
Die Atmung ging ruhig, fest und gleichmäßig und als
Gilmore das vorn offene Krankenhemd zurückschlug, da erkannte man auch auf der
Brust, das sich der riesige Parasit langsam auflöste.
„Nun können wir endlich auch die inneren
Verletzungen heilen und der Lunge Erleichterung verschaffen. Ab jetzt kann es
nur noch aufwärts gehen.", jubelte der Heiler euphorisch.
„Ja, ich denke eine durchblutungsfördernde Salbe und
ein Aufbautrank müssten reichen. Vielleicht noch einige Sauerstoffbäder und
natürlich eine permanente Beobachtung. Wir wollen schließlich sicher gehen.",
ordnete Dianea an und Mirna nickte.
„Schon notiert."
„Ich werde gleich mit der Behandlung beginnen und du
machst dich auf den Weg nach Hause, Dianea. Sonst habe ich bald einen Patienten
mehr. Du kannst dich kaum noch auf den Beinen halten, hast dir hier genug
Nächte um die Ohren geschlagen. Für dich gibt es im Moment nichts zu tun, also
ab." Und er schob die Medihexe energisch zur Tür hinaus.
Dianea warf einen letzten, erleichterten Blick
zurück zum Bett.
„Schlaf dich gesund, Severus.", murmelte sie, dann
fiel die Tür endgültig zu.
6.
„Verdammt noch mal, wie lange wollen Sie mich denn
hier noch warten lassen?", fauchte es aus dem Bett.
Die sonst so resolute Krankenschwester zuckte unter
dem scharfen Ton zusammen.
„Entschuldigung, Professor Snape.", murmelte sie.
„Entschuldigung, Entschuldigung.", äffte er sie
wütend nach und suchte bereits nach etwas Handfestem, was er der Schwester
hinterher werfen konnte.
Seit Prof. Severus Snape vor zwei Tagen das
Bewusstsein wiedererlangt hatte, führte er sich auf wie ein Tyrann.
Ständig ertönte die Notklingel, hatte er irgend
einen neuen ausgefallenen Wunsch, der von gleich auf sofort erledigt werden
musste. Es bereitete ihm ein tierisches Vergnügen, wenn wieder einmal eine
Schwester weinend das Zimmer verließ und sich Stunden später ein neues Opfer
einfand.
„Was kann ich für Sie tun?", kam es flüsternd von
der Krankenschwester.
„Wann kommt denn nun endlich die zuständige Medihexe
? Ständig diese Ausreden und Vertröstungen von diesem unmöglichen Heiler.",
raunzte Snape.
„Gilmore ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Und
die Medihexe beginnt heute wieder ihren Dienst.", versuchte die Frau einen
schwachen Protest.
„Sie wagen es, mir zu widersprechen und mich zu
kritisieren?", blaffte der Mann los und sorgte erneut für ein erschrecktes
Zusammenzucken der Krankenschwester.
Spöttisch lächelnd griff Snape erneut in seine
Gemeinheiten - Kiste.
„Sie haben wohl ein Auge auf den Heiler geworfen?",
meinte er gehässig. „Doch bei Ihrer Körperfülle hat der arme Mann sicherlich Angst
um Leib und Leben."
In Zeitlupe wandte sich die Krankenschwester um und
funkelte den Patienten wütend an.
„Was erlauben Sie sich eigentlich? Sie unmöglicher
impertinenter Mensch, Sie.
Seit zwei Tagen benehmen Sie sich wie der
sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen, beleidigen alle und jeden,
schikanieren das gesamte Personal von St. Mungo und lassen an keinem ein gutes
Haar. Wären der Heiler und die Medihexe nicht gewesen, würden Sie und Ihr
großes Mundwerk jetzt sicherlich irgendwo verrotten. Also halten Sie jetzt
endlich mal Ihren vorlauten Mund und lassen uns unsere Arbeit tun. Sie werden
gefälligst warten, bis die Medihexe ihren Dienst beginnt, schließlich hatte sie
sich eine Ruhepause redlich verdient. Tagelang saß diese Frau an Ihrem Bett und
hat gehofft und gebangt um Ihr Leben, hat sich bis zu letzt aufgeopfert. Also
Schluß jetzt!!"
Und hocherhobenen Hauptes rauschte die Frau hinaus,
einen ziemlich sprachlosen Snape zurücklassend.
So war noch keiner mit ihm umgesprungen. Ihm fehlten
die Worte und so blieb ihm nichts weiter, als wortlos den Redeschwall dieser
Furie über sich ergehen zu lassen und mit einiger Bewunderung ihren Abgang zu
registrieren.
Er begann sich zu langweilen und war nach einigen
Minuten bereits erneut in der Versuchung, den Notruf zu betätigen.
Da sah er vor seinem geistigen Auge diesen Dragoner
von Schwester und überlegte es sich doch anders. In ihrer Wut ließ sie ihn
womöglich noch kopfüber von der Decke hängen und nannte es dann auch noch
Therapie.
Langsam warf er die Bettdecke beiseite und schwang
seine Füße über den Rand. Sich mühsam aufrichtend, wankte er zum Fenster seines
Zimmers, welches er inzwischen bezogen hatte.
Zimmer 321 war nicht mehr für ihn geeignet - er war
kein hoffnungsloser Fall mehr, jedenfalls nicht medizinisch gesehen.
Man hatte ihn in ein schmuckes Zweibettzimmer
verlegt, doch das andere Bett war unbenutzt. Er war allein und das war,
speziell für den etwaigen anderen Patienten auch besser so. Es reichte, wenn er
das Personal verärgerte, aber man wollte nicht noch Ärger mit anderen
Patienten.
Das Fenster hatte einen, für St. Mungo, ungewöhnlich
luxuriösen Ausblick auf einen kleinen Hof mit etwas Grün. Eine altersschwache
Bank stand inmitten von Gras und Unkraut und bot wenigstens den Vögeln einen
Platz zum Verweilen.
Einige vorwitzige Sonnenstrahlen hatten den Weg in
den tiefen Schacht gefunden und streichelten sanft die wenigen Blumen, die den
Mut hatten, an diesem ungastlichen Platz zu wachsen.
Doch Prof. Snape hatte kein Auge für die kleinen
Schönheiten der Natur, er starrte blicklos durch die Scheibe.
Eine innere Unruhe machte sich in ihm breit,
unerklärlich und beängstigend.
Seine Finger umkrallten das Fensterbrett so fest,
dass bereits die Knöchel weiß hervortraten.
Seine Stirn lag an der kühlenden Scheibe und er
schloss die Augen.
„Prof. Snape. Sie sollten doch das Bett noch nicht
verlassen.", klang eine sanfte Stimme durch den Raum und eine Hand legte sich
leicht auf seine Schulter. „Kommen Sie, ich bringe Sie zurück."
Wie ein großer Sack voll Eis fühlte sich in diesem
Moment sein Magen an und er wandte sich kraftlos um.
„Dianea. Dianea Baxter.", murmelte er und Erschrecken lag auf seinem Gesicht.
Sanft, aber energisch packte die Medihexe den
Patienten unter den Arm und zog ihn zum Bett zurück.
„Ich bin nicht behindert.", fauchte Snape leise und
Dinaea lachte erleichtert.
„Willkommen im Leben, Professor."
„Wer ist die Medihexe?", fragte er unvermittelt.
Der Schock saß tief über dieses unerwartete Wiedersehen.
„Ich - Prof. Snape. Soll ich wieder gehen und Ihnen
Zeit lassen?", wisperte Dianea.
Da packte Severus Snape ihre Hand.
„Nein. Wie kommen Sie hier her nach St. Mungo?"
Dianea senkte traurig den Kopf.
„Nach meinem Praktikum war es schwer eine Stelle als
Zaubertranklehrerin zu bekommen und so entsann ich mich meiner Fähigkeiten zum
Heilen, welche ich bei Madam Pomfrey in Hogwarts erlernt hatte. Ich entschloss
mich also zu einer Ausbildung zur Medihexe und wenn ich es schaffen sollte, bin
ich in ein paar Jahren Heilerin."
Snape griff ihr unter das Kinn und zwang sie, ihn
anzusehen.
„Sie wollten nicht zurück? Haben mir nicht
verziehen?", fragte er leise und Dianea wusste auch so, dass er von dem Brief
sprach, den er auf ihrer Heimreise mit seinem Raben zum Zug geschickt hatte.
„Doch, ich hatte......"
Es klopfte und Mirna trat ein.
„Dianea, kommst du bitte mal kurz. Unser neuer
Praktikant ist da und muss eingewiesen werden. Gilmore ist im Moment in einer
Behandlung."
Die Medihexe seufzte und warf einen entschuldigenden
Blick auf Prof. Snape.
Sein Ausdruck auf dem Gesicht ging schon fast in die
mörderische Richtung und sie musste leicht lächeln. Er hatte sich also noch
nicht geändert.
„Ich komme wieder.", versprach sie und folgte Mirna
hinaus.
„Wieso sprichst du von einem Praktikanten? Ich denke
wir sollten die kleine Serina von Station 4 bekommen?", wunderte sich Dianea.
„Das ist eine Anweisung von ganz oben, glaube aus
dem Ministerium.", erklärte die Krankenschwester.
„Seit wann entscheidet denn das Ministerium über
unsere Praktikumsplätze?", schimpfte Dianea.
Gemeinsam betraten sie das Schwesternzimmer und die
Medihexe erstarrte.
„Hallo Dianea. Ich freue mich, dich wiederzusehen.",
und eine Hand streckte sich ihr entgegen.
„Du hier?", fragte sie fassungslos. „Aber du warst
doch............", doch mit einem Seitenblick auf Mirna schwieg die Medihexe.
„Wer hat dir dieses Praktikum verschafft?"
„Mein Vater!", meinte der junge Mann leicht
arrogant.
„Wo hat der mal nicht seine Finger drin?", schimpfte
Dianea.
„Und du willst ernstlich ein Praktikum im St. Mungo
machen?"
Er nickte.
„Na gut. Mirna, darf ich vorstellen, unser neuer
Praktikant, Draco Malfoy"
Die Krankenschwester erbleichte.
„Malfoy? Ach du liebe Sch....."
„Mirna!!", wies Dianea sie zurecht. „Ich bin auch
nicht entzückt darüber, aber da müssen wir nun durch. Aber eines gleich zu
Beginn", wandte sich die Medihexe an den jungen Mann, „bei uns geht es nicht
nach Vergünstigungen oder Beziehungen. Die Arbeit ist hart und verlangt viel
Disziplin und Stärke. Solltest du der Sache nicht gewachsen sein oder nur deine
Zeit vertrödeln, ist dein Praktikum beendet ehe es begonnen hat."
Draco verzog den Mund, quetschte jedoch ein „Ich
habe verstanden" zwischen den Zähnen hervor und versuchte ein Lächeln.
„Ich habe noch zu tun, du entschuldigst mich.",
meinte Mirna kurz und wandte sich dem Ausgang zu, ohne den neuen Praktikanten noch eines Blickes zu würdigen.
Sie konnte ihn nicht ausstehen, soviel war sicher
und Dianea ahnte schon die Streitigkeiten, die daraus resultieren würden.
„Na gut, Draco. Kommen wir erst einmal zur
Bekleidung und zur Einweisung deines Arbeitsfeldes..", meinte die Medihexe und
zog ihn am Oberarm in die hintere Ecke, wo sie Draco einen grünen langen Kittel
zuwarf.
„Hier, anziehen!", sagte sie ziemlich scharf und war
schon wieder auf dem Weg zum Schreibtisch.
Missmutig verschnürte sich der junge Mann in dem
unförmigen Kittel und nahm anschließend ebenfalls am Schreibtisch Platz.
„Bist du sauer?", wollte er mit einem Seitenblick
auf Dianea wissen.
„Für die Praktikanten bin ich Miss Baxter und „Sie",
jedenfalls im Beisein Anderer. Das ist die erste Regel. Zweitens keine
eigenmächtigen Zauber an den Patienten. Entweder wendest du dich an die
Krankenschwester, oder wenn es akut ist dann rufst du eine Medihexe oder den
diensthabenden Heiler. Drittens verlässt du die Station nicht ohne Abmeldung
und auch kein Patient hat die Station ohne ausdrückliche Anordnung zu
verlassen. Als Praktikant gehst du stets mit einer Medihexe oder einem Heiler.
Warum bist du eigentlich hier?", fragte Dianea
unvermittelt und Draco schien ihrem Gedankensprung nicht so schnell folgen zu
können.
„Ähm...ich....ja also.", stotterte er leise und
völlig überrascht.
„Ich wollte nur wissen warum du ausgerechnet hier
dein Praktikum machen willst."
Die Medihexe sah ihn fragend an, wobei ihre
Augenbrauen in die Höhe zogen.
Da setzte Draco ein unverschämtes Grinsen auf und
blickte Dianea anzüglich an.
„Ich bin wegen dir hier."
Die junge Medihexe schüttelte den Kopf als hätte sie
sich verhört.
„Das war jetzt ein Scherz, oder?"
Da griff Draco ihre Hand und presste sie fest
zusammen.
„Ich konnte dich nicht vergessen und als mir zu
Ohren kam dass du hier arbeitest, ging ich meinem Vater so lange auf die
Nerven, bis er mir über das Ministerium eine Praktikumsstelle besorgte. Ich
wollte einfach wieder in deiner Nähe sein, Dianea.", flüsterte er heiser.
„Jetzt hör mir mal genau zu, Draco Malfoy. Ich
wollte damals nichts von dir und daran hat sich bis heute nichts geändert. Und
unter diesen Umständen sehe ich es als das Beste an, wenn du sofort dein
Praktikum abbrichst und wieder gehst. Leb wohl.", fauchte Dianea und erhob sich
zum Gehen.
Draco sprang auf und klammerte sich an ihr fest.
„Nein, bitte wirf mich nicht raus. Ich werde alles
tun, was ich hier tun muss, aber beende nicht mein Praktikum. Mein Vater
erschlägt mich."
Ein sadistisches Grinsen lag auf Dianeas Zügen.
„Dann hast du wohl ein kleines Problem."
„Bitte!!!! Dianea, Miss Baxter.", jaulte er auf und
man erkannte die Angst, die er noch immer vor seinem Vater hatte. Lucius Malfoy
war gnadenlos böse und verlangte Gehorsam, väterliche Zuneigung kannte Draco
nur in Form von materiellen Dingen und Macht.
„Übrigens, Draco, deine Vergangenheit macht dich
auch nicht gerade vertrauenswürdig."
Dianea sonnte sich ein wenig in seiner Angst und
genoss etwas die späte Rache.
Doch ihr Mitleid siegte kurz darauf.
„Also gut. Eine einzige Chance wirst du haben, nutze
sie klug. Und jetzt komm, wir haben zu tun."
7.
Die Stunden eilten davon und Dianea scheuchte Draco
von einer Ecke der Station zur anderen. Mit Genugtuung sah sie sein erschöpftes
Gesicht, doch eine Beschwerde seinerseits blieb aus.
Unweit der Medihexe ging eine Tür auf und Mirna
stürzte weinend hinaus auf den Gang, gefolgt von einer fliegenden Teetasse, die
mit lautem Klirren an der gegenüber liegenden Wand zerschellte.
„Dieses Monster..........ich kündige!", heulte die
Krankenschwester auf und flüchtete ins Schwesternzimmer.
Dianea wurde blass.
Genau vor ihrer Nase flog die Tür hart ins Schloss
und erschrocken sprang sie einen Schritt zurück.
Draco reckte sich und spitzte die Ohren.
Hastig griff die Medihexe nach der Klinke und wollte
die Zimmertür öffnen, als sie den jungen Mann sah, der neugierig den Kopf an
ihr vorbei schob.
„Ist alles in Ordnung, Draco. Du kannst für heute
Feierabend machen. Wir sehen uns morgen.", und schon schlüpfte sie behände
durch den Spalt der Tür und verschloss sie energisch.
„Professor!", tadelte sie leise.
Der Angesprochene saß aufrecht in seinem Bett und
schaute ihr vorwurfsvoll entgegen, die Arme in seiner altgewohnten Art vor der
Brust verschränkt.
„Ich bin Patient hier und niemand kümmert sich um
mein Wohlergehen. Hier kann man sterben ohne das es jemand bemerkt. Unmögliche
Zustände herrschen hier.", schnaubte Snape wütend.
Lächeld blickte Dianea auf den Mann im Bett. „Übertreiben
Sie nicht ein kleines Bisschen, Professor?"
„Das sehe ich ganz anders. Stundenlang liege ich
hier und keiner vom Pflegepersonal fragt nach meinem Befinden. Ich hätte gern
etwas zu trinken. Muss ich es mir noch eigenhändig aus der Cafeteria holen.",
seine kalte Stimme hallte durch den Raum und Dianea erkannte den Zorn in seinen
Worten. Wut stach aus seinen Augen und die Medihexe begann die
Krankenschwestern zu verstehen.
Hier vor ihr lag ein Tyrann, dem einfach langweilig
war. Geduld gehörte noch nie zu Prof. Snapes Stärke.
Mit mühsamer Beherrschung lächelte Dianea den Mann
weiter an.
„Wir machen hier alle nur unsere Arbeit und kümmern
uns um unsere Patienten. Je nach Schwere der Erkrankung sehen wir mehr oder
weniger oft in die Zimmer. Außerdem werden alle Patienten magisch überwacht und
sobald eine Verschlechterung ihres Zustandes eintritt gibt es einen Alarm für
die Krankenschwestern oder mich. So oft wie Sie heute bereits eine Schwester
angefordert hatten, wäre es doch nicht zuviel verlangt gewesen, sich gleich
Getränke und andere Wünsche erfüllen zu lassen. Und einen Wunsch habe ich noch,
lieber Professor. Lassen Sie bitte die Gemeinheiten meinen Krankenschwestern
gegenüber. Gutes Personal bekommt man nicht so einfach und ich lasse es mir
nicht von Ihnen vergraulen.", ihre Stimme wurde immer lauter und die
Augenbrauen des Professors zogen sich bei jedem weiteren Wort der Medihexe
bedrohlich zusammen.
„Immer noch genauso vorlaut und aufsässig, Miss
Baxter.", fauchte Snape sie an und in seinen Augen lag eisige Strenge.
Vergessen das morgendliche Wiedersehen, vergessen
der Brief und ihr klärendes Gespräch, welches sie führen wollten.
„Es tut mir leid, falls ich Ihr Ego beleidigt haben
sollte.", meinte Dianea spitz.
„Wenn Sie der Arbeit hier nicht gewachsen sind wäre
es vielleicht besser Sie suchen sich eine andere, wo Sie nicht so viel Schaden
anrichten können."
Dianeas Gesichtszüge entgleisten und empört fuhr sie
Snape an.
„Was soll das? Hatten Ihre Gemeinheiten in den
letzten zwei Jahren einen guten Nährboden und suchen jetzt ein Opfer? Ich warne
Sie, nehmen Sie sich nicht zuviel heraus, ich bin nicht mehr die kleine
Praktikantin für Zaubertränke in Hogwarts. Und ich habe auch keine Angst vor
Ihnen!"
Die Augenbrauen des Professors waren in
schwindelerregende Höhen gewandert und seinem Blick zufolge hätte Dianea
bereits seit zwei Minuten tot sein müssen.
Seine nächsten Worte waren nicht mehr als ein Hauch,
doch sie hinterließen in Dianeas Magengrube ein ungutes Gefühl.
„Ich kann dafür sorgen, dass Sie nie wieder einen
Fuß ins St. Mungo setzen dürfen. Also wählen Sie in Zukunft Ihre Worte
sorgfältiger."
Fassungslos starrte die Medihexe auf ihren
ehemaligen Mentor.
„Hätte ich Sie doch verrecken lassen!", murmelte sie
und wandte sich enttäuscht und verletzt um.
Zwei Hände packten sie mit eisenhartem Griff.
„Das waren definitiv die falschen Worte. Ich habe
Sie gewarnt."
Der Schmerz des Griffes wurde übertönt