Name: Test 1

Weitere Überlegungen zu Severus Snape I

 

von Vero

 

 

Was haben wir bisher über Snape erfahren?

 

Band 1- Harry Potter und der Stein der Weisen

-          Snape hasst Harry, rettet ihm aber dennoch das Leben

-          Snape hasst Harrys Vater, obwohl er ihm sein eigenes Leben verdankt

-          Snape ist ein bösartiger Mensch und extrem ungerechter Lehrer, der seine Slytherins ungeniert bevorzugt

-          Snape will schon lange die Stelle des Lehrers für das Fach „Verteidigung gegen die Dunklen Künste" haben

 

Band 2- Harry Potter und die Kammer des Schreckens

-          Snape möchte Harry am liebsten aus der Schule werfen lassen

-          Snape erweist sich als sehr guter Zauberer (Szene Duellierclub)

 

Band 3- Harry Potter und der Gefangene von Askaban

-          Snape ist wütend, als er von der Szene mit dem Irrwicht hört

-          Snape reagiert verlegen auf der Weihnachtsfeier, als er den Papierhut zieht

-          Snape war mit James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew in der Schule

-          Snape hasst Sirius noch mehr als James, da er diesen verdächtigt, ihn umbringen zu wollen

-          Snape hilft Lupin mit einem Zaubertrank, damit dieser unterrichten kann

-          Snape will unbedingt Sirius Black fangen und ihm den Ministerium ausliefern, damit er den Merlin-Orden erhält

-          Snape reagiert hysterisch, als Black entkommt und er den Orden nicht erhält

 

Band 4- Harry Potter und der Feuerkelch

-          Snape war ein Todesser

-          Dumbledore vertraut Snape uneingeschränkt

-          Snape wird von Dumbledore zu Voldemort geschickt (noch bleicher als sonst)

-          Voldemort nimmt an, dass Snape ihn für immer verlassen hat und will ihn umbringen

 

Band 5- Harry Potter und der Orden des Phönix

-          Snape ist im Orden des Phönix

-          Snape hatte eine traurige Kindheit und Jugend. Sein Vater war ein Tyrann, der seine Mutter und ihn unterdrückt hat

-          Wir erfahren, was Snapes schlimmste Erinnerung ist

-          Snape ist ein brillanter Okklumentiker

-          Snape benachrichtigt Dumbledore, damit dieser Harry im Ministerium zur Hilfe kommen kann

-          Snape nimmt am Kampf im Ministerium nicht teil

 

Band 6- Harry Potter und der Halbblutprinz

-          Wir erfahren, wo Snape wohnt und dass Voldemorts Diener (Pattigrew) bei ihm ist

-          Wir erfahren, dass Snape von Voldemort zu Dumbledore geschickt wurde, um diesen auszuspionieren.

-          Durch Dumbledores Protektion entgeht Snape dem Gefängnis und bleibt in Hogwarts nach Voldemorts Sturz

-          Snape ist bei Voldemort 2 Stunden nach dessen Rückkehr aufgetaucht, von Dumbledore geschickt

-          Snape kann Voldemort von seiner Treue überzeugen.

-          Snape lügt in Bezug auf Harry Potters Fähigkeiten.

-          Snape verrät Beatrix und Narcissa nicht, wo das Hauptquartier des Orden des Phönix liegt.

-          Snape übernimmt die Verantwortung für Dracos Leben durch den Unbreakable Vow und setzt sein eigenes dafür ein.

-          Wir erfahren, dass Snape in Voldemorts geheime Pläne eingeweiht ist

-          Dumbledore setzt Snape als Lehrer in „Verteidigung gegen die Dunklen Künste" ein, obwohl er weiß, dass das Fach durch Voldemort verflucht wurde und der jeweilige Lehrer nur ein Jahr auf seinem Posten bleibt.

-          Snape hat einen Teil der Prophezeiung gehört und sie Voldemort mitgeteilt. Damit hat er den tödlichen Hinweis auf die Potters gegeben.

-          Snape bereut diese Weitergabe an Voldemort und sagt, ihm waren die Folgen nicht bewusst.

-          Hagrid hört, wie Dumbledore und Snape sich streiten. Er meint, weil Snape überlastet sei...

-          Als Snape Dumbledore tötet, ist sein Gesicht von Hass und Abscheu gezeichnet.

-          Snapes Mutter war reinblütig und Kapitänin der Slytherin-Quidditsch-Mannschaft. Snapes Vater war ein Muggel.

-          Snape ist ein brillanter Magier. Er ist ein herausragender Zaubertrankbrauer und erfindet wirksame Zaubersprüche und Flüche. Er heilt Dracos Wunden im Nullkommanichts.

 

 

Was sagt uns das alles in Bezug auf Band 7?

Zunächst ein paar noch offene Fragen:

-          Warum vertraut Dumbledore Snape so uneingeschränkt? Die Erklärung, die Harry in Band 6 angibt, erscheint nicht ausreichend. M.M nach vertraut Dumbledore Snape trotzdem er die Potters verraten hat und nicht deshalb.

-          Warum hat Snape den Job des Lehrers „VgdDK" bekommen? Dumbledore hat doch gewusst, dass der Job verflucht ist und Snape das Fach nur 1 Jahr unterrichten wird.

-          Wusste Dumbledore, dass er sterben wird?

-          Was hat es mit dem gefälschten Horcrux auf sich? Und wer ist R.A.B.? Regulus A. Black? Der von Voldemort oder seinen Helfern umgebracht wurde?

-          Was ist mit Snapes Eltern geschehen? Offenbar leben sie nicht mehr.

-          Dumbledore vertraut Snape bis zum Schluss. Als er schwer angeschlagen aus der Höhle zurückkommt, verlangt er nach Severus...Wollte er einen Heiltrank oder was war mit ihm sonst vereinbart?

 

Schlussfolgerungen

-          Snape muss Dumbledore verraten haben, dass er von Voldemort geschickt wurde, um bei ihm zu spionieren. Warum und wann? Vor Voldemorts Sturz oder danach?

-          Voldemort vertraut Snape in gleichem Maß wie Dumbledore.

-          Snape ist ein Doppelagent; er wird in Band 7 die Schlüsselfigur sein.

-          Dumbledore hat mit Snape seinen möglichen Tod abgesprochen. Er muss gewusst haben, dass Snape den Eid geleistet hat und dass Snape ihn töten muss, wenn Draco nicht es nicht fertig bringt. Das ergibt dann einen Sinn, wenn Dumbledore so geschwächt ist, dass er tatsächlich sterben muss und wenn die Vernichtung Voldemorts nur über diese „Hürde" erfolgen kann - als unabdinglichen Treuebeweis Snapes gegenüber dem Dunklen Lord. Snapes Gesichtsausdruck von Hass und Abscheu kann auch der Tat selber gelten. Oder Voldemort.

-          Nach Dumbledores Tod ist Snape vielleicht neben Voldemort der mächtigste Magier. Er will möglicherweise die Vernichtung Voldemorts. Doch nach welcher Seite driftet er ab?

 

These: Snape tritt auf die dunkle Seite

Snape will die Vernichtung Voldemorts, weil er dessen Nachfolge antreten will. Snape ist nicht der Typ, der dem Dunklen Lord als williges Werkzeug wie die anderen Todesser beschrieben werden, folgt. Ein ist kein Diener, den man bestraft, wenn er nicht genau das tut, was sein Herr ihm sagt. Snape weiß genau, was er will und wie man Leute - auch Voldemort und vielleicht auch Dumbledore manipuliert. Und er ist auch nicht eitel und überheblich wie Malfoy, der sich irgendwelche persönlichen Vorteile durch die Gefolgschaft zu Voldemort verspricht. Snape ist hochintelligent, wahrscheinlich deutlich intelligenter als Voldemort, der ja nur machtbesessen und bösartig, weil dies so seine Natur ist, daherkommt. Voldemort ist ja durch seine Seelensplitterei nur noch bedingt als Mensch zu betrachten; Snape dagegen besitzt neben seiner hohen Intelligenz eine ausgeprägte analytische Fähigkeit, die ihm hilft, Menschen und Situationen leicht zu durchschauen (ganz abgesehen von seinen Fähigkeiten in Okklumentik und Legilmentik).

Snape hat sich als Reinblütler ausgegeben. Das war wohl Mittel zum Zweck, um in die Clique um Malfoy zu gelangen. Snape ist in Wirklichkeit aber ein Einzelgänger, der nicht die dauernde kniefällige Anbetung seiner Anhänger will. Solche Menschen streben nicht die Weltherrschaft an. Er will zwar kontrollieren und immer der Beste sein, aber dieses Herausragen will er um seiner selbst willen und nicht, um Machtgefühle auszuleben.

 

Antithese: Snape hilft der Zaubererwelt, in dem der Voldemorts Sturz herbeiführt

Snape will Voldemort vernichten, weil er sich dadurch Einfluss und Reputation in der Welt der weißen Magier verspricht.

Snapes Triebfeder ist die Suche nach Anerkennung. Zum ersten Mal wird dies in Band 3 deutlich, als er unbedingt Sirius Black fangen will. Noch größer als sein Hass auf Black scheint dabei der Wunsch, einen Orden und die Belobigung des Zaubereiministeriums zu erhalten, zu sein. Aus Band 5 erfahren wir, dass seine Eltern eine unglückliche Ehe führten und dass seine Kindheit und Jugend wohl eher traurig und unglücklich war. Sein Vater - ein Muggel - scheint ein Tyrann gewesen zu sein, der seine Mutter unterdrückt hat und wahrscheinlich auch seinen Sohn. Vielleicht wollte er dessen magische Fähigkeiten unterbinden, ähnlich wie die Dursleys bei Harry Potter. Der gelangweilte Teenager im abgedunkelten Schlafzimmer sieht nach Strafmaßnahme aus. Aus Band 6 erfahren wir außerdem, dass er aus einer ärmlichen Muggelgegend stammt. Gleichzeitig wird uns seine Brillanz als Magier vorgeführt. Er beherrscht nicht nur schon als Jugendlicher die Kunst der Zaubertrankbrauerei perfekt, sondern er erfindet auch höchst wirkungsvolle und gefährliche Zaubersprüche. Im Gegensatz dazu wird ausgeführt, dass der reiche, selbstgefällige Malfoy das ihm von Voldemort anvertraute Gut (Tagebuch) leichtfertig und ungeschickt für seine Zwecke einsetzt. Außerdem sitzt er wegen seiner Unfähigkeit in Askaban.

Snape hingegen hat sich das volle Vertrauen Voldemorts verschafft - die Parallele zu Dumbledore auf der anderen Seite. Der weise und gute Zauberer auf der einen und der böse Lord auf der anderen Seite haben eines gemeinsam: ihr Vertrauen in Severus Snape. Ein weiteres Zeichen seiner Brillanz. Ich halte die Szene in Spinners End für die genialste, die JK. Rowling je geschrieben hat. Soviel Zweideutigkeit und Unergründbarkeit ist beeindruckend! Alles kann in beide Richtungen ausgelegt werden. Er kann sowohl in Dumbledores als auch in Voldemorts Interesse handeln. Dies ist hier nicht erkennbar. Eines ist mir allerdings aufgefallen: Snape verrät nicht, wo das Hauptquartier des Ordens des Phönix liegt. Hätte er es Voldemort verraten und hätte es dieser aus taktischen Gründen noch nicht zerstört, hätte Snape den beiden Schwestern auf jeden Fall seine Kenntnis mitgeteilt - mit seinem üblichen Sarkasmus. Außerdem lügt er in Bezug auf Harry Potters Fähigkeiten. Harry ist sehr wohl ein begabter Zauberer. Er ist sehr gut bei der Abwehr von dunkler Magie. Das hat er bei dem Dementorenangriff in Band 3 und bei dem Kampf mit Voldemort in Band 4 bewiesen. Auch wenn er Hilfe von seinen Freunden erhalten hat, hat Harry seinen Mut und seine Redlichkeit immer wieder unter Beweis gestellt. Auch wenn er eine gewisse Faulheit (im Gegensatz zu Snape in dessen Alter) und schwerwiegende Fahrlässigkeit bei der Verwendung eines unbekannten Fluchs an den Tag legt, hat Harry Fähigkeiten, die ihn auszeichnen und den Fall des Dunklen Lords herbeiführen können. Das weiß Snape ganz genau.

Harry ist (noch) kein mächtiger Magier. Er benötigt die Unterstützung, die Dumbledore ihm bisher zuteil werden ließ, um Voldemort besiegen zu können. Ist Snape diese Hilfe?

 

Dies würde die Theorie untermauern, dass Dumbledores Tod abgesprochen war. Dafür spricht m.E. auch die Tatsache, dass Dumbledore Snape um etwas bittet, als dieser auf dem Astronomieturm auftaucht. Diese Bitte galt sicherlich nicht seinem Leben, warum auch, er vertraut ihm doch. Das hat er erst kurze Zeit zuvor Draco nachdrücklich erklärt. Wenn Snape Dumbledore tötet, wird ihm das die größte Reputation bei Voldemort einbringen. Snape vernichtet Voldemorts größten Gegner! Danach meint Voldemort bestimmt, sich nun leichter auf seinen größten Feind, Harry Potter konzentrieren zu können. Vielleicht auch mit Hilfe von Snape. Wenn Snape und Voldemort sich gemeinsam gegen Harry und dessen Freunde und Verbündete stellen, hat Harry kaum eine Chance, seine Mission zu erfüllen.

 

 

Synthese: Hoffnung für Snape

Es ist zu bedenken, dass bei JK. Rowling nicht immer alles so ist, wie es den Anschein hat. Es würde mich deshalb sehr wundern, wenn sie Snape wirklich schon am Anfang des Bandes 6 als Oberbösewicht präsentiert und damit Dumbledore als trotteligen Alten hinstellt, der vertrauensselig Voldemorts Spion aufsitzt. Das kann ich mir nicht vorstellen. Dumbledore wurde zu oft als weisester Magier seiner Zeit bezeichnet, um einen solchen Fehler zu begehen. Er hat ganz bestimmt gewichtige Gründe gehabt, Severus Snape so schrankenlos zu vertrauen.

Außerdem müssen die Erinnerungen Snapes an seine Eltern noch verarbeitet werden. JK. Rowling hat so etwas nicht umsonst erwähnt.

Und etwas gibt mir sehr zu denken: Warum hat Snape in Band 5 Dumbledore und den Orden des Phönix von der Ankunft von Harry und seinen Freunden im Ministerium unterrichtet?

Die Invasion der Todesser im Ministerium war ja von Voldemort genau geplant, um die Prophezeiung zu erhalten. Harry Potter hat er auch hergelockt durch die Falle mit Sirius.

Aber warum mischt Snape sich ein? Harry war sich ja nicht einmal sicher, ob Snape seine verschlüsselte Botschaft verstanden hat. Wenn Snape gar nichts unternommen hätte, wären Harry und seine Freunde sicherlich im Ministerium umgekommen. Kein Dumbledore und kein Mitglied des Ordens des Phönix wäre aufgetaucht. Damit hätte Voldemort vermutlich schon damals gesiegt. Oder etwa nicht? Und Snape hätte niemand einen Vorwurf machen können.

 

Vero

30.11.2005