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Ein Interview mit Alan Rickman über seine Arbeit

 

von Carol Muskoron, 2003

 

Übersetzung: Sisal, Chrisssstine, Batwitch (Danke!!)

 

 

Er ist in den 50ern, sehr sexy und spielt neben Emma Thompson, Hugh Grant und Liam Neeson in dem neu erschienenen Film ‚Love Actually', der jetzt schon als einer der größten Filme in der britischen Filmgeschichte gehandelt wird.

 

 

Nervt es Sie, dass Frauen Sie eher nach Ihren möglichen Fähigkeiten im Bett bewerten, als nach Ihren Schauspielkünsten?

 

Das amüsiert mich! Ich versuche, als Schauspieler so ehrlich, offen und direkt zu sein, wie ich kann. Ich habe mitbekommen, dass, wenn man so frei heraus arbeitet, eine Art Anziehung entsteht, denn die Menschen sehen darin einen Weg zu dir als Person, oder sie glauben es zumindest. Das lässt sicherlich eine Anziehung entstehen; das hat nichts mit dem üblichen Aussehen zu tun; es sind die Emotionen, in die ein Schauspieler hineingerät.

 

Nach dem Sheriff von Nottingham in ‚Robin Hood' und dem Bösewicht in ‚Die Hard' - glauben Sie, dass Sie ein wenig in die Schublade der Bösewichte geraten sind?

 

Nein. Ich habe schon sehr verschiedene Charaktere gespielt. Sie sind alle anders als ich - das glaube ich sowohl von TMD, von S&S *schnief* als auch von den Bösewichten.

 

Aber mögen Sie vielleicht mehr die abgefahreneren als die normalen Rollen?

 

Ich mag alles, wirklich. Wenn Sie von mir minimalistisches und glaubwürdiges Spiel wollen, das ist für mich genauso interessant wie das abgefahrene. Ein Film wie ‚Love Actually' ist ziemlich verhalten, aber er ist nichtsdestotrotz eine Herausforderung. Auf eine bestimmte Art ist es vielleicht einfacher, aus allen Rohren gleichzeitig zu schießen. Viele Dinge, um die es aber in ‚Love Actually' geht, werden gar nicht gesagt - zwischen mir und Emma sowieso nicht.

 

War es, als ob man zufällig eine Ex wiedertrifft, als Sie Emma Thompson am Set von ‚Love Actually' sahen?

 

Nun, es fühlte sich irgendwie an, wie wenn man sich auf bekanntem Terrain bewegt. Wir haben bis jetzt vier Filme zusammen gemacht - 'Sense and Sensibility', ich war ihr Regisseur in 'The Winter Guest' und 'Judas' Kiss' (wo wir eine romantische Beziehung hatten). Aber Emma und ich haben einen zu großen Sinn für Humor entwickelt, um das alles zu ernst zu nehmen - am Set zuviel zu lachen ist oft ein Problem. Jeder hatte so wenig Zeit, im Film zu sagen, wer sein Charakter ist und wenn man rüberbringen muss 'Hier ist ein Paar, das seit einer Weile verheiratet ist und sie haben zwei Kinder', muss man das in schnellen, kurzen Streichen machen. Also, alles in allem hilft die Tatsache, dass wir enge Freunde sind. Vielleicht ist das der Grund, wieso Richard [Curtis, Regisseur/Drehbuchautor von Love Actually] wollte, dass wir diese Rollen spielen.

 

Verbringen Sie viel Zeit in Hollywood?

 

Wenn ich dort arbeite.

 

Gefällt es Ihnen da?

 

Ja, denn du kannst um zehn Uhr morgens ins Kino gehen und es gibt niemanden, der neben dir Popcorn isst. Und ich habe dort gute Freunde, die nicht in diesem Geschäft sind, und es gibt wundervolle Orte auf dem Land, wo man hingehen kann. Ich verbringe einen Tag damit, unter Joshua-Bäumen zu spazieren oder fahre hoch nach San Francisco.

 

Gab es einen Punkt in Ihrer Karriere, wo Sie dachten: 'Ich habe es geschafft'?

 

Das ist immer noch nicht eingetroffen!

 

Doch, das ist es!

 

Nein, denn da gibt es immer Leute, die mit einer Machete rumlungern. Jedes Mal, wenn du denkst, du hast es geschafft, macht dich jemand ein Stück kürzer. Cate Blanchett sagte einmal etwas sehr Wahres. Sie sagte, der Horizont verschiebe sich immer, aber dass es eine gute Sache wäre. Ein gutes Gefühl, niemals ganz angekommen zu sein.

 

Und als Sie wussten, dass Ihr Name volle Kinosäle garantiert, hatten Sie nicht das Gefühl, Sie könnten sich zurücklehnen und sagen 'Hier habe ich etwas Gutes vollbracht'?

 

Ähm ... die Arbeit ist das Entscheidende, nicht, ob der Name die Kinos füllt.

 

Sind Sie immer noch ein eiserner Anhänger der Labour-Partei?

 

Nun ja, ich denke auf jeden Fall 'Wen sonst könnte ich wählen?'

 

Also eher Anhänger, aber kein eiserner?

 

Nun, nicht unkritisch, aber andererseits war ich das nie. Ich denke, das ist eine sehr, sehr komplizierte Welt und ich glaube nicht, dass man sich leicht an etwas anschließt.

 

Mochten Sie die Arbeit mit Richard Curtis?

 

Ja, er ist wunderbar.

 

Hatten Sie schon mal mit ihm zusammen gearbeitet?

 

Nie. Und das war sein erster Film als Regisseur, ich hatte bis jetzt nur bei einem Film Regie geführt und deshalb beneidete ich seine unglaubliche Gelassenheit und sein Gespür dafür, was er wollte und was er machte. Ich schätze, es hilft, wenn man es [das Drehbuch] selbst geschrieben hat. Er war großartig.

 

Haben Sie einen großen Unterschied in Ihrer Karriere bemerkt, seit Sie Snape in den ‚Harry Potter'-Filmen gespielt haben?

 

‚Harry Potter' empfinde ich so, als wäre es ein ganz anderer Teil meines Lebens. Es ist irgendwie nicht der Teil von mir, der ‚Private Lives' im West End gespielt hat und der, der Regie führte und ‚Love Actually' drehte. ‚Harry Potter' ist wie eine Art Nische in meinem Leben, die ich von Zeit zu Zeit besuchen gehe.

 

Haben Sie alle Harry Potter-Bücher gelesen? Sind Sie ein Fan?

 

Man kann nicht aufhören, die Seiten umzublättern, nicht wahr? Aber ich habe sie nicht alle gelesen - ich habe versucht, soweit aufzuholen, wie wir filmen.

 

Die Rolle des Snape schien so perfekt für Sie zu sein… Sie beinhaltete etwas, dass so aussah, als wären Sie gefordert und doch gleichzeitig irgendwie eingeschränkt gewesen. Haben Sie das gespürt?

 

Eine gute Form der Zusammenstellung, tatsächlich. Weil es das ist, wie Snape ist. Er ist ein so stilles Wasser. Und die Schwierigkeit ist, dass es soviel gibt, das wir noch nicht wissen, weil JK Rowling es nicht enthüllt hat. Ich weiß ein paar Dinge von all dem, die Sie nicht wissen und ich sage nichts...

 

Wie verschaffen Sie sich das furchtbare Snape-Haar?

 

Einfach. Es ist eine Perücke.

 

Gibt es eine Theaterrolle, die Sie noch reizen würde?

 

Also, leider geht es damit zu Ende, je älter man wird. Man denkt immer wieder: ‚Oops! Die Rolle kann ich nicht spielen' und ‚Das ist vorbei'! Je älter man wird, umso mehr Rollen lässt man aus.

 

Ziehen Sie das Theater dem Film vor?

 

Nein. Und nachdem ich ein Jahr auf der Bühne gestanden hatte, war das Letzte, was ich tun wollte, ein anderes Theaterstück zu spielen. Es ist ein Balance-Akt.

 

Strapaziert Sie das Theater mehr?


Ja.

 

Gibt es Ihnen auch mehr?

 

Nicht immer. Manchmal nimmt es mehr als es gibt. Es ist eine sehr spezielle Wissenschaft, besonders, wenn die Rezensionen ein Erfolg sind, sodass das Theater vollgestopft ist und es Leute gibt, die stöhnen, weil sie kein Ticket bekommen können - und du bist nur ein kleiner Schauspieler. Eine Eröffnungsvorstellung am Broadway bedeutet Druck, aber das ist es, was ich nun mal mache. Es ist ein Teil des Jobs. Es ist großartig, wenn der Vorhang am Ende fällt... und es ist auch großartig, während man spielt. Es ist nur so, dass es hart ist, zwei geschlagene Stunden diese Konzentration aufrecht zu erhalten. In einem Film kann man es wenigstens noch einmal machen, wenn man es vermasselt hat.

 

Was ist der beste Satz, den Sie jemals in einem Film geäußert haben?

 

Nun, das war in einer TV-Serie vor Jahren der letzte Satz meines Charakters in der ganzen Angelegenheit. Er drehte sich zu diesen zwei Menschen um, die ihn gerade besiegt hatten und sagte: ‚Möget ihr Beide ewig leben!'

 

 

Das Original ist zu lesen auf:

http://www.handbag.com/gossip/celebrityinterviews/alanrickman/