Eine Buchkritik von Sister
Ich werde mir hier einen Kurzzusammenfassung
des Inhaltes ersparen, da ich gleich zum Essentiellen übergehen möchte und
bitte darum meine Kritik als Buchbesprechung für diejenigen, die das Buch
bereits gelesen haben, zu verstehen.
Der 5. Band der Harry Potter Reihe unterscheidet sich
von den ersten vier Bänden besonders dadurch, dass er mehr ein politisches
Statement darstellt, als eine Erzählung über die Zauberwelt. Es werden zwar
einige Fakten der magischen Welt erklärt, die in den vorangegangenen Bänden
Fragen aufgeworfen haben, aber das Hauptaugenmerk liegt auf einer klar
umrissenen gesellschaftspolitischen Aussage.
J. K. Rowling, hat zweifelsohne die Einstellung zu
Rassismus, Diskriminierung, Massenmanipulation und dem Überwachungsstaat, die
man allgemein als „politicaly correct", bezeichnet. Positiv zu erwähnen ist
auch die Tatsache, dass sie mit ihren Büchern mehr Menschen und vor allem
Kinder erreicht, als irgendein anderer Schriftsteller unserer Zeit. Es ist auch
wunderbar, dass sie eine Generation für das Lesen begeistern kann, die eher dem
Fernseher oder Computer zugetan ist, als Büchern. Für diese Kids ist der 5.Band
auch durchaus geeignet, um über die Problematik der Manipulation und des
Machthungers einzelner, als Gedankenanstoß zu dienen. Da Rowling ihr Buch aber
selbst nicht als Kinderbuch versteht, berechtigt diese Tatsache sehr wohl zu
der Frage: Was ist mit bereits politisch Gebildeten? Diese bleiben auf der
Strecke. Denn als Leser von diversen Büchern, die sich mit dieser Thematik
auseinandersetzen bzw. als kritischer Beobachter der politischen Entwicklungen
unserer Tage, bleibt eine Enttäuschung nicht aus. Es werden hauptsächlich
Klischees bedient. Wie einfach es doch ist die Massen zu manipulieren. Wie
simpel doch die eingesetzten Werkzeuge zur Unterstützung um dies zu erreichen.
Mir stellen sich hierbei allerdings mehrere Fragen: Wie ist es möglich eine
Gesellschaft derartig problemlos irrezuführen, die zahllose phantasievolle Wege
gefunden hat, um ihre Welt Jahrhunderte lang vor der der „Nichtmagischen" zu
verbergen. Wie ist es möglich, sich mit Magie auseinander zu setzen, dadurch
ein Mittel zur Machtausübung zu besitzen und trotzdem offenbar keinen Zugang zu
philosophischen oder moralischen Überlegungen findet? Wenn dieser Roman über
die nichtmagische Welt erzählen würde,
bliebe als Kritikpunkt nur die etwas plakative Darstellung der Machtausübung,
da es hier aber um eine besondere Gesellschaft geht, eine die eben sehr
phantasievoll und clever agiert, wirken die eingesetzten Mittel der
Manipulation und Machtausübung auf mich sehr unglaubwürdig und konstruiert. Ein
Beispiel: Albus Dumbledore, stets als äußerst mächtiger und hoch angesehener
Zauberer bekannt, lässt sich ohne erkennbare Gegenwehr absetzen und vertreiben.
Dies war schon im 2. Band nicht wirklich nachvollziehbar. Aber es wurde mit
diversen Drohungen Malfoy's gegen die Mitglieder des Schulbeirats erklärt und
vor allem kamen Proteste der Eltern. Hier aber wird sich offensichtlich
ausschließlich auf die diskriminierenden Artikel des Tagespropheten berufen,
die einen Aufstand der Eltern verhindern. Womit ich wieder bei meinen oben
angeführten Fragen angelangt wäre: Wie kann sich eine Gesellschaft…? Im Übrigen
passt es einfach nicht zu der bisherigen Beschreibung seiner Person als
mächtigster Zauberer seine Schule einer
„ministeriumstreuen Wahnsinnigen" zu überlassen. Bei der Gefahr die die
Rückkehr Voldemorts für die Zauberwelt darstellt, ist es für mich unlogisch die
Sanktionen des Ministeriums nahezu widerstandslos hinzunehmen. Womit ich beim
ausführenden Organ angelangt wäre. Professor Umbridge, die schalten und walten
kann, wie es ihr beliebt, da vom Minister persönlich dazu ermächtigt. Eine
ebenfalls sehr klischeehafte Darstellung einer obrigkeitshörigen Dienerin des
Staates. Wenn ich einmal die Bedenken außer Acht lasse, dass Dumbledore und die
Lehrerschaft nichts gegen die Repressalien unternehmen, da ihnen die Hände
gebunden zu sein scheinen (der Grund dafür ist für mich fadenscheinig und es
wurde verabsäumt eben diesen zu verdeutlichen), bleibt für mich immer noch die
Schülerschaft, die viel zu spät gegen das Regime revoltiert. Auch in diesem
Fall ist es für mich unwahrscheinlich, das nicht zumindest die älteren
Jahrgänge die Sache selbst in die Hand nehmen. Ich kann mir auch beim besten
Willen nicht vorstellen, dass sich ein 15jähriger tagelang mit einer magischen
Feder malträtieren lässt. In diesem Alter ist man einfach nicht bereit sich
solche Züchtigungen widerstandslos gefallen zu lassen. Auch vermisse ich in
diesem Zusammenhang die persönliche Weiterentwicklung einiger Charaktere
insbesondere die von Harry und Ron. Die Beiden werden oft als selten einfältig
dargestellt, dass man sich wundert wie die Beiden bis jetzt überleben konnten. Hier
fällt mir als Beispiel für Harrys geradezu idiotisches Verhalten die Tatsache
ein, dass er nach Minervas Überstellung nach St. Mungo, als einzig verbliebenes
Mitglied des Ordens, nicht auf Snape kommt. Ich lasse mir nicht einreden, dass
sein Hass oder seine Misstrauen gegenüber Snape größer sind, als seine Sorge um
Sirius. Zu Snape zu gehen wäre die einzig nachvollziehbare Handlung gewesen
besonders da er weiß, dass Dumbledore ihm bedingungslos vertraut was alleine
dadurch unterstrichen wird, dass er Snape mit dem Unterricht für „Verschließung" (Occlumency) beauftragt
hat und Harry somit gewissermaßen an Snape ausliefert.
Dies waren nur einige Beispiele, die meine kritische
Haltung zu der allzu klischeehaften und simplen Darstellung der Gesellschaft
der Magier und einzelner Personen vielleicht ein wenig erklärt.
Nun möchte ich auch noch ein paar Worte zu den
großartig angekündigten „Enthüllungen" sagen. Was ist mit Rowling's Phantasie
passiert? Ich habe beim Lesen dieses Buches immer gehofft, dass mich der
Schluss bzw. eben diverse Erklärungen zu offenen Fragen, entschädigen werden,
für die meiner Meinung eben zu klischeehaften politischen Stilmittel die die
Geschichte des 5. Bandes tragen. Aber weit gefehlt. Warum will Voldemort Harry
ermorden? Weil er eine Gefahr für ihn ist. Welch Überraschung! Durch eine
Prophezeiung (ausgerechnet von Trelawney!) die besagt, dass nur einer von den
Beiden überleben kann. Wie einfallsreich. Hätte man da nicht noch mehr einbauen
können. Zuerst einmal, warum dem so ist? Eventuell ein verwandtschaftliches
Verhältnis? Oder eine gemeinsame Besonderheit in der Familiengeschichte beider,
die diesen Umstand erklärt? Ich hätte mich auch noch eher mit einer schlechten
Erklärung, als mit gar keiner zufrieden gegeben.
Auch der Grund für die jährliche Rückkehr zu den
Dursleys war nicht gerade eine Offenbarung. Es wurde wieder die Kraft des
Zaubers von Lili bemüht. Also quasi um den Schutzzauber der Liebe, die sie auf
ihn gelegt hat als sie für Harry starb, aufzufrischen. Stimmt ja, Petunia ist
ja auch sehr liebevoll im Umgang mit Harry… ach nein, es geht ja ums gleiche
Blut, dass in ihren Adern fließt. Welch romantisch einfache Vorstellung der
Lösung aller Probleme. Es tut mir leid, aber ich kann hier nichts
Sensationelles entdecken. Es ist eine simple Wiederholung, zugegeben mit
Erweiterung, der Erklärung warum Voldemort Harry nicht töten bzw. berühren
konnte.
Zum Tod von Sirius Black fällt mir folgendes ein: Da
eben der „Auffrischungszauber" nicht gerade das „Gelbe vom Ei" an
Einfallsreichtum als Grund warum Harry einen Teil seiner Ferien bei den
Dursleys verbringen muss, abgibt, muss eben von diesem Umstand abgelenkt werden
indem sie Sirius sterben lässt und Harry damit keine andere Möglichkeit hat als
nach Hause zu fahren. Denn die Weasleys waren bis jetzt ja auch kein
ausreichendes Hindernis. Aber Sirius, einer der besten Zauberer seines
Jahrganges hätte sehr wohl Zweifel aufkommen lassen, warum Harry nicht bei ihm
die Ferien verbringen hätte können, noch dazu mit Bedacht darauf, dass sein
Haus der absolut geheime Stützpunkt des Ordens ist. So aber kann man sich
alleine auf die Auffrischung des Schutzzaubers ausreden, wodurch die Idee dazu,
für mich jedenfalls, auch nicht besser wird. Ganz im Gegenteil sogar einen
Widerspruch zum 4. Band darstellt (Voldemort zapfte ja Harrys Blut an um den
Zauber zu brechen). Vielleicht musste Sirius aber auch deshalb sterben, damit
Harry wieder ganz alleine dasteht und dadurch einen tragischeren Helden abgibt…
Auch die Erklärung, warum einige Tote als Geister
zurückkommen und andere nicht ist äußerst phantasielos: Weil sie es möchten…
Also bitte, einfacher geht es aber nun wirklich nicht mehr.
Es drängt sich mir immer mehr der Eindruck auf, als
wollte Rowling auf „biegen und brechen" die aufgekommen Fragen beantworten und
die ganze Geschichte auf ihr Schlusskapitel, dass ja angeblich schon fertig
geschrieben in irgend einem Tresor liegt, zurechtschneiden, was einen ziemlich
lieblosen Umgang mit dem Buch und der Geschichte darstellen würde.
Nun möchte ich noch auf den Lieblingscharakter der
„Interessensgemeinschaft" zu sprechen kommen. Es war ja wirklich nicht zu
erwarten, dass Severus Snape plötzlich zur Hauptfigur mutiert (*g*), aber mir
persönlich fehlte die Schilderung seiner Rückkehr als Spion in Voldemorts
Reihen. Es wäre doch interessant gewesen, zu erfahren wie er den Lord von
seiner Loyalität überzeugen konnte. Es hätte auch einen weiteren Einblick in
die Psyche des Unnennbaren erlaubt und verdeutlicht wie schwierig es ist,
diesen zu täuschen und vielleicht hätte es auch erklärt, warum ausgerechnet
Snape dazu fähig ist…
Zum Abschluss bleibt mir noch zu erwähnen, dass ich
mir auf jeden Fall auch die deutsche Übersetzung „zu Gemüte" führen werde. Vielleicht
ist mir die Genialität von J. K. Rowling auch nur dadurch verschlossen
geblieben, dass Englisch nun einmal nicht meine Muttersprache ist. Allerdings
kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass meine Ressentiments gegenüber der
allzu einfachen und einseitigen Vorstellung von Massenmanipulation und den politischen
Mitteln der Machtausübung bestehen bleiben werden und ich eine gehörige Portion
an Phantasie vermissen werde, insbesondere wenn ich an so manche Fanfics denke,
die man auf PM's Seite finden kann und die oft eine raffiniertere und
überraschendere Handlung aufweisen als die Fortsetzung der originalen
Geschichte, die leider in mancherlei Hinsicht vorhersehbar war.
Buchkritik von Steffi
Obwohl
ich selbst noch nicht lange Harry Potter Fan bin, hat J.K. Rowling es mit ihrer
ganz eigenen Art zu schreiben schnell geschafft mich in ihren Bann zu ziehen
und wie alle anderen Fans fieberte auch ich der Veröffentlichung des 5. Bandes
zu. Hier nun mein erster Versuch einer Buchkritik, hoffe ihr findet sie
einigermaßen gelungen und auch wenn nicht, würd ich mich über feedback jeder
Art freuen.
Obwohl
der Anfang recht unerwartet ist (auf den Inhalt möchte ich nicht genauer
eingehen, für die, die es noch nicht gelesen haben), zumindest in Bezug auf das
Ende des vierten Kapitels, dieser Trugschluss wird jedoch schnell und logisch
aufgelöst. Die lang ersehnte Rückkehr nach Hogwarts zieht sich zwar etwas hin,
im großen und ganzen ist aber auch die Zeit bis dahin nicht langweilig und
liest sich sehr gut, wobei ich persönlich die Episode im Ministerium nicht
sonderlich interessant fand, denn das Ergebnis war ja zu erwarten. Schon am
Anfang des Schuljahres merkt man, das die neue Lehrkraft (denn es ist ja mal
wieder kein Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste da) mehr Ärger
bereiten könnte, als ein von Voldemort Besessener, ein ehemaliger Todesser und
ein selbstverliebter Trottel zusammen. Und man wird nicht enttäuscht! Das Schuljahr
ist durchzogen von Verwirrung, Enttäuschungen und Versteckspiel und daher
genauso interessant und abwechslungsreich wie immer, auch wenn ein paar der
Szenen schon hart an die Grenze gehen (ich sag nur Quidditch und Denkarium)
aber wie auch die Vorgänger übertrifft der Höhepunkt des Romans selbst die
wildeste Vorstellung des Lesers und zieht in diesem Fall sogar sehr traurige
und schwerwiegende Konsequenzen nach sich. Die letzten Tage in Hogwarts warten
für Harry mit einer neuen Überraschung auf, die allerdings nicht angenehmer Art
ist und mich schon etwas beunruhigt hat, dafür fällt der Schluß zu sachte aus.
Wir sind es ja gewohnt, dass Harry auf der Heimfahrt eine lockere Stimmung an
den Tag legt und gegenüber seinen Verwandten alles magische verschweigt aber
nach den Ereignissen und Offenbarungen in HP5 hätte ich doch am Ende etwas
anderes erwartet.
Im
Großen und Ganzen erfüllt das Buch aber die hohen Erwartugen, die an es
gestellt wurden. Obwohl es von mehr Spannungen und Traurigkeit erfüllt ist als
seine Vorgänger und sicher nicht mehr in der Kinderabteilung stehen sollte, zieht
es jeden Harry Potter Fan sofort in seinen Bann, deckt einige wohl gehütete
Geheimnisse auf und der gewohnte faszinierende Schreibstil von Rowling macht es
einem nicht einfach über dem Buch nicht alles andere zu vergessen.
von Emi
„Snape wird
sterben und Harry sein Nachfolger ..."
Unendlich lang
schien uns die Zeit zu werden.
Wir versüßten uns
die lange Rowling'sche Durststrecke mit selbst gezauberten Fanfictions, die uns
durchaus den ein oder anderen schönen Moment bescherten.
Dann aber war es
endlich soweit!
Der Tag, der zwar
offiziell festgesetzt war, uns zwischenzeitlich aber in doch so unrealistisch
weiter Ferne erschien, rückte unaufhaltsam näher.
Und wir zitterten
- das lange, mit Gier gepflasterte Warten hatte ihn für uns zu einem heiligen
Mysterium gemacht.
Dementsprechend
viel erwarteten wir, als wir den circa 1 kg schweren Wälzer tatsächlich in
Händen hielten.
Was hatten wir
eigentlich genau erwartet?
Dass JKR unseren
geliebten Severus Snape endlich mehr in den Mittelpunkt rückt?
Dass die von uns
allen erahnte Subtilität des Zaubertränkemeisters in diesem Band offenbart und
ergründet wird?
Oder vielleicht
sogar dass unglaubliche aber doch von so vielen Fans angedachte
Familienzusammenhänge zwischen Snape und dem von uns gering geschätzten Harry
Potter zu Tage gefördert werden?
Nun, nichts davon
geschieht in "Harry Potter and the Order Of The Phoenix" in
Vollendung, aber alles ist doch irgendwie offen ...
Zwar bleibt
Zauberknilch Harry unumstößlich Held und Mittelpunkt der Geschichte, sein
Heldentum vor allem in tragischen Geschehnissen begründet, doch passiert in
diesem fünften Band zum ersten Mal in der „Harry Potter" - Reihe etwas
Außergewöhnliches Severus Snape betreffend:
Der
Zaubertränkelehrer, bisher nur als widerwärtiger, kalter Zynismusbolzen (mit
Charme, den nur die unsrigen Seelen erahnen können) bekannt, erhält von JKR
eine Kindheit - und somit Menschlichkeit, aber vor allem: Verletzlichkeit.
Leider viel zu
kurz vermag ausgerechnet Snapes am meisten verabscheuter Schüler Harry Potter
in die Gedankenwelt seines Lehrers blicken und eröffnet dem Leser damit ein
Kindheit-Szenario des Schreckens.
Tränen. Der kleine
Severus weint.
Das ist
interessant, aber leider viel zu kurz gehalten!
JKR darf dieses
Thema nicht anreißen und es wie eine offene Wunde vor sich hin bluten lassen,
wenn sie nicht beabsichtigt, Snapes Kindheit bzw. Snapes Charakter im nächsten
(vielleicht aber auch erst im finalen) Band näher auszuleuchten.
Sie muss es
einfach tun!
Ansonsten würde
sie das weinende Severus-Kind auf ewig Tränen verschütten lassen und es würde
an ihnen ersticken ...
Aber sie wird, sie
wird!
Führen wir uns nur
den entschlossenen Dumbledore vor Augen, wenn Harry Potter wieder einmal gegen
Snape sticheln will:
"Ich vertraue
Severus Snape."
Diesen Ausspruch
des Direktors lasen wir bereits in einigen Vorgängerbänden.
WARUM er ihm aber
so scheinbar blindlings vertraut, werden wir immer noch nicht gewahr.
Dumbledore muss
wahrlich große Stücke auf den Mann halten, sonst würde er nicht gerade IHM den
Occlumency-Unterricht für Potter anvertrauen und Harry zum Schluss des Romans nicht
korrigieren, als dieser unhöflich über Snape daher poltert, ohne
"Professor" voranzustellen.
Ich komme von der
Ahnung nicht los, dass irgendeine außergewöhnliche Bindung zwischen Dumbledore
und Snape besteht, eine die über die augenscheinliche (die besteht, weil
Dumbledore Snape eine zweite Chance gab) hinausgeht ...
Fast bin ich
geneigt, irgendein verwandtschaftliches Verhältnis in den
Snape-Dumbledore-Potter-Komplex rein zu interpretieren. Damit meine ich nicht,
dass jeder mit jedem, sondern, dass EINER von diesen mit einem anderen verwandt
ist.
Nun ja, wir werden
sehen ...
Neben dem kurzen
Kindheitseinblick schenkt uns JKR noch etwas, das Kratzer auf das sonst so
aufrichtig gepflegte Unmensch-Image von Snape bringt:
Die Rettungsaktion
gegen Ende der Lektüre!
Laut dem Direktor
folgte der Tränkelehrer Potter und Granger in den Verbotenen Wald, als diese
von Umbridge dazu gezwungen wurden, ihr die "Waffe" zu zeigen. Darauf
hin leitete Snape die Rettung der Schüler ein, indem er Dumbledore alarmierte.
Ohne ihm nun ein
Gutmensch-Dasein andichten zu wollen, gehe ich davon aus, dass JKR in ihm nicht
nur einen verhassten und hassenden Lehrer sieht. Gang im Gegenteil, es scheint
mir so, als trüge Severus Snape eine Schlüsselrolle, über deren Relevanz und Prägnanz
heute noch nicht diskutiert werden kann.
Leider mutet mir
sein Part aber auch mehr und mehr wie eine Opferrolle an. Zwar gehe ich davon
aus, dass JKR ihn erst im finalen Band über die Klinge springen lassen wird,
doch meine ich, dass daran kein Weg vorbei führt. Es ist mehr mein Gefühl als
ein Resultat faktisch-kausaler Überlegung, aber ich denke, dass Snape im Kampf
als Schutzschild von Dumbledore oder Potter sterben könnte, wahrscheinlich weil
er noch in der Schuld des ersteren steht ...
Nun denn, das sind
alles nur Spekulationen.
Spekulationen, für
die uns Band 5 der Potter-Reihe genügend Nährboden liefert.
Was aber geschieht unmittelbar im Roman?
768 Seiten sind
eine gewaltige Menge; die Erwartungen an JKR waren extrem hoch.
Konnte sie ihnen
gerecht werden?
Jein.
Die
Potter-Fangemeinde wird sich an diesem Buch gespalten haben.
Den einen wird der
Roman zu vorhersehbar geraten sein, denn JKR greift viele ihrer bekannten
Schemata auf:
Harry muss die
Sommerferien bei seinen ungerechten Muggelverwandten fristen, etwas Unübliches
geschieht im Ligusterweg, Harry entkommt den Verwandten durch einen brisanten
Umstand und muss doch nicht die gesamten Ferien bei den Dursleys verbringen, er
verweilt eine Zeit lang woanders, gelangt später nach Hogwarts und erlebt dort
gegen Ende des Schuljahres etwas außerordentlich Lebensgefährliches.
Das ist der
Ablauf, den Rowling schon in den meisten der Vorgänger-Romane anwandte. Manch
einen wird es ärgern, denn seien wir doch mal ehrlich, am Interessantesten ist
es immer noch, wenn Potter endlich in der Schlossschule angekommen ist. Schon
in Band 4 waren viele wegen des detaillierten Quidditch-Turniers genervt,
diesmal könnten sie sich an der etwas langweiligen Gerichtsverhandlung stoßen.
Gewiss wird diese
Riege der Potter-Fans auch vom Ende enttäuscht sein. Sirius stirbt
überraschend, Potter trauert verklemmt und Dumbledore setzt zur großen
Erklärung an - die aber leider keine ist.
Voll von
Erwartungen klebte ich an jedem seiner Worte, als ich las: "Setz Dich, ich
werde Dir alles erzählen."
Letztendlich
erzählt er ihm aber gar nichts, trotz der pompösen Ankündigung.
Voldemort will Harry töten. In einem Endkampf werden sie sich
gegenüberstehen. Dabei wird einer sterben.
Das ist nichts
Neues. Von etwas Anderem bin ich niemals ausgegangen. Viele andere Fans gewiss
auch nicht.
Und dann kommt der
Direktor wieder einmal auf den Schutzzauber zu sprechen, der Harry während der
Schulferien im Lingusterweg sicher hält: der Zauber der Liebe.
Hach ja, die Liebe
... sie passt irgendwie schwerlich in die sonst eher emotionslose Potter-Welt,
in der sich der Titelheld nach dem Verlust seines Paten nicht einmal dazu
imstande sieht, vor anderen loszuheulen. Und auch das dürftige Herumgeknutsche
mit Cho Chang wirkt eher verhalten denn leidenschaftlich.
Wieso herrscht
solch eine Verklemmtheit?
Nun gut, gegen
Ende läuft Albus eine Träne in den Bart und zwischendurch deutet er züchtig an,
dass Harry sehr viel mehr als nur ein Schüler von vielen für ihn ist - aber
wieso muss das schon alles sein? Hält es eine gewisse Spannung, eine
Erwartungshaltung, aufrecht? Warten wir vielleicht unterbewusst immerzu darauf,
dass sich die Figuren endlich herzlicher verhalten und sich ihre Liebe zeigen?
Nicht erst in
diesem Band fällt mir die Unterdrückung von Gefühl auf, nein, sie war schon
seit jeher, schon seit „Der Stein der Weisen", prädominant.
Harry weint nie
vor anderen, erst recht niemals kathartisch, er und Ron umarmen sich im fünften
Band nicht ein einziges Mal, Harry und Sirius nehmen einander nur kurz und kühl
in den Arm und mit Dumbledore kommt es sowieso zu keinerlei
körperlich-emotionalem Kontakt.
Wieso nicht?
Hat JKR Angst, sie
könnte damit die Gerüchte um eine Homosexualität Harrys noch weiter schüren?
Ich finde diese
Repression des Emotionalen schade, denn ich sehe die Gefahr, dass JKR ihren
Helden daran mehr und mehr verbittern lassen muss, wenn sie ihm nicht bald eine
größere Katharsis beschert.
Bislang erfolgte
diese bei Potter stets durch Erfolge: durch Quidditch-Gewinne oder Siege über
das Böse.
Dieses Mal ist es
anders. Er steht ohne einen Triumph in der Hand da, schlimmer noch: Die
Katastrophe ist komplett - Sirius ist von ihm gegangen.
In diesem Band
erscheint Potter sowieso launisch wie nie, ist grob, laut und phasenweise
unausstehlich, was zwar interessant und menschlich ist aber konträr zu seinem
ab und an leicht naivem Auftreten steht.
Wenn er sich auf
dieser Schiene weiter entwickelt, könnte er zu einem zweiten Snape gedeihen ...
"Es ist doch
alles nur Fiktion!", werden die Band 5-Begeisterten schreien,
"Fantasie! Eine Fantasiewelt mit ihren eigenen fantastischen Regeln!"
Darin kann es
schonmal passieren, dass der Titelheld gleichwohl verkrampft und verbissen als
auch dümmlich und naiv daher kommt oder die Zauberwelt als dummer Haufen Magier
unter einer letzten Endes noch dümmeren Diktatur, welche die Tatsachen nicht
anerkennen will, erscheint.
Vielleicht gehören
solche kausalen bzw. rationalen Unebenheiten genauso in ein Fantasiebuch, für
Kinder konzipiert, wie Trolle, Zentauren, Riesen und Zauberer und Hexen selbst.
Vielleicht ist erst alles zusammen, die unrealistische Handlung, die
unrealistischen Gegebenheiten neben den unrealistischen Figuren das, was das
Buch rund macht ...
Das typische
Rowling-Flair entschädigt jedenfalls für vieles, ihr mitreißender Erzählfluss,
der zwischendurch sogar der literarischen Weltklasse zuzuordnen ist, nimmt den
Leser wie gewohnt an die Hand und führt ihn durch eine plastisch gemachte Welt
- plastisch gemacht durch fantastische Details, einen spannenden
Handlungsverlauf und interessante Wendungen.
Man versinkt in
der Welt der Magie, wünscht sich ein Teil davon zu sein und ist es während des
Lesens sowieso schon längst. Nur schwerlich lässt sich das Buch zur Seite
legen, weil Rowling stets Rätsel aufbaut, die einen durch den Roman ziehen und
ihre Aufklärung erst viel später stattfindet - oder gar nicht.
Wenn auch noch so
viele Holprigkeiten in Kausalität und (innerem) Realismus auftreten,
"Harry Potter" bleibt ein Phänomen.
Und wieder beginnt
die Zeit des Wartens.
Und wieder bilden
sich in Millionen Gehirnen gieriger HP-Fans wilde Fortsetzungstheorien.
Und mit bangem
Herzen sehe ich der Zukunft Snapes entgegen, dessen Opferung um Längen
wahrscheinlicher ist als die Harry Potters selbst.