FILMKRITIKEN von:
1. Sister
2. Cass
3. Steffi
4. Emi



Harry Potter und der Orden des Phönix

Harry Potter and the Order of the Phoenix

Eine Buchkritik von Sister

 

Ich werde mir hier einen Kurzzusammenfassung des Inhaltes ersparen, da ich gleich zum Essentiellen übergehen möchte und bitte darum meine Kritik als Buchbesprechung für diejenigen, die das Buch bereits gelesen haben, zu verstehen.

 

Der 5. Band der Harry Potter Reihe unterscheidet sich von den ersten vier Bänden besonders dadurch, dass er mehr ein politisches Statement darstellt, als eine Erzählung über die Zauberwelt. Es werden zwar einige Fakten der magischen Welt erklärt, die in den vorangegangenen Bänden Fragen aufgeworfen haben, aber das Hauptaugenmerk liegt auf einer klar umrissenen gesellschaftspolitischen Aussage.

J. K. Rowling, hat zweifelsohne die Einstellung zu Rassismus, Diskriminierung, Massenmanipulation und dem Überwachungsstaat, die man allgemein als „politicaly correct", bezeichnet. Positiv zu erwähnen ist auch die Tatsache, dass sie mit ihren Büchern mehr Menschen und vor allem Kinder erreicht, als irgendein anderer Schriftsteller unserer Zeit. Es ist auch wunderbar, dass sie eine Generation für das Lesen begeistern kann, die eher dem Fernseher oder Computer zugetan ist, als Büchern. Für diese Kids ist der 5.Band auch durchaus geeignet, um über die Problematik der Manipulation und des Machthungers einzelner, als Gedankenanstoß zu dienen. Da Rowling ihr Buch aber selbst nicht als Kinderbuch versteht, berechtigt diese Tatsache sehr wohl zu der Frage: Was ist mit bereits politisch Gebildeten? Diese bleiben auf der Strecke. Denn als Leser von diversen Büchern, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen bzw. als kritischer Beobachter der politischen Entwicklungen unserer Tage, bleibt eine Enttäuschung nicht aus. Es werden hauptsächlich Klischees bedient. Wie einfach es doch ist die Massen zu manipulieren. Wie simpel doch die eingesetzten Werkzeuge zur Unterstützung um dies zu erreichen. Mir stellen sich hierbei allerdings mehrere Fragen: Wie ist es möglich eine Gesellschaft derartig problemlos irrezuführen, die zahllose phantasievolle Wege gefunden hat, um ihre Welt Jahrhunderte lang vor der der „Nichtmagischen" zu verbergen. Wie ist es möglich, sich mit Magie auseinander zu setzen, dadurch ein Mittel zur Machtausübung zu besitzen und trotzdem offenbar keinen Zugang zu philosophischen oder moralischen Überlegungen findet? Wenn dieser Roman über die nichtmagische Welt erzählen würde, bliebe als Kritikpunkt nur die etwas plakative Darstellung der Machtausübung, da es hier aber um eine besondere Gesellschaft geht, eine die eben sehr phantasievoll und clever agiert, wirken die eingesetzten Mittel der Manipulation und Machtausübung auf mich sehr unglaubwürdig und konstruiert. Ein Beispiel: Albus Dumbledore, stets als äußerst mächtiger und hoch angesehener Zauberer bekannt, lässt sich ohne erkennbare Gegenwehr absetzen und vertreiben. Dies war schon im 2. Band nicht wirklich nachvollziehbar. Aber es wurde mit diversen Drohungen Malfoy's gegen die Mitglieder des Schulbeirats erklärt und vor allem kamen Proteste der Eltern. Hier aber wird sich offensichtlich ausschließlich auf die diskriminierenden Artikel des Tagespropheten berufen, die einen Aufstand der Eltern verhindern. Womit ich wieder bei meinen oben angeführten Fragen angelangt wäre: Wie kann sich eine Gesellschaft…? Im Übrigen passt es einfach nicht zu der bisherigen Beschreibung seiner Person als mächtigster Zauberer seine Schule einer „ministeriumstreuen Wahnsinnigen" zu überlassen. Bei der Gefahr die die Rückkehr Voldemorts für die Zauberwelt darstellt, ist es für mich unlogisch die Sanktionen des Ministeriums nahezu widerstandslos hinzunehmen. Womit ich beim ausführenden Organ angelangt wäre. Professor Umbridge, die schalten und walten kann, wie es ihr beliebt, da vom Minister persönlich dazu ermächtigt. Eine ebenfalls sehr klischeehafte Darstellung einer obrigkeitshörigen Dienerin des Staates. Wenn ich einmal die Bedenken außer Acht lasse, dass Dumbledore und die Lehrerschaft nichts gegen die Repressalien unternehmen, da ihnen die Hände gebunden zu sein scheinen (der Grund dafür ist für mich fadenscheinig und es wurde verabsäumt eben diesen zu verdeutlichen), bleibt für mich immer noch die Schülerschaft, die viel zu spät gegen das Regime revoltiert. Auch in diesem Fall ist es für mich unwahrscheinlich, das nicht zumindest die älteren Jahrgänge die Sache selbst in die Hand nehmen. Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich ein 15jähriger tagelang mit einer magischen Feder malträtieren lässt. In diesem Alter ist man einfach nicht bereit sich solche Züchtigungen widerstandslos gefallen zu lassen. Auch vermisse ich in diesem Zusammenhang die persönliche Weiterentwicklung einiger Charaktere insbesondere die von Harry und Ron. Die Beiden werden oft als selten einfältig dargestellt, dass man sich wundert wie die Beiden bis jetzt überleben konnten. Hier fällt mir als Beispiel für Harrys geradezu idiotisches Verhalten die Tatsache ein, dass er nach Minervas Überstellung nach St. Mungo, als einzig verbliebenes Mitglied des Ordens, nicht auf Snape kommt. Ich lasse mir nicht einreden, dass sein Hass oder seine Misstrauen gegenüber Snape größer sind, als seine Sorge um Sirius. Zu Snape zu gehen wäre die einzig nachvollziehbare Handlung gewesen besonders da er weiß, dass Dumbledore ihm bedingungslos vertraut was alleine dadurch unterstrichen wird, dass er Snape mit dem Unterricht für „Verschließung" (Occlumency) beauftragt hat und Harry somit gewissermaßen an Snape ausliefert.

Dies waren nur einige Beispiele, die meine kritische Haltung zu der allzu klischeehaften und simplen Darstellung der Gesellschaft der Magier und einzelner Personen vielleicht ein wenig erklärt.

 

Nun möchte ich auch noch ein paar Worte zu den großartig angekündigten „Enthüllungen" sagen. Was ist mit Rowling's Phantasie passiert? Ich habe beim Lesen dieses Buches immer gehofft, dass mich der Schluss bzw. eben diverse Erklärungen zu offenen Fragen, entschädigen werden, für die meiner Meinung eben zu klischeehaften politischen Stilmittel die die Geschichte des 5. Bandes tragen. Aber weit gefehlt. Warum will Voldemort Harry ermorden? Weil er eine Gefahr für ihn ist. Welch Überraschung! Durch eine Prophezeiung (ausgerechnet von Trelawney!) die besagt, dass nur einer von den Beiden überleben kann. Wie einfallsreich. Hätte man da nicht noch mehr einbauen können. Zuerst einmal, warum dem so ist? Eventuell ein verwandtschaftliches Verhältnis? Oder eine gemeinsame Besonderheit in der Familiengeschichte beider, die diesen Umstand erklärt? Ich hätte mich auch noch eher mit einer schlechten Erklärung, als mit gar keiner zufrieden gegeben.

Auch der Grund für die jährliche Rückkehr zu den Dursleys war nicht gerade eine Offenbarung. Es wurde wieder die Kraft des Zaubers von Lili bemüht. Also quasi um den Schutzzauber der Liebe, die sie auf ihn gelegt hat als sie für Harry starb, aufzufrischen. Stimmt ja, Petunia ist ja auch sehr liebevoll im Umgang mit Harry… ach nein, es geht ja ums gleiche Blut, dass in ihren Adern fließt. Welch romantisch einfache Vorstellung der Lösung aller Probleme. Es tut mir leid, aber ich kann hier nichts Sensationelles entdecken. Es ist eine simple Wiederholung, zugegeben mit Erweiterung, der Erklärung warum Voldemort Harry nicht töten bzw. berühren konnte.

 

Zum Tod von Sirius Black fällt mir folgendes ein: Da eben der „Auffrischungszauber" nicht gerade das „Gelbe vom Ei" an Einfallsreichtum als Grund warum Harry einen Teil seiner Ferien bei den Dursleys verbringen muss, abgibt, muss eben von diesem Umstand abgelenkt werden indem sie Sirius sterben lässt und Harry damit keine andere Möglichkeit hat als nach Hause zu fahren. Denn die Weasleys waren bis jetzt ja auch kein ausreichendes Hindernis. Aber Sirius, einer der besten Zauberer seines Jahrganges hätte sehr wohl Zweifel aufkommen lassen, warum Harry nicht bei ihm die Ferien verbringen hätte können, noch dazu mit Bedacht darauf, dass sein Haus der absolut geheime Stützpunkt des Ordens ist. So aber kann man sich alleine auf die Auffrischung des Schutzzaubers ausreden, wodurch die Idee dazu, für mich jedenfalls, auch nicht besser wird. Ganz im Gegenteil sogar einen Widerspruch zum 4. Band darstellt (Voldemort zapfte ja Harrys Blut an um den Zauber zu brechen). Vielleicht musste Sirius aber auch deshalb sterben, damit Harry wieder ganz alleine dasteht und dadurch einen tragischeren Helden abgibt…

 

Auch die Erklärung, warum einige Tote als Geister zurückkommen und andere nicht ist äußerst phantasielos: Weil sie es möchten… Also bitte, einfacher geht es aber nun wirklich nicht mehr.

 

Es drängt sich mir immer mehr der Eindruck auf, als wollte Rowling auf „biegen und brechen" die aufgekommen Fragen beantworten und die ganze Geschichte auf ihr Schlusskapitel, dass ja angeblich schon fertig geschrieben in irgend einem Tresor liegt, zurechtschneiden, was einen ziemlich lieblosen Umgang mit dem Buch und der Geschichte darstellen würde.

 

Nun möchte ich noch auf den Lieblingscharakter der „Interessensgemeinschaft" zu sprechen kommen. Es war ja wirklich nicht zu erwarten, dass Severus Snape plötzlich zur Hauptfigur mutiert (*g*), aber mir persönlich fehlte die Schilderung seiner Rückkehr als Spion in Voldemorts Reihen. Es wäre doch interessant gewesen, zu erfahren wie er den Lord von seiner Loyalität überzeugen konnte. Es hätte auch einen weiteren Einblick in die Psyche des Unnennbaren erlaubt und verdeutlicht wie schwierig es ist, diesen zu täuschen und vielleicht hätte es auch erklärt, warum ausgerechnet Snape dazu fähig ist…

 

Zum Abschluss bleibt mir noch zu erwähnen, dass ich mir auf jeden Fall auch die deutsche Übersetzung „zu Gemüte" führen werde. Vielleicht ist mir die Genialität von J. K. Rowling auch nur dadurch verschlossen geblieben, dass Englisch nun einmal nicht meine Muttersprache ist. Allerdings kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass meine Ressentiments gegenüber der allzu einfachen und einseitigen Vorstellung von Massenmanipulation und den politischen Mitteln der Machtausübung bestehen bleiben werden und ich eine gehörige Portion an Phantasie vermissen werde, insbesondere wenn ich an so manche Fanfics denke, die man auf PM's Seite finden kann und die oft eine raffiniertere und überraschendere Handlung aufweisen als die Fortsetzung der originalen Geschichte, die leider in mancherlei Hinsicht vorhersehbar war.





The Order of the Phoenix
Eine Buchkritik von Cass

Der Tag, auf den die ganze Welt - oder zumindest der Teil, der sich zu den Harry Potter-Verrückten zählt - gewartet hat, war der 21. Juni 2003. Denn an diesem Tag erschien endlich, nach drei Jahren Wartezeit, das fünfte Band der siebenteiligen Romanserie von Joanne K. Rowling, Harry Potter and the Order of the Phönix.

Wieder einmal hat Rowling ihre blühende Phantasie spielen lassen: Dumbledore's Army, unerwartete Familienverhältnisse, das Department of Mysteries, interessante und liebenswerte neue Charaktere, Snape's worst memory, eine schicksalsschwere Prophezeiung - nur einige Punkte dessen, was der neue Band zu bieten hat.

Und zu all den Problemen, mit denen Harry Potter üblicherweise zu kämpfen hat - Voldemort, Verrat und lebensgefährliche Situationen - kommen nun auch die Probleme eines fünfzehnjährigen Teenagers hinzu. Da muss man sich mit einem Mal dem ersten Kuss stellen und auch noch versuchen, das weibliche Geschlecht zu verstehen.

Doch in 255 000 Wörtern und 38 Kapiteln zerfällt auch die Unschuld und die Naivität von Rowlings Helden, Dem Jungen Der Lebt. Immer schmerzvoller, immer düsterer werden seine Abenteuer, immer häufiger muss er sich seiner Vergangenheit und vor allem seiner Zukunft stellen und schon während man das Buch liest, wird klar: Harry Potter ist kein Kind mehr, sondern erwachsen geworden, musste erwachsen werden.

Harry Potter and the Order of the Phoenix ist defintiv kein Kinderbuch mehr, denn zunehmend komplexer wird die Handlung, zunehmend tragischer und dunkler die bisher so heile Welt. Erwartet man, dass der Titelheld zwar gefährliche Abenteuer bestehen muss, diese aber ohne große Verluste und sicher lösen wird, so fühlt man sich nach dem Lesen unweigerlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Man muss erkennen, dass nun auch Tod, Verlust und Leid Harrys Leben bestimmen und dieser lernen muss, damit umzugehen.

Und wie die Welt der Zauberer und Hexen sich teilt in diejenigen, die an die Rückkehr Lord Voldemorts glauben und diejenigen, die dessen Auferstehung abstreiten, so wird sich auch unsere Welt teilen.

Rowling hat ihre Figuren weiterentwickelt, teilweise in andere Richtungen, als die Fangemeinde es erwartete. Sie hat ihre Leser vor den Kopf gestoßen. Sie hat die unversehrte Welt zerstört, die wir aus den ersten vier Büchern kannten und mit dem fünften Buch eine Brücke geschlagen zwischen der bisherigen Welt und der Welt, die in den nächsten zwei Bänden existieren und in der Krieg herrschen wird. Man muss akzeptieren, dass Harrys Kindheit nach dem fünften Buch unwiederbringlich vorbei ist und Band Sechs und Sieben in diesem dunklem Stil weitergehen werden, wahrscheinlich eher noch dunkler werden.

Es wird Leser geben, die diese Umstände gut finden (so wie ich) und solche, die sich überhaupt nicht mit diesem neuen, düsteren Harry Potter werden anfreunden können.

Doch trotz aller erstaunlichen, manchmal auch ernüchternden und schwer zu akzeptierenden Entwicklungen ist der neue Harry Potter ebenso lesenswert wie seine Vorgänger, denn die magische Welt hat nichts von ihrem Zauber, ihrer Vielfältigkeit und ihrer Phantasie verloren.

Und wer sich einmal mit dem sogenannten „Potter-Virus" infiziert hat, wird das neue Band ebenso verschlingen und lieben wie er es bisher auch getan hat.

 


Obwohl ich selbst noch nicht lange Harry Potter Fan bin, hat J

Harry Potter and the Order of the Phoenix

Buchkritik von Steffi

 

Obwohl ich selbst noch nicht lange Harry Potter Fan bin, hat J.K. Rowling es mit ihrer ganz eigenen Art zu schreiben schnell geschafft mich in ihren Bann zu ziehen und wie alle anderen Fans fieberte auch ich der Veröffentlichung des 5. Bandes zu. Hier nun mein erster Versuch einer Buchkritik, hoffe ihr findet sie einigermaßen gelungen und auch wenn nicht, würd ich mich über feedback jeder Art freuen.

 

Obwohl der Anfang recht unerwartet ist (auf den Inhalt möchte ich nicht genauer eingehen, für die, die es noch nicht gelesen haben), zumindest in Bezug auf das Ende des vierten Kapitels, dieser Trugschluss wird jedoch schnell und logisch aufgelöst. Die lang ersehnte Rückkehr nach Hogwarts zieht sich zwar etwas hin, im großen und ganzen ist aber auch die Zeit bis dahin nicht langweilig und liest sich sehr gut, wobei ich persönlich die Episode im Ministerium nicht sonderlich interessant fand, denn das Ergebnis war ja zu erwarten. Schon am Anfang des Schuljahres merkt man, das die neue Lehrkraft (denn es ist ja mal wieder kein Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste da) mehr Ärger bereiten könnte, als ein von Voldemort Besessener, ein ehemaliger Todesser und ein selbstverliebter Trottel zusammen. Und man wird nicht enttäuscht! Das Schuljahr ist durchzogen von Verwirrung, Enttäuschungen und Versteckspiel und daher genauso interessant und abwechslungsreich wie immer, auch wenn ein paar der Szenen schon hart an die Grenze gehen (ich sag nur Quidditch und Denkarium) aber wie auch die Vorgänger übertrifft der Höhepunkt des Romans selbst die wildeste Vorstellung des Lesers und zieht in diesem Fall sogar sehr traurige und schwerwiegende Konsequenzen nach sich. Die letzten Tage in Hogwarts warten für Harry mit einer neuen Überraschung auf, die allerdings nicht angenehmer Art ist und mich schon etwas beunruhigt hat, dafür fällt der Schluß zu sachte aus. Wir sind es ja gewohnt, dass Harry auf der Heimfahrt eine lockere Stimmung an den Tag legt und gegenüber seinen Verwandten alles magische verschweigt aber nach den Ereignissen und Offenbarungen in HP5 hätte ich doch am Ende etwas anderes erwartet.

 

Im Großen und Ganzen erfüllt das Buch aber die hohen Erwartugen, die an es gestellt wurden. Obwohl es von mehr Spannungen und Traurigkeit erfüllt ist als seine Vorgänger und sicher nicht mehr in der Kinderabteilung stehen sollte, zieht es jeden Harry Potter Fan sofort in seinen Bann, deckt einige wohl gehütete Geheimnisse auf und der gewohnte faszinierende Schreibstil von Rowling macht es einem nicht einfach über dem Buch nicht alles andere zu vergessen.





„Harry Potter and The Order Of The Phoenix" - Rezension

„Harry Potter and The Order Of The Phoenix" - Rezension

 

von Emi

 

„Snape wird sterben und Harry sein Nachfolger ..."

 

Unendlich lang schien uns die Zeit zu werden.

Wir versüßten uns die lange Rowling'sche Durststrecke mit selbst gezauberten Fanfictions, die uns durchaus den ein oder anderen schönen Moment bescherten.

 

Dann aber war es endlich soweit!

 

Der Tag, der zwar offiziell festgesetzt war, uns zwischenzeitlich aber in doch so unrealistisch weiter Ferne erschien, rückte unaufhaltsam näher.

Und wir zitterten - das lange, mit Gier gepflasterte Warten hatte ihn für uns zu einem heiligen Mysterium gemacht.

 

Dementsprechend viel erwarteten wir, als wir den circa 1 kg schweren Wälzer tatsächlich in Händen hielten.

 

Was hatten wir eigentlich genau erwartet?

 

Dass JKR unseren geliebten Severus Snape endlich mehr in den Mittelpunkt rückt?

Dass die von uns allen erahnte Subtilität des Zaubertränkemeisters in diesem Band offenbart und ergründet wird?

Oder vielleicht sogar dass unglaubliche aber doch von so vielen Fans angedachte Familienzusammenhänge zwischen Snape und dem von uns gering geschätzten Harry Potter zu Tage gefördert werden?

 

Nun, nichts davon geschieht in "Harry Potter and the Order Of The Phoenix" in Vollendung, aber alles ist doch irgendwie offen ...

 

Zwar bleibt Zauberknilch Harry unumstößlich Held und Mittelpunkt der Geschichte, sein Heldentum vor allem in tragischen Geschehnissen begründet, doch passiert in diesem fünften Band zum ersten Mal in der „Harry Potter" - Reihe etwas Außergewöhnliches Severus Snape betreffend:

Der Zaubertränkelehrer, bisher nur als widerwärtiger, kalter Zynismusbolzen (mit Charme, den nur die unsrigen Seelen erahnen können) bekannt, erhält von JKR eine Kindheit - und somit Menschlichkeit, aber vor allem: Verletzlichkeit.

Leider viel zu kurz vermag ausgerechnet Snapes am meisten verabscheuter Schüler Harry Potter in die Gedankenwelt seines Lehrers blicken und eröffnet dem Leser damit ein Kindheit-Szenario des Schreckens.

Tränen. Der kleine Severus weint.

 

Das ist interessant, aber leider viel zu kurz gehalten!

JKR darf dieses Thema nicht anreißen und es wie eine offene Wunde vor sich hin bluten lassen, wenn sie nicht beabsichtigt, Snapes Kindheit bzw. Snapes Charakter im nächsten (vielleicht aber auch erst im finalen) Band näher auszuleuchten.

Sie muss es einfach tun!

Ansonsten würde sie das weinende Severus-Kind auf ewig Tränen verschütten lassen und es würde an ihnen ersticken ...

Aber sie wird, sie wird!

Führen wir uns nur den entschlossenen Dumbledore vor Augen, wenn Harry Potter wieder einmal gegen Snape sticheln will:

"Ich vertraue Severus Snape."

Diesen Ausspruch des Direktors lasen wir bereits in einigen Vorgängerbänden.

WARUM er ihm aber so scheinbar blindlings vertraut, werden wir immer noch nicht gewahr.

Dumbledore muss wahrlich große Stücke auf den Mann halten, sonst würde er nicht gerade IHM den Occlumency-Unterricht für Potter anvertrauen und Harry zum Schluss des Romans nicht korrigieren, als dieser unhöflich über Snape daher poltert, ohne "Professor" voranzustellen.

 

Ich komme von der Ahnung nicht los, dass irgendeine außergewöhnliche Bindung zwischen Dumbledore und Snape besteht, eine die über die augenscheinliche (die besteht, weil Dumbledore Snape eine zweite Chance gab) hinausgeht ...

Fast bin ich geneigt, irgendein verwandtschaftliches Verhältnis in den Snape-Dumbledore-Potter-Komplex rein zu interpretieren. Damit meine ich nicht, dass jeder mit jedem, sondern, dass EINER von diesen mit einem anderen verwandt ist.

Nun ja, wir werden sehen ...

 

Neben dem kurzen Kindheitseinblick schenkt uns JKR noch etwas, das Kratzer auf das sonst so aufrichtig gepflegte Unmensch-Image von Snape bringt:

Die Rettungsaktion gegen Ende der Lektüre!

Laut dem Direktor folgte der Tränkelehrer Potter und Granger in den Verbotenen Wald, als diese von Umbridge dazu gezwungen wurden, ihr die "Waffe" zu zeigen. Darauf hin leitete Snape die Rettung der Schüler ein, indem er Dumbledore alarmierte.

Ohne ihm nun ein Gutmensch-Dasein andichten zu wollen, gehe ich davon aus, dass JKR in ihm nicht nur einen verhassten und hassenden Lehrer sieht. Gang im Gegenteil, es scheint mir so, als trüge Severus Snape eine Schlüsselrolle, über deren Relevanz und Prägnanz heute noch nicht diskutiert werden kann.

Leider mutet mir sein Part aber auch mehr und mehr wie eine Opferrolle an. Zwar gehe ich davon aus, dass JKR ihn erst im finalen Band über die Klinge springen lassen wird, doch meine ich, dass daran kein Weg vorbei führt. Es ist mehr mein Gefühl als ein Resultat faktisch-kausaler Überlegung, aber ich denke, dass Snape im Kampf als Schutzschild von Dumbledore oder Potter sterben könnte, wahrscheinlich weil er noch in der Schuld des ersteren steht ...

 

Nun denn, das sind alles nur Spekulationen.

Spekulationen, für die uns Band 5 der Potter-Reihe genügend Nährboden liefert.


Was aber geschieht unmittelbar im Roman?

768 Seiten sind eine gewaltige Menge; die Erwartungen an JKR waren extrem hoch.

Konnte sie ihnen gerecht werden?

 

Jein.

 

Die Potter-Fangemeinde wird sich an diesem Buch gespalten haben.

 

Den einen wird der Roman zu vorhersehbar geraten sein, denn JKR greift viele ihrer bekannten Schemata auf:

Harry muss die Sommerferien bei seinen ungerechten Muggelverwandten fristen, etwas Unübliches geschieht im Ligusterweg, Harry entkommt den Verwandten durch einen brisanten Umstand und muss doch nicht die gesamten Ferien bei den Dursleys verbringen, er verweilt eine Zeit lang woanders, gelangt später nach Hogwarts und erlebt dort gegen Ende des Schuljahres etwas außerordentlich Lebensgefährliches.

Das ist der Ablauf, den Rowling schon in den meisten der Vorgänger-Romane anwandte. Manch einen wird es ärgern, denn seien wir doch mal ehrlich, am Interessantesten ist es immer noch, wenn Potter endlich in der Schlossschule angekommen ist. Schon in Band 4 waren viele wegen des detaillierten Quidditch-Turniers genervt, diesmal könnten sie sich an der etwas langweiligen Gerichtsverhandlung stoßen.

Gewiss wird diese Riege der Potter-Fans auch vom Ende enttäuscht sein. Sirius stirbt überraschend, Potter trauert verklemmt und Dumbledore setzt zur großen Erklärung an - die aber leider keine ist.

Voll von Erwartungen klebte ich an jedem seiner Worte, als ich las: "Setz Dich, ich werde Dir alles erzählen."

Letztendlich erzählt er ihm aber gar nichts, trotz der pompösen Ankündigung.

Voldemort will Harry töten. In einem Endkampf werden sie sich gegenüberstehen. Dabei wird einer sterben.

Das ist nichts Neues. Von etwas Anderem bin ich niemals ausgegangen. Viele andere Fans gewiss auch nicht.

Und dann kommt der Direktor wieder einmal auf den Schutzzauber zu sprechen, der Harry während der Schulferien im Lingusterweg sicher hält: der Zauber der Liebe.

Hach ja, die Liebe ... sie passt irgendwie schwerlich in die sonst eher emotionslose Potter-Welt, in der sich der Titelheld nach dem Verlust seines Paten nicht einmal dazu imstande sieht, vor anderen loszuheulen. Und auch das dürftige Herumgeknutsche mit Cho Chang wirkt eher verhalten denn leidenschaftlich.

Wieso herrscht solch eine Verklemmtheit?

Nun gut, gegen Ende läuft Albus eine Träne in den Bart und zwischendurch deutet er züchtig an, dass Harry sehr viel mehr als nur ein Schüler von vielen für ihn ist - aber wieso muss das schon alles sein? Hält es eine gewisse Spannung, eine Erwartungshaltung, aufrecht? Warten wir vielleicht unterbewusst immerzu darauf, dass sich die Figuren endlich herzlicher verhalten und sich ihre Liebe zeigen?

Nicht erst in diesem Band fällt mir die Unterdrückung von Gefühl auf, nein, sie war schon seit jeher, schon seit „Der Stein der Weisen", prädominant.

Harry weint nie vor anderen, erst recht niemals kathartisch, er und Ron umarmen sich im fünften Band nicht ein einziges Mal, Harry und Sirius nehmen einander nur kurz und kühl in den Arm und mit Dumbledore kommt es sowieso zu keinerlei körperlich-emotionalem Kontakt.

Wieso nicht?

Hat JKR Angst, sie könnte damit die Gerüchte um eine Homosexualität Harrys noch weiter schüren?

Ich finde diese Repression des Emotionalen schade, denn ich sehe die Gefahr, dass JKR ihren Helden daran mehr und mehr verbittern lassen muss, wenn sie ihm nicht bald eine größere Katharsis beschert.

Bislang erfolgte diese bei Potter stets durch Erfolge: durch Quidditch-Gewinne oder Siege über das Böse.

Dieses Mal ist es anders. Er steht ohne einen Triumph in der Hand da, schlimmer noch: Die Katastrophe ist komplett - Sirius ist von ihm gegangen.

In diesem Band erscheint Potter sowieso launisch wie nie, ist grob, laut und phasenweise unausstehlich, was zwar interessant und menschlich ist aber konträr zu seinem ab und an leicht naivem Auftreten steht.

Wenn er sich auf dieser Schiene weiter entwickelt, könnte er zu einem zweiten Snape gedeihen ...

 

"Es ist doch alles nur Fiktion!", werden die Band 5-Begeisterten schreien, "Fantasie! Eine Fantasiewelt mit ihren eigenen fantastischen Regeln!"

Darin kann es schonmal passieren, dass der Titelheld gleichwohl verkrampft und verbissen als auch dümmlich und naiv daher kommt oder die Zauberwelt als dummer Haufen Magier unter einer letzten Endes noch dümmeren Diktatur, welche die Tatsachen nicht anerkennen will, erscheint.

Vielleicht gehören solche kausalen bzw. rationalen Unebenheiten genauso in ein Fantasiebuch, für Kinder konzipiert, wie Trolle, Zentauren, Riesen und Zauberer und Hexen selbst. Vielleicht ist erst alles zusammen, die unrealistische Handlung, die unrealistischen Gegebenheiten neben den unrealistischen Figuren das, was das Buch rund macht ...

Das typische Rowling-Flair entschädigt jedenfalls für vieles, ihr mitreißender Erzählfluss, der zwischendurch sogar der literarischen Weltklasse zuzuordnen ist, nimmt den Leser wie gewohnt an die Hand und führt ihn durch eine plastisch gemachte Welt - plastisch gemacht durch fantastische Details, einen spannenden Handlungsverlauf und interessante Wendungen.

Man versinkt in der Welt der Magie, wünscht sich ein Teil davon zu sein und ist es während des Lesens sowieso schon längst. Nur schwerlich lässt sich das Buch zur Seite legen, weil Rowling stets Rätsel aufbaut, die einen durch den Roman ziehen und ihre Aufklärung erst viel später stattfindet - oder gar nicht.

Wenn auch noch so viele Holprigkeiten in Kausalität und (innerem) Realismus auftreten, "Harry Potter" bleibt ein Phänomen.

 

Und wieder beginnt die Zeit des Wartens.

Und wieder bilden sich in Millionen Gehirnen gieriger HP-Fans wilde Fortsetzungstheorien.

 

Und mit bangem Herzen sehe ich der Zukunft Snapes entgegen, dessen Opferung um Längen wahrscheinlicher ist als die Harry Potters selbst.